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K U N S T A U K T I O N S H A U S

ZISSKA & SCHAUER

Auktion 62

6. - 8. November 2013


ZISSKA & SCHAUER

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Auktion 62 Freiwillige Versteigerung 6. - 8. November 2013

Besichtigung:

Versteigerung:

Montag, 28. – Donnerstag, 31. Oktober jeweils von 9.00 - 13.00 Uhr und 14.00 - 18.00 Uhr Sonntag, 3. November: von 12.00 - 18.00 Uhr Montag, 4. November: von 9.00 - 13.00 Uhr und 14.00 - 18.00 Uhr

Mittwoch, 6. November Donnerstag, 7. November

Ausnahmslos für ausländische Kunden: Dienstag, 5. November: von 9.00 - 13.00 Uhr und 14.00 - 18.00 Uhr

Freitag, 8. November

12.00 Uhr 09.30 Uhr 14.30 Uhr 09.30 Uhr

Nr. 1 – 607 Nr. 608 – 1108 Nr. 1109 – 1948 Nr. 1949 – 3263


Katalog 62 Katalogpreis: 25 € Wir bitten um Überweisung des Betrages an Zisska, Schauer & Co. KG Bankhaus Max Flessa KG, München, Konto-Nr. 770 444 (BLZ 700 30111) IBAN: DE72 7933 0111 0000 7704 44 BIC: FLESDEMM Für Aufträge, die später als einen Tag vor oder erst während der Versteigerung eingehen, übernehmen wir keine Haftung. Gebote, die unter der Hälfte des Schätzpreises liegen, können nicht berücksichtigt werden.

Payments for auction goods can be made in cash or wire-transfer. We accept Visa or Diners Club International credit cards for catalogue payment only. The prices stated in the catalogue are estimates (not reserves). We do not accept bids of less than 50 per cent of the estimate. Please visit www.zisska.de for full bidder information.

Umschlag Titelseite: Mayer, Robert Ainslie's views in Turkey, Europe and Asia, 1811 (Nr. 1698) Umschlag Rückseite: Aufschwörbuch des Wormser Domkapitels, 18. Jahrhundert (Nr. 39)

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K U N S T A U K T I O N S H A U S

Zisska, Schauer & Co. KG Unterer Anger 15 · 80331 München Telefon 089/26 3855 · Fax 089/2690 88 auctions@zisska.de · www.zisska.de Katalogbearbeitung: Dr. Maria Glaser, Monika Ostrowska, Frank Purrmann, Hilmar Schmuck, Sabine Zachmann Sekretariat: Ursula Hahn, Ursula Roitzsch Photographie und Versand: Klaus Bayer


Inhalt Handschriften Bücher

Handschriften................................................................. 1 Urkunden und Autographen .............................................. 67 Inkunabeln..................................................................... 96 Alte Drucke und alte Theologie .......................................... 111 Einzelblätter ................................................................... 124 Naturwissenschaften........................................................ 225 – Varia ....................................................................... 225 – Alchemie – Chemie..................................................... 236 – Astrologie – Astronomie .............................................. 243 – Botanik.................................................................... 252 – Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau ............................ 275 – Mathematik – Physik .................................................. 283 – Sammlung Geissbühler ................................................ 336 – Medizin ................................................................... 435 – Zoologie................................................................... 470 Technik und Handwerk ..................................................... 496 Bibliographie ................................................................. 555 Kunstgeschichte.............................................................. 590 Literatur und illustrierte Bücher......................................... 608 – Barock- und Emblembücher ......................................... 608 – Literatur bis 1900....................................................... 664 – Kinderbücher – Pädagogik ........................................... 841 – Philosophie – Nationalökonomie – Politik ....................... 857 – Literatur und Kunst des 20. Jahrhunderts ........................ 885 Kulturgeschichte ............................................................. 953 – Varia ....................................................................... 953 – Gastronomie ............................................................. 974 – Judaica - Hebraica...................................................... 982 – Kostüme – Mode – Uniformen ..................................... 987 – Linguistik – Lexika......................................................1000 – Militaria ..................................................................1014 – Musik – Tanz – Theater – Film .......................................1052 – Okkultismus – Freimaurerei ..........................................1065 – Recht ......................................................................1083 – Sittengeschichte - Erotik .............................................1094 – Sport – Spiele............................................................1102 Atlanten ........................................................................1109 Geographie – Geschichte ..................................................1130 Bibliotheca orientis..........................................................1350 Japanische Holzschnittbücher............................................1925 Deutschland ..................................................................1949

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

64 95 110 193 224 495 235 242 251 274 282 335 434 469 495 554 589 607 952 663 840 856 884 952 1108 973 981 986 999 1013 1051 1064 1082 1093 1101 1108 1129 1349 1924 1948 2075

Graphik

Deutschland ...................................................................3000 Ausland ........................................................................3037 – Welt- und Spezialkarten .............................................. 3037 – Übersee.................................................................... 3040 – Europa..................................................................... 3080 Dekorative Graphik ..........................................................3219

– – – – – –

3036 3218 3039 3079 3218 3263


Versteigerungsbedingungen

1.

Das Auktionshaus handelt als Kommissionär im eigenen Namen und für Rechnung seiner Auftraggeber (Kommittenten), die unbenannt bleiben. Zugrunde liegen die Aufträge der Einlieferer. Die Auftragsverhältnisse ergeben sich durch Angabe einer Kennzahl (Einlieferer-Nummer), die in Klammern der Katalogaufnahme jeweils angefügt ist. Eigenware ist gesondert gekennzeichnet (1). Die Versteigerung ist freiwillig.

2.

Die angegebenen Preise sind Schätzpreise, keine Limite.

3.

Der Versteigerer behält sich das Recht vor, Nummern des Kataloges zu vereinen, zu trennen, außerhalb der Reihenfolge anzubieten und zurückzuziehen. Er ist berechtigt, Gebote zurückzuweisen, wenn nicht vor der Versteigerung geeignete Sicherheiten geleistet oder Referenzen angegeben wurden.

4.

Sämtliche zur Versteigerung gelangenden Gegenstände können vor der Versteigerung besichtigt und geprüft werden. Die Sachen sind gebraucht und haben einen ihrem Alter, ihrem Gebrauch und ihrer Provenienz entsprechenden Erhaltungszustand; dieser wird im Katalog nicht durchgängig erwähnt. Die Katalogbeschreibungen sind keine Garantien im Rechtssinne. Der Versteigerer übernimmt keine Haftung für Mängel, soweit er die ihm obliegenden Sorgfaltspflichten erfüllt hat. Er verpflichtet sich jedoch, wegen rechtzeitig vorgetragener, begründeter Mängelrügen innerhalb der Verjährungsfrist von zwölf Monaten seine Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Einlieferer gerichtlich geltend zu machen. Der Erwerber soll Beanstandungen unverzüglich, spätestens aber innerhalb von drei Wochen nach der Auktion, dem Versteigerer anzeigen. Im Falle erfolgreicher Inanspruchnahme des Einlieferers erstattet der Versteigerer dem Erwerber den gezahlten Kaufpreis (einschließlich Aufgeld) zurück; ein darüber hinausgehender Anspruch ist ausgeschlossen. Einzelstücke aus Konvoluten, größere Zeitschriftenreihen, Serienwerke, mehrbändige Gesamtausgaben und Objekte, die den Vermerk „nicht kollationiert“ oder „ohne Rückgaberecht“ tragen, sind vom Reklamationsrecht ausgeschlossen.

5.

6.

Der Ausruf erfolgt in Euro und beginnt in der Regel mit der Hälfte des Schätzpreises. Gesteigert wird jeweils um ca. 5–10%. Der Zuschlag erfolgt nach dreimaligem Aufruf an den Höchstbietenden. Der Versteigerer kann den Zuschlag verweigern oder unter Vorbehalt erteilen. Wenn mehrere Personen das gleiche Gebot abgeben und nach dreimaligem Aufruf kein höheres Gebot erfolgt, entscheidet das Los. Der Versteigerer kann den Zuschlag zurücknehmen und die Sachen erneut anbieten, wenn irrtümlich ein rechtzeitig abgegebenes höheres Gebot übersehen worden ist oder wenn der Höchstbietende sein Gebot nicht gelten lassen will oder sonst Zweifel für den Zuschlag bestehen. Kommissionäre haften für ihre Auftraggeber. Telefonische und Aufträge per E-Mail bedürfen der schriftlichen Bestätigung spätestens 48 Stunden vor Beginn der Auktion. Bestehen bei Abgabe des Gebotes Differenzen zwischen Katalognummer und Kennwort, so ist das Kennwort maßgebend. Folgen aus einer unrichtigen Übermittlung gehen zu Lasten des Auftraggebers. Bei Nichterteilung des Zuschlags trotz Gebots haftet der Versteigerer dem Bieter nur bis zur Höhe des Schätzpreises, wenn ihm Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit angelastet werden kann. Aufträge, die später als einen Tag vor oder erst während der Versteigerung eingehen, sind von jeder Haftung ausgeschlossen. Die in den Verträgen genannten Preise gelten als Zuschlagspreise, das Aufgeld und die Mehrwertsteuer werden zusätzlich erhoben.

7.

Mit der Erteilung des Zuschlages geht die Gefahr für nicht zu vertretende Verluste und Beschädigungen auf den Ersteigerer über. Das Eigentum an den ersteigerten Sachen erwirbt der Ersteigerer erst mit dem vollständigen Zahlungseingang beim Auktionshaus.

8.

Auf den Zuschlagspreis werden ein Aufgeld von 19% und die Mehrwertsteuer von 7% berechnet. Die Mehrwertsteuer entfällt für Kunden aus Nicht-EU-Ländern, wenn der Versand der ersteigerten Ware durch uns erfolgt oder der amtliche Nachweis der Ausfuhr innerhalb von vier Wochen erbracht wird. Händlern aus EU-Ländern kann die Mehrwertsteuer nur dann erstattet werden, wenn sie ihre europäische USt-IdNr. bei Auftragserteilung bekanntgeben. Bei Auszahlungen erfolgt die Umrechnung des Rechnungsbetrages zum Tageskurs. Die Kosten für Porto, Verpackung, Versicherung und Bankspesen gehen zu Lasten des Käufers.

9.

Auf alle Originalwerke der bildenden Kunst seit Entstehungszeit 1900 leistet das Auktionshaus eine Abgabe an die Ausgleichsvereinigung Kunst, die damit die gesetzlichen Ansprüche des Folgerechts aus § 26 UrhG ausgleicht. Der Ersteigerer trägt von dieser Abgabe einen Anteil in Höhe eines Drittels (z.Zt. 1% des Zuschlagspreises).

10. Der Gesamtbetrag ist mit dem Zuschlag fällig und zahlbar in bar oder durch bankbestätigten Scheck. Zahlungen auswärtiger Ersteigerer, die schriftlich oder telefonisch geboten haben, sind binnen vierzehn Tagen nach Rechnungsdatum fällig. 11. Bei Zahlungsverzug werden Verzugszinsen in Höhe von 1% per Monat berechnet. Im übrigen kann das Auktionshaus bei Zahlungsverzug wahlweise Erfüllung des Kaufvertrages oder nach Fristsetzung Schadensersatz wegen Nichterfüllung verlangen; der Schadensersatz kann in diesem Falle auch so berechnet werden, daß die Sache in einer neuen Auktion nochmals versteigert wird und der säumige Käufer für einen Mindererlös gegenüber der vorangegangenen Versteigerung und für die Kosten der wiederholten Versteigerung einschließlich der Gebühren des Auktionshauses aufzukommen hat. 12. Der Erwerber ist verpflichtet, die Gegenstände sofort nach der Auktion in Empfang zu nehmen. Falls er Versendung wünscht, erfolgt sie auf eigene Gefahr. Bei Versand von Graphiken werden vorhandene Passepartouts und Rahmen entfernt, es sei denn, Mitlieferung ist vom Erwerber bei Abgabe seines Gebotes ausdrücklich verlangt. 13. Mit Erteilung eines schriftlichen Auftrages oder Abgabe eines Gebotes erkennt der Ersteigerer diese Bedingungen ausdrücklich an. Dies gilt auch für Verkäufe aus den Rückgängen. 14. Erfüllungsort und Gerichtsstand für den vollkaufmännischen Verkehr ist München. Es gilt ausschließlich deutsches Recht. Das UN-Abkommen über Verträge des internationalen Warenkaufs (CISG) findet keine Anwendung. 15. Sollte eine der vorstehenden Bestimmungen ganz oder teilweise unwirksam sein, so bleibt die Gültigkeit der übrigen davon unberührt. 16. Die Versteigerungsbedingungen haben eine deutsche und eine englische Version. In allen Streit- und Zweifelsfällen ist die deutsche Fassung maßgebend; das gilt insbesonde-re für die Auslegung von Rechtsbegriffen und Katalogangaben. Die Versteigerer


Conditions of Sale

1.

Zisska & Schauer acts as commission agent, in its own name and for the account of its clients (sellers), whose identity is not disclosed. The instructions of consignors, who are numbered in brackets (consignor number) at the end of each catalogue description, form the basis of sales. Zisska & Schauer’s property is indicated separately (1). The sale is voluntary.

2.

The prices given after each lot are estimates, not reserves.

3.

The auctioneer reserves the right to combine any two or more lots, to divide any lot, to offer any lot for sale in an order different from that given in the catalogue or to withdraw any lot or lots from the sale. The auctioneer shall be entitled to refuse bids unless suitable proof of identity, security or references shall have been provided prior to the auction.

4.

All lots up for sale may be viewed and inspected prior to the auction. Lots auctioned are used goods. The descriptions in the catalogue, which are given to the best of Zisska & Schauer’s knowledge and belief, do not constitute guarantees in the legal sense. Zisska & Schauer does not assume any liability for faults or defects, in so far as it has fulfilled its duty of care, but will undertake to make judicial claim on behalf of the buyer in respect of justified complaints within the statutory warranty period of twelve months against the seller who consigned the respective item or items for sale. The buyer is required to give Zisska & Schauer written notice of all complaints without delay; at the latest, however, within three weeks of the date of the auction. Should the demands be successful, Zisska & Schauer will reimburse the buyer with the full purchase price (including buyer’s premium); all further claims are excluded. There is no right of complaint in the case of individual items from combined lots, periodicals, serial publications, complete editions in several volumes and any lots with the indication nicht kollationiert [not collated] or ohne Rückgaberecht [not subject to return].

5.

6.

Bids are executed in Euros and bidding generally starts at 50% of the estimate unless competing bids have been received. Bids are raised by increments of 5% to 10%. A lot will be knocked down to the highest bidder after three calls. The auctioneer may refuse any bids, or knock down a lot subject to reservation. If two or more persons bid the same amount simultaneously and no overbid has been made after three calls, the successful bidder shall be drawn by lot. The auctioneer may rescind a decision and put the lot up again for sale if a higher bid made in time has been inadvertently overlooked, or if the highest bidder wishes to revoke his bid, or if the decision is open to other doubt. Agents acting on behalf of a third party assume full liability for the fulfilment of contract on behalf of their principals. All absentee bids submitted by email or telephone are to be confirmed in writing. If the catalogue number and the author/short title or reference for identification differ, the short title will stand for the bid. All damages and losses incurred by unclear bidding instructions are the bidder’s responsibility. For bids duly received and not executed due to obvious negligence on the auctioneers’ part, the auctioneers’ liability is limited to the estimate amount. The auctioneers accept no liability for the execution of absentee bids sent in less than 24 hours before the auction opens or during the auction itself. All bids are regarded as the maximum hammer price. The buyer’s premium and VAT are added to these prices separately.

7.

From the fall of the hammer, every lot shall become the full responsibility of and be at the sole risk of the buyer, while ownership of the lot or lots shall not pass to the buyer until full payment has been received by Zisska & Schauer.

8.

A buyer’s premium of 19% is levied on the hammer price plus VAT at the current rate of 7%. Buyers resident in third (i. e. non-European Union) countries are exempted from VAT if purchases are dispatched by the auction house to their registered address or if official proof of export is received by Zisska & Schauer within a period of four weeks. Dealers whose business are registered in the EU are exempted from VAT provided that they quote their VAT Registration Number when submitting absentee or online bids, or when registering to bid. Payments in foreign currency will be converted at the rate of exchange prevailing on the day of receipt. Costs of shipping, packing, insurance and bank charges are at the buyer’s expense.

9.

In order to satisfy all claims of the Droit de Suite [Artists’ Resale Right] (§ 26, German Copyright Law/UrhG), the auctioneers shall pay a resale royalty to the Ausgleichsvereinigung Kunst, the copyright collecting society, on all original works of art created after 1 January 1900. This is based on a percentage of the hammer price. The buyer shall bear one third of this payment which currently amounts to 1% of the hammer price.

10. Immediately upon purchase the buyer shall pay the final price in cash or by authorized bank cheque. Payments by buyers who have submitted absentee bids or who have bid by telephone shall be due within 14 days of the date of the invoice. 11. In default of payment, Zisska & Schauer will charge interest on the outstanding amount at the rate of 1% per month or part month. Furthermore, if the buyer defaults in payment, Zisska & Schauer may, at its discretion, insist on performance of the contract or, if the buyer has not paid by the date set, claim damages for non-performance; in the latter case, Zisska & Schauer may claim the damages by putting the lot or lots up again for auction and charging the defaulting buyer with the difference between the price bid by him/her and the price realized on the resale, if this is lower, plus the cost of the resale, including Zisska & Schauer’s costs. 12. Buyers shall take charge of their lots immediately after the auction. Shipping instructions shall be given in writing. Shipping, if required, will be effected at the sole expense and risk of the buyer. Prints will be shipped unmatted and unframed, unless specifically requested by the buyer when submitting his/her bid. 13. By placing a bid either in writing or in person, the buyer agrees to be bound by these Conditions of Sale. This shall also apply to after-auction purchase. 14. Place of performance and jurisdiction for registered trade dealings is Munich. German law applies exclusively; the UN-Treaty (CISG) is explicitly excluded. 15. Should any provision herein be wholly or partly ineffective, this shall not affect the validity of the remaining provisions. 16. These Conditions of Sale are available in both German and English. The German-language version shall without exception be the authoritative version, in particular with regard to the interpretation of statutory terms and catalogue descriptions. Zisska, Schauer & Co. KG


Abkürzungen – Abbrevations Abb. . . . . . . . . . . . . . . . Abbildung(en) - illustration(s) Abt. . . . . . . . . . . . . . . . . Abteilung - section Anm. . . . . . . . . . . . . . . . Anmerkung(en) - note(s) Aufl. . . . . . . . . . . . . . . . Auflage - edition Ausg. . . . . . . . . . . . . . . Ausgabe - edition, issue Bd(e). . . . . . . . . . . . . . Band (Bände) - volume(s) bearb. . . . . . . . . . . . . . bearbeitet - compiled beigeb. . . . . . . . . . . . . beigebunden - bound with beschäd. . . . . . . . . . . beschädigt - damaged Bibl. . . . . . . . . . . . . . . . Bibliothek - library Bl. . . . . . . . . . . . . . . . . . Blatt (Blätter) - leaf(-ves) blattgr. . . . . . . . . . . . . blattgroß - full-page blindgepr. . . . . . . . . . blindgeprägt - blind-tooled Blindpr. . . . . . . . . . . . . Blindprägung - blind-tooling Brosch. . . . . . . . . . . . . Broschur - wrappers Dass. . . . . . . . . . . . . . . Dasselbe - the same Ders. . . . . . . . . . . . . . . . Derselbe - the same Dies. . . . . . . . . . . . . . . Dieselbe - the same Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . Drucker - printer dreiseit. . . . . . . . . . . . dreiseitig - (three) edges, margins d. Zt. . . . . . . . . . . . . . . . der Zeit - contemporary e. . . . . . . . . . . . . . . . . . . eigenhändig - autograph EA . . . . . . . . . . . . . . . . . erste Ausgabe - first edition Ebda. . . . . . . . . . . . . . . Ebenda - same place eingeb. . . . . . . . . . . . . eingebunden - bound-in etw. . . . . . . . . . . . . . . . etwas - somewhat, slightly Ex. . . . . . . . . . . . . . . . . . Exemplar - copy Faks. . . . . . . . . . . . . . . . Faksimile(s) - facsimile farb. . . . . . . . . . . . . . . farbig – in colours fl. . . . . . . . . . . . . . . . . . fleckig - spotted, (water-)stained, foxed . . . . . . . . . . . . . . . . . (fingerfl., braunfl., wasserfl. etc) flex. . . . . . . . . . . . . . . . flexibel- limp Frontisp. . . . . . . . . . . . Frontispiz - frontispiece ganzseit. . . . . . . . . . . . ganzseitig - full-page geb. . . . . . . . . . . . . . . . . gebunden - bound gefalt. . . . . . . . . . . . . . gefaltet - folded gestoch. . . . . . . . . . . . gestochen - engraved goldgepr. . . . . . . . . . . goldgeprägt - gilt-stamped Goldpr. . . . . . . . . . . . . Goldprägung - gilt-stamped Hrsg. . . . . . . . . . . . . . . Herausgeber - editor hrsg. . . . . . . . . . . . . . . . herausgegeben - edited Hldr. . . . . . . . . . . . . . . Halbleder - half leather Hlwd. . . . . . . . . . . . . . Halbleinen - half cloth Hmaroquin . . . . . . . . . Halbmaroquin - half morocco Hpgt. . . . . . . . . . . . . . . Halbpergament - half vellum hs. . . . . . . . . . . . . . . . . . handschriftlich - manuscript Illustr. . . . . . . . . . . . . . . Illustration(en) - illustration(s) illustr. . . . . . . . . . . . . . illustriert - illustrated Imp.-Fol. . . . . . . . . . . Imperial-Folio - imperial folio Jg(e). . . . . . . . . . . . . . . . Jahrgang (-gänge) - volume(s) Jhdt. . . . . . . . . . . . . . . . Jahrhundert - century Kart. . . . . . . . . . . . . . . . Kartonage - boards Kat. . . . . . . . . . . . . . . . Katalog - catalogue kl. . . . . . . . . . . . . . . . . . klein - small kolor. . . . . . . . . . . . . . . koloriert - (hand-)coloured kplt. . . . . . . . . . . . . . . . komplett - complete läd. . . . . . . . . . . . . . . . . lädiert - damaged Ldr. . . . . . . . . . . . . . . . Leder - leather Lief. . . . . . . . . . . . . . . . . Lieferung(en) - (serial) part(s) Lithogr. . . . . . . . . . . . . Lithographie(n) - lithograph(s)

Lwd. . . . . . . . . . . . . . . Leinen (Leinwand) - cloth mehrf. . . . . . . . . . . . . . mehrfach - several times mod. . . . . . . . . . . . . . . modern Monogr. . . . . . . . . . . . Monogramm - monogram monogr. . . . . . . . . . . . monogrammiert - with monogram mont. . . . . . . . . . . . . . . montiert - pastet, mounted Ms. . . . . . . . . . . . . . . . . Manuskript - manuscript nachgeb. . . . . . . . . . . nachgebunden - bound with nn. . . . . . . . . . . . . . . . . nicht numeriert - unnumbered Nr(n). . . . . . . . . . . . . . Nummer(n) - number(s) num. . . . . . . . . . . . . . . . numeriert - numbered o. Dr. . . . . . . . . . . . . . . ohne Drucker - no printer OHldr. . . . . . . . . . . . . . . Original-Halbleder - original half leather OHlwd. . . . . . . . . . . . . Original-Halbleinen - original half cloth OHpgt. . . . . . . . . . . . . Original-Halbpergament . . . . . . . . . . . . . . . . . . . original half vellum OKart. . . . . . . . . . . . . . Original-Kartonage - original boards OLdr. . . . . . . . . . . . . . . Original-Leder - original leather OLwd. . . . . . . . . . . . . . Original-Leinen (Leinwand) - original cloth O. O. . . . . . . . . . . . . . . ohne Ort - no place O. O. u. J. . . . . . . . . . . ohne Ort und Jahr - no place, no date OPgt. . . . . . . . . . . . . . . Original-Pergament - original vellum OPp. . . . . . . . . . . . . . . Original-Pappe - original boards orig. . . . . . . . . . . . . . . . original Orig.-Brosch. . . . . . . . Originalbroschur - original wrappers Orig.-Umschl. . . . . . . Originalumschlag - original cover Pag. . . . . . . . . . . . . . . . Paginierung - pagination pag. . . . . . . . . . . . . . . . paginiert - paginated Pgt. . . . . . . . . . . . . . . . Pergament - vellum Portr(s). . . . . . . . . . . . Porträt(s) - portrait(s) Pp. . . . . . . . . . . . . . . . . Pappband - boards Rsch. . . . . . . . . . . . . . . Rückenschild - lettering-piece on spine Rtit. . . . . . . . . . . . . . . . Rückentitel - title on spine Rvg. . . . . . . . . . . . . . . . Rückenvergoldung - gilt spine(s) S. . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite(n) - page(s) sign. . . . . . . . . . . . . . . signiert - signed Slg. . . . . . . . . . . . . . . . . Sammlung - collection Sp. . . . . . . . . . . . . . . . . Spalte(n) - column(s) spät. . . . . . . . . . . . . . . . später(er) - late(r) stellenw. . . . . . . . . . . . stellenweise – partly stockfl. . . . . . . . . . . . . stockfleckig - foxed teilw. . . . . . . . . . . . . . . teilweise - partly Tl(e). . . . . . . . . . . . . . . . Teil(e) - part(s), section(s) tls. . . . . . . . . . . . . . . . . . teils - partly Tsd. . . . . . . . . . . . . . . . . Tausend - thousand U. . . . . . . . . . . . . . . . . . Unterschrift - signature übers. . . . . . . . . . . . . . . übersetzt - translated Umschl. . . . . . . . . . . . Umschlag - cover verb. . . . . . . . . . . . . . . . verbessert - improved verm. . . . . . . . . . . . . . . vermehrt - enlarged verschied. . . . . . . . . . . verschieden(e) - various Vg. . . . . . . . . . . . . . . . . Vergoldung - gilt vgl. . . . . . . . . . . . . . . . vergleiche - see, compare Vign. . . . . . . . . . . . . . . Vignette - vignette Vlg. . . . . . . . . . . . . . . . . Verlag - publisher vorgeb. . . . . . . . . . . . . . vorgebunden - bound-in wdh. . . . . . . . . . . . . . . wiederholt - repeated zahlr. . . . . . . . . . . . . . . zahlreich(e) - numerous Zl. . . . . . . . . . . . . . . . . . Zeile(n) - line(s) zus. . . . . . . . . . . . . . . . . zusammen - together


Tafel 1

3 Abbasidisches Koranfragment in Kufi, 9. Jhdt.

4 Mit floraler Fl채chenf체llung


Tafel 2

5 Abbasidische Koranfragmente in Kufi, 9. Jhdt.

5 Neun Blätter mit Texten aus den Suren 31 – 33


Tafel 3

16 Sammelhandschrift, Rajasthan, sp채tes 18. Jhdt.

16 Madhumalati


Tafel 4

18 Madschnun Laila, Persien, um 1830

19 Koran, 1. Hälfte 19. Jhdt.

22 Sikkat al-Khayr, Äthiopien, 1828/29


Tafel 5

28 Brevier, 2. H채lfte 15. Jhdt.

24 Kadscharischer Lackeinband

24 Tuhfat al-Muluk, Iran, 1835/36


Tafel 6

26 Zwei Doppelbl채tter, 1. H채lfte 13. Jhdt.

29 De incendio divini amoris, um 1460

30 Brevier, 1479

32 Salzburger Wappenbuch, um 1560


Tafel 7

39 Aufschwรถrbuch des Wormser Domkapitels, 18. Jhdt.

39 Mit Stammtafeln


Tafel 8

40 Allegorie der Priesterschaft

40 Pr채latenmissale, sp채tes 17. Jhdt.

63 Nathalie von Nikitin


Tafel 9

42 Schreib端bungsheft mit Papierpuppen, um 1700

58 Posledovanie, 1834

64 Einband von Franz Xaver Weinzierl


Tafel 10

71 Brieftaschenalbum mit Beitrag von Richard Wagners Lehrer

82 Hesse, um 1923

70 Braunschweiger Freundschaftsalbum


Tafel 11

92 Orbetello, 1730

104 Missale Romanum, 1493

120 Kupfer von Matthaeus Merian


Tafel 12

122 ÂťO MirificamÂŤ, 1546

168 Pantaleon, Prosopographia heroum, 1565

172 Einband von Jakob Krause

1457 Chardin, Reise-Beschreibung, 1687


Tafel 13

179 Salzburger Erstdrucker Johannes Baumann

434 Paris, Butterfield, um 1700

220 Einzelblatt, Persien, um 1600

261 Herbarium mit 250 Moospr채paraten, um 1815


Tafel 14

424 Mit arabischer Beschriftung

426 Mit Sanskrit-Beschriftung

425 Kopie nach Descrolières, 1580

427 Mit arabischer und persischer Beschriftung


Tafel 15

428 Paris, Meurand, um 1780

429 Indischer Himmelsglobus, 1839/40


Tafel 16

320 Eulers Atlas geographicus

417 Voch, Die Kunst Situationsplane zu zeichnen, 1781


Tafel 17

267 Reitter und Abel, Holzarten, 1804

257 Edwards, Botanical Register

270 Roques, Phytographie mĂŠdicale, 1821-24

265 Piccioli, Coltivazione de' fiori, 1840


Tafel 18

470 Admiral, Insekten, 1774

474 Booth, Birds of the British Islands, 1881-87

485 Knorr, Schnecken und Muscheln, 1757-72


Tafel 19

481 Geoffroy-Saint-Hilaire und Cuvier, Mammifères, 1824

478 Charpentier, Libellulinae Europaeae, 1840

479 Charpentier, Orthoptera, 1841-45


Tafel 20

1174, 1132 Monogrammiert

298 Erste Ausgabe

644 Kaukol, Christlicher Seelenschatz, 1729

699 Datiert 1804


Tafel 21

701 Niederbayern, um 1835

755 Reisebibliothek, um 1813-23

736 Das erste ganz in Kupfer gestochene Buch


Tafel 22

1216 Imprimerie Royale, 1727

833 Erste armenische Ausgabe der Aeneis, 1845

1391 Aus dem Besitz von Michel d'Asquier


Tafel 23

891 1914

911 1965

937 1955

933 1954


Tafel 24

977 Tortendekorationen, 1915

735 Prinzessin Brambilla, 1821

843 Bilibin, Wolga, 1904


Tafel 25

994 K. und k. Uniformen, 1783

988 Seltener Augsburger Taschenkalender

992 Dames Parisiennes, 1803

988


Tafel 26

999 Reilly, Kgl. preußische Regimenter, 1796

1098 Aus Geigers Nachlaß

996 Trentsensky, K. und k. Armee, 1837-40


Tafel 27

1288 Innsbruck, 1947

1102 Jeu du Percepteur, um 1900


Tafel 28

1106 Freisch端tz, um 1830

1107 Transformationskarten, 1817


Tafel 29

543 Stockholm, 1768

1262 Price, Venice, 1843


Tafel 30

1270 Neueste Reisebeschreibungen, 1808-19

1747 OrientexpreĂ&#x;, um 1885/90


Tafel 31

1848 Simpson, War in the East, 1855-56

1857 Spilsbury, Holy Land, 1819


Tafel 32

1483 Rote Original-Leinwand

1482 Blaue Original-Leinwand

1706 OrientalistenkongreĂ&#x; 1889

1488 Original-Halbleder mit Glasperlen


Tafel 33

1636 Buchschmuck von L. Goldschmidt

1496 Aus der Bibliothek von Colbert

1725 Komplette Folge

1547 Guer, Turcs, 1747


Tafel 34

1651 Mit Erstdruck von Ibn Chaldun

1362 Walsh, Costantinople, 1838-40

1994 Exemplar des Herzogs von York


Tafel 35

1888 Mit seltenen Flugschriften

1593 Rom, Typographia Medicea, 1592

1477 Mit Holzschnitten von Amman

1450 Castellan, Othomans, 1812


Tafel 36

1681 Lyon, Northern Africa, 1821

1573 Hedenborg, Turkiska nationens, 1839

1560 Schebisteris Rosenflor, 1838


Tafel 37

1652 Langlois, Cilicie, 1861, koloriert

1828 Schlatter, RuĂ&#x;land, 1830

1726 Der neue Orient, 1917-22

1912 Wietz, Osmanisches Reich, 1828


Tafel 38

1534 Gell, Topography of Troy, 1804

1581 Hobhouse, Albania, 1813


Tafel 39

1698 Mayer, Ainslie’s Views, 1811

1699 Mayer, Caramania, 1803


Tafel 40

1926 Japanische Handschrift

1928 K么no Bairei, 1904

1938 Imao Keinen, 1891-92

1938


Tafel 41

1946 Kaigai Tennen, Textildesign, 1899

1942 Sammelalbum, um 1877-88

1942


Tafel 42

1967 Seltener Originaleinband

1966 Einziges bekanntes Exemplar

1959 1850

1971 1888


Tafel 43

1992 Panorama Wittelsbacher Land, um 1870

3183 Sammlung Schweiz


Tafel 44

3052 Seutter, Louisiana

3155 Mercator-Hondius


Tafel 45

3083 Auf Seide gemalt

3219 Aeronautik, 17 Bl채tter


Tafel 46

3224 Medina

3226 Pilgerfahrt nach Mekka


Tafel 47

3229 Türkischer Straßenräuber

1767 Ateliers Leroux, Hougas, Sébah & Joaillier

3227 Sultan Abdul Hamid II.


Tafel 48

3234 Carl Haag, um 1870

3225 WeiĂ&#x;enburger Bilderbogen, um 1880

3240 OrientmĂźller?, um 1870

3232 Alastair, Colombine, 1964


Tafel 49

3255 Paris, um 1925-30

3246 Schaukasten, Ende 18. Jhdt.

3255


1

Handschriften

Nr. 6

Östlicher Kulturkreis

1

Quran. – Single sheet from an Arabic kufic manuscript on vellum. Orient (Middle East or North Africa), 9th century. 21,5 x 30,2 cm. With a rosette in gold and gouache. Diacritic marks in brown (probably later), vocalisation marks (dots) in red. 10 lines. – Kufic manuscript written in black ink, according to the classification by Déroche, it can be attributed to subgroup D.I (or II), with a dating in the 9th postChristian century; see: François Déroche, The Abbasid Tradition, London 1992 (The Nasser D. Khalili Collection of Islamic Art, Vol. I), no 20 (style D.I, p. 68). – The polychromatic rosette with inscribed numeric value; the red dots are vocalisation marks. The diacritic marks in form of small slashes were added later on in black ink. – Slightly brittle at some places of script and in the middle fold, about a third of the leaf with dark waterstain, the vellum there uneven, hardly rubbing on both sides, browned and soiled.

KORAN – Einzelblatt aus einer arabischen KufiHandschrift auf Pergament. Abbasidisch (Naher Osten oder Nordafrika), 9. Jhdt. 21,5 x 30,2 cm. Mit einer Rosette in Gold und Deckfarben. Diakritische Zeichen in Braun (wohl nachträglich), Vokalzeichen (Punkte) in Rot. 10 Zl. 1.200,In schwarzer Tinte abgefaßte Kufi-Handschrift, der Einteilung von Déroche entsprechend der Untergruppe D.I (oder II) zuzuordnen, mit einer Datierung in das 9. nachchristliche Jahrhundert; siehe: François Déroche, The Abbasid Tradition, London 1992 (The Nasser D. Khalili Collection of Islamic Art, Vol. I), Nr. 20 (Stil D.I, S. 68). – Die polychrome Rosette mit eingeschriebenem Zahlenwert; die roten Punkte sind Vokalzeichen. Die diakritischen Zeichen in Form kleiner Schrägstriche wurden später in brauner Tinte hinzugefügt. – An wenigen Stellen der Schrift und im Mittelfalz leicht brüchig, etw. ein Drittel des Bl. mit dunklem Wasserrand, dort auch das Pgt. wellig, kaum Abrieb auf beiden Seiten, gebräunt und fleckig.

2

– Zwei Blätter aus einer arabischen Kufi-Handschrift auf Pergament. Abbasidisch (Naher Osten oder Nordafrika), 9. Jhdt. Je ca. 20 x 27,8 cm. Mit mehreren kleinen goldgehöhten Rosetten als Verstrennern. Diakritische Zeichen in Braun, Vokalzeichen (Punkte) in Rot. 7 Zl. 1.500,-


2

Handschriften

Zwei Einzelblätter aus einer Koranhandschrift in Kufi mit dem Schriftduktus der Untergruppe D.II laut Déroche, nach der Schrift und der verhaltenen Illumination mittels kleiner Goldrosetten mit Farbpunkten in das 9. nachchristliche Jahrhundert datierbar; siehe: François Déroche, The Abbasid Tradition, London 1992 (The Nasser D. Khalili Collection of Islamic Art, Vol. I), S. 25 (Illumination), S. 44/45 (Schrift) und S. 67-71 (Vergleichsbeispiele Nr. 19-23). – Vokalisation durch einfache und doppelte rote Punkte, diakritische Zeichen in Form kleiner Schrägstriche ursprünglich. – Einige Schriftzeichen durch Tintenfraß mit Durch- und Ausbrüchen, beide Bl. mit dunklem Wasserrand (hier die Tinte verlaufen und das Pgt. wellig), das eine Bl. mit größerem Ausbruch am unteren Rand bis in die Schrift reichend; Fellseite jeweils stark abgerieben; gebräunt und fleckig. Quran. – Two sheets from an Arabic kufic manuscript on vellum. Abbasid (Middle East or North Africa), 9th century. Each ca. 20 x 27,8 cm. With several small rosettes heightened in gold as verse markers. Diacritic marks in brown, vocalisation marks (dots) in red. 7 lines. – Two single sheets from a kufic Quran manuscript in the style of subgroup D.II according to Déroche, can be dated in the 9th post-Christian century after the script and illumination with small gold rosettes with coloured dots; see: François Déroche, The Abbasid Tradition, London 1992 (The Nasser D. Khalili Collection of Islamic Art, Vol. I), p. 25 (illumination), p. 44/45 (script) and pp. 67-71 (comparative examples nos. 19-23). – Vocalisation marks by single and double red dots, diacritics in form of small slashes originally. – Some characters with breaks and perforations due to ink oxidation, both sheets with dark waterstain (here the ink is blurred and the vellum is uneven), one leaf with larger break-out at lower margin reaching up to script; hair side heavily rubbed off; browned and soiled.

3

– Einzelblatt aus einer arabischen Kufi-Handschrift auf Pergament. Abbasidisch (Naher Osten oder Nordafrika), 9. Jhdt. 18,7 x 27,6 cm. Mit einer Rosette in Gold und Deckfarben. Diakritische Zeichen in Schwarz (nachträglich), Vokalzeichen (Punkte) in Rot, je einer grün und blau. 5 Zl. 2.500,Gut erhaltenes Blatt in monumentaler Kufi-Schrift (Zeilenhöhe ca. 3 cm), geschrieben in dunkelbrauner Tinte. Der Text stammt aus dem Mittelteil von Vers 109 der zweiten Koran-Sure. Der Duktus gehört zur Gruppe D, entsprechend der Einteilung von Déroche die Variante D.III. Vergleichsbespiele werden gewöhnlich in das 9. nachchristliche Jahrhundert datiert; siehe: François Déroche, The Abbasid Tradition, London 1992 (The Nasser D. Khalili Collection of Islamic Art, Vol. I), Nr. 25 (S. 76) und 34/35 (S. 84) – Die polychrome Rosette mit eingeschriebenem Zahlenwert; die roten Punkte sind Vokalzeichen. Die diakritischen Zeichen in Form kleiner Schrägstriche wurden später in schwarzer Tinte hinzugefügt. – Schrift an einzelnen Stellen infolge von Tintenfraß brüchig (Ausbruch gering), Rückseite (Fellseite) abgerieben, aber noch lesbar; gebräunt und fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 1. Quran. – Single sheet from an Arabic kufic manuscript on vellum. Orient (Middle East or North Africa), 9th century. 18,7 x 27,6 cm. With a rosette in gold and gouache. Diacritic marks in black (afterwards), vocalisation marks (dots) in red, one green, one blue. 5 lines. – Well preserved leaf in monu-

mental kufic script (line height ca. 3 cm), written in dark brown ink. The text is from the middle part of verse 109 of the second Quran sura. The style belongs to group D, according to the classification by Déroche, it is version D.III. Comparative examples are usually dated in the 9th postChristian century; see: François Déroche, The Abbasid Tradition, London 1992 (The Nasser D. Khalili Collection of Islamic Art, Vol. I), no 25 (p. 76) and 34/35 (p. 84). – The polychromatic rosette with inscribed numeric value; the red dots are vocalisation marks. The diacritics in form of small slashes were added later on in black ink. – Script brittle at some places due to ink oxidation (minor break), verso (hair side) rubbed off, but still legible; browned and soiled. – See illustration on plate 1.

4

– Einzelblatt aus einer arabischen Kufi-Handschrift auf Pergament. Abbasidisch (Naher Osten oder Nordafrika), 9. Jhdt. 17 x 26,3 cm. Mit einer Rosette in Gold und zahlr. floralen Darstellungen zwischen den Buchstaben und an den Rändern in Gold. Vokalzeichen (Punkte) in Rot. 5 Zl. 4.000,Illuminiertes Blatt aus einer einst wohl prächtigen Koranhandschrift mit feinen goldenen Blumen- und Blattdarstellungen zur Flächenfüllung, die die große, in schwarzer Tinte abgefaßte Kufi-Schrift (Zeilenhöhe ca. 2,5-3 cm) ornamental umspielen. Meist sind dies schmale Blattformen, doch finden sich auch mehrere Blüten darunter. Unter den erhaltenen abbasidischen Kufi-Handschriften der Zeit vor der Jahrtausendwende ist eine derartige Illumination nur selten anzutreffen. Der Schriftduktus gehört der Untergruppe D.I an, entsprechend der Einteilung von Déroche. Handschriften in diesem Duktus werden gewöhnlich in das 9. nachchristliche Jahrhundert datiert; siehe: François Déroche, The Abbasid Tradition, London 1992 (The Nasser D. Khalili Collection of Islamic Art, Vol. I), Nrn. 19-23 (S. 67-71). – Die roten Punkte sind Vokalzeichen, diakritische Zeichen fehlen hier noch. – Schrift an einzelnen Stellen infolge von Tintenfraß brüchig (mit leichtem Verlust durch Ausbruch an mehreren Buchstaben), Rückseite (Fellseite) abgerieben, aber noch lesbar; gebräunt und fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 1. Single sheet from an Arabic kufic manuscript on vellum. Abbasid (Middle East or North Africa), 9th century. 17 x 26,3 cm. With gold rosette and numerous floral illustrations in gold between the letters and in margins. Vocalisation marks (dots) in red. 5 lines. – Illuminated leaf from a once magnificent Quran manuscript with fine golden illustrations of flowers and leaves to fill spaces, the latter as ornamental border of the large kufic script written in black ink (line height ca. 2,5-3 cm). There are mostly leaf shapes, but also blossoms here and there. Very rarely one can find such an illumination among the preserved Abbasid kufic manuscripts in the pre-millennial. The script style belongs to subgroup D.I, according to the classification by Déroche. Manuscripts in this style are normally dated in the 9th postChristian century; see: François Déroche, The Abbasid Tradition, London 1992 (The Nasser D. Khalili Collection of Islamic Art, Vol. I), nos. 19-23 (pp. 67-71). – The red dots are vocalisation marks, diacritic marks still missing here. – Script brittle at some places due to ink oxidation (with slight loss due to break-out at several letters), verso (hair side) rubbed off, but still legible; browning and staining. – See illustration on plate 1.


Handschriften

5

Islamic Art, Vol. I), table IV, p. 44f. All examples illustrated by Déroche show small variations to our manuscript; close analogies can be observed with the numbers 23 (p. 71, modified form of D.I) and 32 (style D.IV) as well as some other manuscripts of the groups D.III and D.IV, Déroche dates all of them in the 9th century. As regards the present manuscript fragment we concur with this dating. The illumination serves as verse division by means of polychromatic rosettes and golden letters with certain numeric values, the red dots are vocalisation marks; in addition two sura headings in gold. The diacritic marks in form of small slashes, as they were used in Quran manuscripts since the early 8th century. Polychromatic rosettes, vocalisation marks and diacritic marks are common already in the pre-millennial (whereas the earlier studies often assumed they were subsequent additions). – The Quran fragment was probably integrated in the present calf binding in the 19th century (today unstuck), but also shows various older binding traces. – One leaf with larger perforation (loss of some words), handwriting brittle at some places or with breaks due to ink oxidation (all leaves more or less affected), texts of versos (hair side) heavily rubbed off, but still legible, margins with binding traces (holes, threads, remains of paper strips) and damages; browned and soiled. – Transcriptions and English translations of the texts enclosed. – See illustrations on plate 2.

– Neun Blätter aus einer arabischen Kufi-Handschrift auf Pergament. Abbasidisch (Naher Osten oder Nordafrika), 9. Jhdt. Ca. 23 x 33 cm. Mit einigen Hisb- und Dschuszeichen in Form von Rosetten in Gold und Deckfarben. Einzelne Texthervorhebungen in Gold, diakritische Zeichen in Schwarz, Vokalzeichen (Punkte) in Rot. 14 Zl. Flex. Ldr. d. 19. Jhdts. (stark beschabt). 40.000,Die neun zusammengehörigen Blätter sind das Fragment einer sehr frühen Koranhandschrift mit Texten aus den Suren 31-33, abgefaßt im kufischen Schriftduktus mit schwarzer Tinte. Die Schriftzeichen lassen sich der Gruppe D entsprechend der Einteilung von François Déroche zuordnen. Es handelt sich um eine Variante mit Elementen der Untergruppen D.II-D.IV. Die Vergleichsbespiele von Kufi-Handschriften der Gruppe D werden gewöhnlich in das 9. nachchristliche Jahrhundert datiert; siehe: François Déroche, The Abbasid Tradition, London 1992 (The Nasser D. Khalili Collection of Islamic Art, Vol. I), Tabelle IV, S. 44f. Alle bei Déroche abgebildeten Beispiele zeigen kleine Abweichungen zu unserem Manuskript; enge Übereinstimmungen sind gegenüber den Nummern 23 (S. 71, modifizierte Form von D.I) und 32 (Stil D.IV) sowie einigen anderen Manuskripten der Gruppen D.III und D.IV feststellbar, die von Déroche sämtlich ins 9. Jahrhundert datiert werden. Dieser Datierung können wir uns bei dem vorliegenden Handschriftenfragment anschließen.

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Die Illumination dient der Versunterteilung mittels polychromer Rosetten und goldener Buchstaben mit bestimmten Zahlenwerten, die roten Punkte sind Vokalzeichen; dazu zwei Surenüberschriften in Gold. Die diakritischen Zeichen in Form kleiner Schrägstriche, wie sie seit dem frühen 8. Jahrhundert in Koranhandschriften Verwendung fanden. Polychrome Rosetten, Vokalisationspunkte und diakritische Zeichen sind ebenfalls bereits in der Zeit vor der Jahrtausendwende üblich (während die frühere Forschung oft von nachträglichen Hinzufügungen ausgegangen ist). – Das Koranfragment ist vermutlich im 19. Jahrhundert in den vorliegenden Ledereinband eingebunden worden (heute gelöst), weist aber auch diverse ältere Bindespuren auf. – Ein Bl. mit größerem Durchbruch (Verlust einzelner Wörter), Schrift an einigen Stellen brüchig bzw. mit Ausbrüchen infolge von Tintenfraß (alle Bl. mehr oder weniger betroffen), Texte der Rückseiten (Fellseiten) jeweils stark abgerieben, aber noch lesbar, Ränder mit Bindespuren (Löcher, Fäden, Reste von Papierstreifen) und Läsuren; gebräunt und fleckig. – Transkriptionen und englische Übersetzungen der Texte beiliegend. – Siehe Abbildungen Tafel 2. Quran – 9 leaves from an Arabic kufic manuscript on vellum. Abbasid (Middle East or North Africa), 9th century. Ca. 23 x 33 cm. With some verse markers in form of rosettes in gold and gouache. Some text accentuations in gold, diacritic marks in black, vocalisation marks (dots) in red. 14 lines. Limp calf of the 19th century (heavily scratched). – The nine leaves belonging together are the fragment of a very early Quran manuscript with texts from the suras 31-33, written in kufic script style with black ink. The characters can be attributed to group D according to the classification by François Déroche. It is a version with elements of the subgroups D.II-F.IV. The comparative examples of kufic manuscripts of group D are normally dated in the 9th postChristian century; see: François Déroche, The Abbasid Tradition, London 1992 (The Nasser D. Khalili Collection of

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– ZWEI EINZELBLÄTTER aus einer Koranhandschrift. Wohl Mamlukisch. Vielleicht Kairo oder Damaskus, 15. Jhdt. Je 25 x 17,8 cm. Mit je einem goldgehöhten Dschus-Zeichen und mehreren goldgehöhten Verstrennern. Schrift in Schwarz mit einzelnen roten Rezitationszeichen. 7 Zl. Zus. unter Passepartout. 800,Dekorative Blätter mit großer Schrift im Muhaqqaq-Duktus in sehr schöner, qualitätvoller Kalligraphie. Das relativ dicke, leicht geglättete Papier spricht für eine Entstehung im 15. Jahrhundert, wahrscheinlich in einer Kapitale der mamlukischen Provinzen wie Kairo oder Damaskus unter der Burdschiyya-Dynastie (1382-1517). – Blätter nicht aufeinanderfolgend mit unterschiedlichen Surentexten, rechts Sure 26 (al-Shuara), Verse 206-14, Rückseite wohl Verse 199-205, links Sure 27 (an-Naml), ab Vers 9, Vorder- und Rückseite. – Ränder abgegriffen, gebräunt und fingerfl. sowie mit kleinen Läsuren. – (Sammlung Herry W. Schaefer). – Siehe Abbildung Seite 1. 2 single leaves from a Koran manuscript. – Decorative leaves with large handwriting, in Muhaqqaq ductus, in very beautiful and high-quality calligraphy. – Leaves not successive with different sura texts, on the right sura 26 (al-Shuara), verses 206-14, verso probably verses 199-205, on the left sura 27 (an-Naml), from verse 9 onwards, recto and verso. – Margins worn, browned and much-thumbed, some small damages as well. – (The property of Herry W. Schaefer). – See illustration on page 1.

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KITAB AL-MUJIB (Sternenkunde). Persische Handschrift auf geglättetem Papier. Persien, dat. 908 (d. i. 1502). 29 nn. Bl. Hervorhebungen und Einfassungslinien in Rot. 9 Zl. Mod. Hldr. unter Verwendung des alten Deckelschilds und alter Buntpapierbezüge. 800,-


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Handschriften

Kommentaren und Zusätzen umgeben, viele davon auch auf kleineren Einlageblättern, die zumeist von derselben Hand geschrieben sind, teils aber auch von späteren Besitzern stammen. Derartige Gebrauchshandschriften wurden nach dem Tod des Eigners in der Regel wieder an andere Gelehrte veräußert, die das Manuskript ihrerseits mit Kommentaren versehen haben. – Die „Mukhtasar fi usul al-fiqh“ (auch: „Mukhtasar al-Muntahá“) ist ein Auszug aus dem islamischen Rechtsbuch „Muntaha al-sul“ des Ibn al-Hajib (1175-1249); vgl. dazu: S. A. Jackson, Islamic Law and the State, Leiden 1996, S. 5ff. – Auf westlichem (italienischen?) Papier mit Wasserzeichen eines Kleeblattes über einem Stab mit Buchstaben H und Z (weitere Wasserzeichen schwer zu identifizieren). Die Form dieses Wasserzeichens läßt auf eine Datierung vor dem 18. Jahrhundert schließen. Das nur noch in Resten vorhandene Marmorpapier auf den Deckeln ist typisch für osmanische Einbände. – Nach fol. 3 fehlen wohl mehrere Bl. – Einzelne Bl. mit kleinen, restaurierten Einrissen und Schäden an den Ecken sowie im Bug (kaum Textverlust); stellenw. Randausbrüche, wasserrandig und etw. fleckig.

Astronomische Abhandlung ohne Nennung eines Verfassers (der Titel lautet vollständig: „Kitab al-Mujib fi ilm al-Falak“). Einfache Gebrauchshandschrift in schlichtem Nastaliq mit gelegentlichen Randglossen. Titelseite durch Goldrahmung (stark abgerieben) hervorgehoben. Der Kolophon am Ende mit der deutlich lesbaren Jahreszahl „908“. Das offenbar vom Vorgängereinband übernommene

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HADITH – „Al-Mashariq fi al-Hadith“. Arabische Handschrift auf Papier. Syrien?, wohl 17./18. Jhdt. Einzelne Hervorhebungen in Rot. 132 nn. Bl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. (beschabt und bestoßen). 5.000,Gebrauchshandschrift im Nasri-Duktus mit den außerkoranischen Überlieferungen zur Lehre und zum Leben des Propheten (Hadith), bestimmt für die Ausbildung Gelehrter. Das Exemplar wurde offenbar in einigen Generationen tradiert und dabei mit vielen Anmerkungen und Kommentaren versehen. Der ursprüngliche Text ist in brauner Tinte geschrieben und könnte noch auf das 17. Jahrhundert oder auf eine noch frühere Zeit zurückgehen. Dieser Text ist am Anfang, in der Mitte und am Ende in schwarzer Tinte in späterer Zeit ersetzt worden. Dazu nennt sich auch ein Schreiber namens Ayyub Ibn Amir Hajj al-Hanafi in Aleppo. – Zahlreiche Bl. mit alten Restaurierungen von Randschäden und zum Teil größeren Ausrissen; gebräunt und fleckig. Manuscript for use in Nasri style with the conventions and traditions to the teaching and life of the prophet (Hadith), designed for the formation and training of scholars. The copy was obviously passed on in several generations and thus provided with many annotations and comments. The original text is written in brown ink and could go back to the 17th century or even earlier. This text has been replaced at the beginning, in the centre and at the end in black ink at a later period. A scribe named Ayyub Ibn Amir Hajj al-Hanafi at Aleppo is mentioned here. – Numerous leaves with old restorations of marginal damages and partly larger tear-outs; browned and soiled. – Contemporary blind-pressed calf (scratched and scuffed).

Nr. 7 Deckelschild nennt den Namen eines Qalami (?), der vielleicht als Autor in Frage kommt. Vier Bl. Vorsatz mit späteren Ergänzungen und Notizen. – Restauriert, einige Bl. mit alten Randreparaturen, mehrere mit professionellen Randergänzungen aus neuerer Zeit, wasserrandig, fleckig und gebräunt. – Siehe Abbildung.

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FIQH – MUKHTASAR fi usul al-fiqh. Arabische Handschrift auf leicht geglättetem Papier. Osmanisches Reich, 17. Jhdt.? 4° (20,3 x 15 cm). 239 nn. Bl. Hldr. d. Zt. mit übergreifender Deckellasche (Rücken und Gelenk der Lasche erneuert, Buntpapierbezüge der Deckel weitgehend abgerieben, stark beschabt und bestoßen). 600,Theologische Gebrauchshandschrift, abgefaßt in schlichtem Naskhi-Duktus von einem Gelehrten des islamischen Rechts, des Fiqh. Der eigentliche Text ist von zahllosen

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KORAN – 9. Dschus des Koran (mit den Suren 7 und 8). Arabische Handschrift auf geglättetem Papier. Osmanisches Reich, wohl 17. oder 18. Jhdt. Mit Kopfstück in Gold und Deckfarben, Surenüberschrift in Gold sowie zahlr. Versteilern in Gold und Deckfarben. Text in Schwarz. 22 nn. Bl. 9 Zl. Rotes Ldr. d. Zt. mit je einer goldgepr. Intar-


Handschriften

Gebrauchshandschrift in durchschnittlicher Kalligraphie von einem Schreiber namens Zaiudin, geschrieben auf leicht goldgesprenkeltes Papier in schwarzer Tinte. – Der berühmte „Diwan“ des persischen Dichters Hafis (arabisch Hafiz, Ehrentitel für jene, die den Koran auswendig können), eine im 14. Jahrhundert entstandene, im Laufe der Zeit um fremde Texte erweiterte Gedichtsammlung. – Bl. 98 fehlt (herausgerissen), am Ende etw. Textverlust (es fehlt wohl ein Blatt). – Einzelne Bl. mit Randläsuren und Ausrissen (gelegentlicher leichter Textverlust); etw. gebräunt, fleckig sowie stellenw. wasserrandig.

sie auf den Deckeln und übergreifender Deckellasche (Vorderdeckel mit Etikett mit Betitelung in Türkisch, etw. wasserrandig, berieben und bestoßen). 300,Koranauszug, wohl zum Gebrauch in einer Moschee bestimmt. Verhältnismäßig große Schrift im Naskhi-Duktus in recht guter Kalligraphie auf festem Papier. – Ein Dschus ist ein Abschnitt des Korans, der ein Dreißigstel des Gesamttextes enthält. – Ränder mit einigen alt restaurierten Schäden; fleckig und gebräunt. – Beiliegend eine zweite, leere Einbanddecke, die früher ebenfalls einen KoranDschus enthalten hat.

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SAADI – Golestan (Der Rosengarten) und Bustan (Der Fruchtgarten). Persische Handschrift auf leicht geglättetem Papier. Iranischer Kulturkreis, frühes 17. Jhdt. (vor 1623). 19 x 11,5 cm. Mit ganzseit. Deckfarbenminiatur, zwei Kopfstücken am Textbeginn in Gold und Deckfarben sowie doppelten Textrahmen in Gold. Überschriften und Hervorhebungen in Rot. 181 nn. Bl. Läd. Ldr. d. Zt. 600,Die beiden berühmten Dichtungen des Scheichs Saadi, jeweils auf den Mittelfeldern (Golestan) und am Rand (Bustan) im Nastaliq-Duktus in durchschnittlicher, nicht besonders hochstehender Kalligraphie niedergeschrieben. Schreiber und Datierung sind nicht angegeben, doch ergibt sich ein Terminus ante quem aus einem Vermerk auf dem hinteren Vorsatz, der das Jahr 1032 (1623 westlicher Zeitrechnung) nennt. – Am Anfang das sehr schlecht erhaltene Autorenporträt Saadis, mit aufgeschlagenem Buch im Garten auf einem Teppich sitzend. Der Text ist möglicherweise nicht ganz vollständig, da einige Lagen und Blätter lose sind. Einzelne Blätter aus blauem Papier. – Bindung in Auflösung, einzelne Wurmlöcher, vor allem am Anfang und am Ende stärker fleckig und gebräunt, einige Gebrauchsspuren. With full page gouache miniature, two head pieces at text beginning in gold and gouache as well as double text frames in gold. Captions and highlightings in red. – The two famous fictions by sheikh Saadi, written in an average not particularly high-quality calligraphy. – At the beginning the very badly preserved author portrait of Saadi, sitting on a carpet in the garden with an opened book. The text is probably not complete, as some quires and leaves are loose. Some leaves of blue paper. – Binding nearly unstuck, a few wormholes, mainly at the beginning and the end stronger soiling and browning, some signs of wear. – Contemporary damaged calf.

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HAFIS – DIWAN-I HAFIZ. Persische Handschrift auf geglättetem Papier. Iranischer Kulturkreis, 1072 (= 1661). Mit halbseit. 'Unwan in Gold und Deckfarben. Trennungslinien in Gold und Schwarz, jede Seite mit dreifacher Einfassungslinie in Gold, Schwarz und Blau. 264 (statt 265?) num. Bl. (ohne Bl. 98; das erste weiß). 13-14 Zl. Hldr. d. 19. Jhdts. (beschabt und bestoßen). 1.500,-

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Manuscript for use in ordinary calligraphy by a scribe called Zaiudin, written in black ink on paper slightly dotted with gilt. – Leaf 98 missing (torn out), some loss of text at the end (lacks probably one leaf). – Some leaves with marginal damages and tear-outs (occasionally with minor loss of text); a little browned, soiled and waterstained here and there. – Half calf of the 19th century (scratched and scuffed).

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FRAGMENT einer naturwissenschaftlichen arabischen Handschrift auf geglättetem Papier. 18./19 Jhdt.? 60 nn. Bl. Mod. flex. Ldr.-Umschlag. (vom Buchblock gelöst). 1.000,Gebrauchshandschrift im Naskhi-Duktus, die in neuerer Zeit (Ende 19. oder 20. Jahrhundert) mit 15 Deckfarbenminiaturen höfischer Szenen ausgestattet worden ist (jeweils etwa halbseitige Größe, über den Text gemalt). – Etw. fleckig und gebräunt. Manuscript for use with 15 gouache miniatures of court scenes. – Some soiling and browning. – Modern limp calf wrappers (unstuck from book-block).

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ISLAM – SAMMLUNG – Ein Koran und drei muslimische Gebetbücher (tls. inkomplett). Arabische Handschriften auf geglättetem Papier. Osmanisch, 18./19. Jhdt. Kleine Formate. 500,Enthält: I. Ein türkisch-arabisches Gebetbuch in recht qualitätvoller Kalligraphie im Naskhi-Duktus, mit einfachem Kopfstück am Anfang, goldenen Textrahmen sowie Goldpunkten als Verstrennern. Text am Ende unvollständig. Roter Halbleder-Einband. Wohl 18. Jahrhundert. Enthält Koranzitate, Gebete und Ausführungen über die Grundlagen des Islam. – II. Ein Bändchen mit religiöser Dichtung (vielleicht eine Kasside) in flüchtiger Kalligraphie (NaskhiDuktus), jedoch mit feinem Kopfstück in Gold und Deckfarben sowie durchgehend goldenen Textrahmen. 32 nachträglich paginierte Seiten. Moderner Halbleder-Einband. Wohl frühes oder mittleres 19. Jhdt. – III. Einen osmanischen Koran, bei dem die Illumination komplett unterblieben ist, der (vollständige) Text jedoch rubriziert wurde. Typischer Ledereinband mit Intarsien und Deckellasche (beschädigt). Wohl mittleres 19. Jahrhundert. – IV. Ein inkomplettes, schlecht erhaltenes Taschengebetbuch (vielleicht die „Dala'il al-hairât“) im Sedez-Format. – Einige Gebrauchsspuren. – Ohne Rückgaberecht.


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Miniaturen auch Höfisches, Tiere, Fabelwesen, Reiter-, Jagd- und Kampfszenen (teils mit Elefanten) sowie erotische Darstellungen. Die Madhumalati ist der einzige Text mit Datierung in unser Handschrift; sie enthält die Angabe des Jahres, „Samvat 1851“, also 1797 nach christlicher Zeitrechnung.

HADITH – Arabische Handschrift auf dünnem geglätteten Papier. Östliches Nordafrika/Ägypten?, 1125 (d. i. 1713). 4°. 156 nn. Bl. 18 Zl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. (beschabt und bestoßen). 500,Im Naskhi-Duktus abgefaßte Gebrauchshandschrift ohne jede Hervorhebung oder Illumination, der Schrift nach zu schließen vielleicht im östlichen Nordafrika entstanden, enthaltend die Hadithsammlung „al-Muwatta'“ („der geebnete Pfad“), ein schariatisches Gesetzeswerk des Traditionariers Mâlik ibn Anas (um 715 – um 795), der auch im Kolophon genannt ist. Mâlik wirkte zeitlebens in Medina und begründete die nach ihm benannte malikitische islamische Rechtsschule. – Einige Randschäden und Ausrisse (ohne Textverlust) meist alt restauriert; gebräunt und fleckig.

Die weiteren Texte unserer Handschrift sind folgende: Pasakakevali (indisches Würfelorakel, fragmentarisch, nur Bl. 5 und 6 vorhanden, Bl. 1-4 fehlen; vorgebunden). – Savaligasaddevvanirata (25 Bl.; vorgebunden). – Kokasara oder Kokshastar (hinduistisches Buch vom Liebesspiel, verfaßt von Koka Pandit, basierend auf einem Sanskrittext mit dem Titel „Ratirahasya“, „Über die Kunst der Liebe“, 18 Bl.; nachgebunden, anschließend, auf dem Verso des letzten Blattes, ein Text mit Tabelle, ebenso auf den beiden Folgeblättern). – Am Ende ein medizinischer Text (9 Bl., tls. mit etw. Textverlust durch Randausbrüche). – Gebunden in Form eines „Ein-Lagen-Buchblocks“, also übereinandergelegte Doppelblätter (jeweils eine Einzellage), die mit Fadenbindung als Block zusammengehalten werden. – Ein Bl. mit Durchriß (Miniatur betroffen), einige mit Randschäden (meist durch Mäusefraß an den Ecken, Text nur vereinzelt betroffen); gebräunt und fleckig. – Siehe Abbildungen Tafel 3.

Manuscript for use written in Naskhi ductus without highlighting or illumination, after the handwriting probably made in the eastern part of North Africa, containing the Hadith collection „al-Muwatta“ („the smoothed path“). – Some damages in margin and tear-outs (not affecting text), mostly restored in former times; browned and soiled. – Contemporary blind-pressed calf (scratched and scuffed).

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MADHUMALATI – Indische Handschrift auf Papier. Rajasthan, spätes 18. Jhdt. Qu.-8° (16,4 x 21 cm). Mit 71 Deckfarbenminiaturen in roter Umrahmung. Hervorhebungen in Rot. Durchgehend mit roten Doppelstrichen an den Rändern regliert. 106 nn. Bl., als Teil einer Sammelhandschrift mit insgesamt 162 nn. Bl. Flex. bestickte Lwd. d. Zt. (fragmentarisch). 3.000,Das in einer Variante der Devanagari-Schrift abgefaßte Manuskript enthält insgesamt fünf Werke verschiedener literarischer Gattungen, unter denen der reich mit Miniaturen illustrierte Text „Madhumalati“ („nachtblühender Jasmin“) das bedeutendste ist. Diese populäre mystische Liebesgeschichte, die literarische und philosophische Traditionen des persischen und indischen Sufismus verbindet, wurde in der Mitte des 16. Jahrhunderts wohl von Mir Sayyid Manjhan Rajgiri verfaßt. Der Autor wird meist nur Manjhan genannt, weil die Zuschreibung an zwei in Frage kommende Dichter mit diesem Namensbestandteil nicht abschließend geklärt ist (vgl. dazu: S. C. R. Weightman, Symmetry and Symbolism in Shaikh Manjhan's Madhumalati, in: The Indian Narrative, hrsg. von Ch. Shackle und R. Snell, Wiesbaden 1992, S. 195ff.): „The poem is in the Avadhi dialect of Eastern Hindi and shares with most of the other works in the long and rich tradition of the Avadhi Sufi premakhyan the charateristic of combining an Indian story and narrative style with the symbolism and intentionality of the classical Persian masnavi. What is unique to Madhumalati is that it possesses a symmetry which is far from accidental. This symmetry serves to re-inforce the symbolism and points to even deeper levels of potential meaning and interpretation.“ – Sämtliche Miniaturen unserer Sammelhandschrift illustrieren die Madhumalati, wobei der Beginn (Bl. 1-29) ohne Miniaturen bleibt. Die ersten Darstellungen von recht kleinem Format (ca. 4 x 6 cm), die folgenden teils größer, eine sogar halbseitig. Alle sind unmittelbar in den Textfluß eingefügt, nur durch die Rahmen von der Schrift abgesetzt. Der Stil ist einfach, in der Art der Volkskunst, doch nicht ohne eine gewisse Feinheit im Detail. Unter den

Indian manuscript on paper. Rajasthan, late 18th century. Qu.-8° (16,4 x 21 cm). With 71 gouache illuminations in red framing. Highlightings in red. Framed throughout with red double lines at margins. 106 unnumbered leaves, as part of a collective manuscript with altogether 162 unnumbered leaves. – This manuscript written in a version of Devanagari script contains altogether five works of different literary categories of which the text of „Madhumalati“ with richly illustrated miniatures („night-blossoming jasmin“) is the most important one. This popular mystic lovestory combining literary and philosophical traditions of Persian and Indian Sufism, was probably written in mid-16th century by Mir Sayyid Manjhan Rajgiri. – All the illuminations of our collective manuscript illustrate Madhumalati, whereby the beginning (leaves 1-29) is without miniatures. The first illustrations are quite small in size (ca. 4 x 6 cm), the following partly larger, one even half-page. All are directly inserted in the text, only separated from the handwriting by the frames. The style is simple, a kind of folk art, but with a certain subtlety regarding each detail. Among the illuminations we find animals, fabulous creatures, equestrian, hunting and battle scenes (partly with elephants) as well as erotic illustrations. The Madhumalati is the only text with date in our manuscript; it contains the indication of the year, „Samvat 1851“, that is 1797 after the Christian calendar. – Bound in the form of a „one quire book-block“, that means double leaves one on top of the other (always a single quire), which are held together as a block with thread binding. – One leaf torn in two (affecting miniature), some with marginal damages (mostly damage by mice at corners, text affected only occasionally); browned and soiled. – Contemporary limp embroidered cloth (in fragments). – See illustrations on plate 3.

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DSCHALAL AD-DIN RUMI – „MASNAVIYE MA'NAVI“. Persische Handschrift auf geglättetem Papier. Wohl Iran, um 1800. Text von goldgehöhten Rahmen umgeben, sonstige Illumination nicht ausgeführt. Überschriften und Hervor-


Handschriften

pretieren sind, insbesondere durch die dargestellten Rosen. – Trägerkartons etw., Miniaturen nur wenig fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 4.

hebungen in Rot. 229 nn. Bl. (die letzten 2 ohne Text, nur Rahmen ausgeführt). Rotes lackiertes Ldr. d. Zt. mit vergoldeten Bordüren sowie grünen lackierten Dublüren mit doppelten Fileten in Gold (Rücken erneuert, Deckel beschabt und bestoßen). 800,Die bedeutende mystische Dichtung aus dem 13. Jahrhundert in einer kadscharischen Handschrift von durchschnittlicher Kalligraphie im Nastaliq-Duktus mit typischem kadscharischen Lackeinband aus der Zeit um 1800. Die Illumination, die für mehrere Zierseiten vorgesehen war, ist unausgeführt geblieben, ebenso der Kolophon am Ende (daher auch ohne Datierung und Nennung eines Schreibers). Am Anfang Besitzvermerke und zwei identische Besitzerstempel. – Schnitt mit alter Betitelung, anfänglich und am Ende mit wenigen leichten Verwischungen der Tinte, sonst nur wenig fleckig.

The classical tragic love story between Qais and Laila which was widespread in different versions throughout the Orient. – The outer covers with motifs showing flowers with birds, typical for enamel bindings in the Qajar period, but also to be seen in the context of the love story, in particular for the illustrated roses. – Supporting paper somewhat soiled, miniatures just a little. – Contemporary half calf with gouache paintings under varnish on both covers and doublures illustrating Qais (front) and Laila (rear) in gouache under varnish with ornamental borders (spine damaged, some small breaks and defects; scratched and scuffed). – See illustration on plate 4.

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The important mystic poetry from the 13th century in Qajar handwriting of average calligraphy in Nastaliq ductus with typical Qajar lacquer binding from the period around 1800. The illumination envisaged for several ornamental pages has not been executed, neither the colophon at the end (therefore without date and name of scribe). At the beginning ownership entries and two identical ownership stamps. – Edge with old titling, at the beginning and the end ink slightly blurred, otherwise only minimally soiled. – Contemporary calf lacquered in red with gilt ornamental borders and green lacquered doublures with double fillets in gold (rebacked, boards scratched and scuffed).

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MADSCHNUN LAILA – Album mit 11 Deckfarbenminiaturen, mont. auf Karton-Leporello. Persien, wohl erste Hälfte 19. Jhdt. 16,4 x 9,7 cm. Miniaturen: ca. 5-7 x 5 cm. Hldr. d. Zt. mit Deckfarbenmalereien unter Lack auf beiden Deckeln sowie Dublüren mit Darstellungen von Qais auf dem vorderen und Leila auf dem hinteren Deckel in Deckfarben unter Lack mit ornamentalen Rahmenbordüren (Rücken beschäd., einige kleine Ausbrüche und Fehlstellen; beschabt und bestoßen). 1.200,Die klassische tragische Liebesgeschichte („Der von Laila Besessene“) zwischen Qais und Laila, in unterschiedlichen Fassungen im ganzen Orient verbreitet. Im Persischen sind die Dichtungen von Nezami und Dschami die bekanntesten, aber es existierten daneben noch andere Versionen. Die im Kadscharischen nicht unübliche Form des Leporellos ist hier mit kleinen Miniaturen auf Papier in wechselnden Maßen gestaltet, die auf wesentlich größere feste Trägerkartons mit Leinengelenken montiert sind. Die Spiegelillustration des Einbands greift die Geschichte wieder auf, indem hier die Protagonisten sozusagen in ihrem Endzustand erscheinen: Qais, der den Verstand verloren hat und nackt unter wilden Tieren lebt, und die inzwischen verheiratete Laila, die in kostbaren Gemächern sitzt und zur Erinnerung an ihren Geliebten eine Blume in der Hand hält. Die äußeren Einbanddeckel mit den für Lackeinbände der Kadscharenzeit typischen Motiven von Blumen mit Vögeln, die allerdings auch im Kontext der Liebesgeschichte zu inter-

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KORAN – Arabische Handschrift auf geglättetem Papier. Osmanisches Reich (Istanbul?), erste Hälfte 19. Jhdt. 19 x 12,3 cm. Mit doppelseit. 'Unwan in Gold und Farben, goldgehöhten Textrahmen, einigen Sajdah-Zeichen in Gold und Farben sowie zahlr. Goldpunkten als Versteilern. 307 nn. Bl. 15 Zl. Beschäd. Ldr. d. Zt. mit Deckellasche. 1.000,Osmanischer Volkskoran in einfacher Kalligraphie im Naskhi-Duktus, die doppelte Eröffnungszierseite dekorativ in recht feiner Malerei ausgeführt. Nicht vorhanden sind ein Kolophon, die Surenüberschriften und die Dschus-Zeichen. Der mit roten Rezitationszeichen versehene Korantext ist dagegen vollständig. – Einbanddeckel mit erstem Bl. vom übrigen Buchblock gelöst, hintere Vorsätze mit Geburtseinträgen mehrerer Kinder (frühester Eintrag des Jahres 1297, westlich: 1880), erstes Bl. mit geringen Randschäden, zwei Bl. mit Eckabrissen; vereinzelte kleine Einrisse, meist nur gering fleckig und gebräunt. – Siehe Abbildung Tafel 4.

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– Arabische Handschrift auf geglättetem Papier. Osmanisches Reich (Istanbul?), wohl erste Hälfte 19. Jhdt. 18,5 x 12,5 cm. Mit doppelseit. 'Unwan in Gold und Farben, goldgehöhten Textrahmen, einigen goldhinterlegten Feldern u. a. der Surenüberschriften, Hisb- und Dschuszeichen in Gold und Farben sowie zahlr. Goldpunkten als Versteilern. 302 nn. Bl. 15 Zl. Rotbraunes Ldr. d. Zt. mit zehnfacher vergoldeter Lederintarsie und Deckellasche (Rücken alt restauriert; beschabt und bestoßen). 300,Einfacher osmanischer Koran, eine Gebrauchshandschrift in schlichtem Naskhi-Duktus mit dekorativer, doch etwas grob gemalter Anfangszierseite. – Text wohl vollständig, aber ohne Kolophon. – Gestiftete Handschrift mit den entsprechenden Waqf-Vermerken. – Vorsatz mit Exlibris und Bibliotheksetikett (beides kopfstehend eingeklebt), erste Zierseite mit kleiner Fehlstelle (Darstellungsverlust in der Bordüre), die Illumination vereinzelt mit Farbabklatsch; etw. gebräunt und fleckig. – (Sammlung Herry W. Schaefer).


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wegs gewesen ist. Nach dem Reisebericht „Éthiopie méridionale“, den Borelli 1890 veröffentlicht hat, war er vom 6. November 1887 bis 30. Mai 1888 in Jimma. Borelli berichtet von vielen Geschenken und Fundstücken, die er mitgebracht hat, darunter auch die vorliegende Handschrift, die er nach der Notiz auf dem Vorsatz vom König persönlich erhalten habe („trouvé chez le Roi de Djimma“). Borelli hat sie nach seiner Rückkehr offenbar einer Verwandten (Ehefrau?), Olga Borelli, geschenkt (Exlibris auf dem vorderen Vorsatz), die sie mit einem Pariser Meistereinband versehen ließ (Adolphe oder Ernest Fonteney; Fléty 73). – Wenige Bl. mit kleinen, alt restaurierten Ausrissen; etw. fleckig und gebräunt. – Siehe Abbildung Tafel 4.

KORAN – Arabische Handschrift auf geglättetem Papier. Osmanisches Reich, dat. 1236 (d. i. 1821). 12 x 8,5 cm. Mit doppelseit. 'Unwan in Farben, goldgehöhten Textrahmen, farb. hinterlegten Feldern u. a. der Surenüberschriften, Hisb- und Dschuszeichen in Gold und Farben sowie zahlr. Goldpunkten als Versteilern. 305 nn. Bl. 15 Zl. Dunkelbraunes Ldr. d. Zt. mit goldgepr. Deckeln, Deckellasche sowie goldgepr. Ldr.-Vorsätzen (etw. beschäd. und tls. überklebt). 300,Schlichter osmanischer „Volkskoran“ in gewöhnlichem Naskhi-Duktus mit dekorativer, doch etwas grob gemalter Anfangszierseite. – Im Kolophon werden das Datum und ein Schreiber genannt (Name schwer zu entziffern), der üblicherweise auch seinen Lehrer nennt. – Vorsätze beschäd. und tls. verklebt, einzelne Bl. mit Randausrissen, mehrere mit verwischter Tinte durch Feuchtigkeitseinwirkung; etw. wasserrandig, fleckig und gebräunt.

Prayer book from the southern part of Ethiopia written in a handwriting close to the North African Maghribi ductus. Islamic manuscripts of this region are extremely rare and are hardly to be found in the European trade. According to the colophon the manuscript for use is dated; one can find indications for month and year „Muharram 1238“ and 1244 with name of scribe Sa'id Ibn Muhammad Aman Ibn Shaykh Abram Shaykh. The text is supposed to come from Mulla 'Ali Ibn Sultan Muhammad al-Quri (Mulla Ali, son of Sultan Mohammed-el-Kari), an important Islamic scholar who died in 1605 according to our calendar. At the end qasida by the scribe. The schematic drawing depicts the tomb of the prophet at Medina. – Some leaves with small tear-outs restored in former times; a little soiled and browned. – Dark green morocco around 1890 on five bands with gilt-stamped spine title, gilt outside and interior edges as well as doublures in green silk, signed „Fonteney Rel.“ (spine slightly rubbed) in contemporary cloth slipcase (rubbed and scuffed). – See illustration on plate 4.

Gefunden von Jules Borelli 22

„SIKKAT AL-KHAYR“. (Der Weg des Glücks). Arabische Handschrift auf Papier. Südwestliches Äthiopien (Königreich Jimma), dat. 1828/29. 16,2 x 11 cm. Mit kleiner schematischer Zeichnung in Gelb und Rot. Hervorhebungen und Textrahmen in Rot. 204 nn. Bl. Dunkelgrünes Maroquin um 1890 auf fünf Bünden mit goldgepr. Rtit., Stehund Innenkantenvg. sowie Dublüren in grüner Seide, sign. „Fonteney Rel.“ (Rücken leicht berieben) in Lwd.-Schuber d. Zt. (berieben und bestoßen). 3.500,-

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Gebetbuch aus dem südlichen Äthiopien, abgefaßt in einer dem nordafrikanischen Maghribi-Duktus ähnlichen Schrift (Sudani-Duktus?). Islamische Handschriften aus dieser Region sind von großer Seltenheit und gelangen kaum in den europäischen Handel. Die Gebrauchshandschrift ist laut Kolophon datiert; es finden sich die Monats- und Jahresangaben „Muharram 1238“ sowie 1244 mit Nennung des Schreibers Sa'id Ibn Muhammad Aman Ibn Shaykh Abram Shaykh. Der Text soll von Mulla 'Ali Ibn Sultan Muhammad al-Quri (Mulla Ali, Sohn des Sultans Mohammed-elKari) stammen, einem bedeutenden islamischen Gelehrten, der im Jahr 1605 westlicher Zeitrechnung gestorben ist. Am Schluß eine Kasside des Schreibers. Die schematische Zeichnung bildet das Grab des Propheten in Medina ab. Die Provenienz des Manuskripts ist belegt: Laut einer französischsprachigen Notiz auf dem Vorsatz und der goldgeprägten Rückenbetitelung des Einbands stammt es aus dem Königreich Jimma, einer Herrschaft in der Region Gibe im südwestlichen Äthiopien. Diese politisch in mehrere Königreiche aufgeteilte Region hatte am Anfang des 19. Jahrhunderts einen bedeutenden islamischen Bevölkerungsanteil. Im Jahre 1830 ist auch König Abba Jiffar I. von Jimma zum Islam konvertiert und hat diesen zur Staatsreligion erhoben. Der Name des Entdeckers ist auf den Einbandrücken geprägt: der Landschaftsmaler und Forscher Jules Borelli (1852-1941), der als Reisender 1885-88 in Äthiopien unter-

KORAN – Arabische Handschrift auf geglättetem Papier. Osmanisches Reich (Istanbul?), dat. 1249 (= 1833/34). 17 x 11,3 cm. Mit doppelseit. 'Unwan sowie Kolophon in Gold und Farben, goldgehöhten Textrahmen, einigen goldhinterlegten Feldern der Surenüberschriften, Dschuszeichen in Gold und Farben sowie zahlr. Goldpunkten als Versteilern. 304 nn. Bl. 15 Zl. Beschäd. Rotbraunes Ldr. d. Zt. mit zehnfacher vergoldeter Lederintarsie. 400,Osmanischer Volkskoran, Gebrauchshandschrift in flüchtiger Kalligraphie (Naskhi-Duktus), die doppelte Zierseite am Anfang etwas grob, das Schlußblatt mit Kolophon ein wenig feiner, dort auch die ausführliche Angabe des Schreibers namens Mehmed Hamdi, der sich als Schüler des Seyyid el-Hâc Ahmed Hilmi (einem in seiner Zeit wohl berühmten Kalligraphen, der nachweislich um 1830 noch tätig gewesen ist). – Auf westlichem Büttenpapier mit Wasserzeichen (gekrönter Adler mit Buchstaben „GFA“). – Weiße Rückseite des Titels mit deutschem Schenkungsvermerk in Kugelschreiber, Bindung am Anfang und gegen Ende gelockert, einige Lagen lose (ohne Textverlust), erstes Bl. mit geringen Randausbrüchen; Ränder stellenw. wasserrandig, leicht fleckig und gebräunt.

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KASHFI – „TUHFAT AL-MULUK“. Persische Handschrift auf geglättetem Papier. Iran, dat. 1151 (recte: 1251?, d. i. 1835/36). 4° (29,5 x 18,5 cm). Mit Zierstück in Deckfarben am Textbeginn sowie


Handschriften

Wasserzeichen, darunter vor allem in der ersten Hälfte einem markanten mit einem Vogel (Adler) über einem Kreis und weiteren Beizeichen. – Der typische kadscharische Lackeinband mit reizvoller Darstellung üppiger Blumensträuße, bewohnt von je drei Vögeln, auf den Spiegeln stilisierte Blumen in wesentlich einfacherer Darstellung. – Rückseite des Eingangsbl. mit hs. Vermerken um 1880, eine Miniatur mit Einriß, eine weitere angeschnitten, einzelne Bl. mit alt restaurierten Einrissen und Randschäden (darunter letztes Bl. mit großem, hinterlegten Durchriß, wenig Textverlust), Farben der Miniaturen etw. durchschlagend, mit etw. Abrieb und Abplatzungen; stellenw. fleckig. – Siehe Abbildungen Tafel 5.

17 tls. goldgehöhten Deckfarbenminiaturen. Hervorhebungen in Rot. 384 nn. Bl. 21 Zl. Hldr. d. Zt. mit Deckfarbenmalereien unter Lack auf beiden Deckeln sowie Dublüren mit Blumendarstellungen in Deckfarben auf rotem Grund (Bezug mit kleinen Ausbrüchen und Fehlstellen; beschabt und bestoßen). 10.000,Reich illuminierte Handschrift über die Welterkenntnis und die Staatsphilosophie, deren Titel als „Geschenk für Herrscher (oder Könige)“ übersetzt werden kann. Diese bedeutende Schrift ist im Auftrag des Prinzen Muhammad Taqi Mirza, des Sohnes von Fath Ali Schah, dem zweiten König der Kadscharen-Dynastie in Persien, 1817/18 entstanden und ist das Hauptwerk des iranischen Philosophen Sayyid Ja'far ibn Ishaq Kashfi (um 1775 – um 1850), der in Borudscherd im westlichen Iran lebte. Prinz Muhammad Taqi (um 1791 – um 1848) war der achte Sohn des Schahs. Zu dessen Lebzeiten war er unter anderem Regent von Borudscherd, wurde aber nach dem Tod des Vaters im Jahre 1834 inhaftiert. Unsere Handschrift ist wohl in der letzten Lebenszeit von Fath Ali Schah begonnen und erst nach seinem Tod vollendet worden. Die Kalligraphie ist nicht besonders fein, was in Kontrast zu der reichen Illumination und prächtigen Bindung steht. Eigenartig ist auch, daß die Handschrift in Naskhi und nicht in dem im Persischen üblichen NastaliqDuktus abgefaßt ist, doch konnten die meisten persischen Kalligraphen auch Texte im Naskhi-Duktus schreiben, wenn das ein Auftraggeber – aus welchen Gründen auch immer – gewünscht hat. Vielleicht weisen diese Indizien darauf hin, daß es sich bei diesem Manuskript nicht um die Kopie eines professionellen Schreibers, sondern um die Handschrift eines Gelehrten (des Autors selbst?) handelt. Dem Vorwort zufolge wurde der Verfasser vom Prinzen aufgefordert, ein philosophisches Buch über die Erkenntnis der realen Welt, das Verstehen der Schöpfung und der Geschöpfe und deren Eigenschaften, Charaktere und Bedeutungen zu schreiben. Dementsprechend ist es in drei Kapitel unterteilt; dazu enthält es einen staatstheoretischen Epilog, der über die Weisheit der Staatsführung handelt. Am Ende empfiehlt der Autor die Übersetzung der Charta des Imam Ali to Malik Ashtar, als dieser Regent von Ägypten gewesen ist (im siebten Jahrhundert). Diese Charta enthalte alles, was man über Staatsführung wissen müsse. – Die Miniaturen visualisieren abstrakte Zusammenhänge in schematischen Bildern, darunter Verstand, Staatsaufbau, politische Theorie, die Grundlagen der islamischen Staatsidee etc. Kashfis Schrift war von erheblichem Einfluß auf die Politik des kadscharischen Iran, der in dieser Zeit die Auseinandersetzung mit dem Westen suchte. „The importance of Kashfi's political theory cannot be exaggerated. It is a consistent synthesis of the traditional Persian theories of kingship and the Shi'ite doctrines of Imamate and Occultation. As such it represents not only the removal of the anomalies of the Safavid legitimacy but also the definitive reconciliation of the secular and the religious cultures of pre-modern in Iran. We find Kashfi's dualistic theory of legitimate authority restated in the second half of the nineteenth century.“ (A. Arjomand, The Shi'ite Hierocracy and the State in Pre-modern Iran, in: Archives Européennes de Sociologie 22, 1981, S. 56). Am Ende des Textes ist das Datum 1151 genannt. Gemeint kann hier nur das Jahr 1251 sein, also 1835/36 christlicher Zeitrechnung. – Auf westlichem Büttenpapier mit mehreren

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Lavishly illuminated manuscript on the knowledge of the world and state philosophy whose title can be translated as „gift for sovereigns (or kings)“. This important treatise was written on behalf of prince Muhammad Taqi Mirza, the son of Fath Ali Shah, the second king of the Qajar dynasty in Persia in 1817/18 and is the major work by the Iranian philosopher Sayyid Ja'far ibn Ishaq Kashfi (around 1775 – around 1850) who lived in Borudscherd in the western part of Iran. Prince Muhammad Taqi (around 1791 – around 1848) was the eighth son of the Shah. He was regent of Borudscherd, but after the death of his father in 1834 he was imprisoned. Our manuscript was started during the last years of Fath Ali Shah and only finished after his death. The calligraphy is not very delicate which is in contrast to the rich illumination and magnificent binding. It is also peculiar that the manuscript is written in Naskhi and not in the usual Persian Nastaliq ductus, however, most of the Persian calligraphers could write their texts in Naskhi ductus if this was desired by the customer. Perhaps this is an indication that this manuscript is not a copy by a professional scribe, but the manuscript of a scholar (of the author himself ?). – The date at the end of the text is 1151. This should probably mean 1251, i. e. 1835/36 of our calendar. – On western handmade paper with several watermarks, among them in the first half a prominent one with a bird (eagle) above a circle and other marks. – Typical Qajar enamel binding with a charming illustration of lavish flower bouquets, three birds on each, on paste-downs stylized flowers illustrated in a more ordinary way. – Verso of introductory leaf with ms. notes around 1880, one miniature with tear, another one cut, some leaves with tears and marginal damages restored in former times (among them last leaf which is torn in two but backed, minor loss of text), colours of illuminations showing through a bit, somewhat rubbed off and bursted; soiling here and there. – Contemporary half calf with gouache paintings under varnish on both covers as well as doublures illustrating flowers in gouache on red background (cover material with small breaks and defects; scratched and scuffed). – See illustrations on plate 5.

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ESTHER-ROLLE. Hebräische Handschrift auf Pergament. Osteuropa, um 1900. Pgt.-Rotulus mit zus. 6 Teilen (zus. ca. 14 x 275 cm). 17 Zl. 300,Enthält das vollständige Buch Esther aus dem dritten Teil der hebräischen Bibel, den Ketubim (Schriften), und ist eine der sogenannten „Festrollen“ (neben Rut, Hohemlied, Kohelet und den Klageliedern) auf Grund ihrer Zuordnung zu den fünf großen jüdischen Festen (Esther zum Purimfest). – Am rechten Rand mit zahlr. Handhinweisen (Témoins). Leicht gebräunt.


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Handschriften

Nr. 27

Westlicher Kulturkreis

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(Zisterzienserkloster?). – Makulaturblätter mit dem vollen Schriftspiegel und recht breiten Rändern, nur an einer Längsseite jeweils beschnitten (geringer Buchstabenverlust), ein Bl. stärker gebräunt, beide etw. fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 6.

GRAMMATIK – ZWEI DOPPELBLÄTTER aus einer lateinischen Handschrift auf Pergament. Erste Hälfte 13. Jhdt. 4°. Mit vierzeiliger Initiale in Rot und Blau. Text einspaltig, von zwei Spalten Kommentar umgeben. Rubriziert. 22 Zl. 2.000,Zusammen acht Textseiten in frühgotischer Minuskel aus einer grammatikalischen Handschrift, wohl eine Sammlung verschiedener Traktate, darunter der Textbeginn mit dem Initium „Verbum quatriplici sensu credo variari sicut in his patet exemplis“. Diesen konnten wir lediglich bei einer einzigen weiteren Handschrift nachweisen, die sich in der Bibliothek der Shrewsbury School in England befindet (Cod. IV, ebenfalls eine Sammlung grammatikalischer Schriften, dort die Nr. 3, „De significatione verborum“, fol. 19r.-21v.; vgl. dazu: G. L. Bursill-Hall, A Census of Medieval Latin Grammatical Manuscripts, Bad Cannstadt 1981, S. 234, Nr. 262/2, sowie N. R. Ker und J. A. Piper, Medieval Manuscripts in British Libraries, Bd. IV, Oxford 1992, S. 292, Nr. 4/3: „115 lines of verse on the different meanings of similar verbs, mainly of the first conjugation“. Die Sammelhandschrift ist hier als „Versus grammaticales etc.“ katalogisiert. Nicht erfaßt im Repertorium initiorum manuscriptorum Latinorum medii aevi). – Die V-Initiale ist eine einfache zweifarbige Silhouetteninitiale mit spärlichem Federwerk, wohl aus einem provinziellen Skriptorium

Two double leaves from a Latin manuscript with parts of a rare treatise on grammar, written on vellum. First half of the 13th century. – Together eight text pages in early Gothic minuscule. – Waste sheets with the full text and wide margins, only trimmed at outer margin (minor loss of letters), one leaf stronger browned, both a little soiled. – See illustration on plate 6.

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DOPPELBLATT aus einem Lektionar. Lateinische Handschrift auf Pergament. Salzburg, 13. Jhdt. 33,5 x 44,6 cm. Mit zwei mehrzeiligen Initialen in Blau mit rotem Federwerk und einigen Lombarden in Rot. Hervorhebungen in Rot. 26 Zl. 200,Gut erhaltenes Makulaturblatt in frühgotischer Minuskel wohl des mittleren 13. Jahrhunderts. Enthält biblische Lesungen aus dem Buch Genesis, darunter den Traum des Pharao von den sieben fetten und den sieben mageren Jahren (Kapitel 41). Diese sind als „Feria III“ und „Feria IIII“ ausgewiesen, was auf ein Lektionar schließen läßt. Feria III beginnt mit einer kleinen V-Initiale; der Text davor aus der Genesis, Kapitel 39 (Joseph kommt an den Hof des Pharao). – Lokalisierung nach Schriftvergleich. – Makulaturblatt mit geringen Beschneidungen an den Ecken und leich-


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ten Faltspuren an den Rändern, Mittelfalz mit kleinen Einschnitten und Löchern, die ursprünglichen Einbandaußenseiten gedunkelt und etw. fleckig, die Innenseiten leicht gebräunt (leimschattig), Tinte stellenw. etw. verwischt. – Siehe Abbildung.

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Book of hours written by several scribes. The manuscript is fragmented; it can be assumed that some leaves are missing, probably the decorated pages at the beginning and the end. – Some leaves with restored tear-outs (some also with loss of text) and replaced corners (throughout professionally executed in vellum), text rubbed off and blurred at some places; a little soiled and browned. – Old waste sheet enclosed. – Modern vellum with 2 clasps. – See illustration on plate 5.

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noch aus der Entstehungszeit. – Grobes, festes Büttenpapier mit dem charakteristischen Wasserzeichen zweier gekreuzter Pfeile: verbreitet im mittleren bis späten 15. Jahrhundert vornehmlich in Italien und Südwestdeutschland; am nächsten dürfte Piccard 123354 (Konstanz 1461) kommen. – Provenienz: Alter Bestand des Antiquariats Rosenthal in München. – Buchblock gebrochen, etw. wasserrandig, sonst nur wenig gebräunt und fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 6.

BREVIER. Lateinische Handschrift auf Pergament. Frankreich?, zweite Hälfte 15. Jhdt. 16° (9,1 x 6,5 cm). Mit einigen zweizeiligen Initialen und zahlr. Lombarden in Rot. Hervorhebungen in Rot. 181 nn. Bl. 15 Zl. Tls. regliert. Mod. Pgt. mit 2 Schließen. 800,Von mehreren Schreibern in Textura mit schwarzer, teils auch dunkelbrauner Tinte abgefaßtes Stundenbuch, das, abgesehen von der Arbeit des Rubrikators, keinen zusätzlichen Buchschmuck aufweist. Die Handschrift ist allerdings fragmentiert; es ist davon auszugehen, daß am Anfang und am Ende jeweils einige Blätter fehlen, also auch die wohl ausgezierten Eröffnungs- und Schlußseiten. – Enthält die üblichen Psalmen, Gebete (mit gelegentlichen Collecta) sowie Fürbitten und Anrufungen der Heiligen (darunter Laurentius, Vinzenz, Johannes und Paulus, Wilhelm sowie Edmund, alle auf Bl. 168v.). – Einige Bl. mit restaurierten Ausrissen (einzelne auch mit Textverlust) und ergänzten Ecken (durchgehend professionell in Pgt. ausgeführt), an wenigen Stellen Textabrieb und verwischte Tinte; etw. fleckig und gebräunt. – Altes Makulaturbl. beiliegend. – Siehe Abbildung Tafel 5.

GIUSTINIANI – „HIC LIBELLUS EDITUS EST a R. d. Laurentio Justiniano venetiarum ep(isc)o(po). Incendium amoris yesu cristi“. Lateinische Handschrift auf Papier. Südwestdeutschland? um 1460. 4°. Mit 16 drei- bis vierzeiligen Initialen in Blau und Rot, die ersten mit etw. Federwerk. Hervorhebungen in Rot. 67 num. Bl. (das letzte weiß). 24 Zl. Blind regliert. Läd. flex. Pp. d. 19. Jhdts. 3.000,Wohl in einem südwestdeutschen Kloster entstandene Handschrift des „Tractatus de incendio divini amoris“, abgefaßt in sehr gleichmäßiger schleifenloser Bastarda. Das Manuskript wird vielleicht noch zu Lebzeiten oder bald nach dem Tod des Verfassers, des hl. Lorenzo Giustiniani (auch: Sankt Laurenz Justinian; 1381-1456), entstanden sein. Dieser war das prominenteste Mitglied der berühmten Venezianer Patrizierfamilie Giustiniani und erster Patriarch von Venedig. Seine aszetische Schrift vom „Feuer der göttlichen Liebe“ erlangte einige Verbreitung; gedruckte Gesamtausgaben seiner Werke sind indessen erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden. – Der Text beginnt mit den Worten „Quoniam infinitis pene laq(ue)is c(ir)cu(m)septa e(st) humana fragilitas“ und endet mit zwei Zeilen verbreiteter Schlußformeln: „Qui scripsi(t) scribat semper cu(m) d(omi)no vivat“ etc. – Auf dem vorderen Vorsatz ein Inhaltsverzeichnis von anderer Hand, doch wohl

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Manuscript of „Tractatus de incendio divini amoris“ probably from a monastery in South West Germany, written in very regular bastard fount. The manuscript, as it seems, was made during the lifetime or soon after the death of the author, St. Lorenzo Giustiniani (1381-1456). – On upper endpaper is a table of contents by another hand, but probably from the time of origin. – Rugged, strong rag paper with the typical watermark of two crossed arrows: wide-spread in mid till late 15th century, mainly in Italy and South West Germany; Piccard 123354 (Konstanz 1461) seems to be closest. – Provenance: Old stock of the Rosenthal antiquarian bookseller's at Munich. – Book-block broken, some waterstains, otherwise only minimally browned and soiled. – Damaged limp vellum of the 19th century. – See illustration on plate 6.

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BREVIER. Lateinische Handschrift auf Pergament. Wohl Österreich, 1479. 15,5 x 11 cm. Mit großer zehnzeiliger Initiale am Anfang und 9 zwei- bis dreizeiligen Initialen mit Rankenwerk in goldgehöhten Deckfarben. Lombarden in roter und blauer Tinte. Schrift in Schwarz mit roten Hervorhebungen. 540 Bl. (tls. alt foliiert). 31-32 und 42-44 Zl. Durchgehend regliert. Blindgepr. Pgt., wohl d. 17. Jhdts., über Holzdeckeln mit 2 intakten Schließen (Vordergelenk brüchig; beschabt und bestoßen). 16.000,Die umfangreiche Brevier-Handschrift wurde, nach der Art ihrer Initialen zu schließen, im süddeutschen oder österreichischen Raum abgefaßt. Es lassen sich mindestens zwei Hände unterscheiden, wobei die übliche strenge spätgotische Textualis stellenweise von einer flüssigeren Kursive abgelöst wird. Die Lokalisierung wird durch das Fehlen eines Kalenders erschwert. Zwei Kolophone ermöglichen aber die exakte Datierung: „Explicit anno d(omi)ni 1479° f(er)ia 2a (ante diem) VI° ydus februarii“ (= 8. Februar 1479; auf fol. 499v.) und „Affinitu(m) 14 k(a)l(endas) junii“ (beendet am 19. Mai 1479; auf fol. 538r.). – Die große B-Initiale am Anfang des Psalteriums (fol. 2r.) weist feine Goldranken vor hellblauem Grund im Binnenfeld und kräftigere Blattranken an den Seitenrändern auf. Hier erscheinen am unteren Rand auch naturnahe Darstellungen einer rosa Rosenblüte und eines Singvogels. Zum Inhalt: Auf den Psalter (fol. 1-77) und die Hymnen (fol. 78-94, u. a. mit den Festen der Heiligen Kilian und Ursula) folgen Stundengebete (fol. 94-97) und die Temporalen (Lesungen im Jahreskreis, fol. 98-339, mit weißer Seite auf fol. 321v.), anschließend die Evangelienlesungen für die Sonntage auf fol. 322-339. Die Rubriken des Sanctorale (fol. 340-42) nicht vollständig (die vier folgenden Blätter entfernt). Das anschließende Sanctorale (fol. 343-499) nennt das Fest des hl. Augustinus „summum festum“ (fol. 458) und seine Verklärung „medium festum“ (fol. 477v.; fol. 500 ist unbeschrieben). Zum Abschluß das „Commune sanctorum“ und Weihegebete auf fol. 501-36 sowie Gebete u. a. zum hl. Augustinus und dem Evangelisten Johannes auf fol. 536v.-538. Beide waren die Hauptheiligen des Auftrag-


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zwischengeb.). 28 Zl. Überschriften kalligraphiert. Durchgehend regliert. Blindgepr. flex. Pgt. (stellenw. stark fleckig, etw. wellig, beschabt und bestoßen). 8.000,In sauberer Kanzleikursive niedergeschriebenes umfangreiches und mit vielen biographischen Details angereichertes Ersuchen, das sich direkt an den Kaiser richtet. Dieser wird in der Vorrede angesprochen, allerdings nicht mit Namen genannt, so daß man nur vermuten kann, es handle sich um Ferdinand I. (Regierungszeit 1558-1564). Der Schreiber bzw. Urheber der Eingabe nennt sich ebenfalls nicht. Er ist als „oberster provossen Leutnant“ einer der höchsten Befehlshaber im Landsknechtsheer unter Kurfürst Moritz von Sachsen gewesen, das dieser in den kaiserlichen Türkenfeldzügen anführte. Der Profoß mußte in seinem Regiment für die Durchsetzung und Einhaltung der Feldordnung sorgen. Nach mehr als zwanzig Jahren verließ er um 1560 den Militärdienst, nicht zuletzt, um sich vor Racheakten der von ihm verfolgten Rechtsbrecher zu schützen, und war nun ohne jeden Sold (die Dienstzeit läßt sich inhaltlich in etwa erschließen). Daher ersucht er den Kaiser im letzten Kapitel, ihn „doch aus lauterer genaden mit ainer genetten Pfründt oder schlechten Ofidicio oder Beneficij“ zu bedenken. Die Schrift hat er abgefaßt, um seine Tätigkeit und Lage zu schildern, übt darin aber auch vorsichtige Kritik. In einer Audienz hätte er sich wesentlich kürzer fassen müssen: „gibt ainem nit sovil audienz, biß Er sein wichtige sachen khann genuegsamblich fürbringe“; auch sei er kein „doctor der wolreden khann“ (aus der Vorrede).

Nr. 31 gebers unseres Breviers, wohl eines Augustiner-Chorherrenstiftes, dessen Kirche dem hl. Johannes geweiht war („sanctissimi patris nostri Augustini“, fol. 458, und „patris nostri et patroni“, fol. 398). Die weiteren Heiligen des Sanctorale lassen auf den bayerischen wie auch nordwestösterreichischen Raum schließen, darunter die Heiligen Florian, Ulrich, Koloman und Virgil von Salzburg. – Zur Provenienz: Aus der Bibliothek von Schloß Jegenstorf bei Bern, versteigert 1947 durch Klipstein und Kornfeld (Los 345). – Zahlr. Blattweiser aus Ldr., vereinzelte spätere Marginalien (wohl bis ins 17. Jhdt.), stellenw. Text und Illumination etw. abgerieben, etw. fleckig und gebräunt. – Siehe Abbildung Tafel 6. Breviary. Latin manuscript on vellum. Probably Austria, 1479. 15,5 x 11 cm. With large initial in ten lines at the beginning and 9 two-line initials up to three lines with scrollwork in gouache heightened in gold. Ornaments in red and blue ink. Letters in black with red highlightings. 540 leaves. – Re provenance: From the library of Castle Jegenstorf near Bern, auctioned 1947 by Klipstein and Kornfeld (lot 345). – Numerous bookmarks of calf, isolated later marginalia (probably till the 17th century), text and illumination a little rubbed off here and there, a little soiled and browned. – Blind-pressed vellum, probably 17th century, over wooden boards with 2 intact clasps (upper hinge cracked; scratched and scuffed). – See illustration on plate 6.

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TÜRKENKRIEGE – „ORATION ODER SOLITITATION.“ Deutsche Handschrift auf Papier. Um 1560? Fol. (39 x 28 cm). 95 nn. Bl. (3 weiße

Erwähnte kriegerische Ereignisse sind der Feldzug zur Festung Raab in Ungarn und der Sieg über die Türken bei Steinfeld (1532) unter dem Kommando des Landsknechtsführers Sebastian Schertlin von Burtenbach (1496-1577). Im Kapitel 26 berichtet der Verfasser zudem von seiner Teilnahme am Reichstag zu Augsburg (1530). – Die Ereignisse stehen jedoch nicht im Zentrum. Die Bedeutung des Manuskripts liegt vielmehr darin, daß es tiefe Einblicke in die Funktionsweisen des Landsknechts- und Militärwesens des mittleren 16. Jahrhunderts gibt, die vom unmittelbaren Erleben der Zustände geprägt sind. Dieses Wissen veranlaßt den Verfasser zu verhaltener Kritik an Mißständen verschiedener Art, wie der Verwendung „falscher blinder Namen“, der Übervorteilung der „armen Kriegsleuth“ z. B. mit schlechter Münze und der oft mangelhaften Ausrüstung. Auch läßt er es nicht an guten Ratschlägen fehlen, etwa dem, durch Verbesserung der Musterungen tauglichere Soldaten zu bekommen. Der Verfasser scheint das Manuskript nie eingereicht zu haben, da es keine Unterschrift trägt. Denkbar wäre auch, daß es sich um eine spätere Abschrift handelt, ein Indiz ist das Wasserzeichen. – Am Anfang ein Index mit kurzer Inhaltsangabe der jeweiligen Kapitel. – Wahrscheinlich nicht von der Hand des Leutnants selbst niedergeschrieben, sondern der eines professionellen Kanzleischreibers, der auch die Kunst kalligraphierter Überschriften beherrschte. – Das Wasserzeichen einer zweikonturigen Schlange ohne Beizeichen ist bei Piccard (Nr. 43276) anhand eines Beispiels aus Nürtingen mit Datierung 1594 verzeichnet. Varianten dieses Wasserzeichens waren allerdings im 16. und 17. Jahrhundert weit verbreitet. – Im unteren Rand anfänglich etw. wasser- und fingerfl., insgesamt nur wenig fleckig und kaum gebräunt. – Aus der Sammlung des 1848 von Revolutionären gehenkten österreichischen Kriegsministers Graf Theodor Baillet de Latour (1780-1848) mit dessen gestoch. Exlibris auf dem vorderen Spiegel. – Siehe Abbildung.


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German manuscript on paper. – Extensive solicitation with many biographical details, written in neat legal italic type, addressed directly to the emperor. The latter is addressed in the foreword, not mentioned however by the name, so it can only be assumed that it concerns Ferdinand I (reign 15581564). – The importance of the manuscript lies in the fact that it gives a deep insight in the landsknecht and military functioning of the mid-16th century. This knowledge induces the author to criticize the shortcomings and abuses of various kinds. – At the beginning some waterstains and fingermarks in lower margin, altogether only minimally soiled and hardly browned. – From the collection of the Austrian war minister Count Theodor Baillet de Latour (1780-1848), beheaded by the revolutionaries in 1848, with his engraved exlibris on upper paste-down. – Blind-pressed limp vellum (here and there heavily soiled, a little undulated, scratched and scuffed). – See illustration.

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sprach gebracht Anno 1581.“ Deutsche Handschrift auf Papier. Wohl Sachsen, 1581? Fol. Mit kalligraphischer Titelseite. 176 Bl. Beschäd. Pgt.Brosch. d. Zt. 1.500,Die in gleichmäßiger Kurrentschrift wohl von einem professionellen Kanzleischreiber ausgeführte Handschrift enthält Heinrich Habermehls deutsche Übersetzung von Gianpietro Contarinis Bericht über die Seeschlacht bei Lepanto. Das Jahr 1581 ist auf dem Titel angegeben, die Verwendung von Papier mit dem sächsischen Wappen als Wasserzeichen läßt wohl auf eine Entstehung im Umfeld des Dresdner Hofes schließen. Erstmals war die wichtige Quelle, „eine der ausführlichsten Beschreibungen mit der genauen Angabe der venezianischen, spanischen und päpstlichen Schiffe“ (Göllner 1617), in italienischer Sprache 1572 gedruckt worden. Bereits 1573 erschienen in Basel eine lateinische Version und die deutsche Übersetzung des Humanisten Georg Henisch von Bartfeld (IA 412; Navari 396 und 397). Eine weitere deutsche Übersetzung, die hier vorliegende Version, besorgte Heinrich Habermehl (Eitner III, 441), Altist an der Dresdner Hofkapelle, dem seine Übersetzungstätigkeiten offensichtlich eine willkommene Einnahmequelle boten; für seine zwischen 1582 und 1588 angefertigte Übersetzung von Sabellicos Geschichte Venedigs wurde er von Kurfürst August von Sachsen mit 100 Gulden entlohnt. Wenn man der auf dem Titelblatt des Manuskriptes angegebenen Datierung Glauben schenkt, war seine Übersetzung von Contarinis Bericht bereits 1581 vollendet. Im Druck erschien sie in Dresden erst 1599 unter dem Titel „Historische und gründliche Beschreibung der letzten großen Schlacht so zwischen den Venediern und dem Türcken uffn Meer gehalten worden“ (VD 16 ZV 8031).

SALZBURG – WAPPENBUCH – „ALLER HOCHWIRDIGISTEN IN GOTT Fürsten unnd Herrn Herren Bischoven: auch ErtzBischoven des löblichen ErtzStiffts Saltzburg Beschreibunge. Wie lanng ein Jeder regiert hat, Auch von was Namen, Stamen unnd Wappens die gewest, unnd zuletst begraben worden.“ Deutsche Handschrift auf Papier. Salzburg, wohl 1561/62. 4°. Mit ganzseit. Wappenminiatur als Frontisp. und 44 kleinen Wappenminiaturen (je ca. 4 x 3 cm) in Tinte und Deckfarben, 19 leeren Kartuschen in blauer Tinte und kalligraphiertem Titel. 25 nn. Bl. (und 3 weiße am Ende). Schrift in Schwarz, Überschriften in Rot. 16-17 Zl. Lose in mod. Pp. (leicht berieben und bestoßen). 4.000,Die wohl zum Zweck einer Dedikation angefertigte Handschrift enthält kurze Biographien der Salzburger Bischöfe, beginnend mit dem hl. Rupert und endend mit dem zur Entstehungszeit regierenden Johann Jakob Khuen von Belasi (Amtszeit 1560-1586), meist unter Hinzufügung des jeweiligen Wappens. Vorangestellt eine Passage über die Stadt Salzburg aus der berühmten Lebensgeschichte des hl. Severin, verfaßt im sechsten Jahrhundert von Eugippius (fol. 2r.-3v.). Die letzte Eintragung über Erzbischof Khuen von Belasi erwähnt noch dessen Weihe durch den Passauer Bischof Wolfgang von Closen (Amtszeit 1555-1561) am 17. Februar 1561. – Das Frontispiz zeigt das erzbischöfliche Wappen von Salzburg, umgeben von vier kleinen Wappen, darunter unten rechts demjenigen von Fürstbischof Khuen von Belasi. – Auf dem letzten weißen Blatt findet sich ein Dedikationsvermerk an den Passauer Bischof Urban von Trennbach (Amtszeit 1561-1598), vielleicht anläßlich seiner Weihe am 5. April 1562, die durch Khuen von Belasi erfolgte. – Abgefaßt in gleichmäßiger spätgotischer Kanzleikursive. – Papier mit großem Wasserzeichen eines heraldischen gekrönten Doppeladlers (ähnlich: Piccard 160167, Regensburg 1557). – Frontisp. mit kleinen Läsuren im Bug und an den Rändern, anfänglich und am Ende leichte Wasserfl., durchgehend etw. gebräunt und fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 6.

CONTARINI – „HISTORIA EINES VENETIANERS von der Expedition welche Selimus des Namens der II. Türckische Kaiser von wegen des Königreichs Cypren Anno LXX wieder die Venedier erregt aus dem Latein in die Teutsche

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Unser Manuskript diente wohl nicht als Vorlage für den Druck. Es weist nur vereinzelt Korrekturen auf und stimmt in Orthographie und Wortlaut nicht immer mit dem Druck überein. Titel und Vorspann, dem eigentlichen Text im Manuskript vorangestellt, sind im Druck nicht enthalten, dagegen gibt es im Druck ein Vorwort des Übersetzers. – Leicht gebräunt, wenig fleckig. – (Sammlung Herry W. Schaefer). The manuscript executed in regular Gothic handwriting, probably by a professional scribe, contains Heinrich Habermehl's German translation of Gianpietro Contarini's account of the Battle of Lepanto. The year 1581 is indicated on the title, the use of paper with the Saxon coat-of-arms as watermark implies an origin close to the court of Dresden. – Our manuscript was probably not used as pattern for the printing. There are only isolated corrections and it does not always match in orthography and wording with the issue. Title and prefix in the manuscript put in front of the actual text, are not included in the printing, there is however a foreword by the translator. – Slightly browned, hardly soiled. – Contemporary damaged vellum wrappers. – (The property of Herry W. Schaefer).

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JACOBUS DE VORAGINE – LEGENDA AUREA – FRAGMENT DER ABSCHRIFT einer frühen Ausgabe des „Heiligenlebens“ von Jacobus de Voragine. Deutsche Handschrift auf Papier. Deutschland, wohl spätes 16. Jhdt. 4°. Mit 10 Federzeichnungen nach Textholzschnitten und einigen gezeichneten Initialen. 13 Bl. (mit Pag. und Bogennorm des Drucks). 2 Sp. 49 Zl. Lose, ohne Einband. 500,-


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des Einbands vermerkt. Das Rechungsbuch des italienischen Kaufmanns dürfte der Handschrift des deutschen Kollegen vorausgegangen sein. – Ecken mit leichten Läsuren; stellenw. wasserandig, gebräunt und fleckig. – Siehe Abbildung. Textbook written in German legal italic type after the „arithmetic practice“, which was first published at Strasbourg in 1581 or 1582 and was then issued frequently up to 1679. In the present manuscript a merchant or moneychanger has probably compiled some interesting sample calculations. – Prebound a manuscript in Italian, an account book with entries from the years 1596-98 (19 unnumbered leaves); the handwriting clearly by an Italian in contrast to the German type. The date 1596 is mentioned also on the front cover of the binding. The account book of the Italian merchant preceded probably the manuscript of the German colleague. – Corners with light damages; here and there waterstains, browning and soiling. – Contemporary damaged wrappers. – See illustration.

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Nr. 35 Nach einer Ausgabe der Zeit um 1500/10 hergestellte saubere druckgleiche Abschrift mit Nachzeichnung der Textholzschnitte und Initialen. Papier und Zeichenstil lassen auf einen Entstehungszeitraum der Handschrift im späten 16. oder frühen 17. Jahrhundert schließen. – Vorhanden der Beginn des Sommerteils (Bl. II-VI, hl. Ambrosius bis Lazarus, LXXI, LXXVII, hl. Brigitta, und CXCIII-CXCVIII, hl. Benedikta bis Eufrosina). – Ränder mit Ausbrüchen, Ecken tls. geknickt; ein wenig gebräunt und fleckig.

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CAESAR VON PADUA – ARITHMETISCHE PRAKTIK – „NEUE EXEMPEL ETC. ... mit ihren demonstrationibus, unnd proben gemacht, so leicht unnd khurz, als zuvor khein alter noch neuer Authior, wider in welscher noch deutscher sprach in druckh nicht außgeben etc. Auf's Neuer gerechnet und außgeben, von Julio Cäsare von Padua, sonst der Deutsche genant etc.“ Deutsche Handschrift auf Papier. Wohl nach 1598. 17,2 x 12,3 cm. Mit einigen kalligraphierten Kopfzeilen. 37 nn. Bl. Beschäd. Brosch. d. Zt. 2.000,In deutscher Kanzleikursive abgefaßtes Lehrbuch nach der „Arithmetischen Praktik“, die erstmals 1581 oder 1582 in Straßburg im Druck erschienen und bis 1679 vielfach aufgelegt worden ist. Die frühen Ausgaben (vgl. Smith, Rara, 368f.) sind alle von großer Seltenheit. In der vorliegenden Handschrift hat wahrscheinlich ein Kaufmann oder Geldwechsler einige für ihn interessante Rechenbeispiele zusammengetragen. – Vorgebunden ein Manuskript in italienischer Sprache, ein Rechnungsbuch mit Eintragungen aus den Jahren 1596-98 (19 nn. Bl.); die Schrift eindeutig von der Hand eines Italieners, im Unterschied zur deutschen Fraktur. Das Datum 1596 ist auch auf dem Vorderdeckel

WIED-NEUWIED – HOROSKOP der Johannette Maria zu Wied. Deutsche Handschrift auf Papier. Obere Grafschaft Wied, 1615. Qu.-8°. Mit 4 astrologischen Schemata (eines in Rot und Schwarz auf mont. gefalt. Bl.). 18 nn. Bl. (und einige weiße). Schwarzes Ldr. d. Zt. (Schließbänder fehlen, etw. beschabt und bestoßen) in mod. Lwd.-Kassette. 2.000,Ausführlich ausgearbeitetes Horoskop zur Geburt für ein Mitglied einer Adelsfamilie, wie dies in der frühen Neuzeit häufig und üblich war, doch nur selten überliefert ist – hier für die Tochter des Grafen Hermann II. zu Wied (15811631), dem von 1613-31 regierenden Grafen der Oberen Grafschaft Wied, und der Gräfin Juliane Elisabeth zu Solms-Lich (1592-1649). Johannette Maria (1615-1715) war eines von 14 Kindern des Paares. Ihr „biblisches Alter“ von einhundert Jahren wird in dem wohl von einem Hofastrologen erstellten Horoskop korrekt vorausgesagt („Saturnus im 7. hauß under der herrschafft Martis im Wider signirt ... ein ruhiges hoches Altter. ... Endtlich wegen ihres herren absterben große bekümmernuß undt traurigkeit“); ihr Gatte, Graf Ludwig Albert zu Sayn-Wittgenstein-Neumagen (1617-1664), starb tatsächlich 51 Jahre vor ihr. In dem ersten Schema, einem eingeklebten Faltblatt, sind die Sonnen- und Mondkonstellationen („ex Tychone Braheo“) zur Zeit der Geburt Johannette Marias für den entsprechenden Breitengrad eingetragen. Das zweite Schema gibt Auskunft über die Planetenkonstellation zum Geburtszeitpunkt, der in der Mitte in lateinischem Text genau angegeben wird: „Nascitur Iohannata Maria illustris ac generosis: Comitis Hermanni in Widt @ [= etc.] filia a[nn]o 1615. Julii 28 die hora. 9. 30' ante meridie ...“ (also der 28. 7. 1615; in der Literatur werden gewöhnlich falsche Tage genannt). Eine Übersicht der Planetenaspekte ist für die Jahre 161647 angegeben. Am Ende folgen zwei Quadrate mit den astrologischen Themen und ihrer Berechnung sowie ausführliche Prophezeiungen und Empfehlungen für verschiedene Lebensalter bis in das 63. Lebensjahr. – Das Wasserzeichen eines Narrenkopfes mit Beizeichen weist Piccard (Nr. 21160) für das Jahr 1633 unter der Ortsangabe „Neuenburg“ nach. – Komplette Transkription beiliegend. – Ränder etw. stockfleckig. – Siehe Abbildung. In depth horoscope established on the occasion of the birth for a member of a noble family, in the early modern age frequent and common, but rarely recorded – here for the daughter of count Hermann II zu Wied (1581-1631) and


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countess Juliane Elisabeth zu Solms-Lich (1592-1649). Johannette Maria (1615-1715) was one of 14 children of the couple. Her „biblical age“ of one hundred years is correctly predicted in the horoscope made by one of the court astrologers. – Complete transcription enclosed. – Margins somewhat foxed. – Contemporary black calf (clasp ribbons missing, a little scratched and scuffed) in modern cloth case. – See illustration.

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NÜRNBERG – „VERZEICHNISSE des Pulvervorrathes, der Kugeln, Waffen etc. welche Nürnberg im J. 1629 und besonders 1632 besaß“ (Umschlagtitel). Deutsche Handschrift auf Papier. Nürnberg, 1629-32. Fol. 18 Bl. (fast alle Doppelbl., zweite Bl. meist weiß). Lose in Umschl. d. 19. Jhdts. (fleckig, Knickspuren). 600,Ein auf losen Folio-Bögen zusammengetragenes Inventar mit genauen Aufstellungen über Pulver, Salpeter, Schwefel, Lunten, Kugeln, Schrot, Granaten, Musketen sowie Hiebund Stichwaffen („Pickhen und Spießstangen“) unter Angabe des jeweiligen Lagerorts, wobei sich allein im Nürnberger Zeughaus insgesamt 54224 Kugeln verschiedenen Gewichts befanden (erfaßt am 17. August 1632). Dazu die Bewaffnung diverser Regimenter. – Bedeutendes militär- wie stadtgeschichtliches Dokument aus dem Dreißigjährigen Krieg. Der früheste Eintrag am 23. Dezember 1629, die spätesten im August des Jahres 1632. – Von verschienenen Händen in Kanzleikursive erstellt, auf Papier mit den Wasserzeichen des Nürnberger Stadtwappens (dazu Buchstaben „B S“) und eines Stadttors (mit Buchstaben „M“), beide um 1630 in Süddeutschland verbreitet. – Unbeschnittene Ränder etw. gebräunt; tls. fleckig und vereinzelte Knickspuren.

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SALZBURG – KIMPFLER – „COMMENTARIUS JURIS CANONICI in librum IV. decretalium Gregorii IX. ... dictatus et explicatus in alma archiepiscopalis universitate Salisburgensi ab ... P. Ruperto Kimpfler ... Exceptus a F. Mariano Wiser Benedictino ad S. Vitum prof. ss. theol. ac ss. canonum studioso Ao. 1677.“ Deutsche Handschrift auf Papier. (Salzburg) 1677. 4°. Mit 6 ganzseit. Schemazeichnungen. 1 Bl., 297 (recte 288) S., 6, 60 Bl. (und einige weiße). Pgt. d. Zt. (Schließbänder fehlen, hinterer Deckel mit kleinem Bezugsschaden; etw. fleckig, berieben und bestoßen). 500,Eigenhändig von dem späteren Abt des Klosters St. Veit (Neumarkt-St. Veit an der Rott), Marianus Wieser (16531723), während dessen Salzburger Studienzeit abgefaßtes Manuskript nach den Kanonistikvorlesungen des berühmten Salzburger Benediktiner-Professors und späteren Abtes von Gleink, Rupert Kimpfler (1638-1708), gehalten an der dortigen Benediktiner-Universität. Unveröffentlichter Kommentar zum vierten Buch der Dekretalien Gregors IX., abgefaßt in der charakteristischen Individualhandschrift des Abtes, mit Ausführungen über die Ehe in kirchenrechtlicher Hinsicht; die gezeichneten Schemata illustrieren u. a. die Kapitel zu den Blutsverwandschaften. Am Ende folgen weitere Aufzeichnungen Wiesers zu seinen Studien des kanonischen Rechts in Salzburg aus dem Jahr 1677. – Die Paginierung mit zahlreichen Fehlern und Sprüngen, Text aber vollständig. – Erstes Textblatt mit Besitzvermerk des Klosters St. Veit. – Stellenw. leicht wasserrandig, sonst nur gering fleckig und gebräunt. – Siehe Abbildung.


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Aufschwörungstafeln dienten in der frühen Neuzeit als notwendiger Nachweis einer ausschließlich aus dem alten Adel erfolgten Zusammensetzung von Institutionen wie Ritterorden, Kapiteln und Stiften. Personen, die hier um Aufnahme ansuchten, mußten einen über mehrere Generationen lückenlosen Adelsnachweis zwingend erbringen. Die Sammlung aller dieser Nachweise in einem Aufschwörbuch dokumentierte damit den gesellschaftlichen Rang der jeweiligen Institution, was sich nicht zuletzt in der prachtvollen Gestaltung der Tafeln niederschlägt. Das Wormser Domkapitel war seit dem Jahr 1281 ausschließlich aus Adeligen zusammengesetzt. Nach dem Niedergang des Bistums in der Reformation kam es vom späten 17. Jahrhundert an zu einer erneuten Blütezeit, da die Pfalz 1685 an die katholische Linie Pfalz-Neuburg übergegangen war. Diese endete erst mit der französischen Besetzung 1797. Da Worms im 17. und 18. Jahrhundert meist mit den Bistümern Mainz und Trier in Personalunion vereinigt gewesen ist, kam dem Kapitel in dieser Zeit in Vertretung des meist abwesenden Bischofs eine besondere Machtposition zu. Die meisten der Kanoniker entstammten dem pfälzischen Adel, viele im Rang von Freiherren, aber auch Grafen sind darunter.

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Adelsproben des Domkapitels 39

WORMS – AUFSCHWÖRBUCH. Deutsche Handschrift auf Papier. Worms, wohl erste Hälfte 18. Jhdt. bis um 1790. Gr.-Fol. Mit 63 Stammtafeln (sog. „Aufschwörungstafeln“ mit Adelsproben von ca. 1680-1790), davon 60 mit je 31 und 3 mit je 15 Wappenminiaturen pro Blatt in Deckfarben, tls. mit Goldhöhung, sowie ein kleineres Einlageblatt mit einzelner Wappenminiatur. 4 Bl. Register (zwischengeb. 10 weiße). Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. (fleckig, beschabt und bestoßen). 25.000,Erstrangiges Dokument zur Geschichte des Wormser Domkapitels im 18. Jahrhundert wie auch zur Praxis der Ahnenprobe. Die sogenannten „Aufschwörungstafeln“ zeigen Stammbäume mit einer Vielzahl von farbenprächtigen Wappenminiaturen (insgesamt über 1900 einzelne, durch Spruchbänder bezeichnete Darstellungen). – Ein Aufschwörbuch diente als Beweis der adeligen Abstammung eines Probanden, der seine „Stiftmäßigkeit“ dadurch unter Beweis stellte, daß er vor Zeugen die Richtigkeit seiner vorgelegten Ahnentafel sowie die eheliche Geburt und Adelszugehörigkeit aller seiner Vorfahren bestätigte. Fast alle der Stammtafeln des vorliegenden Wormser Aufschwörbuchs sind sogenannte „Sechzehnerproben“, d. h., der Proband führte seine Ahnenreihe zurück bis in die fünfte Generation, also der der Ururgroßeltern, die teilweise weit in das 16. Jahrhundert zurückreichte. In der unteren Mitte jeweils das hervorgehobene, etwas größere Wappen des Probanden und zukünftigen Domherren, in der Regel unter Angabe des Tags seiner Aufschwörung. Manche Blätter sind an den freien unteren Ecken zudem mit Erläuterungstexten versehen.

Vorhanden sind die Stammtafeln der Familien von Auwach, Blarer von Wartensee, Buseck, Delwig zu Delwig, Elter, zu Eltz, von und zu Franckenstein, Frei von Dehrn, Galen zum Ermelinghof, Hanxleden, Hettersdorff, Ketteler (Kettler), Mengersen, Mohr von Waldt von Echternach, Ramschwag, zu Rhein, Sturmfeder von Oppenweiler und Zobel von Giebelstatt, der Freiherren von Bettendorff, Breidbach zu Bürresheim, Bylandt, Dalberg, Erthal, Frentz zu Kendenich, Fuchs von Bimbach und Dornheim, Gahlen, Galen zu Dincklage, Greiffenklau von Vollrath, Grohschlag zu Dieburg, von und zu Gymnich, Hatzfeldt, von der Hauben, Hoheneck, Hohenfeld, Knebel von Katzenelnbogen, Roll, Roll zu Bernau, Schauenburg zu Herlesheim, Sickingen, Virmundt zu Nordenbeck, Wambold von Umbstatt, Wangen zu Geroldseck und Wessenberg-Ampringen sowie der Grafen von Hatzfeldt, Leerodt und Waldbott-Bassenheim. Auf Stegen mont. Doppelbl., das feste Papier durchgängig mit Wasserzeichen „HGL“ (nachweisbar in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts). Es ist zu vermuten, daß einige der älteren Adelsproben erst nachträglich in das Buch übertragen worden sind, dessen Anlage wohl um 1730/40 erfolgt sein dürfte. Von da ab wurde es auf Blankoblättern fortgeführt, von denen noch zehn vorhanden sind. Das Register nachträglich, wohl im frühen 19. Jahrhundert, eingetragen. Eine ältere Blattzählung mit einzelnen Lücken (letztes Nr. 74) entspricht nicht dem Register, dessen Angaben mit einer neueren Foliierung in Bleistift identisch sind. Diese zählt 64 Blätter unter Auslassung von Blatt 3. Da auf dieses im Register verwiesen wird, muß es nachträglich entfernt worden sein. – Vorderes Innengelenk gebrochen, im unteren Rand stellenw. etw. wasserfl. (auch mit vereinzelten Farbverwischungen), tls. knapp beschnitten, Ränder etw. fleckig. – Siehe Abbildungen Tafel 7. Probes of nobility of the cathedral chapter. – First-rate document to the history of the Worms cathedral chapter in the 18th century and to the praxis of ancestors probe. The socalled „plates with proof of a noble descent“ show pedigrees with a multitude of colourful armorial miniatures (altogether more than 1900 illustrations labelled by banderoles). – Double-pages mounted on strips, the strong paper throughout with watermarks „HGL“ (traceable in the first part of the 18th century). It can be assumed that some of the older probes of nobility were entered into the book subsequently whose annex was probably added around 1730/40. From


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that point on it was continued on blank leaves and ten of them do still exist. The register entered later on, probably in the early 19th century. An older leaf numbering with some gaps (last leaf no. 74) does not correspond to the register whose indications are identical with a more recent consecutive numbering in pencil. The latter counts 64 leaves by omission of leaf 3. As the latter is mentioned in the register, it was probably removed later on. – Upper inner joint broken, here and there some waterstains at lower margin (also isolated colour blurring), partly closely trimmed, margins a little soiled. – German manuscript on paper, Worms, probably first half of the 18th century till around 1790. With 63 pedigree plates (so-called „plates with proof of a noble descent“ with probes of nobility of around 1680-1790), thereof 60 each with 31 and 3 each with 15 armorial miniatures per leaf in gouache, partly heightened in gold as well as a smaller inserted leaf with an armorical miniature. 4 leaves register (10 blank ones bound in-between). – Contemporary blind-pressed pigskin (soiled, scratched and scuffed). – See illustrations on plate 7.

Prachtvoll illuminierter Kanon 40

PRÄLATENMISSALE – „CANON MISSAE ad usum episcoporum ac praelatorum solemniter, privatéve celebrantium“. Lateinische Handschrift auf Papier. Wohl Südwestdeutschland, spätes 17. Jahrhundert. Gr.-Fol. Mit ganzseit. Deckfarbenminiatur, 16 Deckfarbenbordüren mit zahlr. szenischen und emblematischen Darstellungen, 2 großen Deckfarbenvign. sowie zahlr. Initialen und Lombarden in Rot. Durchgehend regliert. Musiknoten auf 4 roten Linien. Hervorhebungen in Rot. 1 Bl., 84 S. Blindgepr. Ldr. d. Zt. über 5 Bünden mit dreiseit. Goldschnitt (beschabt und bestoßen). 10.000,Ein für den Gebrauch eines Bischofs oder Abtes angefertigtes Missale mit speziellen liturgischen Texten und Antiphonen für dessen private Meßfeier. Während die Gestaltung der einleitenden Texte und der Schlußsequenzen ziemlich schlicht gehalten ist, wurde der zentrale Part, der Canon missae (S. 61-77), von einem professionellen Maler in teils beachtlicher Qualität und Prachtentfaltung nach einem ausgefeilten Bildprogramm illuminiert. Der Text ist in diesem Abschnitt vollständig von breiten Deckfarbenbordüren eingerahmt, die die liturgischen Inhalte ausdeuten, dazu erscheint, als Höhepunkt der Sequenz, auf Seite 68 eine ganzseitige Miniatur, eine Allegorie der Priesterschaft des Alten und Neuen Testaments. Die Bordüren zeigen die ganze Fülle hochbarocker Bildersprache zu den Themen Passion, Kreuzigung und Erlösungswerk Christi: 1. Einzelseite mit der Passion Christi in 16 Szenen von der Fußwaschung bis zum ungläubigen Thomas (von links unten gegen den Uhrzeigersinn). – 2. Doppelseite mit den Arma Christi sowie Symbolen, Emblemata und Allegorien zur Thematik Tod und Erlösung, darunter eine Szene mit Christus als Jäger eines Hirsches, eine in der süddeutschen Malerei des späten 17. Jahrhunderts sehr selten vorkommende emblematische Darstellung (z. B. im alten Festsaal des Klosters Benediktbeuern). – 3. Doppelseite, links die Wurzel Jesse, kulminierend in der sitzenden Maria mit Kind, rechts der Stammbaum der Kirche, der von Christus ausgeht und über die zwölf Apostel zu einem Kirchenbau als Symbol für die

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christliche Gemeinschaft führt. Dieser Bau könnte die Bischofs- oder Klosterkirche des Auftraggebers der Handschrift abbilden. – 4. Doppelseite: Folge von Szenen aus dem Alten Testament zur Thematik Priesterschaft und Opfer. – 5. Ganzseitige eiweißgehöhte Miniatur einer typologischen Darstellung der Priesterschaft des Alten und des Neuen Bundes, oben Christus zwischen den Priestern der christlichen Ecclesia und des Judentums als das neue Osterlamm, ausgehend von den Worten des Thomas von Aquin „Novum pascha, novae legis ...“, darunter das Priestertum des Alten Testaments als Antizipation des Neuen. – 6. Einzelseite mit Darstellungen zur Eucharistie: Putten ernten Getreide und Trauben, oben die Verehrung von Brot und Wein als Blut und Leib Christi. – 7. Doppelseite mit ca. 30 allegorischen und emblematischen Darstellungen zum Erlösungswerk Christi. – 8.-10. Drei Doppelseiten mit allegorischen und emblematischen Darstellungen zum Wirken des Christentums und seiner Heiligen in der Welt (darunter der Lebensbrunnen, dessen Quellen das Blut Christi bilden). Der außergewöhnliche ikonographische Reichtum läßt auf einen Concettisten von großer theologischer Bildung schließen, der offenbar mehrere emblematische Vorlagenwerke zur Verfügung gehabt haben muß, darunter die 1664 in Dillingen erschienene, mit Kupfern von Matthäus Küssel nach Johann Christoph Storer illustrierte Dissertation „Philosophia sacro-profana logicam, physicam et metaphysicam disputationem complexa“, entstanden unter dem Vorsitz des Dillinger Professors Ferdinand Visler. Aus dieser sind beispielsweise die Darstellungen des jagenden Christus und des Lebensbrunnens abzuleiten. – Die für einen hohen kirchlichen Würdenträger im späten 17. Jahrhundert im deutschen Südwesten angefertigte Handschrift ist trotz darstellerischer Schwächen vor allem bei der Figurenbildung ein seltenes Zeugnis eines hochbarocken, emblematisch und allegorisch bebilderten Prachtmissales mit einem außergewöhnlichen ikonographischen Fundus, der insgesamt ein ausgefeiltes bildrhetorisches Programm abgibt. – Die Ränder des Kanonteils vollständig alt hinterlegt, tls. unter geringer Überklebung der Darstellungsränder, einzelne Blätter etw. knapp beschnitten; vereinzelte Bugreinrisse, stellenw. etw. fleckig und gebräunt. – Beiliegend ein Blatt einer Expertise, ausgestellt München, 12. April 1865, in der das Manuskript bereits in die Zeit „zwischen 1690-1700“ datiert wird. – Siehe Abbildungen Tafel 8. Magnificently illuminated canon. – Missal made for the use by a bishop or abbot with special liturgical texts and antiphones for private mass celebrations. While the design of the introductory texts and the final sequences is quite simple, the central part, the canon missae (pp. 61-77), was illuminated by a professional painter in really remarkable quality and display of splendour after an elaborate iconographic programme. The text in this section is completely framed by wide gouache ornamental borders which interpret the liturgical content and as highlight of the sequence we find on page 68 a full-page miniature, an allegory of the priesthood of the Old and New Testament. The ornamental borders show the wealth of the high baroque metaphorical language as regards the themes of passion, crucifixion and work of redemption of Christ. – The margins of the canon part completely backed in former times, partly covering the illustration borders, some leaves a little closely trimmed; isolated tears in joint, here and there a little soiled and browned. – Enclosed a sheet of an expertise, issued Munich, 12th April 1865, that dated the manuscript in the period „between 1690-1700“. – Latin manuscript on paper. Probably South Germany, late 17th century. With full-page gouache illumination, 16 gouache ornamental borders with numerous


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scenic and emblematic illustrations, 2 large gouache vignettes as well as numerous initials in red. Throughout framed with lines. Music notes on 4 red lines. Heightened in red. – Contemporary blind-pressed calf over 5 bands with threesided gilt edge (scratched and scuffed). – See illustrations on plate 8.

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Stoffen. Ein Harlekin könnte auf eine Vorlage aus dem Kontext der Commedia dell'arte zurückgehen, drei fechtende Soldaten mit Säbeln, verschieden gewandete Bäuerinnen, zwei tanzende Gestalten mit Weinglas und ein Vogel sind sicherlich diversen illustrierten Werken der Jugendliteratur dieser Zeit nachempfunden. – Ferner inliegend zehn unvollendete geschnittene Papiermuster und einige weitere handwerkliche Gelegenheitsarbeiten. – Buch mit starken Gebrauchsspuren: es fehlen mehrere Bl., durchgehend fleckig und gebräunt; die Puppen mit diversen Schäden, insgesamt noch recht gut erhalten. Die unvollendeten Bögen mit einigen Schäden und Gebrauchsspuren. – Siehe Abbildung Tafel 9.

SALZBURG – ANTIPHONAR. Lateinische Handschrift auf Papier. Salzburg, wohl um 1700. 4°. 20 Bl. Choralnotation auf 5 Linien. 10 Zl. Ohne Einband. 200,Schlichtes Heft einer Choristenstimme mit den Antiphonen zu den besonderen Festen des Jahreskreises, darunter Geburt, Beschneidung und Himmelfahrt Christi, Pfingsten, Mariae Geburt und Himmelfahrt sowie Allerheiligen. Ferner mehrere Antiphone „ad Magnificat“. Die einzige Antiphon zu einem Heiligenfest ist die des hl. Rupert, insofern kann von einer Entstehung der Handschrift in Salzburg und für ein Salzburger Stift ausgegangen werden. – Gebrochener Buchblock tls. alt restauriert, leicht gebräunt und fleckig.

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Book for writing exercises with enclosed pieces of handicraft. Swedish and Latin manuscript on paper with 15 loosely inserted multi-coloured dolls of paper and fabric and some paper figures, 3 small drawings, 2 silhouettes etc. Sweden, around 1700/1702, the dolls around or after 1736 (dolls ca. 7-14 x 11-18 cm). – Interesting ensemble of the epoch which gives a rare and direct insight in the learning and playing in a Swedish aristocratic home over two generations. The book was used by a student in 1702 for Swedish and Latin writing exercises. – The fanciful dolls are obviously made after various patterns and show a great technical skill. The outlines and inner lines are cut out of paper and partly traced with ink; this creates a kind of graphic structure on the various coloured, partly high-quality fabrics. A harlequin could go back to a pattern from the Commedia dell'arte, three fencing soldiers with sabres, farmwomen in different costumes, two dancing figures with wineglass and a bird are certainly based on various illustrated works of juvenile literature of this epoch. – Also enclosed ten unfinished cut paper patterns and some casual works. – Book with strong signs of wear: lacks several leaves, throughout soiled and browned; the dolls with various damages, but altogether quite well preserved. The unfinished sheets with some damages and signs of wear. – Contemporary damaged half calf. – See illustration on plate 9.

PAPIERPUPPEN – SCHREIBÜBUNGSHEFT mit einliegenden Bastelarbeiten. Schwedische und lateinische Handschrift auf Papier mit 15 lose einliegenden buntfarbigen Puppen aus Papier und Stoff sowie einigen Papierfiguren, 3 kleinen Zeichnungen, 2 Silhouetten u. a. Schweden, um 1700/02, die Puppen um bzw. nach 1736. 4° (Puppen ca. 7-14 x 11-18 cm). 34 nn. Bl. Beschäd. Hldr. d. Zt. 3.000,Interessantes Ensemble der Zeit, das einen seltenen und unmittelbaren Einblick in das Lernen und Spielen in einem schwedischen Adelshaushalt über zwei Generationen gibt. Das Buch hatte ein Schüler im Jahre 1702 zum Zweck schwedischer und lateinischer Schreibübungen in Gebrauch. Jede Übungseinheit mit ständig wiederholtem Text ist datiert (5. März bis 2. Mai) und trägt seinen Namen, „Adam Fleming“. Es handelt sich um den späteren Quartiermeister und Kornett des Tremännings-Infanterieregiments in Uppland, Adam Fleming von Liebelitz (16881717), der sich 1713 bei der Gefangennahme König Karls XII. von Schweden in Bender (Moldawien) von der Tuppe abgesetzt hatte. 1714 heiratete er in Schlesien und starb dort kinderlos drei Jahre später. Seine jüngste Schwester, Christina Sophia Fleming von Liebelitz (1702-1745), war verheiratet mit dem Kapitän Graf Knut Posse. Beider Tochter, Wendela Posse (1726-1789), erhielt das im Familienbesitz befindliche Übungsbuch am 22. November 1736 geschenkt (Eintrag auf dem vorderen Spiegel: „da fick jag denna boken“ – „da erhielt ich dieses Buch“). In dieser Zeit sind offenbar die Puppen angefertigt worden, hübsche Bastelarbeiten eines zehnjährigen Mädchens, das mit dem alten Übungsbuch ihres Onkels wohl nicht mehr viel anfangen konnte – es aber als Aufbewahrungsort nutzte. Die phantasievoll gestalteten Puppen sind offenkundig nach verschiedenen Vorlagen gearbeitet und zeugen von großer handwerklicher Fertigkeit. Die Umrisse und Binnenlinien sind fein aus Papier ausgeschnitten und teils mit Tinte nachgezeichnet; dadurch entsteht eine Art zeichnerische Struktur über den vielfältigen buntfarbigen, teils hochwertigen

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ZÜRICH – MEMORIALIA – „Herrn Doctor und Antistitis Clingleri verantwortung, so Er in Nahmen aller Kirchen- und Schul-diener schriftlich auf deß Herrn ... Bürgermeister Eschers begehren abgelegt ...“ (und ca. 15 weitere Schreiben und amtliche Protokolle). Deutsche Handschrift auf Papier. (Zürich, um 1714). 4°. Ca. 200 Bl. Mod. Maroquin. 300,Sammlung von Abschriften amtlicher Dokumente, vor allem das Zürcher Zunft- und Gewerbewesen betreffend, aus dem Jahr 1713, dem letzten Amtsjahr des Oberstpfarrers und Antistes der Zürcher Kirche, Anton Klingler (1649-1713; HBLS IV, 508), und dem ersten Amtsjahr seines Nachfolgers, Peter Zeller (1655-1718), „auf kirchlichem Boden von bahnbrechender Bedeutung für die zürch. Aufklärungsperiode“ (HBLS VII, 639). – In gleichmäßiger, sorgfältig ausgeführter Kanzleikursive von einem geübten Schreiber angefertigt; die Kopftitel der einzelnen Teile im wesentlichen in Antiqua, alle Blätter regliert. Letztes Stück sind auf ca. 30 Bl. die „Fundamental-Satzungen der Stadt Zürich“. – Erste Bl. mit Randschäden durch Mäusefraß (außerhalb des Textes), letztes Textblatt mit hinterlegtem Eckabriß (etw. Textverlust in der ersten Zeile), anfangs und am Ende stärker, ansonsten nur leicht gebräunt und fleckig. – Stattlicher Band auf starkem, unbeschnittenen Bütten.


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PORTRÄTSAMMLUNG. Deutsche Handschrift auf Papier. Deutschland, um 1750. 4°. Mit ca. 102 meist gestoch. mont. Portrs. 102 Bl. Beschäd. Hpgt. d. Zt. 200,In ihrem Grundbestand wohl Mitte des 18. Jahrhunderts angelegte Sammlung von Porträts von Malern, Musikern, Dichtern, Gelehrten, Herrschern und bedeutenden Geistlichen, vielleicht von einem Studenten zusammengestellt als eine Art privaten biographischen Lexikons. Die Porträts sind, in alphabetischer Folge geordnet, jeweils auf den Rectoseiten montiert und in verschiedenen sauberen Handschriften auf der gegenüberliegenden Versoseite mit biographischen Informationen versehen. Die Datierung stützt sich v. a. auf die im gestochenen Wappenexlibris von Hand eingetragene Jahreszahl MDCCLI, Ergänzungen wurden wohl bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts vorgenommen. Für die Biographien wurden, wie vermerkt, vorwiegend Uhses „Universal-geographisch-historisches Lexikon“ (1710) und das „Templum honoris“ (1673) von Spizelius verwertet; aus letzterem Werk sind auch etwa 20 Porträts des Augsburger Stechers Melchior Haffner entnommen. Eine Reihe von freigebliebenen „Textseiten“ zeugt davon, daß das ambitionierte Projekt letztlich nicht vollendet wurde. – Einzelne Bl. angefalzt, die Kupfer meist bis zum Rand beschnitten, einzelne mit kleinen Fehlstellen, kaum fleckig. – Gestoch. Wappenexlibris.

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23 Buchstaben, zu je zweien auf einer Tafel angeordnet, nur Z steht allein. Den reich ausgeführten großen Zierbuchstaben fast in voller Höhe des Blatts ist jeweils derselbe Buchstabe klein und vereinfacht beigegeben. Vielleicht diente dies der leichteren Identifizierung, doch konnten diese Buchstaben auch als Muster einfacherer Initialen verwendet werden. – Geschrieben in schwarzer Eisengalltinte auf Papier mit Wasserzeichen der Elsässer Papierfabrik Pasquay, datiert „en Alsace 1742“. – Mehrere Tafeln mit tls. größeren Bruchstellen in der Darstellung infolge von Tintenfraß; leichte Knickspuren, Tinte etw. durchschlagend, leicht fleckig.

MEMMINGEN – GÜRTELBRUDERSCHAFT – „LIBER CONFRATERNITATIS continens Nomina 1. Benefactorum. 2. F. F. et P[atr]orum vivorum. 3. Mortuorum. Inceptus Anno 1717 die 22. augusti.“ Lateinische Handschrift auf Papier. Memmingen 1717-1917. 4°. Mit kleinem Wachssiegel. 136, 4 nn. Bl. (und zahlr. weiße). Läd. Ldr. um 1720. 300,Exakt 200 Jahre lang geführtes, kontinuierlich fortgeschriebenes Bruderschaftsbuch der Gürtelbruderschaft Maria vom Trost am Memminger Augustiner-Eremitenkloster. Eigenhändig begonnen von dem Subprior Fortunatus Bögle, der auch der Gründer dieser lokalen Bruderschaft gewesen ist, wurde das Verzeichnis später von anderen Schreibern fortgeführt und ist ein erstrangiges Zeugnis zur Geschichte der Bruderschaft wie auch des Memminger Augustiner-Eremitenklosters. Anhand von Hunderten von Namenseinträgen lassen sich Blütezeiten und Niedergang nachvollziehen sowie die soziale Struktur der Gemeinschaft und Herkunft ihrer Mitglieder zu verschiedenen Zeiten ermitteln. Auf den Aufschwung im 18. Jahrhundert folgen große Lücken in der Zeit von 1798-1823, im mittleren bis späten 19. Jahrhundert kommt es aber erneut zu einer Vielzahl von Eintritten, bis sie endgültig am Anfang des 20. Jahrhunderts versiegen. – Zu Beginn die gesiegelte doppelseitige „Bulla“ mit den Statuten der Gründung „datum in Conventu nostro“ am 5. April 1717. – Gebrauchshandschrift ohne kalligraphische Verzierungen. – Erste Bl. etw. gelockert, zwei alte Blattweiser aus Pgt., anfänglich stärker fleckig und gebräunt.

SCHRIFT – INITIAL-ALPHABET. Handschrift auf Papier. Deutschland (oder Frankreich?) um 1750. Qu.-4°. 12 Bl. Mod. Pp. 200,Musterbuch eines Schreibmeisters, vielleicht auch zur Vorlage einer Stichfolge angefertigt. Enthält die besonders reich kalligraphierten Buchstaben A bis Z ohne J, X und Y, also

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GEBETBUCH – „Andächtiges Gebett Buch“. Deutsche, lateinische und italienische Handschrift auf Papier. Deutschland, 2. Hälfte 18. Jhdt. 4°. Mit mont. kolor. Holzschnitt. 1 Bl., 284 S., 13 Bl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. (Bezug mit kleinen Fehlstellen, stark beschabt und bestoßen). 200,Handgeschriebenes Gebetbuch, vorwiegend in deutscher Sprache. Neben einer lateinischen Antiphon (S. 247) findet sich auch ein Abschnitt mit italienischen Gebeten (S. 247/48 und 250-84). Auf den nicht numerierten Blättern am Ende sind Gebetstexte für die Beerdingungsfeier eingetragen. Alle Seiten gerahmt, die deutschen Texte in ordentlicher Kurrentschrift, die lateinischen und italienischen Gebete in zierlicher Antiquakursive. – Auf dem Titelblatt ist unten ein kleiner kolorierter Holzschnitt eingeklebt. – Fliegende Vorsätze entfernt, wenig fleckig. – Beiliegt ein weiteres handschriftliches Gebetbuch.

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PIETISMUS – SAMMELBAND mit 3 Malefikantenberichten. Deutsche Handschrift auf Papier. Mitteldeutschland, 2. Hälfte 18. Jhdt. (Blattgr.: 16,8 x 10 cm). 1 Bl., 137 S., 3 (weiße) Bl., 179 S., 2 (weiße), 1 Bl., 59 S. Beschäd. Pp. d. Zt. 600,Berichte über zum Tode verurteilte Verbrecher, die der Hinrichtung in der Überzeugung entgegensahen, die Gnade Gottes und das Ewige Leben zu erlangen, nachdem sie im Gefängnis durch seelsorgerliche Betreuung im Geist des Pietismus bekehrt worden waren. Zwei Teile sind für uns nicht gedruckt nachweisbar, doch könnte es sich in allen Fällen um Abschriften handeln, da in der gut lesbaren Kurrentschrift, wohl von einer Hand, kaum Korrekturen vorkommen; der erste und letzte Teil jeweils mit kalligraphiertem Titelblatt, alle Teile separat paginiert. I. Der erste Teil, „Letzte Stunden und Wahre Bekehrung des Herrn Lieutenant von Pfuhl, welcher wegen unrichtiger Handlung in Werbungs-Sachen zu Magdeburg mit dem Schwert vom Leben zum Tode gebracht worden“, ist laut dem Titelblatt „aufgesetzt“ von Johann Friedrich Haehn, der den Leutnant „zum Tode praepariret und bis auf den Richt-Platz begleitet hat“. Haehn war seit 1762 Abt von Kloster Berge bei Magdeburg, das sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts zu einem Zentrum des Pietismus entwickelt hatte. II. Der zweite Teil enthält die „Lebens-Beschreibung“ des 1752 in Bristol hingerichteten Nicolaus Mooney. Zuerst 1752 in London gedruckt, ist eine deutsche Übersetzung (dieselbe Fassung wie in unserer Handschrift) auch enthalten in der von Ernst Gottlieb Woltersdorff unter dem Titel „Der Schächer am Kreutz“ publizierten Sammlung [Bd. II,3, (1760), S. 167-248].


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GEBETBÜCHER – Drei katholische Gebetbücher. Deutsche Handschriften auf Papier. Süddeutschland 1770-1808. Mit einigen Kupferstichen. Hervorhebungen in Rot und Grün. Meist mit Textrahmen regliert. Ldr. d. Zt. mit Rückenund Deckelvg. (Gebrauchsspuren, tls. stark beschabt und bestoßen). 250,I. „GEBETT BUCH so bestehet in Morgen-Abend-MessBeicht Communion-Tag Zeith ... geschrieben im Jahr Christi 1770.“ Mit 25 Kupfertafeln, überwiegend von J. M. Will aus Augsburg. 120 nn. Bl. (und einige mit leeren Textrahmen). – Nachgeb. die fünfte Ausgabe des populären Andachtsbuchs für Maria Theresia, „Tägliche Andachtsübungen“, Bamberg 1755 (mit gestochenem Frontispiz). – II. „KRÄFTIG UND ÜBERAUS SCHÖNES TAGBICHLEIN“. (Allgäu?) dat. 1783. 102 S., 2 Bl. – Dekorative Kattunpapiervorsätze. – III. „CHRIST-KATHOLISCHES GEBETT-BÜCHLEIN vor Maria Theresia Heelin in Öepfach. Anno 1808.“ 299 S. – Meist nur leicht fleckig, geringe Gebrauchsspuren.

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Nr. 51 III. Der dritte Teil, „Einige Nachricht von dem Wercke Gottes, welches an der den 17.ten Octobris 1755 hier in der Graffschaftft und Stadt Wernigerode enthaupteten KinderMörderin Annen Sophien Beckers aus Drübeck bemercket“, berichtet über eine junge Dienstmagd, die laut eigenem Geständnis ein neunjähriges Kind ins Haus gelockt und mit mehreren Axthieben auf einem Hackstock getötet hat. Trotz anfänglicher Uneinsichtigkeit wurde sie im Gefängnis durch Bibelverse, Lieder und die Lektüre von Johann Arndts „Wahrem Christentum“ zur Reue bekehrt. Vorsatz mit hs. Inhaltsverzeichnis, fliegender Vorsatz hinten entfernt, anfangs kleine Wurmspuren, gebräunt, stellenw. fleckig. – Anrührende Beispiele pietistischer Exempelliteratur.

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SCHLEHDORF – „INSTITUTIONES SACRAE NOVITIORUM Ord. Can. S. Augustini in Schlechdorf.“ Lateinische Handschrift auf Papier. Schlehdorf (Oberbayern), wohl zweite Hälfte des 18. Jhdts. 4°. 3 Bl., 377 (recte: 379) S., 3 Bl. 16 Zl. Regliert (alle S. mit Textrahmen). Beschäd. Pp. d. Zt. mit Buntpapierbezug. 300,Umfangreiche Novizenordnung des Augustiner-Chorherrnstifts Schlehdorf (im 18. Jahrhundert gewöhnlich „Schlechdorf“ genannt) am oberbayerischen Kochelsee. – Gebrauchshandschrift in gleichmäßiger spätbarocker Kurrentschrift, Titel in Kapitalbuchstaben. – Vorderer Vorsatz und erste Lage mit geringen Wurmspuren; kaum gebräunt und vereinzelt fleckig.

MILITÄR-REGLEMENT – „AUSZUG aus dem Exercitio für die Infanterie, der von zeit zu zeit herausgegebenen Remarquen, wie auch einige Erläuterungen eingetragen sind.“ Deutsche Handschrift auf Papier. Wohl Tschechien, um 1780. 4°. Mit kalligraphiertem Titel und mehreren Zeichnungen in Deckfarben und Tinte, alle Seiten mit doppeltem Rahmen und einer Spalte für Anmerkungen. 1 Bl., 303 S., 3, 13 Bl. (und 33 weiße). Pp. d. Zt. (stärkere Gebrauchsspuren). 1.200,Auszug aus dem Reglement für die Infanterie auf 303 zeitgenössisch paginierten Seiten, mit einem Inhaltsverzeichnis (3 Bl. nach S. 303) und Illustrationen zu verschiedenen Manövern eines Bataillons. Ein zeitgenössischer Vermerk auf dem Titel, von anderer Hand als der, von der das Reglement geschrieben ist, weist es einem nicht mit Gewißheit zu identifizierenden Feldmarschall-Leutnant Grafen von Browne zu. – Das Reglement umfaßt zwei Tabellen über die Aufstellung eines Regiments nach Kriegs- und nach Friedensfuß sowie Vorschriften für Auf- und Abmarsch, Chargierungen und Formierungen; der Abschnitt zur Bewegung in einer geraden Linie zwischen zwei Geländepunkten ist mit einer kolorierten Zeichnung illustriert. Den letzten Teil bildet ein Anhang zu einem „sehr nützlichen und zu wüssen nöthigen Manever“, dazu finden sich nach dem Inhaltsverzeichnis schematische Illustrationen mit erklärenden Texten. – Im Habsburgerreich gab es bis 1737 kein allgemeines kaiserliches Exerzier-Reglement, vielmehr stellte der jeweilige Befehlshaber für sein Regiment „eigene Normen auf oder änderte die von seinem Vorgänger überkommenen beliebig ab“ (Jähns 1669). Bis in das späte 18. Jahrhundert hinein lagen diese Reglements nicht immer gedruckt vor, sondern kursierten handschriftlich vervielfältigt. Nach den Wasserzeichen „I HELLER“, im mährischen AltenbergIglau um 1780-1790 nachzuweisen, ist die Entstehung unserer Handschrift wohl im heutigen Tschechien zu vermuten. – Block gelockert, fliegender Vorsatz entfernt, Respektblatt mit kleiner Fehlstelle, fleckig, gebräunt. – Siehe Abbildung.


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BENEDIKTINER – BAYERN – „MEDITATIONES MENSTRUAE. Una cum examinibus suis particularibus per singulos tyrocinii menses R.R. F.F. novitiis assignari solitae. 17anno83.“ – „Via compendiosa ad religiosam perfectionem R.R. F.F. novellis Congregationis Benedictino Bavaricae ... ostensa anno 1785.“ Zwei lateinische Handschriften auf Papier in 2 Bdn. Altbayern 1783-85. 4°. 88, 155; 243 S., 1 Bl., 120 S., 1 Bl. HSchweinsldr. d. Zt. mit Rsch. (beschabt und bestoßen). 600,-

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BAYERN UND PFALZ – MILITÄR – „KUR PFALTZ BAYRISCHER Mittel als Unmittelbarer Kriegs Zustand 1784.“ Deutsche Handschrift auf Papier. München? 1784. Titel und Hervorhebungen in Rot. 1 Bl., 260 (recte 262) S., 5 Bl. (und einige weiße). Ldr. d. Zt. (beschabt und bestoßen). 600,Aufzeichnungen in sauberer Handschrift, wohl von einem hohen Münchener Armeeangehörigen aus der Familie Orff abgefaßt, eine Übersicht über die Gliederung der altbayerischen und pfälzischen Armee, ihre Führung, Regimenter, Angehörigen und Ausgabenetats. Die angeführten Daten reichen weit in die Zeit von Kurfürst Max III. Joseph zurück (teils bis ca. 1750), stammen im wesentlichen aber aus der Regierungszeit Karl Theodors bis 1783. – Enthält unter anderem Kapitel über die „Hohe geheime Kriegs Conferenz“ und „Hohe Generalitaet. Generalissimus“, Aufstellungen über die „Gouvernements“ Mannheim, Düsseldorf, Jülich, Ingolstadt, Heidelberg etc., die Leibgarde des Kurfürsten Karl Theodor und diverse Infanterieund Kavallerieregimenter sowie Ausgabenlisten. – Die Fortsetzungen für die Jahre 1784 und 1785 befinden sich im Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek München (CGM 3336 und 3337). – Auf den Vorsätzen Einträge in Bleistift „München am 14ten Maj 1746“ (wohl Erwerb des Blankobüchleins) und „Joseph Orff Lieutenant a München“. – Auf Papier mit Wasserzeichen „C&I HONIG“ mit Wappen. – Kaum fleckig.

BERTSCH – „SAMMLUNG der lehrreichsten und angenehmsten Begebenheiten und Gedanken aus den gelesenen Büchern herausgezogen und abgeschrieben von Joh. Ev. Bertsch Kaplan zu Heudorf“. Deutsche Handschrift auf Papier. 4 Bde. 1789-98. Hldr. d. Zt. mit Rsch. und Rvg. (beschabt). 600,Die Frucht einer ausgedehnten Lektüre, ein Florilegium, gebunden von Johann Evangelist Bertsch (1762-1832) aus der Schweiz, 1780 Kaplan in Vals, ordiniert 1786, dann Kuratkaplan in Heudorf im Schwäbischen, am Ende seines Lebens in Kontakt mit Mörike (vgl. HBLS II, 206). – Bertsch las, Jean Paul vergleichbar, wahllos alles, was ihm unter die Finger geriet: die periodischen Publikationen von Weißes „Kinderfreund“ über Wielands „Teutschen Merkur“ bis zu Nicolais „Allgemeiner deutschen Bibliothek“, dann natürlich die beliebten Sammlungen der Reisebeschreibungen und selbstverständlich die Aktualitäten des Tages von Knigges „Peter Clausen“ bis zu Reichards „Revolutions-Almanach“. Besonders reichhaltig ausgezogen wurden die zahllosen Traktate der Volksaufklärung, angefangen vom „Einfluß der Heilkunst auf die praktische Theologie“ (Ulm 1794) bis zum „Neuen Bienenkorb“ (daraus der Hinweis auf einen besonders effektiven „Lichtputzer“). Jeder Band wurde (auch hierin Jean Paul vergleichbar) mit einem Register versehen, eventuell in Hinblick auf eine Verwertung für geplante Aufsätze (vgl. HBLS, dort der Hinweis auf seine „Publikationen, die heute noch in mancher Beziehung wertvoll sind“). – Eine hochinteressante Quelle zur Erforschung des Leseverhaltens in der Goethezeit. – Der erste Band wurmstichig und mit Wasserschaden, sonst recht gut erhalten.

Lehrtexte zur Ausbildung der Novizen in der bayerischen Benediktinerkongregation, aufgeteilt in monatliche Lektionen über den ganzen Jahreskreis. Die Monatslektionen (überschrieben „Meditatio pro mense ...“ bzw. „Considerationes pro mense ...“) stehen jeweils unter einer bestimmten generellen Thematik der klerikalen priesterlichen Grundausbildung (z. B. „De humilitate“, „De patientia“, „De charitate“ etc.), von der für jeden Tag ein bestimmter Lehrinhalt vorgesehen ist, dazu Examina sowie am Ende der zweiten Handschrift „Ultima proposita ante confessionem“ und, mit eigener Paginierung, ein „Examen particulare“, ebenfalls für alle Monate. – Der Schreiber der in gleichmäßiger Kurrent abgefaßten Gebrauchshandschrift war ein Frater Johannes Beckmann, der sich am Fuß des Titels der ersten Handschrift nennt. – Gering stockfl. und gebräunt. – Beiliegend eine weitere Handschrift mit dem Titel „Via compendiosa“, datiert 19. Juli 1783 (am Textende), abgefaßt von anderer Hand und mit schlichtem zeitgenössischen Pappeinband.

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ECKARTSHAUSEN – „GOTT DIE REINSTE LIEBE. Mein Gebett und meine Betrachtung. Geschrieben worden im Jahr 1792. von Johan Nepo: Denner.“ Deutsche Handschrift auf Papier. Süddeutschland 1792. Mit Frontisp. in Deckfarben und Tinte, zwei kalligraphierten Titeln (erster mit Deckfarbenbordüre, zweiter mit gezeichneter Portr.-Vign.) sowie 13 gezeichneten Kopf- und Schlußvign. im Text. Hervorhebungen in Rot. 115 S. Ldr. d. Zt. (Deckel leicht aufgebogen, beschabt und bestoßen). 200,Eckartshausens häufig aufgelegtes Gebetbuch, hier in einer sauberen Abschrift mit hübscher Kalligraphie der Überschriften, offenkundig von einem geübten Kanzleischreiber namens Johann Nepomuk Denner. Von diesem stammt auch der übrige Buchschmuck, das Frontispiz, das den betenden Knaben Samuel zeigt, ist ebenfalls von ihm signiert. Auf dem zweiten Titel ein Tondo mit Profilbildnis des römischen Kaisers Marc Aurel. – Vorderer Buntpapiervorsatz mit großer weißer Farbspur, Frontisp. und erster Titel lose, tls. ein wenig Abklatsch von der roten Tinte, insgesamt nur wenig fleckig und gebräunt. – Beiliegend ein weiteres Gebetbuch des späten 18. Jahrhunderts.


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Handschriften

in Rocaillekartusche und zahlr. Kopfstücken, Vign. und Initialen in goldgehöhten Deckfarben. Hervorhebungen in Rot. 183 nn. Bl. 12 Zl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. über Holzdeckeln mit zwei intakten Messingschließen und dreiseit. punzierten Goldschnitt (Kapitale unauffällig restauriert, Gelenke leicht brüchig, wenig beschabt und bestoßen). 2.200,-

„CHATHOLISCHES GEBETHBUCH worin Morgen, u. Abend, Meß, Beicht, Kommunion, und der heil. Kreuzweg, nebst andern schöne Gebetter enthalten sind.“ Deutsche Handschrift auf Papier. Oberbayern 1826. Mit 34 Kupferstichen (meist mont., tls. als Tafeln, tls. in Pag.). Überschriften in Deckfarben und roter Tinte kalligraphiert, durchgehend regliert. 2 Bl., 185 (recte 193) S., 1 Bl. Braunes Ldr. d. Zt. mit reicher Vg. und Buntpapiervorsätzen (leicht beschabt und bestoßen). 300,-

Reizvolles, reich illuminiertes liturgisches Buch im Taschenformat. Der Titel bedeutet: „Folge kirchlicher Gesänge und Sammlung für das ganze Jahr“ (das orthodoxe Kirchenjahr von September bis August). Die Anordnung der „Posledovanie“, die zu den „Akoluthia“ (d. i. officia), also den einzelnen Stücken des orthodoxen Gottesdienstes gehören, folgt dem Jahreskreis, der mit September eröffnet wird. Der Schrift nach zu urteilen ist die Handschrift wohl im ostslawischen Raum (Rußland) entstanden. – Stellenw. etw. gebräunt und fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 9.

Sehr reizvolles Gebetbuch in sauberer Schrift mit durchgängiger buntfarbiger Auszierung der Überschriften und unter Verwendung von sehr seltenen Kupferstichen aus verschiedenen Folgen, darunter einigen des für uns nicht nachweisbaren Augsburger Stechers Math(ias) Bendl, sowie einem kompletten Kreuzweg (14 Blätter) von Franz Xaver Jungwirth aus München. Die Sammlung, aus „unseren schönen Gebethbüchern heraus gezogen“, hat ein Joseph Schalk aus Benediktbeuern für eine Bäuerin Maria Stumbek „zum Baumgarten bey Miesbach“ geschrieben. – Die Stiche tls. von abgenutzen Platten (der Kreuzweg in kräftigen Abzügen), vereinzelt kleine Randschäden und Einrisse, kaum fleckig.

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SCHLESIEN – BERGBAU – „SUPPLEMENTE UND DECLARATIONEN der Schlesischen Bergordnung“. Deutsche Handschrift auf Papier. Um 1830/35. Fol. 62 nn. Bl. (und zahlr. weiße). Auf Durchschußpapier von: Revidirte Berg-Ordnung für das souveraine Herzogthum Schlesien und für die Grafschaft Glatz. De dato Berlin, den 5. Juny 1769. Berlin, Decker, o. J. (ca. 1770). 76, 29 S. Pp. d. Zt. (Gebrauchsspuren). 300,Umfangreiche Aufzeichnungen verschiedener Hände mit Ergänzungen und Änderungen der von Friedrich dem Großen 1766-72 erlassenen schlesischen Bergordnungen, eingefügt an den entsprechenden Stellen des gedruckten Werks. Diese Supplemente enthalten Verordnungen, Zusätze und Erklärungen, die teils noch in die Zeit vor Erlaß der Bergordnungen zurückgehen (früheste Datierung 1755), doch wurden diese erst in den späten 1820er Jahren niedergeschrieben. Die spätesten Einträge datieren von 1834/35. Die meisten der hinzugefügten Verordnungen stammen indessen aus der Zeit um 1820/30. – Rares Dokument zur Geschichte des Bergbaus in Schlesien und Preußen. – Bei dem Druck handelt es sich um eine im Buchschmuck schlichtere Variante der ersten Ausgabe mit veränderter Kollation des Hauptteils und mit dem Anhang (entspricht so Nentwig, Schaffgotsch, 2141 – hier datiert nach dem Datum des Erlasses, gedruckt wohl etwas später). – Das Manuskript im wesentlichen von zwei gut unterscheidbaren Händen, beide tätig um 1830/35, auf Velinpapier ohne Wasserzeichen. – Buchblock gebrochen, Titel mehrf. gestempelt; etw. gebräunt und fleckig. – Unbeschnitten.

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„POSLEDOVANIE cerkovnago penija i vseletnago sobranija.“ Kirchenslawische Handschrift auf Papier. Rußland? dat. 1834. 16° (8 x 5,3 cm). Mit Titelseite in Deckfarben vor Goldgrund und Goldschrift, gemaltem Exlibris mit Datum „1834“

Charming, richly illuminated liturgical book in pocket format. The title means: „Series of church carols and collection for the whole year“ (the orthodox church year from September to August). The arrangement of the „Posledovanie“ belonging to the „Akoluthia“ ( i. e. officia), that means the various pieces of the orthodox service, follows the liturgical year starting in September. After the handwriting the manuscript originates probably from the East Slavic region (Russia). – A little browned and soiled here and there. – Contemporary blind-pressed calf over wooden boards with 2 intact metal clasps and three-sided punched gilt edge (turnins restored in a skilful way, joints slightly cracked, hardly scratched and scuffed) in modern calf case (slightly rubbed). – See illustration on plate 9.

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ZUNFTWESEN – „LEHRLINGS VERTRAGS PROTOKOLL der Steinhauer-, Maurer, Gipser und Tünchner Zunft von 1848 bis 1862“ (Deckeltitel). Deutsche Handschrift auf Papier. Württemberg, Mitte 19. Jhdt. Fol. 97 Bl. Hldr. d. Zt. (Bezug mit kleinen Fehlstellen, stark beschabt und bestoßen). 200,Amtsbuch mit vorgedruckten Spalten, darin Eintragungen auf 52 Blättern (die übrigen Seiten blieben frei). Die Herkunft der Lehrjungen und Wohnorte der Meister liegen im Raum Tübingen. Die Belohnung des Lehrmeisters und dessen Gegenleistung wurden jeweils individuell festgesetzt. – Vereinzelt fleckig. – Beiliegt das „Meister-Prüfungs-Protokoll der Maurer, Steinhauer, Gipser, und Tüncher Innung“ mit Eintragungen aus den Jahren 1849 bis 1862. – Aufschlußreiche Quellen zum Zunft- und Innungswesen im Königreich Württemberg vor dem Erlaß der neuen Gewerbeordnung 1862.

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HERMANN – „NATIONALÖCONOMIE nach Dr. Hermanns Vorträgen.“ Deutsche Handschrift auf Papier. (München 1853). 4°. 212 S. und ein Doppelbl., lose beiliegend. 17-18 Zl. Hlwd. d. Zt. (leicht berieben und bestoßen). 700,Recht saubere und gleichmäßige Mitschrift eines nicht genannten Studenten zur Vorlesung des bekannten Nationalökonomen Friedrich Benedikt Wilhelm von Hermann (1795-1868). Hermann gilt als „der Vollender der klassi-


Handschriften

schen Schule, besonders in der Preislehre, und der Schrittmacher für die Grenznutzenschule“; Schäffle bezeichnete ihn als „scharfsinnigsten der deutschen Ökonomisten“ (NDB VIII, 655). – Die Datierung ergibt sich aus der Nennung des Jahres 1853 als „gegenwärtig“ auf S. 170. In diesem Jahr wirkte Hermann in München. Die vorliegende Mitschrift dokumentiert offenbar das Sommersemester, im Wintersemester behandelte Hermann auch das Thema „Wirtschaftspolizei“, das in unserem Manuskript nicht vorkommt. Vielmehr werden in ihm die grundlegenden Aspekte der Nationalökonomie abgehandelt: Produktion, Verteilung der Güter und Konsum. – Einige wohl spätere Marginalien in Bleistift, etw. fleckig, leicht gebräunt.

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„NATUR“ (Deckeltitel). Deutsche Handschrift auf Papier. 3 Bde. 1854. 4°. 280; 96 S., ca. 200 weiße Bl.; 273 S., 4 weiße Bl. Hlwd. und Lwd. d. Zt. (beschabt und bestoßen). 150,Abschriften aus verschiedenen Werken zur Naturkunde, laut Einträgen in Band I und II von einem von uns nicht näher identifizierbaren J. Carl Eichmann im Jahr 1854 in einer gut lesbaren Handschrift angefertigt. – Exzerpiert wurden u. a. Vischers „Aesthetik“, die von Gutzkow herausgegebene Zeitschrift „Unterhaltungen am häuslichen Herd“, Schriften Alexander von Humboldts und Chamissos „Reise um die Welt“. – Ganz vereinzelt fleckig, leicht gebräunt.

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„KOCHBUCH“. Deutsche Handschrift auf Papier. Pommern? 1877. 68 nn. Bl. (und einige weiße). Mod. Hldr. unter Verwendung alter Deckel (diese beschabt). 120,Laut Titelblatt von Wilhelmine Bork abgefaßte Gebrauchshandschrift mit den üblichen Rezepten eines bürgerlichen Haushalts der Zeit, vielleicht in Westpommern entstanden (eine Wilhelmine Bork wurde 1836 in Bärwalde, Kreis Neustettin, geboren). – Auf glattem Velin. – Erste zwei Bl. mit hinterlegten Randausbrüchen; etw. gebräunt.

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NIKITIN – „DAS KIRCHENJAHR in Initialen nebst Text. Mit freier Verwendung von gothischen Ornamenten entworfen und ausgeführt von Nathalie von Nikitin“ (Deckeltitel). Deutsche Handschrift auf Papier. (München, um 1900). Schmal-Gr.-Fol. (48,9 x 23,5 cm). 14 Bl. in Deckfarbenmalerei mit Goldhöhung und schwarzer

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Tinte (alle sign.). Alt auf festen Trägerkarton mont. Lose in Lwd.-Mappe d. Zt. mit Deckelillustr. von N. von Nikitin (leicht berieben und bestoßen). 900,Hübsche Tafeln in Form spätmittelalterlicher Buchillustrationen mit Initialen, Rankenwerk und jeweils einer figürlichen Szene in bezug auf das Kirchenjahr in einer großen historisierten Initiale auf allen Blättern. Feine Kalligraphie in Frakturschrift mit vielen kleinen Initialen. – Die in München wirkende Künstlerin Nathalie von Nikitin (18641952) war als Buchillustratorin tätig. Vielleicht waren die Blätter als Vorlage für eine Publikation gedacht. – Vereinzelt leicht fleckig. – Beiliegend Beschreibungskärtchen, vielleicht von der Hand Nikitins. – Siehe Abbildung Tafel 8.

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MILLER – „DICHTERISCHE VERSUCHE von Walter von Miller.“ (Deckeltitel) Typoskript mit handschriftlichen Ergänzungen auf Papier. 9 Tle. in 2 Bdn. (München) 1908-11. Fol. Mit 14 Photographien. Ldr. d. Zt. mit reliefierten und vg. Deckeln, sign. „F. X. Weinzierl – Pasing“ (leicht berieben und bestoßen). 600,Walter von Miller (1894-1978), zweiter von drei Söhnen Oskar von Millers und Münchner Kommunalpolitiker, der sich große Verdienste um die Kultur der Stadt in der Nachkriegszeit erworben hat, wollte eigentlich Schauspieler und Regisseur werden. Gerhart Hauptmann, der im Hause seiner Eltern verkehrte, regte ihn dazu an, eigene Dramen zu verfassen. Diese wurden unter Millers schauspielerischer Beteiligung auch aufgeführt, gewöhnlich im Münchner Künstlerhaus. So spielte der Vierzehnjährige im „Nero“, dem frühesten der hier vorhandenen Dramen, sogleich die Hauptrolle. Neben Schauspielen verfaßte Miller auch Epen. Die Stoffe für seine Stücke entnahm er dem klassischen Repertoire: „Nero“, „Claudio“, „Mannestreue“, „Epos vom Bodensee“, „Epos Irmengard“ (Bd. I) sowie „Vergeltung“, „Abaelard und Heloise“, „Der Narrenkönig“ und „Treue“. Den Typoskripten vom „Abaelard“ und „Narrenkönig“ sind sechs bzw. acht Photographien mit Szenen der Aufführungen im Künstlerhaus im Jahre 1911 beigefügt. – Die Theaterträume des Sohnes hat der Vater bald darauf unterbunden, indem er ihn zwang, Jura und Volkswirtschaft zu studieren. – Die Einbandgestaltung in antikisierendem Jugendstil mit griechischer Theatermaske und Girlanden, die die goldgeprägten Titel rahmen, stammt von dem Pasinger Künstler Franz Xaver Weinzierl. – Wenig gebräunt, leichte Gebrauchsspuren. – Siehe Abbildung Tafel 9.


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Nr. 79


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Urkunden und Autographen

Nr. 78

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ALASTAIR (d. i. H. H. VON VOIGT), Zeichner und Schriftsteller (1887-1969). 4 e. Briefe mit U. München „Haus Biederstein“ 21. 1. – 11. 6. 1969. 4°. Je 1 S. – E. adressierte Umschl. beiliegend. 250,Vier Briefe aus den letzten Monaten des bereits schwerkranken und bettlägerigen Künstlers an den Kunsthändler Ortwin Rüttger in Wesel. Rüttger hatte Alastair um Zeichnungen aus seinem Illustratrionszyklus zu Gustav Meyrinks „Mann auf der Flasche“ (entstanden 1964/65) gebeten, von denen aber schon einige verkauft waren. – Kryptisch mutet die Aussage über den Verleger Georg Müller im Schreiben vom 21. Januar 1969 an: „Georg Müller war ein ungewöhnlicher Mensch und ein Freund. Dass er sich umbrachte – ist mir eine dunkle Schuld geblieben.“ Müller ist Ende Dezember 1917 an einer schweren Krankheit verstorben. Vielleicht meinte Alastair, Müller sei letztlich an Überarbeitung gestorben, wozu auch er beitragen habe, war doch in diesem Jahr Wedekinds „Büchse der Pandora“ mit den Illustrationen Alastairs erschienen. – Visitenkarte mit e. Widmung, e. adressierter Paketschein sowie 5 Telegramme beiliegend (ebenfalls an Rüttger, die Sendung von Zeichnungen betreffend).

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– 21 Photoabzüge mit Aufnahmen von Zeichnungen des Künstlers und einigen Selbstportrs., rückseit. meist e. bezeichnet und sign. München 1969. Ca. 30 x 24 cm (eines kleiner). 250,Vom Künstler selbst angefertigte Dokumentation seines späten Illustrationszyklusses mit neuen Bildern zu Meyrinks „Mann auf der Flasche“ (entstanden 1964/65), der niemals im Druck erschienen ist. Auf einigen Abzügen sind rückseitig vom Künstler selbst die Titel, Datierungen und Käufer der Originale vermerkt, die kleinere Photographie zeigt den Künstler bei der Arbeit an der Folge. Im großen Format zwei Jugendbildnisse Alastairs, rückseitig signiert (1969). – Minimale Gebrauchsspuren.

Mit Damen aus dem Kreise Casanovas 69

ALBUM AMICORUM – GÄSTEBUCH DER AUERSBERG – Album mit 78 Zeichnungen in verschied. Techniken auf Papier und Pergament. Wien und Oberitalien (Triest?), ca. 1760-75. 4°. Zus. 66 Bl. Ldr. d. Zt. mit Vg. (beschabt und bestoßen) in mod. Pp.-Schuber. 8.000,-


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Urkunden und Autographen

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– FREUNDSCHAFTSALBUM eines Braunschweiger Bürgers namens Winkler mit ca. 25 Einträgen aus Braunschweig, Ansbach, Erlangen, Ippesheim u. a. 1802-41. Qu.-8°. Mit 4 Aquarellen, 4 Blumenminiaturen, Portr.-Zeichnung und Stickbild, meist ganzseit. Zus. 27 Bl. (und zahlr. weiße). Ldr. d. Zt. mit Rvg. (stark beschabt und bestoßen). 400,Reizendes Album mit verhältnismäßig wenigen Einträgen und ohne prominente Namen, dafür aber mit recht qualitätvollen Bildbeiträgen. Die einzige bekannte Persönlichkeit ist Georg Heinrich Schubert aus Ippesheim in der Pfalz, ein Musiker (wohl ein Sänger), dem 1808 eine für die Volksliedforschung nicht unbedeutende Liedersammlung mit Gitarrenbegleitung gewidmet worden ist. Auch ein zweiter Einträger aus Ippesheim nennt sich „Musicus“. Vielleicht war auch der Eigner des Albums selbst Musiker. – Die meisten Beiträge noch vor 1810, einzelne später. – Die Miniaturen u. a. mit Darstellungen eines Freundschaftsaltars in der Landschaft, eines Musikstillebens und eines aufklappbaren anmutigen Porträts eines jungen Mannes aus Erlangen. – Stellenw. etw. fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 10.

Mit einem Beitrag von Richard Wagners Lehrer 71

Nr. 69 Außergewöhnliches Dokument zum habsburgischen Adel im späten 18. Jahrhundert und zur Geschichte der Familie Auersperg. Das Album enthält ausschließlich Porträts adeliger Personen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis der Familie. Angelegt wurde es wohl als Gästebuch, wobei sich unter den ersten Porträts auch Mitglieder der Auersperg befanden (teils entfernt). Die letzte Eintragung im Register des ersten Bandes, „Le fils de l'auteur“, läßt darauf schließen, daß ein Familienmitglied der Zeichner zumindest eines Teils der Bildnisse gewesen ist. Unter den Dargestellten sind Angehörige der Familien Harrach, Khevenhüller, Lichnowski, Loudon, Salm und Trautmannsdorf. Weiterhin bemerkenswert, daß einige der dargestellten Damen zum engeren Kreis Casanovas zählten, darunter die Gräfin Maria Aloisia Lantieri, die auch mit Goethe bekannt gewesen ist, Johanna Katharina Zois von Edelstein, Maria Anna von Lamberg und Maria Magdalena Ricci. Ebenfalls enthalten die Porträts von zwei Freunden Casanovas, Emanuel Anton Graf von Torres und Josef Kappus von Pichlstein, und das Porträt von Casanovas Erzrivalen Pietro Chiari, dem Hofdichter des Herzogs von Modena. – Indessen waren nicht alle Damen in Herzensanlegenheiten so freizügig, wie man es gewöhnlich – nicht nur im Kreis Casanovas – erwarten durfte. Eine Ausnahme machte etwa die Gräfin von Grünn, die prompt mit einer bissigen Bemerkung bedacht wurde: „Nor fraud nor Scandal to her heart is known / She thinks each bosom guiltless as her own.“ – Ein Damenporträt datiert 1769, das Bildnis des französischen Konsuls in Triest laut Register 1773. – Das Papier mit Wasserzeichen „C & I HONIG“ sowie Wappen. – Mehrere Bl. entfernt, einige abgeschnitten, einzelne lose; etw. fleckig und gebräunt. – Siehe Abbildung.

– „DER FREUNDSCHAFT GEWEIT.“ Brieftaschenalbum mit 17 Einträgen aus Bautzen, Freiberg, Göttingen, Leipzig, Leisnig u. a. 1813-33. Qu.-8°. Mit kolor. gestoch. Titel, 2 Deckfarbenminiaturen und Ölminiatur auf Papier. Zus. 19 lose Einlagebl. in roter Ldr.-Brieftasche d. Zt. mit Metallschließe (beschabt und bestoßen). 1.200,Hübsches Album in der ungewöhnlichen, zweifelsohne original überlieferten Form von lose in eine Brieftasche eingelegten Blättern, angelegt von einem nicht weiter zu ermittelnden Herrn namens F. Haberer, der vielleicht Musiker gewesen ist. Haberer war zumindest mit einigen Mitgliedern des Gewandhausorchesters Leipzig befreundet, unter ihnen der Komponist Christian Gottlieb Müller (18001863), der im Herbst des Jahres 1828 für kurze Zeit Richard Wagner Kompositionsunterricht erteilt hat. Sein Eintrag aus Göttingen, 11. 9. 1822, mit einigen launigen Musikersprüchen, schließt mit den Worten: „... denke an Deinen aufrichtig(en) Spißgesellen C. G. Müller aus Zittau“. Laut Eitner fand Müller „in Göttingen ein Unterkommen und lernte hier Spohr kennen, der das treffliche Talent erkannte und ihn Karl Maria von Weber empfahl“ (ADB XXII, 520). Auch Müllers spätere Gattin, Albertina Hunger, hat einen Beitrag zu dem vorliegenden Album geliefert (Leipzig, 12. 2. 1826). Ferner finden sich mehrere Einträge bekannter Instrumentalisten der Zeit, etwa von dem in braunschweigischem Dienst stehenden Klarinetten-Virtuosen Friedrich Ferdinand Tretbar (Leipzig, 5. 2. 1826) sowie den Kontrabassisten am Leipziger Gewandhausorchester, Carl Ernst Max Einert (Wurzen 16. 2. 1826), und an der Staatskapelle Dresden, Carl Gottfried Schmerbitz. Ein Einträger mit Namen Gottlieb Christian Wenck (Leipzig, 8. 2. 1826) nennt sich „Mitarbeiter und Freund“ des Eigners. – Die künstlerische Ausstattung des Albums ist nicht üppig, doch befindet sich darunter eine nicht signierte Ölminiatur mit sehr fein und stimmungsvoll gestalteter hügeliger Landschaft im milden Abendlicht von beachtlicher Qualität: Rechts der Eingang zu einem Bergwerk, aus dem ein Arbeiter heraustritt, vor sich hertragend geschürfte Kristalle;


Urkunden und Autographen

über dem Eingang ist zu lesen: „Alter tiefer Freundschaft(s)-Stollen“. – Etw. fleckig und gebräunt, leichte Gebrauchsspuren. – Siehe Abbildung Tafel 10.

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– STAMMBUCHKASSETTE einer Dame (aus Offenbach?). Ca. 50 lose Bl. mit Einträgen aus Hanau, „Mainkur“, Mannheim, Marienschloß, Offenbach u. a., um 1820-45. Qu.-8°. Mit 6 Deckfarbenminiaturen (einer auf Pergament), 8 Federbzw. Bleistiftzeichnungen und 4 graphischen Bl. in verschied. Techniken. Marmoriertes Ldr. d. Zt. mit Rücken- und Deckelvg. (geringe Wurmspuren; leicht beschabt und bestoßen). 300,-

wurde am 11. Dezember 1795 in Gitter am Berge (Salzgitter) geboren. Seit 1833 war er ordentlicher Professor für Medizin an der Humboldt-Universität Berlin. Das vorliegende Album wurde ihm von seinem Sohn Theodor zum 47. Geburtstag geschenkt. Es enthält, eingeleitet mit Texten von Goethe und Rückert, vier Gedichte und drei prosaische Stücke wohl aus der Feder von Theodor Schlemm sowie die eigenhändige Zeichnung eines Schwans aus einem einzigen Federschwung. In sauberer, gleichmäßiger Kursive abgefaßt, jedoch an einigen Stellen durchgestrichen und korrigiert. – Keine Nennung des Namens im Text, Titel mit späterem biographischen Zusatz in Bleistift. – Kaum gebräunt und fleckig.

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Überwiegend Einträge von Freundinnen mit einigen hübschen Miniaturen und Zeichnungen. – Beiliegend neun private Briefe aus Darmstadt, Friedberg, Heidingsfeld und München, ca. 1830-60, von den Familien Bachmann, Hoffmann und Meyer (eine Sophie Meyer, geborene Bachmann, war wohl die Eignerin des Albums). – Leicht gebräunt und fleckig.

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– „ALBUM“ (Deckeltitel). Stammbuchkassette der Familie Kappelmeyer aus Regensburg. Ca. 48 lose Bl. mit Einträgen aus Nürnberg, Regensburg und Schwimmbach, 1822-55. Qu.-8°. Mit 12 altkolor. Kupferstichen (jeweils an ein Einlagebl. angehängt) und kleiner Deckfarbenminiatur. Grünes Ldr. d. Zt. mit kräftiger Deckelvg. (leicht berieben und bestoßen). 250,Reizvolles bürgerliches Freundschaftsalbum eines Mitglieds der Familie Kappelmeyer aus Regensburg. Unter den Einträgern auch der Bruder des Eigners, Johann Paul Kappelmeyer, der 1846 das heute noch bestehende Regensburger Juweliergeschäft gegründet hat. Die den älteren Einträgen beigefügten Kupferstiche stammen meist von Augsburger und Nürnberger Verlegern, darunter ein Blatt mit einer hübschen Ansicht von Nürnberg. – Kaum fleckig.

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– STAMMBUCHKASSETTE einer Dame. Zus. ca. 20 lose Bl. mit Einträgen aus Hall, Lindau und München, 1841-52. Qu.-8°. Mit 7 Deckfarbenminiaturen und 5 altkolor. Kupferstichen. Hldr. d. Zt. mit Deckeln in „Cartonnage romantique“ (leicht berieben und bestoßen), der innere Deckel unter Verwendung eines altkolor. Kupferstichs. 200,Ein bürgerliches Münchener Damenalbum aus der Zeit des Vormärz mit dekorativer Kassette im Romantikerstil. – Einige weiße Blätter beiliegend. – Geringe Gebrauchsspuren.

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– SCHLEMM – „AM 11TEN DECEMBER 1842. Seinem Vater sein Theodor.“ Album für den Mediziner Friedrich Schlemm. Berlin 1842. 4°. Mit ganzseit. Federzeichnung und 5 mont. Bildern aus Bilderbögen d. Zt. 21 nn. Bl. Hldr. d. Zt. mit Vg. (etw. beschabt und bestoßen). 150,Friedrich Schlemm (1795-1859), für die Entdeckung des nach ihm benannten „Schlemm-Kanals“, eines Abflusses des Kammerwassers im Auge, bekannter Arzt und Anatom,

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– „ZUM ANDENKEN 1843“ (Rückentitel). Stammbuchkassette. Süddeutschland, 2. Viertel 19. Jhdt. Qu.-8°. Sammlung von ca. 20 Bl., darunter einer Miniatur, 3 altkolor. Ziehbildern (Kupferstiche), 4 altkolor. graphischen Bl. in verschied. Techniken und 12 Stahlstichen. Einzelne Einlagebl. mit rückseitigen Widmungen, u. a. aus Lindau und Regensburg, dat. 1818-52. Lose Bl. Grünes Ldr. d. Zt. mit reicher Vg. (gering berieben und bestoßen). 200,Hübsches Damenalbum mit gesammelten Einlageblättern verschiedenen Formats in dekorativer Kassette. Hervorzuheben sind die drei funktionsfähigen Ziebilder von Augsburger Verlegern, darunter eines mit einer Mausefalle, aus der ein Kind hervorkommt. – Die Stahlstiche entstammen einem seltenen Rheinalbum (nicht bei Schmitt), von dem, wie Vergleichsexemplare zeigen, offenbar die gesamte Folge vorliegt. – Stellenw. etw. fleckig, geringe Gebrauchsspuren.

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CAMERARIUS, PH., Rechtsgelehrter (15371624). E. Brief mit U. Dat. Regensburg, 21. 8. („sextilis“) 1613. Fol. 1/2 S. – Rückseit. e. adressiert. 500,An den Jura-Professor an der Universität Altdorf, Scipione Gentili (1563-1616). – Das während seines Aufenthalts auf dem Reichstag in Regensburg verfaßte Schreiben („iter meum ad hac comitia“) berichtet von der Widmung eines Buches an einen spanischen Gesandten. Wahrscheinlich handelt es sich um die 1613 erschienene Schrift „Hispanicae advocationis libri duo“ von Alberico Gentili, einem Bruder des Scipione. Das Werk, an dem Scipione Gentili mitgearbeitet hat, ist dem spanischen Gesandten am Prager Hof, Baltasar de Zúñiga (1561-1622), gewidmet (VD 17 1:060211B). In diesem Zusammenhang wird auch ein „Magnifico D. Wacker“ erwähnt, vielleicht der berühmte Diplomat Wacker von Wackenfels (1550-1619), der zu dieser Zeit ebenfalls am Prager Hof wirkte. Camerarius war von 1581 bis zu seinem Tod Prokanzler der Universität Altdorf (vgl. ADB III, 726). – Mit dem in zahllosen Varianten vorkommenden gekrönten Nürnberger Stadtwappen als Wasserzeichen. – Der Brief wurde am 29. April 1833 in Amsterdam aus dem Nachlaß der Sammlung Jacques Koning versteigert (Katalog, erster Teil, S. 61, Nr. 650: „Als boven en biographie van Philippus Camerarius. 1613“). Dem Brief liegt ein Blatt mit der handschriftlichen Biographie des Camerarius in niederländischer Sprache bei, die wohl aus dem frühen 19. Jahrhundert stammt (Wasserzeichen der holländischen Papiermühle „J. Kool Comp.“, tätig im späten 18. und frühen 19. Jhdt). Wahrscheinlich wurde diese Biographie von Koning oder in seinem Auftrag erstellt. – Leicht gebräunt und fleckig.


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Urkunden und Autographen

FABRICIUS, G., Dichter und Historiker (15161571). E. Brief mit U. Dat. Meißen „à ludo illustri“ (d. i. das Gymnasium St. Afra), „pridie non. Apriles MDLXV“ (d. i. 4. 4. 1565). Fol. 1/3 S. – Rückseit. e. adressiert. 600,An den befreundeten Philologen und Direktor der Universität in Leipzig, Joachim Camerarius (1500-1574), gerichtetes Schreiben, das Gymnasium in Schulpforta und eine mögliche Anstellung seines Bruders Jakob betreffend sowie einige Ausführungen über die Tragödien des Seneca enthaltend. – Georg Fabricius war Rektor der humanistischen Lehranstalt St. Afra in Meißen, eingerichtet in den Räumen eines ehemaligen Klosters, als Schule 1543 eröffnet. Im Jahre 1566 hat Fabricius eine Ausgabe der Tragödien Senecas bei Vögelin in Leipzig publiziert (Schweiger II, 938), worauf unser Schreiben Bezug nimmt. Mit seinem Bruder Jakob Fabricius, gestorben 1572 (zu diesem Zeitpunkt Rektor des Gymnasiums in Halle), hat er eine Geschichte des Hauses Sachsen verfaßt, die erst nach beider Tod veröffentlicht worden ist. – Papier mit Wasserzeichen einer stengellosen Blüte, in ähnlicher Form im Sächsischen ca. 1550-80 verbreitet; am nächsten kommt wohl Piccard 127364 (dort ein Leipziger Dokument des Jahres 1566). – Ganzes Folio-Bl. mit blindgepr. Siegel (alt hinterlegt); etw. gebräunt. – Siehe Abbildung Seite 25.

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FUNCK – TEILNACHLASS der Korrespondenz des Botanikers und Apothekers Heinrich Christian Funck (1771-1839). Darunter ein e. Reisetagebuch, ca. 350 Briefe von befreundeten Gelehrten, viele Briefe von Familienangehörigen sowie familiäre Schriftstücke und Dokumente, darunter zahlr. von Funcks Söhnen. Ca. 17901860. 22.000,Wiewohl zeit seines Lebens im entlegenen Fichtelgebirge ansässig, zählte Heinrich Christian Funck zu den wichtigsten deutschen Botanikern im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Als Bryologe (Moosforscher) hat er Grundlegendes geleistet; dabei ist ihm die Flora seiner Heimat immer Hauptgegenstand der Forschungen geblieben. Funck wurde in Wunsiedel geboren und wirkte von 1803-34 als Stadtapotheker in Gefrees, wo er 13 Jahre auch das Bürgermeisteramt innehatte. Seine Ausbildungs- und Studienzeit hat er in Regensburg (u. a. bei David Heinrich Hoppe), Salzburg, Erlangen, wo er Martius kennenlernte, und Jena verbracht. Stetig steigende Anerkennung im In- und Ausland verschaffte ihm seine in 42 Faszikeln von 1801-38 erschienene Exsikkatensammlung „Kryptogamische Gewächse des Fichtelgebirges“. Zwar war Funck immer wieder auf Forschungsreisen unterwegs (u. a. in den Alpen, der Schweiz sowie im Riesengebirge) und suchte viele befreundete Gelehrte persönlich auf, doch wollte er das Fichtelgebirge nicht dauerhaft verlassen – einen Ruf als Professor der Botanik an die Universität Berlin lehnte er jedenfalls ab. Kontakt mit seinen Kollegen hielt Funck daher mittels einer ausgedehnten Briefkorrespondenz, von der ein Großteil der an ihn gerichteten Schreiben in dieser Sammlung überliefert ist. Die kaum zu überblickende Fülle belegt eindrucksvoll, wie Funck über Jahrzehnte aktiv am wissenschaftlichen Leben seiner Zeit teilgenommen hat (die meisten Briefe

stammen aus der Zeit von etwa 1820-35) und welch hohe Wertschätzung befreundete und bekannte Wissenschaftler seiner Arbeit und seinem Urteil entgegengebracht haben. Die Reihe der hier vertretenen Briefschreiber liest sich wie das „Who is Who“ der deutschen Botanik, angereichert mit einigen großen Namen des europäischen Auslands. Es sind darunter: August Johann Georg Karl Batsch (1761-1802; LDB 26), Gustav Heinrich Bauer (1794-1888; LDB 27), Johann Jakob Bernhardi (1774-1850; NDB II, 124, LDB 38), Christian Friedrich Burkhardt (1785-1854; LDB 64), Thomas Cauvin (1763-1846), Heinrich Gustav Flörke (1764-1835; NDB V, 249, LDB 109), Johann Flügge (1775-1816; LDB 110), Joseph Aloys von Frölich (1766-1841; LDB 117), Jacques Étienne Gay (1786-1846), Georg Franz Hoffmann (17601826; LDB 200), Christian Friedrich Hornschuch (17931850; ADB XIII, 158, LDB 208), Friedrich Wolfgang Hübner (1788-1863; LDB 213), Georg Friedrich Kaulfuß (1786-1830; LDB 231), Johann Christoph Friedrich Klug (1775-1856; ADB XVI, 247), Gustav Kunze (1793-1851; LDB 264), Johann Friedrich Laurer (1798-1873; LDB 272), Carl Friedrich Philipp von Martius (1794-1868; NDB VI, 310, LDB 309), Christian Gottfried Nestler (1778-1832; LDB 355), Georg Wolfgang Franz Panzer (1755-1829; NDB XX, 42), Christian Hendrik Persoon (1761-1836), Gottfried Christian Reich (1769-1848; LDB 397), Albrecht Wilhelm Roth (1757-1834; LDB 419) Franz von Paula Schrank (1747-1835; ADB XXXII, 450, LDB 471), Johann Friedrich Sehlmeyer (1788-1856; LDB 487), Kurt Polycarp Joachim von Sprengel (1766-1833; LDB 499) und Joseph Gerhard Zuccarini (1797-1848; LDB 581), ferner Briefe weniger bekannter Forscher, die die Botanik meist als Dilettanten ausübten, so Wilhelm Klenze, Kammerdirektor in Laubach, der Botaniker Günther aus Breslau, der Dresdner Apotheker Ernst Groh, der Bürgermeister von Jever, Georg Heinrich Bernhard Jürgens (1771-1846), der Bibliothekar Rödig in Münster, der Förster Franz Anton Ferchl (LDB 104: „stand in Verbindung mit Funck“) und einige mehr, von denen manche noch der Identifizierung harren. Darüber hinaus Verlegerkorrespondenz, wie etwa einige Schreiben des Palmschen Verlags in Erlangen und von Birner in Bayreuth, bei dem 1820 Funcks Taschenherbarium „Deutschlands Moose“ erschienen ist. Fast alle Korrespondenten sind mit mehreren Briefen vertreten (von Martius sind allein zehn Briefe vorhanden, von Hornschuch sogar ca. 50); viele schrieben über Jahre hinweg immer wieder. Geradezu exemplarisch zeigen die an Funck gerichteten Briefe, wie intensiv der schriftliche Austausch unter den Botanikern, die häufig auch Pflanzenproben versandten, im frühen 19. Jahrhundert gewesen ist (vgl. dazu auch unsere Nr. 93). Manche der Briefe (offenbar vor allem jene ohne rückseitige Adresse) waren offenkundig Begleitschreiben zu Paketsendungen mit den entsprechenden Erläuterungen. Die hier vorliegenden Briefe sind meist in einem freundschaftlichen Ton gehalten, geprägt von hoher Wertschätzung und Respekt. Selbst die Koryphäen ihres Fachs sprechen Funck auf Augenhöhe an und sahen in ihm offensichtlich nicht den „Provinzapotheker“, sondern eine gleichrangige Forscherpersönlichkeit. Mit manchem unter ihnen verband Funck lebenslange Freundschaft, wie etwa Christian Friedrich Hornschuch, der auf Vermittlung Hoppes zu ihm nach Gefrees gekommen und kurzzeitig


Urkunden und Autographen

sein Schüler gewesen ist. Auch Johann Friedrich Laurer und Karl Hessler waren Funcks Schüler. Allein die Auswertung der zahlreichen Briefe von Hornschuch und Martius verspricht tiefe Einblicke in die Methoden, Probleme, Aufgabenstellungen und Ziele der botanischen Forschung dieser Zeit. Nicht selten wird Funck kontaktiert, weil man seine Hilfe benötigt; so zum Beispiel von Christian Gottfried Nestler (in einem Brief vom 10. 2. 1809), dessen lang gehegter Wunsch es war, mit Funck „in botanischen Briefwechsel“ zu treten, weil er seinen „Rath und die Mittheilung einiger Kryptogamen“ wünschte, die ihn „seit einiger Zeit besonders beschäftigen“. Die beiden befreunden sich, es folgt ein über mehrere Jahre dauernder Briefwechsel. Im Fokus der Schreiben steht denn auch der Austausch über vielerlei fachliche Fragen, anstehende Exkursionen, neue Entdeckungen, Publikationen, den Aufbau von Herbarien und botanischen Sammlungen, botanische Gesellschaften wie auch persönliche Beziehungen und Mitteilungen, wenn etwa Martius schreibt: „Mit unserem guten Vater Schrank geht es seit Kurzem gar nicht gut ... Bei 89 Jahren ist an das Äußerste zu denken. Sein Tod wird mich, obgleich längst vorzusehen, doch sehr betrüben“ (München 17. 10. 1835). – Neben dieser fachlichen Korrrespondenz findet sich auch einiges Geschäftliche unter diesen Unterlagen, was vor allem mit der Tätigkeit als Stadtapotheker zusammenhängt (etwa einige Schreiben des Kaufmanns Friedrich Carl Münch aus Bayreuth und dessen Familie). Interessanter sind allerdings diverse Selbstzeugnisse Funcks, darunter an erster Stelle das zehn Blätter umfassende Tagebuch der Exkursion in das Riesengebirge im Juli und August 1819. Der Text wurde von Eduard Hertel 2009 publiziert: E. Hertel, Heinrich Christian Funck, Tagebuch der Exkursion auf dem Riesengebirge (Juli/August 1819), in: Beiträge der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth 2009, XXVI, S. 435-473 (mit einigen biographischen Angaben und Auswertung der in dieser Sammlung vorhandenen Korrespondenz, soweit sie die Exkursion betrifft). Ferner finden sich Funcks Aufzeichnungen über das Kryptogamenherbar der Botanischen Staatssammlung in München sowie zur Botanischen Gesellschaft in Regensburg. Von der Familienkorrespondenz sind diverse Briefe an seinen Stiefvater, den Gefreeser Apotheker Johann Caspar Daniel (die meisten vor und um 1800), und viele Briefe von Funcks Söhnen hervorzuheben, darunter solche an und von Georg Christoph Albrecht (1808-1882; LDB 120), ebenfalls Moossammler und tätig als Apotheker und Fabrikmeister in Bayreuth, sowie Wilhelm Funck, Fabrikant in Gefrees, meist von Freunden und Bekannten aus der näheren Umgebung sowie viel Geschäftskorrespondenz. Wenige Schreiben finden sich auch von Funcks Ehefrau Johanna und Sohn Florentin. Von Interesse sind auch Schulzeugnisse und andere, die Ausbildung der Söhne betreffende Dokumente. – Die Inhalte der Briefe konnten von uns nur summarisch ausgewertet werden. Die frühesten Dokumente und Schreiben datieren noch aus dem letzten Jahrzehnt des 18., die spätesten nach der Mitte des 19. Jahrhunderts. – LDB = J.-P. Frahm und J. Eggers, Lexikon deutschsprachiger Bryologen, Neubearb., Norderstedt 2001 (hier auch wichtige weiterführende Literaturangaben). – Einzelne Briefe mit Siegelausrissen, kleinen Einrissen und Randschäden; meist nur leicht gebräunt, geringe Gebrauchsspuren. – Siehe Abbildungen Seite 24 und 29.

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GRANT, U. S., amerikanischer Präsident (18221885). E. Brief mit U. Dat. City Point, Virginia, 13. 3. 1865. 4°. 1/2 S. 800,Kurzreport als Oberbefehlshaber der Nordstaatenarmee über seinen Wissensstand bezüglich aufkommender Gerüchte vom Eintreffen des Generalmajors Philip Sheridan (1831-1888) im Richmond-Petersburg-Feldzug während der letzten Wochen des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861-65), gerichtet an den Kriegsminister unter Präsident Lincoln, Edwin M. Stanton (Amtszeit 1862-1868): „Sheridan is reported to be within five miles of Richmond this morning. His route from Gonchland would bring him within about that distance from the City and I think therefore the rumor may be correct.“ – Ulysses Simpson Grant versuchte als Oberbefehlshaber der Unionsarmee im März 1865 den wichtigen Verkehrsknotenpunkt Petersburg (VA) einzunehmen. Da dies nicht gelang, setzte er seine Truppen, teils unter dem Kommando von Sheridan, gegen die Versorgungslinien der Konföderierten ein, um ihnen den Nachschub abzuschneiden. City Point war das Hauptquartier von Grant während der Belagerung von Petersburg und Richmond. – Grant war von 1869 bis 1877 der 18. Präsident der USA. – Lichtrandig, Falze brüchig. – Stahlstichportr. und alte masch. Transkription beiliegend. – Siehe Abbildung. Short report as commander-in-chief of the Union army on his knowledge regarding arising rumours of the arrival of major general Philip Sheridan (1831-1888) in the Richmond-Petersburg-campaign during the last weeks of the American Civil War (1861-65), addressed to the war minister under President Lincoln, Edwin M. Stanton (term of office 1862-1868). – Grant was the 18th president of the USA from 1869 till 1877. – Discoloured, folds brittle. – Steelengraved portrait and old typed transcription enclosed. – See illustration.


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DAZU: I. DERS., E. Gedichtmanuskript mit e. U., 2 masch. Gedichtmanuskripte mit e. U. und masch. Abschrift eines Vortrages. – Autobiographie (und Bibliographie), 3 1/2 S.; Schwedische Kunst in Wien, 7 S.; Skizze zu einem Capriccio; Im Atelier Messerschmidt, Entwurf. – II. 27 Bildnisse bzw. Photographien, 2 Ausweise, 10 Dokumente und Visitenkarten, 3 Sonderdrucke, 2 gedruckte Gedichte, ein Telegramm. – III. Sammlung von Gedichtabschriften etc. zu einer geplanten Anthologie „Die Hände“. – IV. Ca. 100 Briefe an Leo Grünstein. – Leo Grünstein, 1876 in Lemberg geboren, im Januar 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet worden, studierte in Wien die Rechte, Philologie und Kunstgeschichte, wurde mit einer Arbeit über Johann Heinrich Merck als Kunstschriftsteller promoviert und hat zahlr. literarische und kunsthistorische Schriften verfaßt. Sein Nachlaß befindet sich in der Wienbibliothek. – Gebrauchsspuren.

GRÜNSTEIN, L., Schriftsteller (1876-1943). E. Manuskript mit e. U. „LG“. Dat. (Wien) 1932. 15 beschriftete Bl. (1 lose). Brosch. d. Zt. (Altersspuren). 600,Persönliche Erinnerungen an Treffen mit Hans Thoma, Arthur Schnitzler („Ich sehe ihn noch vor mir wie er in seiner Biedermeierisch-behäglichen Wohnung in der inneren Stadt, mit ausgesuchter Höflichkeit uns entgegentrat, das kokett frisierte Haupt mit der rötlich-blonden Stirnlocke & dem modisch zugestutzten Spitzbart der gleichen Farbe, ein wenig zur Seite neigend, uns in sein Arbeitszimmer mit überraschend geordneter reicher Bibliothek einlud“), Hermann Bahr, R. M. Rilke („Noch stand das vielgelobte & vielverlästerte Café Griensteidl [vulgo Grössenwahn] ... Eines Tages tauchte in diesem Kreise der Jüngsten der aus Prag kommende R. M. Rilke auf. Unheimlich jung, unheimlich blass, unheimlich schmal mit müd-verträumten, zugleich begeisterten Blick, mit einem Antlitz darin die Schicksale eines alten, fast schon verbrauchten Kulturgeschlechtes ihre erst dem Kundigen sichtbaren Zeichen offenbarten, ein Antlitz mit unverkennbar slavischem Einschlag“) und Marie von Ebner-Eschenbach.

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HESSE, H., Schriftsteller (1877-1962). Masch. Brief mit e. U. und e. Aquarell. (Montagnola ca. 1923). 2 S. – Doppelblatt. 300,An den befreundeten Arzt J. Markwalder mit Mitteilungen über seine fragile Gesundheit: „Ausser dem üblichen Rheumatismus habe ich von einem Fall beim Skilaufen her im rechten Arm etwas sehr Störendes zurück behalten, möglicherweisse liesse sich dem bekommen ...“ – Siehe Abbildung Tafel 10.


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Notenzitate aus den Opern „Urvasi“ mit Datum 1886 und „Der Evangelimann“ mit Datum 1896. – Rückseitig Schenkungsvermerk von anderer Hand.

JÄGER-LEHRBRIEF. Deutsche Urkunde auf Papier. Lithogr. und hs. ausgefüllt. Dat. Zahradischt (Zahradiste) 1. 4. 1834. Blattgr.: 47,3 x 63,2 cm. – Mit 8 roten Wachssiegeln. 150,Für Friedrich von Heimerle. – Die Bordüre mit zahlreichen Tieren und Jagdsymbolen. – Mehrere große hinterlegte Falzeinrisse, Ränder mit einigen restaurierten Einrissen, stellenw. fleckig. – Unter Passepartout.

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JOHANN ERNST VON THUN, Erzbischof von Salzburg (1643-1709). Stiftungsbrief mit e. U. Lateinische Urkunde auf Pergament. Salzburg 4. 5. 1696. 4°. 12 nn. Bl. (das letzte weiß). 23 Zl. Stark läd. flex. Pgt.-Brosch. d. Zt. mit dunkelrotem Lwd.-Bezug (dieser nur noch auf dem hinteren Deckel fragmentarisch vorhanden) und zwei angehängten Wachssiegeln in Hartholzkapseln (Kapselränder tls. mit Ausbrüchen). 600,Der Salzburger Fürsterzbischof Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein (Amtszeit 1687-1709; Beiname: „Der Stifter“) hat das barocke Salzburg entscheidend geprägt. Die Errichtung eines Weltpriestersemiars unter der Leitung des Theatinerordens ging jedoch bereits auf seinen Vorgänger Maximilian Gandolph und eine Stiftung von 30000 Gulden durch den kurbayerischen Rat Georg Konrad von Lerchenfeld aus dem Jahr 1684 zurück. Dazu mußte zuerst das Theatinerkloster mit Kirche und Kollegium errichtet werden. Die Bautätigkeit kam allerdings unter Johann Ernst von Thun zum Erliegen, weil die Benediktiner Konkurrenz befürchteten und intervenierten. Erst das Eingreifen des Papstes führte zu einer Wiederaufnahme und Vollendung der Bauten. In der vorliegenden Urkunde wird die Stiftung von 1684 bestätigt: Die Urkunde von Erzbischof Maximilian Gandolph mit den Statuten des Kollegiums und diejenige über die Donation des Grafen Lerchenfeld sind im Wortlaut wiedergegeben, dazu eine päpstliche Urkunde von Innozenz XII. aus dem Jahre 1695. Auf dieser Grundlage konnte der Bau 1695 weitergeführt und im Jahr 1700 vollendet werden. – Laut Eschatokoll eine von vier Ausfertigungen mit Siegeln und erzbischöflicher Unterschrift. – Drei weitere Unterschriften des Propstes Maximilian Ernst von Scherffenberg, des Domdechanten, Diplomaten und Papstberaters Wilhelm von Fürstenberg (1623-1699) und von Franz Anton von Königsegg, Domherrn und Hofratspräsidenten. – Titelseite mit etw. Textabrieb, zwei Bl. mit Einbandabklatsch im Rand, leicht fleckig und gebräunt.

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KAUFVERTRAG. Lateinische Urkunde auf Pergament. Valnogaredo (bei Padua) 10. 1. 1480 (Montag). 60 x 23,5 cm. Mit kleinem Notariatssignet am Ende. – Kaufvertrag über einen Sommersitz im Veneto. – Wenig gebräunt und fleckig. 150,KIENZL, W., Komponist (1857-1941). Zwei e. dreitaktige Notenzitate mit U., dat. Wien 1937. Auf dem Vorsatz von: DERS., Meine Lebenswanderung. Stuttgart, Engelhorn, 1926. Mit Portr. 344 S. OHldr. 100,-

MAX I. JOSEPH, König von Bayern (17561825). Brief mit e. U. Dat. München 7. 10. 1807. 4°. 1 S. – Doppelblatt mit lithogr. Briefkopf. 150,Bestätigung für „den Kantonisten Johann Friedrich Zahn aus Rothenburg zur Übernahme der von ihm erstandenen Mühle“. – Gegengezeichnet von Montgelas. – Kleiner Wasserrand, Montagespuren. – Beilage.

Die Theatiner in Salzburg 84

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NÜRNBERG – SCHICHT – Album mit ca. 190 tls. farb. Postkarten. Nürnberg, um 18901950. 4°. Illustr. Lwd. um 1900 (Gebrauchsspuren). 400,Um die Jahrhundertwende angelegtes Album mit der Postkartenkorrespondez der Nürnberger Unternehmerfamilie Schicht, darunter einige Karten an den Firmengründer Carl. Die heute kaum noch bekannte Firma stellte Kartonagen und Luxuspapiere her und betrieb auch eine Buchbinderei. – Enthalten sind vorwiegend Ansichten aus Deutschland, u. a. Berchtesgaden, Frankfurt, Füssen, Lindau, München, Nürnberg und Starnberger See, ferner Glückwunsch- und Genrekarten. Einzelne Karten mit Motiven aus dem Ersten Weltkrieg. – Meist gelaufen. – Block gelöst, Gebrauchsspuren.

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OSMANISCHES REICH – SAMMLUNG von 9 behördlichen Dokumenten und Verordnungen, meist aus dem Osmanischen Reich. Fast alle Vordrucke mit hs. Ergänzung, einige mit Kostenmarken. Ca. 1910/20. Verschied. Formate. – (Sammlung Herry W. Schaefer). 80,-

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ROSEGGER, P., Schriftsteller (1843-1918). E. Brief mit U. Graz 1. 4. 1909. 2 1/2 S. – Doppelblatt. 100,An einen Freund: „ ... In Filzmoos ein Haus! ... Für mich wird wol kaum eine Möglichkeit mehr sein, hinzukommen. Die absolute Schlaflosigkeit und das daraus folgende Asthma auf Reisen hat mich auf das für mich Schönste dieser Welt verzichten gelernt: auf das persönliche Genießen der Alpenfreunde ...“ – Beiliegt eine e. Postkarte (Graz 17. 4. 1887).

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RUBINI, G., Kardinal (1642-1707). E. Brief mit U. (Rom?), dat. 12. 9. 1681. 27,3 x 19,7 cm. 1 S. 100,An den Kardinal Ottoboni, den späteren Papst Alexander VIII., mit der Zusicherung, sich für einen Herrn Battistelli einzusetzen. – Rubinis Großmutter war Cristina Ottoboni, die Schwester des Papstes. – Transkription mit Übersetzung beiliegend. – Falze mit einzelnen kleinen Einrissen, gering gebräunt.


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Im Namen Kaiser Karls VI. ausgestelltes Handelsprivileg zugunsten eines Angelo Antonio Primavera aus Camerino. – Bartolomeo Specovera führt hier den Titel „Maresciallo in Esercizio degli Eserciti di Sua Maestà Cesarea“. Orbetello gehörte seit 1707 zum Habsburger Reich. – Falze mit kleinen Löchern, leicht fleckig und gebräunt. – Dekorativ. – Siehe Abbildung Tafel 11.

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eingangs schildert, nicht immer sofort mit Erwiderungen reagieren. Seine Dublettensammlung sei schon zur Neige gegangen. Außerdem müsse er das Versenden einschränken, „denn meine zu ausgedehnte Correspondenz hat mich in diesem Jahre nahe an 200 fl. gekostet“; künftig wolle er seine Verbindung nur noch mit Brittinger, Tomasini und Erzherzog Rainer fortsetzen. Im Frühjahr werde er Brittinger neue Pflanzen zusenden. Brittinger berichtet über diesen Austausch in der Österreichischen Botanischen Zeitschrift, Jg. XV, 1865, S. 288. – Spruner war 1834-43 Militärapotheker in Nauplia. – Adresse mehrf. gestempelt und mit papiergedecktem Siegel; Siegelausriß, einige Schlitze zum Verschließen, wenig gebräunt und fleckig.

SPECOVERA, B., Generalgouverneur von Piombo und Orbetello. Italienische Urkunde auf Pergament mit e. U. Orbetello 10. 6. 1730. 35,2 x 47,6 cm. Mit Bordüre in Deckfarben mit Goldhöhung und blaugrundiger goldener Initiale. Schrift in Goldfarbe. – Papiergedecktes Siegel in Form des Doppeladlers. 300,-

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SPRUNER VON MERTZ, W., Botaniker und Apotheker (1805-1874). E. Brief mit U. Dat. Nauplia „d 28 octob. alt Styli/8 novemb. neuen Styli 1840“ (8. 11. 1840). Fol. 3 S. – Doppelbl., rückseit. e. adressiert. 300,An den befreundeten Botaniker und Kreisapotheker Christian Casimir Brittinger (1795-1869) in Steyr, Oberösterreich. Inhaltsreicher Brief, der sich vor allem mit der unter den Botanikern dieser Zeit üblichen Versendung von Pflanzenproben beschäftigt. Spruner nennt eine ganze Reihe von Botanikern, mit denen er in ständigem Austausch steht: Johann Daniel Buchinger in Straßburg, Pierre Edmond Boissier (1810-1885) in Genf, Rainer, Erzherzog von Österreich (1783-1853) in Mailand, Matthias Mielichhofer (17721847) in Salzburg, Mutius von Tomasini (1794-1879) in Triest, weiterhin u. a. Ernst Hampe (1795-1880), Johann Jakob Bernhardi (1774-1850) und ein Schweizer Kollege. Auch bei Brittinger bedankt er sich für eine Sendung. Jedoch könne er auf Grund seiner Lebensumstände, die er

WEINHEBER, J., Schriftsteller (1892-1945). E. Brief mit U. Kirchstetten 27. 12. 1940. 3 S. – Doppelblatt. 120,An eine Dame mit Dank für die Übersendung von „wahrhaft festtäglichen Delikatessen“. Es folgen lange Ausführungen über die schlauen Kirchstettener Bauern, die die depperten Wiener ausnehmen. – Beiliegt ein weiterer Brief (Wien 22. 1. 1940) an Gottfried von Rittershausen.

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ZUCKMAYER, C., Schriftsteller (1896-1977). E. Widmung mit U. „Zuck“. Dat. Weihnachten 1927. – Auf dem Vorsatzbl. von: DERS., Ein Bauer aus dem Taunus. Berlin, Propyläen, (1927). 160 S., 2 Bl. OLwd. mit Schutzumschl. (Läsuren). 150,Erste Ausgabe. – Widmung an den Schauspieler Fritz Rasp, „den Überschurken!“ – Titel mit leichtem Tintenabklatsch. – Beiliegend zwei weitere Widmungsex. (A. Neumann, 1928, und F. Schaljapin, 1937) sowie eine Rilke-Ausgabe.

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Inkunabeln

Nr. 98 (Ausschnitt)

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First part of the first complete edition of Ambrosius' works. – Title with contemporary ownership entry, first quires waterstained, a few pages with forceful marginalia by contemporary hand, worming (minimally affecting text), slightly browned, a little soiled. – Contemporary wooden boards with wide, blind-pressed pigskin spine (scuffing, cover material cracked and with defects, worming, clasps in fragments). – See illustration.

AMBROSIUS, S., Opera. (Mit Beigabe von Johannes de Lapide). Tl. I (von 3). Basel, J. Amerbach, 1492. Fol. Mit großem Titelholzschnitt, Albrecht Dürer zugeschrieben. 268 Bl. Holzdeckelbd. d. Zt. mit breitem, blindgepr. Schweinsldr.Rücken (bestoßen, Bezug rissig und mit Fehlstellen, Wurmspuren, Schließen fragmentarisch). 1.500,Erster Teil der ersten vollständigen Ausgabe der Werke des Ambrosius. – Goff A-551. IGI 423. BMC III, 753. GW 1599. BSB A-480. Schreiber 3264. Schramm XXI, 600. Van der Haegen B 16, 57. Meder 220. – Der Holzschnitt zeigt Ambrosius, vor einem Pult stehend und schreibend. Er wird von Meder noch Albrecht Dürer zugeschrieben, von Hieronymus (I, 91) dem Meister des Heinz Narr zugewiesen. – Titel mit altem Besitzvermerk, erste Lagen wasserrandig, wenige Seiten mit schwungvollen Marginalien von alter Hand, wurmspurig (minimale Textberührung), leicht gebräunt, etw. fleckig. – Siehe Abbildung.

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ARISTOTELES, Rhetorica. Davor: ALFARABIUS, Declaratio compendiosa super libris rhetoricorum Aristotelis. Tabuliert von Lancilotus de Zerlis. – Daran: AVERROES, Kommentar zu den Poetica des Aristoteles, übers. von Hermannus Alemannus. Venedig, Ph. Petri, 1481. Fol. 64 nn. Bl. (erstes Bl. weiß). Pp. des 19. Jhdts. mit Rsch. (etw. beschabt und bestoßen). 16.000,-


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Inkunabeln

Nr. 96

Nr. 97

Goff A-1046 (nur 3 tls. inkplt. Ex. in Amerika). BMC V, 222. GKW 2478. BSB A-719. – Erste, seltene Ausgabe von „De arte rhetorica“ in der Übersetzung von Guillaume de Moerbeke (1215-1286), gleichzeitig auch die erste Ausgabe mit dem Kommentar dazu von den beiden führenden arabischen Aristoteles-Autoritäten Abu Nasr Al-Farabi (ca. 872-950) und Averroes (1126-1198). Die Rhetorik fehlte in der erste Werkausgabe in Latein (Augsburg, Keller, 1479).

Werken des Aristoteles, durch die er mehr auf das katholische Europa seiner Zeit als auf die islamische Welt wirkte. Thomas von Aquin nannte ihn nur den „Commentator“.

Der aus Flandern stammende Guillaume de Moerbeke war von 1277 bis zu seinem Tod Bischof von Korinth, dem katholischen Außenposten im orthodoxen Griechenland, der nach dem vierten Kreuzzug eingerichtet worden war. Offenbar auf Grund der Aufforderung durch seinen Freund Thomas von Aquin machte sich Guillaume de Moerbeke an eine Übersetzung aller Schriften des Aristoteles, die er in seinem Bistum in zuverlässigen griechischen Handschriften zur Verfügung hatte; Thomas von Aquin war besorgt, daß die damals geläufigen lateinischen Aristoteles-Übersetzungen, die auf in Spanien zirkulierenden Rückübersetzungen ins Arabische aus dem Syrischen fußten, den originalen Text nur verzerrt wiedergeben könnten. Guillaumes AristotelesÜbersetzungen gelten heute noch als zuverlässig, wenn auch nicht als elegant. Es ist bemerkenswert, daß der Drucker die Kommentare der beiden wichtigsten arabischen Aristoteles-Autoren beigefügt hat. Al-Farabi war einer der wichtigsten Philosophen des Islams, wegweisend für die Vermittlung der Philosophie von Platon und Aristoteles in die muslimische Welt; in der islamischen Wissenschaftsgeschichte wird er daher als „zweiter Lehrer“ (nach Aristoteles) angesehen. Der in Cordoba geborene Averroes schrieb Kommentare zu fast allen

Leicht gebräunt, wenig fleckig, vereinzelt mit kurzen hs. Marginalien. – Zur Provenienz: Aus der Bibliothek des Straßburger Altphilologen François Brunck (1729-1803), verzeichnet im ersten Auktionskatalog seiner Bibliothek von 1801 unter der Nummer 3051 (in der Abteilung „Curiosités typographiques“), dort nicht verkauft; der zweite Versuch 1809 (Nummer 1522) scheiterte ebenfalls. – Siehe Abbildung. Sole edition of the translation by Guilelmus de Morbeca in this compilation. – Slightly browned, hardly soiled, occasionally with short ms. marginalia. – Re. provenance: from the Brunck Library, listed in the first auction catalogue of 1801 under lot number 3051 (section 'Curiosités typographiques'), but not sold; the second attempt in 1809 (number 1522) failed as well. – Cardboard of the 19th century with spine label (a little scratched and scuffed). – See illustration.

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BIBLIA LATINA – BIBLIA cum postilla Nicolai de Lyra et expositionibus Guillelmi Britonis in omnes prologos S. Hieronymi et additionibus Pauli Burgensis replicisque Matthiae Doering. Secunda (recte: tertia) pars (von 4). (Straßburg, J. Grüninger, 1492). Fol. Mit zahlr. in Rot eingemalten Initialen und 15 (4 ganzseit.) Textholzschnitten. 348 nn. Bl. Durchgehend rubriziert.


Inkunabeln

35

Blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln (Beschläge fehlen, Deckel mit Wurmlöchern, fleckig, beschabt und bestoßen). 2.000,Goff B-617. BMC I, 108. GW 4292. BSB B-468. Schramm XX, S. 3, 22, und Abb. 128 ff. – Der dritte, im Titel fälschlich als zweiter bezeichnete Teil dieser im Handel fast nie komplett vorkommenden Bibel. – Die Holzschnitte sind zum größten Teil seitenverkehrte und verkleinerte Kopien nach denen der Kobergerschen Ausgaben. „Dargestellt sind dieselben Gegenstände wie in den anderen Drucken dieser Bibel in der Frühdruckzeit“ (Schramm). Im vorliegenden dritten Band ist besonders die ganzseitige MaiestasDomini-Darstellung auf Blatt TT8v. hervorzuheben, weiterhin ein Grundriß des Jerusalemer Tempels und die Ansicht der Stadt Jerusalem. – In der Lage SSS ist in unserem Exemplar eine Abweichung festzustellen: Das vierte Blatt ist hier irrtümlich mit „SSS V“ bezeichnet, was bei den meisten anderen bekannten Exemplaren in „IIII“ korrigiert worden ist. – Fliegende Vorsätze fehlen, vorderer Spiegel und Titel mit alten gestrichenen Besitzvermerken, vorderer Spiegel mit altem hs. Inhaltverzeichnis, ein Bl. mit größerem, alt restaurierten Randausriß, ein weiteres mit hinterlegtem Einriß, wenige weitere mit kleinen Schäden, am Anfang und Ende mit einzelnen Wurmlöchern, wenige alte Marginalien; leicht fleckig und gebräunt. – Siehe Abbildungen Seite 33 und 35. Rare third part of this Bible hardly ever found in the trade. – The woodcuts are for the most part inverted and reduced copies after the Koberger editions. „Illustrated are the same objects as in the other issues of this Bible in the early printing period“ (Schramm). – Fly-leaves missing, upper paste-down and title with old deleted ownership entries, upper pastedown with contemporary ms. list of contents, one leaf with larger marginal tear-out restored in former times, another with backed tear, a few leaves with small damages, at the beginning and the end with isolated wormholes, some old marginalia; slightly soiled and browned. – Contemporary blind-pressed calf over wooden boards (metal fittings missing, boards with wormholes, soiled, scratched and scuffed). – See illustrations on page 33 and 35.

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Nr. 98

Verkündigung des „Ewigen Landfriedens“ 1495 100

– BIBLIA cum postillis Nicolai de Lyra. Tl. II (von 4). Nürnberg, A. Koberger, 1497. Fol. Mit zahlr. rot oder blau eingemalten Initialen, durchgehend rubriziert (teilw. auch blau). CCCXXXVIII num. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit Schließenresten und 7 (von 8) Messingbeschlägen an den Kanten (Bezug beschabt, bestoßen, rissig, fleckig und mit kleinen Fehlstellen, Rücken übertüncht). 1.500,-

GW (Einbl.) 925. GW M21962. VE 15 M-45. – Äußerst seltener Mainzer Druck des berühmten Mandats, mit dem Kaiser Maximilian I. das mittelalterliche Fehdewesen zu beenden suchte. Einer von vier Drucken (je einer in Köln und Mainz, zwei in Nürnberg), die bald nach der Verkündigung im August 1495 auf dem Wormser Reichstag erschienen sind. Alle Drucke der Inkunabelzeit sind nur in wenigen Exemplaren erhalten, der Mainzer Druck nach GW und ISTC mit zehn Nachweisen (nur im deutschsprachigen Raum). – Mehrere Falze, an den Kreuzungspunkten tls. mit kleinen Löchern (geringer Buchstabenverlust) und kleinen Randeinrissen; Falze gering, Rückseite stellenw. stärker gebräunt und mit Vermerk von 1524. – Siehe Abbildung.

Goff B-619. IGI 1692. BMC II, 443. GW 4294. BSB B-477. – Enthält die Bücher Esra bis Ekklesiastes. – Einige Bl. mit Quetschfalten, gelegentlich einige kleine Marginalien und wenige Handhinweise, gebräunt, etw. fleckig. – Aus dem Besitz des Dominikanerkonvents zu Eger mit entsprechendem Vermerk, dat. 1630, auf dem ersten Blatt. Some leaves with vertical creases, occasionally a few small marginalia and notes, browned, hardly soiled. – From the possession of the Dominican monastery at Eger with corresponding note, dated 1630, on first leaf. – Contemporary blind-pressed pigskin over wooden boards with clasp rests and 7 (of 8) brass fittings at edges (cover material scratched, scuffed, cracked, soiled and with small defects, spine whitewashed).

EINBLATTDRUCKE – MAXIMILIAN I., römisch-deutscher Kaiser, „Der lant friede.“ Ausschreiben, betreffend den Landfrieden, erlassen in Worms, 7. 8. 1495. Einblattdruck. (Mainz, P. Schoeffer, nach dem 7. 8. 1495). Blattgr.: 49,5 x 35,5 cm. – Reste eines roten Wachssiegels. 3.000,-

101

HILARIUS LITOMIRICENSIS, Tractatus contra perfidiam aliquorum Bohemorum. Straßburg, (G. Husner), 1485. 4°. Mit zahlr. eingemalten Initialen. Durchgehend rubriziert. 112 Bl. Hldr. um 1880 (stärker beschabt und bestoßen). 5.000,-


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Inkunabeln

Cher (gest. 1264) wurde durch seine Verbal-Bibelkonkordanz berühmt, die erste Bibelkonkordanz und das Vorbild für alle späteren Konkordanzen. Vorliegend die große Psalmenerklärung aus Hugos „Postilla in universa biblia juxta quadruplicem sensum, literalem, allegoricum, moralem, anagogicum“, die er in seiner Pariser Zeit verfaßte. – Zur Zeit des Druckes wurde das Werk fälschlich für eine Arbeit des Alexander von Hales gehalten, des berühmten Scholastikers aus England, der als Franziskaner in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wirkte und von seinen Zeitgenossen den ehrenden Beinamen „Doctor irrefragibilis“ erhielt. Damit wird der Textbeginn des Proömiums auf Blatt 1 verständlich: „Postilla irrefragibilis doctoris d(omi)ni Alexa(n)dri de ales ordinis minorum super psalmos Aurea“. Verständlich, gleichwohl unzutreffend. „Cette attribution étant erronée, on l'a fait disparaître en supprimant ces 3 lignes“ (Polain 2027 Anm.), und daher fehlen in zahlreichen Exemplaren diese ersten 3 Zeilen, weil dieses Blatt durch ein neu gesetztes ausgetauscht wurde unter Weglassung der entsprechenden Zeilen und mit kleinen textlichen Veränderungen. Unser Exemplar hat das Blatt noch in der falschen Erstfassung. – Mod. Respektblatt mit altem Katalogausschnitt (aufgenommen unter Alexander!), letzte Bl. mit Wurmspuren (Text nicht betroffen), leicht gebräunt, etw. fleckig. – Exlibris in Stahlstich auf dem Spiegel und Trockenstempel auf erstem und letzten Bl. „Wigan Free Public Library“. – Ursprünglich aus dem Besitz der Benediktinerabtei von Florenz mit mehreren alten klösterlichen Vermerken in Tinte auf dem ersten vorhandenen weißen Bl., der Tabula und Bl. 389 recto und verso. First edition, with the numbered leaf 1 in the uncorrected first version. – Modern blank leaf (after the title) with old catalogue cutting (included under Alexander!), last leaves with worming (not affecting text), slightly browned, a little soiled. – Exlibris in steel-engraving on paste-down and blind stamp on first and last leaf „Wigan Free Public Library“. – Originally from the estate of the Benedictine abbey of Florence with several old monastical notes in ink on the first blank leaf, the table and leaf 389 recto and verso. – Blindpressed calf over wooden boards, dated 1622 (clasps missing, rebacked, covers with wormholes, scratched).

Nr. 100 Erste Ausgabe. – Goff H-71. IGI 4779. BMC I, 133. GW 12471. BSB H-272. – Gegen die Hussiten gerichtete Schrift des Hilarius von Leitmeritz (1412-1468), der als Administrator des Prager Erzbistums und päpstlicher Legat den Kampf gegen die Häresie anführte (ADB XII, 393). – Titel mit Besitzvermerk von alter Hand und Klebespuren, mehrf. gestempelt, einzelne Bl. mit alt hinterlegten Randausrissen (kein Textverlust), anfangs winzige Wurmspur, Marginalien von alter Hand in Rot und Braun sowie einige Handhinweise, letztes Bl. mit Blindstempel; stellenw. stärker, der Titel stark fleckig. – Exlibris der „Wigan Free Public Library“. First edition. – Title with ownership entry by contemporary hand and glue traces, multiple stamps, some leaves with marginal tear-outs backed in former times (not affecting text), minor worming at the beginning, marginalia by contemporary hand in red and brown as well as some ms. references, last leaf with blind tooling; here and there stronger soiled, the title even more. – Exlibris of „Wigan Free Public Library“. – Half calf around 1880 (stronger scratching and scuffing).

102

HUGO DE SANCTO CARO, Postilla super psalterium. Venedig, J. und G. de Gregoriis für S. und B. de Nallis, 1496. Fol. 17 nn., 389 num. Bl. (= 406 statt 408 Bl.; ohne das erste und letzte weiße Bl.). Blindgepr. Ldr. auf Holzdeckeln, dat. 1622 (Schließen fehlen, Rücken erneuert, Deckel mit Wurmlöchern, beschabt). 3.000,Erste Ausgabe, mit dem num. Bl. 1 in der unkorrigierten ersten Fassung. – Goff H-530. IGI 4927. BMC V, 349. GW 13580. BSB H-431. – Der Dominikaner Hugo von Saint

103

(JOHANNES NIVICELLENSIS), Concordantiae bibliae et canonum. O. O., Dr. u. J. (Basel, N. Kessler, ca. 1488). Fol. 50 nn. Bl. (das letzte weiß). Restauriertes blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 Schließen (Rücken rissig, eine Schließe fehlt). 4.000,Goff J-381. IGI 5332. BMC III, 773. GW M14407. BSB I-605. – Auszug aus dem Tl. I der „Memoriale Decreti“. Der Verfasser war Abt des Klosters von Nivelles. NACHGEB.: (PELBARTUS DE TEMESVÁR), Expositio compendiosa et familiaris: sensus litteralem et mysticum complectens. Hagenau, H. Gran für J. Rynman, 1504. 139 Bl. (das letzte weiß). – VD 16 P 1162. STC 680. Adams P 556. – Einer von zwei Drucken am selben Tag. ALBERTUS MAGNUS, Opus tripartitum. Köln, A. Quentel, 1503. Mit zahlr. Holzschnitt-Initialen und einigen Handhinweisen. 12 nn., XXXVIII num., 81 nn. Bl. (das letzte weiß). – VD 16 A 1358. STC 13. – Nicht bei Adams. – Die Initialen im Stil hochmittelalterlicher Handschriften. – Beide Spiegel mit montiertem Makulaturblatt (Bl. t3 und t2 aus dem Albertus-Druck), vorderer Spiegel und Titel mit altem, hs. Besitzvermerk, stellenw. fleckig, einzelne Bl. mit kleinen Eckabrissen oder Randläsuren.


Inkunabeln

37

Both paste-downs with mounted waste sheet (leaf t3 and t2 from Albertus issue), upper paste-down and title with old ms ownership entry, soiling here and there, some leaves with torn off corners or tears in margin. – Contemporary restored blind-pressed calf over wooden boards with 2 clasps (spine cracked, one clasp missing).

104

MISSALE ROMANUM. Venedig, J. Hamann für Nikolaus von Frankfurt, 1493. Mit zahlr. in Rot und einigen in Blau eingemalten Initialen, Druckermarke in Rotdruck am Ende, ganzseit. altkolor. Kanonholzschnitt und zahlr. gedruckten Noten. 12 nn., 140 (recte 242) num. Bl. (zus. 254 Bl.). Druck in Rot und Schwarz. Stark beschäd. blindgepr. Ldr. d. Zt. über Holzdeckeln. 3.000,Goff M-708. GW M24052. IGI 6631. BMC VII, 1140. BSB M-475. Sander 4762. Weale-B. 925. – Eine von mehreren Ausgaben des „Missale secundum morem sancte Romane Ecclesie“, die Johann Hamann für verschiedene deutsche und italienische Verleger gedruckt hat. Hamann, der sich öfters „Hertzog“ nennt, gibt als seine Heimat Landau in der Pfalz an. „Seine liturgischen Drucke (meist in fremdem Auftrag) gingen in die ganze lateinische Christenheit“ (Geldner). – Mit seiner vierten Druckermarke (Husung 168). – Der schöne Kanonholzschnitt in altem Kolorit. – Anfänglich einige Ecken geknickt und stärker fleckig, je ein ausgekratzter Stempel auf dem Titel und am Ende, einzelne kleine Randeinrisse, stellenw. wasserrandig, insgesamt nur etw. gebräunt und fleckig. – Am Anfang und am Ende je ein Pergamentbl. in Perlschrift, wohl aus einem Brevier des 14. Jhdts., sowie, im Anschluß an den Drucktext, zehn Papierbl. aus einem Stundenbuch des 15. Jhdts. eingebunden. – Siehe Abbildung Tafel 11. One of several editions of the „Missale secundum morem sancte Romane Ecclesie“ which Johann Hamann has printed for different German and Italian publishers. – The beautiful canon woodcut in contemporary hand colouring. – Some corners creased at the beginning and stronger soiled, scratched out stamp on title and at the end, some isolated tears in margin, here and there with waterstains, altogether minimally browned and soiled. – At the beginning and the end a vellum leaf, probably from a breviary of the 14th century and following the printed text, ten bound-in paper leaves from a book of hours of the 15th century. – Contemporary heavily damaged blind-pressed calf over wooden boards. – See illustration on plate 11.

105

PROSPER AQUITANUS, De vita contemplativa. (Speyer, P. Drach) 1487. 4°. 49 Bl. Beschäd. Hldr. d. 19. Jhdts. 1.500,Goff P-1023. IGI 8107. BMC II, 496. GW 35776. BSB P-675 (Pomerius). – Dritter Druck der seltenen Pastoralanweisung, der zweite bei Drach. – Das Werk von Julianus Pomerius (2. Hälfte 5. Jhdt.) wurde im Mittelalter fälschlich Chrodegang von Metz, Jonas von Orléans oder Prosper Aquitanus zugeschrieben. „Eine vortreffliche, vom Geiste des hl. Augustinus durchwehte Pastoralanweisung für Geistliche.“ (Wetzer-W. X, 157). – Es fehlt das letzte (weiße) Blatt. – Titel und letztes Bl. gestempelt, durchgehend mit Wurmspuren (anfangs mit größerem Buchstabenverlust), die letzten Bl. unten mit (tls. angeränderten) Randausrissen, durchgehend wasserrandig. – Mod. Exlibris.

Nr. 106 Third issue of the rare pastoral advice, the second by Drach. – Lacks the last (blank) leaf. – Title and last leaf stamped, throughout with worming (at the beginning with major loss of letters), last leaves at bottom with (partly restored) marginal tear-outs, throughout with waterstains. – Modern exlibris. – Damaged half calf of the 19th century.

106

REGINALDETUS, PETRUS, Speculum finalis retributionis. Basel, J. Wolff de Pforzheim, 1499. 4°. Mit großer Druckermarke auf dem letzten Bl. 80 Bl. Blindgepr. Hldr. d. Zt. auf Holzdeckeln (Schließe entfernt, Bezug besonders an Kopf und Schwanz beschäd., mit kleinen Wurmlöchern). 3.000,Goff R-91. BMC III, 778. GW M 35776. BSB R-57. Walsh 857. – Dritte Ausgabe des einzigen gedruckten Werkes des Franziskaners (nachweisbar ca. 1423-1434). – Vorsatz mit Besitzeintrag von 1543, Titel gestempelt und mit eingemaltem Wappen, anfangs einige Marginalien, hinterer Vorsatz mit Texteintrag von alter Hand, durchgehend mit kleinen Wurmlöchern (minimaler Buchstabenverlust), wenig fleckig. – Siehe Abbildung. Third edition of the sole work by the Franciscan (traceable ca. 1423-1434). – Endpaper with ownership entry of 1543, title stamped and with painted coat-of-arms, at the beginning some marginalia and lower endpaper with entry by contemporary hand, throughout with small wormholes (minor loss of letters), hardly soiled. – Contemporary blindpressed half calf over wooden boards (clasp removed, cover material damaged in particular at top and bottom, with small wormholes). – See illustration.


38

107

Inkunabeln

Einzige Inkunabelausgabe. – Goff R-365. IGI 8481. BMC II, 353. GW M39213. BSB R-286. – Die Schrift des bedeutenden rheinischen Mystikers entstand in Deutz um 1123/24 auf Anregung des Abtes Kuno von Siegburg. Rupert beschreibt darin, „wie der ewige Weltplan trotz aller sich entgegenstellender Hindernisse ungeachtet zur Durchführung gelangt“ (Wetzer-W. X, 1368). – Es fehlen die Bl. 2 und 7 der ersten Lage („Tituli Presentis opusculi tabula“) und das letzte weiße Blatt. – Buchblock mehrfach gebrochen und am Seiten- und Fußschnitt von alter Hand in Tinte beschriftet. Erste Lage in sich verbunden (Bl. 4 ist vorliegend als zweites, Bl. 6 vorliegend als viertes eingebunden). Das vorliegend zweite Bl. mit altem klösterlichen Besitzvermerk, einzelne Bl. mit kleinen Eckausschnitten, Bl. VIII lose, etw. fleckig. First edition of the only printed work by Rupert from Deutz (Cologne) in the 15th century. – Initials painted in red. – Lacks leaves 2 and 7 of first quire („Tituli Presentis opusculi tabula“) and the last blank leaf. – Book-block with multiple breaks and labelled by contemporary hand in ink at outer edge and bottom of page. First quire misbound (leaf 4 is bound-in here as second leaf, leaf 6 as fourth leaf). The second leaf here with old monastical ownership entry, some leaves with small corner cut-outs, leaf VIII loose, a little soiled. – Modern half vellum by using text leaves from an old printing as cover material (signs of wear).

108

SPINOLA, J., Oratio congratulatoria ad Alexandrum VI. nomine Genuensium habita 1492. 12. 12. (Rom, E. Silber, nach 1492). 4°. 6 Bl. Hldr. um 1880 (minimale Gebrauchsspuren). 1.200,Goff S-684. IGI 9135. BMC IV, 114. GW M43150. BSB S-528. – Eine von zwei Ausgaben nach 1492. Erneut wurde die Rede zum Amtsantritt des Borgia-Papstes in Venedig 1559 aufgelegt. Mit Widmungsbrief des Autors an Lodovico Maria Sforza, Herzog von Bari. – Mehrere Bl. mit restaurierten Randeinrissen, erstes Bl. mit hs. Eintrag, letztes Bl. mit Blindstempel, stellenw. fleckig; 13 weiße Bl. nachgebunden. – Exlibris der „Wigan Free Public Library“. One of two editions after 1492. – Several leaves with restored tears in margin, first leaf with ms. entry, last leaf with blind tooling, soiling here and there; additional bound 13 blank leaves. – Exlibris of „Wigan Free Public Library“. – Half calf around 1880 (minor signs of wear).

109

Goff E-167. GW M44061. BSB S-594. – Seltene erste von zwei Ausgaben bei Johann Otmar in Reutlingen, ohne Kolophon. Eine zweiter Reutlinger Druck ist im Kolophon auf den 1. September 1483 datiert. – Die um 1412 entstandene Meßerklärung des Leipziger Theologen Nicolaus Stör ist in zahlreichen Handschriften erhalten und wurde bis 1500 in mindestens drei Ausgaben gedruckt. Häufig wurde sie mit der Meßerklärung des Magisters Vincentinus Gruner aus Freiburg verwechselt, ihrer leicht veränderten und gekürzten Variante. – Vollständig mit dem letzten weißen Blatt. – Fliegende Vorsätze entfernt, Bl. e 2 mit kleinem Randausriß, das letzte Bl. mit kleiner Fehlstelle, einzelne zeitgenössische Marginalien, tls. fleckig.

RUPERT VON DEUTZ, De victoria verbi Dei. Augsburg, A. Sorg, 1487. Fol. Mit rot eingemalten Initialen. 6 (statt 8) nn., CV num. Bl. Mod. Hpgt. unter Verwendung von Textblättern aus einem alten Druck als Bezugspapier (Gebrauchsspuren). 3.000,-

(STÖR, NICOLAUS), Expositio officii missae sacrique canonis. (Reutlingen, J. Otmar, um 1481). Fol. 126 Bl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln (stärker beschabt und bestoßen, 2 defekte Schließen). 5.000,-

Rare first one of two editions by Johann Otmar at Reutlingen. – Complete with the last blank leaf. – Fly-leaves removed, leaf e 2 with small tear-out in margin, last leaf with minor defect, some contemporary marginalia, partly soiled. – Contemporary blind-pressed calf over wooden boards (stronger scratching and scuffing, 2 defective clasps).

110

TORTELLIUS, J., Orthographia dictionum e Graecis tractarum. (Hrsg. von Hieronymus Bononius). Venedig, H. Liechtenstein, 1484. Fol. 198 nn. Bl. (erstes und letztes Bl. weiß). Pgt. d. 18. Jhdts. (Vordergelenk angeplatzt, etw. bestoßen, leicht fleckig). 3.000,Goff T-399. IGI 9686. BMC V, 357. GW 47221. BSB T-388. – Diese Ausgabe nicht in der Bibliothèque Nationale. – Erstmals 1471 erschienen, hier der Ausgabe Liechtensteins für Manzolo, Treviso 1477, folgend. In allen Ausgaben seltenes Lexikon griechischer Lehn- und Fremdwörter im Lateinischen, mit etymologischen, orthographischen und sachlichen Erläuterungen. Mitenthalten sind griechische Eigennamen, ebenfalls erklärt. Hauptwerk des mit Lorenzo Valla befreundeten italienischen Humanisten Giovanni Tortelli (Johannes Tortellius; um 1400-1466). – Spiegel mit einer hs. Übersicht der Inkunabelausgaben, durchgehendes Wurmloch vom Beginn bis Lage F (einzelne Buchstaben betroffen), Bl. c1 etw. eingerissen; zahlr., tls. gering angeschnittene Marginalien und Handhinweise in Tinte von älterer Hand. Leicht gebräunt, etw. fleckig. First published in 1471, here following the edition of Liechtenstein for Manzolo, Treviso 1477. All editions contain rare dictionary on words in the Latin language borrowed from Greek, with etymological, orthographic and factual explanations. – Paste-down with ms. summary of incunable editions, wormhole throughout from beginning till quire F (affecting some letters), leaf c1 a little torn; numerous, partly minimally cut marginalia and annotations in ink by an older hand. Slightly browned, a little soiled. – Vellum of the 18th century (upper hinge bursted, a little scuffed, slightly soiled).


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Alte Drucke und alte Theologie

Nr. 180

111

AELIANUS, (C.), De militaribus ordinibus instituendis more Graecorum. A F. Robortello in Latinam sermonem versus. 2 Tle. in 1 Bd. Venedig, A. und G. Spinelli, 1552. 4°. Mit HolzschnittTitelbordüre und zahlr. Textholzschnitten (davon 1 doppelblattgroß). 4 Bl., 77 (recte 73) S., 13 Bl. (erstes weiß). Pgt. d. Zt. (bestoßen und fleckig). 1.200,Erste lateinische Ausgabe, gleichzeitig mit der griechischen erschienen. – EDIT 16 CNCE 320. STC 7. Adams A 217. Schweiger I, 4. Jähns 451. – Mit dem seltenen Anhang „De instruendis aciebus opus ad divum Hadrianum“. – Die Holzschnitte zeigen verschiedene Truppenformationen. – Das zweite Bl. mit Federproben im Fußsteg, Gelenk gebrochen, durchgehend wasserrandig, stellenw. fleckig. – Siehe Abbildung.

First Latin edition, published simultaneously with the Greek one. – Second leaf with ink probes at lower margin, joint broken, waterstains throughout, soiling here and there. – Contemporary vellum (scuffed and soiled). – See illustration.

112

(ALVAREZ, F., General Chronicen). 3 in 1 Bd. Frankfurt, P. Reffeler und J. Schmidt für S. Feyerabend, 1576. Fol. Mit 3 Druckermarken, Titelholzschnitt, Wappenholzschnitt und 32 tls. wdh. Textholzschnitten. 3 nn. Bl. (statt 4; ohne den Titel; letztes Bl. weiß), 201 num., 1 weißes, 131 num., 3 nn., 71 num., 3 nn. Bl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit intakten Schließen (etw. beschabt und bestoßen). 4.000,-


40

Alte Drucke und alte Theologie

Nr. 111

VD 16 A 2066. Alden 576/16. STC 204. – Vgl. Sabin 974 Anm. (ausführlich über Inhalt und Bedeutung). Henze I, 63. Kainbacher 16. Streit XV, 1803. King Manuel 42 (portugies. EA 1540). – Enthält im ersten Teil unter dem Titel „Warhaffte Beschreibung deß Priester Ioannis Königreichen“ das erste Buch eines europäischen Autors über Äthiopien (deutsch erstmals 1566 erschienen); Francisco Alvarez hatte viele Jahre lang im Land gelebt und dort auch wahrscheinlich einen Teil des Werkes geschrieben. „Leitete eine Epoche in der europäischen Kenntnis von Äthiopien ein; sie war die erste und blieb länger als ein Jhdt. die wichtigste Quelle über jenes Land, über das bis dahin nichts vorgelegen hatte“ (Henze). – Es folgen im zweiten Teil die Weltchronik des Orosius, im dritten eine Beschreibung von Europa, Afrika, Asien und Amerika aus unbekannter Feder. – Erstes Blatt mit Stempel und Besitzvermerk der Augustiner-Eremiten in Regensburg, gering fleckig, insgesamt gut erhalten. – Siehe Abbildung. Contains in the first part the first book on Ethiopia by a European author. – In the second part follows the world chronicle by Orosius and in the third part a description of Europe, Africa, Asia and America by an unknown author. Without title. – First leaf with stamp and ownership entry of the Augustinian hermits at Regensburg, minimally soiled, altogether well preserved. – Contemporary blind-pressed calf over wooden boards with intact clasps (some scratching and scuffing). – See illustration.

113

ARATUS, Phainomena kai diosemeia (graece). Paris, G. Morel, 1559. 4°. Mit HolzschnittDruckermarke (ohne die beiden Tafeln). 2 Bl., 132 S. Mod. Ldr. unter Verwendung alten Materials für die Deckel. 600,STC 22. Adams A 1515. IA 106.791. Hoffmann I, 230. Schweiger I, 41. Lalande 83. Houzeau-L. I, 822. – Enthalten sind die Scholien des Theon Alexandrinus und „De constructione Aratae spherae“ des Leontius Mechanicus. – Berühmtes Lehrgedicht über die Sternbilder und Wetterzeichen aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert. – Es fehlen, wie meist, die beiden Sternkarten. – Titel mit Klebespuren, kaum fleckig.

114

AVENTINUS (TURMAIR), J., Chronica, darinn nicht allein deß gar alten Hauß Beyern Stamm und Geschichte, sondern auch der uralten Teutschen Ursprung, Herkommen, Sitten beschrieben. Frankfurt, Feyerabend, 1580. Fol. Mit Druckermarke auf dem Titel, 2 breiten Bordüren auf den Zwischentiteln, 12 Porträts und 6 Textholzschnitten von Jost Amman. 24 nn. Bl. (letztes weiß), 424 num., 26 nn. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln (einige Gebrauchsspuren). 800,-


Alte Drucke und alte Theologie

41

Zweite deutsche Ausgabe. – STC 861. VD 16 T 2321. Lentner 2781. Becker 26. – Vollständiges Exemplar mit dem meist fehlenden ersten Teil „Bildnuß oder contrafactur der zwölff ersten alten Teutschen Königen und Fürsten“. – Der große Textholzschnitt zeigt synoptische Szenen von Genesis und Sündenfall, die kleineren den Bau der Stadt Trier, die Schlacht der Barbaren gegen die Römer, den Triumphzug Diokletians etc. – Leicht gebräunt, wenig fleckig, einige sehr störende Anmerkungen und Unterstreichungen eines wenig zartfühlenden modernen Vorbesitzers.

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BIBLIA ARABICA – NOVUM TESTAMENTUM – KITAB AL-INJIL as-sharif at-tahir waal-misbah al-munir al-zahir. Shuwair/Libanon, Kloster des Heiligen Johannes des Täufers, (1776). Fol. Mit zahlr. Zierlinien und einigen figuralen Schlußstücken in Holzschnitt. Teilw. in Rot und Schwarz gedruckt. 2 Bl., 316 S. Läd. Pp. d. Zt. 3.000,Schnurrer 360. Darlow-M. 1661: „The Evangelion of the Greek Church, containing the Gospels arranged for liturgical reading throughout the year.“ – Aus der im Kloster des Heiligen Johannes des Täufers in Shuwair auf dem Libanon von 1734 bis 1823 tätigen Druckerei (vgl. dazu Silvestre de Sacy I, S. 412-14). Besonders bemerkenswert im vorliegenden Druck ist der typographische Schmuck: alle Seiten sind durch doppelte Fileten eingefaßt, neue Textabschnitte beginnen mit einer Zierlinie aus floralen Elementen über die ganze Zeilenlänge, und auf zahlreichen Seiten finden sich kleinere figurale Schlußstücke (Rosen, Körbe, Kreuze, auch Maria mit dem Kind) – eine reizvolle Verbindung von einfachen Holzschnitten mit floralem und geometrischen Dekor wie in hebräischen Drucken aus dem Palästina des 19. Jahrhunderts mit elaborierteren Erzeugnissen à la italienne. – Bindung gelockert, durchgehend wurmspurig (meist nur im weißen Rand, ganz vereinzelt mit etw. Textberührung), leicht gebräunt, fleckig. From the printing office of the monastery of St. John the Baptist at Shuwair in the Lebanon, operating from 1734 till 1823 (compare Silvestre de Sacy I, pp. 412-14). Particularly remarkable in the present issue is the typographic decoration: all the pages are framed by double fillets, new text sections start with an ornamental line of floral elements over the whole length of the line, and there are smaller figural endpieces (roses, baskets, crosses, also Mary with the Child) on numerous pages – a charming relation of simple woodcuts with floral and geometrical decor like in Hebrew printings from Palestine of the 19th century with more elaborated products à la italienne. – Binding loosened, worming throughout (mostly in blank margin, only occasionally affecting text), slightly browned, soiled. – Contemporary damaged cardboard.

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BIBLIA ARABICO-LATINA – LIBER PSALMORUM Davidis regis, et prophetae. Ex Arabico idiomate in Latinum translatus. A Victorio Scialac & Gabriele Sionita. Recens in lucem editus munificentia Francisci Savary de Breves. Rom, S. Paolini für die Typographia Savariana, 1614. 4°. Mit 2 Holzschnittwappen auf dem Titel und am Ende. 4 Bl., 474 S., 3 Bl. Hldr. um 1880 (beschabt, bestoßen). 3.000,-

Nr. 112 Erste Ausgabe dieser Bearbeitung mit arabisch-lateinischem Paralleltext. – STC 108. Darlow-M. 1641. Lüthi 198. Schnurrer 324 und S. 500-506. Fück 56. Ebert 18088. Brunet IV, 921. Smitskamp 33. – In etwa 3000 Exemplaren gedruckt, deren größerer Teil 1619 zu einer Titelausgabe wiederverwendet wurde. Berühmt für die Klarheit und Eleganz der von Savary de Brèves geschaffenen Typen, deren weitreichende Vokalisierung den handlichen Quartanten zu einem der Arbeitstexte der aufblühenden arabischen Studien in Europa werden ließen. Nach älterer Meinung geht der Typenguß auf den Aufenthalt Savarys als Gesandten der französischen Krone in Konstantinopel zurück. In der neueren Forschung wird als Vorbild ein kalligraphisches Manuskript aus Qannubin angesehen, das sich in der Bibliotheca Vaticana erhalten hat. Schnitt und Guß seien in Rom in Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Drucker der ehemaligen Typographia Medicea, Stefano Paolini, erfolgt. Der Wortlaut der Psalmenversion geht auf ein von Savary de Brèves in Jerusalem erworbenes Manuskript zurück (vgl. Balagna, L'imprimerie arabe en occident, 55 f.). Text und Übersetzung der Maroniten Sionita und Scialac(h) weisen Abweichungen zur Vulgata auf, die ein umfangreiches Imprimatur nötig machten. – Bellarmins arabischer Katechismus und der arabisch-lateinische Psalter blieben die einzigen Drucke der Typographia Savariana in Rom; die Typen haben sich erhalten und befinden sich heute im Besitz der Imprimerie Nationale in Paris. – Titel mit hs. Besitzvermerk, erste Lagen mit kleinem Wasserrand, leicht gebräunt, vereinzelt braunfleckig.


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Alte Drucke und alte Theologie

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– EVANGELIUM SECUNDUM MATTHAEUM – PASSIO Domini nostri Iesu Christi, secundum Matthaeum. Arabice, cum Latina versione ad verbum, iuxta editionem Romanam. Leiden, Raphelengius, 1613. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel. 45 S. Mod. Hldr. 1.000,Einzige Ausgabe. – Smitskamp 279: „Extremely rare. The last of three small New Testament portions issued in Arabic by the Raphelengius press.“ – Nicht bei Darlow-Moule. – Von Thomas Erpenius herausgegeben (anonym) und eine Art Probestück zu der von ihm geplanten Polyglottbibel. „Erpenius had a special interest in the text of the Bible, and also published the Syriac version. He aimed at editing a corpus embodying all the variants which could be gleaned from the Oriental versions, but his premature death at the age of forty put an end to these plans“ (Smitskamp 80). – Titel mit Besitzvermerk, Bundsteg mit Wurmspur, oberes Viertel wasserrandig, gebräunt. – Siehe Abbildung. Sole edition. – Title with ownership entry, binding margin with worming, upper quarter with waterstains, browned. – Modern half calf. – See illustration.

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Erste Ausgabe dieser Übersetzung. – Darlow-M. 1639: „Edited, with a literal translation, by J. Antonides, from a transcript of an Arabic manuscript at Oxford, supplied to the editor by Matthew Slade (1569-1628?), a friend of Casaubon, elder of the Brownist Church at Amsterdam and rector of the Academy. Contains also the Lord's Prayer in Arabic and Latin.“ – Titel mit Besitzvermerk, Fußsteg mit Wurmgang, wasserrandig, gebräunt.

Nr. 118 First edition of this adaptation with Arabic-Latin parallel text. – Title with ms. ownership entry, first quires with small waterstain, slightly browned, occasionally brown-stained. – Half calf around 1880 (scratched, scuffed).

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– EVANGELIUM SANCTUM DOMINI nostri Jesu Christi conscriptum a quatuor evangelistis sanctis. (Florenz, Typographeum Linguarum, 1774). Fol. Mit 149 Textholzschnitten von L. N. Parassole nach Antonio Tempesta. 462 S., 1 Bl. Hldr. um 1900 (beschabt, etw. bestoßen). 5.000,Darlow-M. 1637 und 1643. Mortimer 64 Anm. – Titelausgabe des ersten Druckes der Evangelien in arabisch-lateinischer Interlinearversion, zugleich des ersten Druckes der Typographia Medicea, die von Papst Gregor XIII. zur Missionierung des Orients gegründet worden war. Durch sie erschien im Jahr der EA 1591 auch eine rein arabische Fassung. Der arabische Text ist in der Schrift von Robert Granjon gedruckt unter der Aufsicht des Orientalisten G. B. Raimondi. – Gebräunt, wasserrandig, seitlich und unten unbeschnitten. Reissue of the first gospel printing in Arabic-Latin interlinear version, at the same time of the first issue of Typographia Medicea which had been founded by pope Gregor XIII for proselytizing the Orient. – Browned, waterstained, at the side and at bottom untrimmed. – Half calf around 1900 (scratched, a little scuffed).

– EPISTOLA AD TITUM. Arabice; cum I. Antonidae interlineari versione Latina ad verbum. (Leiden), Plantin, 1612. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel. 3 (recte 19) S. Mod. Hldr. 400,-

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BIBLIA GERMANICA – (BIBLIA, das ist: Die gantze Heilige Schrift Teutsch. D. Martin Luthers. Mit auszführlichen lehrreichen Summarien H. Doct. Daniel Cramers). Tle. III und IV (von 4) in 1 Bd. Straßburg, Zetzners Erben, 1626. 12°. Mit 8 ganzseit. und 11 halbseit. altkolor. Kupfertafeln von M. Merian. 760, 537 S., 4 Bl. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit Rvg. (Rücken brüchig, Deckel mit Montierungsspuren, beschabt und bestoßen). 500,BSWL E 738. – Nicht im STC und bei Wüthrich. – Enthalten sind die Bücher der Propheten, die Makkabäerbücher und das Neue Testament. – Die Zuweisung an Merian auf Grund der Signaturen auf den Kupfern zu den Büchern Genesis und Esther im ersten und zweiten Teil. – Die ganzseitigen Titelbilder zu den Büchern Daniel, Tobias, Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, zur Apostelgeschichte und zur Apokalypse jeweils mit einer Zusammenstellung mehrerer Szenen in einer Landschaft. – Das Kolorit oft mit Goldhöhung, durchgehend regliert, der Zwischentitel zu den Propheten im unteren Teil mit Abriß, einzelne Blätter mit Eckabrissen (kleiner Textverlust) und Randläsuren, mehrfach gestempelt, gebräunt und etw. fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 11.


Alte Drucke und alte Theologie

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– BIBLIA das ist: Die gantze H. Schrifft, Alten und Neuen Testaments, Teutsch, D. Martini Lutheri. Mit dem Anhang deß dritten und vierten Buchs Esra, wie auch dritten der Maccabäer. 3 Tle. in 1 Bd. Lüneburg, Stern, (1695)-96. Fol. Mit 145 Textholzschnitten von Jakob Mores (ohne den gestoch. Titel). 27 nn., 296, 197 num., 1 nn., 135 num. Bl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln (Eckbeschläge und Schließen tls. entfernt). 250,BSWL E 959. – Diese Ausgabe nicht im STC, bei DarlowMoule und Lüthi. – Es fehlt der gestochene Titel von M. Scheits. – Block neu eingehängt, Titel aufgezogen, letztes Bl. mit größerer Fehlstelle (Textverlust), einzelne Bl. mit Einrissen, mit Familienstandseintragungen und einzelnen Marginalien in Tinte, fleckig und gebräunt.

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BIBLIA GRAECA – NOVUM TESTAMENTUM. Ex bibliotheca regia. 2 Tle. in 1 Bd. Paris, R. Estienne, 7. Nov. 1546. 16°. Mit 3 (2 wdh.) Druckermarken und einigen Holzschnitt-Initialen. 528; 361 S., 1 Bl. Restauriertes, goldgepr. und bemaltes Ldr. d. Zt. mit Rsch. (Bemalung tls. abgeschabt). 2.500,BSWL C 53. Darlow-M. 4616. Renouard 65, 2. STC 62. Adams B 1657. – Zweiter Druck der ersten Ausgabe der berühmten Estienneschen Ausgaben des griechischen Neuen Testaments, benannt nach den ersten Worten der (latein.) Einleitung: „O Mirificam“. Für sie fand erstmals die griechische Cicero-Type Garamonds Verwendung. Schönes Beispiel der Typographie der Renaissance (vgl. Updike I, 237). – Der erste Druck ist im Kolophon auf den 4. Oktober datiert. – Wohl Pariser zeitgenössischer Einband mit goldgeprägten Ranken in grüner und weißer Bemalung. – Vorsätze erneuert, stellenw. fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 12.

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– VULGATA – ORATIO MANASSAE. Esdrae lib. III. et IV. D. Hieronymi in sacros libros praefationes. Antwerpen, Plantin-Moretus, 1629. 16°. Mit Druckermarke auf dem Titel. 128 S., 92 Bl. Ldr. d. frühen 19. Jhdts. mit Rücken- und Deckelvg. (beschabt und bestoßen). 100,BSWL D 1077. – Letzter Teil der siebenbändigen Edition mit den Vorreden des Hieronymus und mehreren Indizes. – Etw. gebräunt.

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BIBLIA LATINO-GALLICA – NEUES TESTAMENT – NOUVEAU TESTAMENT, LE. Traduit par Sacy. 5 Bde. Paris, Didot, 1793-98. Mit 108 Kupfertafeln nach Moreau. Ldr. d. Zt. mit Rsch. und reicher Rvg. (tls. stärkere Gebrauchsspuren). 400,Cohen-R. 756. Sander 146. – Nicht bei Darlow-Moule. – Lateinisch-französischer Paralleltext. – Stellenw. etw. fleckig. – Mod. Exlibris Charles Adolphe Moleux. – Dekorativ gebunden.

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BIBLIA ROMANICA – ACTA APOSTOLORUM – APOSTOL (Apostelgeschichte. Kyrillisch). Bukarest, Metropolitan-Druckerei, 1784. Fol. Mit breiter, figürlicher Holzschnitt-Titelbordüre, 7 Textholzschnitten (1 ganzseit.) und zahlr. Holzschnitt-Initialen. 153 Bl. Läd. blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln. 600,Bianu-Hodos, Bibliografia Româneasca veche, II, 466 (sehr ausführlich). – Die Holzschnitt-Titelbordüre zeigt 17 kleinere Szenen vorwiegend zum Neuen Testament, der Holzschnitt auf Blatt 4v Pfingsten. – Das erste und letzte Bl. tls. lose, einzelne Bl. mit Ein- oder Ausrissen (kleiner Textverlust), tls. fleckig.

BIBLIA LATINA – BIBLIA ad vetustissima exemplaria nunc recens castigata. Venedig, G. Polo, 1587. 4°. Mit breiter Holzschnitt-Titelbordüre und zahlr. Textholzschnitten. 12 Bl., 1126 S. Läd. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten Schließen. 500,BSWL D 921. EDIT 16 CNCE 5801. Adams B 1093. – Nicht im STC und bei Darlow-Moule. – Titeleinfassung und Holzschnitte wie in der 1578 aufgelegten Bibel von Alessandro Griffio, jedoch andere Zier- und Bildinitialen zu Beginn fast jeden Kapitels. – Vorsätze erneuert, mit Buchhändleretikett und Besitzvermerk von 1892, Titel oben knapp beschnitten (alter Besitzvermerk nahezu ganz abgeschnitten), erste und letzte Lage lose, 2 Bl. mit (tls. angeränderten) Ausrissen (kleiner Bild- und Textverlust), stellenw. fleckig, wenige Marginalien.

– BIBLIA SACRA vulgatae editionis Sixti V. Wien, M. Endter, 1718. Mit gestoch. Frontisp. 7 Bl., 1151 S., 5 Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten Schließen (beschabt, etw. bestoßen, fleckig). 100,BSWL D 1423. – Mit einem „Index biblicus“ und einem „Index geographicus“; am Ende ein großes Zierstück mit dem österreichischen Wappen. – Mehrere alte klösterliche Besitzvermerke, Frontisp. fast lose, dieses und der Titel mit Einriß; Gelenke (gelockert) mit Wurmspuren, ein einzelnes Wurmloch vom Spiegel bis S. 28. Gebräunt, etw. fleckig.

Second issue of the first edition of the famous Estienne editions of the Greek New Testament. – Contemporary, probably Paris binding with gilt stamped scroll-work painted in green and white. – Endpapers renewed, soiling here and there. – Contemporary restored calf, gilt stamped and painted, with spine label (painting partly chipped off). – See illustration on plate 12.

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The woodcut ornamental title border shows 17 smaller scenes mainly to the New Testament, the woodcut on leaf 4v Pentecost. – First and last leaf partly loose, some leaves with tears or tear-outs (minor loss of text), partly soiled. – Contemporary damaged blind-pressed calf over wooden boards.

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BIBLIA SYRIACA – NOVUM TESTAMENTUM SYRIACUM, cum versione Latina, cura & studio Johannis Leusden et Caroli Schaaf. Leiden, J. Muller für C. Boutesteyn und S. Luchtmans, 1709. 4°. Mit gestoch. Titelvign. 5 Bl., 749 S. Blindgepr. Ldr. d. Zt. (leicht berieben, etw. bestoßen). 2.200,-


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Alte Drucke und alte Theologie

Ebert 22698 Anm. Darlow-M. 8969. Cat. PMM I, 309. – Titelausgabe dieser Bearbeitung mit syrisch-lateinischem Paralleltext; die EA erschien im Jahr zuvor. „A critical edition of the N. T., undertaken by J. Leusden, of Utrecht, and C. Schaaf, of Leyden. This edition has disagreed about the system of pointing to be adopted. The Latin version is C. Schaaf's revision of Tremellius' translation. This is said to be the first book printed from stereotype“ (Darlow-Moule). – Vordergelenk gelockert, leicht gebräunt und ganz vereinzelt etw. fleckig. Reissue of this adaptation with Syriac-Latin parallel text; first edition published the year before. – Upper hinge loosened, slightly browned and very occasionally a little soiled. – Contemporary blind-pressed calf (slightly rubbed, a little scuffed).

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Nr. 131

BIBLIA SYRO-LATINA – LIBER PSALMORUM Davidis regis et prophetae. Ex idiomate Syro in Latinum translatus. Paris, o. Dr. (A. Vitré), 1625. 4°. Mit 2 Druckermarken in den Vorstücken. 12 Bl., 315 S., 6 Bl. Ldr. um 1800 mit Deckel-, Rücken-, Steh- und Innenkantenvg. (Gelenke restauriert, etw. bestoßen und beschabt). 4.000,Erste Ausgabe. – Goldsmith B 848. Darlow-M. 8961: „The text, which includes Ps. CLI, is based on three manuscripts, one of which had been sent to the editor by George, the Maronite Archbishop of Nicosia. The Latin version professes to be as a literal translation as possible of the Syriac text.“ – Die vorliegende Pariser und die in Leiden im selben Jahr erschienene Edition des Erpenius sind die beiden ersten europäischen Ausgaben des Psalters in syrischer Sprache, beide zweisprachig syrisch-lateinisch, die Ausgabe des Erpenius jedoch ohne Psalm 151 (vgl. dazu Smitskamp 80). – Herausgegeben vom Maroniten Gabriel Sionita (1577-1648), der maßgeblich an der Ausgabe der Pariser Polyglottbibel des Jahres 1645 beteiligt war, und gedruckt mit den Typen des Savary de Brèves. NACHGEB.: (BARHEBRAEUS, G.), Veteris philosophi Syri de sapientia divina. Poëma aenigmaticum. Ebda. 1628. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel. 4 Bl. (das vierte weiß), 35 S. – Einzige Ausgabe. – Le livre et le Liban 143: „Sionite [Gabriel Sionita] édita et traduisit ce poème syriaque de Barhebraeus, mais sans en avoir identifié l'auteur. Pour lui c'est un auteur inconnu qui a composé ce poème sur la sagesse divine.“ – Auch in Bibliothekskatalogen teilweise ohne Nennung des Autors oder unter Sionita als Autor. Vorsatz mit eingeklebtem Katalogausschnitt; Titel des Psalters mit hs. Besitzvermerk und mehrf. gestempelt; Titel des Barhebraeus gestempelt, alle Seiten dieses Druckes sauber angerändert, um sie auf das Format des Psalters zu bringen. Beide Drucke leicht gebräunt und etw. fleckig. First edition. – The present Paris edition and the one published at Leiden in the same year by Erpenius are the first two European editions of the Psalter in Syriac language, both bilingual Syriac-Latin, the edition by Erpenius however without psalm 151 (compare Smitskamp 80). – Additional bound: Sole edition. – Endpaper with glued-in catalogue cutting; title of Barhebraeus stamped, all the pages of this issue neatly restored in order to adapt them to the size of the Psalter. Both issues slightly browned and a little soiled. – Calf around 1800 with gilt back, gilt on sides, gilt outside and interior edges (joints restored, a little scuffed and scratched).

Nr. 132


Alte Drucke und alte Theologie

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BIBLIA – KONVOLUT – Ca. 20 meist lateinische Bibeln und 10 Bibelkonkordanzen in zus. 34 Bdn. vornehmlich aus dem 17. und 18. Jhdt. Verschied. Formate. Meist Ldr. d. Zt. (tls. stärkere Gebrauchsspuren). – Aus klösterlichem Besitz mit entsprechenden Stempeln oder hs. Besitzvermerken. 300,-

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First separate edition. – The magnificent woodcut series was repeatedly printed in numerous Bible editions and later also reproduced. – Title with ownership entry by contemporary hand, some leaves with adhesive tapes, first leaves loose, soiled, slightly browned. – The woodcuts in strong impressions. – Contemporary limp vellum (strong signs of wear). – See illustration.

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– – WOL GERISSNEN UND GESCHNIDTEN FIGUREN auß der Bibel (auß der neuwen Testament). 2 Tle. in 1 Bd. Lyon, J. de Tournes, 1564. 4°. Mit 2 gleichen Titelbordüren, 2 Druckermarken und 324 Textholzschnitten nach Salomon Bernard. 120, 48 Bl. Mod. Ldr. im Stil der Zt. (minimale Gebrauchsspuren). 2.000,Cartier 502 und 503. Goed. II, 456, 3f. – Nicht im STC und bei Adams. – Seltener deutscher Druck von Jean de Tournes mit den sechszeiligen deutschen Texten von Kaspar Scheit und den berühmten Holzschnitt-Illustrationen von oder nach Salomon Bernard. – Der Teil mit den Illustrationen zum Alten Testament enthält 232 Holzschnitte, das sind 83 mehr als in der ersten deutsche Ausgabe von 1554 und einer mehr als in den französischen Ausgaben von 1556-58. Der Teil zum Neuen Testament enthält 92 Holzschnitte (das Johannesbildnis wiederholt), das sind 4 weniger als in den französischen, flämischen und italienischen Ausgaben. – Titel gestempelt und mit Besitzvermerk des Jesuitenkollegs in Lyon, ein Bl. mit kleiner Fehlstelle (ohne Bild- und Textverlust), leicht gebräunt, wenig fleckig. – Siehe Abbildung. Rare German issue by Jean de Tournes with the six-line German texts by Kaspar Scheit and the famous woodcut illustrations by or after Salomon Bernard. – Title stamped and with ownership entry of the Jesuit college at Lyon, one leaf with small defect (not affecting illustration or text), slightly browned, hardly soiled. – Modern calf in the style of the epoch (minor signs of wear). – See illustration.

BOEMUS (BÖHM), J., Gli costumi, le leggi, et l'usanze di tutte le genti. Tradotti per (L.) Fauno. Venedig, M. Tramezzino, 1542. Mit wdh. Druckermarke auf dem Titel und am Ende. 8 nn., 187 num., 1 nn. Bl. Pp. d. späten 18. Jhdts. (beschabt, bestoßen). 500,Erste italienische Ausgabe in einer von 2 Druckvarianten im selben Jahr beim selben Verleger. – STC 113 (ohne Variantenunterscheidung). IA 120.944. EDIT 16 CNCE 6525. – Diese Ausgabe nicht bei Adams. – Mit dem vorliegenden Werk, erstmals 1520 lateinisch erschienen und dann oftmals aufgelegt und in mehrere Sprachen übersetzt, begründete der Deutschordensmeister Johann Böhm (um 1485-1535) seinen Ruf als „Vater der wissenschaftlichen Volkskunde“ (NDB II, 403). Das Buch wurde die „Lieblingslectüre für nahezu ganz Europa“ (ADB III, 30). – Einige Marginalien und Unterstreichungen in Tinte von alter Hand, anfangs und am Ende wurmspurig (einzelne Buchstaben betroffen), gebräunt, fleckig.

– BILDERBIBELN – SOLIS, V., Biblische Figuren des Alten und Newen Testaments, gantz künstlich gerissen. Frankfurt, D. Zöpfel, J. Rasch und S. Feyerabend, 1560. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel und 147 halbseit. Textholzschnitten. 76 Bl. Flex. Pgt. d. Zt. (starke Gebrauchsspuren). 2.500,Erste Einzelausgabe. – VD 16 S 6973. STC 819. Adams S 1400. Schmidt 236. Nagler XIX, 90, 5. Thieme-B. XXXI, 250: „Die Illustrationen der Bibel sind Solis bestes, eigenstes und zugleich deutschestes Werk.“ – Die prächtige Holzschnittfolge wurde in zahlreichen Bibelausgaben immer wieder abgedruckt und später auch nachgeschnitten. – Text lateinisch und deutsch. – Titel mit Besitzeintrag von alter Hand, einzelne Blätter mit Klebestreifen (Tesa), die ersten Bl. lose, fleckig, leicht gebräunt. – Die Holzschnitte in kräftigen Abdrucken. – Siehe Abbildung.

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(BRUNI) ARETINO, L., La historia universale. Riveduta, ampliata, & corretta per F. Sansovino. Venedig, F. Sansovino, 1561. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel. 6 nn., 236 num., 8 nn. Bl. Läd. Ldr. d. Zt. mit Rsch. sowie Stehkanten- und Rvg. 200,EDIT 16 CNCE 7684. STC 128 (Bruni). Adams A 1560. IA 125.790. – Bedeutende, auf Quellen gestützte Geschichte von Florenz des aus Arezzo stammenden Humanisten, von Francesco Sansovino fortgeführt für die Zeit von 1404 bis 1560. – Zusätzlich eingebunden ist ein Wappenstich mit steigendem Löwen, signiert Humbelot (um 1600-1678, vgl. Thieme-B. XVIII, 120). – Wenig fleckig, unterschiedlich gebräunt.

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CANO, M., Locorum theologicorum duodecim. Köln, Birckmann, 1574. Mit Titelbordüre. 460 num., 23 nn. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. mit Rollenstempeln (ohne die Schließen, fleckig). 200,IA 131.283 (gibt das Format fälschlich mit 4° an). VD 16 ZV 2913. – Titel mit klösterlichem Besitzvermerk, sonst gut.

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CELLINI, B., Due trattati, uno intorno alle otto principali arti dell'oreficeria. L'altro in materia dell'arte della scultura. Florenz, V. Panizza & M. Peri, 1568. 4°. Mit Holzschnittwappen auf dem Titel, Druckermarke am Ende und 35 großen Holzschnitt-Initialen mit Stadtansichten im Hintergrund. 6 nn. Bl. (das letzte weiß), 47 (recte 61) num., 7 nn. Bl. Flex. Pgt. d. Zt. (mit kleineren Fehlstellen, beschabt, fleckig). 4.000,Erste Ausgabe. – STC 164. Adams C 1240. IA 135.063. Cicognara 273. Gamba 335. Parenti 151. Steinmann-W. (Michelangelo) 439. – Das einzige Werk Cellinis, das zu seinen Lebzeiten und im 16. Jahrhundert veröffentlicht wurde. – Die Abhandlung über die Kunst der Goldschmiede und Bildhauer enthält zahlreiche wichtige technische Vorschriften aus der unmittelbaren Arbeitspraxis (Emaillieren, Ver-


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Alte Drucke und alte Theologie

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CHIZZUOLA, I. B., Risposta alle bestemmie & maledicenze contenute in tre scritti di Paolo Vergerio, contra l'indittione del concilio, publicata da Papa Pio Quarto. Venedig, A. Arrivabene, 1562. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel und dem letzten Bl. 14 Bl., 252 S., 1 Bl. Mod. flex. Pgt. unter Verwendung alten Materials (fleckig). 800,Erste Ausgabe. – STC 170. EDIT 16 CNCE 12124. Haym 236, 7. – Pietro Paolo Vergerio (1497-1565) wurde nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Padua 1530 päpstlicher Nuntius. Von Papst Paul III. wurde er 1535 zu den deutschen Fürsten gesandt, um diese zu dem beabsichtigten Konzil einzuladen, und hatte in Wittenberg eine Besprechung mit Luther. Nach Rom zurückberufen, gab er seine Nuntiatur auf und wurde zum Bischof von Modrus und wenig später zum Bischof von Capo d'Istria ernannt. Der Hinwendung zur Reformation verdächtigt, wurde Vergerius 1549 verurteilt und exkommuniziert. Er floh nach Graubünden, wo er 1549-53 Pfarrer war. Danach ging er nach Tübingen, dort setzte er sich für die Reformation ein. – Der Schrift des Chizzuola (1521-1565) hatte Vergerio eigene Streitschriften entgegengesetzt. – Erste Bl. mit tls. größeren, fachmännisch ergänzten Randschäden, fleckig, vor allem anfangs und gegen Ende stärker wasserrandig.

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Nr. 136 golden, Bossieren, Modellieren, Bronzeguß etc.) und bietet nicht nur Einblicke in Cellinis eigene Methoden, sondern auch in die Arbeitsweisen Michelangelos und anderer zeitgenössischer Künstler. – Gelockert, leicht gebräunt, etw. fleckig. – Mit 2 Exlibris: typographisches von Louis Thompson Rowe (1855-1927), Musiker und Büchersammler; in Stahl gestochenes von John Addington Symonds (1840-1893), weniger bekannt als Dichter denn als früher Bekenner und mutiger öffentlicher Verteidiger der Homosexualität und als Biograph (und der 1887 erschienenen Übersetzung von Cellinis Selbstbiographie ins Englische). – Siehe Abbildung. First edition. – The sole work by Cellini which was published during his lifetime and in the 16th century. – The treatise on the art of the goldsmiths and sculptors contains numerous important technical rules from the immediate working practice (to enamel, gild, emboss, mould, bronze casting etc.) and does not only give insight into Cellini's own methods, but also in the ways of working of Michelangelo and other contemporary artists. – Loosened, slightly browned, a little soiled. – With 2 exlibris: typographic of Louis Thompson Rowe (1855-1927), musician and book collector; steel-engraved of John Addington Symonds (1840-1893), less known as poet than early confessor and bold public defender of homosexuality and as biographer (and of the translation into English of Cellini's autobiography published in 1887). – Contemporary limp vellum (with minor defects, scratched, soiled). – See illustration.

CICERO, M. T., Epistolae ad Atticum, ad Brutum, et ad Q. fratrem. Editio ad Manutianam & Brutinam conformata. Frankfurt, Wechels Erben, 1590. Mit 2 Druckermarken. 547 S. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit Rollen- und Plattenstempeln (beschabt und etw. fleckig, Schließen fehlen). 200,IA 139.919. – Einzeln wie auch als Tl. VI der zehnbändigen Gesamtausgabe vertrieben. – BEIGEB.: DERS., Philosophicorum volumen primum (von 2). Ebda. 1590. 2 Bl. (letztes weiß), 398 S., 1 Bl. – IA 139.918. – Etw. fleckig. – Sehr schönes zeitgenössisches Exlibris auf dem Spiegel. – Beiliegen die „Opera omnia“ (Lyon 1606).

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COSTER, F., Libellus sodalitatis: hoc est, Christianarum institutionum libri quinque, in gratiam sodalitatis B. Virginis Mariae. Ingolstadt D. Sartorius, 1588. 16°. Mit Holzschnitt-Titelvign. 16 Bl., 755 S. Blindgepr. Schweinsldr. über Holzdeckeln mit zwei Messingschließen sowie Rsch., monogrammiert „I F“ und dat. 1589 (ein Schließband fehlt, etw. fleckig, berieben und bestoßen). 200,VD 16 C 5563. IA 145.811. Stalla 1592. De Backer-S. XII, 1511. – Diese Ausgabe nicht bei Adams und nicht im STC. – Aszetische Schrift des Jesuiten Franz Coster (1531-1619) aus Mecheln. „Das Werk erschien zuerst anonym, und erst nachdem es bereits mehrmals aufgelegt war, nannte sich P. Coster als dessen Verfasser, vermehrte es mit zwei neuen Büchern und ließ es 1586 zugleich in Antwerpen und Köln erscheinen“ (Wetzer-W. III, 1157). – Etw. gebräunt und fleckig.


Alte Drucke und alte Theologie

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populär und erlebte zahlreiche Ausgaben und Übersetzungen. – Vorsätze, Titel und letzte S. mit Besitzeinträgen und Vermerken von alter Hand, Text mit einzelnen Unterstreichungen, stellenw. fleckig (anfangs stärker), leicht gebräunt. – Lederband mit Bordüre und Stempeln mit vegetabilen Motiven.

CYPRIANUS, C., Opera. Studio ac labore S. Baluzii. Paris, Königliche Druckerei, 1726. Fol. Mit gestoch. Titelvign. 1 Bl., CXLVIII S., 4 Bl., 608 S., 1 Bl., CCCXLIV Sp., 12 Bl. Pgt. d. Zt. (stärker beschabt und bestoßen). 120,Brunet II, 459: „Bonne édition, et bien préférable à la réimpression qui en a été faite à Venise, 1628.“ – Fliegende Vorsätze entfernt, tls. fleckig, gebräunt.

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DAZU: PHILIPPUS À S. JACOBO, Sanctorum patrum bibliotheca maxima Lugdunensis in epitomen redacta. Bd. II (von 2). Augsburg 1719.

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DECISIONES SACRAE ROTAE ROMANAE – SAMMLUNG – 7 Werke verschiedener Auditoren in zus. 12 Bdn. 1673-1723. Fol. Pgt. d. Zt. (tls. läd., beschabt und bestoßen). 1.000,Schulte III, 75-76. – Entscheidungen der Römischen Rota, des Appellationsgerichtshofes der römisch-katholischen Kirche, aus den letzten Jahrzehnten des 17. und den ersten des 18. Jahrhunderts, also aus der Zeit der Hochblüte dieser Einrichtung. – Vorhanden: Entscheidungen der Auditoren Ansaldo Ansaldi (Rom, Typographia Camerae Apostolicae, 1711), Celio Bichi (2 Bde.; Genf, Chouët, 1673), Carlo Cerri (3 Bde.; Rom, G. Corvi, 1682), Giovanni Battista Coccini (3 Bde.; Rom, N. A. Tinassi, 1672), Christoph Peutinger (Rom, Typographia Camerae Apostolicae, 1711), Girolamo Priuli (Rom, Typographia Camerae Apostolicae, 1681) und Johann Baptist Rembold (Rom, G. Corvo und B. Lupardi, 1676). – Altersspuren. – Beiliegen 8 Bände in Folio: 2 Bde. unvollständiger Decisiones-Ausgaben und 6 Bde. anderer kirchenrechtlicher Konsultationen und Entscheidungen. – Einheitlich gebunden. – Ohne Rückgaberecht.

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DUNS SCOTUS – NICOLAUS AUS ORBELLES, Super sententias compendium, quod nunc dudum multis viciatum erroribus castigatissime recognitum nove extat. Paris, F. Regnault, 1515. Mit Druckermarke auf dem Titel. 162 (statt 367) Bl. Eingehängt in blindgepr. Ldr. d. Zt. (Gebrauchsspuren). 200,-

VD 16 ZV 17894. STC 275. Adams E 366. Van der Haeghen I, 81. Bibl. Erasmiana, Enchiridion militis Christiani, 55. – Vgl. Bezzel 875 (Ausg. 1535). – Das „Enchiridion“ erschien zuerst 1503 als Teil der „Lucubratiunculae“, wurde nach seiner ersten Separatveröffentlichung im Jahre 1515 äußerst

FISCHART – (MARNIX, PH. VAN), Binenkorb. Deß Heil. Röm. Immenschwarms, seiner Hummelszellen (oder Himmelszellen) Hurnaußnäster, Brämengeschwürm und Wäspengetöß. (Übers. von J. Fischart). Christlingen, U. Gottgwinn (= Straßburg, B. Jobin), o. J. (ca. 1595). Mit Titelholzschnitt und 2 Textholzschnitten. 8 nn., 272 (recte 273) num., 18 nn. Bl. Etw. spät. Hldr. mit Rsch. und Rvg. 600,VD 16 M 1055. – Früher Druck des zuerst 1579 erschienenen Pamphlets gegen die katholische Kirche, einer Übertragung des „Bijnenkorf“ von Philips van Marnix. Erst Fischarts Übersetztung machte die Satire auf die katholische Hierarchie wirklich berühmt und sorgte für deren Verbreitung in zahlreichen Ausgaben. – Der rot und schwarz gedruckte Titelholzschnitt (Bienenkorb in Form einer Tiara, mit Kirche und Windmühle) ist in Schwarz wiederholt auf Blatt 260 verso. Auf Blatt 272 recto ein weiterer Holzschnitt mit allegorischer Figur der Wahrheit, umringt von Karikaturen der Evangelisten. – Titel mit Besitzvermerk („J. B. Martini 1721“), seitlich knapp beschnitten, etw. gebräunt, einige alte Unterstreichungen.

146 ERASMUS VON ROTTERDAM, D., Enchiridion militis Christiani. 2 Tle. in 1 Bd. Basel, Froben, 1540. Mit 3 Druckermarken und einigen figürlichen Holzschnitt-Initialen. 184 Bl. Beschäd. Ldr. d. Zt. 300,-

(FIOCCO, A. D.), Il Fenestella d'i sacerdotii, e d'i magistrati romani. Tradotto di latino alla lingua toscana. Venedig, G. Giolito de' Ferrari, 1544. Mit Druckermarke auf dem Titel und zahlr. Holzschnitt-Initialen. 43 num., 1 nn. Bl. Pgt. d. Zt. (Rsch. läd., bestoßen). 300,Erste italienische Ausgabe. – Bongi I, 75. EDIT 16 CNCE 19087. STC 246. – Nicht bei Adams. – Häufig gedruckte Schrift des Florentiner Humanisten Andrea Domenico Fiocco (Andreas Dominicus Floccus; um 1400-1452) über Priester- und Beamtenwesen im alten Rom, vorgeblich verfaßt von dem römischen Historiker der frühen Kaiserzeit, Lucius Fenestella. – Die Initialen mit Szenen aus dem Alltagsleben, darunter auch einer frühen Darstellung des „Jeu de Paume“, eines Vorläufers des Tennisspiels. – Vorsatz mit Besitzerstempel und kleinen Wurmspuren, wenig fleckig. – Gestoch. Exlibris.

Moreau 1190. – Diese Ausgabe nicht im STC und bei Adams. – In unserem Exemplar fehlen die Lagen s-z, et, con, aa-ss und von Lage tt die Blätter 1-6. – Titel mit hs. Besitzvermerk des Augustiner-Chorherren-Klosters Dießen, mehrfach gestempelt, mit zahlreichen, tls. stark beschnittenen Marginalien. – Ohne Rückgaberecht.

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GEORGIUS TRAPEZUNTIUS, Utilissimus de re dialectica libellus. Diligentius multo quam antehac unquam recognitus & emendatus. Köln, E. Cervicornus, 1539. Mit 2 Holzschnittbordüren, einigen Holzschnitt-Initialen und schematischen Textholzschnitten. 207 S. Holzdeckelbd. d. Zt. mit breitem, blindgepr. Schweinslederrücken, monogr. und dat. „S. M. 1570“ (Schließen entfernt, Rücken alt gößerenteils mit Papier überklebt, Gebrauchsspuren). 800,-


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Alte Drucke und alte Theologie

VD 16 G 1368. – Nicht im STC und bei Adams. – Erstmals 1508 in Paris erschienen.

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NACHGEB.: CAESARIUS, J., Dialectica. Mainz, I. Schöffer, 1550. Mit 2 verschied. Druckermarken. 8 Bl., 380 S., 2 Bl. (das erste weiß). – VD 16 C 122. – Nicht im STC und bei Adams. – Die Lehrbücher zu Dialektik und Rhetorik von Johannes Caesarius (1468-1550) wurden von Melanchthon empfohlen, in Deutschland aber bald durch die ramistischen verdrängt (ADB III, 2691).

ADB X, 240 (Gwalther), und XLI, 228 (Waser). – Postum erschienene Sammlung von Homilien des Zürcher Antistes Rudolf Gwalther (1519-1586), hrsg. von dem reformierten Theologen und Orientalisten Kaspar Waser (1565-1625). – Titel aufgezogen; Schnitt angeschmutzt; fleckig und wasserrandig.

DERS., Dialectica per quaestiones in compendium redacta autore C. Rodolphi. Leipzig, N. Schmidt (Faber), o. J. (1534). Mit einigen Initialen in Holzschnitt. 72 Bl. – VD 16 ZV 2779. – Nicht im STC und bei Adams. Fliegender Vorsatz vorne entfernt, Spiegel mit hs. Vermerken, Titel des ersten Werkes und hinterer Vorsatz mit Besitzvermerken von alter Hand, verso gestempelt, stellenw. fleckig, leicht gebräunt. – Alle drei Schriften selten.

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Upper fly-leaf removed, paste-down with ms. notes, title of first work and lower endpaper with ownership entries by contemporary hand, stamped verso, here and there soiled, slightly browned. – All three treatises rare. – Contemporary wooden boards with wide blind-pressed pigskin spine, monogram and date „S. M. 1570“ (clasps removed, spine glued-over with paper in some parts in former times, signs of wear).

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GRYSE, N., Historia van der Lere, Levende und Dode Joachimi Slüters des ersten Evangelischen Predigers tho Rostock, nevenst einer Chroniken. Rostock, S. Moellemann (Müllman), 1593. Mit gefalt. Stammtafel. 80 Bl. Spät. Hpgt. mit goldgepr. Wappensupralibros (beschabt, bestoßen, fleckig). 400,Einzige Ausgabe. – VD 16 G 3837. STC 375. BorchlingC. 2484. Slg. Böhme 1400. – Nicht bei Adams. – Biographie des Rostocker Pfarrers Joachim Sluter (1490-1532), der die Reformation in Rostock einführte (ADB XXXIV, 470). Enthalten sind Verzeichnisse der Rostocker Bürgermeister und Ratsherren, der evangelischen Prediger und Universitätsrektoren von 1523-93 und der Kirchenvorsteher im Jahr 1593. – Gryse war Prediger in Rostock, seine „selten gewordenen“ (ADB X, 82) Schriften erschienen nur in niederdeutscher Sprache. – Die Stammtafel (weder bei BorchlingC. noch im VD 16 erwähnt) verzeichnet die Nachkommen von Herzog Magnus II. von Mecklenburg. – Durchgehend wasserrandig, leicht gebräunt.

HERODIANUS (HISTORICUS), Historion biblia e (graece). Historiarum libri VIII. Cum interpretatione Latina. Ingolstadt, A. Sartorius, 1608. 1 Bl., 401 (recte 411) S. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln (Schließen fehlen, beschabt und bestoßen). 250,Ebert 9523 Anm. Schweiger I, 136. Stalla 83. – Griechischlateinischer Paralleltext. – Vorderschnitt mit Brandzeichen, Innengelenke gebrochen, Spiegel mit Rasur, Vorsatz mit Besitzvermerk und mod. hs. Widmung, Titel mit Unterstreichungen und Angabe des Erscheinungsjahres in arabischen Ziffern, gering gebräunt.

GIOVIO, P., Le iscrittioni poste sotto le vere imagini de gli huomini famosi in lettere. Tradotte di latino in volgare da Hippolito Orio. Venedig, F. Bindoni, 1558. Mit Druckermarke auf dem Titel. 8 Bl., 285 S. Pgt. d. Zt. (Vorderkante mit kleinem Loch, beschabt, etw. fleckig). 200,STC 304. EDIT 16 CNCE 21219. – Diese Ausgabe nicht bei Adams. – Einer von 2 Drucken der 2. italienischen Ausgabe aus demselben Jahr (die andere erschien bei G. de' Rossi und hat nur 271 Seiten; EA 1551/52). – Mit den Viten von Albertus Magnus, Ariost, Boccaccio, Castiglione, Dante, Machiavelli, Marsilio Ficino, Petrarca, Pico della Mirandola, Thomas Morus, Poggio Bracciolini, Erasmus von Rotterdam und vielen anderen. – Spiegel mit Besitzvermerk und Stempel, Titel mit gestrichenem Besitzvermerk, leicht gebräunt, etw. fleckig.

GWALTHER, R., Archetypi homiliarum festarum. Adjecta est Sylvula homiliarum inauguralium, nunquam antehac editarum, ejusd(em) auctoris. Omnia ex autographis ipsius vulgata a C. Wasero. Zürich, Wolf, 1612. Mit Titel-Holzschnittbordüre. 3 nn., 142 num., 2 nn. Bl. Mod. Umschlag (leichte Gebrauchsspuren). 150,-

NACHGEB.: NONNUS PANOPOLITANUS, Metabole tu kata Ioannen hagiu Euangeliu (graece). Conversio Graeca evangelii secundum Ioannem. Ingolstadt, E. Angermayer für J. Hetzroy, 1614. 291 S. – Stalla 539.

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HIRSCHVOGEL, A., Concordantz unnd vergleychung des alten und newen Testaments. Wien, Ae. Adler (Aquila), 1550. 4°. 18 nn. Bl. Mod. Hpgt. 2.000,Sehr seltene erste Ausgabe. – VD 16 H 3846. Durstmüller I, 48. – Nicht im STC und bei Adams. – Typologische Gegenüberstellung von Texten des Alten und des Neuen Testaments in der Absicht, die Antizipation des Neuen Testaments, vor allem des Lebens und Wirkens Christi, durch das Alte Testament zu dokumentieren und zu beweisen. – Der Stecher und Mathematiker Augustin Hirschvogel (1503-1553) arbeitete seit 1547 mit dem ungarischen Calvinisten und Staatsmann Peter Perényi von Ferd an einer Bilderbibel, die aber nicht zustandekam. Aus dieser Kooperation ist die vorliegende Schrift hervorgegangen, die im Jahre 1550 in drei Fassungen erschienen ist, davon einer illustrierten in Folio. Die vorliegende, nur den Text enthaltende Quartausgabe ist nach Falkenau der Erstdruck (K. Falkenau, Die „Concordantz Alt und News Testaments“ von 1550: ein Hauptwerk biblischer Typologie des 16. Jahrhunderts, Diss. Regensburg 1999). Der Text bringt neben vielen bekannten typologischen Vergleichen auch einige zuvor unbekannte Textbeispiele. – Über den KVK nur drei Exemplare nachweisbar. – Titel mit kleinem, restaurierten Loch im Rand, einzelne minimale Wurmspuren, leicht gebräunt und fleckig. Very rare first edition. – Only three copies recorded by KVK. – Title with small restored hole in margin, occasionally minor worming, slightly browned and soiled. – Modern half vellum.


Alte Drucke und alte Theologie

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HOSIUS (HOZYUSZ), S., Confession, Das ist: Ein Christliche Bekantnuß Des Catholischen Glaubens. Durch S. Hosium in Latein erstlich beschriben. Und darnach durch Johann zu Wege auß dem Latein in das Teütsch gebracht. Ingolstadt, A. und S. Weißenhorn, 1560. Fol. 14 nn., 379 num., 10 nn. Bl. (das erste weiß). Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln (Schließen defekt, Bezug mit kleiner Fehlstelle, einzelne kleine Wurmspuren, beschabt, etw. bestoßen, fleckig). 800,Erste deutsche Ausgabe. – STC 419. VD 16 H 5145. Stalla 371. Estreicher XVIII, 282. – Vgl. Adams H 1026 (lat. Ausg.). – Hauptwerk des bedeutenden polnischen Kardinals Stanislaus Hosius (1504-1579). Die von den Bischöfen der Perikauer Synode verabschiedete „Confessio“ sollte den Gegensatz zur Augsburger Konfession markieren und dem Protestantismus in Polen entgegenwirken. – Titel mit Bibliotheksvermerk von alter Hand, ein Bl. mit Eckabriß (geringer Verlust der Foliierung), wenige Bl. mit kleinen Einrissen, kleine Wurmspuren im Rand, ein Doppelbl. lose, wenig fleckig, leicht gebräunt. – Schöner Ingolstädter Druck. First German edition. – Major work by the influential Polish cardinal Stanislaus Hosius (1504-1579). The „Confessio“ passed by the bishops of the Perikau synod was meant to be the opposite to the Augsburg Confession and intended to counteract the spread of Protestantism in Poland. – Title with library note by contemporary hand, one leaf with torn off corner (minor loss of numbering), a few leaves with small tears, minor worming in margin, one double leaf loose, hardly soiled, slightly browned. – Beautiful Ingolstadt printing. – Contemporary blind-pressed pigskin over wooden boards (clasps defective, cover material with minor flaw, some worm traces, scratched, a little scuffed, soiled).

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HUGE, A., Rhetorica und Formulare, Teütsch. Tübingen, U. Morhart, 1548. Fol. Mit Holzschnitt-Titelbordüre. 14 nn., 225 num. Bl. Mit breitem blindgepr. Schweinsldr.-Rücken d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten Schließen (Rücken mit kleinen Fehlstellen, Deckel mit kleinem Ausbruch, beschabt, fleckig). 2.000,VD 16 H 5817. STC 421. – Nicht bei Adams. – Einer von zwei Drucken aus demselben Jahr, beide bei Morhart. – Das oftmals aufgelegte Formularbuch war erstmals 1528 erschienen. – Huge war Stadtschreiber zu Basel, Pforzheim und Calw. – Am Ende mit Wurmspuren im Kopfsteg (minimaler Buchstabenverlust), fleckig, gebräunt. – Mod. Exlibris. – Siehe Abbildung. This often issued form and questionnaire book was published for the first time in 1528. – At the end with worming at upper margin (minor loss of letters), staining, browning. – Modern exlibris. – With wide contemporary blind-pressed pigskin spine over wooden boards with 2 intact claps (spine with small defects, covers with small break-out, scratched, stained). – See illustration.

Nr. 153

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HUNNIUS, Ä., Catechismus oder Kinderlehre von den Hauptpuncten Christlicher Religion. Frankfurt, J. Spieß, 1592. 4°. Mit breiter Titelbordüre und 17 Textholzschnitten. 4 Bl., 714 (recte 713) S. Pgt. d. Zt. (stärker fleckig und bestoßen). 1.500,Erste Ausgabe. – VD 16 H 6079. – Hunnius, einer der bedeutendsten Theologen seiner Zeit, war 1592 nach dem Tod des Kurfürsten Christian von Herzog Wilhelm Friedrich nach Wittenberg berufen worden, wo er an der Unterdrückung der melanchthonischen Tradition maßgeblich beteiligt war (vgl. Herzog-H. VIII, 457). – Die Druckermarke ist in die breite Titelrahmenbordüre mit den Evangelisten, Moses und Christus integriert. Die Holzschnitte mit biblischen Szenen und variierten Rahmen mit Figuren und Rollwerk. BEIGEB.: DERS., Christliche Haußtafel, Das ist: Beschreibung allerley Stände und Orden der Christen. Ebda. 1591. Mit Holzschnitt-Druckermarke am Ende. 4 Bl., 170 S., 1 Bl. – VD 16 H 6005. – Die erste Ausgabe dieser Schrift war 1586 erschienen. (DERS., Sechs Propheten der H. Schrifft, nemlich Daniel, Obadias, Jonas, Micha, Haggai unnd Malachias gründtlich außgelegt und in unterschiedlichen Predigten erkläret und in Druck verfertiget. Ebda. 1595). 25 (statt 26) Bl., 568, 552 S., 20 Bl. (1 weißes Bl. zwischengebunden). – Vgl. VD 16 B 3830 (EA 1587). – Enthält am Beginn Vorreden von Hunnius und Luther, am Ende die Register, wobei das Register zu Daniel die letzten beiden Lagen einnimmt und auf das weiße Blatt nn8 folgt. – Es fehlt das Titelblatt.


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Alte Drucke und alte Theologie

Auf den weißen Blättern am Beginn und Ende hs. Einträge aus dem 18. Jahrhundert zu Kindsgeburten und Todesfällen, einzelne Marginalien in Tinte, stellenw. kleine Randläsuren, fleckig und gebräunt. – Alle Werke selten.

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(JUSTINIANUS), Institutionum iuris civilis. Olim à Theophilo Antecessore in Graecum è Latino translati, nunc nuper è Graeco in Latinum per. D. Iac. Curtium conversi. (Genf), Stoer, 1598. Mit Druckermarke auf dem Titel. 535 S., 2 (statt 4) Bl. Pgt. d. Zt. (etw. fleckig und bestoßen). 80,-

Vgl. Benzing 3065. VD 16 L 6907-6908. – Druckvariante, übereinstimmend mit den bei Claus-Pegg zu Benzing 3065 angegegebenen Merkmalen, jedoch abweichend auf Bl. D1a Zl. 18: „jnn ab//grund“ und von VD 16 L 6907 und 6908 abweichender Druck der Jahreszahl: „MD XXXIII“. – Wichtige Streitschrift Luthers, veranlaßt durch das Vorgehen Herzog Georgs von Sachsen gegen lutherisch gesinnte Leipziger. Luther verantwortet sich gegenüber dem Kurfürsten für die Bezeichnung des Herzogs als „Teufelsapostel“ in einem früheren Trostbrief. – Die schöne Bordüre (Salome und höfische Gesellschaft) stammt aus der Cranach-Schule (Luther 25; Koepplin-F. I, 261). – Titel auf allen Seiten angerändert, die übrigen Bl. mit tls. alt hinterlegten Randausrissen, sehr starke Alters- und Gebrauchsspuren, gebräunt, stellenw. fleckig. – Ohne Rückgaberecht.

Diese Ausgabe nicht im STC und bei Adams. – Vgl. CLC R 879 (Ausg. 1543). – Vermutlich fehlen das Privileg und das letzte Blatt mit der Druckermarke. – Innengelenke geklebt, Vorsätze mit Einträgen von alter Hand in Tinte, Titel mit tls. gelöschtem Besitzvermerk, stellenw. mit Unterstreichungen, etw. fleckig und leicht gebräunt.

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– Novellarum constitutionum volumen. Gregorio Haloandro interprete. Accesserunt et haec, feudorum libri duo. – Institutionum libri quatuor. A Gregorio Haloandro recens castigati. Paris, Ch. Guillard und G. Desboys, 1552. 8 nn., 367, 121 num., 2 nn. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. (ohne die Schließbänder, fleckig, beschabt und bestoßen). 300,I. Adams J 679. – Nicht im STC. – II. Nicht im STC und bei Adams. – Seltene Ausgaben der Bearbeitungen der justinianischen Texte durch Haloander. „Mögen nun auch die Haloandrischen Arbeiten später durch exaktere kritische Methode und Benutzung eines reicheren Apparats in ihren Ergebnissen übertroffen sein; so kann doch die historische Bedeutung und das Verdienst des deutschen Gelehrten nicht hoch genug angeschlagen werden. Nicht hatte er sich die Aufgabe gestellt, die Textesform auf die am besten beglaubigte Überlieferung zurückzuführen; sondern er bezweckte, aus den mannigfaltigen Überlieferungen durch Auswahl einen lesbaren Text herzustellen. Es war ihm mehr um Brauchbarkeit und Verständlichkeit als um äußerlich beglaubigte Echtheit zu tun“ (Stintzing-L. I, 199). – Beide Ausgaben stammen aus der Offizin von Charlotte Guillard (ca. 1480-1557), der ersten bedeutenden Druckerin. – Vorsatz wurmstichig und mit Eintrag von alter Hand in Tinte, ohne den fliegenden Vorsatz, anfangs und gegen Ende leicht wasserrandig, vereinzelt mit Marginalien, leicht fleckig. – Beiliegen 5 weitere Werke.

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LAUTERBECK, G., Regentenbuch. Auffs vleissigst und herrlichst von newem ubersehen und durch aus corrigiert und gebessert. (Leipzig, Bärwaldt, 1561). Fol. Mit großer Druckermarke am Ende und einigen Holzschnitt-Initialen. 16 nn., 369 num., 9 nn. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit Messingschließen (starke Gebrauchsspuren). 300,Vierte Ausgabe des erstmals 1557 gedruckten Fürstenspiegels. – Van der Vekene B/b 002. – Nicht bei Adams. – Mit der deutschen, Sleidan folgenden Platonübersetzung. – Titel mit hs. Besitzvermerk, erste Lagen stark wurmspurig, kaum fleckig.

LUTHER, M., Verantwortung der auffgelegten Auffrur von Hertzog Georgen, Sampt einem Trostbrieff an die Christen, von jhm aus Leiptzig unschüldig veriagt. Wittenberg, N. Schirlentz, 1533. 4°. Mit breiter Titelbordüre. 32 Bl. Spät. läd. Hldr. 300,-

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LUTHER – OECOLAMPADIUS, (J.), Iudicium de doctore Martino Luthero. Item responsum illust: principis Friderici, ducis Saxoniae datum legatis Roma: Pontificis apud Coloniam Agrippinam MDXXI. O. O., Dr. und J. (Erfurt, Mathes Maler, 1521). 4°. 4 Bl. Pp. d. 19. Jhdts. (gering fleckig und berieben). 400,VD 16 O 355. Staehelin 29. – Nicht bei Adams und im STC. – Zuerst 1520 lateinisch erschienen, im Folgejahr bereits in mehreren deutschen Ausgaben verbreitet. „Wichtige Schrift: auf Adelmanns Bitte um eine Stellungnahme zu Luther schrieb Oecolampadius aus dem Kloster dieses Urteil. Die Schrift enthält 7 weitere Luther betreffende Urteile – eines von Erasmus – sowie einen anonymen Brief an Egranus (von Capito?)“ (Slg. Stickelberger 584, zur Erstausgabe). – Ein restaurierter Eckabriß, einzelne Wurmlöcher, etw. fleckig und gebräunt.

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– (SPALATIN, G.), Die gantz handlung so mit dem hochgelerten Doctor Martino Luther täglichen dwyl er uff dem Keiserlichen Rychstag zu Wormbs geweßt, ergangen ist, uffs kürtzest begriffen. (Hagenau, Th. Anshelm, 1521). 4°. Mit Holzschnitt-Titelbordüre und Holzschnitt-Initiale. 6 Bl. Pp. d. 19. Jhdts. (fleckig, wenig berieben). 800,Seltene erste Hagenauer Ausgabe. – STC 581. VD 16 S 7415. Benzing 921. – Nicht bei Adams. – Bedeutender zeitgenössischer Bericht, verfaßt vom Hofkaplan Kurfürst Friedrichs des Weisen von Sachsen, Georg Spalatin (eigentlich Burckard, 1484-1545), über Luthers Auftreten auf dem Reichstag zu Worms mit Übersetzung der berühmten Rede Luthers vom 18. April 1521 und der anschließenden Befragung. – Titel mit altem Vermerk; etw. braunfl. (Titel stärker) und gebräunt. – Siehe Abbildung.


Alte Drucke und alte Theologie

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MARBODUS (VON RENNES), Dactylotheca, scholiis G. Pictorii Villingani nunc altera vice, supra priorem aeditionem, illustrata. Item de lapide molari, & de cote carmen panegyricum. Basel, H. Petri, 1555. 8 Bl., 80 S. Mod. Pgt. unter Verwendung alten Materials. 1.000,VD 16 M 933. STC 593. Sinkankas 4176. Ebert 13018a. Graesse IV, 380. Wellcome I, 4041. Ferguson II, 74. Thorndike I, 775. – Zweite von Pictorius edierte Ausgabe; die erste von ihm herausgegebene war 1531 erschienen, der erste Druck 1511. – Hexametrische Dichtung über Steine und Edelsteine von Marbodus, Bischof von Rennes (1035-1123). „Of medieval Latin Lapidaries the earliest and what also seems to have been the classic on the subject of the marvelous properties of stones“ (Thorndike). – Vorsatz mit Besitzvermerk von alter Hand, Titel mit getilgten Besitzvermerken, einzelne Marginalien von alter Hand sowie wenige jüngere Unterstreichungen, durchgehend wasserrandig. Hexametric poetry on stones and gems by Marbodus, bishop of Rennes (1035-1123). – Endpaper with ownership entry by contemporary hand, title with erased ownership entries, some marginalia by contemporary hand and some more recent underlinings, waterstained throughout. – Modern vellum by using old material.

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MAROT, C., Les Oeuvres. Lyon, (S.) Gryphius, (1538). 90, 88 (statt 96), 32, 24 (statt 26) num. Bl. Ldr. d. 18. Jhdts. mit Rsch. und Rvg. (starke Gebrauchsspuren). 800,Baudrier VIII, 36. Von Gültlingen 467. Tschemerzine VIII, 18. – Nicht im STC und bei Adams. – „Première édition publiée sous le titre d'oeuvre, et disposée dans un ordre nouveau, elle a étée publiée en 1538 et partagée avec Etienne Dolet“ (Tschemerzine). – Lage C und die letzten beiden Bl. auf altem Papier ergänzt, auf dem Titel sowie am Ende der einzelnen Teile Einträge von alter Hand in Tinte, tls. stark wasserrandig.

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Nr. 160 Weale-B. 637. – Titel mit Kaufvermerk von 1628, im unteren Teil hinterlegt (unter etw. Bildverlust des Wappens) und mit kleinem Einriß, mehrere Bl. mit (tls. alt hinterlegten) Randausrissen (tls. kleiner Text- und Bildverlust), wenige Marginalien in Tinte, stellenw. fleckig, leicht gebräunt.

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MISSALE – MISSALE CISTERCIENSE juxta novissimam Romani recogniti correctionem editum. Paris 1788. Fol. Mit 6 Kupfertafeln und typographischem Notendruck. 29 (statt 30) Bl., 530, CIV S. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit Deckelund Rvg. sowie 2 intakten Schließen (gebrochener Vorderdeckel professionell geleimt, Bezug stärker beschabt und bestoßen, einzelne Wurmspuren). 400,-

NACHGEB.: I. Missa de solemnitate sacratissimi cordis Jesu Christi (1 Bl.). – II. Festa propria dioecesis Augustanae. (inkomplett). – Einzelne Bl. mit Ausschnitt (Textverlust) und Einrissen, tls. stärker fleckig.

Weale-B. 1790. Graesse IV, 545, Anm. – Es fehlt wohl der Vortitel. – Hinterer fliegender Vorsatz entfernt, stellenw. fleckig, leicht gebräunt.

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– MISSALE MOGUNTINUM. Compluribus in locis emendatum et ad pristinam normam ac ordinem Breviarij restitutum. Mainz, Lipp, 1602. Fol. Mit gestoch. Titelvign., ganzseit. Wappenkupfer auf dem Titel verso, 2 ganzseit. Textkupfern von J. Hogenberg und 3 wdh. gestoch. Bordüren. 30 Bl., 576, C S., 1 Bl. Beschäd. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln. 400,-

– MISSALE NOVUM ROMANUM ex decreto sacrosancti concilii Tridentini restitutum. Kempten, Klosterdruckerei, 1708. Fol. Mit gestoch. Titelvign., 11 ganzseit. Textkupfern, 10 gestoch. figürlichen Text-Bordüren, tls. von B. Kilian und Jakob Wilhelm Heckenauer nach Isaak Fisches u. a., und in den Text gedruckten Musiknoten, durchgehend gedruckt in Rot und Schwarz. 34 Bl., 632, CXV S., 1 Bl. Beschäd. blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten Schließen. 200,-

DAZU: MISSALE ROMANUM ex decreto sacrosancti concilij Tridentini restitutum Pii quinti iussu editum et Clementis octavi auctoritate recognitum. Venedig, Floravante, (um 1600).

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MYLAEUS, CH., De scribenda universitatis rerum historia libri quinque. Basel, Oporin, 1551. Fol. Mit 2 Holzschnitt-Druckermarken auf dem Titel und am Ende sowie einigen figürlichen Holzschnitt-Initialen. 4 Bl., 317 S., 1 Bl. Blindgepr. Ldr. auf Holzdeckeln (stärker beschabt und bestoßen, fleckig). 1.000,-


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Alte Drucke und alte Theologie

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PALLADIUS (HELENOPOLITANUS, BISCHOF VON ASPONA), Lausiaca quae dicitur historia, et Theodoreti religiosa historia. Quibus accessit S. Platonis, patris spiritualis vita, per Th. Studitem. Paris, Chaudière, 1570. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel und wenigen großen figürlichen Holzschnitt-Initialen. 10 Bl., 497 (recte 499) S. Blindgepr. Ldr. auf Holzdeckeln mit intakten Schließen, monogr. und dat. „IABAS 1585“ (stärker beschabt, bestoßen und fleckig). 250,STC 335. Adams P 104. – „Im Jahr 419 verfaßte Palladius eine für die Geschichte des ältern Mönchtums äußerst wichtige Schrift, nach dem Kammerherr Lausus, dem sie gewidmet ist, 'Historia Lausiaca' genannt. In ihr werden 'Gottesfreunde' aus Ost und West, Mönche und Nonnen, dargestellt, nicht in langen Schilderungen, sondern nur mit den hervorstechenden Zügen ihres gottseligen Lebens. Die geschichtliche Glaubwürdigkeit des Grundstocks dieser Erzählungen wird heute allgemein, selbst von W. Bousset, anerkannt“ (LThK VII, 897). – Im zentralen Feld des Einbandes Plattenstempel mit Wappen in architektonischem Rahmen. – Titel gestempelt und mit Besitzvermerk „Bibliotheca Barthense“, anfangs mit Vermerken von alter Hand in Tinte, stellenw. etw. fleckig. – DAZU: JOHANNES VON PARIS, Margarita evangelica sive Iesu Christi vita. Antwerpen, Woons, 1660.

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Nr. 171 VD 16 M 7363. STC 639. Adams M 2100. Brunet III, 1967. Graesse IV, 639. Ebert 14601: „Beste Ausgabe eines ziemlich seltenen und sehr merkwürdigen Buchs, welches die Grundzüge einer Natur-, Cultur-, Sitten- und Kunst-, Weltund Völker-, und Literaturgeschichte enthält, welche in einem grössern Werke ausgeführt werden sollten.“ NACHGEB.: LYKOSTHENES, C., Apophtegmatum sive responsorum memorabilium loci communes. Ebda. 1555. Fol. Mit Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel, Wappenholzschnitt auf dem Titel verso und einigen figürlichen Holzschnitt-Initialen. 14 Bl., 988 Sp. – Erste Ausgabe. – VD 16 W 4313 (Wolfhart). Graesse IV, 310. – Nicht im STC und bei Adams. – Zitate aus den klassischen Schriftstellern der griechischen und lateinischen Antike und aus dem Mittelalter und der Renaissance. – Der Humanist Lykosthenes (1518-1561), mit ursprünglichem Namen Conrad Wolfhart, war mit der Schwester des Druckers Oporin verheiratet (vgl. ADB XIX, 727). – Tls. stärker wasserrandig, leicht gebräunt. – Vorsätze, letzte Seite und Titel beider Werke mit Federproben, verschiedenen Einträgen, Kaufvermerk von 1628 sowie mehreren Besitzvermerken, dat. von 1597-1617. Endpapers, last page and title of both works with ink probes, various inscriptions, purchasing note of 1628 as well as several ownership entries, dated 1597-1617. – Blind-pressed calf over wooden boards (stronger scratching and scuffing, soiling).

PANTALEON, H., Prosopographiae heroum atque illustrium virorum totius Germaniae, pars I (-II). Tle. I und II (von 3) in 1 Bd. Basel, N. Brylinger, 1565. Fol. Mit 2 gleichen Druckermarken auf den Titeln, 2 gleichen Holzschnitt-Portrs. des Verfassers und zahlr., tls. mehrf. wdh. Holzschnitt-Portrs. 6 Bl., 291 S., 6, 4 Bl., 480 (recte 448) S., 6 Bl. Beschäd. Ldr. der ersten Hälfte des 17. Jhdts. mit reicher Deckel- und Rvg. 800,Erste Ausgabe. – VD 16 P 228-229. STC 673. Adams P 179. Ebert 15766. Lipperheide Da 2 Anm. – Hauptwerk des Basler Stadtphysikus, für das er von Kaiser Maximilian II. zum „Poeta laureatus“ ernannt und zum Pfalzgrafen erhoben wurde. – Insgesamt wurden etwa 250 verschiedene Holzschnittporträts angefertigt, wobei die Bilder zu den Biographien aus der älteren Geschichte häufig wiederholt werden und reine Phantasieprodukte sind. – Der prächtige Einband mit Eckplatten und von Sternsemé umgebener Zentralplatte im Stil der goldgeprägten Bände Jakob Krauses (vgl. Arnim 66). – Gelenk gebrochen, fliegender Vorsatz hinten entfernt, Titel mit Besitzeinträgen von alter Hand, einmal von Martin Huetter 1626, einmal des Wiener Karmeliterklosters, stark gebräunt. – Siehe Abbildung Tafel 12. First edition. – Major work by the Basle town physician. – The magnificent binding with corner medallions and with central medallion surrounded by „star semé“ in the style of the gilt stamped volumes by Jakob Krause (compare Arnim 66). – Joint broken, lower fly-leaf removed, title with ownership entries by contemporary hand, once by Martin Huetter 1626, once by the Vienna Carmelite monastery, heavily browned. – Damaged calf of the first half of the 17th century with richly gilt back and gilt on sides. – See illustration on plate 12.


Alte Drucke und alte Theologie

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VD 16 P 4903. – Diese Ausgabe nicht im STC, Index Aureliensis und bei Adams. – Kuriose volkstümliche Abhandlung über naturkundliche Vorgänge, zumal physiologische und pathologische Erscheinungen bei Mensch und Tier, mit einer Fülle von „Fragstücken“. Das Werk handelt insbesondere von verschiedenen Problemen der Zeugung und gilt gewissermaßen als ein „Aufklärungsbuch des Mittelalters“. In der Zeit vor dem Buchdruck war es auch als „Omnes homines“ bekannt. Die Texte sind aus verschiedenen Werken der großen Mediziner des Alterums kompiliert. Von der ersten Inkunabelausgabe (um 1475) bis ins 17. Jahrhundert wurden ca. 20 verschiedene Ausgaben in Latein, Deutsch, Französisch und Englisch publiziert (vgl. Ann Blair, Autorship in the Popular „Problemata Aristotelis“, in: Early Science and Medicine, Bd. IV, Nr. 3, 1999, S. 189227). – Die vorliegende Ausgabe enthält auch die „Problemata“ („Ausserlesene Fragstücke“) des italienischen Philosophen Marc-Antonio Zimara (um 1475-1537), bekannt für seine Aristoteles-Kommentare. – Sehr selten (nicht im OCLC). – Titel mit größerem restaurierten Randausriß (geringer Darstellungsverlust an der Druckermarke); gebräunt und fleckig.

PETRUS LOMBARDUS, Sententiarum libri IIII. (Lyon), A. Vincent, (1536). Mit Titelbordüre in Holzschnitt. 287 num. Bl. Pgt. d. Zt. (Kanten alt restauriert, beschabt, bestoßen, fleckig). 400,Diese Ausgabe nicht im STC, bei Adams und Baudrier, kein Exemplar in öffentlichem Besitz über den KVK nachweisbar. – Die seit 1475 in zahlreichen Ausgaben verbreiteten Sentenzen des Pariser Bischofs, „das theologische Handbuch des Mittelalters“ (LThK VIII, 166), in einem Druck von größter Seltenheit. – Gelenke gebrochen, Titel mit Besitzvermerken (tls. getilgt), etw. gebräunt, stellenw. gering wasserrandig.

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– Sententiarum libri IIII. Lyon, J. Giuntas Erben, 1570. (Ohne die Falttafel). 7 nn., 431 num., 26 nn. Bl. Spät. Pgt. (fleckig). 150,Adams P 914. – Vorsätze erneuert, Buchblock gebrochen, Titel mit Besitzvermerk, einige Unterstreichungen und Randnotizen von verschiedenen Händen, gebräunt und etw. fleckig.

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Der prächtige Einband mit reich verschlungenen floralen Motiven auf den Deckeln ist ein charakteristisches Werk des berühmten deutschen Buchbinders Jakob Krause (15311586), vielleicht für den Kurfürsten August von Sachsen (Amtszeit 1553-1586) bestimmt. Für vergleichbare Einbände Krauses, teils mit übereinstimmender Prägung, siehe den Kat. zur Palatina-Austellung 1986, Nr. E 8.4.2, mit Farbtafel 176, außerdem K. von Rabenau, Deutsche Bucheinbände der Renaissance, Brüssel 1994, Nr. 86; I. Schunke, Vorläufiges Verzeichnis der in der Sächsischen Landesbibliothek zu Dresden erhaltenen Krause-Einbände, in: Zentralblatt für das Bibliothekswesen 70, 1956, S. 256; Ch. Schmidt, Jakob Krause, Leipzig 1923, Nr. P34. – Siehe Abbildung Tafel 12.

(POLANCO, J. A.), Izpravnik za erei ispovidnici, i za pokornih (croatice). Rom, SCPF, 1635. Mit 2 Vign. in Holzschnitt auf dem Titel recto und verso. 298 S., 1 Bl. Pp. d. 19. Jhdts. (etw. beschabt, wenig fleckig). 5.500,STC 694. De Backer-S. VI, 944, 1. – Zweite Ausgabe (EA 1582) des vom spanischen Jesuiten Juan Alfonso Polanco (1516-1577) verfaßten „Breve directorium ad confessarii ac confitentis munus rite obeundum“ in kroatischer Übersetzung aus der Feder des Jesuiten Simon Budina aus Zara. – Gebräunt, wasserrandig. – Unbeschnittenes, unaufgeschnittenes und mit den beiden letzten weißen Blättern vollständiges Exemplar des sehr seltenen Druckes. – Siehe Abbildung.

Curious popular treatise on natural processes, especially physiological and pathological phenomena regarding men and animals. – Very rare (not at OCLC). – Title with larger restored tear-out in margin (minor loss of illustration at printer's mark); browned and soiled. – The magnificent binding with rich floral motifs on sides is typical for the famous German bookbinder Jakob Krause (1531-1586), perhaps intended for the prince elector August of Saxony (ruling 1553-1586). – Contemporary calf with gilt back, gilt on sides with embossing of title „Problema Aristotelis“ as supralibros on both covers as well as three-sided punched gilt edge with scroll-work (turn-in and occasionally also edges professionally restored, slightly rubbed and scuffed) in modern cloth slipcase. – See illustration on plate 12.

Second edition (first edition 1582) of the „Breve directorium ad confessarii ac confitentis munus rite obeundum“ written by the Spanish Jesuit Juan Alfonso Polanco (1516-1577) in Croatian translation penned by the Jesuit Simon Budina from Zara. – Browned, waterstained. – Untrimmed, unopened copy of the very rare printing, complete with the two last blank leaves. – Cardboard of the 19th century (a little scratched, somewhat soiled). – See illustration.

Meistereinband des Jakob Krause 172

PROBLEMATA ARISTOTELIS. Mancherley zweyfelhafftiger Fragen gründtliche erörterung und aufflösung. Frankfurt, J. Wolff, 1571. Mit Druckermarke auf dem Titel. 151 nn. Bl. Kalbldr. d. Zt. mit Rücken- und All-over-Deckelvg. mit Prägung d. Titels „Problema Aristotelis“ als Supralibros auf beiden Deckeln sowie dreiseit. punzierten Goldschnitt mit Rankenwerk (Kapital und stellenw. auch Kanten professionell restauriert, leicht berieben und bestoßen) in mod. Lwd.Schuber. 8.000,-

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QUINTILIANUS, M. F., Oratoriarum institutionum libri XII. 2 Tle. in 1 Bd. Basel, Brylinger, 1579. 3 Bl., 730 S., 8, 1 Bl., 292 S. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. (etw. fleckig, beschabt und bestoßen). 200,VD 16 Q 87. Ebert 18457 Anm.: „Neue Recognition des Textes nach Conjecturen früherer Ausleger.“ – Der „Declamationum liber“ mit eigenem Titel von 1578. – Innengelenke gelockert, letzte Lagen etw. wurmspurig, gebräunt.

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RAVISIUS TEXTOR, J., Epithetorum opus absolutissimum. Paris, Sonnius, 1587. 4 nn., 516 num. Bl. Flex. Pgt. d. Zt. (Schließbänder fehlen, etw. fleckig, beschabt und bestoßen). 120,-


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Alte Drucke und alte Theologie

Vgl. STC 373. Adams R 206/07. – Spät. Ausg. des im 16. Jhdt. beliebten Repertoriums von Epitheta als einer Anleitung zum guten lateinischen Sprachgebrauch. – Vorsatz mit kleinem Ausriß, Titel mit Besitzvermerken, gebräunt.

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REINEKE FUCHS – REINEKE DE VOSS, Dat ys: Ein schön unde nütte Gedichte, vull Wyßheit, guder Leren, unde lustiger Exempele. Hamburg, (P. Lange für) M. Frobenius, 1604. Mit zahlr. Textholzschnitten von J. Amman und Druckermarke. 8 nn., 261 (recte 263) num., 1 nn. Bl. Pgt. d. Zt. (stark beschabt, bestoßen und fleckig). 150,-

VD 16 R 1015. STC 735. Adams R 424. Menke 55, 5. Becker 5d. Andresen I, 350, 221. – Dritte Ausgabe der lateinischen Bearbeitung des Reineke Fuchs durch Hartmann Schopper mit den Holzschnitten Ammans, die vierte insgesamt. – Die Erstausgabe war 1567 mit den Holzschnitten von Virgil Solis erschienen, ehe 1575 die qualitativ wesentlich höherwertige, abwechslungsreichere Amman-Folge herauskam. – Titel mit Besitzvermerk „Sum Danielis Holeysen“, leicht gebräunt und etw. fleckig.

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Menke 293, 18. STC R 546. – Vgl. Borchling-C. 2813 (Titelaufl. 1606). – Nicht in der Slg. Böhme. – Die bekannte Fabelsammlung in der Rostocker Fassung der niederdeutschen Überlieferung, die erstmals 1539 gedruckt worden war. – Buchblock vom Einband gelöst, die erste Lage tls. lose, Vorsatz und Titel mit hs. Einträgen, Blatt 33 nur noch zu einem kleinen Teil vorhanden, einzelne Bl. mit Ein- und Ausrissen (geringer Textverlust), stellenw. stärker fleckig, gebräunt.

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– SCHOPPER, H., Opus poeticum de admirabili fallacia et astutia vulpeculae Reinikes. Frankfurt, P. Schmidt für S. Feyerabend und S. Hueter, 1567. Mit Druckermarke am Ende und 41 Textholzschnitten von Virgil Solis. 12 nn., 284 num., 1 nn. Bl. Pgt. um 1670 (leicht fleckig und bestoßen). 1.500,-

Erste Ausgabe. – STC 734. Adams R 396. VD 16 R 1345. – Genealogien zahlreicher europäischer Herrscherhäuser; eingehender behandelt sind die Karolinger und die Nachfahren Widukinds. – Vorderer Vorsatz (lose) mit Besitzvermerk, letztes Bl. mit Ausrissen am unteren Rand (außerhalb des Textes), vor allem in der zweiten Hälfte mit tls. umfangreichen ergänzenden genealogischen Marginalien in Tinte von älterer Hand, gebräunt, etw. fleckig.

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Erste Ausgabe dieser lateinischen Bearbeitung. – Menke 50, 2. VD 16 R 1012. – Nicht im STC und bei Adams. – Einzige von Virgil Solis illustrierte Ausgabe (bei den späteren wurden die Holzschnitte von Jost Amman verwendet).

Der Beiband knapp beschnitten (Verlust der Jahreszahl auf dem Titel und einiger Bogennormen), stellenw. wasserrandig und fleckig, insgesamt jedoch gutes Exemplar aus der Stolberg-Bibliothek in Wernigerode.

One of two editions in the same year. – The woodcuts show mainly liturgical acts; the illustration of Bathseba in the bath with monogram of the unknown woodcutter „C. W.“ (Nagler II, 321). – One woodcut cut up to plateline, occasionally soiled. – Modern exlibris. – Modern vellum (slightly scratched). – See illustration on plate 13.

First edition of this Latin adaptation. – Sole edition illustrated by Virgil Solis (the woodcuts by Jost Amman were used for the later ones). – Here and there waterstains and soiling, but in general a good copy from the Stolberg library at Wernigerode. – Vellum around 1670 (slightly soiled and scuffed).

– – Speculum vitae aulicae. De admirabili fallacia et astutia vulpeculae Reinikes libri quatuor. Frankfurt, (N. Basse), 1584. Mit Druckermarke auf dem Titel und 57 (9 wdh.) Textholzschnitten von Jost Amman. 10 Bl., 465 S., 8 Bl. Pp. um 1900 (beschabt, fleckig und bestoßen). 300,-

SALZBURG – LIBELLUS agendarum, circa sacramenta, benedictiones, & caeremonias, secundum antiquum usum metropolitanae ecclesiae Salisburgensis. Salzburg, J. Baumann, 1557. Mit Titelholzschnitt und 14 Textholzschnitten. 8 Bl., 240 S. Mod. Pgt. (leicht beschabt). 2.000,VD 16 A 756. STC 963. Adams L 1289. Reske 811. Durstmüller I, 63: „Typographisch bemerkenswert, mit durchgehend zweifarbigem Antiqua- und Frakturtext, Holzschnitten und Marginalien, ein Druckerzeugnis voll ausgewogener Harmonie.“ – Eine von zwei Ausgaben aus demselben Jahr. – Der Salzburger Erstdrucker Johannes oder Hans Baumann ist als fürstlicher Hofbuchdrucker von 1550 bis 1561 nachweisbar, danach als Drucker in Würzburg, wo er um 1570 verstarb. – Die Holzschnitte zeigen v. a. liturgische Handlungen; die Darstellung der Bathseba im Bade mit Monogramm des unbekannten Formschneiders „C. W.“ (Nagler II, 321). – Ein Holzschnitt bis zum Bildrand beschnitten, vereinzelt fleckig. – Mod. Exlibris. – Siehe Abbildung Tafel 13.

BEIGEB.: REINEKE FUCHS, Das ist, ein sehr nützliches, lust- und sinnreiches Büchlein. Rostock, Wilde, (1662). Mit Titelholzschnitt und 41 Textholzschnitten von Virgil Solis. 421 S., 8 Bl. – Zweite Ausgabe der Rostocker barocken Bearbeitung (diese erstmals 1650 erschienen). – Menke 341, 25. STC 552. – Die eingefügten Alexandriner stammen aus dem Umkreis der Nürnberger Pegnitzschäfer und wurden bisweilen Harsdörffer, Rist oder Zesen zugeschrieben.

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REUSNER, E., Basilikon (graece) opus genealogicum catholicum de praecipuis familiis imperatorum, regum, principum, aliorumque procerum orbis Christiani. 2 Bde. in 3 Teilen in 1 Bd. Frankfurt, N. Basse, 1592. Fol. Mit 4 (3 verschied.) Druckermarken. 8 Bl., 532 S., 1 Bl., 92 S., 2, 4 Bl. (letztes weiß), 199 S., 1 Bl. Ohne Einband. 400,-

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SCHWEIZ – STUMPF, J., Gemeiner loblicher Eydgenoschafft Stetten, Landen und Völckeren Chronick wirdiger thaaten beschreybung. Tle. I-IV (von 13) in 1 Bd. Zürich, Ch. Froschauer, 1548. Fol. Mit breiter Holzschnitt-Titelbordüre, 4 doppelblattgr. Holzschnittkarten und zahlr.


Alte Drucke und alte Theologie

Nr. 183

Nr. 182

Textholzschnitten. 6 nn., 332 num., 9 nn. Bl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten Messingschließen, monogr. und dat. „C M 1560“ (Schwanz restauriert, Bezug mit Fehlstellen, beschabt und bestoßen). 3.000,Erste Ausgabe. – VD 16 S 9864. Vischer C 396. Lonchamp 2819. Haller IV, 396. Rudolphi 333 (unter 1546!). Leemannvan Elck, Zürcherische Buchillustr., 52 ff., und Froschauer 106 ff.: „Für Leser, die sich für die Schweizergeschichte interessieren, d. h. für Ausländer, wurden die ersten vier Bücher: Europa, Germania, Gallia und Helvetia mit eigenem Register, als unabhängiger Folioband gedruckt. Für die schweizerische Buchdruckerkunst bedeutet das Monumentalwerk auf Jahrhunderte hinaus eine Höchstleistung.“ – Die für das damalige historische Wissen repräsentative Chronik galt bis ins 18. Jhdt. hinein als Autorität. Die bedeutenden Holzschnitte mit z. T. erstmals wiedergegebenen Städteansichten stammen von den Gebrüdern Wyssenbach nach H. Vogtherr d. Ä., A. Asper und H. Holbein. Die ersten vier Bücher behandeln Europa, Deutschland und Frankreich sowie die Schweizer Geschichte seit Caesar bis 1314. – Die Karten von Europa, Deutschland und Frankreich und der Schweiz. – Zusätzlich eingebunden ist die doppelblattgroße Karte der Schweiz mit angrenzenden Gebieten aus Teil 13 (Blumer 42). – Vorsatz mit Vermerk von alter Hand sowie hs. Besitzeintrag, am Ende mit kleinen Wurmlöchern (minimaler Buchstabenverlust), stellenw. fleckig. – (Sammlung Herry W. Schaefer). – Siehe Abbildung Seite 39.

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– – DASS. Mit 3 (statt 4) gefalt. Holzschnittkarten und zahlr. Textholzschnitten. 332 num., 9 nn. Bl. (ohne die 6 nn. Bl. am Anfang). Blindgepr. Ldr. d. Zt. (2 Messingschließen fehlen, beschabt und bestoßen). 400,Mit den gefalt. Karten von Europa, Deutschland und Frankreich. – Es fehlen die Titelei (Titel, Vorrede, Widmung und Inhaltsangabe) und das Blatt 259. – Bl. 242 mit Einriß, die Karten von Europa und Deutschland mit hinterlegtem Einriß, letztes nn. Bl. lose, etw. fleckig.

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TAULER, J., Predig, fast fruchtbar zu eim recht christlichen leben. Basel, (A. Petri für J. Rynmann in Augsburg), 1521. Fol. Mit breiter Titelholzschnittbordüre und zahlr. Holzschnitt-Initialen. 20 nn., CCCXVIII num. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten Schließen und (tls. verlorenen) Messingbeschlägen an den Kanten (Gebrauchsspuren). 2.000,STC 850. VD 16 J 784 (Johannes Tauler). Goed. I, 210, 5. Lonchamp 2862 (schreibt die Titelbordüre Urs Graf zu). Hieronymus 113 Anm. (vermutet als Künstler der Titelbordüre ein Mitglied der Holbeinfamilie). – Nicht bei Adams. – Erste Basler, zugleich dritte erweiterte deutsche Ausgabe dieser bedeutenden Predigtsammlung des großen Mystikers. – Spiegel mit Klebespuren und Vermerk in Tinte, fliegender Vorsatz entfernt, Titel mit tls. radiertem Besitzvermerk und Tektur, Bl. LIX mit angeränderter Fehlstelle (kleiner Textverlust), zahlr. zeitgenössische Unterstreichungen, Marginalien und Handhinweise in Tinte. – Siehe Abbildung.


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Alte Drucke und alte Theologie

Title with ownership entry of 1682, lower endpaper with entry by contemporary hand, title and some leaves with (partly restored) marginal cut-outs (not affecting text), at the beginning and the end some worming, running head here and there a little cut, some marginalia and underlinings in ink, last leaf partly loose. – Late vellum (scratched and scuffed). – See illustration.

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THEODORETUS VON CYRUS UND EVAGRIUS SCHOLASTICUS, Historia ecclesiastica. H. Valesius graeca ex mss. codicibus emendavit, latinè vertit, et annotationibus illustravit. Mainz, Beckenstein, 1679. Fol. Mit gestoch. Titelvign. 16 Bl., 585 (recte 575), 209 (recte 207) S., 11 Bl. Pgt. d. Zt., monogr. und dat. „I D O 1679“ (leichte Gebrauchsspuren). 300,STC T 278. CLC 1400. – Nachdruck der Ausgabe Paris 1673, laut Titel „nunc verò verbotenus & correctius“. – „Der letzte und beste Fortsetzer von Eusebius' Kirchengeschichte“ (Wetzer-W. XI, 1533). – Mehrfach gestempelt, anfangs mit Wasserrand. – Gut erhaltener Einband, neben dem goldgeprägten Monogramm auf dem Vorderdeckel ein zweites Monogramm in Lorbeerkranz mit Totenkopf (Vergoldung oxydiert).

185

Nr. 185 First Basle edition, at the same time third extended German edition of this famous collection of sermons by the great mystic. – Paste-down with glue traces and note in ink, flyleaf removed, title with partly erased ownership entry, covered with paper slip, leaf LIX with restored defect (minor loss of text), numerous contemporary underlinings, marginalia and notes in ink. – Contemporary blind-pressed pigskin over wooden boards with 2 intact clasps and (partly lost) brass fittings at edges (signs of wear). – See illustration.

183

TERENTIUS AFER, P., Comedie a Guidone Juvenale familiariter explanate et ab Jodoco Badio Ascensio una cum explicationibus rursum annotate cumque eiusdem Ascensii prenotamentis atque annotamentis suis locis adhibitis. Paris, N. Des Prez, 1508. Fol. Mit großer Druckermarke auf dem Titel. 156 Bl. Spät. Pgt. (beschabt und bestoßen). 800,Moreau 189. Schweiger II, 1054. Graesse VI/2, 55 Anm. – Nicht im STC und bei Adams. – Text von Kommentar umgeben. – Erstmals waren die Komödien mit diesen Erklärungen in Lyon 1505 gedruckt worden.- Die Druckermarke von J. Huguetan. – Titel mit Besitzvermerk von 1682, hinterer Vorsatz mit Eintrag von alter Hand, Titel und wenige Bl. mit (tls. angeränderten) Randausschnitten (kein Textverlust), anfangs und am Ende einzelne Wurmspuren, Kolumnentitel stellenw. etw. angeschnitten, einzelne Marginalien und Unterstreichungen mit Tinte, das letzte Bl. tls. lose. – Siehe Abbildung.

TIRAQUEAU, A., Commentarii de nobilitate, et iure primigeniorum. Paris, J. Gemet für J. Kerver, 1549. Fol. Mit Holzschnitt-Portr. auf dem Titel, Druckermarke am Ende und einigen tls. größeren Holzschnitt-Initialen. 10 nn. Bl. (letztes weiß), 424 (recte: 425) num. Bl., 1 weißes Bl., 42 nn. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. (hs. dat. „1551“) über 5 Bünden mit 2 neueren Rsch. (Bezug an den Kanten der Deckel gelöst, etw. fleckig, beschabt und bestoßen). 500,Sehr seltene erste Ausgabe. – CLC T 650. Ch. von Bar und P. Dopffel, Deutsches Privatrecht im 16. und 17. Jahrhundert, Bd. II, Tübingen 2001, S. 752. – Vgl. Adams T 738 (Ausg. Basel 1561). STC 422. Cioranescu 21203 (beide die Ausg. Lyon 1566). Brunet 28787 (4. Ausg. Lyon 1617). – „C'est une véritable encyclopédie dans laquelle Tiraqueau traite de la noblesse en général et de chaque état particulier à celle ci, de son rang et de son échelle sociale“ (Saffroy). – Die Einbanddeckel mit mehreren Bordüren aus Rollenstempeln (Caritas, Fides, Spes und Profilköpfe im Rund). – Vorderes Innengelenk gebrochen, vordere Vorsätze gelöst, fliegender Vorsatz mit Besitzvermerk von Theodor Ilsung (im späten 17. Jahrhundert Stadtrat in Augsburg); leicht fleckig und gebräunt. – Siehe Abbildung.

186

TROGUS POMPEIUS, (Historiae Philippicae). Köln, J. Gymnich, 1543. Mit Druckermarke auf dem Titel und einigen hübschen Initialen. 16 Bl., 348 S., 2 Bl. Spät. Hpgt. 150,VD 16 T 2057. Grimm 196. – Die gedruckten Marginalien stellenw. angeschnitten, sonst gut.


Alte Drucke und alte Theologie

187

First edition. – Endpapers with library label and major worming, book-block with some worming (hardly affecting letters), here and there soiling, browning. – Engraved armorial bookplate M(ountstuart) Elphinstone. – Contemporary limp vellum (major worming, scratched, scuffed and soiled).

188

190

KONVOLUT – Ca. 50 Werke meist theologischen Inhalts. Verschied., oft restaurierte Einbände. 300,-

191

– Ca. 60 theologische Werke in ca. 90 Bdn., vorwiegend aus dem 17. und 18. Jhdt. 500,Mehrbändige Werke tls. unvollständig. – Durchwegs stattliche Bände im Folioformat, vielfach in Einbänden aus blindgeprägtem Schweinsleder.

192

VERGILIUS (MARO, P.), L'eneide di Virgilio, del commendatore Annibal Caro. Treviso, E. Deuchino, 1603. 4°. Mit 2 Druckermarken. 4 Bl., 556 S. Flex. Pgt. d. Zt. (mit kleinen Fehlstellen, beschabt, fleckig). 300,STC 964. Graesse VI/2, 363. Schweiger II, 1230 (beide wohl fälschlich 1604). – Klassische Übersetzung in etw. späterer Ausgabe, erstmals 1581 erschienen. – Titel mit Besitzvermerk, leicht gebräunt, etw. fleckig.

189

Vgl. Adams F 376. – Nicht im STC. – Eine von 2 kollationsgleichen Lyoneser Ausgaben aus demselben Jahr (die andere ist bei G. Rouillé erschienen). – Umfangreicher Kommentar zum Johannesevangelium aus der Feder des berühmten Mainzer Dompredigers Johann Wild (14941554). – Titel mit Besitzvermerk, zweite Hälfte des Buches mit Wurmloch (etw. Textverlust), leicht gebräunt.

VELLEIUS PATERCULUS, C., Historiae Romanae duo volumina. Basel, Froben, 1520. Fol. Mit Titelbordüre, 2 Textbordüren von H. und A. Holbein und 2 großen Druckermarken (alles in Holzschnitt). 6 nn., 70 num., 7 nn. Bl. Flex. Pgt. d. Zt. (größere Wurmspuren, beschabt, bestoßen und fleckig). 1.500,Erste Ausgabe. – VD 16 V 516. STC 886. Adams P 413 (Paterculus). Schweiger II, 1124: „Nach der einzig bekannten, aber bis jetzt noch nicht wieder aufgefundenen Handschrift des Klosters Murbach im Oberelsass.“ – Vorsätze mit Bibliotheksetikett sowie größeren Wurmspuren, Buchblock mit kleinen Wurmspuren (kaum Buchstabenverlust), stellenw. fleckig, gebräunt. – Gestoch. Wappenexlibris M(ountstuart) Elphinstone.

57

– Ca. 130 theologische Werke in ca. 170 Bdn., vorwiegend aus dem 17. und 18. Jhdt. 8° und 4°. 400,Mehrbändige Werke tls. unvollständig. – Kompakte Bände in Einbänden aus Pergament oder blindgeprägtem Schweinsleder.

193

– Ca. 550 theologische Werke in ca. 850 Bdn., vorwiegend aus dem 18. Jhdt. 1.000,Mehrbändige Werke tls. unvollständig. – Meist im Oktavformat, einige auch in Quart. Meist braunes Ldr. d. Zt. mit reicher Rückenvergoldung.

WILD (FERUS), J., In sacrosanctum Iesu Christi Domini nostri evangelium secundum Ioannem. Lyon, J. de Millis, 1557. 16 nn., 560 num. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten Schließen (fleckig). 150,-

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Nr. 207


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Einzelblätter

Nr. 205

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BUCHHOLZSCHNITTE – DRUCKSTÖCKE – Sammlung von 14 Druckstöcken für Textholzschnitte des 16. Jhdts. Verschied. Formate. 300,Aus der Holzschnitt-Illustration zu Werken verschiedener Gebiete stammende Druckstöcke: Tierfabeln, Berufe und Stände (darunter der Bäcker aus dem „Ständebuch“ des Jost Amman, 1568) sowie biblische und allegorische Szenen. – Die acht kleinen querformatigen Druckstöcke (ca. 3,8 x 4,5 cm) zeigen vier Illustrationen zu Fabeln und vier Berufsdarstellungen (darunter zwei Jagdszenen). Diese recht einfachen Holzstöcke dürften noch aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammen. Die sechs größeren Stöcke (ca. 6,5-9,5 x 6-7 cm) mit dem Sündenfall, zwei Berufsdarstellungen, einer Allegorie u. a. wohl etwas später (ca. 1550/70). –Stärke der Druckstöcke ca. 2-2,3 cm. – Rückseiten tls. mit Einrissen und Ausbrüchen.

195

– LIRER, TH., Schwäbische Chronik. 2 Bl. mit ganzseit. Textholzschnitten (Bildgr.: 18,1 x 11,4 cm). Ulm, C. Dinckmut, 1486. Blattgr.: 23,1 x 17 cm. 200,GW M18412. Muther 355. Schramm VI, 138 und 139. – Die Blätter mit den Holzschnitten Nr. 11 (Gespräch des Priesters Eusebius mit Konstantin und Helena) und Nr. 12 (Wunder der hl. Clareta). – Ein Bl. mit kleinem Einriß, Ränder etw. gebräunt und fleckig.

196

– SCHEDEL, H., Das Buch der Chroniken. 2 Bl. mit zus. 6 altkolor. Textholzschnitten von M. Wolgemut und W. Pleydenwurff, darunter die Stadtansichten von Bologna und Istanbul. Nürnberg, A. Koberger, 1493. Blattgr.: ca. 43 x 29 cm. Unter Passepartout. 150,-


60

Einzelblätter

Blätter XIX und LXII der deutschen Ausgabe. – Bl. LXII mit großem, mit Klebstreifen hinterlegten Einriß in den Stadtansichten, Bl. LXII mit kleinem Durchbruch in der Stadtdarstellung; Ränder tls. schadhaft, etw. gebräunt und fleckig.

197

– – Das Buch der Chroniken. 2 Bl. mit zus. 13 altkolor. Textholzschnitten von M. Wolgemut und W. Pleydenwurff, darunter die Stadtansicht von Trier. Nürnberg, A. Koberger, 1493. Blattgr.: ca. 43 x 29 cm. Unter Passepartout. 200,-

wohnte. Simon erklärt, er habe auf der Reise von Fürth nach Bamberg zur Herbstmesse mehrere Wertgegenstände verloren, die ihm nicht gehörten, da er nur der Geschäftsträger sei, und bittet den Finder um Rückgabe. Weiterhin suche er eine freie städtische „Meß-boutique“ zur Pacht. – Wie einem beiliegenden Zeitungsausschnitt zu entnehmen ist, hatte der Rabbi sein Flugblatt eigenmächtig als Beilage zu jener Zeitung „gegen Versprechung eines 24r Tragerlohns“ durch die Zeitungsträger verteilen lassen, wogegen sich der Herausgeber verwahrte. – Gefaltet.

202

Blätter XXIII und XXXIIII aus der deutschen Ausgabe, u. a. mit den Stadtansichten von Damaskus, Korinth, Tiberias und Trier. – Ränder tls. schadhaft; etw. gebräunt und fleckig.

198

– – Das Buch der Chroniken. 3 Bl. mit zus. 15 altkolor. Textholzschnitten von M. Wolgemut und W. Pleydenwurff. Nürnberg, A. Koberger, 1493. Blattgr.: ca. 43 x 29 cm. Unter Passepartout. 200,-

Unbekannter Druck. – Eine Allegorie auf den (zukünftig) erblühenden bayerischen Staat unter der Herrschaft der Wittelsbacher. Im Vordergrund Kriegsgerät und Handelswaren unter der kurfürstlichen Krone, seitlich ein Ausblick in blühende Landschaften, darüber ein Genius mit Schriftrolle: „Die Reizende Gefilde Bojariens künftigen Jahrhunderts“. Als Wermutstropfen ist im Hintergrund das Grabmal des 1784 achtjährig verstorbenen Prinzen Karl August Friedrich von Pfalz-Birkenfeld-Zweibrücken dargestellt. – Der Verfasser gehörte möglicherweise dem um 1787 gegründeten Orden der „Wahren Patrioten und Menschenfreunde“ an. – Von uns bibliographisch und in öffentlichen Bibliotheken nicht nachweisbar. – Knapp beschnitten, Mittelfalz, kaum gebräunt.

Blätter L (mit Ansicht der Ruinen von Jericho), CLI (mit der Darstellung Mohammeds) und CCXII der deutschen Ausgabe. – Ränder tls. schadhaft; etw. gebräunt und fleckig. – Beiliegend Bl. CXXV aus der lateinischen Ausgabe.

199

– – Das Buch der Chroniken. 2 Bl. mit zus. 12 altkolor. Textholzschnitten von M. Wolgemut und W. Pleydenwurff. Nürnberg, A. Koberger, 1493. Blattgr.: ca. 44 x 30 cm. 150,Blätter CXLIX und CCXLV der deutschen Ausgabe, u. a. mit Holzschnitten der Kreuzigung und Gregors des Großen und einiger weiterer Porträts. – Breite Ränder etw. fleckig und mit einzelnen Ausrissen.

200

201

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EINBLATTDRUCKE – ABLASSBRIEF – NÜRNBERG – „Heyl und Babstlichen segen allen Christglawbigen“. Einblattdruck. Mit Holzschnitt-Initiale. O. O., Dr. und Jahr (Nürnberg?, nach 1517). Fol. (Blattgr.: 42,5 x 31 cm). 400,Ablaß für alle Gläubigen, die vom Sonntag Lätare bis Ostersonntag dem Heilig-Geist-Spital in Nürnberg Almosen spenden, sowie Verleihung des Rechts der Absolution in bestimmten, sonst dem Heiligen Stuhl vorbehaltenen Fällen an die Pröpste der Nürnberger Kirchen Sankt Sebald und Sankt Lorenz. – In der Narratio wird das Heilig-Geist-Spital mit allen seinen Einrichtungen ausführlich gewürdigt einschließlich der Weisung seiner Reliquien sowie der dort verwahrten Reichskleinodien. Ausgestellt in Viterbo, am 1. 10. 1517, mit gedruckter Signatur des päpstlichen „Phi(lippus) de Senis“. – In der Mitte gefalzt (im Knick winzige Fehlstellen), Ränder stärker gebräunt und leicht fleckig. – Seltenes Zeugnis zur Geschichte Nürnbergs im Vorfeld der Reformation.

– BAMBERG – „BEKANNTMACHUNG.“ Einblattdruck. Bamberg, o. Dr., 1821. 4°. 150,Als Zeitungsbeilage verbreitetes Flugblatt, unterzeichnet von einem „Simon, Ex-Rabbi aus Hamburg“, der zu dieser Zeit im Gasthof Traubenwirt im Steinweg 587 in Bamberg

– BAYERN – „Geographisch- Historisch- und Oeconomisches Ideal über die Freudenbezeigung eines wahren Patrioten die erhallen zween Himmlische Geschaencke betrefend. Gewidmet dem Vaterlande ad. 1787.“ Einblattdruck (Kupferstich von J. N. Maag nach unbekanntem Entwerfer) mit dreispaltigem gestoch. Text. O. O., Dr. und J. (München 1787). Plattengröße: 39,9 x 29 cm. 300,-

– BELGRAD – „Platte Grond der Stadt en Vesting Belgrado ... Anno 1717.“ Einblattdruck mit großem Kupferstich und dreispaltiger typographischer Legende. O. O., Dr. und J. (Amsterdam, Schenk, 1717). Blattgr.: 61,4 x 51 cm. 150,Drugulin II, 3942. Halle, Newe Zeitungen, 1764. – Lageplan zur Befreiung Belgrads von der Türkenbesatzung durch den Prinzen Eugen von Savoyen. – Bis an die Darstellung beschnitten, zwei hinterlegte Falze, an den Rändern einige restaurierte Läsuren (wenig Darstellungsverlust).

204

– GIBRALTAR – „Prospect von Gibraltar mit seinen Werken, umliegenden Gegenden und iezigen neuen Belagerungs-Anstalten. Gezeichnet ... im Jahr 1782.“ Einblattdruck mit Kupferstich (von D. Berger) und dreispaltigem typographischen Text. O. O., Dr. und J. (Berlin 1782). Blattgr.: 44,1 x 36,5 cm. 200,Drugulin 5109. – Seltenes Blatt zur großen Belagerung 1779-83. Die präzise Ansicht von dem Berliner Kupferstecher Daniel Berger (1744-1825) ist mit einer ausführlichen Legende versehen (zusammen 94 Nummern). – Mehrere Falze, Ränder leicht gebräunt.


Einzelblätter

205

Drugulin II, 1257 (unter 1612). Nagler XIII, 114 (fälschlich betitelt: „belehnt die Stadt Frankfurt“). Trunkenbrot, Nachrichten zur Geschichte der Stadt Nürnberg, Bd. I, 1785, S. 457. Murr, Merkwürdigkeiten in der Reichsstadt Nürnberg, 2. Ausgabe, 1801, S. 344. – Die Investitur der Stadt Nürnberg mit den böhmischen Kronlehen im Jahre 1612 durch den kurz zuvor erwählten Kaiser Matthias. Die Umrißradierung fertigte Johann Gottlieb Prestel (17391808) nach einem Gemälde von Johann Georg Kreutzfelder, das sich in der Ritterstube der Nürnberger Burg befindet. Prestel hatte 1772 auch eine Kopie in Öl von diesem Bild angefertigt. Die Schrift, gestochen von Paul Küffner, wurde ebenfalls vom Original übernommen. – Trunkenbrot und Murr nennen die Datierung 1772. Im Katalog „Kunst kommt von Prestel“, 2008, wird unter dem Jahr 1772 nur das Gemälde erwähnt (S. 13). – Auf festem Büttenpapier. – Mehrere Rand- und Falzeinrisse. – Selten.

– GOLDSCHLÄGER – FÜRTH – „Ein Buch Metall darin seynd 250 blatt. Georg Balthas. Kübler Senior Goldschlager in Fürth“. Einblattdruck (Kupferstich) als Deckblatt für ein Buch mit Blattmetall. Fürth, wohl frühes 18. Jhdt. 8,7 x 10,3 cm. (Blattgr.: 22,5 x 18,5 cm). 150,Sehr seltenes Dokument zur Geschichte der Fürther Goldschläger, die dieses Gewerbe seit etwa 1700 in der Stadt ausübten. Das Blattgold oder andere Metallblätter wurden in Form von Paketen, die in Papier eingeschlagen waren, verkauft. Das meist mit einer religiösen Darstellung versehene Deckblatt (hier die Auferstehung Christi) gab über Inhalt und Hersteller Auskunft. – Etw. gebräunt und fleckig. – Unbeschnittener Bogen. – Siehe Abbildung Seite 59.

206

– KARIKATUREN – BISMARCK – „Le Grand Ôgre allemand.“ Einblattdruck (altkolor. Lithogr.) mit lithogr. Text. Epinal, Pinot und Sagaire, o. J. (um 1870). Blattgr.: 40,7 x 27,9 cm. 80,-

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Bismarck als Ungeheuer, die gekrönten Häupter Europas verschlingend. Karikatur der „Imagerie“ von Epinal aus der Zeit um den deutsch-französischen Krieg 1870/71. – Auf Trägerpapier aufgelegt, etw. gebräunt. – 2 Beilagen.

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– NÜRNBERG – „Alß der Allerdurchleuchtigist Großmechtigist, Unüberwindlichist Fürst und Herr, Herr Matthias erwehlter Römischer Kaiser, ... den andern Tag Julii Anno Sechzehenhundert und Zwölffe, hieher gen Nürnberg gelanget ...“ Einblattdruck mit großer Umrißradierung von J. G. Prestel (nach J. G. Kreuzfelder; 45,8 x 51,4 cm) und gestochener Schrift von P. Küffner. (Nürnberg 1772). Blattgr.: 63,5 x 57,2 cm. 400,-

– PAPSTTUM – „Deß Bapstes Frevel unnd Sanct Peters Eyffer uber Christi des Herren Binde und Löse Schlüssel“. Einblattdruck mit großem Holzschnitt von T. Stimmer. O. O., Dr. und J. (gegen 1600?). Blattgr.: 32,5 x 20,5 cm. 100,Antipäpstliches Flugblatt von äußerster Seltenheit. – Vgl. E. Weller, Polemische, satirische und Lehr-Gedichte, in: Serapeum XXIX, 1868, S. 253, Nr. 158 (datiert um 1620). Paas P-299 (beide eine Variante mit dreispaltigem Text). – Gereimter Dialog, in dem Petrus den Papst als seinen Statthalter zur Rechenschaft zieht. Der Papst antwortet auf die Anschuldigungen mit einem Bekenntnis; dieses endet: „Ich aber bin der Antichrist“. Der schöne Holzschnitt mit einer wüsten Prügelei um den Schlüssel zwischen Petrus und dem Papst, dem ein Dämon beisteht. – Paas führt noch zwei weitere Varianten an, deren früheste die Jahreszahl 1577 trägt (PA 72: „The woodcut was done by Tobias Stimmer, and the verses may have been written by Johann Fischart“). – In der Variante Paas P-299 (diese auch bei Weller), deren Titel ganz mit unserer übereinstimmt, folgt auf das Bekenntnis des Papstes noch eine Antwort Petri; dagegen fehlt hier die einfassende ornamentale Bordüre unserer Variante. Vermutlich ging unsere Fassung der von Paas voraus. – Auf Papier mit dem Wasserzeichen eines großen Adlers (ähnliche Formen bei Piccard ins ausgehende 16. Jahrhundert datiert). – Linker Rand und mehrere größere Einrisse hinterlegt, etw. gebräunt und stockfleckig.

– LUTHER – „Doctor Martin Luther in das Glaubensbeken(n)tniß des heiligen Bischofs Athanasii gekleidet u. mit dem Apostol u. Nicenischen Glaubensbeken(n)tnis umfasset. Allen Verehrern dieses großen Mannes gewidmet.“ Einblattdruck (Kupferstich) von Th. Goetz. Weimar, Goetz, 1817. Plattengr.: 51,5 x 21 cm. 200,Anläßlich des Reformationsjubiläums erschienener Einblattdruck in aufwendiger Gestaltung: Gewand und Umrahmung der Standfigur Luthers bestehen aus den beiden christlichen Glaubensbekenntnissen in sehr kleiner gestochener Schrift nach Art der „Carmina figurata“, eingefaßt von einer Rankenbordüre nach spätantikem Vorbild. Intention war offensichtlich die bildliche Darstellung der Verankerung von Luthers Lehre im Frühchristentum. Der Kupferstich wurde 1817 für das Lutherhaus in Eisleben angefertigt (Ch. G. Berger, Kurze Beschreibung der Merkwürdigkeiten, die sich in Eisleben, und in Luthers Hause daselbst besonders, auf die Reformation und auf D. Martin Luther beziehen, 2. Aufl., Merseburg 1827, S. 146, Nr. 6). – Theodor Goetz (1779-1853) war Kupferstecher am LandesIndustrie-Comptoir in Weimar. – Schmaler Rand oben ein wenig gebräunt, leichte Knickspuren. – Siehe Abbildung Seite 58.

61

210

– POLNISCHER THRONFOLGEKRIEG – Mandat zur Kriegserklärung Kaiser Karls VI. an Frankreich vom 10. März 1734. Ausfertigung für Friedrich Karl von Schönborn, Fürstbischof von Bamberg und Würzburg. Einblattdruck aus 2 Teilen. Dat. Wien 13. 3. 1734. Blattgr.: 80,3 x 52 cm. – Ein Falzeinriß; leicht gebräunt. 200,-

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– PROGNOSTICON – Fragment eines Kalenders mit Jahresvorhersage. Einblattdruck mit 26 kleinen Holzschnitten. Nürnberg, Ch. Gutknecht, (1547). Blattgr.: 37,4 x 25 cm. 150,Ein Teil eines offenbar nicht bekannten Blattes mit Kalender und Vorhersagen für das Jahr 1548 (vielleicht im Zusammenhang mit der „Practica“ des Simon Heuring staehend;


62

Einzelblätter

1678. – Große Ausrisse am unteren und rechten Rand mit einigem Textverlust und Verlust des Impressums; der Kupferstich nur mit leichtem Verlust im Bereich der Legende. Leicht gebräunt.

213

– SAPHIR – „Generalpardon an alle schlechte Komödianten. erlassen von M. G. Saphir, siehe Bazar No. 304. den 1ten Decbr. 1830.“ Einblattdruck (Lithogr.) mit großer Darstellung (26 x 34 cm) und lithogr. Text. O. O., Dr. und J. (München, Kranzfelder?, 1830). Blattgr.: 48,5 x 39,5 cm. 150,Goed. IX, 549 (Nachtrag zu S. 161, 24: „Abschied von Bayern“). Maillinger II, 395. – Der von dem bekannten Satiriker Moritz Georg Saphir (1795-1858) verfaßte Text wurde in der genannten Ausgabe des „Bazar für München und Bayern“ (Mittwoch, 1. 12. 1830, S. 649-52) veröffentlicht. Dort ist allerdings nicht die Rede von einer Bildbeilage, so daß davon auszugehen ist, daß das vorliegende Flugblatt unabhängig von der Zeitschrift erschienen ist, aber vielleicht bei demselben Verleger. – Die Darstellung zeigt die Verlesung des „Generalpardons“ durch den Autor vor bekannten Münchener Schauspielern der Zeit (namentlich aufgeführt bei Maillinger) und stammt wohl von Jacob Friedrich Hahn (vgl. eine Anzeige im Augsburger Tagblatt vom 2. April 1832, Nr. 93, S. 376: „lithographirt von Maler Hahn“). – Ränder fleckig und mit kleinen Läsuren. – Selten.

214 Nr. 215 VD 16 H 3291). Ein bei Christoph Gutknecht in diesem Jahr erschienener Einblattdruck ist für uns jedenfalls nicht ermittelbar. Gutknecht war laut Reske (S. 678) in den Jahren 1542-48 in Nürnberg tätig. In diesem Zeitraum fällt der Ostertermin nur im Jahr 1548 auf den ersten April, wie in unserem Blatt angegeben. Die kleinen Holzschnitte mit biblischen Szenen. – Stellenw. kleine Wurmspuren (wenig Buchstabenverlust), Ränder mit einzelnen kleinen Ausrissen.

212

– RÜGEN UND STRALSUND – „Eigentlicher Abriß und Beschreibung der Insul Rügen und der Stadt Strahlsund: Und wie die Insul Rügen von Ihro Königlichen Majestät von Dännemarck, und Ihro Churfürstlichen Durchlaucht von (Brandenburg eingenom)men, und darauf die Stadt Strahlsund belagert, beschossen und endlich durch erschröckliches Feuer-Einwerffen bezwungen word(en).“ Einblattdruck mit Kupferstich und dreispaltigem typographischen Text. (Hamburg, Wiering, 1678). Blattgr.: 44 x 32 cm. 150,Vgl. Drugulin II, 2966. – Sehr seltene Beschreibung von Rügen und Stralsund anläßlich der Einnahme der Stadt durch die brandenburgisch-preußischen Truppen im Jahre

– TÜRKENKRIEGE – „Eigentliche Abbildung, sambt einer warhafften und außführlichen Beschreibung derjenigen herrlichen Victorie, welche die christliche Armee, underm Commando ... Ihrer Chur-Fürstlichen Durchl. auß Bayrn, etc. Maximiliani Emanuelis, etc. Unweit Siclos ... wider Dero Erbfeind, den Türcken, erhalten hat den 12. Augusti, Anno 1687.“ Einblattdruck mit großem Kupferstich von 2 Platten und vierspaltigem typographischen Text. München, Rauch für Wening, (1687). Imp.-Fol. (Blattgr.: ca. 88,5 x 71,5 cm). Unter Glas gerahmt. 800,Drugulin II, 3260. – Monumentales Blatt zum Türkensieg, den Kurfürst Max Emanuel in der Schlacht am Berge Harsán errungen hatte. Mit dieser Schlacht wendete sich der fast verlorene Feldzug des Jahres 1687 doch noch in einen Triumph. – Sehr selten (KVK ohne Nachweis, nicht im VD 17). – Rechter oberer Rand mit restauriertem Ausriß bis zur Blattmitte (an einer kleinen Stelle auch geringer Darstellungsverlust), knapp beschnitten, leicht gebräunt. – (Sammlung Herry W. Schaefer). Monumental leaf regarding the victory over the Turks achieved by prince elector Max Emanuel in the battle at mount Harsán. With this battle the almost lost campaign of the year 1687 turned into a triumph. – Very rare (KVK without recording, not in VD 17). – Upper right margin with restored tear-out till middle of illustration (minor loss of illustration at a small place), closely trimmed, slightly browned. – Framed under glass. – (The property of Herry W. Schaefer).


Einzelblätter

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Nr. 219

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– UDINE – THESENBLATT – „De deo uno, et trino. De verbo incarnato. ... D. D. Bartholomaeo Gradonico Archiepiscopo Utinensi ... Has theses ex sacra theologia selectas Joannes Baptista Florentini in pubblicum obsequii, et ... publice defendendas exponit assistente Petro Busulini in seminario Utinensi sagrae theologiae professore. Disputabuntur Utini Die ... Decembris anno 1764.“ Einblattdruck (Mezzotinto von G. Heiss in Augsburg nach J. G. Eckard) mit großer Darstellung (47 x 37 cm) und eingedrucktem dreispaltigen typographischen Text. Udine, de Pedro, o. J. (1764). Plattengr.: 58 x 37,1 cm. Unter Passepartout. 300,Schönes theologisches Thesenblatt zum Thema Dreieinigkeit und Fleischwerdung des Wortes anläßlich der theologischen Promotion eines Giovanni Battista Fiorentini unter dem Vorsitz des Professors Pietro Busulini. – Die kräftige Mezzotinto-Radierung mit einer Lamm-Gottes-Darstellung (Jesusknabe mit dem Lamm unter geöffnetem Him-

mel) trägt die Stechersignatur „In Chalc. Gottlieb Heiissii sc. et exc. A. V.“, aufzulösen wohl als Gottlieb II. Heiss, Schabkunststecher in Augsburg (Sohn des gleichnamigen berühmteren Stechers, der bereits 1740 gestorben ist). – Leichte Knickspuren, Ränder mit kleinen Schäden. – Sehr selten. – Siehe Abbildung.

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– VERORDNUNGEN – BLASPHEMIE – Mandat Herzog Wilhelms V. von Bayern gegen Gotteslästerung und Trunkenheit. Einblattdruck aus 2 Teilen. Dat. München 21. 1. 1589. Blattgr.: 72 x 51 cm. – Mit papiergedecktem Siegel. – Mehrere Papierdurchbrüche im Rand, entlang der Falze auch im Text (Verlust einzelner Wörter), stellenw. gebräunt. 300,-

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– – GETREIDEHANDEL – Mandat Albrechts V. von Bayern. Einblattdruck aus 2 Teilen. Dat. München 3. 9. 1571. Blattgr.: 62,5 x 45 cm. – Mit papiergedecktem Siegel. 200,-


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Einzelblätter

Einschränkungen hauptsächlich des Getreidehandels (Ausfuhrverbot) in der großen Hungersnot des Jahres 1571. – Vor allem im unteren Teil fast alle Falze gerissen (geringer Buchstabenverlust), etw. gebräunt.

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221

– – MÜNCHEN – Wirtshausordnung Kurfürst Maximilians I. Einblattdruck aus zwei Teilen. O. O., Dr. und J. (München 1631). Blattgr.: 66,3 x 44 cm. – Mit papiergedecktem Siegel. 250,VD 17 12:128532N. – „Ordnung der Wirth und Preuen, sonderlich wie dieselbige sich gegen den Gösten mit der Zehrung halten sollen.“ – Enthält u. a. eine Beschreibung der Menüfolge und Anweisungen für den Ausschank von Bier und Wein. – Stellenw., vor allem entlang der Falze, etw. gebräunt und stockfl., unbeschnitten.

219

– ZEICHENMASCHINE – „Limomachia ... The new-invented Machine for taking Likenesses ... by Raphael Pinion, Portrait-Grinder, At his Manufactory, in Liecester Square.“ Einblattdruck aus 2 Teilen mit kleiner Radierung und typographischem Text. O. O., Dr. und J. (London, um 1825). Blattgr.: 40,4 x 21,7 cm. 200,Werbeblatt eines Londoner Porträtisten, der eine Zeichenmaschine erfunden hatte, mit deren Hilfe die Physiognomie direkt zu Papier gebracht werden konnte. Die karikaturhafte Darstellung zeigt den Apparat in Aktion. – In den Katalogen verschiedener Sammlungen wird das Blatt um 1750 bzw. 1780-1800 (British Museum) datiert. Die tatsächliche Entstehungszeit liegt jedoch um 1825, da das für unser Exemplar verwendete Velinpapier ein Wasserzeichen mit Datum 1822 trägt. – Oberer und unterer Rand etw. knittrig, Mittelfalz gering gebräunt. – Selten. – Siehe Abbildung.

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Überaus dekoratives, besonders fein illuminiertes und kalligraphiertes Blatt, mit im Nashki-Duktus abgefaßten Gebeten. Das nicht paginierte Blatt stammt wahrscheinlich aus einem fürstlichen Taschengebetbuch mit den berühmten „Dala'il al-hairât“ des Muhammad al-Gazuli. – Im unteren Rand kleiner Papierdurchbruch, leicht knittrig, kaum gebräunt.

222

PERGAMENTBLÄTTER – BIBLIA LATINA – Einzelblatt aus einer Handschrift auf Pergament. Wohl frühes 14. Jhdt. Ca. 36 x 26 cm. Rubriziert. 2 Sp. 46 Zl. 200,Aus dem 17. und 18. Kapitel des vierten Buchs der Könige, abgefaßt in gotischer Minuskel. – Makulaturbl., Ränder mit Ausrissen, stärker gebräunt und fleckig. – Beiliegend 2 Makulaturbl.: eines mit einer Hs. des 15. Jhdts. (wohl aus einem Brevier) und eines aus einem gedruckten Meßbuch der Zeit um 1500.

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MINIATUREN – HÖFISCHE SZENE. Einzelblatt mit Miniatur in Deckfarben und Goldhöhung aus einer persischen Handschrift. Persien? um 1600. Blattgr.: 19,1 x 11,3 cm. Darstellungsgr.: 14,3 x 7 cm. 300,Das Anfangs- oder Schlußblatt mit unbeschriebener Rückseite aus einer prächtigen höfischen Handschrift. In ornamental gestalteten Rahmen sind vorne vier sitzende Musikanten zu sehen, in der Mitte zwei ebenfalls sitzende Männer mit einer Fruchtschale, im Hintergrund stilisierte Architektur. Alle Personen tragen Turbane mit Stäben, die im frühen 17. Jahrhundert aus der Mode gekommen sind, so daß eine Datierung um 1600 oder früher zu vermuten ist. – Alt hinterlegt mit zwei größeren Einrissen (kleine, restaurierte Fehlstellen im Randbereich der Darstellung), Farben wohl tls. etw. aufgefrischt. – Beiliegend ein Blatt aus einem osmanischen Koran des 18./19. Jhdts. mit dem Beginn der Sure Al-Furquan. – Siehe Abbildung Tafel 13.

– MUHAMMAD AL-GAZULI, Dala'il al-hairât. („Die Beweise der Wohltaten“). Einzelblatt aus einer arabischen Handschrift auf geglättetem Papier. Wohl Osmanisches Reich, um 1800. Blattgr. ca. 12,5 x 7,5 cm. Schriftspiegel: 9,9 x 5,7 cm. Mit Textrahmen in Gold, je einer Einfassung der Überschriften auf der Vorder- und der Rückseite in Gold und Deckfarben sowie Eckstücken und einigen Verstrennern. Unter doppelseitigem Passepartout. 150,-

– KALENDARIUM – 2 Blätter aus einem lateinischen Stundenbuch. Wohl Frankreich, spätes 15. Jhdt. Blattgr.: ca. 16,5 x 11,8 cm. Mit je einer Initiale „KL“ in Deckfarben mit Goldhöhung. Schrift in blauer, roter und brauner Tinte. In Rot regliert. Schriftspiegel: ca. 9,8 x 6,8 cm. 17 Zl. Unter Passepartout. 200,Blätter der Monate Juli und August. – Juliblatt recto mit späterer französischer Notiz am unteren Rand; Ränder wenig gebräunt und fleckig.

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– LEKTIONAR – Doppelblatt aus einer lateinischen Handschrift auf Pergament. Wohl mittleres 14. Jhdt. Ca. 21 x 27,5 cm (Schriftspiegel: 15,5 x 10,5 cm). Mit vierzeiliger Initiale in Deckfarben mit Blattwerk und 9 zwei- bis dreizeiligen Initialen in Rot und Blau mit etw. Fleuronné. 2 Sp. 33 Zl. Unter doppelseit. Passepartout. 300,Dekoratives Doppelblatt in sauberer gotischer Textualis. Die Rectoseiten mit Foliierung der Zeit: „CCLXXXXII“ und „CCLXXXXV“. – Leicht gebräunt.


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Naturwissenschaften

Nr. 480

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ACTA Academiae Electoralis Moguntinae Scientinarum que Erfurti est. Bde. I-III (von 12) in 2 Bdn. Erfurt, Wittekind und Keyser, 1777-80. 4°. Mit 10 gefalt. Kupfertafeln. 12 Bl., 250 S., 4 Bl., 280 (recte 270) S.; 8 Bl., 304 S. Ldr. d. Zt. mit 2 Rsch. und Rvg. (beschabt und bestoßen). 200,Kirchner 320. – Erschien unter dem vorliegenden Titel bis 1796. – Fleckig. – DAZU: NOVI COMMENTARII Societatis Regiae scientiarum Gottingensis. Bde. I-IV und VII in 4 Bdn. Göttingen, Dieterich, 1771-77. Mit zahlr. Kupfertafeln. – COMMENTATIONES Societatis Regiae scientiarum Gottingensis. Bd. XV. Ebda. 1804. Mit 11 gefalt. Kupfertafeln.

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DARWIN, CH., (Opere). 12 Werke, davon 10 in erster italienischer Ausgabe, in 12 Bdn. Turin, UTET, 1872-90. Mit Portr., 9 (2 gefalt.) Tafeln und einigen Abb. im Text. Uniformes Hldr. d. Zt. (Gebrauchsspuren). 500,-

Aus der in Einzelbänden erschienenen Ausgabe der „Opere complete“ von Charles Darwin. – Vorhanden: Viaggio di un naturalista intorno al mondo (1872, EA; Freeman 211) – Sulla struttura e distribuzione dei banchi di corallo (1888, EA; Freeman 318) – Diversi apparecchi col mezzo dei quali le orchidee vengono fecondate dagli insetti (1883, EA; Freeman 823) – I movimenti e le abitudini delle piante rampicanti (1878, EA; Freeman 863) – Variazione degli animali e delle piante allo stato domestico (1876, EA; Freeman 920) – L'origine dell'uomo e la scelta in rapporto col sesso (ca. 1890, 3. tiratura; vgl. Freeman 1088) – L'espressione dei sentimenti nell'uomo e negli animali (1890, 2. ed.; vgl. Freeman 1200) – Le piante insettivore (1878, EA; Freeman 1242) – Gli effetti della fecondazione incrociata e propria nel regno vegetale (1878, EA; Freeman 1269) – Le diverse forme dei fiori in piante della stessa specie (1884, EA; Freeman 1299) – Il potere di movimento nelle piante (1884, EA; Freeman 1347) – La formazione della terra vegetale per l'azione dei lombrici (1882, EA; Freeman 1407). – Geringe Gebrauchsspuren.


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Naturwissenschaften

Nr. 228

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DESCARTES, R., Opera philosophica. Editio quinta. 6 Tle. in 1 Bd. Amsterdam, Elzevier, 167072. 4°. Mit ganzseit. gestoch. Portr. und zahlr. Textholzschnitten. Beschäd. Hldr. d. Zt. mit Rsch. und Rvg. 800,Guibert 231. Willems 1430 und 1469. – Vgl. Brunet II, 609. – Enthalten sind: Principia philosophiae; Specimina philosophiae; Passiones animae; Meditationes de prima philosophia; Appendix, continens objectiones quintas & septimas in Renati Des-Cartes meditationes de prima philosophia (mit Anhang Epistola). – Buchblock vom Einband gelöst, oben knapp beschnitten, wenig fleckig. – Mit hs. Besitzeintrag des Shakespeare-Spezialisten Clement Mansfield Ingleby (1823-1886) sowie Exlibris von dessen Sohn Holcombe Ingleby (1854-1926). Book-block unstuck from binding, closely trimmed at top, hardly soiled. – With ms. ownership entry of the Shakespeare specialist Clement Mansfield Ingleby (1823-1886) and exlibris of his son Holcombe Ingleby (1854-1926). – Contemporary damaged half calf with spine label and gilt back.

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KIRCHER, A., D'onder-aardse weereld. 2 Tle. in 1 Bd. Amsterdam, Janssonius, 1682. Fol. Mit gestoch. Titel, gestoch. Titelvign., 13 Kupfertafeln und Kupferstichkarten, 4 Tabellen sowie zahlr. Textkupfern und Textholzschnitten. 4 Bl., 425 S., 5, 4 Bl., 415 S., 6 Bl. Blindgepr. Pgt. d. Zt. mit Rsch. (starke Gebrauchsspuren). 4.000,-

Einzige niederländische Ausgabe. – Nissen, ZBI, 2196 (nennt 14 Tafeln). Sabin 37968. Brunet III, 668. – Vgl. De Backer-S. IV, 1060, 21. Dünnhaupt 16.1. Ferguson I, 467. Caillet 5783. Osler 3121. Reilly 19. Universale Bildung im Barock, Kat. Rastatt, 17 und 3.1: „Der 'Mundus subterraneus' ist einer der ersten Versuche, die Erde und deren Struktur von einem physikalischen Standpunkt aus zu beschreiben. In Kirchers Augen sind die verborgenen Kräfte der Sternenwelt und überhaupt alle Kräfte und Wirksamkeiten des Universums im Erdkörper zusammengedrängt, der von Gott als Wohnstätte der Menschen, des Beschauers der göttlichen Werke und Bewunderers des göttlichen Weltarchitekten geschaffen wurde“. – „Eines von Kirchers bedeutendsten Werken; behandelt sämtliche Bereiche der Naturwissenschaft, vornehmlich Geologie, Geophysik, Vulkanismus, Mineralogie, Metallurgie und Bergbau. In Buch XI wendet sich Kircher gegen Alchemie“ (Dünnhaupt). – Enthalten ist auch eine umfangreiche Abhandlung über den Gold- und Silberbergbau in Amerika sowie vieles aus dem Bereich des Volkglaubens, wie Riesen, Drachen, Chimären, von der Wiederbelebung einer zur Asche verbrannten Pflanze, Astrologie und Kabbala etc. – Zur Kollation: Die gestochenen Illustrationen, blattgroßen Textkupfer und -karten werden tls. als Tafeln gezählt. Vorhanden sind in unserem Exemplar u. a. der Vesuv, der Ätna, die Mondoberfläche, die Sonne mit Protuberanzen, das Wassersystem der Erde, die Vulkane der Erde, das Schöpfwerk einer Saline sowie Karten von Asien, den Nilquellen, Südamerika und die berühmte physikalische Weltkarte. Die gestochenen beweglichen Teile zu den Volvellen noch unmontiert als zweiteilige Tafel. – Fliegende Vorsätze erneuert, wenig fleckig. – Siehe Abbildung.


Naturwissenschaften

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The most popular of Kircher's works in his day and the best known in ours. The work is not solely geologic. Kircher continues with fantastic speculations about the interior of the earth, its hidden lakes, its rivers of fire and its strange inhabitants. Major topics include gravity, the moon, the sun, eclipses, ocean currents, subterranean waters and fires, meteorology, rivers and lakes, beasts and demons, poisons, metallurgy and mining. – Fly-leaves renewed, hardly soiled. – Contemporary blind-pressed vellum with spine label (strong signs of wear). – See illustration.

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(MASKELYNE, N.), Tables Requisite to Be Used with the Nautical Ephemeris, for finding the latitude and longitude at sea. 2. ed. London, Richardson und Elmsly, 1799. VIII, 173 S., 1 Bl., 64 S., 2 Bl., 4 S. (Anzeigen), 2 Bl. Mod. Ldr. (wenig beschabt). 1.000,-

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First edition of Mendel's theory of hereditary characteristics, the foundation of the study of genetics. The paper reports the results of Mendel's ten years of experimental work on artificial plant hybridization, during which he followed a program designed to test his working hypothesis that hereditary matter is discrete and particulate. The discovery of the Mendelian ratios has been called the most significant event in the history of genetics. Mendel read his paper to the small local natural history society, which published it in their journal of rather limited circulation. – Title with library stamp and with multiple stamps. – Modern half calf. – See illustration.

MATTIOLI, P. A., Opera quae extant omnia ... a C. Bauhino aucti. Editio altera. Basel, (Genath für) König, 1674. Fol. Mit allegorischer breiter gestoch. Titelbordüre und ca. 2000 Textholzschnitten (ohne Porträt). 13 (statt 14) Bl., 1027 (recte 1029) S., 11 Bl., 236 S., 51 Bl. Ldr. d. Zt. mit Rsch. (Kapitale ein wenig eingerissen, beschabt, etw. bestoßen). 2.500,-

The text woodcuts show plants, animals, distillation kilns etc. – Lacks at the beginning leaf 14 (= a 6) with the portrait. – Upper fly-leaf verso with old library shelfmark, lower flyleaf with note by contemporary hand, rear paste-down with contemporary donation note; the German names of the plants and animals partly added with pencil in neat handwriting; browned, slightly soiled. – Altogether well preserved copy of the classic of natural history. – Contemporary calf with spine label (turn-ins a little torn, scratched, somewhat scuffed). – See illustration.

MENDEL, G. (J.), Versuche über PflanzenHybriden – In: Verhandlungen des naturforschenden Vereins in Brünn. Bd. IV. Brünn, Vlg. des Vereins, 1866. XXI, 104, 330 S. Mod. Hldr. 25.000,Erste Ausgabe. – Norman 1489. Horblit 73 a. GarrisonM. 222. Sparrow 146. Dibner 35. Stafleu-C. 5818. CarterM. 356. DSB IX, 281. – Gregor Johann Mendel (1822-1884) leitete aus seinen Kreuzungsversuchen an Erbsen und Bohnen die nach ihm benannten Vererbungsgesetze ab, die erst um 1900 allgemeine Anerkennung fanden. „Verschiedene Umstände wirkten zusammen, um Verbreitung und Würdigung dieser Entdeckung, welche die wissenschaftliche Biologie revolutionieren sollte, zunächst zu verhindern. In erster Linie trug daran das wenig verbreitete Organ Schuld, in dem Mendel seine Versuche über Pflanzen-Hybride veröffentlichte“ (Carter-Muir). – Titel mit Bibliotheksmarke, mehrfach gestempelt. – Siehe Abbildung.

Charts published for the determination of the position on deep sea. – Browned and soiled. – Modern calf (hardly scratched).

Nissen 1309. Hunt 332. Wellcome IV, 81. Krivatsy 7569 (ohne Porträt): „A reprint of the 1598 Frankfurt am Main edition. Apologia adversus Amathum Lusitanum has a special title page. Includes the text of Dioscorides in Latin translation by Jean Ruel.“ – Die schöne Titelbordüre hat bereits 10 Jahre zuvor Werenfels für seine Ausgabe des Tabernaemontanus benutzt. – Die Textholzschnitte zeigen Pflanzen, Tiere, Destillieröfen etc. – Es fehlt am Anfang Bl. 14 (= a 6) mit dem Porträt. – Vorderer fliegender Vorsatz verso mit alter Bibliothekssignatur, hinterer mit Notiz von alter Hand, hinterer Spiegel mit altem Schenkungsvermerk; die deutschen Namen der Pflanzen und Tiere teilw. von älterer Hand mit Bleistift in sauberer Schrift hinzugefügt; gebräunt, leicht fleckig. – Insgesamt wohlerhaltenes Exemplar des naturkundlichen Klassikers. – Siehe Abbildung.

MÉMOIRES de la Société d'Histoire Naturelle de Paris. 3 Bde der Reihe. Paris, Baudouin Frères, 1823-27. 4°. Mit 59 tls. kolor. Kupfertafeln. 2 Bl., IV, 411 S.; 2 Bl., 414 S., 1; 2 Bl., 426 S., 1 Bl. Hldr. d. Zt. (beschabt und bestoßen). 200,Nicht bei Bolton. – Abhandlungen der Société d'Histoire Naturelle über Muscheln, Vögel, Nagetiere, Pflanzen etc. – Etw. fleckig.

Vgl. DSB IX, 163. Poggendorff II, 74 (beide die EA 1767). – Basierend auf den Berechnungen und Tabellen von Tobias Mayer in Göttingen, hatte der Hofastronom Nevil Maskelyne (1732-1811) ab 1767 in ständig verbesserten Ausgaben sowohl den „Nautical Almanac“ als auch die vorliegenden, dazu notwendigen Tabellen für die Positionsbestimmung auf hoher See herausgegeben. – Gebräunt und fleckig.

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PLINIUS SECUNDUS, C., Naturae historiarum libri XXXVII. E castigationibus Hermolai Barbari editi. 2 Tle. in 1 Bd. Hagenau, Th. Anshelm für (J. Koberger in Nürnberg) und Lukas Alantsee in Wien, 1518. Fol. Mit 2 Titelbordüren und Druckermarke am Ende. 286 num., 96 nn. Bl. Pgt. d. Zt. (etw. fleckig, leicht bestoßen). 800,STC 704. VD 16 P 3528. Benzing (Anshelm) 18. Zinner 1096. Choulant 190. Ritter 1887. – Diese Ausgabe nicht bei Adams, Durling und Wellcome. – Der Hauptteil enthält die Bearbeitung Barbaris, die bereits 1497 in Venedig erschienen war, der zweite Teil, ein umfangreiches Register von G. R. V. Camers, war separat erstmals in Wien 1513 und 1514 erschienen. – Mit Beiträgen von Th. Canner, J. Vadianus, B. Chelidonius und G. Gemanius. – Titel mit hinterlegtem Stempel-Ausschnitt, leicht fleckig, letztes Blatt aufgezogen. Main part contains Barbari's version which had already been published in Venice in 1497, the second part an extensive register by G. R. V. Camers first published separately in Vienna in 1513 and 1514. – Title with backed stamp cut-out, slightly soiled, last leaf mounted. – Contemporary vellum (a little soiled, slightly scuffed).


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Alchemie – Chemie

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(SCHINZ, H. R., Naturgeschichte und Abbildungen der Menschen und der Säugethiere). 2 Tle. in 1 Bd. (Zürich, Honegger, 1834). Fol. Mit 136 lithogr. Tafeln (ohne den lithogr. Titel). 124, 127 S. Hldr. d. Zt. (Gebrauchsspuren). 600,Erste Ausgabe. – Vgl. Nissen 3673 (2. Ausg. um 1840; hat 131 und 250 Seiten). – Die Lithographien nach Zeichnungen von Fuchs, Scheuchzer, Wegner, Balder u. a. zeigen die verschiedenen Menschenrassen in ihren Trachten, darunter deutsche und ausländische Fürstlichkeiten und Eingeborene aus China, Japan, Afrika und Neuseeland. – Heinrich Rudolf Schinz (1777-1861) war Mediziner und Naturforscher in Zürich und Begründer der „Schweizerischen naturforschenden Gesellschaft“ und einer bedeutenden, später in Staatsbesitz übernommenen zoologischen Sammlung. – Der fehlende lithographische Titel liegt als Kopie vor. – Die Tafeln in sich verbunden und gering fleckig, die Textblätter etw. gebräunt.

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– Naturgeschichte und Abbildungen der Menschen und der Säugethiere. Tl. I [von 2]: Die Menschen. Zürich, Honegger, 1834). Fol. Mit 63 lithogr. Tafeln (ohne den lithogr. Titel). 124 S. Hldr. d. Zt. (Gebrauchsspuren) mit eingeb. Vorderdeckel der Orig.-Brosch. 300,Erste Ausgabe. – Die Tafeln in sich verbunden, einzelne Tafeln mit Einrissen oder Bleistiftkritzeleien. – (Sammlung Herry W. Schaefer).

Nr. 230

Alchemie – Chemie 236

BUCHOLZ, W. F., Chymische Versuche über das Meyerische acidum pingue. Weimar, Hoffmann, 1771. 4 Bl., 96 S. Mod. Hldr. 250,Einzige Ausgabe. – Poggendorff I, 328. – Vgl. Ferguson I, 130: „Bucholz was a learned, diligent, and energetic man, and made many contributions to the literature of medicine, chemistry, and pharmacy.“ – Anfangs und gegen Ende stärker fleckig.

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(DANIEL, CH. F.), Versuch einer Theorie der wichtigsten Beobachtungen aus der Naturlehre, die man zum Theil durch fixe Luft oder fette Säure zu erklären bemüht war. Halle, Hendel, 1777. 134 S. Mod. Hldr. 300,Einzige Ausgabe. – Gatterer II, 39. Holzmann-B. IV, 9444. – Nicht bei Partington etc. – Letzte Bl. unten mit laienhaft reparierten Beschädigungen. – Sehr selten.

Nr. 232

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(JAEGER, CH. F.), Kurtze doch gründliche Beschreibung der vortrefflichen Eigenschafften des edlen gemeinen Saltzes; und dessen gedoppelten herrlichen Nutzens in dem menschlichen Leben. Erlangen, Lochmann, 1708. 4°. 6 Bl., 32 S. Mod. Pp. 150,-


Astrologie – Astronomie

Einzige Ausgabe. – Der Verfasser nennt sich am Ende der gedruckten Widmung. – Titel verso mit Bibliotheksschild, kaum fleckig.

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LEONARDUS, C., Speculum lapidum, et Petri Arlensis de Scudalupis sympathia septem metallorum ac septem selectorum lapidum ad planetas. Accedit magia astrologica Petri Constantii Albinii. Hamburg, Liebezeit, 1717. Mit gestoch. Portr., gestoch. Titelvign. und 2 Textholzschnitten. 15 Bl., 390, 84 S., 18 Bl. Mod. Schweinsldr. 600,Ferguson II, 27 Anm. Duveen 352. Dorbon 2646. Neu 2337. Ferchl 309. Rosenthal 519. Wellcome III, 493. – Vgl. Caillet 6544. Roller-G. II, 98. – Erstmals mit der „Magia astrologica“ des Pietro Costanzo Albini (mit eigenem Titel, dat. 1716), einer Schrift, in der Astrologie und Chemie in Beziehung gebracht werden und die erstmals in Leiden 1599 erschien (vgl. Duveen 10). Der Traktat des Petrus Arlensis ähnlichen Inhalts erschien erstmals 1610 in Paris in Verbindung mit dem „Speculum lapidum“ (vgl. Ferguson II, 194; Kopp II, 364). Die Schrift des Camillo Leonardi selbst wurde erstmals 1502 in Venedig gedruckt. – Portr. (mit kleinem Randausriß und Einriß) auf den Spiegel mont., Titel knapp beschnitten, stellenw. stärker gebräunt. – Mod. Exlibris auf dem Titel verso.

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Astrologie – Astronomie 243

LIEBIG, J. (VON), Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie. Braunschweig, Vieweg, 1840. XII, 352 S., 1 Bl. Hlwd. d. Zt. mit Rvg. (leicht beschabt, kaum bestoßen). 200,-

(MORLEY, CH. L., Collectanea chymica Leidensia oder auserlesene mehr als 700. Chymische Processe, welche von Maëthio, Margravio und le Mortio so wohl publice, als auch privatim nicht nur gewiesen, sondern auch mündlich dictirt worden. Nachmahls durch Th. Muykens vermehret. Nun aber ins Teutsche übersetzt. Editio secunda. Jena, Cröker, 1700). (Ohne das gestoch. Frontisp., die Titelei und S. 1/2). S. 3-785 (recte 781; ohne S. 399/400), 18 (statt 21) Bl. Mod. Lwd. unter Verwendung alten Materials. 200,Ferguson II, 110 Anm. Krivatsy 8111. Ferchl 369. – Vgl. Neu 2854. Duveen 415. – Zweite deutsche Ausgabe, erstmals in lateinischer Sprache 1684 erschienen. Eine von mindestens zwei Varianten aus demselben Jahr. – Umfangreiche Sammlung chemischer Versuche, Hauptwerk des englischen Alchemisten. – Ab Blatt Eee verso (ab Z. 31) gegenüber dem Vergleichsexemplar der SLUB Dresden abweichender Druck. – Es fehlen das Frontispiz, der Titel, die Vorrede an den Leser (2 Bl.) und S. 1/2 (alles in Kopie ersetzt) sowie die Blätter Cc 2, Ddd 1 und 8 und Fff 2 und 4. – Vorsatz mit mont. Fragmenten eines Besitzvermerks sowie eines Rezepts von alter Hand, einzelne Bl. mit kleinen Fehlstellen oder (angeränderten) Eckausrissen (kleine Textverluste hs. ergänzt), eng gebunden, einzelne Bl. tls. lose, fleckig, gebräunt.

WIEGLEB, J. CH., Historisch-kritische Untersuchung der Alchemie, oder der eingebildeten Goldmacherkunst. Weimar, Hoffmanns Witwe, 1793. 11 Bl., 1 weißes Bl., 437 S., 1 Bl. Spät. Pp. (beschabt und bestoßen). 800,Ferguson II, 546. Partington III, 567. DSB XIV, 333. Ferchl 574. Schmieder 592. Caillet 11429. – Vgl. Duveen 620 und Mellon 159 (beide die EA 1777). – Nicht bei Brüning. – „Excellent bio-bibliographe hermétique“ (Caillet). Eine der ersten kritischen Geschichten der Alchemie. „Discusses the production and amount of gold in ancient times; reported cases of transmutation, some of which he examines minutely and controverts; and the nature of gold and silver which renders transmutation impossible“ (Ferguson). – Mehrf. gestempelt, etw. fleckig. – Sehr selten.

BODE, J. E., Allgemeine Beschreibung und Nachweisung der Gestirne (zu dessen Uranographie gehörig). Berlin, Selbstvlg., 1801. Gr.-Fol. VIII, 32, 96 S. Hldr. d. Zt. (starke Gebrauchsspuren). 2.500,Poggendorff I, 217. – Der meist fehlende Textband zur großen „Uranographie“. – Beiliegt eine kolor., fein ausgeführte Federzeichnung einer Planetenbahn mit dem hs. Titel „Die erscheinende Bewegung der Venus und des Jupiters im Jahr 1774 vom 1sten Jan. bis zu Ende des Junii Monats“. Ca. 14 x 54 cm.

Deutsche Originalausgabe. – Ferchl 315. PMM 310 a. Paoloni 300. – Das Werk war nur wenige Monate zuvor als Einleitung zu seinem „Traité de chimie organique“ in französischer Sprache erschienen. – Etw. fleckig, Verlagsprospekt beigebunden. – Beilage.

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HERSCHEL, J. F. W., Traité d'astronomie. Traduit de l'Anglais par A. Cournot. 2. éd. Paris, Paulin, 1836. Mit gefalt. Aquatinta-Tafel mit 9 Abb. 2 Bl., III, 536 S. Hldr. d. Zt. mit Rsch. (beschabt und bestoßen). – Houzeau-L. I, 9006. – Tafel etw. knittrig, stellenw. fleckig. 120,-

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(HOCKER, J. L., Einleitung zur Erkenntnis und Gebrauch der Erd- und Himmels-Kugeln. 2 Tle. in 1 Bd. Nürnberg, Monath, 1769). 4°. Mit 15 gefalt. kolor. Kupfertafeln (ohne das gestoch. Frontispiz). 2 (statt 3) Bl., 104, 144 S. Ldr. d. Zt. (Kopf und Schwanz restauriert, Kanten stärker beschabt). 600,Vgl. Houzeau-L. I, 9750. Zinner, Astronom. Instrumente, 384. Poggendorff I, 1117. Libri rari 136 (jeweils die EA). – Neuausgabe des erstmals 1734 erschienenen Werkes, mit erweitertem Tafelteil. – Acht Tafeln betreffen den Erdglobus, 7 Tafeln den Himmelsglobus; darunter drei Darstellungen von Armillarsphären. – Frontispiz und Titel in Kopie auf altem Papier ergänzt, wenig fleckig.


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Astrologie – Astronomie

Nr. 246

Nr. 247

KALENDER – HALBMAYER, G., Alter und Newer Schreibkalender auff das Jahr MDCXXXV. Nürnberg, Halbmayers Erben und Dümler, (1635). Mit Titelbordüre und Druckermarke auf dem letzten Blatt. 56 Bl. Mod. Lwd. (etw. berieben). 600,-

Frontispiz zeigt die Ankündigung kommender Kriege, personfiziert durch Merkur und Mars, darunter die Darstellung einer Schlacht. – Über den KVK nur die Jahrgänge 1731 und 1749 nachweisbar. – Das Kalendarium mit Durchschußblättern, davon mehrere mit zeitgenössischen Reiseeinträgen im süddeutschen Raum. – Leicht gebräunt, wenig fleckig. – Siehe Abbildung.

Nicht im VD 17. – Von Georg Halbmayer, „Astronomus zu Marck Burckbernheim in Francken“, gestellter Kalender, von dem zwischen 1613 und 1633 nur 5 weitere Jahrgänge bekannt sind; der vorliegende Jahrgang war bisher unbekannt. – Titel fleckig, mit zahlr. Einträgen von alter Hand in Tinte. – Siehe Abbildung.

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– NEU-GREGORIANISCHER ZEIT- und WELT-LAUFF-CALENDER, auf das Jahr ... 1771. Darinnen der Sonnen, Mond und anderer Planeten Lauff und Zustand zu finden ist. Augsburg, Brechenmacher, o. J. (1770). 4°. Mit Holzschnitt-Frontisp. (verso bedruckt). 13 Bl. Flex. Pp. d. Zt. mit Brokatpapierbezug (altes Deckeletikett, leicht fleckig, berieben und bestoßen). 600,Einziges bekanntes Exemplar dieses Jahrgangs. – Äußerst seltener Augsburger Kalender, bibliographisch von uns nicht nachweisbar (nicht im GV). – Als Verfasser ist ein Mathematiker „Astrophilius von Uranienburg“ genannt (nicht bei Weller). – Enthält neben dem Kalendarium eine „Aderlaß-Tafel“, einen Bericht über Erdbeben, Feuersbrünste, Wasserfluten und den Ausbruch des isländischen Vulkans Hekla im Jahre 1767. In einem zweiten Teil die „Practica“ mit den astrologischen Jahresvoraussagen. Das

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MAUPERTUIS, (P. L. MOREAU) DE, Versuch einer Cosmologie. Aus dem Französischen übersetzt. Berlin, Nicolai, 1751. 107 S. Hldr. d. Zt. (starke Gebrauchsspuren, Bezug mit alt restaurierter Fehlstelle). 2.000,Seltene erste deutsche Ausgabe. – Fromm 16973. – Vgl. DSB IX, 189: „A philosopher as well as a scientist, he proved himself a powerful and original thinker in 'Essai de cosmologie' (1750).“ – Titel unten mit Randabschnitt (Reste eines alten Besitzvermerks), Außen- und Fußsteg durchgehend schmal angerändert. VORGEB.: BISCHOF, J. Ch., Betrachtungen des Weltgebäudes und einiger Merkwürdigkeiten der Natur. Danzig und Leipzig, Wedel, 1764. Mit gestoch. Frontisp. und 14 (statt 15?) tls. gefalt. Kupfertafeln. 20 (statt 21) Bl., 226 S., 6 Bl. – Houzeau-L. I, 8890. Roller-G. I, 121. Poggendorff I, 203. – Nicht bei Brüning. – Wohl einziges Werk des Professors für Mathematik und Physik am Stettiner Gymnasium. Behandelt u. a. Fixsterne, Kometen und Irrlichter, aber auch Tau, Ungewitter, Regenbogen usw. – Nach Roller-Goodman fehlt ein Blatt der Vorstücke, wohl ein Zwischentitel. Die Anzahl der Tafeln in den Vergleichsexemplaren schwankt, es kommen bis zu 15 Tafeln vor. – Frontispiz mit hinterlegtem Randausschnitt.


Astrologie – Astronomie

SCHMID, N., Von den Weltkörpern. Hannover, o. Dr., 1766. 6 Bl., 172 S. – Erste Ausgabe. – Meusel XII, 303. Poggendorff II, 812. Houzeau-L. I, 8043: „Une exposition populaire de l'astronomie.“ – Die erste Buchveröffentlichung des in Hannover lebenden Goldschmieds und Mechanikers Nicolaus Ehrenreich Anton Schmid (1717-1785). NACHGEB.: HUYGENS, CH., Weltbeschauer, oder vernünftige Muthmaßungen, daß die Planeten nicht weniger geschmükt und bewohnet seyn, als unsere Erde. Aus dem Lateinischen übersetzt. Zürich, Orell und Geßner, 1767. Mit gestoch. Titelvign. und 4 Kupfertafeln. 4 Bl., 224 S. – Zweite deutsche Ausgabe. – Vgl. DSB VI, 611: „In contrast to most ohter Huygensian writings, Cosmotheoros has had wide appeal and a broad readership, and has been translated into several languages.“ – Außensteg tls. schmal angerändert. DOMMERICH, J. CH., Sphaerologia oder kurzer Unterricht wie so wol die Himmels als Erdkugel beschaffen, und recht zu gebrauchen. Zum Nutzen der Schulen eingerichtet. Lemgo, Meyer, 1745. Mit 6 (statt 8) gefalt. Kupfertafeln. 8 Bl., 164 S., 6 Bl. – Lalande 428. Houzeau-L. I, 9758 (beide irrtümlich unter „J. B. Rommerik“). Meusel II, 406. ADB V, 326. – Eine der frühesten Veröffentlichungen des Lehrers am Waisenhaus in Halle. – Vorsatz des Sammelbandes mit hs. Verzeichnis der 5 Schriften. – Siehe Abbildung.

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RITTER, F., Astrolabium, Das ist: Gründliche Beschreibung und Unterricht, wie solches Instrument auffgerissen und verfertigt werden soll. Darnach wie dasselbige vielfältig zugebrauchen. 2 Tle. in 1 Bd. Nürnberg, Ch. Lochner für B. Caymox, 1613. 4°. Mit 21 (11 ganzseit.) Textkupfern. 61, 28 Bl. Pgt. d. Zt. (etw. aufgebogen und wellig, leicht beschabt, gering fleckig). 800,-

Nr. 248

Erste Ausgabe. – Houzeau-L. I, 3295. Zinner 4437 und 4438. Zinner, Astronom. Instrumente, 492. – Nicht im STC. – Über Bau und Gebrauch des Astrolabiums, erstmals 1613 erschienen, nicht, wie Houzeau und Lancaster schreiben, schon 1599 (in diesem Jahr kam die 2. Ausgabe der Instructio instrumentalis quadrantis novi heraus). Wie meist ohne den Anhang von 15 Kupfertafeln, der wohl nur wenigen Exemplaren beigegeben worden ist; Tl. I ansonsten in der umfangreichsten von 3 Druckvarianten mit 61 Bl., endend mit Bl. O 4 und dem Widmungsbeginn auf Bl. (:) (= VD 17 12:165728N). – Der gebürtige Nürnberger Franz Ritter, gestorben nach 1640, war im Hauptberuf Pfarrer und hat mehrere mehrfach aufgelegte Schriften zur Instrumentenkunde veröffentlicht, außer zum Astrolabium zum Quadranten und zum Sonnenspiegel. – Titel mit Besitzvermerk eines Grafen Warttenberg, Titel verso und letztes Bl. mit Stempeln der Donaueschinger Hofbibliothek, Bl. B 1 mit großem Textausriß, Blattweiser an Bl. O 4; leicht gebräunt, tls. wasserrandig. – Siehe Abbildung.

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STRAUCH, AE., Astrognosia, synoptice et methodice in usum gymnasiorum & academiarum adornata. Addita sunt asterismorum et planetarum schemata. Editio quinta. Wittenberg, Quenstedt, 1694. 12°. Mit gestoch. Frontisp. und 35 Kupfertafeln. 4 Bl., 208 S. Pgt. d. Zt. (bestoßen und stärker fleckig). 1.200,-

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Astrologie – Astronomie

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Thorndike VIII, 313 und 464 Anm. – Vgl. Kenney 183. Poggendorff II, 1023. – Alle Ausgaben des 1659 erstmals aufgelegten Werkes wurden in Wittenberg gedruckt. – „The 'Astrognosia' of Aegidius Strauch (1632-1682), professor at Wittenberg, may be described as an astronomical textbook with astrological trimmings“ (Thorndike). – Das Frontispiz zeigt mehrere Personen bei der Beobachtung des Nachthimmels, die Tafeln mit figürlichen Sternbildern. – Buchblock tls. vom Einband gelöst, Frontispiz fast lose, 3 Tafeln mit hinterlegtem Durchriß, stark gebräunt. – Siehe Abbildung. The frontispiece shows several persons observing the night sky, the plates with figurative constellations. – Book-block partly unstuck from binding, frontispiece almost loose, 3 plates with backed tear, heavily browned. – Contemporary vellum (scuffed and stronger soiled). – See illustration.

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SAMMELBAND mit 5 seltenen Feuer- und Wetterpredigten sowie 2 Berichten über Naturkatastrophen. 4°. Beschäd. Ldr., monogr. und dat. „M I C M I M 1615“. 400,HYLLER, M., Incendium Kunereanum. Das ist eine Fewerpredigt wegen der hochschädlichen Fewersbrunst so zu Kunern den 13. Januarij dieses 1613 Jahres sieben wolerbawete Höffe sampt andern sieben Heusern und Vorrath eingebrant und verzehret hat. Leipzig, Meißner, 1613. 19 Bl. – Nicht im VD 17. BAKIUS, R., Tabeera Magdeburgensium. Das ist: Drey christliche Fewr un(d) Brand-Predigten. Von eitel erschrecklicher Fewersbrunst, welche im Jahr 1613 in der alten Stadt Magdeburg uhrplötzlich entstanden. Magdeburg, Betzel, 1613. 6 Bl., 90 (recte 91) S. – VD 17 1:037412R.

BURCKHART, A., Das Magdeburgische Levavi oculos, das sind sechs christliche Predigten uber den 121. Psalm Davids, als zu Magdeburgk am Sontag Misericordia Domini, war der 18 April, eine grosse Fewrsbrunst entstanden. Magdeburg, Schmidt, 1613. 70 Bl. – VD 17 3:003228E. NAMSLER, D., Außführlicher Bericht von Wassern und Wasserflutten und insonderheit von der zuvor unerhörten Ergissung der Katzbach, darinnen umb Goldberg bey 123 Menschen ertruncken. Den 2. Junii, diß 1608. Jahres. Liegnitz, Schneider, (1608). 84 Bl. – Bircher A 5259. LANGE, A., Zwo Wetterpredigten aus dem 18. Psalm deß Königlichen Propheten Davids, bey Gelegenheit deß schröcklichen Ungewitters und der Thüringischen Sündflut, welche zu Weymar und andern Orten in Thüringen am 29. Maji, Sonnabend vor Trinitatis, deß 1613. Jahrs grossen Schaden gethan. – Sampt angeheffter warhafftiger Relation, wie ubel diß grausame Ungewitter und Wasserflut an unterschiedlichen Orten haußgehalten. Hof, Pfeilschmidt, 1613. 26, 24 Bl. – VD 17 39:104365V. MAJOR, J., Gedenck und Erinnerungs Predigt von dem grawsamen Gewitter unnd schräcklichem Gewässer darmit Thüringen heimgesuchet worden am Sonnabend vor Trinitatis in der Nacht war der 29. Maji, dieses instehenden 1613. Jahrs. Erfurt, Mechler, 1613. 16 Bl. – VD 17 23:634381Y. SCHILLING, B., Vier Predigten von Gewittern, oder Thüringische Wetter Glocke. Erfurt, Mechler, 1613. 3 Bl., 114 S. – VD 17 32:647914Z. Vorsatz mit Inhaltsverzeichnis von alter Hand, am Beginn und Ende einzelne Lagen entfernt, gebräunt und fleckig.


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ALPINO, P., De plantis exoticis libri duo. Venedig, G. Gueriglio, 1627. 4°. Mit breiter gestoch. Titelbordüre und 145 ganzseit. Textkupfern. 8 Bl., 344 S. Pp. um 1800 (stark beschabt und bestoßen). 1.200,Erste Ausgabe (postum von seinem Sohn ediert). – Nissen 21. Pritzel 112. Hunt 211. Alden 627/2. – Alpino verfaßte das Werk über die exotischen Pflanzen in seiner Zeit als Direktor des Botanischen Gartens in Padua. „The plants described were grown from seeds sent to Alpini from many distant places. One of the most interesting plates is an early representation of the 'Hyosciamus Virginianus' which H. Bartlett identifies as an American Oenothera of the sub-genus Onagra“ (Hunt). – Anfangs mehrf. häßlich gestempelt und im Bug wasserrandig, sonst nur stellenw. wenig fleckig. – Siehe Abbbildung. First edition with 145 full-page engravings. – At the beginning with multiple unsightly stamps, some waterstains at joint, otherwise minimally soiled here and there. – Cardboard around 1800 (heavily scratched and scuffed). – See illustration.

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BAUHIN, C., Pinax (graece) theatri botanici sive index in Theophrasti, Dioscoridis, Plinii et botanicorum qui a seculo scripserunt. Basel, L. König, 1623. 4°. Mit Verlegermarke auf dem Titel. 12 Bl., 522 S., 12 Bl. Pgt. d. Zt. (stark bestoßen, beschabt und fleckig). 2.000,Seltene erste Ausgabe. – STC B 370. Pritzel 509. PMM 121. Stafleu-C. 367. Jackson 28: „One of the most celebrated books of the early botanists; it is a synonymic list of the entire number of plants then known. Linnaeus quotes it throughout his Species Plantarum.“ – Mit dem sehr seltenen Erratablatt. NACHGEB.: DERS., Prodromos (graece) theatri botanici. Frankfurt, P. Jacobi für J. Treudel, 1620. Mit zahlr. Textholzschnitten. 4 Bl., 160 S., 6 Bl. – Erste Ausgabe. – STC B 372. Nissen 104. Pritzel 507. Stafleu-C. 366. – Titel des Pinax mit hs. Besitzvermerk von 1766, mehrf. gestempelt, beide Werke stark gebräunt, stellenw. fleckig. – Siehe Abbildung. Rare first edition. – With the very rare „Errata“ leaf. – Additional bound: First edition. – Title of „Pinax“ with ms. ownership entry of 1766, with multiple stamps, both volumes heavily browned, soiled here and there. – Contemporary vellum (heavily scuffed, scratched and soiled). – See illustration.

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(BESLER, B., Hortus Eystettensis. Hrsg. von J. G. Sthenander = Starckmann). Tl. II (von 4). (Eichstätt, Strauss, ca. 1750). Gr.-Fol. Mit 189 Kupfertafeln (verso mit Text). 15, 6 (statt 8) Bl. Mod. Ldr. (Vordergelenk brüchig, leicht berieben). 20.000,-

Nr. 252 Nissen 158. Pritzel 745. Hunt 430. De Belder 25. Baier, Hortus Eystettensis (in: Aus dem Antiquariat 1970), S. 273. Littger-D. 21. – Fünfte Ausgabe (häufig als dritte bezeichnet). – Der Text der ersten Ausgabe wurde wortgetreu wieder abgedruckt, mit nur gelegentlichen typographischen Abweichungen. Der signifikanteste Unterschied liegt in der vereinfachten (verkürzten) Lagensignatur, die sämtliche Blätter aufweisen. – Das Prachtwerk beschreibt die Gewächse des botanischen Gartens der Fürstbischöfe von Eichstätt, aufgeteilt nach ihren Blütezeiten, in vier Abteilungen. Hier vorliegend der vollständige zweite Teil mit der „Classis aestiva“, den im Sommer blühenden Pflanzen, naturgemäß die größte Gruppe, die daher auch über die Hälfte aller Kupferstiche (insgesamt 367) enthält. – Erschienen war das Werk erstmals 1613. Die vorliegende Ausgabe sollte zum hundertjährigen Jubiläum des „Hortus“ erscheinen. „Die endgültige Herausgabe verzögerte sich indessen erheblich. Die Tausendjahrfeier des Bistums verstrich (1745) ... Das Werk ist aber sicher nicht nach 1750 erschienen“ (Baier). – Drei Bl. mit größeren Ausrissen (etw. Darstellungs- bzw. Textverlust), einige Bl. mit kleineren Ausrissen und Eckabrissen sowie tls. größeren Ein- und Durchrissen (zum Teil restauriert), im Bug und am rechten Rand durchgehend größere Wasserränder (diese gegen Ende mit geringer Sporfleckigkeit), sonst nur leicht fleckig und, von den Wasserrändern abgesehen, wenig gebräunt. – Siehe Abbildung. Fifth edition (frequently called the third). The text of the first edition was reprinted word for word with only occasional typographic changes. The most significant difference is the simplified (abridged) quire numbering with all the leaves. – The magnificent work describes the flowers of the botanical garden of the prince-bishops of Eichstätt, divided in four sections according to their blooming period. Here we


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have the complete second part with „Classis aestiva“, the plants blossoming in summer, the largest group naturally, containing therefore more than half of the copperplates (altogether 367). – Three leaves with larger tear-outs (some loss of illustration or text), some leaves with smaller tearouts and torn off corners as well as partly larger tears (partly restored), at joint and right margin larger waterstains throughout (the latter towards the end with minor moulding), otherwise only slightly soiled and hardly browned except for the waterstains. – Modern calf (front joint cracked, slightly rubbed). – See illustration.

Rare series of plant engravings made in the Netherlands around 1600, probably by Adriaen Collaert (1560-1618). – Title with restored cut-out at lower margin and small corner tear-out, plate 13 with corner cut-out, some plates a little soiled, minor defect in margin or small scribblings in coloured pencil. – Strong and neat impressions. – Wrappers of coloured paper of the 18th century (rebound). – See illustration.

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COLLAERT, A., Florae deae inter patrios & exoticos flores sedentis artificiosa delineatio. O. O., Dr. und J. (Antwerpen, um 1580/1600). Qu.-4°. Gestoch. Titel und 13 numerierte Kupfertafeln. Buntpapier-Umschl. d. 18. Jhdts. (neu aufgebunden). 4.000,Vgl. Ornamentstichslg. Berlin 4406, 2 (Titel und 12 Bl., bezeichnet „Sadler excud.“), und 4407 (Titel und 13 Bl., bezeichnet „Jan Massager excu.“). – Nicht bei Hollstein. – In den Niederlanden um 1600 entstandene seltene Folge von Pflanzenstichen, wohl von Adriaen Collaert (15601618), der um 1590 eine ähnliche Folge mit dem Titel „Florilegium“ publiziert hatte (Hollstein IV, 207, 679-702). – Im SUDOC ist die gleiche Folge mit der Signaturen der Stecher Jean de Gourmont, Thomas de Leu und Jan de Clerc nachweisbar. – Die in einem Park thronende Göttin Flora eröffnet die Folge der Stiche einheimischer und exotischer Pflanzen, belebt jeweils durch kleine Tiere wie Vögel, Insekten, eine Eidechse oder Maus. – Titel mit angerändertem Randausschnitt unten und kleinem Eckausriß, Tafel 13 mit Eckausschnitt, einzelne Tafeln etw. fleckig, mit winziger Fehlstelle im Rand oder kleinen Buntstiftkritzeleien. – Kräftige, saubere Abdrucke. – Siehe Abbildung.

DONATI, A., Trattato de semplici, pietre, et pesci marini che nascono nel lito di Venetia. Venedig, Bertano, 1631. 4°. Mit 33 nahezu blattgr. Textkupfern. 4 Bl., 120 S. Interims-Brosch. d. Zt. (Altersspuren). 1.500,Einzige Ausgabe. – Nissen, BBI, 50. Graesse II, 240. JöcherA. II, 738. Haller I, 446: „Ex melioribus, ut tunc fiebant, libris.“ – Nicht bei Stafleu-Cowan. – Der venezianische Apotheker Antonio Donati (1606-1659), „ein geschickter Physicus“ (Jöcher-A.), betont im Untertitel, daß der größte Teil der von ihm verzeichneten Pflanzen Theophrast, Dioskorides, Plinius und Galen nicht bekannt waren. – Mit prächtigen Pflanzenkupfern. – Titel gestempelt, Wurmspuren im Kopfsteg, spor- und wasserfleckig. – Siehe Abbildung. Sole edition. – With magnificent plant copperplates. – Title stamped, worming at upper margin, moulding and waterstains. – Contemporary interim wrappers (signs of wear). – See illustration.

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EDWARDS – BOTANICAL REGISTER. Bde. XV und XVI der Reihe. London, Ridgway, 182930. Mit 173 (17 doppelblattgr.) kolor. Kupfertafeln und den entsprechenden Textblättern. Stark beschäd. Hldr. 800,-


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Nissen 2379. Stafleu-C. 1625. – Berühmte botanische Zeitschrift mit prächtigen Blumentafeln. – Stellenw. fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 17.

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FOLGE von 9 Kupfertafeln um 1700. Je ca. 13 x 18 cm. Mod. Pp. 300,Hundert Blumen- und Tierbüchlein 86 (unser Exemplar). – Vorhanden sind die Nummern 2 und 5-12. Jedes Blatt bezeichnet „met Privilegie“. – Etw. fleckig, breitrandig und à flottant aufgelegt.

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FRITZSCHE, J., Beiträge zur Kenntniss des Pollen. Erstes Heft (alles Erschienene). Berlin, Stettin, und Elbing, Nicolai, 1832. 4°. Mit 2 kolor. lithogr. Tafeln. 2 Bl., 48 S. Pp. d. Zt. (beschabt, fleckig und bestoßen). 300,Erste Ausgabe. – Pritzel 3126. MNE I, 241. – Titel gestempelt, etw. fleckig. – Vorsatz mit e. Widmung des Verfassers an Treviranus.

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FUCHS, L., De historia stirpium. Basel, (M.) Isengrin, 1542. Fol. Mit Druckermarke auf dem Titel, ganzseit. Portr. des Verfassers auf dem Titel verso und 512 blattgr. Textholzschnitten mit Pflanzendarstellungen (ohne die 3 Portrs. am Ende). Restauriertes blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten Schließen. 5.000,-

Erste Ausgabe. – VD 16 F 3242. STC 326. Adams F 1099. Stafleu-C. 1909. Nissen 658. Heilmann 205: „Man kann dieses Werk bedenkenlos als das großartigste Kräuterbuch bezeichnen. Heute noch benützt man in wissenschaftlichen Werken seine Abbildungen, da es bis heute nichts Schöneres und künstlerisch Wertvollerse gibt. Man nimmt an, daß Holbein bei den Entwürfen Pate gestanden hat. Fuchs ließ die Abbildungen der Pflanzen in klaren, einfachen Linien schneiden, jede Schraffierung wurde vermieden.“ – „Überhaupt ist die Ausstattung, die der Verleger Michael Isengrin in Basel den beiden Ausgaben, der lateinischen von 1542 und ihrer deutschen Umarbeitung vom folgenden Jahr, hat angedeihen lassen, über alles Lob erhaben“ (Nissen, S. 45). – Das letzte Bl. mit den Porträts der beiden Zeichner und des Holzschneiders in Kopie eingebunden. – Fliegender Vorsatz hinten entfernt, vorne zur Hälfte ersetzt (daher der Besitzvermerk von alter Hand nur zum Teil vorhanden), Titel mit großem angeränderten Randauschnitt oben und vorne (kleiner Textverlust), anfangs größere angeränderte Randläsuren, einzelne Bl. mit Randausriß oder Einriß, einzelne Marginalien von alter Hand, wenige Holzschnitte ankoloriert, die Lage aa2 verbunden, stellenw. fleckig. – Siehe Abbildung Seite 77. First edition. – Last leaf with portraits of the two drawers and the woodcutter bound-in in copy. – Lower fly-leaf removed, half of upper fly-leaf replaced (therefore ownership entry by contemporary hand only existing partly), title with large marginal cut-out at top mounted with paper slips (minor loss of text), at the beginning larger restored tears in margin, some leaves with tear-out in margin or tear, some marginalia by contemporary hand, a few woodcuts partly coloured in an unprofessional way, quire aa2 misbound, here and there soiling. – Contemporary blind-pressed restored calf over wooden boards with 2 intact clasps. – See illustration on page 77.


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INTEGRATION. Zeitschrift für geistbewegende pflanzen und kultur. Nr. 1-6 (alles Erschienene). Eschenau, Bilwis, 1991-95. Fol. Orig.-Brosch. (minimale Gebrauchsspuren). 300,Nicht in der ZDB. – Vorderdeckel von Nr. 1 von Wolfgang Bauer und Herman de Vries e. signiert.

Mit Originalzeichnungen 263

IRMISCH, TH., Ueber einige Fumariaceen. Halle, Schmidt, 1862. 4°. Mit 9 lithogr. Tafeln. 122 S. Hldr. d. Zt. (beschabt und bestoßen). 800,Separatabdruck aus den „Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft zu Halle“, Bd. VI. – Stafleu-C. 3188. – Vgl. ADB XIV, 585. – Mit den zusätzlich eingebundenen Original-Bleistiftzeichnungen des Verfassers, denen die lithographierten Tafeln gegenübergestellt sind. – Thilo Irmisch (1816-1879) war seit 1844 Lehrer am Gymnasium seiner Heimatstadt Sondershausen, seit 1862 auch Kustos des Naturalienkabinetts und des Archivs des Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen. Neben Alexander Braun und Karl Friedrich Schimper ist er einer der wichtigsten Morphologen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. – Wenig gebräunt und leicht fleckig. – Fliegender Vorsatz mit e. Vermerk des Verfassers: „Dieses Exempl. enthält neben den lithograph. Tafeln meine Originalzeichnungen.“ DAZU: (DERS., Beiträge zur vergleichenden Morphologie der Pflanzen). Abt. I, II, IV und V (von 6) in 3 Bdn. Halle, Schmidt, (1854)-74. 4°. Mit 21 (2 doppelblattgr.) lithogr. Tafeln. – Separatabdruck aus den „Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft zu Halle“, Bde. II/1, II/2, VII und XIII/2. – Pritzel 4492. – Mit 11 zusätzlich eingebundenen Original-Bleistiftzeichnungen in den Bdn. IV und V, denen die lithographierten Tafeln gegenüberstellt sind. – Die Originalzeichnungen tls. auf die lithogr. Tafeln verso montiert. – Mit e. Einträgen des Verfassers, dessen Korrekturen und Ergänzungen und einer e. Widmung an den Staatsminister des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen, Oscar von Elsner (1822-1882). – Beiliegt außerdem eine kleine Originalzeichnung des Verfassers mit montierten Erläuterungen. – Vorgebunden ist Irmischs illustrierter „Beitrag zur Naturgeschichte der einheimischen ValerianaArten“ (Halle 1854). – Aus den „Abhandlungen ...“, Bd. I/3. – Stafleu-C. 3186. Pritzel 4493.

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HERBARIUM – BRYLOGIE – MEYER – „MOOS, TASCHENHERBARIUM“ (Rückentitel). Lateinische Handschrift auf Papier. Deutschland um 1813-16. 13,6 x 9 cm. Mit gefalt. Übersichtstafel (in 8 Segmenten auf Lwd. aufgezogen) und ca. 250 Moospräparaten. 1 nn., 145 num. Bl. (davon einige unbeschrieben). Marmoriertes Ldr. d. Zt. mit Rsch. und Vg. (etw. berieben) in Ldr.-Schuber d. Zt. (beschabt und bestoßen). 500,Von einem Botaniker angelegtes Herbarium, aufgebaut nach wissenschaftlicher Einteilung und mit sehr sauberer Beschriftung unter ausschließlicher Verwendung wissenschaftlicher Namen, dazu kurze Angaben über Vorkommen und Verbreitung der Moose. Die vorangestellte Tafel gibt einen Überblick zu den „Genera muscorum frondosorum“ (Laubmoosen) und trägt den Namenszug des Botanikers Georg Friedrich Wilhelm Meyer (1782-1856) mit Datum 1813. Wahrscheinlich ist das Herbarium von Meyer selbst angelegt und auf Reisen mitgeführt worden. Eine schwer leserliche Bleistiftnotiz auf dem hinteren Vorsatz nennt das Datum 1816. – Zur Biographie Meyers siehe: J.-P. Frahm und J. Eggers, Lexikon der deutschsprachigen Bryologen, Norderstedt 2001, S. 319. – Meyer war ab 1832 Professor für Forstwissenschaft in Göttingen und ein passionierter Sammler von Moosen und Flechten; seine Sammlung befindet sich heute in Göttingen, in der Gattung Meyeria ist sein Name lebendig geblieben. – Papier tls. mit Abklatsch der Exsikkate, stellenw. etw. gebräunt, sonst nur wenig fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 13.

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KÜTZING, F. T., Phycologia generalis oder Anatomie, Physiologie und Systemkunde der Tange. Leipzig, Brockhaus, 1843. 4°. Mit 80 in verschied. Farben lithogr. Tafeln. XXXII, 458 S., 1 Bl. Hldr. d. Zt. mit Rvg., monogr. „CL“ (minimal bestoßen). 800,Erste Ausgabe. – Pritzel 4912. Nissen 1109. Stafleu-C. 3973. ADB LI, 461. DSB VII, 534: „In 1843 Kützing's first great algal work appeared. In the 'Phycologia generalis' Kützing named the red and blue algal pigments phycoerythrin and phycocyanin, respectively, and also announced the discovery of starch granules (Floridian starch), the storage product in red algae. In recognition of the importance of his forthcoming 'Phycologia', in 1842 Kützing was made a royal professor.“ – Etw., stellenw. stärker braunfleckig. – Sehr schönes Exemplar aus dem Besitz des österreichischen Erzherzogs Carl Ludwig Johann (1771-1847).


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First edition. – Some brown stains, here and there more. – A very beautiful copy from the estate of the Austrian archduke Carl Ludwig Johann (1771-1847). – Contemporary half calf with gilt back, monogram „CL“ (minor scuffing).

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PICCIOLI, A., L'antotrofia ossia la coltivazione de' fiori. Seconda edizione. 2 Bde. Florenz, Batelli, 1840. Mit 72 kolor. lithogr. Tafeln. Hldr. d. Zt. (stark beschabt und bestoßen). 500,Vgl. Stafleu-C. 7884 (EA 1834). – In Entsprechung zu den 12 Monaten des Jahres in 12 Teile geteilte Abhandlung zur Pflanzenzucht, verfaßt von Antonio Piccioli (1741-1842), Kurator des Botanischen Gartens in Florenz. – Stellenw. fleckig, leicht gebräunt. – Siehe Abbildung Tafel 17.

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POKORNY, A., Plantae lignosae imperii Austriaci. Österreichs Holzpflanzen. Wien, Hof- und Staatsdruckerei, 1864. Fol. Mit 1640 Blattabdrucken in Naturselbstdruck auf 79 Tafeln, einigen Textabb. und einer Maßstab-Tafel. XXVIII S. (1 Bl. zwischengeb.), 1 Bl., 524 S. (1 Bl. zwischengeb.), 1 Bl. Stark beschäd. Hlwd. d. Zt. (Buchblock lose). 400,Einzige Ausgabe. – Nissen 1555. Pritzel 7241. Stafleu-C. 8129. Fischer 78 (in GBJ 1933). – Die Abbildungen der Laubblätter unter Anwendung des von Auer erfundenen Naturselbstdrucks mit Hilfe der Galvanoplastik. – Titel mit kleinem Einriß, kaum fleckig. – Mod. Exlibris.

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Erste Ausgabe. – Landwehr, VOC, 603. Nissen 1625 (gibt für Bd. I irrig 56 Kupfer an). Stafleu-C. 9123. De Belder 301: „The 'Hortus Indicus' is the first comprehensive flora of the East Indies, containing the first illustrations of a great number of tropical and subtropical plants and fruits. The plates were drawn by M. A. St. Joseph and engraved by B. Stoopendael. They include the Sanskrit, Arabic and Malayalam names of the plants, as well as the Latin.“ – Frontisp. gebräunt und mit kleinem Ausriß, einzelne Blätter angerändert, Buchblock gelockert, wenige Tafeln mit kleiner Wurmspur am Falz, gering fleckig.

REIT(T)ER, J. D., UND G. F. ABEL, Abbildungen der hundert deutschen wilden Holz-Arten. Stuttgart, „auf Kosten der Herausgeber“ (Cotta), 1804. 4°. Mit 100 kolor. Kupfertafeln. 1 Bl., 38 (recte 36) S. Pp. d. Zt. (Bezug mit kleinen Fehlstellen, stark beschabt und bestoßen). 2.000,Titelauflage der Ausgabe von 1796 (EA 1790). – Vgl. Nissen 1617. Stafleu-C. 8971. Fischer 128 (alle die EA 1790-94). Mantel I, 228 (Ausg. 1803-05). – Erschien als Ergänzung zu Burgsdorfs Forsthandbuch. – Die Tafeln zeigen Zweige, Blüten, Fruchtstände und Samen, nach Entwürfen Reitters von dem württembergischen Hofkupferstecher Abel sorgfältig gestochen. – 1803 erschien noch ein Supplement mit 25 Tafeln. – Auf dem Titel die letzte Ziffer des Erscheinungsjahrs mit „0“ überschrieben, minimal fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 17. The plates show branches, blossoms, fruit stalls and seeds, carefully engraved by the Württemberg court engraver Abel after designs by Reitter. – A supplement was published in 1803 with 25 plates. – On the title last figure of year of publication overwritten with „0“, minimally soiled. – Contemporary cardboard (cover material with minor defects, heavily scratched and scuffed). – See illustration on plate 17.

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Nr. 260

RHEEDE TOT DRAAKENSTEIN, H., Hortus Indicus Malabaricus. Notis adauxit, & commentariis illustravit A. Syen. Bd. I (von 12). Amsterdam, Van Someren und Van Dyck, 1678. Fol. Mit gestoch. Titel, 57 Kupfertafeln und 3 Textkupfern. 8 Bl., 110 (recte 112) S., 1 Bl. Pp. d. Zt. (stark beschabt und bestoßen). 400,-

269

ROCHEL, A., Plantae Banatus rariores. Budapest, Landerer, 1828. Fol. Mit 41 lithogr. Tafeln und gefalt. lithogr. Karte. 2 Bl., IV, 84 S., 6 Bl. Läd. Hldr. d. Zt. 1.200,Einzige Ausgabe. – Nissen 1655. Pritzel 7685. Jackson 264. Plesch 384. Stafleu-C. 9319. – Seltene Darstellung der Pflanzenwelt in der historischen Region Banat (heute Teil von Ungarn, Rumänien und Serbien). Enthält neben den botanischen Beschreibungen auch Kapitel zur Geographie. – Die Tafeln mit detailliert gezeichneten Pflanzenbildern im Stil einer Radierung, eines nur kurze Zeit praktizierten Verfahrens in der Frühzeit der Lithographie. – Titel gestempelt und mit hs. Bibliothekssignatur, einzelne Tafeln mit kleinen Fehlstellen, stellenw. fleckig, tls. leicht gebräunt. – Siehe Abbildungen. Sole edition. – Rare illustration of the flora in the historical region of Banat (today part of Hungary, Romania and Serbia). Apart from botanical descriptions it also contains chapters to geography. – The plates with pictures of plants in detailed drawing in the style of an etching, in a technique


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Botanik

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practized only shortly in the early days of lithography. – Title stamped and with ms. library shelfmark, some plates with minor defects, here and there some soiling, partly slightly browned. – Contemporary damaged half calf. – See illustrations.

Naturgeschichte bearb. von Ch. F. Hochstetter. Stuttgart und Esslingen, Schreiber & Schill, (1854). 4°. Mit 52 doppelblattgr. kolor. lithogr. Tafeln. 2 Bl., 39 S., 4 Bl., 40 S., 3 Bl. Hlwd. d. Zt. (beschabt und bestoßen). 150,-

ROQUES, J., Phytographie médicale. 2 Bde. Paris, Didot, 1821-(24). 4°. Mit 180 farb. Kupfertafeln, beikolor. von Hocquart. XII, 304; 328 S. Restauriertes Hldr. d. Zt. mit Rsch. und Rvg. 2.500,-

Erste Ausgabe. – Stafleu-C. 11202. – Vgl. Wegehaupt II, 2298 (2. Aufl. 1864). – Buchblock gebrochen, fleckig. – DAZU: DERS., Naturgeschichte der Amphibien, Fische, Weich- und Schaalenthiere. Esslingen 1873. Mit 30 doppelblattgr. kolor. lithogr. Tafeln. 2 Bl., II, 27 S. Läd. OHlwd.

Erste Ausgabe. – Stafleu-C. 9497. Nissen 1673. Pritzel 7758. Hirsch-H. IV, 875. – Alphabetisch geordnetes Medizinpflanzenbuch mit dekorativen Tafeln (u. a. Irisgewächse, Narzissen und Anemonen). – Vorsatz mit Besitzeretikett, stellenw. fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 17. First edition. – Alphabetically arranged book on medical plants with decorative plates (a. o. iris plants, narcissi and anemones). – Endpaper with ownership label, soiling here and there. – Contemporary restored half calf with spine label and gilt back. – See illustration on plate 17.

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SCHUBERT, G. H. VON, Naturgeschichte des Pflanzenreichs in Bildern. Nach der Ordnung des allgemein bekannten und beliebten Lehrbuchs der

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SELIGMANN, J. M., Die Nahrungs-Gefäse in den Blättern der Bäume nach ihrer unterschiedlichen Austheilung und Zusammensetzung so wie solche die Natur selbst bildet. Nebst Ch. J. Trew historischen Bericht von der Anatomie der Pflanzen. Nürnberg, Fleischmann, 1748. Fol. Mit gestoch. Titelbordüre und 34 (statt 35) Kupfertafeln, davon 32 (statt 33) mit Naturselbstdrucken. 1 Bl., 8 S. Läd. Pp. d. Zt. 1.500,Erste Ausgabe. – Pritzel 9498. Nissen 1831. Stafleu-C. 11.650. Fischer 20: „Der Titel und die 33 Naturselbstdrucktafeln in gleichmäßiger, ornamentaler Umrahmung, Tafelnummern und Pflanzenbezeichnungen extra eingedruckt. Auf jeder Tafel sind mehrere skelettierte Pflanzen-


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Botanik

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blätter von höchster Feinheit in roter Farbe (Bolus) abgedruckt. Es sind nur unvollständige Exemplare bekannt.“ – Der Text bricht auf S. 8 mitten im Satz ab. – Es fehlt die letzte Tafel „Schwarza Birn“. – Laut Fischer-Zensus gibt es nur in Göttingen und Kopenhagen Exemplare mit 35 Tafeln. – Untere innere Ecke mit Braunfleck (bei den letzten Tafeln bis in den Abbildungsrahmen reichend), sonst nur stellenw. wenig fleckig. – Von größter Seltenheit: im Jahrbuch nur ein Fragment mit 12 Tafeln. – Siehe Abbildungen.

Erste Ausgabe. – Stafleu-C. 11951. – Seltene Separatausgabe des vollständigen Kapitels über die Hortensien aus Philipp Franz von Siebolds berühmter „Flora Japonica“, und zwar der 1839/40 erschienenen Lieferungen 11-13 mit den Textseiten 101-122 und den Tafeln 51-66 aus Teil I des Werks (Stafleu-Cowan 11949; Nissen 1842). – In den Bibliothekskatalogen meist falsch datiert. – Unbeschnittene Ränder mit geringen Läsuren und etw. gebräunt, der Textteil nur leicht, die Tafeln etw. stärker gebräunt und stellenw. stockfl. – Siehe Abbildung.

First edition. – The text breaks off on p. 8 in the middle of a sentence. – Lacks last plate „Schwarza Birn“. – According to Fischer there are copies only in Göttingen and Copenhague with 35 plates. – Lower inner corner with brown stain (reaching up to illustration border for the last plates), otherwise a little soiled only here and there. – Extremely rare: in Jahrbuch only a fragment with 12 plates. – Contemporary damaged cardboard. – See illustrations.

Aus der „Flora Japonica“ 273

SIEBOLD, PH. F. VON, UND J. G. ZUCCARINI, Icones et descriptiones hydrangearum in Japonia hucusque detectarum. (Leiden, Selbstvlg., 1840). Fol. Mit 16 lithogr. Tafeln. 1 Bl., 23 S. Läd. Lief.-Brosch. 1.200,-

First edition. – Rare separate edition of the complete chapter on hydrangea. – Untrimmed margins with minor tears, a little browned, text part only slightly, plates somewhat stronger browned and foxed here and there. – Damaged original wrappers. – See illustration.

274

(SPRENGEL, K., Anleitung zur Kenntniß der Gewächse. 2., ganz umgearb. Ausg. Halle, Kümmel, 1817-18). Nur Tafelband. Qu.-Fol. 25 tls. kolor. Kupfertafeln. Pp. d. Zt. (beschabt und bestoßen). 120,Pritzel 8862. Junk 9107. Stafleu-C. 12675. – Die Tafeln auf Träger montiert, tls. mit ausführlichen Legenden in Tinte von alter Hand, stellenw. etw. gebräunt.


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Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau

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KLING, J. P. (VON), Wohlmeinende Unterredung mit dem Baierischen Landmanne. München, Lindauer, 1808. 118 S. Orig.-Brosch. (stärkere Gebrauchsspuren). 150,Hamberger-M. XIV, 307. – Johann Peter von Kling (17491809), Direktor der Münchner Landesdeputation, verfaßte eine große Anzahl von Ratgebern für den Bauernstand.

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PREUSSEN – SAMMLUNG – 3 Verordnungen zum Anbau von Maulbeerbäumen. 1746-65. Fol. 100,I. EDICT, daß niemand sich unterstehen soll, die MaulbeerBäume zu beschädigen. Berlin, Gäbert, o. J. (1746). 2 Bl. II. REGLEMENT für Prediger, Küster und Schulmeister der Chur-Marck Brandenburg, wegen Pflantzung der Maulbeer-Bäume. (Berlin 1752). 2 Bl. III. INSTRUCTION für sämmtliche Land- und SteuerRäthe wegen Beförderung der Maulbeer-Baum-Cultur auf den Kirchhof. (Berlin 1765). 2 Bl. Die Anpflanzung von Maulbeerbäumen mit dem Ziel der Produktion von Seide war in Preußen bereits in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts eingeführt, aber erst von Friedrich II. systematisch gefördert worden. – Tls. mit getilgten Besitzvermerken, Randläsuren und winzigen Fehlstellen, vereinzelt fleckig.

Nr. 273

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Land- und Forstwissenschaft, Gartenbau 275

Wimmer 92 (liest das Erscheinungsjahr falsch 1658). Pritzel 7848. – Vgl. Ornamentstichslg. Berlin 3315 (EA 1648). – Nicht bei Nissen und Hunt. – Titelauflage der zweiten Ausgabe von 1651. – Enthält im ersten Teil die eigentliche Beschreibung des Schlosses Hessem (Parkanlagen mit Pflanzenkatalog). Der zweite Teil ist eine Anleitung zur Anlegung eines Haus- und Küchengartens, der dritte Teil behandelt die Verwendung der dort gezogenen Pflanzen in der Küche. – Die Kupfer mit Brunnen, Park und Landschaftsansichten, tlw. aus der Umgebung (Blocksberg, Klotzberg u. a.; daraus fehlt die Nummer 5, die alte Asseburg). – „The Huguenot author had easily forsaken France to become court gardener and creator of the castle gardens Hessem at Wolfenbuettel in Brunswick. For his fashionable Baroque topiary he used various types of fruit trees together with ornamental trees to achieve extravagant effects. He had, for example, a doe sculptured in privet, jumping for a single large pear hanging from an adjacent pear tree“ (Janson 101). – Minimal fleckig. – Sehr selten.

HERZER, (F. X.), Über die Weisheit und Güte Gottes in den Werken der Natur, nach Sander, Bonnet, Gleditsch, Fenelon, Sulzer und Rollin. Pappenheim 1793. 2 Bl., 92 S. Brosch. d. Zt. (leichte Gebrauchsspuren). 200,Hamberger-M. III, 276. – Enthält u. a. „Etwas von den Schnecken und ihrer Behandlung in besondern Behältnissen“, darin auch die in jedem Sommer für Gartenbesitzer erneut aktuellen „Mittel zur Vertilgung der schädlichen Arten von Schnecken“. NACHGEB.: DERS., Beyträge für 1793 und 1794 zur Kenntniß, Anbau, Benutzung, und der Geschichte der Seidenpflanze in baierschen und schwäbischen Kreisen. Ulm, Wagner, 1794. 1 Bl., 47 S. – Hamberger-M. III, 277. (DERS.), Kurze Beschreibung der Seidenpflanze, des Nutzens ihrer Seide und Hanfes, und besonders ihrer späten süßen Blüthe für die Bienen. Stadtamhof, Riepel, 1793. 1 Bl., 30 S. – Bibliographisch von uns nicht nachweisbar.

ROYER, J., Beschreibung des ganzen Fürstl. Braunschw. gartens zu Hessem. Zum andern truck verm. und verb. durch den Autorem. 3 Abt. in 1 Bd. Braunschweig, (A. Duncker für) G. Müller, 1653. 4°. Mit gestoch. Titel und 13 (statt 14) Kupfertafeln. 6 Bl., 130 S. (inkl. 2 Zwischentiteln, die 1651 datiert sind). Mod. Broschur. 400,-

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SPOLVERINI, G. B., La coltivazione del riso. Verona, Bisesti, 1819. Mit gestoch. Frontisp. und 5 Kupfertafeln. 184 S. Hpgt. d. Zt. (fleckig). 200,Vgl. Cobres 668, 9 (Ausg. 1763). Gamba 2452 (Ausg. 1758). – Spätere Ausgabe des erstmals 1758 erschienenes Lehrgedichts über die Geschichte des Reisanbaus, vorliegend mit anmutig-bukolischen Kupfern von Domenico Cunego nach Francesco Lorenzi. – Vorsatz und Frontisp. verso mit Besitzvermerken, etw. fleckig.


Mathematik – Physik

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THON, G. F. P., Ueber Mahlmühlengebrechen und Mühlenpolizei, insbesondere über Zwangsmühlen, Mahlmetze und Mühlenvisitation. Ilmenau, Voigt, 1828. 1 Bl., 101 S. Läd. Pp. d. Zt. – Erste Ausgabe. – Gebrauchsspuren. 80,-

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WÄCH, F., Die Reformstallung für Zucht, Mast, Laufraum, Transport und Ausstellung. Zug, Speck-Brandenberg, 1918. Mit 9 Tafeln. 12 S. Hlwd. (wenig berieben). 150,-

Dritte deutsche Ausgabe. – Libri rari 40. Graesse I, 429. Poggendorff I, 195. Minow 16. – Vgl. Grewe 626. Zinner, Astronom. Instrumente, 292 (Doppelmayr). – Klassisches Werk der Instrumentenkunde des französischen Mathematikers und Instrumentenbauers Nicolas Bion (1652-1733) in der deutschen Übersetzung und Bearbeitung von Johann Gabriel Doppelmayr (1677-1750), einem Nürnberger Mathematiker und Physiker, der auch durch eine Reihe eigener Schriften die Kenntnisse in seinen Fächern verbreitet hat. – Weitere Teile erschienen 1727 und 1728. – Die Tafeln zeigen geometrische Figuren, astronomische Meßgeräte und Instrumente. – Vorsatz mit hs. Einträgen von 1830 und 1836, Tafel 10 mit größerer Fehlstelle, ein Bl. mit Ausriß unten (minimaler Textverlust), die Kupfer tls. mit Bleistiftkritzeleien, stellenw. fleckig und wasserrandig.

Erste Ausgabe. – Seltene Publikation zur Kleintierzucht. – Die Tafeln zeigen Ställe für die Geflügel- und Kaninchenhaltung. – Etw. fleckig.

286 282

WALTER, J. J., Practische Anleitung zur GartenKunst. Stuttgart, Metzler, 1779. Mit 3 Kupfertafeln. 6 Bl., 596 S., 18, 1 Bl. Hldr. d. Zt. (beschabt, etw. wurmstichig und bestoßen). 200,-

First edition. – Margins slightly browned. – Sewn booklet with bound-in original wrappers to part I and II in modern dust cover.

Mathematik – Physik 287 APOLLONIUS VON PERGA, Sieben Bücher über Kegelschnitte nebst dem durch Halley wieder hergestellten achten Buche. Deutsch von H. Balsam. Berlin, Reimer, 1861. Mit 31 gefalt. lithogr. Tafeln. 389 S. Beschäd. Hldr. d. Zt. 150,-

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ARCHIMEDES, Opera omnia. Cum commentariis Eutocii. Latine vertit notisque illustravit J. L. Heiberg. 3 Bde. Leipzig, Teubner, 1880-81. Mit zahlr. Abb. im Text. XII, 499; VII, 468; LXXXIX S., 1 Bl., 525 S., 1 Bl. Anzeigen. Hldr. d. Zt. (stärker beschabt und bestoßen). – Gelenke von Bd. III gebrochen; alle Bde. mehrf. gestempelt, etw. gebräunt. 80,BION, N., Neu-eröffnete mathematische WerckSchule. 3. Aufl., verm. von J. G. Doppelmayr. Nürnberg, Monath, 1726. 4°. Mit gestoch. Frontisp. und 30 ausklappbaren Kupfertafeln (1 doppelblattgr.). 7 Bl., 432 S. Läd. Pp.-Brosch. d. Zt. 150,-

BOLYAI, J., Absolute Geometrie. Bearb. von J. Frischauf. Leipzig, Teubner, 1872. XII, 96 S. Mod. Brosch. mit aufgezogenen Deckeln der Orig.-Broschur (Gebrauchsspuren). 2.000,Seltene erste deutsche Ausgabe. – Poggendorff III, 156 und 478. Dibner 116, Anm. – Vgl. DSB II, 271. – „Appendix“ über den nicht-euklidischen Raum. Das lateinische Original war 1823 erschienen. „In the 26 page appendix to the mathematic work of his father, the young Bolyai established a generalised system of geometry free of Euclidian premises of the parallel-axiom“ (Dibner). – Die deutsche Ausgabe besorgte der Grazer Mathematiker Johannes Frischauf (1837-1924). – Leicht gebräunt. – Unbeschnitten.

Mit Einleitung zur Editionsgeschichte des grundlegenden Werkes. – Vorsätze leimschattig, mit Buchhändlermärkchen, eine Tafel lose, eine Tafel mit winzigem Loch, vereinzelt fleckig, leicht gebräunt.

284

BOHR, N., On the Quantum Theory of LineSpectra. 3 Tle. in 1 Bd. Kopenhagen, Host, 191822. 4°. 118 S. Heftstreifen mit eingeb. Orig.Brosch. zu den Tln. I und II in mod. Umschlag. 1.000,Mémoires de l'Académie Royale des Sciences et des Lettres de Danemark, Sciences, 8me série, Bd. IV/1, Fasz. 1-3. – Erste Ausgabe. – Rosenfeld 15. Ekelöf 1912. Waller 11285. DSB II, 247: „Bohr's theory of the periodic system of the elements, based essentially on the analysis of the evidence of the spectra, renewed the science of chemistry.“ – Ränder leicht gebräunt.

Erste Ausgabe. – Dochnahl 168. Gradmann 726. Metzler 714. – Vorsatz beidseits mit Eintrag von alter Hand in Tinte, gebräunt und fleckig.

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BÜRJA, A., Grundlehren der Dynamik. Berlin, Lagarde, 1791. Mit gestoch. Frontisp. 1 Bl., VIII S., 1 Bl., 416 S., 1 Bl. Hldr. d. Zt. mit Rsch. und Rvg. (leicht beschabt). 200,Erste Ausgabe. – Poggendorff I, 335. – Beigebunden sind vom selben Verfasser die „Grundlehren der Hydraulik“ (1792) und die „Abhandlung von der Telegraphie oder Fernschreibkunst“ (1794). – Alle drei Schriften etw. fleckig.

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EUKLID, Elementorum geometricorum libri XV. Basel, J. Herwagen, 1546. Fol. Mit 2 Druckermarken, zahlr. geometrischen Textholzschnitten und schwarzgrundigen Holzschnitt-Initialen. 4 Bl., 587 S. Läd. spät. Pgt. 2.500,-


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Mathematik – Physik

polyhedra.“ – Vorsatz mit Besitzvermerk, dat. 1910, Titel mit getilgten Besitzvermerken, wenige Bl. mit kleinem Eckausriß oder Einriß, stellenw. fleckig, gebräunt.

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EULER, L., Opuscula analytica. 2 Bde. St. Petersburg, Academia Imperialis Scientiarum, 1783-85. 4°. Mit 2 gefalt. Kupfertafeln. 2 Bl., 363 S., 2 Bl., 346 S. Ldr. um 1800 mit goldgepr. Wappensupralibros „Collége Royal de Henri IV.“ (Gelenke brüchig, Rücken leicht rissig, beschabt, bestoßen). 2.500,Erste Ausgabe der ersten Sammelausgabe wichtiger kleinerer Arbeiten Eulers zur Analysis. – Eneström 531 und 580. Roller-G. I, 373. DSB IV, 474. Poggendorff I, 690. Sotheran, Suppl. II, 1464: „Containing important papers on the theory of numbers.“ Insgesamt handelt es sich dabei um 28 Arbeiten aus dem Jahrzehnt von 1771 bis 1781; Eneström verzeichnet sie unter den Nummern 550-562 und 586-600. – Bd. I gegen Ende mit kleinerem Wasserrand; beide Bde. leicht gebräunt. – Breitrandiges Exemplar. First edition of the first collective edition of smaller important papers by Euler to analysis. – Vol. I with smaller waterstain towards the end; both vols. slightly browned. – Widemargined copy. – Calf around 1800 with gilt stamped armorial bookplate „Collége Royal de Henri IV.“ (joints brittle, spine a little cracked, scratched, scuffed).

Nr. 293

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Steck III.46. Adams E 975. STC 288. Thomas-Stanford 11. Riccardi II, 647 (unter Zanardi). VD 16 E 4141. – Nachdruck der Ausgabe Basel 1537 (Thomas-Stanford 9). – Die sogenannte Zamberti-Campanus-Ausgabe war erstmals 1516 in Paris erschienen. Herwagen übernahm diese Übersetzung und ließ sie von Melanchthon mit einem Vorwort versehen. – „Diese Ausgabe ist fast zu einer vollständigen Euklid-Ausgabe geworden, die auch die kleinen Schriften Euklids neben den Elementen enthält und von den verschiedenen Verfassern kommentiert sieht, und wirkt als solche bedeutsam nach. Sie wird 1541 in Rom offenbar in einer Lizenz-Ausgabe neu aufgelegt“ (Steck III.33 zur Ausg. von 1537). – Herwagen war der erste Drucker, der die Diagramme in den Text eingebaut hat. Vorher wurden sie als Marginalien gedruckt. – Die Druckermarke bei Heitz-B., S. 79, Abb. 136. – Vorsatz mit Besitzvermerk, stellenw. fleckig (Titel), einzelne Wurmspuren in Kopf- und Fußsteg.

Erste Ausgabe dieser Sammlung. – Eneström 80, 121 und 156. Honeyman 1064. Roller-G. I. 373. Wheeler Gift 366. Ekelöf 268 (die beiden letzten nur Bd. III). Poggendorff I, 689. Houzeau-L. I, 3482. – Enthält 13 Arbeiten zur Mathematik, Physik und Astronomie; einige davon waren vorher schon separat erschienen. Eneström verzeichnet die Arbeiten im einzelnen unter den Nummern 86-91, 151-154, 109 B, 173 und 174. – Der zweite Band mit eigenem Titel „Conjectura physica circa propagationem soni ac luminis“, der Gesamttitel taucht hier nur im Lagenvermerk auf: „Euleri Opuscula Tom. II“. – Der dritte Band enthält die „Novam theoriam magnetis“, in der Euler allerdings über die von Descartes entwickelten Thesen nicht hinausgeht (siehe dazu Wheeler Gift). – Vorderer Vorsatz gestempelt, gebräunt.

Reprint of the Basle edition of 1537. – Endpaper with ms. ownership entry, here and there soiling (title), some worming at upper and lower margin. – Late damaged vellum.

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– Elementorum libri XV. breviter demonstrati, opera Is. Barrow. Cambridge, Druckerei der Akademie für Nealand, 1655. Mit vielen Diagrammen. 7 Bl., 342 S. Restauriertes Pgt. d. Zt. 250,Erste von Isaac Barrow besorgte Ausgabe. – Steck IV.48. DSB I, 474: „His first published work is designed as a quadrivium undergraduate text, with emphasis on its deductive structure rather than on its geometrical content, its sole concessions to contemporary mathematical idiom being its systematic use of Oughtred's symbolism and a list 'ex P. Herigono' of numerical constants relating to inscribed

– Opuscula varii argumenti. 3 in 2 Bdn. Berlin, Haude & Spener, 1746-51. 4°. Mit gestoch. Titelvign. und 12 gefalt. Kupfertafeln. 1 Bl., 300 S.; 1 Bl., 166 S., 1 Bl., 165 S. Hlwd. d. 1. Hälfte des 19. Jhdts. (beschabt, etw. bestoßen). 2.500,-

First edition of this collection. – Contains 13 treatises to mathematics, physics and astronomy; some of them were already published separately. – Upper endpaper stamped, browned. – Half cloth of the first half of the 19th century (scratched, a little scuffed).

293

– Constructio lentium obiectivarum ex duplici vitro quae neque confusionem a figura sphaerica oriundam, neque dispersionem colorum pariant. St. Petersburg, Acadamia Scientiarum, 1762. 4°. Mit gefalt. Kupfertafel. 31 S. Brosch. d. Zt. (mit kleinem Signaturschild, etw. knittrig, tls. ausgeblichen). 3.000,-


Mathematik – Physik

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Einzige Ausgabe. – Eneström 266. Poggendorff I, 690. – Nicht bei Roller-G. und Honeyman. – Zu den seltensten Werken Eulers zählende Abhandlung aus dem Gebiet der Optik; die Tafel mit der Darstellung von Brennweiten von Teleskopen und Linsen. – Titel mit hs. Numerierung und blassem Stempel, gebräunt. – Siehe Abbildung. Sole edition. – One of the rarest works by Euler is the treatise on optics. – Title with ms. numbering and faint stamp, browned. – Contemporary wrappers (with small shelfmark label, a little creased, partly faded). – See illustration.

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– Dioptricae pars prima (-tertia). 3 Bde. St. Petersburg, Academia Imperialis Scientiarum, 1769-71. 4°. Mit 6 gefalt. Kupfertafeln. 2 Bl., 337 S.; 3 Bl., 592 S.; 4 Bl., 440 S. Hldr. d. Zt. mit Rvg. (etw. beschabt und ein wenig bestoßen). 6.000,Erste Ausgabe. – Eneström 367, 386 und 404. Roller-G. I, 374. Poggendorff I, 690. DSB IV, 482: „For his part, Euler, in his Dioptrica, laid the foudations of the calculation of optical systems.“ – Enthält in Bd. I die Grundlegung („De explicatione principiorum, ex quibus constructio tam telescopiorum quam microscopiorum est petenda“), Bd. II ist den Teleskopen gewidmet („De constructione telescopiorum dioptricorum“), Bd. III den Mikroskopen („De constructione microscopiorum tam simplicium, quam compositorum“). – Titel verso mit kleinem figürlichen Sammlerstempel in Rot, leicht gebräunt. First edition. – Title verso with small figurative collector's stamp in red, slightly browned. – Contemporary half calf with gilt back (a little scratched and scuffed).

295

– Dissertatio de principio minimae actionis una cum examine obiectionum cl. prof. Koenigii contra hoc principium factarum. Berlin, Michaelis, 1753. 8 Bl., 223 S. Läd. Brosch. d. Zt. 2.000,Erste Ausgabe. – Eneström 186. Poggendorff I, 690. – Erstdrucke der Abhandlung über das Prinzip der kleinsten Wirkung und der Erwiderung auf eine Arbeit des streitbaren deutschen Mathematikers Johann Samuel König (17121757) im Zusammenhang mit diesem Prinzip, das gefunden zu haben König für Leibniz reklamierte und Euler und Maupertuis absprach. Die Dissertatio und das Examen dissertationis jeweils lateinisch und in französischer Übersetzung im Paralleldruck. Im 7. Bd. der Berliner Akademieschriften wiederabgedruckt (nicht, wie fast immer, umgekehrt; Eneström 198 und 199). – Unbeschnitten und tls. unaufgeschnitten, gebräunt. First edition. – Untrimmed and partly unopened, browned. – Contemporary damaged wrappers.

296

– Dissertatio physica de sono. Basel, Thurneysen, 1722. 4°. 16 S. Pgt. d. Zt. 3.000,Erste Ausgabe. – Eneström 2. – In der Reihenfolge der Bindung das 28. Stück eines Sammelbandes mit insgesamt 91 Basler Dissertationen und Thesendrucken aus den Jahren 1690-1739, zwischen 4 und 38 Bl. Umfang, u. a. unter dem Vorsitz von Samuel Battier, Daniel Bernoulli, Johann Bernoulli, Nicolaus Bernoulli, Johann Jacob Hofmann, Emanuel König, Samuel Werenfels und Johann Rudolph Zwinger. – Mit der vorliegenden Arbeit über den Schall hat sich der knapp 20jährige Euler um die vakante Basler Physikprofessur beworben, allerdings ohne Erfolg, weil er bisher

Nr. 296 nur zwei kleine Schriften von 3 und 5 Seiten aus dem Fach publiziert hatte und damals außer seinem Lehrer Johann Bernoulli keiner die im hochbegabten Mathematiker und Physiker schlummernden Anlagen erkannte. Im Sammelband enthalten sind weitere drei Schriften, an denen der junge Euler als Respondent beteiligt war (alle nicht bei Eneström). In der Reihenfolge der Bindung, die zugleich der Chronologie der Schriften entspricht: BURCKHARDT, J., Theses logicae vere tumultuariae una cum annexis miscellaneis. Basel, Lüdins Witwe, 1722. 4°. 8 S. – 11. Stück des Bandes. – Disputation pro vacante professione logica am 21. Januar des Jahres (Euler war 14 Jahre alt). BATTIER, J. R., Positiones logicae miscellaneae. Basel, Thurneysen, 1722. 4°. 8 S. – 15. Stück des Bandes. – Disputation pro vacante cathedra logica am 30. Januar des Jahres. ISELIN, J. R., Brevis Romanorum judiciorum historia. Ebda. 1722. 4°. 64 S. – 25. Stück des Bandes. – Juristische Dissertation vom Dezember 1722 (Euler war inzwischen 15 Jahre alt). Alle Drucke alt hs. numeriert (1-88 und 34a, 36a und 79a). Leicht gebräunt. – Vollständig kollationiert. – Für die Basler Gelehrtengeschichte allgemein aufschlußreicher Sammelband, speziell für die Bildungsgeschichte Eulers anziehende Zusammenstellung von allesamt seltenen akademischen Zeugnissen aus der Jugend des großen Schweizers. – Siehe Abbildung. First edition. – In the chronological sequence of the binding it is the 28th piece of a Sammelband with altogether 91 Basle dissertations and thesis printings from the years 1690-1734, containing between 4 and 38 leaves, a. o. chaired by Samuel Battier, Daniel Bernoulli, Johann Bernoulli, Nicolaus Bernoulli, Johann Jacob Hofmann, Emanuel König, Samuel


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Werenfels and Johann Rudolph Zwinger. – With the present work on sound, Euler, at the age of 20, had applied for the vacant Basle professorship of physics, however without success, as so far he had only published 2 small treatises of 3 and 5 pages in this field and apart from his teacher Johann Bernoulli nobody perceived the hidden talents of this highly talented mathematician and physicist. – The Sammelband contains three other treatises where the young Euler had participated as respondent (all of them not by Eneström). – All issues numbered by hand in former times (1-88 and 34a, 36a and 79a). Slightly browned. – Completely collated. – Sammelband enlightening as regards the history of Basle scholars, in particular for the compilation of rare academic grades and certificates from the adolescence of the great Swiss. – See illustration.

297

– „Exposition de quelques paradoxes dans le calcul intégral“ (Kopftitel). (Berlin 1758). 4°. Mit 2 Kupfertafeln. S. 300-364. Mod. Pp. (etw. bestoßen) in mod. Hmaroquin-Schuber (leicht beschabt). 1.500,Mémoires de l'Académie des Sciences de Berlin, Bd. XII, 1756 (erschienen 1758), Lagen Pp 2 bis Zz 2. – Erste Ausgabe. – Eneström 236. Honeyman 1071. – „Über singuläre Integrale von Differentialgleichungen (Herleitung durch Differentiation; Nachweis, daß diese Integrale nicht in der allgemeinen Lösung inbegriffen sind). Nach Jacobi am 31. Oktober 1754 der Berliner Akademie vorgelegt“ (Eneström). – Gebräunt, etw. fleckig. – Unbeschnitten. – Aus dem Besitz von Robert Honeyman mit dessen goldgepr. roten Lederexlibris (und einem früheren oberhalb davon: George Meyer [1860-1923], praktischer Arzt zu Berlin). First edition. – Browned, a little soiled. – Untrimmed. – From the estate of Robert Honeyman with his gilt stamped red leather exlibris (and an earlier thereof above: George Meyer [1860-1923], general practitioner at Berlin). – Modern cardboard (a little scuffed) in modern half morocco slipcase (slightly scratched).

298

– Institutiones calculi differentialis cum eius usu in analysi finitorum ac doctrina serierum. 2 Tle. in 1 Bd. (Berlin, Michaelis für die Academia Imperialis Scientiarum in St. Petersburg, 1755. 4°. XXIV, 880 S. Hmaroquin d. Zt. (beschabt, bestoßen, fleckig). 4.000,Erste Ausgabe. – Eneström 212. Norman 733. DSB IV, 476. Poggendorff I, 690. Smith I, 522, 1. Honeyman 1069. Sotheran 7686. Rouse Ball 396: „This is the first text-book on the differential calculus which has any claim to be regarded as complete, and it may be said that until recently many modern treatises on the subject are based on it.“ – „Aus einem Briefe von Euler an Goldbach scheint hervorzugehen, daß das Manuskript des Werkes schon 1748 in den Händen des Verlegers war; nach einem Briefe von Euler an Goldbach vom 4. Juli 1744 war es schon 1744 in Angriff genommen“ (Eneström). – Leicht gebräunt, etw. fleckig. – Unbeschnitten und teilw. unaufgeschnitten. – Siehe Abbildung Tafel 20. First edition. – Slightly browned, a little soiled. – Untrimmed and partly unopened. – Contemporary half morocco (scratched, scuffed, soiled). – See illustration on plate 20.

Widmungsexemplar 299

– Institutionum calculi integralis. Bde. I-III (von 4). St. Petersburg, Academia Imperialis Scientiarum, 1768-70. 4°. Mit gefalt. Kupfertafel. 2 Bl., 542 S.; 2 Bl., 526 S., 4; 4 Bl., 639 S. Ldr. d. Zt. (Bde. I und II; Gelenke etw. rissig, beschabt) und gut angepaßtes mod. Ldr., jeweils mit Rvg. und 2 Rsch. 8.000,Erste Ausgabe. – Eneström 342, 366 und 385. Poggendorff I, 690. Roller-G. I, 374. Sotheran 1252. Norman 734. DSB IV, 478: „The 'Institutiones calculi integralis' exhibits Euler's numerous discoveries in the theory of both ordinary and partial differential equations, which were especially useful in mechanics.“ – Ein 4. Band erschien postum 1794. – Leicht gebräunt. Exemplar von herausragender Provenienz: Bd. III mit eigenhändiger Widmung Eulers auf dem alten Vorsatzblatt verso: „Pour Monsieur Beguelin de la part de Son très-humble et très-obeïssant Serviteur L. Euler“. – Alle Bde. auf den Titeln verso gestempelt: „Königl. Medicin.-chirurg. Friedrich-Wilhelms-Institut“. – Bde. II und III mit gestoch. Exlibris auf den Spiegeln: „Konstantinou Karatheodore“ in griechischen Kapitalbuchstaben. – Nicolas de Béguelin (1714-1789) stammte aus Courtelary im Berner Jura, studierte unter Johann Bernoulli, unterrichtete Mathematik am Joachimsthaler Gymnasium und wurde 1747 Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften und später Direktor der philosophischen Klasse. Einige biographische Details und Literaturhinweise finden sich handschriftlich in französischer Sprache auf dem Respektblatt des vorliegenden Bandes vermerkt. – „Medicinisch-chirurgisches FriedrichWilhelms-Institut“ war von 1818 bis 1894 der Name der 1795 als Pépinière gegründeten Berliner Anstalt, an der die Militärärzte aus- und weitergebildet wurden; 1895 wurde das Institut erneut umbenannt (Kaiser-WilhelmsAkademie für das militärärztliche Bildungswesen), 1919 ist es aufgelöst worden. – Konstantinos Karatheodores (Constantin Carathéodory; 1873-1950) war der Sohn eines griechischen Diplomaten, wuchs in Brüssel auf und studierte dort die Ingenieurwissenschaften, später in Berlin und Göttingen Mathematik, und hat in diesem Fach an verschiedenen Stätten und auf mehreren Gebieten Herausragendes geleistet. First edition. – Copy of prominent provenance: Vol. III with Euler's personal dedication on the old preliminary leaf verso: „Pour Monsieur Beguelin de la part de Son très-humble et très-obeïssant Serviteur L. Euler“. – All volumes stamped on title verso: „Königl. Medicin.-chirurg. Friedrich-Wilhelms-Institut“. – Vols. II and III with engraved exlibris on paste-downs: „Konstantinou Karatheodore“ in Greek capital letters. – Nicolas de Béguelin (1714-1789) came from Courtelary in the Bernese Jura, studied under Johann Bernoulli, taught mathematics at the Joachimsthal high school and became a member of the Berlin Academy of Science in 1747 and later director of the philosophical class. Some biographical details and literature references can be found in French handwriting on the blank leaf of the present volume. – “Medicinisch-chirurgisches Friedrich-Wilhelms-Institut“ was from 1818 till 1894 the name of the Berlin institution founded in 1795 as Pépinière, where the military surgeons were formed and trained; in 1895 the institute was again renamed (Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen), in 1919 it was dissolved. – Konstantinos


Mathematik – Physik

Karatheodores (Constantin Carathéodory; 1873-1950) was the son of a Greek diplomat, grew up at Brussels and studied there engineering, later mathematics at Berlin and Göttingen and achieved in this field outstanding performances. – Contemporary calf (vols. I and II; joints a little cracked, scratched) and well matched modern calf, each with gilt back and 2 spine labels.

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One of the most famous works in the history of mathematics. – Slightly browned, a little soiled. – From the estate of Konstantinos Karatheodores (1873-1950) with his steelengraved exlibris on paste-down. – Contemporary half calf (scratched, a little scuffed, spine and rear cover material with small defects).

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NACHGEB. IN BD. III: MASCHERONI, L., Adnotationes ad calculum integralem Euleri, in quibus nonnulla problemata ab Euleri proposita resolvuntur. Pavia, Galeazzi, 1790. 4°. 2 Bl., 72 S. – Einzige Ausgabe. – Poggendorff II, 72. Riccardi I/2, 132, 6: „Raro.“ – Ein zweiter Teil erschien 1792. – Verfaßt vom italienischen Mathematiker Lorenzo Mascheroni 1750-1800), nach dem die EulerMascheroni-Konstante benannt ist.

– Introductio in analysin infinitorum. 2 Bde. Lausanne, Bousquet, 1748. 4°. Mit gestoch. Frontisp., gestoch. Portr., wdh. gestoch. Titelvign., gefalt. Tabelle und 40 ausfaltbaren Kupfertafeln. 1 Bl., XVI, 320 S.; 1 Bl., 398 S., 1 Bl. Flex. Interims-Pp. d. Zt. (etw. fleckig). 4.000,Erste Ausgabe. – Eneström 101 und 102. PMM 196. Cantor III, 699. Poggendorff I, 690. DSB IV, 476. Smith, History, I, 522. Norman 732. – Eines der berühmtesten Werke in der Geschichte der Mathematik. „In his 'Introduction to Mathematical Analysis' Euler did for modern analysis what Euclid had done for ancient geometry“ (PMM). – Blöcke gelockert, leicht gebräunt, insgesamt recht sauber. First edition. – One of the most famous works in the history of mathematics. – Blocks loosened, slightly browned, altogether quite neat. – Contemporary limp interim cardboard (a little soiled).

– Introductio in analysin infinitorum. Editio nova. 2 in 1 Bd. Lyon, Bernuset u. a., 1797. 4°. Mit gefalt. Tabelle und 16 ausfaltbaren Kupfertafeln. XVI, 320 S., 1 Bl., 398 S., 1 Bl. Hpgt. d. Zt. (beschabt, etw. fleckig). 800,Eneström 101 (2) und 102 (2). Honeyman 1066. – Vgl. für die EA (1748): PMM 196. Cantor III, 699. DSB IV, 476. Smith, History I, 522. Norman 732. – Das vierte (letzte) Blatt der Lage Ddd des zweiten Bandes mit dem viersprachigen Bericht an den Buchbinder, betreffend 40 Tafeln, stammt aus dem Druck der Erstausgabe des Jahres 1748. Eneström verzeichnet dieses Blatt nicht, es gibt aber Exemplare, die es ebenso wie unserer Druck haben (z. B. das Exemplar der UB Gent). – Leicht gebräunt, etw. fleckig.

First edition (vols. I and II in second revised issue). – Lacks copperplate in vol. III. – 2 paste-downs and 3 titles with covered stamps, slightly browned, a little soiled. – Vols. I and II with exlibris stamp „Prehoffer“. – Contemporary calf (some scratching, light scuffing).

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– Introductio in analysin infinitorum. Editio nova. 2 in 1 Bd. Lyon, Bernuset u. a., 1797. 4°. Mit gefalt. Tabelle und 16 Kupfertafeln. XVI, 320 S., 1 Bl., 398 S. Hldr. d. Zt. (beschabt, etw. bestoßen, Rücken- und Hinterdeckelbezug mit kleinen Fehlstellen). 1.000,Eneström 101 (2) und 102 (2). Honeyman 1066. – Vgl. für die EA (1748): PMM 196. Cantor III, 699. DSB IV, 476. Smith, History I, 522. Norman 732. – Leicht gebräunt, etw. fleckig. – Aus dem Besitz von Konstantinos Karatheodores (1873-1950) mit dessen in Stahl gestochenem Exlibris auf dem Spiegel. Karatheodores war ein stark von Hilbert beeinflußter griechischer Mathematiker, der Bedeutendes geleistet hat und dem die Wissenschaft unter anderem das nach ihm und Giuseppe Vitali benannte Vitali-Carathéodory-Theorem verdankt.

– Institutionum calculi integralis. (Mischaufl.). 4 Bde. St. Petersburg, Academia Imperialis Scientiarum, 1770-94. 4°. Mit 3 (statt 4) gefalt. Kupfertafeln. 2 Bl., 466 S.; 2 Bl., 434 S.; 4 Bl., 639 S.; 4 Bl., 620 S. Ldr. d. Zt. (etw. beschabt, leicht bestoßen). 2.500,Erste Ausgabe (Bde. I und II in 2. verb. Aufl.). – Eneström 342 (2), 366 (2), 385 und 660. Poggendorff I, 690. RollerG. I, 374. Sotheran 1252. Norman 734. DSB IV, 478: „The 'Institutiones calculi integralis' exhibits Euler's numerous discoveries in the theory of both ordinary and partial differential equations, which were especially useful in mechanics.“ – Mit dem erst postum erschienenen sehr seltenen Bd. IV, der 28 Einzelabhandlungen enthält: teils bisher unveröffentlichte Texte, teils Wiederabdrucke bereits früher in den St. Petersburger Akademieabhandlungen veröffentlichter Schriften. – Es fehlt die Kupfertafel in Bd. III. – 2 Spiegel und 3 Titel mit tektierten Stempeln, leicht gebräunt, etw. fleckig. – Bde. I und II mit Exlibris-Stempel „Prehoffer“.

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One of the most famous works in the history of mathematics. – The fourth (last) leaf of quire Ddd of the second volume with the quadrilingual report to the bookbinder regarding 40 plates, is from the issue of first edition of the year 1748. – Slightly browned, a little soiled. – Contemporary half vellum (scratched, a little soiled).

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– Einleitung in die Analysis des Unendlichen. Aus dem Lateinischen übers. und mit Anmerkungen und Zusätzen von J. A. Ch. Michelsen. 3 Bde. Berlin, Matzdorff (Bd. II: Hesse), 1788-91. Mit 9 (8 gefalt.) Kupfertafeln und Tabelle (statt 2). 1 Bl., XXIV, 626 S., 1 Bl.; VIII S., S. (3)-578 (so komplett); 4 Bl., 530 (recte 520) S. Brosch. d. Zt. (Rücken und Gelenke brüchig, beschabt). 1.500,Erste deutsche Ausgabe. – Eneström 101 B, 102 B, 30 A und 282 A. Poggendorff I, 690, und II, 147. Cantor III, 700. – Nicht bei Honeyman und Roller-Goodman. – Übersetzung der Introductio in analysin infinitorum durch den Mathematiklehrer Johann Andreas Christian Michelsen (17491797), der auf Grund dieser Übersetzung und der von Eulers Differentialrechnung 1793 in die Berliner Akademie


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der Wissenschaften aufgenommen wurde. Der dritte Band hat mit der Introductio nichts zu tun, sondern enthält Übersetzungen anderer Arbeiten Eulers und hat deswegen auch den Nebentitel Die Theorie der Gleichungen und den Zusatz Aus den Schriften der Herren Euler und de la Grange. – Zur Kollation des zweiten Bandes: „Scheinbar enthält der Band VIII + 578 S., aber dabei sind die Seiten des Titelblattes zweimal berechnet, nämlich teils als S. I und II, teils als S. 1 und 2“ (Eneström). – Es fehlt im ersten Band die Tabelle zu S. 348. – Titel mit Besitzvermerk, gebräunt, gering fleckig. – Unbeschnitten.

First German edition. – Lacks in vol. III one of the 11 plates pertaining to this volume. – Paste-downs with exlibris, but name of owner erased; endpaper and blank leaf of vol. I with detailed bibliographic notes; 2 vols. with ownership entry „Culmann, Pfarrer“; browned. – Decorative binding. – Contemporary calf with richly gilt back and 2 spine labels (a little scratched).

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First German edition. – Lacks in the first volume the table to p. 348. – Title with ownership entry, browned, hardly soiled. – Untrimmed. – Contemporary wrappers (spine and joints cracked, scratched).

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Erste Ausgabe. – Eneström 15 und 16. Poggendorff I, 689. Roller-G. I, 374. Honeyman 1058. DSB IV, 480: „Euler was the first to appreciate the importance of introducing uniform analytic methods into mechanics, thus enabling its problems to be solved in a clear and direct way.“ – Die erste große Publikation Eulers; mit diesem Werk begründete er seinen Weltruhm (NDB IV, 688). – In Bd. I auf 2 Seiten Marginalien von alter Hand in Tinte; beide Bde. mit Bibliothekssignaturen auf den Spiegeln, gebräunt und etw. fleckig.

– Lettres a une princesse d'Allemagne sur divers sujets de physique et de philosophie. 3 Bde. Genf, Chirol, 1775. Mit 19 gefalt. Kupfertafeln. VIII, 309; VIII, 315; X, 351 S. Geglättetes Kalbldr. d. Zt. mit Vg. und 2 Rsch. (gering beschabt). 1.000,Vgl. für die EA (1768-72): Eneström 343, 344 und 417. Ziegenfuß I, 304. Kindler V, 299. Carter-M. 196. – Die vorliegende Ausgabe nicht bei Eneström. – An die Nichte Friedrichs des Großen gerichtete Briefe, „die vor allem Kosmologie und Physik behandeln und in denen er [Euler] die Monadenlehre von Leibniz angriff“ (Carter-Muir). – „Eine der ersten ernst zu nehmenden Publikationen der populärwissenschaftlichen Literatur“ (Kindler). – „Written in an absorbing and popular manner, the book was an unusual success und ran to twelve editions in the original French, nine in English, six in German, four in Russian, and two in both Dutch and Swedish“ (DSB IV, 471). – Etw. gebräunt. – Sehr schönes Exemplar. – Gestoch. Exlibris Labat.

First edition. – Euler's first major publication; with this work he established his international renown (NDB IV, 688). – In vol. I marginalia by contemporary hand in ink on 2 pages; both vols. with library shelfmarks on paste-downs, browned and a little soiled. – Contemporary vellum (a little soiled, slightly scuffed).

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– Briefe an eine deutsche Prinzessin über verschiedene Gegenstände aus der Physik und Philosophie. Aus dem Französischen übers. 3 Bde. Leipzig, Junius (Bd. III: St. Petersburg u. a., Hartknoch), 1769-73. Mit 14 (statt 15) tls. gefalt. Holzschnitt-Tafeln. 4 Bl., 268 S.; 4 Bl., 300 S.; 8 Bl., 358 S. Kalbldr. d. Zt. mit reicher Rvg. und 2 Rsch. (etw. beschabt). 800,Erste deutsche Ausgabe. – Eneström 343 B, 344 B und 417 B. Holzmann-B. II, 7533. Fromm 27847. Poggendorff I, 690. DSB IV, 471. – An die Tochter des Markgrafen von Brandenburg-Schwedt (spätere Äbtissin von Herford) gerichtete Briefe. „Written in an absorbing and popular manner, the book was an unusual success and ran to twelve editions“ (DSB). – Die französische Originalausgabe war erstmals 1768-72 erschienen; die Briefe des ersten Bandes hat Euler selbst übersetzt, die des zweiten Justus Christian Loder, die des dritten Johann Jakob Engel. – Es fehlt in Bd. III eine der 11 in diesen Band gehörenden Tafeln. – Die Spiegel mit Exlibris, bei denen der Name des Eigners rasiert wurde; Vorsatz und Respektblatt von Bd. I mit ausführlichen biobibliographischen Notizen; 2 Bde. mit Besitzvermerk „Culmann, Pfarrer“; gebräunt. – Dekorativ gebunden.

– DASS. Brosch. d. Zt. (mit kleinen Randläsuren, Rücken etw. rissig, leicht fleckig). 3.500,Erste Ausgabe. – Gebräunt und etw. fleckig.

A little browned. – Very beautiful copy. – Engraved exlibris Labat. – Contemporary polished calf with gilt and 2 spine labels (minor scratching).

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– Mechanica sive motus scientia analytice exposita. 2 Bde. St. Petersburg, Typographia Academiae Scientiarum, 1736. 4°. Mit gestoch. Kopfvign. und 32 gefalt. Kupfertafeln. 8 Bl., 480 (recte 488) S.; 4 Bl., 500 S. Pgt. d. Zt. (etw. fleckig, leicht bestoßen). 4.000,-

First edition. – Browned and a little soiled. – Contemporary wrappers (with small tears in margin, spine a little cracked, somewhat soiled).

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– Methodus inveniendi lineas curvas maximi minimive proprietate gaudentes, sive solutio problematis isoperimetrici latissimo sensu accepti. Lausanne und Genf, Bousquet, 1744. 4°. Mit gestoch. Titelvign. und 5 Kupfertafeln. 1 Bl., 322 S., 1 Bl. Ldr. d. Zt. mit Vg. und 2 Rsch. (beschabt, bestoßen und mit kleinen Fehlstellen). 3.000,Erste Ausgabe. – Eneström 65. Sotheran 1256. Roller-G. I, 374. DSB IV, 479. Sparrow 60. Horblit 28. Dibner 111. Norman 731. Darmstaedter 186: „Das erste Lehrbuch der Variationsrechnung.“ – „One of the most prolific and versatile mathematicians and founder of modern fluid dynamics. In the above book he presented his calculus of variations, derived from his studies of isoperimetrical curves, a method for finding the variation when the values of some or all the expressions are varied“ (Dibner). – Leicht gebräunt. First edition. – Slightly browned. – Contemporary calf with gilt and 2 spine labels (scratched, scuffed and with small defects).


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– Scientia navalis seu tractatus de construendis ac dirigendis navibus. 2 in 1 Bd. St. Petersburg, Academia Scientiarum, 1749. 4°. Mit 65 gefalt. Kupfertafeln. 1 Bl., 44 S., 1 Bl., 444 S., 1 Bl., 534 S. Blindgepr. Pgt. d. Zt. (Gelenke mit kleinen Einrissen, leicht beschabt, etw. fleckig). 3.000,Erste Ausgabe. – Eneström 110 und 111. Libri rari 97. Scheepvaart Mus. 747. Sotheran 1257. DSB IV, 480. Roberts-T. 105: „With this work Euler made a major contribution to the study of fluid mechanics.“ – Nicht bei Roller-Goodman. – „The work first expresses mathematically the resistance meeting a ship on its path through the water“ (Sotheran). Titel mit Besitzvermerk, leicht gebräunt, gering fleckig. – Gestoch. Exlibris „T.“ (Warnecke 2153). First edition. – Title with ownership entry, slightly browned, minimally soiled. – Engraved exlibris „T.“ (Warnecke 2153). – Contemporary blind-pressed vellum (joints with small tears, a little scratched, somewhat soiled).

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– Tentamen novae theoriae musicae. St. Petersburg, Typographia Academiae Scientiarum, 1739. 4°. Mit gestoch. Titelvign., 2 Falttabellen und 4 Kupfertafeln (davon 3 gefalt. Notenkupfer). 21, 263 S. Pgt. d. Zt. (ganz leicht fleckig, minimal beschabt). 1.500,Erste Ausgabe. – Eneström 33. Eitner III, 360. Wolffheim 616. Honeyman 1089. DSB IV, 482. – „Euler contributed more to theoretical acoustics as the subject is known than any other man“ (Grove VI, 292). – Das schon 1731 fast fertige Buch ist im wesentlichen der Versuch, „eine quantitative Maßeinheit für den Grad von Dissonanzen zu finden, nachdem bereits vor ihm insbesondere Galilei, Sauveur und Leibniz eine Rangordnung der Konsonanzen aufzustellen versucht hatten. Der psychologische Ausgangspunkt für Euler ist, daß die einfachen Zahlenverhältnisse der Intervalle auf Gesetz und Ordnung hinweisen. Dies läßt wiederum auf natürliche Vollkommenheit schließen, weshalb uns das Anhören einfachster Intervalle angenehm ist“ (MGG III, 1616). – Vorderer Spiegel mit hs. Bibliothekssignatur, hinterer gestempelt, erste Bl. wasserrandig, sonst kaum fleckig; ganz leicht gebräunt. – Siehe Abbildung. First edition. – Upper paste-down with ms. library shelfmark, lower paste-down stamped, first leaves with waterstains, otherwise hardly soiled; minimally browned. – Contemporary vellum (minor soiling and scratching). – See illustration.

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– Theoria motus corporum solidorum seu rigidorum. Ex primis nostrae cognitionis principiis stabilita et ad omnes motus, qui in huiusmodi corpora cadere possunt, accomodata. Rostock und Greifswald, Röse, 1765. 4°. Mit 15 gefalt. Kupfertafeln. 16 Bl., 520 S. Hldr. d. Zt. (Rücken und Ecken restauriert, etw. beschabt). 2.500,Erste Ausgabe. – Eneström 289. Poggendorff I, 690. Roller-G. I, 375. Roberts-T. 105. DSB IV, 480. – Eulers „zweite Mechanik“, die seinen Weltruhm begründet hatte und 1736 erschienen war („Mechanica sive motus scientia analytice exposita“), fertigestellt bereits 5 Jahre vor der Publikation, wie der den Druck überwachende Mathematiker W. J. G. Karsten im Vorwort schreibt: „pro certo evincere possum

Nr. 311 quia opus Euleri nostri jam a(nno) 1760. consummatum & a cel(ebri) auctore initio a(nni) 1761. ad me transmissum erat“. – „The 'Theoria motus corporum solidorum', published almost thirty years later, is related to the 'Mechanica'. In the introduction to this work, Euler gave a new exposition of punctual mechanics and followed Maclaurin's example (1742) in projecting the forces onto the axes of a fixed orthogonal rectilinear system. Establishing that the instantaneous motion of a solid body might be regarded as composed of rectilinear translation and instant rotation, Euler devoted special attention to the study of rotary motion“ (DSB). – Spiegel, Vorsatz und Bl. d 3 verso mit sachdienlichen Notizen zum Werk, Vorsatz und S. (1) mit Besitzvermerken, gebräunt, etw. fleckig. – Einer der Besitzvermerke stammt vom Mathematiker Friedrich Engel (1861-1941) und hat das Datum 22. 5. (18)94; damals war Engel außerordentlicher Professor in Leipzig. Wahrscheinlich sind auch die Notizen von Engels Hand (was durch einen Schriftvergleich noch zu verifizieren wäre; Engels Nachlaß befindet sich im Universitätsarchiv Gießen). First edition. – Euler's „second mechanics“ which had established his international fame and was published in 1736 („Mechanica sive motus scientia analytice exposita“), finished already 5 years prior to publication. – Paste-down, endpaper and leaf d 3 verso with relevant notes to the work, endpaper and p. (1) with ownership entries, browned, a little soiled. – One of the ownership entries is from the mathematician Friedrich Engel (1861-1941) with the date 22. 5. (18)94; Engel at that time was a professor at Leipzig. The notes are probably also made by Engel (which should be verified in comparing the handwriting; Engel's estate is now at the university archives of Gießen). – Contemporary half calf (spine and corners restored, a little scratched).


Katalog 62 web t1