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schauraum. Architekturmagazin In der Ferne Vorwort

Ausgabe #2 01/2017

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

3 Grazer Architektur Diplompreis 2016

Unsere Generation reist ausgiebig und hat die Möglichkeit, neue Orte als potentielles Zuhause zu adaptieren. Dies ist nicht zu unterschätzen. Für Architekturstudierende ist diese Fähigkeit der stetigen Anpassung an neue Orte besonders wichtig. Das Haus, das Wohnen, sind für uns Ideen. Das Loslassen vom physischen Zuhause - dieses vielmehr als eine Idee aufzunehmen - ermöglicht es, sich sein eigenes Nest überall errichten zu können.

Vorwort

4 1.Preis - Analoge Landschaft. Annäherungen an den verlorenen Raum des Unbestimmten

6 2.Preis - VALLEY WALLS

Refuge in Seclusion / Ein Refugium in der Abgeschiedenheit

8 3.Preis - Ozymandias Picturesque

Zerstörung, Wiederherstellung und Transformation einer Ruine

10 Tschom Wohnbaupreis - KUŞDILI ÇAYIRI

Die Entstehung eines neu interpretierten türkischen Wohnhauses

12 Publikumspreis - I-710/I-105 #more than infrastructure

14 Erasmus in Hamburg HafenCity Universität Hamburg

15 Erasmus in Hong Kong

Chinese University of Hong Kong

16 Erasmus in Mailand Polytechnikum Mailand

17 Erasmus in Graz

Technische Universität Graz

18 Kundalinee School

Eine schulische Alternative für Köper und Geist

20 Basadhi School

Bauen im ärmsten Bundesstaat Indiens

22 Full Scale Studio Africa eine Reise ins Unbekannte

24 Critical Concrete

eine weiterbildende und soziale Initiative

26 Reisebericht

Ein Lokalaugenschein im Paradies.

30 Bildgeschichten Creating Comics

31 Kochen mit Lung Auf den Spuren der Urpizza

32 Projektautorinnen und Projektautoren in Reihenfolge ihres Auftritts

Chefredaktion Carlotta Bonura Philipp Glanzner Redaktion Riham El Moazen Elisabeth Scheucher Petrit Vejseli

Der Titel lautet „In der Ferne“ und bezieht sich auf Auslandserfahrungen von Architekturstudierenden sowie AbsolventInnen der TU Graz. Es werden Projekte vorgestellt, welche außerhalb von Österreich, meist auf Eigeninitiative, bereits realisiert wurden bzw. sich gerade in Realisierung befinden - Nepal, Indien und Tansania stehen auf der Liste. Weiters gibt es aktuelle Erasmus-, Praktika- und Reiseberichte zu lesen - von den Azoren über Mitteleuropa bis hin nach Hong Kong. Zusätzlich wurden auch alle diesjährigen PreisträgerInnen der Grazer Architektur Diplompreis Awards, die ihren Themenschwerpunkt im Ausland situiert haben, aufgenommen. Reisen, das Kennenlernen neuer Kulturen, sind wesentlicher Bestandteil des Architekturstudiums und der lebenslangen, persönlichen Entwicklung. Die nun folgenden Wort- und Bildmeldungen geben also Zeugnis einer Auffassung der modernen Architekturpraxis, der keine geographischen Grenzen gesetzt sind – wir hoffen, sie bereichern auch Euren (Studien-) Alltag! Euer schauraum.

Impressum Herausgeber kleinraum Münzgrabenstraße 11 8010 Graz, Österreich

Nach äußerst positiven und ermutigenden Rückmeldungen zur ersten Ausgabe unseres Magazins freuen wir uns, mit spannenden Themen in die zweite Runde zu gehen!

Korrektorat Riham El Moazen Felix Obermair Elisabeth Scheucher Petrit Vejseli David Wernig Titelbild Felix Obermair Layout Philipp Glanzner

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Kontakt schauraum@kleinraum.at www.schauraum.kleinraum.at Postanschrift schauraum. Architekturmagazin Münzgrabenstraße 11 8010 Graz, Österreich Druck Buchbinderei Reiber & Reimer OG St. Peter Hauptstraße 119 8042 Graz, Österreich

Disclaimer: Alle Rechte der in den folgenden Artikeln und Berichten abgedruckten Bildern, Fotos, Grafiken und Inhalten unterliegen, sofern nicht anders angeführt, der jeweiligen Autorin bzw. des jeweiligen Autors.


GAD16 Awards

Grazer Architektur Diplompreis 2016 Vorwort Philipp Glanzner

Einmal jährlich werden von der Fakultät für Architektur der Technischen Universität Graz bei den Grazer Architektur Diplompreis (GAD) Awards die besten Masterarbeiten des vergangenen Studienjahres prämiert - eine Fachjury wählt die PreisträgerInnen. 2016 fand die Verleihung bereits zum 14. Mal in Folge statt und ist abermals auf sehr großes Interesse gestoßen. Die diesjährigen GAD Awards wurden vom Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften (akk) unter Leitung von Professor Anselm Wagner organisiert. Die Fachjury, bestehend aus Lukas Göbl (göblarchitektur, Krems-Wien), Anna Popelka (PPAG architects, Wien) und Kjetil Thorsen (Snøhetta, Oslo) musste in einer ganztägigen Jurysitzung aus insgesamt 34 der ausgestellten, nominierten Masterarbeiten die sechs besten Projekte herausfiltern. Neben den ersten drei Preisen wurde auch der Tschom Wohnbaupreis, benannt nach dem ehemaligen Wohnbauprofessor an der TU Graz, Hansjörg Tschom, für das beste Wohnbauprojekt verliehen. Der Hollomey Reisepreis, nach Werner Hollomey benannt [ehemals

Dekan der Architekturfakultät, Rektor der TU Graz (1979-1981) und Mitglied der Werkgruppe Graz], wurde an Diplomanden vergeben, die im Zuge der Masterarbeit Reisen vorweisen konnten oder sich anderweitig mit Mobilität und fremden Ländern beschäftigt hatten. Last but not least gab es noch den Publikumspreis, welcher vom am Abend der Verleihung anwesenden Publikum an das für sie als bestes erachtete Projekt überreicht wurde. Eine an die GAD Awards folgende, einwöchige Ausstellung aller nominierten Masterarbeiten sowie Vorträge der PreisträgerInnen im Haus der Architektur Graz rundeten das Programm ab. Die folgenden Artikel der Gewinnerprojekte haben allesamt entweder Ihren Themenschwerpunkt außerhalb von Österreich, oder beschäftigen sich mit der Entstehung von nicht ortsgebundenen Räumen. Alle Berichte wurden spezifisch für diese Ausgabe des schauraum. Architekturmagazins von den GewinnerInnen persönlich verfasst. Foto unten (c) akk, Emilian Hinteregger

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1.Preis

Analoge Landschaft.

Annäherungen an den verlorenen Raum des Unbestimmten Christoph Walter Pirker

Diese Arbeit ist ein Aufruf für eine neue architektonische Form. Ein künstlerisches Werkzeug, das in einer Realität von oberflächlicher Aufschichtung versucht, jede Oberflächlichkeit umzukehren und eine neue plastische Überlegung der traditionellen Vorstellung von Raum hinzuzufügen. Gleichzeitig fokussiert dieser Aufruf auf die Entstehung der neuen architektonischen Form. Wenn von der modernistischen Annahme eines idealen, erklärbaren und endlichen Objektes losgelassen wird und stattdessen das Objekt als Folge von Differenzen und Intensitäten betrachtet wird, worin jeder Teil schon eine eigene Welt bestimmt, dann steht die künstlerische Untersuchung dieses Objektes innerhalb eines tieferen, unbestimmbaren Objektbegriffes. Im Zentrum dieser Überlegungen liegt die Linie: Zunächst als buchstäbliche Linie innerhalb der architektonischen Zeichnung, doch später als Metapher für eine jede räumliche Konkretisierung. Eine Linie, verstanden als Grenzlinie zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, dem Realen und dem Virtuellen. Dieser topologische Zustand wird durch zwei textliche und einen visuell-diagrammatischen Essay dargestellt. Die Metapher des Malens für die Produktion des Textes und der Bilder, das Entstehenlassen eines Raumzustandes in der geschriebenen und visuellen Sprache prägen diesen Aufruf auf mehreren Ebenen: Jede geschriebene oder gezeichnete Äußerung ist eher ein

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kontinuierliches Suchen, Verdichten und Erweitern und weniger eine abgeschlossene Form. Der erste Essay legt zunächst ein Regelwerk an Begriffen vor, die in Bezug auf architekturtheoretische, künstlerische und philosophische Ideen entwickelt werden. Am Ende des ersten Essays wird mit diesen Begriffen eine Frage gestellt, die sich an die Neudefinition der architektonischen Form richtet. Diese Definition wird im zweiten Essay durch die Aufstellung der zwei zentralen räumlichen Funktionen – die der Explikation und die der Implikation – formuliert. Die Atmosphäre dieses räumlichen Verständnisses, die alle vorangegangenen Überlegungen einschließt, zeigt der visuelle dritte Essay: Die Entwicklung einer Form an einem konkreten Ort, einem Ausschnitt der Südtiroler Dolomiten, in deren landschaftlicher Topographie gleichzeitig die topologischen Spuren der Kriegslandschaft eingeschrieben sind. Der Ort zeigt sich als Gewebe, in dessen globaler Bewegung sich die neue architektonische Form auf lokalem Maßstab positioniert. Die Bildung einer tieferen, noch zu erfahrenden Plastizität schafft einen Raumzustand, in dem die Funktion nicht außerhalb der Form geschieht, sondern als Ereignis zwischen Mensch und Form sowie zwischen Form und Form selbst. Eine Form des Unbestimmten, die Schaffung einer neuen Identität, entstanden in einer analogen Landschaft.


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2.Preis

VALLEY WALLS

Refuge in Seclusion / Ein Refugium in der Abgeschiedenheit Zuzana Töröková, Simon Platter

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Einzelzimmer, Collage

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Modellfoto “Refugium” 1:100

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Valley Walls, zu Deutsch Tal Wände, bezieht sich auf die verinnerlichende Wirkung der Berglandschaft, die Abgeschlossenheit in einem Tal zwischen Felswänden oder auch hinter gebauten Mauern. Das Projekt gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil beinhaltet den Entwurf des Refugiums, eine Herberge, die sich an einen derartig abgeschiedenen Ort in den Alpen befindet, dem Talschluss von Trafoi. Es ist ein Zufluchtsort, wo es nicht um die Flucht vor der Realität oder dem Alltag geht, sondern um die Findung oder Festigung des Selbst. Der Entwurf basiert auf den darauf folgenden zwei Teilen. Einer davon ist die Annäherung an den Ort, die Auseinandersetzung mit dem Kontext. Der andere Teil befasst sich mit der Klosterarchitektur und deren Typologie. Diese einzelnen Abschnitte lassen sich auch getrennt von einander betrachten.

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Collage eines Einzelzimmers im Kloster La Tourette von Le Corbusier

Modellfoto Treppenturm Ausschnitt 1:50

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Trafoital 1:40000 [a] Talschluß [b] Refugium [c] Wallfahrtsort, Heilige Drei Brunnen [d] Madatsch Berg [e] Trafoi Dorf [f] Gomagoi Dorf


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Das Grundstück, worauf das Projekt aufbaut, befindet sich nahe eines Wallfahrtsortes am Ende des Hochtales Trafoi. Es ist ein mitten in der mächtigen Berglandschaft gelegener Ort der Ruhe. Die Intention ist es, in dieser vorgefundenen Landschaft ein Projekt zu denken, das jenseits vom Konsum orientierten Alpentourismus liegt. Ausgehend von der Klosterarchitektur zielt das Projekt darauf ab, einen Ort des individuellen Rückzugs

zu schaffen sowie Begegnung zu ermöglichen. Der Schwerpunkt des Entwurfes liegt daher in der Ausformulierung des einfachen Einzelzimmers und des Gemeinschaftsraumes sowie deren Relation zu einander. Das Ziel war von Beginn an das konkrete Ausarbeiten eines architektonischen Projektes anhand von Plänen, Modellen und der Auseinandersetzung mit Materialität und Konstruktion. PRODUCED BY AN AUTODESK EDUCATIONAL PRODUCT

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Lageplan 1:10000 [A] Refugium [B] Empfangshaus, ehemaliges Waldheim, später Teil des Kasernenareals [C] Wallfahrtsort, Heilige Drei Brunnen [D] Madatsch mit drei Wasserfällen [E] Geröllfeld [F] “Einsiedelboden” [G] Schuttkegel [H] Trafoi Bach [I] Weg ins Tal und aus dem Tal [J] “Weißer Knott” Gasthaus an der Stilfser Joch Straße

1. Obergeschoss 1:600 Der Gemeinschaftsflügel (oben) und Zimmerflügel (rechts) sind über den “Treppenturm” miteinander verbunden, sie umschließen einen Hof, ein Geröllfeld.

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Der Gemeinschaftsraum, Schnitt Perspektive

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Das Einzelzimmer, Grundriss Perspektive

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3.Preis

Ozymandias Picturesque

Zerstörung, Wiederherstellung und Transformation einer Ruine Ana Škrebić

Im ersten Teil der Arbeit habe ich versucht, einen Blick auf die Stadtentwicklung und das Phänomen der Modernität in der Stadt Zagreb, die als eine Reflexion der gesellschaftlichen Prozesse und historischen Ereignisse stattfand, näher zu bringen. Die spezifischen Qualitäten, wichtigen Kategorien, Merkmale und Aufgaben des Bestehendes wurden analysiert und begriffen, um die eigene Qualität dessen zu entdecken, davon versuchen zu lernen, sowie damit umzugehen und letztendlich diese Qualitäten affirmativ zu betonen. Aufgrund ihrer spezifischen Qualitäten, erwecken die Ruinen spezifische Gefühle der Endlichkeit und erzeugen eine Erinnerung an die Vergänglichkeit menschlicher Werke. Die Bedeutung vorgefundener Elemente wird durch den Gebrauch geändert und das, was durch den neuen Gebrauch geschaffen wird, erzeugt eine Monumentalität,

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die als ein Mittel, um die neuen bedeutenden Kontexte zu produzieren, dient. Eine Auseinandersetzung mit der vorgefundenen Situation und deren Elementen, die neu bewusst und erlebbar zu machen sowie mit einer neuen Bedeutung aufzuladen und demzufolge die bedeutenden Kontexte zu schaffen ist meine Herausforderung bei diesem Projekt. Dadurch wird einen erzählerischen Inhalt, der aus den Bezie­hungen zwischen Objekt, dessen Bezug zu dem Ort und seinem neuentstandenen Kontext erzeugt wird, in die Architektur einfließen gelassen. Die vorgestellte Szenografie des Entwurfs kon­densiert in einem Projekt drei scheinbar widersprüchliche Aktionen — Zerstörung, Wiederherstellung und Transformation — genauso wie eine Ruine neben seiner Gegenwart auch eine Vergangenheit und demzufolge eine Zukunft hat.


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Tschom Wohnbaupreis

KUŞDILI ÇAYIRI

Die Entstehung eines neu interpretierten türkischen Wohnhauses Hanife Tepegöz

Meine Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem türkischen Wohnhaus. Die Recherche der türkischen Wohnkultur reicht zurück bis in die Nomadenzeit der Türken und geht bis zur heutigen Situation. Mein Entwurf beschäftigt sich mit dem Thema „gemeinschaftliches Wohnen“ hat den Standort in Istanbul in Kadiköy (auf der asiatischen Seite Istanbuls). Der Entwurf soll architektonische Qualität mit hoher Flexibilität in der Funktion vereinen und eine attraktive und angenehme Atmosphäre bieten. Das Ziel ist es einen Wechselspiel zwischen Gemeinschaftlichkeit und Individualität zu schaffen. Die Architektur soll die Kommunikation bzw. den sozialen Austausch der Generationen (z.B. Studenten, Absolventen, Familien, Freiberufler und Senioren) untereinander fördern. Weiters soll eine verstärkte Vernetzung der Nachbarschaft wieder hergestellt werden und somit das Gefühl einer Gemeinschaft hervorrufen. Meine Idee ist daher eine Neuinterpretation des türkischen Wohnhauses zu schaffen: „Ein gemeinschaftliches Wohnheim der Zukunft, das von den klassischen alttürkischen Wohnheimen inspiriert ist, als Gebäudetyp jedoch wegweisend sein sollte und die Entwicklung einer attraktiven Atmosphäre zum Wohnen, Studieren und sich austauschen unterstützt“. Die bauliche Tradition sollte als Basis für eine innovatives Konzept dienen, um optimalen Lebensraum für künftige Bewohner zu schaffen. Der vorliegende Entwurf ist nicht allein ein Gebäude, das einen Bauplatz ausfüllt, sondern ist als Gesamtkonzept eingebettet in die Neugestaltung der angrenzenden Umgebung, die als Park und Fußgänger Durchquerungsfläche, als Transferbereich des hoch frequentierten Bahnhofs und des angrenzenden Stadions Fenerbahçe neu konzipiert werden soll. Auf diese (künftige) grüne Umgebung, nahe am Wasser bzw. dem Marmara‐Meer, wurde auch in der Außengestaltung des Baukörpers Bezug genommen. So war es nicht das Ziel eine radikal

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neues Erscheinungsbild zu kreieren, sondern in dieser uralten zivilisatorischen Umgebung auch die noch älteren Formen der Natur zu zitieren. Die Gattung der Perlboote, die in ihrer versteinerten Spiralform durch Museumsbesuche wohl jedem Kind und Erwachsenen bekannt sind, sind bei der Formgebung des Baukörpers der Bezugspunkt gewesen: Im Wachstum behalten die Perlboote ihre ursprüngliche Form bei, während nur der Umfang – vgl. Jahresringe – zunimmt. Diese Spiralbewegung findet sich auch in der aufsteigenden Schichtung des Baukörpers und zugleich verknüpft sich hier die historische Entwicklung des türkischen Hauses: Vom Zelt, zu verbundenen Zelten, zur Entwicklung von Zimmern als eigenständige Nutzungseinheiten unter einem gemeinsamen Dach. Die Fassadengliederung ist geprägt durch Erker, jeweils einer pro Wohnein-


heit ‐ (auch hier die Referenz zu den Erkern der alten türkischen Häuser: Cumbali evler) gegliedert und je Wohnung mit verschiebbaren Fassadenelementen verdunkelbar. So entsteht schlicht durch die unterschiedliche Nutzung der jeweiligen Bewohner eine „belebte“ Fassade, die kaum jeden Tag exakt gleich aussieht. Wie in den alten historischen türkischen Häusern, ist das Erdgeschoss (wie das Untergeschoss – inklusive einer Tiefgarage ‐ und das 1. Geschoss) als öffentlicher Bereich gehalten, mit einer Nutzung durch Restaurants, Hamam, Bibliothek, Lernzentrum, Café, interreligiösen Gebetsraum, Proberäume, Verwaltung, und Seminarräume, Kinderbetreuung, Sportraum, Gemeinschaftsraum und Atelierräumen. Die oberen Geschosse sind der Wohnnutzung und kleinen sharedoffice‐ spaces vorbehalten, wie früher die Privaträume sich ebenfalls

im Obergeschoss befanden. Genau diese historische Entwicklung der Innenräume eines türkischen Hauses und der Raumaufteilung desselben, waren die wichtigsten Bezugsrahmen, bei der Gestaltung der Innenräume, insbesondere der Wohneinheiten: Drei unterschiedliche Bodenniveaus finden sich in jeder Wohneinheit, die die Nutzungseinheiten deutlich machen. Der Eingangsbereich zitiert mit den eingebauten Schränken, die alten türkischen Zimmer und deren Eingangbereiche und auch im Entwurf findet sich die Möglichkeit der (Sicht‐) Abtrennung dieses Bereiches durch Vorhänge von den anderen Nutzungsbereichen. Nach dem ersten (niedrigsten) Niveau des Eingangsbereich folgt (im Niveau jeweils ansteigend) der Wohnbereich und schließlich ein erhöhter Schlaf – und Sitzbereich, an der Fensterfront (teilweise mit Balkon teilweise ohne und durch klappbare Fassadenelemente verdunkelbar). Alle Wohneinheiten – Größen unabhängig – folgen diesem Prinzip. Durch diese Niveau‐ Sprünge ist eine bessere Lichtausnutzung möglich und ebenso eine bessere Luftzirkulation in Anlehnung an die Oberlichter – Fenster der alten türkischen Häuser.

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Publikumspreis

I-710/I-105

#more than infrastructure Alexander Gebetsroither

PROJEKT Die vorgeschlagene Intervention bewegt sich aufgrund ihrer Dimension zwischen einer objektbezogenen Architektur und einem städtebaulichen Maßstab. Die Größe ist von den Ausmaßen der Interchanges vorgegeben. Sie verdeutlicht die enormen Raumkapazitäten und betont das vorhandene Potenzial. Das Projekt, in Form eines gleichmäßigen Ringes, bildet einen Rahmen um den Verkehrsknotenpunkt. Die Freeways und die Intersection sind integraler B ­ estandteil der Architektur; sie bilden den Fokuspunkt, den Mittepunkt des Ortes. Sie sind das Bild für den Rahmen. Die Rahmung gibt dem Inhalt Wichtigkeit; sie steigert die Wertigkeit. Dem städtebaulichen weißen Fleck wird durch die bauliche Akzentuierung eine Persönlichkeit eingeschrieben. STADTTEILZENTRUM Die Großmaßstäblichkeit verdeutlicht eine gesamt­ heitliche Absicht. Das Bauwerk dominiert die Umgebung und prägt aktiv den Kontext. Es zeugt von unweigerlicher Präsenz und schafft Identität. Trotz seiner bestimmenden Erscheinung, referenziert es auf den konkreten Ort; es bezieht sich auf die Infrastruktur und definiert gleichzeitig das Territorium. Das Bauwerk ist im Sinne Louis Kahns eher ein dienendes Element, als ein bedientes. Es zeigt, es fasst, es thematisiert und es konkretisiert die Potentiale des Ortes, welche bisweilen versteckt, unzugänglich und nicht gefördert wurden. Das Gebäude rückt die Zwischenräume in den Blickpunkt. Die Qualitäten der weitläufigen, informellen Zwischenräume bleiben erhalten, werden erleb- und adaptierbar. Das Gebäude spannt den Raum auf und thematisiert die Zugänglichkeit.

Die vormals durch die Freeways voneinander isolierten Stadtviertel erhalten ein gemeinsames Zentrum, welches in alle Richtungen gleichberechtig orientiert ist. Die runde Form ist demokratisch, ungerichtet und hierarchielos. Aus einem reinen Transitraum, einem idealtypischen Nicht-Ort, wird ein Ort mit Identität, Relation und Geschichte. Die Verortung bringt eine Überlagerung von Atmosphären, eine Belegung mit narrativen Elementen und eine höhere soziale Qualität. Der Ort erzählt ein Stück Stadtgeschichte. MONUMENT Im Zentrum steht omnipräsent der Autobahnknotenpunkt. Der Ring bestärkt die Erscheinung; funktionierend wie ein umgekehrtes Panoptikum wird der Verkehrsknotenpunkt, als Monument des Automobils, zu einem Denkmal, einem Kunstwerk, einer Skulptur hochstilisiert. Das strukturelle Gebilde, an eine antike Tempelruine erinnernd, ­bestimmt die Aura des Ortes. Die faszinierende tektonische und skulpturale Kraft der Intersection wird durch den Entwurf betont und verstärkt. FORMENSPRACHE Die Tektonik des Entwurfes referenziert auf die Form der I­ nfrastruktur; sie wiederholt Themen der Inter‑ section; das Überspannen von Distanzen, das scheinbare Schweben von baulichen Elementen und die Dynamik, die Bewegung, die fließenden Kurven bilden eine gemeinsame Sprache. Allerdings unterscheiden sich die Körper in ihrer Ausformulierung. Während die Intersection filigran, fein, flüchtig und ­grazil erscheint, so wirkt der Ring massiv, beständig und ruhend. Einem Bauwerk der Bewegung und der Geschwindigkeit wird ein Element des S ­ tillstandes und der Standfestigkeit gegenübergestellt. Die Intersection wirkt im Vergleich kleinteilig, differenziert und ineinander verwoben; das

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bis hin zu vernetzten on-demand Diensten, verändern das Verkehrsverhalten, sind aber dennoch auf die Straßen und Freeways angewiesen. An vorderster Front der Entwicklungen stehen mit Tesla Motors, UBER und Google kalifornische Unternehmen. Die Chancen stehen hoch, dass Los Angeles ein weiteres Mal Vorreiter einer Epoche werden kann.

Gebäude im Gegensatz dazu ist großmaßstäblich, homogen und einheitlich. Während von dem Verkehrsknotenpunkt alle ­Vektoren weg verlaufen und sich verstreuen, sammelt das ringförmige Gebäude alle Bewegungslinien in sich und formt eine unendliche Wiederholung. Diese gegenseitigen Merkmale werden durch den jeweiligen Widerpart verstärkt. PROZESS Das Bauwerk ist eine kontinuierliche Weitererzählung der Stadtgeschichte. Jede Zeit hat ihre eigenen bau-​ ­lichen Ausformulierungen mit sich gebracht: die Ranches mit ihren weitläufigen Agrarflächen, die Straßenbahnen, welche die Ausdehnung der Stadt gefördert haben und dann selbst Opfer dieser Expansion wurden, oder das Automobil mitsamt seiner gewaltigen Infrastruktur, das den Bahnverkehr a ­ blöste, massive Schneisen in die Stadt schlug und durch reine Bewegungsräume großflächige Nicht-Orte kreiert hat. Die weitere Entwicklung der Verkehrs­infrastruktur ist eindeutig nur eine Frage der Zeit. Durch neue Verkehrsmittel und Fortbewegungsmöglichkeit ändern sich die Möglichkeiten und Qualitäten der Stadt. Obwohl in Los Angeles der Weg langfristig wohl nicht vorbei führt an öffentlichen Massentransportmittel und einem Umdenken hin zu einer Stadt der kürzeren Wege und höherer D ­ ichte, wird das bestehende Straßennetz, aufgrund seiner Dimensionen zweifelsfrei weiterhin eine bedeutende Rolle in der Metropole einnehmen. Aktuelle ­Entwicklungstendenzen, von hybriden und elektrifizierten Fortbewegungsmittel, über selbstfahrende Autos,

Das Projekt situiert sich einer nahen Zukunft, in einer post-fossilen Zeit. Es gibt mehrere Szenarien für diese Entwicklung; entweder werden die Ölvorkommen aufgebraucht, bzw. wird zumindest durch Ressourcenknappheit der Ölpreis stark ansteigen, oder es findet ein weiteres Umdenken im Umweltbewusstsein der Menschen statt. Ein Ende des von Verbrennungsmotoren angetriebenen Verkehrs scheint jedenfalls absehbar. Der Abschied vom fossilen Zeitalter geht einher mit der Aufwertung von Stadträumen. Orte, die bis dahin als unwirtlich und unbehaglich galten, werden durch die Befreiung von Lärm und Luftverschmutzung neue Qualitäten hervorbringen. Der Entwurf schlägt ein G ­ ebäude vor, dass ein Impuls für die w ­ eitere Stadtentwicklung sein kann. Das Bauwerk macht den verloren gegangenen Raum wieder sichtbar; es rückt das Thema der Stadtentwicklung in das Blickfeld; es ermöglicht die Zugänglichkeit zu den Restflächen des Verkehrsknotenpunktes; und arbeitet durch ihre funktionale Belegung inhaltlich an der Weiterentwicklung von urbanen Prozessen.

»The freeways could be the real monuments of the future, the places set aside for special celebration by people able to experience space and light and motion and relationships to other people and things at a speed that so far only this century has allowed. Here are structures big enough and strong enough, once they are regarded as a part of the city, to re-excite the public imagination about the city. This is no shame to be covered by suburban bushes or quarantined behind cyclone fences. It is the marker for a place set in motion, transforming itself to another place.« Charles Moore, 1964 schauraum. Architekturmagazin 13


Erasmus in Hamburg

HafenCity Universität Hamburg Hamburg / Deutschland Berina Ramic

Gute Partys, Clubs, Bars gibt es in Hamburg sehr viele. Da werden Erasmusstudierende nicht enttäuscht sein. Aber wie es in Hamburg ist, Architektur zu studieren, werde ich kurz beschreiben. Als Architekturstudentin mache ich gerade ein Erasmussemester an der HafenCity Universität. Die Uni ist neu und befindet sich direkt an der Elbe. Man hat einen sehr schönen Blick zu Fluss und Hafen. Sie besteht seit 2006, die Studiengänge sind nach der Gründung der Hochschule aber erst 2014 in das neue Gebäude umgezogen. Erasmusstudierende werden sehr gut empfangen. Man wird von den Tutoren abgeholt, es wird einem auch gleich weitergeholfen. In der ersten Woche haben die International Welcome Days stattgefunden, wo man alle weiteren benötigten Informationen

bekommen hat. Da wurde auch gleich Meldezettel, Kontoeröffnung und anderes erledigt. Alles war sehr gut organisiert. Was das Studium angeht, unterscheiden sich die Fächer von denen in Graz nicht viel. Nur die Anmeldung ist dabei anders. Man hat den Zeitpunkt für die Anmeldung, und das System entscheidet, wer reinkommt und wer nicht - unabhängig davon, ob man sich früher oder später registriert hat. Deswegen muss man sich bei so vielen Fächern wie möglich anmelden. Für die Architekturstudierenden gibt es wenig Platz zum Arbeiten, was ein großer Nachteil ist. Man sagt, die Uni wurde für alles, aber nicht für die Studierenden geplant. Ein weiterer Nachteil sind die Kopierer. Man kann nur von einem Computer aus Dateien kopieren. Und wenn alle Computer besetzt sind, hat man Pech gehabt. Die Uni hat von 7 bis 23 Uhr offen. Die Werkstatt ist sehr gut und man kann die Maschinen nach der Werkstattführung gleich benutzen. Ebenfalls nett ist der Verleihraum, wo man Styrocutter, Spiegelreflexkamera und vieles mehr für einige Tage ausleihen darf. Generell finde ich sehr positiv, dass es in einem Gebäude mehrere Studiengänge gibt. Die Studierenden sind dabei nicht auf viele Orte zerstreut und die Uni ist nie leer. Dabei hat man ein schönes Gefühl und lernt auch schnell andere Studierende kennen.

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Erasmus in Hong Kong

Chinese University of Hong Kong Hong Kong / China Michael Sattler

Jenseits von Gedanken, Vorstellungen und der eigenen Logik scheint es diese magischen Orte zu geben, die die eigenen Wahrheiten zu verändern imstande sind, wenn man nur die Grenzen des eigenen Sprach-, Wirtschafts- und Kulturraumes überschreitet, um in diese Welten einzutauchen. Die Realität muss sich jedoch um ein breiteres Vokabular bemühen, um das vielschichtige Konstrukt Hong Kong zu erklären oder sich zumindest für ihren leichten Zynismus zu entschuldigen. Obwohl sich die Stadt zwar zum einen als das strahlende Juwel der westlichen Handelskultur gebart mit dem asiatischen Wirtschaftswunder zu verkaufen versucht, wird zum anderen aber relativ schnell klar, dass sich hinter dieser Fassade mehr als nur bedenkliche soziale Prozesse abspielen. Im Normalfall müsste man jetzt beginnen, ein Bild von diesem Ort zu zeichnen. Dieses fällt jedoch sehr schwer, da die Stadt und ein Auslandsaufenthalt an sich sehr stark durch die Leute und Erfahrungen, die man macht, definiert werden. Zwischen den Verlockungen unter den Leuchtreklamen und den ärmlichen Verhältnissen, die begleitet werden von schlechten Gerüchen, gibt es ein breites Spektrum, das es zu erleben gilt. Seit der Rückgabe Hong Kongs an China findet auch ein Umdenken in der Gesellschaft statt. Angetrieben durch die politischen Forderungen einer aufstrebenden jungen Generation versuchen die Menschen, neue Wege zu finden, um mit den vorherrschenden Bedingungen umzugehen. Angefangen von Design, Kunst und Musik bis hin zur Architektur lassen sich nach kurzer Suche oder exzessiver Nikotinsucht Menschen finden, mit den man sich Nächte diskutierend um die

Ohren schlagen kann. Aufgrund der Partnerschaft mit der Chinese University ist Hong Kong die erste Anlaufstelle für Studierende aus unserem Alpenstädtchen. Man sollte sich aber nicht durch den Namen auf falsche Gedanken bringen lassen: die akademische Amtssprache an der Fakultät ist Englisch. Inhaltlich versucht die Universität auch dieser internationalen Marschroute zu folgen, und leider kommt dadurch auch die eine oder andere chinesische Bauweisheit unter die Räder. Was jedoch die Vorurteile der asiatischen Kultur bedient, ist der Arbeitsaufwand, den die Studenten an den Tag legen und der im besten Fall mit Schlaf unter den eigenen vier Tischbeinen endet. Das sollte aber den typischen Architekturstudenten nicht abschrecken, diese Reise auf sich zu nehmen, da ja Architektur auch in Graz zur Kunst des Möglichen werden kann. Das Angebot an Übungen ist relativ breit gefächert und bietet für die meisten Studenten ein thematisch sehr weites Betätigungsfeld. Der Gehalt der Übungen sollte jedoch von jedem selbst beurteilt werden, da es sehr viel auf die eigene Motivation ankommt, wie viel man davon profitiert. Die Professoren und Lehrenden sind aber alle sehr motiviert, hilfsbereit und freuen sich über jede Gedankenspende. Sollte sich ein Kurs als falsche Wahl entpuppen, macht es eine „add and drop“Phase recht einfach, in den ersten Wochen einen Kurs aufzugeben oder in einen anderen einzusteigen. Zusammengefasst hat der duftende Hafen alles zu bieten, wonach einem die Nase steht, aber auch Gerüche, die einen zwingen könnten, seine Einstellungen zu überdenken. Sollte man sich für einen Aufenthalt in Hong Kong entscheiden, wird man jedoch sicher mit vielen neuen Erfahrungen zurückkehren. schauraum. Architekturmagazin 15


Erasmus in Mailand Polytechnikum Mailand Mailand / Italien Felix Obermair

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Erasmus in Graz

Technische Universität Graz Graz / Österreich Guislain Baudelet

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Kundalinee School

Eine schulische Alternative für Köper und Geist Nayapati / Nepal Johannes Würzler

Eigentlich war es ein glücklicher Zufall, der mich zu einem fixen Bestandteil eines Schulprojektes in Nepal gemacht hat. Der Grazer Reiseunternehmer und Architekt Christian Hlade unterstützt neben einigen anderen Schul- und Bildungsprojekten das Kundalinee School Projekt in Nayapati, im nordöstlichen Hügelland Kathmandus gelegen. Dafür suchte er jemanden, der quasi als Bindeglied zwischen Graz und Kathmandu fungieren sollte. Ein gemeinsamer Kollege stellte vor knapp einem Jahr die Verbindung zwischen uns her, der Baustart der Schule wird im Jänner 2017 erfolgen.

außen getragen werden. Ein spannendes Unterfangen, wenn man den wunderschönen, aber recht schwierigen Bauplatz mit dem gewünschten Funktionsprogramm zum ersten Mal zusammenzuführen versucht. Das Projekt ist in mehrere Bauphasen unterteilt und soll, je nach Finanzierung durch Spendengelder, step by step in den nächsten grob drei Jahren entstehen. Da sich das Projekt mitunter als eine Art Experiment versteht, können sich Materialität und Funktion einzelner Gebäude durchaus noch ändern, um flexibel auf die Entwicklungen der Schulstruktur reagieren zu können.

Der didaktische Fokus der Kundalinee School wird auf alternativen Lehrmethoden basieren, die Schülern ein selbstreflektiertes und lösungsorientiertes Lernen ermöglichen wird. Dies soll auch durch die Architektur sichtbar und nach

Für solche Projekte, weit weg von der gewohnten Büroumgebung in Österreich, muss man schon ein wenig offen sein. Geduld und Flexibilität sind hier von Vorteil, Optimismus ist ein Muss. Arbeiten in einem andern kulturellen Umfeld bringt viele Herausforderungen

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mit sich. Die zeitweise enge Zusammenarbeit mit dem örtlichen Ingenieur und Arbeitern, lässt erkennen, dass Kenntnisse und das Bewusstsein für den Umgang mit Raum, Material und insbesondere Lösungsfindung oft weit von einem Verständnis, wie ich es von Österreich kenne, abweicht. Einreich- und Polierpläne, wie man sie auf mitteleuropäischen Baustellen findet, können bei solchen Projekten häufig mehr ein Hindernis als Hilfe sein, da sie nicht verstanden und eventuell sogar falsch interpretiert werden. Die verschiedenen kulturellen Hintergründe machen die Kommunikation nicht immer einfach. Es können schon einmal Monate verstreichen, bis man erkennt, dass - zumindest für mich - einfache 2 dimensionale Plandarstellungen für den Ingenieur vor Ort nicht lesbar sind. Die Handwerker agieren sehr geschickt, und als Möbelplan reicht oft eine einfache Skizze aus. Man verlässt sich dabei auf jahrelange Erfahrung und das Geschick der Menschen. Das muss aber nicht immer von Vorteil sein. Ein Schwerpunkt des Schulprojekts soll die Verwendung rein alternativer Materialien sein. Wie Stampflehm oder Bambus - der in Bezug auf Erdbebensicherheit immense Vorteile aufweist. Örtliche Vorschriften und die damit verbundene Unsicherheit, aber auch Widerwilligkeit im Umgang mit “neuen” Materialien müssen

akzeptiert werden und führen oft zu Kompromissen ein Umstand, den man ja durchaus auch von Österreich kennt. Trotz einer Vielzahl an Herausforderungen ist die Möglichkeit, in einem solchen Projekt mitzuwirken, unglaublich bereichernd. Abgesehen vom Reisen ist es das ständige interkulturelle Lernen und Weiterentwickeln, sowohl architektonisch als auch im zwischenmenschlichen Bereich. Das gibt mir die Zufriedenheit und Befriedigung, die ich in meiner Arbeit als Architekt suche.

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Schule für 400 Kinder in Nepal Baustart: Mitte Jänner 2017 Projektkosten: ca. € 1 Mio. Finanzierung: Durch Spendengelder des Vereins “Weltweitwandern Wirkt” Geplante Fertigstellung: 2020 - 2022 Architekt: DI Johannes Würzler

Wenn du dieses beispielgebende Projekt mit einer Spende unterstützen willst: Weltweitwandern-Wirkt!-Spendenkonto IBAN: AT37 6000 0000 7361 5501 BIC: BAWAATWW

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Basadhi School

Bauen im ärmsten Bundesstaat Indiens Basadhi / Indien Kaja Geratowska

Am Ende meines Architekturstudiums habe ich mich dazu entschlossen, ein Diplomprojekt zu entwerfen, von dem nicht nur ich selber einen Nutzen ziehen könnte. Geführt von dem Wunsch nach einer Beteiligung an einer Entwicklungszusammenarbeit, fand ich mich in Indien, alleine im Dorf Basadhi, in dem ärmsten, instabilsten und am wenigsten entwickelten Bundesstaat des Landes – Bihar. Hier sollte das Gebäude, das ich entworfen habe, entstehen. Eine Grundschule für sozial benachteiligte Kinder, deren Realisierung ich durchführen sollte. Auf diesen Moment hatte ich lange gewartet. Vorher mussten ja von meiner Partner-NGO die notwendigen Mittel gesammelt, das Grundstück gekauft und nach

einer ausführlichen Recherche auch der Entwurf von mir erstellt werden. Doch all dies war nur ein kleiner Teil des Projektes. Die Hauptaufgabe hat mich in Indien erwartet, wo ich insgesamt 9 Monate an der Vervollständigung des Gebäudes gearbeitet habe. Eine Frau alleine, die noch dazu eine Baustelle leitet, war kein gewöhnlicher Anblick für die Einheimischen. Von den Mitarbeitern wurde ich ‘Kaja Ingenieur Sir’ genannt ‘Sir’ und nicht ‘Madam’, weil es für alle so unvorstellbar war, dass eine Frau die Funktion eines Architekten erfüllt und für eine Baustelle zuständig ist. Dieses einfache Beispiel lässt erahnen, dass die komplexe soziale Problematik der Region zu dem schwierigsten Aspekt des Projektes wurde. Zusätzlich zu der Stellung der Frau in der Gesellschaft hatten auch Themen wie beispielweise das Kastensystem, das die starke soziale Hierarchie bestimmt, oder die Alphabetisierungsrate, welche dort am niedrigsten war, einen enormen Einfluss auf meine Arbeit und den Bauprozess. Man kann sich vorstellen, wie schwierig es war, wenn die erfahrenen Handwerker sich nicht trauten, ihre Meinung zu äußern, weil sie sich von meinen Projektpartnern aus der höchsten Kaste eingeschüchtert fühlten. Zudem konnte ich keinen technischen Plan auf der Baustelle vorzeigen oder eine Aufgabenliste erstellen, weil sie niemand lesen konnte. Die Herausforderungen und Schwierigkeiten haben meinen Baustellenalltag gestaltet und ich musste mich der Realität mit ihren zahlreichen Hindernissen stellen, um schlussendlich ein qualitatives Endprodukt zu liefern. Nichtsdestotrotz ist es mir gelungen, eine sichere,

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aber auch spielerische Umgebung für die primäre Ausbildung von Kindern zu kreieren. Zu meinen größten Erfolgen zählt meiner Meinung nach die Tatsache, dass es mir gelungen ist, meine Projektpartner von zumindest einer partiellen Anwendung lokaler und nachhaltiger Baustoffe zu überzeugen. Indien ist ein Schwellenland und die Aufregung nach den neu verfügbaren Produkten ist weit verbreitet. Meine indischen Projektpartner waren beispielsweise sehr skeptisch gegenüber der Verwendung von Lehm, der dort als Baustoff für die Ärmsten gilt. Das schlechte Image war sehr schwer zu ändern und meine Bemühungen langwierig, jedoch lohnten sie sich am Ende und trugen zu einem besseren, angenehmen und gesunden Raumklima bei. Dies wurde dann von den Projektpartnern und Nutzern bemerkt und geschätzt. Die Anwendung von alten, regionalen Handwerken war sehr wichtig für das Projekt. Artikel aus neuen, modernen Materialien wie Kunststoff oder Aluminium erset-

zen heutzutage Ware mit einer langen Tradition. Bei der Gestaltung der Schule wurden einfache, herkömmliche Elemente aus der Region verwendet. Ich hoffe, dass durch meine Interventionen auch die einheimische Community gemerkt hat, dass Erzeugnisse und Techniken, die als veraltet gelten, nützlich und attraktiv sein können und keinen Verzicht auf ein kreatives, modernes Design bedeuten. Am Ende konnte ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht werden, und die Resultate machten die indischen Kooperationspartner stolz auf ihr einzigartiges Projekt. Eine kinderfreundliche Schule mit entsprechenden Lernbedingungen ist entstanden und ich bin stolz, dass ich dazu meinen Beitrag leisten konnte. Ob ich es noch einmal machen würde? Ja, und wie! Trotz der Mühe und Schwierigkeiten warte ich ungeduldig auf weitere Projekte, an denen ich mitwirken kann. Alle in diesem Artikel angeführten Fotos (c) Stefan Leitner

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Full Scale Studio Africa eine Reise ins Unbekannte Biharamulo, Tansania Francesco Doninelli

Afrika. AFRIKA! Als ich da zusagte, brauchte ich einige Tage, um zu realisieren, dass ich tatsächlich nach Afrika fliegen würde. Ein Traum ging in Erfüllung. Es ging ums bereits begonnene, aber fertig zu stellende MOJO-Project Full Scale Studio Tanzania 2014 in Biharamuhlo. Ich würde mithelfen, ein Teil einer Schule fertig zu bauen, genauer gesagt die Turnhalle, eine Freiraumklasse und Nebenräume. Etliche Feste wurden organisiert, um das Projekt zu finanzieren, ich spielte sogar mit meiner damaligen Band bei einem dieser Charity-Events. Das alles hatte einen Geschmack von einer Frucht, die ich schon lange hatte kosten wollen. Schließlich ging das Abenteuer los. Der stärkste der ersten Eindrücke vom Kontinent war glaube ich der Geruch. Es roch nach Verbranntem, nach Schweiß und nach… Fülle. Eine Fülle, die ich heute schon fast vergessen habe. Eine gewisse Schwingung in der Luft, die mich ganz verrückt machte. Vielleicht kam das davon, das ich schon so lange davon träumte, Fuß auf diesen alten Ursprungskontinent zu setzen. Eine der nächsten und stärksten Erinnerungen waren glaube ich die Straßen mit vielen Löchern und die ersten vom Jeep-Fahrer gelernten Wörter in Swahili. Seine (des Fahrers) lockere dennoch entschlossene, sichere, dennoch unbekümmerte Fahrweise war reich an Widersprüchen, wie die Klänge der dort am meisten verbreiteten Sprache: exotisch, dennoch familiär, anders, aber nahe. Ganz und gar nicht gewöhnungsbedürftig allenfalls (die Sprache, nicht die Fahrweise).

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Abgesehen davon, dass das Mädchen, das mich zum Abenteuer eingeladen hatte (ja, in Wirklichkeit bin ich wegen eines Mädchens dorthingelangt), doch nicht mit uns kam, war ich sehr sehr froh, dort zu sein. Was die nächsten zwei Wochen kam: die der Witterung ausgesetzten, verrosteten Träger schleifen und neu bestreichen. Das witzigste daran war auf denen zu klettern und in unmöglichen Posen versuchen, die ausgenutzten Metallbürsten zum Einsatz zu bringen. Das hatte ich mir ein wenig anders vorgestellt. Ja, was hatte ich mir da eigentlich vorgestellt? Na ja, klar: neues, frisches Universitätswissen nach Afrika zu bringen, damit die armen Menschen dort etwas von uns lernen und ihnen somit geholfen werden kann. Wie wohltätig! Das war nun mal anders.

ändern (das Verhältnis zu Frauen zum Beispiel). Die Schule wurde aber im Jahr 2016 bei einer weiteren MOJO-Reise dann doch fertig gebaut und aus dem, was ich von den Fotos beurteilen kann, sehe ich, dass das MOJO-Team das Improvisieren und das Umgehen mit schwierigen Situationen durchaus gemeistert hat. Bravo!

Aus der Desillusionierung kamen aber wichtige Erkenntnisse. Eines davon war, dass es ziemlich schwierig ist, humanitäre Hilfe zu leisten, wenn man nicht flexibel und offen genug ist, sich den Verhältnissen im Land anzupassen. Das bedeutet zum Beispiel, damit zu rechnen, dass die Bauarbeiter, die man engagiert, vielleicht nicht zur Baustelle kommen, weil sie vielleicht eher den Nachbarn im Feld helfen müssen; oder damit, dass die bestellten Holzbalken für die Dachdeckung nicht gerade gerade sind. Man muss dann lernen, zu improvisieren. Und genau das kann man von den Afrikanern am besten lernen, gemeinsam mit einer Lockerheit, die den Grad an Lebensfreude deutlich erhöht und das Grundvertrauen, dass alles okay ist und sich irgendwie ausgeht. Wir wurden nicht fertig mit der Schule, zum Teil wegen anderen Unterschieden und bestimmten Ereignissen, die ganz und gar nicht positiv waren, auf denen ich im Rahmen dieses Artikels allerdings kein Licht werfen werde, weil es eine ziemlich dramatische Geschichte ist. Manches am allgemeinen afrikanischen Gedankengut könnte sich nämlich schon noch drastisch

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Critical Concrete

eine weiterbildende und soziale Initiative Porto / Portugal Patricia Jeglitsch

Critical Concrete ist eine Non-Profit Organisation in Porto/Portugal, welche Ende 2015 gegründet wurde und ein neues Modell zur Aufwertung und Renovierung sozial relevanter Orte, sozialer Wohnräume sowie Kulturzentren und öffentliche Plätze anwendet. Im Rahmen von Workshops und Summer Schools haben internationale Studenten und Architekturinteressierte die Möglichkeit, an nachhaltigen Low-Budget-Haussanierungen für soziale Zwecke mitzuwirken und eigene Entwürfe in dem 3-wöchigen Workshop umzusetzen. Ziel ist es, alternative Formen des Lehrens und Lernens zu fördern und einen kritischen und ganzheitlichen Zugang zu Architektur, Kunst und Design zu schaffen. In dem Programm der Summer School werden Theorie und Praxis kombiniert, um

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Nachhaltigkeit auf allen Ebenen zu vermitteln. All diese Aktivitäten passieren in enger Zusammenarbeit mit und Berücksichtigung der lokalen Gemeinschaft, um bestmöglich auf die Bedürfnisse des Gemeinwesens einzugehen und zu einer positiven Entwicklung der lokalen Nachbarschaft beizutragen. Im Sommer 2016 starteten wir mit der Umsetzung des ersten Pilotprojekts. In der dreiwöchigen Summer School, die im August 2016 in Porto stattgefunden hat, haben 40 internationale Architektur- und Designstudenten an der Renovierung eines sozialen Wohnhauses sowie an der Sanierung des Produktionszentrums von Critical Concrete gearbeitet. Der Großteil meiner Arbeit während der Summer School umfasste die Mithilfe bei der Planung sowie die Betreuung und Zusammenarbeit mit 15 Studenten an dem sozialen Wohnhaus. Das Haus umfasst eine Gesamtfläche von ca. 70m², die auf 2 Stockwerke aufgeteilt sind. Bei dem Objekt handelt es sich um eine Parzelle einer sogenannten Ilha (Insel), einer typischen sozialen Wohnform, die im späten 19. Jhdt. für die Arbeiterklasse in Porto entstanden ist. Die meisten Wohnungen in einer Ilha verfügen in den meisten Fällen weder über fließend Wasser, noch gibt es Elektrizität. Diese Wohnungen befinden sich zudem oft in einem sehr schlechten Zustand, da sie meist im Privatbesitz einzelner Personen sind, denen das Geld für Renovierungsarbeiten fehlt. Zusammen mit der Bezirksgemeinde, welche einige Materialkosten übernommen, sowie das Dach vor Beginn der Summer School erneuert hat, wurde das Haus ausgesucht. Die


Aufgaben der Studenten umfassten die Installation einer Küche und eines Badezimmers, die thermische Isolierung aller Räume, das Bauen eines Solarwarmwasserbereiters, sowie das Bauen von Möbeln, Türen und Fenstern.

Online-Blog zum Thema der nachhaltigen, alternativen Architektur in Bezug auf soziales Wohnen verfasst, welcher Anregungen und Ideen zur Umsetzung der Sanierung bot. Während der Summer School war ich in alle Phasen des Projekts eingebunden.

In der ersten Woche der Summer School startete parallel zu der konzeptionellen und planerischen Entwicklung des Projekts die Demolierung des nicht intakten Bestands. Hierbei wurde darauf geachtet, so viel wie möglich vom Bestandsgebäude zu erhalten oder in einer neuen Form zu verwerten. Die Studenten wurden in Gruppen aufgeteilt, wobei wiederum jede einem anderen Bereich des Hauses zugeteilt war. Jede Gruppe setzte alle Arbeiten in den jeweiligen Bereichen um, zu welchen die Konstruktion von Wänden, Decken und Böden, die Entwicklung eines effizienten Energieund Wassersystems, die Verlegung von Leitungen und Rohren sowie das Bauen von Möbeln, Türen und Fenstern zählte.

Aufgrund der sehr abwechslungsreichen Arbeit und dem ganzheitlichen Zugang zu dem Projekt habe ich die Möglichkeit bekommen, Architektur aus einer neuen Perspektive zu sehen und verstanden, was es bedeutet, sie mit eigenen Händen zu bauen.

Mein Praktikum bei Critical Concrete in Porto umfasste viele verschiedene Aufgaben, die einerseits mit der Organisation der Summer School, andererseits mit der architektonischen Umsetzung der Projekte in Verbindung stand. Neben logistischen Vorbereitungsarbeiten habe ich wöchentlich einen

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Reisebericht

Ein Lokalaugenschein im Paradies. Azoren / Portugal Konstantin Knauder

‚Santa Maria - Insel, die aus Träumen geboren...‘ - Es ist Frühjahr 2015, als ein, für manche nervtötender, sicher aber legendärer Schlager-Ohrwurm die heiligen Hallen der Zeichensäle erobert. Hymnenhafte Chöre erhellen die Alte Technik, etwaige Textunsicherheiten werden durch professionelles Mitsummen kaschiert. Nur die standhaftesten Kolleginnen und Kollegen können sich damals gegen die sehnsuchtsvollen Zeilen und träumerischen Melodien Roland Kaisers wehren. Doch wo liegt jene geheimnisvolle Insel, die aus Träumen geboren, auf deren schneeweißen Stränden man die Jugend wunderschöner Mädchen in Händen halten kann? Dieser Frage wird schließlich nach ein, zwei oder möglicherweise drei Bier in abendlich kleinräumlicher Runde nachgegangen. Google findet mehrere hundert ‚Santa Marias‘, überraschenderweise aber nur eine Insel, die diesen Namen trägt und noch dazu mitten im Atlantischen Ozean liegt. Die Entscheidung steht fest, dort müssen wir hin, am besten morgen. Im Sommer 2016 ist es dann tatsächlich soweit, eine Schnaps- - oder richtiger - Bier-Idee nahm konkrete Formen an. Acht Kleinräumlerinnen und Kleinräumler haben sich dazu entschlossen, das Experiment einer gemeinsamen, recht weiten Reise zu wagen. Alle Flüge sind gebucht, die letzten Abgaben erledigt und die Spannung groß. Der ‚Ausflug‘ soll uns den gesamten August lang, von West nach Ost auf insgesamt sechs von neun Inseln des azoreanischen Archipels führen. Nicht alle bleiben einen Monat, nicht alle sehen sechs Inseln, alle erleben die Azoren auf ihre Weise. Der fol-

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gende Bericht versteht sich deshalb als Knauders ganz persönliches Reisetagebuch. Wir schreiben den ersten August 2016. Drei unerschrockene Architekturstudenten machen sich von Graz aus auf den Weg Richtung Westen. Portugals aufregend kunterbunte Hauptstadt Lissabon als erste Zwischenstation bietet zwar keine wirkliche Verschnaufpause, aber doch die erste Gelegenheit, sich an das portugiesische Leben, die zunächst exotisch anmutende Sprache, die atlantische Kulinarik und vor allem die recht ausgelassene Feierkultur zu gewöhnen. Wirklich schwer fällt das nicht. Dennoch stellt sich nach drei Tagen doch Erleichterung ein, als die Sitzplätze jedes Flugzeugs eingenommen sind, das uns vom umtriebigen Großstadtdschungel ins idyllische Inselparadies bringen soll. Früher Nachmittag, Landung auf Terceira. Es ist ‚die Dritte‘, die drittgrößte Insel und jene, die als dritte entdeckt würde. Wieder wird es nur ein Zwischenstopp, ein rund zwanzigstündiger Aufenthalt, bevor es zum eigentlichen Ausgangspunkt der Reise weitergeht. Wir versuchen die verbleibende Zeit auf der Dritten bestmöglich zu nutzen und besteigen nach dem ersten, wohlverdienten Bier auf azoreanischen Boden den Bus in die Inselhauptstadt. Die Busfahrt ist schön. Die Landschaft ist noch schöner. Angra do Heroismo reiht sich in diese Abfolge nahtlos ein. Traut man der Reiselektüre und den Einheimischen, ist es überhaupt die schönste aller Städte des Archipels. Vor allem ist es jene mit der glorreichsten Geschichte, von der die


Stadthäuser und deren Fassaden noch heute erzählen. Den Titel Azoren-Hauptstadt musste Angra jedoch schon im 19. Jahrhundert an das stark aufstrebende Ponta Delgada auf Sao Miguel abgeben, was in Folge sicher auch zur heute recht verschlafenen Atmosphäre beigetragen hat. Von einem Erdbeben fast gänzlich zerstört, wurde Angra 1982 originalgetreu und vor allem sehr geschmackvoll wiederaufgebaut und zählt seitdem zum UNESCO Weltkulturerbe. Zurecht. Nach einer äußerst kurzen Nacht - Terceira genießt nicht zu Unrecht den Ruf der ‚Partyinsel‘ - sitzen die drei Abenteurer wieder im Flugzeug. Diesmal ein kleines. 37 Sitzplätze. 2 Propeller. 45 Minuten nach Horta auf Faial. Es ist eine der kleineren Inseln des Archipels und dennoch versprüht die Inselhauptstadt ein lebendiges und eigenartig kosmopolitisches Flair. Hauptverantwortlich dafür sind mit Sicherheit die vielen internationalen Segelteams, die auf ihrer Reise über den Atlantik traditionellerweise in der bunt bemalten Marina von Horta anlegen, um Proviant und Energiereserven auf- und sich selbst im legendären ‚Peter Cafe Sport‘ mit Gin Tonic ab-zufüllen. Die Taxifahrt vom Flughafen endet, ob unsrer relativen Planlosigkeit, zunächst auch bei Peter und einem Frühstückskaffee. Dass es auf den Azoren keiner wirklich eilig hat, lässt uns die Kellnerin auf recht charmante wenn auch unmissverständliche Weise wissen, was unsrer allgemein entspannten Stimmung noch den letzten Rest an mitteleuropäischer Hektik nimmt. Die Sonne strahlt vom fast wolkenlosen Himmel und in mittlerer Ferne erhebt sich der mächtige Pico auf der gleichnamigen Nach-

barinsel. Schöner kann nur die Tatsache sein, dass wir uns um zwei Reisende vermehrt haben und ab jetzt zu fünft die Segler-Insel erforschen. Dass es auf dem kompakten Eiland eine Menge zu entdecken gibt, wird uns bei einer eintägigen Spritztour mit dem Mietwagen bewusst. Üppig bewachsene Hügel und der mächtige Krater im hochgesättigten Grün duellieren sich mit einer kargen Felswüste, die Ende der 1950er Jahre bei einem massiven Vulkanausbruch an der Westspitze der Insel entstand. Dort erzählt ein neu errichtetes, architektonisch bemerkenswertes Museum von den geologischen Aktivitäten und der Geschichte Faials. Es ist ein, größtenteils unterirdisch errichteter Baukörper, der sich fast unbemerkt in die Umgebung einfügt und diese mit einem hohen Maß an Respekt behandelt. Generell scheinen sämtliche Neubauprojekte der letzten Jahre auf azoreanischem Boden durch mehrere Fachkommissionen gewandert zu sein, bevor ein Stein über den anderen gesetzt wird. Die weitgehend intakte Natur, die malerischen Landschaften und homogenen Stadtbilder, werden offensichtlich zunehmend als essentielle Ressource verstanden, deren Wert nicht durch unreflektierte, auf schnellen Profit ausgerichtete Bauprojekte aufs Spiel gesetzt werden soll. Unsere folgenden Besuche auf anderen Azoren-Inseln sollen diese These schlussendlich untermauern. Dreißig Minuten dauert die Überfahrt zur Nachbarinsel Pico, deren pittoresker Vulkan in seiner fast perfekten Kegelform eine magische Anziehungskraft besitzt. Im Hafen von Madalena angekommen, geht die Reise der Südküste entlang zügig weiter nach Lajes, wo uns ein schauraum. Architekturmagazin 27


wunderschön angelegter und doch fast leerer Campingplatz erwartet. Die idyllische Ruhe in der verschlafenen 1800-Seelen-Gemeinde wird zwei Tage lang genutzt, um Eindrücke zu verarbeiten, Gedanken und Fotos zu sortieren und das Schlaf-Konto für die Bewältigung der nächsten Abenteuer aufzufüllen. Etwas wehmütig, ob der nicht absolvierten Gipfeleroberung (wird nachgeholt), besteigen wir erneut die Fähre und lassen jene Insel hinter uns, deren kegelförmiges Wahrzeichen nun majestätisch aus dem Morgennebel ragt. Nach einer Stunde auf atlantischen Wogen erreichen wir Sao Jorge, eine Insel, die schon von weitem zu gefallen weiß und deshalb kurzum in ‚Sau Schoaf‘ umbenannt wird. Wir sollten recht behalten. Die kleine Inselhauptstadt Vela, besticht durch einen atmosphärisch dichten Ortskern und eine äußerst charmante Lage in einer Landschaft, die von der außergewöhnlichen Topografie der Insel geprägt ist. Außerdem gibt es um drei Euro die Nacht einen fast luxuriösen Campingplatz mit Pool und Meerblick. Kurz, der richtige Ort für das große Wiedersehen. Aus fünf Reisenden werden acht. Es gibt viel zu erzählen und die folgenden zwei Tage werden dazu genutzt, gemeinsam die überaus faszinierende und doch touristisch kaum erschlossene Insel zu erkunden. Rund 55 km lang, lediglich 7 km breit und stolze 1000 m hoch. Genauso außergewöhnlich wie die Ausmaße Sao Jorges, sind auch die farbgewaltigen Eindrücke und Erlebnisse, die von dort mitgenommen werden. Sau Schoaf! Für manche das offizielle Highlight der Reise. Acht Stunden Schifffahrt über den offenen Atlantik liegen hinter uns, als wir in den Hafen der azoreanischen Metropole Ponta Delgada auf Sao Miguel einlaufen. Die Stadt mit ihren Hochhäusern und Edelhotels sieht groß und wichtig aus, vielleicht etwas größer und wichtiger als sie weltpolitisch tatsächlich ist. Egal, wir wollen sie und ihre Umgebung kennenlernen, schließlich haben wir die ‚Hauptinsel‘ nicht umsonst angesteuert. Man

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lebt und arbeitet hier, man trinkt und isst hier, man feiert hier und all das mit azoreanischer Leichtigkeit und im passenden Maßstab. Es gibt unzählige Bars, Cafés und Restaurants, oft traditionell, teilweise mit internationalem Format, jedenfalls immer preiswert. Besonders angetan hat es uns das ‚RAIZ‘, ein Club im Obergeschoss eines historischen Stadthauses im Zentrum der Altstadt. Geschmackvoll renoviert und ausgestattet mit mehreren Balkonen und einer Dachterrasse mit Blick auf die Kirche und den Hauptplatz. Hier treffen sich vor allem Touristen und jene Einheimischen, mit üppigerem Gehaltskonto. Ein Abstrich, auch wenn die Musik stets gefällt. Nach dem ersten Ausflug mit dem Mietauto wird klar, warum Sao Miguel als ‚Hauptinsel‘ bezeichnet wird. Es ist nicht nur die Größe oder die Tatsache, dass es sich um den Verwaltungssitz der Azoren handelt. Vor allem ist es jene nicht enden wollende Vielfalt an landschaftlichen und kulturellen Attraktionen, die man hier auf einem verhältnismäßig kleinen Flecken Land findet. Selbst eine Aufzählung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten wäre mäßig sinnvoll und würde den Rahmen dieses ohnehin abendfüllenden Berichts endgültig sprengen. 17. August, Halbzeit. Es ist 7 Uhr 30 und wieder sitzen wir an Deck der ‚Paraguana I‘, der schnittigen Fähre, die uns diesmal auf jene traumhafte Insel bringen soll, von der Roland Kaiser schon vor Jahrzehnten schwärmte. Santa Maria liegt also lediglich zweieinhalb Stunden weit entfernt. Auch wenn immer der Weg das Ziel ist, fühlt es sich jetzt so an, als wäre bald jener heiß ersehnte Ort erreicht, der den Plan für dieses Unternehmen überhaupt erst entstehen ließ. Trotz Müdigkeit, die Aufregung ist groß. Das mit Kunstrasen ausgekleidete Deck füllt sich langsam, aber sicher mit größtenteils jungen Menschen. Das Öffnen der ersten Bierdosen ist zu vernehmen und


führt gleichzeitig unweigerlich zum Aufkommen unsrer Vorfreude auf jenes Festival, für das wir schon seit Monaten Tickets besitzen. Zum 32. Mal schon geht das traditionsreiche ‚Festival Mare de Agosto‘ über die Bühne. Schauplatz des dreitägigen Spektakels ist die ‚Praia Formosa‘, jene Bucht, der nachgesagt wird, den schönsten Strand der Azoren zu besitzen. Das Lineup ist bunt und international, das Publikum bunt, überraschenderweise aber fast ausschließlich einheimisch, und vor allem alterstechnisch vielfältig, wie auf keinem zuvor besuchten Festival. Es scheint, als wäre es auf Santa Maria Bürgerpflicht, hier anwesend zu sein. Für uns eine willkommene Gelegenheit, mit Insulanerinnen und Insulanern ins Gespräch zu kommen. Oft werden wir gefragt, was uns hierher geführt hat, die Version mit dem Lied eines deutschen Schlagersängers klingt für die meisten unglaubwürdig. Es werden unvergessliche Tage auf einer faszinierenden Insel voller landschaftlicher Gegensätze und herzlicher Festivalbekanntschaften, mit denen teilweise bis heute Kontakt besteht. Mit der Erkenntnis, dass Roland Kaiser hellseherisch recht hatte, geht es zurück in die Azoren-Hauptstadt.

Es hat sich nicht viel verändert, außer das Gefühl, nach Hause zu kommen in eine Stadt, die man erst vor wenigen Tagen zum ersten Mal betreten hat. Die Häuser in ihrem typisch portugiesischen Stil, mit ihren dezent gesetzten Ornamenten und den typischen Vulkansteinelementen wirken vertraut und sogar der Hauptplatz ist schon zum Wohnzimmer geworden, wo der Cappuccino mit Schlag, Zimt und Zucker das paradiesische Lebensgefühl komplettiert. Noch eine Woche bis zum Rückflug nach Graz. Unzählige weitere Eindrücke im Kopf kommen ins ohnehin zum Bersten gefüllte Reisetagebuch. Was bleibt, ist die Entscheidung, mehr mitnehmen zu wollen als eine volle Speicherkarte, zehn Packungen azoreanischen Schwarztee und Restsand aus Santa Maria in den Seitentaschen meines Rucksacks. Was bleibt, ist auch der ambitionierte Vorsatz, den atlantischen Geist und die insulanische Leichtigkeit über den raunzerisch kalten, österreichischen Winter zu retten. Und was bleibt, ist die Möglichkeit, in wenigen Augenblicken auf das Firefox-Symbol zu klicken und auf swoodoo ‚graz - santa maria‘ einzugeben, sobald ich diesen Reisebericht mit dem folgenden letzten Punkt offiziell für vollendet erklärt habe.

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Bildgeschichten

Creating Comics aus vergangenen Comicworkshops Martina Holzner und David Wernig

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Kochen mit Lung

Auf den Spuren der Urpizza cōngyóubing Lung Peng

Bei meiner Reise in den fernen, mysteriösen Osten, auf der Suche nach meinen Wurzeln und nach anderen spannenden, kuriosen und ominösen Dingen, stieß ich erneut auf ein Gericht, welches mir schon zu Kindertagen untergekommen war. Der “cōngyóubing”, im Englischen besser bekannt als “chinese oder scallion pancake”, ist auf den Straßen Asiens DAS Streetfood schlechthin!

Zutaten für cōngyóubing / chinese pancake / Urpizza (für 4 Personen)

Meine persönliche Bezeichnung für den “cōngyóubing“ ist “Urpizza”, denn darf man den Vermutungen Glauben schenken, haben nämlich nicht die Italiener die Pizza erfunden - die erste Pizza wurde scheinbar in China gebacken. So sollen die Italiener die Pizza lediglich veredelt und somit zu einem der populärsten Gerichte aller Welt gemacht haben. Der Mythos um die runde Scheibe begann ca. um 1275 nach Chr.

Zubereitung:

Marco Polo reiste zu dieser Zeit, gemeinsam mit seiner Anhängerschaft, in den fernen Osten, um dort nach Geheimnissen, Schätzen und vor allem Gewürzen für den damaligen König in Venedig zu suchen. Im Zuge der Reise stieß er auf ein Teiggebäck, welches wie ein sehr flaches Fladenbrot, gefüllt mit Jungzwiebeln und anderen für die Pioniere damals unbekannten Zutaten, aussah. Marco Polo war von dieser Speise äußerst angetan und verlangte nach dem Rezept für die Zubereitung des “cōngyóubing”, um es seinem König vorzubringen. Ob es nun an einer falschen Übersetzung oder den fehlenden Zutaten gelegen hat: Als Marco Polo von seiner Reise zurückkam und die Speise seinem König darbot, soll es sich um die Pizza, so wie wir sie heute kennen, gehandelt haben.

- 400 g Mehl - 1/4 - 2/4 L Wasser - 3 - 4 TL Salz - einen halben Bund Jungzwiebeln - etwas Öl

Man nimmt ca. 100 g Mehl, vermengt es mit etwas Öl und rührt es solange, bis es sämig und cremig ist (Oliven- oder Sonnenblumenöl eignen sich gut). Das ist unser “Kleber” - Dazu später. Danach mischt man das Wasser mit dem restlichen Mehl und dem Salz und knetet es so lange, bis der Teig sich festigt. Den Teig ca. für 6 - 8 Min. ruhen lassen. Nach der anstrengenden Arbeit kommt der spaßige Teil! Man hackt die Jungzwiebeln in kleine Scheiben, gibt diese in eine Schüssel und bewahrt sie für später auf. Als nächstes nehmen wir den ruhenden Teig und formen diesen in 4 kleine Kugeln. Die Kugeln werden mit einem Nudelwalker zu einer runden Scheibe gewalzt. Jetzt kommt der “Kleber” ins Spiel. Wir nehmen den Kleber und streichen ihn über die ganze Fläche der Teigscheibe, dann streuen wir die kleingehackten Jungzwiebeln darüber und rollen den Teig zu einer Roulade ein. Schlussendlich wird der Teig noch einmal verknetet und zu einer Scheibe ausgewalzt. Jetzt nimmt man eine Pfanne, benetzt diese mit ein bisschen Öl und brät die “Urpizza”, bis sie goldbraun ist, heraus. Bon Appétit

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Projektautorinnen und Projektautoren in Reihenfolge ihres Auftritts im schauraum. Architekturmagazin

Wir bedanken uns bei allen Einreichungen

Christoph Walter Pirker

Zuzana Törökova

Simon Platter

Christoph Walter Pirker (1989, Judenburg, Österreich) ist Architekt, Musiker und bildender Künstler. Sein transdisziplinäres Interesse an Architektur, Malerei, Musik und Sprache basiert auf Studien- und Arbeitserfahrungen in Graz, Kopenhagen und Berlin. Die forschende und experimentelle Wissensproduktion innerhalb von Zeichnung, Bild, Partitur oder Text, wie auch die reflektierende Neudefinierung von Visualität, spielt in seiner künstlerischen Arbeit eine entscheidende Rolle.

Zuzana Törökova (1987, Košice, Slowakei) studierte erst an der Technischen Universität Košice, wo sie ihren Bachelor in Architektur und Stadplanug erlangte und für ihr Diplom den 3.Preis von der Association for Development of Slovak Architecture and Contruction verliehen bekam. Sie setzte ihr Studium an der Moholy-Nagy University of Art and Design in Budapest, als Stipendiatin fort und schloss ihr Masterstudium in Architektur an der Technischen Universität Graz mit Auszeichnug ab.

Simon Platter (1986, Laas im Vinschgau, Südtirol, Italien) begann seine Laufbahn erst im Bereich der Grafik- und WEB-Entwicklung, bevor er sein Architekturstudium an der Technischen Graz aufnahm und ebendort auch abschloss. Des weiteren besuchte Simon die Budapest University of Technology and Economics.

Er erhielt eine Auszeichnung beim Bauhaus.Solar Award 2012, einen Anerkennungspreis beim KRob Competition for Architectural Delineation in Dallas, Texas, USA und ist Träger mehrerer Stipendien, unter anderem des TISCHE Stipendiums für jüngere Architekten, verliehen vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Kunst und Kultur.

www.studiobirkenblau.com

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Neben dem Grazer Architektur Diplompreis wurde sie für ihre Masterarbeit (in Zusammenarbeit mit Simon Platter) auch für den Young Talent Architecture Award YTAA 2016, organized by the Fundació Mies van der Rohe, nominiert. 2011 war sie das jüngste Mitglied des FEF FMA Forum of Young Architects in Bratislava.

www.toeroek.eu

Nach einem 3-jährigen Ausflug in das Grazer Nachtleben als Fotograf absolvierte er bei den Architekten Klaus Marsoner und Iwan Zanzotti ein Praktikum. Neben diverser Veranstaltungen wie der BANALE X und Projekten am Institut für Gebäudelehre, bei dem er auch seine Masterarbeit schrieb, gelang ihm ein hervorragender 2.Platz bei dem Wettbewerb des italienischen Möbelherstellers Riva 1920 „Among the posts in venice“. Simon kollaborierte in den letzten zwei Jahren immer wieder mit dem ungarischen Design- und Architekturbüro architecture uncomfortable workshop in Budapest.


Ana Skrebic

Alexander Gebetsroither

Hanife Tepegöz

Ana Skrebic (1988, Zagreb, Kroatien) kam 2008 nach Österreich und nahm, nach Abschluss des Vorstudienlehrganges der Grazer Universitäten, das Bachelor- und anschließende Masterstudium Architektur an der Technischen Universität Graz auf.

Alexander Gebetsroither (1988, Vöcklabruck, Österreich) studierte Architektur an der Technischen Universität Graz, besuchte das sechssemestrige Abendkolleg ,,Fine Art Photography and Multimedia” an der HTBLA Ortweinschule Graz, welches er ebenfalls mit Diplom abschloss und machte weiters die Meisterprüfung zum Berufsfotografen. Er nahm an mehreren Photographieausstellungen teil, unter anderem: COB, ArtDesign Potentiale, Feldkirch; Interchange, PopUp Gallery, Graz; Ortwein, auf und davon, Fotoforum, Innsbruck; Archifoto, International Awards of Architectural Photography, La Chambre, Strasbourg, Frankreich.

Hanife Tepegöz (1982, Rize, Türkei) begann erst an der Mersin Universität in der Türkei, Tourismus- und Hotelmanagement zu studieren, bevor sie 2004 nach Graz gezogen ist und mit dem Vorstudienlehrgang für Architektur begann.

2014 nahm sie an zwei Workshops teil, der Genoa Summer School 2, organisiert von der Università degli Studi di Genova, und Valencia Northern Borders, an der Universitat Politècnica de València. Ihre Projekte wurden bereits unter anderem im ,,International Periodic Architecture Magazine” sowie in der Kulturzeitschrift ,,Zarez” veröffentlicht.

Alexander ist mehrfacher Preisträger des Herbert Eichholzer Förderungspreises (2015 Annerkennungspreis, 2011 1.Platz), verliehen von der Stadt Graz, und steht derzeit auf der Liste der Nominierten für den Archiprix des Centre for Environmental Planning and Technology University, Ahmedabad, Indien. www.alge.co.at

Neben dem Architekturstudium an der Technischen Universität Graz, welches sie 2016 abschloss, hat sie in mehreren Architekturbüros in Österreich und Türkei gearbeitet: Tanos Architektur GMBH, Graz; ARGE Wettbewerbsorganisation, Graz; Korucuoglu Architecture Office, Ankara; uvm. Weitere Auslandserfahrungen erlangte sie bei ihrem Erasmus-Aufenthalt in Sevilla, Spanien an der Universidad de Sevilla Arquitectura Zurzeit Arbeitet sie bei Schaub & Partner Architekten in Hamburg.

w w w. h a n i fe t e p e g oz . w i x . c o m / meinewebsite schauraum. Architekturmagazin 33


Johannes Würzler

Kaja Geratowska

Francesco Doninelli

Johannes Würzler (1985, Graz, Österreich) ist im südsteirischen Arnfels aufgewachsen und war schon von klein auf in der väterlichen Tischlerei tätig. Er besuchte die HTL Ortweinschule, Sparte Möbel Raum Design, und setzte anschließend sein Studium an der Technischen Universität Graz mit Architektur fort. Bereits 2009 war er im Zuge einer Projektübung mit Schwerpunkt Südafrika, unter Leitung von DI Gernot Kupfer (Verein MOJO) in die Planung eines Wohngebäudes für Lehrkräfte am Ithuba Skills College, in einem Township bei Johannesburg, involviert, welches über die Sommerzeit innerhalb von zwei Monaten und der Unterstützung von 20 Studierenden realisiert wurde. Seitdem ist sein Leben von ständigen Reisen, vor allem nach Afrika und Südostasien, geprägt. Aktuell arbeitet er an der Planung und Umsetzung der Kundalinee School, einem Projekt in Nepal, welches vom Grazer Reiseunternehmer Christian Hlade initiiert wurde. Hier wird vor allem versucht, den Einheimischen ein Vertrauen in alternative Unterrichtsmethoden sowie alternative Materialien zu geben bzw. zurückzugeben.

Kaja Geratowska (1986, Rybnik, Polen) ist im Rahmen des Erasmusprogramms nach Österreich gekommen. Zu der Zeit hat sie noch Nachhaltige Entwicklung studiert. Erst mit dem Architekturstudium hat sie das benötigte Handwerk erlernt, welches ihr die praktische Arbeit in der Entwicklungszusammenarbeit ermöglicht hat.

Francesco Doninelli (1992, Bellinzona, Tessin, Italien), aufgewachsen im Tessin, beginnt im Alter von sechs Jahren zu segeln und Geige zu spielen. Er besuchte die Waldorfschule, von der er noch heute viele positive Eindrücke mit sich trägt und profitiert.

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Nach dem Bachelorstudium an der Technischen Universität Graz wechselte sie nach Wien, wo sie sie ihr Architektur-Masterstudium an der Technischen Universität absolvierte, und bei Peter Fattinger mit ihrem Projekt in Indien ,,Basadhi School“ diplomierte. Weitere Arbeitserfahrungen hat sie in Österreich, Deutschland, China und Tansania sammeln können und hat auch in der Zukunft vor, an weiteren sozialen Projekten in Entwicklungsländern zu arbeiten. Kaja ist stets auf der Suche nach neuen Projekten und ProjektpartnerInnen.

Mit 17 zieht er nach Graz, wo er Matura und Zivildienst abschließt und anschließend mit Ton-ingenieur/Elektrotechnik sein Studium an der Technischen Universität Graz beginnt. Wenig überzeugt von der Welt der nackten Technik wechselt er schon nach kurzer Zeit zum Architekturstudium, da er diese Disziplin als idealen Schnittpunkt aller anderen Disziplinen betrachtete. 2014 half er maßgeblich bei der Errichtung des Hotels seiner Eltern ,,La Tureta”. Neulich interessiert er sich für Webdesign. Er arbeitet momentan an der Erstellung der Website für das Architekturstudio Doninelli Architetti.


Patricia Jeglitsch Patricia Jeglitsch (1991, Graz, Österreich) studiert Architektur an der Technischen Universität Graz. Während ihrer Studienzeit wirkte sie an verschiedensten partizipativen Projekten in Europa und Afrika mit. So unterstützte sie 2013 das Gemeindeentwicklungsprojekt MotherShipProject in Kapstadt (Südafrika), Patricia sieht in der Architektur die Kunst, Menschen mit ihrer Umgebung zu verbinden. In ihren Projekten legt sie großen Wert auf die Techniken ortsspezifischer Konstruktionen, indigene Zugänge zur Architektur und das Bauen mit natürlichen Materialien. So absolvierte sie 2012 an der Cape Peninsula University of Technology in Berg-en-Dal (Südafrika) erfolgreich einen Natural Building Course. Dieses Fachwissen konnte sie unter anderem im Sommer 2016 bei ihrer Mitarbeit am Projekt Critical Concrete in Porto (Portugal) einsetzen. Zu ihren Passionen neben der Architektur zählen auch die digitale und analoge Fotografie und das Zeichnen.

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schauraum. Architekturmagazin #2 - "In der Ferne"  
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