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schaun EUR 3,90 Heft 12–1/2013/2014

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Genuss, Kultur & ABenteuer

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mit den persönlichen weihnachtsgeschichten von:

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Liebes Christkind! In Zeiten, als man sich zum Fernsehen noch extra schönes Gewand anzog, war er Bildschirm­pionier: der Schauspieler und Sänger Heinz Conrads. Während „Heinzi“ unter der damaligen Jugend als voll uncool galt, drückte er mit seinem Lied „Liebes Christkind“ – es war fixer Bestandteil seiner jährlichen Weihnachtssendung – unseren Urgroßeltern empfindlich auf Gemüt und Tränendrüsen. Für viele war das Lied – es handelt von Not und richtiger Hilfe – in den 60er-Jahren eine Art besinnlichkeitsfördernde Weihnachtshymne. Dank Amadeo ist es uns gelungen, Heinz Conrads „Christkindl“ noch einmal für unsere LeserInnen auszugraben. Wenn Sie am Weihnachtsabend daran denken, scannen Sie mittels untenstehendem QR-Code den Link via Smartphone ein, und hören Sie hinein in die Geschichte: sie erzählt, wie ein paar „Postler“ mit ehrlichem Engagement einen notleidenden Holzknecht unterstützen. Für ein paar Minuten lässt sie Heinz C ­ onrads – der heuer 95 Jahre alt geworden wäre –das Budgetloch, die Bildungsreformen und selbst die Mariahilfer Straße vergessen. Frohe Weihnachten, Ihr Rudi Mathias, Herausgeber

2013/2014 dezember/jänner

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schauplätze

schautv

Christoph Berndl

auch schau gibt’s ! im Fernsehen Sie en nn kö So n ue ne s ch Österrei f Ihrem Sender augerät Fernseh empfangen.

Chefredakteur

Die nächste Ausgabe von schau erscheint am 29. Jänner 2014.

So findet man schau TV via Satellit automatisch Sendersuchlauf starten, neu gefundene Sender speichern, schau TV gewünschtem Speicherplatz zuordnen.

So findet man schau TV via Satellit manuell

Garagengold: Die OldtimerLeidenschaft des Rudi Roubinek

So findet man schau TV via Antenne im Raum Wien Kanal 34 DVBT W2 Service-ID 1106 sowie in den Kabelnetzen von A1 TV in ganz Österreich kabelplus in Niederösterreich und im Burgenland

Sendung verpasst? Kein Problem! Alle schau-TV-Beiträge des letzten Monats kann man ganz bequem auch online in der Mediathek ansehen. www.schaumedia.at/mediathek.html

schau social Tauschen Sie sich mit Freunden, anderen Nutzern und uns über aktuelle Themen aus: facebook.com/schautv

ImpressuM. schau – Magazin für Genuss, Kultur & Abenteuer. Eigentümer und Verleger: schau media Wien Ges.m.b.H., Leberstraße 122, 1110 Wien. Herausgeber: Gerhard Milletich, Rudi Mathias. Chefredakteur: Christoph Berndl. Chef vom Dienst: Alexander Grübling. Gastautoren dieser Ausgabe: Nina Fietz, Nicole Friesenbichler, Helmut A. Gansterer, Roland Graf, Bernhard Hachleitner, Alex Kristan, Paul Lohberger, Hedi Mathias, Vanessa Rausch, Nikolaus Schrefl, Werner Schuster, Marie-Theres Stremnitzer. Mitarbeit: Nina Nekoui. Cartoon: Rudi Klein. Lektorat: Bernhard Plos. Redaktions­anschrift: Leberstraße 122, 1110 Wien, Tel. +43/1/740 32-0, Fax: +43/1/740 32-780, E-Mail: office@schaumedia.at. Anzeigen-Koordination: Monika Steiner, Tel. +43/1/740 32-733. Anzeigen­verkauf: Sabine Kejval +43/1/740 32-253, Julia Rötzer +43/2682/9000-1634. Druck: Druckerei Berger, Wiener Straße 80, 3580 Horn. Erschei­nungs­­weise: 10 x jährlich. Einzelpreis: EUR 3,90. Jahres­bezugspreis: EUR 35. Abo: d.borka@schaumedia.at. Herstellungsort: Wien. Die in den Artikeln ver­tretenen Mei­nun­gen der Autoren sind nicht ­unbedingt identisch mit denen des He­raus­gebers. Veranstaltungstipps repräsentier­en eine Auswahl des Redaktionsteams und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für die Richtigkeit der Termine: keine G ­ ewähr.  www.schaumedia.at

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Transponder 3 Frequenz 11,244 GHz FEC 5/6 Symbolrate 22.000 Service-ID 13255

Foto: Adrian Batty , Illustration: Andreas Rampitsch

Wie doch die Zeit vergeht. Ehe man sich’s versieht, neigt sich das Jahr schon wieder dem Ende zu. Hinter uns liegen erlebnisreiche Monate, in denen wir für Sie schau gemacht haben – als Magazin, E-Paper, im Fernsehen und auch online. Wenn ich heute das Jahr in meinem Kopf Revue passieren lasse, dann kommen viele Erinnerungen – an spannende Geschichten, kreative Querdenker und eine Reihe faszinierender Persönlichkeiten, die wir besucht und für Sie interviewt haben. ­Menschen, die Dinge bewegen wollten, dies auch taten, sogar in Bereichen, wo viele andere auf den ersten Blick nur Hindernisse sahen. Es sind jene Menschen, die unseren Blick wieder für Dinge schärfen, die man im Alltag nur allzu leicht übersieht. Heute ist es an der Zeit Danke zu sagen: einem super Team, das täglich daran arbeitet, die Welt von schau ein Stück weit zu Ihrer zu machen, und all den Namen groß und klein, die uns durch die letzten Monate begleiteten. Von Austrofred bis Erika Pluhar: Passend zum Advent haben wir viele von ihnen eingeladen, mit uns die vielleicht feierlichste Zeit des Jahres zu zelebrieren und im Dezember ihre liebsten Geschichten für die Weihnachtszeit vorzulesen. Auf den Seiten 68/69 verraten wir, wer wann zum Buch greift. Mein Tipp: schau TV einschalten, entspannen und genießen!

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In dieser Ausgabe

Wo geht’s hier ins Rampenlicht? Von der Babypause zurück auf die Bühne: Missy May und Adriana Zartl

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Kommt, wir lesen euch was vor KünstlerInnen lesen auf schau TV ihre liebsten Weihnachtsgeschichten

Die schönsten Spuren im Schnee

Wanderexperten und Genusswanderer verraten ihre schönsten Touren, die mit und ohne Schnee Spaß machen.

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22 Angefangen habe ich in Plastikpatschen

Arik Brauer privat: schau zu Gast beim großen Wiener Künstler.

Austrofred ist nicht nur die ­österreichische Antwort auf Freddie Mercury. Jetzt geht er auch unter die Buchautoren. 30 Wie der Karpfen zum Festtagsfisch wurde

Die Renaissance des Karpfens als Speisefisch. 34 Wahre Schönheit ist in unserer Seele

Yoko Ono und Ernst Fuchs ­realisierten in Wien ihr erstes gemeinsames Kunstwerk. Die Künstlerin im schau-Interview.

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Bauernschlaue Brenner: Wodka, Whisky und Gin aus heimischer Erzeugung

38 Erlesenes zur Weihnachtszeit

Die Bücher des Monats: „Wie man Wiener wird“ und „Darf man sich’s urgut gehen lassen?“ 82 Essen wie im Grand Hotel

Haushaltstaugliche Rezepte aus dem Sacher zum Nach­ kochen.

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Ich liebe den Sport: Dominik Timpel ist der neue Moderator der „Heißesten Liga Österreichs“

Niavarani lässt es ganz schön krachen: Der Komiker als Actionheld im Kino

Vom Wolf zum Schuh: Die etwas andere Freizeitgestaltung auf schau Holidays

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Ab sofort: schau fürs iPad & Tablet

CoverFoto: Rene Wallentin

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So entgeht Ihnen nichts. Die besten Termine für Wien, Niederösterreich und das Burgenland.

Genuss, Kultur & ABenteuer

Jahrgang 2013/ausgabe 12 / Jahrgang 2014/ausgabe 1

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Foto: AllegriA

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Das legendäre Figurentheater aus der Schweiz kehrt zurück! Wo immer die Formation auftritt, verzaubert sie ihr Publikum mit ihrer poetischen Kunst, egal ob über drei Jahre am Broadway, im Schweizer nationalcircus Knie oder auf Bühnen in aller Welt. Zwei Augen, zwei ohren, ein Mund … mehr braucht MuMMenSChAnZ nicht, um der Fantasie zu höhenflügen zu verhelfen. Scheinbar unscheinbaren gegenständen wie Bändern, Stöcken, Drähten oder einem häufchen Knete wird im Spiel von vier Akteuren ein eigenleben mit menschlichen Konturen eingehaucht. Sprichwörtlich schaut das Publikum dabei in die röhre – in eine gelbe in diesem Fall, die sich nach allen Seiten biegt und windet und ihrerseits interessiert und forsch die Zuschauer beäugt. Dann schwebt, gleich einer Fata Morgana und für Augenblicke nur, ein wunderlicher luftikus am Bühnenhimmel oder ein knautschiges Ballongesicht wagt den Blick über die rampe. Dann wieder vergießen Papierrollen meterweise tränen vor liebeskummer, bis das Publikum vor lachen die taschentücher zückt. es sind die kleinen, alltäglichen geschichten, die nach dem einfachen, vermeintlich kindlichen Prinzip von „Punkt, Punkt, Komma, Strich und fertig ist das Mondgesicht“ die universellen zwischenmenschlichen Beziehungen verdeutlichen. Jede nummer dieser physisch anspruchsvollen und hochsensiblen Darbietung erfordert neben dem technischen Knowhow, dem langjährigen experimentieren mit unterschiedlichsten Materialien ein höchstmaß an schöpferischer energie. und außerdem ein enormes Wissen, um die Wirkung und die transzendenz von Maske und Figur, die im Zusammenhang mit dem ursprünglichem ritual zu den ältesten theaterformen der Menschheit zählen.

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Inhalt und Impressum Cartoon von Rudi Klein Starporträt von Andreas H. Bitesnich

41 vorschau: Der Event-Navigator 76 klangzone 84 Garagengold 88 Waldecks Wallfahrten 96 schauschau: Hotspots & Society

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klein(e) rundschau

Die Zweitmeinung von Rudi Klein Illustration: Rudi Klein

Der süße Duft von Weihnachtsbäckerei und Kerzen zieht durch das Haus. Oder doch nicht … Schließlich gibt es ja noch kein Geruchsfernsehen. Die Tage werden dunkler und die Familie versammelt sich in der warmen Stube, während draußen der Schnee in eisiger Kälte fällt. Natürlich versammelt die Familie sich vor der televisionären Krippe. Dann liest Mutter das Teletext-Evangelium, man lässt sich von den Juwelieren in den „Seitenblicken“ gründlich beraten und alle wünschen sich Weihnachten zurück. Selber schuld.

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© Mathias

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Wir sind aktuell. schau aktuell – das Newsmagazin der Centrope-Region auf schau TV

Die Ostregion ist unser Spielfeld. Olivia Macho und Anqi Hu präsentieren auf schau TV, was die Centrope-Region zwischen Eisenstadt, St. Pölten, Wien und Bratislava so bewegt.

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schau TV – den ersten Erlebnissender der Ostregion (Wien, Bgld., NÖ) – empfangen Sie nonstop über Satellit, kabel plus, aon TV und im Großraum Wien zusätzlich via Antenne.


daschauher bitesnich

Arik Brauer ist eine lebende Legende. Ob als Clochard in Paris, mit dem Drahtesel auf Weltreise oder heute mit Pinsel, Bleistift und Gitarre. Wir haben ihn im Währinger Cottage-Viertel besucht.

Ich habe das erreicht, wofür ich gelebt habe interview von christoph berndl, Fotos: andreas h. bitesnich

schau: Der Titel Ihrer neuen DVD „A Gaude war’s in Ottakring“ hat mich etwas verwundert, wenn man sich Ihre Kindheit und Jugend anschaut …

Arik Brauer: Aber selbstver­ ständlich war es eine Gaude, denn ich bin ein Zeitzeuge. Nämlich nicht nur Zeitzeuge dieser Naziherr­ schaft, die natürlich dramatisch war, sondern auch Zeitzeuge der Dreißi­ gerjahre. So habe ich etwa die Schie­ ßereien 1934 erlebt. Und es gibt ja nicht mehr so viele Leute, die noch aus dieser Zeit da sind. Und ich habe bemerkt, dass es für die Jungen – wie etwa meine acht Enkelkinder – hochinteressant ist, wenn man von einer Zeit ohne Autos und Telefon erzählt. Ja, auf der Post war ein Tele­ fon, da musste man sich anmelden, Telefonhäusln hat’s gegeben, da wurde schon telefoniert und es wurde auch als Häusl benutzt, wie ja schon der Name sagt. Und eine Gaude war’s trotzdem, heute würde man es als tiefstes Elend verstehen. Zimmer, Kuchl, Klo am Gang: alle haben so gewohnt, deshalb ist man ja nicht aufgefallen. In Ottakring herrschte damals eine dörfliche At­ mosphäre. Manche haben Hendln 8  schau

„Als ich zum ersten Mal die Stephanskirche gesehen habe – da habe ich angefangen zu Weinen. “ Arik Brauer

gezüchtet im Hof. Also, das war doch eine Gaude. Man konnte auf der Straße mit’n Fetznlaberl Fußball spielen, weil es gab keinen Verkehr. Und das sind natürlich Luxusmo­ mente, die es jetzt nicht mehr gibt. Die Hendln im Hof haben Sie beeindruckt, Ihre allerersten Zeichnungen zeigen auch Tiere …

Tiere haben mich enorm interessiert – zum Zeichnen. Also im Sommer fuhr man aufs Land: wer Geld hatte, auf den Semmering, wer keines hatte, blieb in Simmering – da gibt’s ein Volkslied, das meine Mutter ­immer gesungen hat. tipp

DVD: A Gaude war’s in Ottakring Erinnerungen von und mit Arik Brauer. Live-Mitschnitt aus dem stadtTheater Walfischgasse vom 27. März 2012, Laufzeit: ca. 60 min., inkl. Booklet mit Liedtexten, um 14 Euro unter shop.orf.at sowie im stadtTheater walfischgasse, ­Walfischgasse 4, 1010 Wien, Tel. 01/512 42 00.

Wo hat Ihre Familie geurlaubt?

Wir waren so in der Mitte – in der Allander Gegend. Aber sogar dort wurde damals schon anders gespro­ chen. Das war für mich Ausland, das war eine andere Kultur: Bauern, lau­ ter Bauern! Das hat’s damals nicht gegeben, dass Städter ein zweites Haus haben. Ein Zweithaus haben die Habsburger g’habt, aber die ­waren auch schon weg in der Zeit. Dort waren so viele Viecher: die habe ich alle gezeichnet, ununter­ brochen.

Ottakring hat sich verändert …

Genau, und wenn man über den Gürtel gegangen ist, dann war man plötzlich in der Stadt. Der Gürtel war eine Grenze?

Ja, der Gürtel war eine geistige Grenze. Ich erinnere mich, wie mich meine Mutter das erste Mal in die Innere Stadt gebracht hat. Da sind wir die Burggasse runtergegangen. Und wie wir beim Graben ums Eck biegen, habe ich zum ersten Mal die Stephanskirche gesehen – da hab ich angefangen zu Weinen. Ich hatte Angst vor diesem riesigen Berg. Aber dazu ist sie ja offensichtlich gebaut worden. Die Stadt breitet sich immer weiter Richtung Wilhelminenberg und Wienerwald aus …

Man kann als Mensch, der das Glück hat hier zu leben, nicht her­ gehen und sagen: „Des is negativ, weil die sollen net geboren werden, die G’fraster!“ Aber objektiv gesehen ist es natürlich ganz klar, dass sich die Menschheit zu stark vermehrt. Das alles kann nur in einer Katastro­ phe enden. Und wir sind hier tat­ sächlich ein bisschen wie auf einer dezember/jänner 2013/2014


Arik Brauer by Andreas H. Bitesnich, 2013. Für das schau-magazin porträtiert Bitesnich exklusiv monatlich eine P ­ ersönlichkeit. www.bitesnich.com


Das ist nach meinem Gefühl keine Armut – in einem Land, wo spie­ lend jemand davon leben kann, was weggeschmissen wird. Und wo es mehr trockene und warme Betten gibt als Obdachlose. Das ist in mei­ nen Augen kein wirkliches Elend. Dass Menschen ins Elend geraten: aus seelischen Gründen, aus zerstör­ ten Leben, aus Enttäuschungen, und sich versaufen und ihr Leben verspielen, das ist traurig und ist so und wird auch weiter so sein. Aber, wenn die ganze Welt so repariert wäre wie Österreich, dann würde wir ja in dulce jubilio auf diesem Weltball existieren. Wenn Sie in Wien unterwegs sind, kommen da die Leute auf Sie zu? Sind Sie jemand, der sich freut oder sagen Sie: „Lasst mich in Ruh’“?

Das ist ziemlich furchtbar. Es ist das zweitärgste. Noch ärger ist, wenn man etwas macht, was keinen Men­ schen interessiert, was keiner kauft und keiner will. Das ist die Tragödie eines Menschen, der es nicht ge­ schafft hat, nicht erreicht hat, wofür er gelebt hat. Ich hab das erreicht, wofür ich gelebt habe. /// Wien wird vielerorts als lebenswerteste Stadt gepriesen. Man liest das immer wieder. Aber, wenn man mit den Leuten spricht – die Wahrnehmung schaut anders aus. Woher kommt diese Diskrepanz? Oder ist das nur das typische Wiener Raunzen …

Das ist das beliebte Raunzen. Wobei das Wiener Raunzen auf der ganzen Welt durchaus aktuell ist. In Wien ist es besonders, weil der Dialekt sich sehr zum Raunzen eignet. Selbst wenn man was Positives sagt: im Wiener Dialekt hat man das Gefühl, da wird geraunzt.

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Arik Brauer

Ein Thema, das durch alle Medien geht, sind die Flüchtlingsströme. Sie waren selbst als Jugendlicher ein Verfolgter. Was empfinden Sie, wenn Sie das heute sehen?

Insel. Ich hab ja lange Zeit in Paris gelebt, vor 40 oder 50 Jahren. Paris war nicht wesentlich größer als Wien, hatte aber damals schon sechs, sieben Millionen Einwohner – heute sind es zwölf. Und das spürt man schon im täglichen Leben. Wenn ich sagen würde: „Ah, lustig, jetzt sind wir schon zwei Millionen in Wien, Gott sei Dank!“ Da müsste ich lü­ gen, wenn ich das sage. Denn auf Kosten von irgendwas geht’s sicher.

Es gibt hier keine befriedigende tipp ­Antwort. Es ist eine Tragödie. Jeder Mensch muss aber einsehen, dass es die Sache nicht repariert, wenn eine oder zwei Milliarden Menschen nach Europa übersiedeln – das ist ja Arik Brauer: „Mit Bleistift und Gitarre“ klar, dass das nicht geht. Österreich ist eines der reichsten Länder der EU, trotzdem gibt es auch bei uns viele Menschen, die akut von Armut betroffen sind …

Samstag, 15. Februar 2014, 20 Uhr, stadtTheater walfischgasse, ­Walfischgasse 4, 1010 Wien, Tel. 01/512 42 00 www.stadttheater.org

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Fotos: www.picturedesk.com

Beim Interview mit schau-Chefredakteur Christoph Berndl (ganz oben). Arik Brauer vor dem von ihm geplanten und nach ihm be­ nannten Haus in der Gumpendorfer Straße 134–138.

„Das Schlimmste ist, wenn man etwas macht, was keinen interessiert.“


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Foto: corbis

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Die schönsten Spuren im Schnee text von nina fietz

hurra, es hat geschneit!“ Das ist wohl meist der verzückte Ausruf der Kinder, die schon sehnsüchtig auf den ersten Schnee gewartet haben – und auf Schneeballschlacht, Schneemann bauen und eine rasante Schlittenfahrt. Die Erwachsenen denken vielleicht eher an Rutschpartie mit dem Auto, ewige Staus in der Stadt und mühsames Schnee schaufeln. Dabei wäre es ganz leicht, die Freude am Schnee und der Kälte wieder zu finden: auf vom Sofa, rein in die warmen Sachen und raus an die frische Luft! Wann der erste Schnee nun wirklich kommt – nun ja, das weiß niemand ganz genau. Aber erst mal kann man ja einfach die Vorstellung genießen … der Schnee, wie er leuchtet und funkelt. Millionen kleinster Schneekristalle glitzern um die Wette. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Die frische, klare Luft: ein wahrer Genuss. Der Schnee, so weich und leise – und doch spürt man 2013/2014 dezember/jänner

ihn unter den Füßen knirschen. Die Stille – einfach herrlich. Schritt für Schritt im Schnee. Endlich Zeit, den Gedanken freien Lauf zu lassen. Sich selbst wieder einmal richtig spüren, den eigenen Rhythmus wahrnehmen und neue Kraft tanken … Wieder zurück? Und draußen noch immer keine Spur von der erträumten Winterlandschaft? Macht nichts! Erstens kann man die Gedankenvorstellung jederzeit wiederholen und außerdem hat schau die Wanderexperten von Alpenverein und Naturfreunden sowie Genusswanderer nach den schönsten Touren gefragt, die mit und ohne Schnee Spaß machen. Der Sonnenweg in Gutenbrunn

Nördlich der Donau, oberhalb der Wachau, findet man Gutenbrunn. Im Südwesten des Waldviertels gelegen, genauer gesagt dem hohen Waldschau  13


Der Sonnenweg rund um Gutenbrunn ist schön gelegen und auch im Winter gut zu begehen.

Tour 1

Anfahrt Mit dem Auto auf der S5

Sonnenweg – Gutenbrunn

Edlesberger Teich Rest. Pension Seewolf

Edlesberg

L7201

Niederösterreich

START

Langlaufghf. Marschall Stuben 14  schau

Gutenbrunn

L82

bis Krems, dann weiter auf der B3 bis Spitz, dort biegt man rechts auf die B217 Richtung Ottenschlag ab. In Ottenschlag links abbiegen auf die Zwettler Straße B36 und über Martinsberg nach Gutenbrunn. Von Norden kommend über Zwettl auf der B 36 bis Ottenschlag und über Martinsberg nach Gutenbrunn. Ausgangspunkt In unmittelbarer Nähe vom Parkplatz 1 (Gemeindeamt) in Gutenbrunn. Route Ausgehend vom Parkplatz führt der Sonnenweg in einem großen Bogen hinauf zum Waldrand und schwenkt dann rechts Richtung Edlesberg. Von hier oben hat man bereits eine schöne Sicht Richtung Gutenbrunn und Martinsberg, mit Blick ins Weitenbachtal. Kurz vor Edlesberg fällt ein sehr altes, aber wunderschönes, hölzernes Kruzifix auf. In Edlesberg zweigt der Weg rechts in einen Güterweg Richtung Rotwildgehege ab, das man dann umrundet. Mit etwas Glück ­erhascht man einen Blick auf die zutraulichen Tiere – wenn sie nicht gerade bei der Fütterung sind. Vorbei an der ehemaligen Roßmühle, geht es hinein in das einzige

­Waldstück der Runde und hinauf zum Edlesberger Teich. Hier kann man gemütlich im Restaurant Pension Seewolf einkehren. Auf dem Zufahrtsweg geht es weiter Richtung Edlesberg und von hier auf dem gleichen Weg zurück zum ­Ausgangspunkt. Einkehrmöglichkeit Restaurant Pension Seewolf, Langlaufgasthof Marschall Stuben (Hier kann man Schneeschuhe ausborgen, sich Umkleiden sowie eine Münz-­ Dusche benutzen!), Bühnen­ wirtshaus Juster. Besonderheiten Der Weg wird von der Gemeinde als Winterwanderweg betreut und präpariert. Er ist gemütlich zu gehen und es gibt keine großen Steigungen. Schneeschuhe sind nicht erforderlich – wer sie ausprobieren mag_: in der Marschall Stuben zum Ausborgen. In unmittelbarer Nähe kann man die Waldviertler Sternwarte „ORION“ sehen. Sie entstand in den Jahren 1966 bis 1969 in P ­ rivatinitiative. Länge/Dauer ca. 6,6 km, ca. 1,5 Stunden Info Tipp von Dorli & Johann ­Berger, Genusswanderer mit ­Wanderblog: www.zwalk.at

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Fotos: johann berger (2), Privat (2), Katharina Steindl, ruckXbob.com

Den Genusswanderern Johann und Dorli Berger hat es die liebliche Gegend im südlichen Waldviertel angetan.


viertel. Das Viertel macht hier seinem Namen alle Ehre – denn derartig mächtige Baumriesen wie jene des Weinsberger Waldes, der rund um Gutenbrunn liegt, findet man sonst fast nirgendwo in solch geschlossener Einheit. Die Seehöhe von 858 Metern lockt mit herrlichen Aussichten und einem weiten Blick übers Land. Granitformationen

Die letzten Ausläufer des Granithochlandes reichen bis hierher und so findet man immer wieder schöne Granitformationen. Die hohe Lage ist es auch, die eine gute Chance auf Schnee bringt – nicht umsonst ist Gutenbrunn weithin als LanglaufEldorado bekannt. Im Winter, wenn die Seen zugefroren sind und der

Schnee schwer auf den mächtigen Bäumen liegt, hat so mancher das Gefühl, mitten in Skandinavien zu sein. Bei der Wanderung am Sonnenweg rund um Gutenbrunn kann man abseits vom vorweihnachtlichen Trubel die Natur in aller Ruhe erleben und genießen (siehe TOUR 1). „Es ist die liebliche Landschaft, die es mir hier im südlichen Waldviertel besonders angetan hat“, erzählt Johann Berger, „und dass die Gegend für meine Wanderungen viel Abwechslung bietet“. Auf dieser Runde sind das der Edlesberger Teich, an dem man beim „Restaurant Seewolf“ einkehren kann, das Rotwildgehege und das wunderschöne Kruzifix, von dem Berger schwärmt. Die Bezeichnung „Hobbywanderer“ wäre für ihn wohl maßlos untertrieben. Geht er doch

ganzjährig und mehrmals wöchentlich mit seiner Frau Dorli wandern. Die Routen sind akribisch und unter Einsatz von GPS geplant und werden detailliert auf Fotos dokumentiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, stellt er doch alle Routen genauestens, liebevoll beschrieben sowie reich bebildert auf seinem Wanderblog www.zwalk.at zur Verfügung. „Natürlich stelle ich nur Routen ein, die ich selbst gegangen bin“, bestätigt Berger: „Ja, es kann schon mal zwanzig Minuten dauern, bis ich einen schönen Schmetterling fotografiert habe.“ Deshalb sieht sich das Paar Berger ja auch als „Genusswanderer“, das dort und da gern stehen bleibt und die Natur genießt. Und so sehr ihre Erzählungen Lust darauf machen, sofort mit ihnen loszuwandern: als Guide stehen die

beiden leider nicht zur Verfügung. Mit einem Schmunzeln lehnen sie derartige Angebote ab: „Nein, wir gehen lieber alleine und genießen die Ruhe.“ Die technische Ausrüstung (GPS, Handy) ist Berger schon wichtig, dennoch lautet sein Tipp: „Immer auch eine handfeste Karte mitnehmen, weil in der Kälte kann das Handy schon mal den Geist aufgeben.“ Denn selbst wenn die Waldviertler Sternwarte „Orion“ ganz in der Nähe ist, heimfinden will man ja wohl noch bei Tageslicht. Naturfreunde-Gründungstour

Den Wunsch nach Abwechslung und Naturerlebnis hat auch David Amon von den Naturfreunden Wien Floridsdorf. Das findet dieser auf Wanderungen am Anninger

Abenteuer im Schnee

D

er ruckXbob ist eine Kom­ bination aus Rucksack, Schlitten und Bob. Mit dem ­Rucksacksystem transportieren Schneeschuh- & Winterwanderer problemlos ihr Gepäck bergauf – es wird einfach im Inneren verstaut. Der Bob lässt sich mit drei Handgriffen vom Tragesystem lösen und kann auch als trockene Sitzgelegenheit bei jeder Rast verwendet werden. Bergab geht es rasant zur Sache. Der ruckXbob hat eine besondere Form und Stahlkufen, dadurch ist er auch abseits von Rodelpisten – und zwar im eisigen Gelände und im Tiefschnee – gut steuerbar. Das Fahren ist kinderleicht. Der Frühwinter, wenn für Wanderungen zuviel und für Skitouren zu wenig Schnee liegt, ist die ideale ruckXbob-Zeit. Natur, Sport und Action

Abenteuer und Spaß pur: Mit dem ruckXbob eine coole Bergpartie – oder im Rudel mit den Schlittenhunden.

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Manfred Angerer (www.abenteuermanagement.at) bietet geführte Wanderungen im Raxgebiet an: „Wir verwenden den ruckXbob in der 2. Saison. Die Schneeschuhwanderung in Verbindung mit dem ruckXbob kommt sehr gut an. Damit locken wir eher junge Leute auf der Suche nach Action raus in die Natur.“

Genauso abenteuerlich verspricht eine Schlittenhunde-Fahrt zu werden. Franz und Katharina Steindl betreiben die „Huskyranch“ in Niederösterreich in der Nähe von Zwettl (www.huskyranch.at, nahe der Tour 1 in Gutenbrunn). „Wir stellen das Programm mit unseren Kunden sehr individuell zusammen“, sagt Katharina Steindl. Große Gruppen trifft man hier selten, ist doch in dem familiären Betrieb der intensive Kontakt mit den Hunden und dem Gerät wichtig. Am Anfang steht das Kennenlernen der Hunde im Vordergrund, sowie das Erlernen der Kommandos. Und dann geht es los … Die Freude und Aufregung der Hunde ist richtig ansteckend: sie brennen darauf, volle Power zu geben. Ganz nach Mut und Können fährt man anschließend im 8er-Gespann mit oder geht allein mit einem 2er-Gespann auf die Runde. Bei genug Schnee wird der Schlitten eingespannt, sonst fährt man mit einem Wagen mit Rädern. Übrigens können auch schon Kinder mit auf die Tour – aber Achtung: wenn einen das Husky-Fieber packt, kommt man so schnell nicht mehr davon los!  /// www.ruckxbob.com

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Tour 2 Auf den Anninger

Anfahrt Öffentliche Anreise mit der S1

Prieß n

itzta l

von Wien Meidling bis Bhf. Mödling. Von dort mit dem Citybus bis zur Haltestelle „Prießnitzgasse“. Mit dem Auto von Wien HTL START auf der A2 bis Abfahrt Wiener Neudorf, danach der B11 folgen und links in die Prießnitzgasse L2087 B17 einbiegen. Rechts abbiegen und der Viaduktstraße/Guntramsdorferstraße bis zum Ende folgen. Am Ende der Niederösterreich Prießnitzgasse befindet sich ein Eichkogel 444 ­Parkplatz. x 367m Maibründl Ausgangspunkt Parkplatz PrießnitzNaturschutzgebiet gasse, Mödling Eichkogel Jubiläumswarte Route Der Aufstieg erfolgt über den Eschenbrunnen „Wienerwald-Verbindungsweg“ (444). Anningerhaus Richardhof Dieser führt anfangs durch das Prießx 653m nitztal. Nach einem kurzen Schotterweg, S i Eschenkogel ebe nbr der auch als „Wienerwald-Weitwanderu Wilhelmswartenneng weg“ (404) und „Wienerwald-Beethorab 404 en ven-Spazierweg“ (40) bekannt ist, x L151 x 675m Dreidärrische zweigt der Weg rechts auf einen Anninger Höhle ­schönen Wanderweg in den Wald ab. Rotes Kreuz Der Weg trägt die Bezeichnung 444. ­Diesem folgend erreicht man das Gumpoldskirchen ­Anninger-Schutzhaus. Von dort geht ein kurzer Abstecher zur sehenswerten Jubiläumswarte, wo man eine Höhe von David Amon von den Natur653 m erreicht. Nach diesem Abstecher freunden Wien Floridsdorf schwärmt von Wanderungen auf den Anninger, vor den Toren Wiens: Jeder findet hier eine passende Route!

geht es zurück zum Anningerhaus und zur Wilhelmswarte am Gipfel des Anninger. Hier ist mit 675 m der höchste Punkt der Wanderung. Da beide Warten verschiedene Aussichten bieten, ist ein Besuch von beiden sehr lohnend. Der Rückweg zurück nach Mödling führt durch den Siebenbrunnengraben. Die namensgebenden Quellen sind jetzt im Winter gefroren. An der Dreidärrischen Höhle geht es dann vorbei: in dieser halten mehrere Fledermausarten ihren Winterschlaf ab. Zurück am Stadtrand von Mödling folgt man dem Weg 404, passiert den Richardhof und folgt dem Weg 444 – diesmal in entgegengesetzter Richtung. Dieser führt wieder zum ­Ausgangspunkt. Einkehrmöglichkeit Anningerhaus Besonderheiten Das Gebiet ist gut erschlossen; die Route verläuft über ­solide Wege und ist daher auch im ­Winter einen Ausflug wert. Länge/Dauer 12 km, ca. 4 Stunden Info Tipp von David Amon, Naturfreunde Ortsgruppe Floridsdorf, nfoe.floridsdorf@naturfreunde.at.

(siehe TOUR 2) und erzählt: „Schon ist gut erschlossen. Jeder findet für 1895 haben sich rund 80 Wiener­ sich eine passende Wanderung. innen und Wiener getroffen, um Vom kurzen Spaziergang bis zur ­Erholung in der Natur zu suchen. Mehrstunden-Tour, alleine oder in Nach einer kurzen Zugsfahrt bestie­ der geführten Gruppe – hier ist fast gen sie gemeinsam den Gipfel des alles möglich.“ Gerade in Wien ist Anningers. In der Folge wurden die es schwierig, so richtig schönen ,Naturfreunde‘ gegründet.“ Schnee zu genießen, der nicht nur als Matsch das Vorankommen im Lärm und Hektik hinter sich großstädtischen Verkehr behindert. lassen Schneegarantie gibt es freilich keine – und doch ist am Anninger Heute wie damals sind die Interes­ mit seinen 675 Höhenmetern als sen unverändert. Die Menschen östlichster Ausläufer der Alpen die wollen den Lärm und die Hektik Schneewahrscheinlichkeit höher als der Stadt hinter sich lassen und in in der Stadt selbst. Der Berg be­ die Stille und Unberührtheit der steht eigentlich aus vier Hauptgip­ Landschaft eintauchen. Und so ist feln: Den Anninger selbst (früher auch heute noch für viele der An­ „Hochanninger“) mit der Wilhelms­ ninger ein perfektes Ausflugsziel. warte. Diese wurde 1877 vom „Ver­ Ein Pluspunkt: Nur wenige Kilo­ ein der Naturfreunde“ erst als höl­ meter südwestlich von Wien gele­ zerne Warte errichtet, neun Jahre gen, kann man hierher auch gut öf­ später durch einen runden, ge­ fentlich anreisen. Heuer gibt es schlossenen Steinbau ersetzt und wieder von den Naturfreunden ge­ bietet einen wunderbaren Ausblick. führte Wanderungen mit dem Dann der Eschenkogel mit der Ju­ Motto „Wandern für alle“ – Amon biläumswarte. Die 25 Meter hohe gerät ins Schwärmen: „Das Gebiet Eisenkonstruktion wurde ebenfalls 16  schau

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Fotos: lea riedl/naturfreunde floridsdorf (2), naturpark griebenstein, Csaba Szépfalusi

Mödling


vom „Verein der Naturfreunde“ errichtet und wird noch heute als Aussichtsturm genutzt. „Gehen Sie doch auf beide Warten hinauf – jede bietet einen anderen Panoramablick. Die Mühe lohnt sich wirklich“, empfiehlt Amon. Und der Vollständigkeit halber: der dritte Gipfel ist der Vierjochkogel mit dem Sender und der vierte der Buchkogel.

ebene und dem flachen Neusiedler See. Trotzdem hat es der Geschriebenstein mit 884 Metern Seehöhe in die „österreichischen seven summits“, die jeweils höchsten Berge der Bundesländer, geschafft (siehe TOUR 3). Einer, der bei jedem Wind und ­Wetter seine Wanderschuhe schnürt und sich auf die klare Bergluft freut wie andere aufs tägliche Kipferl, ist Csaba Szépfalusi. Er ist WanderDie „seven summits“ – und Bergexperte, Führer beim Alim Burgenland? penverein und Autor zahlreicher Bücher zum Thema. „Dass ÖsterWer an Schnee denkt, an so richtig reich an den Alpen liegt, ist ja ­allen viel Schnee und hohe Berge – der klar. Aber die interessante Sache ist, landet irgendwann bei den „seven dass der Geschriebenstein als Aussummits“, den jeweils höchsten Ber- läufer der Alpen und Grenzberg zu gen der Kontinente. Doch so hoch Ungarn eben auch unser Nachbarund so weit hinaus wollen wir nicht land zum Alpenland macht“, erklärt – und überhaupt: Wer an das Bur- Szépfalusi. Die Aussichtswarte am genland denkt, wo unsere letzte Geschriebenstein liegt sogar direkt Tour hinführt, der verbindet das an der Staatsgrenze Österreich-Unwohl eher mit pannonischer Tief- garn – im Mittelpunkt des grenzCsaba Szépfalusi – der Bergexperte muss nicht immer weit weg: „Für mich ist die Lieblingstour: die in meiner Nähe! Eine, die ich ­immer wieder anders gehen kann.“

Anfahrt Mit dem Auto von Norden A2

Tour 3

Geschriebenstein, Grenzgipfel Burgenland–Ungarn

bis Abfahrt Aspang-Markt/Krumbach und auf der B55 über Kirchschlag nach Lockenhaus. Von dort auf Bergstrecke zum Parkplatz auf der Passhöhe. Aus dem Südburgenland über Oberwart nach Lockenhaus oder Großpetersdorf nach Rechnitz und auf der B 56 jeweils bis auf die Passhöhe.

x 884m

Geschriebenstein UNGARN

START

x 862m

Rest. Ranch

Ausgangspunkt Parkplatz Passhöhe Geschriebenstein. Route Von der Passhöhe auf gut bezeichnetem Waldweg in sanfter Steigung über den Bergrücken zur Aussichtswarte auf dem Geschriebenstein. Rückweg auf selber Strecke zur Passhöhe. Als Zugabe bietet sich der Weg zum Großen Hirschenstein an: Von der Passhöhe auf rot markiertem Weg Richtung Stadtschlaining, in sanftem Waldanstieg zunächst über den Bergrücken, dann leicht abwärts, um eine Kuppe mit

Gr. Hirschenstein Landespflegeheim

Burgenland

B56

Sendeanlage herum und zu einer ­Wegkreuzung. Schräg rechts weiter, nun wieder ansteigend zum Gipfelbereich des ebenfalls mit einer Sendeanlage versehenen Großen Hirschensteins. Nun nach Süden Richtung Althodis abwärts und nach ca. 70 Höhenmetern scharf links einbiegen in einen Querweg. Dort, wo die Markierung rechts abbiegt, auf dem Weg gerade weiter (unmarkiert) und kurz darauf Einmündung in den vom Landespflegeheim herauf­ führenden Weg. Auf diesem links hinauf zur bereits vom Hinweg bekannten Kreuzung und rechtshaltend zurück zur Passhöhe. Einkehrmöglichkeit Die Ranch am Parkplatz Geschriebenstein. Besonderheiten Der Geschriebenstein ist Top of Burgenland (884 m) und daher einer der Seven Summits von Ö ­ sterreich! Aussichtswarte auf dem Geschriebenstein mit Blick nach Ungarn. Länge/Dauer ca. 8,5 km (260 Hm), ca. 2 Stunden Info Tipp von Csaba Szépfalusi, ­Alpinreferent beim OeAV, Alpenverein Edelweiss, Wien, sowie Bergbuchautor (Bergwandern, Klettersteige, ­Schneeschuhwandern, Skitouren), www.csaba.at

schau  17


Auf den Schuh kommt es an

Der Profi hat natürlich auch viele gute Tipps parat: Ein richtiger Bergwanderschuh muss es im Winter schon sein: wasserdicht und richtig warm. Die passenden Begleiter zum Schuh sind Gamaschen. „Die machen bei Schnee echt Sinn, denn sonst kommt der Schnee von oben in den Schuh und bringt nasskalte Füße“, weiß er. Handschuhe und 18  schau

„Ein richtiger Bergwanderschuh ist im Winter Pflicht. Und ein warmes Getränk aus der Thermoskanne tut immer gut.“ Csaba Szépfalusi, Bergexperte

Haube sind ohnehin obligat und ein warmes Getränk aus der Thermoskanne tut immer gut. Der wichtigste Tipp für Szépfalusi: „Gehen Sie nie ohne genaue Karte. Das ist einfach unerlässlich.“ Jetzt muss er selber lachen, kann er sich doch einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: „Bunte Wegillustrationen sind schön: sie sollten vor allem Gusto auf die Wanderung machen und grobe Orientierung bieten. Aber packen Sie immer auch genaues Kartenmaterial mit ein.“ So sympathisch das der Experte bringt, kann man gar nicht böse sein. Und gleich darauf – beim Wintererlebnis – stimmen wir schon wieder überein. Es geht, gerade im Winter, um das Erlebnis der kalten Jahreszeit, um das Aufraffen und Hinausgehen in die Natur. Denn ganz ehrlich: Nach ausgiebiger Bewegung draußen an der frischen Luft, ist es auf dem Sofa erst so richtig gemütlich – und das haben Sie sich dann auch richtig verdient! ///

Gerade im Winter ist die Ausrüstung besonders wichtig. Bergwanderschuhe und Gamaschen sorgen für warme Füße. Atmungsaktive Outdoorbekleidung sorgt am ganzen Körper für ein angenehm trockenes Klima. Tipp: dünne IsoAuflage für die Pause mitnehmen!

Foto: corbis

überschreitenden Naturparks Geschriebenstein-Írottkő. Man könnte meinen, dass für einen, dessen Beruf die Berge sind, diese Wanderung ja eine ziemliche Unterforderung sein muss. „Aber nein“, lacht er, „ich finde kurze Wanderungen ebenso reizvoll. Es muss ja nicht immer die anspruchsvolle Ganztagestour sein. So bleibt noch genug Zeit für ein nettes kulturelles Programm, zum Beispiel Lockenhaus oder Güns als mittelalterliche Stadt.“

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Edel verpflichtet! Luxus in betörendem Nationalpark-Chic

Die wichtigsten Informationen zu allen sechs österreichischen Nationalparks gibt es unter wwww.nationalparksaustria.at &

© Foto: C. Thomas

www.facebook.com/NationalparksAustria

Entgeltliche Einschaltung


Wo geht’s hier ins Rampenlicht? text von marie-theres stremnitzer

adriana zartl und Missy May stellen sich im Wiener Metropol programmatisch selbst auf die Bühne. Dass die dargestellten Figuren stark an die Schauspielerinnen erinnern, ist kein Zufall. Ebenso wenig zufällig ist die Ähnlichkeit mit allen anderen realen Personen, die in den vergangenen Jahren ein Kind zur Welt gebracht haben – und trotzdem noch an ihrem Job hängen. Nur, dass es den eigentlich nicht mehr gibt: Die Welt hat sich weitergedreht, die Karenzvertretung ist nicht nur jünger, sondern sie gefällt dem Chef auch besser. Von den Kollegen werden sie nicht erkannt: was nicht weiter verwundert, sie sind ja alle neu hier. Und das Jobprofil, das früher genau das richtige war, passt, so wie die Business-­ Kostüme im Schrank, hinten und vorne nicht mehr. „Sämtliche Jobangebote, die wir erhalten haben, waren plötzlich komplett absurd“, erzählt Missy May. Vier Monate auf einem Kreuzfahrtschiff zu verbringen oder ein halbes Jahr lang eine Serie in Deutschland zu drehen („Hast du nicht irgendwen, der auf das Kind aufpasst?“), war für beide einfach nicht mehr vorstellbar. Deswegen haben sich Zartl und Missy May auf der Kabarettbühne ihren eigenen Arbeitsplatz geschaf20  schau

fen. Damit der Traumberuf nicht zum Berufstrauma gerät, ist es ratsam, das gut organisierte Netzwerk zur lückenlosen Betreuung taktisch klug um das Kind zu gruppieren: Oma, Opa, Tante, Onkel, Babysitter eins bis drei. Fällt einer aus, hat sicherlich auch sonst keiner Zeit. Das ist Murphy’s Law der berufstätigen Mütter und so saßen auch Luca und Marie ab und zu hinter der Bühne, während ihre Mamas vorne probten. Kochen oder singen?

Während die eine – gespielt von Adriana Zartl – gern im trauten Heim, leicht missmutig an dem Kochbuch

„Unsere Kinder sind omnipräsent im Stück. Wir vergessen sie sehr oft im Kindergarten.“ Adriana Zartl

schreiben möchte, das die Welt verändert, will die andere – gespielt von Missy May – unbedingt zurück auf die Bühne. Sie beschließt, tapfer zu lügen, und sich und die nichtsahnende Freundin als neues Duo am Schlagerhimmel zu verkaufen. Einen Hit zu schreiben – das kann dezember/jänner 2013/2014


Wenn sich zwei prominente Frauen nach ­kinder­bedingter Pause zurück in den Arbeitsalltag kämpfen – und eigentlich nicht so recht wissen, wie – droht alles ins Chaos zu stürzen: Eine kabarettreife Situation jagt die andere, denn nichts ist unberechenbarer als der „Familienbetrieb“ daheim, sobald die Chefin ihren Posten verlässt.

Foto: Felicitas Matern

Viele beneiden das ­perfekte Leben der Stars. Wenn Kinder ins Spiel kommen, sieht die Welt wieder anders aus. Missy May (links) und Adriana Zartl können davon ein Lied singen.

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doch nicht so schwer sein. Also nimmt zwischen Topf und Topferl, zwischen Kindergartentor und Eigenheimtür das Chaos seinen Lauf. In den Wochen vor der Premiere machte sich bei den Kabarett-Debütantinnen doch Nervenflattern bemerkbar. Ihre Gereiztheit haben sie beide nach Hause getragen. Dass der Haussegen manchmal schief hängt, ist normal, aber das schlechte Gewissen ist bei ungewissem Ausgang eines neuen Projekts vielleicht noch ein bisschen größer. Schließlich haben beide nicht nur Arbeit, Energie und Geld in ihre Produktion gesteckt, sondern auch viel von jener Zeit, die sie zuvor Mann und Kind gewidmet haben. Und vor allem diese Investition sollte sich auszahlen. Wie es zur Zusammenarbeit kam? Tatsächlich war es genau umgekehrt wie im SchlagernachtsTraum(a): „Eigentlich bin ich schuld“, so Zartl. Sie wollte schon immer Comedy machen, habe sich aber nie getraut.

Missy May meinte, sie könne das vielleicht auch: Wer eine Geburt hinter sich gebracht und Babyneuland betreten hat, den kann eigentlich gar nichts mehr schrecken: „Es war das Risiko meines Lebens, aber es hat sich gelohnt. Es ist essentiell, Mut zu haben, und – egal, was passiert – zu sagen: ich zieh’ das jetzt durch!“ Vor der Premiere am 13. November wird Zartl sicherheitshalber trotzdem alle Ausgänge verriegeln: „Damit sie mir nicht davonlaufen kann!“ ///

tipp

Ein SchlagernachtsTraum(a) Für alle, die wissen wollen, wie man sich möglichst kompliziert ins Berufsleben zurückkämpft. www.zartl-may.at Termine: 1. und 7. Dezember 2013, 12. Jänner und 8. März 2014, Metropoldi, Wien. 30. März 2014, Bühne Mayer, Mödling. www.wiener-metropol.at www.buehnemayer.at

schau  21


Austrofred ist nicht nur die österreichische Antwort auf Freddie Mercury. Er ist auch ein – in jeder Hinsicht – schlagfertiger Künstler. Das stellt er in seinem neuen Buch „Hard on!“ unter Beweis, in dem es auf lustige Art gegen die Kulturkritik geht.

22  schau

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Angefangen habe ich in Plastikpatscherln interview von christoph berndl und alexander grübling Fotos: bubu dujmic

Eigentlich ist Austrofred – bürgerlich Franz Adrian Wenzl – ein Vollblutmusiker. Musik habe er schon vor „Austrofred“ mit „normalen Bands“ gemacht. Auf die Idee, Freddie Mercury auf österreichisch zu machen, ist er spontan gekommen. „Das war ein Juxding. Es war nie geplant, dass ich das jetzt seit mittlerweile zwölf Jahren mache.“ Und er macht es erfolgreich. Dass er jetzt einen Roman herausgebracht hat, ist nicht logisch. Aber bitte, was ist schon logisch? schau wollte es genau wissen und traf den charismatischen Oberösterreicher zum Interview.

„Mitte der 90er, da waren alle auf der Elektronik-Schiene. Da haben’s dann ihre E-Gitarren eingepackt, weil’s damit nix g’rissen haben.“ Austrofred

schau: Du interpretierst Queen-Songs nicht nur österreichisch, sondern du singst die Texte von Austropop-Nummern zu Queen-Melodien. Das ist ja wirklich schräg …

Austrofred: Es macht aber wirklich Sinn, weil es der beste Bruch ist, den man sich vorstellen kann. Queen steht für die große Geste, Megakonzerte in Stadien, der große Glam. Und Austropop – das ist das genaue Gegenteil da- info von. Wenn man etwa an den Steinbäcker von STS denkt. Er sitzt da und singt das Lied vom Großvater. Austropop ist von der Fiktion her erreichbar. Freddie Mercury hingegen total unerreichbar. Und Austrofred live das ist ein interessanter Bruch. „Another 4. 12. Wien Chelsea: one bites the dust“ und „Zwickts mi“ ist Konzert „Vollgas!“ so eine Kombination. 7. 12. Zwettl/Rodl Beck’s Bar:

„Hard on!“ – Leseshow & Konzert

Kommen wir zum Buch. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Ich habe ja schon vorher ein paar Bücher geschrieben. Aber das waren Bücher, die

9. 12. Innsbruck Treibhaus: „Hard on!“ – Leseshow Alle Infos und weitere Termine ­unter www.austrofred.at

typischerweise Musiker halt so machen. Irgendwann habe ich mir gedacht, ein Roman wär auch mal ganz leiwand. Also habe ich mir eine Geschichte überlegt: teilweise erlebt; teilweise überlegt, was da so passieren könnte im Leben von Austrofred. Es ist ein Roman, in dem es Dialoge gibt und eine Handlung – ein Action-Ding. Jedenfalls hat es Spaß gemacht. Ein Medium, das mich grundsätzlich auch interessiert, ist der Film. Und das Buch hat auch was Filmisches, weil es sehr actionreich ist. Das Problem ist, wenn du einen Film machen willst, dann brauchst du Geldgeber. Deine Bücher haben Wortwitz: so machst du dir etwa Gedanken darüber, ob wir uns nicht alle etwas bei den Berner Würsteln abschauen könnten. Wie bist du darauf gekommen? Ist das ein Talent von dir?

Das entsteht während des Schreibens. Es war nicht geplant. Und dann hatte ich plötzlich 12 Kapitel vom ersten Buch. Ein Verlag ist an mich herangetreten und hat gefragt, ob ich mir das nicht vorstellen kann als Buch. Und dann hab ich nochmal 12 Kapitel geschrieben und dann hab ich schon das erste Buch gehabt. Und dann war ich eigentlich eh schon drinnen und bin draufgekommen, dass das ein eigener Style ist. Weil’s halt der Austrofred ist, der alles weiß und alles schreiben kann – und ein bisserl spötteln darf … Was macht der Austrofred, wenn er nicht im Freddie-Mercury-Gewand herumrennt? schau  23


Schreiben. Da sitze ich dann bescheiden daheim, im Jogging-Anzug, und schreib halt meine Sachen. Es ist viel Arbeit. Actiongeladen: Austrofreds Roman „Hard on!“ geizt nicht mit spannenden Momenten.

Es muss nicht immer spaßig sein: Beim ­Hintergrundgespräch lernen wir auch einen ernsten Austrofred kennen.

24  schau

Das Alter Ego vom Austrofred ist also nicht in einem anderen Beruf tätig. Warst du Queen-Fan?

Wie mich Musik begonnen hat, zu interessieren, so mit 14, hat mir Queen schon sehr getaugt. Die Achtziger waren für mich musikalisch sehr spannend. Der Freddie Mercury eignet sich für Austrofred schon sehr, weil er auf der einen Seite so überkandidelt ist und so eine markante Art hat, die man nachmachen kann. Er hat etwas Maskulines und gleichzeitig etwas von einer Ballerina. Er hatte eine starke Bühnensprache. A ­ ußerdem sind viele Queen-Nummern sehr gut in den Hirnen verankert. Was ja ganz wichtig ist, wenn die Leute zu den Konzerten kommen und die Nummern kennen. Die 30 größten Queen-Hits und die 30 größten Austropop-Hits kennt eigentlich jeder. „Radio Gaga“ erkennst du sofort am Sound. Die Rolling Stones haben auch viele Hits, aber eigentlich klingt jede Nummer relativ ähnlich. Du erkennst vielleicht, dass es eine Stones-Nummer ist, aber du weißt nicht sofort, welche. Sie sind nicht so markant wie „We will rock you“, „Bohemian Rhapsody“ oder „I want to break free“. Aber du bist schon ein Tüftler, auch an deinem Outfit. Du hast sogar deine Jogging-HighSchuhe umgebaut: die Sohle runtergenommen und tiefer gelegt.

Ja, da ist einiges an Energie hineingeflossen. Vorher war alles ein wenig dürftig, da hab ich die ­Plastikpatscherl angehabt und die langen Unter­ dezember/jänner 2013/2014


„Die Rolling Stones haben auch viele Hits. Aber eigentlich klingt jede Nummer relativ ähnlich.“ Musikexperte Austrofred

hosen. Es hat sich über die Jahre schon professionalisiert. Austrofred hat anscheinend zu allem eine Meinung, und kennt sich auch überall aus. Was für eine Meinung hat er zur Beschaffenheit der heimischen Musiklandschaft?

Österreichs Spitzen-Entertainer, Freddie-Mercury-Impersonator Austrofred hat es geschafft: Er fungiert als Hauptfigur in einem Abenteuerroman. Auf dem schmalen Grat zwischen Fiktion und Wirklichkeit dürfen ihn seine Fans und Leser im Orient-Express von Istanbul bis nach Bad Schallerbach begleiten.

Momentan eine sehr gute. Es gibt sehr viele Bands, im Gegensatz zu vor 10 oder 15 Jahren, wo es schon Genres gegeben hat, aber da waren schon die Platzhirschen drauf. Mitte der 90er: da waren alle auf der Elektronik-Schiene. Da haben’s dann alle ihre E-Gitarren eingepackt, weil’s damit nix g’rissen haben. Heute kannst du in Wien das Musikgenre machen, das du machen willst – und du wirst Auftritte bekommen. Es ist ein Zeichen der Zeit, dass alles möglich ist, weil sich jeder ein Forum findet. Früher hast halt deine Musikzeitschriften gehabt und so deine Informationen bezogen. Jetzt kannst wahrscheinlich Fan sein und brauchst dich mit nix anderem mehr beschäftigen, weil du im Internet zehn Foren dazu findest.

ISBN: 978-3-7076-0462-7, 152 Seiten, 16,90 Euro, Czernin Verlag. Auch als E-Book erhältlich.

Es wird auch beklagt, dass auf Ö3 zu wenig Musik aus Österreich gespielt wird …

tipp

„Hard on!“

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zwischen Parodie und ernsthafter Hommage, ist es halt auch so, dass man sich lustig macht über diesen Stehsatz der Austropopper, worüber sie sich ja schon seit Jahrzehnten beklagen … ­Diejenigen, die sich in einer Community durchsetzen, spielen in vollen Häusern – auch ohne Ö3-Airplay. Und es gibt andererseits auch genug Ö3-Acts, die vor 15 Leuten spielen. Für öster­ reichische Acts ist das vielleicht gar nicht so gut, wenn sie auf Ö3 gespielt werden. Das setzt sich nicht so um in den Plattenverkäufen … Hat sich für dich alles so entwickelt, wie du es dir vorgestellt hast?

Ja, es ist ein sehr guter Karriereverlauf, ein sehr gesunder. Ich weiß halt nicht, was ich in drei Jahren machen werde. Aber wie auch immer: Haupt­ sache, es ist spannend und lässig. Ich greife ja schon immer nach der Decke. Schauen wir einmal, vielleicht werden die Bücher dicker … Vielen Dank fürs Gespräch! ///

Ehrlich gesagt, verfolge ich das zu wenig. Also speziell beim Austrofred, wo das alles changiert

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Das Magazin für Genuss, Kultur & Abenteuer mit Programm für Wien, Niederösterreich und Burgenland.

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