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schaun Genuss, Kultur & ABenteuer

Heft 6/2013

www.schaumedia.at

Querdenker Gottfried Helnwein

comeback des spiesserschrecks Feine Radtouren in der Ostregion

Kleine Auszeit auf dem Drahtesel

Jetzt Auf

„Neue Zeiten“: Alles Für ein Schönes Leben

Feuersalamander

Mystische Waldbewohner neu Entdeckt anpfiff zur grillsaison

P. b. b. Verlagsort 1110 Wien / 10Z038372M

was heuer auf den rost muss

15 SEITEN EXTRA

christina stürmer Unterwegs zu neuen Ufern

Mein Herz sagt mir, was richtig ist Programm für Wien, Niederösterreich und Burgenland


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AB 06. JUNI

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Foto: österreichische post ag

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2013 juni

Als gar nicht besonders „cool“ galt der Alpinismus in den 1990er-Jahren, als sich die alte Zahnradbahn schon seit 100 Jahren umweltfeindlich dampfend auf den Schneeberg hinauf zum höchstgelegenen Bahnhof Niederösterreichs plagte. Von Einstellung war die Rede – bevor nach einem mutigen Konzept die neuen, abgas­ armen Diesel-Triebwagen im „Salamander-Design“ auf der knapp zehn Kilometer langen Strecke zum Einsatz kamen. Heute sind Naherholung und Alpinismus immer mehr en vogue: Selbst Buchautoren legen die Handlung ihrer Werke, wie am Beispiel Schneebergkrimi ersichtlich, hinauf in die Berge. Es zeigt, wie spannend es in den Erholungsräumen vor unserer Haustüre – dort, wo unsere Urgroßeltern Urlaub machten – zugehen kann. Es muss nicht immer gleich der Kilimandscharo sein Berg Heil! R. M.

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schauplätze

schautv

Christoph Berndl

auch schau gibt’s ! im Fernsehen Sie en nn kö So n ue ne s ch Österrei f Ihrem Sender augerät Fernseh empfangen.

Chefredakteur

Die nächste Ausgabe von schau erscheint am 26. Juni 2013.

So findet man schau TV via Satellit automatisch Sendersuchlauf starten, neu gefundene Sender speichern, schau TV gewünschtem Speicherplatz zuordnen.

So findet man schau TV via Satellit manuell

Wenn der Gaumen auf Reisen geht. So zaubert man Urlaubsgefühle auf den Teller: Buchtipp!

So findet man schau TV via Antenne im Raum Wien Kanal 34 DVBT W2 Service ID 1106 sowie in den Kabelnetzen von A1 TV in ganz Österreich Kabel Plus in Niederösterreich und im Burgenland

schau social Tauschen Sie sich mit Freunden, anderen Nutzern und uns über aktuelle Themen aus: facebook.com/schaumagazin

ImpressuM. schau – Magazin für Genuss, Kultur & Abenteuer. Eigentümer und Verleger: schau media Wien Ges.m.b.H., Leberstraße 122, 1110 Wien. Herausgeber: Gerhard Milletich, Rudi Mathias. Chefredakteur: Christoph Berndl. Chef vom Dienst: Alexander Grübling. Gastautoren dieser Ausgabe: Helmut A. Gansterer, Bernhard Hachleitner, Desiree Kratochwil, Alex Kristan, Paul Lohberger, Hedi Mathias, Martina Powell, Nikolaus Schrefl, Werner Schuster, Katharina Seiser, Manon Steiner, Thomas Askan Vierich. Cartoon: Rudi Klein. Lektorat: Albert Trebla. Redaktionsanschrift: Leberstraße 122, 1110 Wien, Tel: +43/1/740 32-0, Fax: +43/1/740 32-780, E-Mail: office@schaumedia.at. Anzeigen-Koordination: Monika Steiner, Tel: +43/1/740 32-733. Anzeigen­verkauf: Sabine Kejval +43/1/740 32-253. Druck: Druckerei Berger, Wiener Straße 80, 3580 Horn. Erschei­nungs­­weise: 10 x jährlich. Einzelpreis: EUR 3,90. Jahres­bezugspreis: EUR 35. Abo: d.borka@schaumedia.at. Herstellungsort: Wien. Die in den Artikeln ver­tretenen Mei­nun­gen der Autoren sind nicht u ­nbedingt identisch mit denen des He­ raus­ gebers. Veranstaltungstipps repräsentier­ en eine Auswahl des Redaktionsteams und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für die Richtigkeit der Termine: keine Gewähr.  www.schaumedia.at

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Transponder 3 Frequenz 11,244 GHz FEC 5/6 Symbolrate 22.000 Service ID 13255

Foto: Adrian Batty , Illustration: Andreas Rampitsch

Wer etwas bewegen will, muss raus aus der eigenen Komfortzone. Fangen wir klein an. Indem wir etwa wieder Verantwortung für die eigene Meinung übernehmen und Dinge oder Entscheidungen kritisch hinterfragen. Gottfried Helnwein war stets so ein kreativer Querdenker, der das auch in seiner Kunst zum Ausdruck gebracht hat. Im Interview in der Albertina hat er uns verraten, warum es so wichtig wäre zu erkennen, dass jeder von uns die Macht hat, Dinge zu verändern – mit ganz einfachen Mitteln (S. 6–10). Mit Christina Stürmer waren wir an der Alten Donau. Nach einer Auszeit ist sie jetzt mit einem neuen Album unterwegs, genießt Interviews in der Natur und erzählt uns, warum Menschen, die auf ihr Herz hören, manchmal aufpassen müssen. Wie wäre es mit einer Radtour durch Wien, in die Wachau oder rund um den Neusiedler See? Kristina Bangert – bekannt aus den „Cop­ Stories“ – macht Lust auf einen DrahteselAusritt (S. 16–22). Außerdem entdecken wir das wilde Flair des Schneebergs (S. 36–37), die mystischen Feuersalamander (S. 40–42) und heizen den Griller an: mit Emanuel Sakic, er kickt in der „Heißesten Liga Österreichs“, und Doppel-Grillweltmeister Adi Matzek ­haben wir am Fußballplatz in Simmering die Grillsaison angepfiffen (S. 72–77). Viel Spaß beim Lesen!

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Mein Herz sagt mir, was richtig ist Christina Stürmer unterwegs zu neuen Ufern

In dieser Ausgabe 16

Rauf aufs Rad: mit Kristina Bangert – Hauptdarstellerin in „CopStories“ – unterwegs auf dem Drahtesel. Plus: die schönsten Radtouren in der Ostregion.

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Der Spießerschreck ist zurück Gottfried Helnwein im großen schau-Interview

Freiheit auf zwei Rädern

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24 Des Zitrusgärtners gelber Daumen

Was heuer auf den Rost muss Das sind die Grilltrends 2013

Heimo Karner kultiviert seit 15 Jahren einen Schatz in Schönbrunn: die historische Zitrussammlung mit bis zu 180 Jahre alten Bäumen. 30 Mit Haut und Haaren dem Jazz verfallen

Porträt: Der Burgenländer Fritz Thom organisiert seit 1991 das JazzFest Wien.

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Jedes Jahr AyurvedaKur in Goa: Rainhard Fendrich privat.

32 Wer auf sein Herz hört, muss auch ein bisschen aufpassen

Was tun, wenn die Sehnsucht ruft? Dieser Frage geht Christina Stürmer mit ihrem neuen Album auf den Grund. 68 Wenn der Gaumen auf Reisen geht

Speisen richtig zu würzen, ist eine Kunst. Ein neues Buch entschlüsselt Geheimnisse rund um die geschmackvolle Kreativküche.

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88 Ich habe wirklich Angst, dass es einmal knallt

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Der Schneeberg ruft! Was die Faszination dieses wildromantischen Gebiets ausmacht

Rainhard Fendrichs Sonnyboy-Image ist nachdenklichen Facetten gewichen. Turbulente Jahre haben emotionale Spuren hinterlassen.

Kleine Auszeit auf dem Drahtesel Feine Radtouren in der Ostregion

CoverFoto: IAN EHM

schaun Genuss, Kultur & ABenteuer

eur 3,90 heft 6/2013

Alle Termine auf www.schaumedia.at/eventnavigator.html

So entgeht Ihnen nichts. Die besten Termine für Wien, Niederösterreich und das Burgenland.

AusstELLuNg

Fotos: EMBACHER-CoLLECtIoN_/Foto_: BERNHARd ANgERER

MAK

„Neue zeiteN“: Alles für eiN schöNes lebeN

feiNe rAdtoureN iN der ostregioN

KleiNe Auszeit Auf dem drAhtesel

Ab FR 14. 6.

feuersAlAmANder

AusstELLuNg

mystische WAldbeWohNer Neu eNtdecKt

Fahrrad-Raritäten.

Über 40 Fahrrad-Ikonen des 20./21. Jahrhunderts sind in dieser Ausstellung zu sehen. Exponate aus der renommierten sammlung des Wiener Architekten Michael Embacher laden zu einer Reise durch die geschichte des Kultobjekts Fahrrad, an dessen sukzessive veränderter technologie und Formgebung sich auch Innovations- und designgeschichte ablesen lassen. die 2003 angelegte EMBACHER-CoLLECtIoN® umfasst über 210 serienmodelle, unikate und Kuriositäten: von Kinder-, sport- und Freizeiträdern bis zu Nutzund Falträdern. Für die Präsentation der Fortbewegungsmittel hat Embacher eine Installation in der MAK-Ausstellungshalle entwickelt. Zu den in touR du MoNdE gezeigten Raritäten zählen einzigartige Modelle der Moulton Bicycle Company ebenso wie ein diagonale des französischen Herstellers René Herse (die topliga unter den Fahrradmanufakturen), aber auch Kuriositäten wie das schwedische Vollplastik-Rad Wilhelmina Plast von Itera oder das allradgetriebene subaru 2Wd dual Power (eine Entwicklung der Österreicher günter Kappacher und Paul Pollanka). Hochleistungsrennräder, die sportgeschichte geschrieben haben – wie das textima time trial der ehemaligen ddR-Mannschaft, das schauff Aero oder das Karbon-Monocoque Bianchi C-4 Pista – sind weitere Highlights der schau. Zur Ausstellung wird ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Workshops, talks und speziellen Angeboten für Kinder und Familien vorbereitet. Während der Ausstellung werden ausgewählte Ergebnisse des departureIdeenwettbewerbs „Cycling Affairs - smarte Ideen für Rad & stadt“ zu sehen sein (cycling. departure.at). Außerdem wird auf iPad-stationen die App „Cyclopedia“ zur Verfügung gestellt. sie zeigt 126 Räder der EMBACHERCoLLECtIoN®. W touR du MoNdE. FAHRRAdgEsCHICHtEN

Bis 6. oktober, MAK, 1., Weiskirchnerstraße 3, tel. 01/711 36-0 www.mak.at

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Mystische Waldbewohner neu entdeckt Auf den Spuren des Feuersalamanders

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christiNA stürmer uNterWegs zu NeueN uferN

meiN herz sAgt mir, WAs richtig ist

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Inhalt und Impressum Starporträt von Andreas H. Bitesnich

12 Leserbriefe 13 Cartoon von Rudi Klein 49 vorschau: Der Event-Navigator 66 klangzone 78 Garagengold 82 Waldecks Wallfahrten 92 schauschau: Hotspots & Society

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daschauher bitesnich Raus aus der Komfortzone. Im schau-Interview anlässlich seiner Retrospektive in der Wiener Albertina fordert uns Gottfried Helnwein auf, wieder selbst aktiv zu werden. Obwohl er die Welt längst in den Fängen von globalen Megakonzernen und Turbokapitalismus sieht, hätte jeder von uns die Macht, etwas zu ändern. „Hinterfragen, auflehnen und boykottieren“ lautet seine Devise.

Das Spießertum zieht immer den Kürzeren Interview von Christoph Berndl

schau: Ab 25. Mai läuft in der Albertina eine Retrospektive. Wie trifft man da die Auswahl?

Gottfried Helnwein: Das ist ein kreativer Kampf zwischen den Ku­ ratoren und mir – bis zur letzten Minute. Es geht darum, welche ­ Werke für die Ausstellung ausge­ wählt werden und wie sie gehängt werden. Wird aus dem Gesamtwerk geschöpft? Oder gibt es Werke, auf die man keinen Zugriff hat – weil sie sich etwa in anderen Sammlungen befinden?

Es ist eine Retrospektive, und wir haben versucht, so umfangreich und vollständig wie möglich meine ganz frühen Arbeiten (Aquarelle, Anm.) aber auch Aktionsfotos, Zeichnun­ gen bis zu den letzten großformati­ gen Bildern zu z­ eigen. Ich habe gelesen, dass für sie der Kunstbegriff am besten durch eine Aussage von Marcel Duchamp definiert wird: Das Wechselspiel zwischen Publikum und Künstler, bei dem jeder 50 Prozent in dieses Verhältnis 6  schau

einbringt und dann eine Spannung zwischen diesen beiden Polen entsteht – und damit auch die Kunst beeinflusst. Stimmen Sie der Deutung zu, dass sich damit auch die Werke ändern, weil auch das Publikum wechselt?

Nein, mein Programm richtet sich nicht nach dem Publikum. Ganz im Gegenteil. Aber das Publikum ist ein wichtiger Faktor für mich. Ich mache das nicht für mich. Wäre ich allein auf der Insel, würde ich nicht malen. Ich male nicht aus therapeu­ tischen Gründen. Für mich ist es ist ein Dialog. Ich richte mich an je­ manden, ich will, dass jemand meine Arbeit sieht. Das Kunstwerk ist erst beendet, wenn j­emand emo­ tional darauf reagiert, wenn es eine Reaktion auslöst, wenn es in den Köpfen der Leute irgend etwas an­ stößt. Dann ist es für mich Kunst. Versucht man auf Dinge einzugehen, die emotional im Publikum vorhanden sind?

Ich richte mich überhaupt nicht nach dem Publikum. Auch nicht nach dem Kunstmarkt. Jeder Künst­ juni 2013


Gottfried Helnwein by Andreas H. Bitesnich, 2013. Für das schau-Magazin porträtiert Bitesnich exklusiv monatlich eine Persönlichkeit. www.bitesnich.com

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hat das damals sogar verteidigt, aber dann nachgegeben. Die Bilder wur­ den nach ein paar Tagen entfernt. Es gab aber auch Ausstellungen, wo meine Bilder überklebt wurden. In Mödling ließ der Bürgermeister meine Bilder von der Gendarmerie beschlagnahmen. Ich wurde auf alle möglichen Arten bekämpft. Einige Bilder von mir sind im „profil“ er­ schienen. Das hat dazu geführt, dass viele ihr Abonnement gekündigt ha­ ben. Das war der Anfang, aber ich stoße heute noch auf Gegenwind. Obwohl das nie meine Absicht ist. Mittlerweile habe ich mich daran ge­ wöhnt.

ler muss seine Aufgabe herausfinden. Die Kriterien dessen, was er macht, kennt nur der Künstler. Das erwarte ich von jedem anderen bedeutenden Künstler. Dass er originär ist und dass er etwas hervorbringt, das überrascht. Es muss einzigartig sein. Leute, die ko­ pieren, gehören nicht dazu. Kunst kann auch überfordern. In Ihrem Werk war es immer so, dass es auch durchaus heftige Diskussionen gab. Ist das etwas, das sie begrüßen?

Relevante Kunst wird immer über­ fordern – Gott sei Dank. Wenn diese Künstler nicht wären, die skru­ pellos uneingeschränkt ihre State­ ments machen und damit das Spie­ ßertum aufschrecken, dann würde alles erstarren. Es muss ästhetische Unruhestifter geben, die für Auf­ regung sorgen. Spießer wollen keine Veränderung, denn Veränderung löst Panik aus. Künstler stehen aber nur für Veränderung. Das ist das einzige, was ein Künstler tun kann. Um etwas verändern zu können, im positiven Sinne, muss man die Komfortzone verlassen …

Das ist so, als ob man in einen Hüh­ nerstall hineinschießt. Das muss man von Zeit zu Zeit machen. Dann 8  schau

gibt es eine große Aufregung, alles gackert und flattert herum, aber das legt sich dann wieder. So wie Wassily Kandinsky gesagt hat: Jedes Kunst­ werk wird immer Schock und Aufre­ gung verursachen. Die erste Reak­ tion des Bürgertums ist, es zu bekämpfen und zu vernichten. Aber das Spießertum zieht immer den Kürzeren gegen große Kunst. Und dann kippt die Gesellschaft immer ins Gegenteil: Anbetung. Sie fallen auf die Knie und beten das Kunst­ werk an. Sie errichten eine Mauer drumherum und nennen es Mu­ seum. Und Kandinsky sagt auch: In dem Moment ist die Kunst aber schon wieder einen Schritt weiter. In den 70er-Jahren gab es im Pressehaus einen Aufruhr, Ihre Werke mussten vorzeitig abgehängt werden. Wie geht es Ihnen im Vergleich dazu heute? Fallen die Reaktionen milder aus?

Alles ändert sich. Meine ersten Ar­ beiten haben für große Aufregung gesorgt. Es wurden Ausstellungen abgesagt oder abgebrochen. Damals im Pressehaus kam es zu einem Sturm der Entrüstung – von Journa­ listen vor allem. Und es hat in Streik­ drohungen geendet, um diese Bilder verschwinden zu lassen. Kurt Falk

Selbstporträt (Blackout), 1982, Aquarell auf Karton.

info

Gottfried Helnwein, Retrospektive Albertina Wien, 25. Mai bis 13. Oktober 2013. Anlässlich seines 65. Geburtstags widmet ihm die Albertina die ­bisher größte Retrospektive im deutschsprachigen Raum. Gezeigt werden 150 Arbeiten aus allen Werkphasen. www.albertina.at www.helnwein.com

Was Wahnsinn und Grausamkeit be­ trifft, wird Kunst immer von der Re­ alität überholt. Es ist auch gar nicht die Absicht der Kunst, damit zu kon­ kurrieren. Die Menschheitsge­ schichte ist auch eine Geschichte der Grausamkeit und des Wahnsinns. Das ist heute noch so, nur heute ist es besser kaschiert. Der dritte Welt­ krieg hat doch schon längst begon­ nen: Flächenbombardements, Gift­ gas, der Friedensnobelpreisträger im Weißen Haus schickt Drohnen, um Leute abzuschlachten. Und damit hat offensichtlich niemand ein Prob­ lem. Die Annäherung an das Unbe­ greifliche und den Wahnsinn wird am ehesten durch die Kunst über­ haupt erst ermöglicht. Die Kunst ist auch das einzige Gegenmittel dazu. Denn Kreativität ist das Gegenteil von Destruktion. Kunst hat das un­ glaubliche Potenzial, alles zu durch­ dringen. Kunst kann jedes Regime, egal wie viele Panzer es hat, aufwei­ chen und zerstören. Literatur, Musik, Malerei sind gefährlich für jene Leute, die totale Unterdrückung wollen. In der Akademie haben Sie einmal aktionsmäßig einen Feueralarm inszeniert. Steckte in Ihnen immer schon der Revoluzzer?

Damals war mir sehr nach Aufstand. Ich habe in meiner Jugend nur von Revolution geträumt, denn Wien war damals sehr repressiv. Über der Stadt hing immer noch der Geist des 1000-jährigen Reichs. Meine Elternge­ neration war verantwortlich für das größte Verbrechens in der Mensch­ heitsgeschichte. Und Wien war ent­ juni 2013

Fotos: Christian Baha, zürich/VBK Wien 2013, privatsammlung/Vbk wien 2013 (2), sammlung christian baha/vbk wien 2013 (2)

Heutzutage passieren unglaubliche Dinge. Werden Sie manchmal von der Realität überholt?


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nstlers Porträt des Kü ab 3. 6. auf:

sprechend intolerant, es herrschte ein Zum Thema Comic: Bambi zählt grauenhaftes Klima. Rebellion schien zu ihren Lieblingsfilmen … damals die einzig mögliche Reaktion … es ist der Lieblingsfilm meiner En­ zu sein. Das erklärt vielleicht auch die kelin, deswegen habe ich ihn schon sehr radikale österreichische Kunst, 100 Mal gesehen (lacht). Ich halte die sehr aggressive Formen gefunden Disney für eines der größten Genies. hat, etwa im Wiener Aktionismus. Walt Disney und Picasso waren die Dieses Klima ließ uns keine andere beiden großen künstlerischen Ge­ Chance. Jede Kunst ist immer auch stalter des 20. Jahrhunderts. Beide eine Antwort auf den Zustand einer haben auf ganz unterschiedliche Gesellschaft, eine Reaktion darauf. Weise gigantischen Einfluss genom­ Jede Gesellschaft kriegt die Kunst, die men, der auch heute noch zu spüren ist. sie verdient. Sie leben jetzt in Irland und Los Angeles. Wie ist es, jetzt nach Wien zurückzukommen?

Disney lebt vom Abtauchen in Phantasiewelten: Wird das immer wichtiger?

Es ist gut für mich, an verschiede­ nen Orten zu leben. Man verliert so die klare Sicht nicht. Aus der Dis­ tanz kann man Zustände manchmal besser beurteilen, als wenn man zu nah dran ist. Wien hat heute ein viel freieres Klima, es ist wieder zu einer Weltstadt geworden. Schade finde ich nur, wie hier in den letzten Jah­ ren die Dachlandschaft zerstört wird. Internationale Spekulanten kaufen alles auf. Architektur ist ein ganz wichtiger Teil der Kultur, und die wird mit unpassenden, asymmetri­ schen Gebilden, die man oben auf die Häuser stülpt, vernichtet. Das finde ich schade. Auch wenn Ba­ rockhäuser entkernt werden und ir­ gend ein Yuppie--Architekt irgend eine Scheiße hineinbaut – da blutet mir das Herz.

Das wird immer wichtig sein. Kunst ist eine Alternative zur physikali­ schen Welt, die begrenzt ist und schmerzt. Novalis sagt: Kunst heilt die Wunden, die der Verstand schlägt. Viele sehnen sich heute wieder nach Entschleunigung. Sind Sie jemand, der die Natur liebt?

„Was Wahnsinn und Grausamkeit betrifft, wird Kunst immer von der Realität überholt.“

umedia.at/ www.schahe ml mensc n.ht

Gottfried Helnwein

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Gott sei Dank gibt es auch eine Be­ wegung, die gegen den Raubbau vorgeht. Es sieht derzeit nach ei­ nem aussichtslosen Kampf aus. Monsanto und andere MonsterKonzerne haben ein eindeutiges Ziel: das weltweite Monopol auf Saat zu bekommen, die keine neue Saat hervorbringt und die Vielfalt unserer Pflanzenwelt zu vernichten.

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3 Von oben: 1. Pink Mouse, 2011, Öl und Acryl auf ­Leinwand. 2. Epiphanie (Anbetung der Könige 3), 2013, Acryl auf Leinwand. 3. The Disasters of War 3, 2007. Bild links: Andy Warhol, New York, 1983, Silbergelatine-Abzug. 2013 juni

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Gottfried Helnwein über die kalifornische Metropole

Das halbe Weiße Haus besteht aus Ex-Monsanto-Leuten. Die andere Hälfte sind Banker. Es ist eine Tatsa­ che: Der Kapitalismus hat gewon­ nen. Die Macht, die diesen Planeten regiert, ist der Superkapitalismus. Es gibt keine Demokratien, es gibt nur Oligarchien. Internationale Groß­ konzerne und Banken kontrollieren Regierungen und bestimmen, was läuft. Die Länder der EU sind dabei ihre Souveränität zu verlieren– und niemand bemerkt es. Zurück zur Natur: Ist das für Sie ein Ort der Kraft?

Ja, aber ich liebe auch das Urbane. In Los Angeles habe ich einen Logen­ platz, um live mitzuerleben, wie die westliche Zivilisation sich selbst zer­ stört. Als Gegenpol habe ich Irland, wo ich auf dem Land inmitten unbe­ rührter Natur lebe. Dort sehe ich nur Wälder, Schafe und Kühe. Das ist mir sehr wichtig, das brauche ich. Gibt es Ausstiegsszenarien zum Kapitalismus?

Es passiert viel zu wenig. Der Turbo­ kapitalismus gewinnt. Die korrup­ ten Politiker in Brüssel sind umzin­ gelt von unzähligen Lobbyisten fest in der Hand großer Konzerne. Die Gegenwehr müsste also aus der Masse kommen?

Von oben: In the Heat of the Night, 2000, Öl und Acryl auf Leinwand. Kindskopf (Anna), 2012, Öl und Acryl.

Gipfeltreffen in der Albertina: Andreas H. Bitesnich, Gottfried Helnwein, schau-Chefredakteur Christoph Berndl (v.li.).

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Die Menschen müssten sich wehren, sie hätten auch die Macht. Der Kon­ sum funktioniert nur, wenn sie daran teilnehmen. Man müsste sich weigern, die ganze Scheiße, die genmanipuliert und voll mit Chemie ist, zu kaufen. Man müsste auf Bio-Waren bestehen und alles ablehnen, was mit Giftstof­ fen und Chemie in Berührung ge­ kommen ist.

Warum sind die Leute so schwer davon zu überzeugen?

Man hat die Menschen mit Über­ fluss überschwemmt. Alle Diktatu­ ren der Vergangenheit hatten eines gemeinsam: Mangel, Hunger. Hungrige Leute sind gefährlich. Aber wenn man übersättigt ist, dann wird man apathisch. Deshalb wird es auch keine Revolution geben. Das ist vorbei. Wenn man an die Au-Besetzung denkt: Es müssen nur genug Leute aufstehen und sich ge­ gen etwas wehren. Wenn man der Politik und Großindustrie freie Hand lässt, würden wir alles verlie­ ren. Dann gäbe es heute auch keine Au mehr. Man muss Autoritäten ge­ genüber immer misstrauisch sein. Man muss sich wehren. Aber es gibt auch positive Ausnahmen, Landes­ hauptmann Pröll etwa. Er will Nie­ derösterreich innerhalb von drei Jahren auf grüne Energie bringen. Das Burgenland ist ja jetzt schon energieautark. Kleinere Einheiten können das durchsetzen, wo die große Politik versagt. Small is the new big?

Ja, das beweist auch Arnold Schwar­ zenegger mit seiner globalen Klima­ initiative Region20. Vielen Dank fürs Gespräch!  ///

zur person

Gottfried Helnwein wurde am 8. Oktober 1948 in Wien ­ eboren. Sein Vater war Postbeamter. g Nach dem Besuch der Höheren Graphischen Bundes-, Lehr- und Versuchsanstalt studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Seine Arbeiten machten ihn zu einem der bedeutendsten deutschsprachigen Künstler der Nachkriegszeit. Sein Schaffen war aber immer heftig umstritten. Vor allem seine Darstellungen „malträtierter Kinder“ sorgten für teils heftige Reaktionen des Publikums. Helnweins Werk umfasst vielfältige Arbeiten – vom John F. Kennedy-Bild am Cover des Time-Magazine über Fotosessions mit Andy Warhol bis hin zur Mickey Mouse, die er mit einem diabolischen Grinsen auf Leinwand bahnte. Gottfried Helnwein lebt heute abwechselnd in seinem Schloss in ­Irland und in Los Angeles. www.helnwein.com

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Fotos: privatsammlung/vbk wien 2013, sammlung christian baha/vbk wien 2013, alexander grübling

„In Los Angeles habe ich einen Logenplatz, um live mitzuerleben, wie die Erde vernichtet wird.“


20. März bis 8. September 2013

In Partnerschaft mit:

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit:

Dorotheergasse 11, Wien 1 · So – Fr 10 – 18 Uhr · www.jmw.at

Fotocredits: Sacha Baron Cohen – Der Diktator (Photofest-Paramount), Billy Wilder mit Jack Lemmon und Barbrara Streisand (Östereichisches Filmmuseum), Zeichnung Valeska Gert von Hirschfeld (Deutsches Kabarettarchiv), Postkarte Menachem Birnbaum und Zeichnung Jüdischer Spaßmacher, – (JMW), Karl Farkas (© US-Information Service), Foto Meschugge ist Trumpf (JMW), Helmut Qualtinger und Gerhard Bronner (Deutsches Kabarettarchiv); Sujet: LANDSIEDL & AKDOGAN, Pedro Salvadore


leserschau



Was denken Sie? Hier ist Platz für Ihre Meinung: Anregungen und Kritik, aber gerne auch Lob bitte an office@schaumedia.at oder per Post: schau-Magazin, Leberstraße 122, 1110 Wien. Im Mai entdeckten wir Urwälder vor unserer Haustür und beleuchteten die Hainburger Au-Besetzung 1984. Ein Thema, das viele unserer LeserInnen bewegte.

Friedrich Letz, „Der Zauberberg“, Farblichtvariation

schlägigen, seriösen Experten, die auch medial auftraten. Nach diesem Muster liefen auch andere Umweltak­ tionen (1978 Zwentendorf und 1984 Hainburg) ab. – Die Redaktion. vielen ich hundertwasser war einer von Kämpfer für die Natur: Friedensre des Naturjuwels gesichert haben. Aubesetzern, die damit die Erhaltung

zur das fließenden Donauabschnitte Folge gehabt hätte, gingen die erserste offizielle Naturschutzgebiet deten aktivisten auf die Straße, um zu klariert, heute Teil des Yosemite-Naprotestieren. Erfolglos. Ende 1984 tionalparks. Wenige Jahre später wurden die Vorbereitungsarbeiten folgt der weltweit erste Nationalpark zum Bau des Kraftwerks in Gang mit Yellostone. Für die meisten Ösgesetzt. Doch mit den Baumaschiterreicher war Naturschutz damals nen setzte sich auch die Protestbenoch so fremd wie amerika. allerwegung in Bewegung. Noch im Dedings nicht für den Journalisten Jozember desselben Jahres besetzten sef Schöffel. Der kämpfte ungefähr hunderte aktivisten die au über zur selben Zeit, von 1870 bis 1872, Nacht und rückten nicht mehr von des Erhaltung die um energisch der Stelle. Dabei kam es nicht nur Wiedes retter „Der Wienerwaldes. einmal zu heftigen auseinandersetnerwaldes“, wie er seitdem genannt zungen mit der Polizei. Insgesamt wird, schrieb damals für das „Neue haben sich ca. 4.000 Menschen an Wiener Tagblatt“ und informierte der Protestbe wegung beteiligt – darin über die geplante abholzung diesmal mit Erfolg: nicht zuletzt des Waldes. Er erreichte damit grödeshalb, weil auch einige Promißere Teile der Bevölkerung und vernente wie Künstler Friedensreich rodung. die hinderte Hundertwasser (Bild oben) selbst als Begründer des österreichischen dabei waren. auch die „Kronen Zeianein Naturschutzes gilt allerdings tung“ trug die Protestaktion mit er. derer Mann: Günther Schlesing und so konnten weite Teile der BeEr gründete 1913 den Naturschutzvölkerung erreicht werden. Schlussbund Österreich. Danach kam der endlich wurden die begonnenen Stein langsam ins rollen: 1924 rodungsarbeiten kurz vor Weihwurde das erste Naturschutzgesetz nachten eingestellt. unter anderem und erlassen terreich Niederös in durch das Konrad-Lorenz-Volksbeeurschutzg reichsnat das 1939 galt gehren – das von über 350.000 setz erstmals für ganz Österreich. Menschen unterzeichnet wurde – zum allerdings sollte es noch bis und die WWF-aktion „rettet die Jahr 1981 dauern, bis der erste Natiauen“ wurde der Bau des Kraftonalpark Österreichs mit dem Nawerks schließlich verhindert. turschutzgebiet Hohe Tauern geIn Jahr 1996 wurde schließlich der gründet wurde. und dann kam einng Nationalpark Donau-auen, 1984: Die Hainburger aubesetzu schließlich der Hainburger au, geMein wichtigste der einer war wohl gründet. Mittlerweile sind in Österlensteine für die Geschichte des Nat 16 Prozent der insgesam reich verund turschutzes in Österreich Bundesfläche streng geschützt. Darantwortli ch für dessen weitere über hinaus gibt es derzeit sechs Entwicklung. Schon als 1982 die Nationalparks, die den BedingunBaubewilligung für das Donaukraftgen der Welt-Naturschutzunion werk Hainburg bekannt wurde, das (IuCN) entsprechen. die Zerstörung einer der letzten frei

1864: In Kalifornien (uSa) wird

bürger-widerstand

FoToS: MATThIAS SChICKhoFEr

, WWW.PICTUrEDESK.CoM

Umwelt bewegt Selbstverständlich verdient „Hainburg 1984“ permanent Beachtung. Seitens der Politik war und ist es schäbig, dass die Verhinderung der Brücke über den Neusiedler See – die Vorarbeit für die Gründung des Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel/ Weltkulturerbe – ignoriert wurde und wird. Gewiss: Der (mehrjährige) Kampf war nicht plakativ; entscheidend war vor allem auch die kompetente „Schreibtischarbeit“. 19 Meine Frau, Klara Köttner-Benigni, ist Mehrfachpionierin. Klara ist inzwischen 85 und seit 2010 an den Rollstuhl gebunden. schau

15.04.2013 15:54 Uhr

Arbeits-­ sklaven? Als Arbeitssklaven sind Ausländer wohl recht. Warum ihnen nicht auf Augenhöhe begegnen? Das Ausweichen auf die Sklaven und Knechte verschleiert das wahre Problem: Eigentlich müssten die Löhne in den Mangelberufen angehoben werden. Und eigentlich müsste das AMS gezielter in diesen Berufen vermitteln. Und eigentlich müsste auch das Bildungswesen – Stichwort: AHS-Ausbildung für alle? – darauf eingehen. Paul R., per E-Mail

Wie viele Ausländer braucht das Land? Fakt ist: Ohne Ausländer geht es nicht. Mit ihnen tun wir uns aber auch nicht immer leicht. Die Kunst ist wohl, den goldenen Mittelweg zu finden, was den Zuzug anbelangt. Das sollte – im Hinblick auf den sozialen Frieden – eins der obersten Ziele der Politik sein.

Walter Benigni, Eisenstadt

Clemens Gruber, per E-Mail

Hintergrund: 1971 sammelte sich am Neusiedler See Österreichs erste Umwelt-Bürgerinitiative. Der Grund: Die B52 sollte von Eisenstadt über Rust und Mörbisch nach Illmitz und St. Andrä führen und dabei den Neusiedler See queren. Mit einer Länge von 3,5 Kilometern war damals der Bau der längsten Brücke Mitteleuropas geplant. Die Schriftstellerin Klara Köttner-Benigni wollte das nicht hinnehmen und initiierte ein europaweites Netzwerk aus renommierten Wissenschaftern, aber auch Medien. Der Protest fußte auf ein-

In unserer letzten Ausgabe ließ Klaus Eberhartinger im Interview auf­ horchen. Seine Meinung zum Thema Integration: „Wir hätten ein großes Ausländerproblem, wenn’s bei uns keine Ausländer gäbe – dann hätten wir in manchen Sparten eine feste Unter­besetzung und würden ganz schön blöd schauen.“ Das Echo auf das Eberhartinger-Interview war groß. Stellvertretend für die vielen Zuschriften haben wir die beiden obigen abgedruckt. – Die Redaktion.

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FotoS: Friedrich Letz

integration

Kampf für die Natur

ungewöhnliche Einblicke

Zauberberg Als ehemaliger Bratschist der Wiener Symphoniker interessierte mich immer auch die Fotografie. In meinen Fotobildern wollte ich die leuchtenden Farben der Musik hineinkomponieren. Vor zwei Jahren fand ich einen kleinen Glasberg, einen Briefbeschwerer: sehr klein, weiß durchsichtig, den ich mit farbigem Licht beleuchtete. Nach langen Versuchen gelang mir Besonderes: ich kann den ­Farblichtstrahl exakt auf das Objekt richten – daher gibt es keinen breiigen „Farbenklatsch“. Man sieht rätselhafte Gebilde und noch nie gesehene Farbkompositionen. Jedes Bild ist anders. Bis jetzt habe ich fast 300(!) Fotos gemacht. Es wäre für mich ein Erfolg und eine Förderung, wenn Sie ein, zwei Bilder im vielseitigen und interessanten schau-Magazin veröffentlichen könnten. P.S.: So einfach ist das – mein Geheimnis – mit 81 Jahren. Friedrich Letz, Wien

Auch wir von schau erliegen immer wieder der Faszination und Inspiration der Bergwelt. Vielen Dank für das ungewöhnliche Motiv und weiterhin viel Freude beim Fotografieren! – Die Redaktion.

erratum

schau TV-Programmchef Rudolf Mathias gibt letzte Tipps für die aktuelle Sendung.

Sorry, Zanna!

„Wohnlust“ auf Hausbesuch: Susanna Sitzmann-Piazza und Vannessa Rausch philosophieren übers Wohnen.

„Sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken: Ich will die Zuseher animieren, das Thema Wohnen mit allen Sinnen zu erleben.“ Vannessa Rausch präsentiert „Wohnlust“ auf schau TV

Leider ist uns in der letzten Ausgabe ein Missgeschick passiert: Im Rahmen des Sendungsporträts des neuen schauTV-Formats „Wohnlust“ haben wir den Namen der porträtierten Gastgeberin falsch geschrieben. Sie heißt natürlich Zanna Sitzmann. Wir bedauern den Fehler! – Die Redaktion.

heute auf dem Prüfstand und wir werden an einer Haltungs- und Verhaltensänderung nicht vorbeikommen. Es sollte also der Anspruch eines jeden guten TV-Formats sein, ein breites Publikum für das Thema zu begeistern und komplexere Zu-

Genuss lässt sich in Geld kaum aufwiegen, hier ist er noch leistbar. Prominente und Häuselbauer

Außerdem besucht das „Wohnlust“Team interessante Persönlichkeiten

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klein(e) rundschau

Die Zweitmeinung von Rudi Klein Illustration: Rudi Klein

Fortbewegung in gebückter Haltung, wundgeriebene Körpersitzflächen und sinnloses Gepumpe werden anscheinend durch diverse Glückshormone und der Erlaubnis, eine Klingel bedienen zu dürfen, mehr als wettgemacht. Anders ist wohl der Siegeszug des Zweirades mit Fußantrieb kaum zu erklären. Für die Erdbevölkerung hat das durchaus Vorteile. Einerseits ergibt das eine Reduzierung des Schadstoffausstoßes, andererseits atmen Radfahrer die schädlichen Stoffe der motorbetriebenen Vehikel weg. Das Überlegenheitsgefühl der Radler ist aber völlig unangebracht. Denn der Prozentsatz von Idioten unter ihnen entspricht exakt dem anderer Verkehrsteilnehmer.

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schaufenster

Bewegung, Freizeit und Genuss: In Wien tut sich täglich was. Wir sind für Sie unterwegs und stellen Brandneues vor. Die Auswahl im ­„Kaffeehaus am Ring“ ist umfangreich.

Handgefertigt

Kaffeehauskultur am Finger Andrea Steinhauser stellt ihre handgefertigte Schmuck-Serie ­„Kaffeehaus am Ring“ in ihrem Wiener Atelier her. Die süßen ­Elemente der „Karte“ bzw. der Serie sind z.B. Wiener Melange, Tee mit Zitrone, Sachertorte, Gugelhupf, Erdbeeren mit Schlagobers oder diverse Rouladen. Aber auch für Liebhaber der pikanten ­Küche ist etwas dabei: Kaviar, Wiener Frühstück, Brettljause, Frankfurter Würstel, Salate, Wiener Schnitzel und Antipasti. Das macht Gusto auf mehr. Die Miniaturköstlichkeiten sind auf Ringen, Ohrringen, Ohrsteckern, Ketten und Broschen verarbeitet. Andrea Steinhauser fertigt auch schmucke Pralinen, textile Keramik und eine Geschirr-Serie aus Porzellanguss. „Kaffeehaus am Ring“ Designerin Andrea Steinhauser www.andreasteinhauser.com

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re­cy­celn

Schmucke Skateboards Bei Goldschmiedin und Schmuckdesignerin Alexandra Gasteiger liegt Holz in der Familie: der Vater ist Tischlermeister, die Brüder sind Holz- und Metallkünstler und der Freund ist Skateboarder. Die Idee für ihr Label „SQRL“ war ­geboren: aus alten Skateboards werden ­innovative Ringe, Ketten, Gürtel, Ohrringe und Armreifen gestaltet. Produziert wird in ­liebevoller Detailarbeit im Atelier im 6. Bezirk. Skateboards haben wunderschöne farbige Schichten. Jedes Stück ist ein Unikat. Die aktuelle Kollektion heißt „Die Geschichte der geschichteten Schichten“. SQRL/Alexandra gasteiger 6., Windmühlgasse 9 Tel: 0699/195 398 87 www.sqrl.at

Wellness-Frische aus der Dose Wer auch im Sommer nicht auf Teegenuss ­ erzichten will, greift am besten auf das erfriv schende und koffeinfreie Bio-Getränk zurück. Bei diesen originellen Früchtetees handelt es sich um Mischungen aus Frucht- und Pflanzenstücken. Die Geschmacksrichtungen bewegen sich von exotisch bis beerig. www.lov-organic.com

Fotos: dominik simm (2), sqrl (2), lov organic (4), meinrad

 meinrad

Viele alte Räder sind zu schade, um sie ­ infach vergammeln zu lassen. Und der e Rahmen passt ja meistens noch so gut. Einfach das alte Rad bzw. was noch davon übrig ist, zu „Meinrad“ bringen. Dort wird es sorg­fältig zerlegt und ein- oder mehr­ farbig nach den individuellen Vorstellungen professionell ­lackiert. Dann erstrahlt der alte Stahlrahmen in neuem Glanz. Auf Wunsch können auch Grafiken oder Logos angefertigt werden. Die unersetzbaren und noch funktionierenden Teile werden wiederverwendet. Alle technischen Arbeiten werden von der CICLOPIA Fahrradwerkstatt gemacht. Egal ob Singlespeed, Fixie, Rohloff oder Kettenschaltung. Alles nach persönlichen Vorstellungen. Meinrad bei Ciclopia 6., Stiegengasse 20 www.meinrad.org

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Der Sommer ist da, draußen scheint die Sonne, die Vöglein zwitschern und wir hocken trotzdem meistens zu Hause, oder im Büro. Da gibt’s nur eine Lösung: Ab aufs Rad, um wenigstens auf dem Weg zur Arbeit Sonne, Luft und Freude zu tanken! „CopStories“-Hauptdarstellerin Kristina Bangert zeigt, wie es geht. Plus: Die schönsten Radtouren in der Ostregion.

schau Onhrlinrae dtipps

d Fa Radtouren un ab 1. 6. auf:

umedia.at/ www.schat.h spor tml

schmaThuemta inv

Zu , schau Aktuell :30 Uhr am 13. 6. um 18 pfang Infos zum Em auf Seite 4.

Freiheit auf zwei Rädern text von Manon Steiner und alexander grübling, Fotos: ian ehm vielen dank an ciclopia.at

zur person

Kristina Bangert wurde in Wien geboren und fährt selbst so oft es geht mit dem Rad. Seit 2006 ist sie Mitglied im Wiener Bernhard Ensemble. Im Rahmen des Festivals „Out of Control“ hat sie vor Kurzem einen Sprechpart in einer zeitgenössischen Oper übernommen. Im Moment dreht sie die zweite Staffel von „CopStories“, wo sie Chefinspektorin Helga Rauper spielt.

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Hunderte Radexperten aus der ganzen Welt auf einem Haufen, überall wimmelt es von Drahteseln, mehr oder weniger spärlich bekleidete Damen führen die neueste Mode vor – auf dem Fahrrad. Filmnacht bei der Votivkirche – in der Hauptrolle: das Fahrrad? Nein, es handelt sich hier weder um eine Spezialvorführung von Thomas Brezinas „Tom Turbo“, noch ist es der Plot für eine skurrile Komödie – auch nicht für einen Horrorfilm. Ob man will, oder nicht: von 8. bis 15. Juni verwandelt sich Österreichs Hauptstadt in ein Paradies für Fahrradfans. Selbst wer geschworen hat, sich niemals auf einen Sattel zu setzen, wird hier wohl schwer mit sich – oder motivierten PromotorInnen – zu kämpfen haben. Denn im Juni wird sich die Stadt Wien so richtig ins Zeug legen, um auch den größten Fahrradmuffel aufs Bike zu locken. Ansporn dabei ist unter anderem die „Velo City Konferenz“, die heuer zum ersten Mal in Wien ausgetragen und über 1.000 internationale Radprofis und Experten in die Stadt locken wird, um übers Radfahren zu philosophieren und zu „wissenschaftlern“. Bereits seit Mitte

April gibt es zahlreiche Veranstaltungen, so zum Beispiel die Aktion „mein bike2help“, bei dem man nur durchs Radfahren soziale Projekte unterstützen kann. Auch den Radlern selbst wird einiges geboten: man kann an Kursen und Ausflügen teilnehmen, Service in Anspruch nehmen, Räder ausprobieren und sogar drahtige Gefährten gewinnen. Auf diese Weise will Wien den Bewohnerinnen und ­Bewohnern das Radfahren schmackhaft machen. Radbeauftragter M ­ artin Blum dazu: „Infrastrukturmaßnahmen sind erforderlich, an­ derer­ seits auch Bewusstseinsbildung – das Image des Fahrrads soll aufgebessert werden. Manchmal braucht’s einen kleinen Anstoß.“ Das Comeback

Aber eben nur manchmal – wie gut Radfahren schmecken, fühlen und sogar riechen kann, das weiß Schauspielerin Kristina Bangert: „Was ich super find, sind Sommernächte am Fahrrad. Es gibt fast nichts Schöneres, als wenn man im Sommer ausgegangen ist und in der Nacht am Fahrrad heimfahren kann. Es ist einjuni 2013


Rad-Adressen Kristina Bangert fährt am liebsten dann, wenn „weniger Verkehr und Lärm ist. Da spürt man einfach mehr“.

Neusiedl am See Service und Verleih:

Fahrräder Bucsis, Verleih am Bahnhof, T: 02167/20790 oder 0664/160 88 00, www.fahrraeder-bucsis.at Hotel Wende, Seestraße 40, T: 02167/8111, www.hotel-wende.at Bahnhof/Bad, Bezirkshauptmannschaft, Post, Strandbad Mole West, T: 01/3190254

Podersdorf am See

Radsport Waldherr, Hauptstraße 42, T: 02177/2297 Radverleih Erwin, Katharinenweg 2, T: 02177/2373 Fahrradprofi Strudler, Satzgasse 22, T: 0664/3551264

Rust

Johann Schneeberger, Rathausplatz 16, T: 02685/6442 Hannes Schreiner, Kirchengasse 4, T: 02685/6836

Wien

Alles zum Radfahren in Wien: www.wien.gv.at/verkehr/radfahren

Praterstern

Radverleih Hochschaubahn 1020 Wien, Prater 113, bei der Hochschaubahn www.radverleih-hochschaubahn.com

Fahrradverleih Prater

1020 Wien, Prater Parzelle 94 (gegenüber der Liliputstation Riesenrad) www.fahrradverleih-prater.at

enzovelo

Spittelauer Lände 11 1090 Wien T: 01/310 05 45 E-Mail: office@enzovelo.at

Service

Intersport Eybl Megastore 1150 Wien, Mariahilfer Straße 138 (5 min zu Fuß vom Westbahnhof) Citybikes zum Beispiel bei: Mariahilferstraße / Ecke Kollergasse

Krems

Verleih: Aichinger KG Hohensteinstraße 22a T: 02732/82 876 www.zweirad-aichinger.at

Service auf der Strecke Emmersdorf: Firma Ing. Johann Drachsler GmbH, Schallemmersdorf 1, T: 02752/70 004 Spitz: Kaufhaus Gurtner, Hauptstraße 26, T: 02713/23 17

Radkarten Wien:

Wiener Planungswerkstatt/Stadtinformationszentrum: 1., Friedrich-Schmidt-Platz 9 Planungsauskunft Wien: 1., Rathausstraße 14–16 Mobilitätsagentur: 1170 Wien, Lienfelderg. 96 Bürgerdienst in Bezirken magistratische Bezirksämter

Burgenland

eine interaktive Radkarte gibt es unter www.burgenland.info

interaktiver Routenplaner und Tourempfehlungen unter rad.niederoesterreich.at und www.radland.at/ radrouten-in-niederoesterreich

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fach entspannend und friedlich. Ganz in der Früh ist es auch extrem schön. Das kann man ganz schwer beschreiben. Das riecht man irgendwie. Weil weniger Verkehr und Lärm ist, spürt man einfach mehr.“ Vor allem als die Schauspielerin noch im 7. Bezirk gewohnt hat, ist sie viel mit dem Rad gefahren. Auch jetzt schwingt sie sich – wann und wo es geht – auf den Sattel.

„Es gibt fast nichts Schöneres, als wenn man im Sommer ausgegangen ist und in der Nacht am Fahrrad heimfahren kann.“ Kristina Bangert

Mit ihrer Begeisterung steht Bangert ganz und gar nicht alleine da. Wie diverse Rock’n’Roll-Evergreens feierte auch das Rad in den letzten Jahren ein Comeback und geht wieder auf Tour. Denn nachdem das kompakte Vehikel nach dem 2. Weltkrieg im Automobil einen starken Konkurrenten bekam und wie ein abfällig belächeltes One-HitWonder beiseite gelegt wurde, kam Anfang der 1990er-Jahre die lang ersehnte Wiedervereinigung von Rad und Mensch – vermutlich gerade wegen dem Auto. Zu viele Autos

Bis heute ist der Autoverkehr am ständigen Zunehmen: man verbringt oft Stunden im shopping-route-hm-1.pdf 1 keinen 16.05.2013 Stau, dann findet man Parkplatz, und Benzin wird auch immer teurer: „Es sind einfach zu viele Autos da. Wir leiden alle darunter. Der Mensch ist durch das Auto ein gehetztes Wesen geworden“, kritisiert der Soziologe und selbsternannte Vagabund Roland Girtler. Immer schon durchreiste er die

Tour 1 MichaelerHelden-platz platz

Stadtpark erg MQ telb Spit

Westbahnhof

Karlsplatz

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Schlossquadrat

Margaretenplatz

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Heute sieht man das natürlich anders. Hinzu kommt ein größeres Körperbewusstsein. Radfahren ist eine gute Möglichkeit, im Alltag Sport zu betreiben und fit zu bleiben. Außerdem entkommt man so dem unfreiwilligen Körperkontakt in der sommerlichen „Sauna“U-Bahn. Oder Schimpftiraden im Stau am Ring oder sonstwo. Da kann man ja eigentlich nur begeistert sein: „Ich glaub, viele Leute würden den Tag anders beginnen, wenn sie mit dem Rad in die Arbeit fahren würden. Man ist entspannt, man hat sich bewegt, man ist locker. Das sind Dinge, die den Alltag erleichtern können“, meint Kristina Bangert. Eine ähnliche Einsicht müssen wohl schon andere gehabt haben, denn immer mehr Leute in Österreich verwenden das Rad im Alltag. Allein in Wien werden sechs Prozent der täglichen Wege mit dem Bike zurückgelegt. Ziel sind zehn Prozent, so Blum: „Das Radl nimmt einen stärkeren Anteil auf dem Weg in die Arbeit ein und wird vielfältiger. Es fahren etwas mehr Männer mit dem Rad, aber es ist trotzdem relativ ausgewogen.“ 15:06 Uhr auch nicht immer so. Im Das war natürlich 19. Jahrhundert waren die Frauen vom Radfahren, wie von vielen aufregenden Aktivitäten, ausgeschlossen. Dennoch trug das Fahrrad letztendlich einiges zur „Befreiung“ der Frau bei, änderte es doch die bis dahin unbequeme und einengende Mode und verhalf

Vom Westbahnhof geht’s runter auf die Mariahilferstraße – eine von Wiens größten und beliebtesten Shoppingmeilen.

Volksgarten

Naschmarkt

In die Freiheit radeln

Start: Westbahnhof Ziel: Naschmarkt

Radl’n Shop

e fer Straß Mariahil

Landschaft mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Während seine Artgenossen früher das Rad schmähten, ist er quasi Fan der ersten Stunde: „Für mich ist das Radfahren eine geniale Erfindung, bestehend aus Maschine und Muskelkraft … ich habe als Radlfahrer auch die Möglichkeit, in Kontakt mit meiner Umwelt zu treten.“ Als Girtler bereits in den 1960ern weite Strecken mit dem Rad zurücklegte, hielt man nicht viel von Fahrradfahrern, und er hatte oft Schwierigkeiten, ein Zimmer zu bekommen.

Unten angekommen, ist links das Museumsquartier – ideal zum relaxen –und der Spittelberg mit seinen zahlreiche Kunstgalerien. Von dort geht’s über den Ring, vorbei am Heldenplatz zum Michaelerplatz. Im 1. Bezirk kann man in Geschäften wie Chanel, Dior und Co sein letztes Hemd lassen. Weiter zur Tuchlauben: hier kann man sich mit einem Eis vom Shoppingwahn erholen. » Brandstätte » Wollzeile

» Stubentor » nach rechts auf den Ring » vorbei am Karlsplatz und links in die Operngasse. Das Gebiet rund um die TU, genannt Freihausviertel, wird schon Mal mit Londons Soho verglichen. In Lokalen wie Café Anzengruber, Beograd oder Café Sud ist immer gute Stimmung anzutreffen. Weiter über Margaretenplatz, Pilgramgasse, Schönbrunnerstraße, Kettenbrückengasse zum Naschmarkt: Nun ab in eines der vielen Lokale wie das Neni oder das Nautilus. Länge: ca. 11 km Dauer: ca. 45 min (ohne Stopps)

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Radfahren ist wie Rock‘n‘Roll: Es feiert ein starkes Comeback. Davon ist auch Kristina Bangert überzeugt.

Tour 2 Nature’n City

Start: Praterstern Ziel: Strandbar Herrmann Praterstern » Prater Hauptallee » Lusthaus: Je nach Geschmack kann man hier zum Mittagessen einkehren, die Pferderennbahn Freudenau besuchen, oder einen kleiner Abstecher in den Auwald wagen. » Über die Praterbrücke nach links auf die Donauinsel. Am Kaisermühlendamm angekommen, befindet man sich mitten im Vienna City Beach Club: hier ist Sommer, Sand und Relaxen angesagt (wer unternehmungslustig ist, biegt rechts ab und landet im Dschungel der Lobau). » Den Donauradweg entlang und über die Brigittenauer Brücke in die Traisengasse. » Leystraße » Hellwagstraße » Nordwestbahnstraße » Castellezgasse » Karmelitermarkt: hier kann man gemütlich Obst, Gemüse und andere Kleinigkeiten einkaufen. » Augarten » Obere Augartenstraße » Donaukanal » Schwedenplatz: zur Belohnung gibt’s ein Eis vom berühmten Eissalon am Schwedenplatz. » Und dann an der Urania vorbei, ab in die Strandbar Herrmann Länge: ca. 22 km Dauer: ca. 1,5 h (ohne Pausen) Kristina Bangert empfiehlt: „ … alle diese Donauradwege hinaus nach Kritzendorf.“

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Tour 3 Für Genießer: der Wachauer Donauradweg

Start: Mit dem Zug von Wien nach Krems. Von Krems nach Melk per Schiff: Fahrzeit ca. 3 Stunden (Preis für ein­ fache Fahrt: 23 Euro). Mit dem Rad retour: Melk » EmmersdorfSpitz: ab zur Weinverkostung » Weißenkirchen » Dürnstein: Besichtigung der Burgruine und des Stifts Dürnstein. Zurück nach Krems: Bummel durch die Altstadt mit abschließendem Abend­ essen zum Beispiel im modern-gemütlichen Restaurant „Wellenspiel“ mit Blick auf Stift Göttweig. Für besondere Genießer empfiehlt sich noch, bei dem einen oder anderen Winzer einzukehren. Letzter Zug von Krems nach Wien: 21:02 Uhr Tipp: Birgit Fischer von Donau Tourismus empfiehlt: Besichtigung des mittelalterlichen Teisenhoferhofs in Weißenkirchen und der Bäckerei „Schimdl“ in Dürnstein, wo das berühmte Wachauerlaberl 1905 erfunden wurde. Gesamtlänge ca. 35 km (inklusive Schifffahrt)

wachau-route-hm.pdf

1

Fahrzeit mit dem Rad von Melk nach Krems: ca. 3 bis 4 Stunden. 16.05.2013

15:10 Uhr

Weißenkirchen

Dürnstein

Krems an der Donau

Spitz

Dunkelsteiner Wald

j­enen Frauen, die es wagten, den gesellschaftlichen Regeln zu trotzen, zu mehr Selbst­ bewusstsein. Die Frauenrechtlerin Susan B. Anthony meinte gegen Ende des 19. Jahrhunderts sogar, das Fahrrad habe mehr für Frauen getan als sonst etwas, da es das Gefühl von Freiheit und Eigenständigkeit vermittle. Freude an Natur und Menschen

Emmersdorf

Melk

„Der Radfahrer ist sowohl nobel als auch Demokrat. Er hat Freude an der Natur und den Menschen.“ Roland Girtler, Soziologe

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Ähnliche Erfahrungen hat auch Girtler gemacht: „Mein Geist öffnet sich beim Radfahren. Ich glaub, der Radfahrer ist sowohl nobel als auch Demokrat. Er hat Freude an der Natur und den Menschen.“ Und auch Bangert weiß: „Man kriegt einfach die Welt anders mit. Man fühlt sich lebendiger.“ Kein Wunder: beim Sport werden Endorphine ausgeschüttet und beim Spießrutenlauf zwischen Autos und Fußgängern sicher auch etwas Adrenalin. Aber Mal im Ernst: Radfahren macht einfach Spaß, auch in der Stadt. Wie Girtler legt auch Martin Blum seine täglichen Wege mit dem Rad zurück und weiß deshalb: „Wenn man mit dem Radl unterwegs ist, kann man die Stadt so erleben wie mit keinem anderen Verkehrsmittel. Man ist wendig

im Verkehrsfluss, wie ein Fisch im Wasser. Man ist schnell, sucht keinen Parkplatz, muss nicht auf Verkehrsmittel warten und macht Bewegung.“ Außerdem trägt man was zum Naturschutz bei, ganz ohne sich an Bäume zu ketten oder monatliche Geldbeträge an mehr oder weniger dubiöse Umweltschutzunternehmen zu überweisen: „Der Umweltaspekt ist dem Fahrrad innewohnend. Es macht keinen Lärm, keine Abgase. Es ist ein aktiver Klimaschutz.“ Und gut für die Stadtstruktur ist es obendrein, so Blum: „Straßen werden belebter, der Verkehr wird flüssiger. Lebendige Städte zeichnen sich durch einem hohen Anteil an Geh- und Radwegen aus.“ Noch nicht ganz am Ziel

Trotzdem müsse noch einiges getan werden, findet Bangert: „Es wird ja immer gesagt, man brauche mehr Polizeipräsenz. Beim Falschparken ist man immer gleich dran, aber bei der Sicherheit mangelt es.“ Ein Grund ­dafür seien die teilweise schlechten Beschilderungen der Radwege: „Ich find’s ganz schwierig, dass der Fußgänger- und der Radweg oft so undefinierbar ineinander laufen. Da ist der juni 2013


„Man kriegt die Welt anders mit. Man fühlt sich lebendiger.“ Kristina Bangert auf einem Cannondale Hooligan. Erhältlich bei Ciclopia, 6., Stiegengasse 20, www.ciclopia.at

Tambora sei Dank! Eine Geschichte des Fahrrads Vielleicht wäre das Fahrrad nie erfunden worden, hätte der Vulkan Tambora nicht beschlossen, 1815 in die Luft zu gehen und die Welt mit einem Aschemantel zu umhüllen. Bereits davor hatte eine ungewöhnliche Kältewälle Europa geprägt – die Zeit von 1812 bis 1817 wird heute sogar als kleine Eiszeit bezeichnet. Kälte und Asche hatten zahlreiche Missernten zur Folge, und Nutztiere wie das Pferd konnten nicht mehr ernährt werden: Das bis dahin wichtigste Arbeitsund Transporttier fiel aus. 1817 kam dem Erfinder Karl Drais dann die rettende Idee: das Zweirad. Die „Draisine“ wurde noch durch Abstoßen mit den Füßen bewegt und bestand gänzlich aus Holz. Die Erfindung des Pedalantriebs folgte erst rund 50 Jahre später in Frankreich. Dort fand auch 1867 das weltweit erste Radrennen statt. BeÄrger vorprogrammiert.“ Und Girtler meint sowieso, dass man Autos ganz von der Stadt fernhalten sollte: „Mit dem Auto ist man nicht mehr Mensch. Da hat man Distanz zur Umwelt und den Menschen. Man sieht nur sich.“ Ganz unschuldig seien die Radfahrer aber auch nicht, findet Bangert: „Das Hauptproblem in Wien ist teilweise die Aggression von allen Seiten … egal, ob man als Autofahrer oder als Radfahrer unterwegs ist, irgendwie sind diese zwei Parteien extrem aggressiv. Als Fußgänger ist man meistens irgendwie dazwischen und schaut, dass man niemanden stört.“ Wien könne sich an Fahrradstädten wie Amsterdam oder Berlin noch einiges abschauen, meint Bangert. Und genau das scheint auch der Plan zu sein. Immerhin gibt’s in Wien bereits über 100 City-Bike-Stationen und weitere Radwege sind in Planung. 2013 wurde nicht umsonst zum Wiener Radjahr erklärt. Da bleibt nur eins: raus aus dem Auto, rauf auf den Sattel und rrrradln was das Zeug hält! ///

Mehr Infos zum Radjahr und der Radwoche unter: www.fahrradwien.at

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sonders Frauenrennen erweckten damals großes Aufsehen – allerdings nur für kurze Zeit. In England und den USA konzentrierte man sich währenddessen auf die Entwicklung der Hochräder. Diese waren aufgrund ihrer Höhe allerdings sehr gefährlich. Außerdem spürte man jede Erschütterung, bis Dunlop 1888 den Luftreifen erfand. Zu dieser Zeit wurden auch die ersten Sicherheitsräder oder Niederräder gebaut. Im Prinzip waren sie bereits wie unsere heutigen Fahrräder. Obwohl Karl Drais das Fahrrad in erster Linie für die praktische Fortbewegung erfunden hatte, war es später lange Zeit ein Luxusgut für die Oberschicht. Erst durch die Fließbandproduktion im 19. Jahrhundert wurde das Fahrrad zum beliebtesten Fortbewegungsmittel für die Massen.

Tour 4

Die See-Fahrt rund um den Neusiedlersee

Start: Neusiedl am See (auch gut mit der Bahn erreichbar). Ziel: „Mole West“, Neusiedl am See Richtung Illmitz. Auf der B10 entlang des Neusiedlersees kommt man an einem schönen Strand vorbei. Nun ab nach Podersdorf: Einkehrmöglichkeit: Gasthaus „Dankbarkeit“. Weiter nach Illmitz.

Oggau gelangt man wieder auf den Hauptweg B10 und folgt diesem zurück nach Neusiedl.

Dort wartet ein Aussichtsturm mit Blick auf die „Hölle“. Hier befindet man sich bereits im Nationalpark Seewinkel mit seinen berühmten Salzlacken. Auch trifft man auf Graurinder und Mangalitza­ schweinchen. Von Illmitz geht’s mit der Fähre nach Mörbisch.

Tipp: Bei Start der Rundtour Windrichtung beachten, da die Strecke bei Gegenwind sehr anstrengend werden kann. Achtung: Der Wind ist launisch und ändert manchmal schnell seine Meinung!

Weiter nach Rust zur Süßweinverkostung. Wer genug hat, nimmt die Fähre zurück nach Podersdorf und ist bald wieder in Neusiedl. Für Fahrradjunkies und/oder Weinliebhaber gibt es zwischen Rust und Oggau eine Abzweigung mit leichtem Anstieg ins Weingebiet. Bei

Entlang der gesamten Strecke befinden sich elf Rad-Rastplätze.

Verena Fleischhacker von Burgenland Tourismus empfiehlt: Besichtigung des Dorfmuseums in Mönchhof: www.dorfmuseum.at Länge: ca. 76 km. Dauer: ca. 6 h (abhängig von Pausen). Schwierigkeit: mittel. Preise für die Fähre: einfache Fahrt Erw. € 8; Kinder € 4,50; Hin u. Retour: Erw. € 11; Kinder € 6,50

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toptipps

Kompromisslos Das Felt Edict Nine 1 ist der gelungene Versuch, die Agilität eines 26-ZollMTBs auf ein Gerät mit 29 Zoll zu übertragen. Ausgestattet für den Renn­ einsatz ist das Carbonrad dementsprechend teuer: 5.500 Euro wandern über den Ladentisch. www.feltbicycles.com

Das ebike two des kleinen Wiener Herstellers ebike2go vereint große Gegensätze: Es wiegt weniger als zehn Kilo, ist faltbar und hat trotzdem einen kräftigen Elektromotor. Mit 1.300 Euro ist man dabei. www.ebike2go.com

Cooler Lastesel Dem schicken Transportrad „Puch Dienstmann“ wurden ein zweiter Gepäckträger und eine 7-Gang-Schaltung spendiert. So geht es auch schwer beladen über die Hügel. Als Extra gibt es die Retro-Holzkiste für den Einkauf. Um 799 Euro ist das Dienstmann 7G zu haben. www.puch-bikes.com

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Fahrrad-Arena, Ausstellung, Buch: Im Juni wird Wien für eine Woche zur Welthauptstadt des Fahrrads. Während im Rathaus bei der welt- anschließend die Wiener Radparty mit Kaisergrößten Fahrradkonferenz Velo-city hunderte schmarrn und Live-Musik. In ein Fahrradkino, Experten über die Zukunft des Radfahrens inspiriert von den amerikanischen Autokinos, diskutieren, verwandelt sich der Rathausplatz verwandelt die „Bike Film Night“ am 14. & 15. von 10. bis 14. Juni in eine große Rad-Arena – Juni den Sigmund-Freud-Park. mit Fahrrad-Wasch-Station, der Möglichkeit zum Radfahr-Training und einer Urban-Bike- Buchpräsentation: Motor bin ich selbst Ausstellung. Damit nicht genug: Am 10. und 11. Juni wird der Karlsplatz zum Catwalk. Mo- Schon vor der Radwoche, am 6. Juni, wird deschulen, die Wiener Designszene und inter- im FahrRADhaus das Buch „Motor bin ich nationale Labels zeigen bei einer Fashion- selbst. 200 Jahre Radfahren in Wien“ (Hg. Show, wie cool Mann und Frau auf dem Bernhard Hachleitner/Matthias Marschik/ Fahrrad aussehen können. Das MAK zeigt ab Rudolf Müllner/Michael Zappe – Metro 13. Juni Fahrräder aus der Embacher-Collec- Verlag) präsentiert. Plakate aus der Wienbibtion: Der Wiener Architekt Michael Emba- liothek im Rathaus und mehr als 100 Fotos cher hat Designräder aus mehreren Jahrzehn- ergänzen die Beiträge von Historikern und ten zusammengetragen – vom Faltrad bis zur anderen Fahrrad-Aficionados. So mancher wird überrascht sein, dass in Wien bereits um Carbon-Rennmaschine. Am 13. Juni stehen die Ampeln für Radfahrer 1890 der Ruf nach mehr Radwegen ertönte. auf Grün: Beim WienerRADcorso sind alle Oder wie schick und gleichzeitig zweckmäßig Wiener Radler eingeladen, mit den 1.500 Teil- die Fahrradmode damals war. nehmern der Velo-city vom Rathausplatz zum Riesenrad zu fahren. Auf der Kaiserwiese steigt www.fahrradwien.at juni 2013

Fotos: EMBACHER-COLLECTION/Bernhard Angerer, Felt, ebike2go, Gerhard Nohava/J. Faber GmbH

Klein & elektrisch


Bild: Fotolia

LEISTBARES WOHNEN IM BURGENLAND! Mit der Burgenländischen Wohnbauförderung werden derzeit mehr als 36.000 burgenländische Häuslbauer und Mieter gefördert. Allein im heurigen Jahr stehen rund 122 Millionen Euro für die Wohnbauförderung zur Verfügung. Das ermöglicht leistbares Wohnen. Die Wohnbauförderung belebt die Wirtschaft, sie schafft und sichert Arbeitsplätze im Land. Und sie leistet durch ihre ökologische Ausrichtung einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Und: Im Burgenland ist sichergestellt, dass Häuslbauer und Mieter auch bei einem steigenden Einkommen nicht ausziehen oder die Förderung sofort zurückzahlen müssen. INFORMATIONEN und KONTAKT Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesamtsdirektion – Wohnbauförderung Europaplatz 1, 7000 Eisenstadt, Tel. 057/600 DW 2800, E-mail: post.wbf@bgld.gv.at Burgenländische Wohnbauförderung im Internet www.burgenland.at/wbf


Des Zitrusg채rtners gelber Daumen text & Fotos: Katharina Seiser


Umblättern für unsere Genusstipps ➜

Heimo Karner, Gärtner der Österreichischen Bundesgärten, kultiviert seit 15 Jahren einen Schatz in Schönbrunn: Die historische Zitrussammlung mit bis zu 180 Jahre alten Bäumen. So, wie andere ihr  Mobil­ telefon alle paar Minuten auf neu eingehende Nachrichten überprü­ fen, hält Heimo Karner seine Gar­ tenschere parat. Es könnte ja ir­ gendwo ein Blatt zu viel, ein Asterl zu schräg, eine Frucht zu beschattet, eine Form zu ungleichmäßig sein. Heimo Karner ist Gärtner, seit 15 Jahren Zitrusgärtner. Fachbezeichnung ist das keine, denn eine Ausbildung zum Zitrusgärtner gibt es nicht. 1998 hat er die hist­ orische Zitrussammlung in Schön­ brunn – den Österreichischen Bun­ desgärten gehörend – übernommen. Der damalige Direktor Peter Fi­ scher-Colbrie hat die Besessenheit und den grünen (gelben) Daumen Karners erkannt. Ob er denn eine Lieblingssorte unter den rund 100, die er kultiviert, hat? Karner: „Bit­ terorangen wie die Landsknechthose oder die Bizzaria sind schon etwas ganz Besonderes. Je seltener und schwieriger eine Sorte zu beschaffen ist, umso interessanter.“ Die Bizza­ ria, deren Ausbuchtungen sie eher gefährlich denn lieblich aussehen lassen, hat er gerade über eine be­ freundete Zitrusgärtnerei in der Tos­ kana erhalten. Fachlichen Austausch und Ansporn findet er im „Arbeits­ kreis Orangerien“, dem über 100 Orangerien in Europa angehören.

nline schsfraücuhtO e im eigenen Zitru 6.: Garten ab 24.

edia.at/ www.schaum genuss.html

Von 50 auf 400 in 15 Jahren

Dass Karner heute über 400 Zitrus­ bäume unter seinen Fittichen hat, und einen ihm selbst etwas suspek­ ten Ruf als Zitrusguru genießt, be­ gann mit dem Altbestand, der sei­ nen Ehrgeiz weckte: „1998 waren das gerade einmal 50 Bäume – in trauri­ gem Zustand. Vorwiegend Pome­ ranzen, bis zu 180 Jahre alte Exemp­ lare.“ Könnte es sein, dass Kaiserin Sisi von deren Früchten genascht hat? Es gibt keine Aufzeichnungen, meint Karner, aber möglich wäre es. Dass sich die Zitrussammlung – heute in bestem Zustand – seit we­ nigen Jahren wie ein Lauffeuer ver­ breitet, hat mit Heinz Reitbauer vom Steirereck zu tun. Der fragte vor fünf Jahren bei einem speziali­ sierten Importeur in Salzburg nach „Buddhas Hand“-Zitronen. Man konnte ihm leider nicht helfen, aber einer der Mitarbeiter war Karners Bruder Helmut. Der hat Reitbauer nach Schönbrunn geschickt – der Rest ist bereits kuli­ narische Zitrusgeschichte. Denn weil Reitbauer schätzt, was Karner macht, und umgekehrt, wurde die Sammlung nicht nur prächtiger, sondern immer geschmackvoller.

Das ist nur eine kleine Auswahl der in Schönbrunn kultivierten Zitrusfrüchte. Raritäten wie diese bekommt man nur selten zu sehen.

v schgeainuSct hönbrunn

Zitrusta n, in Neue Zeite 18:00 Uhr am 26. 6. um

„Je seltener und ­schwieriger eine Sorte zu beschaffen ist, umso interessanter.“ Heimo Karner, Gärtner der Österreichischen Bundesgärten

2013 juni

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toptipps

„Ja, das mit dem Urlaub ist nicht ganz so einfach. Am liebsten würde ich dableiben, damit ich jeden Tag nach ihnen schauen kann.“ Heimo Karner, Gärtner der Österreichischen Bundesgärten

Urlaub im Feldgarten info

Zitrussammlung der Österreichischen Bundesgärten Zitrusgärtner Heimo Karner, 49, kultiviert seit 15 Jahren für die Österreichischen Bundesgärten in Schönbrunn die historische Zitrussammlung: ca. 400 Pflanzen, z. T. bis zu 180 Jahre alt, ca. 100 Sorten, darunter Raritäten wie Buddhas Hand, Landsknechthose und Gehörnte ­Bitterorange. Die Zitrussammlung kann den ­ ommer über bis Ende September S im Kronprinzengarten direkt hinter dem Schloss Schönbrunn besichtigt werden. Im Frühjahr finden jedes Jahr gemeinsam mit der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft die Wiener Zitrustage statt. www.bundesgaerten.at

Im Restaurant Steirereck im ­ tadtpark werden seit fünf Jahren S Zitrusfrüchte aus den Bundesgärten in Schönbrunn verwendet.

Nur während der Zitrustage stehen die Bäume in der alten Orangerie, den Sommer über im Kronprinzengarten.

www.steirereck.at

Heute gibt es auch so aromatische Raritäten wie Limonade, Meyer Lemon, Lipo und demnächst, wenn Karners Daumen Recht behält, Yuzu. Wa­ rum seine Früchte so gut gedeihen? „Das Wasser ist besonders wichtig, es muss temperiert werden und abstehen, damit es weicher wird. Außerdem mi­ sche ich mir meine Erde selbst.“ Während Karner das erzählt, streifen seine Augen rastlos durch die Bäume, die hinter, und vor, und rechts und links neben ihm stehen. Die Schere in der Hand, ist er immer am Pflegen. „Ja, das mit dem Urlaub ist nicht ganz so einfach“, gesteht er, „am liebsten würde ich dableiben, damit ich jeden Tag nach ­ihnen schauen kann.“ Was seine Zukunftspläne sind? „Dass die Pflanzen für die alljährlichen Zit­ rustage ausstellungswürdig werden. Dass der Alt­ bestand an Größe und Schönheit zunimmt. Und dass das Sortiment noch größer wird.“ Und, dem kulinarischen Schwerpunkt Rechnung tragend: „Es wäre schön, wenn wir den Früchteverkauf zur Saison – von Dezember bis maximal April – aus­ weiten könnten.“ Derzeit ist das nicht ganz so ein­ fach. Die Zitrussammlung steht in Glashäusern im Feldgarten des Schlossparks Schönbrunn. Nur den Sommer über kann ein Teil davon im Kronprin­ zengarten bewundert werden. Das „Anschauen“ ist Karner besonders wichtig. Zu groß ist seine Sorge, dass seine Schützlinge – die Früchte, die bis zu ei­ nem Jahr wachsen – durch Hände beschädigt oder gar entwendet werden. ///

Aromatische Glücksbringer: Zitrus-Raritäten aus Wien

Buddhas Hand

Zedratzitrone

Panaschierte Zitrone

Eigentlich eine Mutation der Zedratzitrone, die aber wegen ihrer an eine Hand erinnernde außergewöhnliche Form weitergezüchtet wurde. Ausgereift wird sie strahlend gelb. Sie enthält im Gegensatz zu anderen Zedratzitronen gar kein Albedo. Und sie duftet so feinblumig, dass sie in Asien als Raumduft verwendet wird.

Aus ihr wird Zitronat gemacht. Dafür kandiert man die dicken Schalen mehrfach in Zuckerlösung. Zedratzitronen werden in Italien Cedri genannt – sie können zur Gänze verwendet werden. Für einen Salat schneidet man z.B. die gesamte Frucht, also inklusive des dicken weißen Albedo, in sehr dünne Scheiben.

Eine nicht nur eine besonders schöne, sondern auch aromatische Form der Zitrone. Diese hier ist aufgeschnitten hellrosa. Alle Zitronen sollten für die Küche unbehandelt, im Idealfall aus Bio-Anbau sein. Denn das Aroma sitzt in den Schalen. Zitronen kommen im Winterhalbjahr aus Südeuropa, im Sommer aus Übersee.

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Australische Fingerlimette Entfernte, aber (innerlich) sehr attraktive Citrus-Verwandte aus Australien. Ihr Fruchtfleisch besteht aus winzigen, säuerlich-aromatischen Kügelchen, was ihr den Beinamen „Limettenkaviar“ eingebracht hat. Passt besonders gut zu Fisch und Desserts. Die Frucht ist sehr klein und derzeit kaum zu bekommen.

Gehörnte Bitterorange Besondere Ausprägung der Bitterorange: je deutlicher und größer das Horn, desto besser. Alle Bitterorangen (Pomeranzen) zeichnen sich durch eine relativ dicke Schale mit hohem Bitterstoffanteil aus. Aus Bitterorangen wird echte englische Marmelade, aber auch Orangenlikör erzeugt. Saison zu Jahresbeginn.

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Die Privatbrauer Markus und Harald Sautner vor dem Sudhaus – dem Herzstück der Brauerei Gols. Dass die Golser wissen, was schmeckt, bestätigen auch die Staatsmeistertitel für den Golser ­Gerstensaft.

Die Golser wissen, was gut ist Wer die burgenländische Gemeinde Gols nur mit Top-­ Weinen in Verbindung bringt, sollte auch Hopfen und Malz nicht außer Acht lassen. Die Pannonia Brauerei Gols braut im größten Weinort des Landes ein gewaltiges Bier in handwerklicher Brauweise, rein aus heimischen Zutaten.

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schau Magazin Juni 2013  

Das Magazin für Genuss, Kultur & Abenteuer mit Programm für Wien, Niederösterreich und Burgenland.

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