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ent iscont

+ + + t n te Discon tent + + + n Disco

D

nt Disconte

++

++

4

Content

Discontent

7

Schmiede says THANK YOU

9

1.0 Schmiede is ...

10

network create present

10

2.0 SchmiedeProductions

16

schmiedeproduCtion

16

Cinema Vertigo Lab

19

Reverb.On 4

20

schmag

23

schmiedetalk

24

3.0 Cooperations

32

Estrela

32

kunstraum pro arte

35

salzburger landespreis: Medienkunst

36

argekultur

39

subnet

40

tanzb端ro salzburg

44

4.0 SmithProjects

50

Nemore

50

VIA

55

schmiede special 2

56

w端ste

58

schmiede entrance

60

club mindfuck

63

RATTEHAWAII

64

5.0 Interviews

76

Erfundene Religion // produced religion

76

SoundCloud

78

ruhe // Silence

80

Cinema Vertigo

82

Der kleine gnom // The little gnome

84

sCHMAG

86

Der Greif // The Griffin

88

Daten sind schön // Data is beautiful

90

friert ein handy // does a cell shiver

92

das PhantoM // The Phantom

94

zuerst nachdenken // think first

96

6 wochen in‘ner box // 6 weeks in a box

98

Open Design City

100

danke, das du gehst // Thanks for leaving

102

mittel zum zweck // means to an end

104

sponsoren / Förderer

106

content-partner

106

impressum / Credits

109

R端diger Wassibauer Produzent / Producer

Discontent

Discontent Mit der Schmiede10: DISCONTENT können wir beim besten Wil-

With Schmiede10: Discontent, we cannot be discontent. Eight years

len nicht unzufrieden sein. Acht Jahre kontinuierliche Entwicklung

of constant development and now a big jump forward made Schmiede10

und 2010 ein großer Sprung nach vorne machen aus der Schmiede10:

our largest, most international, and quality-wise greatest success yet. Over

DISCONTENT unseren größten, internationalsten und qualitativsten

220 applications, 140 participants (aka Smiths) and 50 guests came to the

Erfolg. Über 220 Bewerbungen, 140 TeilnehmerInnen (auch Smiths

Perner Island in Hallein for 10 days of net-working, and to present the

genannt) und 50 geladene Gäste kamen für 10 Tage auf die Pernerinsel

creative projects they were working on. Projects and groups which devel-

in Hallein. Sie kamen, um sich zu vernetzen, kreative Projekte auszuar-

oped at the Schmiede were to be seen last year in Vienna, Berlin, Salzburg,

beiten und zu präsentieren. Aus der Schmiede entstandene Projekte und

Shanghai, Tokio, and Linz. The success of Music productions from Allen

Gruppen konnte man im letzten Jahr u. a. in Wien, Berlin, Salzburg,

Allexis, Columbus and Ogris Debris (nominated for Amadeus 2010) can

Shanghai, Tokyo und Linz erleben. Musikproduktionen von Allen Al-

be ascribed to the close cooperation between Estrela and Schmiede. Open to

lexis, Columbus und Ogris Debris (nominiert für den Amadeus 2010)

regional activity, the Schmiede embarked on cooperative schemes with the

können der engen Kooperation zwischen Estrela und Schmiede zuge-

ARGEkultur, tanzbüro Salzburg, Fh Salzburg, subnet and Farm Golling.

rechnet werden. Regional öffnete sich die Schmiede aktiv und ging in-

With more than 30 programme items, mostly of our own devising and

haltliche Kooperationen mit der ARGEkultur, dem Tanzbüro Salzburg,

open to the public for free,we have reached a higher plane and this we

subnet, der FH Salzburg und der FARM Golling ein. Mit über 30 inter-

plan to extend in the future. Our discussion series, SchmiedeTalks, with

national besetzten, meist selbst entwickelten, öffentlich und frei zugäng-

speakers such as Eric Wahlforss (Soundcloud) and Codec (Pfadfinderei)

lichen Programmpunkten haben wir eine neue Ebene erreicht, die wir

were recorded by Servus TV. SchmiedeProjects were an important addi-

in den kommenden Jahren ausbauen werden. Unsere Diskussionsreihe

tion to the existing SchmiedeLandscape. In 2011 we hope to extend this

SchmiedeTalk war mit internationalen Stars wie Eric Wahlforss (Sound-

concept of individual sponsorship and are on the look out for partners.

Cloud) und Codec (Pfadfinderei) besetzt. ServusTV hat aufgezeichnet.

With SchmiedePatron Schmiede will constitute the interface for projects

Mit den SchmiedeProduktionen gelang uns eine wichtige Erweiterung

and sponsors. We´re ready and looking foreward to the Schmiede11: chaos

und Stärkung der bestehenden SchmiedeLandschaft. 2011 werden wir

creates structure (15-25 September 2011/ Hallein, Austria). I hope you

dieses Konzept der individuellen Projektförderung ausbauen und sind

will do us the honour.

auf Partnersuche. Die Schmiede wird dafür als Schnittstelle für Projekte und UnterstützerInnen auftreten. Wir freuen uns auf die Schmiede11: chaos creates structure (15.–25. September 2011, Hallein, Österreich). Ich hoffe, Sie erweisen uns die Ehre. Rüdiger Wassibauer

Rüdiger Wassibauer

Leitender Produzent

Head Producer

7

Thank you

Schmiede sagt DANKE Schmiede says THANK YOU Land Salzburg – LH-Stv. David Brenner, Hans Berginz, Regina Lechner, Stadtgemeinde Hallein – Bgm. Christian Stöckl, Dr. Eveline Sampl-Schiestl, Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur – Dr. Gabriele Kreidl-Kala, Privatbrauerei Josef Sigl, Seppi Sigl und Flo Schremms, Carhartt, Preddy Manojlov, Marcus Winkler und WIBERG, Music Import, den Gebrüdern Tschernig, Mackie, Tourismusverband Hallein/Bad Dürrnberg, Ernst Kronreif, der FH Salzburg und ganz besonders Marius Schebella und Robert Praxmarer, Subnet und Anne Grabs, Christian Veit, dem Tanzbüro Salzburg und besonders Elfi Eberhard, Lisa Hinterreithner und Gods Entertainment, kunstraum pro arte und besonders Helga Besl und Marcel Schobel, D.E.R. Drink, Johannes Auersperg, Red Bull, Ingrid und Walter Steinacher, Johannes Knall und dem unglaublichen Kochteam, dem Schallzeichen-Team, Korinna Lidinger und Karla Spiluttini, dem Cinema-Vertigo-Team Claudia Rohrmoser, Benjamin Hohnheiser, Rainer Kohlberger, dem Reverb.On Team Daniela Schindler, Leo Lass, Gregor Ladenhauf, dem Dokuteam, Kori Pondorfer, Stefi Lamm, Mario Krankl und der Band, dem Schmag-Team Stephanie Meisl, Gerald Schober und David Fisslthaler, dem VIA-Team und besonders Jessica White, dem Inspiranto-Team Dominik Mayer, Bianca Mühlbauer und Ilkmaster, dem Show2Go-Team Jakob Guggenberger, Andi Hansel, dem Organisationsteam Katja Weber, Lilli Bayer, Ela Grieshaber, Isis Flatz, Gabriele Krisch, Uli Grabler, Maria Morschitzky, Simone Laimer, Andrea Amenitsch, Leonhard Besl, Phil Wassibauer, Marcel Schobel, Paul Estrela, Merlin Stollhofer, Tom Brüssel, Hannes Veitlbauer, Jakob Barth, the Grillmaster TomK, Schratti, Michi Hackl, Ingo Auer, Christoph Dorfer, Klaus Mähring, Martin Dietrich, Gail Polacsek, Jakob Polacsek, Claudia Steinwendtner allen Smiths und jenen, die wir in diesen Stunden vergessen haben.

9

10

1.0 Schmiede is ...

network create present Schmiede ist ein Festival für Produzenten und Multiplikatoren – ein

Schmiede (Forge) is a festival for producers – a playground where ideas are

Spielplatz für Ideen, die belebt werden wollen.

nurtured and come to life.

Schmiede ermöglicht diesen Prozess, indem wir die Räumlichkeiten,

Schmiede empowers the process of social networking by bringing together

Essen, Technik und ein internationales Spezialistennetzwerk organi-

the essentials: space, infrastructure, food, people, and freedom to explore.

sieren. In der Schmiede findet man Menschen zum Reden und Tan-

Here you’ll find like-minded friends and associates to push your work to

zen und wichtiger, Freunde und Mitstreiter für den Weg. Schmiede

another level. There are no teachers at Schmiede, just around 180 people,

produziert ein Netzwerk des Vertrauens, Lernens und Lehrens. In der

both experts and students in their professions and spheres of interest.

Schmiede gibt es keine Lehrer, nur 180 Personen, Experten und Studenten ihrer Leidenschaft und Profession. Das SchmiedeNetzwerk ist in den digitalen Medien verortet. Darüber

The SchmiedeNetwork revolves around digital media but is comprised

hinaus beherbergten wir in den letzten Jahren eine Vielzahl von Smiths

of much more. Over the years we have hosted Smiths from all sorts of

aus ergänzenden Bereichen: Performance, Architektur, Guerilla Mar-

backgrounds: audio, programming, visual arts, djing, culinary, real-time

keting, Philosophie, Jugendkultur, Geschichte, IP und Urheberrecht,

cinema, performance, architecture, guerrilla marketing, philosophy, en-

Kunst etc. Das SchmiedeNetzwerk vereinigt sich jährlich in Hallein,

gineering, youth culture, law, history, to name just a few. Many of our

Salzburg, Österreich. Gemeinsam erschaffen wir die Schmiede.

contributors return each year, reuniting at our HQ in Hallein by Salzburg in Austria. Together we create a new Schmiede out of the ashes of the old.

Schmiede ist ein kollektiver Prozess. Im Vordergrund steht nicht, wer

Schmiede is a collective process: it doesn’t matter who we are, what matters

wir sind, sondern was wir wollen.

is what we want.

Schmiede passiert jährlich für 10 Tage zwischen 15. und 30. Septem-

Schmiede happens annually, for 10 days between September 15. and 30.

ber. Anmeldung für das aktuelle Jahr endet am 31. Mai.

application for the current year ends 31. Mai.

Schmiede endet mit der SchmiedeWerkschau.

Schmiede ends with the SchmiedeWorkshow

Schmiede * 2003

Schmiede * 2003 schmiede.ca

16

2.0 SchmiedeProductions

schmiede

produCtion Projekte beherbergten wir viele in den letzten Jahren, aber was macht

Projects- we´ve accommodated a great many of them over the years but

ein Projekt zur Produktion? Hat die Schmiede den Auftrag, auch zu

what is it that makes a project into a production? Is it Schmiede`s role to

produzieren? Nein, aber zu ermöglichen. Darum setzten wir 2009/10

produce? No, but to facilitate, enable and empower. Hence the fundamen-

den grundlegenden Schritt, um den nächsten Schritt zu ermöglichen:

tal step we took in 2009/10 to allow the next step: SchmiedeProduction.

SchmiedeProduktionen. Erstmals selektierte die Schmiede Projekte,

For the first time the Schmiede selected projects offering them a wider scope.

um denselben einen erweiterten Rahmen zu bieten. SchmiedeProduk-

SchmiedeProductions are projects which stand out on account of the par-

tionen sind Projekte, die durch ihren partizipatorischen oder inhaltli-

ticipatory or contextual demands they make and because the preliminary

chen Anspruch hervorstechen und durch Vorleistung, Nachhaltigkeit

work involved,  plus their on-going relevance and dimensions have already

und Dimension das Stadium des Projekt-Prototyps bereits überschrit-

gone beyond the stage of the project prototype. SchmiedeProductions en-

ten haben. SchmiedeProduktionen sind zum Beispiel Plattform-

compass for example, platform projects such as Cinema Vertigo or Schmie-

Projekte wie Cinema Vertigo oder SchmiedeTalk. Beide stellen eine

deTalks. Both of these form a basis on which the Smiths can build, while

Grundlage dar, auf der Smiths aufbauen können. Reverb.On besticht

for years now the high standards and quality of Reverb.On have continued

seit Jahren durch hohen Anspruch und Qualität. Das „Schmag“ macht

to impress. As for the Schmag , it does what we all only talk about- it cap-

das sichtbar, von dem wir alle nur reden, es hält die Schmiede fest und

tures Schmiede and represents that for which, over the years, words have

stellt dar, wofür uns seit Jahren die Worte fehlen: Schmiede.

failed: Schmiede.

a

c

b

2.1 SchmiedeProductions

Cinema Vertigo Lab why not change the format

Die interaktive Videowall Cinema Vertigo gewann 2008 den neuen

The interactive video wall “Cinema Vertigo won the new culture prize

Landeskulturpreis Podium. In den Hallen der Schmiede wurde das

“Podium” in 2008. To celebrate this occasion the project was presented in

Projekt zu diesem Anlass auch erstmals in Szene gesetzt. 2010 zählte

2009 for the first time in the halls of the Schmiede. In 2010 Mediafassade

die Medienfassade zu den fix installierten SchmiedeProduktionen und

was among the permanent SchmiedeProductions and was available for

stand den Teilnehmern zur Verfügung, um bespielt zu werden. Die

recording to the participants . With the assistance of Claudia Rohrmoser

Smiths konnten hier unter Betreuung von Claudia Rohrmoser und

and Benjamin Hohnheiser the Smiths could release their videos, visuals,

Benjamin Hohnheiser ihre Videos, Visuals, Animationen, Sound und

animations, sound and games or use Cinema Vertigo as background/com-

Spiele veröffentlichen oder Cinema Vertigo als Hintergrund/Bestand-

ponent of their projects. Its creative genius, Claudia Rohrmoser, together

teil ihrer Projekte verwenden. Schöpferin Claudia Rohrmoser sorgt ge-

with her partner, Marcel Schobel, sees to it that a lively exchange with

meinsam mit ihrem Partner Marcel Schobel für den regen Austausch

Berlin artists is kept up. Both of them live and work in Berlin, and have

mit Berliner Künstlern. Beide leben und wirken in Berlin und sind seit

been a permanent feature of the Schmiede since 2006. (Interview page 82)

2006 fixer Bestandteil der Schmiede. (Interview page 82) Die 12 m hohe Leinwand mit einem Drei-Beamer-Setup wurde als

Cinema Vertigo Lab took place during Schmiede10 in the Dynamoraum.

Plattform für die Smiths bereitgestellt. In einem SchmiedeTalk stellte

The approx. 12m high, vertical screen with a triple beamer setup was ready

das Cinema-Vertigo-Team das Konzept der offenen Plattform vor und

as a platform to play for all Smiths. During a SchmiedeTalk the Cin-

rief dazu auf, Videos und interaktive Arbeiten zu realisieren. Transdis-

ema Vertigo Team introduced their open platform concept, encouraging all

ziplinäre Arbeiten wurden durch die Unterstützung des Cinema-Verti-

Smiths to develop innovative and visually striking projects at this unique

go-Teams und besonders Benjamin Hohnheiser ermöglicht und geför-

installation. Transdisciplinary works were incouraged amd realized by the

dert. Die Ergebnisse des CV Labs wurden auf der SchmiedeWerkschau

support of the Cinema Vertigo Team and especially Benjamin Hohnheiser.

präsentiert. Kurz nach der Schmiede10 erhielt das Cinema-Vertigo-

The results of CVlab were premiered at the SchmiedeWorkshow. Shortly

Team den Auftrag, die Video Scenography für „La Pagina en Blanco“

after Schmiede10 the Cinema Vertigo Team was contracted to do the Video

im Teatro Real in Madrid zu gestalten.

Scenography for „La Pagina en Blanco“ at the Teatro Real, Madrid. Claudia Rohrmoser (Initiator and Head) cinemavertigo.tv, rohrmoser.tv

19

20

2.2 SchmiedeProductions

Reverb.On 4 Doldrums

Zwei Mönche in langen Kutten standen schweigend im Eingang, halb

Two monks in long robes were standing silently in the entrance hall, half hid-

verdeckt von der Tür, aber doch zu sehen. Aha, dachten wir, da kommt

den by the door but just visible. Wow, we thought, here comes something really

was ganz Besonderes auf uns zu. Doch dann setzten sie uns große schwar-

special. But then they stuck big black cardboard masks on us so we could´nt

ze Pappmasken auf, damit wir nichts mehr sehen konnten. In einer lan-

see anything else. In a long polonaise we felt our way step by step across the

gen Polonaise tasteten wir uns Schritt für Schritt durch das Gelände der

grounds of the Schmiede. With the man behind breathing down your neck

Schmiede. Den heißen Atem des Hintermanns im Nacken ging es lang-

one advanced slowly and silently through the old Saltworks.Somewhere along

sam und leise durch die Räume der Alten Saline. Irgendwo hielten wir inne

the way we paused and listened to a repetitive text that seemed unending and

und hörten uns einen repetitiven Text an, der niemals zu enden schien und

made you drift away. Then the journey continued until we reached the dyna-

uns wegdriften ließ. Dann ging die Reise weiter. Bis wir vor dem Dyna-

mo room and were given ear-plugs. Sheep-like we plugged our ears for fear

moraum ankamen und Ohrstöpsel bekamen. Wie Schafe stopften wir uns

of shrill sounds. Trip trap, trip trap... and now, our blindfolds taken off, we

diese in die Ohren, aus Angst vor zu lauten Tönen. Trappel, trappel und

found ourselves standing before a bizarre scene: Strobe lights and spotlights

schon wurden uns die Augenbinden abgenommen und wir standen vor

fought a lightening duel around a weirdly zombie-like hard-rock band.With

einem bizarren Szenario. Stroboskop und Scheinwerfer lieferten sich ein

instruments. No sound. In the background a knotted world of twine and rope

Beleuchtungsduell auf eine umwerfend zombiehafte Hardrock-Band. Mit

collapsed in heaps. One part cracked loudly against the sink and at last we had

Instrumenten. Ohne Ton. Im Hintergrund eine Knotenwelt aus Schnüren

our hearing back so that we could make something of the silent band that sat

und Bändern, die in sich zusammenfiel. Ein Teil davon knallte auf das

before us. (Interview  page 80)

Becken und endlich hatten wir unseren Ton, damit wir etwas anfangen konnten mit der stillen Band, die da vor uns saß. (Interview  page 80) Das Künstlerduo Depart (Gregor Ladenhauf, Leonhard Lass) hat im Rah-

Within the framework of Schmiede07 The artist-duo Depart (Gregor Laden-

men der Schmiede07 die Reihe Reverb.On ins Leben gerufen. Mit dieser

hauf, Leonhard Lass) brought the series Reverb.On into being. With this per-

Performance-/Konzertreihe widmet sich Depart zeitgenössischen sowie

formance/concert series Depart addressed itself to contemporary and unusual

ungewöhnlichen Konzepten und Kompositionen. Diese werden in ihrer

concepts and compositions. These they complemented with topical visual and

musikalischen Form nahe am Original präsentiert, aber um aktuelle visu-

performative aspects while keeping close to the original in their musical form.

elle und performative Aspekte ergänzt. Ganz bewusst liegt hier der Fokus

They consciously focused on compositions which already bore the character of

auf Kompositionen, die bereits den Charakter von „performed installati-

“performed installations”. The quality of this series warranted performances in

ons“ in sich tragen. Die Qualität dieser Reihe hat Aufführungen in Wien

Vienna and Innsbruck.

und Innsbruck ermöglicht. depart.at

2.3 SchmiedeProductions

schmag Der Facecatcher Teddy ist nicht die einzige Kamera, die auf der

The Facecatcher Teddy is not the only camera set up at the Schmiede. Lots

Schmiede aufgebaut ist. Viele Menschen huschen mit Kameras und

of people armed with cameras and microphones dart about the site trying to

Mikrofonen bewaffnet durch das Gelände, um die Atmosphäre des

capture the festive atmosphere. Stephanie Meisl who, together with David

Festivals einzufangen. Im Interview mit Stephanie Meisl, die sich ge-

Fisslthaler and Gerald Schober, made it her goal to produce a comprehen-

meinsam mit David Fisslthaler und Gerald Schober eine umfassende

sive documentation of the Schmiede. The problem is to get an over-all idea

Dokumentation der Schmiede zur Aufgabe gemacht hat. Die Schwie-

of the Schmiede across and to make it accessible to those who have never

rigkeit liegt dabei darin, die Schmiede in ihrem Gesamtumfang zu

been there and have no idea what it is all about. (Interview  page 86)

transportieren und greifbar für jene zu machen, die noch nie dabei waren und sich nichts darunter vorstellen können. Dabei möchte das Trio mit Bildern und Gefühlen arbeiten und hofft auf rege Teilnahme der internationalen Smiths. (Interview  page 86) 2003, im Geburtsjahr der Schmiede, ergriff Stephanie Meisl die Initi-

During 2003, birth year of Schmiede, Steph Meisl took her first steps to

ative, das zu dokumentieren, was in der Saline Hallein passierte. Das

document what was going on at the Saline in Hallein. The result was a

Resultat war eine kurze, emotionale Dokumentation, die ersten Ein-

short videoclip providing a first insight. Ever since we were discontent and

drücke und Einblicke. Seitdem sind wir unzufrieden, all unsere Versu-

all our attemps came short explaining what really happened in Hallein.

che, die Schmiede einzufangen, konnten nur einen Teil erahnen lassen.

Schmiede, the Smiths and their projects are too diverse and hence com-

Schmiede, ihre Smiths und deren Projekte waren zu vielschichtig und

plex but the wish to find a better way to document Schmiede grew. 2010,

komplex, aber das Bedürfnis, die Schmiede einzufangen, wuchs. 2010

Schmag documented with great effort to capture the many aspects, feelings

dokumentierte das Schmag-Team mit großer Hingabe und Aufwand

and emotions of the SchmiedeExperience.

die vielen Aspekte, Gefühle und Emotionen der SchmiedeExperience. Schmag is: Stephanie Meisl, David Fisslthaler, Gerald Schober Supported by: Jürgen Krietzinger, Jan Pronebner, Alexandra Braschel, Verena Sturmböck and the Smiths vimeo.com/15339228 vimeo.com/24466062

23

24

2.4 SchmiedeProductions

schmiede talk Dialogreihe SchmiedeTalk ist eine Gegenbewegung zu dem starken Arbeitsfokus

SchmiedeTalk is a counter measure to the work focus of Schmiede. Devel-

der Schmiede. SchmiedeTalk ist ein SchmiedeFormat, das aus der

oped due to our discontent that neither conferences nor workshops produced

Erfahrung verschiedener Konferenzen, Diskussionen und Vorträge

the results and involvement that we envisioned. Prototyped at Schmiede08,

entstanden ist. Wir hatten beobachtet, dass für viele Themen weder

we succeeded in creating a dialogue context fruitful for both the

Konferenzen greifbare, noch Workshops befriedigende Resultate pro-

audience and the presenter.

duzieren. Darum entwickelten wir für die Schmiede08 ein Hybridformat. Bei einem SchmiedeTalk werden in einem intimen und reduzierten

SchmiedeTalks are commenced with a short impulse speech/statement to be

Rahmen Impulse von Spezialisten gegeben, um eine Diskussions-

discussed by and with the audience. This impulse creates the basis for the

grundlage zu schaffen. Diese Diskussion wird dann dem Publikum

discussion. At this point the discussion is handed over to the audience and

übergeben. Die ReferentIn wechselt in diesem Moment in die Rolle

the speaker switches into the role of the moderator. The lines between the

des Moderators. Ziel ist es, einen Dialog zu führen. Die Motivation

parties are blurred and the threshold is lowered. The speakers’ motivation is

für Spezialisten besteht darin, direktes und unverfälschtes Feedback zu

to create direct peer feedback. The audience can get involved and influence

produzieren. Das Publikum wird in eine persönliche und interessante

the dialogue. The goal is to create a fruitful dialogue.

Diskussion einbezogen. Die Grenzen zwischen den Diskutanten verschwimmen und Schwellen werden abgebaut. Für SchmiedeTalk suchen wir gezielt Personen, die durch innovative

For SchmiedeTalk we search role models in the creative scene who stand

Konzepte und eine gewisse Hartnäckigkeit ihre eigenen Ziele verfolgen

out through their innovative concepts and persistence. SchmiedeTalks can

sowie abseits vom Mainstream und bereits betretenen Pfaden ihre Vi-

also be held by Smiths who want to discuss a topic with their peers. They

sionen erfolgreich umsetzen. SchmiedeTalks können auch von Smiths

are open to the public and are free of charge.

gehalten werden welche ein Thema im grösseren Rahmen diskutieren wollen. SchmiedeTalks sind öffentlich und frei zugänglich.

vimeo.com/schmiede

2.5 SchmiedeProductions

schmiedetalk

Dialogreihe

SoundCloud

SoundCloud

Im Jahr 2010 auf Platz 80 der meistbesuchten Internetseiten, aber für

Presently at place 80 among the most-visited internet pages but for many

viele Künstler die Nummer eins im Netz: Die Rede ist von Sound

artists the number one in the net. We´re talking about SoundCloud. Only

Cloud. Nach nicht einmal zwei Jahren seit ihrem Launch zählt die

two years ago after their launch, this platform with close to two million us-

Plattform mit knapp zwei Millionen User zu einer der wichtigsten

ers counts as one of the most important network pages altogether. It presents

Netzwerkseiten überhaupt. Sie präsentiert Musiker und ihre Arbeit

muicians and their work fast and efficiently without frills. The Swede, Eric

schnell, effizient und ohne Schnickschnack. Der Schwede Eric Wahl-

Walforss, one of the two founders of SoundCloud is giving his SchmiedeTalk

forss, einer der beiden Gründer von SoundCloud, hält einen Schmie-

on Monday and in the interview told us why Soundcloud is faster than

deTalk und im Interview erzählt er uns, wieso SoundCloud schneller

Myspace, easier than yousendit.com and perhaps soon to be as well-known

als Myspace, einfacher als yousendit.com und bald vielleicht schon so

as Youtube. (Interview  page 78)

bekannt wie Youtube sein wird.  (Interview  page 78)

Your Neighbours

Your Neighbours

„Daten sind wunderschön“, sagen die fünf Jungs der Designagentur

“Data is beautiful” is what the four boys from the design agency Your

Your Neighbours. In erster Linie geht es ihnen darum, Daten aufzu-

Neighbours claim. First of all it´s about data processing and making it

bereiten und zugänglicher für alle zu machen. Rund um diesen An-

accessible for everybody. Their websites and info-graphics are set up with

spruch gestalten sie Websites, erstellen Infographics und hacken sich

in this mind and indeed, it has not been unknown for them to hack their

auch schon mal in die Datenbank der einen oder anderen Regierung

way into one or the other government databank. All for a good cause, it

ein. Für einen guten Zweck, versteht sich! Eines ihrer größten Projekte

goes without saying! One of their biggest projects is the Music Hack Day. At

ist der music hack day, im Moment arbeiten sie an einer Plattform,

present they are working on a platform that will serve to help everyone and

die allen helfen soll, und ganz nebenbei konzipieren sie ein Buch, das,

incidentely they are planning a book which, if all goes according to plan,

wenn es nach ihnen geht, demnächst im Taschen-Verlag publiziert

should be published shortly by Taschenverlag. The group grew up around

werden soll. Begonnen hat die Gruppe rund um die beiden Brüder

the two brothers Floris and Edial Dekker after their radical re-location

Floris und Edial Dekker mit einem radikalen Umzug von Amsterdam

from Amsterdam to Berlin where they knew nobody. Their aim was to live

nach Berlin, wo sie niemanden kannte. Ihr Ziel: Sechs Monate lang

in Berlin for six months with a successful agency. In the meantime they

mit einer gut gehenden Agentur in Berlin zu leben. Mittlerweile sind

have been there for twelve months, created a brand new web appearance

sie seit zwölf Monaten dort, haben den Webauftritt von Rammstein

for Rammstein and have just signed a contract to continue working for

völlig neu gestaltet und gerade einen Auftrag unterschrieben, der sie

them another year. (Interview  page 90)

für ein weiteres Jahr beschäftigt. (Interview  page 90)

27

28

2.6 SchmiedeProductions

schmiede talk Dialogreihe Open Design City

Open Design City

Mit der Frage, wie man Dinge so passieren lassen kann, wie man will, dass

Jay Cousins is working on the question of how one can get to letting things

sie passieren, beschäftigt sich Jay Cousins. Dazu arbeitet er permanent an

happen the way one wants them to happen. At the same time he is constantly

kollaborativen Prozessen, nimmt an gemeinschaftlichen Projekten teil und

involved in collaborative processes, taking part in communal projects-one of

hat auch eines gegründet. Sein Hauptfokus liegt im Moment auf Open

which he himself has also founded. His main focus at the moment is Open

Design City, einem Kreativlabor in Berlin. Es handelt sich allerdings we-

Design City, a creative laboratory in Berlin.. Though this is less a laboratory

niger um ein Labor als um einen freien Platz, an dem jeder arbeiten kann,

than a place where everybody can work at whatever they choose. Open Design

was er will. In einem großen Raum der Organisation Betahaus hat die

City got a floor in a large space belonging to the Betahaus organisation, which

Open Design City ein Stockwerk bekommen, in welches man sich tage-

can be rented by the day or by the month. (Interview  page 100)

oder monateweise einmieten kann. (Interview  page 100)

Palomar5/until we see new land

Palomar5/until we see new land

In einer alten Malzfabrik im Süden von Berlin spielte sich die Zukunft ab.

In an old malt factory in South Berlin the future is happening.The future of

Die Zukunft der Arbeitswelt zumindest. Im Herbst 2009 hielten die fünf

the working world, that is. In the autumn of 2009 the five founding members

Gründer der Initiative Palomar5 und ein großer Sponsor ein Camp für

of Initiative Palomar5 and an important sponsor held a Camp for Creatives of

Kreative aus vielen Ländern und verschiedenen Hintergründen ab. 700

many nationalities and different backgrounds. Seven hundred applied , thirty

hatten sich beworben, 30 von ihnen wurden eingeladen und nahmen an

of them were invited and took part in the experiment, working and network-

dem Experiment zum ungezwungenen Werken und Vernetzen teil. Sechs

ing in a free and easy atmosphere. For six weeks they applied themselves to their

Wochen lang arbeiteten sie an ihren Werken, bekamen Besuch von Exper-

work, were visited by experts and at the end presented their projects to various

ten und stellten ihre Projekte am Ende verschiedenen Unternehmen vor.

companies. Many concepts took shape here, some prototypes and above all an

Dabei entstanden viele Konzepte, einige Prototypen und vor allem ein

unforgettable example of an alternative spirit of enterprise that impressed quite

nachhaltiges Beispiel alternativer Unternehmenskultur, das auch so man-

a few business people. (Interview  page 98)

chen Unternehmer beeindruckt hat. (Interview  page 98)

Institut für politische Schönheit

Institute for Political Beauty

Mit der Kunst als Mittel zum Zweck beschäftigen sich Devid Mrusek

Institute for Political Beauty Art as a means to an end is a concept the occupies

und sein Zentrum für politische Schönheit. Marco Wedel denkt darüber

the thoughts of Devid Mrusek in his Institute for Political Beauty Marco Wedel

nach, was einen Künstler zu einem Künstler macht, und überlegt, wie sich

ponders what makes an artist into an artist and considers how artists could

Künstler in die Gesellschaft einbinden können. Außerdem analysiert der

be integrated into society. Also subject of this political scientist cum musician`s

Politologe und Musiker, wie viel Egozentrik einem Künstler gut tut und

analysis is how much egocentrism is good for an artist and when a work of art

wann ein Werk nur mehr dem Selbstverständnis des Künstlers dient. In

begins to be no more than an affirmation of the artist´s own self-image. What

seinem eigenen künstlerischen Schaffen versucht er, politisch tätig zu sein.

he aims at is to be politically active within the framework of his own artistic

Was beide Protagonisten gemeinsam haben, ist, dass sie Diskussionskultur

endeavour. What both protagonists have in common is the aim to evolve a basis

schaffen und die Leute zum Denken anregen wollen. (Interview  page 96)

for discussionn that will stimulate people to think. (Interview  page 96)

Die Schmiede ist ein Projekt der Vielfalt und Netzwerk der Kreativität. Gemeinsames Lernen, Partizipation und Kooperation stehen im Vordergrund. Mit dieser Einstellung ist es nur naheliegend, auch zwischen den Institutionen mit ergänzenden Partnern zu arbeiten. Diese Kooperationen sind inhaltlicher Natur. Schmiede is a project of diversity and a network of creativity. Concerted learning, participation and cooperation come first.  Given this approach, joint work  between institutions with complimentary partners naturally follows. These cooperations are content based.

32

3.0 Cooperations

Estrela Estrela war schon ein Teil der Schmiede bevor sie Schmiede hiess und seit dem sind wir mit und ineinander gewachsen. Denn von Anfang an war es klar, dass die Musikpoduzenten um die Schmiede eine professionelle Plattform brauchen. Estrela bietet Betreuung, Beratung, Antworten in Fragen des Urherberrechts, Vertrieb und Veröffentlichungen ob digital oder vinyl. Estrela was a part of Schmiede long bevor it was called Schmiede. Since then we grew with and into each other. Pretty much from the beginning on it was evident, that the music producers in and around Schmiede needed a professional plattform. Acting so, Estrela offers its artists assistance, consulting, copyright guidance, distribution and releases on vinyl as well as in digital format.

Das SchmiedeLabel Estrela ist laut eigenen Angaben das flashigste La-

The Schmiede-label Estrela is, so they claim , the flashiest label of its kind.

bel seiner Art, arbeitet nach dem Gießkannenprinzip und sieht sich als

It works according to the watering-can principle and they see themselves as

Selbsthilfegruppe für Musiker. Obwohl es auch schon international

a self-help group for musicians. Although internationally very well-known,

sehr bekannt ist, gilt das Label vor allem in der (Musik)Hauptstadt

the label is said-especially in the (music) capital Vienna- to be shrouded

Wien als geheimnisvolles Rätsel, hinter dem ein Phantom steckt. Nie-

in a mystery involving a phantom. Nobody knows who the guy is, who

mand weiß, wer der Typ ist, der die affinen Radiostationen mit Material

provides like-minded radio stations with perpetual rotation material In

zur Dauerrotation versorgt. In der Szene wird sogar schon gemunkelt,

the Scene it is even whispered that Sven Väth is behind it all. We met the

Sven Väth stecke hinter dem Projekt. Wir haben den öffentlichkeits-

publicity-shy mover and immediately locked him up at the Schmiede to

scheuen Macher getroffen, sofort auf der Schmiede eingesperrt und

squeeze him dry about all this hocus-pocus. (Interview  page 94)

ausgequetscht, was denn all die Floskeln sollen ... (Interview  page 94) estrelaestrela.com

3.1 Cooperations

kunstraum pro arte

Schnittstelle: DUPRASS

Schnittstelle ist die Kooperation zwischen der Schmiede Hallein und dem Kunstraum Pro Arte. Hier erhalten Smiths Galerieräume und können frei eine Ausstellung entwerfen. In der Gruppenausstellung „Duprass“ zeigten wir die Arbeiten von Künstlern aus dem Schmiedekarass, die sich in seiner kleinsten Ausprägung, dem Duprass, zusammengefunden haben. Schnittstelle is the cooperation between the Schmiede Hallein and the art space Pro Arte. Here the Smiths are given gallery space and can set up their exhibition on their accord. In the group-exhibition Duprass we showed the works of artists from the SchmiedeKarass who had come together in pairs to form in the smallest form of group: the Duprass.

Schnittstelle ist fixer Bestandteil der Schmiede. Sie eröffnet diese nicht

Schnittstelle is an invariable feature of the Schmiede. Not only has it been

nur seit vier Jahren, sondern dient auch als Brücke von den teilneh-

the opening event for the past four years but it is also a bridge connecting

menden Künstlern zum beobachtenden Publikum. Anfangs auf der

the participating artists with the public, the viewers. Having taken place

Schmiede selbst untergebracht, findet sie seit einigen Jahren im Kunst-

originally in the Schmiede itself, Schnittstelle has now for some years had

raum Pro Arte statt. 2009 zog sie sogar weiter und ist nach der Schmie-

the Pro Arte Art Space as its venue; in 2009 it has even gone on to be ex-

de auch in einer Berliner Galerie zu sehen. Unter dem Titel „Duprass“

hibited in a Berlin gallery. This year the works of artist pairs will be shown

wurden heuer die gemeinsamen Arbeiten von jeweils zwei Künstlern

under the title “Duprass”, which name curator Marcel Schobel adopted

gezeigt. Zu diesem Namen ließ sich Kurator Marcel Schobel vom

inspired by Kurt Vonnegut´s novel, “Cat´s Cradle”. (Interview  page 76)

Autor Kurt Vonnegut und seinem Buch „Cat´s Cradle“ inspirieren. (Interview  page 76) Beteiligte Künstler:

Participating artists:

Inga Liksaite / Caudia Rohrmoser

Inga Liksaite / Caudia Rohrmoser

Shirin Winiger / Michael Hackl

Shirin Winiger / Michael Hackl

Leo Lass / Gregor Ladenhauf

Leo Lass / Gregor Ladenhauf

Rainer Kohlberger / Herr Schobel

Rainer Kohlberger / Herr Schobel

Kuratiert von Herrn Schobel

curated by Herrn Schobel kunstraumproarte.com, herrschobel.at “A Karass is a group of people you are linked to by fate throughout your life. This doesn’t include fake Karasses like Bayern Munich fans or Facebook friends, but people who repeatedly show up in your life for no apparent reason. A Duprass is the smallest form of a karass consisting of only two people” nach Kurt Vonnegut / Cat´s cradle

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36

3.2 Cooperations

salzburger

landespreis: Medienkunst schallzeichen 2005 hat die Schmiede Hallein für das KulturlandSalzburg den Salzburger Landespreis: Medienkunst entwickelt. Seit 2006 wird dieser mit 10.000 EURo dotierte Förderpreis jährlich verliehen und von der Schmiede betreut. 2009 ging der Salzburger Landespreis: Medienkunst an Schallzeichen. Korinna Lindinger und Karla Spiluttini   stellten ihre Arbeit 2010 im Zuge der Schmiede10 im Salzlager aus. Schallzeichen ist eine interaktive Skulptur, die mit körperloser Stimme spatiale Dimensionen erforscht. In 2005 the Schmiede Hallein initiated the SalzburgLand Prize for Media Art. As of 2006 this prize conferring 10.000 EURo Is awarded annually, the winners are coached to their exhibit by Schmiede. In 2009 the SalzburgLand Prize: Media Art went to SCHALLZEICHEN. Korinna Lindinger and Karla Spoluttini exhibited their piece at Schmiede10 in the Salt. Schallzeichen is an interactive sculpture which explores spatial dimensions by means of disembodied voices.

Der kleine Gnom im Salz. Hier gackert es ganz leise und verhalten.

The little gnome in the salt. Here is a clucking, quiet and restrained...

Dort „heppt“ es zweimal. Je weiter man geht, desto lauter wird das

there two chirps.. and the further you go, the louder the buzz- `til it sud-

Zischen. Bis es plötzlich zum Pfauchen wird, das das Brückengeländer

denly turns into a hissing that makes the bridge railings vibrate.What sort

vibrieren lässt. Welcher Kobold hat sich da im alten Salz der Saline

of a goblin can be hiding there in the old salt of the saltworks?

versteckt? Für die Schallzeichen zwischen Salz, Holz und Beton ist kein böser

Responsible for the Schallzeichen (sonar signs) amongst the salt, wood and

Geist verantwortlich, sondern die zwei Künstlerinnen Karla Spilutti-

cement is no evil goblin but the two artists: Karla Spiluttini and Korin-

ni und Korinna Lindinger. Die beiden haben 2009 den Salzburger

na Lindinger. Winners of the 2009 Salzburg prize for media art. And

Landespreis: Medienkunst gewonnen und ihr architekturbezogenes

this year they produced their architecture-related project at the Schmiede.

Projekt heuer auf der Schmiede realisiert. Gänzlich ungeeignet für

While totally unsuitable for a big exhibition, the Schallzeichen afforded

eine große Vernissage sorgen die Schallzeichen beim Einzelnen für ein

some reposeful moments and for the select few, a new look at familiar

paar Momente des Innehaltens und einen neuen Blick auf altbekannte

objects. (Interview  page 84)

Dinge. (Interview  page 84) schmiede.ca/media-award

3.3 Cooperations

argekultur

Fast Forward

Die ArgeKultur Salzburg und die Schmiede Hallein waren sich schon immer verwandt. 2009 kooperierten wir über das Projekt Fast forward and its melancholic rewind. Dieses choreografische Parcoursprojekt im öffentlichen Raum wurde u.a. in Salzburg und Innsbruck aufgeführt. The ARGEkultur Salzburg and the Schmiede Hallein were always kindred spirits. In 2009 we cooperated over the project fast forward and its melancholic rewind. This choreographic parcours project in the public space was performed in Salzburg and Innsbruck.

Fast Forward ist eine choreografierte Reise durch unterschiedliche

Fast Forward and its melancholic Rewind is a choreographically journey

Innen- und Außenräume in der Salzburger Innenstadt, die an einem

through the urban space that starts on a summer day and ends on an au-

Spätsommernachmittag beginnt und einem Herbstabend endet – and

tumn evening. It consists of two parts: first, the departure out of a theatre

its melancholic Rewind. Alltagsgegenstände werden in Verbindung

and into the city, where the audience becomes witness and part of an inner-

mit den PerformerInnen lebendig, Bewegung zur urbanen Interaktion,

city choreography, a physical and playful interaction with the environment

Fast Forward zum Labor einer Stadt, die es nicht gibt. Die Instruktio-

and abrupt changes between indoor and outdoor spaces. The first part ends

nen sind Metaphern plötzlicher Freiheit bei gleichzeitiger Abgabe der

abruptly, when the performers abandon the audience in the middle of the

individuellen Entscheidungsfähigkeit. Trotz der kollektiven Fernsteu-

city. After approximatly two months, at exactly the same location, the per-

erung wird auf nicht unpolitische Art und Weise Sinnlichkeit jenseits

formance resumes. This time, the performers walk the path that they made,

von TouristInnenströmen und Shoppingekstase zurückgegeben. Je

backwards. What was movement turns into a narration and sentimental

einfacher dabei die Mittel, desto verblüffender die Infragestellung der

retrospective, that brings the audience back into the theatre, where every-

Sinnhaftigkeit der alltäglichen Handlungen durch den vermeintlichen

thing started.

Unsinn. Nach zwei Monaten treffen sich Publikum und DarstellerInnen wieder, um das Geschehene im September rückwärts zu erleben. Doch die Zeit hat alles verändert, Neonlicht und Dunkelheit lassen Zweifel aufkommen, ob das eigene Gedächtnis nicht mehr lückenlos aufzeichnen kann. War das damals nicht ganz anders, haben die Freiräume ihr Schicksal selbst in die Hand genommen und warum

An area Projekt produced by ARGEkultur Salzburg, supported by

habe ich jetzt eine Stimme im Ohr, die behauptet, alles zu wissen, was

Schmiede Hallein and StadtPotenziale Innsbruck

geschehen ist?

senselabor.com, openarea.at, argekultur.at

39

40

3.4 Cooperations

subnet

facecatcher 2010 wurde die erfolgreiche Kooperation vertieft und klar auf subnetAIR-Programm (Artist in Residence) fokusiert. Am subnetAIR partizipierende Künstler erhalten durch diese Kooperation die Möglichkeit, bei subnet zu arbeiten und auf der Schmiede und vor den Smiths (Peer-Gruppe) zu präsentieren bzw. in Dialog zu treten. 2010 enstand bereits eine Weiterführung, Nemore ging den umgekehrten Weg, Entwicklung und Prototypumsetzung auf der Schmiede, Weiterentwicklung und Werkpräsentation im Rahmen des subentAIR 410. Nemore ist auch Teil des Sound:FrameFestival 2011. In 2010 the successful cooperation was extended and focused on the subnetAir program. On account of this cooperation the artists who participated are given the opportunity to work at subnet and to present at Schmiede and enter into a dialogue with the Smiths, their peers. In 2010 there was a sequel, Nemore which did it the other way round: development and prototype production at the Schmiede and  further development and work presentation within the framework of subnetAIR 410. Nemore is also to be part of the Sound:Frame Festival 2011.

Mit mittlerweile mehr als 600 Milionen Nutzern und einem Markt-

With over 600 million users, by now, and a market value of more than 30

wert von 30 Milliarden USD zählt Facebook zum größten Sozialen

billion US dollars, Facebook counts as the most sizeable social network in

Netzwerk im Internet. Täglich speisen wir diese virtuelle Community

the internet. Daily we feed this virtual community with our private data

mit unseren privaten Daten und Fotografien. Laden unsere Urlaubsfo-

and photographs. We upload our holiday photos on Flickr and our home

tos auf Flickr und unsere Heimvideos auf Youtube. Wie sicher ist das

videos on Youtube. How secure is the internet? And what happens to our

Internet? Und was passiert mit unseren persönlichen Daten und Fotos

personal data and the photos that we feed into the net?

die wir ins Netz stellen? Die Videoinstallation Facecatcher des Innsbrucker Medienkünstlers

The Video installation Facecatcher by the Innsbruck media artist, Chris-

Christian Veit beschäftigt sich genau mit diesen Fragen und reagiert

tian Veit, is all about these very questions and is a reaction to the discus-

auf die Diskussionen zum Datenschutz und dem Datensammlern von

sions of data protection and data collectors on Google, Facebook and co.

Google, Facebook und Co. Mit immer undurchsichtigeren Methoden

By increasingly impenetratable methods, our private profiles, identities,

werden unsere privaten Profile, Identitäten, Beziehungen, intimen In-

relationships, intimate information and conversions are used as lucrative

formationen und Konversationen als lukrative Produkte für Marketing

products for marketing and market research purposes.

und Marktforschungszwecke verwendet.

42

3.4 Cooperations

Christian Veit sieht im unreflektierten Umgang mit Sozialen Netz-

In the unthinking contact with social networks such as Facebook,

werken wie Facebook vor allem die Gefahr der „freiwilligen Überwa-

Christian Veit sees above all, the danger of ”voluntary surveillance“.

chung“. Mittels einer versteckten Kamera, die in einen süßen Teddy-

By means of a hidden camera built into a sweet teddy-bear and a spe-

bären eingebaut ist und einer speziellen Software fängt die Installation

cial software, the installation Facecatcher catches each visitor who ap-

Facecatcher jeden Besucher ein, der sich ihr nähert. Der Teddybär,

proaches. The Teddy-bear, actually a symbol of the innocent world of

eigentlich ein Symbol der unschuldigen Kinderwelt, fungiert in die-

children, is used in this case as a data-spy in that it recognizes each face,

sem Fall als ein Daten-Spion indem er jedes Gesicht erkennt, es foto-

takes photographs,and stores and keeps the information in its archives for

grafiert, speichert und für einen ungewissen Zweck in seinem Archiv

inscrutable purposes.

behält. Unweigerlich muss man an die in den USA verbreiten „nanny cams“

One can´t help thinking of the “nanny cams” that you find in America,

denken, die von besorgten Eltern zu Überwachung der Babysitter und

installed by anxious parents in their little ones`nurseries to keep an eye on

Kindermädchen in den Zimmern ihrer kleinen Schützlinge aufge-

their baby-sitter or nanny-“Big brother is watching you”! It is not until you

stellt werden – „big brother is watching you“! Erst in unmittelbarer

are right beside the installation that you will see on a screen that is part of

Nähe zur Installation erkennt man auf einem Bildschirm wie der Ted-

the installation, how Teddy, or rather his “alter ego”, is stashing away the

dy oder besser sein virtuelles „Alter Ego“ auf einem zur Installation

the data, he has snapped-the faces that have been caught in his vicinity-

gehörendem Bildschirm die eingefangenen Daten, die Gesichter der

now in the form of round balls to be kept in some obscure storage. While

Menschen, die in Reichweite der Installation geraten sind, in Form

teddy claps his hands in a jolly way and does what he likes with the data,

von runden Bällen fängt und in einen unbestimmten virtuellen Spei-

the visitor has no idea what has become of his particulars. All he is left with

cher steckt. Während der Teddybär freudig in die Hände klatscht und

is the black box before him as a symbol of uncertainty.

die Daten nach seinen Vorlieben verknüpft, weiß der Besucher schon nicht mehr, was mit seinen Daten passiert. Ihm bleibt nur der Anblick einer schwarzen Box als Symbol der Ungewissheit. Obwohl ein dezenter Hinweis der Installation beigefügt ist, der die

Although there is a discreet notice beside the installation informing the

BesucherInnen über die Datensammlung des Bären informiert - ähn-

visitor of the data collecting,- just as the social networks in their terms do-

lich wie es Soziale Netzwerke in ihren AGBs tun - schreitet die Daten-

nevertheless the data collecting continues inexorably, without the passer-by

sammlung, ohne dass die Passanten die Möglichkeit haben sich dieser

having any say in the matter. So within 10 days, Facecatcher was able

zu entziehen, unweigerlich voran. So schaffte es Facecatcher innerhalb

to catch and file 25.000 photo data and at the end to present the whole

von 10 Tagen 25.000 Bilddaten zu fangen und zu archivieren, um am

jumble of collected data as a swarm of insects flying wildly about the place

Ende den gesammelten Datenwust als wild umher fliegender Insek-

completely beyond the control of the viewer.

tenschwarm zu präsentieren, der sich jeglicher Kontrolle der BetrachterInnen entzieht.

subnet.at

44

3.5 Cooperations

tanzbüro salzburg egal

Die Kooperation mit dem Tanzbüro Salzburg bringt immer Wind auf die Schmiede. Was nicht überraschend sein sollte, weil TänzerInnen/Performerinnen anders sind, denken und handeln als unsere Kerngruppe. Da uns aber Unterschiede noch nie gehemmt haben, bietet die Schmiede einen sehr speziellen Rahmen für die besonderen Workshops des Tanzbüros. Cooperation with Tanzbüro Salzburg always brings a breath of fresh air to Schmiede. This is hardly surprising as dancer/ performers act, think and are different  to our central peer group. Differences however, have never hindered us, and Schmiede  offers a very special frame for the Tanzbüro´s exceptional workshops.

Für die sanfte Abschiebung plädiert Adieu Deluxe, das neue Büro für

A pleasant deportation is top priority for adieu deluxe, the new office for

Abschiebeangelegenheiten. Außerdem finden die dafür Verantwortli-

deportation affairs. Those responsable also consider that we all have a

chen, dass jeder das Recht auf eine Abschiebung hat, und wollen hel-

right to be deported and in this office we want to help those who can´t

fen, falls sich jemand eine derartige Ausreise selbst nicht leisten und/

afford their leave-taking and/or the organization of same.We undertake

oder organisieren kann. Für jeden, der aus Österreich abgeschoben wer-

to organize and finance the entire proceedure for anybody who wishes to

den möchte, wird die volle Prozedur organisiert und auch bezahlt. Das

be deported from Austria. The project developed from the joint efforts of

Projekt entstand aus einer Zusammenarbeit von God’s Entertainment

God´s Entertainment, the Schmiede Hallein and the Tanzbuero Salz-

mit der Schmiede Hallein und dem Tanzbüro Salzburg. 2010 wurde

burg. The office in Hallein opened in the fall of 2010; within a week

das Büro in Hallein eröffnet, es gab eine Informationsveranstaltung

the information reception was followed by the first Austrian deportees.

und die ersten Interessenten wurden bereits während der Schmiede10

(Interview page 102)

abgeschoben. (Interview page 102) tanzbuero.net adieu-deluxe.blogspot.com

SMITH

PRO JEc Ts

Smith ist unser Familienname, das Netzwerk der Schmiede und die genderneutrale Bezeichnung unserer TeilnehmerInnen. Die Schmiede pflegt einen betont egalitären Umgang mit ihren TeilnehmerInnen. Nicht Ego oder Erfolg, sondern die Arbeit und wie man sich einbringt, stehen im Mittelpunkt der Schmiede und ihres Netzwerkes. SchmiedeProjekte sind darum ein zentrales Element der Schmiede, hier passiert die Schnittmenge zwischen den individuellen Smiths, hier entwickelt, hier lernt, hier forschen Frau und Herr Smith. Und hier ist ein Überblick. Smith is our family name, the network if Schmiede and the gender neutral way to adress our participants. Schmiede (Forge) stresses a very egalitarian intercourse with her participants. Not ego or success but work and participation are the center of our concern. SmithProjects are a central element of Schmiede, that is where the intersection between Smiths happens. It is here where Mr. and Mrs. Smith search, research, develop, fail and learn together. Every Schmiede Smiths produce a vast and divers body of projects.  Here is an overview.

NEMORE VIA DER GREIF WUESTE tape art Club mindfuck rattehaweii

50

4.0 SmithProjects

Nemore

fishing for compliments Tokyo, 7.35 Uhr morgens. Die U-Bahnlinie Y „Yurakucho“ ist, wie an

Tokyo, 7.35 am. The Y-line underground train “Yurakucho” has just ar-

jedem gewöhnlichen Werktag in Japan, im U-Bahnhof Shin-Kiba-Sta-

rived at Shin-Kiba station as it does every normal working day in Japan.

tion eingefahren. Mit Mühe drängen sich gefühlte 200 weitere Japaner

What feels like another two hundred Japanese passengers squash themselves

in das ohnehin schon überfüllte Abteil des Zuges. Von nun an bestimmt

into the compartment which is already overcrowded. From now on there is

keines der anwesenden Individuen seinen eigenen Bewegungsablauf,

certainly no way that any one individual present could move a finger wit-

ohne die Auswirkungen des eigenen Handelns unmittelbar auf ande-

hout the action causing an immediate ripple amongst the fellow passengers.

re Fahrgäste zu übertragen, oder umgekehrt. Man sucht nur instinktiv

Instinctively, lethargically, one contents oneself with the freedom of being

nach möglichst viel Privatsphäre und gibt sich lethargisch mit der Frei-

able to wrap oneself, as far as possible, in the privacy of one´s own thoughts.

heit der eigenen Gedanken zufrieden. Szenenwechsel. Inmitten eines Raumes stehen gut zwei Dutzend filig-

Change of scene. Standing in the middle of a room, a good two dozen

ran und starr wirkende Grafitstangen, sie sind nach strikter Ordnung

filigree and seemingly rigid graphite rods are lined up in a strictly orde-

in quadratischem Raster aneinandergereihten. Betritt man den „Wald“,

red square formation. However, if you go into the “wood” the rods react

so reagieren die Stangen überraschend und biegen sich, untermalt von

surprisingly in that they sway away from you to the accompaniment of

mystischen Klängen, von einem weg. Zuerst jene in unmittelbarer Nähe.

mystical sounds. The ones nearest to you are the first to react; then like shy

schwarmartig reagieren die scheuen Gefährten in den angrenzenden Rei-

companions,the neighbouring rows join the swarm in their timid bowing

hen mit derselben angstähnlichen Abneigung.

and swaying.

Es handelt sich um die Installation Nemore (lat. „den Wald betreten“)

What we have here is the installation Nemore ( lat.”entering the forest”)

der Künstlergruppe Fishing For Compliments. Ausgestattet mit Ult-

by a group of artists called Fishing For Compliments. Equipped with ul-

raschallsensoren und je zwei Servomotoren, treten die Grafitstangen

trasound sensors and two servo-motors each, the graphite rods begin to

in unmittelbare Interaktion mit dem Besucher, sobald sich dieser den

react as soon as approached by the visitor who enters into the abstract forest

Stangen nähert und beginnt, sich innerhalb des abstrakten Waldgebildes

landscape; the trees commence their collective bending. The nature of the

zu bewegen. Die Stangen fangen an, sich kollektiv zu biegen. Die Art

impulse set off on the entering of the forest determines the behaviour of the

des Impulses, der durch das Betreten des „Grafitstangenwaldes“ gesetzt

swarm. In this way every visitor who steps into the installation becomes an

wird, bestimmt das Schwarmverhalten. Jeder Besucher, der die Installa-

actor, a part of the swarm, until they leave the forest.

tion betritt wird auf diese Weise zum Akteur. Der Besucher ist so lange Teil des Schwarms, bis er die Installation wieder verlässt.

52

4.0 SmithProjects

Jede Grafitstange besitzt neben den Fähigkeiten des sich Hin- und

As well as the ability to sway to and fro, each graphite rod has its own

Wegbewegens einen eigenen Ton, der gleichzeitig mit der Interaktion

sound which is evoked simultaneously by the interaction of movement

erzeugt wird und die Bewegungen zu einem multiakustischen Klan-

to create a multi-acoustic sound experience. Depending on the degree to

gerlebnis formt. Abhängig davon, wie stark sich die Stangen biegen,

which the rod bends, the tone becomes louder or softer. If the rods grow

wird der Ton lauter oder leiser. Stehen die Stangen still, so erlischt

still, the tone dies away.

auch der Ton. An der Schnittstelle zwischen Architektur, Skulptur und Technik ent-

Poised between architecture, sculpture and technology, Nemore emerges as

steht mit Nemore ein flexibler und dynamischer Raum, der nur auf

a flexible and dynamic space which functions solely according to its relati-

Grund seiner Beziehung zum Betrachter funktioniert. Ähnlich wie bei

onship to the observer. Similar to Jeppe Hein´s 2002 work,”360 Presence“,

der Arbeit „360° Presence“ von Jeppe Hein aus dem Jahr 2002, in der

in which an interactive steel ball starts to roll about the floor as soon as

sich ein interaktiver Edelstahlball am Fußboden eines Raumes in Be-

somebody enters the space, Nemore too begins to move when the sensors

wegung setzt, sobald jemand den Raum betritt, beginnt auch Nemore

register the the presence of visitors in the immediate vicinity.

erst mit der Bewegung, sobald die Sensoren die Präsenz des Besuchers in unmittelbarer Umgebung wahrnehmen. Fishing For Compliments beleuchten mit Nemore vor allem die Frage

With Nemore, Fishing For Compliments is concerned mainly with thro-

nach künstlicher Intelligenz und sozialem Verhalten und untersuchen

wing light on the question of artificial intelligence and social behaviour

soziale Kontexte, in denen mechanische Abläufe organischen Gesten

and examining social contexts in which a mechanical sequence of events

und Gefühlsäußerungen zugeordnet werden können. Was wäre nun,

can be attributed to organic gestures and the expression of emotions. How

wenn eine menschliche Berührung eine emotionale Reaktion bei einer

would it be, for instance, if a human touch were to evoke an emotional

Maschine hervorrufen würde? Und wie würde eine Art Superorganis-

reaction from a machine? And what would a sort of super-organism made

mus aus Mensch und Maschine aussehen?

up of a human and a machine look like? If one considers that most of our daily esthetic or emotional experiences stem from our use of a technical de-

Bedenkt man, dass die meisten unserer alltäglichen, ästhetischen oder

vice such as the computer, the internet, a smartphone or maybe television,

emotionalen Erfahrungen durch die Nutzung eines technischen Ge-

it can be seen that the questions suggested by Nemore have contemporary

räts, wie dem Computer, dem Internet, einem Smartphone oder auch

validity and are highly significant for us today as well as for future social

dem Fernseher entstehen, so sind die Fragen, die Nemore aufwirft,

developments.

tatsächlich von zeitgenössischer Bedeutung und für diese und künftige Gesellschaftsentwicklungen von brisantem Interesse.

4.0 SmithProjects

Gerade aktuelle gesellschaftliche Paradigmenwechsel im Wandel der

In effect, the recent social paradigm changes in the evolving of the new me-

neuen Medien sind erstaunlichen Phänomenen unterzogen, die nicht

dia have been diffused with surprising phenomena which, not infrequent-

selten auf das Schwarmverhalten aus der Natur zurückzuführen sind.

ly, could be compared to Nature´s swarming behaviour. An alarming self

Eine beunruhigend eigendynamische Entwicklung zwischen Interakti-

-perpetuating dynamic development between interaction and disturbance,

on und Störung, Dialog und Belästigung. Mit dem atemberaubenden

dialogue and annoyance. Ever since the breathe-taking advances of the new

Siegeszug der neuen Medien seit dem Beginn der 1990er Jahren wurde

Media starting in the early nineties, society´s view of interaction has been

die soziale Auffassung von Interaktion permanent durch eine techno-

permanently substituted by a technological and medial-generated interac-

logisch und medial erzeugte Interaktion ausgetauscht. So wird auch

tion. Thus the Nemore installation is definitely to be seen as a playful and

die Installation Nemore unweigerlich zu einem spielerischen und for-

challenging adventure ground and while not necessarily ahead of its time,

dernden Erlebnisraum, der seiner Zeit und deren Anforderungen nicht

it certainly does it justice. This is an art experience which encourages us to

unbedingt voraus ist, jedoch in jedem Fall gerecht wird. Ein Kunst-

think, to act, to exchange ideas and to question the relationship between a

erlebnis das zum Denken, zum Handeln und zum Dialog auffordert

work of art and the viewer.

und die Beziehung zwischen Kunstwerk und Betrachter hinterfragt.

(Interview page 92)

(Interview page 92) fishing-for-compliments.net/works/nemore/ vimeo.com/16255144

53

4.1 SmithProjects

VIA

Values, Identity And Art Mit VIA, Values (Werte), Identity (Identität) und Art (Kunst) – Wege

With VIA (Values, Identity, Art)  A way to life through art, Jessica White

zum Leben über die Kunst, bringt Jessica White das Thema Bildung

brings education into Schmiede.

auf die Schmiede. Junge Menschen sind unsere Zukunft. Gemeinsam mit den Jugend-

Young people are our future and we have to be mindful and attentive as

lichen muss man sorgsam und aufmerksam beobachten, wie sie ihre

to how they deal with their experiences, values and how they find their

Lebenserfahrungen, ihre Werte und ihre Identitätsfindung verarbeiten.

identity.  Art provides a safe area where they can personally develop their values and experiment freely.  

Kunst und kreative Gestaltung schaffen einen sicheren Raum, in dem

Schmiede, being a playground of ideas, is the perfect place to experiment

man Persönliches entwickeln und preisgeben kann. VIA motiviert Ju-

with this. This allows them to explore their own interests and skills that

gendliche, basierend auf persönlichem Interesse, ihre Geschichte zu

they have already developed, either through school or in their spare time

erzählen. Anstatt einer vorbestimmten Auseinandersetzung, die oft zu

and give them a chance to build upon this through the context of Schmiede

Abwehr und Aggressionen führt, bietet VIA Teenagern die Möglich-

2010.

keit, Freiheit durch eigene Entscheidungen zu erfahren. Jugendliche, die bisher einen möglichst alle Bereiche abdeckenden

This is instead of self-imposed trends that are set-up for teenagers that is

Kunstunterricht im herkömmlichen Sinne kannten, werden animiert,

patronising and negates their responsibility causing either aggression, hy-

selbst kreativ zu wirken und wesentlich zu ihrem Lernerfolg beizu-

peractivity and/or irresponsibility which often leads into adult life. So, this

tragen. In Form eines erprobten Kunsterziehungsprozesses ermöglicht

project is intervening at a crucial age in order to awaken their freedom

VIA Jugendlichen Raum für diese Entwicklung. Mit der Unterstüt-

through their own wise choices and responsibilities.  VIA @ Schmiede 10

zung professioneller Mentoren wird ein Projekt, zum Beispiel ein Trai-

is facilitating development of their talents by making a short trailer with

ler für ein längeres Video, auf der Schmiede Hallein erarbeiten.

Smiths being mentoring and being the driving force of their development  

VIA ist ein Workshop und Experiment, das auf bestehenden österrei-

This is also part of the Earth Charter Youth Group  We are also collaborat-

chischen Projekten aufbaut und sie erweitert.

ing with The Feather Project This is emphasising the power of intergenerationall wisdom and action jtamsin.blogspot.com

55

56

4.2 SmithProjects

schmiede special 2 der greif

DER GREIF ist ein Magazin, das vor drei Jahren in der Gegend rund

DER GREIF is a magazine that was developed three years ago in the

um den Ammersee entwickelt wurde. Es zeigt Fotografien und dazu

region around the Ammersee. It shows photographs with matching texts ,

passende Texte, will Gefühle erzeugen. Vor allem bildet DER GREIF

the intention being to engender feeling. Above all DER GREIF is meant

einen Gegenpol zum schnellen Informationsfluss im Internet. Mittler-

as a counter-balance to the flood of information in the internet. By now

weile, mit seiner dritten Ausgabe, ist DER GREIF sehr international

with it´s third edition, DER GREIF is very international and publishes

und veröffentlicht Werke von Fotografen aus der ganzen Welt. Auf der

the work of photographers from all over the world. This year the poet-

Schmiede ist das Team rund um das poetische Magazin heuer zum

ic magazine´s team is at the Schmiede for the second time to produce a

zweiten Mal, um mit dem Input der Smiths eine eigene Schmiede-

Schmiede issue with the in-put of the Smiths. (Interview  page 88)

Ausgabe zu gestalten. (Interview  page 88) Schmiede Special 2 ist ein Postermagazin, das aus den Arbeiten der

Schmiede Special 2 designs an emotional documentation about this years

Schmiede10 entstand. Ziel war es, eine emotionale Dokumentation zu

creative gathering in Hallein. DER GREIF team came to produce a special

gestalten. Mit Schmiede Special 2 hat sich DER GREIF mehr als nur

issue, a poster-magazine, 70×100 cm, limited to 500 copies, numbered,

eingebracht. Ein Postermagazin, 70 × 100 cm, limitiert auf 500 Ex-

packed, with a reflective cover (hand cut) and more specials online. Smiths

emplare, nummeriert, verpackt, mit verspiegeltem Cover (von Hand

were called upon to contribute with their works that evolved throughout

ausgeschnitten) und weiteren Besonderheiten.

the 10 days. dergreif-online.de vimeo.com/17777366

58

4.3 SmithProjects

wUEste

drama& stern

Manche Pläne funktionieren ganz einfach. Dass aber die Umsetzung unseres Wüste-Video-Plans so gut funktionieren würde, hat uns dann doch selbst ein wenig überrascht. Wir, das sind übrigens drama&stern. Und da wir den Basistrack von Wüste bereits auf der Schmiede09 aufgenommen hatten, war es bei unserem Arbeitstempo auch recht logisch, ein Jahr später, also auf der Schmiede10, das dazupassende Musikvideo zu basteln. Und weil wir es uns ja auch nicht zu einfach machen wollten, sollte es ein One-shot Rundgang durch die Schmiede sein. Und möglichst viele der Smiths wollten wir natürlich auch noch involvieren. Und weil ja die meisten Smiths im Laufe der 10 Tage auch eher immer mehr zu tun und damit weniger Partizipationsspielraum haben, war der Plan eben, unseren One-Shot in den ersten 3 Tagen durchzuboxen.

1.3 Schmiede ist...

Was mit wenig Schlaf, vielen Kilometern und noch mehr Überzeugungs-

our plan was to finish the shoot in the first three days. which we accom-

arbeit dann eben bei take 3 erfreulicherweise auch funktioniert hat. Und

plished, with little sleep, quite some kilometers and a lot of friendly persua-

so ganz schlecht ist es ja dann auch nicht, die restlichen Tage auf der

sion. and quite honestly, it´s not that bad, to have the rest of the schmiede

Schmiede Zeit für andere Projekte zu haben. Auf jeden Fall massiven

free for other stuff. massive thanx to all the smiths, schmiede and the rest…

Dank an die Smiths, die Schmiede und überhaupt … dramaundstern.tumblr.com some plans just work. still, we were pretty surprised ourselves, how well our

youtube.com/watch?v=lga_O0H0j_w

plan worked out. we, by the way are drama&stern. and since we recorded

youtube.com/watch?v=2bptGG09cHQ

the basic track of wüste at Schmiede09, it only seem appropriate to do the music video the year after, at schmiede 2010. and since we didn´t like the easy way too much, it had to be an one- shot walk through schmiede. and a lot of smiths should also be involved. and since most of the smiths tend to have increasingly more work and less time during the ten days of schmiede,

59

60

4.4 SmithProjects

schmiede entrance Ein gutes Mittel zum Zweck Der Eingangsbereich rund um die Rezeption der Schmiede glänzte mit

The lobby area around the reception used to have shining, bare white walls

kahlen, weißen Wänden, bevor Maria Morschitzky Hand und Finger

until Maria Morschitzky got her hands (and fingers) on it. Since Thurs-

anlegte. Eine Figur nach der anderen wurde von ihr getaped  – Men-

day she has been taping one figure after another –people doing something

schen, die irgend etwas tun, abgeschaut von klitzekleinen Fotos. Maria

or other, copied from tiny little photos. Maria however doesn´t belong to the

stammt allerdings keineswegs aus der „Szene“, sie erfuhr erst auf der

“Scene”- far from it. It was at the Schmiede that she first heard that there

Schmiede, dass es so etwas wie Tape Art gibt. Sie bekam von Rüdiger

was such a thing as Tape Art. Rüdiger gave her the assignment to decorate

den Auftrag, den Eingang zu gestalten. Weil sie gern zeichnet, aber die

the entrance. Because she likes to draw but didn´t want the walls to be “sul-

Wände bei ihrer gestalterischen Tätigkeit nicht langfristig „schmutzig“

lied” in the long-term by her creative representations, she resorted to a roll of

machen wollte, schnappte sie sich eine Rolle Klebeband und legte los ...

adhesive tape and set to work. (Interview  page 104)

(Interview  page 104)

4.5 SmithProjects

club mindfuck Date an Artist

Das Performance-Kollektiv date-an-artist wurde im Herbst 2010 auf

The art collective date-an-artist was founded in September 2010 at

der Schmiede Hallein von Markus Blaha, Christiane Peschek und Bar-

Schmiede Hallein, by Markus Blaha, Christiane Peschek und Barbara

bara Ruder gegründet. date-an-artist bezweckt, künstlerische Arbeit

Ruder, to design new ways of artistic social work and seek possibilities

im gesellschaftskritischen Kontext herzustellen. Zudem werden neue

of monetizing creative expression and cultural brokerage. date-an-artist

Wege der Monetarisierung von kreativem Schaffen und Kulturver-

chose the socially, artistic and economically delicate topic ‘prostitution’ to

mittlung gesucht und erprobt. Date-an-artist wählt bewusst Künst-

provocatively address the situation of the majority of people working in the

ler- und Kunstverkaufs-Szenarien, um auf provokante Art und Weise

creative and artistic field, as well as traditional mindsets and prejudices

auf das Spannungsfeld zwischen ideellen Werten und wirtschaftli-

in our society. Club Mindfuck is positioned in an urban art context and

chen Notwendigkeiten hinzuweisen. Club Mindfuck bietet den pri-

implies that young artists offer the service of a creative dialogue with the

vaten Austausch in Kabinen eines eigens hergestellten Milieus sowie

visitor, hence an unconventional way of experiencing and interacting with

dem Besucher einen unkonventionellen Zugang und Interaktion mit

art. For a symbolic fee, one can purchase time with the artist. During the

Kunst. Ein Date zu einem selbstbestimmten Spottpreis offeriert zehn

launch phase of this art project, the visitor can buy ten minutes of per-

Minuten mit einem/r KünstlerIn, wobei die Besucher im Vorhinein

formance which is individually curated for each event.  Some artists act

nicht über die Art der Leistungen informiert werden. Das Kabinenan-

silently and others invite the art consumer to interact with the artist and

gebot à la surprise stimulierte die Sinne der zahlenden Gäste auf der

therefore interfere with the content of the performance. Club Mindfuck

Schmiede10 in unterschiedlich intensiver Weise und gestalterischer

preserves the participating artists’ anonymity. The artist collective’s vision is

Ausdrucksform.

to form a movement of contributors and not to push for individual success.

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64

4.6 SmithProjects

cook, clean, destroy Rattehawaii RATTEHAWAII ist der Zusammenschluss dreier Künstlerinnen, Ines

RATTEHAWAII ist the cooperation between three artists, Ines Wuttke,

Wuttke, Claudia Irro, Elke Hennen die sich mit experimentell-perfor-

Claudia Irro, Elke Hennen who engage in experimental and perfomative

mativen Theaters auseinandersetzen.

theater.

Auf der Schmiede wurde eine Küchenattrappe gebaut bespielt und zer-

At Schmiede they built a mock kitchen in order to cook, clean and destroy

stört. Live sounddesign von Benedikt Brachtel. Gekocht, geputzt und

the same. Live sounddesign by Benedikt Brachtel. Cooking, cleaning and

zerstört haben Katja Weber und Michael Hackl.

destroying done by Katja Weber and Michael Hackl. rattehawaii.wordpress.com/schmiede-hallein-a vimeo.com/15392573, vimeo.com/15543987, vimeo.com/15611157

65

66

Schmiede

TEAM

M

67

Was w채ren die Schmiede ohne das SchmiedeTeam? Vom Kochen 체ber Rezeption bis Technik bringen sich rund 40 Smiths auf die unterschiedlichste Weise ein. Sie sind die Struktur die die Schmiede passieren l채sst und wenn man auf alle Erfolge und Errungenschaften des SchmiedeTeams hinweisen will m체ssten wir einen weiteren Bericht verfassen und da weniger mehr ist: DANKE!

What would Schmiede be without the SchmiedeTeam. Cooking, reception, tech support, guest accommodations etc around 35 Smiths support according to their skills. They are the structure that lets Schmiede happen and if we had to address all their successes we would need another report, less is more: THANK YOU!

68

You

Wonde

69

are

derful

70

WEA

71

EALL

SMITH INTER VIEWS Schmiede ist eine Idee die alle Smiths in sich tragen. Sie ist so einfach und kompliziert wie man sie l채sst und so vielschichtig wie ihre Smiths. Uli Grabler, PR Schmiede, ergriff 2010 die Initiative auf Ihre Art zu Dokumentieren und den einzelnen Smiths ausserhalb ihrer Projekte ein Stimme zu verleihen. Uli schuf einen vielseitigen und interessanten Blick auf und in die Schmiede.

All Smiths carry the idea of Schmiede. Schmiede may be as complicated or simple as you allow her and her Smiths to be. Uli Grabler, PR Schmiede, took the initiative in 2010 to find her way of documenting Schmiede. By interviewing individual Smiths she gave them a voice outside of their projects allowing a multilayer and personal view in and onto Schmiede.

76

5.0 Interviews

erfundene Religion produced religion Cat’s Cradle – erklär’ uns das doch einmal?

Und Du warst zufrieden?

Marcel Schobel: In diesem Buch erfindet Vonnegut eine ganze Religi-

Marcel Schobel: Und wie! Die Ausstellung ist wunderschön geworden.

on und definiert verschiedene Begriffe. Ein „Karass“ zum Beispiel ist

Die Schnittstelle eröffnet die Schmiede ja schon länger, aber heuer

eine Gruppe von Menschen, die zueinander finden, weil sie etwas ver-

wurde es richtig konkret, indem ich Gruppen aus dieser Kulturplatt-

bindet. „Duprass“ ist die kleinste Form dieser Gruppierung, ein Paar.

form gebildet habe, die gemeinsame Arbeiten präsentierten. Das Netz-

Ich habe acht Künstler aus dem SchmiedeKarass zusammengemischt

werk muss stärker werden. Man muss auch unter dem Jahr schon auf

und jeweils zu zweit eine Ausstellung machen lassen. Das war sehr

die Schmiede hin arbeiten.

spannend. Was ist denn die Schmiede für Dich? Du kommst ja schon seit Jahren! Sind diese Künstler auf vergangenen Schmieden bereits als Team aufge-

Marcel Schobel: Sie ist wie ein Lager für mich. Ein Rückzugsort. Es

treten oder hast Du sie bunt zusammen gewürfelt?

ist ein großer Luxus, mit so vielen unterschiedlichen Leuten, die hier-

Marcel Schobel: Teils, teils. Einige von ihnen, wie Gregor Ladenhauf

herkommen, arbeiten zu können. Die vor allem auch immer wieder-

und Leonhard Lass, kennen sich schon lange und arbeiten sowieso

kommen!

unter dem Namen Depart miteinander. Sie sind in der Schmiede mittlerweile auch so etwas wie eine Institution. Inga und Claudia ha-

Möchtest Du zum Abschluss unseres Interviews noch etwas los werden?

ben haben schon eine „lose“ Zusammenarbeit. Aber Shirin Wininger

Marcel Schobel: Ein herzliches Dankeschön auch an Helga Besl, die

und Michael Hackl zum Beispiel haben noch nie etwas gemeinsam

uns freie Hand lässt, weil sie der Schmiede Hallein vertraut und die

gemacht, wollten aber immer schon. Für Rainer und mich war es die

Qualität unserer Projekte zu schätzen weiß. Wir haben sie ziemlich

erste Kooperation. Ich wollte für diese Ausstellung natürlich nicht ir-

vor vollendete Tatsachen gestellt, aber sie geht davon aus, dass es passt,

gendwelche Künstler aus Berlin, sondern Leute aus der Schmiede und

wenn wir etwas bei ihr machen! Was ich von der Ausstellung noch sehr

habe mir überlegt, welche von ihnen als Duo interessant sein könnten.

gerne machen würde, ist ein Katalog.

Wie kam es genau zu diesen vier Konstellationen?

Teilnehmende Smiths: Inga Liksaite / Claudia Rohrmoser, Shirin Wi-

Marcel Schobel: Erste Gespräche hatten wir nach der Schmiede 2009.

niger / Michael Hackl, Rainer Kohlberger / Herr Schobel, DEPART /

So richtig konkret wurde es erst drei bis vier Monate vor der Ausstel-

Leo Lass / Gregor Ladenhauf

lung.

Marcel Schobel

Could you explain the significance of “Cat´s Cradle”?

So were you satisfied?

Marcel Schobel: In this book Vonnegut invents an entire religion and de-

Marcel Schobe: And how! The exhibition was beautiful. Schnittstelle has

fines various concepts. A “Karass” , for instance, is a group of people who

been the inaugural event of the Schmiede for some time now but this year

get together because they have something in common and a “Duprass” , the

was really definitive because of the way I forged the groups presenting their

smallest form of the groups, consists of a pair. I drew upon a mix of eight

joint work from that cultural platform. And the network has to grow

artists from the Schmiede-Karass with a view to having them exhibit two

stronger. In fact we need to put in work during the year to prepare for the

by two. It was pretty exciting.

Schmiede.

Have these artists worked in teams at previous Schmiede events or did you

What does the Schmiede actually mean to you? You´ve been coming for

just take a random mix?

years, haven´t you?

Marcel Schobel: Yes and no. Some of them, such as Gregor Ladenhauf

Marcel Schobel: it´s a place of shelter for me , a sort of retreat. It is such

and Leonhard Lass, have known each other for a long time and work

a luxury to be able to work with the many different kinds of people- espe-

together as “Depart”. They have become something of an institution at the

cially as they too always come back.

Schmiede. Inga and Claudia already work in a loose association. But Shirin Wininger and Michael Hackl for instance, have never done anything

Is there anything else you would like to mention before we finish this in-

together though they´ve always wanted to. For Rainer and me it was our

terview?

first cooperative venture.In this exhibition of course, I didn´t want just any

Marcel Schobel: Just a heartfelt thanks to Helga Besl who gives us a free

Berlin artist but was looking for Schmiede people and considering which

hand because she has faith in the Schmiede Hallein and knows how to

of them might be interesting in a twosome.

value the quality of our projects. We pretty well confronted her with a fait accompli but she seems to take it for granted that whatever we do in her

And how exactly did these four constellations come about?

space, it´s going to be alright. Another thing- I would really love to make a

We had our first talks after the Schmiede 2009 but things weren´t really

catalogue of the exhibition.

finalized until three or four months before the exhibition. Participating Smiths: Inga Liksaite / Caudia Rohrmoser, Shirin Winiger / Michael Hackl, Rainer Kohlberger / Herr Schobel, DEPART / Leo Lass / Gregor Ladenhauf Cooperation page 35

78

5.1 Interviews

SoundCloud SoundCloud Du hast eine Plattform gegründet in einer Zeit, als solche wie Pilze aus dem

Und wieso schafft es MySpace jetzt immer noch nicht, mit SoundCloud

Boden schossen. Warum?

mitzuhalten?

Eric Wahlforss: Ich bin schon selbst lange als Musiker tätig und habe auch

Eric: Die Seiten sind so umfangreich. Jeder präsentiert sich, wie er will und

meinen Co-Founder Alexander Ljung über Musik und Studium getroffen.

das macht alles langsam. Inzwischen nutzt MySpace auch zum Teil unsere

Das Internet war aber auch kein Neuland für mich – ich habe schon sehr

Player. Unsere Widgets gibt es überhaupt auf mehreren Plattformen. Wir

viele Websites programmiert, 1999/2000 habe ich eine ziemlich große

sind auch mit Facebook vernetzt.

Community für Künstler gebaut. Die gibt es mittlerweile nicht mehr. Alexander und ich waren in San Francisco, um unsere Diplomarbeit zu schrei-

Wie sieht’s mit den Labels aus? Nutzen sie Euch?

ben. Dort haben wir begonnen, ein Konzept zu entwickeln. Danach sind

Eric: Ja, fast alle verwenden SoundCloud. Sie lernen damit neue Musik ken-

wir wieder nach Stockholm und hatten im letzten Studienjahr wenig zu tun,

nen, machen aber auch viele andere Sachen. Remix-Contests zum Beispiel

viel Zeit, um uns voll auf unser Projekt zu konzentrieren. Es gab so viele

oder alternative Veröffentlichungen. Labels nutzen uns auch gern via iPho-

Seiten, die nicht gut für Musiker waren, aber viel von ihnen genutzt wurden.

ne, damit können sie schnell hören, was ihnen Neues geschickt worden ist.

Was hat Euch an den Seiten genervt?

Ihr seid also allgemein ziemlich vernetzt mit Hardware, Software und ande-

Eric: Das waren einfach hässliche Seiten und keine davon war speziell für

ren Communitys?

Musiker. Es war nicht einfach, jemandem seine Musik zu schicken. Auf

Eric: Ja. Im Moment passiert ganz viel. Hauptsächlich versuchen wir, Integ-

Myspace konnte man sich präsentieren, aber die Seite ist einfach zu langsam

rationen mit verschiedenen Tools zu schaffen. Wir arbeiten zum Beispiel viel

und der Player von schlechter Qualität. Außerdem kann man hier nur das

mit Music-making-Programmen. Du kannst am iPhone Musik machen,

gesamte Profil präsentieren, nicht auf einzelne Tracks verlinken. Zudem ist

aufnehmen, speichern und sofort auf SoundCloud stellen und dann auch

alles public und Du kannst nichts an einzelne Personen schicken.

noch verschicken. Es gibt so viele Musikprogramme und Spiele, die Musik generieren, das ist irre. Große Kooperationen sind im Moment auch iPhone,

Was war mit Send-a-file-Plattformen?

iPad und Android.

Eric: Das ist auch kein Dienst, der für Musiker gemacht wurde. Es ging hier immer nur ums Runterladen. Unsere Idee war es, Sounds im Netz zu

Und davon lebst Du inzwischen?

visualisieren und direkt dort die Möglichkeit zu geben, Kommentare zu pos-

Eric: Davon leben mittlerweile 40 Leute! Unser Geschäftsmodell hat Pre-

ten. Wir haben uns SoundCloud dann Ende 2006 ausgedacht und sind im

mium Accounts zur Basis. Wer SoundCloud stark nutzt, kann sich einen

August 2007 online gegangen.

kaufen, und davon leben wir.

Dann habt Ihr große Marketing-Aktionen gestartet? Eric: Nein. Wir haben ganz primitiv begonnen. Ziemlich langsam eigentlich, aber stabil. Innerhalb eines Jahres haben wir eine Community aufgebaut, indem wir Leute eingeladen haben. Das war ganz viel Mundpropaganda. Im Oktober 2008 sind wir dann offiziell online gegangen und haben für alle geöffnet.

Eric Wahlforss

You founded a platform at a time when they were shooting out of the ground

And why can Myspace not keep up with SoundCloud?

like mushrooms. Why?

Eric: The pages are so extensive. Everybody presents themselves however they

Eric Wahlforss: I was active as a musician myself for a long time and met my

like and that makes things slow. In the meantime Myspace uses our player

co- founder Alexander Ljung through music during our studies. The internet

sometimes; even our widgets are on several platforms. We are netted to Fa-

wasn´t unknown territory for me though- I had already programmed many,

cebook as well.

many websites. Between 1999 and 2000 I built up quite a large community for artists. It no longer exists. Alexander and I were in San Francisco to write

How about the labels? Do they use you?

our dissertation. It was there we began to develop our concept. After that we

Eric: Yes. Nearly all of them use Soundcloud. They get to know new music

went back to Stockholm and as we didn´t have much to do we had plenty of

that way. But they do lots of other things as well: Remix-contests for instance

time to really concentrate on our project. There were so many pages that were

or alternative releases. Labels like using us via iphone too, so that they can

no good to musicians, but a lot of them were being used.

listen in immediately when something new is sent to them.

What bothered you about the pages?

So altogether you are pretty well connected with hardware , software and

Eric: They were really unattractive and none of them mainly for musicians.

other communities?

It wasn´t easy to send someone your music. One could present oneself on

Eric: Yes, there is a lot going on at the moment. Mainly we are trying to es-

Myspace but the page is simply too slow and the player poor quality. Besides,

tablish integrations with a variety of tools. We work a lot, for example, with

you can only present the whole profile there, not link single tracks. On top

music-making programmes. You can make music on iphone, record it, store

of that , it´s all public and you can´t send anything to separate individuals.

it and put it on Soundcloud and then send it as well. There so many music programmes and games that generate music, it´s crazy.Great co-operations at

What about Send a file-platforms?

the moment are iphone, ipod and android.

Eric: That´s not a service made for musicians either. It was always just about down-loading. It was our idea to make sounds visual in the net and offer the

And in the meantime you are making a living out of it?

opportunity to post comments right there. We thought up Soundcloud at the

Eric: Forty people are making a living out of it! Our business model is based

end of 2006 and went on-line in August 2007.

on premium accounts. Whoever uses Soundcloud a lot can buy one and that´s what supports us.

And then you started a big marketing campaign? Eric: No. We began very simple. Quite slowly really, but stable. Within a year we built up a community by inviting people. A lot happened by word of mouth. In October 2008 then, we went on-line officially and were open for everybody.

SchmiedeProduction page 27

80

5.2 Interviews

Ruhe Silence Reverb.On IV habt ihr „Doldrums“ getauft. Was war denn das?

Etwas, das ich noch nie erlebt habe. Manchen war vermutlich fad, aber wir

Gregor Ladenhauf: Der englische Ausdruck „in the doldrums“ bedeutet so

schauen immer, dass wir einen Twist haben und vor allem, dass es auch ohne

viel wie Stillstand. Das kommt von einer Region am Äquator, in der Wind-

Hintergrundwissen funktioniert. Wir versuchen immer auszuschalten, dass

stille herrscht. Das Projekt selbst ist die logische Fortsetzung unserer Projek-

die Leute im Moment der Performance reflektieren. Es ist auch schön zu

treihe Reverb.On. Im Ansatz beziehen wir uns auf musikalische Konzepte

merken, dass die Leute Reverb.On mittlerweile kennen und deshalb zu un-

des 20. Jahrhunderts, die waren zum Teil revolutionär, und es gibt genug

seren Performances kommen.

Leute, die davon noch nichts gehört haben. Zuerst führten wir „Vexations“ auf, ein kurzes Klavierstück, das Hunderte Male wiederholt wird. Dann

Das mit dem Nicht-Reflektieren war aber schwierig durch die Texte, die Du

kam „Sitting in a room“, da brachten wir den Raum durch Sprache zum

vorgetragen hast.

Schwingen. Teil drei war unser „Drone“ im Salzbergwerk, also schon nur

Gregor: Die Texte stammen aus einem Buch von Cage, es heißt „Silence“,

noch ein Ton. Die logische Folge davon war also kein Ton mehr. Das hatten

besteht aus Briefen und Vorträgen. Ich habe Teile aus der „Lecture on

wir schon lange im Kopf, musikalisch einfach gar nichts mehr zu machen.

nothing“ vorgelesen. Zuerst ging es schon um Inhalt, dann habe ich geflüstert und später nur noch wiederholt.

Was steckt hinter dem „Nichts“? Gregor: Der Komponist John Cage hat sich sehr mit der Stille beschäftigt

Wozu die Skulptur?

und sich einmal in einem komplett schalldichten Raum eingesperrt. Sogar

Gregor: Cage hatte auch den Ansatz, dass man eigentlich nichts besitzt,

dort hat er noch gehört, und zwar den eigenen Herzschlag und die Töne

ähnlich fernöstlichen Philosophien, mit denen wir uns viel und gern be-

seines Nervensystems. Er kam also darauf, dass es eigentlich nie ganz still ist.

schäftigen. Jeder will alles besitzen und vor allem behalten, obwohl man’s im

Wir haben sein Stück „4‘33‘‘“ aufgeführt – vier Minuten, dreiunddreißig

Endeffekt ja sowieso nirgends hin mitnehmen kann. Das sollte der Zusam-

Sekunden Stille, damit auch der Zuschauer realisiert, dass es keine absolute

menfall der Skulptur symbolisieren und mein Text dazu, aber ich glaube,

Ruhe gibt. Davon gibt es zahlreiche Interpretationen. Zuerst wollten wir es

den hat keiner mehr wahrgenommen. Zuerst wollte ich einen großen amor-

in jedem Raum der Schmiede bei vollem Betrieb aufführen.

phen Knoten durch den ganzen Raum binden. Dazu war aber der Raum zu groß.

Dann habt Ihr Euch für eine große Inszenierung entschieden und ein großes

Wir haben die ganze Woche vor der Aufführung eigentlich damit verbracht,

Geheimnis daraus gemacht.

zu schauen, wie wir die Skulptur in einem zusammenfallen lassen können.

Gregor: Wenn jemand vorher etwas gewusst hätte, hätte es nicht funktio-

Das war die größte Herausforderung.

niert. Die Augen zu verbinden, war einerseits eine Hilfe, um sich auf die Ohren zu konzentrieren. Andererseits natürlich auch Performancefaktor.

Pannen bei der Geheimhaltung? Gregor: Oh ja! Zum Beispiel der Drummer, der beim Mittagessen durch die

Ist es Euch wichtig, die Leute zu unterhalten?

ganze Küche schrie: „Gregor, wann brauchst Du denn das Schlagzeug, auf

Gregor: Der Erlebnischarakter einer Aufführung ist uns sehr wichtig.

dem dann keiner spielt?“

Ich persönlich will auch etwas erleben, wenn ich mir etwas anschaue.

Gregor Ladenhauf

Reverb: On IV you christened “Doldrums” . What´s that all about?

Is it important to you to entertain people?

Gregor Ladenhauf: The English expression “in the doldrums” means so-

Gregor: For us the nature of the experience attached to a performance is

mething like a standstill. It comes from a region on the equator where the sea

very important. I personally do want to be moved in some way when I am

is becalmed. The project itself is the logical sequel to our project series Reverb.

watching something. To experience something as never before. I suppose some

On. In principle this relates to musical concepts of the 20th century which

people found it a bit boring but we always make sure that there is a twist-

were revolutionary in part and there are enough people who have heard

and above all that it works without prior knowledge.What we are trying for

nothing about it yet. First of all we performed ”Vexations”, a short piece that

is that the audience in the moment of the performance ceases to reflect. And

was repeated hundreds of times. Then came “Sitting in a room” where by

it´s great to see that people are familiar with Reverb.On by now and that´s

means of speech the room is made to vibrate. Part three was our “Drone” in

why they come to our performance.

the Salt Mines, now just one tone. The logical follow-up to that was then was no more sound at all. That was something we had in mind for a long time:

The Non-reflection thing was difficult because of the texts you were reciting.

musically to do absolutely nothing.

Gregor: The texts are from a volume of letters and lectures by Cage called “Silence”. I read parts of “Lecture on Nothing”. To begin with it was about

What is the background of this “nothing”?

the text, then I started to whisper and then there was only repetition.

Gregor: The composer John Cage thought a lot about silence and once he shut himself up in a completely sound-proof room. Even there he could still hear

Why the sculpture?

the beat of his own heart and the sounds of his nervous system. So he came to

Gregor: Cage also considered that one doesn´t actually own anything- like in

the conclusion that it´s actually never totally quiet. We performed his 4`33

the philosophy of the Far East in which we take a deep interest. Everybody

piece –four minutes and thirty-three seconds of silence –to give the audience

wants to acquire things and above all, hold onto possessions although at the

a chance to experience the fact that there is no such thing as absolute silince.

end of the day, wherever one ends up, you can´t take it with you..The col-

There are various ways of interpreting this. First of all we wanted to play it in

lapse of the sculpture was meant to symbolize this concept together with my

each room of the Schmiede while everything was going on as usual.

text, though I don´t think anyone got the message in the end.To start with I wanted to tie a big amorphous knot through the entire space. But the area

Then you decided to make a big production of it, all wrapped in mystery.

was too big for that. We actually spent the entire week before the performance

Gregor: If anyone had known anything before-hand, it wouldn´t have

trying to work out how we could bring about the collapse of the sculpture.

worked.The blindfold was a help in that it concentrated the ear- and of

That was the biggest challenge.

course it constituted a performance factor too. Any hitches in the keeping of the secret? Gregor: Oh yes! For instance at lunch the drummer called out across the kitchen: “hey, Gregor when do you need the drum that nobody´s going to be playing ?” SchmiedeProduction page 20

82

5.3 Interviews

Cinema Vertigo Cinema Vertigo Was war Deine Motivation, ein derart aufwendiges Projekt zu kreieren?

anderen interessanten Protagonisten der Kunst- und Medienszene wichtig.

Claudia Rohrmoser: Die Idee und Motivation zu Cinema Vertigo kam aus

Die SchmiedeGemeinschaft ist auf eine ganz eigene, sympathische Art mit-

meiner eigenen Arbeit als Videokünstlerin, es gab kaum Möglichkeiten zur

einander verbunden.

öffentlichen und formatgerechten Präsentation. Raumgreifende Videoinstallationen muss man sich in Salzburg selbst organisieren und aufbauen. Die

Wie beschreibst Du die Veränderungen der Schmiede?

Räumlichkeiten der Schmiede waren wie gemacht für eine außergewöhnli-

Claudia: Sie ist jedes Jahr anders. Sie wird mit uns erwachsen, und das ist

che Installation.

toll.

Wie ist Cinema Vertigo zum fix installierten Projekt auf der Schmiede ge-

Welche persönlichen Synergien hast Du auf der Schmiede geknüpft?

worden?

Claudia: Vor allem Rüdiger Wassibauer wurde zu meinem wichtigen Part-

Claudia: Der Aufwand der Installation lohnte sich nur, wenn diese Platt-

ner für Projekte und die Umsetzung von Ideen. Ich hab mit zahlreichen

form längerfristig auch anderen Künstlern zur Verfügung stehen kann. So

Smiths begonnen zusammenzuarbeiten.

kam es zu einer weiteren Installation auf der Schmiede10, die viele Teilnehmer inspiriert hat und einen erstaunlichen Output zu Tage gebracht hat.

Die „Berlin Connection“ – Du hast ja eine ganze Menge Künstler „auf die Schmiede geholt“.

Wie wurde das Projekt denn von den Smiths angenommen?

Claudia: Das hat ja Marcel vor allem vorangetrieben. Wir bringen gerne

Claudia: Das Interesse von Künstlern aus verschiedenen Sparten war groß.

unsere Berliner mit, da die Schmiede im Prinzip so funktioniert wie unsere

Da war Tanz, Video, Grafikdesign, Musik und auch Literatur/Poesie darun-

Wahlheimat, nur ein bisschen besser. Die Leute aus Berlin finden sich ganz

ter. In sehr kurzer Zeit entstanden ganz unterschiedliche und interessante

schnell im SchmiedeModus zurecht und die Mischung zwischen internati-

Arbeiten. Benjamin Hohnheiser betreute die Gruppen, viel entstand auch

onalen und deutschsprachigen Künstlern ist sehr spannend und produktiv.

aus Eigenengagement. Wie würdest Du jemandem die Schmiede beschreiben, der weder von der Die Schmiede und Du – warum kommst Du „alle Jahre wieder“?

Veranstaltung, noch von der Materie Ahnung hat?

Claudia: Die Schmiede wurde zu einer wichtiger Schnittmenge zwischen

Claudia: Wer in Berlin ist, für den ist es nicht schwer zu verstehen. Wenn

einem Treffpunkt mit meinen österreichischen und Berliner Freunden und

ich’s meiner „Oma“ erkläre: Ein Treffpunkt für junge Leute, die gemeinsam

einer Möglichkeit, in meiner freien, kreativen Arbeit mit neuen Leuten

ihre Ideen umsetzen. In zehn Tagen.

zu kollaborieren. Damit mich der Alltag in der Medienbranche und Uni nicht ganz absorbiert, ist es wichtig, jedes Jahr ein bisschen Frischluft auf der

Salzburg , Hallein und die Schmiede – wie passt sie zu dieser Stadt?

Schmiede zu schnappen.

Claudia: Wird schon werden. Salzburg ist nicht ausdrücklich eine Stadt, in der es viel Neugier oder Lust auf Experimente gibt. Die Subkultur ist

Wo siehst Du das Potenzial des Medienkulturfestivals?

stark, wenn auch klein. Ich kenne Salzburg aus meiner Jugend und bin vor-

Claudia: Wenn sich die Strukturen noch weiter professionalisieren, kann

eingenommen. Andererseits ist es ja in Salzburg und auf der Schmiede im

die Schmiede zu einer sehr interessanten Veranstaltung für Kreative und

Allgemeinen so schön. Das halte ich deshalb für wichtig, weil es ja sonst

Künstler im Medienbereich werden. Da wir häufig im Team arbeiten und

bei Medienkunst-Festivals meistens nicht so ist. Zumindest kommen die

auch Öffentlichkeit brauchen, sind für uns alle dauerhaften Kontakte zu

„Berliner“ auch deswegen immer gerne nach Hallein.

Claudia Rohrmoser

What movitated you to create such an extravagant project?

How would you describe the changes in the Schmiede?

Claudia Rohrmoser: The idea and motivation for Cinema Vertigo originated in

Claudia: Schmiede is different every year. It seems to me she is growing with us

my own work as video artist because there was hardly any opportunity for public

and I find that great.

and properly formated presentation. In Salzburg you have to organize and set up spatially demanding video installations yourself. Schmiede was the predestined

Have you formed any personal synergies at the Schmiede?

arena for exceptional installations.

Claudia: Rüdiger Wassibauer more than any other has become an important partner of mine for projects and for putting ideas into action. Besides this, I have

How did it come about, that two years later CV became a fixture at Schmiede?

begun to work with numerous other Smiths.

Claudia: The trouble involved in setting up the installation was only worthwhile if the platform was to be at the long-term disposal of other artists. That´s

The “Berlin connection”- You have brought countless artists to the Schmiede.

how a further installation came about inspiring many Smiths and an amazing

Claudia: That was largely Marcel´s work. We like bringing our “Berliner”

amount of output.

along. Schmiede works like our adoptive country in a way, except a little better. The people from Berlin acclimatize very quickly to the SchmiedeMode and the

How did the smiths 2010 react? Was there a lot produced on the spot?

“mixture” of international and German-speaking artists is really exciting and

Claudia: Artists of various disciplines showed a great interest in CV. There was

productive.

dance, video, graphic design, music and literature/poetry. In no time a quantity of varied and interesting work emerged. Benjamin Hohnheiser supported these

How would you describe the Schmiede to someone who has no idea about the

groups.

event or the subject-matter? Claudia: For anyone who has knocked about in Berlin, it wouldn´t be hard

Schmiede and you why do you return every year?

to understand. If I wanted to explain it to my “granny”, then I´d say it was a

Claudia: The Schmiede is important to me as a cross between a meeting place

place for young people who want to get together and carry out their projects. In

for my Austrian and Berlin friends and an opportunity to collaborate with new

ten days.

people in my own creative work. It´s important for me to snatch a breath of fresh air at Schmiede every year so that the day to day work in the media branch and

Salzburg, Hallein and Schmiede- Is this city suitable for a media-culture fes-

the university don´t stifle me entirely.

tival like this? Claudia. We´re getting there. Salzburg is not exactly a city with a big appetite

What do you see as the potential of the media-culture festivals?

for, or curiosity about experimentation.The sub-culture is thriving but it´s small.

If it goes on becoming structurally more and more professional, I think the

I know Salzburg too well not to be biased. I´ve been living in Germany for

Schmiede will get to be a very interesting event for creatives and artists in the

twelve years now and that makes you lose your sense of proportion.

media branch. And since we often work in teams and need the public, all las-

On the other hand, I think it´s important that the Schmiede and Salzburg are

ting contacts with other interesting protagonists in the art and media scene are

so beautiful on the whole. That´s mostly not the case at Media-Art Festivals.The

important. The SchmiedeCommunity is connected to each other in a very special

“Berliners” at any rate come for that reason too.

and pleasant way. SchmiedeProduction page 19

84

5.4 Interviews

Der kleine Gnom The little gnome Hattet Ihr zuerst die Idee zum Projekt oder kam Euch die Idee, als Ihr den

Korinna: Ich habe mich schon dreimal richtig erschreckt, als ich meine eige-

Raum gesehen habt?

ne Stimme schreien hörte. Das ist ein ganz komisches Gefühl. Stimmen in

Karla Spillutini: Wir wollten ein ortsspezifisches Projekt entwickeln. Wir

den Raum zu setzen, verwirrt die Leute. Sie schauen sich um und dadurch

hatten die Idee schon beim Medienkunstpreis eingereicht, bevor wir hier

werfen sie automatisch einen neuen Blick auf den Raum. Sie suchen nach

waren, aber wir wussten, dass wir das Projekt auf der Schmiede umsetzen

etwas. Das wollten wir auch auslösen.

bzw. präsentieren werden. Dann haben wir zuerst Fotos vom „Salz“ gesehen

Karla: Ich habe schon von vielen Leuten gehört, dass sie durch die „Schall-

und dann haben wir uns den Raum angesehen. Ich habe architektonischen

zeichen“ stehen geblieben sind, sie so richtig genossen haben und sich den

Background, familiär und auch durch mein Studium, und finde den Um-

Raum dadurch ganz genau angesehen und dabei auch neu entdeckt haben.

gang mit Architektur und Sound sehr, sehr spannend.

Das freut mich unglaublich. Es ist eine Ehre für uns, dass die Leute stehen

Korinna Lindinger: Ich beschäftige mich eher mit den soziologischen As-

bleiben und sich durch ihre Neugierde mit dem Raum beschäftigen.

pekten in der Kunst. Habe viel mit Spielen, Simulationen und sozialer Inter-

Reagieren die „Schallzeichen“ auf die durchgehenden Menschen?

aktion gemacht. Das Soziale im Raum interessiert mich mehr als der Raum

Karla: Ja, wir haben Tracking-Kameras installiert, die via Infrarot die Anwe-

alleine. Aber dieser Raum ist wunderschön. Solche alten Räume haben im-

senheit messen. Wenn mehr Leute über die Brücke gehen, wird das Zischen

mer viel Geist und Eigenleben.

zum Beispiel härter und intensiver. Aber viele Leute können nicht durchgehen, dabei gehen die „Schallzeichen“

Also, was sind die „Schallzeichen“?

unter.

Karla: Wir haben zunächst Stimmobjekte konzipiert. Das sind alles unsere

Korinna: Ja. Die „Schallzeichen“ sind genau für diese Durchgangssituation

Stimmen, die wir in verschiedenen Lautstärken und Tonlagen aufgenom-

auf der Schmiede konzipiert. Sie sind keine Ausstellung für viel Publikum,

men haben. Wir haben acht „Exciter“, eine Art von Lautsprecher, in und auf

kein Werk, das man sich zu zwanzigst ansieht. Aber es ist auch nicht das Ziel,

der bestehenden Architektur angebracht, sodass diese selbst zum Klangträ-

dass man die „Schallzeichen“ immer hören muss. Ich finde auch, es muss

ger wird. Man merkt es besonders am Geländer, es vibriert mit.

nicht jedes Kunstwerk für jede Situation geeignet sein.

Korinna: Für mich war die größte Herausforderung der Sound. Mit einem unsichtbaren Material zu arbeiten. Man muss sich verlassen können auf das unsichtbare Material. Sonst arbeite ich mit verfügbarem Material – haptisch oder zumindest visuell. Das vibrierende Geländer ist nicht das Einzige, das irritiert. Ich habe mich beim Durchgehen auch schon das eine oder andere Mal nach dem Geräusch umgedreht.

Korinna Lindinger

Karla Spiluttini

Did you already have this project in mind or did the idea come to you when

Karla: I have heard from several people that the Schallzeichen made them

you saw the place?

stop in their tracks in order to really appreciate the sounds. As this resulted in

Karla: We wanted to develop a project specific to a place.We had already

them having a good look around, they ended up experiencing the space in a

handed in the idea for the Media Art Prize before we came here but we

new way. I´m incredibly pleased. We feel honoured that people stop to listen

knew that we could put the project in place at the Schmiede and present it

and then are drawn by their curiosity to actually get involved in the place.

here. First we saw photos of the “Salt” and then we had a look at the place. I come from an architectural background both as regards my family and also

Do the Schallzeichen react to the people passing through?

from my studies and I find the association with architecture and sound very

Karla: They do. We installed tracking cameras which measure presence via

fascinating.

infra-red. When more people are crossing the bridge the hissing sound, for

Korinna: I am more into the sociological aspects of art. I´ve done a lot with

instance, gets more insistant and more intensive.

game-playing, simulating and social interaction. The social component in a space interests me more than the space alone, but this is very beautiful. Old

But if too many people go through, the Soundsigns won´t register.

places like this are always full of their own spirit life.

Korinna: That´s right. The Schallzeichen were designed for this particular situation at the Schmiede. They are not meant for a big public exhibition.

So tell me what are the Schallzeichen (sonar signs) ?

It´s not a work for an audience of twenty people at a time. But on the other

Karla: First of all we designed vocal objects. They are all made up of our own

hand the Schallzeichen don´t have to be heard all the time- that wasn´t the

voices which we recorded in a variety of pitch and tone.We installed eight

aim. And in point of fact, I don´t find it necessary for every work of art to be

“exciters”, sort of loudspeakers- applying them to the architecture so that the

suited to every situation.

sound would carry. One notices it particularly on the railings- how they start to vibrate. Korinna: For me the biggest challenge was the sound – and to be working with invisible material... One has to be able to depend on invisible material. Otherwise I work with disposable material, as it were,-optical or at least visible. The vibrating railings is not the only thing that disturbs; other noises made me turn around once or twice on my way through. Korinna: I got a real fright three times at the sound of my own voice shrieking. It´s quite a funny feeling. Putting voices in a place confuses people. They look around and that way they automatically perceive the place differently.That´s what we wanted to happen.

Cooperation page 36

86

5.5 Interviews

SCHMAG sCHMAG Wie revolutioniert das „Schmag“ die Schmiede?

Wie transportiert Ihr die verschiedenen Aspekte der Schmiede an die Öf-

Stephanie Meisl: Wenn alles nach Plan läuft, sollte es Personen außerhalb

fentlichkeit?

der Schmiede erklären können, was die Schmiede ist. Beziehungsweise sol-

Stephanie: Mittels Bild, Ton und Interviews. Die Schmiede und ihre Aspek-

len sich diese Personen ein Bild über die Schmiede machen können.

te lassen sich schwer beschreiben, aber sie können von diversen Personen erlebt und weitervermittelt werden. Jeder erlebt die Schmiede anders – bleiben

Ihr hattet vergangenes Jahr bereits einen Prototyp. Bleibt es dabei oder

wird sie ein Gefühl, ein Erlebnis, eine Erfahrung.

kommt nun „Schmag 2.0“? Stephanie: Das erste „Schmag“galt als Versuch, die Projekte und das Gesche-

Wen bezieht Ihr in Euer „Schmag“-Team ein?

hen während der Schmiede „unter einen Hut“ zu bringen. David Fissltha-

Stephanie: Unser Team ist ein bunter Mix aus Smiths. Ich persönlich bin seit

ler und ich wollten eine Brücke von Online- zu Print-Magazin schlagen,

Anfang an dabei, aber wir binden auch Neulinge mit ein. Den internatio-

mussten uns aber angesichts der Menge an Beiträgen und der limitierten

nalen Bogen spannen wir mit Sounddesign von Matias Monteagudo aus

Möglichkeiten geschlagen geben. Auch im „Schmag“ 2010 werden wir

Venezuela.

nicht über jeden bzw. alle Projekte berichten können. Dadurch wurde, gemeinsam mit Gerald Schober, die Idee geboren, eine Video-Dokumentation

Wie kann man dem „Schmag“ und Euch helfen?

über die Schmiede zu machen.

Stephanie: Da sein, Fragen beantworten, an Projekten werkeln und auf jeden Fall viel Spaß haben.

Was genau wird das „Schmag“ werden? Stephanie: „Schmag“ stellt sich der Aufgabe, die Frage „Was ist die Schmie-

Wer wird das „Schmag“ sehen können?

de?“ zu beantworten. Da die Schmiede von den Smiths hauptsächlich als

Stephanie: Alle Interessierten mit Internet-Zugang, und wir hoffen, dass es

erlebtes Gefühl beschrieben wird und die Grenze nach außen nach wie vor

seinen Weg auch in andere Medien finden wird!

sehr undurchsichtig ist, soll das „Schmag“ als Vermittler einspringen. Daher wird das „Schmag“ eine Dokumentation, die sich retrospektiv mit der Lo-

Wird es eine Fortsetzung geben?

cation Alte Saline auseinandersetzt und sich via Interviews in die Gegenwart

Stephanie: Wir werden sehen ...

der Schmiede10 transferiert.

Stephanie Meisl

How is Schmag going to revolutionize the Schmiede?

How do you hope to transmit the various aspects of the Schmiede to the

Stephanie Meisl: If all goes according to plan then outsiders should be able

public?

to explain what the Schmiede is- or at least they ought to be able to visualize

Stephanie: By way of picture, sound and interviews. The Schmiede and its

what goes on.

aspects are not easy to describe, but can be experienced by all sorts of individuals... and impressions can be conveyed. Everyone experiences the Schmiede

Last year you had a prototype. Is that it? Or is there to be a Schmag 2.0?

in a different way...that´s what it comes down to. It´s a feeling, an experi-

Stephanie: The first Schmag was an attempt to get a handle on the projects

ence, an adventure.

and the events during the Schmiede. David Fisslthaler and I wanted to forge

Who are you including in your Schmag team?

a link between the on-line magazine and the print magazine but we were

Stephanie: Our team is a colourful mix of Smiths. I have been on the team

foiled by the sheer mass of contributions and the limited possibilities. Nor

from the beginning but we are including new faces who are doing their first

will we be able to report on each and every project in Schmag 2010. On ac-

Schmiede in 2010. The international note comes from Sounddesign with

count of this, the idea of making a video documentary with Gerald Schober

Matias Monteagudo of Venezuela.

came into being. How could one be of help to Schmag and you? What exactly will Schmag be, then?

Stephanie: Be there, answer questions, get on with you projects and in any

Stephanie: Schmag has set itself the task of answering the question: “what is

case, have lots of fun.

Schmiede?”. The fact is that the Smiths´description of the Schmiede, being mainly a feeling that they experience , remains somewhat obscure for the

Who will be able to see Schnag?

outside world- so Schmag figures its role as being that of intermediary. So,

Stephanie: Anyone who´s interested and has internet access. And we hope it

Schmag will be a documentary report with a retrospective part looking at the

will find its way into other media areas.

location, the old Saltworks and then via interviews, turning to the present –day Schmiede 2010.

Will there be a sequel? Stephanie: Let´s wait and see..

SchmiedeProduction page 23

88

5.6 Interviews

Der Greif The Griffin Erzähl mir mal aus der Biografie des „Greifs“!

Was gibt es denn im Magazin zu sehen?

Simon Karlstetter: DER GREIF ist ein Fotomagazin, kombiniert mit Text.

Simon: Das ist bei uns ähnlich wie auf der Schmiede: eine Menge von Leu-

Wir haben keinen wirklich redaktionellen Teil, DER GREIF ist eigent-

ten kommt, alle machen etwas anderes und am Ende weiß man nie, was

lich ein poetisches Magazin. Die Idee kam daher, dass es im Internet so viel

dabei heraus kommt – schau’s dir an.

Bildmaterial gibt, mit dem eigentlich niemand mehr etwas anfangen kann. Das Medium ist so schnell, dass der Betrachter sich nicht lange genug damit

Und das fasziniert Euch an der Schmiede?

auseinandersetzen kann. Deshalb haben wir den GREIF als Printmedium

Simon: Wir waren 2009 zum ersten Mal hier und hatten den Plan, einen

gestaltet, etwas Bleibendes – zum Angreifen eben.

„Schmiede-Greif“ zu machen. Dies erwies sich als echter Glücksgriff. Trotz der verschiedenen Menschen hier und der vielen Dinge, die sie tun, gibt es

Und wie kommt Ihr an das Bildmaterial und die Texte dazu?

doch irgendwie einen Spirit auf der Schmiede, etwas, das alle gemeinsam

Simon: Bei uns kann jeder mitmachen.

haben.

Matthias Lohscheidt: Es läuft eigentlich alles über unsere Website. Für die aktuelle, die dritte Ausgabe hatten wir 1.200 Einsendungen aus der ganzen

Das sollte DER GREIF dann vermitteln?

Welt.

Simon: Ja genau. Wir wollen ihn für die Smiths als Erinnerung machen und denjenigen, die die Veranstaltung nicht kennen, ein Gefühl für die Schmie-

Wie finanziert Ihr Eure Ausgaben?

de vermitteln. Wir wollen natürlich möglichst viel von dem, was hier pas-

Simon: Wir verkaufen den GREIF für sehr erschwingliche 5 Euro pro Stück.

siert, rüber bringen, die Komplexität der Schmiede vermitteln.

Matthias: Da fragt sich natürlich jeder, wie wir das finanzieren. Wir haben keine einzige Anzeige in unserem Magazin. Wir haben aber Sponsoren, die

Wie geht Ihr das an?

präsentieren wir auf unserer Website. Sie können sich dort eine eigene Rub-

Matthias: Wir schauen uns an, wer da ist, was sie machen, reden mit den

rik anlegen und sich so präsentieren, wie sie möchten. Das ist eine spannen-

Leuten und dann ergibt sich immer alles! Zurzeit basteln wir außerdem an

de, neue Art zu werben, die auch gut angenommen wird.

unserer Website, die wird ständig aktualisiert, es gibt eine Rubrik mit Portraits unserer Fotografen. Wir wollen, dass sie immer interessant bleibt und

Ihr wart 2009 schon auf der Schmiede und habt Faltposter-Greifs mit den Smiths gemacht. Habt ihr das auch 2010 gemacht? Simon: Nein, da ist ein großes Poster drinnen. Zusammengeklappt ist es so groß wie der reguläre GREIF, etwas größer als A4.

jedes Mal was Neues drauf steht.

Simon Karlstetter

Matthias Lohscheidt

Tell me something about the Greif´s biography

And is that what fascinates you about the Schmiede?

Simon Karlstetter: DER GREIF is a photo magazine combined with text.

Simon: We were here for the first time in 2009 and planned to bring out a

We have no real editorial, it´s simply a poetic magazine. The idea evolved

Schmiede-Greif . This turned out to be a real stroke of luck. In spite of the

from the fact that there is so much picture material in the internet that really

variety of people here and all the different things they do, somehow there is

nobody can begin to deal with it. For this reason we designed DER GREIF

a sort of spirit at the Schmiede, something that everyone has in common.

in the printing medium, something lasting, tangible, to hold on to. Is that what DER GREIF is trying to express? And where do you get the photographs and the texts to go with them?

Simon: Yes, exactly. We want it to be a souvenir for the smiths and to give

Simon: Here anyone can join in.

those who don´t know the event a feeling of what the Schmiede is like. Of

Matthias Lohscheidt: Everything is to be found on our home-page. For the

course we would like to get across as much as possible about what happens

present edition, the third, we got one thousand two hundred entries from

here, give an idea too, of the complexity of Schmiede.

all over the world. How will you go about it? How do you finance your publications?

Matthias: For now we are going to take a look around and see who´s here

Simon: We charge the modest sum of five euros a copy.

and what they´re doing, talk to people...Then everything will sort itself out!

Matthias: That is what everybody asks of course- how we finance it. We

We just arrived today because until the day before yesterday we were still

don´t have a single ad in our magazine. But we have sponsors whom we

putting our new home-page together- we keep it up to date. There is a ca-

present on our home-page. There they can set up their own category and

tegory with portraits of our photographers. We want it to retain its interest,

present themselves as they wish. It is an exciting new way of advertising

to have something novel to offer each time. But now we are really looking

and it has really taken on.

forward to what´s going to happen at Schmiede.

You were at the Schmiede before, in 2009, and made folding posterGREIF with the Smiths. Will you be doing that this year? Simon: No, this year we are going to make a big poster. Folded it will be the same size as the regular GREIF magazine, a bit bigger than A4 format. What will be on it? Simon: No idea! With us it´s like at the Schmiede: a whole lot of people come, everybody does something different and you just don´t know what will be the result.

SmithProject page 56

90

5.7 Interviews

Daten sind schön Data is beautiful Was macht Ihr im Moment?

Dann habt Ihr parallel zur offiziellen Seite eine zweite gemacht?

Floris Dekker: Wir arbeiten gerade an einer Webplattform, die allen hilft.

Edial: Ja, wir haben die angelegt, sie wird automatische upgedatet, wenn

Sie heißt www.helpmewith.it und soll Leute aus allen möglichen Berei-

sich neue Firmen registrieren. Sie haben uns auch sofort kontaktiert und

chen zusammenbringen und unterstützen.

wollten zuerst, dass wir die Seite aus dem Netz nehmen. Aber wir machen

Edial Dekker: Außerdem machen wir ein Buch. Unser nächstes Ziel ist es,

ja nichts Illegales. Wir haben dann versucht, zusammenzuarbeiten, nur

dieses Buch bei Taschen zu veröffentlichen. Ein Buch über Berlin.

ist unsere Arbeit wirklich auf einem viel höheren Level und im Moment laufen einfach beide.

Wie außergewöhnlich! Floris: Unser Buch beschäftigt sich mit den Dingen, die man nicht in

Was war der „music hack day“?

einem Reiseführer findet. Genauer gesagt suchen wir die interessantesten

Edial: Den haben wir schon viermal veranstaltet. Es ist eine Jam Sessi-

Daten Berlins heraus und veröffentlichen die. Wir haben einen Stadtplan

on für Entwickler. Rund 150 Leute kommen zusammen und haben 24

über die lautesten Flecken Berlins gemacht und natürlich auch die leises-

Stunden Zeit, an ihren Projekten zu arbeiten. Alles ist möglich, solange es

ten gefunden. Zudem haben wir herausgefunden, wo die meisten Fotos

mit Musik zu tun hat. Musiker, Designer, Programmierer etc. arbeiten da

gemacht werden.

zusammen. Es geht darum, Dinge zu verbessern und neue Applikationen

Edial: In diesem Buch wird eine ganz neue Geschichte von Berlin erzählt.

zu schaffen. Manche davon entwickeln sich auch nach dem Treffen weiter.

Darin sind nur Dinge, die man in anderen Stadtführern niemals finden

So zum Beispiel Citysounds.fm. Das ist zum Startup geworden und macht

würde.

Umsatz.

Woher wisst Ihr, wo in Berlin am meisten Blumen wachsen?

Das ist aber noch lange nicht alles, was Euch zum Thema Musik einfällt!

Edial: Wir haben da so unsere Methoden. Wir orientieren uns an Bildern

Edial: Demnächst geht die neue Rammstein-Website online. Wir haben

– über Flickr zum Beispiel und bekommen auch Daten von der Regie-

für die Band den kompletten Webauftritt komponiert. Mit Community

rung.

und Landkarten aus der Rammstein-Welt. Die Seite erzählt die Geschichte von Rammstein. Wir mögen die Musik der Band zwar nicht, aber ihr

Ja, richtig! Ihr hackt Euch gern in offizielle Datenbanken! Wie war das mit

Konzept ist super. Das ist eine richtige Marke mit Konzept. Alles, was die

der holländischen Wirtschaftskammer?

machen, hat Hand und Fuß. Sie sind alle Perfektionisten, gehen mit Ernst

Floris: Jedes Unternehmen, das existiert oder neu gegründet wird, muss 30

an die Sache und haben sich eine richtige Industrie um ihre Band gebildet.

Euro bezahlen, wird dort registriert und bekommt auch Hilfe bei verschiedenen Angelegenheiten. Die Website dient auch der Suche, aber sie ist so unglaublich schlecht strukturiert. Sie ist kompliziert und funktioniert eigentlich nicht. Das Lustigste ist, dass sie in der Nacht geschlossen ist. Wir dachten, das können wir besser. Außerdem finden wir, dass diese Daten schnell gefunden werden müssen – sie sind öffentlich und jeder sollte dazu Zugang dazu haben.

Edial Dekker

Floris Dekker

What are you doing at the moment?

So then you set up a second homepage parallel to the original?

Floris Dekker: We are working on a web platform which will help every-

Edial: Yes,we structured it to be automatically up-dated whenever new

one. It is called www. helpmewith.it and is intended to bring people from

firms are registered. They contacted us immediately and at first wanted us

all walks of life together and give them support.

to take the page out of the net. But we´re not doing anything illegal. Then

Edial Dekker: We are putting a book together too. Our ambition now is to

we tried to work together; however, our work is really on a much higher

publish it with Taschenverlag. A book about Berlin.

level. At the moment both of them are out there.

Floris: Our book deals with things you don´t find in a guidebook. Put it this way, we look for Berlin´s most interesting data and publish it. We´ve

What was the “music hack day”?

got a city map of the noisiest spots in Berlin and naturally we found the

Edial: We´ve organized this four times to date. It´s Jam sessions for deve-

quietest too. We´ve found out where the most photos are taken as well.

lopers. Some hundred and fifty people get together and have twenty-four

Edial: This book tells a completely new version of the history of Berlin.

hours to work on their projects. Everything is possible as long as it has to

There are only things in it that you wouldn´t find in any other guide.

do with music. Musicians, designers, programmers etc. work there together. It´s about improving things and creating new applications. Some of them

How do you know where the most flowers grow in Berlin?

go on developing after the meeting.. For instance Citysounds.fm. That be-

Edial: We have our special methods. Our orientation comes from pictures-

came a start-up and is still making a turnover.

via Flickr for example, and we get data from the government too. Yeah, right!You enjoy hacking into official databanks. What was that story

But that´s not all that occurs to you on the subject of music?

about the Dutch Chamber of Commerce?

Edial: The new Rammstein homepage will be going on-line shortly. We`ve

Floris: Every existing business and all those that are being newly establis-

composed the complete web appearance for the band with community and

hed have to pay 30 euros to be registered and also for assistance in various

maps from the Rammstein world. The page tells the story of Rammstein.

matters. The home-page provides a search service too but it is so incredibly

Although we don´t like the band´s music their concept is super. Everything

badly structured. It´s complicated and actually just doesn´t work. The fun-

they do makes sense. They are all perfectionists, take their work seriously

niest thing is that it closes down at night. We said to ourselves, we can do

and have made a real industry out of their band.

it better than that. As well as everything else we think this info. has to be found fast, it is public and everybody should be able to access it. SchmiedeProduction page 27

92

5.8 Interviews

Friert ein Handy does a cell shiver Ein Wald aus Graphitstangen, die sich bewegen und klingen. Was steckt

Wer seid Ihr – womit beschäftigt sich Fishing For Compliments?

dahinter?

Max: Wir sind Sebastian Neitsch, Jan Bernstein, Woeishi Lean und ich.

Max Kickinger: Wir verstehen Nemore als Experiment. Unser Versuch gilt

Fishing For Compliments kontextualisiert Technik mit Emotion. Mo-

der Erforschung, wie Besucher auf die Bewegung der Stangen reagieren.

bile Endgeräte und unser Umgang mit diesen haben zweifelsfrei unser

Dabei funktioniert die Installation nach dem typischen Interaktionsmus-

alltägliches Leben grundlegend verändert. Unser eigenes Verhalten diesen

ter „Eingabe durch Mensch – Ausgabe durch Maschine“.

Maschinen gegenüber lässt die Simulation einseitigen Verständnisses entstehen: Die Maschinen lesen unsere Gestik und führen Operationen aus,

Wie haben die Besucher reagiert? Inwieweit konnten die Besucher über-

beispielsweise Handy, Computer, Parkautomaten, Getränkeautomaten

haupt reagieren, als sie den Wald durchwandert haben?

und so weiter. Seit Neuem integriert in unseren Tagesablauf mit Touch-

Max: Allein durch seine Präsenz tritt der Besucher in Interaktion mit dem

panel in der Hosentasche: immer dabei. Was Interaktvität betrifft, sind

Wald. Einmal betreten, wird jeder Beobachter zum Akteur. Es war super:

viele dieser Geräte auf dem Stand eines herkömmlichen TV-Geräts der

Die Besucher haben spielerisch die Installation erkundet. Von fasziniertem

1980er-Jahre. Input – Transformation – Output.

Staunen, wie sich die Stangen bewegen, bis hin zu Gänsehaut, weil sie sich bewegen, war alles dabei. Es entsteht ein spielerischer und niederschwel-

Es gibt für Euch also fast kein besseres Forschungsfeld als die Schmiede?

liger Zugang zur Technik, um das Verhalten des Roboters Nemore zu er-

Max: Ich selbst war das dritte Mal auf der Schmiede – Fishing For Com-

kunden. Ein Herantasten an eine haptische Maschine, keine Projektion

pliments das erste Mal. Schmiede bietet uns die Möglichkeit zu Räumen,

über Bildschirme.

die wir alleine nur mit sehr viel Aufwand bekämen. Die Zusammenkunft

Ruft man ein Handy an und es vibriert, käme kaum jemand auf die Idee,

von 100 verschiedenen Leuten aus unterschiedlichsten Disziplinen er-

diese Reaktion als „Frieren“ oder „Nervosität“ zu deuten. Inwieweit ändert

möglicht natürlich viel Austausch über die Sache und das Tun. Und au-

sich aber der Kontext, wenn eine vorangegangene menschliche Berührung

ßerdem haben wir uns gefreut, einige Freunde wieder zu treffen, für die

die maschinelle Reaktion hervorruft? Die Arbeiten von Fishing For Com-

das Ganze ein Fixpunkt im Jahr geworden ist.

pliments untersuchen soziale Kontexte, in denen mechanische Abläufe organischen Gesten und Gefühläußerungen zugeordnet werden können. Wie passiert Euer Erforschen dieser Kontexte? Was macht Ihr mit Euren Erkenntnissen? Max: Wir haben sowohl beobachtet als auch dokumentiert. Die Reaktionen der Besucher sind für uns wichtig, weil das Ganze einfach nur durch Interaktivität funktioniert. Die Erfahrungen, die wir auf der Schmiede mit Nemore gemacht haben, nutzen wir natürlich auch für die weitere Entwicklung des Gartenverhaltens.

Max Kickinger

A forest made of graphite rods that sway and ring, - what ´s the story

Who are you though- What is Fishing For Compliments up to?

behind that?

Max: We are: Sebastian Neitsch, Jan Bernstein, Woeishi Lean and myself.

Max Kickinger: we see Nemore as an experiment . We wanted to research

Fishing for Compliments is about contextualizing technology with emoti-

how visitors react to the movement of the rods. We confirmed that the

on. Mobile user devices and our association with them have undoubtedly

installations worked according to the typical interaction pattern: input by

changed our daily life profoundly. Our own behaviour vis a vis these ma-

man, output by machine.

chines promotes the simulation of a one-sided understanding : the machines read our gestures, and carry out operations.- mobile phones, computers ,

How did the visitors react? To what degree could the visitors demonstrate

park machines, vending machines and so on. Now, only recently integrated

any reaction at all as they walked through the forest?

in our daily life – ever-present in your pocket, you have the touch-panel. As

Max: the visitor inter-acted with the forest merely by virtue of being there.

far as interactivity is concerned, many of these devices remain at the level of

As soon as he is over the threshold every visitor becomes an actor. It was

the traditional TV set of the eighties: Input- transformation-output.

super: the visitors explored the instalation in a playful way. From a surprised fascination to shivers down the back at the uncanny movements of

So you could hardly find a better arena for your research than Schmiede?

the rods, it was all there.

Max: This was my third time at the Schniede- for Fishing for Compliments

Low threshhold exploration of the behaviour of the robot Nemore affords

it was the first time. Schmiede offers us space that off our own bat would be

people a playful, subliminal approach to technolgy: a palpable reaching out

hard arrange. The gathering of a hundred different people from such a va-

to a haptic machine that is not just a projection on a screen.

riety of disciplines of course, offers great opportunities for exchanges about

If you call with a mobile (cell) phone and it vibrates, it wouldn´t occur to

work and experience. And we were glad too, to meet up again with friends

anybody that this could be a symptom of cold or anxiety. To what extent

for whom it has become the focal point of the whole year.

though, does the context change if a prior human touch evokes the mechanical reaction? The work of Fishing For Compliments examines social contexts in which mechanical sequences can be assigned to organic gestures and a display of feeling. How have your experiments worked out in this context? What do you plan to do with your findings? Max: We have observed as well as documented.The visitor´s reactions are important to us because the whole thing depends on interaction in order to function. Our experiences with Nemore at the Schmiede will, of course, be of use to us for the further development of “garden” behaviour.

SmithProject page 50

94

5.9 Interviews

Das Phantom The Phantom Was ist Estrela?

Die wären?

Paul Estrela: Das flashigste Dancelabel der Welt. Weil wir immer zu Spä-

Paul: Prinzipiell sollten sie schon aus Salzburg sein oder zumindest einen

ßen aufgelegt sind. Wir nehmen Genres und das ganze Gehabe nicht so

gewissen Connex dazu haben. Wir haben natürlich auch andere Artists,

ernst wie andere.

aber irgendeine Verbindung gibt es immer. Mittlerweile haben wir es geschafft, ein Eintrittstor zu sein. Wir sind eine Label-Selbsthilfegruppe.

Und das macht Euch auch zum besten Label?

Das heißt, es gibt auch Artists, die selbst auch was zu ihrer Veröffentli-

Paul: Ich weiß nicht, ob wir ein gutes Label sind. Sicher ist, dass die Leute,

chung beitragen. Das Label ist die Visitenkarte, mehr nicht. Ein gutes La-

die bei uns releasen, gut sind. Es ist sehr schwierig, ein gutes österreiches

bel ist immer ein Minusgeschäft. Unseres ist ein Gießkannenlabel!

Label zu machen. Besser is es, ein Label mit guten österreichischen Artists zu machen.

Ja? Paul: Wir pflegen kleine Pflänzchen, die dann zu großen Bäumen wach-

Wieso kommen die guten Leute ausgerechnet zu Euch?

sen. Wir konzentrieren uns nicht nur auf etablierte Artists, ganz im Ge-

Paul: Weil es in Österreich bis auf wenige Ausnahmen keine Infrastruktur

genteil. Wir stützen nicht etablierte Acts und bringen sie mit großen Na-

von Labels, die physikalische Tonträger veröffentlichen, gibt. Auch wir

men zusammen.

sind mittlerweile nicht mehr so offen, dass jeder zu uns kommen kann und wenn er gut ist, veröffentlicht wird. Das geht aus finanziellen Grün-

Wer wird der nächste Superstar?

den nicht.

Paul: Tja, wir haben da so einige Brötchen im Ofen!

Wie wählt Ihr Eure dann aus? Paul: Prinzipiell sind wir schon nach wie vor offen und digital veröffentlichen wir sehr viele Tracks. Durch unsere physikalischen Releases haben wir einen sehr guten Namen auf dem Markt bekommen. Das bringt den Acts einen guten Mehrwert für digitale Releases bei uns. Auf Platte hat sich gerade eine gewisse Clique heraus kristallisiert, wir konzentrieren uns periodisch auf bestimmte Leute.

Paul Estrela

What is Estrela?

Like who?

Paul Estrela: The flashiest dance label in the world. Because we´re always

Paul: Ideally they should be from Salzburg, or at least linked to Salzburg

up for fun. We don´t take genres and all that stuff as seriously as others do.

in some way. We do have other artists too, of course, but some kind of connection is always there. In the meantime we have succeeded in becoming

And that´s what makes you the best?

a way in. We are a self-help label. That means that there are also artists

Paul: I don´t know if we are a good label or not. For sure, the people who

who contribute to their own release. The label is a business-card , no more

release with us are good. It´s very hard to make a good Austrian label. It´s

than that. A good label always runs at a loss, business-wise. Ours is a

better to make a label with good Austrian artists.

watering-can label.

Why do good people come specifically to you?

In other words?

Paul: Because in Austria, with a few exceptions, there is no infrastructure

Paul: We take care of little plants that grow up to be big trees.We don´t just

for labels that release physical recordings. Even we are not so open-handed

concentrate on established artists, quite the reverse. We give support to acts

anymore, that anyone can come to us and if they´re good they get released.

that are not yet established and introduce them to big names.

Financially it can´t be done. Who will be the next super star? So, how do you choose them?

Paul: Oh we have a few things up our sleeve!

Paul: Basically we are still open to suggestion and release a lot of tracks. Our physical releases have given us a very good name on the market. That gives the acts added value for digital releases with us. On record a certain clique has just recently materialized.We do periodically concentrate on particular people.

Cooperation page 32

96

5.10 Interviews

Zuerst nachdenken think first Gibt es denn keine Diskussionskultur?

Das bedeutet?

Marco Wedel: Ich nehme sie zumindest nicht wahr. Viele Kunstwerke die-

Devid: Wenn man etwas Schönes ansieht, hat man keine Lust, jemandem

nen einfach nur der Selbstverwirklichung. Alles ist bunt und inhaltslos. Ich

etwas Böses zu tun.

bin auch hier auf der Schmiede, um mit meinem SchmiedeTalk zur Diskussion anzuregen.

Ihr habt Euch auf das Thema Menschenrechte konzentriert? Devid: Zuerst haben wir uns damit beschäftigt, den Leuten bewusst zu ma-

Wie willst Du das anstellen?

chen, dass jeder im Staat mehr Möglichkeiten hat, als einfach zu wählen und

Marco: Das weiß ich auch nicht so genau, ich bin noch am Experimentie-

mit zu treiben. Es gibt Möglichkeiten, die man nutzen kann. Dann haben

ren. Ich hab mich eines Morgens mit einem Flügel an einen U-Bahnhof

wir uns mit Menschenrechten beschäftig, denn die werden vom Großteil

gestellt und geschaut, was passiert, wenn die Leute in ihre Arbeit hasten, um

der Leute gar nicht wahrgenommen. Jetzt wollen wir aber wieder mehr zur

Geld zu machen und plötzlich Bach ertönt.

Idee vom Anfang zurückkommen.

Was ist passiert?

Was sind denn die Möglichkeiten der Leute, die Du vorher angesprochen

Marco: Mein Versuch ist gnadenlos schief gegangen. Es ist genau nichts pas-

hast?

siert. Ein anderer Versuch war ein Seminar vom „Zentrum für politische

Devid: Ein Anliegen war es, Überblick über NGOs und so weiter zu geben.

Schönheit“ unter dem Titel „Politik ist eine Kunst“. Da wollten wir den

Wobei da auch wieder viele dabei sind, denen der „Protest ein Anliegen ist“.

Leuten erklären, wie sie Kunst machen und dabei ein Statement abgeben

Protest ist oft keine Bewegung, sondern ein Projekt. Viele Leute finden zur

können.

Zeit leider nur noch über „Projekte“ Zugang. Jetzt gerade findet in Nord-

Devid Mrusek: Zuerst gaben wir den Leuten die Möglichkeit, darüber

deutschland ein Camp von uns statt, für Leute zwischen 18 und 30 Jahren.

nachzudenken, was sie gerne ausdrücken würden und wie sie das tun. Etwa

Wir zeigen den Teilnehmern, wie sie Aktionskunst im öffentlichen Raum

wie die perfekte Staatsform für sie aussieht. Während dieses Prozesses sollten

veranstalten können. Wir haben da so Kompetenzleute dabei.

sie sich fragen: „Was will ich machen?“. Die Kunst ist mehr Kanal, als Ziel. Wie zum Beispiel? Also geht es hier in erster Linie nicht um die Kunst, sondern um die Art,

Devid: Fassadenkletterer. Also ganz praktische Beispiele. Wir überlegen auch

etwas auszudrücken?

ganz viel, wie man die Leute dazu anregen soll, damit sie Sinnvolles schaffen.

Devid: Ja. Wobei es noch weniger um den Output geht, als um den Input.

Wir werden sehen, wie wir unsere Ahnungen in eine fertige Idee umbauen

Über Kunst nehmen die Leute eher etwas auf. Wenn man ihnen erzählt,

können.

wie und wo Menschenrechte verletzt werden, berührt es sie nicht. Wenn man etwas künstlerisch darstellen kann, berührt es die Leute viel mehr. Die Kunst ist nicht das Nonplusultra, sondern eine Form der Darstellung. Viele glauben, dass die Kunst schon mit Ästhetik einen Zweck erfüllt. Schönes betrachten könne helfen, moralische Werte zu erkennen.

Marco Wedel

Devid Mrusek

Is there no such cultural forum for discussion? Marco: Not that I have been able to discover. So many artworks serve

Which means?

the purpose merely of self-fulfilment; everything is colourful and empty.

Devid: Which means that if you look at something beautiful you won´t

I am here at the Schmiede to try, with my talk tomorrow, to encourage

want to hurt anybody.

discussion. Your focus has been on the theme of human rights? How will you go about that?

Our aim to start with was to make it clear that every citizen has more

Marco. I don´t know exactly. I´m still at the stage of experimenting. One

possibilities open to them than just voting and being swept along.There

morning I positioned myself with my grand piano at an underground sta-

are other opportunities that we could avail of. Then we focused on human

tion to see what happens when people are on their way to work to make

rights because the majority of people are simply unaware of them. But now

money and suddenly the air is filled with strains of Bach.

we want to get back again to the original idea.

And what happened?

So what are the opportunities for people you just mentioned?

Marco: My experiment failed dismally: what happened was precisely

Devid: One objective was to furnish a perspective on NGOs and so on.

nothing. Another experiment was a seminar at the “Centre for Political

Though there too a lot of people think that protest is the agenda. Protest

Beauty” with the title “Politics is an Art-form”. We wanted to explain to

often isn´t a movement but a project. Sadly quite a few people these days

people how they could make art and deliver a statement at the same time.

need “projects” to get anywhere. Right now we have a camp running for

Devid Mrusek: To start with we offered people a chance to consider what

people between 18 and 30. We are showing the participants how to orga-

they would like to express and how to do it. For instance how they saw the

nize action-art in public spaces. We have quite a few competent people on

perfect state. During this process they were meant to ask: “what do I want

the job.

to do” Art is more a channel than a goal. Like who? So this is not so much about art as about the way to express something?

Devid: Facade climbers...to be practical about it.We really give it a lot of

Devid: Yes. Though it´s even less about the out-put than the in-put. People

thought- how to inspire people to do something meaningful. It remains to

find it easier to take something in via art. If one tells them about how and

be seen whether our intuitions can lead to something concrete.

where human rights are violated, it doesn´t really move them. If you can represent something through the medium of art, you have a better chance of really reaching them. Art is not the non plus ultra but a form of representation. A lot of people believe that aesthetics answer the question of art´s purpose.- that looking at the beautiful can help us recognize moral values.

SchmiedeProduction page 28

98

5.11 Interviews

6 Wochen in‘ner Box 6 weeks in a box Was bewegte Euch dazu, ein derart umfangreiches Projekt zu organisieren?

Ihr habt Eure Kreativen also in Teams geteilt?

Simon Wind: Mein Bruder und ich nahmen an der Initiative DNA digital

Simon: Ja und jedes Team hatte so seine Pläne und Projekte. Wir führten

teil. Da ging es darum, sogenannte Digital Natives mit Managern und Un-

nach einiger Zeit das Palometer ein. Zu einer bestimmten Uhrzeit stellte

ternehmern zu vernetzen, um Erfahrungen auszutauschen und Einblick in

jeder seinen Fortschritt vor und erklärte den anderen täglich, woran er bzw.

die Arbeitswelten des jeweils anderen zu erhalten. Zunächst haben wir uns

sein Team an diesem Tag gearbeitet hat.

online vernetzt, dann gab es auch zwei Open Spaces. Zum ersten kamen nur die „jungen Leute“, beim zweiten waren wir dann gemischt. Jeder trug

In dieser freien Atmosphäre geht wahrscheinlich unheimlich viel weiter.

seine Ideen vor, Leute erklärten, wie sie sich ihren Arbeitsplatz der Zukunft

Wenn man so ungebunden arbeiten kann, entdeckt man ja oft auch Poten-

vorstellen. Wir kamen ins Gespräch mit Christoph Schläffer und der war

ziale an sich, die man vorher nicht kannte.

sofort begeistert von unseren Ideen.

Simon: Richtig. Wirklich wichtig waren auch nicht die Projekte, sondern die Kultur, die da drin entstand. Kein Unternehmen kann seinen Mitarbeitern

Die da wären?

eine Kultur vorgeben, die entsteht durch die Gruppe und die Atmosphäre.

Simon: Wir wollten Innovationen schaffen und dabei helfen, Ideen zu ver-

Wie bei Google zum Beispiel, an deren „freiem Freitag“ entsteht auch der

wirklichen. Ein „Ideenhaus“ gründen, in dem Kreative ungezwungen wer-

größte Fortschritt. Viele Besucher waren davon beeindruckt und wollten das

ken können, aber auch Experten vorbeischauen. Christoph Schläffer fragte

auch in ihrem Unternehmen haben. Aber man kann diese Kultur nicht auf

uns, was wir brauchen, gab uns ein Büro und den Auftrag, ein Konzept

einen Zettel schreiben und verkaufen oder verschenken.

zu erstellen. Das war Ende 2008. Dann haben wir etwa acht Monate an den Vorbereitungen zu Palomar5 gearbeitet. Ganz lange haben wir zum

Diese neue Arbeitsatmosphäre ist also für Euch die größte bleibende Nach-

Beispiel für die Schlafgelegenheiten gebraucht. Zuerst dachten wir an einen

wirkung von Palomar5?

großen Schlafsaal, aber wir wollten den Teilnehmern schon ihre Privatsphäre

Simon: Wir haben schon auch Projekte, die weiter gehen. Ein Team arbeitet

gönnen. Wir trafen uns mit Architekten und entwickelten schließlich sechs

immer noch daran, via Satellit gratis Internet für die ganze Welt zu bringen.

Quadratmeter große Boxen. Diese Zimmer durfte jeder gestalten, wie er

Sie führen gerade Gespräche mit der NASA. Für die Teilnehmer selbst hat

wollte, und manche hatten sogar Briefkästen an der Tür.

sich natürlich ganz viel verändert. Es ist eine intensive Community geblieben, manche sind sogar umgezogen und manche, die aus dem Ausland ka-

Verbrachtet Ihr dann diese sechs Wochen alle gemeinsam in der Malzfabrik

men, sind in Berlin geblieben!

oder gab es auch Auszeiten, Pausen und freie Tage? Simon: Wir wollten überhaupt nichts vorgeben, nur bereitstellen. Die Teil-

Welche Pläne hast Du für die nahe Zukunft?

nehmer konnten sich alles einteilen, wie sie wollten. Trotzdem die Verkehrs-

Simon: Auf jeden Fall ein, zwei solche Camps pro Jahr zu machen, wobei

verbindung in der Nähe gut war, gingen die Teilnehmer erstaunlicherweise

ich sie lieber Expeditionen nenne, zum Erforschen und Entdecken neuer

viel seltener weg, als wir dachten. Die meisten arbeiteten wirklich konse-

Welten. Bis 2013 möchte ich ein „Haus des Umdenkens“ schaffen. Dort

quent an ihren Projekten. Es gab auch ein Team, die teilten sich in Tag- und

sollen die Expeditionen stattfinden und dazwischen Konferenzen und Ar-

Nachtschicht.

tists-in-Residence-Programme. Wir nennen uns jetzt allerdings nicht mehr Palomar5, sondern until we see new land.

Simon Wind

What inspired you to organize such an extensive project?

So your Creatives were divided into teams?

Simon Wind: My brother and I took part in the digital Initiative D.N.A..

Simon: Yes and each team had its own plans and projects. After a while we

There it was all about networking between so-called digital natives and ma-

began to use a palometer. At a certain time every day they each had a chance

nagers and businessmen with a view to the exchanging of experiences and

to talk about their progress and explain to the others what he or the team was

providing insights into the work of each in their respective world. To begin

working on that particular day.

with we did some on-line networking, then there were two open spaces as well. Only young people came to the first, while in the second we were mixed.

Presumably in such a free and easy atmosphere things move along at a fantas-

Everyone put forward their own ideas and people described how they visu-

tic rate. Unrestricted work like this can often lead to the discovery of potential

alized their future workplace. We got talking to Christoph Schläffer and he

that one didn´t know one had.

was immediately enthousiastic about our ideas.

Simon: True.The really inportant thing apart from the actual projects was the climate that evolved. No enterprise can specify how the working climate

What, for example?

among employees should be; it just grows out of the group and their way of

Simon Wind: We were looking for innovative ways to help transform ideas

relating to one another. Look at Google for example, where the most progress

into reality.We wanted to establish a House of Ideas where creative people

is made on their “free Friday”. Lots of visitors were impressed and would wish

could go about their work unhampered but where experts would look in too.

to have something comparable in their companies. But it is not something for

Christoff Schläffer asked us what we needed, gave us an office and told us

which there is a written recipe, that could be bought or even given as a gift.

to draw up a plan. That was at the end of 2008. Then we spent about eight months working on the preparations for Palomar5. It took ages, for instance,

So for you this new atmosphere in the workplace remains the most lasting

to sort out sleeping arrangements. To begin with we were thinking in terms

effect of Palomar5.

of a big dormitory but as our Camp was to last for six weeks we felt the par-

Simon: Well, we do have on-going projects. One team is still working on the

ticipants would benefit from some privacy. We had meetings with architects

concept of internet for the whole world to be brought via satellite. They are

and finally came up with boxes, six square meters in size. Everyone was at

holding talks with Nasa. For those who participated there have, of course,

liberty to furnish these rooms as they pleased; some even had a letterbox on

been great changes. There remains a close community; some even moved

their door.

house and a few from abroad actually stayed on in Berlin!

Did you spend the six weeks all together in the malt factory- or were there

What are you planning for the near future ?

breaks, time off, or free days?

Simon: Definitely one or two Camps a year- but I would prefere to call these

Simon: We didn´t intend to lay down any rules, we just wanted to make

“Expeditions”. After all we are not Hippy communities but explorers disco-

things available. The participants could organize things as they wished. Road

vering new worlds. By the year 2013 I intend to have established a “House

and rail services were close by and we had bicycles at the camp. But surpri-

of Re-thinking”; that´s where the expeditions will take place and in-between

singly, people went out much less often than we expected; most of them just

times, conferences and Artists in Residence programmes. And by the way, we

really persevered with the work on their projects.There was even a team that

no longer call ourselves Palomar5 but: “until We see new land”.

split into day and night shifts.

SchmiedeProduction page 28

100

5.12 Interviews

Open Design City Open Design City Jeder kann bei Euch also machen, was er will?

Zum Beispiel?

Jay Cousins: Wir sind eine offene Community und wollen nieman-

Jay: Wir hatten eine Frau, die war im achten Monat schwanger und hat

dem vorschreiben, was er tun soll/darf und was nicht. Es gibt einen

hier die Einrichtung für ihr Appartement gebaut. Einmal waren Iraner

großen Raum, in dem die Leute werken können. Mit dem Betahaus

hier, die ihre vier Meter hohen Buchstaben bei uns gebaut haben, mit

haben wir eine Kooperation, die Leute dürfen die Laptops nutzen und

denen sie dann vor dem Brandenburger Tor protestiert haben.

außerdem gibt es ein Café zum Sozialsein. Wir haben den Platz und die Tools, jeder kann sie benutzen.

Was ist Deine Aufgabe bei dem Ganzen? Jay: Ich koordiniere und bin ein bisschen Katalysator für die Leute.

Ähnlich einer permanenten Schmiede also?

Ich versuche, die Leute zu ermutigen, ihnen zu zeigen, wie vielseitig

Jay: Wir wollen ein System, das Leuten erlaubt, sich mitzuteilen und

man den Raum nutzen kann und auch wie man Events veranstaltet.

zu präsentieren. So lernt man sich richtig kennen und Leute können

Ich verwende sehr viel Zeit dafür, Dinge passieren zu lassen. Sage den

zeigen, wer sie sind. Um miteinander arbeiten zu können, braucht

Leuten, dass sie gut sind in dem, was sie tun. Nebenbei versuche ich

man eine Beziehung zueinander. Manche kommen und vernetzen

auch, Investoren zu finden.

sich, bilden neue Ideen, manche machen ihre konkreten Projekte.

Jay Cousins

So you let everybody do what they wish?

For example?

Jay Cousins: We are an open community and have no wish to prescribe

Jay: We had a woman who was eight months pregnant and came here to

what anyone can or should do, or otherwise. There is a big space in which

make furniture for her apartment. There were Iranians here with us once,

people can get on with their work. We have an agreement with Betahaus

constructing four-meter-high letters for a protest at the Brandenburg Gate.

that we can use their laptops and there is a cafe for socializing. We have the space and the tools- everybody may use them.

What is your role in all this? Jay: I co-ordinate and act as catalyst a bit . I try to encourage people , to

Like a permanent Schmiede?

show them the many ways the space can be put to use and I also organize

Jay: We would like a system that permits people to show their work and

events. I spend a lot of time letting things happen.Tell people that they´re

share their ideas.That´s the way to really get to know each other- people can

good at what they´re doing. On the side I try to find investors.

show who they really are. To be able to work together you need to connect. Some people come to network and form new ideas , others get on with their own particular projects.

SchmiedeProduction page 28

102

5.13 Interviews

Danke, dass Du gehst Thanks for leaving Wie kommt man auf die Idee, freiwillige Abschiebungen zu organisieren?

Ihr habt Euer Büro 2010 in Hallein eröffnet. Habt Ihr schon Kunden?

Valentin Schwarz: Es geht um einen neuen Standard der Abschiebung.

Valentin: Ja. Das Interesse ist irrsinnig groß. Einige haben sich schon in-

Wir wollten einen Gegenpol zur herkömmlichen Abschiebung schaffen.

formiert und manche zeigen auch näheres Interesse. Wir haben ein genau-

Da geht es auch um das Egalitätsprinzip – jeder soll die Möglichkeit ha-

es Formular, das jeder ausfüllen muss und dann schauen wir, ob wir ihn in

ben, abgeschoben zu werden. Wir suchen durchaus auch nach den posi-

sein Wunschland abschieben können.

tiven Aspekten einer Abschiebung. Ein Neustart in einem fremden Land zum Beispiel. Es gibt Leute, die wollen freiwillig aus Österreich abgescho-

Wann könnt Ihr das nicht?

ben werden. Viele haben auch nicht die finanziellen Möglichkeiten, aus

Valentin: Wenn zum Beispiel die erforderlichen Impfungen nicht gemacht

Österreich wegzugehen. Wir ermöglichen ihnen das.

sind oder wenn es aus religiösen Anschauungen nicht möglich ist.

Worum kümmert Ihr Euch?

2010 habt ihr die erste Live-Abschiebung gemacht. Wie lief das?

Valentin: Es gibt bei uns drei Arten von Abschiebungen: Premium, First

Valentin: Wir hatten eine Person, die eigentlich nach Somalia abgescho-

Class und Economy. Zu Premium zählen Länder wie Afghanistan oder

ben werden wollte. Das war uns nicht möglich und so wurde die Person al-

Äthiopien, First-Class-Abschiebungen können etwa nach Kolumbien

ternativ nach Äthiopien abgeschoben. Zu unseren Abschiebungen gehört

gehen und Economy sind Nachbarländer von Österreich, Deutschland

eine umfassende Prozedur, wir verabschieden die Person aus Österreich. Es

zum Beispiel. Wir können nicht immer garantieren, dass die Abschie-

gibt eine Abschiedszeremonie, die ganze Stadt ist dazu eingeladen, daran

bung wirklich in das Wunschland führen, bemühen uns aber auf jeden

teilzunehmen. Es gibt Reden von Politikern und ein Rahmenprogramm

Fall, die Klassen einzuhalten. Jemand wollte nach Somalia, das ging nicht,

mit Musik und Sekt. Am Ende steigt die Person ins Taxi und fährt weg.

weil dort Bürgerkrieg herrscht und wir über die dortigen Behörden nichts

Eine zweite Person hatten wir auch schon, die wurde nach Deutschland

organisieren konnten. Wir übernehmen alles dafür, dass der Kunde auf

abgeschoben.

dem Boden seines neuen Landes steht. Ab dann ist er selbst für sich verantwortlich. Ihr organisiert also den Flug und das Einreisevisum. Wer bezahlt das? Valentin: God’s Entertainment gemeinsam mit der SchmiedeHallein und dem Tanzbüro Salzburg. Wir bekommen auch EU-Gelder und werden von FRONTEX unterstützt. Der Kunde hat keine Kosten, außer er springt ab. Wenn er sich dazu entscheidet, doch nicht abgeschoben werden zu wollen, dann muss er uns die bis dahin entstandenen Kosten ersetzen.

Valentin Schwarz

Where did the idea of voluntary deportation come from?

You opened your office in Hallein this week. Have you any Clients yet?

Valentin Schwarz: It´s all about re-evaluation of standards in the de-

Valentin: Yes, there´s a huge response- incredible. Some looking for infor-

portation question. We wanted to create an alternative to the traditional

mation and some showing a definite interest. We have a detailed form that

deportation. And of course, it´s also a question of the equality principle:

has to be filled out by the client and then we do our best to see that we

everybody should be able to avail of the opportunity to be deported. We

deport each to the country of their choice.

also wish to spot-light the positive aspects of deportation. A new start in a strange land, for instance. There are people who would volunteer to be

When is this not possible?

be deported from Austria. Many of them simply don´t have the financial

Valentin: If, for instance, the innoculation requirements have not been met

means to get away. We make this possible.

with or because of inappropriate religious views.

How can you help ?

On Saturday you have your first live deportation- what´s the proceedure

Valentin: We offer three varieties of deportation: Premium, First Class and

there?

Economy. Countries such as Afghanistan or Ethopia belong to the Premi-

Valentine: We have a person who actually wanted to be deported to Soma-

um category, while First Class deportees could get to Columbia; Economy

lia. As this wasn´t possible, we have arranged the alternative of Ethiopia.

countries are Austria´s neighbours-such as Germany. We cannot always

Our deportation packet entails a comprehensive farewell proceedure. There

guarantee that the exact land of choice will be available to the deportee but

is a good-bye ceremony in which the whole city is invited to take part. The-

do our best to keep within the right categories. A person who wanted to go

re will be speeches from politicians within a setting of music and prosecco.

to Somalia had to be disappointed. It was just not possible because of the

At the end the client gets into a taxi and is driven away.We already have a

civil war going on; we couldn´t organize things with the authorities there.

second client whom we´re about to deport to Germany.

We undertake to do everything to facilitate the client till he actually sets foot in the new country. But once there , he is on his own. Cooperation page 44 So you organize the flight and the entry visa. Who pays all this? Valentin: God´s Entertainment in conjunction with Schmiede Hallein and the Tanzbüro Salzburg. We get EU money too and are supported by Frontex.The client has no expenses to bear unless he drops out. Whoever decides not to want to be deported has to repay us all our expenses.

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5.14 Interviews

Mittel zum Zweck means to an end Du gehst hier nicht mehr weg, oder?

Hast Du sie zum Zeichnen fotografiert?

Maria Morschitzky: Nein. Tapen ist wie zeichnen, aber doch etwas

Maria: Ja, für meine Ausstellung. Ich zeichne sie ab und stelle sie un-

ganz anderes. Ich finde es entspannend. Man ist ständig in Bewegung,

terschiedlich zusammen, setze sie miteinander in Verbindung. Ich

reißt Tape ab, klebt, manchmal muss man etwas weiter weggehen.

zeichne Straßensituationen. Sobald man Menschen nebeneinander

Manchmal muss ich ein Stück Tape wieder wegnehmen und neu kle-

sieht, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben, stellt man

ben. Aber nicht oft. Seltener, als ich mir dachte!

einen Zusammenhang her. Eigentlich müsste ich auch gerade meine Ausstellung vorbereiten, aber ich habe noch keine Bilder. Das stresst

Obwohl Du das noch nie gemacht hast?

mich ein bisschen.

Maria: Tape ist ein super Material. Ich kann es in alle Richtungen reißen, es lässt sich formen und wuzeln. Dicke Streifen, dünne Streifen.

Meinst Du, Du hast noch keine Fotos für den Flyer oder keine Bilder

Ich habe auch heute erst erfahren, dass es Tape Art gibt. Mir taugt diese

für Deine Ausstellung?

Kunst extrem.

Maria: Ich habe noch keine Bilder für meine Ausstellung. Eines habe ich jetzt für den Flyer gemacht. Aber deswegen bin ich auch ohne

Und wie überträgst Du die Proportionen so auf Anhieb auf die große

Projekt auf die Schmiede gekommen, damit ich mich auf die Ausstel-

Wand?

lung konzentrieren kann. Aber ich habe mit dem Tapen sowieso mein

Maria: Nur nach Gefühl! Man sieht ja beim Tapen nicht genau, wie

perfektes Projekt gefunden!

das Bild jetzt aus der Ferne aussieht. Das ist das erste Mal, dass ich überhaupt in dieser Dimension arbeite. Ich zeichne sonst auf Papier. Was hat es denn mit Deinen Motiven auf sich? Maria: Leute auf meinen Reisen, Straßensituationen. Ich war gerade im Westen der USA und habe viele Menschen fotografiert. Teilweise fanden mich Passanten ziemlich pietätlos, wenn ich jemanden fotografiert habe, der gerade in der Mülltonne wühlt. Aber ich wusste nicht, wie ich sonst zu meinem Motiv komme. Da bin ich auch ein bisschen im Zwiespalt, denn wenn ich die Leute frage, ist die Situation weg. Abgesehen davon, traue ich mich die Leute, die ich als Motiv haben will, eigentlich gar nicht zu fragen.

Maria Morschitzky

You are here to stay, aren´t you?

Did you photograph them in order to draw them?

Maria Morschitzky: Yes. Taping is like drawing but then again, it´s quite

Maria: Yes, exactly- for my exhibition in October. I draw them and then

something else. I find it relaxing. One is on the move all the time, pulling

arrange them together differently , connect them up with one another. I

off the tape, standing back from it sometimes . Sometimes I have to take

draw street situations. As soon as one sees individuals together who have

off a piece of tape and stick it up again. But not too often. Seldomer than

nothing to do with one another, one establishes a context. As a matter of

I would have thought.

fact I should be preparing my exhibition right now, but I haven´t got any pictures yet.That stresses me a bit.

Although you´ve never done this before? Maria: No. Tape is a super material. I can tear it in all directions- it can be

Do you mean you have no photos for the flyer or no pictured for your

shaped and scrunched up... thick strips, thin strips. And today I heard for

exhibition?

the first time that Tape Art actually exists. I think it´s great. In February

Maria: I have no pictures for my exhibition yet. I ´ve just made one for the

the Farm is bringing two Berlin artist to Golling and they are going to tell

flyer. That´s actually why I came to the Schmiede without a project- so I

us something about it. I´ll definitely go to hear what they say.

could concentrate on the exhibition. But as it turns out, with the taping I found the perfect project.

And how do you get the proportions right so spontaneously on that big wall? Maria: It´s pure instinct! When you are taping you don´t actually see how the picture looks from a distance.This is the first time that I´ve ever worked with these sort of dimensions. Normally I draw on paper. So what do your motifs deal with? Maria: People I´ve seen on my travels, street situations. I was in the West of the USA recently and photographed a lot of people. Sometimes passers-by found it rather offensive that I should photograph someone scrabbling in a garbage bin. But I didn´t know how else to go about getting my subjectmatter. I feel a bit doubtful about this myself but if I were to ask the people, the moment would pass. And to tell the truth, I don´t actually dare ask .

SmithProject page 60

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sponsoren/ Fรถrderer

1.3 Schmiede ist...

content-partner

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CRE

1.3 Schmiede ist...

impressum Credits Interviews

Bilder:

Uli Grabler, PR Scmiede Hallein

Ela Grieshaber //elagrieshaber.net page: 12, 13, 21, 25, 26, 29, 31, 34, 41, 45, 46, 47, 51, 54, 58, 59, 61,

Artist Texts:

62, 68, 69, 70, 71, 72, 73, 77, 79, 81, 83, 85, 87, 89, 91, 93, 95, 97,

Mag . Emilie Mayer , * 1979, ist Kunsthistorikerin und arbeitet als

99, 101, 103, 105

Kuratorin im Museum der Moderne, Salzburg

Benu Hohnheiser //benju.net page: 17a, 18

Translation:

Jakob Polacsek //polacsek.com

Gail Polacsek

page: 6 Christian Veit

editorial:

page: 43

Claudia Steinwendtner

Rainer Rossgodere //ronniroyal.net page: 17b

Design:

Sabine Bruckner //sabinebruckner.com

Bianca M端hlbauer, Ilker Cirakoglu, Dominik Mayer

page: 38 Andreas Waldsch端tz // waldschuetz.com page: 15, 17c David Fisslthaler // davidf.at page: 22 Verein Estrela // estrelaestrela.com page: 33 Karla Spiluttini // karlakraft.net, Korinna Lindinger // annirok.net page: 37 Der Greif // dergreif-online.de page: 57 Rattehaweii // rattehaweii.wordpress.com page: 65

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