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editoriall

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silber

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Prolog

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Text AZEGLIO HUPFER bild VERA KALTENECKER

Erwartungsvolle Blicke der Augen Bewegten Lippen wir glauben Soufflieren werden zu können Alles, was immer wir möchten

Im Schutze des Scheins Kehrt Dämmerung ein Die Vergänglichkeit schimmert Das Gold wird zu Silber Das Leben verpflichtet Die Träume verstauben Der Glanz geht verloren In den Blicken der Augen Wenn Silber nicht glänzt Wird Silber zu Grau Aus reif wird zu alt Und Silberlöckchen zu Staub

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Inhalt

GRUNDTON 2

Editorial

5

Prolog

6

Inhalt

Schmitz sieben

Gedicht

Ein Überblick

146

Sponsoren

158

Impressum

6 grundton

Danke

Die Besten zum Schluss

BETON 56

Container

60

Kurios

72

Atelier

84

Detail

88

Portrait

92

Farbe bekennen

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Szenario

Feldtraining

Schnittstelle Größenwahn

Chorgeist

Doppelschicht

Verkaufsschlager

Listenpreis

Taktgefühl Blechmann Kerbholz


POLYTON 42

Schubkraft

124

Fortschritt

Zehntausend Meilen überm Meer

Vorsprung durch Technik

UNTERTON 8 22 108

MONOTON 32

Quellcode

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Richtungswechsel

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Netz voller Gefahren

Immer in Bewegung

Wesenszüge Von Elfen, Feen und Gnomen

Mauerblümchen Stars in der zweiten Reihe

Telefonmann Bitte wählen

Ladenhüter Bedrohte Spezies

STEREOTON 76

Geschwindigkeit Tempolimit


mauerblĂźmchen s

im schatte n d e s tat i s t e n, r e q u i s


sie stehen

e s r a m p e n l i c h t s: iten und kulissen


Görlitz. Eine kleine, unscheinbare Stadt an der Grenze zu Polen: Gebäude aus Spätgotik, Barock, Jugendstil und Renaissance, unterbrochen von modernen Bauten; dazwischen immer wieder Häuser, die etwas heruntergekommen wirken: eingeschlagene Fenster, abgebröckelter Putz und Graffiti an den Wänden. Die Eigentümer wollen die Gebäude nicht renovieren; sie sind ihr Kapital. In der Stadt mit etwa 56000 Einwohnern wurden schon über 100 Filme gedreht. Hollywood im Osten Deutschlands, auch als Görliwood bekannt. Die meisten der dort produzierten Filme spielen in einer vergangenen Zeitepoche, wie Goethe!, In 80 Tagen um die Welt oder Grand Budapest Hotel. Görlitz selbst stellt sich nur selten dar. Meistens verwandelt es sich in Städte wie Berlin, München, New York oder Paris. Häufig wird ein kompletter Stadtteil verkleidet. Wie im Film Goethe!: «Der ganze Untermarkt und teilweise die angrenzenden Straßen, hatte man mit Stoff bedeckt, Erde aufgeschüttet und Kunstschnee verteilt», erklärt Katarzyna Silkeit, Mitarbeiterin der Touristeninformation in Görlitz.

Mittlerweile sind die Görlitzer im Umgang mit Promis geübt. Bei mehreren Produktionen im Jahr triff t man immer wieder bekannte Schauspieler wie Ralph Fiennes oder George Clooney. «In Görlitz ist es nicht so unwahrscheinlich einen Promi zu sehen. Sie sitzen teilweise in Restaurants oder Cafés und man geht einfach vorbei», lacht Katarzyna.

kerstin gosewisch kennt für jeden film die passende Kulisse;

seit Jahren arbeitet sie als Locationscout in Görlitz. Sie hat den ersten und letzten Kontakt mit den Produzenten – bereits 2003 mit dem Locationmanager von Grand Budapest Hotel. «Zu dieser Zeit war das Kaufhaus insolvent. Alleine die Genehmigung zu erhalten, jemanden ins Gebäude zu lassen, war mit großem Aufwand verbunden. Knapp zehn Jahre später bekamen wir schließlich doch noch ein Okay.»

TEXT FELINA AUGUSTIN, MARINA SCHIESSL BILD FELIX BIRKENSEER unterton 11


Grand Budapest Hotel wurde dann von Januar bis März 2013 gedreht – eines der größten Projekte in Görlitz. Der Film gewann viele Preise, unter anderem den Golden Globe in der Kategorie Bester Film und vier Oscars für Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign, Bestes Make-Up und beste Frisuren und für die Beste Filmmusik. Jede Filmproduktion erweckt die leerstehenden Gebäude zum Leben. So wurde aus dem verlassenen Kaufhaus das Grand Budapest Hotel.

von regisseur wes anderson war Gosewisch sehr überrascht. Trotz seiner Erfolge

sei Anderson auf dem Boden geblieben. Vor der Presse schirmte er sich komplett ab. Er war sehr an der Stadt interessiert und wollte so viel wie nur möglich von Görlitz entdecken. So erschien er zu einem Termin gerne auch mal Stunden später. Wenn Anderson auf dem Weg zu Meetings eine passendere Location entgegensprang, wurde oftmals noch der Drehort über Nacht geändert. Bei Dreharbeiten werden Gebiete in der Stadt weiträumig gesperrt; die Bewohner sehen es gelassen. «Einer Bekannten von mir gehört eine Fleischerei. An einem Freitag waren viele Kunden im Laden, die eingekauft haben, und sie sagte: ‹Oh, da können Sie jetzt nicht raus, da wird gerade

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ein Film gedreht.› Die Leute: Ach so, na dann esse ich noch eine Bockwurst», erzählt Katarzyna. Alle Kunden haben, ohne sich zu beschweren, gewartet, bis man den Dreh kurz unterbrach und sie rausgehen konnten.

denkt man an filmproduktion tauchen sofort Bilder von großen Menschen-

massen im Kopf auf, die hektisch hin und her laufen, nach einem energischen Schrei des Regiesseurs einfrieren und keinen Laut mehr von sich geben. Nur ein kleiner Teil davon ist Schauspieler, Regisseur oder Produzent. Die meisten von ihnen laufen bei der Premiere nicht einmal über den roten Teppich. Sie holen einfach nur Kaffee, tragen Lampen umher oder warten stundenlang, nur um ein Mal kurz im Bild aufzutauchen. Ein Komparse bereitet sich tagelang für diesen kurzen Auftritt im Rampenlicht vor – möglicherweise umsonst, falls sich der Regisseur gerade etwas anderes vorstellt. «Als Komparse muss man immer bereit sein. Wenn es nicht passt, dann ist man einfach da», so Katarzyna, die auch als Statistin bei Filmproduktionen in Görlitz mitspielt. In einem Casting werden die Bewerber ausgewählt. Anschließend ist der Steckbrief des

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Komparsen und einige Fotos von ihm in der Kartei. Zu diesem Zeitpunkt weiß der Komparse allerdings noch nicht, ob er beim Dreh dabei ist. Die Zusage kommt manchmal erst einen Tag vorher. Die meisten Komparsen verdienen ihren Lebensunterhalt mit einem anderen Job. «Bei einem Film habe ich die Kostümprobe mitgemacht», erzählt Katarzyna, «war letztendlich im Film aber nicht dabei, so kurzfristig habe ich keine Freigabe von meinem Arbeitgeber bekommen.»

hat der komparse die zusage und ist am Set angekommen, beginnt das

große Warten. Für einen kurzen Auftritt im Film vergehen teilweise acht Stunden oder mehr. Das Ausharren bei Minustemperaturen im Freien lässt manchen an seiner Entscheidung, als Komparse im Film aufzutreten, zweifeln: «Viele machen das auch nur einmal», so Katarzyna. Mit ihren Sprachkenntnissen kann Katarzyna zusätzlich punkten: «Da war eine Szene in einem Zug, der durch verschiedene Länder fährt. Dafür wurden unter anderem polnische Komparsen gesucht. Da habe ich noch mehrere Bekannte und Verwandte als Zuggäste organisiert.» Katarzyna erhielt weitere Aufgaben: Sie wurde Kindermädchen für einen Jungdarsteller. Damals war sie noch Studentin und konnte sich ihre Zeit einteilen. Sie bekam einen Plan und ein Walkie-Talkie. Wenn der Junge zum Set gerufen wurde, begleitete sie ihn zum Dreh. Dazwischen hatte sie selbst ihren Auftritt vor der Kamera; in den Drehpausen vertrieben sie sich die Zeit mit Hausaufgaben oder Spielen.

Im Film ist jeder Komparse zwar nur im Hintergrund zu sehen, trotzdem schenken ihnen die Verantwortlichen viel Aufmerksamkeit: «Bei einem Dreh waren für acht Komparsen extra zwei Mitarbeiter vor Ort, um aufzupassen, ob noch alles gut aussieht und richtig sitzt.» Wenn die ersten Schaulustigen am Set auftauchen, hat man selbst kurz das Gefühl ein Star zu sein. Meistens schirmt die Security den Drehort ab, dennoch verirrt sich der ein oder andere Fußgänger in die abgesperrte Zone. «Da kam eine Gruppe asiatischer Touristen auf uns zu und die haben gesagt: Uh, hier wird ein Film gedreht, die fotografieren wir. Vielleicht sind die bekannt» lacht Katarzyna, als sie uns von ihrem unfreiwilligen Auftritt im Blitzlichtgewitter berichtet.

mit viel selbstbewusstsein und einer Kiste Törtchen

in der Hand spazierte die Konditorin Anemone MüllerGroßmann über den roten Teppich der Berlinale 2014. «Ich wusste nur, dass die Törtchen der rote Faden für den Film sind. Als ich den Film dann in Berlin gesehen habe, habe ich erfahren, was sie mit meinen Törtchen gemacht haben.»

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in königshain findet man das Café CaRe, kurz für Café & Restaurant. Die Besitzerin und Konditorin Anemone Müller-Großmann erhielt einen ungewöhnlichen Auftrag: Sie sollte für den Film Grand Budapest Hotel jede Menge gleich aussehender Törtchen backen: «Und dann standen die irgendwann auf einmal vor der Tür und haben gesagt, wir hätten gerne irgendeinen Klimmbimm. Keiner wusste, wie viel, welchen Umfang das hat und für wen. Ach, das war alles mysteriös.» Zu dieser Zeit ahnte Anemone nicht, was auf sie zukommen sollte. Am Ende hatte sie über tausend Törtchen gebacken. Dreißig Mal mehr, als letztendlich im Film zu sehen sind. Dabei sollte jedes Törtchen genau so aussehen, wie Regisseur Wes Anderson sie skizziert hatte – die größte Herausforderung für sie: «Es ist zwar toll, wenn man vier Kugeln übereinandermalt, aber das bedeutet noch lange nicht, dass das backbar ist.» Als sie die Form der Törtchen nach dutzenden Absprachen festgelegt hatten, tauchte ein neues Problem auf: die Farbkombination aus Pink, Grün und Blau. «Blau ist keine Konditorenfarbe, das tut mir in meinem Herzen weh, wenn ich ein Lebensmittel blau färben muss. Ich frage mich, wie die überhaupt auf mich gekommen sind. Wir halten hier alles natürlich, dezent und monoton – und dort hieß es immer more color, more color.» Alles musste geheim gehalten werden. Die letzten drei Törtchen sorgten zusätzlich für Aufregung. Am vorletzten Drehtag sollte

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sie den kompletten Aufbau der Törtchen ändern. «Die kamen dann zu mir und meinten: Wir bräuchten noch einmal 30 Stück und die sind dann bitte mit einer Rasierklinge in vier gleich große Stücke zu teilen. Das fällt euch jetzt ein? Da hätte man das Produkt ganz anders anlegen müssen, damit das funktioniert». Anemone musste die Törtchen ohne einen sichtbaren Unterschied zu den vorherigen, neu aufbauen. Es gelang ihr letztendlich auch. Das Filmteam vereinnahmte ihr Geschäft gänzlich: «Sie kamen, sahen und siegten. Wir hatten scheinbar vorher kein Leben und es spielte auch keine Rolle, ob wir noch ein Leben nach diesem Film haben.»

im nachhinein schmunzelt sie besonders über eine Aktion.

Für die Berlinale sollte sie weitere 250 Törtchen und eine Torte backen und sie persönlich nach Berlin bringen. «Da bin ich ins Adlon in die Tiefgarage gefahren und hab dann dort in der Küche meine Törtchen auf Untertassen gesetzt. Dann kam mir, wie doof ich eigentlich bin, diese Torte und die Törtchen im Adlon abzuliefern. Für die Besetzung vor Ort hätte es keine Umstände bereitet, sie selbst anzufertigen. Ich meine, wie bescheuert ist das denn, wenn jemand 300 Kilometer fährt, um eine Torte im Adlon abzuliefern, die blau, grün und rosa ist und aussieht, wie für einen Kindergeburtstag gemacht. Die haben mich alle angeschaut, als käme ich aus dem Busch. Besonders, als ich erfahren habe, dass die Torte für den Boss von 20th Century Fox bestimmt war.»


Ohne groß darüber nachzudenken, suchte sie sich ihren eigenen Weg. «Nachdem ich vergebens drei Leute nach dem Weg gefragt hatte, kletterte ich einfach über die Absperrung und bin mit meiner Kiste voller Törtchen über den roten Teppich der Berlinale stolziert», erzählt Anemone lachend. «Der Schein, der oft um eine größere Produktion liegt, täuscht. In Wahrheit sind das auch alles nur Menschen. Besonders die bekannteren Personen mit wichtigen Aufgaben sind höflich und bodenständig geblieben.» Mit diesem Auftrag bekam Anemone einen guten Einblick hinter die Kulissen. Bei einer Filmproduktion wird jede Szene mehrmals gedreht; bei Anderson teilweise bis zu vierzig Mal. Was das für Anemones Törtchen bedeutet, fällt erst auf, wenn im Film letztendlich nur ein kleiner Bruchteil der eineinhalb tausend gebackenen Törtchen zu sehen ist.

Nach der Oscarverleihung wurde ihr erst bewusst, wie groß die Sache wirklich war. Unmittelbar danach standen Medienteams aus aller Welt vor ihrer Tür und fragten nach Interviews. «Den Medienhype verstehe ich bis heute nicht. Ich habe doch einfach nur meine Arbeit erledigt – wie jeden Tag.» Aus den USA kamen mehrere Bestellungen für Törtchen, die Anemone allerdings nicht annahm. Sie erfuhr von einer Ebay-Versteigerung, bei der ein Törtchen mit Originalverpackung für 500 Dollar verkauft wurde. Für Anemone kein Grund abzuheben, sie leitet weiterhin ihr Café und bleibt ihren Prinzipien treu.


telefonmann im dj d o k mit umgebauten wäh lsch eiben


arztkittel legt tor telefonmann -t e l e f o n e n au f


Experimentelle Schlagermusik, Weltraum-Polka und Sesamstraßen-Elektro: So beschreibt dj Doktor Telefonmann die Musik, die er auflegt. Noch verrückter als die Musik, die der Wahlberliner spielt, ist die Art und Weise, wie er sie auflegt. Eingehüllt in einen Arztkittel legt der dj mit eigens dafür umgebauten WählscheibenTelefonen auf. Zeit für ein Telefonat.

Bist du wirklich Doktor? Nein, der Titel ist eigentlich nur dadurch entstanden, weil ich ein rotes Kreuz auf mein weißes MacBook geklebt habe, damit nicht immer dieser Apfel im Dunkeln leuchtet. Mit den Telefonen zusammen hat sich dann Doktor Telefonmann entwickelt.

Text AZEGLIO HUPFER BILD LAURENZ WEIPERT, FLORIAN REITH


Wie bist du auf die Idee gekommen mit Telefonen aufzulegen? Ich habe früher nur mit Schallplatten aufgelegt. Die Idee kam dann mit dem Umstieg auf dj-Software und Laptop. Mit dieser Umstellung ist vieles an Show-Elementen weggefallen, man hat auf einmal nur noch diesen kleinen Laptop und einen Controller, das sieht langweilig aus. Sobald man sich als Musiker oder dj auf eine Bühne stellt, hat man eben auch eine optische Präsenz. Es geht dann nicht mehr alleine um die Musik, sondern auch darum, was die Leute sehen. Also habe ich mir überlegt, ob ich vielleicht eine Kunst-Performance daraus mache. Ich hatte die Idee, das dj-Pult in eine Hotelrezeption umzubauen und jedem, der sich ein Lied wünscht, einen Zimmerschlüssel in die Hand zu drücken und zu sagen: zweiter Stock, dritte

Tür links, ich wünsche einen angenehmen Aufenthalt. Ich habe mich gefragt, was ich dafür bräuchte: eine Pagenuniform, dann ein Schlüsselbrett, ein Telefon, Gästebuch und – Moment mal: Telefon? Telefon! Mir ist aufgefallen, die Bewegungen, die man beim Telefonieren mit einem Wählscheiben-Telefon macht, sind die gleichen wie beim Auflegen: Man hält sich was ans Ohr und dreht an einer runden Scheibe herum. Die Idee hat mich dann nicht mehr losgelassen, ich war wie besessen von dem Gedanken mit Telefonen aufzulegen.


Heute legst du mit umgebauten Wählscheiben-Telefonen auf. Wie funktioniert das? Das Prinzip ist dasselbe wie beim klassischen djing: In der Mitte ein Mischpult und links und rechts davon stehen jeweils ein Plattenspieler, cd-Player oder midi-Controller. Der Unterschied bei mir ist eben nur der, ich lege mit selbstgebauten midi-Controllern auf, die ich in die Gehäuse von zwei Telefonen eingebaut habe. Die Wählscheiben funktionieren dabei wie Jogwheels und für das Vorhören des jeweiligen Kanals benutze ich die Telefonhörer anstelle von Kopfhörern.

Neben deinem Equipment ist auch die Musik, die du damit auflegst, besonders. Wie bist du zu dieser außergewöhnlichen Musikauswahl gekommen? Früher habe ich in Clubs hauptsächlich elektronische Musik aufgelegt. Den meisten Spaß hatte ich dann immer morgens um sechs Uhr, wenn alle total durch waren und nur noch ein paar Minuten bis zum Putzlicht blieben. Ich habe mir immer die Frage gestellt, was ich spielen muss, damit die Leute gehen und habe dann möglichst verrücktes Zeug ausgepackt. Meistens ist das aber insofern nach hinten losgegangen, dass die Leute dann erst richtig abgegangen sind und sich über das verrückte Zeug gefreut haben. Daraus ist der Gedanke entstanden einfach den ganzen Abend nur Rausschmeißer-Musik aufzulegen.

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Dein verrücktes Zeug hast du in den vergangenen Jahren unter anderem auf dem Dockville Festival in Hamburg aufgelegt. Zu welchen Events wirst du denn fernab von Festivals eingeladen? Vieles kommt gerade über eine Connection in Dresden. Da gibt es zum Beispiel im Umland eine Landkommune in einer alten Fabrik mit MadMax-Atmosphäre und Industrieromantik. Einmal im Jahr findet dort ein großes Fest statt und die Veranstalter denken sich immer irgendwelche verrückten Aktionen aus. Letztes Jahr haben sie ein Schlammcatchen veranstaltet, wo lauter nackte, nur mit Socken bekleidete Männer sich gekloppt haben, mit dem Ziel, den anderen die Socken zu klauen. Am Ende sind die Teilnehmer herumgelaufen und haben mich und alle anderen Zuschauer umarmt. Anschließend habe ich das wahrscheinlich dreckigste dj-Set meines Lebens abgeliefert.

Könnte aus dem Spaß einmal kommerzieller Erfolg werden – für wie realistisch hältst du das? Ich schätze es als nicht sehr realistisch ein, mein Stil ist eben doch sehr speziell und funktioniert nicht für ein Massenpublikum. Wobei es natürlich auch immer Ausnahmen gibt, die die Regel bestätigen. Ich meine Helge Schneider: Hätte man gedacht, dass er mal so groß wird mit seinem verrückten Zeug? Aber das ist ein großer Ausnahmefall und ich habe auch nicht den Anspruch ein Popstar zu werden. Ich möchte einfach die Musik spielen, an der ich Freude habe, und mir dabei keine Gedanken darüber machen, ob das jetzt möglichst vielen Leuten gefällt oder nicht. 28 unterton


Es gab bestimmt Veranstaltungen, auf denen du dich Fehl am Platz fühlst. Nimmst du Reaktionen des Publikums wahr? Natürlich nehme ich wahr, was das Publikum macht, aber ich weiß auch, ich kann es mit meinem etwas eigenwilligen Stil sowieso nicht allen recht machen. Wer versucht, es allen recht zu machen, gut, der kann Hochzeits-dj werden und Hörerwünsche annehmen, aber das ist nicht mein Anspruch. unterton 29


Was ist dein Anspruch? Mein Anspruch ist Musik aufzulegen, die immer auf eine gewisse Art und Weise schräg ist und die Menschen irritiert und trotzdem tanzbar ist. Mir gelingt das auch nicht immer; doch ich freue mich jedes Mal, wenn ich jemanden entdecke, der verwirrt auf der Tanzfläche steht und sich fragt, was das für eine kranke Scheiße ist, bis er merkt, dass seine Füße schon mitwippen.

Hinterfragst du manchmal deine kranke Scheiße? Zwischendurch gibt es natürlich auch Phasen, da denke ich mir, im Leben geht es doch um viel wichtigere Dinge, was mach ich denn für einen albernen Quatsch. Aber nein, genau um diesen albernen Quatsch geht es im Leben, das muss man sich immer mal wieder klarmachen. Wenn man malochen geht und sich alles nur um Geld und Sachzwänge dreht, wo bleibt denn da die Freude am Leben?

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quellcode er ne ‚ o v e r l o a d ›: m i t k apital aus u n s e

umgang m


nnt sich hacken zieht er rem sorglosen

mit dem internet


Bits und Bytes bestimmen unser Leben: Alles ist heute digitalisiert und mit dem Internet vernetzt. Wir verbringen viel Zeit online und alles sollte so einfach und bequem wie möglich funktionieren – eine gefährliche Konstellation. Mit schwarzer Sturmmaske sitzt er in einem dunklen Raum vor einem Computer. Er tippt einen Code ein. Auf dem Bildschirm ist das Wappen der Regierung mit einem Login-Feld zu sehen. Innerhalb von Sekunden erscheint auf dem Monitor Zugang gewährt. So stellen Medien die Hacker dar. Das ist ein spezielles Netzwerk im Verborgenen, abgekapselt vom restlichen Internet. In diesem Netz kann im Prinzip jeder anonym surfen. Diese Anonymität schützt ‹overload›, damit die Justiz ihn nicht verfolgen kann. <overload> weiß fast alles über Computer und Netze. Das setzt er ein, um große Unternehmen zu hacken. Selbst ohne viel Wissen ist es möglich in fast alle Geräte einzudringen. Ich verdiene derzeit das meiste Geld mit Verschlüsselungstrojanern, das ist der aktuelle Trend. Viele Leute kümmern sich nicht um ihre gekauften Geräte. Nach dem Motto: Hauptsache sie funktionieren. So steig ich dann über diese schlecht gesicherten Geräte ins Netzwerk ein, verschlüssel die Computer und fordere Lösegeld innerhalb von fünf Minuten. Vor allem große Firmen zahlen gutes Lösegeld. Das kann schon mal fünfstellig sein.

Die Digitalisierung geht immer schneller und bringt immer mehr Komfort. In den letzten Jahren hat sich der Begriff Internet of Things (IoT) zu einem wichtigen Thema entwickelt. Mehr und mehr Geräte im Haushalt haben einen Zugang zum Internet und vernetzen sich mit anderen. Zudem sind täglich neue Dienste über das Internet verfügbar.

TEXT MARCO FREIMUTH, TAMARA TROGLAUER BILD FELIX BIRKENSEER

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Wir erledigen unsere Bankgeschäfte über das Handy, verwalten unsere Daten in der Cloud und teilen unseren Tagesablauf in sozialen Medien wie Facebook oder Twitter. In Zeiten von nsa-Überwachung und Cyberkriminalität sollte sich jeder mit der Sicherheit seiner Geräte und Dienste befassen und den Nutzen hinterfragen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Komfort siegt über die Sicherheit. Alles muss möglichst einfach zu bedienen sein und Unmengen von unnützen Funktionen bieten. Hacker wie ‹overload› nutzen genau das aus: Manchmal ist es mir unheimlich, wie naiv die Leute das Internet benutzen. Viele sehen anscheinend im Internet ihren allerbesten Freund und dieser würde natürlich niemals lügen oder einen gar übers Ohr hauen.

internetnutzer fühlen sich sicher beim Surfen. «Mir passiert das nicht», ist die

weit verbreitete Meinung. Statistisch gesehen ist mindestens jeder vierte Computer in Deutschland mit einem Virus infiziert. Bei Unwissenheit steigt die Wahrscheinlichkeit einer Infektion enorm.

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Facebook-Gewinnspiele sind so ein Beispiel. Ich erstelle innerhalb von fünf Minuten eine Facebook-Seite, poste einen Beitrag, bei dem man lediglich auf einen Link klicken und den Beitrag teilen muss, um mitzuspielen. Hinter dem Link steckt eine manipulierte Website. Sie führt im Hintergrund ein Programm aus und schon bin ich auf dem pc dieser Person. Nachdem der Link in ein paar Kommentaren verteilt ist, kann man im Minutentakt zusehen, wie die Leute sich mit meinem Virus infizieren und es nebenbei noch fröhlich mit ihren Freunden teilen. Die Leute denken nicht nach.

den risikofaktor internet erkennen allmählich auch die meisten Unternehmen. Sie verbessern stets die Sicherheit und schulen ihre Mitarbeiter. Das Schützen interner Dokumente hat hohe Priorität; andererseits will jeder Mitarbeiter einfach und effizient arbeiten – ein Drahtseilakt. Das Wettrüsten zwischen Hackern und Unternehmen scheint nie zu enden. Harald Groß arbeitet in der it der Grammer ag und kennt den Konflikt zwischen Komfort und Sicherheit und bestätigt: «Wir befinden uns in ständiger Gefahr, dass Fremde in unser Netzwerk eindringen.»

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Der Antrieb für Cyberkriminalität scheint offensichtlich: Geld. Alleine Opfer von Ransomware zahlen durchschnittlich 200 Euro Lösegeld. Bei Ransomware verschlüsselt der Hacker die Daten auf dem Computer und entschlüsselt sie nur wieder gegen Lösegeld. Das lohnt sich. Eine Straftat dieser Art bleibt fast immer unaufgeklärt. Doch ‹overload› sieht nicht nur den finanziellen Aspekt als Motivation. Cracking ist in bestimmten Kreisen eine Sportart geworden. Wer kann am schnellsten möglichst viel Schaden anrichten. Damit brüstet man sich dann in diversen Foren.

Jeder sollte sich vor Angriffen schützen. Wenn die Kreditkarte entwendet, private Fotos veröffentlicht und die Festplatte verschlüsselt ist, kommt die Erkenntnis meist zu spät.

eine gute portion skepsis bei internetdiensten und geräten sollte das Minimum

sein. Ein Antivirus-Programm und eine Firewall auf dem Gerät ist ein einfacher Schritt für mehr Sicherheit. Ist ein Internetdienst kostenlos, ist man meist selbst die Ware. Beim Kauf eines neuen Kühlschranks sollte jeder zuerst überlegen, ob sein Inhalt auf dem Smartphone sichtbar sein muss oder ob auch ein Blick hinein reicht.

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schubkraft er st

der modern

stephan fliegt a

den euro


teuert einen

n s t e n k a m p f j e t s:

als testpilot

ofighter


Tom Cruise schleppt mit dicker Lederjacke und dunkler Sonnenbrille schĂśne Frauen ab und steuert nebenher noch ein paar Kampfjets durch den Himmel. Mit dem Berufsalltag eines Testpiloten hat das reichlich wenig zu tun. Stephan Leuthner (39) fliegt seit 2012 fĂźr Airbus Defence and Space in Manching und lebt damit ein Leben am Limit.

text LENA PRINZ Bild LENA PRINZ, GEOFFREY LEE, MARKUS ZINNER 44 polyton


Herr Leuthner, warum wollten Sie ausgerechnet Kampfflugzeuge fliegen? Mein Vater ist auch schon Jet geflogen. Ich bin bei meinem Vater das erste Mal mitgeflogen, als ich sechs Jahre alt war. Seitdem wollte ich auch Jetpilot werden. Und wenn man sich aussuchen kann, ob man einen Omnibus oder einen Ferrari fährt, dann würde ich immer den schnelleren Ferrari wählen.

Aber das ist doch auch gefährlicher oder? Naja, nicht unbedingt.

Zum Beipiel bei Einsätzen? Ich bin keine Kampfeinsätze geflogen. Zwar war ich als Soldat im Einsatz, aber auf diese Gefahren wird man in der Ausbildung vorbereitet. Das ist ein Teil des Jobs.

Einen Kampfjet zu fliegen, ist bestimmt auch spannender als einen Airliner? Ja, da transportiert man Passagiere auf bestimmten Routen von A nach B – nicht sonderlich abwechslungsreich. Dagegen fliegt man beim Militär ganz verschiedene Aufträge wie zum Beispiel Tiefflugluftkampf oder Bekämpfung von Luft- und Bodenzielen. Jeder Flug ist anders.

Sie haben gerade von Ihrer Ausbildung gesprochen. Wie lange hat sie denn gedauert? Erstmal habe ich ein Jahr Offiziersausbildung gemacht und danach vier Jahre Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Dann habe ich circa zweieinhalb Jahre eine fliegerische Grundausbildung durchlaufen: zunächst Propellerflugzeuge, dann Jet-Trainer, Überschalltrainer und schließlich Tornado. Danach kommt man in ein Geschwader – zurück nach Deutschland. Dort braucht man dann nochmal ein bis eineinhalb Jahre, bis man einsatzbereit und nominell ausgebildet ist. Aber man hört mit dem Lernen eigentlich nie auf. 2012 habe ich noch ein Jahr lang eine Testpilotenschule in England besucht.

Das klingt nach einer sehr anspruchsvollen Ausbildung. Also zum einen musst du es wirklich wollen, zum andern musst du auch ein bisschen Glück haben. Deine Augen müssen gut sein und dein Rücken darf nicht krumm sein, du musst dich eben in einer bestimmten körperlichen Verfassung befinden. Aber wenn Pilot werden dein Ziel ist und du Einsatz zeigst, ist es letztendlich nur Einstellungssache.

Werden dabei viele Kandidaten ausgemustert? Klar ist der Weg sehr anstrengend, gerade das erste Jahr meiner JetGrundausbildung in Sheppard (usa) war unglaublich fordernd. Dort kommen aber auch nur die Besten hin, nachdem sie ein sehr strenges Auswahlverfahren durchlaufen haben. Und auch die Testpilotenschule war sehr anspruchsvoll.

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Werden in diesem späten Stadium der Ausbildung auch noch Leute aussortiert? In der Testpilotenschule nicht mehr. In meinem Jahrgang war das nur einer von 20.

Warum haben Sie sich dafür entschieden den Eurofighter zu fliegen? Zum einen wird der Eurofighter hier bei Airbus Defence and Space gefertigt, da bietet sich das natürlich an. Zum anderen wollte ich einen Jet fliegen. Nach meiner Ausbildung war ich Testpilot für den Tornado. Als der Eurofighter auf den Markt kam, war ich von ihm so begeistert, dass ich ihn unbedingt fliegen wollte.

Was ist für Sie das Besondere am Eurofighter? Die Leistung der Triebwerke bringt die Beschleunigung auf ein völlig neues Level. Das gibt mir ein ganz neues Gefühl der Freiheit. Es ist für einen Piloten der absolute Traum dieses Jagdflugzeug steuern zu dürfen.

Ist das Gefühl denn in jedem Jet gleich? Man fühlt sich in jedem Luftfahrzeug anders. Das fängt schon damit an, dass sich jeder Jet unterschiedlich anfühlt, anhört und riecht. Das ist, als würde man zwei verschiedene Autos miteinander vergleichen. Es gibt Ähnlichkeiten zum Beispiel beim Handling oder der Steigleistung. Aber an sich ist jedes Flugzeug anders.

Es gibt ja den Autopiloten. Müssen Sie dann eigentlich noch viel selbst machen? Der Eurofighter kann komplett ohne mich fliegen, wenn ich ihm Route, Höhe und Geschwindigkeit vorgebe. Dann muss ich mich nicht mehr um den Flugprozess kümmern und kann meinen eigentlichen Hauptaufgaben nachgehen, dem Systemmanagement. Im Cockpit bekommt man unheimlich viele Informationen über das eigene und andere Flugzeuge in der Luft, Ziele am Boden und die Wetterlage. Das sind sehr viele Informationen und die gilt es zu managen, zu bearbeiten und zu verteilen, je nachdem was dein Auftrag ist. Da wird das Fliegen eher zur Nebensache, dafür ist der Autopilot natürlich perfekt.

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Man könnte das Flugzeug doch fernsteuern. Warum braucht man dann überhaupt noch einen Piloten? Klar könnte man den Jet vom Boden aus bedienen, aber man kann nicht gewährleisten, dass immer eine ungestörte Funkverbindung besteht. Ein Pilot hat zudem den Vorteil, komplexe Situationen viel schneller beurteilen zu können. Dazu kommen noch Erfahrung und Intuition eines Menschen, die bis jetzt noch kein Computer ersetzen kann, denn dieser handelt immer nach vorgefertigten Mustern.

Was machen Sie, wenn während eines Testflugs irgendetwas nicht mehr funktioniert oder ausfällt? Es gibt Notverfahren, sie nennen sich Boldfaces; die muss der Pilot für jedes Flugzeug im Schlaf beherrschen. Wenn zum Beispiel mein Triebwerk brennt, dann weiß ich, ich muss den Schubhebel auf null ziehen und die Benzinpumpe abstellen, damit kein Sprit mehr ins Triebwerk läuft – sowas in der Art. Für alles andere gibt es eine Checkliste, in der genau drin steht, wie man sich zu verhalten hat. Der Notfall wird regelmäßig geübt.

Waren Sie schon mal in so einer Situation? Na klar, schon öfter. Mir ist zum Beispiel schon mal ein Triebwerk ausgefallen. In der Situation bist du aber eigentlich ganz ruhig. Du arbeitest fokussiert deine Checkliste ab, auch weil du es schon so oft geübt hast. Man realisiert es eigentlich erst, wenn man gelandet ist und Zeit hat darüber nachzudenken.

Mussten Sie schon mal den Schleudersitz betätigen? Ich zum Glück nicht, mein Vater schon. Wenn es den Schleudersitz damals nicht gegeben hätte, würde ich jetzt gar nicht hier sitzen.

Wie wurden Sie darauf vorbereitet? Du übst einmal ganz am Anfang in der Ausbildung das Landen mit dem Fallschirm, dabei wirst du mit einem Jeep 50 Meter an einer Winde hochgezogen, um so eine Situation mal zu erleben. Außerdem gibt es einen Schleudersitz, der auf einer Schiene hochgeschossen wird. Die Beschleunigung ist bei weitem nicht so stark wie mit einem echten Schleudersitz. Es geht dabei eher darum die Hemmung zu verlieren, wenn es im Ernstfall nötig ist, den Griff zu ziehen. Sonst gibt es kein Schleudersitztraining. Was man regelmäßig übt, ist der Umgang mit seinem Überlebensequipment im Schleudersitz und im Anzug.

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Was passiert wenn man den Schleudersitz auslöst? Man betätigt den gelb-schwarzen Griff. Und dann passieren mehrere Sachen gleichzeitig: Das Dach wird weggeschossen, deine Arme und Beine werden mechanisch zum Körper und Sitz gezogen, die Sauerstoff flasche wird je nach Höhe aktiviert. Dann wird ein Raketenmotor gezündet, der dich weit genug aus dem Flugzeug katapultiert. Danach öff net sich irgendwann der Fallschirm und trennt dich vom Sitz.

Haben Sie in Ihrer Notfallausrüstung auch einen gps-Sender damit Sie gefunden werden können? Ja, in der Rettungsweste ist ein Funkgerät mit gps-Sender integriert, der automatisch aktiviert wird, wenn man den Schleudersitz betätigt. Er sendet ein Notsignal auf einer speziellen Notfrequenz.

Was gehört denn zu jeder Pilotenausrüstung dazu? Zum einen gibt es da die Rettungsweste mit einer integrierten Schwimmweste, in der sich auch das Funkgerät befindet und ein kleines SurvivalKit in einer Tasche, in dem zum Beispiel Trinkwasser, Medikamente, Verbandszeug und eine Signalpistole zu finden sind. Außerdem ist in deinem Sitz ein Kasten, der auch am Piloten befestigt wird, der hängt nach der Trennung vom Schleudersitz zwischen deinen Beinen. In ihm sind noch jede Menge andere lebenswichtige Dinge vorhanden wie zum Beispiel ein Schlauchboot oder Essensrationen. Zur Standardausrüstung gehört ebenfalls eine Anti-G-Hose, die mit einem Schlauch an das Flugzeug angeschlossen wird. Bei hohen G-Kräften wird sie automatisch aufgepumpt und presst sich an den Körper. Dadurch verhindert sie, dass das Blut in die Beine absacken kann und man ohnmächtig wird. Bei langen Flügen über Wasser oder bei kalten Temperaturen tragen wir zusätzlich noch einen Kälteschutzanzug, den nennen wir immer Frankenstein, der ist sehr unbequem, dafür wasserdicht. Er ist deine einzige Chance bei einer Wasserlandung zu überleben. Natürlich gibt es noch Schuhe, einen Helm und die Checkliste hat man auch immer dabei.

Was machen Sie, wenn Sie während eines Flugs mal auf die Toilette müssen? (lacht) Bei kurzen Flügen ist das ja kein Problem. Wenn man über den Atlantik fliegt, dann hat man spezielle Windeln an, die man nutzen kann. Für Männer gibt es ebenfalls noch piddle packs, in denen ist ein Granulat enthalten, das die Flüssigkeit sofort aufsaugt.

Ist das nicht unangenehm, eine Windel tragen zu müssen? Nein, gar nicht. Ich trage die sogar gerne, nicht um die Sicherheit zu haben, sondern weil die sehr bequem sind und der Schleudersitz nicht besonders gut gepolstert ist.

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Müssen Sie regelmäßig Fitnesstests oder Ähnliches ableisten? Ja, einmal im Jahr gibt es eine medizinische Untersuchung im Flugmedizinischen Institut in Fürstenfeldbruck. Da wird so ziemlich alles überprüft: Blutbild, Herz, Kreislauf, Lunge, ekg, Augen, Rücken und allgemeine Fitness.

Was ist denn, wenn irgendwas davon nicht mehr ausreicht? Dann darf man nicht mehr fliegen.

Und was würden Sie dann machen? Ich könnte mir vorstellen, bei Airbus in Hamburg noch als Testpilot für Passagierflugzeuge zu arbeiten.

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Gibt es eine Altersgrenze, bei der man mit dem Fliegen aufhören muss? Bei der Bundeswehr wird man als Jetpilot mit 41 Jahren ausgemustert. Hier bei Airbus darf man bis 55 fliegen. Danach kann die Fluglizenz je nach Bedarf und körperlicher Fitness jeweils um ein Jahr verlängert werden. Aber es ist natürlich nicht sinnvoll, dass man den Tornado oder Eurofighter bis 60 oder 65 fliegt. Der Körper ist dann nicht mehr so leistungsfähig und reaktionsschnell wie in jungen Jahren. Man ist ja auch die ganze Zeit Belastungen bis zu 9G ausgesetzt – irgendwann reicht es dann auch mal.

Haben Sie schon eine Idee, wie Sie mit 55 Jahren weitermachen wollen? Ich hab keinen Plan B. Ich könnte hier bestimmt in der Firma mit meinem Wissen auch in einer anderen Position arbeiten, aber da denk ich gar nicht drüber nach.

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monoton Der Bleistift protokolliert die Skizzen: Die Zeit ist stehen geblieben. Aliens klettern die Treppen ihres silbernen Raumschiffs herab, bewegen sich mechanisch. Im Hintergrund dröhnt Wenn der Mond in mein Ghetto kracht. Sie betreten die Erde im Alugewand; das silber glänzende Gegenlicht strahlt hinter ihren abnormal große Ohren. Im Gepäck: Mondgestein. Sie schwören auf den Energiestrom. Mit ihren Instrumenten untersuchen sie die Aura des Menschen und heilen die Alten. Anders als im Krankenhaus nehmen sie sich Zeit. Silber erstrahlt wieder in neuem Glanz. Zum Abschied eine Umarmung: Ich spüre das Pochen. Seite 56 bis 75, 84 bis 107

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stereoton Das System gibt die Geschwindigkeit vor. Zeit ist relativ – überschritten wird das Tempolimit: In die Kurve rasen mit 250 Stundenkilometern, parallel zum Abitur mit dem Frühstudium beginnen und zu 125 Beats pro Minute feiern. Nicht jedermanns Geschmack? Die meisten versuchen Fuß zu halten – doch mancher hält dem Druck nicht stand: Burnout. Zeit die Handbremse zu ziehen und Alternativen zu suchen. Seite 76 bis 83

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ร–ttingen

Wemding

Nรถrdlingen

Harburg

Text FELINA AUGUSTIN, MARINA SCHIESSL BILD VERA KALTENECKER 56 beton


container

feld TRAINING So fern und doch so nah: Unweit des Städtchens Nördlingen im schwäbischen Landkreis Donau-Ries trainierten Astronauten mehrerer Apollo-Missionen. Die nasa bedankte sich mit einem Gesteinsbrocken vom Mond.

Nach einer Kollision der Erde mit einem Meteoriten vor circa viereinhalb Milliarden Jahren entstand der Mond. Er bremst die Erdrotation durch seine Anziehungskraft aus; die Erde würde sich sonst dreimal so schnell um ihre eigene Achse drehen. Der Wind würde mit einer Geschwindigkeit von bis zu 500 Kilometer pro Stunde über die Erde fegen. Für viele strahlt der Mond silbern. Seine verschiedenen Gesteinsarten färben ihn allerdings grün, erklärt der Leiter des Rieskrater-Museums, Professor Dr. Stefan Hölzl.

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Ein ähnliches Gestein wie auf dem Mond kann man im Nördlinger Ries entdecken. Vor mehr als 14 Millionen Jahren zerschmetterte dort ein gewaltiger Meteorit mit einem Durchmesser von einem Kilometer auf der Erde. Es entstand das Nördlinger Ries. Verschiedene Gesteinsschichten vermischten sich beim Aufprall und so entstand der Suevit. Aus diesem Material wurde die St. Georg Kirche in Nördlingen erbaut und zahlreiche Gebäude in der Gegend. Allein dieses Gestein lockte 1970 den Trainer der Apollo-Astronauten Dr. Friedrich Hörz ins Nördlinger Ries. Hier absolvierte er verschiedene geologische Feldtrainings. Im Nördlinger Ries landeten später Alan Shepard und Ed Mitchell von der Apollo-14-Mission und Gene Cernan, Mitglied der Apollo-17-Mission.

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Seit 1972 können Besucher des Rieskrater-Museums eine 165 Gramm schwere Probe vom Mond bestaunen. Das Mondgestein ist ein Mitbringsel der Apollo-16Mission und Dauerleihgabe der nasa – ein Dankeschön für das Feldtraining.


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kurioses

schnitt STELLE Sie heilt, ohne den Körper ihrer Patienten zu berühren: Inge Hörster ist Aurachirurgin. Sie glaubt an Wiedergeburt und behandelt Verletzungen aus einem früheren Leben – mit der Kraft ihrer Gedanken.

Inge Hörster steht neben der Patientin und ihre Hände gleiten am Körper der Frau entlang. Im Hintergrund zwitschern Vögel und es plätschert Wasser. Inges Bewegung stockt immer wieder, stets an einer Stelle, die betroffen ist – im Moment die rechte Schulter. Inge erzählt, in der Aura der Patientin stecke etwas aus einem früheren Leben und sie werde es kraft ihrer Gedanken entfernen.

Text MARINA SCHIESSL BILD WOLFGANG GRAF 60 beton


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Die Aurachirurgie, die Inge in diesem Moment praktiziert, ist eine alternative Heilmethode. Sie gründet auf der Theorie der Wiedergeburt. Ereignisse aus einem früheren Leben beeinflussen die Gegenwart: «Zum Beispiel wenn jemand durch Erhängen aus dem Leben gerissen worden ist. Solche Menschen haben oft im Jetzt Probleme, enge Kleidung am Hals zu tragen», erklärt Inge. Jedes Ereignis setze sich in der Aura fest und hinterlasse Störfelder. Die Aura umhülle als elektromagnetisches Energiefeld den menschlichen Körper.

In der Aurachirurgie behandelt der Chirurg diese Störfaktoren und löst sie – teilweise mit chirurgischem Besteck wie Skalpell oder Spritze – wie bei einer Operation. Das Skalpell oder die Hände berühren zwar nie den Körper, trotzdem spürt der Patient ein warmes Gefühl an der Stelle, die gerade behandelt wird. Die übliche Vorgehensweise in der Aurachirurgie ist die von Gerhard Klügl, der als ihr Gründungsvater gilt. Seine Methode vermittelt er in Seminaren und in seinem Buch über Aurachirurgie. Klügl praktiziert in Liechtenstein. Auch die Lehrer von Inge Hörster, Gertraut und Volkert Kienzl, haben die Methode direkt von Klügl gelernt und geben seitdem ihr Wissen in Seminaren weiter. Inge Hörster hat keine medizinische oder esoterische Ausbildung: Sie hat als Pflegerin in einem Altersheim gearbeitet. Eines Tages kommt Gertraut Kienzl auf sie zu. «Sie sagte, sie würden im Oktober, November diesen Kurs geben. Ob ich nicht mitmachen wolle, da sie spüre, dass ich sowas könne.» Irgendwann fasst sie sich ein Herz und nimmt an dem Kurs teil. «Wir hatten eine Klientin, die lag auf der Erde, weil es ihr nicht gut ging. Ich sah, was ihr fehlte, und zeigte vorne auf die Brust. Daraufhin stimmte mir eine andere Kursteilnehmerin zu. Und da wusste ich: Was ich sehe, ist richtig», erzählt Inge von ihrem ersten Kurstag.

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Inge hat die Methode von Klügl abgewandelt. Die Haus frau und Mutter glaubt an Gott und die Erzengel: «Ich mache es nur noch durch den Glauben, durch den puren Glauben.» Sie hat selbst Patienten aus Australien und der Schweiz und behandelt ihre Patienten fast ausschließlich aus der Ferne. Im ersten Schritt lernt Inge den Patienten über das Telefon kennen. Dann schreibt er ihr eine E-Mail mit seinen Problemen, Schmerzen und einschneidenden Erlebnissen. Abends verabredet sie sich mit ihm, um die Behandlung telepathisch fortzuführen: Der Patient liegt im Bett und sie verbindet sich aus der Ferne mit seiner Seele. Sie versetzt sich in Trance und dabei flüstern ihr Gott oder Engel die Antworten zu. «Meistens schlafen die Patienten dabei ein. Ich spreche erst am nächsten Tag mit ihnen. Sie wachen auf und merken, dass der Schmerz weg ist.» Viele Patienten empfehlen sie weiter. So kam Johanna zu Inge und schickte zunächst ihren Mann als Versuchskaninchen zu ihr. «Da mein Mann immer Schwierigkeiten mit seinem Ellbogen hatte und ihm keiner helfen konnte, habe ich ihn vorgeschickt. Da hat Inge dann eine Fernbehandlung gemacht und am nächsten Tag ging es ihm besser.» Natürlich zweifelten sie zuvor am Erfolg der Behandlung. «Vor allem mein Mann; Männer sind bei solchen Sachen sowieso immer ein bisschen skeptisch. Der hat sich wohl gedacht, ich mache das jetzt und dann lässt mich meine Frau endlich in Ruhe. Weil ich ihn eben von einem Arzt zum anderen geschleppt habe», lacht Johanna.

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Ihr Mann hat sich ohne jegliche Erwartung behandeln lassen. Trotzdem hat die Behandlung wohl funktioniert. Nach dieser Erfahrung hat sie es auch versucht. Immer hatte sie Schmerzen in der rechten Seite. Als Inge dann zu Johanna kommt und ihre Aura abtastet, entdeckt sie einen Pfeil, den sie dort stecken hat. «Sie sagte dann zu mir: Ich ziehe jetzt ganz vorsichtig den Pfeil raus. Dann dachte ich: Naja, dann mach mal», lacht Johanna und erzählt weiter. «Ja, ich merkte das dann richtig. Da war so ein komisches warmes Gefühl und mir wurde richtig schlecht. Und danach war der Schmerz weg.» Während Inge Johanna behandelt, spricht sie ständig mit den Engeln. «Dabei habe ich dann schon gedacht: Oh, was ist denn hier los, als sie Heilmittel brauchte und um Hilfe gebeten hat und was weiß ich noch alles. Da war mir schon ein bisschen komisch, muss ich sagen.» Auch Inge selbst musste lernen, sich nicht alles schwer zu machen. Sie arbeitet nicht nach Lehrbuch und das brachte ihr sehr viel Kritik von anderen Aurachirurgen ein. «Die sagen, ich habe gelernt, ich muss das so und so machen. Uns ist verboten worden, ihr geht nie an ein Herz, ihr geht nie an ein Hirn. Aber ich habe gemerkt, dass ich mir selbst nicht mehr im Weg stehen darf.» Verständlicherweise hat diese alternative Heilmethode viele Kritiker. Nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung glaubt daran. Anfangs hat Inge versucht jeden davon zu überzeugen. Heute denkt sie nicht mehr darüber nach, was andere sagen. «Die sollen weiterhin zu ihren Ärzten gehen. Ich muss keinen Menschen mehr überzeugen. Absolut nicht.»

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Text TAMARA TROGLAUER MIT JOHANNES PFAHLER BILD VERA KALTENECKER 66 beton


kurioses

größen WAHN Ein gutartiger Tumor an der Hirnanhangsdrüse lässt Gliedmaßen wie Nase und Ohren, Hände und Füße bis ins Unermessliche wachsen: Herz und Stoffwechsel geraten durcheinander. Die Ursache bleibt häufig viele Jahre unentdeckt.

Die Transformation des Peter Zeiß (Name geändert) ist mit Ende 60 nicht mehr zu leugnen: Sein Unterkiefer nimmt abnormale Ausmaße an, seine einst schmale Nase ähnelt nun einer dicken Knolle, Zahnlücken werden immer ausgeprägter. Auch die Zunge findet kaum mehr Platz im Gaumen. «Meine Frau findet durch mein Schnarchen kaum mehr Schlaf», so der heute 70-Jährige. Der Fuß mit Größe 44 passt nun in keinen herkömmlichen Schuh mehr. Diskret wird er darauf hingewiesen, es doch einmal in einem Laden für Gesundheitsschuhe zu probieren. «Damals», erzählt Peter, «habe ich wirklich nicht schlecht ausgesehen.»

Am gravierendsten war jedoch nicht das entstellte Äußere, sondern der Blutzucker, der rasant in die Höhe schoss und unerklärliche Beschwerden der Herz- und Atemwege auslöste. Kraftlos, schlapp und unkonzentriert sei er gewesen und konnte oft aufgrund von Übelkeit nicht zur Arbeit. «Meine Kinder erzählten oft, ich sei damals mehr tot als lebendig durch die Wohnung gestriffen», betont der ehemalige Schreiner. Wegen Ratlosigkeit der Ärzte und Familie wurde er letztendlich zwangspensioniert.

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Menschen, die das Schicksal von Peter teilen, leiden an einem gutartigen Tumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Die Folge: Nase und Ohren, Kopf und Kiefer, die Zunge und innere Organe wie Herz, Darm und Gehirn wachsen über viele Jahre hinweg. Die Erkrankung heißt Akromegalie. «Akro» von «Körperspitze» und «Megalie» von «übermäßiges Wachstum». Entsteht der Tumor, bevor das Größenwachstum eines Kindes abgeschlossen ist, kommt es zum Riesenwuchs (Gigantismus). Bekanntestes Beispiel ist Richard Kiel, der «Beißer» aus den James-Bond-Filmen. Er hat trotz seines Aussehens Karriere gemacht. Doch für die meisten Betroffenen sind die Folgen verheerend. Erkennt man die Erkrankung frühzeitig, lässt sie sich gut behandeln. Der Tumor lässt sich in den meisten Fällen problemlos entfernen. Eine andere Variante ist die medikamentöse Behandlung. Bestimmte Medikamente fangen die Wachstumshormone im Blut ab, auch dann ist der Wildwuchs gestoppt. Akromegalie ist jedoch so selten, kaum ein Arzt erkennt die Symptome. Mediziner gehen von 50 Erkrankten pro einer

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Million Menschen aus. Allerdings könnten es viel mehr sein: Unter 7000 zufällig ausgewählten Patienten, die im Rahmen einer Studie untersucht wurden, stießen die Forscher auf sieben mit einem Hypophysentumor. Statt geschätzten 4000 könnten in Deutschland Tausende mehr an der seltsamen Krankheit leiden. «Die meisten suchen eigentlich erst einen Arzt auf, wenn die andauernden Kopfschmerzen, die Herzprobleme oder Diabetes nicht besser werden. Die Persönlichkeit leidet auch sehr unter der Krankheit: Im Gehirn sitzen unzählige Rezeptoren für die Wachstumshormone», erklärt Peter mit seinem Krankenblatt auf dem Schoß. Viele Patienten werden gleichgültig, desinteressiert und auch die geistigen Fähigkeiten schwinden. Der Beruf sei somit kaum mehr auszuüben, geschweige denn eine Ehe zu führen. Frauen, die erkranken, werden häufiger von ihren Partnern verlassen als Männer. «Die kommen mit dem veränderten Aussehen nicht zurecht.» Bis endlich die richtige Diagnose gestellt wird, haben die meisten Patienten eine Leidensodyssee von zehn Jahren hinter sich.


Anzeichen, die auf eine mögliche Akromegalie hinweisen, sind eine veränderte Schuhgröße, zu kleine Ringe, Kopfschmerzen, Schwitzen und Schnarchen. Für all diese Symptome gibt es auch eine harmlose Ursache. «Kommen aber mehrere dieser Symptome zusammen, empfehle ich jedem eine Analyse des Wachstumsfaktors igf-1», erklärt Peter. Manchmal entdeckt auch ein Zahnarzt die Krankheit, wenn sich das Gebiss seines Patienten verändert. Peter Zeiß’ Diagnose wurde nach jahrelangem Leiden per Zufall gestellt. Er wollte bei seinem Hausarzt nur ein Rezept abholen, da bat er ihn um eine Blutprobe für eine wissenschaftliche Studie. «Das war eine Gottesfügung.»

Nachdem der Tumor entfernt wurde, geht es ihm heute wieder prächtig: «Ich kann arbeiten, Spaziergänge machen, meine Enkel betreuen.» Wie er heute aussieht, störe ihn absolut nicht. Elegante Schuhe und seine Wanderhüte wird er nicht mehr tragen können: Das Wachstum lässt sich nur stoppen, nicht rückgängig machen. Peter hat von den Krankheitsjahren keine bleibenden Schäden zurückbehalten, das führt er auf seinen gesunden Lebensstil zurück: eine vegetarische Ernährung und viel Sport, von Tauchen bis Bergsteigen. Das tiefste Tal hat er vor zehn Jahren durchquert.

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Der 21-jährige Thomas Sperl (Name geändert) ist 2,09 Meter, hat Schuhgröße 51 und absolviert derzeit eine Ausbildung zum Elektroniker. Selbst heutzutage stößt ein «Riese» auf Hürden und Schwierigkeiten. «Normale Betten sind meistens 1,40 Meter breit und zwei Meter lang. Da wären wir schon soweit – wie soll ein Mann mit über zwei Metern Körpergröße in ein zwei Meter langes Bett passen, ohne die Knie anzuwinkeln? Dazu gehört auch die Bettdecke, mit der es dasselbe Problem gibt. Entweder die Füße sind im Freien oder alles ab der Brust aufwärts. Man muss viel Geld in die Hand nehmen, um ein Bett und dazugehörige Bettwäsche in einer Sondergröße kaufen zu können. Ein anderer Nachteil sind die Klamotten. Wenn man groß ist und einen gewissen Umfang hat, gibt es viele Klamotten in x xl, die einem passen», berichtet der 21-Jährige. Bei Thomas ist das etwas schwieriger, er ist sowohl groß als auch sehr schlank. «Dinge wie Anzüge sind dann noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Ohne Maßschneiderung kommt man hier gar nicht aus. Schuhe sind ungefähr ab Größe 50 Sonderanfertigungen, die fast unbezahlbar sind. Wenn man sich solche Schuhe nicht leisten kann, muss man eben immer Turnschuhe zum Anzug tragen. Das sieht leider nie sehr elegant aus.» «Große Menschen leiden häufiger unter dem ‹Gegaffe› anderer. Das ist halt abhängig davon, wo man unterwegs ist. In einer größeren Stadt interessiert es niemanden, weil die Menschen dort vermutlich daran gewöhnt sind, größere Frauen oder Männer zu sehen. In der ländlicheren Gegend, in einem kleinen Dorf zum Beispiel, werde ich sehr oft sofort angeschaut, als würde ich von einem anderen Planeten kommen», erzählt Thomas. Einmal wurde er sogar von einem

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Mann um ein Foto gebeten. Häufig verlangen sogar Freunde von Freunden nach Fotos oder fragen ihn, ob er Basketball spiele. Viele große Menschen plagen sich mit gesundheitlichen Problemen, die das schnelle Wachstum mit sich bringt. Rückenschmerzen und Probleme mit der Wirbelsäule treten häufig auf. Thomas: «Ich war deshalb schon mehrmals beim Arzt, allerdings gibt es nicht viele Möglichkeiten, um diese Rückenschmerzen wieder loszuwerden.» Sich die gebückte Haltung wieder abzugewöhnen stellt sich als sehr schmerzhaft dar, die Wirbelsäule hat sich in den meisten Fällen schon an die ‹krumme› Haltung angepasst. Eine zweite Methode ist Muskeltraining. «Dazu müsste ich regelmäßig Bauch- und Rückenmuskulatur trainieren. Die Muskeln fangen hier lediglich einen Teil der Schmerzen ab und stabilisieren den Oberkörper. Wenn ich irgendwann mit dem Training wieder aufhören würde und sich somit die Muskeln zurückbilden, dann wären auch die Rückenschmerzen wieder da. In sehr schweren Fällen bekommt man vom Arzt ein Korsett verschrieben. Dies bewirkt etwas ähnliches wie das Muskeltraining und hilft beim Stabilisieren. Der große Nachteil eines Korsetts: Es hilft nur solange es getragen wird. In den meisten Fällen entlastet es zwar die Muskulatur, diese bildet sich aber wegen der Nichtbeanspruchung zurück und somit sind die Schmerzen nach dem Abnehmen des Korsetts noch wesentlich schlimmer.»


200 cm

195 cm

178 cm

200 cm Riesenwuchs

183 cm Hochwuchs

165 cm Durchschnittliche Körpergröße

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atelier

chor GEIST Die Nadel kreist in stechendem Rhythmus: 120 Stiche in der Sekunde jagen die Tinte unter die Haut und gravieren ein schwarzes X, das Zeichen der Mitglieder von Straight Edge und Symbol für Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Drogen.

Zum Atmen ist kaum Raum. Sauge klebrige Luft ein. Das T-Shirt pappt und wird eins mit dem Körper, die Individuen verschmelzen zu einem eingeschworenen Ball. In der Luft brennt die Wut: über die Missstände und Widersprüche der Welt und auch über das Leben selbst. Die Verzweiflung frisst sich in den Boden. Tatendrang stampft sie wieder raus. Es ist ein ewiges Tauziehen. Der Schall bahnt sich den Weg zwischen den aneinander gedrängten Köpfen Richtung Ausgang. Die silbernen Saiten bauen Druck auf. Die Snare bebt immer wieder. Es bleibt keine Zeit, zu viel ist kaputt. Es muss was passieren. Auch wenn es nur für heute hinter diesen vier Wänden ist. Hier ist es vertraut, hier ist es in Sicherheit. Der Sänger schreit ins Mikro. Man versteht kaum ein Wort, alles ist wirr. Doch man weiß genau, wie man sich zu fühlen hat. Der Pit zirkuliert. Ellenbogen raus, tanz dir den Ballast vom Leib. Der Kopf ist beschwipst. Denkste.

Text VIOLA KARAALIOGLU BILD VERA KALTENECKER 72 beton


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Hardcore funktioniert sehr wohl auch ohne Alkohol und Drogen. «Stagedives funktionieren ohnehin besser ohne Bierfl asche in der Hand», erzählt Peter (Name geändert) aus der Berliner Straight-Edge-Community. In den 80er Jahren entwickelt sich aus der destruktiven No-Future-Haltung des Punk die Straight-Edge-Bewegung. Ihr Zeichen ist das X. Das wurde Minderjährigen in den Bars von Los Angeles auf den Handrücken gezeichnet, damit ihnen kein Alkohol ausgeschenkt wird. Die Straight-Edge-Bewegung adaptiert das Zeichen. Es steht für den Verzicht. Statt sich den Kopf zu betäuben, wandeln sie die negative Energie in positive um. Sie werfen den Ballast über gesellschaftliche Missstände wie Rassismus und Sexismus, Umwelt und Politik ab. Ihr Sprachrohr: die Musik. Minor Threat, eine Hardcore Punk-Band aus Washington D. C., sind die Wegbereiter. Mit dem Song Out of Step umreißt der Sänger Ian MacKaye 1981 seine Lebensphilosophie: «Don’t drink, don’t smoke, don’t fuck. At least I can fucking think». Die Straight-Edge-Bewegung interpretiert diese Zeilen als Leitlinie. Keinen Alkohol, kein Nikotin und keine illegalen Drogen, keine Substanzen, die das Bewusstsein trüben, die Wahrnehmung beeinflussen und zur Abhängigkeit führen. Darüber ist sich die Straight-Edge-Bewegung einig. Über Koffein, Medikamente und über raffinierten Zucker wird gestritten. Bewusst leben ohne sich gesellschaftlichen Zwängen zu unterwerfen. Nicht mit der Masse mitziehen, sondern wie Kant sagen würde: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.

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Mit der Zeit gewinnt neben der eigenen Gesundheit, dem Bewusstsein und der Unabhängigkeit das Leben anderer an Bedeutung. Das Ich tritt in den Hintergrund und bietet Raum für das Wir. Man möchte ein besserer Mitmensch werden. So werden ab 1988 Tierrecht, Vegetarismus und Veganismus wichtiger, ausgelöst durch den Song No More von Youth of Today. Diese Passage sorgt für ordentlichen Diskussionsstoff. Denn viele glaubten, Ian MacKaye sei gegen Sex. Dabei geht es ihm «um Missbrauch, Manipulation und Eroberung, also die Instrumentalisierung von Sex, die auf Befindlichkeiten von Menschen keine Rücksicht nimmt», erklärt er in Sober Living for the Revolution. Er weist lediglich auf einen verantwortungsvollen Umgang mit der Sexualität hin. Man müsse also nicht auf ein nächt-

liches Abenteuer verzichten oder sich in der Häufigkeit sexuellen Verkehrs einschränken. Es geht um verantwortungsvollen und respektvollen Umgang. Jeder entscheidet für sich, wodurch er sich respektvoll behandelt fühlt. Einige Anhänger sehen das in einer monogamen Beziehung; in religiösen Kreisen bedeutet das rein ehelicher Sex. Andere erkennen keinen Zusammenhang zum Straight-Edge-Lebensstil und klammern die Sexualität komplett aus. Ein allgemeines Ziel der Bewegung lässt sich nicht festlegen, sie ist keine Organisation mit Regeln. Die Anhänger streben nach einer uneingeschränkten Entscheidungsfreiheit: Nicht die Triebe dürfen den Menschen steuern, sondern der Wille. «Der Sinn ist es, deinen Kopf nicht mit Dingen zu füllen, die deine Fähigkeit zu Denken einschränkt», veranschaulicht John Porcelly, Gitarrist von Youth of Today, in dem Buch Straightedge Youth: Complexity and Contradictions of a Subculture. Respekt ist ein hoher Wert in der Bewegung. Egal ob gegenüber dem eigenen Körper, dem eigenen Geist oder dem Mitmenschen. Peter bringt es auf den Punkt: «Zumindest auf den Hardcore Konzerten, auf denen wir abhängen, geht es generell um Respekt und Miteinander, egal ob X auf der Hand oder Kippe im Mund.»

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geschwindigkeit

tempo LIMIT Geschwindigkeit ist relativ. Alles hat eine eigene Dynamik. Tempo bedeutet nicht immer Vorwärtsbewegung, Gelassenheit nicht immer Stillstand.

Fausto 1 Wenn Fausto mit seinem Fahrrad durch die Münchner Innenstadt fährt, ist alles irgendwie «muy tranquilo». Er möchte sich von niemandem stressen lassen. Doch auf der faulen Haut liegen – für ihn undenkbar. Bei ihm läuft das Leben einfach langsamer. Er möchte nicht mitmachen in diesem System, das einem diktiert, wie das Lebenstempo zu sein hat.

Polizei Michael ist seit knapp drei Jahren Teil des Unterstützungskommandos (usk) der bayrischen Polizei. Täglich muss der 25-Jährige Entscheidungen in kürzester Zeit treffen – mit weitreichenden Konsequenzen: «Du wirst während des Dienstes zu einer Schlägerei am Hauptbahnhof gerufen. Unklare Lage, nur vage Personenbeschreibungen. Drei Männer treten auf einen am Boden liegenden Mann ein. Kurz vor dem Tatort biegst du um eine Ecke und eine Person, die keine zwei Meter mehr entfernt ist, rennt auf dich zu: rote Oberbekleidung, wie am Funk durchgegeben. Eine halbe Sekunde und er ist auf deiner Höhe. Zwei Sekunden und er ist fünf Meter an dir vorbei. Die Person mit der roten Oberbekleidung fällt. Er hatte keine Chance abzubremsen oder deinem gestellten Bein auszuweichen – Schürfwunden an den Armen und Beinen, aufgerissene Hose. Dabei wollte der Zivilist nur seinen Zug erwischen. In der Gerichtsverhandlung wird gefragt, warum das Bein gestellt wurde. Die Anklage lautet Körperverletzung im Amt. Rechtsanwälte und Richter lesen Vernehmungen und Sachverhalt und bewerten die Reaktion aus rechtlicher Sicht. Wie lange sie dafür brauchen? Ich weiß es nicht, nur wir haben diese Zeit nicht.» Text FELINA AUGUSTIN, ALISA FRIEDL, AZEGLIO HUPFER, VIOLA KARAALIOGLU, MARINA SCHIESSL, MORITZ SCHINN BILD WOLFGANG GRAF 76 stereoton


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nascar In Amerika seit langem populär, doch in Europa nur Insidern ein Begriff. Auf der Suche nach etwas Neuem stößt das österreichische Team Renauer Motorsport auf nasc ar. «Fahrtechnisch war es eine sehr große Umstellung», meint der Fahrer des Teams, Florian Renauer. Er ist 23 Jahre jung und schon ziemlich erfolgreich in der Motorsportszene: Mit seinem Team und der Ginetta gt4 fuhr er zwischen 2010 bis 2013 mehrfach Titel und Siege ein. Er war einer der schnellsten gt4-Fahrer Europas. Dann, in seiner ersten Saison als nasc ar-Fahrer, siegt er in Brands Hatch. Seine aufregendste Fahrt, erzählte er, ist sein erstes Ovalrennen vor zwei Jahren in Venray, Holland, an der Grenze zu Deutschland. Dort fährt er zum ersten Mal mit 250 Stundenkilometern gefährlich nah an die Betonmauer. Die erste Kurve nach dem Start ist im Rennsport meist die kritischste; viele Autos fahren hier eng nebeneinander. Das Fahrzeug vor ihm gerät ins Schleudern – er rast in den Pulk: «Das ist dann auch nicht mehr abbremsbar. Man kann nur noch die Hände vom Steuer nehmen und auf einen sanften Aufprall hoffen.»

Ausgebremst Carina, 22, sportlich begeistert und Mathestudentin. Zielstrebig sprintete sie ihren Zielen entgegen, bis sie abbremsen musste: sechs Operationen – Mandeln, Blinddarm, Nasenscheidewand, Sprunggelenk, zwei am Kopf. In der Oberstufe lässt sie ein geschwächtes Immunsystem häufig erkranken und so muss sie die 12. Klasse wiederholen. «Ich hatte Morbus Cushing. Das heißt, im Kopf, in der Hirnanhangsdrüse, war ein kleiner Tumor. Weil der zu viel Cortisol produziert hat, musste er raus», meint Carina. Komplikationen bei der ersten Operation. Ader erwischt – Blut, Abbruch. Wegen einer zweiten Operation muss sie ihr Studium aufschieben. Kurz danach: der erste Bänderriss, wieder Sportverbot. Ein weiteres gerissenes Außenband wird zunächst übersehen. Ohne Krücken geht nichts mehr. Früher hat sie regelmäßig Volleyball und Fußball gespielt. Ihren Lieblingssport, Badminton, will sie nicht aufgeben. «Mir fehlt der Ausgleich. Vor allem an der Uni hab ich das gemerkt. Ich kann nicht den ganzen Tag ruhig am Schreibtisch sitzen. Ich könnte viele Tage aufzählen, an denen ich nicht hätte spielen dürfen und es trotzdem gemacht habe.» Momentan hat sie einen weiteren Tumor in der Hirnanhangsdrüse. Eine Operation ist nicht nötig, solange der Tumor nicht wächst oder Cortisol produziert. Carina bleibt trotz allem dran: Sie will weiterhin zielstrebig studieren und bald wieder den Federball übers Netz schlagen.

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Fausto 2 Seit zwei Jahren lebt Fausto fast ohne Geld, nur für seine Miete muss er aufkommen. Er ist 32 Jahre alt und macht einen Bundesfreiwilligendienst beim adfc, dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club. Er arbeitet 40 Stunden die Woche und verdient 500 Euro im Monat – für Fausto genug zum Leben, selbst in München. «Trotzdem bleibt mir jeden Monat etwas übrig.»

Kleinvieh macht auch Mist Michael ist Unternehmer in eigener Sache. Sein Geld verdient er an Abfalleimern: im Park, in der Fußgängerzone, am Bahnhof und bei Großveranstaltungen – stets auf der Suche nach Flaschen und Dosen. Michaels Zukunft hängt von der Unachtsamkeit und Ignoranz anderer ab. Leergut – eine Einnahmequelle und Arbeit. Längst sind Pfandfl aschensammler ein Teil unseres Alltags: häufig unscheinbar gekleidet, sieht man sie trotz Ungeziefer und Scherben in Mülleimer greifen. Michael, gebürtiger Hannoveraner, zieht täglich durch die Straßen Nürnbergs und sichert so seinen Lebensunterhalt. Der gelernte Friseur hat zwar sein Leben lang in die Rentenkasse eingezahlt, doch seine Rente reicht bei weitem nicht. Wer fleißig sammelt, macht Umsatz: Monatlich verdient Michael im Schnitt 150 Euro dazu. Leergut – wenn aus Leerem etwas Gutes wird.

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Fastfood In 30 Sekunden einen Kuchen backen – unmöglich. In 30 Sekunden ein Kleid nähen – unmöglich. In 30 Sekunden einen Burger zubereiten – möglich. Die Fastfoodkette Burger King beweist das. So muss ein Hamburger in 20 und ein Whopper in 30 Sekunden zubereitet sein. 120 Kilogramm Pommes werden pro Tag verkauft. Während einer Chicken-Nuggets-Aktion gehen 1600 der Hühnchen am Tag pro Filiale über die Theke. Egal wie groß die Bestellung auch sein mag – maximal zwei Minuten 30 Sekunden bleiben, um den Kunden abzufertigen. Was zubereitet ist, muss innerhalb von zehn Minuten verkauft werden, sonst wandert es in die Abfalltonne.

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Fausto 3 Sein Essen erhält er über Foodsharing. Zehn Mal in der Woche ist er unterwegs und rettet Lebensmittel mit abgelaufenem Verfallsdatum. Er hat sich abgesprochen mit Bäckereien und kleinen Bioläden. Die Produkte holt Fausto als Essenskörbe ab und teilt sie mit seiner Foodsharing-Gruppe. «Es gibt einen Überfluss an allem», sagt er. Für ihn ist es ein Luxus ohne Geld leben zu können.

Studierendenausweis der Universität Regensburg

Benedikt Fröhlich

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Frühstudium Auf den ersten Blick ist Benedikt Fröhlich ein ganz normaler Teenager, der gerne zeichnet, Musik hört und sich mit Freunden triff t. Der 17-Jährige ist Schüler und Student: Er paukt am Gymnasium für das Abitur im nächsten Schuljahr und studiert Mathematik an der Universität in Regensburg – im Frühstudium. «Ich kenn Leute, die schon ein Frühstudium gemacht haben, und wurde auch mal von Lehrern danach gefragt. Außerdem hat ein Freund mich dazu überredet, das auch zu tun, nachdem er es gemacht hat», erklärt Benedikt. Während der Schulzeit besucht er die Vorlesung. Für diesen Zeitraum wird er von der Schule befreit. Trotz allem hat Benedikt bis jetzt noch keine größeren Schwierigkeiten den Stoff nachzuholen – die meisten Lehrer nehmen Rücksicht auf ihn. Er ist wie jeder andere Student immatrikuliert, kann sich ins Uninetzwerk einloggen und hat einen Studentenausweis.

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Techno Er gibt die Geschwindigkeit vor, zu der die Leute in Clubs und auf Festivals tanzen. Der internationale Techno-dj VonBallon legt seit zehn Jahren auf. «Geschwindigkeit», so der dj, «ist ein wesentlicher Teil des Nachtlebens. Für mich ergibt sie sich konkret aus den Beats per Minute (bpm), auf Deutsch Schläge pro Minute, die Geschwindigkeit eines Tracks. Ich fange mit 125 bpm an und ende bei 128 bis 130 bpm. Durch den Geschwindigkeitsaufbau werden die Menschen mehr und mehr in Ekstase versetzt.» Beim Auflegen hat der aus Nürnberg stammende dj das Geschehen auf der Tanzfl äche stets im Blick. «Ich achte natürlich auch auf das Publikum, man merkt, ob die Leute auf die schnelleren Lieder einsteigen oder eher auf die langsameren. Tendenziell ist es aber immer eine konstante Fahrt nach oben.»

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Burnout Anfang 2015 verlässt Bassist Markus Schwarzbach seine Wohnung und will im Studio am Debüt-Album seiner Band Blackout Problems arbeiten. Er erlebt eine Panikattacke und bricht zusammen: 15 Minuten Blackout. Zu diesem Zeitpunkt ist die Band seit zwei Jahren ununterbrochen auf Tour; alle Mitglieder haben ihre Jobs gekündigt oder ihr Studium aufgegeben. Aus Panikattacke wird Burnout; dem Burnout folgt Depression. «Letztendlich war, die Songs live zu performen, das Einzige, was mir in dieser Zeit die Hoffnung und Kraft gegeben hat, nicht komplett aufzugeben», so der 27-Jährige. «Die Musik und das, was auf Bühnen passiert, ist mein Ventil.» Markus hat in dieser Zeit vieles über sich gelernt und eine lange Entwicklung durchlebt. Heute betrachtet er die Geschichte von zwei Seiten. «Ich weiß, wer ich bin. Ich habe gesehen, wie mein Kopf ticken kann, und Sachen, die mir früher Angst gemacht haben, verstehe ich jetzt. Auch wenn es eine beschissene Zeit war, bin ich irgendwie ein bisschen froh, dass es sie gab und vor allem, dass ich sie gut überstanden habe.»

Fausto 4 Durch den Boykott möchte Fausto die Struktur der herrschenden Machtverhältnisse verändern. Denn das Geldsystem sei für ihn der Grund allen Übels auf der Welt: «Wer würde freiwillig die ganzen Tiere töten wollen?» Geld zwinge uns zu Taten, die wir gar nicht ausüben möchten. Für Fausto würde auch alles ohne Geld funktionieren: «Du beschäftigst dich einfach mit den Dingen, die dich interessieren. Wenn irgendjemand etwas produziert, wird es nicht verkauft, sondern einfach gegeben. Es ist ein Geschenk an die Gesellschaft.» Jeder würde so die Gaben wertschätzen und seine Zeit sinnvoll nutzen. Und vielleicht wäre dann das Leben langsamer. Keine Vierzig- oder Fünfzig-Stunden-Woche mehr, kein ewiger Konkurrenzdruck, der nur Sinn vorgaukelt. Natürlich habe er manchmal auch Stress, doch das entscheide er immer selbst – das ist sein größter Reichtum. Denn die Uhr tickt weiter, doch der Mensch nicht ewig. Ein Leben in Routine staucht sich, mit Zeit hingegen dehnt es sich aus.

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Text JOHANNES FISCHER BILD VERA KALTENECKER 84 beton


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doppel SCHICHT Weltweit am meisten davon verbrauchen die Deutschen: Aluminium. Besonders als Alufolie ist Aluminium populär und praktisch: Sie hält Speisen länger frisch oder warm. Doch der hohe Verbrauch hat Kehrseiten.

Dem dänischen Forscher Hans Christian Ørsted gelingt es 1825 erstmals Aluminium herzustellen; wenige Jahrzehnte später wird es in Massen produziert. Seither wird es in unzähligen Sektoren verwendet: Straßenschilder, Rollläden, Smartphones. Alufolie ist gas- und luftdicht und verhindert, dass sich Aromen verflüchtigen. Kaffee und Schokolade, Butter und Nüsse werden damit verpackt. Im Haushalt wird die zwischen 0,01 und 0,015 Millimeter dünne Folie hauptsächlich für Lebensmittel verwendet und hat sich in über 100 Jahren zu einem beliebten Verpackungsmaterial etabliert. So praktisch Aluminiumfolie sein mag, die Herstellung wird aufgrund des hohen Energiebedarfs und Ressourcenverbrauchs oft kritisiert. Heute kommt der Großteil des Bauxits, dem Material, aus dem Aluminium gewonnen wird, aus China, Australien oder Brasilien. In diesen Ländern werden Ur- und Regenwälder abgeholzt, um den Rohstoff zu gewinnen. Bei der Produktion entsteht gefährlicher Rotschlamm. Er enthält viele giftige Chemikalien und kann nicht weiterverarbeitet werden; deswegen wird er teilweise in großen Seen oder Flüssen entsorgt. Rotschlamm ist für Pflanzen und Tiere tödlich und zerstört komplette Ökosysteme. Gelangt der Schlamm in das Grundwasser, gefährdet er außerdem die Gesundheit der Anwohner.

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Wer Alufolie verwendet, sollte sich Folgendem bewusst sein: «Wenn Säure oder salzhaltige Lebensmittel darin verpackt werden, können sich Aluminiumionen aus der Folie lösen und in die Lebensmittel übergehen», erklärt Professor Edmund Maser, Toxikologe der Universität Kiel. Der Verbraucher nimmt diese Partikel auf. Aluminium beeinträchtigt im Körper das Nervensystem und den Knochenstoffwechsel; das belegen einige Studien. «Fakt ist, dass der Körper das Aluminium eigentlich gar nicht brauchen kann und es über die Niere ausgeschieden wird. Kleinste Aluminiumpartikel werden aber dennoch gespeichert», so der Ernährungsexperte Dennis Heider. Aluminium soll Krebs und Alzheimer verursachen. «Garen Sie keine Speisen in Aluminiumfolie, vor allem dann nicht, wenn Zitronen, Säure oder Gewürze dabei sind», rät Maser. Gänzlich anders wird Alufolie von vielen Verschwörungstheoretikern genutzt. Ihre strahlenabweisende Eigenschaft soll Elektrosmog vom Körper fernhalten. Ein Aluhut soll andere daran hindern Gedanken der Träger lesen zu können. Die Idee dahinter stammt aus einer Science-Fiction-Geschichte des britischen Schriftstellers Julian Huxley, in der Aluhüte gegen Telepathie verwendet werden. In der Regel ist nur der Kopf bedeckt – der restliche Körper ist ungeschützt. Soll die Strahlenbelastung minimiert werden, ist eine Art faradayscher Käfig notwendig.

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Wem die eigene Gesundheit oder die Umwelt am Herzen liegt, sollte eine Alternative verwenden und richtig recyceln. Aluminium lässt sich sehr gut wiederverwerten. Statt in dem gelben Sack landen Alufolie und andere Aluminiumprodukte häufig im Restmüll. Eine Alternative ist leicht zu beschaffen. So kann man Lebensmittel in Brotboxen transportieren, statt Einweggrills kann man Mehrweggrills aus Edelstahl kaufen und anstatt die Ofenkartoffel in Alufolie zu wickeln, kann man auch einfaches Backpapier verwenden, das vorher mit etwas Speiseöl eingestrichen wird. Wer weiterhin nicht auf die Alufolie verzichten möchte und sich fragt, ob nun die glänzende oder die matte Seite geeignet ist, heiße Lebensmittel warm zu halten: Das spielt keine Rolle. Die matte Seite entsteht beim letzten Walzgang, bei dem aus Effizienzgründen zwei Folien gleichzeitig verarbeitet werden. Hier berühren die polierten Walzen nur die Außenseiten, deshalb ist nur eine Seite glatt und glänzend. Die andere Seite bleibt matt. Theoretisch reflektieren glänzende Oberflächen Licht und Wärme besser als matte, allerdings spielt das unter 500 Grad Celsius keine Rolle.

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verkaufs SCHLAGER Gold in nur 24 Stunden: Kollegahs Album King schlug 2014 ein wie eine Punchline. Vier Wochen und weitere 100 000 verkaufte Alben später erreichte er damit Platin. Markus Bermann hat das Album mitproduziert.

Du bist Boss ist einer der Toptracks auf Kollegahs Album King, das inzwischen dreifach Gold erhielt. Unter seinem Pseudonym Cestro hat Markus Bermann den Track mitproduziert. «Angefangen hat alles mit 14», erinnert sich Markus. «Ein Kumpel hat sich damals den Magix Music Maker gekauft und das Programm bei mir installiert. Ich bin bei der Musik geblieben, er nicht.» Seitdem macht er beinahe täglich Musik. Angefangen als Hobby, nimmt er es immer ernster.

Text JOHANNES FISCHER BILD VERA KALTENECKER 88 beton


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Markus wird immer besser und stellt seine Beats ins Internet. «Ich hatte einen Youtube-Kanal, auf den ich kurze Beat-Videos hochgeladen habe», erinnert er sich. «Der ist auch ganz gut gelaufen. Ich glaube, ich hatte um die 40 000 Klicks.» Mit 17 bewirbt er sich mit seinen Videos bei dem Produzenten D-Bo, der ihn nach Berlin einlädt. «Wir haben uns getroffen und er hat mir gleich einen Vertrag für seinen Musikverlag gegeben. Danach war ich öfter in Berlin und habe andere Produzenten getroffen.» So entstand der Kontakt zu Hookbeats, der später die meisten Tracks auf King produziert hat. Auch Rapper lernte Markus bei seinen Besuchen kennen: Chakuza, r af Camora und auch Massiv hat er persönlich getroffen. Von Massiv war er besonders überrascht. «Wenn ich an Massiv dachte, hatte ich immer den tätowierten, bösen Rapper aus dem Video für Wenn der Mond in mein Ghetto kracht im Kopf. Als ich ihn dann mal traf, war er der netteste Mensch überhaupt. Nur am Witzereißen, richtig herzlich.» Nur Kollegah hat Markus bis heute nicht getroffen. «Ich hatte vor allem über das Internet Kontakt zu Hookbeats. Wir haben uns die Beats hin und her geschickt. Das ging dann als Beatpack an Kollegah und ist letztendlich auf dem Album gelandet.» Die Zusammenarbeit mit Produzenten und Rappern ist anders, als er dachte. Statt gemeinsam im Studio zu sitzen, läuft der Großteil über das Internet. «Meistens schicke ich den Entwurf einer Idee, die ich gerade im Kopf habe und bekomme dann Feedback oder ich bekomme Skizzen oder Referenzen zugeschickt, an denen ich mich orientieren soll», erklärt Markus. «Natürlich bringe ich dann immer meinen eigenen Stil ein.» Diesem eigenen Stil hat er es womöglich zu verdanken, Kollegahs erfolgreichstes Album mitproduzieren zu dürfen. Markus erinnert sich an den raschen Erfolg des Albums: «Ich saß gerade in der Schule, als ich die Meldung bekam, dass wir nach nur 24 Stunden schon Gold hatten.» King brach innerhalb kürzester Zeit einige Rekorde. Über drei Millionen Mal wurde das Album über Spotify innerhalb von nur zwei Tagen gestreamt – Streaming-Rekord für Deutschland, Österreich und Schweiz. 90 beton


Parallel zu seiner Zusammenarbeit mit Hookbeats ent stand 2013 das Projekt Horn & Bermann, das er mit einem Kumpel ins Leben rief und mit dem er bis zum Sommer 2016 bei Kontor unter Vertrag war. «Ich fand es manchmal komisch mich nur über das Internet auszutauschen und die Beats nach den Vorstellungen anderer zu machen», erzählt Markus. «Man wird immer irgendwie eingeschränkt. Horn & Bermann ist da viel offener, weil ich mich nach niemandem richten muss. Es macht einfach Spaß eigene Ideen von vorn bis hinten durchzuziehen.» Musikalisch weicht das Projekt von seiner bisherigen Arbeit ab und geht eher in Richtung Deep House. «Privat höre ich zwar hauptsächlich Hip-Hop, bin aber für alles offen, auch was meine Arbeit betriff t.» Zuletzt wirkte Markus als Co-Produzent an Rafros Album Bonshigh mit: «Da war es einfach cool im Studio zu sitzen, face-to-face und sich gegenseitig auszutauschen. So macht das eigentlich am meisten Spaß.» Seine Beats schaff ten es schon auf die Alben namhafter Rapper wie Haftbefehl und Massiv, trotzdem kann Markus noch nicht von der Musik leben. «Dazu müsste ich noch viel mehr Zeit investieren, die ich aber wegen meines Studiums nicht habe», erklärt er. Zwischen fünf und zehn Stunden braucht er im Schnitt für einen Beat. Für Horn & Bermann sind es für ganze Songs sogar 40 bis 50 Stunden. «Da kommt schon einiges zusammen mit Texteschreiben, Aufnehmen und Ausproduzieren. Dazu kommen kreative Blockaden, in denen ich eigentlich unbedingt etwas machen will, aber nicht den richtigen Sound oder die richtige Melodie finde.» Seinen Jugendtraum, Gold zu erreichen, hat sich Markus schon erfüllt; doch hauptberuflich als Produzent zu arbeiten, liegt noch in weiter Ferne. «Klar bleibt es für mich ein Traum, den ich noch weiter verfolgen will», meint er. «Ich bin aber nicht so naiv, dass ich sage, ich muss diesen Traum unbedingt leben. Aktuell steht sowieso das Studium im Fokus. Wenn danach die Möglichkeit besteht, zumindest fünf Jahre in Vollzeit Gas geben zu können, würde ich das sofort machen.»

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Text MORITZ SCHINN BILD VERA KALTENECKER 92 beton


farbe bekennen

listen PREIS Schweigen wäre Gold: Doch ein Krankenhaus will Silber. Letzten Endes ist es ein Unternehmen und wir die Ware. Eine Krankenschwester erzählt die Geschichte der Station 3A.

Die Situation der Patientenversorgung in den Krankenhäusern und wie sie damit umgehen, ist entsetzlich. Patienten werden nur unter der Prämisse der Wirtschaftlichkeit behandelt. Ich arbeite in einem Grund- und Regelversorgungskrankenhaus. Wir behandeln jeden, der zu uns in die Nothilfe kommt. Wirtschaftliches Arbeiten: Fehlanzeige. Die Politik will, dass Krankenhäuser wie unseres schließen. Für Qualität kann ein Patient weite Wege auf sich nehmen. Am Ende ist die Arbeit kleiner lokaler Krankenhäuser jedoch wichtig. Die Patienten können nicht alle in den großen Kliniken versorgt werden. Entsprechend sieht es gerade in der Pflege aus. Wir haben absoluten Personalnotstand.

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Um gehört zu werden, haben sich sämtliche Stationen und Pflegekräfte unseres Krankenhauses zusammengeschlossen. Wir werden unterbuttert, nicht ernst genommen. Doch wir stemmen die Hauptversorgung der Patienten. Die wird es so jedoch bald nicht mehr geben. Wir haben kein Personal mehr. Die Station 3 A zählt 4000 Überstunden. Im Laufe des letzten Jahres hat die 3 A fünf Pflegekräfte verloren. Durch Langzeitausfall wegen Überbelastung oder weil sie die Station gewechselt haben. Diese Stellen wurden bis heute nicht ersetzt. Die 3 A ist unterbesetzt und die Anweisung der Geschäftsführung lautet: «Überstunden abbauen.» Die Pflegekräfte arbeiten sich kaputt und die Stationsleitung weiß nicht mehr, wie sie ihre Schichten besetzen soll. Es ist wie Gewichte heben und gleichzeitig versuchen zu fliegen. Piloten streiken und sie werden gehört. Es ist dramatisch und schmerzt im Geldbeutel. Die Erzieher der Kita streiken und alle schreien auf: «Wo sollen wir unsere Kinder unterbringen?» Bei uns herrscht Burnout und Krankheitsausfall, doch es muss weitergehen. Niemand will, dass Patienten leiden. Trotz Streik muss eine Grundversorgung gewährleistet sein. Wir versuchen seit längerer Zeit unser Problem publik zu machen. Es fehlt das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Wir haben viele ältere Mitarbeiter, die kurz vor der Rente stehen. Das bedeutet, dass in drei bis vier Jahren bis zu 30 Mitarbeiter auf einmal gehen. Wir sind mitten in einem Pflegenotstand, doch das ist noch nicht die Spitze des Eisberges. Der Pflegeberuf muss attraktiver werden: bessere Bezahlung und bessere Arbeitszeiten. Wir alle werden krank und wir alle werden älter. Das ist ein Fakt, dem sich keiner von uns entziehen kann.

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Es gibt Krankenhäuser, die auf bestimmte Operationen und Eingriffe spezialisiert sind. So wirtschaftet es sich leichter ins Plus. Ein geplanter Eingriff, wie eine neue Hüfte, bei dem der Patient kein Notfall, sondern gut vorbereitet ist, wird gut vergütet. In meinem Krankenhaus wird fast ausschließlich defizitär gearbeitet. Hier liegt der Fehler im System: Diagnosis Related Groups (drg), diagnosebezogene Fallgruppen. Ich habe eine Blinddarm-op und dafür bekomme ich einen bestimmten Betrag. Ist es ein junger Patient, dann geht er im Regelfall nach drei bis vier Tagen wieder nach Hause. Das Krankenhaus bekommt Geld, alle Unkosten sind gedeckt und es bleibt vielleicht sogar etwas übrig. Ein 80-jähriger Notfallpatient, der ebenfalls am Blinddarm operiert werden muss und generell gesundheitliche Probleme hat, wird eingeliefert. Dieser alte Mann muss eventuell noch zwei Wochen stationär zur Beobachtung untergebracht werden. Das Krankenhaus erhält für beide Patienten den gleichen Betrag. Unsere Statistiken sagen, dass wir immer mehr Patienten in kürzerer Zeit behandeln und trotzdem immer weiter ins Defizit rutschen. Ein weiterer großer Punkt ist der Case Mix Index (cmi). Das ist eine Fallbewertung, der Schweregrad eines Falles; unsere sind schlecht bewertet. Wir haben also einen schlechten cmi. Denn pro cmi-Punkt gibt es Geld. Große Krankenhäuser haben kompliziertere Operationen an der Wirbelsäule, den Gefäßen und der Hüfte. Das bringt den besseren cmi. Wir machen Grundversorgung, die machen spezialisierte ops. Damit gewinnen sie schon. Eine Statistik verglich zwei Jahre unseres Krankenhauses. In einem Jahr haben wir mehr Patienten behandelt und weniger Geld bekommen als im Jahr zuvor. Grund dafür war ein Patient, der langzeitbeatmet wurde. Für Pneumonie- und Lungenangelegenheiten gibt es richtig gut Geld. Ab einer gewissen Länge der Beatmung steigt die Vergütung drastisch. Das geht so weit, dass Patienten, die so knapp vor der Grenze stehen und von der Beatmungsmaschine gelöst werden könnten, ein oder zwei Tage länger beatmet werden. Krankheit ist Geld und je länger sie dauert, desto mehr bist du wert.

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szenario

takt GEFÜHL Müde greift er nach seinem Hut, ehe er das Haus verlässt. Es ist ein lebendiger Tag, Leute hetzen durch die Straßen, Pferde treiben die Kutschen voran. Heller Staub wird aufgewirbelt. Am liebsten wäre er im Bett geblieben. Prüfend umschließt seine Hand den kleinen Gegenstand in der Tasche seines alten Mantels. Er ist noch da. Selbstredend, er hat ihn vor zwei Minuten erst eingesteckt. Wohin die nur alle wollen, brummt er in Gedanken, während er den Marktplatz anstrebt. Plötzlich rempelt ihn jemand an: Ein Junge in zerrissener Kleidung und mit brauner Kappe stolpert an ihm vorbei. Nicht mal eine Entschuldigung. Kopfschüttelnd setzt er seinen Weg fort. Weit ist es nicht mehr. Nach wenigen Schritten sieht er sich erneut dem Bengel gegenüber. Kleine, schmutzige Hände strecken ihm eine silberne Taschenuhr entgegen. Eine helle Stimme schimpft: So was Blödes, die funktioniert ja nicht mal. Automatisch ergreift er sie. Noch ehe er sich erzürnen kann, ist der Junge wieder verschwunden. Wütend auf sich selbst steckt er sie zurück in seine Manteltasche und lässt seine Hand den restlichen Weg über dort.

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Die Tür knarzt beim Betreten des kleinen Ladens. Die Staubkörnchen flimmern in dem mit Sonnenstrahlen erleuchteten Raum. Vor ihm sitzt ein graubärtiger, alter Mann hinter dem Tresen. Der Mann blickt von seinem Büchlein auf. Nach einer knappen Begrüßung legt er den Zeitmesser vorsichtig auf dem dunklen Holz ab. Der alte Mann greift nach dem Monokel, dreht das silberne Stück prüfend in seinen Händen und öffnet es. Er nickt: Kommen Sie morgen wieder. Schweren Herzens dreht er sich um und verlässt den Laden. Vor sich der laute Marktplatz. Der Junge von vorhin flitzt über das Pfl aster, ein rundlicher Mann stolpert ihm hinterher: Stehen bleiben! Er schließt die Tür hinter sich, hängt den Hut an den Haken. Bin wieder da, Kleines. Die Stille antwortet ihm. Er geht in die Küche, belegt sich ein Brot. Das Holz knarzt. Er erreicht den dunklen Tisch, noch ehe sich die Tür schließt. Seufzend zieht der alte Mann die Taschenuhr hervor: Bedaure, hab alles versucht. Stillschweigend ergreift er sie, lässt sie in seinem Mantel verschwinden, bedankt sich leise. Er verlässt den Laden. Träge hebt er seinen Blick und schaut zu dem Stand vor sich. Ein junger Straßendieb fängt sich eine schallende Backpfeife, lässt darauf den Apfel aus seiner Hand fallen. Der Bengel wehrt sich erfolglos gegen den starken Griff in seinem Nacken. Er geht auf den Tumult zu. Was ist hier los? Noch vor einer Antwort reißt sich der Junge frei, läuft davon. Schimpfend nimmt die kräftige Verkäuferin wieder ihren Platz ein. Er betrachtet kurz die Ware. Kauft zwei der prächtigen, roten Äpfel. Er steckt sie in seinen Mantel und spürt es sofort. Nichts. Hektisch dreht er sich um, hält Ausschau. Erfolglos. Schnell läuft er los, kämpft sich durch die Menschenmenge, blickt sich immer wieder nach allen Seiten um. Streift durch Seitengassen, klappert Nischen ab.

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Der Himmel ist orangerot, als er zum ruhigen Marktplatz zurückkehrt. Ein letzter Blick, dann strebt er den Heimweg an. Zwei Straßen vor dem Haus traut er seinen Augen nicht. Leise betritt er den dunklen Weg in der schmalen Gasse, schleicht sich näher an das regungslose Knäuel heran. Unbedacht tritt er auf ein Stück Papier. Der Junge springt erschrocken auf. Wortlos stehen sie sich gegenüber. Er greift in seine Manteltasche, skeptische Augen folgen der Bewegung. Er holt zwei Äpfel hervor, hält sie dem Bengel wortlos entgegen. Was soll ich mit zwei Äpfeln, wenn ich eine Uhr verscherbeln kann? Sie ist alt und kaputt. Zögernd geht der Junge zu ihm. Greift in seine notdürftig geflickte Hosentasche, hält ihm den Zeitmesser entgegen. Stillschweigend tauschen sie. Er überprüft den Gegenstand und steckt ihn ein, dreht sich um und verlässt die Gasse. Ein warmes Zuhause empfängt ihn, als er die Tür öffnet. Bin – er hält inne, ein mechanisches Geräusch dringt von seiner Hand an seine Ohren.

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Text MORITZ SCHINN BILD WOLFGANG GRAF 100 beton


szenario

blech MANN Es regnet. Dicke Tropfen klatschen auf das Autodach. Die Scheibenwischer quietschen. Das Grau der Stadt wirkt noch trostloser als sonst. Die schwarze Limousine biegt auf den Boulevard und hält kurz danach an einer roten Ampel. Herr Blechmann starrt mit leerem Blick aus dem Rücksitzfenster des Wagens. Nur wenige Menschen sind unterwegs.

Eine Dame mit gelbem Regenschirm überquert die Straße. Wunderlich, denkt er sich. Der passt so gar nicht in die graue Fassade der Stadt. Seine Augen verharren auf dem Gehweg. Er runzelt die Stirn. Ein kleines Mädchen, höchstens sieben Jahre alt, kauert neben einem Mülleimer auf durchnässten, alten Zeitungen. Sie spielt mit gesenktem Kopf an ihrer kaputten Schuhsohle herum. Herr Blechmann schaut weg. Irgendetwas regt sich. Tief verbaut. Zwischen Schrauben, Nieten und Zahnrädern. Ein Impuls.

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Herr Blechmann schaut wieder zu der Kleinen. Der Regen wird stärker. Die Ampel schaltet um. Die Limousine setzt sich träge in Bewegung. Wieder dieser Impuls. Ein Schlagen und Pochen. «Halt!», schreit er und reißt die Tür auf. Der Fahrer tritt hastig auf die Bremse. Herr Blechmann sprintet los. Vor dem Mädchen stoppt er. «Was machst du hier?» Das Mädchen blickt hinauf zu ihm. «23A Lloyd’s Avenue», sagt es. «Wohnen dort deine Eltern?», fragt Herr Blechmann. Lautes Hupen dröhnt von der Straße herüber – Stau. «Komm», sagt Herr Blechmann. Die Autotüren schließen sich und prompt setzt sich die Limousine in Bewegung. «Wie heißt du?», fragt Herr Blechmann. Das Mädchen blickt still aus dem Fenster. «Wie heißt du?», fragt er erneut. «Doro», sagt das Mädchen. «Doro, wie?» «Einfach Doro.» «Einfach Doro? Haben deine Eltern keinen Nachnamen für dich?» Doro schweigt. Der Blechmann blickt aus dem Fenster. «Danke, dass Sie mich zur Lloyd’s Avenue bringen. Sie haben bestimmt selbst viel zu tun», sagt Doro. «Wer passt auf dich auf?», fragt der Alte. «Ist dein Zuhause das Waisenhaus in der Picadilly Street?» «Ich passe auf mich auf», sagt Doro. «Du bist höchsten sieben», erwidert Herr Blechmann. «Zehn», antwortet Doro beleidigt. Stille. Das Prasseln des Regens wird sanfter. «Du bist sehr klein für eine Zehnjährige.» «Und Sie sind sehr neugierig für einen Fremden», erwidert Doro. «Warum haben Sie mich mitgenommen?» «Du bist noch ein Kind.» Doro blickt wieder aus dem Fenster. «Bringen Sie mich einfach nur zur Lloyd’s Avenue.» Das leise Brummen des Motors ist zu hören. Herr Blechmann seufzt laut.

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«Ein bisschen mehr Dankbarkeit wäre angebracht. Ein rares Gut, die Dankbarkeit. Wo wärst du ohne mich? Würdest noch immer im Regen sitzen.» «Es hat aufgehört zu regnen», erwidert Doro. Verärgert schlägt Herr Blechmann seinen Mantelkragen nach oben und dreht sich weg in Richtung Fenster. Die Trennwand zur Fahrerkabine öffnet sich. «23A Lloyd’s Avenue», verkündet der Fahrer. Doro öffnet die Türe und blickt Herrn Blechmann an. «Danke. Ich weiß Ihren Namen gar nicht.» «Scher dich raus aus meinem Wagen!», brüllt der Alte. Doro verlässt hastig das Auto. Die Tür knallt zu. Stille. Herr Blechmann atmet tief durch. Er blickt zu Boden auf seine ledernen Schuhe. Die Limousine parkt noch immer am Straßenrand. Er hebt seinen Kopf, schaut aus dem Fenster und erblickt Doro. Sie steht vor einer Ruine, einem alten Backsteinhaus, das Flammen zum Opfer gefallen war. Nichts mehr da. Herr Blechmann schaut weg. Da ist es wieder. Ein Klopfen. Ein dumpfer Schlag. Etwas setzt sich in Bewegung. Ein Pochen. Ihm wird warm. Sein Blick fällt erneut auf Doro. Ihre Schultern beben. Regen, erst langsam, dann immer stärker. Herr Blechmann steigt aus und geht hinauf zu den Trümmern. Der Alte stellt sich neben das Mädchen. Doros Gesicht ist mit Tränen übersät. Regen fällt in bestehende Pfützen. Herr Blechmann zieht seinen Mantel aus. Er hängt ihn sanft um Doros Schultern. Müde hebt sie ihren Kopf und blickt ihm lange in die Augen. Sie nickt. Die beiden gehen langsam zurück zur Limousine. Der Mantel schleift über den Boden. «Mein Name ist Herr Blechmann.»


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szenario

kerb HOLZ Ignaz wird ruckartig aus dem Schlaf gerissen. Das passiert ihm jedes Mal nach dem Wochenende. Diesmal war es aber nur ein 27-Stunden-Nickerchen, der Herr war auch noch am Samstag in der Agentur. Nachdem er ein paar Mal hin und her rollt, sitzt er auch schon im festen Griff seines Herrn. Erst nach zwei Stunden unerbittlichem Geschmiere gleitet er aus der verschwitzten Hand und bleibt regungslos liegen.

Ein naturfarbener Radiergummi, ein schwarzer Tuschefüller der Marke Rotring und ein nagelneues Lineal leisten Ignaz auf der Filzunterlage Gesellschaft. Große Freundschaft herrschte unter keinem der Wegbegleiter des Herrn. Zwischen ihm und dem Lineal gibt es wenig Kontakt, denn André konnte ausgezeichnet frei Hand gerade Linien zeichnen. Außer in seltenen Fällen, wenn es ganz genau sein muss. Radiergummi und Bleistift – seit dem ersten Strich herrscht untereinander Funkstille; schließlich ist die Aufgabe eines jeden gegen den Nutzen des anderen. Dann gibt es da noch diesen Tuschefüller, der Ignaz laufend zum Durchdrehen bringt. Es liegt nicht an der Farbe, er hat nichts gegen Schwarze, er schreibt ja selbst graphitgrau. Doch diese endlose Schreiberei geht ihm ordentlich gegen den Strich. Kaum geht die Tusche im Füller zur Neige, wird er wieder randvoll gefüllt.

Text WOLFGANG GRAF BILD WOLFGANG GRAF 104 beton


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«Jetzt geht es dir an den Kragen!», plärrt der fette Rotring von der anderen Blattseite aus. «Ach halt doch dei Goschn, du Plastikbomber!», schallt es augenblicklich zurück. Ignaz weiß, was der Tuschefüller meint. Jedes Mal, wenn er ausgiebig sein silber schimmerndes Graphit auf das Papier gerieben hatte, musste er neu gespitzt werden. Zu seiner Ungunst besitzt der Herr eine grausame, gar barbarische Angewohnheit. Er nimmt nicht den schonenden Spitzer, wie es so ziemlich jeder der anderen Fleischklopse im Büro macht. Nein. Bei Ignaz kommt stets ein kleines, aber unheimlich scharfes Taschenmesser zum Einsatz. Da kommt er auch schon wieder, der Herr setzt sich, nimmt Ignaz, hält ihn gegen das Licht und betrachtet sein stumpfes Haupt. Mit dem Zeigefinger drückt er ihm direkt auf die Spitze. Zielstrebig greift sich André in die rechte Jackentasche und holt sein Taschenmesser heraus. «Ich hab es dir doch gesagt», pöbelt der Rotring schon wieder von unten. Der Herr setzt sein Messer an und reißt Ignaz mit einem groben Ruck ein Stück aus dem Leib. «André, kommen Sie bitte in mein Büro», hallt es rettend von der anderen Zimmerseite.

Erleichtert liegt der Bleiling nun wieder auf dem Tisch. Tief in sich versunken sinniert er darüber, wie weit er es noch bringen wird. In den letzten Wochen hat er ordentlich an Substanz verloren und zahlreiche Kerben zieren seinen verschlissenen Schaft. Sein Herr war oft sehr frustriert, woraufhin er seinen Daumennagel in Ignaz presste, dutzende Seiten mit Skizzen beschmierte und wieder zerriss. Manchmal wurde sogar auf seinem Ende herumgekaut, was er gar ekelhaft fand. Er hasst es bis auf die Mine, wenn sich sein zartes Zedernholz mit dem Speichel des Herrn vollsaugt. Doch all diese Torturen lässt er stillschweigend über sich ergehen. Er hoff t noch immer, einmal etwas Großes zu zeichnen und berühmt zu werden. Nur so kann er es dem eingebildeten Rotring endlich zeigen und unsterblich werden. Viel Zeit bleibt ihm jedoch nicht mehr, er misst immerhin nur noch knapp acht Zentimeter und die nächsten Millimeter drohen auch in Kürze zu verschwinden.

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Für diesen Tag bleibt Ignaz verschont. Nach dem Gespräch mit seinem Meister packt der Herr den Schreibkram, wirft alle in die Schublade und pfeffert diese mit Schwung zu. Ein kurzes Nachfedern lässt noch einmal Licht in den dunklen Raum fallen. Alles passiert so schnell, Iganz weiß gar nicht mehr, wo hinten und vorne ist. Seine ohnehin schon stumpfe Spitze ist abgebrochen und knapp über der Mitte bemerkt er, dass er sich auch noch die Mine angeknackst hat. Die nächsten Tage und Wochen ziehen ereignislos ins Land. Oft hört man den Herrn mit seinem Meister streiten. Die meiste Zeit liegt Ignaz ungenutzt neben den anderen, der Herr arbeitet des Öfteren etwas am Computer. Ignaz kann leider nicht sehen, woran er arbeitet, eine große weiße Tasse versperrt ihm die Sicht. Der Tuschefüller ruft nach einem kurzen Einsatz: «Jetzt kommen wir wieder für zwei Wochen in das finstere Loch.» «Warum denn das?», fragt Ignaz. «Ich habe gerade seinen Urlaubsantrag unterschrieben», bekommt er prompt als Antwort. Für den Bleistift und seine Kollegen gibt es in den nächsten zwei Wochen nichts zu tun, von außen tönt ab und an etwas Gemurmel, sonst herrscht Stille. In der Zwischenzeit versucht André sich von den Anstrengungen der vergangenen Monate zu erholen. Er stellt sich vor, wie er nach vierzehn Tagen entspannt in die Agentur kommt und ein Meisterwerk nach dem anderen entwirft. Die Streitigkeiten zwischen ihm und seinem Chef wie weggeblasen. Nach einer Woche Grippe und anschließend einer Woche Bauarbeiten genau unter seiner Wohnung war das aber nicht der Fall. Im Gegenteil. Die ersten Tage sitzt der Herr vor einem leeren Blatt Papier und zerkaut das Ende von Ignaz. Tag für Tag Geschrei zwischen Herr und Meister. Der Bleistift hat mittlerweile allen Mut verloren. Kein Ruhm, kein Ansehen, nur der Zeichenstock eines Versagers.

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Am nächsten Tag sollte sich nun alles ändern. Gleich nachdem der Herr Ignaz aus der Schublade nimmt, wird er voller Tatendrang mit dem kleinen Taschenmesser gespitzt. Es fliegen ordentlich Späne und das Haupt von Ignaz ist so spitz, dass es beim ersten Aufsetzen gleich ein Loch in das Blatt reißt. Unermüdlich zeichnet der Herr bis in die Abendstunden. Neidvoll keucht der Tuschefüller «Nicht schlecht», da weiß Ignaz, dass er Teil von etwas Großem geworden war. Noch einmal frisch angespitzt setzt der Herr für die letzten Striche und Schraffuren an. André packt den Stoß Blätter und geht zielstrebig und voller Erwartung mit Ignaz in der Hand in das Büro des Meisters. Kaum angekommen wird der Griff ungemütlich fester, die Fingernägel bohren sich in die Seiten von Ignaz. Ein kleines zerkautes Stück bricht ab. Der Druck hält über Minuten an, während der Meister den Herrn anschreit. Ein kurzer Ruck des Herrn beendet die Auseinandersetzung. Ignaz weiß nicht, wie ihm geschieht, es ist plötzlich dunkel. Seine Fasern füllen sich mit Blut. Sein gebrochenes Ende ragt aus dem Auge des Meisters. Seit diesem Tag führt Ignaz ein ruhiges Leben als Beweismittel. Berühmt, wenn auch anders als erwartet.

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Dem Sport war Daniel schon immer verfallen: am liebsten Skifahren und Biken. Er schließt eine Lehre bei der Bank ab, studiert Wirtschaftspädagogik, arbeitet nebenbei als Skilehrer. Klingt nach einem soliden Plan für die Zukunft. Dann: Daniel bricht sich den Arm. Ich habe betrunken gefeiert, Blödsinn gemacht und bin dann gestürzt.

Bei der komplizierten Operation unterläuft den Ärzten ein Fehler, den sie erst ein Jahr später bemerken. Der Nerv bleibt gelähmt, den Arm kann Daniel nicht bewegen. Für ihn heißt das: ein ganzes Jahr ohne Sport. Als ich ein Jahr lang nichts machen konnte, was mir Spaß macht, wurde es mir umso wichtiger. Dann wollte ich, so lang es geht, mein Geld damit verdienen. Jetzt bin ich Skilehrer, das ist meine Winterarbeit. Im Sommer habe ich eine Saison als Bikeguide gearbeitet. Ich bin beim Bungeespringen, im Hochseilgarten und habe eine Ausbildung als Bergwanderführer. Schwimmtrainer war ich früher mal nebenbei.

Jeden Tag schwingt er sich aufs Rad und tritt auch in seiner Freizeit in die Pedale. Dadurch ist seine Fitness gestiegen und damit auch der Spaß am Biken. Es gibt Bergrailtouren auf verschiedenen Leveln. Für Einsteiger mit bis zu 500 Höhenmeter, die mittlere Tour mit bis zu 1000 Höhenmeter und Fortgeschrittenentouren, die sind dann nach oben offen und natürlich von der technischen Schwierigkeit auch steigend. Das sind schon Mountainbiketouren, keine Seerundfahrt.

Text ALISA FRIEDL BILD FLORIAN REITH, FELIX BIRKENSEER

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Daniel erklimmt nicht nur Berge, er stürzt sich aus 100 Meter Höhe in die Tiefe. Entschieden hat er sich sofort. Stellenanzeige Bungeespringen: Leute gesucht; klingt cool – angenommen. Natürlich ist es ein extremer Sport, ungewöhnlich und auch psychisch belastend. Körperlich finde ich Skifahren anstrengender, weil ich es viel intensiver mache und mehr Zeit damit verbringe. Dagegen arbeite ich im Sommer ein, zwei Mal die Woche beim Bungeespringen. Heißt: Ich springe nicht die ganze Zeit selbst – ich schmeiß andere Leute runter.

An der Klippe stehen, in die Tiefe blicken. Der Puls steigt. Nochmal tief durchatmen. Gesichert nur durch ein Seil, der Sprung ins Ungewisse. Horrorszenario: Das Seil reißt. Das Leben zieht vorbei. Du kannst dir leicht kleine Verletzungen wie Schürfwunden zuziehen, aber die Wahrscheinlichkeit für eine ernsthafte Verletzung oder Tod ist sehr, sehr gering. Die Seile reißen nicht so schnell. Sie werden schon in der Fabrik überprüft und mit Gewichten geworfen. Eher unterläuft ein menschlicher Fehler wie ein Knoten, der nicht richtig gemacht ist. Natürlich testet man das vor jedem Sprung mit vier Augen. Von daher bist du schon sicher.

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Ganz so locker war er bei seinem ersten Sprung nicht. Der einzige Befehl des Gehirns an sämtliche Körperzellen: Panik. Die Belohnung folgt. Erleichtert und mit Glück durchströmt, kommt er am Boden an. Furcht, sich zu verletzen, hat er nicht. Hatte ich nie. Auch nicht nach meiner damaligen Gehirnerschütterung oder dem jetzigen Armbruch. Tatsächlich war meine größte Angst, in Zukunft wegen meines Arms vorsichtig oder verkrampft zu sein. Gott sei Dank ist dieser Fall nie eingetreten.

Zurück an den Anfang: Die zweite op verläuft gut, der Arm ist verheilt – mit einer Metallplatte im Arm. Ich habe keine Beeinträchtigungen mehr, kann den Arm ganz normal bewegen. Die Metallplatte bemerke ich nur beim Bodyscanner am Flughafen. Dafür habe ich notfalls immer ein Röntgenbild dabei.

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Flughafen, Ortswechsel – zehn Mal ist er bereits umgezogen, unter anderem häufig in München. Ein Jahr lebt er in Italien, zwei Jahre in der Schweiz. Aktuell ist er in Kanada. Ich weiß mittlerweile, wie man packt, aber vor allem dieses ständige Umziehen nervt schon ab und zu. Manchmal wünscht man sich einen Platz, an dem man länger ist und sein ganzes Zeug lassen kann. Mit meinen Jobs kann ich es mir nicht leisten, einen festen Wohnsitz und einen zweiten unterwegs zu haben. Ich habe mich auch noch nicht entschieden, wo dieser Ort sein könnte – nicht mal für ein Land.

Sich sportlich weiterzuentwickeln ist überall möglich. Dabei unterstützt ihn auch seine Familie. Vor allem das Bungeespringen halten die meisten für verrückt, aber schon irgendwie cool. Extremsportlern steigt der ständige Nervenkitzel häufig zu Kopf und bringt ein gewisses Suchtpotential mit sich. Wenn ich etwas gerne mache und dem nachgehe, bin ich nicht unbedingt süchtig danach. Das ist schwierig zu definieren. Laut meiner Freundin bin ich unausstehlich, wenn ich mich eine Woche lang nicht sportlich betätige. Deshalb ist es vielleicht schon eine Art Sucht.

Trotz der Höhen, mit denen er zu tun hat, bleibt er auf dem Boden. Ein schöner Skitag, eine schöne Biketour – das ist für ihn der Schlüssel zu einem gelungenen Tag. Anders beim Profisport. Hier geht es um Leistung und Erfolg. Profisport würde ich schon gern ausüben, aber ich weiß genau, dass ich entweder zu alt oder zu schlecht bin. Ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass ich in dem Bereich erfolgreich gewesen wäre. Egal, wie hart ich trainiert hätte. Außerdem ist der Zeitraum, in dem man Profisport betreiben kann, sehr kurz. Meine jetzige Arbeit kann ich länger ausüben.

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Mens sana in corpore sano – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Eine Redewendung, die er verkörpert. Ich habe viel mit Entscheidungsfindung zu tun. Ob jetzt beim Biken, Skifahren oder abseits von den Pisten – das beeinflusst auch das private Leben. Ich handle bewusster. Was nicht heißt, gar kein Risiko mehr einzugehen, aber ich bin schon ein bisschen vernünftiger.

Viele andere Sportarten würde er gerne ausprobieren: Eishockey, Klettern, Fallschirmspringen und Kanufahren. Mit einer Sportart wird er nie warm werden: Fußball! Ich kann es einfach überhaupt nicht und es macht mir keinen Spaß.

Mit dem Sport will er auf jeden Fall weiterhin seinen Lebensunterhalt verdienen, so lange er mit Freude dabei ist und sein Körper fit bleibt. Ich lebe mehr danach, zu tun, was mir Spaß macht. Das klappt immer irgendwie und ich komme damit über die Runden. Auch wenn ich nicht viel Geld verdiene, bin ich glücklich. Ich bin zwar nicht reich, aber reich an Erfahrungen und an schönen Momenten – und ja, das ist mir wichtiger.

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«Ich bin nicht behindert, ich bin getuned», gibt Matthias Wagner sofort zu verstehen. Vor 18 Jahren reißt dem jungen Leistungssportler beim Badminton der Meniskus. Zunächst nichts Dramatisches; doch über die Jahre wird er «kaputt operiert». Assistenzärzte versuchen das Knie zu flicken – ohne Erfolg. «Dann hat man experimentell versucht das Gelenk umzustellen, also Schienbein absägen, Achse verändern. Und das war so der Anfang vom Ende.» Ab dem Zeitpunkt hat er mit Phantomschmerzen zu kämpfen. Eineinhalb Jahre später wird die erste Knieprothese angepasst, die zweite, die dritte; schließlich die Diagnose: Arthrofibrose, eine schwere und seltene Gelenkerkrankung. Vier Tage nach der Operation ist sein Bein wieder steif. Ab dem Zeitpunkt heißt es: Da können wir nichts mehr machen; mit Morphium wird das schon. Sein Bein ist steif, die Schmerzen ohne Morphium nicht auszuhalten. Dreieinhalb Jahre sitzt der junge Vater zu Hause fest, bis das Morphium nicht

mehr wirkt. Er entscheidet sich für die Amputation – hauptsächlich wegen seiner zwei Söhne. Am 15. Dezember 2015 wird das Bein amputiert, sieben Tage später ist er wieder zu Hause. Nach zweiwöchiger Bettruhe reicht es ihm: Einbeinig steht er mit Pfeil und Bogen vor der Zielscheibe. Er fokussiert sein Ziel, spannt den Bogen und lässt los.

« probleme gibt es viele, Vorurteile noch viel, viel mehr»,

verdeutlicht Matthias. Seine Freunde und Familie haben ihn so gut es geht unterstützt. Was nervt, sei Mitleid. Viele Bekannte und vor allem die ältere Generation habe ihn wie ein rohes Ei behandelt. Blöde Blicke gebe es immer mal, aber er habe gelernt damit umzugehen. Die Prothese ist für ihn eine Stütze, kein Fremdkörper. «Ich gehe damit sehr offen um. Ich trage im Sommer also auch gerne kurze Hosen. Ich meine, man muss sich einfach nicht verstecken.» Über seinen Blog kann er, seit Anfang 2016, in das Schicksal anderer Prothesenträger einblicken: «Die Erfahrung zeigt, dass sich ganz viele zurückziehen und so dieses ‹Behindertsein› total verinnerlichen». Von einem Tag auf den anderen fehlt ein Körperteil. Aus diesem Sumpf zu klettern, erfordert Lebensmut. Einige schaffen es, andere versinken darin. Mit seinem Blog unterstützt Matthias die Verzweifelten. Darin schreibt er über eigene Erfahrungen, steht Frage und Antwort. Manchmal taucht er auch ganz zufällig bei seinem Orthopädietechniker auf, wenn er die Prothese des Patienten das erste Mal anpasst. Denn er weiß, ihnen kann er helfen, das sind Leute, «die körperlich könnten, aber psychisch nicht wollen».

TEXT VIOLA KARAALIOGLU BILD LAURENZ WEIPERT 126 polyton


Natürlich vermiese die Prothese ihm auch den ein oder anderen Moment, besonders an einem langen Arbeitstag. «Dann drückt das, dann scheuert jenes, aber damit muss man einfach umgehen.» Anders als Krankenkassenpatienten wird er als Mitglied der Berufsgenossenschaft finanziell gefördert: «Ich habe in den letzten 18 Jahren seit dem Unfall die Berufsgenossenschaft fast 500 000 Euro gekostet». Da haben es Kassenpatienten deutlich schwerer. Sie müssen teilweise ein, zwei Jahre für eine Prothese kämpfen – die Krankenkassen sparen. «Das sind dann Nachkriegsmodelle, mit denen es überhaupt keinen Spaß macht rumzulaufen.» Er selber hat am Anfang auch ein solches Modell getragen, bei dem nichts gedämpft wird. Die «Dinger» kennen nur zwei Zustände: steif beim Stehen und eingeklappt bis zum bitteren Ende bei Vorfußlast. Der Kopf küsst den Boden.

«ich habe ein paar mal in der küche mit dem Kopf auf der Arbeitsfläche gelegen. Damit

muss man dann klarkommen oder für eine gescheite Prothese kämpfen.» Der Kampf kann lange dauern, ist nervenaufreibend und zeitaufwendig. Manche nehmen daher Kredite auf – eine vernünftige Prothese kann leicht zwischen dreißig und vierzig Tausend Euro kosten. Wer sportlich unterwegs ist, benötigt eine Sportprothese oder einen anderen Fuß; also noch mehr Kosten. Für den Sport nimmt Matthias einfach seinen Fuß ab und schraubt eine moderne Karbonfeder an seine Alltagsprothese, die Össur Rheo xc.

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Die Bionik kopiert biologische Systeme. Seine bionische Prothese ist ausgestattet mit Sensoren, Scheiben und Elektromagneten. Gesteuert wird Matthias’ Prothese über die cpu des Computers. Die Handprothesen von Touch Bionics und Otto Bock sind bereits voll steuerbar. Hier ist die künstliche Hand über den Prothesenschaft mit dem Arm verbunden. Zwei auf der Haut platzierte Elektroden nehmen die elektrische Spannung auf, die von den Muskeln ausgeht und wandeln sie über einen Mikroprozessor in einen Bewegungsbefehl um. Der Prothesenträger steuert jeden Finger einzeln und bewältigt Alltagshürden problemlos.

viele menschen schätzen den fortschritt in der Prothetik falsch ein.

Sie denken an Cyborgs, eine Symbiose aus Mensch und Maschine. Bis dahin würden noch einige Jahrhunderte vergehen, so Robert Riener, Professor für Sensomotorische Systeme der eth Zürich und Hauptorganisator des Cybathlon. Der Fortschritt ist dynamisch: An der technischen Hochschule in Lausanne forscht Professor Silvestro Micera an einer Handprothese, die den Tastsinn nachempfinden lässt. Die Elektroden werden direkt in die Armnerven implantiert. Die künstliche Hand wird mit Sensoren ausgestattet, die reagieren, wenn der Patient einen Gegenstand berührt. Das System wandelt die Informationen in Strom um und dann in Nervenimpulse, die an die implantierten Elektroden gesendet werden. Die Information erreicht letztlich das Gehirn und der Tastsinn ist wiederhergestellt.

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Bisher funktionieren all diese Prothesen mit Muskelkraft. Im nächsten Schritt soll der Patient die Prothesen mit Gedanken steuern. Selim Eskiizmirliler forscht an der Pariser Universität Descartes an einem sogenannten bmi, dem Brain Machine Interface. Es verbindet den Menschen mit der Maschine; so soll ein Querschnittsgelähmter seine Körperteile wieder selber steuern. Ein Exoskelett, ein äußeres Skelett, unterstützt ihn dabei und übernimmt die Muskelarbeit. So müssen die eigenen Muskeln keine Kraft aufwenden. Nach Hugh Herr, dem amerikanischen Pionier der bionischen Prothese, stünden wir am Anfang eines Zeitalters, in dem uns Maschinen stärker und leistungsfähiger machen könnten.

in der zukunft könnte auch ein gesunder Mensch mit einer

Prothese oder einem Exoskelett seine körperliche Leistungsfähigkeit verbessern. Zukunftsmusik, die erst noch komponiert werden muss. Matthias blickt erst einmal auf die nächsten fünf Jahre. Bis dahin soll eine Knieprothese auf den Markt kommen, die er mit Muskelkontraktion steuern kann. Für den Moment ist er mit seiner Hightech-Prothese gut ausgestattet.

Im Sommer, wenn er die kurzen Hosen trägt, fällt sie besonders auf. Gerade Menschen mit Handicap sprechen ihn oft darauf an und bewundern ihn für seinen offenen Umgang. Nach einem eineinhalbstündigen Gespräch mit einer älteren Dame, die bereits seit 40 Jahren eine Prothese trägt, will die Frau wieder einen Rock tragen. «Die hat sich einfach nicht getraut – also das ist unsere Gesellschaft im Moment.» Deshalb ist Inklusion für ihn eine Herzensangelegenheit. Gemeinsam mit seiner Frau gibt er einmal die Woche Bogensportunterricht, an denen Kinder mit und ohne Behinderung teilnehmen. Mit seiner selbstbewussten, lockeren und offenen Art versucht er die Menschen auf die helle Seite des Lebens zu ziehen. Abends, wenn er das Bein auszieht, düst er mit dem Rollstuhl durch die Wohnung: «Einfach weil ich zu faul bin, auf Krücken zu laufen.» Über das Leben mit der Prothese im Alter zerbricht er sich noch nicht den Kopf, er nimmt es gelassen. «Ganz ehrlich so ein Rolli kann auch Vorteile haben.» Er grinst: «Man kann einfach Sitzenbleiben und sich schieben lassen.»

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GUT DIE HÄLFTE aller Isländer glaubt an die Existenz übersinnlicher Wesen wie Elfen und Feen. In anderen Ländern sind es fünf Prozent. Vor allem hellsichtige Menschen nehmen die mystischen Wesen wahr, so Magnús Skarphédinsson, Leiter der weltweit einzigen Elfenschule in Reykjavík. Zu ihnen gehören meist Kinder bis zu neun Jahren, Frauen und Homosexuelle. Die meisten von ihnen sehen sie nur. Menschen mit ausgeprägter medialer Fähigkeit, sogenannte Psychics, können diese Wesen auch hören und berühren.

Text TIFFANY MOFFIT BILD TIFFANY MOFFIT

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STRASSE

Häufig muss in Island der BAU EINER eingestellt werden – Bauarbeiter erkranken, Maschinen gehen kaputt. Der Grund: Steine müssten wegen der Straßenführung entfernt werden. In diesen Steinen leben allerdings Elfen und Feen und sie verteidigen ihr Zuhause. Elfen, die auch als Naturgeister Islands bezeichnet werden, haben spitze Ohren und sind circa 140 Zentimeter groß. Besondere Elfen sind die Blumenelfen. Sie sind nur wenige Zentimeter groß und haben Flügel. 138 monoton


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SKARPHÉDINSSONS BRUDER Össur arbeitet für die Stadt. Als Probleme beim Straßenbau auftauchen, wendet er sich an seinen Bruder. Er könne doch nicht den Bau verlegen mit der Begründung, dort leben Elfen. Magnús schlug vor, er solle doch die Straße einfach verlegen – ohne Begründung: «Just move the road, don’t tell anyone.» Mit der Aussage, dort leben Elfen oder Feen, komme man in der Politik wahrscheinlich nicht sehr weit. Dort sei der Glaube an diese Wesen zwar ebenfalls präsent, nur zugeben werde das keiner. Kleiner als die Elfen sind die Zwerge und Gnome. Die Zwerge, etwas größer als die Gnome und dem Menschen ähnlicher, haben wie Elfen spitze Ohren. Die Trolle sind die gefürchteten Riesen Islands. Sie kamen mit den Wikingern aus Skandinavien nach Island. Auch das menschenähnliche Huldufólk, the hidden people, bewohnt die Insel.

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NATURGEISTER

VIELE DER sprechen Isländisch, einige kommunizieren telepathisch. Fßnf Prozent sprechen ihre eigene Sprache, die der Mensch generell nicht verstehen kann.


SKARPHÉDINSSON

MAGNÚS widmet sein Leben den Elfen und Feen und wartet jeden Tag darauf, endlich einem dieser mystischen Wesen zu begegnen – sehr wahrscheinlich vergebens. Das versteckte Volk wird sich ihm wohl nie zeigen. Aus gutem Grund: Er hat so viele Fragen, sie würden ihn nie wieder loswerden.

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