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MAGAZIN

VON DER KUNST DES

EINFACHEN

Kulinarium. Beschaulich, fast schon kitschig präsentiert sich der Pillersee „Es ist jeder Mensch steinreich, der ein Fleckchen Erde besitzt, auf dem Lebendiges wächst.“ Cornelia Miedler, Gestalterin essbarer Landschaften

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SPECKFORELLE Zutaten für 1 Portion 1 Forelle (ca. 300 g), 100 g Bauchspeck, 100 g Butter, Fett zum Braten Zubereitung: Forelle ausnehmen und sauber auswaschen; salzen und in Mehl wälzen. Im heißen Fett schön goldbraun braten. Den Speck in Streifen schneiden und in Butter etwas anrösten. Nun den gerösteten Speck über die Forelle geben und mit Salzkartoffeln und grünem Salat servieren.

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wa n d e l hin oder her. Über das Wetter zu jammern, ist Mode geworden. Zu warmer Winter? Wozu Schnee im Frühling? Irgendwie kann es Petrus niemandem mehr recht machen, und in gewisser Weise passt die Fahrt nach St. Ulrich am Pillersee ins Bild dieser verqueren Wintersaison: Stau, salznasse Fahrbahn, 20 Zentimeter Neuschnee – tags zuvor ist ganz Tirol noch bei sonnigen 20 Grad im Garten oder am See gesessen. Und dabei hätte es ein durch und durch frühlingshaftes Kulinarium werden sollen: Pflückfrische Bärlauchsuppe und ein Speckforellerl standen auf dem Speiseplan, serviert wird in der Stube nun zunächst einmal ein brühend heißer Tee. So präsentiert sich der Gasthof St. Adolari – am nordwestlichen Pillersee-Ufer gelegen – als heimelig-kuscheliges Ausflugsziel, das eigentlich bei jedem Wetter die Mühen einer etwas längeren Anfahrt wert ist. Spaziergänger – oder in diesem Fall wohl eher ein Langläufer dort auf der gegenüberliegenden Seeseite? – fühlen sich hier offensichtlich wohl; und nicht nur im Sommer verschlägt es kulinarische Ausflügler hierher. Der Blick in die Speisekarte verrät: Wer klassische Tiroler Wirtshaus-Kultur schätzt und Fisch mag, ist hier richtig. Und kommt immer wieder.

GERADE EIN Wirtshaus

wie das „St. Adolari“ lebt von seinen Stammkunden. Abseits großer Durchzugsrouten sind es Gäste, die Ruhe und Natürlichkeit suchen. Vor allem Familien genießen das kleine Hochtal zwischen Fieberbrunn und Waidring. Langlaufen, Wandern, Bergtouren – ein gemütlicher Naturgenuss, der ohne Pomp und Protz auskommt. Trotzdem haben Jungwirt Thomas und sein Vater Helmut

Herramhof eine wesentliche Veränderung in ihrem Publikum beobachtet: „Früher waren unter unseren Gästen einige, die mehr als 20 Jahre zu uns gekommen sind. Heute gibt es das nicht mehr.“ Ein Generationenwechsel, dem es sich in Zukunft anzupassen gilt, ohne sich selbst zu verraten, wie Vater und Sohn in stillem Einvernehmen meinen: „Selbstverständlich haben wir uns verändert, aber dabei haben wir uns die alten Werte erhalten. Die Gemütlichkeit und die Bodenständigkeit sind immer noch das Wichtigste.“

TEXT: Franziska Lipp | FOTO: Tirol Werbung

zu jeder Jahreszeit. Allein deshalb hat sich das St. Adolari in St. Ulrich zum kulinarischen Insider-Tipp am Tiroler Tellerrand entwickelt – für echte Fisch-Puritaner und all jene, die einfach nur gut essen wollen.

BÄRLAUCHSUPPE Zutaten (5 Personen) 100 g fein gewürfelte Zwiebeln 70 g Butter 40 g Mehl 50 g Bärlauch 1⁄4 Liter Sahne 1 Liter Rindsuppe Salz Pfeffer Zubereitung: Zwiebel und Bärlauch in Butter anschwitzen; Mehl dazu geben und kurz mitrösten. Mit Rindsuppe und Rahm aufgießen; würzen und mit Mixstab gut durchmixen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

AUF DEN Wurzeln der Vergan-

genheit zu bauen – darum ging es der Familie Herramhof seit jeher in der Führung ihres Gasthofs. Bis ins frühe 20. Jahrhundert eine Saumstation für die Fuhrwerke, änderte sich nach der Übernahme 1937 zunächst nur wenig. Helmuts Großmutter, Margarete Kranz, kaufte das leerstehende Gebäude und richtete eine Gastwirtschaft ein. Nachdem 1961 Maria (mit ihrem Mann Gottfried Herramhof) das Gasthaus von der Mutter übernommen hatte, nahm sie erste Umbauten vor und noch heute stammen viele Einrichtungsgegenstände aus der damaligen Zeit. „Eine reine Weiberwirtschaft“, wie Helmut schmunzelnd meint. „Aber zu der Zeit war das ganz normal.“ Schon damals stand am Vorplatz ein St.Adolari-Brunnen, dessen rechtsdrehendem Wasser seit jeher eine Heilwirkung nachgesagt wird. Vor dem Zweiten Weltkrieg verschüttet, geriet die Quelle jedoch keineswegs in Vergessenheit. Heute steht der Brunnen wieder auf dem Platz zwischen Gasthof und Kirchlein, das – 1407 erbaut – zu den ältesten Tirols zählt. Mit ein Grund

180°OPTIMALE

TEMPERATUR beim garen

einer Forelle

SAISON

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Der Glaube versetzt Berge: Das Gründonnerstagsei soll vor Unheil schützen.Der Glaube versetzt Berge:

Der Glaube versetzt Berge: Das Gründonnerstagsei soll vor Unheil schützen.Der Der Glaube versetzt Berge: Das Gründonnerstagsei soll vor Unheil schützen.Der Glaube versetzt Berge:

„Es ist jeder Mensch steinreich, der ein Fleckchen Erde besitzt, auf dem Lebendiges wächst.“ Cornelia Miedler, Gestalterin essbarer Landschaften

VORSPEISE Zutaten für 1 Portion 1 Forelle (ca. 300 g), 100 g Bauchspeck, 100 g Butter, Fett zum Braten Zubereitung: Forelle ausnehmen und sauber auswaschen; salzen und in Mehl wälzen. Im heißen Fett schön goldbraun braten. Den Speck in Streifen schneiden und in Butter etwas anrösten. Nun den gerösteten Speck über die Forelle geben und mit Salzkartoffeln und grünem Salat servieren.

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für ein Fassen der Wasserquelle sei die notwendige Trockenlegung der Kirchenmauern gewesen, erinnert sich Helmut Herramhof. Ohne den Brunnen war das Wasser einfach im Berg unter Kirche und Haus durchgelaufen, im Haus selbst kam es über eine Zuleitung aus dem Hahn – zwar ohne Druck, alaubwürdig, meint Thomas und findet vollste Zustimmung bei seinem Vater.

„WOFÜR WIR über St. Ul-

rich hinaus wirklich bekannt sind, sind die Fischspezialitäten“, verweist Vater Helmut beim gemeinsamen Gang von der lauschigen Stube in die Küche auf das eigentliche kulinarische Grundelement des St. Adolari. Forelle „lmut sichtlich stolz die Qualität der von ihm verwendeten Produkte, während er die Forellen ausnimmt, mehlt und auf langsamer Flamme knusprig brät. Mehr braucht es nicht. „Das ist das, was man unter Bodenständigkeit und Einfachheit verstehen muss. Nur so kann es wirklich funktionieren, nur so schmecken die Gerichte so, wie’s sich gehört.“ An die 1000 Fische im Jahr – ausschließlich aus der örtlichen Forellen-Zucht in Waidring bzw. aus der Pillersee-Besatzung – werden im St. Adolari serviert, auf Wunsch kann man sich sogar den eigenen Fang zubereiten lassen. Selbstgefangenes der Familie Herramhof kommt dabei hingegen eigentlich nie auf den Tisch. „Man soll sich immer auf eines

konzentrieren – Fisch zubereiten oder fangen“, meint Vater Helmut etwas knurrig. Einmal habe er es probiert, aber „das war nix“. Auch Sohn Thomas hat sich mit Freunden mal im Eisfischen versucht und kam zum selben Ergebnis: „Nach zwei Stunden Schufterei hatten wir zwei zu Kaum zu glauben, dass der Schnee auf der Straße nach Fieberbrunn schon wieder angelegt hat. Aber was soll‘s: Frisch gestärkt fällt die winterliche Heimfahrt umso leichter. Ein GrundEin Grundhe zum Insider-Tipp gemacht. „Meine Fische kommen direkt aus dem Aquarium, und das schmeckt man auch“, betont Hevelmut sichtlich stolz die Qualität der von ihm verwenzum selben hatten wir zwei lmut sichtlich stolz die Qualität der von ihm verwenzum selben Ergebnis: „Nach zwei Stunden Schufterei hatten wir zwei Löcher t, um in Waidring etwas Bärlauch zu Kaum zu glauben, dass der Schnee auf der Straße nach Fieberbrunn schon wieder angelegt hat. Aber was soll‘s: Frisch gestärkt fällt die winterliche Heimfahrt umso leichter. Ein GrundEin Grundhe zum Insider-Tipp gedem Aquarium, und das schmeckt man auch“, betont Helmdeten Produkte, während er die Forellen ausnimmt, mehlt und auf langsamer Flamme knusprig brät. Mehr braucht es nic mehr, um wiederzukommen mehr, um wiederzukommen – dann hoffentlich bei echtem Ausflugswetter. ✱ SAISON

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Saison kulinarium