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K U N S T A U K T I O N S H A U S

ZISSKA & SCHAUER

Auktion 61

6. - 7. Mai 2013


ZISSKA & SCHAUER

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K U N S T A U K T I O N S H A U S

Auktion 61 Freiwillige Versteigerung 6. - 7. Mai 2013

Besichtigung:

Versteigerung:

Montag, 29., und Dienstag, 30. April sowie Donnerstag 2., und Freitag, 3. Mai jeweils von 9.00 - 13.00 Uhr und 14.00 - 18.00 Uhr

Montag, 6. Mai

11.00 Uhr Nr. 1 – 411 15.00 Uhr Nr. 412 – 804

Dienstag, 7. Mai

9.30 Uhr Nr. 805 – 1432 14.30 Uhr Nr. 1433 – 2139

Sonntag, 5. Mai von 12.00 - 18.00 Uhr


Katalog 61 Katalogpreis: 25 € Wir bitten um Überweisung des Betrages an Zisska, Schauer & Co. KG Bankhaus Max Flessa KG, München, Konto-Nr. 770 444 (BLZ 700 30111) IBAN: DE72 7933 0111 0000 7704 44 BIC: FLESDEMM Für Aufträge, die später als einen Tag vor oder erst während der Versteigerung eingehen, übernehmen wir keine Haftung. Gebote, die unter der Hälfte des Schätzpreises liegen, können nicht berücksichtigt werden.

Payments for auction goods can be made in cash or wire-transfer. We accept Visa or Diners Club International credit cards for catalogue payment only. The prices stated in the catalogue are estimates (not reserves). We do not accept bids of less than 50 per cent of the estimate. Please visit www.zisska.de for full bidder information.

Umschlag Titelseite: Nr. 1543 Cellarius, Atlas universalis, 1708 Umschlag Rückseite: Nr. 1180 Bilder-Lust, um 1760

ZISSKA & SCHAUER B U C H -

U N D

K U N S T A U K T I O N S H A U S

Zisska, Schauer & Co. KG Unterer Anger 15 · 80331 München Telefon 089/26 3855 · Fax 089/2690 88 auctions@zisska.de · www.zisska.de Katalogbearbeitung: Dr. Maria Glaser, Monika Ostrowska, Frank Purrmann, Hilmar Schmuck, Sabine Zachmann Sekretariat: Ursula Hahn, Ursula Roitzsch Fotos und Versandabteilung: Klaus Bayer


Inhalt Handschriften Bücher

Handschriften................................................................. 1 Urkunden und Autographen .............................................. 41 Inkunabeln..................................................................... 96 Alte Drucke und alte Theologie .......................................... 126 Einzelblätter ................................................................... 301 Naturwissenschaften........................................................ 412 – Varia ....................................................................... 412 – Alchemie – Chemie..................................................... 447 – Astrologie – Astronomie .............................................. 466 – Botanik.................................................................... 492 – Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau ............................ 528 – Mathematik – Physik .................................................. 539 – Medizin ................................................................... 564 – Zoologie................................................................... 714 Technik und Handwerk ..................................................... 736 Bibliographie ................................................................. 805 Kunstgeschichte.............................................................. 898 Literatur und illustrierte Bücher......................................... 935 – Barock- und Emblembücher ......................................... 935 – Literatur bis 1900.......................................................1013 – Kinderbücher – Pädagogik ........................................... 1178 – Philosophie – Nationalökonomie – Politik ....................... 1210 – Literatur und Kunst des 20. Jahrhunderts ....................... 1258 Kulturgeschichte ............................................................. 1341 – Varia ....................................................................... 1341 – Gastronomie ............................................................. 1373 – Genealogie und Heraldik.............................................. 1387 – Jagd und Fischfang – Pferdebücher................................ 1394 – Judaica - Hebraica...................................................... 1409 – Kostüme – Mode – Uniformen .....................................1419 – Linguistik – Lexika......................................................1433 – Militaria ..................................................................1443 – Musik – Tanz – Theater – Film .......................................1460 – Okkultismus – Freimaurerei ..........................................1471 – Recht ......................................................................1506 – Sittengeschichte - Erotik .............................................1532 Atlanten ........................................................................1541 Geographie – Geschichte ..................................................1556 Deutschland ..................................................................1813

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40 95 121 300 411 735 446 465 491 527 538 563 713 735 804 897 934 1340 1012 1177 1209 1257 1340 1540 1372 1386 1393 1408 1418 1432 1442 1459 1470 1505 1531 1540 1555 1812 1972

Graphik

Deutschland ...................................................................2000 Ausland ........................................................................2030 – Welt- und Spezialkarten .............................................. 2030 – Europa..................................................................... 2033 Panoramen .....................................................................2061 Souvenir-Rosen...............................................................2086 Dekorative Graphik ..........................................................2110

– – – – – – –

2029 2060 2032 2060 2085 2109 2139


Versteigerungsbedingungen

1.

Das Auktionshaus handelt als Kommissionär im eigenen Namen und für Rechnung seiner Auftraggeber (Kommittenten), die unbenannt bleiben. Zugrunde liegen die Aufträge der Einlieferer. Die Auftragsverhältnisse ergeben sich durch Angabe einer Kennzahl (Einlieferer-Nummer), die in Klammern der Katalogaufnahme jeweils angefügt ist. Eigenware ist gesondert gekennzeichnet (1). Die Versteigerung ist freiwillig.

2.

Die angegebenen Preise sind Schätzpreise, keine Limite.

3.

Der Versteigerer behält sich das Recht vor, Nummern des Kataloges zu vereinen, zu trennen, außerhalb der Reihenfolge anzubieten und zurückzuziehen. Er ist berechtigt, Gebote zurückzuweisen, wenn nicht vor der Versteigerung geeignete Sicherheiten geleistet oder Referenzen angegeben wurden.

4.

Sämtliche zur Versteigerung gelangenden Gegenstände können vor der Versteigerung besichtigt und geprüft werden. Die Sachen sind gebraucht und haben einen ihrem Alter, ihrem Gebrauch und ihrer Provenienz entsprechenden Erhaltungszustand; dieser wird im Katalog nicht durchgängig erwähnt. Die Katalogbeschreibungen sind weder Garantien noch Beschaffenheitsangaben im Rechtssinne. Der Versteigerer übernimmt keine Haftung für Mängel, soweit er die ihm obliegenden Sorgfaltspflichten erfüllt hat. Er verpflichtet sich jedoch, wegen rechtzeitig vorgetragener, begründeter Mängelrügen innerhalb der Verjährungsfrist von zwölf Monaten seine Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Einlieferer gerichtlich geltend zu machen. Der Erwerber soll Beanstandungen unverzüglich, spätestens aber innerhalb von drei Wochen nach der Auktion, dem Versteigerer anzeigen. Im Falle erfolgreicher Inanspruchnahme des Einlieferers erstattet der Versteigerer dem Erwerber den gezahlten Kaufpreis (einschließlich Aufgeld) zurück; ein darüber hinausgehender Anspruch ist ausgeschlossen. Einzelstücke aus Konvoluten, größere Zeitschriftenreihen, Serienwerke, mehrbändige Gesamtausgaben und Objekte, die den Vermerk „nicht kollationiert“ oder „ohne Rückgaberecht“ tragen, sind vom Reklamationsrecht ausgeschlossen.

5.

6.

Der Ausruf erfolgt in Euro und beginnt in der Regel mit der Hälfte des Schätzpreises. Gesteigert wird jeweils um ca. 5–10%. Der Zuschlag erfolgt nach dreimaligem Aufruf an den Höchstbietenden. Der Versteigerer kann den Zuschlag verweigern oder unter Vorbehalt erteilen. Wenn mehrere Personen das gleiche Gebot abgeben und nach dreimaligem Aufruf kein höheres Gebot erfolgt, entscheidet das Los. Der Versteigerer kann den Zuschlag zurücknehmen und die Sachen erneut anbieten, wenn irrtümlich ein rechtzeitig abgegebenes höheres Gebot übersehen worden ist oder wenn der Höchstbietende sein Gebot nicht gelten lassen will oder sonst Zweifel für den Zuschlag bestehen. Kommissionäre haften für ihre Auftraggeber. Telefonische und Aufträge per E-Mail bedürfen der schriftlichen Bestätigung spätestens 48 Stunden vor Beginn der Auktion. Bestehen bei Abgabe des Gebotes Differenzen zwischen Katalognummer und Kennwort, so ist das Kennwort maßgebend. Folgen aus einer unrichtigen Übermittlung gehen zu Lasten des Auftraggebers. Bei Nichterteilung des Zuschlags trotz Gebots haftet der Versteigerer dem Bieter nur bis zur Höhe des Schätzpreises, wenn ihm Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit angelastet werden kann. Aufträge, die später als einen Tag vor oder erst während der Versteigerung eingehen, sind von jeder Haftung ausgeschlossen. Die in den Verträgen genannten Preise gelten als Zuschlagspreise, das Aufgeld und die Mehrwertsteuer werden zusätzlich erhoben.

7.

Mit der Erteilung des Zuschlages geht die Gefahr für nicht zu vertretende Verluste und Beschädigungen auf den Ersteigerer über. Das Eigentum an den ersteigerten Sachen erwirbt der Ersteigerer erst mit dem vollständigen Zahlungseingang beim Auktionshaus.

8.

Auf den Zuschlagspreis werden ein Aufgeld von 19% und die Mehrwertsteuer von 7% berechnet. Die Mehrwertsteuer entfällt für Kunden aus Nicht-EU-Ländern, wenn der Versand der ersteigerten Ware durch uns erfolgt oder der amtliche Nachweis der Ausfuhr innerhalb von vier Wochen erbracht wird. Händlern aus EU-Ländern kann die Mehrwertsteuer nur dann erstattet werden, wenn sie ihre europäische USt-IdNr. bei Auftragserteilung bekanntgeben. Bei Auszahlungen erfolgt die Umrechnung des Rechnungsbetrages zum Tageskurs. Die Kosten für Porto, Verpackung, Versicherung und Bankspesen gehen zu Lasten des Käufers.

9.

Auf alle Originalwerke der bildenden Kunst seit Entstehungszeit 1900 leistet das Auktionshaus eine Abgabe an die Ausgleichsvereinigung Kunst, die damit die gesetzlichen Ansprüche des Folgerechts aus § 26 UrhG ausgleicht. Der Ersteigerer trägt von dieser Abgabe einen Anteil in Höhe eines Drittels (z.Zt. 1% des Zuschlagspreises).

10. Der Gesamtbetrag ist mit dem Zuschlag fällig und zahlbar in bar oder durch bankbestätigten Scheck. Zahlungen auswärtiger Ersteigerer, die schriftlich oder telefonisch geboten haben, sind binnen vierzehn Tagen nach Rechnungsdatum fällig. 11. Bei Zahlungsverzug werden Verzugszinsen in Höhe von 1% per Monat berechnet. Im übrigen kann das Auktionshaus bei Zahlungsverzug wahlweise Erfüllung des Kaufvertrages oder nach Fristsetzung Schadensersatz wegen Nichterfüllung verlangen; der Schadensersatz kann in diesem Falle auch so berechnet werden, daß die Sache in einer neuen Auktion nochmals versteigert wird und der säumige Käufer für einen Mindererlös gegenüber der vorangegangenen Versteigerung und für die Kosten der wiederholten Versteigerung einschließlich der Gebühren des Auktionshauses aufzukommen hat. 12. Der Erwerber ist verpflichtet, die Gegenstände sofort nach der Auktion in Empfang zu nehmen. Falls er Versendung wünscht, erfolgt sie auf eigene Gefahr. Bei Versand von Graphiken werden vorhandene Passepartouts und Rahmen entfernt, es sei denn, Mitlieferung ist vom Erwerber bei Abgabe seines Gebotes ausdrücklich verlangt. 13. Mit Erteilung eines schriftlichen Auftrages oder Abgabe eines Gebotes erkennt der Ersteigerer diese Bedingungen ausdrücklich an. Dies gilt auch für Verkäufe aus den Rückgängen. 14. Erfüllungsort und Gerichtsstand für den vollkaufmännischen Verkehr ist München. Es gilt ausschließlich deutsches Recht. Das UN-Abkommen über Verträge des internationalen Warenkaufs (CISG) findet keine Anwendung. 15. Sollte eine der vorstehenden Bestimmungen ganz oder teilweise unwirksam sein, so bleibt die Gültigkeit der übrigen davon unberührt. 16. Die Versteigerungsbedingungen haben eine deutsche und eine englische Version. In allen Streit- und Zweifelsfällen ist die deutsche Fassung maßgebend; das gilt insbesonde-re für die Auslegung von Rechtsbegriffen und Katalogangaben. Die Versteigerer


Conditions of Sale

1.

Zisska & Schauer acts as commission agent, in its own name and for the account of its clients (sellers), whose identity is not disclosed. The instructions of consignors, who are numbered in brackets (consignor number) at the end of each catalogue description, form the basis of sales. Zisska & Schauer’s property is indicated separately (1). The sale is voluntary.

2.

The prices given after each lot are estimates, not reserves.

3.

The auctioneer reserves the right to combine any two or more lots, to divide any lot, to offer any lot for sale in an order different from that given in the catalogue or to withdraw any lot or lots from the sale. The auctioneer shall be entitled to refuse bids unless suitable proof of identity, security or references shall have been provided prior to the auction.

4.

All lots up for sale may be viewed and inspected prior to the auction. Lots auctioned are used goods. The descriptions in the catalogue, which are given to the best of Zisska & Schauer’s knowledge and belief, do not constitute guarantees in the legal sense. Zisska & Schauer does not assume any liability for faults or defects, in so far as it has fulfilled its duty of care, but will undertake to make judicial claim on behalf of the buyer in respect of justified complaints within the statutory warranty period of twelve months against the seller who consigned the respective item or items for sale. The buyer is required to give Zisska & Schauer written notice of all complaints without delay; at the latest, however, within three weeks of the date of the auction. Should the demands be successful, Zisska & Schauer will reimburse the buyer with the full purchase price (including buyer’s premium); all further claims are excluded. There is no right of complaint in the case of individual items from combined lots, periodicals, serial publications, complete editions in several volumes and any lots with the indication nicht kollationiert [not collated] or ohne Rückgaberecht [not subject to return].

5.

6.

Bids are executed in Euros and bidding generally starts at 50% of the estimate unless competing bids have been received. Bids are raised by increments of 5% to 10%. A lot will be knocked down to the highest bidder after three calls. The auctioneer may refuse any bids, or knock down a lot subject to reservation. If two or more persons bid the same amount simultaneously and no overbid has been made after three calls, the successful bidder shall be drawn by lot. The auctioneer may rescind a decision and put the lot up again for sale if a higher bid made in time has been inadvertently overlooked, or if the highest bidder wishes to revoke his bid, or if the decision is open to other doubt. Agents acting on behalf of a third party assume full liability for the fulfilment of contract on behalf of their principals. All absentee bids submitted by email or telephone are to be confirmed in writing. If the catalogue number and the author/short title or reference for identification differ, the short title will stand for the bid. All damages and losses incurred by unclear bidding instructions are the bidder’s responsibility. For bids duly received and not executed due to obvious negligence on the auctioneers’ part, the auctioneers’ liability is limited to the estimate amount. The auctioneers accept no liability for the execution of absentee bids sent in less than 24 hours before the auction opens or during the auction itself. All bids are regarded as the maximum hammer price. The buyer’s premium and VAT are added to these prices separately.

7.

From the fall of the hammer, every lot shall become the full responsibility of and be at the sole risk of the buyer, while ownership of the lot or lots shall not pass to the buyer until full payment has been received by Zisska & Schauer.

8.

A buyer’s premium of 19% is levied on the hammer price plus VAT at the current rate of 7%. Buyers resident in third (i. e. non-European Union) countries are exempted from VAT if purchases are dispatched by the auction house to their registered address or if official proof of export is received by Zisska & Schauer within a period of four weeks. Dealers whose business are registered in the EU are exempted from VAT provided that they quote their VAT Registration Number when submitting absentee or online bids, or when registering to bid. Payments in foreign currency will be converted at the rate of exchange prevailing on the day of receipt. Costs of shipping, packing, insurance and bank charges are at the buyer’s expense.

9.

In order to satisfy all claims of the Droit de Suite [Artists’ Resale Right] (§ 26, German Copyright Law/UrhG), the auctioneers shall pay a resale royalty to the Ausgleichsvereinigung Kunst, the copyright collecting society, on all original works of art created after 1 January 1900. This is based on a percentage of the hammer price. The buyer shall bear one third of this payment which currently amounts to 1% of the hammer price.

10. Immediately upon purchase the buyer shall pay the final price in cash or by authorized bank cheque. Payments by buyers who have submitted absentee bids or who have bid by telephone shall be due within 14 days of the date of the invoice. 11. In default of payment, Zisska & Schauer will charge interest on the outstanding amount at the rate of 1% per month or part month. Furthermore, if the buyer defaults in payment, Zisska & Schauer may, at its discretion, insist on performance of the contract or, if the buyer has not paid by the date set, claim damages for non-performance; in the latter case, Zisska & Schauer may claim the damages by putting the lot or lots up again for auction and charging the defaulting buyer with the difference between the price bid by him/her and the price realized on the resale, if this is lower, plus the cost of the resale, including Zisska & Schauer’s costs. 12. Buyers shall take charge of their lots immediately after the auction. Shipping instructions shall be given in writing. Shipping, if required, will be effected at the sole expense and risk of the buyer. Prints will be shipped unmatted and unframed, unless specifically requested by the buyer when submitting his/her bid. 13. By placing a bid either in writing or in person, the buyer agrees to be bound by these Conditions of Sale. This shall also apply to after-auction purchase. 14. Place of performance and jurisdiction for registered trade dealings is Munich. German law applies exclusively; the UN-Treaty (CISG) is explicitly excluded. 15. Should any provision herein be wholly or partly ineffective, this shall not affect the validity of the remaining provisions. 16. These Conditions of Sale are available in both German and English. The German-language version shall without exception be the authoritative version, in particular with regard to the interpretation of statutory terms and catalogue descriptions. Zisska, Schauer & Co. KG


Abkürzungen – Abbrevations Abb. . . . . . . . . . . . . . . . Abbildung(en) - illustration(s) Abt. . . . . . . . . . . . . . . . . Abteilung - section Anm. . . . . . . . . . . . . . . . Anmerkung(en) - note(s) Aufl. . . . . . . . . . . . . . . . Auflage - edition Ausg. . . . . . . . . . . . . . . Ausgabe - edition, issue Bd(e). . . . . . . . . . . . . . Band (Bände) - volume(s) bearb. . . . . . . . . . . . . . bearbeitet - compiled beigeb. . . . . . . . . . . . . beigebunden - bound with beschäd. . . . . . . . . . . beschädigt - damaged Bibl. . . . . . . . . . . . . . . . Bibliothek - library Bl. . . . . . . . . . . . . . . . . . Blatt (Blätter) - leaf(-ves) blattgr. . . . . . . . . . . . . blattgroß - full-page blindgepr. . . . . . . . . . blindgeprägt - blind-tooled Blindpr. . . . . . . . . . . . . Blindprägung - blind-tooling Brosch. . . . . . . . . . . . . Broschur - wrappers Dass. . . . . . . . . . . . . . . Dasselbe - the same Ders. . . . . . . . . . . . . . . . Derselbe - the same Dies. . . . . . . . . . . . . . . Dieselbe - the same Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . Drucker - printer dreiseit. . . . . . . . . . . . dreiseitig - (three) edges, margins d. Zt. . . . . . . . . . . . . . . . der Zeit - contemporary e. . . . . . . . . . . . . . . . . . . eigenhändig - autograph EA . . . . . . . . . . . . . . . . . erste Ausgabe - first edition Ebda. . . . . . . . . . . . . . . Ebenda - same place eingeb. . . . . . . . . . . . . eingebunden - bound-in etw. . . . . . . . . . . . . . . . etwas - somewhat, slightly Ex. . . . . . . . . . . . . . . . . . Exemplar - copy Faks. . . . . . . . . . . . . . . . Faksimile(s) - facsimile farb. . . . . . . . . . . . . . . farbig – in colours fl. . . . . . . . . . . . . . . . . . fleckig - spotted, (water-)stained, foxed . . . . . . . . . . . . . . . . . (fingerfl., braunfl., wasserfl. etc) flex. . . . . . . . . . . . . . . . flexibel- limp Frontisp. . . . . . . . . . . . Frontispiz - frontispiece ganzseit. . . . . . . . . . . . ganzseitig - full-page geb. . . . . . . . . . . . . . . . . gebunden - bound gefalt. . . . . . . . . . . . . . gefaltet - folded gestoch. . . . . . . . . . . . gestochen - engraved goldgepr. . . . . . . . . . . goldgeprägt - gilt-stamped Goldpr. . . . . . . . . . . . . Goldprägung - gilt-stamped Hrsg. . . . . . . . . . . . . . . Herausgeber - editor hrsg. . . . . . . . . . . . . . . . herausgegeben - edited Hldr. . . . . . . . . . . . . . . Halbleder - half leather Hlwd. . . . . . . . . . . . . . Halbleinen - half cloth Hmaroquin . . . . . . . . . Halbmaroquin - half morocco Hpgt. . . . . . . . . . . . . . . Halbpergament - half vellum hs. . . . . . . . . . . . . . . . . . handschriftlich - manuscript Illustr. . . . . . . . . . . . . . . Illustration(en) - illustration(s) illustr. . . . . . . . . . . . . . illustriert - illustrated Imp.-Fol. . . . . . . . . . . Imperial-Folio - imperial folio Jg(e). . . . . . . . . . . . . . . . Jahrgang (-gänge) - volume(s) Jhdt. . . . . . . . . . . . . . . . Jahrhundert - century Kart. . . . . . . . . . . . . . . . Kartonage - boards Kat. . . . . . . . . . . . . . . . Katalog - catalogue kl. . . . . . . . . . . . . . . . . . klein - small kolor. . . . . . . . . . . . . . . koloriert - (hand-)coloured kplt. . . . . . . . . . . . . . . . komplett - complete läd. . . . . . . . . . . . . . . . . lädiert - damaged Ldr. . . . . . . . . . . . . . . . Leder - leather Lief. . . . . . . . . . . . . . . . . Lieferung(en) - (serial) part(s) Lithogr. . . . . . . . . . . . . Lithographie(n) - lithograph(s)

Lwd. . . . . . . . . . . . . . . Leinen (Leinwand) - cloth mehrf. . . . . . . . . . . . . . mehrfach - several times mod. . . . . . . . . . . . . . . modern Monogr. . . . . . . . . . . . Monogramm - monogram monogr. . . . . . . . . . . . monogrammiert - with monogram mont. . . . . . . . . . . . . . . montiert - pastet, mounted Ms. . . . . . . . . . . . . . . . . Manuskript - manuscript nachgeb. . . . . . . . . . . nachgebunden - bound with nn. . . . . . . . . . . . . . . . . nicht numeriert - unnumbered Nr(n). . . . . . . . . . . . . . Nummer(n) - number(s) num. . . . . . . . . . . . . . . . numeriert - numbered o. Dr. . . . . . . . . . . . . . . ohne Drucker - no printer OHldr. . . . . . . . . . . . . . . Original-Halbleder - original half leather OHlwd. . . . . . . . . . . . . Original-Halbleinen - original half cloth OHpgt. . . . . . . . . . . . . Original-Halbpergament . . . . . . . . . . . . . . . . . . . original half vellum OKart. . . . . . . . . . . . . . Original-Kartonage - original boards OLdr. . . . . . . . . . . . . . . Original-Leder - original leather OLwd. . . . . . . . . . . . . . Original-Leinen (Leinwand) - original cloth O. O. . . . . . . . . . . . . . . ohne Ort - no place O. O. u. J. . . . . . . . . . . ohne Ort und Jahr - no place, no date OPgt. . . . . . . . . . . . . . . Original-Pergament - original vellum OPp. . . . . . . . . . . . . . . Original-Pappe - original boards orig. . . . . . . . . . . . . . . . original Orig.-Brosch. . . . . . . . Originalbroschur - original wrappers Orig.-Umschl. . . . . . . Originalumschlag - original cover Pag. . . . . . . . . . . . . . . . Paginierung - pagination pag. . . . . . . . . . . . . . . . paginiert - paginated Pgt. . . . . . . . . . . . . . . . Pergament - vellum Portr(s). . . . . . . . . . . . Porträt(s) - portrait(s) Pp. . . . . . . . . . . . . . . . . Pappband - boards Rsch. . . . . . . . . . . . . . . Rückenschild - lettering-piece on spine Rtit. . . . . . . . . . . . . . . . Rückentitel - title on spine Rvg. . . . . . . . . . . . . . . . Rückenvergoldung - gilt spine(s) S. . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite(n) - page(s) sign. . . . . . . . . . . . . . . signiert - signed Slg. . . . . . . . . . . . . . . . . Sammlung - collection Sp. . . . . . . . . . . . . . . . . Spalte(n) - column(s) spät. . . . . . . . . . . . . . . . später(er) - late(r) stellenw. . . . . . . . . . . . stellenweise – partly stockfl. . . . . . . . . . . . . stockfleckig - foxed teilw. . . . . . . . . . . . . . . teilweise - partly Tl(e). . . . . . . . . . . . . . . . Teil(e) - part(s), section(s) tls. . . . . . . . . . . . . . . . . . teils - partly Tsd. . . . . . . . . . . . . . . . . Tausend - thousand U. . . . . . . . . . . . . . . . . . Unterschrift - signature übers. . . . . . . . . . . . . . . übersetzt - translated Umschl. . . . . . . . . . . . Umschlag - cover verb. . . . . . . . . . . . . . . . verbessert - improved verm. . . . . . . . . . . . . . . vermehrt - enlarged verschied. . . . . . . . . . . verschieden(e) - various Vg. . . . . . . . . . . . . . . . . Vergoldung - gilt vgl. . . . . . . . . . . . . . . . vergleiche - see, compare Vign. . . . . . . . . . . . . . . Vignette - vignette Vlg. . . . . . . . . . . . . . . . . Verlag - publisher vorgeb. . . . . . . . . . . . . . vorgebunden - bound-in wdh. . . . . . . . . . . . . . . wiederholt - repeated zahlr. . . . . . . . . . . . . . . zahlreich(e) - numerous Zl. . . . . . . . . . . . . . . . . . Zeile(n) - line(s) zus. . . . . . . . . . . . . . . . . zusammen - together


Tafel 1

1 Buxheim, um 1470

10 Hammerwerke, Steiermark, um 1610


Tafel 2

14 Zähringer-Chronik, um 1625

19 Nürnberger Schultheißen, um 1700

14

408 Wappenminiatur, Anfang 18. Jhdt.


Tafel 3

38 Venedig, um 1830

24 St. Gallen - Toggenburg, um 1710


Tafel 4

70 Ludwig I., 1848

40 Kegelclub „Die Räuber“, um 1907

61 Hesse, 1923

43 Freundschaftsalbum, um 1870


Tafel 5

65 Adelsbrief, 1784

92 Venedig, 1579

84 Adelsbrief, 1603

244 Zweites bekanntes Exemplar


Tafel 6

96 Einzige Inkunabelausgabe

130 Aristoteles, Opera, 1548

107 Lactantius, Opera, 1471

130 Wappenexlibris in Deckfarben, 1559


Tafel 7

135 Aventins Bayernchronik, 1580

142 Deutsche Bibel, 1702

143 Dilherr-Bibel, 1736

296 Vitruv, Architektur, 1575


Tafel 8

148 Neues Testament, 1546

283 Tacitus, Historia Augusta, 1519

148

209 Unbekannter Druck, 1592


Tafel 9

261 Einband aus Tegernsee

152 Libri Salomonis, 1539

261 Tewtsche Theologey, 1528


Tafel 10

332 Einziges Exemplar, 1797

330 Praeservativ-Mann, um 1840

331 Ein gutes Prieschen, um 1836


Tafel 11

342 Komet, 1769 Messier

349 Meilenzeiger, um 1600

394 Zeitzonen, um 1680

354 Hagelkorn, 1802


Tafel 12

389 Riese aus Geldern, 1575

375 Neuruppin, um 1870

383 Monster von Florenz, um 1506


Tafel 13

407 Pergamentblatt, Mitte 15. Jhdt.


Tafel 14

480 Bologneser F채chereinband

412 Commentarii, 1731-83


Tafel 15

494 Boitard, TraitĂŠ des jardins, 1825

740 Agricola, Vom Bergwerk, 1557

476 De Gheyn, Aratea, 1621

482 Pegius, Geburtsstundenbuch, 1570


Tafel 16

433 Lederm체ller, Mikroskopie, 1764

493 Blackwell, Kr채uterbuch, 1760

525 Rarissimum, 1834

503 Herbarius, Venedig, 1520


Tafel 17

548 Deutscher Euklid, 1562

509 Mattioli, 1571

507 Lonicer, 1609

515 Ruel, De natura stirpium, 1537


Tafel 18

504 Anleitung zum Blumenzeichnen, um 1765

1610 Friedrich August von Sachsen

715 Admiral, Insekten, 1774

715 Probedruck


Tafel 19

721 Engramelle, Papillons, 1779-93

727 Morris, British Birds, 1903

723 H端bner, Schmetterlinge, 1806-37

723


Tafel 20

748 Schreiber, Handwerker, um 1845

765 EncyclopĂŠdie, 1770-80


Tafel 21

772 Stickmuster, 1804

911 Musée Français, 1803-09

875 Fischer, Norsemen in America, 1903


Tafel 22

923 Leonardo da Vinci, 1810

1057 Provenienzexemplar

999


Tafel 23

1173 Deutsche Literatur

1174 Franzรถsische Literatur


Tafel 24

1067 Farbstich, 1793

1058 Provenienz de Lamoignon, um 1780

1184 Um 1860


Tafel 25

1186 Freyhold - Morgenstern, 1908

1202 Seidmann - Freud, 1929

1178 Druck aus St. Petersburg, 1830


Tafel 26

1117 Um 1780

1134 Um 1800

1154 Um 1800


Tafel 27

1147 Gr端nwedel, um 1836

1126 Um 1800

1146 Schiller, Wilhelm Tell, 1804


Tafel 28

1180 Bilder-Lust, um 1760

1180


Tafel 29

1185 Bewegliches Bilderbuch, 1824

1195 Papiertheater, um 1730


Tafel 30

1265 Braque 1958

1259 Arp, Elemente, 1950

1321 Toulouse-Lautrecs Mademoiselle, 1895


Tafel 31

1284 1930

1278 Max Ernst, 1961

1274 1916

1279 Max Ernst, 1989


Tafel 32

1329 Sammlung von ca. 10 000 Reklamemarken


Tafel 33

1332 Wiener Werkst채tte

1293 A. Guiraud, Gouache, um 1910

1331 Filmplakat, um 1920

1422 Costumes de Russie, um 1825


Tafel 34

1366 Masken-Lotterie, um 1840

1420 Neapel, 1853-58


Tafel 35

1430 Ă–sterreich, um 1840

1423 Ferrario, Costume, 1829-33


Tafel 36

1543 Cellarius, 1708


Tafel 37

1547 Kรถhler, Geschichtsatlas, 1720

1545 Valck, nach 1711


Tafel 38

2037 Trafalgar, um 1820

1630 Clement, VĂŠrifier les dates, 1783

1749 Kaiserlieder, 1855


Tafel 39

1681 Sant'Ambrogio in Mailand, 1824

2082 Panorama, 1858


Tafel 40

2005 Dresden, um 1830

2025 Wetzlar, 1808


Tafel 41

2031 Fries, 1522

2032 Ortelius, um 1600


Tafel 42

2086 Bad Kissingen, um 1860

2105 Schweiz, um 1860


Tafel 43

2074 Panorama, um 1860

2119 John Russel, um 1780

2120 Heinrich Schรถnfeld, 1839


1

Handschriften

Nr. 27

1

BUXHEIM – PETRUS GRYER DE BIEL – „Collaciones pulchre(s) p(er) religiosis et primo De omnibus sanctis“. Lateinische Handschrift auf Papier. Kartause Buxheim, um 1470-81. 4° (Blattgr.: 21 x 15 cm, Schriftspiegel: ca. 15 x 10 cm). Mit einigen Initialen in Rot und Blau (einzelne mit tls. in Federwerk ausgeführter Cauda am linken Rand). 14 nn. Bl. 27 Zl. Durchgehend rubriziert und regliert. Mod. Brosch. (leichte Gebrauchsspuren). (59) 1.200,Fragment eines Trakats über Heiligenverehrung aus einer Sammelhandschrift, die der Buxheimer Kartäuser Petrus Gryer de Biel zusammengetragen hat. Der in Schleifenbastarda abgefaßte Text bricht am Ende von fol. 14v. mitten im Satz ab. – Die ursprünglich 438 Blätter umfassende Handschrift wurde 1883 bei Förster in München versteigert (Bibliothek Buxheim aus dem Besitz des Grafen WaldbottBassenheim, Nr. 2780) und im Folgejahr erneut bei Rosenthal angeboten (Katalog 40, Nr. 31). Wohl durch Rosenthal wurden die einzelnen Teile später ausgebunden und separat verkauft. Einige Teile befinden sich heute u. a. in der Bayerischen Staatsbibliothek (Clm 28429-36, siehe: G. Glauche, Katalog der lateinischen Handschriften in der Bayerischen Staatsbibliothek München 28255-28460, München 1984, S. 261 ff.) und der Staatsbibliothek Berlin

(mgq 1131). – Auf dem ersten Blatt noch die Inventarnummer des Antiquariats Ludwig Rosenthal (4° 26758) in Bleistift. – Bindung gelöst, etw. fleckig und gebräunt. – Siehe Abbildung Tafel 1. Fragment of a treatise on the worship of saints from a collective manuscript which has been compiled by the Buxheim Carthusian Petrus Gryer de Biel. – Binding loosened, a little soiled and browned. – Modern wrappers (slight signs of wear). – See illustration on plate 1.

2

– PETRUS GRYER DE BIEL – Fragment einer Sammelhandschrift. Lateinische Handschrift auf Papier. Kartause Buxheim, um 1470-81. 4° (Blattgr.: 21 x 15,5 cm, Schriftspiegel: ca. 16,5 x 10 cm). Mit 3 mehrzeiligen Initialen in Rot mit Federwerk in brauner Tinte und zahlr. kleineren Initialen und Lombarden in Rot. Zus. 108 Bl. (alt foliiert). 35-40 Zl. Durchgehend rubriziert und regliert. Ohne Einband. (59) 2.000,Bei dem vorliegenden Manuskript handelt es sich um vier größere Teile einer kulturgeschichtlich bedeutenden Sammlung von geistlichen und profanen Texten, die der Buxheimer Kartäuser Petrus Gryer de Biel zusammengetragen hat, abgefaßt wohl von seiner eigenen Hand in gleichmäßiger


2

Handschriften

zelnen Teile später ausgebunden und separat verkauft. Einige Teile befinden sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek (Clm 28429-36, siehe: G. Glauche, Katalog der lateinischen Handschriften in der Bayerischen Staatsbibliothek München 28255-28460, München 1984, S. 261-266) und in der Staatsbibliothek Berlin (mgq 1131). Petrus Gryer soll die Handschrift 1481, im Jahr seiner Buxheimer Profeß, abgefaßt haben (vgl. B. Fleith und R. Wetzel, Kulturtopographie des deutschsprachigen Südwesten im späten Mittelalter, Berlin 2009, S. 319). Die Handschrift setzt, der alten Foliierung zufolge, an der Stelle ein, wo das Fragment Clm 28430 der BSB abbricht (dieses umfaßt fol. 64-80). Die in der BSB vorhandenen Teile Clm 28431 (fol. 152-177, 179-181 und 184) und Clm 28432 (fol. 344-367) ergänzen die Lücken unseres Fragments zum Teil. Die inhaltliche Zuordnung der hier vorliegenden Abschnitte zu den bekannten und gut dokumentierten Teilen in den staatlichen Bibliotheken wird von der Forschung zu leisten sein. – Auf Papier mit Wasserzeichen einer bügellosen Krone über einem Löwen mit weiterem Beizeichen darüber (verbunden durch Stäbe), dokumentiert bei Piccard in mehreren Varianten in den 1480er Jahren im südwestdeutschen Raum (u. a. Nr. 51427, Nördlingen 1484). Ein solches Wasserzeichen wird im Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek für die übrigen Teile der Handschrift ebenfalls beschrieben (hier als nicht nachweisbar bezeichnet). – Aus der Handschrift wurde in neuerer Zeit bis auf einzelne größere Initialen sämtlicher Buchschmuck entfernt, betreffend die Blätter: fol. 143 (nur noch ein Rest vorhanden), 304 (Ausschnitt in der unteren Hälfte mit Textverlust vor allem auf dem Recto), 401 (grob ausgerissene Darstellung, in Feder gezeichnete Rahmenreste noch vorhanden, rückseitig einiger Textverlust); fol. 142 mit Schnittspuren; auf fol. 128 r. die obersten sechs Zeilen alt überklebt (unbeschrieben). – Bindung in Auflösung, einzelne Blattweiser, stellenw. etw. fleckig und gebräunt. – Siehe Abbildung.

Nr. 2 Bastarda. Diese Kollektaneen enthalten u. a. ein „Praecordiale sacerdotum“ (fol. 81-150, fol. 101 in der Zählung ausgelassen, Text schließt an), ein Offizium zur Passion Christi (fol. 219-223, letztes verso leer, anhängend fol. 229 mit einer Aufzählung der Aufgaben des Christen: „Omnesque laborantis conforta: tristes consolare, infirmis sanitatem corporis et animae restitue etc.“, vielleicht im Zusammenhang mit der Meßliturgie) sowie die Legende des hl. Papstes Silvester, verfaßt von dem „Historiographus Eusebius“, in der unter anderem von der Konstantinischen Schenkung berichtet wird (fol. 282-304, hier am Ende der Schreibervermerk „Explicit per me fratrem petrum gryer biellensem“). Den Schluß bilden naturwissenschaftliche Texte: Ein „Tractatus de passionibus aeris“ (fol. 388-401r., Sprung von 389 auf 400, Foliierungsfehler, der Text schließt bruchlos an, am Ende ein Explicit) handelt vom Donner, von Sternschnuppen, Wind, Wolken, Nebel und dem Regenbogen. Darauf ein „Tractatus de septem planetis“ (fol. 402-406v., am Ende Explicit) mit Ausführungen über die Planetenbewegungen, den Mond und die sieben Planeten. Bei diesen beiden Traktaten handelt es sich um die Kapitel 18 und 17 aus dem „Liber de natura rerum“, dem naturwissenschaftlichen Hauptwerk des Dominikaners und Schülers von Albertus Magnus, Thomas von Cantimpré (1201 – um 1270/72). Folgend noch ein kurzer Abschnitt u. a. über die Kontinente und Jahreszahlen zur Geschichte Roms, der Text darunter durch ein Gebet überklebt (fol. 406v.). Auf dem letzten Blatt sind nur die ersten sechs Zeilen beschrieben (wohl über Landvermessung, fol. 407r.). Die ursprünglich 438 Blätter umfassende Handschrift wurde 1883 bei Förster in München versteigert (Bibliothek Buxheim aus dem Besitz des Grafen Waldbott-Bassenheim, Nr. 2780) und im Folgejahr erneut bei Rosenthal angeboten (Katalog 40, Nr. 31). Wohl durch Rosenthal wurden die ein-

The present manuscript contains four larger parts of an important cultural historical collection of religious and secular texts compiled by the Buxheim Carthusian Petrus Gryer de Biel, written probably by his own hand. – In a more recent time the complete book decoration, apart from some larger initials, was removed from the manuscript, this concerns the leaves : fol. 143 (only remaining a little bit), 304 (cut-out in lower half with loss of text mainly recto), 401 (roughly torn out illustration, remains of the frame in pen drawing still there, verso some loss of text); fol. 142 with cutting traces; on fol. 128 r. the six upper lines covered in former times (blank). – Binding almost loose, some bookmarks, here and there a little soiled and browned. – Unbound. – See illustration.

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HOROSKOP – Lateinische Handschrift auf Papier. Deutschland, Mitte 16. Jhdt. Blattgr.: 21 x 14,6 cm. Mit astrologischer Schemazeichnung. 1 Bl. (1 3/4 S.). (136) 400,Beantwortung der astrologischen Anfrage eines Mannes über den Verbleib eines Verschollenen: „Quida(m) ho(mo) interrogavit ut q(uo)dam absente utrum e(ss)et mort(uus) vel vivus“, mit dem Ergebnis, daß dieser nicht mehr lebe, sondern wohl vom Liebhaber seiner Frau erschlagen worden sei: „Et quia Saturnus existens in ascendente fuit dominus septime domus significatur uxoris illius per quo facta fuit questio: et venus significatrix mortis aspexit eum significabat hoc quod forte interfector commiserat fornicationem cum uxore illius per quo facta fuit questio.“ – Geringe Randläsuren, wenig fleckig.


Handschriften

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THURNEISSER – Astrologische Sammelhandschrift. Lateinische und deutsche Handschrift auf Papier. Deutschland, um 1577. 4° (19 x 15 cm). 7 Bl. Mod. Umschl. unter Verwendung eines alten Drucks. (69) 1.600,Enthalten sind lateinische Merksprüche zu den zwölf Monaten (fol. 1r-v), „Aphorismus astrologi cuiusdam“ sowie lateinische Zitate nach Hippokrates, Cardanus und Bruschius (fol. 2r-v), „Kurze practica über das 1577 Jar“ (fol. 2v-4r), Merksprüche zu den zwölf Monaten in deutscher Sprache (fol. 4v-6r) und „Epigramma in fatuos, Fatalem astrologicis praedictionibus necessitatem imponentes“ (fol. 6v-7v). – Unsere Handschrift ist wohl kein Autograph Thurneissers, dessen Name auf fol. 4r vermerkt ist, laut Auskunft der Staatsbibliothek zu Berlin jedoch „in seiner unmittelbaren Umgebung, wohl in seiner Werkstatt und unter seiner Aufsicht entstanden“ (Schreiben vom 17.8.2010). Die deutschen Merksprüche und die Praktik sind in dem 1577 von Johann Beyer in Leipzig gedruckten „Allmanach unnd Schreib Kalender auff das Jahr 1577“ enthalten, von dem nur zwei Exemplare in Zürich und Halle bekannt sind (VD 16 T 1150 und T 1185). – Gut erkennbar ist das Wasserzeichen eines Ebers mit Borsten, wie es in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts weit verbreitet war (vgl. z. B. Piccard 85591). – Sehr knapp beschnitten, kaum fleckig. Astrological collective manuscript. Latin and German manuscript on paper. Germany, around 1577. – Very closely trimmed, hardly soiled. – Modern wrappers by using an old printing.

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Nr. 5

STRASSBURG – „Hienachgeschribene Schwangere Weiber sind inn dem Spitahl gekündtbethet worden“. Deutsche Handschrift auf Papier. Straßburg 1599-1615. Fol. 266 Bl. Umschl. d. Zt. unter Verwendung eines Missale-Blattes auf Pergament mit offener Schnurheftung (stark beschädigt). (152) 4.000,Geburtenregister des „Mehreren-Spitals“ in Straßburg. Die Aufzeichnungen beginnen St. Johannis (4. Juli) 1599 und enden 1615. Festgehalten werden rund 1300 Geburten. – Die Einträge halten fast immer die Vor- und Zunamen und den Herkunftsort fest. Zum Teil sind auch die Familienumstände oder Besonderheiten bei der Geburt notiert. Die Eintragungen des Verzeichnisses wurden abschnittweise (oft im Monats- oder Quartalsrhythmus) von unterschiedlichen Schreibern verfaßt. Der Band stellt dem Charakter nach nicht die Abschrift eines vorhandenen Geburtsregisters dar, sondern eine Reinschrift. Die Überschriften sind meist sehr sorgfältig kalligraphiert. Im Vergleich etwa mit den Geburtsbüchern in Heidelberg um 1820 unter dem berühmten Naegele sind die hier vorliegenden Straßburger Unterlagen um 1600 teilweise umfassender und somit für die weitere Forschung von großer Bedeutung. Hinzu kommt, daß bei einigen dokumentierten Jahren jahrgangsweise die Zahl der niedergekommenen Mütter erfaßt ist, ebenso das Geschlecht der Kinder, Zwillingsgeburten oder der Anteil unehelich geborener Kinder (etwa 20 Prozent). Die ebenfalls angegebene Sterblichkeitsrate lag bei nur 3 Prozent, nur in wenigen Jahren höher (bis zu ca. 10 Prozent). Die Anfänge des Leonhard-Spitals, das in den Straßburger Quellen als „Mehreren Spital“ (Hospitale maius) bezeichnet wird, liegen im Dunkeln. 1143 erfolgte die erste Nennung.

Bereits 1263 ist das Spital von der bischöflichen Oberhoheit befreit und unter bürgerlicher Aufsicht. Es nahm Arme und Kranke, Altersschwache und Reisende auf, auch Pilger, Waisen und Findlinge. Es wurden nur ehrbare Frauen und Männer aufgenommen, die unverschuldet in Not geraten waren. Das Spital lag unmitelbar hinter der alten Stadtbefestigung am Spitaltor. Die teils aus dem 13. Jahrhundert stammenden Gebäude dienten noch bis 1931 als Krankenhaus. Neben dem „Mehreren-Spital“ gab es damals noch das Kleine Hospital oder Phynen-Hospital (Hospitale minus), das nach der Reformation seine Bedeutung verlor und 1604 dem „Mehreren-Spital“ einverleibt wurde. Einige Blätter lose, durchgehend etw. fleckig, stellenw. wasserrandig. – Siehe Abbildung.

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SIENA – IL DIARIO SANESE. Italienische Handschrift auf Papier. Siena? 17. Jhdt.? 4°. Mit 9 kleinen Skizzen in Federzeichnung. 24 (fehlerhaft alt foliiert: 25) Bl. Pgt. d. Zt. mit 2 applizierten (aufgenähten) waagerechten Lederstreifen über Deckel und Rücken (fleckig, berieben und bestoßen). (79) 500,Interessantes Manuskript zur Geschichte der Stadt Siena von der Hand zweier Schreiber, deren einer, ein gewisser Severo Berini, im Zwischentitel genannt wird. Auf den Hauptteil (fol. 1-20) folgt eine Continuatio (fol. 21-25). Beide Handschriften sind flüchtig und ungleichmäßig, daher partienweise schlecht lesbar. Beschrieben ist jeweils nur das Recto, die Skizzen befinden sich jedoch alle auf den Rückseiten. – Inhaltlich handelt es sich um eine frühe Jahreschronik zur Sieneser Geschichte und Kunstgeschichte in Form einer fortlaufenden Auflistung, beginnend mit den


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Handschriften

es: „Anno 1591. den 27. Februarii hat Doktor Coccius der Herzogin rahten lassen, wie folgt:“ (ein Rezept für den Herzog). – Die letzten, nicht foliierten Blätter mit Eintragungen aus neuerer Zeit. – Ursprünglich wohl mit Titel (ein erstes ungezähltes Blatt offensichtlich herausgeschnitten), leicht gebräunt, wenig fleckig.

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STRASSBURG – „Ittenheim Erneuwerung gemeiner Gültgüter“. Deutsche Handschrift auf Papier. (Ittenheim) „anno 1604“. Fol. 18 Bl. Pgt. d. Zt. unter Verwendung eines Missale-Blatts um 1460 (leicht fleckig). (152) 800,Die sehr sauber geschriebene Handschrift verzeichnet zinspflichtige Besitzungen in Ortschaften, die westlich nahe an Straßburg liegen. Genannt werden u. a. die Orte Ittenheim, Achenheim, Handschuheim, Osthoffen, Schaffolsheim, Molsheim und Bergheim; ferner werden Straßburger Klöster erwähnt und ihr auf dem Land befindlicher Besitz; es sind dies St. Catharinen, St. Peter und das große Spital. Ausgestellt ist das Dokument am 14. März 1604 von dem (Straßburger?) Notar Johann Heinrich Meyer. – Minimal fleckig, insgesamt sehr gut erhalten und dekorativ gebunden.

9 Nr. 10 Jahren 1238-41 (fol. 1-6), anschließend die Jahre 1343-98 (fol. 7-20). Der zweite Teil behandelt den Zeitraum 13711446. – Unter den Eintragungen finden sich neben wichtigen politischen Ereignissen auch einige Angaben von kunsthistorischer Relevanz; so werden etwa mehrere Stadtpaläste genannt und die Dombildhauer Giacomo di Buonfredi und Bartolomeo di Tommè erwähnt. Die Skizzen zeigen Straßenzüge, Baulinien und einen Blick in einen gotischen Chorbau. – Die Chronik stammt möglicherweise aus der „Biccherna“, der Finanzbehörde von Siena, die auch als Auftraggeber von kommunalen Kunstwerken eine wichtige Rolle spielte. – Papier mit Wasserzeichen eines gekrönten Profilkopfes im Kreis, das in Italien schon im frühen 16. Jahrhundert nachweisbar ist (vgl. Piccard 20004 und 20005), sowie eines heraldischen Adlers mit Krone. – Fol. 4 in der Zählung wohl versehentlich ausgelassen, Text durchlaufend. – Stellenw. leicht fleckig.

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PHARMAKOPÖEN – REZEPTBUCH. Deutsche Handschrift auf Papier. Niedersachsen, um 1600. 4°. 164 num., 4 nn. Bl. Überschriften in Rot. 13 Zl. Pgt. d. Zt. (Schließbänder fehlen, etw. fleckig, berieben und bestoßen). (112) 800,Durchgehend in gleichmäßiger Kurrent sehr sauber abgefaßte Sammlung von Rezepturen gegen allerlei Leiden und Krankheiten: Fieber, Gelbsucht, Pest, Cholera, Nieren-, Leber- und Frauenleiden, Brandwunden, Brüche usw., weiterhin die Zubereitung von Ölen, Salben, Latwergen, verschiedenen Wässern (darunter Rosenwasser und „güldenes Wasser“), „Jungfrauenmilch“ und vieles mehr. – Vielleicht am oder im Umkreis des Hofes der Herzöge von Lüneburg-Braunschweig verfaßt. Auf fol. 97v. wird eine Rezeptur gegen den Blutfluß erwähnt, die von der aus „Hennenbergk gebornen Herzogin von Lüneburg“ stammmen soll (vielleicht Sophie, Gräfin von Henneberg, Prinzessin von Braunschweig-Lüneburg, 1541-1631), und auf fol. 95r. heißt

„HANDLUNG. Den Hungerischen Auffstandt betreffent wie derselbe wieder verglichen und Hernach bey desselben nithaltung, die sachen von Neuem zu Preßburg mit denen Unierten Landen abgehandlet.“ Deutsche Handschrift auf Papier. Wohl Ungarn, 1606-12. Fol. 1 nn., 335 num. Bl. Beschäd. Pgt. d. Zt. mit Deckel- und Rvg. (100) 4.000,Weitgehend unpublizierte Quellensammlung zu dem von István Bocskai (1557-1606) angeführten Ungarnaufstand von 1604, in gleichmäßiger Kanzleikursive mit kalligraphierten Überschriften ausgeführt. – Vorangestellt ist dem zitierten Titel ein Blatt mit einem Vorspruch: „Anno 1604. Im Frueling hat man bey Sohnenschein am Himmel vor und nach mittag einen hellleuchtenden Stehrn gesehen. Darauf balt der Hungern auffstandt ervolgt, und was sich für seltzame wunderliche veränderungen in diesen Landen im Regiment zuegetragen, Ist aus nachvolgenden Handlungen zusehen etc.“ – Die Dokumentation enthält zahlreiche Abschriften von Urkunden und endet mit dem Tod Kaiser Rudolfs II. und der Kür von dessen Bruder Matthias 1612. – Vorsatz mit montiertem Kupferporträt Bocskais (mit Fehlstelle), wenig fleckig.

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BERGBAU – STEIERMARK – AUFSCHLAGZEICHEN der Hammerwerke in St. Gallen (Steiermark) und Umgebung. Deutsche Handschrift auf Papier. Nördliche Steiermark, um 1610/20. 4° (Buchblock: 19,5 x 14,3 cm). Mit 173 ganzseit. Deckfarbenminiaturen. 173 Bl. (alt foliiert). Pgt. d. Zt. mit Rücken- und Deckelvg. sowie intakten Messingschließen (Vorderdeckel mit Bezugsschäden, stark fleckig und gebräunt, berieben und bestoßen). (85) 6.000,Außergewöhnlich schönes und rares Dokument zur steiermärkischen Eisenindustrie in der frühen Neuzeit. Es handelt sich um ein Verzeichnis der – vielleicht sämtlicher – Fir-


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menmarken der in der Gegend um St. Gallen im frühen 17. Jahrhundert tätigen Hammerwerke. Diese Marken bestehen aus dem Aufschlagzeichen, einem Symbol, das meist eine bestimmte geometrische Form besitzt, teils aber auch figürlich ist (z. B. Gemsenkopf, Traube, Fisch, Reichsapfel, Bergmann). Darunter jeweils eine große, figürlich und ornamental gestaltete Kartusche in immer anderer Form und Motivwahl. In diese Kartusche wurde der jeweilige Name des Hammergewerks, also des aktuellen Besitzers der Fabrik, eingetragen, darunter auch mehrere Frauen. Zwei der Miniaturen sind als florale Kränze gestaltet. Hier sollten augenscheinlich Zwischentitel eingefügt werden (vielleicht mit retrospektiven Zeitangaben); ebenso sollte das erste weiße Blatt wohl erst abschließend mit einem Titel versehen werden (dieses ist nicht foliiert, aber von demselben Papier wie die Handschrift, also kein Vorsatz). Das ist jedoch unterblieben, weil das Verzeichnis nur in seiner Entstehungszeit benutzt worden ist und später in Vergessenheit geraten zu sein scheint – was auch seinen hervorragenden inneren Erhaltungszustand erklären dürfte. Lediglich auf den ersten 32 Blättern sind die Kartuschen mit Namen versehen (einzelne Auslassungen), auf fol. 32 ist der Eintrag nur skizziert. Die Zeichen wurden also bereits für spätere Zeiten eingemalt, wenn es zu einem Besitzerwechsel kommt, oder vielleicht auch, falls neue Hammerwerke ihren Betrieb aufnehmen sollten. Anhand der eingetragenen Namen lassen sich Provenienz und Datierung zweifelsfrei belegen, da fast alle Namen identifizierbare Hammerwerksbesitzer der Gegend um St. Gallen sind: Aus der Familie Pantz sind Abraham, Christoph und Sebastian eingetragen, tätig am Pölzenbach bei St. Gallen und in Weißenbach an der Enns, wobei man von Sebastian das Todesjahr 1613 kennt. Aus der Familie Schweinzer, deren Werk ebenfalls in Weißenbach bestand, sind gleichfalls drei Mitglieder eingetragen: Adam, Blasius (Fisch als Symbol) und Elias, die beiden letzteren als Werksbesitzer 1604 bzw. 1617 belegt. Wolf II. Scheichenfelder war zwischen 1587-1625 in St. Gallen tätig, Georg Thalhammer in Oberhof bei St. Gallen, erwähnt 1609. Weiterhin werden die im nordsteiermärkischen Bergbauwesen der Zeit um 1600 bekannten Namen der Händl, Haydn (Franz, Armbrust als Symbol), Kohlthaler, Schrapacher, Stubmer (Matthias, Symbol: Kleeblatt), Winterl, Würschenhofer u. a. angeführt (vgl. Walter Stipperger, Almanach des steirischen Berg- und Hüttenwesens, Mitteilungen des Museums für Bergbau, Geologie und Technik am Landesmuseum Joanneum Graz, Heft 29, 1968). – Das letzte Blatt mit einer Übersicht von Farbvarianten anhand mehrerer einfacher Zeichen. – Das Wasserzeichen (geschweifter Wappenschild, gefüllt mit einigen schwer identifizierbaren Figuren) nicht bei Piccard. – Innengelenke restauriert, fliegende Vorsätze fehlen, einzelne Bl. tls. alt hinterlegt, anfänglich leicht fingerfl. und mit gebräunten Rändern, sonst nur vereinzelt stockfleckig. – Siehe Tafel 1 und Abbildung. Extraordinarily beautiful and rare document to the iron industry of Styria in the early modern period. It is a register of perhaps all trademarks of hammer mills active in the area of St. Gallen in the early 17th century. – Inner joints restored, fly-leaves missing, some leaves partly backed in former times, light thumbing at the beginning and with browned margins, otherwise only isolated foxing. – Contemporary vellum with gilt back, gilt on sides as well as intact brass clasps (front cover with defects in cover material, heavily soiled and browned, rubbed and scuffed). – See plate 1 and illustration.

Nr. 12

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FREINHAUSEN – Kirchenrechnung über Einnahmen, Ausgaben und Leihgelder der Pfarrkirche in Freinhausen. Deutsche Handschrift auf Papier. 1612-39. 4°. 161 Bl. Pgt. d. Zt. (Gebrauchsspuren). (4) 250,Wirtschaftsgeschichtlich und genealogisch interessantes Kirchenbuch in barocker Kursive. – Freinhausen liegt heute im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm. Die Pfarrkirche war dem Heiligen Sebastian geweiht. – Etw. fleckig, meist aber recht sauber und gut lesbar. – Mehrere Beilagen.

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„ALLER KU(N)DE undt Auserlehsene Artzney zu Allerley Schaeden nützlich zu gebrauche geschriben durch Mich Johann Liutlein Sattelknecht zu Annalbach [= Ansbach?] 1614.“ Deutsche Handschrift auf Papier. 4°. Mit gezeichneter Titelbordüre und 4 Federzeichnungen im Text. 165 nn. Bl. Mod. Pgt. (Deckel leicht aufgebogen, ein wenig lichtrandig). (3) 1.200,Interessantes medizinisches Laienrezeptbuch, überwiegend wohl zusammengetragen aus tradiertem Volkswissen. Einfaches, doch in recht gleichmäßiger Kursive abgefaßtes Manuskript, wohl von einer Hand (am Schluß ein Latwergen-Rezept von anderer Hand ergänzt). Überschrift und Hervorhebungen in roter Tinte, am Anfang einige Überschriften in Grün. Die Abfolge der Rezepturen scheint keinem Ordnungsprinzip zu folgen. Am Anfang Therapien diverser Krankheiten und Beschwerden, darunter vor allem die „Pestilenz“ und ihre Symptome, anschließend über Vergiftungen, Entzündungen und die Tollwut. Der größte Teil der Handschrift ist der Geburtshilfe, Versorgung der Neu-


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geborenen, dem Kindbett etc. gewidmet. Offenbar hatte sich der Verfasser auf diesem Gebiet besondere Kenntnisse erworben und Erfahrungen gesammelt, wie sie von Hebammen und Heilerinnen jenseits der wissenschaftlichen Medizin tradiert wurden. Bezeichnenderweise findet sich hier auch ein Kapitel über die Abtreibung („Wan ein Weib ihre Kind nidt wolt“), das sogar durch die Darstellung eines gläsernen Instruments, „durch welches sich ein Weib selbst undt allein außsauge kann“, illustriert ist. Der ausführlichen Darstellung diverser Frauenkrankheiten sind weitere drei Zeichnungen von Instrumenten zur Untersuchung und Behandlung der Gebärmutter beigefügt. Aus dem Hebammenwissen dürften auch eine Therapie gegen das Ausbleiben der Menstruation sowie die Heilmittel für viele Kinderkrankheiten stammen. Weiterhin wird über diverse Arzneien, meist aus Heilpflanzen, die Zubereitung von Salben und andere Rezepturen berichtet. Am Ende weitere Anleitungen zur Behandlung vieler verschiedener Krankheiten, darunter auch Krebs. – Der Schreiber war wohl Sattelknecht an der Residenz zu Ansbach, die Schreibung „Annalbach“ ist offenbar vom lateinischen Onoldsbach abgeleitet. – Bindung erneuert, Titel mit einigen Randschäden (etw. Verlust in der geometrisch gemusterten Bordüre) aufgezogen und angefalzt sowie in späterer Zeit mit rotem Buntstift ornamental von Laienhand ausgemalt; an einzelnen Stellen stark wasserrandig, gebräunt und fleckig, sonst meist nur etw. braunfleckig. – Titel rückseitig gestempelt „Ludwig Peter Freiherr von Pölnitz“ (Meister der Freimaurer-Forschungsloge „Quatuor Coronati“ in Bayreuth und Schloßherr von Aschbach in Franken), auf der weißen Rückseite des letzten Blatts ein Besitzvermerk des Augsburger Verlegers von Zauberbüchern, Benedikt Raidl (18571930), der dort den „Venusplanetenverlag“ betrieben hat (mit angefangenem Inhaltsverzeichnis der Schrift von Raidls Hand). – Siehe Abbildung.

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NOTARIAT – SAMMLUNG – 5 Notariatsbücher. Italienische und lateinische Handschriften auf Papier. Italien (Königreich Neapel), ca. 162050. 4°. Mit einigen Notariatszeichen in Federzeichnung. Beschäd. flex. Pgt. d. Zt. (4) 300,Interessante Sammlung zum Notariatswesen im Königreich Neapel in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts: I. Urkundenbuch „Hic liber est mei Notarii Nunciantis Caputi Terre Mo[rrae]...“, dat. 1621, begonnen unter der Herrschaft Philipps III. von Spanien (= Philipps II. von Sizilien und Neapel), der am Anfang genannt wird. Ein Notar „Nunziante Caputo“ ist in der „Terra di Morra“ (Provinz im Königreich Neapel) in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nachweisbar). – Notariatszeichen „N.N.C.“ II. Urkundenbuch, dat. 1627-33. III. Urkundenbuch, dat. 1632-37. – Notariatszeichen „N.N.C.“ („Nunziante Caputo“). IV. Urkundenbuch, dat. 1634-46, Notar „Nunziante Caputo“. V. „Testamentario“ (Deckeltitel), ca. 1643-48, eines Notars namens Giacomo Pallante. Tls. stärkere Gebrauchsspuren. – Beiliegend ein kirchliches Rechnungsbuch von 1746 (schmaler Großfoliant).

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FREIBURG IM BREISGAU – WOLLEBER – CHRONIK des Hauses Zähringen. Deutsche Handschrift auf Papier. Freiburg i. Br. um 1625/30. Fol. (32,5 x 20,2 cm). Mit 16 Wappenminiaturen in Deckfarben, 180 Portrs. (Halb- und Standfiguren) mit Wappen in Deckfarben (1 unausgeführt in Vorzeichnung) sowie 3 (statt 8?) Stammbäumen in Deckfarben und Tinte auf gefalt. Tafeln. 252 (8 weiße) tls. pag. Bl. Tls. regliert. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. (Schließbänder fehlen, Bezug an den Kanten aufgeplatzt, stärker fleckig, beschabt und bestoßen). (49) 20.000,Umfangreiche, der Stadt Freiburg dedizierte Chronik, prachtvoll illuminiert in der Art der Wappen- und Geschlechterbücher des 16. Jahrhunderts. In gleichmäßiger Kanzleikursive und Kalligraphie angefertigte Abschrift der Geschichte der Zähringer von David Wolleber, der sich „Württembergischer Historicus“ und „kayserlicher Publicus Notarius“ nannte. Die heute im Freiburger Stadtarchiv (B1, Nr. 11) aufbewahrte Urschrift wurde zwischen dem 10. August 1597 alten Kalenders (d. i. 20. August gregorianischen Kalenders) und dem 6. September 1597 neuen Kalenders niedergeschrieben. – Wolleber, geboren um 1555 in Grunbach im Remstal, ist kurz nach Abfassung der Chronik am 8. September 1597 einem Raubmord zum Opfer gefallen (zusammenfassend zu Wollebers Leben und Wirken: P. P. Albert, Geschichtsschreibung der Stadt Freiburg in alter und neuer Zeit, Sonderabdruck, Karlsruhe 1901, S. 51-60, und K. Graf, Gmünder Chroniken im 16. Jahrhundert, Schwäbisch Gmünd 1984, S. 77-94). Die niemals gedruckte Chronik wurde vom frühen 17. bis zum späten 18. Jahrhundert in Kopien verbreitet (darunter Exemplare in der Hofbibliothek von Donaueschingen und der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, in der Kollation und Illuminiation mit dem Original weitgehend übereinstimmend). Meist wurden derartige Abschriften vom Adel oder Patriziat in Auftrag gegeben oder als Geschenke angefertigt (vgl. Albert S. 54, Anm. 1). Entsprechend sorgfältig und qualitätvoll fallen Illumination und Kalligraphie gewöhnlich aus, in unserem Fall dem von dem Freiburger Maler David Schmidlin ausgemalten Original kaum nachstehend. Bei unserer Abschrift dürfte es sich zudem um eine der frühesten handeln: nach den Wasserzeichen zu schließen, ist von einer Datierung um 1625/30 auszugehen (siehe unten). Wie im Original und in der früheren der beiden Karlsruher Abschriften (Signatur: Hinterlegung 7, datiert „17. Jahrhundert“) setzt die Paginierung mit Seite 201 ein, „da Wolleber die Zählung der am 12. 2. 1593 der Stadt Freiburg überreichten mappam und genealogiam der graven von Habspurg, herzogen von Zehringen und graven von Freyburg als stifter diser statt berücksichtigt hat“ (Katalog der Handschriften in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, Bd. XIII, Wiesbaden 2000, S. 494 ff., und Albert S. 56). Auch der Paginierungssprung von S. 439 auf 486 findet sich in unserer Abschrift. Kollation: 2 weiße Bl. (ein weiteres ohne Wasserzeichen = Buchbindervorsatz, daher nicht gezählt), 13 nn. Bl., S. 201228, 1 Bl. mit dem Porträt des Würzburger Bischofs Echter von Mespelbrunn zwischengebunden, S. (229)-254, Stammbaum, ausgehend von Herzogin Agnes von Rheinfelden


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(= S. 255-258), S. 259-276, Stammbaum, ausgehend von Gräfin Margarethe von Zähringen, Gattin Hartmanns von Kyburg (= S. 277-280), S. 281-296, Stammbaum, ausgehend von Gräfin Mechthild von Rheinfelden (= S. 297-300), S. 301-414 (S. 415-417 fehlt, wohl ein Stammbau, Paginierung geht auf recto gerade weiter:) S. 418-425, (S. 426/27 fehlt, wohl Stammbaum), S. 428-433, 1 weißes Bl., 2 nn. Bl. (entsprechend S. 434-439, dann Paginierungssprung:) 486-618, 16 nn. Bl., 2 weiße Bl., 40 nn. Bl., 3 weiße Bl. mit Wasserzeichen (und ein Bl. ohne Wasserzeichen = Vorsatz). Die Größe des Freiburger Originals ist mit 215 x 320 mm (Buchblock) angegeben, entspricht also fast der vorliegenden Kopie.

Auf die Entstehung der Handschrift in Freiburg i. Br. und eine Datierung in die Zeit um 1630 deuten die Wasserzeichen hin: Der erste Teil weist ein im südwestdeutschen Raum am Beginn des 17. Jahrhunderts in zahlreichen Varianten nachweisbares Wasserzeichen auf (Vogelkopf im Wappenschild, darüber die Buchstaben S und R, an der unteren Spitze F), das seine engste Übereinstimmung in dem bei Piccard unter der Nummer 42034 verzeichneten Wasserzeichen findet, dieses datiert Freiburg 1637. Das Papier des letzten Abschnitts zeigt einen Adler über Dreiberg (Kleeblatt) und die Buchstaben F und B (Piccard 152629, datiert Freiburg 1625). Wahrscheinlich ist die Abschrift der Chronik noch vor 1632 entstanden, dem Beginn der schwedischen Besatzung.

Inhalt: Titelseite („Weilannd der durchleuchtigen Hochunnd Wolgebornen Grave[n], Marggraffen und Hertzogen des hochlöblichen Hauß zue Zäringen Stiffter und Anfanger der auch hochloblichen und Weitberuempten Statt Fryburg im Preyßgaw ...“, fol. 3r), der Brief Wollebers an den Bürgermeister der Stadt Freiburg (fol. 4/5, datiert, Stuttgart, 10. August 1597), „Register der Vornembsten Handlungen“ (fol. 6-15), „Von der Nutzbarkait der Historien“ (fol. 1625 = S. 201-220), das Wappen der Zähringer (fol. 26), die Vorrede (fol. 27-29 = 223-228), das Porträt des Würzburger Bischofs Julius Echter (fol. 30) und die Abschrift von dessen Dankschreiben an Wolleber für die Übersendung der Würzburger Chronik (fol. 31), die Historie der Herzöge von Zähringen (fol. 32-125, letztes weiß, entspricht S. 231435), „Der Andere Thaill Ordenliche Unnd Gründtliche Beschreibung aller Hertzogen von Teeckh in Schwabe[n]“ (fol. 126-194 = S. 486-618), „Warhafftiger Bericht welchermassen Der Alte Marckat Fleeckh Heiningen Im Fürstenthumb Teeckh Und Württemberg gelegen, Von Kayser Rudolpho dem Ersten ... Privilegiert, befreyet Und begabet worden“ (fol. 195-212, letzte beide weiß), „Histori und Legent von allerhandt vor etlich hundert Jaren geschehenen Geschichten, Als nämlich von den Hertzoge Zue Zeringen, Graven von Freyburgg undt andern seltsamen Sachen“ (fol. 213-252, auf Papier mit anderem Wasserzeichen). – Die Geschichte der Gründung Freiburgs ist auf S. 327 ff. abgehandelt. Der „Historicus“ Wolleber besserte sein karges Gehalt als Winkeladvokat damit auf, Herrschaften selbstverfaßte Chroniken zu widmen und ihnen entsprechend, teils auch über Gebühr, zu schmeicheln. „Infolge der Art, wie Wolleber seine Werke zusammenschweisste und ausstattete, um sie möglichst gut an den Mann zu bringen, stand er in keinem guten Rufe; er galt als Schmarotzer und Bettelliterat“ (Albert, S. 56 f.). Die Besonderheit dieser Dedikationen ist Wollebers Zusammenarbeit mit den Illustratoren: „Zum Erfolg von Wollebers Werken trug auch ihre aufwendige Ausstattung mit farbigen Illustrationen, hauptsächlich Wappenmalereien, bei, für die er ausgebildete Maler heranzog“ (Graf, S. 80). – In der vorliegenden Abschrift sind die Wappenmalereien und Herrscherporträts von einem handwerklich sehr versierten Maler sauber und gekonnt nach den Originalen gearbeitet, in frischen und leuchtenden Farben, die der Vorlage nicht nachstehen, teils auch unter Verwendung von Eiweißhöhung. Von den Stammbäumen sind nur die drei kleineren der Nebenlinien vorhanden, die fünf großen Hauptstammbäume fehlen dagegen. Auch einzelne Wappenminiaturen wurden trotz ausgesparter Räume nicht ausgeführt (so auf. S. 325, Kloster St. Peter im Schwarzwald).

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Innengelenke gebrochen, einzelne Spuren alter Restaurierung, geringe Randläsuren, etw. fingerfl. und gebräunt, der letzte Abschnitt papierbedingt etw. mehr. – Auf dem vorderen Spiegel das gestoch. Exlibris der Reichsgrafen von Sonnenberg in Luzern (Gerster, Schweizer Exlibris, 2123 und 2680), wohl 17. Jhdt., im oberen Teil (Spruchband) ausgekratzt, sowie Exlibris von Oswald Carl Friedrich, Graf von Seilern und Aspang (1900-1967); ferner Spuren eines entfernten großen Exlibris. – Einbanddeckel mit kleinem, gepr. Supralibros zweier Eichhörnchen am Fuße eines Kelchs mit Rosen und Vögeln. – Siehe Abbildungen Tafel 2. Extensive and magnificently illuminated chronicle dedicated to Freiburg, the history of the Zähringen family, copied in regular office calligraphy by David Wolleber. The original which is kept in the Freiburg municipal archives was written in 1597. – Wolleber, born around 1555, was robbed and murdered shortly after finishing the chronicle. – This chronicle, never printed, circulated in copies from the early 17th till the late 18th century. Our copy could be one of the earliest: according to the watermark, a date around 1625/30 can be assumed. – Like in the original, pagination starts with page 201, as Wolleber had taken into consideration the pagination of a manuscript dedicated to Freiburg already in 1593. Our copy skips the pages from 439 to 486 as well. – The armorial illuminations and noble portraits in the present copy are made after the original in fresh and brilliant colours and can really be compared to the original. As to the family trees, only the three smaller ones of the collateral lines are there. – It is possible that the copy of the chronicle was made before 1632, the beginning of the Swedish occupation. – Inner joints broken, a few traces of early restoration, minor tears in margin, some fingermarks and browning, the last section a bit more due to paper quality. – On upper pastedown engraved exlibris of the counts of Sonnenberg. – Contemporary blind-pressed pigskin (clasp ribbons missing, cover material bursted at edges, stronger soiling, scratching and scuffing). – See illustrations on plate 2.

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BÖHMEN – „DER RÖM(ISCHEN) KAY (SER LICHEN) auch zu Hungarn und Böheimb Königlichen Maiestät Ferdinandi dess Andern vernewerte Landesordnung Deroselben Erbkönigreichs Böhaimb, auff Ferdinandi deß Dritten allergnädigsten Befehl von Newen auffgelegt und mit Underschiedlichen Declaratorien unndt Novellen vermehret 1640“. Deutsche Handschrift auf Papier. 5 Tle. in 1 Bd. Deutschland, um 1676. Fol. (30 x 19 cm). 374 Bl. Beschäd. Pgt. d. Zt. (54) 1.000,-


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Abschrift von Rechtstexten in sehr sauberer Kanzleikursive, die Titel aufwendig kalligraphiert in Rot und Grün, alle Überschriften in Rot mit feinen Federverzierungen (Datierung nach dem handschriftlichen Vermerk auf dem Vorsatz); teilweise mit handschriftlicher Paginierung. – Die ersten drei Teile gedruckt nachweisbar im VD 17 unter 12:625845E: „Landesordnung“ mit 454 S., 4 Bl. (Register), „Bergkwercksvergleichung im Königreich Böhaimb“ mit 22 Bl. und „Uber der Newen Landesordnung deß Königreichs Böhaimb publicirte königliche Declaratorien undt Novellen 1640“ mit 2 Bl., 116 S.; unter diesem Titel nicht im VD 17 nachzuweisen sind „Novellae Novellarum uber die verneuerte königliche bohaimbische Landesordnung und publicirte Novellen“ aus den Jahren 1641-1654 mit 20 Bl. und „Denen königlichen Prager Leibgedings wie dann allen andern Städten im Königreich Böhaimb de dato Prag 2. Martii Anno 1651 ertheilte Instruction“ (vgl. VD 17 1:015977E und 1:015964A). – Vorsatz mit Bibliotheksmarke und hs. Vermerk, Titel mit Besitzvermerk von alter Hand, Außensteg sehr knapp beschnitten (stellenw. minimaler Textverlust).

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genzenn, Leutershausen, Prichsenstadt, Roßtal und die Wülzburg. Auch werden die Verbindungen zu Brandenburg, Pommern und Mecklenburg behandelt. – Der Schwerpunkt des Berichtszeitraums liegt im 16. Jahrhundert, geht jedoch teils auch über das im Titel genannte Jahr 1669 hinaus. Am Ende eines Abschnitts über österreichische Lehen wird als spätestes Datum der Februar 1705 genannt. Die Handschrift wird wohl bald danach abgefaßt worden sein. – Etw. gebräunt. – Stempel und Etikett der Bibliothek der Freiherren von Schrottenberg.

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Gut leserliches, sauberes Manuskript, zusammengefügt aus zwei Teilen von verschiedenen Händen und auf unterschiedlichem Papier. Auf den älteren, in einer rundlichen Schrift abgefaßten ersten Teil (wohl um 1680) folgt ab Bl. 234 ein zweiter in üblicher Kanzleikursive. Dessen Papier weist mehrere Wasserzeichen auf, darunter eines, das Piccard (Nr. 25631) um 1720 datiert. Dasselbe Wasserzeichen weisen auch die Vorsätze auf, und in derselben Handschrift ist das vorangestellte Inhaltsverzeichnis auf dem nicht foliierten ersten Blatt abgefaßt. Offenbar wurde ein nicht vollendeter älterer Teil später ergänzt. – Beide Texte sind Abschriften des von Johann Müll(n)er im 17. Jahrhundert zusammengetragenen Nürnberger Stadtrechts und enthalten zusammen 22 Kapitel („Relationes“). Die „Bibliotheca Norica Williana“ (Bd. I, S. 134-39, Nr. 474-77) verzeichnet eine vierbändige Abschrift dieses Werks in 24 Relationes mit folgender Beschreibung: „Dies sind die sogenannten Müllnerischen Relationes, oder eigentlich Deductiones, die ein Corpus Iuris Publici Norimbergensis ausmachen und von dem rechtschaffensten, fleißigsten, so wie im Archive vortrefflich bewanderten Manne ... verfasset worden.“ – Der erste Teil unseres Exemplars enthält u. a. die Beschreibung des Nürnbergischen Stadtregiments, der städischen Institutionen und des Stadtrechts, der Burggrafschaft sowie des Zoll- und Münzwesens; der zweite handelt von der Reichsfreiheit, der Errichtung des Rathauses und Spitals, vom Strafrecht, von den Juden, von böhmischen Lehen und den Bündnissen, die die Stadt geschlossen hat. – Teil I mit einer Darstellung der Sitzordnung im Rathaussaal mit den jeweils zugehörigen Wappen (wohl aus gedruckten Kalendern ausgeschnitten). In der Mitte ein Spruchband mit Chronogramm, das die Jahreszahl 1676 ergibt. – Die Bl. 22, 40, 79, 132, 160, 186 und 119r. sind weiß. – Vorsatz mit Einträgen in Tinte (Schenkungsvermerk aus dem Jahr 1751 zum Zwecke der „Beschreibung der Ankunft adelicher hiesiger Familien“) sowie Spuren eines entfernten Exlibris, das num. Bl. 2 auf dem nachfolgenden Blatt montiert; etw. fleckig.

CASSANO ALL'IONIO – REGIONALSYNODEN – „SYNODUS CASSANENSIS que fuit prima sub illustrissimo d(omi)no episcopo D. Gregorio Carafa celebrata sub die IV, et V m(ensi)s aprilis 1651.“ – „Secunda synodus diecesana ... celebrata die VIII. decembris anni domini 1657“. Lateinische Handschrift auf Papier. Cassano, um 1660. 4°. 1 nn., 79 num., 3 nn., 31 num. Bl., 1 Bl. Läd. Ldr. d. Zt. (4) 200,Beschlußfassungen der sechsten und siebten Regionalsynode in Cassano all'Ionio (Kalabrien, Provinz Cosenza) in den Jahren 1651 und 1657, abgehalten unter dem Theatiner Gregorio Carafa (1588-1675, Bischof von Cassano 16481664). Carafa war ein erklärter Anhänger der Marienverehrung und Parteigänger Spaniens. Heute ist er noch bekannt für sein Buch über das Duellwesen (Rom 1647) und eine Beschreibung vom Ausbruch des Vesuvs. – Am Ende eine Abschrift der in Rom 1683 gedruckten Beschlüsse einer weiteren im Jahr zuvor in Cassano abgehaltenen Synode (30 num. Bl.) sowie Ausführungen über das Fest des hl. Francesco di Paola (Franz von Paula). – Innengelenke gebrochen, durchgehend etw. wasserrandig, tls. stärker gebräunt und fleckig.

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NÜRNBERG – „SUMMARISCHE NACHRICHT Worauff bey diesen Fürstenthumb Burggraffthumbs Nürnberg, unterhalb Gebirgs ein und andere Nützliche Reflexion zu machen“. Anno 1669. Deutsche Handschrift auf Papier. Nürnberg, um 1710? 4°. 92 nn. Bl. (und zahlr. weiße am Ende). Hpgt. d. Zt. mit Rtit. (Deckel mit Knickspuren, leicht beschabt und bestoßen). (102) 300,Kanzleihandschrift in schlichter Kurrent. Handelt vom Ursprung und der Geschichte der Nürnberger Burggrafschaft, ihren Rechten, Lehen, Vasallen, Besitzungen etc., beginnend mit dem Jahr 1200. Ab fol. 26 folgt eine Beschreibung der zum „Ober-“ und „Untergebirgischen Land“ gehörigen Ämter, Orte, Schlösser und Klöster, darunter Ansbach, Castell, Colmberg, Dachsbach, Feuchtwangen, Kloster Heilsbronn, Kulmbach (mit der Plassenburg), Lan-

– MÜLLNER – „RELATIONES MÜLLERI“. Deutsche Handschrift auf Papier. Wohl Nürnberg, um 1680-1720. Fol. Mit ganzseit. Schemazeichnung in brauner und roter Tinte unter Einbeziehung zahl. kleiner, mont. Wappenbilder (tls. gedruckt). 1 nn., 437 num. Bl. Hpgt. d. Zt. (Kopf leicht eingerissen, beschabt und etw. bestoßen). (102) 400,-

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– „VERZEICHNIS ALLER SCHULDHEISSEN wann sie zur Regierung komen, und wie lang sie dieselbe geführet haben mit ihren Wapen.“ Deutsche Handschrift auf Papier. Nürnberg, wohl gegen 1700. Fol. Mit 36 Wappenminiaturen. 3 Bl. Pp. d. späten 18. Jhts. (beschabt und bestoßen). (136) 500,-


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Verzeichnis der 36 Nürnberger Reichsschultheißen von 1282 bis zur Aufhebung der Praxis, auswärtige Amtsträger zu bestallen, im Jahr 1571. In Waldaus „Neuen Beyträgen zur Geschichte der Stadt Nürnberg“ (Bd. II, Nürnberg 1791, S. 265) wird dazu berichtet: „A. 1562 d. 11 Maii ist Herr Joachim von Westhausen, Ritter [aus Colmar], allhier eingeritten, und allhie zu einem Schultheissen verordnet worden. Dieser ist aber der lezt gewesen, denn als derselbe abgegangen, hat E. E. Rath von Kais. Maj. die Freyheit ausbracht, daß jederzeit der älteste des Raths Schultheissenamts-Verweser ist, zuvor ists gemeiniglich ein Fremder vom Adel gewest, und jährlich mit 800 fl. besoldet worden, und auf 8 Pferdt Futter, über die Bürger hat er nichts zu gebieten gehabt, allein alle Gerichtshändel, so unter brieflichen Urkunden verfertigt, sind in seinem Namen ausgangen und in der Losungstuben besiegelt worden.“ Laut Eintrag in unserer Handschrift regierte Joachim von Westhausen von 1562 ab neun Jahre, 1571 ging das Amt dann an den Vertreter der Nürnberger Bürgerschaft, Andreas Imhoff, über. – Am Anfang achtzeilige Erklärung zur Geschichte der Institution in Nürnberg. – Das Wasserzeichen eines heraldischen Adlers unter Krone mit drei angefügten Buchstaben spricht für eine Entstehung der Handschrift im späten 17. Jahrhundert, während die Vorsätze mit Honig-Wasserzeichen eine Einbanddatierung ins späte 18. Jahrhundert erlauben. – Bindung gelockert, etw. fleckig und stellenw. lichtrandig. – Adelsexlibris des späten 19. Jhts. – Siehe Abbildung Tafel 2.

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„DE CHYROMANTIA“. Lateinisch-italienische Handschrift auf Papier. Italien, um 1700. 8°. Mit 26 (24 mont.) Zeichnungen. 48 nn. Bl. Läd. Interims-Pp. d. Zt. (4) 300,In 18 kurze Kapitel eingeteilte Zusammenstellung in lateinischer Sprache über den Verlauf der Handlinien, „ex probatissimis auctoribus“ gezogen. Der zweite Teil (ab nn. Bl. 27) ist in italienischer Sprache verfaßt und enthält, durch Zeichnungen erläutert, die genaueren Erklärungen für die Charaktereigenschaften und die Schicksalsdeutung, wie sie sich aus den Handlinien und aus den „macchie dell'unghie“, den Nagelflecken, ablesen lassen. Wohl für den privaten chiromantischen Gebrauch hergestellt und in beiden Sprachen von einer Hand geschrieben. – Bindung in Auflösung begriffen, etw. fleckig, gebräunt. – Siehe Abbildung.

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FAUST – „DOCTORIS JOHANNIS FAUSTI NIGROMANTIA s(ive) cabala nigra et magia naturalis et innaturalis. De citationibus Mephistophilis et ... malisque spi(ri)tibus, daemo(nibus) in naturam et ... In commissione auctoris scripsit de Famulo Faustii Christophoro Wagnero in tribus partibus. Londino cum literis Gantioni Ao: MCCCCCIX“. Deutsche Handschrift auf Papier. Deutschland, um 1700. 4°. Mit zahlr. tls. ganzseit. Federzeichnungen. 109 Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. über Holzdeckeln (Remboîtage neuerer Zeit; beschabt und bestoßen). (158) 2.000,Gut lesbare, von der Hand mehrerer geübter Kanzleischreiber abgefaßte okkultistische Handschrift mit diversen Teufelsoffenbarungen. Die drei Teile sind vorgebliche Abschriften von Londoner bzw. Lyoneser Drucken einiger Werke des Johann Faust nach den Aufzeichnungen seines Schülers Christoph Wagner, alle mit Datum 1509. Derartige Drucke existieren natürlich nicht, aus der Feder des Johann Georg Faust (um 1480 – um 1541) ist keine einzige authen-

Nr. 20 tische Schrift überliefert. Seit seiner legendären Verklärung und dem Aufkommen der Sage im späten 16. Jahrhundert sind jedoch fingierte Werke und Zeugnisse seines Wirkens und Lebens in Umlauf gekommen, Manuskripte, die den populären Namen zur Aufwertung ihrer Inhalte im Titel führten. Dies ist auch bei unserer Handschrift der Fall. Die Ausführungen über „Cabala nigra et alba“ sowie „Magia naturalis et innaturalis“ unterscheiden sich nicht wesentlich von anderen Zauberbüchern der Zeit, erhalten aber durch den Kontext der Faustsage eine besondere Autorität, wie das auch bei Werken der Fall war, die realen Autoren wie Albertus Magnus, Paracelsus oder Hermes Trismegistos untergeschoben wurden. Der Teufelspakt gab dem Ganzen dazu den Anstrich einer von dunklen Mächten geoffenbarten Geheimlehre, die hier Mephistopheles persönlich Faust in Form von Antworten auf diverse Anfragen mitgeteilt habe. Wenngleich die unter dem Namen Fausts verbreiteten Schriften zur okkultistischen Standardliteratur der Zeit gehörten, trugen sie doch dazu bei, die Legende um seine Person auszuschmücken und als Mythos im Volk weiter zu verankern, in unserer Handschrift nicht zuletzt durch die einfachen aber anschaulichen Zeichnungen. Es finden sich nicht nur die üblichen Diagramme, Schemata sowie Geheim- und Zauberzeichen, sondern auch die „Erscheinung Mephistophilis“ in der Studierstube Fausts. Der Teufel kommt hier in tierähnlicher Gestalt hinter dem Kachelofen hervor, während Faust in Adelskleidung mit drohender Gebärde vom Schreibtisch aufgestanden ist und den Degen gezückt hält. Eine andere Zeichnung zeigt Faust bei der „Mantelfahrt“. Weiterhin ist ein „Zwang Creyß“ abgebildet, ein aus Ringen gebildeter Kreis mit einbeschriebenem Kreuz und vier Kruzifixen, die nach außen in die Himmelsrichtungen weisen. Wenn eine bestimmte Weiheformel über diesem Kreis gesprochen werde, könne man


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sich damit die Geister gefügig machen. Ferner sind die Siegel der Erzengel und gefallenen Engel dargestellt, darunter das des Luzifer, sowie „Faustens kostbahres Sigillum“, eine magische Glocke und zahlreiche Engel und Geister, besonders kurios der schlangengestaltige „Bazarachiel“.

loss of text), several leaves at the beginning and the end with professionally restored breaks in margin and partly mounted at joint; some browning and soiling. – Contemporary blindpressed pigskin over wooden boards (more recent remboitage; scratched and scuffed). – See illustrations.

Inhaltlich vermengen sich okkultistische Gemeinplätze mit den spezifisch faustischen „Kunststücken“, so der Pakt mit Satan, den „höllischen Großfürsten“, Geistern und Dämonen sowie ihren Anrufungen (auch von Mephistopheles, der in einer „Particular Citation“ beschworen werden soll). In den Kontext der Faustsage gehören ebenso die „Lufft- und Mantelfahrt“, ferner die Verbannung von Geistern aus einem Gebäude, die Herstellung magischer Kristallkugeln, das Schatzgraben und vieles mehr. – Zur Datierung: Schrift und Wasserzeichen sprechen für eine Datierung um 1700, ebenso die Art der Kleidung in den figürlichen Darstellungen. – Die ersten Bl. paginiert 1-33, davon fehlen zwei Bl. mit den Seitenzahlen 22-25, weiterhin dürfte ein Bl. zwischen fol. 58 und 59 herausgeschnitten worden sein. – Vorsätze erneuert, Titel tls. stark abgerieben und mit restaurierten Ausbrüchen (etw. Textverlust), mehrere Bl. am Anfang und am Ende mit professionell restaurierten Randausbrüchen und tls. angefalzt; etw. gebräunt und fleckig. – Siehe Abbildungen. Well legible occult manuscript written by several skilled scribes with various devil revelations. The three parts are alleged transcripts of London or Lyonese prints of some works by Johann Faust after the notes by his student Christoph Wagner, all dated 1509. Such printings, of course, do not exist, there is not one single authentic treatise recorded by Johann Georg Faust (around 1480 – around 1541). – Re date: Handwriting and watermark tend towards a date around 1700, also the kind of clothes in the figurative illustrations. – First leaves paginated 1-33, two leaves with page numbers 22-25 missing, furthermore probably one leaf between fol. 58 and 59 cut out. – Endpapers renewed, title partly heavily rubbed off and with restored breaks (some

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„VERSCHIEDENE GEISTLICHE ÜBUNGEN“ (Titel nach dem Inhaltsverzeichnis fingiert). Deutsche Handschrift auf Papier. Süddeutschland, 18. Jhdt. 396 nn. Bl. Ldr. d. Zt. (beschabt). (58) 200,In sauberer, meist gut lesbarer Kurrentschrift abgefaßte Zusammenstellung geistlicher Übungen und von „allerhand Lehr- und BetrachtungsPuncten“, die sich ein katholischer Geistlicher zum eigenen Gebrauch für Andachten und Exerzitien zur Selbsterforschung angefertigt hat: ein Vademekum zur ewigen Seligkeit nicht sola fide, sondern mit einem gehörigen Anteil an Eigenleistung. – Vorliegend der abschließende zweite („andere“) Teil mit den Übungen 14 bis 17 mit Betrachtungen über die „Ablegung aller Neigung zu den Creaturen“, die „Glückhseeligkeit des einsamen Lebens“ und das Stillschweigen, mit Übungen zur Erkenntnis des göttlichen Willens, mit einem in 30 Kapitel untergliederten Teil zur Werkgerechtigkeit in Form einer Kasuistik der guten Werke und schließlich mit den mehr als die Hälfte des ganzen Buches umfassenden „über hundert Puncten unterschiedlicher Matery“. Dieser umfangreiche letzte Teil, die 17. Übung, ist ohne erkennbares Kompositionsprinzip dem „Sonstigen“ des geistlichen Lebens gewidmet und enthält in loser Folge all das, was dem Schreiber für einen Gott wohlgefälligen Wandel festzuhalten noch nötig fand: von der Natur der Geduld über „Leibs Casteyungen“, „Liebe der widrigen besonders Obrigkeiten“ und der „innerlichen Mortification“ bis zur „Intention zu Sterben“. – Recht sauber.


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MILITÄR – „VERFASSUNG EINES REGIMENTS CAVALLERIE nach dem kayserlichen Fuß“. Deutsche Handschrift auf Papier. Österreich, erstes Drittel 18. Jhdt. Fol. 4 Bl., 348 S. Etw. läd. Hldr. d. Zt. (4) 300,-

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Umfangreiche Gebrauchshandschrift, wohl vollständig von einer Hand abgefaßt. Die vielen weißen Blätter am Ende und der abrupte Abbruch des Textes weisen darauf hin, daß das Manuskript zur weiteren Fortführung gedacht war. Behandelt werden sämtliche Aspekte des Aufbaus eines Regiments, gegliedert in zwei Teile. Im ersten werden die einzelnen militärischen Ränge und Funktionsträger, im zweiten Vorschriften, Institutionen und Aufgaben beschrieben. Offenbar sollten hier weitere Artikel ergänzt werden, so daß nicht von einer Abschrift, sondern vielmehr von einem Entwurf auszugehen ist. – Nachdem im Vorbericht Kaiser Leopold I. postum erwähnt wird, ist eine Datierung bald nach 1705 anzunehmen. – Die Abfassung der Handschrift fällt damit in eine Zeit der Neuordnung des Militärwesens durch stehende Heere und ist ein Dokument der Versuche zur Institutionalisierung des Militärs im österreichischen Kaiserreich mittels allgemeingültiger militärischer Verfassungen. – Vorderes Innengelenk gebrochen; leicht gebräunt und fleckig. – Titelrückseite mit Dublettenstempel der Abtei Maria Laach. – Großes gestoch. Exlibris (auf dem vollen Papier des vorderen Spiegels) von Christian August von Geldern (nicht bei Warnecke).

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KUFSTEIN – „HERNACH VUUERNEMMEN, Mein Joseph Haassens des Rathes Bürger unnd Fleischhackherns alhier zu Kuefstain, als sambt und neben dem fürnemen Herrn Johann Christoph Andree, gleichfalles Bürger des Raths, ... über das Lobwürdige Sanct Veithes Gotteshaus und Stattkhürchen verordnet.“ Deutsche Handschrift auf Papier. Kufstein 1690-1703. Fol. 292 num., 25 nn. Bl. Ldr. d. Zt. mit figürlichen und ornamentalen blindgepr. Rollenstempeln auf den Deckeln (Rücken beschäd., Deckel etw. wellig, stark beschabt und bestoßen). (4) 600,Rechnungsbuch einer Stiftung zugunsten der Pfarrkirche St. Vitus in Kufstein (und dem hl. Grab). Verzeichnet sind die Stiftungen zahlreicher Bürger aus Kufstein und Umgebung, der Eingang von Zehntgeldern, „Zünß und Grundtgülten“ und vieler anderer Einnahmen, ebenso der Ausgaben, an erster Stelle für den amtierenden Pfarrer, Vicarius Maximilian Gandolph Mayr (Amtszeit 1681-1695), weiterhin sämtliche Ausgaben der Pfarrei, darunter auch „Extra Außlagen“ für „Bau und Bösserung“ und die Organisten und Chorleiter (darunter ein Johann Mittermayer). In entsprechender Gliederung geführt jeweils für die Jahre 169093. Am Schluß beurkundet „Actum Kuefstain den Hindlissten Tag Monnats Augusti, Anno Sechzechenhundert vierundneinzig“, folgend ein Auszug (Zusammenfassung von Einnahmen und Ausgaben) und zuletzt ein Nachtrag für das Jahr 1703 (dieser von anderer Hand). – Innengelenke gebrochen, erstes Bl. gelockert, am Ende Wasserrand im oberen Bug mit Wurmspuren; insgesamt nur wenig fleckig, kaum gebräunt. – Siehe Abbildung.

ST. GALLEN – TOGGENBURGERKRIEG – KAUFLIN – Entwurfszeichnung für ein Projekt, auf dem Rosenberg oberhalb von St. Gallen Festungsanlagen zu errichten. Deutsche Handschrift auf Papier (Planzeichnung mit 3 Darstellungen). St. Gallen um 1710. Blattgr.: 33 x 41,7 cm. Mit 2 aquarellierten Baurissen und Situationsplan von M. L. Kauflin. Auf Trägerkarton aufgelegt. (91) 1.200,Haller V, 1793: „Dieser Plan war bereits A°. 1710 verfertigt, und wurde A°. 1712 in dem Fürstl. Aebtischen Kabinet gefunden.“ Bedeutendes Dokument aus dem Vorfeld des sogenannten Toggenburgerkrieges, eines Religionskriegs, der im Jahre 1712 zwischen dem Fürstabt von St. Gallen, Leodegar Bürgisser, und seinen reformierten Untertanen in der Grafschaft Toggenburg ausgetragen wurde. Der hier vorliegende Entwurf zeigt die Planung des Abtes, auf dem Rosenberg oberhalb von St. Gallen das Rosenberg-Schlößchen und das „Höggers-Schloß“ zu kleinen Festungen auszubauen, „zum gebrauch zweyer Bateries, sich zu bedienen können damit die Statt im Zaum zu halten und gänzlichen zu ruiniren mögen, und inerthalb 24 Stunden kan verfertiget werden“. Dieser Plan ist nach der Flucht des Abtes Leodegar in dessen Pult gefunden worden und erregte den Zorn der Bürgerschaft. – Entworfen wurde der Umbau vom Ingenieur Mathias Leontius Kauflin, der für den St. Galler Fürstabt mehrere kriegstechnische Aufträge ausgeführt hat. – In Rot, Braun, Grün und Gelb sauber aquarellierte Tuschezeichnung, die Festungseinbauten mit Schießscharten in Gelb. – Ausgeschiedene Dublette der Zentralbibliothek Zürich (rückseitig gestempelt). – Mehrere tls. hinterlegte Rand- und Falzeinrisse sowie kleine Durchbrüche infolge von Tintenfraß, leicht gebräunt. – Siehe Abbildung Tafel 3.

Druckvorlage zur zweiten Ausgabe 25

PHARMAKOPÖEN – HAMBURG – KALDE – „DISPENSATORIUM HAMBURGENSE juxta quod medicamenta tam chymica quam Galenica hodie usu recepta, in officina ad insigne cervi dispensanda ac praeparanda conscriptum et evulgatum a. Jacobo Kalde Reipub. Patriae Pharmacopoeo.“ Lateinische Handschrift auf Papier. Hamburg 1716 – um 1735. Fol. 8 Bl., 184 S., 15 Bl. (und ca. 50 weiße). Überschriften und Hervorhebungen in Rot, regliert. Stark läd. Pgt. d. Zt. (56) 800,Jacob Kalde, Inhaber der Hirsch-Apotheke „auf dem großen Burstah“ in Hamburg, verfaßte 1716 sein „Dispensatorium Hamburgense“, eine Pharmakopöe, für deren Rezepturen er zwar vielfach aus der Familientradition und lokaler Überlieferung schöpfte, aber auch einige auswärtige Pharmakopöen einbezog. Kaldes Absicht war es offenbar, ein amtlich anerkanntes Werk zu schreiben, das zugleich zu Werbezwecken für das eigene Geschäft dienen sollte, doch hat es die Anerkennung als offizielle „Hamburger Pharmakopöe“ niemals erlangt. Das hier vorliegende Manuskript


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stammt wohl von der Hand des Verfassers selbst. Der Titel nennt die Adresse des Verlegers Conrad Neumann mit dem Jahr 1716, doch ist das Vorwort mit dem Datum 29. 3. 1732 versehen. Am Ende des wie die Druckfassung 184 Seiten umfassenden Hauptteils findet sich eine Korrekturbemerkung: „Dieses Manuscriptum kan ma(n) sicherlich auff zu werke gehen & es alles wohl nachgesehen und corrigiret daß nichts darin noch verfehlet.“ Dies deutet darauf hin, daß es sich hier um die Korrekturfassung zur zweiten Auflage handelt, die ebenfalls bei Neumann 1734 in Hamburg erschienen ist. Ein wie der Hauptteil zweispaltig angelegter Anhang verzeichnet weitere Rezepturen (auf Fortführung angelegt). – Auf dem Vorsatz 1877 datierter Schenkungsvermerk von Adolph Oberdörffer, einem Hamburger Apotheker und Sohn des Verfassers des „Codex medicamentarius Hamburgensis“. – Innengelenke gebrochen, mehrere Bl. der ersten Lage lose, anfänglich Wurmspuren im Rand (geringer Buchstabenverlust), einzelne Stellen brüchig durch Tintenfraß, etw. wasserrandig, stärker gebräunt und fleckig. – Ausgeschiedenes Ex. der Staatsinstituts für angewandte Botanik, Hamburg (mehrf. gestempelt).

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Fieber“ und ähnliches mehr, dann das „Register“ überschriebene Inhaltsverzeichnis und endlich auf 5 Seiten praktische Hinweise für den Schmied zur Behandlung von Stahl und Eisen. Vorsatz gestempelt. Block verzogen, was ebenso wie einige Fingerflecke und Unterstreichungen mit Rotstift im Register auf ein vielbenutztes Gebrauchsbuch hinweist. Ansonsten nur wenig fleckig; mäßig gebräunt. – Der Einband trägt zwischen dem beriebenen, aber noch eindeutig lesbaren Titel „Artzeney Buech“ und der Jahreszahl 1746 sechs Zeilen in verblaßter, stark abgeriebener Kurrentschrift, von der wohl einzelne Buchstaben erkennbar sind, aus denen sich aber kein fortlaufender Text mehr erschließen läßt.

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Musterbuch eines Schreibmeisters, vielleicht auch zur Vorlage einer Stichfolge angefertigt. Enthält die besonders reich kalligraphierten Buchstaben A bis Z ohne J, X und Y, also 23 Buchstaben, zu je zweien auf einer Tafel angeordnet, nur Z steht allein. Den reich ausgeführten großen Zierbuchstaben fast in voller Höhe des Blatts ist jeweils derselbe Buchstabe klein und vereinfacht beigegeben. Vielleicht diente dies der leichteren Identifizierung, doch konnten diese Buchstaben auch als Muster einfacherer Initialen verwendet werden. – Geschrieben in schwarzer Eisengalltinte auf Papier mit Wasserzeichen der Elsässer Papierfabrik Pasquay, datiert „en Alsace 1742“. – Mehrere Tafeln mit tls. größeren Bruchstellen in der Darstellung infolge von Tintenfraß; leichte Knickspuren, Tinte etw. durchschlagend, leicht fleckig. – Siehe Abbildung Seite 1.

„ARTZENEY BUECH 1746“. Deutsche Handschrift auf Papier. 4°. 301 (recte 300) S., 2 weiße, 12 nn., 3 weiße Bl. = zus. 167 Bl. Läd. Pgt. d. Zt. (160) 500,Zusammenstellung volksmedizinischer Rezepte, ökonomischer Ratschläge und magisch-sympathetischer Mittel. Einfaches, in recht gleichmäßiger Kurrentschrift von einer Hand abgefaßtes Manuskript. Teils beruhen die Einträge wohl auf traditionellem Wissen, wie es damals allgemein mündlich oder in Ephemera in Umlauf befindlich war, teils sind es Abschriften aus Publikationen vom Ende des 17. und vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Auf den ersten 45 Seiten finden sich in lockerer Abfolge Rezepturen für „Ein Truckenes Schwaißbadt“, ein „Magen Säckl“, „Brust Salben“, „Ein Köstliches Augen Waßer“, „Eine Salb Zumachen, die Tödtet alle Würmb“, „Ein gewißes Mittl den Kropf zuvertreiben“ und dergleichen Anweisungen mehr gegen verschiedene Gebresten, darunter auch zahlreiche Ratschläge für werdende Mütter, bei Geburtsschwierigkeiten und für Krankheiten von Säuglingen und Kleinkindern (Zahnen, Würmer, Engbrüstigkeit).

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Den Beschluß des individuell zusammengestellten Hausväterbuches bilden 11 Seiten mit Zusätzen, enthaltend Rezepte für die Zubereitung von Geheimtinte, verschiedene Firnisse, Mittel gegen Wanzen und Flöhe, „arcanum Vor alle

FIQH – Arabische Handschrift auf geglättetem Papier. Zentralasien, wohl 2. Hälfte 18. Jhdt. Mit einigen gezeichneten Tabellen. 243 nn. Bl. Einzelne Hervorhebungen in Rot, Text von Kommentaren umgeben. Ldr. d. Zt. mit ornamentaler Deckelprägung (beschabt und bestoßen). (81) 400,In einer Naskhi-Variante vielleicht in Usbekistan abgefaßte Gebrauchshandschrift des Fiqh. Diese Rechtssammlung enthält die islamischen Vorschriften aus dem Koran, der Sunna und weiteren Quellen, die zusammengetragen und in Normen umgesetzt worden sind. Der Fiqh ist die auf dem primären islamischen Recht basierende Wissenschaft, die sich in verschiedenen Rechtsschulen entwickelt hat. – Die Tabellen mit Übersichtsregistern; am Ende des Textes eine Schlußformel. – Der Einband mit selten anzutreffendem Kapitalschutz aus dem überstehenden Lederbezug des Rückens, die Dublüren in Brokatpapier mit floraler Ornamentik. – Erste und letzte Bl. mit leichten Randausbrüchen, etw. gebräunt und fleckig.

Unter der Überschrift „Oeconomicum“ folgen von S. 47168 (recte 167) sowohl haus- und landwirtschaftliche Eintragungen – „Von die gefrier der Weinstöckh: und Nußbäumb“, „Würckhung deß Zim(m)tes“, „Underscheidung der Gartten Gewächße“ – wie weitere „Underschiedliche approbierte Medicamenta“, darunter mehrere Empfehlungen, wie man mit Kriegsverletzungen zu verfahren habe. „Hundert: Acht und dreißig gantz Neu Entdeckte geheimbnüße“ finden sich auf den Seiten 169-290 (recte 168289). Diese „Geheimnisse“ sind eine vollständige Abschrift des 1722 bei Hagen in Frankfurt und Leipzig erschienenen alchemistischen Traktats mit 138 magischen, spagyrischen, sympathetischen und antipathetischen Kuren, betreffend verschiedene Schmerzen, Liebeszauber, Schatzsuche und viele andere Fälle des gesunden und kranken Lebens. – Bibliographischer Nachweis für die Druckfassung: Brüning 3818.

SCHRIFT – INITIAL-ALPHABET. Handschrift auf Papier. Deutschland (oder Frankreich?) um 1750. Qu.-4°. 12 Bl. Mod. Pp. (50) 500,-

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MILITÄR – Sammlung von 6 deutschen Handschriften auf Papier. Österreich, um 1760-83. Verschied. Formate. Verschied. Einbände d. Zt. (mäßige Gebrauchsspuren). (4) 1.200,Interessante Sammlung von Manuskripten zur Militärgeschichte des Habsburgerreiches in der Spätzeit Maria Theresias:


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I. „Neu introducirtes Exercitium vor sammentlich kayserlich-königliche Infanterie Regimenter“. Ca. 1760. 1 Bl., 308 S., 2 Bl. (sowie mehrere weiße). – Auszug aus dem Daunschen Reglement von 1749 in sauberer Kanzleischrift. Am Ende jedes Kapitels der Namenszug „L(eopold) J(oseph) v(on) Daun“. II. „Neu-Verkürztes Exercitii Regulament deren sammentlichen Kayserlichen Königlichen Infanterie Regimentern nebst denen zerschiedenen Plans hinaus gegeben, den 1ten Januarii des 1764. Jahres.“ Dat. 1764. 4°. Mit kalligraphiertem Titel und 24 gefalt., in roter und schwarzer Tinte gezeichneten Schemata. 160, 26 Bl. III. „Regulament für die sammentliche Kay(ser)liche Königliche Cavallerie“. Dat. Wien, 1. 7. 1769. 4°. Mit 4 gefalt. Plänen. 1 Bl., 690 S., 3 Bl. IV. „Reglement für das Militär Fuhr-Wesen.“ Dat. Wien, 30. 10. 1776. Fol. Mit gefalt. gezeichneten und beikolor. Plan. 1 Bl., 188 S. – Detaillierte Aufstellung in sauberer Kanzleischrift. Die große Falttafel (37,4 x 55,5 cm) zeigt den Plan eines Lagers „einer Fuhrwesens Compagnie von 200. Wägen“. V. Kriegsjournal zum Bayerischen Erbfolgekrieg. 1778-83. Fol. 124 S., 14 Bl. – Dokumentiert die Kriegshandlungen zwischen Österreich und Preußen in Böhmen von April bis Oktober 1778 (die österreichischen Truppen anfänglich noch unter Befehl des Generals Laudon). – Als Anhang ein Bericht über das „Manoeuvre der General Revue auf das Jahr 1783“. VI. „Grundsätze ueber die Richtung mit mehreren Bataillons von dem F(eld)z(eug)m(ei)ster Grafen von Siskowitz 1782.“ Enthält die Abhandlung „Grundsatz zur Erhaltung einer geraden Linie bey denen in Front-Marche vormarschirenden Officirs“, vorangestellt ein „Extrait d'une lettre de Prag d'allée du 12 fevrier 1783“. – Meist nur etw. gebräunt und wenig fleckig, leichte Gebrauchsspuren. – Siehe Abbildung.

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Recht einfaches Gebetbuch mit Kalligraphie und wenigen Schmuckleisten in roter und schwarzer Tusche. – Zu den zusätzlich eingebundenen Illustrationen des Augsburgers Kupferstechers Gottfried Bernhard Göz vgl. R. Wildmoser in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte, Jg. XIX, S. 147-284. – Fleckig, stellenw. wasserrandig und tls. leicht gebräunt. – Beiliegt der erste Teil von Abrahams à Santa Clara „Judas, der Ertz-Schelm“ (1710).

Interesting collection of manuscripts to the military history of the Habsburg empire in the late era of Maria Theresia. – For the most part only slightly browned and hardly soiled, slight signs of wear. – Collection of 6 German manuscripts on paper. Austria, around 1760-83. Various formats. Various contemporary bindings (minor signs of wear). – See illustration.

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„KOCH-BUCH zusammengetragen von die Maria Anna Reich 1761.“ Deutsche Handschrift auf Papier. Bayern oder Österreich, 1761 (und später). 4°. 537 S. Hldr. d. Zt. (Schwanz etw. brüchig, stark beschabt und bestoßen). (112) 500,Umfangreiches Kochbuch mit Rezepten für die Zubereitung aller Arten von Speisen, wie sie in großbürgerlichen oder adeligen Haushaltungen seinerzeit üblich waren, darunter „rothe Krebs-Butter“, „Spanische Lemonade“ und „Gefrohrne Schoccoladi“. Die Verwendung einiger Namen weist eindeutig auf Altbayern oder Österreich hin (so z. B. „Hollerhippen“ und „Marillen“). Die erste Verfasserin (Köchin) wurde ab S. 227 von einer Nachfolgerin mit weit feinerer Handschrift abgelöst; hier auch ein Bruch im Text, obwohl die Paginierung durchläuft. Am Ende einzelne (weit) spätere Ergänzungen von verschiedenen Händen. – Vorsätze mit Wurmspuren, stellenw. leicht fleckig und gebräunt.

„GEBETT BUCH“. Deutsche Handschrift auf Papier. O. O. 1782. Mit 17 mont. Kupfertafeln von G. B. Göz. 1 Bl., 312 S. Ldr. d. Zt. mit reicher Vg. (beschabt und bestoßen). (53) 150,-

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„ERSTE PROBE von Sophia Cath. Obermeyerin ihres Alters 12. Jahr. Anno 1786“. Deutsche Handschrift auf Papier. Qu.-Fol. (21 x 34 cm). Mit Titel und historisierter Initiale in Deckfarbenmalerei. 8 Bl. Stark beschäd. GoldbrokatpapierUmschl. d. Zt. (68) 200,Meisterliche Schreibproben von der Hand eines Mädchens. – Beiliegt ein zweites Heft im gleichen Format, von derselben Schreiberin im Alter von 13 Jahren ausgeführt. Mit gestochener Titelkartusche und gestochener Initiale (beides altkoloriert). 8 Bl. – Ferner zwei weitere Schönschreibhefte in Buntpapierumschlägen d. Zt., jeweils mit lithographierter Titelkartusche, datiert 1833 und 1834.

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LANGENAU – HÄNNEL – „Seiner Excellenz dem Herrn Conferenzminister und wirklichen Geheimenrathe Reichsgrafen von Langenau, bey Gelegenheit hochdero Indroduction (sic!) in tiefer Ehrfurcht gewidmet von August Gottfried Hän-


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Handschriften

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PHARMAKOPÖEN – „GESCHRIEBEN IN DER APOTHEKE des verewigten Herrn Charles Volpert in Weißenburg im Elsass im Jahr 1819.“ Deutsche Handschrift auf Papier. Weißenburg, gegen 1819. 4°. 328 S. Pp. d. Zt. (beschabt und bestoßen). (112) 500,Sammlung von Apothekerrezepturen in klarer, gut lesbarer Handschrift, die gegen Ende immer dichter und kleiner wird. Laut Anmerkung auf dem Titelblatt abgefaßt von einem Joh(ann) G(eorg) Fr(iedrich) Schäffer, der wohl als Lehrling im Geschäft des Weißenburger Apothekers Carl Friedrich Volpert (1766-1819) tätig gewesen ist und aus der ihm zugänglichen Literatur abgeschrieben hat, darunter Werke von Gren, Hermbstädt, Hahnemann und die Preußische Pharmakopöe. – Handelt von Säuren, Salzen, Quecksilber, Phosphor, Seifen etc. – Leicht gebräunt, wenig fleckig.

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Reinschriften von sieben galanten Novellen, die wohl nie im Druck erschienen. – Joseph Anton Destouches (17671832), Regierungsrat in München und Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, gehörte als Dichter v. a. historischer Dramen dem Kreis um den Grafen Törring an. – Datierung und Zuschreibung nach dem Eintrag „J. A. Destouches – 1828“ unter dem Inhaltsverzeichnis auf dem ersten Blatt verso. Enthalten sind: „Florimonde ou la fille perdue et retrouvée“, „Le marquis de Cursac ou les suites d'un duel“, „Dorigny ou la victime de la jalousie“, „Caroline du Val Saint Germain“, „La fée simple“, „Elisca“ und „Taroun“. – In unterschiedlichen, jedoch immer sehr sauberen Handschriften ausgeführt; die einzelnen Novellen mit eigenem, teils kalligraphisch gestalteten Titelblatt. – Stellenw. fleckig.

Nr. 33

nell, Dresden am 16. Sept. 1806.“ Deutsche Handschrift auf Papier. Dresden 1806. 4°. Mit gezeichnetem Frontisp. in Deckfarben und Tinte sowie gezeichneter Kopfvign. 3 Bl. Etw. läd. Buntpapierbrosch. d. Zt. (158) 200,Lobgedicht zur Einsetzung des Geheimrats Carl Wilhelm Ludwig Graf von Langenau (1785-?). In Sachsen wurden ausschließlich Personen aus dem Hochadel zum Geheimen Rat, auch „Konferenzminster“ genannt, erhoben. – Der in Dresden zwischen ca. 1790-1815 nachweisbare Beamte August Gottfried Hännel ist als Verfasser einiger – zum Teil sogar gedruckter – Lobgedichte und Oden auf verschiedene Herrscher und hochgestellte Persönlichkeiten in Erscheinung getreten. Das wohl von einem Dresdner Hofmaler angefertigte Frontispiz zeigt eine Allegorie auf den Widmungsträger mit farbigem ligierten Monogramm unter einer Krone im Zentrum, darunter das ebenfalls farbige Wappen der Langenau, umgeben von monochromen Personifikationen der Tugenden. Vorne ein Genius mit einer Ahnentafel. – Auf Papier mit Wasserzeichen „J Ruse 1802“. – Etw. knittrig, leicht fingerfleckig. – Siehe Abbildung.

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„VOLLSTÄNDIGES Gebethbuch für edeldenkende Herzen“. Deutsche Handschrift auf Papier. Günzburg 1806. Mit Frontisp. und Titel in Tuschfederzeichnung. 276 S., 4 Bl. Ldr. d. Zt. (starke Gebrauchsspuren). (83) 100,Sorgfältig geschriebenes Gebetbuch in Kurrentschrift, von einer oder für eine fromme Christin. Der Schriftspiegel einfach gefaßt, die Überschriften kalligraphisch schlicht abgesetzt. Frontispiz und Titel mit hübschen EkklesiaMotiven, die Zeichnung auf dem Titel möglicherweise mit der eigenhändigen Signatur des Künstlers „Karrer Aloysius“. – Ecken tls. leicht schadhaft, etw. fleckig.

DESTOUCHES – „Sept Nouvelles manuscrits“. Französische Handschrift auf Papier. Bayern?, 1828. 4°. 250 tls. pag. Bl. (und einige weiße). Ldr. d. Zt. mit Vergoldung (stärkere Gebrauchsspuren). (54) 800,-

French manuscript on paper. – Fair copies of seven gallant novellas probably never printed. – Executed in various but always very clean handwritings; the different novellas with own title-page partly in calligraphic form. – Soiling here and there. – Contemporary calf with gilt interior edges, gilt back and gilt on sides (stronger signs of wear).

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BRIEFSTELLER eines Verwaltungsbeamten. Persische Handschrift auf geglättetem Papier. Persien, ca. 1830. 133 nn. Bl. Ldr. d. Zt. (stark beschabt und bestoßen). (81) 400,Einfache, teils recht flüchtig abgefaßte Gebrauchshandschrift in Nastaliq, ein sogenanntes „Inscha-Werk“, eine Sammlung von Abschriften von Staats- und Geschäftsschreiben als Briefsteller zur Vorlage für die Korrespondenz im Verwaltungswesen, wohl von einem hohen Beamten des Kadscharischen Reiches angelegt. – Die Anfänge in roter Tinte hervorgehoben, zu Beginn, gewissermaßen als geistliche Einleitung, eine Freitagspredigt. – Auf bläulichem westlichen Papier mit Wasserzeichen. – Innengelenke gebrochen, Buchblock gelockert, Vorsätze etw. wasserrandig; etw. fleckig und gebräunt.


Handschriften

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Nr. 39

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Zusammenstellung von Wappen des venezianischen Herrschaftskreises, wenn auch in den meisten Fällen längst vergangener Zeiten. Zwei Stempel des Magistrats auf dem Titel und dem folgenden Blatt bezeugen die Authentizität, mit Beischrift: „Esemplare autentico del Sigillo già usato da Magistrati della Repubblica di Venezia“. – Unter den in leuchtenden Deckfarben gemalten Miniaturen die Wappen der Republik und der Stadt Venedig, zwei Varianten der venezianischen Kriegs- sowie drei Varianten der Handelsflagge, die Wappen der Provinzen Padua, Treviso, BellunoCadore, Verona, Brescia, Vicenza, Feltre, Bergamo, Crema, Friaul, Dalmatien und Albanien, Korfu, der Königreiche Zypern, Morea und Candia sowie einiger Inseln. – Innengelenke brüchig, ein Textbl. mit Klebestreifen fixiert, leicht gebräunt, wenig fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 3.

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Überschriften in Rot, durchgehend blind regliert. 17 Zl. Ldr. d. Zt. mit ornamentaler Deckelprägung (etw. beschabt und bestoßen). (81) 400,-

VENEDIG – „RACCOLTA DELLE BANDIERE da Guerra e Mercantili degli Stemmi de' Regni e delle Provincie soggette alla Repubblica di Venezia“. Italienische Handschrift auf Papier. Venedig, um 1830. Qu.-8°. Mit 28 Wappenminiaturen in Deckfarben. 30 Bl. Rotes Ldr. d. Zt. mit Vg. (Rücken beschäd.; beschabt und bestoßen). (4) 500,-

DSCHAMI – Sammlung von religöser Dichtung. Persische Handschrift auf geglättetem Papier. Zentralasien?, um 1850. 218 nn. Bl. Text zweispaltig,

Sammlung aus den zahlreichen geistlichen Gedichten des großen persischen Mystikers Dschami (1414-1492), abgefaßt in Nastaliq. – Gleichmäßige Handschrift auf westlichem Papier mit Wasserzeichen „1841“ (danach unsere Datierung). – Wenig fleckig und gebräunt. – Siehe Abbildung.

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„DIE RÄUBER.“ (Deckeltitel). Deutsche Handschrift auf Papier. 2 Bde. München 1907/08. Fol. Mit 2 gezeichneten Titeln, mont. Photographie sowie vielen tls. ganzseit. Gouachen, Zeichnungen und Collagen. 51 (recte 57) S.; 30 Bl. Lwd. d. Zt. mit gepr. Deckeltiteln (angestaubt, berieben und bestoßen). (72) 300,Das „humoristisch-satirische Geheimorgan des Kegelklubs 'Die Räuber'“, eine handgeschriebene, reich illustrierte „Zeitschrift“ in ihren ersten beiden „Ausgaben“. Reizvoll gestaltet in der Art satirischer Zeitschriften dieser Zeit, mit launigen Geschichten über den Kegelclub, wohl überwiegend von der Hand eines seiner Mitglieder namens J. Schweitzer. – Leichte Gebrauchsspuren. – Siehe Abbildung Tafel 4.


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Nr. 72


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Urkunden und Autographen

Nr. 81

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ALBUM AMICORUM – „DEM ANDENKEN wahrer Freundschaft geheiligt“. Freundschaftsalbum eines Theologiestudenten mit Eintragungen aus Altdorf, Nürnberg, Ansbach, Erlangen u. a., 1782 – nach 1800. Qu.-8°. Mit ca. 40 Portr.-Silhouetten, 3 Zeichnungen und mont. altkolor. Kupferstich. 352 S., 8 Bl. Ldr. d. Zt. mit Vg. (stark beschabt und bestoßen). (106) 1.200,Im April 1782 in Altdorf angelegtes Freundschaftsalbum von Georg Friedrich Rehm aus Leutershausen bei Ansbach, der ab 1799 als Pfarrer in Laufen gewirkt hat. Das außergewöhnlich umfangreiche Album aus der Studienzeit Rehms enthält Eintragungen von Kommilitonen, Verwandten und einigen seiner Schülerinnen. Von einzelnen Ausnahmen abgesehen, fehlen hier die üblichen Miniaturen und sonstigen Beigaben. Stattdessen wurden viele der Beiträge mit Schattenrissen der im Profil porträtierten Einträger versehen, meist in schwarzer Tinte eingemalt, manchmal auch eingeklebt. Die studentischen Einträger waren gewöhnlich Lizentiaten der evangelischen Theologie (abgekürzt „d. G. G. L.“ [der Gottesgelehrtheit Licentiatus]),

daneben auch der Medizin und Rechtswissenschaften; diese hatten somit zur Zeit des Eintrags bereits sämtlich einen akademischen Grad, ebenso der Eigner selbst, der einen kurzen Abriß seiner Studienzeit auf dem vorderen Innendeckel vermerkt hat. Die Einträge wurden von Rehm meist mit Zusätzen über den weiteren Lebensweg versehen. – Einige der Beiträger sind bekannte Persönlichkeiten, in der Regel zumindest im Repetitorium Alborum Amicorum verzeichnet. Darunter der Historiker und Publizist Karl Heinrich (Ritter von) Lang (1764-1835; ADB XVII, 606-13), der Nürnberger Historiker Christian Konrad Nopitsch (17591838; ADB XXIV, 3), der Medizinalrat Joachim Heerwagen, der Theologe Johann Heinrich Dorfmüller, Verfasser der „Hypomnemata“, Wolfgang Heinrich Puchta, der Vater des Juristen Georg Friedrich Puchta, der Notar Johann Peter Macco sowie ein Kantor „J. L. Schubarth“ (Beitrag mit fünftaktigem Notenzitat) und wohl noch einige Unentdeckte. Manche der Beiträger stammen aus den alten Nürnberger Patrizierfamilien der Tucher, Welser von Neunhof, Oelhafen von Schöllenbach (Eintrag mit Porträt von Carl Christoph, dem Verfasser des Werks über die wilden Bäume), der Volckamer (drei Einträge, darunter Amadée, letzterer in einem Zusatz des Eigners betrauert:


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Urkunden und Autographen

penporträt der Familie des Kronprinzen von Preußen und ein „Gedenk-Blatt 1866“ – Einige Darstellungen auf festem J. Whatman-Papier mit Datum 1860. – Vorderes Innengelenk gebrochen, einige Tafeln lose, mäßige Gebrauchsspuren. – Siehe Abbildung Tafel 4.

„Weinet, gute, edle Seelen ... Er starb den 29ten April, 1788. alt 26. Jahr!“, weiterhin ein Freiherr von Heimersdorf. Am Ende ein Beiträgerverzeichnis und ein gezeichneter Friedhof mit zahlreichen Grabsteinen und Inschriften. – Titelblatt geknickt, durchgehend gebräunt und fleckig. – Ein Brief beiliegend.

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– „AUS FREUNDSCHAFT“. Stammbuchkassette einer Dame aus Freiwaldau im Sudetenland mit Einträgen aus Freiwaldau und Dresden 183148. Qu.-8°. Mit gezeichnetem Titel, 3 Stickbildchen und Miniatur, zus. 6 Bl. (zahlr. leere beiliegend). Lose in Pp.-Kassette d. Zt. mit reicher Vg., ornamentaler Prägung und zwei Deckeln mit zus. 3 mont. Blumenbildern (gering bestoßen) in zweiter, schlichter Pp.-Kassette d. Zt. (leicht beschädigt). (83) 150,-

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Hübsches, typisches Damenalbum des späten 19. Jahrhunderts mit meist fein kalligraphierten Einträgen und Blumenbildchen. Darunter ein bedeutender Beitrag, ein vollständiges Musikmanuskript mit 24 Takten des „Offertoriums aus der III. deutschen Messe“ von Johann Nepomuk Mösmang (1813-1880), einem in Altötting tätigen Bezirksamtmann und Komponisten, der ein Onkel der Stammbucheignerin war. Die in D-Dur notierte Kompostion ist für Solosopran, Streicher, Hörner und Orgel gesetzt. Die Widmung mit Datierung Altötting, 20. 4. 1878. – Die Lithographie mit einer Ansicht des Dorfes Ramsau bei Berchtesgaden in schönem, leuchtenden Kolorit (ca. 12,5 x 19,5 cm). – Leicht fleckig und gebräunt. – 14 Blätter beiliegend, darunter drei Stickbildchen, mehrere Blumenaquarelle und eine gezeichnete Ansicht der Isar von der Großhesseloher Brücke aus, datiert 1886.

Kleines Album in sehr dekorativer reliefgeprägter Kassette mit grünem Lackdeckel. – Das früheste Einlageblatt von einer Louise Puttrich aus Dresden (1831), sonst wohl alle aus Freiwaldau, 1845-48. Die Miniatur mit Putto im Blumenkranz, dazu drei schlichte Stickbildchen. – Geringe Gebrauchsspuren.

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– SAMMELALBUM mit 26 Aquarellen, Deckfarbenbildern und Zeichnungen sowie ca. 8 graphischen Blättern des frühen und mittleren 19. Jhdts., zusammengestellt wohl um 1870. Meist auf Trägerkarton mont. bzw. eingesteckt. Gr.-Qu.-Fol. Ldr. d. Zt. mit 5 Messingbeschlägen auf dem Vorderdeckel (berieben und bestoßen). (70) 500,Wahrscheinlich bald nach dem Krieg von 1866 zusammengestelltes Album einer Familie aus Preußen mit Miniaturen, Zeichnungen und einigen graphischen Blättern. Am Anfang ein kleines Porträt eines Uniformierten mit zwei Kindern (Deckfarben, um 1830), später in Bleistift bezeichnet „Carl von Winterberger mit Alexander und Ellen“, wahrscheinlich ein Vorfahr des Albumeigners. – Die stilistisch sehr unterschiedlichen Darstellungen sind teils von beachtlicher Qualität, jedoch fast alle unbezeichnet und nicht datiert. Darunter: Zwei kleine Seebilder, ein blumenbewachsenes Grab mit Blütenkranz in Form einer Lyra, fünf kleine Deckfarbenbilder (eines signiert: „f. A. Schultze“, ca. 1830/40) mit Kostüm- und Uniformdarstellungen (Entwürfen für ein Kartenspiel?), vier kleine Karikaturen (Jungen und Mädchen mit Regenschirmen im Wind, zweite Hälfte 19. Jahrhundert), drei Aquarelle mit Grotesken, zwei beachtliche Deckfarbenbilder mit italienischen Frauen in Volkstracht (mittleres 19. Jahrhundert) sowie zwölf sehr sauber und präzise ausgeführte Pflanzendarstellungen, alle monogrammiert „M. G.“ und datiert 1855-61. Unter den Federzeichnungen eine italienische Landschaft mit Stadtansicht, bezeichnet „Bologna März 1814“, und eine hügelige Landschaft mit Burgruine, ebenfalls wohl frühes 19. Jhdt. Von den graphischen Blättern erwähnenswert eine altkolorierte Lithographie mit Eiweißhöhung (Landschaft) und acht lithographierte Karten mit kleinen altkolorierten Darstellungen im Rund von Schlachten des Deutschen Krieges 1866. Anstelle eines Tites am Anfang des Albums die Initialen des Eigners „MH“ (?) in Form einer Kreuzigungsdarstellung mit den Arma Christi in Anlehnung an spätmittelalterliche englische Buchmalerei; in dieser Form auch ein kalligraphiertes Blatt (lose) mit großer floraler Initiale (Text aus Psalm 91). Weiterhin enthalten drei Photoabzüge, darunter ein Grup-

– „ALBUM“ (Deckeltitel). Freundschaftsalbum einer Marie Buchhierl aus Berchtesgaden. Mit ca. 40 Eintragungen aus Berchtesgaden, Wolfratshausen, München, Altötting und Dorfen, 1872-82. Qu.-4°. Mit 2 eingemalten Initialen in Deckfarben, zahlr. mont. Chromolithogr. und gouachierter Lithogr. 69 Bl. Grünes Ldr. d. Zt. mit blind- und goldgepr. Deckeln (etw. beschabt und bestoßen). (70) 300,-

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– WIDMUNGEN UND AUTOGRAMME – Ca. 120 Eintragungen, Signaturen und Photos von Musikern, Komponisten und Dirigenten für Erich Keller. München 1951-81. 4°. Lwd. d. Zt. (127) 400,Ein Querschnitt durch 30 Jahre Münchener Konzertlebens mit Beiträgen nahezu aller bedeutenden Interpreten, die in dieser Zeit in der Stadt gastierten, und vieler Komponisten. Der Eigner, Erich Keller (1918-2010), gehörte als Konzertmeister, Komponist und Dirigent sowie Gründer des „Keller-Quartetts“ selbst zu den wichtigsten Musikern Münchens. Unter den Beiträgern sei hier nur eine kleine Auswahl der Komponisten angeführt: Carl Orff (mit Photo), Karl Amadeus Hartmann (mit Photo), Paul Hindemith, Olivier Messien und Igor Strawinsky (mit Photo). – Einträgerliste beiliegend. – Leichte Gebrauchsspuren.

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KERNER – ALBUMBLATT mit einem mont. lithogr. Portr. von Justinus Kerner und einem e. und sign. Vierzeiler auf einem Karton. (Blattgr.: 20 x 16,5 cm). Dat. Badenweiler 31. 7. 1851. 1 Bl. (150) 600,Die Porträtlithographie, von Kerners Tochter Marie angefertigt, zeigt Kerner im Profil, in einem Stuhl sitzend, seine Hände auf einen Stock gestützt. Mit Kerners Vermerk am oberen Bildrand: „Diß soll ich seyn, ich weiß es nicht, / Getroffen ist nicht mein Gesicht, / getroffen aber ist der Rok / des Körpers Haltung und der Stock.“ – „Nach 1850 ging Kerner wiederholt mit seiner Frau auf kürzere Reisen und besuchte wie auch schon früher wegen ihrer und sei-


Urkunden und Autographen

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ner körperlichen Leiden die Bäder in Badenweiler und Lichtenthal“ (Grüsser, Justinus Kerner, 314). – Geringe Randläsuren, recto mit Leim-, verso mit alten Montagespuren. – Siehe Abbildung.

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BACHEM, BELE, Zeichnerin (1916-2005). 11 e. Postkarten mit U. Verschied. Orte, um 1970. (68) 300,An Prof. Robert Bloch und seine Gattin Erika in München. – Ansichtskarten von verschiedenen Orten der Welt, bereist nach dem Motto: „Alles ist so entsetzlich in der Welt, so niederdrückend, daß man es nicht versäumen sollte – so lange es noch geht – sich es schön zu machen“ (Karte aus Pompeji). – Zwei der Karten mit Bildmotiv der Künstlerin (bürgerlich: Renate Gabriele Böhmer). – Gebrauchsspuren. – Beiliegend zwei Porträtphotos der Bachem, eines davon signiert, und ein Blatt mit e. Notizen zu einer Zeitungskritik. – Weitere Beilagen.

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„BERNARDUS SILVESTRIS de cura et gubernatione rei familiaris ad Raymundum militem“. Lateinische Handschrift auf Papier. Italien?, um 1450. 4° (20 x 15,5 cm). 3 Bl. 22-24 Zl. Umschl. d. 19. Jhdts. (69) 1.000,In sauberer gotischer Bastarda angefertigte Abschrift der „Epistola super gubernatione rei familiaris“, des auch Bernhard von Clairvaux zugeschriebenen Werks, das die Grundsätze einer sittlichen und klugen Führung des Hauswesens behandelt. Unsere Handschrift könnte aus dem italienischen Raum stammen, da in den dort gedruckten Inkunabelausgaben (GW 3967, 3968, 3972-3974, 3977) Bernardus Silvestris, nicht wie sonst Bernhard von Clairvaux, als Verfasser genannt wird. Zu Bernardus Silvestris vgl. LThK II, 208. Die in mehr als 20 Inkunabelausgaben überlieferte Schrift wurde in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Lehre vom Haushaben“ bekannt. – Das letzte Bl. mit kleinem, hinterlegten Randeinriß, etw. fleckig. Transcript of the „Epistola super gubernatione rei familiaris“, work also ascribed to Bernhard von Clairvaux, which deals with the principles of a moral and intelligent guidance in domestic themes. – Last leaf with small backed marginal tear, a little soiled. – Wrappers of the 19th century.

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BORCHARDT, H., Schriftsteller (1888-1951). Sammlung von ca. 150 meist e. Briefen des deutschen Publizisten Hermann Borchardt und ca. 20 Schreiben seiner Frau und seiner Kinder. New York 1939-1943. Zus. ca. 400 S. In Klarsichthüllen in 5 Ordnern. (73) 3.000,Umfangreicher Teilnachlaß von Briefen und einigen wenigen Postkarten Borchardts an den im Hotel Ambassador in New York residierenden Journalisten und Impresario Rudolf K. Kommer (1886-1943). Größtenteils über die in Arbeit oder Umarbeitung befindlichen Texte Borchardts, deren Übersetzung ins Englische, mögliche Aufführungen seiner Stücke vor amerikanischem Publikum und dafür zu überwindende Schwierigkeiten. Daneben über die teils bedrückenden Geldsorgen der Familie, über Borchardts Gesundheit, eine Ohroperation des seit Jahren stark Schwerhörigen, Dank für Zuwendungen und kleine Honorare, den Stand der Auseinandersetzungen in der Causa Toller (der ein Stück von ihm gestohlen habe) und Gedanken zur weltpolitischen Lage.

Nr. 46 Hermann Joelsohn, wie er bis 1925 hieß, als er den mütterlichen Nachnamen Borchardt annahm, emigrierte 1933 erst nach Paris, später nach Minsk, kehrte aber 1936 nach Deutschland zurück, weil er die von ihm geforderte Annahme der sowjetischen Staatsbürgerschaft ablehnte. Nach Stationen in den Konzentrationslagern Oranienburg, Sachsenhausen und Dachau gelang Borchardt mit seiner Familie die Emigration in die USA. Im zweiten Jahr in seiner neuen „Heimat“ beginnt der Briefwechsel mit Kommer, von dem jedoch keiner der Gegenbriefe vorliegt, sondern nur die Schreiben von Borchardts Hand. – Kommer, ebenfalls Jude, stammte aus Czernowitz, war seit den zwanziger Jahren Max Reinhardts Repräsentant für Theateraufführungen in den USA und lebte bereits ab 1933 ständig in New York, und zwar im nicht billigen Hotel Ambassador in Manhattan (was auf Kommers finanzielle Verhältnisse schließen läßt und sicher auch – auch – ein Grund für Borchardts „dankbar ergebene“ häufige Schreiben war). Borchardts Nachlaß befindet sich in der Deutschen Nationalbibliothek und wird durch das hier vorliegende umfangreiche Teilstück für die Jahre im amerikanischen Exil dicht ergänzt: das erste Schreiben datiert vom 6. Januar 1939, das letzte vom 1. Januar 1943; wenige Wochen später, am 28. März, ist Kommer gestorben. – Vielen Schreiben liegen die Umschläge bei; alle Briefe mit kurzen maschinengeschriebenen, auf die Klarsichthüllen mont. inhaltlichen Zusammenfassungen. – Insgesamt wohlerhaltenes Dokument der jüdischen Emigration. Collection of ca. 150 mostly personal letters by the German publicist Hermann Borchardt and ca. 20 letters of his wife and children. – Extensive partial estate of letters and a few postcards by Borchardt to the journalist and impresario Rudolf K. Kommer (1886-1943) residing in the Ambassador hotel at New York. For the most part texts by Borchardt to be adapted or modified, their translation into English, possible performances of his plays before an American audience and the difficulties to overcome. – Altogether well preserved document of Jewish emigration. – In plastic pockets in 5 folders.


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auf Grund seiner Länge geteilt werden. – Verspricht, die Rezension über Grétrys „Versuche über die Musik“ bald zu schicken (diese erschien wiederum anonoym in Bd. IV, 1802, 297-310, und ist hiermit gleichfalls als Schrift Chladnis belegt). – Kündigt weitere Aufsätze an. – Leichte Knickspuren, wenig gebräunt.

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CREUZER, G. F., (1771-1858, deutscher Philologe). E. Brief mit U. Dat. Heidelberg 22. 8. 1832. 4°. 1 S. – Doppelblatt mit rückseitiger Adresse. (59) 250,An Ludwig Christian Zimmermann, Konrektor des Darmstädter Gymnasiums, Sohn des Pädagogen Johann Georg Zimmermann (1754-1829; ADB XLV, 277). – Anwort auf ein Schreiben Zimmermanns: Erstens stehe er mit den badischen Schulanstalten in keiner Verbindung; zweitens empfehle er „die Sendung der lateinischen Rezensionen nach Holland“ an den Leidener Altphilologen Frederik Hendrik Lodewijk Donckermann (1785-1866) zu schicken; drittens biete er an, den 1832 erschienenen Plotinus des Regensburger Lyzealprofessors Georg Anton Heigl (1781-1858) zu rezensieren, sobald das Buch im Handel sei. Berichtet weiterhin über die Arbeiten an seinem Werk zur Geschichte der Philologie und andere Vorhaben. – Oberer Rand mit Ausschnitt, leichte Faltspuren, gebräunt.

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An einen „mon cher Roger“ Angesprochenen, ein Kommissionsgeschäft betreffend. – Beiliegend zwei e. Brieffragmente mit U. von Dumas d. J. (undatiert).

Nr. 56

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CANETTI, E., Schriftsteller (1905-1994). E. Widmung mit U. Dat. Paris, 23. 3. 1966. – Auf dem Reihentitel von: DERS., Masse et puissance. (Paris), Gallimard, (1966). 526 S., 1 Bl. Orig.Brosch. (leicht angeschmutzt und berieben). – An den Verlagsleiter Herbert G. Göpfert (1907-2007). (61) 150,-

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CHLADNI, E. F. F., Physiker (1756-1827). E. Brief mit U. Dat. Wittenberg 7. 12. 1800. 1 S. – Doppelblatt mit rückseit. Registraturvermerk. (59) 500,Schreiben des „Schöpfers der experimentellen Akustik“ (MGG) an seinen Verlag Breitkopf und Härtel (nicht erwähnt, aber zweifelsfrei zu erschließen) bezüglich der Veröffentlichung zweier Artikel in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“. Übersendet eine von ihm verfaßte Rezension zum Werk des Freiherrn von Dalberg, das im selben Jahr erschienen war. Die Rezension müsse unter Chladnis Namen erscheinen, da er sich darin auf andere Literatur beziehe. Er hat sich damit nicht durchsetzen können, die Rezension wurde in Bd. III (1801), Sp. 196-200, anonym abgedruckt, der Urheber ist hiermit ermittelt. – Bei dem zweiten Artikel handelt es sich um den im selben Jahrgang abgedruckten Aufsatz „Ueber die wahre Ursache des Consonirens und Dissonirens“ (Sp. 337-343 und 353-359). Dieser solle später als die Rezension erscheinen und könne

ERNST, Erzherzog von Österreich und Statthalter der Niederlande (1553-1595). Lateinischer Brief auf Pergament mit e. U. Prag, 28. 6. 1593. Blattgr.: 37,5 x 37,5 cm. 1/2 S. – Verso Adresse (ohne das Siegel). (69) 800,An Papst Clemens VIII. – Ernst bittet um die Ernennung zum Generalstatthalter der Spanischen Niederlande und berichtet von den Vorbereitungen für die Reise nach Brüssel. – Während seiner kurzen Regierungszeit als Statthalter der Niederlande erwarb Ernst, der Bruder Rudolfs II., Gemälde von Pieter Breughel, die heute zu den Schätzen des Kunsthistorischen Museums in Wien gehören. – Gefaltet, etw. knittrig, mit Wachsspuren des fehlenden Siegels.

Anonymität gelüftet 51

DUMAS, A. (FILS), Schriftsteller (1824-1895). E. Brief mit U. Marly-le-Roy, undatiert (ca. 1880). 1 S. (138) 150,-

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FRIEDRICH III., Markgraf von BrandenburgBayreuth (1711-1763). E. Brief mit U. Dat. Bayreuth 11. 8. 1760. 4°. 1 1/2 S. – Doppelbl. Mont. in mod. Archiv-Umschlag. (59) 300,An den Herzog Carl Eugen von Württemberg gerichtetes Schreiben (erschlossen, Adressat nicht genannt) im Zusammenhang der Verhandlungen über die Trennung der Tochter des Markgrafen, Elisabeth Friederike Sophie, von Carl Eugen. Beide führten eine unglückliche Ehe, und Elisabeth Friederike lebte seit 1756 getrennt von ihm wieder in Bayreuth. Seit 1759 waren Verhandlungen im Gange, die schließlich in die Vereinbarung mündeten, die Ehe solle trotz räumlicher Trennung nicht geschieden werden. Der Markgraf reagierte in dem vorliegenden inoffiziellen


Urkunden und Autographen

Schreiben offenbar auf neue Vorschläge des Herzogs: „La Duchesse ma fille, très sensible aux bon Conseils que Votre Altesse Lui a donnée dans son entreprise m'en a fait part, je partage d'autant plus volontiers la juste reconnoissance, que la Sagesse et bonté avec laquelle Vous avez voulu vous exprimer à Son egard me sont des nouveaux garants de Votre amitié que je rechercherai Sans interuption, avec tout L'empressement possible, je vous prie de continuer à ma fille, dans l'occasion vos bons offices, et d'être persuadé que je suis avec la consideration et l'estime la plus parfaite, Monsieur, de Vôtre Altesse le très-humble serviteur ami et voisin, Frederic.“ – Faltspuren, etw. knittrig, etw. gebräunt und fleckig.

„Und die Quellen fließen immer reicher“ 56

Sechs Postkarten mit gedruckten Illustrationen des Künstlers, davon zwei mit längerem eigenhändigen Schreiben mit Unterschrift auf der Rückseite, drei mit kürzeren Widmungen mit Unterschrift, eine weitere nur signiert. Die Illustrationen teils vom Künstler selbst beikoloriert, eine Zeichnung ergänzt (Blumen). Widmung mit halbseitiger Deckfarbenzeichnung (die Widmungsträger beim Wandern), datiert Colmar, 12. 9. 1947. – Auf dem Vorsatz der Neuausgabe von Professor Knatschke, Paris 1947. – Elf gedruckte, unbeschriftete und ungelaufene Postkarten mit Motiven des Künstlers sowie Monographie beiliegend. – Leichte Gebrauchsspuren.

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GRIMM, J., Germanist (1785-1863). E. Brief mit U. Dat. O. O. (Berlin) 6. 3. 1851. 1 1/2 S. – Doppelblatt mit rückseitiger Adresse, gesiegelt. (123) 2.000,An den Germanisten Johann Wilhelm Wolf (1817-1855) in Jugenheim an der Bergstraße. – Bedankt sich für die Zusendung des ersten Hefts der von Wolf edierten „Hessischen Sagen“, die bis 1853 in Lieferungen erschienen sind. Als Dank werde ihm „die neuste Ausgabe unsrer Kindermärchen, von meinem Bruder mit einer ausführlichen Abhandlung ausgestattet, ... durch Buchhändlergelegenheit zugehn.“ Bedankt sich weiterhin für die Absicht Wolfs, ihm Beiträge in der Zeitschrift „Deutsche Mythologie“ widmen zu wollen, und kündigt die dritte Auflage seines vergriffenen Buches gleichen Titels an (1854 in Göttingen erschienen), „wobei denn auch oft aus Ihren Sammlungen und Erörterungen zu schöpfen ist. Und die Quellen fließen immer reicher.“ Erwähnt als Beispiel die neue Ausgabe der „Norwegischen Volksmärchen“ von Asbjørnsen und Moe. „Dort liegen alle Steine noch fester gefügt als bei uns.“ – Siegelausschnitt, etw. knittrig, fleckig und gebräunt. – Siehe Abbildung.

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HANSI (d. i. J.-J. WALTZ), Illustrator. Sammlung von 7 Autographen. Ca. 1945-48. (14) 250,Schreiben und Widmungen an Mme. Steinel und ihren Gatten, den Vorsitzenden der Anwaltskammer in Mühlhausen:

HARRISSE, H., Historiker (1829-1910). Sammlung von 4 von verschied. Verfassern stammenden gedruckten Kleinschriften und 5 für Harrisse angefertigten Abschriften von Handschriften oder abgelegener Literatur mit beigefügter Korrespondenz der Verfasser bzw. Abschreiber und e. hs. Anmerkungen Harrisses. 1882-90. Meist Fol. Verschied. Einbände d. Zt. (leichte Gebrauchsspuren). (21) 400,Für seine historischen und bibliographischen Studien und Forschungsarbeiten hatte Henry Harrisse, der „historian of the discovery of America“ (DAB XI, 374), eine umfangreiche Sammlung einschlägiger Literatur zusammengetragen, die nach seinem Tod zerstreut wurde. Vorliegend 9 Texte aus der Bibliothek von Harrisse, gedruckt oder als Abschriften von Drucken und Handschriften angefertigt, zum Leben und zur Herkunft von Kolumbus, angereichert nicht nur mit den Originalbriefen von Harrisses auswärtigen Helfern, sondern vor allem mit zahlr. und teils sehr umfangreichen Bemerkungen von Harrisse selbst, für deren Art und Qualität uneingeschränkt gilt, was Adams über das Handexemplar der Bibliotheca Americana vetustissima von Harrisse gesagt hat (DSB XI, 375): „Anyone interested in Harrisse should examine his personal copy of that book (now at the Library of Congress), almost every page of which is filled with corrections, additions, and marginalia in his exquisite handwriting.“ – Alle Bde. tragen den e. Besitzvermerk von Harrisse.

GRIMM, W., Germanist (1786-1859). E. Brief mit U. Dat. Berlin 1. 5. 1853. 3/4 S. – Doppelblatt. (123) 1.500,An den Germanisten Johann Wilhelm Wolf (1817-1855; nicht genannt, erschlossen). – Bedankt sich für die Zusendung der von Wolf herausgegebenen „Hessischen Sagen“, die 1853 erschienen sind, und wünscht seinem „neuen Unternehmen ein glückliches Gedeihen“ (wohl der ab 1853 erschienenen „Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sittenkunde“). Wolf hatte Grimm offenbar um Beiträge dafür gebeten, die dieser aber ablehnt, „so sehr ich auch Lust dazu hätte“, denn „die Arbeit an dem Wörterbuch und die Abhandlungen für die Akademie, die keinen Aufschub gestatten, fesseln mich sosehr daß ich mich in dieser Zeit auf andere Dinge nicht einlassen darf ...“ Verweist ihn stattdessen auf Karl Viktor Müllenhoff (1818-1884), der „eine reiche Sammlung von abweichenden Erzählungen der von ihm bekannt gemachten Märchen“ habe. – Rechter Rand mit Rostspur, unten leicht fleckig.

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For his historical and bibliographic studies and research works, Henry Harrisse, the „historian of the discovery of America“ (DAB XI, 374), had compiled an extensive collection of relevant literature which was scattered after his death. Here are 9 texts from the library of Harrisse, printed or transcripts of printings and manuscripts, of the life and origin of Columbus, enriched not only with the original letters of Harrisse's helpers from outside, but especially with numerous and partly very extensive comments by Harrisse himself. – All the volumes with the personal ownership entry of Harrisse. – Various contemporary bindings (light signs of wear).

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HESSE, H., Schriftsteller (1877-1962). Masch. Brief mit e. U. und e. Aquarell. (Montagnola 1919). 3 1/4 S. – Doppelblatt. (129) 600,An seinen Freund Geheeb: „Mir ist das schwäbische Land, wo ich 1916 zuletzt zum Begräbnis meines Vaters war, sehr fremd geworden, doch habe ich viel wunderschöne Erinnerungen daran ... Gearbeitet habe ich viel, es kommen nächstens meine ersten neuen Arbeiten heraus, wesentlich anders als meine frühern ... Ich lebe hier völlig allein, meine Frau


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Urkunden und Autographen

(von der ich noch nicht geschieden bin, leider), ist seit 7 Wochen zum zweitenmal in einer Anstalt, die beiden ältern Buben sollen bald in eine deutsche Schule kommen, da ich sie hier nicht mehr durchbringe (die Mark ist noch 11 oder 10 Rappen wert). Dabei sitzen die eleganten Hotels in Lugano voll von deutschen Schiebern, die in wohlgeheizten Räumen üppig fressen ... Das [sic] von den Freunden aus der alten, prähistorischen Zeit noch einige da sind, wie Du (übrigens auch Sieck), das ist tröstlich.“

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– Masch. Brief mit e. U. und e. Aquarell. Montagnola 27. 6. 1923. 2 1/4 S. – Doppelblatt. (158) 250,-

Handwerksordnung für Schuhmacher in der fürstlich Liechtensteinschen Stadt Grumberg (Pothesi) in Mähren, 20 Punkte umfassend. – Mit eigenhändiger Gegenzeichnung von Graf Johann Wenzel Wratislaw. – Dekorativer Einband mit vegetabilen Bordürenrahmen und Doppeladler auf beiden Deckeln. – Block vom Einband gelöst, Vorsatz mit montierter zeitgenössischer Gouache auf Pergament mit einer Darstellung der Ermordung Abels durch Kain (24 x 16 cm; Rand berieben), ohne das Siegel.

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An den befreundeten Arzt J. Markwalder mit Mitteilungen über seine fragile Gesundheit: „Wenn ich an Baden denke, seh ich noch immer Sie und Ihre Frau im Wagen sitzen, mit dem Abt, und winken. Ich war mit meiner Ischias und meinen 83 Jahren ein etwas fader Gast für Sie, aber meinerseits denke ich an Baden und Sie mit Freude und Dankbarkeit. Es gibt gar nicht so viele Menschen, mit denen man rasch auf einen ersprießlichen und genießbaren Ton kommt ...“ – Siehe Abbildung Tafel 4.

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– Masch. Gedicht mit e. Nachschrift (Grußadresse) und U. Dat. (Montagnola) 1937/1942. 1 S. – E. adressiertes Kuvert beiliegend. (138) 300,Abschrift des im Januar 1937 im Zusammenhang mit dem Roman „Das Glasperlenspiel“ entstandenen Gedichts „Seifenblasen“ (Mileck II, V-D 190) auf der Rückseite eines Kalenderblatts von 1935 (hier bereits mit Untertitel „Noch ein Gedicht von Josef Knecht“). Darunter die Notiz „geschrieben 14/16. I. 1937“ sowie Grüße an den Adressaten. Das Gedicht ist am 14. Januar 1937 entstanden; mehrere in den folgenden Tagen entstandene Typoskripte mit leicht abweichenden Fassungen sind erhalten. Unser Typoskript ist ein Durchschlag mit Korrekturen: In der ersten Zeile der ersten Strophe ein überschriebener Tippfehler, in der letzten Zeile der zweiten Strophe die Änderung „genial'scher“ statt „genialischer“, jeweils handschriftlich ausgeführt. – Umschlag mit der Adresse „Karl Bahrs, Chemnitz“ und Poststempel von 1942. – Falz etw. eingerissen. – Beiliegend ein typographischer Gruß auf der Broschüre „Danksagung und moralisierende Betrachtung“ (1946), monogrammiert „H.“ und hs. Notiz „an Peter Suhrkamp geben“, ein Porträtphoto Hesses, e. monogrammiert „HH“ und dat. 1955, sowie ein Umschlag, adressiert an Alfred Gramer.

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HITLER, A., deutscher Reichskanzler (18891945). E. Gruß an eine Dame auf vorgedruckter Weihnachtskarte mit e. U. Ohne Ort und Dat. (ca. 1935/40). 8 x 13,8 cm. (12) 400,An eine Dame, der Vordruck „Fröhliche Weihnachten!“ eigenhändig ergänzt: „auch dem verehrten Herrn Gemahl wünsche ergebenst Adolf Hitler“. – Rückseitig kleine Montagespur; gering gebräunt.

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JOSEPH I., römisch-deutscher Kaiser (16781711). Libell mit e. U. Deutsche Urkunde auf Pergament. Dat. Wien 14. 1. 1711. Fol. 18 Bl. Etw. läd. goldgepr. Pgt. d. Zt. (100) 800,-

JOSEPH II., römisch-deutscher Kaiser (17411790). Adelsbrief mit e. U. Deutsche Urkunde auf Pergament. Wien, 5. 4. 1784. Blattgr.: ca. 36 x 27 cm. Mit ganzseit. gouachierter Wappenminiatur (ca. 26 x 16,3 cm) und einigen kalligraphierten Kopfzeilen. 8 Bl. Beschäd. Samt d. Zt. (4) 500,Erhebung des „kursächsisch wirklichen geheimen FinanzRaths“ Johann Georg Spillner in den Adelsstand. – Kanzleiunterschriften des Fürsten Colloredo und Franz Georg von Leykams. – Siegel fehlt, Bindung gelockert, Ränder gering fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 5.

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KLABUND, Schriftsteller (1890-1928). Sammlung von 13 Briefen, 6 Postkarten und 5 Gedichtmanuskripten, jeweils e. und mit U., sowie 7 S. e. Notizen. Zürich, Locarno u. a. 1917-23. Zus. ca. 40 S. (68) 3.000,Ein Teil der umfang- und aufschlußreichen Korrespondenz mit dem Arzt Dr. Ernst Levy aus Davos (zu dieser Zeit in Berlin) mit Schwerpunkt auf dem Jahr 1917. Levy verehrte und förderte Klabund (bürgerlich A. Henschke) und war sein Ratgeber in gesundheitlichen Fragen. Beide hatten während der häufigen Kuraufenthalte Klabunds ein herzliches freundschaftliches Verhältnis entwickelt, so daß Klabund Levy auch persönliche Dinge anvertraute, die seine Weltsicht und das Schaffen betreffen. In den Jahren 1917-23 hatte Klabund seine kraftvollste und produktivste Schaffensphase. Vier Manuskripte zu Gedichten der Sammlung „Irene oder die Gesinnung“, die 1918 im Druck erschienen ist (alle eigenhändig und signiert, aber undatiert): „Häuser stürzten schräg“, „Mich umwölket der Haß“, „Um den alten Turm“ und „Wenn ich gehe zu Gott“. Ferner ein Gedichtmanuskript (als Brief): „Sie schrieben, lieber Freund, mir einige Strophen ...“, datiert 4. 9. 1917, mit zwei Zeilen signierter Nachschrift (wohl unveröffentlicht). 13 Briefe, alle aus dem Jahr 1917: Zürich 9. 7. (2 S. auf Einzelblättern), 20. 7. (4 S. auf Einzelblättern), 8. 8. (3 S. auf Einzelbättern), 14. 8. (1 S.); Locarno 9. 3. (1 S., Doppelblatt), 5. 4. (2 S. auf Einzelblättern), 27. 10. (1 S.) und 27. 11. (2 1/2 S., Doppelblatt); Lugano 14. 11. (1 1/2 S., Doppelblatt); Basel 7. 12. (1 1/2 S.), 16. 12. (1 S. ) und 18. 12. (2 S.) – Weiterhin ein Schreiben vom 17. 2. von Irene (Brunhilde) Heberle, seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau, mit Nachschrift von Klabund. 6 Postkarten, datiert (Poststempel): 2. 11. 1918 (mit Trauerrand, berichtet über Klinikaufenthalt), 22. 8. 1921 (bittet Levy, die Zeichnung von Oppenheimer zwecks Reproduktion an den Reclam-Verlag in Leipzig zu senden; die Zeichnung ist im selben Jahr im „Kleinen Klabund Buch“ abgebildet worden), 10. 3. 1922, 23. 1. 1923, 31. 8. 1923 und Davos 31. 12. 1923 (handschriftlich datiert, mit kleiner Zeichnung).


Urkunden und Autographen

Nr. 68

Nr. 66 3 Blätter mit je zwei Seiten Notizen in Bleistift, überschrieben und datiert: „Klabund: 14. II. 18, Traum vom 12./13. II.“ sowie eine Seite Bleistiftaufzeichnungen auf der Rückseite eines gedruckten Berichts von Ernst Levy zum „Klabund-Abend in Davos“ am 15. 3. 1918. Die Briefe und Karten enthalten eine Fülle von Äußerungen zu Klabunds Lebensumständen, Werken und Anschauungen. Davon kann hier nur weniges erwähnt werden. So schreibt er in dem Brief vom 9. Juli 1917 über seine Meinung zu Politik und Krieg und beklagt die Eigenmächtigkeit der Militärs, die ihre Kriegsziele ohne Rücksicht auf die Politik festlegten. Empfiehlt, die „Biologie des Krieges“ des Pazifisten Georg Friedrich Nicolai zu lesen. Editionsgeschichtlich interessante Passagen finden sich u. a. in folgenden Schreiben: Der Brief vom 5. April 1917, in dem er von der Vollendung des Romans „Mohammed“ berichtet. „(Ich) vermag allerdings irgend etwas Positives über ihn noch nicht auszusagen: es steht mir noch zu nahe, und die Schatten seiner Gestalt fallen noch dunkel über mich her.“ Versucht, den Inhalt in Kapitelüberschriften zusammenzufassen und charakterisiert den Text. Im Schreiben vom 14. August 1917 klagt er über Geldprobleme, doch sei er gerade dabei, eine „größere Novelle zu beenden: Der Neger. Ich habe nun die Absicht, im nächsten Jahr einen größeren Novellenband herauszugeben: bis jetzt liegen drei längere Novellen vor: Franziskus (den ich in diese Folge nunmehr einzuordnen willens bin) – Marietta (die Geschichte eines kleinen Mädels) – Der Neger. Den Neger laß ich jetzt tippen und sende Ihnen ein getipptes Exemplar. Er ist, im Gegensatz zu Mohamed, stark, fest und männlich.“ Zu dem geplanten Novellenband ist es nicht gekommen, die Stücke sind in den Jahren 1920/21 separat erschienen. – Beiliegend einige Zeitungssausschnitte. – Leichte Gebrauchsspuren. – Siehe Abbildung.

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KÖLN – PAUL V. (CAMILLO BORGHESE), Papst (1552-1621). Bulle. Lateinische Urkunde auf Pergament. Dat. Rom, „apud S(an)ctam mariam maiorem“, „Id(ibus) octobris“ (= 15. 10.) 1620. 29 x 46,4 cm (Plica: 3 cm). Kopfzeile kalligraphisch verziert. – Mit angehängtem Bleisiegel. (126) 600,Notariatsinstrument für den späteren Weihbischof von Köln, Georg Pauli-Stravius (1593-1661; ADB XXXVI, 550). – Wenig gebräunt. – Beiliegend ein Pergamentkuvert mit spätmittelalterlicher Handschrift.

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KRUGER, P., genannt „Ohm Krüger“, Präsident der Republik Südafrika (1825-1904). 2 Porträtphotographien (Albuminabzüge), davon eine mit e. U. auf dem Trägerkarton. Den Haag, ca. 1902. 19,5 x 13,2 und 18,7 x 9,7 cm. Montiert auf bedruckte Trägerkartons der Ateliers Ebner und Strauch in Den Haag. – Dazu zwei Begleitschreiben, dat. Utrecht 3. 3. 1902. (64) 500,Die beiden Photographien zeigen Kruger, einmal stehend, einmal sitzend aufgenommen, im niederländischen Exil, in das er sich im Oktober des Jahres 1900 hatte begeben müssen. 1902 ist Kruger nach Clarens in die Schweiz übersiedelt, die vorliegenden Aufnahmen dürften kurz zuvor entstanden sein. Diese wurden laut der beiden in niederländischer Sprache abgefaßten Begleitschreiben aus Utrecht von einem diensthabenen Diplomaten an einen Dr. Albrecht gesendet, der zu dieser Zeit im Hotel Hammerand in Wien residierte, und als Anerkennung für seine Dienste als „dokter van de ambulance in het veld“ geschenkt. Wie


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Urkunden und Autographen

Krüger wird sich auch Albrecht, vielleicht ein Militärarzt des deutschen Freiwilligencorps im Burenkrieg, im Exil befunden haben. – Leichte Gebrauchsspuren, die Briefe etw. stockfleckig. – Siehe Abbildung.

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Enthüllung der Bavaria 71

An die Schriftstellerin Luise von Plönnies. – Bedankt sich für die ihm gewidmeten „Neuen Gedichte“, die Luise von Plönnies ihm offenbar als Manuskript zugesendet hatte (erschienen 1851 in Darmstadt), und lobt ihre Sonette „Oskar und Gianetta“ (Mainz 1850). Schickt ihr das Programm des Festzugs sowie die Festrede nach der BavariaEnthüllung (am 9. Oktober 1850) und eine Abschrift des Gedichts, „welches dieses, seines Gleichen nicht habende Fest mich zu verfassen veranlasste“ (unter dem Titel „Der Bavaria Enthüllungsfest“ beim Festakt vorgetragen). Beschreibt weiterhin die Feierlichkeiten. Wohl in Anlehnung an das Grußwort beim Festakt („Ich bin 64 Jahre alt, hab' viel des Schönen gesehen...“) schließt er den Brief mit den Worten: „Daß ich 64 Jahre alt bin scheint mir als unglaublich, freilich nicht in den Spiegel sehend, der ich mich als einen jungen Menschen noch fühle, und voll Empfänglichkeit aufs Wiedersehen.“ Gruß, Datierung und Unterschrift wurden aus unbekannten Gründen aus dem Bogen ausgeschnitten und neu geschrieben auf anderem Papier mit einer Stecknadel hinter die Lücke geheftet (Nadel mit geringem Rostansatz).

LANGSDORFF, G. H. VON, Naturforscher (1774-1852) E. Brief mit U. Dat. St. Petersburg 2. 9. 1810. 4°. 2 3/4 S. – Doppelblatt. – Beiliegend: E. Note mit U. Dat. St. Petersburg 16. 10. 1810, und e. „Erklärung der im G. v. Langsdorff'schen Atlas enthaltenen Kupferstiche“ mit U. Dat. St. Petersburg 1. 9. 1810. 21 S. (59) 500,Wahrscheinlich an den Verleger Leclerc in Paris gerichtetes Schreiben in französischer Sprache bezüglich der geplanten, doch nie erschienenen französischen Ausgabe seines Reiseberichts „Bemerkungen auf einer Reise um die Welt in den Jahren 1803-1807“ (die erste Ausgabe in zwei Bänden gedruckt bei Friedrich Wilmans in Frankfurt 1812; Sabin 38895, Howes L 81, Borba de Moraes 455, Bosch 289). Langsdorff hatte an der Krusensternschen Weltumseglung teilgenommen, sich jedoch in Kamtschatka von der Mannschaft getrennt, um selbständig das damalige russische Alaska und Kalifornien zu bereisen. Sein separat publizierter Bericht gehört zu den besten wissenschaftlichen Quellen über diese Gebiete. Erwähnt unter anderem, er wolle in sein Werk neben der von Krusenstern eine weitere Karte hinzufügen, und berichtet von seiner Freundschaft mit Davidoff, einem Leutnant, der mit ihm gereist war. Außerdem schicke er anliegend die meisten der Vorlagenzeichnungen zum ersten Band, eine Abschrift des deutschen Texts sowie sein Porträt. – Die beiliegende, von Langsdorff selbst niedergeschriebene und signierte Erklärung der Kupferstiche entspricht größtenteils dem Drucktext der deutschen Fassung und sollte wohl als Vorlage für die Übersetzung dienen (eine kleine eingeklebte Skizze mit einer Stecheranweisung). Weiterhin die von Langsdorff und Wilmans unterzeichnete Bitte, Langsdorffs Originalzeichnungen doch bald an Wilmans zurückzugeben. – Etw. gebräunt, vereinzelt fleckig.

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LUDWIG I., König von Bayern (1786-1868). E. Brief mit U. Dat. Berchtesgaden 23. 8. 1848. 1 1/2 S. Mit kleinem Aquarell. – Doppelblatt. (123) 800,An Luise von Plönnies. – Offenherziger Brief an die Schriftstellerin (1803-1872), die er beim gemeinsamen Aufenthalt mit Lola Montez im Sommer 1847 in Bad Brückenau kennengelernt hatte (belegt in einem Schreiben der Plönnies im Familiennachlaß, heute Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Bestand O 59, Plönnies). „Frau von Plönnies, frage damit an daß die auf diesem Blatte gemalten Blumen nicht vergeblich ihre Bedeutung ausdrücken müssen. Würden Ihre trefflichen, lebenswarmen Aufzeichnungen aus ihrem vormjährigen [sic!] Aufenthalt in Bad Brükenau nicht gedruckt, so wünsche ich daß Sie die Gefälligkeit haben möchten mir eine Abschrift derselben zukommen zu lassen. Schöne Erinnerungen einer verschwundenen Zeit! Was habe ich nicht alles seit einem Jahre gelitten! Und was nicht alles verlassen! Meine Phantasie doch ist mir geblieben. Auch das Andenken froher Vergangenheit gewährt Genuß.“ – Auf Papier mit vorgedruckter (lithographierter) Blumengirlande; in die Mitte mit Aquarellfarben eingemalt ein kleiner Blütenzweig, vielleicht von der Hand Ludwigs. – Wenig fleckig. – Siehe Abbildung.

LUDWIG XVI., König von Frankreich (17541793), und MARIE ANTOINETTE, Königin von Frankreich (1755-1793). Heiratsvertrag mit e. U. Französische Urkunde auf Papier. Dat. (Paris) 15. 10. 1784. 8 Bl. Fleckiger Umschl. d. Zt. in mod. Maroquin-Mappe, sign. „Riviere & son“ (leichte Gebrauchsspuren). (100) 12.000,Heiratsvertrag von Antoine-René d'Escoubleau, Marquis de Sourdis, und Augustine Olympe Sophie de Bésiade d'Avray, zwei Mitgliedern des französischen Hochadels. Die Hochzeitsfeierlichkeiten dauerten vom 15. bis zum 17. Oktober. – Neben den eigenhändigen Unterschriften von Ludwig XVI. und Marie Antoinette finden sich auf dem letzten Blatt recto Signaturen von Louis Stanislas Xavier (später Ludwig XVIII.), dessen Gattin Marie Joséphine Louise de Savoir, Charles Philippe (später Karl X.), dessen Gattin Marie Thérèse de Savoise und von weiteren Mitgliedern des französischen Königshauses. Auf der Versoseite zeichneten zahlreiche Angehörige des Hochzeitspaares. – Wenig fleckig. – Siehe Abbildung Seite 16.

Erinnerungen an Lola Montez 70

– E. Brief mit U. Dat. München 27. 10. 1850. 2 3/4 S. – Doppelblatt. (123) 600,-

Marriage agreement with autographic signatures. French document on paper. Dated (Paris) 15. 10. 1784. 8 leaves. – Contemporary stained wrappers in modern morocco portfolio, signed „Riviere & son“ (light signs of wear). – See illustration on page 16.

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MANN, G., Historiker (1909-1994). Masch. Brief mit e. U. Dat. Kilchberg am Zürichsee 3. 3. 1973. 1/2 S. (138) 200,An den Seewald-Verlag mit der Erlaubnis, einen eigentlich nicht zur Veröffentlichung gedachten Passus über Brüning zu verwenden. – Dazu ein von Mann signiertes Porträtphoto (Studio Bliggi, Zürich, um 1980), 2 signierte Briefe und 4 signierte Photographien von Elisabeth Mann Borgese (1918-2002). – Weitere Beilagen.

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MANN, KATIA, Gattin von Thomas Mann (18831980). Masch. Brief mit e. U. Dat. Pacific Palisades, Kalifornien, 17. 7. 1946. Fol. 1 S. (138) 200,-


Urkunden und Autographen

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In Vertretung ihres Gatten an den Schriftsteller (Alexander?) Ehrenfeld. – Berichtet, ihr Mann habe sich sehr gut erholt und arbeite schon wieder an seinem Roman (Doktor Faustus), doch sie erledige noch seine Korrespondenz. – Sieht keine „Unterkunftmöglichkeit“ (gemeint: einen Verlag) für „Die Hunde bellen“, ein Werk Ehrenfelds, das offenbar nie gedruckt worden ist. – Etw. knittrig, Ränder ein wenig fleckig. – Beiliegend eine Postkarte mit der Signatur Heinrich Manns, adressiert an Fräulein Gusti Friedmann in Wien, dat. nach Poststempel 6. 12. 1921.

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MANN, TH., Schriftsteller (1875-1955). E. Brief mit U. Dat. München 23. 3. 1926. 1 1/2 S. – Doppelblatt mit gedrucktem Briefkopf. (138) 500,An die Witwe des Schriftstellers Gerhard Ouckama Knoop (1861-1913), Gertrud Roth (1869-1967), die angefragt hatte, ob Mann noch Briefe ihres Gatten habe. Verneint dies und gesteht, daß sein „Briefarchiv nie das ordentlichste war“; außerdem sei während des Krieges „eine ganze Menge aufbewahrter Korrespondenz eingestampft worden“. Falls Briefe von Knoop darunter gewesen sein sollten, könne es sich nicht um wichtige Aufzeichnungen gehandelt haben, denn diese bewahre er besonders auf. – Querfalze eingerissen, Ecken mit kleinen Ausbrüchen, rückseitig Abklatsch des Umschlags, leicht gebräunt.

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– Signatur auf dem Vorsatz von: DERS., Königliche Hoheit und die Novellen. Berlin, Wegweiser, o. J. (um 1930). 955 S., 1 Bl. OHldr. (leicht berieben und bestoßen). (138) 250,Beiliegend ein Exemplar von Manns „Versuch über Schiller“ (Berlin, S. Fischer, 1955) mit kurzer „Juni 1955“ datierter Notiz auf dem Vortitel, wohl von der Hand des Autors, weiterhin ein Widmungsexemplar von Frido Mann sowie acht belletristische Werke mit Autorensignatur, darunter von Friedrich Dürrenmatt, Oskar Maria Graf (Widmung an Alfred Rohr, New York 1949), Amos Oz, Siegfried Sommer, Karl Heinrich Waggerl und anderen.

Vatersorgen eines Königs 77

MAXIMILIAN II. – KORRESPONDENZ aus der Göttinger Studienzeit König Maximilians II. von Bayern. 7 e. Briefe mit U. von König Ludwig I. und ein e. Schreiben mit U. von Maximilian, alle an den Grafen Fugger. Dat. München und Göttingen, 1. 2. 1829 bis 17. 3. 1831. Zus. ca. 10 S. – Die Briefe Ludwigs alle in gesiegelten und e. adressierten Umschlägen (tls. mit Poststempel). (28) 1.200,Bislang unbekannter Teil der sonst gut dokumentierten Korrespondenz aus der Studienzeit des Kronprinzen und späteren Königs Maximilian II. von Bayern in Göttingen (1829/30). König Ludwig I., der selbst schon an der Universität Göttingen studiert hatte, schickte seinen Sohn an die von ihm besonders geschätzte Hochschule. In dieser Zeit stand Maximilian unter Aufsicht des königlich bayerischen Rittmeisters Friedrich Karl Joseph von Fugger-Kirchheim-Hoheneck (1795-1838), eines engen Vertrauten Ludwigs. Am 28. Oktober 1829 ist Maximilian mit dem Grafen in das sogenannte „Prinzenhaus“ in Göttingen eingezogen und hat sich an der Universität immatrikuliert. Die vorliegenden Schreiben sind alle an Graf Fugger gerichtet, der Ludwig ständig über seinen Sohn zu informieren hatte. Die

Nr. 77 Schreiben Ludwigs an seinen Sohn und dessen Antworten sind im vollen Wortlaut veröffentlicht in: H. Thiersch, Ludwig I. von Bayern und die Georgia Augusta, Berlin 1927, S. 96-139 (Kap. III: Maximilian II. von Bayern als Göttinger Student). – Eine von Ludwig verfaßte „väterliche Ermahnung“ vom 18. Oktober 1829 (Thiersch S. 97 f.) regelte den Studienablauf wie auch das tägliche Leben des Kronprinzen mit strengen Vorschriften, an die sich Maximilian meist auch hielt. Nur einmal, Ende Januar 1830, kam es zu einer Eintrübung des Verhältnisses. Die vorliegenden Schreiben zeigen, mit welchem Nachdruck Ludwig die Kontrolle des Göttinger Studienaufenthalts seines Sohnes betrieb. Der Brief Maximilians an den Grafen diente der Information desselben über eine Reise nach Kassel. I. München, 1. 2. 1829, 1/2 S. (nach Berlin). – Gewährt dem Grafen Fugger, Leutnant im Cheveauleger-Regiment „König“, Urlaub für eine Reise nach München (vermutlich im Zuge der Vorbereitung von Maximilians Studium). II. München, 8. 11. 1829, 2 1/3 S. – Antwort auf zwei Schreiben des Grafen vom 23. 10. und 1. 11. 1829. – Anweisungen bezüglich des Lateinunterrichts bei Professor Mitscherlich, der im Wintersemester zweimal pro Woche stattfinden sollte. III. München, 22. 11. 1829, 3/4 S. – Antwort auf einen Brief des Grafen vom 14. des Monats anläßlich des kommenden Geburtstags seines Sohnes am 28. November, mit dem dieser die Volljährigkeit erreichte. IV. Brief von Kronprinz Maximilian: Kassel, 30. 12. 1829, 1 S. – Setzt den Grafen in Kenntnis, daß er erst am Samstag und nicht, wie beabsichtigt, am Mittwoch in Göttingen eintreffen werde.


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Urkunden und Autographen

V. München, 17. 1. 1830, 2 S. – Ludwig war berichtet worden, daß sein Sohn zusammen mit dessen Studienkollegen Baron von Würtzburg nach Frankfurt gereist sein soll. Graf Fugger möge ihm mitteilen, wann diese Reise stattgefunden habe, ob sie von Kassel oder Göttingen ausgegangen war usw. VI. München, 31. 1. 1830, 2 1/4 S. – Bestätigt den Erhalt der Schreiben des Grafen vom 21. und 23. des Monats und beklagt sich, nicht darüber informiert worden zu sein, daß der Kronprinz eine Nacht allein in Göttingen zugebracht hat. Künftig möchte er „mit der abgehenden Post“ über derartige Angelegenheiten sofort informiert werden. Seine Großzügigkeit sei ohnehin außergewöhnlich: „Kein König, glaube ich, gestattete seinem Sohn auf der Universität so viele Freyheit als ich, aber alles hat seine Grenze und ... der meinige hat sie überschritten“. Allerdings war Maximilian nun bereits volljährig. Er hat sich dennoch in aller Form beim Vater entschuldigt, und dieser hat ihm daraufhin auch verziehen (vgl. Thiersch S. 122 f.).

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Ausgestellt für einen Bürger namens Peter Popovics aus Pest, dem die Erlaubnis erteilt wird, einen vom k.k. Münzamt versiegelten Geldsack mit 350 Talern ohne weitere Abgaben über Belgrad auszuführen. Kulturhistorisch interessantes Dokument über die Handels- und Zollkonventionen in den Habsburger Staaten unter Maria Theresia. – Falze wenig gebräunt, sehr breitrandig.

Kaiserlicher Kunsterwerb 81

VII. Ludwig I., Colombella (bei Perguia), 23. 5. 1830 (mit Nachtrag 27. 5.), 1 1/4 S. – Antwort auf zwei Schreiben des Grafen. Erklärt seine Zufriedenheit über dessen Berichte „von der Lebensweise des Kronprinzen, meines lieben Sohnes“, und bedankt sich im Nachtrag für einen weiteren Brief des Grafen vom 3. Mai. (Am 23. Mai schickte Ludwig auch ein Schreiben an Maximilian; siehe Thiersch S. 132).

NÜRNBERG – VERLAGSWESEN – ZIRKULAR anläßlich der Umfirmierung der Buchhandlung Johann Peter Wolf in „Pech und Comp.“. Gedrucktes Formular mit hs. Eintragungen. (Nürnberg, Pech), 1. 4. 1800. 4°. 2 Bl. Lose, ohne Einband. (50) 150,Interessantes Dokument zum Nürnberger Buchhandel der Zeit um 1800. Das Rundschreiben richtete sich an Kollegen und Zulieferer und faßt die jüngste Geschichte der Kunstund Buchhandlung Wolf zusammen. Entscheidend der letzte Abschnitt, in dem erklärt wird, die Schulden und ausstehenden Forderungen der alten Firma nicht zu übernehmen, „ausser was Pech und Comp. contrahirt haben“. – Weiterhin das Subskriptionsangebot für den ersten Teil von Johann Wolfgang Müllers „Vollständiges System der Rechenkunst“ (dieser ist 1801 erschienen, allerdings kein weiterer Band mehr). – Unser Exemplar ist ausgestellt und adressiert an den Verlag Vieweg in Braunschweig („Herrn Vieweg den Aelteren“, wohl den Gründer Johann Friedrich Vieweg, 1761-1835). – Gefaltet, mit papiergedecktem Siegel (Öffnungsspuren), leicht gebräunt.

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ORFF, C., Komponist (1895-1982). Porträtphoto mit e. Widmung und U. Dat. Juni 1956. 24,5 x 19,1 cm. (63) 150,Dankesgruß an den Opernregisseur Ulrich Reinhardt, der 1956 in Münster Orffs „Antigonae“ inszeniert hatte. – Brustbild nach links, an einen Holzpfahl gelehnt. – Zwei kleine Fehlstellen.

PEUTINGER, K., Humanist (1465-1547). E. Brief mit U. und e. Adresse. (Augsburg?), 16. 1. 1514. 20,5 x 19 cm. 1/2 S. (10 Zeilen). (68) 2.500,An Cyprian von Serntein (ursprünglich: von Northeim; gestorben 1524), den obersten kaiserlichen Hofkanzler in Innsbruck. Peutinger vermittelte und erwarb im Auftrag Sernteins Kunstwerke für die kaiserliche Hofhaltung (weitere diesbezügliche Korrespondenz ist belegt). Das vorliegende Schreiben diente als Begleitbrief zur Sendung dreier Nürnbergischer Truhen: „Wolgeborner Gnediger Herre, E. G. schick ich hiemit dreue truhen, die mir Caspar nutzel von Nuernberg geschickt hat, und hab fur plahen, binden und die furlan, von Nuernberg biß gen Insprugg Neuen guldin und zweien Creutzer bezalt, Deßhalben E. G. dem furman weitter zubezalen nichtz schuldig sein ...“ – Kaspar Nützel (um 1471-1529) aus dem bedeutenden Patriziergeschlecht, später auch Nürnberger Bürgermeister und Rat, war um 1515 vor allem im diplomatischen Dienst der Stadt tätig. – Papier mit Wasserzeichen einer perlenbesetzten Bügelkrone, darüber Reichsapfel mit Kreuz, bei Piccard in zahlreichen Varianten bereits im späten 15. Jahrhundert nachgewiesen; unser Wasserzeichen ist nahezu deckungsgleich mit Nr. 52851 (Ansbach 1512). – Nicht bei König, Konrad Peutingers Briefwechsel (München 1923). – Ränder mit drei kleinen Schlitzen für Verschlußbänder; minimal fleckig, kaum gebräunt. – Beiliegend gestoch. Porträt Peutingers. – Siehe Abbildung Seite 17.

VIII. München, 17. 3. 1831, 1/2 S. – Bedankt sich für einen Brief des Grafen vom 9. des Monats aus Berlin (Maximilian war inzwischen an die Berliner Universität gewechselt). – Tls. auf Papieren mit Wasserzeichen „JWhatman Turkey Mill 1828“ und „W D Wells 1822“. – Einzelne Falzeinrisse, Umschläge tls. mit Einrissen, wenig fleckig. – Siehe Abbildung.

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PASSIERSCHEIN (FREIPASS). Deutsches Urkundenformular auf Papier mit hs. Eintragungen und Kanzleiunterschriften. Wien, 8. 12. 1769. Blattgr.: 46,8 x 64 cm. Mit großer HolzschnittInitiale und papiergedecktem Siegel. – Unter Glas gerahmt. (23) 200,-

To Cyprian von Serntein (originally: von Northeim; deceased in 1524), the highest imperial court chancellor at Innsbruck. Peutinger arranged and purchased on behalf of Serntein works of art for the imperial court (there is evidence for further correspondence on the matter). The present letter served as accompanying document for the consignment of three Nuremberg chests. – Margins with three small slits for clasp ribbons; minimally soiled, hardly browned. – Enclosed engraved portrait of Peutinger. – See illustration on page 17.

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PLÖNNIES – KORRESPONDENZ der Luise von Plönnies und des Johann Wilhelm Wolf. Sammlung von ca. 60 Briefen. Um 1840-65. Lose in Hldr.-Album um 1870 mit goldgepr. Deckeltitel „Autographen“ (etw. beschabt und bestoßen). (123) 2.000,Teilnachlaß der Schriftstellerin Luise von Plönnies (18031872) und ihres Schwiegersohns, des Germanisten Johann Wilhelm Wolf (1817-1855). Enthält Briefe von Schriftstellern, Gelehrten, Künstlern und Politikern des mittleren


Urkunden und Autographen

19. Jahrhunderts; meist längere, inhaltsreiche Schreiben, häufig mit Austausch über künstlerische Fragen, Werke, Editionen etc. – Darunter: Heinrich Alexander von Arnim, Wilhelm Baur, Charles Boner, Moriz Philipp Carrière, Caroline de Crespigny, Eduard Duller, Prudens van Duyse, Johann Heinrich Felsing, Hermann Ferdinand Freiligrath, Heinrich von Gagern, Nikolaus Hocker, Hyazinth Holland, Josef Edmund Joerg, Wilhelm Emmanuel von Ketteler, Karel Lodewijk Ledeganck, Heinrich Leo, Thomas Medwin, Wolfgang Menzel, August Nodnagel, Oskar von Redwitz, Julius von Rodenberg, Oskar Schade, Louise von Schücking, Emil zu Sayn-Wittgenstein, Johann Wilhelm Wolf und Pius Zingerle. Darunter auch zwei Schreiben der Luise von Plönnies selbst (an den späteren Eigner des Albums, den Pfarrer Christian Müller); ebenfalls von ihrer Hand ein „Verzeichnis und Erklärung der Autographen“ (Doppelblatt, neuere Zweitschrift beiliegend). – Meist nur leichte Gebrauchsspuren.

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SCHNITZLER, A., Schriftsteller (1862-1931). Zwei e. Widmungen mit U. „Arthur Schnitzler“ und „Onkel Arthur“, dat. Wien „Oct. 26“ (Oktober 1926). – Auf den Schmutztiteln von: DERS., Gesammelte Werke in zwei Abteilungen. 9 Bde. Berlin, S. Fischer, 1922. OHlwd. (etw. fleckig, berieben und bestoßen). – An seinen Neffen Karl Schnitzler und (dessen Frau?) Pauline Schnitzler, jeweils im ersten Band der Abteilung „Theaterstücke“ und „Erzählende Schriften“. – Etw. fleckig und gebräunt. (63) 250,-

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SCHRIFTSTELLER – Sammlung von 19 Autogrammen. Signaturen meist auf Postkarten, Portrs. und diversen Kopien. Ca. 1910-2003. Verschied. Formate. – Umschläge tls. beiliegend. (138) 200,-

RICHTER, L., Maler (1803-1884). E. Brief mit U. Dat. Dresden 4. 4. 1852. 1 S. (123) 300,An Luise von Plönnies (1803-1872). – Antwortet auf ein Schreiben der Schriftstellerin, das er über Theodor Hosemann erhalten hat. Darin hatte sie sich anerkennend über seine Zeichnungen geäußert und angefragt, ob er einen Auftrag für sie übernehmen möchte (eine Illustration zu einem ihrer Gedichte). Er habe jedoch erst ab Herbst dieses Jahres wieder Zeit, neue Arbeiten zu übernehmen, und es komme auf den Zeitpunkt an, wann das Gedicht erscheinen solle. Erklärt sich unter bestimmten Bedingungen zur Zusammenarbeit bereit. Diese ist offenkundig nicht zustande gekommen, eine Illustration Richters zu einem Werk der von Plönnies ist nicht nachzuweisen. – Links oben kleiner blindgepr. Stempel.

RUDOLF II., römisch-deutscher Kaiser (15521612). Adelsdiplom mit e. U. Deutsche Urkunde auf Pergament. Dat. Prag 26. 3. 1603. Mit Deckfarben-Wappenminiatur (ca. 12,5 x 9,3 cm) sowie 3 kalligraphischen Kopfzeilen tls. in Goldschrift und mit großer gezeichneter Initiale. 34 Zl. Blattgr.: Ca. 44,5 x 62,2 cm. Plica 14 cm. – Mit rotem defekten Wachssiegel in Hartholzkapsel. In Metall-Kassette d. Zt. (außen rostig, etw. beschädigt). (96) 1.200,Adelsdiplom und Wappenbrief für den kaiserlichen Notar Sebastian Dobner aus Sopron (Ödenburg) und dessen Ehefrau Barbara Polianius sowie deren Kinder und Erben. – Mit feiner, künstlerisch sehr qualitätvoller Wappenminiatur, die links des Wappens (mit gevierteltem Schild und üppiger Helmzier) den stehenden Kaiser in Rüstung und vollem Ornat sowie rechts eine Personifikation des Sieges zeigt. – Unterschriften des Bischofs von Nitra, Frantisek II. Forgács (Amtszeit: 1596-1607), und eines Notars. – Geringe Spuren verlaufener roter Farbe, etw. wasserrandig und gebräunt. – Siehe Abbildung Tafel 5. Nobility diploma and heraldic letter for the imperial notary Sebastian Dobner from Sopron (Ödenburg) and his wife Barbara Polianius as well as their children and heirs. – Minor traces of blurred red colour, some waterstains and browning. – With red wax seal (damaged) in hardwood capsule. In contemporary metal case (rusty outside, a little damaged). – See illustration on plate 5.

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Heinrich Böll (2) – Lothar-Günther Buchheim (4) – Friedrich Dürrenmatt (monogrammierte Porträtkarikatur auf der Rückseite einer Eintrittskarte zu einer Dichterlesung am 16. 6. 1985 in Passau) – Günter Grass – Gerhard Hauptmann (Postkarte, dat. Dresden, 28. 2. 1912?) – Inge und Walter Jens (2; dat. Tübingen 2003) – Erich Kästner (Grußkarte, dat. München 15. 11. 1971) – Ellis Kaut (4) – Astrid Lindgren – Otfried Preußler. – Leichte Gebrauchsspuren. – Ferner beiliegend ein Brief der Schriftstellerin Clara Nordström (18861962), dat. 8. 8. 1961, wohl an einen Verleger.

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STRAUSS, R., Komponist (1864-1949). E. Brief. Garmisch 25. 10. 1936. 4 S. – Doppelblatt. (158) 600,An den Kritiker Alexander Berrsche: „Es ist nicht meine Gewohnheit, über kritische Äußerungen der Presse Beschwerde zu führen. Wenn ich Sie bitte, in Bezug auf Ihre Besprechung des ersten Akademieconzerts einmal mit einigen kurzen, sachlichen Andeutungen eine Ausnahme machen zu dürfen, so hat dies seinen Grund, daß Sie gewöhnlich Verständnis für Dinge zeigen, die nicht Jeder hört und sieht, und weil eine Fortdauer des Ihrer Kritik zu Grunde liegenden Mißverstädnisses die erzieherische Arbeit, die ich diesen Winter an Orchester und Publikum zu leisten mir vorgenommen hatte, unnötig erschweren würde. Sie glaubten am Vortrag des Orchesters Müdigkeit und Undurchsichtigkeit constatiren zu müssen. Wenn dies richtig war, so trifft sicher nur mich die Schuld. Sie hörten ganz richtig Vieles weniger 'temperamentvoll', weniger 'schneidig' als sonst, Vieles, was gegen die Vorschrift sonst sehr gehackt wurde nur so gespielt, das Blech blies 'affektlos' und abgedämpft. Beethovens Scherzo wurde (nach Bülows Vorschrift) das erste Mal in mäßigem Zeitmaß und erst bei der zweiten Wiederholung in vollem Vivace, das Finale um mindestes ein Drittel langsamer gespielt, als es selbst von den berühmtesten Dirigenten improvisirt und meiner Meinung nach irrtümlich sogar von Keinem Geringern als R. Wagner gefordert wird – aber dieses vielleicht allzu abgeschliffene, allzu kultivirte Musicieren war diesmal keine Müdigkeit, sondern Absicht – dem Orchester vielleicht noch nicht ganz in Fleisch und Blut übergegangen, dem normalen Conzertbesucher sicher ungewohnt wie von jeher meine ganze Beethoven-Interpretation. Was nun Mazeppa betrifft, wo Sie vielleicht manche Undurchsichtigkeit bemerkten, so glaube ich, gerade Ihnen nicht auseinandersetzen zu müssen, daß ein solch prachtvolles Lisztsches Frescogemälde nicht ausciselirt wie ein Mozartsches Andante gespielt werden kann: bei dem Pianisten Liszt gibt


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Urkunden und Autographen

es ab und zu kleine technische Unzulänglichkeiten des neuen und genialen Orchestersatzes zu verwischen, manche Lücke zuzudecken – das 50 Jahre später geschriebene polyphone Tod und Verklärung 'klingt' schon von alleine andersch! – Daß die Tendenz der Programme: Beethoven ganz zur Programmmusik zu rechnen oder umgekehrt die sog. Programmmusik als unmittelbarste und musikgeschichtlich einzig giltige Beethoven Nachfolge nachzuweisen, Manchem nicht gefällt, darauf war ich von vornherein gefaßt. Wenn Sie sich mit mir einmal über all dies mündlich unterhalten wollen – ausführlicher, als es in diesen kurzen Andeutungen möglich – stehe ich gern zu Ihrer Verfügung als Ihr sehr ergebener R. Strauss.“ – Beiliegen der Begleitbrief, mit dem Strauss das vorliegende Schreiben an den Münchner Zeitungs-Verlag übersandte, und das Anschreiben des Verlages an Berrsche.

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TILESIUS VON TILENAU, W. G., Naturforscher (1769-1857). E. Brief mit U. Dat. St. Petersburg 28. 10. 1810. 4°. 3 S. – Doppelblatt, rückseitig adressiert. (59) 500,In deutscher Sprache an den Verleger Leclerc in Paris. Inhaltsreiches Schreiben über die geplante Veröffentlichung seines Tafelbandes zum Reisebericht der ersten russischen Weltumsegelung 1803-06 durch Adam Johann von Krusenstern, an der er teilgenommen hatte. Tilesius, der die zeichnerischen Vorlagen und beschreibenden Texte liefern sollte, setzt sich mit den drucktechnischen Möglichkeiten auseinander und erörtert deren Vor- und Nachteile. Interessant sind vor allem die kritischen Bemerkungen über das Kolorieren und sein Vorschlag zur Verbesserung der oft schmutzig wirkenden Farben: „Ich rathe Ihnen ... diejenigen Platten, welche Sie illuminiren lassen wollen, noch vor ihrer gänzlichen Vollendung matt abdrucken zu lassen, sonst werden ihre Abdrucke zu schwarz zum Coloriren und das Colorit bleibt schmuzig auf denselben, wie bey der Petersburgischen (ich und H. v. Krusenstern aber wünschen daß die französischen Abdrucke schöner ausfallen möchten als die Russischen). H. Berthoud wird Ihnen denselben Rath geben.“ Die Publikation seines „Voyage pittoresque“, „welche auch kein wolfeiles Unternehmen werden kann“, solle man nicht eher drucken, bis Krusensterns Atlas und die anderen Bände vollendet und publiziert seien. Das Werk von Tilesius ist 1813 in St. Petersburg erschienen. – Kleines Loch und Überklebung im Text (mit Verlust einzelner Wörter) durch Siegelausriß, geringe Faltspuren.

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– E. Brief mit U. Dat. St. Petersburg „24. Aprill alten Styls“ (d. i. 6. 5.) 1811 . 4°. 4 S. – Doppelblatt. (59) 500,Wohl an den Verleger Leclerc in Paris. Betont, daß sein naturwissenschaftlicher Bericht zur ersten russischen Weltumsegelung 1803-06 durch Adam Johann von Krusenstern, an der er teilgenommen hatte, erst nach der Publikation des Krusensternschen erscheinen dürfe. Auch sollen seine Tafeln „colorirt abgedruckt“ werden, was zu Verzögerungen geführt habe. Außerdem möchte er nicht, daß seine und Krusensterns Reisebeschreibung mit derjenigen Georg Heinrichs von Langsdorff (erschienen 1812) zusammengestellt werde: „Er hat zwar einen Theil der Reise auf unserm Schiffe bis Kamtschatka mit uns gemacht, engagierte sich aber dort bey Herrn von Resanot und gieng mit ihm nach America.“ Verwahrt sich weiterhin entschieden dagegen, daß der Adressat ihn in Malte Bruns Journal als Verfasser der „Flora lusitanica“ bezeichnet, publiziert vom Grafen von Hoffmannsegg. Er sei zwar 1795/96 mit dem Grafen in Portugal gewesen, wolle aber mit derart „dünkelvollen Leuten“ nichts zu tun haben. „Uiberhaupt bin ich ein Feind

von allen Prahlereyen, brillanten Rapporten, und zehnfachen Ankündigungen, Prospectus etc. Giebt man etwas gutes, so lobt sich die Sache von selbst ohne alle vorhergehende Empfehlung.“ – Kaum gebräunt, auf dünnem Papier.

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TRAUNSTEIN – FUNDATIONSBRIEF. Deutsche Urkunde auf Pergament. Traunstein, Schloß Neugereut, 10. 12. 1654. 39 x 66 cm (Plica: 12,7 cm). – Mit fünf Unterschriften und fünf angehängten Wachssiegeln in Hartholzkapseln. (4) 200,Stiftung eines „ewigen Jahrtags“ zugunsten der Stadtpfarrkirche St. Oswald durch das Geschlecht der in Traunstein auf Schloß Neugereut ansässigen Familie von Schaumberg, ausgestellt von Christoph Martin von Schaumberg. – Gering gebräunt.

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UHLAND, L., Dichter und Germanist (17871862). E. Brief mit U. Tübingen 6. 7. 1859. 4°. 1 S. – Doppelblatt. (142) 200,Begleitbrief zur Übersendung eines (nicht mehr vorhandenen) Zeitschriftenaufsatzes: „In Pfeiffers Zeitschrift Germania habe ich eine kleine Folge von Beiträgen zur schwäbischen Sagenkunde eingerückt, darunter neuerlich den hier anliegenden über die Sagen von Bodman. Von diesen ließ ich eine Anzahl besondere Abdrücke nehmen, vorzüglich in der Absicht, mittelst solchen da oder dort orts- und geschichtskundige Anwohner des Bodensees zu etwaiger Berichtigung und Ergänzung meiner mangelhaften Arbeit zu veranlassen ...“ – Faltknicke.

Adelseinband 92

VENEDIG – STATUTEN UND VERORDNUNGEN des venezianischen Senats. Sammlung von Gesetzen des 14. bis 16. Jhdts., zusammengestellt unter dem Dogen Nicolò da Ponte. Lateinische und italienische Handschrift auf Pergament. Venedig („data in nostro Ducali Palatio“), 11. 6. 1579 („indictione septima“). 4°. Überschriften und einige Hervorhebungen in Rot, durchgehend regliert. 80 num. Bl. 21 Zl. Rotbraunes Kalbldr. d. Zt. mit reicher Rücken- und Deckelvg., dreiseit. Goldschnitt sowie goldgepr. Supralibros „Iacobo Priolo“ und Datum „MDLXXVIIII“ auf Vorder- und Hinterdeckel (Schließbänder fehlen, Rücken beschäd., Deckel mit einigen Wurmspuren, beschabt und bestoßen). (4) 2.000,Interessantes Manuskript zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte des venezianischen Staates. Saubere, gut lesbare Abschrift in humanistischer Kanzleikursive, offenbar für Senatsmitglieder angefertigt. Am Ende monogrammiert und signiert durch den Secretarius Julius Zambertus und mit Schreibermonogramm versehen. Die Verordnungen sind chronologisch geordnet, deshalb folgen verschiedene Themenbereiche aufeinander, beginnend mit „De salario potestatis et de eius curia“. Die früheste datierte Verordnung stammt aus dem Jahre 1351 (fol. 8v.), die meisten gehören indessen der Mitte des 16. Jahrhunderts an. Die Erlasse regeln das öffentliche Leben des venezianischen Staats: die Besoldung von Beamten, den Handel, das Kanzleiwesen, das Strafrecht, die Prozeßordnung, die Verbannung etc.


Urkunden und Autographen

Auf dem ersten Blatt die Zueignung des Dogen Nicolò da Ponte (Amtszeit 1578-1585) an „Iacobo Priolo“ (Jacopo Priuli), der aus einer bedeutenden der neueren venezianischen Patrizierfamilien stammte, die im 16. Jahrhundert auch zwei Dogen gestellt hat. Als Auftraggeber nennenswerter Kunstwerke ist diese 1297 nobilitierte Familie, die zu den reichsten in Venedig zählte, ebenfalls bekannt geworden (u. a. mehrere Porträts von Tintoretto). Jacopo war wahrscheinlich Angehöriger des Senats und hatte als solcher Anspruch auf eine Abschrift der Verordnungen. – Die in derselben rotbraunen Tinte wie die Überschriften geschriebene Paginierung setzt mit der Ziffer 12 (= fol. 1 und 2) ein (folgende Bl. ab 3 foliiert). Offenbar war zum Zeitpunkt der Foliierung das erste Blatt noch nicht vorhanden und wurde erst nachträglich vor die erste Lage eingebunden. Am Ende ein Register. – Das Jahr 1579 entspricht nach römischer Zählung dem siebten Jahr der 105. Indiktion. – Vorderes Innengelenk gebrochen, stellenw. materialbedingt etw. gebräunt, wenig fleckig. – Der heute leider stark wurmspurige Einband spiegelt mit reichster Arabeskenornamentik und breiten Bordüren auf den Deckeln die Bedeutung der Auftraggeberfamilie wieder. – Gestoch. Exlibris von Amadeo Svayer (1727-1791), einem deutschen Kaufmann und Bibliophilen in Venedig (eigentlich Gottlieb Schweyer), der eine große und auserlesene Bibliothek zusammengetragen hat, die nach seinem Tod größtenteils in den Bestand der Markusbibliothek übergegangen ist. – Siehe Abbildung Tafel 5.

Die nie erschienene französische Ausgabe 94

WIDMUNGEN – SAMMLUNG – 18 von den Autoren signierte Exemplare naturwissenschaftlicher, zeitgeschichtlicher und weltanschaulicher Werke. Ca. 1945-2000. Verschied. Orig.-Einbände (mäßige Gebrauchsspuren). (138) 300,Mit den Signaturen von Willy Brandt, Yves Coppens, Günter Guillaume, Hermann Oberth („Menschen im Weltraum“ mit Widmung an Dr. Siegfried J. Gerathewohl), Friedemann Schrenk, Albert Speer, Carl Friedrich von Weizsäcker u. a. – Leichte Gebrauchsspuren. – Beiliegend 19 Werke zur Relativitätstheorie, verfaßt von A. Einstein, M. Planck, P. Jordan und M. von Laue, meist in späten Auflagen.

WILMANS, F., Verleger (1764-1830). 3 Briefe und 2 Verträge mit e. U. Dat. Frankfurt 1810/11. 4°. – Doppelblätter, rückseitig adressiert. (59) 600,In französischer Sprache von Kanzleischreibern in sauberer Kurrent abgefaßte Briefe und Verträge, jeweils mit der Unterschrift von Wilmans, alle an den Verleger Leclerc in Paris, angeredet als „ancien Capitaine au service du Roi“. – Briefe vom 27. 12. 1810 (2 S.), 6. 2. 1811 (2 S.) und 25. 4. 1811 (1 1/2 S.) sowie zwei Ausfertigungen eines Vertrags vom 27. 4. 1811 (1 1/2 S.). – Betrifft die Veröffentlichung des Reiseberichts von Georg Heinrich von Langsdorff „Bemerkungen auf einer Reise um die Welt in den Jahren 1803-1807“ (erste Ausgabe in zwei Bänden erschienen bei Wilmans in Frankfurt 1812; Sabin 38895, Howes L 81, Borba de Moraes 455, Bosch 289). Langsdorff hatte an der Krusensternschen Weltumseglung teilgenommen, sich jedoch in Kamtschatka von der Mannschaft getrennt, um selbständig das damalige russische Alaska und Kalifornien zu bereisen. Sein Bericht gehört zu den besten wissenschaftlichen Quellen über diese Gebiete. Wilmans plante, parallel zur deutschen bei Leclerc in Paris eine französische Ausgabe erscheinen zu lassen. Der in beiden Ausfertigungen allein von Wilmans unterschriebene und gesiegelte Vertrag sollte die Einzelheiten der Zusammenarbeit regeln, wurde aber von französischer Seite nicht angenommen. Im ersten Schreiben erklärt er, die Tafeln aus ökonomischen Gründen in Paris herstellen lassen zu wollen. Weiterhin betont er, daß er der einzige Eigentümer des Langsdorffschen Manuskripts sei, doch könne Leclerc eine bessere Ausgabe in größerem Format anfertigen als seine Edition in Großoktav, jedoch müsse dieser dann die Kosten für die Tafeln selbst tragen.

Interesting manuscript to constitutional law of the Venetian state. Clean and well legible copy in classical office calligraphy as obviously made for members of the Senate. At the end with monogram and signature by the Secretarius Julius Zambertus and provided with monogram of the scribe. The decrees in chronological order, therefore various topics one after the other. The earliest dated decree is from the year 1351, but most of them are from the mid 16th century. The edicts regulate the public life of the Venetian state, among them the salary of officials, trade, offices, criminal law, legal order, exile etc. – Upper inner joint broken, here and there a little browned due to paper quality, hardly soiled. – The binding, unfortunately now quite worm-eaten, reflects the importance of the patron family with the rich arabesque ornamentation and wide ornamental borders on covers. – Engraved exlibris of Amadeo Svayer (1727-1791), a German merchant and bibliophile at Venice (originally Gottlieb Schweyer) who had put together a huge and select library which after his death went for the most part to the Markus library. – Contemporary red-brown calf with richly gilt back and gilt on sides, three-sided gilt edge and gilt stamped supralibros „Iacobo Priolo“ and date „MDLXXVIIII“ on front and rear cover (clasp ribbons missing, spine damaged, covers with some worming, scratched and scuffed). – See illustration on plate 5.

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Das zweite Schreiben enthält einige editionsgeschichtlich interessante Details: das Format wird in Quart festgelegt, für den ersten Band liegen schon alle Zeichnungen vor, doch noch keine für den zweiten, jeder Band solle 40 bedruckte Blätter enthalten, der Termin der Subskription wird festgelegt, Bedingungen für das Erscheinen der französischen Ausgabe werden umrissen usw. Im dritten Schreiben ist nur noch von den Konditionen der französischen Ausgabe die Rede; zu diesem Zeitpunkt wird es bereits zu Unstimmigkeiten gekommen sein, denn Wilmans gibt an, mit einer anderen Pariser Buchhandlung, deren Namen er nicht nennen dürfe, in Verhandlung zu stehen. Die zwei Tage später datierten Vertragsausfertigungen wurden wohl mit diesem Brief verschickt und offenkundig abgelehnt. Zu einer französischen Ausgabe der Reisebeschreibung ist es dann nicht mehr gekommen. – Meist mit Siegelausrissen, etw. gebräunt.

WITTGENSTEIN, L., Philosoph (1889-1951), siehe die Katalognummern 1225 und 1226. 95

ZUCKMAYER, C., Schriftsteller (1896-1977). E. Brief mit U. „Zuck, Zuckin und Winnetou“. Barnard, Vermont, (Dezember 1941). 1 S. – Doppelblatt. (138) 120,An einige „liebe Freunde“ (wahrscheinlich eine andere deutsche Exilantenfamilie). Bedauert, Neujahr nicht gemeinsam feiern zu können. – Oberer Rand gelocht (geringer Buchstabenverlust). – Beiliegend ein e. adressiertes Kuvert (Saas-Fee 12. 9. 1973) an Valérie von MartensGoetz, die Ehefrau von Curt Goetz.


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Nr. 99


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Inkunabeln

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AEGIDIUS (COLUMNA) ROMANUS, In Petri Lombardi sententiarum lib. II commentum. Hrsg. J. Grasolarius. 1 in 2 Bdn. Venedig, L. Dominici, 1482. Fol. Mit 3 Zierinitialen in Deckfarben über Goldgrund, 2 Spaltentrennern in Deckfarben, 2 Wappenminiaturen in Gold und Deckfarben sowie zahlr. in Rot und Blau eingemalten Initialen. Durchgehend rubriziert. 210; 310 (= zus. 520) Bl. (ohne das erste weiße Blatt). Mod. flex. Pgt. mit Rsch. des 19. Jhdts. (54) 8.000,Einzige Inkunabelausgabe. – Goff A 84. IGI 3091. BMC V, 280. GW 7207. BSB A-56. – Umfassender gelehrter Kommentar zum zweiten Buch des Hauptwerks des scholastischen Philosophen und Theologen Petrus Lombardus, der Sententiarum libri quatuor, einer systematischen Summe der Theologie, „mit der nach dem Brauch jener Zeit auch eine Reihe philosophischer Fragen eng verknüpft war“ (LThK VIII, 166). Verfaßt von Aegidius Romanus (Egidio Colonna, latin. Aegidius Columna; um 1243-1306), einem Schüler des Thomas von Aquin, Lehrer in Paris (wo man ihm den ehrenden Beinamen „Doctor fundatissimus“ gege-

ben hat) und Bischof von Bourges. – Blöcke lose, Lage dd in sich verbunden, mit zahlr. Marginalien in Tinte von verschiedenen alten Händen. Bl. J 4 und 5 stark, ansonsten nur leicht gebräunt und etw. fleckig. – Exlibris des Bibliophilen Lucien Allienne, dat. 1950, in beiden Bänden auf dem Vorsatz. – Die prachtvollen Initialen am Beginn des Prologs und am Anfang des zweiten Bandes (Distinctio duodecima) wohl noch aus dem späten 15. Jahrhundert, eine der Wappenminiaturen ausgeschnitten und in späterer Zeit (17. Jhdt.) in gleicher Form, jedoch etwas vergröbert, erneuert. – Siehe Abbildung Tafel 6. Sole incunable edition. – Comprehensive academic commentary to the second book of the major work by the scholastic philosopher and theologian Petrus Lombardus. – Blocks loose, quire dd misbound, with numerous marginalia in ink by various contemporary hands. Strong browning to leaf J 4 and 5, otherwise only slightly browned and a little soiled. – Exlibris of the bibliophile Lucien Allienne, dated 1950, in both volumes on endpaper. – The magnificent initials at the beginning of prologue and at the beginning of the second volume (Distinctio duodecima) probably still from the late 15th century, one of the arms miniatures cut out and later on (17th century) renewed in the same form, a bit more simplified however. – Modern limp vellum with spine label of the 19th century. – See illustration on plate 6.


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Inkunabeln

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AMBROSIUS, S., Opera. (Mit Beigabe von Johannes de Lapide). Tl. II (von 3). Basel, J. Amerbach, 1492. Fol. 302 Bl. Restauriertes Ldr. d. frühen 17. Jhdts. mit goldgepr. Supralibros auf beiden Deckeln. (55) 800,Zweiter Teil der ersten vollständigen Ausgabe der Werke des Ambrosius. – Goff A 551. GW 1599. BMC III, 753. BSB A-480. Van der Haegen B 16, 57. – Vorsätze erneuert, Titel mit altem Besitzvermerk; einzelne alte Marginalien und Anstreichungen, stellenw. im oberen Rand leichte Feuchtigkeitsspuren, gering gebräunt und kaum fleckig. – Die vom alten Einband wiederverwendeten Deckel (stark beschabt und bestoßen) mit dem goldgepr. Wappensupralibros des englischen Richters und Politikers Edward Coke (1552-1634) mit dessen Motto „Prudens qui patiens“. – Siehe Abbildung.

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Nr. 97

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ALBUMASAR, Flores astrologie. Venedig, J. B. de Sessa, um 1500. 4°. Mit 2 unterschiedlichen Druckermarken, großer Holzschnittinitiale und 79 tls. schematischen Textholzschnitten. 19 nn. Bl. (ohne das letzte weiße Bl.). Maroquin vom Ende des 19. Jhdts., sign. „Bel-Niedrée“, mit Steh- und Innenkanten-Vg. und dreiseit. Goldschnitt (minimal berieben). (55) 6.000,Goff A 358. IGI 263. BMC V, 482. GW 839. BSB A-229. Klebs 37.3. Lalande 28. Houzeau-L. I, 3819. – Dritte Inkunabelausgabe des Hauptwerkes von Albumasar, einem persischen Mathematiker und Astronomen (gest. 886), dessen Werke das mittelalterliche Weltbild des Abendlandes stark mitprägten. Die Flores sind vermutlich ein Auszug aus „De magnis coniunctionibus“ (vgl. auch DSB I, 35, 1). Laut Houzeau-Lancaster ist ein arabisches Original-Manuskript nicht bekannt. – Die Holzschnitte mit allegorischen Planetendarstellungen und den Tierkreiszeichen zur Illustration der astrologischen Blütenlese. – Die ersten 3 Bl. mit großen Braunflecken, sonst nur gering fleckig und leicht gebräunt. – Siehe Abbildung. Third incunable edition of the major work by Albumasar, a Persian mathematician and astronomer (deceased 886), whose works influenced the medieval world view of the Occident. – The first 3 leaves with big brown stains, otherwise only minimally soiled and slightly browned. – Morocco from the end of the 19th century, signed „Bel-Niedrée“, with gilt outside and interior edges and three-sided gilt edge (minor rubbing). – See illustration.

ANTONINUS FLORENTINUS, Summa theologica. Hrsg. von Franciscus Moneliensis. Tl. I (von 2) des III. Bds. (von 5). (Venedig, N. Jenson, 1477). Fol. Mit 2 großen, in Deckfarben eingemalten Initialen mit in den Rand auslaufendem Rankenwerk (zweite auch mit Blüten) sowie einigen in Rot und Blau eingemalten Initialen, rubriziert. 350 nn. Bl. (ohne die weißen Bl. a1 und a5). Ldr. d. Zt. mit Schließen und 5 (späteren) Messingbuckeln auf den Deckeln (Rücken in alter Zeit restauriert, Deckelbezüge stark brüchig, wasserrandig, beschabt und bestoßen). (55) 5.000,Erste Ausgabe. – Goff A 872. IGI 690. BMC V, 179. GW 2185. BSB A-595. – Der erste Teil des dritten Bandes der umfangreichen theologischen Enzyklopädie des bedeutenden Kirchenlehrers und späteren Erzbischofs Antoninus von Florenz. Die Erstausgabe ist von 1477-80 in fünf Bänden gedruckt worden, beginnend mit den Bänden III und IV, die noch vor den ersten beiden erschienen sind. Insofern dürfte es sich bei dem vorliegenden um den ersten erschienenen Teil des Gesamtwerkes handeln. Herausgeber war Franciscus Moneliensis, der auch ein Vorwort verfaßt hat. – Die Initialen mit dicken Blattranken, teils mit feiner Binnenzeichnung versehen, in sehr frischen Farben. – Vorsätze erneuert, durchgehend mit dunklen Feuchtigskeitsflecken an den Rändern, Text nur am Anfang und Ende etw. betroffen, Textspiegel kaum fleckig und gebräunt, einzelne Wurmlöcher. – Spiegel mit Makulatur einer Evangelienhandschrift des hohen Mittelalters (12. Jhdt.?). – Siehe Abbildung und Seite 30.

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BIBLIA LATINA – (BIBLIA. Bd. I [von 2]. Nürnberg, A. Koberger, 1475). Fol. Fragment mit 185 Bl. Mit zahlr. in Rot und Blau eingemalten Initialen. Durchgehend rubriziert. Lose Bl. ohne Einband. (72) 1.200,Goff B 543. IGI 1643. GW 4218. BMC II, 413. BSB B-420. – Kobergers erste lateinische Bibel. – Breitrandige Einzelblätter aus verschiedenen Büchern des Alten Testaments (dieses umfaßt komplett 384, die gesamte Bibel 481 Blätter); meist nicht mehr im Lagenverbund. – Sehr sauber, nur vereinzelt minimale Gebrauchsspuren und Flecken.


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Koberger's first Latin Bible. – Wide-margined separate leaves from the different books of the Old Testament (the latter comprises 384 leaves in total, the entire Bible 481 leaves); for the most part not any more combined in quires. – Very neat, only isolated minor signs of wear and spotting. – Loose leaves not bound. – See illustration.

the complete text from the Genesis till the end of the book Esther corresponding thus to the quires a1 till bB8. – Endpapers partly missing, first and last quires with some wormholes (occasionally loss of letters), here and there some old marginalia and notes, first leaf with tear in margin, another leaf (c2) with torn off corner; hardly browned and soiled. – First leaf with contemporary ownership entry of the Capuchin monastery at Bludenz. – Contemporary damaged blind-pressed calf over wooden boards. – See illustration.

– BIBLIA cum postillis Nicolai de Lyra et expositionibus Guillelmi Britonis in omnes prologos S. Hieronymi et additionibus Pauli Burgensis replicisque Matthiae Doering. Hrsg. von Paulus a Mercatello. Tl. I (von 4). Venedig, J. Herbort für Johann von Köln, N. Jenson u. a., 1481. Fol. Mit zahlr. in Rot und Blau eingemalten Initialen, durchgehend rubriziert. 523 Bl. Beschäd. blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln. (49) 3.000,Erste Ausgabe mit diesen Kommentaren. – Goff B 611. IGI 1683. BMC V, 301. GW 4286. BSB B-444. – Die umfangreiche Bibelausgabe, ausführlich kommentiert von Nikolaus von Lyra, umfaßt insgesamt 1571 Blätter. Meist wird sie in vier Bände aufgeteilt, allerdings uneinheitlich. Unser Exemplar enthält den kompletten Text von der Genesis bis zum Ende des Buches Esther, was den Lagen a1 bis bB8 entspricht. – Vorsatzpapiere fehlen tls., erste und letzte Lagen mit einigen Wurmlöchern (vereinzelter Buchstabenverlust), gelegentliche alte Marginalien und Vermerke, erstes Bl. mit Randeinriß, ein weiteres Bl. (c2) mit Eckabriß; wenig gebräunt und fleckig. – Erstes Bl. mit altem Besitzvermerk des Kapuzinerklosters in Bludenz. – Siehe Abbildung. First edition with these commentaries. – The extensive Bible edition, commented in detail by Nikolaus von Lyra, comprises altogether 1571 leaves. It is mostly divided into four volumes, in a non-uniform way however. Our copy contains

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(BRUNSCHWIG, H., Kleines Destillierbuch. Straßburg, J. Grüninger, 1500). Fol. Fragment mit ca. 200 (einigen laienhaft alt ankolor.) Textholzschnitten (1 doppelblattgr.). Beschäd. blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln. (116) 600,Erste Ausgabe des „Liber de arte distillandi, de Simplicibus. Das Buch der rechten kunst zu distilieren.“ – Goff B 1227. Schramm XX, 24. BMC I, 114. GW 5595. BSB B-932. Sudhoff 59. – Vorhanden die Bl. I-X und XXV-CCI. – Alte Gebrauchsspuren mit vielen Eintragungen des 16. und 17. Jhdts., einige Einrisse, meist mit braunen Leimspuren entfernter Klebestreifen, stellenw. wasserrandig, stärker fingerfl. und gebräunt.

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CAMPANUS, J. A., Opera. Auf Veranlassung des Jacobus Antiquarius hrsg. von Michael Fernus. Rom, E. Silber für M. Fernus, 1495. 7 Tle. in 1 Bd. Fol. Mit großem Titelholzschnitt und zahlr. schwarzgrundigen Holzschnitt-Initialen (ohne den großen Textholzschnitt am Ende des letzten Teils). 301 (statt 305) Bl. Pgt. um 1900 mit goldgepr. Rückentitel (leicht berieben). (55) 1.500,-


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DANTE ALIGHIERI, La Commedia. Mit Kommentar von Ch. Landinus. Venedig, O. Scotus, 1484. Fol. Mit ganzseit. Textholzschnitt und ca. 100 Holzschnitt-Initialen, davon 3 größeren. Text vom Kommentar umgeben. 267 (statt 270) Bl. (ohne die Bl. a 10, f 7 und K 6). Hldr. um 1850 (Ecken bestoßen, beschabt, leicht fleckig). (54) 3.000,Goff D 30. IGI 361. BMC V, 279. GW 7967. Haym 184, 2. – Nicht in der BSB. – Zweite Ausgabe (EA 1481) des umfangreichen und über ein Jahrhundert lang das Danteverständnis beeinflussenden, ja prägenden Kommentars zur „Göttlichen Komödie“; verfaßt vom Humanisten, Dichter, Rhetoriklehrer und Staatskanzler der Republik Florenz, Cristoforo Landino (1425-1498). – Siehe auch Kat.-Nr. 184 (dort die Ausg. Venedig 1520). – Es fehlen die Bl. a 10 (= Schluß des Proömiums), f 7 (= Inf. VII, [127], bis VIII, [24]) und das letzte Bl. (= K 6 mit dem Register). – Erstes Bl. aufgezogen (geringer Textverlust am Innensteg), Holzschnitt (gestempelt) mit in den vorgedruckten Rahmen eingemaltem Wappen, einige Bl. mit kleineren Randläsuren und Schäden im Falz (tls. hinterlegt oder tektiert und dadurch mit etw. Textverlust), Bl. K 5 verso durch Verklebung mit Textschäden (tektiert und hs. ergänzt), wenige alte Marginalien, tls. stark gebräunt und fleckig. Second edition (first edition 1481) of the extensive commentary to the „Commedia“ influencing more than one century the appreciation and understanding of Dante; written by the humanist, poet, rhetoric teacher and chancellor of the Republic of Florence, Cristoforo Landino (1425-1498). – See also Cat. no. 184 (there edition Venice 1520). – Lacks leaves a 10 (= end of Proömium), f 7 (= Inferno VII, 127 till VIII, 24) and the last leaf (= K 6 with register). – First leaf mounted (minor loss of text at inner margin), woodcut (stamped) with arms painted in the printed frame, some leaves with smaller tears in margin and damages at guard (partly backed or covered with paper slip, therefore minor loss of text), leaf K 5 verso with damages in text due to glue traces (covered with paper slip and replaced by hand), some contemporary marginalia, partly heavily browned and soiled. – Half calf around 1850 (corners scuffed, scratched, slightly soiled).

Nr. 101 Erste Ausgabe. – Goff C 73. GW 5939. IGI 2383. BMC IV, 117. BSB C-63. – Johann Andreas Campanus (1427-1477), vielseitiger humanistischer Schriftsteller, sollte eigentlich Schafhirte werden, machte aber eine Karriere, die der Fichtes im 18. Jahrhundert gleicht, und brachte es bis zum Sekretär von Papst Pius II. sowie zum Professor der Beredsamkeit: „Vor allem war es die Eleganz der sprachlichen Darstellung, worin ihn Niemand übertraf“ (Wetzer-W. II, 1777). – Es fehlen die letzten drei Blätter des siebten Teils mit dem Textholzschnitt auf Bl. 302v. sowie ein Bl. mit dem Widmungsbrief. – Titel und zweites Bl. mit restaurierten Schäden im unteren Rand und restaurierten Wurmspuren (wenig Darstellungs- und Buchstabenverlust), Titel unten angerändert; wenige alte Marginalien, leicht gebräunt und fleckig. – Zwei mod. Exlibris. – Siehe Abbildung.

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CYPRIANUS, C., Opera. Hrsg. von Christoforus de Priolis. Venedig, L. Dominici, 1483. Fol. 160 (statt 166) Bl. (das letzte weiß; ohne ersten 6 Bl., davon das erste weiß). Mod. Pgt. (Deckel leicht aufgebogen, wenig fleckig). (55) 400,Goff C 1013. GW 7885. IGI 3297. BMC V, 281. BSB C-727. – Die fehlenden ersten fünf bedruckten Bl. in Kopie beigeb., vier Bl. der Lage a mit großen, restaurierten Eckausrissen (etw. Textverlust); einzelne von Laienhand eingemalte Initialen und alte Marginalien, stellenw. etw. wasserrandig, meist nur wenig fleckig und gebräunt.

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DAVANZATI, B., Novella di Matteo e del grasso legnaiolo. (Florenz, F. di Dino, um 1485). 4°. 24 (statt 32) nn. Bl. Flex. Pp. um 1800 (Gebrauchsspuren). (55) 2.500,IGI 3378. GKW 8159. – Versfassung der Novelle über den „fetten Tischler“, das bekannteste Werk des Florentiner Dichters, gewidmet dem zwischen 1468 und 1495 nachweisbaren Patrizier Cosimo Rucellai. – Es fehlt die letzte Lage d. – Einzelne Bl. am Beginn und Ende tls. gelöst, die letzten beiden Bl. mit kleinen Fehlstellen im Fußsteg, stellenw. leicht gebräunt und stärker fleckig. – Die letzte Seite mit hs. Kaufvermerk des 17. Jahrhunderts. – Weltweit nur ein Exemplar in Florenz. Lacks the last quire d. – Some leaves at the beginning and the end partly unstuck, the last two leaves with small defects at lower margin, here and there slight browning and stronger soiling. – The last page with ms. purchasing note of the 17th century. – Worldwide only one copy in Florence. – Limp cardboard around 1800 (signs of wear).


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Inkunabeln

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DECISIONES ROTAE ROMANAE. 3 Tle. in 1 Bd. Venedig, B. Benalius, 1496. Fol. Mit kleiner Druckermarke vor dem Register, 2 größeren Initialen mit Federwerk sowie zahlr. eingemalten Initialen in Rot und Blau, durchgehend rubriziert. 8 nn., 148 (recte 158) num. (Bl. 90 weiß), 2 nn., 33 num., 24 nn. Bl. Restauriertes blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln. (54) 6.000,IGI 8461. BMC V, 376. GW 8208. BSB D-90. – Nicht bei Goff. – Sammlung von Entscheidungen des päpstlichen Auditorengerichts, unabhängig voneinander durch einzelne Auditoren zusammengestellt. – Hinterer Vorsatz mit montierter Holzschnittvignette, Titel mit Spuren von Rasuren sowie hinterlegten Randläsuren, die Bl. h ii und L I mit kleinem, restaurierten Randausriß, einzelne Unterstreichungen und Marginalien von alter Hand in Tinte, einzelne Flecken, stellenw. etw. wasserrandig. – Aus der Bibliothek des bekannten Tournaiser Verlegers J. Casterman. – Siehe Abbildung Tafel 6. Lower endpaper with mounted woodcut vignette, title with traces of erasure as well as backed tears in margin, leaves h ii and L I with small restored marginal tear-out, some underlinings and marginalia by contemporary hand in ink, isolated stains, here and there some waterstains. – From the library of the publisher J. Casterman. – Contemporary restored blind-pressed calf over wooden boards. – See illustration on plate 6.

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EINBLATTDRUCKE – TÜRKEN – BARTHOLOMAEUS DE CAMERINO, Ablaßbrief zum Besten des Kampfes gegen die Türken (Incipit: „Nos Bartholomaeus de Camerino“). Einblattdruck mit großer Holzschnitt-Initiale. O. O., Dr. und J. (Nürnberg, Augustiner-Eremiten, 1484). Qu.-4° (Schriftspiegel: 12,3 x 20,6 cm, Blattgr.: 20,3 x 30,8 cm). 33 Zl. Loses Bl., ohne Einband. (50) 2.000,GW (Einbl.) 409. GW 03431. VE 15 B-18. BSB B-107. Holter, Ablaßbriefe, 3. – Urkundenformular (hier nicht ausgefüllt) des päpstlichen Legaten Sixtus IV., Bartholomäus de Camerino, für Ablaßzahlungen zugunsten der Türkenkriege. – Der GW verzeichnet 13 verschiedene Drucke des Ablasses, von dieser Nürnberger Variante aber nur ein einziges Exemplar im Katalog der BSB München nachweisbar, das laut GW vermißt wird. – Makulaturblatt: Ränder mit einigen Läsuren, Eckabriß und kleinem Loch sowie etw. leimschattig, Text nur gering fleckig, leicht gebäunt, rückseitig mit blassem Stempel (nicht leserlich). – Siehe Abbildung Seite 31. Questionnaire (not filled in here) by the pontifical legate Sixtus IV, Bartholomäus de Camerino, for payments of indulgence for the benefit of the Turkish wars. – GW lists 13 different printings of this letter of indulgence, but only one copy of this Nuremberg version is recorded in the catalogue of the BSB Munich which, according to GW, is missing. – Waste sheet: Margins somewhat damaged, torn off corner and small hole as well as some glue traces, text minimally soiled, slightly browned, verso with faint stamp (not legible). – Loose leaf, not bound. – See illustration on page 31.

Nr. 109

Erster Heidelberger Druck 109

(EVRARDUS DE VALLE SCHOLARUM, PSEUD.:) HUGO DE PRATO FLORIDO, Sermones de sanctis. Heidelberg, H. Knoblochtzer, 1485. Fol. Mit einer Initiale mit auslaufendem Federwerk sowie zahlr. in Rot eingemalten Initialen. 286 nn. Bl. (das letzte weiß). Beschäd. blindgepr. Kalbleder auf Holzdeckeln. (55) 18.000,Erste Ausgabe. – Goff H 513. IGI 4916. BMC III, 666. GW 9489/20. BSB E-134. – „Seine 'Sermones de sanctis' sind unter dem Namen Hugo de Prato Florido gedruckt. Durch die handschriftliche Überlieferung scheint die Zuweisung an Evrardus gesichert“ (GW). – Einband mit Rautenmuster, Rundstempeln mit Lamm Gottes, Evangelistensymbolen und floralen Motiven. – Mit Makulatur aus einer hochmittelalterlichen liturgischen Handschrift mit Neumen, wenige Bl. mit kleinen Randausrissen, einzelne Kolumnentitel von alter Hand korrigiert, winzige Wurmspuren im Rand, unterschiedlich gebräunt, stellenw. etw. fleckig. – Wappenexlibris von Albert Ehrmann (1890-1969) sowie Exlibris der „Bibliotheca Broxbourniana“, der Titel mit hs. Besitzvermerk des Salzburger Petersklosters. – Siehe Abbildung. First edition. – With waste sheet from a liturgial manuscript with neumes of the high Middle Ages, some leaves with small marginal tear-outs, some page titles corrected by contemporary hand, tiny worm traces at margin, variable browning, here and there a little soiled. – Armorial exlibris of Albert Ehrmann (1890-1969) and exlibris of „Bibliotheca Broxbourniana“, title with ms. ownership entry of the Salzburg Peter's monastery. – Damaged blind-pressed calf over wooden boards. – See illustration.


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Inkunabeln

Goff F 204. GW 10014. – Dritter (und letzter) Teil der „Sententiarum variationes“ des Stephanus Fliscus. – Druckerzuweisung nach dem Gesamtkatalog, Goff vermutete den Autor des vorliegenden Anhangs, Carcain Traversanus (latinisiert Guillermus Saphonensis), als Drucker. – Fleckig, einige alte Vermerke.

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JACOBUS DE VORAGINE, Legenda aurea, italienische Übers. von Niccolò Malermi. Venedig, N. Jenson, (1475/76). Fragment mit 278 Bl. Mit einigen in Blau eingemalten Initialen. Ldr. d. 19. Jhdts. im Stil d. Zt. (leicht berieben und bestoßen). (55) 600,Goff J 174. IGI 5037. GW M11488. – Nicht in den Katalogen des British Museum und der BSB. – Der Druck umfaßt vollständig 316 Blätter. In unserem Exemplar fehlen die ersten 17 und die letzten 16 Bl. sowie fünf innerhalb des Buchblocks (fol. 18-300, alt hs. numeriert). – Ein Bl. mit Marginalien; fleckig und gebräunt. – Erstes Bl. mit Stempel der Bibliothek Gustavo Camillo Galletti (1805-1868; nicht bei Lugt), die viele Inkunabeln enthielt.

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Nr. 113

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FALCUCCI, N., Sermonum liber scientie medicine qui continet octo sermones. Venedig, B. Locatellus für O. Scotus, 1507. Gr.-Fol. Fragment der Sermones II und III. Restauriertes Schweinsldr. d. Zt. über Holzdeckeln (einige Wurmlöcher, fleckig, beschabt und bestoßen). (55) 1.000,EDIT 16 CNCE 38444. Durling 1423. – Nicht bei Adams und im STC. – Seltene, besonders schön gedruckte Postinkunabel in gotischer Type und mit Holzschnitt-Initialen in Nachahmung von Miniaturen. – Vorhanden der zweite Teil „De febribus“ (251 num., 1 nn. Bl.) sowie ein Bruchstück des dritten „De membris capitis“ (bis Bl. 85). – Die im Buchblock fehlenden Bl. am Anfang und Ende durch weiße ersetzt, stellenw. kleine Wurmgänge, etw. wasserrandig, fleckig und gebräunt. Rare, particularly beautifully printed post-incunable in Gothic type and with woodcut initials imitating illuminations. – There is the second part „De febribus“ (251 numbered, 1 unnumberd leaf) as well as a fragment of the third „De membris capitis“ (till leaf 85). – The leaves missing in the book-block at the beginning and the end are replaced by blank ones, here and there minor worming, some waterstains, soiling and browning. – Contemporary restored pigskin over wooden boards (some worm holes, soiled, scratched and scuffed).

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FLISCUS – GUILLERMUS SAPHONENSIS, Epistolarum conficiendarum ars. (Lyon, Drucker des Baldovinus Sabaudiensis, um 1495-1500). 4°. 7 Bl. Mod. Ldr. (55) 200,-

LACTANTIUS, L. C. F., Opera. (Venedig, Adam de Ambergau, 1471). Fol. Mit eingemaltem Wappen auf dem ersten Bl. und 6 Rankeninitialen mit Vergoldung (beides in Deckfarben) sowie einigen eingemalten Initialen in Rot und Blau. 202 (statt 220) Bl. Mod. Ldr. (Gelenk gebrochen, beschabt und bestoßen). (54) 5.000,Goff L 4. IGI 5622. BMC V, 188. GW M16549. BSB L-4. – Enthalten sind die „Divinae institutiones“, „De ira Dei“ und „De opificio Dei“. – Zum dem vermutlich aus Ammergau in Oberbayern stammenden Drucker vgl. ADB I, 42. – Das Wappen im Fußsteg des ersten Blattes, in einem von Putten getragenen Lorbeerkranz, zeigt einen Baum über einem Erdhügel oder Bienenstock. Die Deckfarben-Initialen mit vergoldeten Buchstabenkörpern und weißen Ranken vor blau-grünem Grund im Stil der hochmittelalterlichen italienischen Riesenbibeln. – Es fehlen am Beginn die Bl. 1-12, d. h. das erste weiße Bl., die Rubriken und Kapitelverzeichnisse, die „Errata von Antonius Raudensis“ und das Scheltgedicht gegen Antonius von Adam Genuensis; am Ende fehlen die Bl. x 3-8 mit „De ave Phoenice“, den Auszügen aus Ovids Metamorphosen und aus Dantes Divina Commedia, dem Druckvermerk und den Versen „De resurrectione domini“ von Venantius Fortunatus sowie das weiße Blatt. – Gegen Ende mehrere Bl. mit kleinen, tls. hinterlegten Fehlstellen (etw. Textverlust), die hs. eingetragenen Kolumnentitel und die hs. Foliierung tls. beschnitten, die blauen Initialen meist verblichen, einzelne Marginalien, Handhinweise und Unterstreichungen, wenige Bl. gebräunt und fleckig. – Exlibris mit der Devise „Torcular calcavi solus“ des Bibliographen und Inkunabelsammlers John Auguste Madden (1808-1889) sowie mod. Exlibris von L. Froissart. – Siehe Abbildung. Lacks at the beginning leaves 1-12, i. e. the first blank leaf, the captions and chapter indexes, the „Errata by Antonius Raudensis“ and the scolding poem against Antonius by Adam Genuensis; lacks at the end leaves x 3 – x 8 with „De ave Phoenice“, the extracts from Ovid's metamorphoses and from Dante's Divina Commedia, the imprint and the verses „De resurrectione domini“ by Venantius Fortunatus as well as the blank leaf. – Towards the end several leaves with small, partly backed defects (some loss of text), the captions


Inkunabeln

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and consecutive numbering partly cropped, the blue initials mostly faded, isolated marginalia, references by hand and underlinings, some leaves browned and soiled. – Exlibris with the motto „Torcular calcavi solus“ of the bibliographer and collector of incunables John Auguste Madden (18081889) as well as modern exlibris of L. Froissart. – Modern calf (joint broken, scratched and scuffed). – See illustration.

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(LUDOLPHUS DE SAXONIA), Vita Christi. Niederländisch: Dat booc vanden leven ons liefs here(n) ihu cristi. Zwolle, P. van Os aus Breda, „MCCCCcXIX“ (= 1499). Fol. Mit Titelholzschnitt, großer Holzschnitt-Initiale, 160 (28 ganzseit.) tls. aus mehreren Stöcken zusammengesetzten Textholzschnitten, Druckermarke am Schluß und einigen rot eingemalten Initialen. 10 nn., CCCXLVII (recte 345) num. Bl., 1 weißes Bl. Blindgepr. Ldr. des 19. Jhdts. im Stil der Spätgotik mit zwei Messingschließen (leicht berieben und bestoßen). (55) 18.000,Sechste niederländische (fünfte illustrierte) Ausgabe, der zweite Druck bei van Os. – Goff L 357. GW M19276. Campbell-K. 1185. Hollstein XII, 200. – Die holländischen Ausgaben der Vita Christi des Ludolphus zeichnen sich durch besonders reiche, künstlerisch hochstehende Illustrationen aus. Die Holzschnittfolge wird hier nach den Ausgaben von 1487/88 mit sechs erneuerten Stöcken benutzt. Sie wird hauptsächlich dem sogenannten „Second Gouda woodcutter“ und dem „First Antwerp woodcutter“ zugeschrieben, „hervorzuheben sind die teils nach der Kölner Bibel kopierte Serie vom Meister der Virgo inter Virgines und die Holzschnitte des Second Gouda woodcutter, die weitgehend auf Israel van Meckenems kleiner Passionsfolge basieren“ (von Arnim 216, zur Ausgabe Zwolle 1495). – Laut ISTC nur ein Exemplar in den USA und zwei in Deutschland (nicht in der BSB). Nicht im Katalog des British Museum. – Einige Holzschnitte alt von Laienhand ankoloriert (wenige auch vollständig koloriert). – Vorderer Vorsatz alt restauriert und mit einigen Besitzeinträgen, hinterer Vorsatz erneuert, Titel angefalzt und mit Randläsuren, die letzten acht Bl. mit alt restaurierten Ausrissen im oberen Rand (tls. mit etw. Textverlust) und tls. angefalzt; einzelne meist ältere Marginalien, stellenw. kleine Wasserränder, durchgehend fleckig und gebräunt (Titel stärker). – Siehe Abbildung.

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MAILLARDUS, O., Sermones de adventu, quadragesimales, domininicales cum aliis sermonibus. Sermones de stipendio peccati et gratiae praemio. 3 Tle. in 1 Bd. Lyon, J. de Vingle, 1498. Mit großer schwarzgrundiger Druckermarke am Ende von Tl. II und zahlr. schwarzgrundigen HolzschnittInitialen. 6 nn., LXXVII num., 1 weißes, CXI (recte CXIII) num., 1 nn., CV num., 1 nn. Bl. (ohne die Lage AA = 8 nn. Bl. von Tl. II). Pgt. um 1900 (leicht fleckig). (54) 1.000,Goff M 73. IGI 5974, 5979 und 5977. BMC VIII, 314, Anm. GW M 19985. BSB M-26. Baudrier XII, 305. – Zweiter Druck dieser Sammlung im Jahr der ersten Ausgabe, vom 5. November bis 10. Dezember 1498 hergestellt (der erste Druck war von Mai bis August gedruckt worden). – Der Franziskaner Olivier Maillard (geb. um 1430, gest. 1502) brachte es bis zum Beichtvater von Kaiser Karl V. und hat

Nr. 114 sich in der Kirchengeschichte als „gewaltiger, gesuchter und gefürchteter Volksprediger“ (LThK VI, 798) einen Namen von bleibendem Ruhm erpredigt. Ähnlich wie später bei Abraham a Sancta Clara sind Maillards Sermone mit viel Unklassischem, Vulgären durchsetzt, was ihm von Jöcher (III, 49) den Tadel einbringt, er habe die Laster seiner Zeit „zuweilen mit fast lächerlichen Ausdrückungen, aufs hefftigste bestraffet.“ Tatsächlich geißelte er freimütig die Grausamkeiten des französischen Königs, und als einen entschiedenen Kämpfer gegen den päpstlichen Ablaßhandel in dessen Hochblüte kann man ihn diesbezüglich durchaus als Vorläufer Luthers bezeichnen. – Es fehlt die Tabula zum zweiten Teil (= Lage AA). Erster Teil mit Wurmloch im Seitensteg (vereinzelt ganz geringe Buchstabenberührung), Titel des zweiten Teils mit altem, hs. Besitzvermerk; alle Teile gebräunt und fleckig. Kopfsteg tls. knapp beschnitten, wenige einzelne Buchstaben und Zahlen von Kolumnentitel und Pagina minimal angeschnitten. – Mod. Exlibris in Holzschnitt, entworfen 1960 von Charles Favet (1899-1982) für Augustin Seguin (1889-1965) aus der dritten Generation der französischen Industriellenfamilie der Seguin. – Der Einband stellt ein schönes Beispiel für eine gelungene historistische Buchdecke dar: beide Deckel mit Fileten in Rot, die auf den inkunabelzeitlichen Brauch des Reglierens anspielen, auf dem Rücken die Beschriftung „O. Maillardi – Sermones“ mit Initialen „M“ und „S“ in Rot, beide mit Federwerk in Rot und Schwarz, und zwischen dem Titel und dem Erscheinungsjahr am Fuß ein großes Zierstück in Rot, alles in Deckfarben in feiner Ausführung auf die mit spanischen Kanten ausgestattete Pergamentdecke aufgemalt. Second issue of this collection in the year of first edition, printed from November 5th to December 10th, 1498 (the first issue had been printed from May to August). – Lacks tabula to second part (= quire AA). – First part with wormhole at


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Inkunabeln

margin (occasionally affecting letters), title of second part with old ms. ownership entry; all parts browned and soiled. Upper margin partly closely trimmed, some letters and numbers of column titles and pagination minimally cut. – Modern exlibris for Augustin Seguin (1889-1965) from the third generation of the French Seguin industrialist family. – Vellum around 1900 (slightly soiled).

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NICOLAUS DE AUSMO, Supplementum summae Pisanellae. – ASTESANUS, Canones poenitentiales. – ALEXANDER DE NEVO, Consilia contra Judaeos faenerantes. Venedig, F. Renner und Nikolaus von Frankfurt, 1476. Kl.-Fol. 355 Bl. (ohne das erste weiße Bl.). Pgt. des 18. Jhdts. (Vorderkante des Vorderdeckels aufgeplatzt, Ecken bestoßen, beschabt, fleckig). (54) 3.000,-

First edition. – Lacks leaves Aa 8 and U 6. – Front cover with nice frame showing hunting scenes bordering the inner area decorated with ornamental elements. – Title with ownership entry of the Herrenchiemsee monastery, small worm traces (minor loss of letters), waterstains here and there, hardly soiled. – Engraved exlibris of Jacob Mayr (1699-1717), provost of Herrenchiemsee. – Modern half calf by using the old covers.

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Erste Koberger-Ausgabe, die dritte insgesamt. – Goff P 717. IGI 7775. BMC II, 421. GW M 33692. BSB P-520. – Es fehlen die Blätter a I-II mit den Briefen 1-3. – Mit hs. Besitzvermerken von Johann Weikhard von Auersperg (16151677) und Wolfgang Engelbert von Auersperg, datiert 1655. – Das Bl. 5 weitgehend lose, Bl. 6 mit Fehlstelle im Bundsteg, ein Bl. mit Einriß im Kopfsteg, anfangs mit kleinen Wurmspuren (kaum Buchstabenverlust); mehrere zeitgenössische Marginalien, gegen Ende Braunfleck in der unteren Ecke, sonst nur wenig fleckig. – Aus der Fürstlich Auerspergischen Fideikommißbibliothek in Laibach.

Goff N 67. IGI 6872. BMC V, 193. GW M 26253. BSB N72. – Enthält die Fortsetzung der 1338 vom Dominikaner Bartholomaeus de Sancto Concordio (Bartolomeo da San Concordio; 1262-1347) verfaßten „Summa Pisanella“, die vom Franziskaner Nicolaus de Ausmo (Niccolò da Osimo) 1444 fertiggestellt wurde. Die Erweiterungen des Nicolaus beziehen sich vor allem auf die juristischen Elemente der Summa Pisanella. Der zweite Teil stammt von dem Minoriten Astesanus (Astesano d'Asti), der um 1330 gestorben ist. Im dritten Teil behandelt Alexander de Nevo (Alessandro Nievo; gest. 1484) aus christlicher Sicht jüdische Geldverleiher. – Einige Handhinweise und wenige Glossen von alter Hand in Tinte, tls. etw. gebräunt, leicht fleckig. – Aus klösterlichem Besitz mit altem hs. Eintrag auf dem ersten Blatt: „spectat ad Conventum Pauli Spoleti“ (Convento di San Paolo inter vineas in Spoleto, der von 1461-1865 bestand). Some ms. indications and a few glosses by contemporary hand in ink, partly a little browned, slightly soiled. – From the possession of a monastery with old ms. entry on first leaf: „spectat ad Conventum Pauli Spoleti“ (Convento di San Paolo inter vineas in Spoleto, existing from 1461-1865). – Vellum of the 18th century (lead edge of front cover bursted, corners scuffed, scratched, soiled).

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PETRUS LOMBARDUS – BONAVENTURA, S., Quaestiones in IV libros sententiarum Petri Lombardi, a Johanne Beckenhaub emendatae. Bd. II (von 5). (Nürnberg, A. Koberger, 1491). Fol. Mit einer größeren und einigen kleineren eingemalten Initalen in Rot. 258 (statt 260) Bl. Mod. Hldr. unter Verwendung der alten Deckel. (54) 2.500,Erste Ausgabe. – Goff P 486. GW M32527. BMC II, 433. BSB P-387. – Seltene Ausgabe von Bonaventuras Kommentar, die vier Teile und einen Registerband umfaßt. – Der Name des Druckers wird im Widmungsbrief in Band I genannt. – Es fehlen die Blätter Aa 8 und U 6. – Vorderdeckel mit hübschem Jagdfriesrahmen um das ornamental geprägte Binnenfeld. – Titel mit Besitzeintrag des Klosters Herrenchiemsee, kleine Wurmspuren (minimaler Buchstabenverlust), stellenw. wasserrandig, kaum fleckig. – Gestoch. Exlibris von Jacob Mayr (1699-1717), Propst von Herrenchiemsee.

PIUS II. (AENEAS SILVIUS PICCOLOMINI), Epistolae familiares. Nürnberg, A. Koberger, 1481. Fol. Mit zahlr. eingemalten Initialen in Rot und Blau, durchgehend rubriziert. 244 (statt 246) Bl. Stark beschäd. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln. (54) 2.000,-

First Koberger edition, the third altogether. – Leaf 5 to a great extent loose, leaf 6 with defect at inner margin, one leaf with tear at upper margin, at the beginning minor worming (hardly affecting letters), several contemporary marginalia, brown stain towards the end at lower corner, otherwise hardly soiled. – From the princely Auersperg Library at Laibach. – Contemporary heavily damaged calf over wooden boards.

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REUCHLIN, J., Vocabularius breviloquus – GUARINUS VERONENSIS, Ars diphthongandi – JOHANNES HEYNLIN DE LAPIDE, De arte punctandi dialogus – TRACTATUS de accentu. Nürnberg, (A. Koberger), 1498. 388 nn. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. um 1600 auf Holzdeckeln mit intakten Schließen (beschabt, fleckig). (50) 2.500,Goff R 169. IGI 8338. BMC II, 438. GW M 37923. BSB R-156. Benzing, Reuchlin, 17 und S. 1: „Der Vocabularius breviloquus ist ein lateinisches Wörterbuch, das Reuchlin wohl im Auftrag des Druckers Johann Amerbach zu Basel in jungen Jahren zusammengestellt hat. In keiner der zahlreichen Druckausgaben wird er als Verfasser bezeichnet. Aber nach seinem ausdrücklichen Zeugnis und einer Äußerung Melanchthons ist er als solcher anzusehen. In der Reuchlinliteratur ist stets von 25 Ausgaben bis zum Jahre 1504, in dem die letzte erschien, die Rede. Diese Zahl ist nicht mehr haltbar: es gibt in Wirklichkeit nur 22 sichere Ausgaben, davon 20 in der Wiegendruckzeit.“ – Vorliegend die 17. Ausgabe, die erste bei Koberger gedruckte. – Titel außerhalb des Textes an einigen kleinen Stellen angefasert, Lage l gelockert, Bl. q(8) am Fußsteg etw. eingerissen, durchgehendes Wurmloch am Fußsteg, erste und letzte Lage mit geringen Randschäden und kleinen Wurmlöchern (minimaler Buchstabenverlust); gebräunt, tls. fleckig und stärker wasserrandig. Letztes Bl. verso mit Schenkungsvermerk von 1586. – Nicht im Jahrbuch.


Inkunabeln

Here the 17th edition, the first printed by Koberger. – Title outside text neatly restored at some places, quire l loosened, leaf q(8) somewhat torn at lower margin and with worming throughout, first and last quire with minor tears in margin and small wormholes (minor loss of letters); browned, partly soiled and with stronger waterstains. Last leaf verso with donation note of 1586. – Not at Jahrbuch. – Blind-pressed pigskin around 1600 over wooden boards with 2 working clasps (scratched, soiled).

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Considerations to the pericopes of Sundays and the saint's days of the church year; written by the Spanish Dominican and cardinal Juan de Torquemada (1388-1468). The work was already published several times during the incunabula period: the first edition was published at Rome in 1477; here one of 2 editions published the following year (the other published by Petrus in Altis de Olpe at Cologne), we have here the second or third edition altogether. – Vol. I: The blank leaf a 1 with contemporary owner's name in ink, not clearly legible, reaching over the whole page, with half-page initial letter „R“. Lavishly rubricated, the illuminated initials often with penwork. – From the possession of the Franciscan monastery of Ingolstadt with ms. note on first leaf: „Ad Bibl(iothecam) P. P. [Patrum] Franciscan(orum) Ingolst(adiensium)“. – Vol. II: Without the blank leaves A 1 and M 10. – Leaf M 9 verso with slightly erased stamp. – Also rubricated throughout, less lavishly than the first volume, by the hand of another rubricator, particularly apparent at the initials which are now regular and rather severe compared to the light and variable forms in the first volume. – Both vols.: Slightly browned, minimally soiled, partly with some waterstains. All volumes with ms. consecutive numbering, partly incorrect, from a more recent period in pencil. – Minimally differing in size, as well as in blind tooling of covers and colouring of edges (I: blue, II: red). – Two well preserved and rare printings from the printing office of the Nuremberg printer Creussner, very attractive due to their creative difference. – Modern blindpressed calf.

TURRECREMATA, J. DE, Quaestiones evangeliorum de tempore et de sanctis. Mit Vorrede des Autors an das Kardinalskollegium. 2 Bde. Nürnberg, F. Creussner, 1478. Fol. Mit zahlr. in Rot eingemalten Initialen, durchgehend rubriziert. 186, 100 Bl. Mod. Ldr. (54) 8.000,Goff T 546. IGI 9888. BMC II, 450. GW M 48299. BSB T-565. – Erörterungen zu den Perikopen der Sonntage und der Heiligenfeste des Kirchenjahres; verfaßt vom spanischen Dominikaner und Kardinal Juan de Torquemada (Johannes de Turrecremata; 1388-1468). Das Werk wurde bereits in der Inkunabelzeit mehrfach aufgelegt: der Erstdruck erschien 1477 in Rom; vorliegend eine von 2 im Jahr darauf erschienenen Ausgaben (die andere hat Petrus in Altis de Olpe in Köln verlegt), hier also die zweite oder dritte Ausgabe überhaupt. Bd. I: Das weiße Bl. a 1 mit einem über die ganze Seite reichenden, nicht eindeutig lesbaren zeitgenössischen Besitzernamen in Tinte mit einem halbseitigen Initialbuchstaben „R“. Üppig rubriziert, die eingemalten Initialen vielfach mit Federwerk. – Aus dem Besitz des Franziskanerklosters Ingolstadt mit dem hs. Vermerk auf dem ersten Blatt: „Ad Bibl(iothecam) P. P. [Patrum] Franciscan(orum) Ingolst(adiensium)“. – Bd. II: Ohne die weißen Bl. A 1 und M 10. – Bl. M 9 verso mit leicht rasiertem Stempel. – Ebenfalls durchgehend, aber weniger reich als der erste Band rubriziert und von der Hand eines anderen Rubrikators, was besonders an den Initialen auffällt, die im Unterschied zu den vielfach variierten, spielerisch abgewandelten, oft recht leichten Formen im ersten Band nun gleichmäßig und eher schwer und massiv durch die vom Schreiber bevorzugte quadratische Strenge wirken. – Beide Bde.: Leicht gebräunt, gering fleckig, tls. etw. wasserrandig. Alle Bl. mit hs. Foliierung, tls. fehlerhaft, aus neuerer Zeit in Bleistift. – Im Format geringfügig abweichend, ebenso in der Blindprägung der Deckel und in den Einfärbungen der Schnitte (I: blau, II: rot). – Zwei wohlerhaltene, seltene Drucke aus der Offizin des Nürnberger Druckers Friedrich Creussner, gerade auf Grund ihrer kleinen gestalterischen Unterschiede von hohem ästhetischen Reiz.

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VERGILIUS MARO, P., Opera. Mit Kommentar von Maurus Servius Honoratus. Venedig, B. de Tortis, 1487. Fol. 235 (statt 242) Bl. (ohne die letzten 6 Bl. und das weiße Schlußblatt). Mod. Ldr. (leicht berieben). (55) 800,Goff V 178. GW M49829. BSB V-119. Schweiger II, 1152: „Enthält die kleinern Gedichte, aber nicht den Commentar des Domitius, und ist vielleicht eine Wiederholung der ersten Ausgabe des Bapt. de Tortis von 1483.“ – Der ISTC weist nur zehn komplette Exemplare weltweit nach, darunter drei in den USA. – Nicht im Katalog des British Museum. – Fol. 1r. (leer) mit gestrichenen Besitzeinträgen, anfänglich mehrere Bl. mit restaurierter unterer Ecke; einige alte Marginalien (tls. beschnitten), einzelne Initialen laienhaft eingemalt, durchgehend etw. fleckig und gebräunt.

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bis 125 entfallen.


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Nr. 254


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Alte Drucke und alte Theologie

Nr. 233

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ALAMANNI, L., La coltivatione. Florenz, (B. Giunta), 1549. Mit 2 wdh. HolzschnittDruckermarken. 102 num., 1 nn. Bl. Spät. Pgt. mit Rsch. (etw. fleckig und bestoßen). (49) 250,-

P. Bellère, 1576. Mit Druckermarke auf dem Titel. 8 nn., 147 (recte 418) num., 14 nn. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. (beschabt, bestoßen, fleckig). (22) 200,-

Adams A 411. STC 12. IA 102.052. Gamba 17, Anm. – Hauptwerk des Luigi Alamanni, eines Vertrauten der Medici, der sich nach dem Sturz der Republik 1530 nach Paris begab, wo seine Bildung und Gewandtheit ihm das Vertrauen von König Franz I. und König Heinrich II. verschafften. Er war u. a. französischer Botschafter bei Karl V. Sein Ruhm beruht vor allem auf seinem von Vergils „Georgica“ inspirierten Gedicht über den Landbau. – Vorsätze mit Wurmspuren, Titel mit Besitzeintrag von alter Hand, stellenw. fleckig.

Erster Druck der ersten Ausgabe. – IA 103.758. – Vgl. STC 24 (zweiter Druck 1577). – Nicht bei Adams. – Dogmatisch-exegetisches Wörterbuch und Personenlexikon zur Bibel in einem Alphabet. – Vorsatz mit alter hs. Widmung, Titel gestempelt und mit mehreren alten Besitzvermerken (teils gestrichen), gebräunt, fleckig. – Selten.

ALLOTT, W., Thesaurus bibliorum, omnem utriusque vitae antidotum secundum utriusque instrumenti veritatem & historiam succincte complectens. Antwerpen, G. van den Rade für

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ANGELI, P., Epithalamium in nuptias Francisci Medicis et Ioannae Austriacae. Florenz, Giunta, 1566. 4°. Mit Titelholzschnitt. 20 S. Pgt. d. Zt. (Deckel gewölbt, fleckig). (54) 300,STC 29. EDIT 16 CNCE 1787. IA 105.677. – Hochzeitsgedicht des Neulateiners. – Mehrf. gestempelt, angeschmutzt und wasserrandig. – Mod. Exlibris.


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Alte Drucke und alte Theologie

Nachdruck der von Bebel 1538 gedruckten Ausgabe, besorgt von Hieronymus Gemusaeus. – Adams A 1743. IA 108.137. VD 16 A 3284. Hieronymus, Griech. Geist, 113 Anm. Schweiger I, 57. Cranz 49. – Diese Ausgabe nicht im STC. – Enthält auch Melanchthons „De vita Aristotelis“ und von J. L. Vives „De Aristotelis operibus censura“. – Titel im Rand etw. angeschmutzt und mit kleinen Läsuren, einige Blattweiser, insgesamt sehr sauber und wohlerhalten. – Titel mit Besitzvermerk und Stempel der Kartause Buxheim. – Auf dem vorderen Innendeckel großes prachtvolles Wappenexlibris des Georg Keuther aus Königsberg (Ostpreußen) in Deckfarben über Federzeichnung mit Datum 1559. Von Keuther ist auch ein Stammbuch erhalten, und er ist als Auftraggeber von Handschriften belegt; seine Initialen „G K R“ [Georgius Keutherus Regiomontanus] sind auch auf den Einband geprägt. – Siehe Abbildungen Tafel 6. Reprint of the edition printed by Bebel in 1538. – On upper inner cover large magnificent armorial bookplate of Georg Keuther from Königsberg (East Prussia) in gouache over pen and ink drawing dated 1559. There exists also an album amicorum by Keuther and he is known to have commissioned manuscripts; his initials are stamped on the binding. – Contemporary blind-pressed half pigskin over four double bands, boards covered with vellum from a missal of the 14th century, with large penwork initial „P“ on front cover (some soiling, rubbing and scuffing). – See illustrations on plate 6.

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ARISTOPHANES, Veteris comoediae princeps: Poeta longe facetissimus & eloquentissimus. Ed. N. Frischlin. Frankfurt, J. Spies, 1586. Mit 2 Druckermarken. 8 nn., 368 num. Bl. Flex. Pgt. d. Zt. (49) 800,STC 40. Adams A 1718. IA 107.677. VD 16 A 3269. Ebert 1088. Hoffmann I, 268: „Rarissima editio.“ Wilhelmi-Seck 82. – Erste Ausgabe in der Bearbeitung des schwäbischen Dichters und Philologen Frischlin, mit dessen Biographie des Aristophanes. Griechisch-lateinischer Paralleldruck. – Besitzvermerk des Barons Diepenbroick, erstes und letztes Blatt leicht beschädigt.

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ARISTOTELES, Opera, Latinitate partim antea, partim nunc primum a viris doctissimis donata. Bde. I und II (von 3) in 1 Bd. Basel, J. Oporinus, 1548. Fol. Mit Druckermarke auf dem Titel sowie einigen figürlichen Holzschnitt-Initialen und -Diagrammen. 12 Bl. (letztes weiß), 211 S., 4 Bl., 677 S. Blindgepr. Hschweinsldr. d. Zt. über vier Doppelbünden, Deckel mit Pergamentbezug aus einem Missale d. 14. Jhdts. mit großer FederwerkInitiale „P“ auf dem Vorderdeckel (etw. fleckig, berieben und bestoßen). (91) 5.000,-

– Ethicorum libri decem, ad Nicomachum conscripti. I. Argyropylo & D. Lambino interpretibus, cum D. Acciaioli commentarijs & R. Volateran(i) argumentis. Venedig, Bertano, 1576. Fol. Mit Druckermarke auf dem Titel und dem letzten Blatt sowie einigen Textholzschnitten. 20 nn., 209 num., 1 nn. Bl. Pgt. d. Zt. mit Rtit. (Gebrauchsspuren). (49) 400,EDIT 16 CNCE 2984. IA 108.609. Riley 108. – Nicht im STC und bei Adams. – Im Kolophon 1575 datiert. – Titel verso mit Bibliotheksmarke, einige Zierstücke ankoloriert, stellenw. mit Wurmspuren (kleiner Textverlust), tls. leicht gebräunt und wenig fleckig.

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– Organum. Iul. Pacius recensuit, atque ex libris cum manuscriptis tum editis emendavit. Editio secunda. 2 Tle. in 1 Bd. Frankfurt, A. Wechels Erben, C. Marne & J. Aubry, 1597. 4°. Mit zahlr. Textholzschnitten. 8 Bl., 895 S., 4 Bl., 436 (recte 536) S. Restauriertes blindgepr. Ldr. d. Zt. (54) 800,VD 16 A 3528. Adams A 1867. IA 108.754. Ebert 1123, Anm.: „Jede von beiden Ausgaben [die erste von 1584, die zweite von 1597] hat Varianten aus Manuskripten, welche die andere nicht hat.“ Hoffmann I, 294: „Perperam in Fabricii Biblioteca graeca III, 333, dubitatur de hac rarissima editione.“ – Nicht im STC. – Griechisch-lateinischer Paralleltext. – Im zweiten Teil mit eigenem Titelblatt, aber zum Druck gehörig, „In Porphyrii isagogen et Aristotelis organum commentarius analyticus“ vom Herausgeber des Organon. – Vorsätze erneuert, Titel aufgezogen, mit Wurmspuren (minimaler Textverlust) und hs. Besitzeintrag, einzelne Marginalien in Tinte, am Ende wasserrandig, leicht gebräunt.


Alte Drucke und alte Theologie

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ARNAUD, C., Thesauri sacrorum rituum epitome. Kaschau, Jesuitendruckerei, 1737. 12°. Mit gefalt. Frontisp. in Holzschnitt. 4 Bl., 337 (recte 338) S., 5 Bl. Ldr. d. Zt. (gering beschabt). (9) 150,-

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Petrik I, 116. – Letzte Ausgabe des erstmals 1637 erschienenen, beliebten und daher in zahlr. Auflagen verbreiteten liturgischen Handbüchleins, verfaßt vom Oratorianer Claude Arnaud (1601-1656) auf der Grundlage des rubrizistischen Klassikers „Thesaurus sacrorum rituum“ von Bartolommeo Gavanti. – Vorsatz mit Besitzvermerk, Titel verso gestempelt; etw. fleckig, leicht gebräunt. – Mod. Exlibris. – Äußerst selten.

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AUGUSTINUS, (PSEUDO-), AURELIUS, Meditationes, soliloquia, et manuale. Köln, B. Bucholtz für A. Mylius, 1598. 12°. Mit Druckermarke auf dem Titel. 291 S., 9 Bl. Blindgepr. Pgt. d. Zt. (Schließbänder fehlen, beschabt, fleckig). (22) 200,-

AVENTINUS (TURMAIR), J., Chronica deß gar alten Hauß Beyern. Frankfurt, J. und S. Feyerabend, 1580. Fol. Mit Druckermarke auf dem Titel, 2 breiten Bordüren auf den Zwischentiteln, 12 Porträts (alles in Holzschnitt) und 6 Textholzschnitten von Jost Amman. 24 nn. (letztes weiß), 424 num., 26 nn. Bl. (Stammtafeln und Register). Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln (beschabt, fleckig und bestoßen, Schließen fehlen). (4) 1.200,Zweite deutsche Ausgabe. – STC 861. VD 16 T 2321. Lentner 2781. Becker 26. – Vollständiges Exemplar mit dem meist fehlenden ersten Teil „Bildnuß oder contrafactur der zwölff ersten alten Teutschen Königen und Fürsten“ (ein Rahmen ankoloriert). – Der große Holzschnitt zeigt synoptische Szenen von Genesis und Sündenfall, die kleineren Holzschnitte den Bau der Stadt Trier, die Schlacht der Barbaren gegen die Römer, den Triumphzug Diokletians etc. – Titel mit Besitzvermerk, Titelvign. kolor., etw. fleckig, zwei Stammtafeln alt untereinander montiert. – Insgesamt recht gutes Exemplar. – Siehe Abbildung Tafel 7. Second German edition. – Complete copy with the mostly missing first part „Bildnuß oder contrafactur der zwölff ersten alten Teutschen Königen und Fürsten“ (one border partly coloured). – The large woodcut shows synoptic scenes from Genesis and the Fall of Man, the smaller woodcuts the construction of the town of Trier, the battle of the barbarians against the Romans, the triumphal procession of Diocletian etc. – Title with ownership entry, title vignette coloured, somewhat soiled, two genealogical tables mounted at an early date one below the other. – Altogether a quite good copy. – Contemporary pigskin over wooden boards (scratched, soiled and scuffed, clasps missing). – See illustration on plate 7.

BAYERN – BAYRISCHEN LANDTSORDNUNG 1553. München, A. Berg, 1598. Fol. Mit 2 Textholzschnitten und 3 gefalt., beidseit. bedruckten Holzschnitt-Tafeln. 9 nn., CXCVII num., 19 nn. Bl. (zwischen Bl. 18/19 und 125/126 jeweils 1 Bl. Zwischentitel eingeb.). Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten Schließen (beschabt, etw. bestoßen, fleckig). (50) 500,Zweite Ausgabe in dieser Form, Nachdruck der Ausgabe Ingolstadt 1553, jetzt jedoch in Schwarzdruck. – STC 71. IA 115.020. VD 16 B 1035. – Das Werk enthält den Augsburger Reichslandfrieden, die Bier- und Branntwein-, die Feuer-, die Fisch-, die Fleisch-, die Leder- und die Apotheken-Ordnung und handelt von den Schulen, Juden, Zigeunern, Spielleuten, Kupplern und zahlreichen weiteren Gruppen und Personenkreisen. Die auf den Tafeln abgebildeten Fische – Karpfen, Hecht, Huchen, Äsche, Barbe etc. – sind die ersten naturgetreuen Darstellungen von Fischen in Deutschland (Belons Fischbuch erschien 1551 in Paris). – Titel gelockert, leicht gebräunt, etw. fleckig. – Nachgebunden 6 weitere Werke zum bayrischen Landrecht der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, davon 2 inkomplette, bei denen der Titel und einige andere Bl. fehlen, und 4 vollständige. Vollständig sind die im VD 16 unter den Nummern B 1030, B 1026 und B 954 angeführten Schriften, ferner die Ernewerte Mandata unnd Landtgebott, vom Kurfürsten Maximilian I. erlassen und 1598 gedruckt.

VD 16 A 4285, 4294 und 4310. IA 110.544. – Nicht im STC und bei Adams. – Drei der mehr als 20 Augustinus untergeschobenen Werke, wie fast immer in einem Druck gemeinsam veröffentlicht. – Titel gestempelt und mit altem Besitzvermerk, gebräunt.

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BEMBO, P., Opera nunc demum ab C. Augustino Curione castigata. Basel, Th. Guarinus, 1567. Mit Druckermarke. 16 Bl., 645 S. Pgt. d. Zt. (leichte Altersspuren). (4) 120,VD 16 B 1657. IA 116.482. – Erster Band (von 3) der gesammelten Werke des Kardinals; enthält die Geschichte Venedigs und die Biographie von Guido Ubaldo. – Sehr schöner Einband aus dem Jesuitenkollegium Burghausen, monogr. und dat. „CFV IVVA ANNO 1585“.

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BENEDICTUS (DE NURSIA), Regula a b. Dunstano dilige(n)ter recognita, cum plusculis alijs a tergo huius explicandis. Paris, Y. Bonhomme (Th. Kervers Witwe), 1544. 16°. Mit Druckermarke in Metallschnitt auf dem Titel und zahlr. Metallschnitt-Initialen sowie unterschiedlichen Holzschnittbordüren auf allen Seiten. 80 Bl. Ldr. um 1860 (etw. beschabt). (61) 600,STC, Suppl., 8. Albareda 67: „Bella ediciò, molt rara.“ – Nicht im IA und bei Adams. – Die Regula Benedicti in der vom Benediktiner Dunstan (um 909-988), Erzbischof von Canterbury, durchgesehenen Fassung. – Vollständig mit dem letzten Blatt, das im einzigen von uns im Handel nachweisbaren Exemplar (1954) wahrscheinlich fehlte (nur 79 Bl., wie das Exemplar der Abtei Ottobeuren auch). – Gebräunt, etw. fleckig. – Exlibris André Le Glay. – Von größter Seltenheit. – Siehe Abbildung.


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Alte Drucke und alte Theologie

die Kupfer mit dem Lutherepitaph, Moses, den 12 Propheten, den Evangelisten, der Stiftshütte sowie Titelbildern zu den einzelnen Bibelbüchern. Die doppelblattgroßen Textkupfer mit Karten des „Irdischen Paradieses und des Landes Kanaan“, dem Reiseweg des Volkes Israel in das Gelobte Land sowie dem Reiseweg der Apostel. – Von den Kurfürstenporträts fehlt das Wilhelms IV. – Dunkelbrauner Lederband mit aufwendig gearbeiteten Buckeln, in den Ecken jeweils die vier Evangelisten, auf dem Vorderdeckel im Zentrum Moses mit den Gesetzestafeln, auf dem Hinterdeckel Jesus als Salvator Mundi. – Mit Siegellack auf den vorderen Vorsatz montierte Notiz: „Den 20. Dezember war die Versammlung in Bisting, von da kommt sie nach Burgwalden ... „, ferner einem hs. Vermerk über den Kauf der Bibel in Augsburg 1842, der hintere mit Einträgen zur Familiengeschichte von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1955. – Die ersten Bl. lose und mit größeren Randläsuren, einzelne Bl. mit Einrissen oder Randausrissen, einzelne kleine Wurmspuren, stellenw. fleckig. – Gestoch. Exlibris der „Bibliotheca Prieseriana“ des Augsburger Ratskonsulenten Johann Heinrich von Prieser (1749-1801; Warnecke 1624). – Siehe Abbildung.

BENEDICTUS DE NURSIA – (LE BOUTHILLIER) DE RANCÉ, A. J., Auslegung der Regul des Heil. Benedicti nach dem wahren Geist, das ist, nach der eigentlichen Meinung dises heiligen Vatters. Aus dem Frantzösischen ins Deutsche übers. durch einen Priester Ord. S. Benedicti. Augsburg, Rieger, 1753. 4°. 8 Bl., 600 S., 10 Bl. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit Rvg. und 2 intakten Schließen (beschabt, etw. bestoßen). (58) 120,Erste deutsche Ausgabe. – Albareda 501. – Die Regula Benedicti mit der reichen Auslegung des Gründers der Trappisten in deutscher Fassung. – Leicht gebräunt, etw. fleckig.

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BIBLIA GERMANICA – BIBLIA, Das ist: Die gantze H(eilige) Schrifft, Altes und Neues Testaments, Teutsch Herrn Doctor Martin Luthers. Mit den Summarien Herrn Johann Sauberti. Samt einer Vorrede Herrn J. M. Dilherrns. Nürnberg, Endter, 1693. Fol. Mit gestoch. Titel, gestoch. Wappen (in Pag.), 12 gestoch. Portrs. (in Pag.), 6 gestoch. Zwischentiteln und über 200 Textholzschnitten von P. Creutzberger und anderen. 26, 1 nn., 12 num. Bl., 938, 32 S., 1 nn. Bl., S. 939-1221, 1 nn. Bl. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln (hinteres Gelenk aufgeplatzt, Beschläge tls. fehlend, 1 Schließe defekt). (3) 600,-

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Jahn 112. Schmidt 485. – Nicht in der BSWL. – „Weimarer Kurfürstenbibel“ mit 11 Porträts der Kurfürsten, Porträt von Luther und dem Ernestinischem Wappen, gleichzeitig die 10. Ausgabe der sogenannten „Dilherr-Bibel“. Bei Schmidt als „Kurfürstenbibel“ geführt. Bei Jahn zwei Varianten ohne die Porträts der Kurfürsten (nur das LutherPorträt in der zweiten Druckvariante vorhanden). – Ohne das Blatt Iiii (laut Jahn weiß). – Zur Holzschnitt-Textillustration (Folge „Endter I“) siehe Schmidt S. 372 ff. – Das (bei Jahn vorgebundene) Lutherportr. von Glotsch (Nr. 12 der Folge) alt aufgezogen (Verlust der Foliierung) und lose, die Kupfer tls. mit großen Ein- oder Ausrissen und Klebespuren, stellenw. etw. fleckig.

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– BIBLIA, das ist: Die gantze Heilige Schrift Altes und Neues Testaments verteutscht von M. Luther. Nürnberg, Endter, 1700. Fol. Mit gestoch. Titel, 33 (4 doppelblattgr.) Kupfertafeln, 17 (statt 18; 3 ganzseit., 4 doppelblattgr.) Textkupfern und doppelblattgr. Tabelle. 23 nn., 11 num Bl. (ohne Bl. 8 und 9), 32 nn. Bl., 686, 950 S. (ohne das zwischengeb. weiße Bl.), 8 nn. Bl. Ldr. d. 19. Jhdts. auf Holzdeckeln mit jeweils 5 Messingbeschlägen sowie 2 Schließen (1 defekt, mit Wurmspuren v. a. an Kopf und Schwanz). (122) 600,BSWL E 1004 (ohne die beiden Ansichten von Jerusalem). Jahn 75. – Die 9. Auflage der Kurfürstenbibel des Endterverlags. – Die doppelblattgroßen Kupfer mit Plänen von Jerusalem, der Arche Noah und der Confessio Augustana,

– BIBLIA, Das ist die gantze Heilige Schrifft, Alten und Neuen Testaments, durch Martin Luthern verteutschet. Anjetzo mit neuen Summmarien... auch mit 250. schönen Kupfer-Figuren gezieret. Hrsg. von Johann Christoph Meelführern. 3 in 1 Bd. Schwabach, M. Hagen für L. Buggel in Nürnberg, 1702. 4°. Mit 2 gestoch. Frontisp., gestoch. Schlußvign. und zahlr. Textkupfern von M. Küsel. 53 Bl., 828, 516 S., S. 3-388. Ldr. d. Zt. mit Rsch., reicher Rvg. und dreiseitigem Goldschnitt (Rsch. wenig durchbrochen, Kopf mit geringem Ausbruch, kleiner Wurmgang auf dem Hinterdeckel, wenig beschabt, leicht bestoßen). (128) 1.200,BSWL E 1027. Schmidt 392: „Melchior Küsel unterschied sich mit seinen Bildern in keiner Weise von anderen Bibelillustratoren seiner Zeit. Spätbarocker Schwulst verunstaltet die dargestellten biblischen Szenen. Barocke Fürstenpracht entstellt Davids und Salomos Bauten. Daneben wird Rembrandt kopiert.“ – Die Illustrationen Küsels waren bereits 1679 separat erschienen und wurden hier erstmals in einen Text eingearbeitet. – Zur Kollation: die BSWL nennt nur 51 Bl. Vorstücke. – Wenig fleckig; am Ende 2 Bl. mit Familienstandseintragungen der schwedischen Adelsfamilie Cederkrantz eingebunden. – Äußerst dekoratives Exemplar. – Siehe Abbildung Tafel 7. Hardly soiled; at the end 2 leaves bound-in with family status inscriptions of the Swedish noble family Cederkrantz. – A very decorative copy. – Contemporary calf with spine label, richly gilt back and three-sided gilt edge (spine label minimally torn, top turn-in with minor break, some worming at rear cover, a little scratched, slightly scuffed). – See illustration on plate 7.

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– BIBLIA, Das ist: Die gantze Heilige Schrifft des Alten und Neuen Testaments. Wie solche von Martin Luther in unsere Teutsche Mutter-Sprach gebracht. Samt einer Vorrede J. M. Dilherrns.


Alte Drucke und alte Theologie

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2 Tle. in 1 Bd. Nürnberg, Endters Erben, 1736. Fol. Mit 2 gestoch. Titeln, 12 ganzseit. Kupferstichportrs. im Text, 6 ganzseit. Textkupfern und zahlr. Textholzschnitten. 48 Bl., 1181 S. (12 Bl. zwischengeb.), 11 Bl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit jeweils 4 Messingbeschlägen auf den Deckeln und 2 intakten Schließen (beschabt, bestoßen und fleckig). (93) 1.500,23. Auflage der Endterschen Dilherr-Bibel. – BSWL E 1322. Jahn 126. – Die Kupferporträts zeigen Martin Luther mit Familie und die 11 Kurfürsten (übernommen aus der Ernestinischen Kurfürstenbibel). – Vorsätze mit Ausrissen, einzelne Blätter mit Einriß, gebräunt, wenig fleckig. – Wohlerhaltenes Exemplar. – Siehe Tafel 7 und Abbildung. The copperplate portraits show Martin Luther with family and the 11 prince electors (taken from the Bible of prince elector Ernst). – Endpapers with tear-outs, some leaves with tear, browned, hardly soiled. – Well preserved copy. – Contemporary blind-pressed calf over wooden boards with 4 brass fittings on covers and 2 intact clasps (scratched, scuffed and soiled). – See plate 7 and illustration.

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– BIBLIA SACRA, oder die ganze Heil. Schrift. Nürnberg, Endter, 1774. Mit gestoch. Frontisp. und zahlr. Textkupfern. 7 Bl., 1224 S., 1 Bl., 352, 126 S. Blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten Schließen (Bezug mit kleinen Fehlstellen, etw. fleckig). (160) 300,Nicht in der BSWL und bei Darlow-Moule. – Mit Besitzvermerken von alter Hand, Frontispiz verso gestempelt, einzelne Marginalien mit Tinte, fleckig. – Auf dem Vorsatz ein Gedicht in barocker Handschrift, dessen Spott wohl auf eine konkrete Person zielte: „Der gott des Sommers, saß auf seinem breiten Thron, / und sand seinen Blitz und seinen Donnerston, / in alle weld und ließ der Erde mark durchdringen / und seines blitzes strahl fuhr nah bey dem vorbey / Von dem man sagt, daß er nicht zu Ersetzen sey / Las uns ein deteum singen“.

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Nr. 143

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– BIBLIA SACRA, oder die Heilige Schrift des alten und neuen Testaments. In deutscher Sprache hrsg. und von unzähligen Sprachfehlern gereiniget von Franz Rosalino. 3 Tle. in 3 Bdn. Wien, Trattner, 1793-94. Mit 3 gestoch. Titeln. 5 Bl., 646 S.; 1 Bl., 703; 376 S., 36 Bl. Hldr. d. Zt. (beschabt, leicht fleckig. (22) 150,Vgl. Darlow-M. 4245 Anm. Meusel XI, 414. Wurzbach XXVI, 342. ADB XXIX, 158: „Endlich machte sich Rosalino dadurch einen Namen, daß er die deutsche Bibelübersetzung von Cartier umarbeitete und zwar dort wo diese Uebersetzung unrichtig war, sie nach der Vulgata verbesserte; wo der Vulgatatext undeutlich war, zog Rosalino den Originaltext zu Rathe und wurde dabei von Patriz Fast, einem trefflichen Kenner der orientalischen Sprachen unterstützt.“ – Nicht in der Bibelsammlung der Württembergischen Landesbibliothek. – Letzte Auflage der erstmals 1781 erschienenen Übersetzung; die gestoch. Titel mit der Jahreszahl 1794. – Titel mit Besitzvermerk, gebräunt, etw. fleckig.

– HEILIGE SCHRIFT des Alten und Neuen Testaments, Die. Aus der Vulgata übers. von J. F. Allioli. Landshut und München, Vogel, 1851. 4°. Mit 2 Stahlstich-Frontisp., farblithogr. Titel und zahlr. Textholzstichen nach J. Schnorr von Carolsfeld u. a. 6 Bl., L, 1244 S., 1 Bl., 371 S., 1 Bl. Ldr. d. Zt. mit reicher Vg. (Vordergelenk etw. brüchig, beschabt). (58) 120,Vgl. Darlow-M. 4377. – Illustrierte Handausgabe der im 19. Jahrhundert unter deutschen Katholiken weitverbreiteten Bibelübersetzung des Augsburger Dompropstes und Orientalisten Allioli. – Gelockert, gebräunt, fleckig. – 5 Beilagen.

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– DAS NEW TESTAMENT so durch den hochgelerten Hieronymum Emser seligen verteutscht. Freiburg, J. Faber, 1529. Mit 3 tls. mehrf. wdh. Holzschnitten auf dem Titel und im Text. 20 nn., 388 num., 28 nn. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. mit Supralibros auf Holzdeckeln mit erneuerten Schließen (Wurmspuren, beschabt, fleckig). (50) 1.500,-


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Alte Drucke und alte Theologie

Nr. 147

Nr. 148

STC 111. VD 16 B 4390. BSWL E 208. – Frühe Ausgabe der erstmals 1527 erschienenen Übersetzung des Neuen Testaments durch den entschiedenen Luthergegner Emser, mit der er Luthers Übertragung verdrängen wollte, durchaus recht erfolgreich, wie die über 100 Ausgaben zeigen, die in mehreren Bearbeitungen vom 16. bis ins 18. Jahrhundert veröffentlicht wurden. Der Titelholzschnitt – Christus mit Geißel, vor ihm der kniende Emser – ist dreimal wiederholt, der symbolische Holzschnitt zweimal, der dritte Holzschnitt (vor dem Römerbrief) zeigt Paulus und Petrus. – Titel mit Stempel (etw. rasiert), Wurmlöcher (geringer Textverlust), leicht gebräunt, tls. knapp beschnitten. – Siehe Abbildung.

Inner joints broken, title with tear-out backed in former times (recto and verso with loss of illustration) and imprint by contemporary hand in ink, leaf B 1 with torn off corner backed at an early date, occasionally with tears, some waterstains and browning, soiling. – Contemporary heavily damaged calf. – See plate 8 and illustration.

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– NEWE TESTAMENT, DAS, auffs new zugericht. (Wittenberg, H. Lufft, 1546). 4°. Mit altkolor. Titelholzschnitt nach Lucas Cranach d. J., 38 altkolor. tls. ganzseit. Textholzschnitten von Lucas Cranach d. Ä. und J. und zahlr. altkolor. Textholzschnitt-Initialen. 4 nn., 479 (recte 480) num. Bl. (1 weißes Bl. zwischengeb.; ohne Bl. 193), 7 nn. Bl. Stark läd. Ldr. d. Zt. (53) 2.000,VD 16 B 4440. STC 112. BSWL E 360. Kind 1189. – Nicht bei Adams. – Der Titelholzschnitt mit dem Gekreuzigten, flankiert von Luther und Johann Friedrich von Sachsen, sowie das Herrscher-Porträt auf der Titelrückseite stammen von Cranach dem J. Die Darstellungen der Apostel und Evangelisten sind aus der Cranach-Werkstatt und vom Monogrammisten „AW“, der auch für die Holzschnitte zur Apokalypse verantwortlich zeichnet. – Innengelenke gebrochen, Titel mit alt hinterlegtem Ausriß (recto und verso mit Bildverlust) und Druckvermerk von alter Hand in Tinte, Bl. B 1 mit alt hinterlegtem Eckabriß, vereinzelt mit Läsuren, etw. wasserrandig und gebräunt, fleckig. – Siehe Tafel 8 und Abbildung.

BIBLIA LATINA – BIBLIA SACRA iuxta Germanam Hebraici idiomatis proprietatem. Übers. von S. Pagnini. Köln, Melchior (für A. Birckmann), 1541. Fol. Mit Druckermarke auf dem Titel. 6 nn., 364 num., 85 nn. Bl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. mit 2 Schließen (Gelenk eingerissen, eine Schließe defekt, Bezug mit einzelnen Fehlstellen, stark bestoßen, Wurmspuren, fleckig). (4) 800,BSWL D 497 (inkomplett). VD 16 B 2616. STC 87. Adams B 1024. – Lateinische Version aus den Urtexten mit „Liber interpretationum Hebraicorum, Arabicorum, Graecorumque nominum“. – Titel mit Besitzvermerk des Franziskanerklosters zu Freiburg von 1648, einzelne Bl. mit Einrissen, anfangs kleine Wurmspuren, tls. etw. gebräunt und fleckig.

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– BIBLIA SACRA, vulgatae editionis Sixti V. pontificis max. iussu recognita, et Clementis VIII. auctoritate edita. Venedig, Pezzana, 1688. Mit gestoch. Titel, gestoch. Titelvign. und ca. 250 Textholzschnitten. 11 Bl., 1089 (recte 1079) S. Fol. Blindgepr. Pgt. d. Zt. mit Rsch. (Gebrauchsspuren). (49) 500,-


Alte Drucke und alte Theologie

STC 106. – Nicht in der BSWL und bei Darlow-M. – Die aus dem 16. Jahrhundert stammenden Holzschnitte mit reich variierten ornamentalen und architektonischen Rahmen in kräftigen Abdrucken. – Vorderer fliegender Vorsatz entfernt, Titel mit tls. getilgtem Besitzvermerk von alter Hand, gegen Ende wasserrandig, kaum fleckig.

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Kayser-D. 59). Dieser Teil ist bei uns nicht beigegeben. – Titel mit Besitzvermerken. Etw. gebräunt und fleckig, teilw. wasserrandig, vereinzelt angeschmutzt und mit kleineren Randschäden. – Siehe Abbildung. Extremely rare trilingual Bible edition, the so-called „Hamburger Polyglotte“, published by D. Wolder. – The 7 parts form the „tomus secundus“ of the Wolder Bible work preceded by Hutter's Hebrew Bible edition „tomus primus“. This part is not present. – Title with ownership entries. A little browned and soiled, partly with waterstains, occasionally with smaller marginal damages. – Contemporary blind-pressed calf over wooden boards with three-sided embossed gilt edge (turn-ins partly damaged, heavily scratched and scuffed, clasps removed). – See illustration.

– LIBER PSALMORUM DAVIDIS – (Cantica quae in bibliis sparsim leguntur). 2 Tle. in 1 Bd. Paris, R. Estienne, 1546. Mit 2 wdh. Druckermarken. 232, 24 Bl. Ldr. d. Zt. mit Deckel- und Rvg. (Gelenk etw. eingerissen, beschabt und bestoßen). (46) 400,STC 59. Adams B 1425. Renouard 66, 4. BSWL D 563. – Paralleltext der Vulgata und der Züricher Version nach dem hebräischen Text von Leo Jud (Judä) mit umfangreichem Kommentar. Das im Vorwort erwähnte Vorhaben, weitere Bände in dieser Form zu publizieren, wurde nicht ausgeführt. – Titel gestempelt und ankoloriert, durchgehend mit feinen Linien in Tinte regliert.

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BIBLIA POLYGLOTTA – SACR. BIBLIORUM QUADRILINGUIUM TOMUS SECUNDUS trilinguis, librorum Veteris et Novi Testamenti versionem continens. Zus. 7 Tle. und Appendix in 3 Bdn. Hamburg, J. Lucius, 1596. Fol. Mit gestoch. Titel, 2 nahezu ganzseit. Wappenkupfern, 7 gleichen Titelbordüren auf den Zwischentiteln und 168 Textholzschnitten von Jakob Morer. Blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit dreiseit. gepunztem Goldschnitt (Kapitale teilw. läd., stark beschabt und bestoßen, Schließen entfernt). (1) 2.000,Äußerst seltene dreisprachige Bibelausgabe, die von D. Wolder edierte, sogenannte „Hamburger Polyglotte“. – STC 84. VD 16 B 2569. Darlow-M. 1425. Kayser-D. 60: „Die Woldersche Polyglotte stellt in 7 Teilen die Septuaginta bzw. den griechischen Text des N. T., die lateinischen Übersetzungen der Vulgata und des Santes Paginus (im N. T. des Beza) und den Luthertext (vom Jahr 1545 mit Luthers späteren Änderungen in den Paulinischen Briefen) nebeneinander.“ – Die 7 Teile bilden den „Tomus secundus“ des Wolderschen Bibelwerkes, dem die hebräische Bibelausgabe Hutters als „Tomus primus“ vorangestellt ist (vgl.

BIBLIA SLAVICA – EVANGELION. Lemberg 1690. Fol. Mit breiter figuraler Holzschnitt-Titelbordüre, 55 (5 ganzseit.) Textholzschnitten. 12, 412 Bl. Ldr. um 1900 auf Holzdeckeln mit Vorderdeckel- und Rvg., 4 guillochierten Eckbeschlägen und Schließbändern. (100) 1.000,Darlow-M. II, S. 1403. – Reich illustrierter Lemberger Evangeliendruck. – Die großen Holzschnitte signiert von Eustaphius Zadarowski (dat. 1681-83), die kleineren von verschiedenen Künstlern, meist aus früheren Werken wiederverwendet. Neben klassischen Szenen, wie Elend und Heimkehr des verlorenen Sohnes oder Christus und die Ehebrecherin, auch die originelle Darstellung des Sinnbilds von Splitter und Balken im Auge (Bl. 212r). – Auf dem Vorderdeckel ein großes goldgeprägtes russisches Kreuz, auf dem Hinterdeckel das Wappen des Lemberger Stauropegion-Instituts, der Nachfolgeorganisation der DormitioBruderschaft, in der unser Druck entstand. Sie hatte die Offizin des slawischen Erstdruckers Iwan Fjodorow übernommen, wurde 1788 auf Erlaß von Kaiser Joseph II. in das Stauropegion-Institut umgewandelt und erst zur Zeit der sowjetischen Besatzung 1939 aufgelöst. – Titel mit hs. Besitzeintrag, mehrere Bl. mit Fehlstellen oder alt hinterlegten Randläsuren (kleiner Bildverlust im Titelblatt recto und verso), einzelne hs. Marginalien in kyrillischer Schrift, stellenw. fleckig.

– LIBRI SALOMONIS. Proverbia, Ecclesiastes, Canticum canticorum, Liber Sapientiae, Ecclesiasticus. Paris, S. Colines, 1539. 16°. 159 num., 1 nn. (weißes) Bl. Ldr. d. Zt. mit Rsch., Rvg. und Wappensupralibros auf beiden Deckeln (stärkere Gebrauchsspuren). (54) 600,BSWL D 470. Renouard 302. – NACHGEB.: LIBER PSALMORUM. Ebda. 1540. 140 num., 4 nn. Bl. – BSWL D 487. Renouard 324. – Beide Drucke nicht im STC und bei Adams. – Fein regliert, Vorsatz mit hs. Besitzvermerk, Block gebrochen, etw. fleckig, leicht gebräunt. – Siehe Abbildung Tafel 9.

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Richly illustrated Lemberg printing of gospels. – Title with ms. ownership entry, several leafs with defects or tears in margin backed in former times (minor loss of illustration at title-page recto and verso), some ms. marginalia in Cyrillic writing, soiling here and there. – Calf around 1900 over wooden boards with gilt back and front cover gilt, 4 metal corner fittings with guilloches and clasp ribbons.

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BIBLIOTHEK DER KIRCHENVÄTER. Eine Auswahl patristischer Werke in deutscher Übersetzung. Hrsg. von O. Bardenhewer, Th. Schermann u. a. 61 Bde. und Register in zus. 63 Bdn. Kempten und München, Kösel, 1911-38. OHpgt. (leichte Gebrauchsspuren). (134) 500,Komplette erste Reihe der wichtigen Ausgabe der Kirchenvätertexte mit dem Registerband. – Es erschien noch eine zweite Reihe, die jedoch nach dem zwanzigsten Band abgebrochen wurde. – Leicht gebräunt, etw. fleckig.


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Alte Drucke und alte Theologie

Nr. 156

BILDERBIBELN – LOZANO, P., Coleccion de estampas, que representa los prinzipales casos deel viejo, y nuebo testamento. Obra util para la ynstruccion dela jubentud. 2 Tle. in 1 Bd. (Madrid), A. Sanz, o. J. (1774-78). Qu.-4°. 178, 72 num. Kupfertafeln. Mod. Hldr. mit längs übergreifender Ldr.-Deckellasche (gering berieben). (12) 1.000,-

(so auch das Exemplar der Spanischen Nationalbibliothek). Die wohl falsche Zahl bei Thieme-Becker dürfte auf die undeutliche Schreibung der letzten Ziffer zurückzuführen sei. – Der zweite Titel mit Jahreszahl 1774 auf dem ersten Blatt; mehrere Blätter mit 1778 datierter Stechersignatur, die den zeitlichen Abschluß des Werks anzeigen dürfte. – Die Abzüge meist kräftig und klar, manche etw. blaß und unsauber. – Erste vier Bl. alt aufgezogen, am Anfang mehrere Bl. mit hinterlegten Randschäden, tls. Notizen (Numerierung) von alter Hand, stellenw. etw. wasserrandig (am Anfang stärker) und fingerfl., Schnittfarbe tls. etw. verlaufen. – Siehe Abbildung.

Thieme-B. XXIII, 424. E. Páez Ríos, Repertorio de grabados españoles en la Biblioteca Nacional, 1243. – Sehr seltene Illustrationsfolge zur religiösen Erziehung der Jugend. Die klar und anschaulich komponierten Szenen stehen in deutlicher Abhängigkeit zu klassischen italienischen Vorbildern der Barockzeit. Jede der Szenen ist mit kurzen erklärenden Texten aus der jeweiligen biblischen Erzählung versehen. – Von der Folge wurden offenkundig nur wenige Abzüge angefertigt, davon die meisten wohl durch Schulgebrauch ruiniert. Schon der Katalog von „Blake's BookStore“ aus dem Jahre 1902 (Nr. 6, Mexiko City, Nr. 252) nennt das Werk eine „most singular collection of plates. Entirely unique“. Während Thieme-Becker 178 Tafeln zum Alten und 78 zum Neuen Testament angeben, führt Blake's Book-Store dieselbe Anzahl wie in unserem Exemplar an

Spanish series of engravings of great rarity. – Very scarce series of illustrations to religious education of young people. The clearly composed scenes are in a way dependent on classical Italian examples of the Baroque period. Each scene is provided with a short text from the respective story from the Bible. – Obviously only a few printings were made from the series, the majority probably ruined by use at schools. – Mostly strong and clear impressions, some a little faint and pale. – The first four leaves mounted at an early date, some leaves at the beginning with backed marginal damages, partly notes (numbering) by contemporary hand, here and there a little waterstained (more at the beginning) and with fingermarks, edge colouring partly blurred. – Modern half calf with overlapping leather cover strap (minor rubbing). – See illustration.

Spanische Stichfolge 156


Alte Drucke und alte Theologie

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– MEYER, C., Des Newen Testaments Unsers Herren Jesu Christi Fornembste Historien und Offenbarungen. – Über Unsers Herrn Jesu Christi Leiden, Tod, und Aufferstehung. Geschichtmässige Figuren. – Fier und Zwentzig Lehren Unsers Herren Jesu Christi, Zu Erbauung. 3 Tle. in 1 Bd. Zürich, Selbstvlg., o. J. (um 1636-66). Nachdruck von verstählten Platten, um 1800. Qu.-4°. Mit 3 gestoch. Titeln und 66 (mit 68 Abb.), 33 und 21 (= zus. 120) Kupfertafeln von Conrad Meyer. Pp. d. Zt. (stark beschabt und bestoßen, Bezug teilw. abgeplatzt). (1) 800,Brun II, 382 (nur II: „Christi Leiden“, dat. 1646). – Vgl. Koegler, Der Malerradierer Conrad Meyer in Zürich, in: Die Garbe, Bd. V, Hefte 9 und 10, Basel 1922, S. 265-270 und 297-304. – Sehr seltene Stichfolge, als Vorbild diente wohl die Meriansche Kupferbibel. Der Druck zog sich über Jahrzehnte hin. Spätere Nachdrucke sind zwar nicht bekannt, doch waren die Platten, wie unserer Exemplar zeigt, in der Zeit um 1800 offenbar noch alle vorhanden. Der Nachdruck läßt sich durch das Wasserzeichen „J. C. de R. Im-Hof“ datieren (Johann Christoph de Rudolph Imhof, Basler Papiermühle, tätig im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert). – Conrad Meyer (1618-1689) war Maler, aber auch als Stecher in Matthäus Merians Werkstatt tätig. – Erster Titel oben innen eingerissen. Leicht gebräunt, vor allem in den breiten weißen Rändern etw. fleckig. – Siehe Abbildung. Very rare series of engravings, probably made after the example of the Merian copperplate Bible. Reprint made by using the original copperplates on paper of the mill R. Imhof at Basle about 1800. – First title torn at inner top margin. Slightly browned, a little soiled mainly at wide blank margins. – Contemporary cardboard (heavily scratched and scuffed, cover material partly bursted).

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– SCHÖNBERG, M. VON, Kurzgefaßte Geschichten des Alten, u. des Neuen Testaments in Kupfer. O. O., Dr. und J. (München 1780). Gestoch. Titel und 48 Kupfertafeln von J. M. Söckler. Ldr. d. Zt. (158) 150,-

Erste Ausgabe der ersten italienischen Übersetzung. – STC 107. Adams B 2066. IA 119.465. EDIT 16 CNCE 71818. – Im Folgejahr erschien noch eine Fortsetzung mit der venezianischen Geschichte. – Titel mit Ausschnitt (alt angerändert), Titelei und die Lagen z, aa und bb mit Wurmspuren (geringer Buchstabenverlust), gebräunt, fleckig.

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BIONDO, (F.), Le historie de la declinatione de l'imperio di Roma, insino al tempo suo. Ridotte in compendio da Papa Pio; e tradotte per L. Fauno in buona lingua volgare. Venedig, M. Tramezzino, 1543. Mit 2 wdh. Druckermarken auf dem Titel und am Ende. 20 nn., 246 num., 1 nn. Bl. Pp. um 1900 (beschabt, etw. bestoßen). (56) 200,-

BOREGK, M., Behmische Chronica darinnen ordentliche warhafte Beschreibung, des Königreichs Behaimb. 2 in 1 Bd. Wittenberg, Krafft, 1587. Fol. Mit wdh. Druckermarke auf den Titeln und großem Wappenholzschnitt auf dem Titel verso. 5 Bl., 691 S. (3 Bl. zwischengeb.). Mod. Pp. unter Verwendung eines alten Inkunabelpapiers. (110) 600,Einzige Ausgabe. – VD 16 B 6705. IA 122.356. Zíbrt II, 1395. – Tls. wasserrandig; gebräunt und fleckig.

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BREVIARIUM MONTALBANENSE, illustrissimi et reverendissimi Annae-Francisci-Victoris Le Tonnelier de Breteuil. 4 Bde. Montauban, Fontanel, 1784. 4°. Maroquin d. Zt. mit reicher Vg. (Rücken angeschmutzt, Kapitale tls. eingerissen, beschabt und bestoßen). – Bohatta 2473. – Titel mit hs. Besitzvermerk, mehrf. blindgestempelt, etw. fleckig. – Exlibris. (54) 1.000,-

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(BRUNI) ARETINO, L., La historia universale. Riveduta, ampliata, & corretta per F. Sansovino. Venedig, F. Sansovino, 1561. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel. 6 nn., 236 num., 8 nn. Bl. Flex. Pgt. d. Zt. (Gebrauchsspuren). (49) 200,EDIT 16 CNCE 7684. STC 128 (Bruni). Adams A 1560. IA 125.790. – Bedeutende Quelle zur italienischen, besonders der florentinischen Geschichte. – Vorsätze mit Wurmspuren, stellenw. leicht gebräunt und etw. fleckig.

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Erste Ausgabe. – De Backer-S. VII, 845, 24. Baader I/2, 216, 25. – Der komplette Tafelteil der auch mit einem umfangreichen Text vertriebenen Bilderbibel des in München als Vorsteher des sog. „Goldenen Almosens“ wirkenden Exjesuiten Matthias Schönberg (1734-1792). Die Anstalt „gab Schul- und Gebetbücher und ascetische Schriften in grossen Auflagen und sehr wohlfeile Preise an die Stadt- und Landschulen ab“ (Baader). – Der Stecher, Johann Michael Soeckler (1744-1791), war in München als Schüler von Jungwirth tätig. Er erhielt erst 1779 das Bürgerrecht, da Jungwirth und Zimmermann ihn als Nebenbuhler fürchteten. „Anfangs arbeitete er an einigen grossen Platten des Meisters, dann aber stach er auf eigene Rechnung, besonders Andachtsbilder“ (Nagler XIX, 33). – Vorsatz mit Kritzelei, sonst gut.

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BUDÉ, G., Libri V. de asse, & de partibus. Venedig, Aldus, 1522. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel und am Schluß. 12 nn., 260 (statt 262; recte 260) num., 2 nn. Bl. Spät. Ldr. mit Rsch. und Rvg. (49) 200,IA 126.669. Adams B 3101. Ebert 3116. Lipsius 60. Panzer VIII, 472, 1122. Renouard I, 224, 5. Dekesel B 124. Naiditch-B. 185. Brunet I, 1374: „Édition rare et la seule de ce traité qui conserve de la valeur.“ – Einflußreiches Werk (erstmals 1514) über römische Rechenkunst, besonders das Bruchrechnen, sowie antike Geldgeschichte und Münzwesen. – Es fehlen die Blätter 130 und 135. – Titel mit Besitzvermerk von 1701 (gering rasiert), einzelne Marginalien und Streichungen mit Tinte, wenig fleckig.

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BURGKMAIR, H., Images de Saints et Saintes issus de la famille de l'empereur Maximilien I. Wien, Stöckel, 1799. Fol. Mit 119 HolzschnittTafeln von Leonhard Beck nach Hans Burgkmair. 11 S. Hldr. des 19. Jhdts. (Kapitale schadhaft, Gelenke gebrochen, fleckig, beschabt und bestoßen). (54) 3.500,-


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Alte Drucke und alte Theologie

Nr. 164

Nr. 164

Erste vollständige Ausgabe. – Dodgson II, 126, 9. Hollstein V, 622. Fairfax Murray 53. Lipperheide Oc 4. – Wie der „Weißkunig“ von Kaiser Maximilian in Auftrag gegeben, im 16. Jhdt. jedoch nur in einer Teilausgabe und in kleinster Auflage erschienen, wurde die vollständige Folge dieses Werkes erst Ende des 18. Jahrhunderts publiziert. Von den insgesamt 123 Holzstöcken hatten sich 121 in Wien erhalten, manche jedoch waren beschädigt (so Tafel 19). 118 Tafeln sind von L. Beck geschnitten. – Gelenke gebrochen und tls. geklebt, fliegender Vorsatz mit hs. Widmungsvermerk, Papier anfangs gewellt, die Tafeln 97-101 mit kleinem Einriß im Falz (außerhalb des Abbildungsrahmens), mehrf. gestempelt, fleckig. – Aus der Bibliothek von Joseph Walter King Eyton (1820-1872) mit dessen zwischengebundenem Exlibris. – Siehe Abbildungen.

einsichtvoller Weise spricht er vom Wesen der Legion und legt dann Cäsars Kommentare einer sorgfältigen Untersuchung über die Kriegskunst zu Grunde.“ – Nicht im STC. – Eine von zwei Ausgaben im selben Jahr bei Baldini (EA Ferrara 1582). Alle Bibliographen schreiben das Werk irrtümlich Lelio Brancaccio (ca. 1560-1637) zu, der „cavaliere di Malta“ war; in Wahrheit ist es verfaßt von Giulio Cesare Brancaccio (1515-1586?), einem Berufsoffizier. – Mit den paginierten Errata auf dem letzten Blatt. – Leicht gebräunt und etw. fleckig (Titel stärker), einzelne kleine Wurmspuren. – Mod. Exlibris.

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First complete edition. – Joints broken and partly glued, fly-leaf with ms. dedication note, paper undulated at the beginning, plates 97-101 with small tear in guard (outside illustration border), multiple stamps, soiling. – From the library of Joseph Walter King Eyton (1820-1872) with his inserted exlibris. – Half calf of the 19th century (turn-ins defective, joints broken, soiled, scratched and scuffed). – See illustrations.

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CAESAR – BRANCACCIO, (G. C.), Della vera disciplina, et arte militare. Sopra i Comentari di Giulio Cesare. Venedig, V. Baldini, 1582. Fol. Mit 2 Druckermarken und einigen Holzschnitt-Initialen. 206 S. Restauriertes Pgt. d. Zt. (fleckig). (49) 500,EDIT 16 CNCE 74972. IA 123.458. Adams B 2658. Brunet I, 1201, Anm. Jähns 449: „Bedeutende Abhandlung. Hier redet ein verständnisvoller und begeisterter Verehrer. Ihm ist 'Cesare unico e solo maestro'. Wie vor ihm Machiavelli so will auch Brancaccio die Italiener wieder zu Römern machen, indem er ihren Fürsten an dem Bilde des Heros die Würde und Hoheit echten Feldherrntums nachweist. In

CALEPINUS, A., Dictionarium Latinae linguae. – (Onomasticon propriorum nominum). 2 Tle. in 1 Bd. Basel, H. Curio, 1544. Fol. Mit wdh. Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel und dem letzten Bl. 653 Bl. Stark beschäd. Ldr. d. Zt. (54) 500,VD 16 C 243 und G 1769. IA 129.430. – Diese Ausgabe nicht im STC und bei Adams. – Seltene Ausgabe des erfolgreichen Lexikons; das „Onomasticon“ von C. Gesner u. a. zusammengestellt. – Vorsatz mit Einträgen von alter Hand und Besitzeretikett, einzelne Bl. mit kleinen Eckabrissen, stellenw. fleckig.

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– Dictionarium linguae Latinae.- (Onomasticon propriorum nominum). 2 Tle. in 1 Bd. Basel, H. Curio für H. Petri, 1553. Fol. Mit HolzschnittDruckermarke auf dem letzten Bl. 744 Bl. Restauriertes blindgepr. Ldr. d. Zt. (54) 500,VD 16 C 249 und G 1775. IA 129.449. – Diese Ausgabe nicht im STC und bei Adams. – Seltene Ausgabe des erfolgreichen Lexikons; das „Onomasticon“ von C. Gesner u. a. zusammengestellt. – Eng gebunden, Titel mit getilgtem Besitzvermerk, das letzte Bl. mit kleiner Fehlstelle, unterschiedlich gebräunt.


Alte Drucke und alte Theologie

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– Septem linguarum Calepinus. Hoc est lexicon Latinum, variarum linguarum interpretatione adjecta in usum seminarii Patavini. Editio sexta emendatior, & auctior. 2 Bde. Padua, Manfrè, 1746. Fol. 6 Bl., 529 S.; 1 Bl., 542, 28, 100 S. Interims-Pp. d. Zt. (fleckig, beschabt und bestoßen). (49) 150,Vgl. Zaunmüller 304 (EA 1502): „Außerordentlich beliebt, in zahlreichen Neubearbeitungen unter verschiedenen Titeln bis auf elf Sprachen erweitert. Name des Autors lebt noch heute in mehreren Sprachen im Sinne von 'Wörterbuch' fort.“ – Vorsätze mit kleinen Wurmspuren, stellenw. fleckig und wasserrandig.

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CAMERARIUS, J., Symbolorum & emblematum ex re herbaria desumtorum centuria una – (quarta). 4 Tle. in 1 Bd. Nürnberg, (J. Hofmann und H. Caimox), 1590. 4°. Mit 4 gestoch. Titeln und 400 emblematischen Radierungen im Rund von H. Sibmacher. Beschäd. Ldr. d. Zt. (54) 500,Erste Ausgabe. – VD 16 C 567. STC 178. Adams 448. IA 130.578. Pritzel 1441. Nissen 312. Hunt 181. – Vgl. Landwehr 166. Praz 295. – „'Centuria Una' was one of the first books to contain illustrations of plants on intaglio plates“ (Hunt). – Vom jüngeren Camerarius verfaßtes Emblembuch, zu dem Hans Sibmacher die botanischen Sinnbilder kongenial „mit großer Feinheit und Eleganz“ (Andresen) radierte. – Die Kupfer meist ankoloriert, einzelne Marginalien in Tinte und Bleistift, kleine Wurmspuren (kein Bildverlust), fleckig, leicht gebräunt.

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– Symbolorum ac emblematum ethico-politicorum centuriae quatuor. 4 Tle. in 1 Bd. Mainz, Bourgeat, 1702. Mit gestoch. Frontisp. und 400 emblematischen Radierungen im Rund. Blindgepr. Ldr. d. Zt. (stärkere Gebrauchsspuren). (31) 500,Landwehr 173. Praz 295. Heckscher-S. 171. – Vgl. Pritzel 1441. Nissen, BBI, 312. – Neue Auflage der Mainzer Ausgabe von 1697. Erstmals war das herrliche Emblembuch, zu dem Hans Sibmacher die botanischen Sinnbilder kongenial „mit großer Feinheit und Eleganz“ (Andresen) radierte, 1590 in Nürnberg erschienen. – Tlw. gebräunt, einzelne Seiten mit Einriß oder Eckausriß. – Laut Eintrag auf dem Vorsatz erhielt der Student Franz Anton Würtz „Asperavallensis“ den Band als Geschenk für eine bestandene Prüfung aus dem Besitz des Mainzer Erzbischofs Lothar Franz.

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Nr. 174

CARO, A., De le lettere familiari. Di nuovo con diligenza ristampate e da notabilissimi errori emendate. 2 Tle. in 1 Bd. 4°. Venedig, Ugolino, 1603. Mit wdh. Druckermarke. 4 Bl., 175 S., 4 Bl., 270 S. Pgt. d. 18. Jhdts. mit Rsch. und Rvg. (Schwanz etw. läd., stärker fleckig). (49) 200,STC 191. – Diese Ausgabe nicht bei Gamba. – Vorsatz und Titel mit hs. Besitzeintrag, oben knapp beschnitten, etw. wasserrandig und fleckig.

CASTIGLIONE, B., Il Cortegiano. Nuovamente con diligenza revisto secondo l'esemplare del proprio autore. Venedig, Giolito de' Ferrari, 1562. 12°. Mit 2 Druckermarken, Titelholzschnitt und hübschen figürlichen Initialen. 14 Bl., 476 S. Läd. Ldr. d. Zt. (4) 200,IA 133.617. EDIT 16 CNCE 10090. – Diese Ausgabe nicht im STC, bei Adams und Bongi (der nur den Druck mit dem Erscheinungsjahr 1562 auf dem Titel und 1563 auf der letzten Seite verzeichnet: II, 156). – Spätere Ausgabe des klassischen Werkes über den Hofmann. – Leicht gebräunt, fleckig. – Exlibris.

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CAVALCANTI, B., La retorica. Pesaro, B. Cesano, 1559. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel und einigen figürlichen Holzschnitt-Initialen. 6 Bl., 563 S. Beschäd. flex. Pgt. d. Zt. (49) 300,EDIT 16 CNCE 10432. STC, Suppl., 29. Adams C 1176. IA 134.568. Hoefer IX, 277. – Das Lehrbuch der Rhetorik des berühmten Florentiners Cavalcanti, der wegen Differenzen mit den Medici ins Exil ging, war erstmals in Venedig 1558 aufgelegt worden. – Zahlreiche Anstreichungen mit Tinte, stellenw. wasserrandig, etw. fleckig, winzige Wurmspuren.

Einziges vollständiges Exemplar 174

CHERLER, P., Pictura sive imago divi Christophori, sacris plena doctrinis: versibus illustrata & concinnata. Basel, o. Dr., 1568. 4°. Mit ganzseit. Textholzschnitt. 8 Bl. Mod. Broschur. (94) 400,Einzige Ausgabe. – VD 16 ZV 25434. – Enkomion in Distichen auf den heiligen Christophorus, verfaßt vom lutherischen Theologen und neulateinischen Gelegenheits-


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Alte Drucke und alte Theologie

STC 109. Adams C 1640. IA 138.066. Schweiger II, 103. Renouard 48, 8. – Vgl. Renouard, Marques, 291. – Nicht bei Schreiber. – „Schöner Nachdruck“ (Schweiger) der GiuntaAusgabe von 1534-37. – Seitenränder etw. gebräunt, leicht fleckig. – Gestoch. Exlibris „Lord Camden“ (1714-1794). – Siehe Abbildung.

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CICERO – MANUTIUS, P., In epistolas Ciceronis ad Atticum commentarius. Venedig, Selbstvlg., 1557. Mit Druckermarke auf dem Titel. 4 nn., 432 num. Bl. Beschäd. flex. Pgt. d. Zt. (146) 250,STC 413. Adams M 460. EDIT 16 CNCE 28030. Renouard I, 300, 6. – Umfassender Kommentar zu Ciceros Atticusbriefen im Nachdruck der EA von 1547. – Wasserrandig, fleckig, mit Randläsuren. – 3 Beilagen (von 1673, 1698 und 1790).

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VD 16 G 3941 und G 3964. IA 140.219. Claes 252. – Vgl. ADB XLII, 499 (EA 1513). – Nicht im STC und bei Adams. – Bis 1524 war das erste deutsch-lateinische Synonymenwörterbuch bereits in 20 Ausgaben verbreitet. – Zu ausgewählten deutschen Begriffen werden jeweils mehrere lateinische Synonyme aufgelistet, z. B. zu „Knecht: Servus, Famulus, Cliens, Minister, Libertus, Mercenarius“. – Der schlesische Humanist und Arzt, auch bekannt als Hieronymus Cingulator Aurimontanus a Feramontis, gründete in Goldberg eine berühmte Partikularschule, für die er eine Reihe von Schulbüchern verfaßte. – Durchgehend mit kleinen Wurmlöchern (minimaler Textverlust), einzelne Bl. im Bug verstärkt, stellenw. fleckig, unterschiedlich gebräunt. – Mod. Exlibris. – Selten.

Nr. 176 dichter Paul Cherler (1540-1600). Gewidmet dem nach Christophorus benannten Pfalzgrafen Christoph (15511574), einem der Söhne des Kurfürsten Friedrich III. des Frommen, mit dem guten Wunsch am Ende des Gedichts: „Vive diu Princeps, & Palatine Vale.“ – Der Druck ist von größter Seltenheit und bisher nur in einem weiteren Exemplar bekannt, das in der UB Basel aufbewahrt wird und nach dem die Aufname im VD 16 erfolgte, ein Exemplar, dem jedoch das Titelblatt fehlt, weshalb bisher weder der Druckort noch das Erscheinungsjahr sicher feststanden. – Ganz leicht gebräunt. – Siehe Abbildung.

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With small wormholes throughout (minor loss of text), some leaves reinforced at joint, here and there some soiling, variable browning. – Modern exlibris. – Rare. – Modern vellum.

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CHYTRAEUS, D., Chronologia historiae Herodoti et Thucdydidis. Helmstedt, J. Lucius, 1586 (Kolophon: 1585). 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel. 6 Bl., 374 (recte 372), 79 S., 15 Bl. Hldr. d. 18. Jhdts. mit Rvg. (leicht beschabt und bestoßen). (158) 300,-

CICERO, M. T, (Opera. Ed. P. Victorius). Bde. III-V (von 5) in 1 Bd. Paris, Estienne, 1538. Fol. Mit wdh. Druckermarke auf den Titeln. 416, 450 S., 1 Bl., 158 S., 50 Bl. Blindgepr. Pgt. d. Zt. (ohne die Schließbänder, Deckel aufgebogen, Vordergelenk eingerissen, bestoßen und etw. fleckig). (128) 400,-

– Tersissima Latini eloquii synonymoru(m) collectanea. Annexus est tractatulus utilissimus de vocum proprietatibus, seu terminorum differentiis. Straßburg, R. Beck, 1518. 4°. Mit Titelbordüre. 36 Bl. Mod. Pp. (54) 400,IA 140.227. STC 210. VD 16 G 3968. Muller (Beck) 37. Claes 269. Ritter IV, 1394. – Bereits 14. Ausgabe des erstmals 1513 erschienenen deutsch-lateinischen Wörterbuchs. – Die hübsche Titelbordüre mit dem lüsternen Alten oben rechts etw. schwächer abgedruckt und seitlich hinterlegt, wenig fleckig, unten wasserrandig.

VD 16 ZV 3339. – Vgl. Adams C 1580 (Ausg. 1585). – Ganz wenig fleckig. – Elegant gebundenes Exemplar aus dem Kloster Benediktbeuern.

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CINGULARIUS (GÜRTLER), H., Tersissima Latini eloquii synonymor(um) collectanea. Annexus est tractatulus utilissimus de vocum p(ro)prietatibus seu terminorum differentiis. Leipzig, V. Damander, 1516. 4°. 40 Bl. Mod. Pgt. (69) 2.000,-

180

COLBERT, CH. J., Lettres de Messire Charles Joachim Colbert Evesque de Montpellier. 4 Bde. Köln, Aux dépens de la compagnie, 1741. Mit gestoch. Frontisp. Ldr. d. Zt. mit Rvg. (stärkere Gebrauchsspuren). (7) 200,-


Alte Drucke und alte Theologie

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Von uns bibliographisch nicht nachweisbar. – Briefe des bekannten Jansenisten an Papst Clemens XI., den Erzbischof von Utrecht sowie andere Geistliche und Adelige; teilweise in Französisch und Latein. – Titel mit hs. Besitzvermerk, einzelne hinterlegte Randausrisse, stellenw. wasserrandig. – Nicht im Jahrbuch.

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COPIA RECESSUS Monachien: concordatorum cum ordinariis Bavariae. München, A. Berg, 1583. 4°. 12 Bl. Pgt. d. Zt. unter Verwendung eines mittelalterlichen Manuskriptblattes (aufgebogen, Schließbänder fehlen, fleckig). (160) 300,Erste Ausgabe. – VD 16 B 1040. – Nicht im STC und bei Adams. – Konkordatsvertrag zwischen Herzog Wilhelm V. von Bayern und dem Salzburger Erzbischof Georg. VORGEB.: GRETSER, J., De modo agendi Iesuitarum cum pontificibus, praelatis, principibus, populo, iuventute, et inter se mutuo. Ingolstadt, A. Sartorius, 1600. 4°. 8 Bl., 376 S. – Erste Ausgabe. – Stalla 1891. De Backer-S. III, 1764, 61. Titel des vorgebundenen Werkes gestempelt und mit altem Besitzvermerk; beide Drucke leicht gebräunt und etw. fleckig. – Das spätmittelalterliche Manuskriptblatt des Einbandes aus einem liturgischen Werk mit Hervorhebungen und mehreren Initialen in Rot und einer Initiale in Blau.

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CORSO, R., Fondamenti del parlar thoscano. Venedig, Comin da Trino für M. Sessa, 1549. Mit Druckermarke auf dem Titel. 98 num., 1 nn. Bl. (Errata). Mod. Pp. (beschabt und bestoßen). (49) 300,-

Nr. 185 STC 209. Adams D 90. EDIT 16 CNCE 1156. Mortimer 144. Haym 185, 7: „Edizione simile a quella del 1491. fatta in Venezia pel Benalj ec.“ – Nachdruck der Ausg. 1512, entgegen dem Titel nur die Commedia enthaltend, der Text von Cristoforo Landinos reichem Kommentar umgeben. – Titel mit kleinen Randläsuren (am Kopfsteg angerändert), gebräunt, fleckig, mit wenigen Marginalien von alter Hand. – Siehe auch Kat.-Nr. ... (dort die Ausg. Venedig 1484).

Erste Ausgabe. – EDIT 16 CNCE 13559. STC 200. Adams C 2699. Haym 468, 2. Gamba 1337, Anm. – Die Druckermarke mit der Katze weist auf Sessa. – Titel verso mit Besitzeretikett, eng gebunden, kleiner Wasserrand, kaum fleckig.

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– Fondamenti del parlar thoscano. Non prima veduti corretti, et accresciuti. Venedig, M. Sessa, 1550. Mit Druckermarke auf dem Titel. 104 Bl. Interims-Brosch. (fleckig). (49) 300,-

Reprint of the edition of 1512, contrary to the title only containing the Commedia, text encompassed by Cristoforo Landino's rich commentary. – Title with small tears in margin (restored at upper margin), browned, soiled, with few marginalia by contemporary hand. – See also cat. no. ....(there Venice edition of 1484). – Contemporary vellum (scuffed, soiled, joints bursted and partly restored in former times).

EDIT 16 CNCE 13991. Gamba 1337, Anm. – Vgl. Haym 468, 2. – Diese Ausgabe nicht im STC und bei Adams. – Titel mit angerändertem Eckausschnitt (ohne Bild- und Textverlust), letzte Seite mit Vermerk, stellenw. leicht gebräunt und fleckig.

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DANTE ALIGHIERI, Opere. Con suoi comenti recorrecti et con ogne diligentia novamente in littera cursiva impresse. Venedig, B. Stagnino, 1520. 4°. Mit Holzschnitt-Titelbordüre, zahlr. Textholzschnitten (davon 1 ganzseit.) und schwarzgrundiger Druckermarke am Ende. 12 nn., 441 (recte 440) num. Bl. Pgt. d. Zt. (bestoßen, fleckig, Gelenke angeplatzt und tls. alt restauriert). (49) 2.000,-

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DIODORUS SICULUS, Libri duo. Primus de Philippi regis Macedoniae. Alter de Alexandri filii rebus gestis. Venedig, G. dei Rusconi, 1518. Fol. Mit breiter Titelbordüre und einigen HolzschnittInitialen. 4 nn., 57 (recte) 58 num. Bl. Mod. Hpgt. (49) 300,EDIT 16 CNCE 17218. STC 216. IA 153.736. Sander 2422. – Nicht bei Adams. – Mit Widmung des Übersetzers Angelus Cospus an Kaiser Maximilian I. – Titel mit hs. Ergänzung zum Übersetzer: „ARCADICUS HOMO“; zahlr. Marginalien von alter Hand in Tinte, stellenw. gebräunt und wasserrandig. – Diese Ausgabe nicht im Jahrbuch. – Siehe Abbildung.


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Alte Drucke und alte Theologie

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DIONYSIUS HALICARNASSEUS, Delle cose antiche della citta di Roma. Tradotto in toscano per messer F. Venturi. Venedig, N. Bascarini für M. Tramezzino, 1545. 4°. Mit Titelholzschnitt. 4 nn., 324 num. Bl. Pgt. d. Zt. mit Rtit. (leichte Gebrauchsspuren). (54) 600,Erste italienische Ausgabe. – STC 217. Adams D 636. Hoffmann II, 99. – Titelholzschnitt ankoloriert, erste Bl. restauriert, oben knapp beschnitten, vereinzelt etw. fleckig.

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DISSERTATIONEN – SAMMLUNG – 20 theologische Inauguraldissertationen aus Basel (17), Genf (1), Marburg (1) und Zürich (1). 1588-1790. 4°. Ältere Buntpapier-Brosch. (2), ohne Einband (5) und mod. Brosch. (geringe Gebrauchsspuren). (94) 500,3 Arbeiten aus dem 16., 8 aus dem 17. und 9 aus dem 18. Jahrhundert: über König Salomon als Sünder, Ostern, Engel, Wunder im allgemeinen, Rechtfertigung, Prädestination, den kultischen Gebrauch des Salzes und anderes mehr. – Hervorhebenswert die Dissertation von Johannes Buxtorf (1564-1629) unter dem Vorsitz von Johann Jacob Grynaeus (1540-1617): Anaskeue (graece) opinionis a Petro de Aliaco de coena Dominica repetitae, 1588 von Oporinus in Basel gedruckt (VD 16 ZV 27780), mit der Veröffentlichung von 3 Briefen Melanchthons an Wolfgang Musculus, „antehac nunquam editae“. – 2 Beilagen, darunter die juristische Dissertation von Johann Peter Schön „ex materia testamentorum“ (Basel 1588). – Geringe Gebrauchsspuren.

Nr. 191

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DOMENICHI, L., Historia varia, nella quale si contengono molte cose argute, nobili, e degne di memoria, di diversi principi & huomini illustri. Venedig, G. Giolito de' Ferrari, 1565. Mit 2 Druckermarken sowie nahezu ganzseit. Holzschnittportr. 24 Bl., 830 S., 1 Bl. Hldr. um 1800 (Hinterdeckel mit kleiner Fehlstelle, bestoßen). (56) 200,Dritter Druck der erweiterten Fassung. – EDIT 16 CNCE 17570. Bongi II, 180: „Ha sopra l'originale il pregio di essere ritoccata in più parti ed ampliata colla giunta di due nuovi libri.“ – Reiche Sammlung historischer Anekdoten zu mehr als 1000 Persönlichkeiten; war unter abweichendem Titel bereits 1556 erschienen. – Vordergelenk locker, Titel gestempelt, leicht gebräunt. – Dublette der Bibliotheca Hertziana.

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Nr. 192

EGNAZIO, G. B., De Caesaribus libri III. Venedig, Aldus, 1516 (1517). Mit 2 wdh. Druckermarken. 108 nn., 295 num., 1 nn. Bl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. (Rücken mit spät. Schafleder überklebt, stärker beschabt und bestoßen, fleckig, Schließen fehlen). (4) 1.000,Erste Ausgabe. – STC 231. EDIT 16 CNCE 18052. Renouard I, 129. Adams E 79. Ebert 9821 (unter Historiae): „Sehr selten, vorzüglich in guten Exemplaren.“ Bietenholz-D. I, 424: „A work which extended the Historia Augusta down to his contemporary, Maximilian.“ – Die Vorrede ist 1517 datiert. – Mit der Edition der Scriptores Historiae Augus-


Alte Drucke und alte Theologie

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tae durch den italienischen Humanisten Giovanni Battista Egnazio (eigentlich Cipelli; 1478-1553) im zweiten Teil des Werkes. – Vollständiges Exemplar mit den weißen Bl. HS 7, HS 8 und Hi 8 und der meist fehlenden, weil von prüden Lesern entfernten „Oratio Heliogabali ad meretrices“ (Bl. 291-295) von Aretino. – Leicht gebräunt, etw. fleckig. – Mit Vermerken auf dem Titel: aus der Hinterlassenschaft von Johann Georg Meychel 1681 ins Münchner Jesuitenkolleg übergegangen. Meychel war kurbayrischer Sekretär (Kobolt, Erg., 376); für dessen bisher unbekanntes Todesjahr steht damit der Terminus ante quem fest. First edition. – Complete copy with the blank leaves HS 7, HS 8 and Hi 8 and the mostly missing „Oratio Heliogabali ad meretrices“ (leaves 291-295) by Aretino often removed by prudish readers. – Slightly browned, a little soiled. – Contemporary blind-pressed calf (later sheepskin glued over spine, stronger scratching and scuffing, soiled, clasps missing).

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EUSTATHIOS VON THESSALONIKI, De Ismeniae et Ismenes amoribus libri XI. G. Gaulminus Molinensis primus Graecè edidit, et Latinè vertit. Paris, Drouart, 1617. 1 Bl., 447 S. Flex. Pgt. d. Zt. (Schließbänder fehlen, fleckig). (54) 300,Goldsmith E 442. – Vgl. Schweiger I, 123. Hoffmann II, 247. – Griechisch-lateinischer Paralleltext. – Vorsatz und Titel mit Notiz in Tinte, gegen Ende mit Wurmspur im Außensteg, stellenw. wasserrandig. Nr. 193

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EXPOSITIO HIMNORUM cum notabili commento q(uo)d semp(er) implicat hystorias. Basel, M. Furter, 1504. 4°. Mit Titelholzschnitt, ganzseit. Textholzschnitt und ornamentaler HolzschnittInitiale. LXX num., 1 nn. Bl. Ohne Einband. (158) 300,-

endeten Lebens Weihbischof von Bamberg. Außer einigen Kontroversschriften gegen Osiander verfaßte Feucht 3 Postillen und eben das vorliegende Andachtsbüchlein, das erstmals 1574 erschien; die ersten Dillinger Ausgaben sind von Sebald Mayer 1576 und von Johann Mayer 1600 gedruckt worden (Bucher 444 und 784). Aus dem 17. Jahrhundert sind bislang 5 verschiedene Drucke bekannt, und zwar aus den Jahren 1614, 1619, 1628, 1650 und 1667. Der vorliegende, noch unbeschriebene Druck ist einer der ersten des Dillinger Druckers Erhard Lochner, der im Spätjahr 1623 die Mayersche Presse übernommen hatte und bis 1627 teilweise auch noch mit der Nennung von Mayer firmierte (im vorliegenden Werk: „Gedruckt zu Dilingen in der Mayrischen Truckerey bey Erhardt Lochnern“). – Leicht gebräunt, etw. fleckig. – Siehe Abbildung.

STC 510. Adams L 1123. VD 16 H 6510 und T 653 (als Tl. II des „Textus sequentiarum cum expositione lucida“). Hieronymus 137d. – Diese Ausgabe nicht im Index Aureliensis. – Häufig gedruckte Sammlung von Heiligen-Hymnen mit Kommentar. – Der Titelholzschnitt zeigt das Jesuskind mit Kreuz zwischen den vier Evangelistensymbolen (vgl. Hieronymus 73 und Schramm XXII, 1069, hier eine um Bordüren erweiterte Wiederverwendung), rückseitig eine Kreuzigungsszene (übernommen aus der „Postilla“ des Guillermus Parisiensis, Basel 1491 – Schramm XXII, 336). – Titel mit zwei Vermerken in Tinte, letztes Bl. mit Einriß; anfänglich wenige Ecken geknickt, stellenw. etw. gebräunt und fleckig. – Siehe Abbildung.

VORGEB.: STENGEL, C., Erklerung der Lauretanischen Letaney. München, o. Dr., 1637. Mit gestoch. Titel. 7 Bl., 196 S. – Einzige Ausgabe. – VD 17 12:104242D. – Sehr seltenes Andachtsbuch des fruchtbaren Benediktinerabtes Carl Stengel (1581-1663). Auf dem Kupfertitel eine kleine Panoramaansicht von München. – Titel mit klösterlichem Besitzvermerk, gebräunt.

Unbekannter Dillinger Druck 192

FEUCHT, J., Christliche Walfahrt der neun Führungen oder Gäng unsers Herren Jesu Christi im heyligen Paßion. Dillingen, E. Lochner, 1624. Mit 24 Textholzschnitten. 1 Bl., 85 S. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln (bestoßen, rissig, Kapital beschädigt, Schließen fehlen). (158) 800,Bibliographisch von uns nicht nachweisbar, nicht bei Bucher (AGB V, 445-460) und im VD 17. – Gebet- und Andachtsbuch zur Passion, verfaßt von Jacob Feucht (15401580), Pfarrer zu Ingolstadt und kurzzeitig Rektor der dortigen Universität, in den letzten Jahren seines frühvoll-

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FISCHER, CH. A., Der Hutterischen Widertauffer Taubenkobel: In welchem all ihr Wüst, Mist, Kott unnd Unflat, das ist, ihr falsche, stinckende, unflätige und abscheuliche Lehrn verfasset. Auch deß grossen Taubers deß Jacob Hutters Leben angehenckt. Ingolstadt, Angermeyr für Eder, 1607. 4°. Mit Titelholzschnitt. 6 Bl., 57 S., 1 Bl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. mit 2 Schließen (Kopf schadhaft, stark wurmlöchrig, fleckig und bestoßen). (65) 800,-


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Alte Drucke und alte Theologie

(DOSCH, C.), Bekehrung, Herrn Piquerin Votons, eines Engellendischen Freyherrns. Ingolstadt 1606. 1 Bl., 43 S. – Stalla 309 (unter Voton). – Namensansetzung nach Bircher. – Vorsätze mit Einträgen von alter Hand, Blattweiser tls. schadhaft, mehrf. gestempelt, stellenw. wurmstichig, im unteren Rand leicht wasserrandig, gering fleckig. – Siehe Abbildung.

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FRANGIPANI, O. M., Directorium ecclesiasticae disciplinae, Coloniensi praesertim ecclesiae accomodatum. Köln, Birckmann für A. Mylius, 1597. 4°. 16 Bl., 596 S., 17 Bl. Goldgepr. Pgt. d. Zt. (Prägung oxydiert, Schließbänder fehlen, fleckig). (158) 200,Einzige Ausgabe. – STC 622 (unter Mirto). VD 16 F 2269. Adams F 966. LThK IV, 86. – Kirchliches Verwaltungshandbuch aus der Feder des nachmaligen tarentinischen Erzbischofs Ottavio Mirto Frangipani (um 1543-1612), erwachsen aus dessen zehnjähriger Tätigkeit als Nuntius in Köln. – Titel gestempelt und mit 2 hs. Besitzvermerken, gebräunt, tls. wasserrandig. – Gestoch. Exlibris „Vitus Priefer de Miespach“. Veit Priefer (von dem auch einer der Besitzvermerke auf dem Titel stammt) war in verschiedenen Orten Bayerns als Priester tätig, zuletzt in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts als Dekan im heutigen oberösterreichischen Mattighofen (Kobolt, Nachträge 391).

195 Nr. 195 Einzige Ausgabe. – STC F 469. Stalla 317. Hillebrand 3765. Jöcher II, 622. – Sehr seltenes Pamphlet des Ingolstädter Jesuiten, das sich gegen J. Hutter und dessen Anhänger wendet. Der Verfasser versucht, Hutter und dessen Gedankengut in die Nähe der wiedertäuferischen Lehren zu bringen. NACHGEB.: DERS., Vierund funfftzig erhebliche Ursachen, warumb die Widertauffer nicht sein im Land zu leyden. Ingolstadt 1607. Mit Titelholzschnitt. 3 Bl., 126 S. – STC F 470. Stalla 316. Jöcher II, 622. BELLARMINO, R., Wolgegründte Verantwortung zwayer Schreiben, so wider jetzt regierende Bäpstliche H. Paulum V. Erstlich auß Lateinischer Sprach in die Italianisch, und volgends auß Italianischer in die Hochteutsch Sprach verdolmetscht Durch: Albrechten zu Herbsthaim. München 1607. 1 nn., 69 num. Bl. – Vgl. Jöcher I, 932. De Backer-S. I, 1208, 22 (anderer Drucker). (FORNER, F., Notwehr und Ehrenrettung Der Catholischen Religion. Ingolstadt 1602). 7 (statt 8) Bl., 441 S. (ohne den Titel und die S. 353-360). – Jöcher II, 677. – Nicht bei Stalla. ANDREAE, C. (d. i. C. VETTER), Zweyhundert Luther, das ist: zweyhundert helle und sonnenklare Proben deß unschuldigen Luthers, wie und welcher Gestallt nemblich der Luther an der Verwüstung Teutscher Nation sich am Jüngstentag werde entschuldigen können. Ingolstadt 1607. Mit Titelholzschnitt und ganzseit. Textholzschnitt. 3 Bl., 88 (recte 82) S. – STC V 321. Dünnhaupt 41. Stalla 347. Jöcher IV, 1558. De Backer-S. VIII, 626, 39. – „Antilutherische Dichtung in 229 paarweise gereimten vierzeiligen Strophen, mit dt. Prosakommentaren sowie einem großen satirischen Holzschnitt“ (Dünnhaupt).

FRANZISKANER – SAMMELBAND – 4 Werke zu den Auseinandersetzungen über den Status der Minoriten in den ersten beiden Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts in ersten Ausgaben. 1501-16. 4°. Holzdeckel mit breitem blindgepr. Schweinsldr.-Rücken d. Zt., altem hs. Rsch. und erneuerten Schließen (Hinterdeckel fachmännisch ergänzt, leicht bestoßen). (50) 2.000,CONSTITUTIONES ALEXANDRINE Or(dinis) Mi(norum) edite anno D(omi)n(i) 1501. Rom, E. Silber, 1501. 20 nn., XCVI num. Bl. – STC 278 (unter Franciscans). EDIT 16 CNCE 15095. – Nicht bei Adams. – Von Alexander VI. (1431-1503; Amtszeit 1492-1503) erlassene Bestimmungen für den Minoritenorden, abgerungen in der wenigen Zeit, die der anderweitig umtriebige Papst für derlei Amtliches erübrigen konnte. BONIFACIO DA CEVA, Defensorium elucidativum Observa(n)tie fratru(m) Minorum. (Straßburg, J. Schott, 1516). Mit großem Titelholzschnitt. 45 Bl. – STC 141. VD 16 B 6612. IA 122.047. Proctor 10281. Schmidt, Schott, Suppl. 3. Benzing, Straßburg, 190. – Nicht bei Adams. – Bonifacio aus Ceva (gest. 1517) gehörte zu den Wortführern der Konventualen im Streit mit den Observanten um das rechte Ideal der Armut. – Der Titelholzschnitt mit der Darstellung der Stigmatisierung des Franziskus. – Vollständig mit dem letzten weißen Blatt. (SCHATZGER, C.), Apologia status fratrum Ordinis minoru(m) de observantia nu(n)cupatoru(m) declaratoria. (Basel, J. Froben, 1516). 42 Bl. – STC 784. VD 16 S 2321. LThK IX, 221. – Nicht bei Adams. – Gegenschrift des einflußreichen Observanten und Antilutheraners Caspar Schatzger (1463-1527) „adversus patrem Bonifacium“. (FRANCISCUS VON ASSISI), Lucerna Fratrum minorum. Et expositio Eugeniane. Leipzig, M. Lotter, 1515. Mit kleinem Titelholzschnitt. LXX num., 3 nn. Bl. – VD 16 F 1998 und K 207. – Nicht im STC und bei Adams. – Vollständig mit dem letzten weißen Blatt.


Alte Drucke und alte Theologie

Gelenke gelockert, gebräunt, tls. fleckig. – Wohlerhaltener Sammelband im zeitgenössischen Einband mit wichtigen Schriften zur Geschichte des Franziskanerordens kurz vor der 1517 durch Leo X. offiziell sanktionierten Ordensteilung in Konventualen und Observanten. – Siehe Abbildung.

VD 16 G 1104. Benzing, Hagenau, 39, 187. – Vielbenutztes lateinisches Wörterbuch in einem seltenen Hagenauer Druck von Heinrich Gran, der die Druckkunst dort 1489 einführte. Er ging wahrscheinlich aus der Kaste der Briefmaler hervor, und deshalb vermutet Nagler (IV, 969), daß die Titeleinfassung von ihm selbst gestaltet wurde: „Sie ist aus Ornamenten gebildet, und mit Genien geziert. Oben halten zwei Genien einen Feston, über welchem zwei Delphine hervortreten. In der unteren Leiste sieht man zwei andere Genien mit den Schilden der Druckerei des H. Gran. Im Schilde des zweiten Knaben ist eine aufgebrochene Nelke, ebenfalls in die Tiefe geschnitten.“ – Titel mit Besitzvermerk „Ferdinandus Arnsperger“, darunter der Besitzeintrag des Klosters Rott am Inn. – Nur stellenw. wenig fleckig.

Joints loosened, browned, partly soiled. – Well preserved Sammelband in contemporary binding with important treatises to the history of the Franciscan Order shortly before the separation of the order in Conventuals and Observantists in 1517 officially sanctioned by Leo X. – Wooden boards with wide contemporary blind-pressed pigskin spine, old ms. spine label and renewed clasps (rear cover skilfully replaced, slightly scuffed). – See illustration.

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(GECHAUF, TH.), Draco mysticus, sive venatio. Authore Thoma Venatorio. O. O. und Dr. (Nürnberg, Petreius), 1530. 13 Bl. Mod. läd. Pp. (49) 400,-

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Einzige Ausgabe. – VD 16 G 611 (kein Standort; Aufnahme nach Knaake III, 1071). Panzer IX, 548, 279 b. ADB XXXIX, 600. Herzog-H. XX, 488: „Humanistische Gelegenheitsschrift.“ – Nicht bei Kuczynski, Adams und im STC. – Knaake weiß zum Inhalt nichts zu sagen und teilt nur mit: „In Versen.“ – Die neuere Literatur über Thomas Gechauf(f) bei Bietenholz-D. III, 382, wo besonders seine Leistung als Editor der ersten Archimedes-Gesamtausgabe hervorgehoben wird. – Titel gelockert, fleckig. – Mod. Exlibris (darunter das von Olschki).

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– Noctes Atticae. Cum gemino indice, et Graecarum dictionum versione. Venedig, G. Cavalli, 1565. Mit Holzschnitt-Titelvign. 28 Bl., 629 S. Pgt. d. Zt. mit Rtit. (Rücken mit kleinen Wurmspuren, bestoßen und etw. fleckig). (56) 150,Adams G 362. EDIT 16 CNCE 20611. – Nicht im STC. – Die häufig aufgelegte Sammlung von Lesefrüchten bietet oft die einzige Überlieferung von Texten griechischer und lateinischer Autoren. – Vorsatz mit Besitzvermerk von alter Hand und Siegelabdruck, Titel (aufgezogen) mit Wurmspuren (kein Textverlust), die Titelvignette ankoloriert, anfangs und am Ende kleine, hinterlegte Wurmspuren (die Holzschnitt-Initiale am Beginn im unteren Teil ergänzt), einzelne Marginalien mit Tinte, stellenw. etw. fleckig, unterschiedlich gebräunt.

GEMMA GEMMARUM – DICTIONARIUM, quod Gemma gemmarum vocant, nuper castigatum. Hagenau, H. Gran für J. Rynman, 1518. 4° Mit Titelbordüre. 142 Bl. Mod. Pp. (54) 500,-

(GESNER, K.), Lexicon Graecolatinum. 2 Tle. in 1 Bd. Basel, Walder, 1541. Fol. Mit Titelbordüre und Druckermarke am Ende. 387 (statt 388), 52 Bl. Pgt. d. Zt. mit Rsch. (hinterer Deckel mit tls. eingeritzter und gestochener Zeichnung, stärker fleckig und bestoßen). (97) 600,Zweite Ausgabe. – STC 367. VD 16 G 1749. Wellisch A 1.2. – Erfolgreiches Erstlingswerk des Universalgelehrten Conrad Gesner, das dieser auf Anregung des mit ihm befreundeten Druckers Walder bereits mit 21 Jahren zusammenstellte und das ihm frühen Ruhm einbrachte, obwohl sein Name im Druck nicht genannt wird. – Mit der schönen Cebes-Holzschnittbordüre nach Holbein (Butsch 54; Kat. Basel 1960, 371), geschnitten von Hans Herman. Am Ende das schöne Papageiensignet des Druckers Johann Walder (Heitz-B. 163, III) mit der Inschrift „Lento pede“ vom Meister des Minervasignets, „der die bedeutendste Kraft nach Holbein ist“ (Grimm 179; Koegler 444). – Es fehlt Blatt 2 mit dem Privileg und Vorwort von Hieronymus Curio. – Nachgebunden sind die S. 129-181 eines nicht bestimmbaren Drucks mit den „Dictiones Latinae Graecis expositae“. – Vorsatz und Titel mit Besitzvermerken von alter Hand, Bl. aa mit Einriß, stellenw. fleckig, leicht gebräunt. – Mod. Exlibris.

GELLIUS, A., Noctium Atticarum libri undeviginti. Venedig, Aldus, Sept. 1515. Mit 2 Druckermarken. 32 nn. (das letzte weiß), 289 num., 51 nn. Bl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. (beschabt und bestoßen). (49) 600,Erster Druck der ersten Ausgabe bei Aldus. – Adams G 343. STC 294. Naiditch-B. 119. Renouard 73.9. Schweiger II, 376: „Recognition des Textes von Jo. Bapt. Egnatius, welcher einen zwiefachen Index und die Erklärung der griechischen Worte beifügte.“ – Korrigierte Druckvariante mit „Duernionem“ im Kolophon. – Titel mit Besitzvermerk von alter Hand.

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GIOVIO, P., G. SIMEONI UND L. DOMENICHI, Dialogo dell'imprese militari et amorose. Lyon, G. Rouillé, 1574. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel, ganzseit. Holzschnittportr. auf dem Titel verso und 138 emblematischen Textholzschnitten. 280 S., 7 Bl. Mod. Pgt. (56) 300,STC 202. Baudrier IX, 348. Landwehr 345. Praz 353. Mortimer 249 Anm. – Zweite italienische Ausgabe mit denselben Holzschnitten wie in der ersten, in meist klaren und kräftigen Abdrucken. – Titel recto und verso mit rasiertem Besitzvermerk von alter Hand (Papierdurchbruch mit minimalem Bildverlust), die Titelvignette ankoloriert, anfangs einzelne Marginalien in Tinte, stellenw. stärker fleckig (Titel) und wasserrandig.

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GIOVIO, P., Gli elogi. Vite brevemente scritte d'huomini illustri di guerra, antichi et moderni. Tradotte per L. Domenichi. Venedig, G. de' Rossi, 1557. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel. 8 nn., 350 num., 1 nn. Bl. Beschäd. flex. Pgt. d. Zt. (56) 120,-


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Alte Drucke und alte Theologie

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Nr. 205

Zweite italienische Ausgabe. – STC 304. Adams G 641. EDIT 16 CNCE 21212. – Vgl. Haym 169, 9. Gamba 1430 Anm. Alden 554/27. Sabin 27478: „Contains lives of Columbus, Cortez, Tristan d'Acugna, etc.“ – 1551 erstmals in lateinischer Sprache erschienen; erste Übersetzung ins Italienische 1554. – Das Bl. 269 verso fehlerhaft gedruckt; gebräunt, fleckig. – Vollständig mit dem letzten weißen Blatt.

– „The importance of his book, which no one has yet noticed, lies in the fact that it contains the first Subscription List we know“ (Hornik-S. in Sciencia Nova II, S. 42). – Der Tafelteil mit 54 Münzkupfern und 3 Zwischentiteln in der Paginierung. – Vorsätze leimschattig, Titel mit Besitzvermerk von alter Hand, einzelne Blätter mit kleinem Einriß, am Ende stärker wasserrandig, stellenw. fleckig. – Siehe Abbildung.

– Historiarum sui temporis tomus primus. Bd. I (von 3) in 1 Bd. Lyon, Gryphius' Erben, 1561. Mit Druckermarke auf dem Titel. 1144 S., 39 Bl. Ldr. d. Zt. (starke Gebrauchsspuren). (72) 150,-

First edition. – Plate part with 54 copperplates showing coins and 3 subsidiary titles in pagination. – Endpapers with glue traces, title with ownership entry by contemporary hand, some leaves with small tear, stronger waterstains at the end, here and there soiling. – Contemporary damaged calf with spine label. – See illustration.

Adams G 656. Baudrier III, 302. – Nicht im STC. – Hübsche kleinformatige Ausgabe der seinerzeit oftmals aufgelegten Universalgeschichte. – Etw. wasserrandig, leicht fleckig.

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GOLTZIUS, H., C. Iulius Caesar sive historiae imperatorum Caesarumque Romanorum liber primus. Accessit C. Iulii Caesaris vita et res gestae. Brügge, Selbstvlg., 1562-(63). Fol. Mit gestoch. Titel, 57 S. Tafelteil und emblematischem Textkupfer am Ende. 16, 3 Bl., 231 S., 24 Bl. Beschäd. Ldr. d. Zt. mit Rsch. (35) 1.000,Erste Ausgabe. – STC 87. Adams G 829. Lipsius 153. Ornamentstichslg. Berlin 4249. Hollstein VIII, 139. Funck 323: „Seconde ouvrage de Goltzius.“ – Wie oft ist das Druckjahr auf dem gestochenen Titel in „1563“ korrigiert. – Entgegen MNE (I, 270) erschien 1573-74 noch ein „Liber secundus“.

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GREGOR IX., Decretales. Accurata diligentia tertio emendate. Lyon, N. de Benedictis, 1510. 4°. Mit wdh. Druckermarke und 3 (2 ganzseit.) Textholzschnitten. 4 nn., 432 num., 25 nn. Bl. Restauriertes blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln. (49) 800,Von Gültlingen 49. – Nicht im STC und bei Adams. – Schöne Ausgabe der Dekretalen in Rot und Schwarz, zweispaltig mit umgebendem Kommentar. – Der Holzschnitt am Beginn zeigt den thronenden Papst, umgeben vom Klerikern, und kleine Szenen aus seiner Vita; die ganzseitigen Textholzschnitte mit der „Arbor consanguinitatis“ und der „Arbor affinitatis“. – Durchgängig mit kleinen Wurmspuren (auch im Text), einzelne Streichungen mit Tinte, stellenw. wasserrandig, wenig fleckig, unterschiedlich gebräunt. – Mit dem letzten weißen Blatt. – Siehe Abbildung.


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Nr. 206

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(GUILELMUS PARISIENSIS), Postille maiores sup(er) evangelia et epistolas: quemadmodum in templis per annum leguntur. Monotessaron passionis Christi, ex quatuor evangelistis confectum, et expositum diligenter, per autores receptos. 2 in 1 Bd. Basel, Petri, 1519. 4°. Mit 2 wdh. Holzschnitt-Titelbordüren und zahlr. Textholzschnitten meist von Urs Graf. 4 nn., 352 num., 8, 4 nn., 39 num. Bl. (ohne das Bl. mit der Druckermarke). Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit intakten Schließen (professionell restauriert). (50) 1.200,-

and bound in a decorative way. – Contemporary blindpressed pigskin over wooden boards with working clasps (professionally restored). – See illustration.

VD 16 E 4395. STC 117. Hieronymus, Petri, 24a. IA 101.514. Lonchamp 19. – Erweiterte Lyoneser Fassung der mehrfach aufgelegten Postille, traditionell dem Bischof von Paris, Guilelmus, zugeschrieben. – „More than one hundred editions of the Postilla were printed during the fifteenth century. Surely this esteemed compilation must be regarded as one of the earliest 'best sellers'. Only a few facts seem to be known about Frater Guillermus“ (Goff, The Postilla of Guillermus Parisiensis, in GJB 1959, 73 ff.). Dieser war Dominikaner und Theologieprofessor in Paris, er verfaßte seine Evangelienauslegung angeblich 1437 für Mitglieder seiner Kirchengemeinde. Die Postilla wurde vor allem in Süddeutschland, aber auch in Köln und Lyon gedruckt. – Lage Ee doppelt eingebunden. – Nur stellenw. leicht gebräunt und wenig fleckig. – Insgesamt sehr gut erhalten und dekorativ gebunden. – Siehe Abbildung. Enlarged Lyon version of the Postilla issued several times, traditionally ascribed to the bishop of Paris, Guilelmus. – Quire Ee bound-in twice. – Only here and there slightly browned and a little soiled. – Altogether very well preserved

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HACKSPAN, TH., Disputationum theologicarum & philologicarum sylloge. Nürnberg, Endter, 1663. 4°. 4 Bl., 616 S., 22 Bl. Restauriertes Pgt. d. Zt. (100) 1.500,CLC H 28. ADB X, 299. – Mit zahlreichen in Griechisch, Hebräisch, Arabisch und Syrisch gesetzten Zitaten. Eine der wichtigsten exegetischen und biblisch-philologischen Schriften des evangelischen Theologen und Orientalisten (1607-1659). „Als Theologe huldigte er dem freieren und selbständigeren Geiste, den er der Jenaischen und Helmstädtischen Schule, namentlich Calixt verdankte“ (ADB). BEIGEB.: LIPMAN, (J. T.), Sefer nizachon (hebraice). Liber Nizachon. Curante Th. Hackspan. Ebda. 1644. Mit gestoch. Titel. 7 Bl., 512 S., 12 Bl. – Erste Ausgabe. – Steinschneider 5854, 1. Roest 682. Fürst II, 403: „Eine Polemik gegen das Christenthum in Zusammenstellung von 354 Bibelstellen, gegen die Aufassung der Christen vertheidigt.“ – Hauptwerk von Jom-Tov ben Salomo LipmannMühlhausen. Ferner enthalten: „Tractatus de usu librorum Rabbinicorum“. – „Lipman wirkte als offizieller 'Judenrichter' in Prag, wurde 1399 mit vielen anderen Juden unter der Anschuldigung der Christusschmähung verhaftet und entging nur durch seine Widerlegung der falschen Anschuldigungen des Apostaten Peter der Hinrichtung, welche mehr als siebzig seiner Glaubensgenossen zu erdulden hatten“ (Herlitz-K. III, 1119). – Im unteren Teil der aufwendigen Rahmung des gestochenen Titels beleuchtet der Herausgeber mit einer Kerze das Manuskript in den Händen des Verfassers.


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CRINESIUS, CH., Babel (hebraice). Sive discursus de confusione linguarum, tum orientalium: Hebraicae, Chaldaicae, Syriacae, Scripturae Samariticae, Arabicae, Persicae, Aethiopicae: túm occidentalium, nempe Graecae, Latinae, Italicae, Gallicae, Hispanicae. Nürnberg, Halbmaier, 1629. Mit Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel und 3 Kupfertafeln. 8 Bl., 144 S., 2 Bl. – Jöcher I, 2198. – Crinesius (1584-1629) studierte in Jena und Wittenberg, war Schüler von Fabricius und erhielt 1624 eine Professur für orientalische Sprachen. – Die Tafeln mit verschiedenen Schriften und Alphabeten.

Erste deutsche Ausgabe. – Adams H 421. STC 400. VD 16 H 2545. Hieronymus 386 Anm. Ibrahim-Hilmy I, 310. Schweiger I, 96, und II, 334. – Johannes Herold (geb. 1511 in Höchstädt) lebte als Theologe in Basel, gehörte dem Kreis um Erasmus an und wurde u. a. in die Hieroglyphenkunde eingeführt. – Den Hauptteil des Werkes nimmt eine Diodor-Übersetzung ein, illustriert mit Holzschnitten, die meist aus Münsters Kosmographie übernommen wurden. Daneben wirkten aber auch Hans Holbein d. J., der Meister D.S. (Astronom S. CXC), Niklaus Manuel, Hans Rudolf Manuel, David Kandel, Jacob Clauser sowie einige unbekannte Meister mit. – Von besonderem Interesse ist heute die Frucht von Herolds ägyptischen Studien: eine Horapollo-Übersetzung, reich geschmückt mit emblematischen Holzschnitten (auf zwei doppelblattgr. Textblättern versammelt und deshalb manchmal als Tafeln gezählt). – Die Druckermarke bei Heitz-B., S. 55, Abb. 76. – Vorsatz mit Besitzvermerken, im ersten Teil stellenw. Wasserspur, im dritten Teil S. CVII-CX mit Randschaden. – Siehe Abbildung.

Vorsatz mit hs. Besitzvermerken „Maresii“ (wohl Samuel Maresius; 1599-1673) und von David Winter (1643-1699) und Adolf Mobring (hebräisch). – Der Vorsatz und die ersten Blätter professionell restauriert, einzelne Anstreichungen mit Bleistift, stellenw. wasserrandig, unterschiedlich gebräunt. – Nürnberger Sammelband mit seltenen Werken bedeutender protestantischer Orientalisten. – Siehe Abbildung. Endpaper and first leaves professionally restored, some underlinings with pencil, waterstains here and there, variable browning. – Nuremberg Sammelband with rare works by important Protestant orientalists. – Contemporary restored vellum. – See illustration.

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HEROLD, J., Heydenweldt und irer Götter anfängklicher ursprung. Basel, H. Petri, 1554. Fol. Mit Druckermarke und ca. 400 Textholzschnitten. 144 Bl., CCXCV, CXXX S., 1 Bl. Pgt. d. Zt. (etw. beschabt und bestoßen). (91) 6.000,-

First German edition. – The major part of the work is a translation of Diodorus, illustrated with woodcuts which were mostly taken from Münster's Cosmography. – Endpaper with ownership entries, in the first part here and there waterstains, in the third part pp. CVII-CX with marginal damages. – Contemporary vellum (some scratching and scuffing). – See illustration.


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Unbekannter Druck mit Stammbucheinträgen 209

HOFFMANN, E., UND H. WIRICH, Stammund Wappenbüchlein. Von allerhand schöner und Kunstreicher Helmdecken und Zierden. Von newem an Tag geben. Frankfurt, P. und J. Schmid, 1592. 4°. Mit Titelkupfer und Schlußvign. 4 Bl. (Druck) und 55 weiße Bl. für Stammbucheinträge mit 21 gestoch. vorgedruckten Wappenkartuschen zur Ausmalung. Restauriertes Ldr. um 1700 mit Rvg. (100) 8.000,Einziges bekanntes Exemplar. – Das wahrscheinlich letzte Druckwerk des Frankfurter Karten- und Wappenmalers Elias Hoffmann, geschaffen in Zusammenarbeit mit dem Kupferstecher Heinrich Wirich, ist eine besondere Rarität in der Geschichte des Buchdrucks: ein Stammbuch mit vorangestellter gedruckter Einleitung (Vorrede an den Leser sowie Widmungen an die Einträger) und Blättern, die mit vorgedruckten Wappen für die zu erwartenden Eintragungen vorgesehen sind. – Bei dem vorliegenden Druck handelt es sich indessen bereits um eine Folgeauflage. Die erste Ausgabe mit leicht abweichendem Titel war im selben Jahr erschienen. Bislang ist zwar auch von ihr kein Exemplar bekannt geworden, doch fand sie in das Verzeichnis der Drucke des 16. Jahrhunderts „Unicus seculi“ von J. Cless (Frankfurt 1602) Eingang unter dem Titel: „Eliae Hoffmans Mahlers / Stamm und Wappenbüchlein/allerhand schöner künstlicher Helm / etc. in Kupffer gestochen / für Adeliche und gefreyte Personen zugericht. Franckfurt 1592“ (Bd. II, S. 274, unter „Libri Germanici“). Hier fehlt noch der Hinweis auf die Nützlichkeit für die „Liebhaber der löblichen Malerkunst“ wie im Titel unserer Ausgabe. Außerdem ist das Format mit Oktav angegeben, nicht Kleinquart. Hoffmann, der bereits im Mai 1592 verstorben ist, hat demnach in der ersten Hälfte des Jahres zwei abweichende Ausgaben seines Stammbuchs hergestellt – beide offenbar in Kleinstauflage (die Vorrede unserer Ausgabe mit Datum 12. 3. 1592). In größerer Form – sowohl inhaltlich als auch von der Auflagenhöhe her – wurde die Idee eines Stammbuchs mit Wappenvordrucken noch im selben Jahr wieder aufgegriffen und um Emblemdarstellungen erweitert, und zwar in der ersten Ausgabe der „Emblemata nobilitati ... Stam und Wapenbüchlein“ von Theodor de Bry (VD 16 B 8817). Einige der Helmzierden der Blankowappen aus dem Werk Hoffmanns wurden dabei nur wenig verändert nachgestochen und mit opulenten Bordüren eingefaßt. Auf einen Zusammenhang zwischen beiden Werken verweist auch der Beitrag eines Widmungsgedichtes „In catalogum amicorum“ von „Teucrius Annaeus Privatus Colchanthes“, d. i. Hans Adam Lonicer, der zu dieser Zeit eng mit De Bry zusammengearbeitet hat. Heinrich Wirich hat später seinerseits das Brysche Stamm- und Wappenbuch neu bearbeitet (erschienen in Köln im Jahr 1600). Auch der Maler Philipp Uffenbach, bekannt als Lehrer Adam Elsheimers und Schwiegersohn Hoffmanns, stand mit De Bry in Verbindung. Offenkundig hat also Hoffmanns Idee des vorgedruckten Wappenstammbuchs in De Brys in mehreren Ausgaben erschienenem emblematischen Werk ihre eigentliche Umsetzung gefunden, ist aber selbst in Vergessenheit geraten. Der Titelkupferstich mit der Darstellung eines Ritters mit Blankowappen für den Eigner, die Schlußvignette mit einer Allegorie auf die Gegensätze (Winter – Sommer, Tod – Leben, Weite – Nähe). – Die Stammbucheinträge, die bis in das Jahr 1632 reichen, wurden meist von böhmischen Adeligen vorgenommen. Es finden sich darin 17 gezeichnete und teils lavierte sowie 16 aquarellierte Wappenminiaturen und mehrere kleine Federzeichnungen (darunter das

Nr. 210 Schlußblatt mit Reitern und Landsknechten). Offenbar waren die Einträger mit der Möglichkeit, Wappenvordrucke auszumalen, nicht vertraut, denn diese blieben sämtlich unausgefüllt. Die überwiegend tschechischen Einträge sind meist genealogischen Inhalts, viele auch mit Rezepturen für Heilmittel. – In dieser Form ein äußerst rares, kulturgeschichtlich bedeutendes Dokument. Der Versuch, Freundschaftsalben mit Vordrucken auf dem Buchmarkt zu etablieren, hat sich zu dieser Zeit nicht dauerhaft durchsetzen können. Das vorliegende Exemplar ist eines der frühesten Zeugnisse derartiger Bestrebungen. – Der gedruckte Part etw. fleckig, wasserrandig und gebräunt, im anderen Part zwei Bl. mit Durchriß und Ausrissen, nach Restaurierung ein Bl. mit Wappenkupfer kopfstehend eingebunden, ein Bl. mit Bugausriß (ein wenig Textverlust der hs. Eintragung); stellenw. finger- und tintenfleckig, etw. gebräunt. – Siehe Tafel 8 und Abbildung. Sole copy known. – The last work probably by the Frankfurt painter of maps and emblems Elias Hoffmann, created together with the engraver Heinrich Wirich, is a special rarity in the history of printing: an album amicorum preceded by a printed introduction (foreword to the reader and dedications to the persons inscribed) and leaves that are designated with preprinted arms for the expected entries. – The entries in the album amicorum reaching up to the year 1632, were mostly made by Bohemian aristocrats. There are arms miniatures, 17 of them drawn and partly washed, 16 coloured by hand and several small pen and ink drawings (among them the closing leaf with horsemen and lansquenets). It seems that the persons inscribing in this album were not aware of the possibility to fill in the special arms form, because the latter remained all blank. The prevailing Czech entries are mostly of genealogical tenor, many also with recipes for remedies.


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Alte Drucke und alte Theologie

signiert FO (unbekannter Straßburger Formschneider; Nagler II, 834). – Behutsam gereinigt. – Von größter Seltenheit: von uns auf deutschen Auktionen nur das vorliegende Exemplar nachweisbar (Bibliothek Eduard Erdmann; versteigert 1959). – Siehe Abbildung. Sole edition. – Rhyming chronicle of the Württemberg princes, mixed with stories from the Greek and Roman mythology. Furthermore interesting parts on mining, law, medicine etc. – The woodcuts represent landscapes, buildings and mythological scenes; one is signed FO (unknown Strasbourg form-cutter; Nagler II, 834). – Carefully cleaned. – Extremely rare: only the present copy can be traced by us on German auctions (library Eduard Erdmann; auctioned in 1959). – Modern calf in the style of the epoch. – See illustration.

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HORATIUS FLACCUS, Q(U)., Sermonum libri quattuor, seu, satyrarum libri duo, epistolarum libri duo. Venedig, P. Manutius, 1566. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel und dem letzten Bl. sowie einigen Kopfvign. und Initialen (alles in Holzschnitt). 4 Bl., 210 S., 10 Bl. Pp. d. Zt. (Kanten stärker beschabt und bestoßen). (39) 200,EDIT 16 CNCE 22730. STC 333. Adams H 911. – Mit Kaufvermerk von 1670 auf dem letzten Blatt, kaum fleckig.

Nr. 216 An extremely rare and important document as regards cultural history. The present copy is one of the earliest testimonies of this kind. – The printed part a little soiled, with waterstains and browning, in the other part two leaves torn in two and tear-outs, after restoration one leaf with armorial copperplate bound-in upside down, one leaf with tear-out at joint (some loss of text of ms. inscription); here and there thumbing and ink stains, a little browned. – With title copperplate and tail-piece. 4 leaves (printing) and 55 blank leaves for inscriptions in the album amicorum with 21 engraved preprinted armorial cartouches to be filled in. – Restored calf around 1700 with gilt back. – See plate 8 and illustration.

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HOLTZWART, M. VON, Lustgart, newer deuttscher Poeteri, in fünff Büchern beschriben. Straßburg, J. Rihel, 1568. Fol. Mit Druckermarke auf dem Titel und am Schluß, großem Wappenholzschnitt auf der Titelrückseite und 5 Holzschnitten im Text. 4 nn., 173 num., 2 nn. Bl. Mod. Ldr. im Stil d. Zt. (50) 4.000,Einzige Ausgabe. – Ritter 1184. STC 412. VD 16 H 4551. Goed. II, 484, 2. – Reimchronik der württembergischen Fürsten, vermischt mit Erzählungen aus der griechischen und römischen Mythologie. Ferner interessante Stellen über Bergbau, Recht, Medizin etc. Möglicherweise schrieb Holtzwart diese Chronik in Anlehnung an den Theuerdank; stilistisch wird sie heute als Zeugnis des Übergangs zum Barock betrachtet. „Holzwarts deutsche Schriften heben sich durch gute Sprache und gesunde Lebensansicht unter den Produkten seiner Zeitgenossen vortheilhaft heraus“ (ADB XIII, 34). – Die Holzschnitte stellen Landschaften, Gebäude und mythologische Szenen dar; einer ist

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– (Opera) commentariis auctis (a) D. Lambini. 2 Tle. in 1 Bd. Frankfurt, Wechels Erben, 1596. 4°. Mit 3 Druckermarken auf beiden Titeln und dem letzten Bl. 8 Bl., 464, 550 S., 1 Bl. Pgt. d. Zt. (stark fleckig). (39) 100,VD 16 H 4878. Adams H 945. – Vgl. STC 416 (Ausg. 1577). – Die erste Ausgabe von Lambins Kommentar, der als Professor für Latein und Griechisch am Pariser Collège de France wirkte, war 1561 in Lyon erschienen. – Mit Besitzvermerk auf dem Titel sowie einzelnen hs. Marginalien in Tinte, stellenw. fleckig und wasserrandig.

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HOSIUS (HOZYUSZ), S., Ain christlicher Bericht, was die hailige christlich Kirch, und derselben Gwalt und macht sey. Dillingen, S. Mayer, 1559. 6 nn., 105 num., 2 nn. Bl. Flex. Pgt. d. Zt. (Gebrauchsspuren). (129) 150,Erste deutsche Ausgabe eines Auszugs aus der „Confessio fidei Catholicae Christiana“. – VD 16 H 5147. Bucher 118. Estreicher XVIII, 277. Wierzbowski 2337. – Leicht fleckig, gegen Ende unten wasserrandig.

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HUND(T), W., Bayrisch Stammen Buch. 2 in 1 Bd. Ingolstadt, D. Sartorius, 1598. Fol. Mit wdh. Wappenholzschnitt auf den Titeln. 20 Bl., 375 S., 2 Bl. (letztes weiß), 2 Bl., 410 S., 1 Bl. Stark läd. Pgt. d. Zt. (102) 400,VD 16 H 5928. STC, Suppl., 29. Stalla 1855. – Vgl. Pfister I, 501. Lentner 3410 (beide die EA 1585-86). – Zweite Ausgabe von Hundts genealogischem Hauptwerk, „eine Art Matrikel des Turnieradels, sorgfältig und mit kritischer Gründlichkeit gearbeitet, für Hundts Zeit ausgezeichnet durch ein ungewöhnliches Maß von Urkundenverwendung.


Alte Drucke und alte Theologie

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Viele Angaben sind durch keine andere Quelle überliefert; ein zuverlässiges, reichhaltiges Werk, das kein anderer deutscher Stamm aus so früher Zeit aufzuweisen hat und das einen neuen Abschnitt in der bayer. Geschichtsschreibung einleitet“ (NDB X, 65). – Vorsatz mit hs. Besitzvermerk, Titel mit gelöschtem Eintrag in Tinte, das weiße Blatt am Schluß von Bd. I mit Blattweiser-Ausriß, tls. etw. gebräunt und fleckig sowie wasserrandig. – Aus der „Bibliotheca Lindesiana“. – Gestoch. Exlibris.

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– DASS. Flex. Hpgt. d. Zt. (Gebrauchsspuren). (4) 600,Vorsatz lose, Titel mit Besitzvermerk und mit Randschäden, stellenw. fleckig.

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HUNNIUS, Ä., Catechismus oder Kinderlehre von den Hauptpuncten Christlicher Religion. Frankfurt, J. Spieß, 1592. 4°. Mit breiter Titelbordüre und 17 Textholzschnitten. 4 Bl., 714 (recte 713) S. Pgt. d. Zt. (stärker fleckig und bestoßen). (84) 1.200,Erste Ausgabe. – VD 16 H 6079. – Hunnius, einer der bedeutendsten Theologen seiner Zeit, war 1592 nach dem Tod des Kurfürsten Christian von Herzog Wilhelm Friedrich nach Wittenberg berufen worden, wo er an der Unterdrückung der melanchthonischen Tradition maßgeblich beteiligt war (vgl. Herzog-H. VIII, 457). – Die Druckermarke ist in die breite Titelrahmenbordüre mit den Evangelisten, Moses und Christus integriert. Die Holzschnitte mit biblischen Szenen und variierten Rahmen mit Figuren und Rollwerk.

Nr. 217 Benzing 174. Schmidt (Schott) 61. Hohenemser 2758. – Seltene zweite Ausgabe dieser Sammlung, in der die Schmähschriften zusammengefaßt sind, die Hutten im Februar und März 1521 gegen die in Worms versammelten Fürsten und geistlichen Würdenträger niedergeschrieben hatte; gegenüber der ersten Ausgabe (in Paris bei P. Vidoué) erweitert durch ein Sendschreiben an den Kaiser, worin Hutten sich entschuldigt, daß er in seinem ersten Schreiben an ihn zu heftig war, und je einen Brief an den Kurfürsten Albrecht von Mainz und W. Pirckheimer. – Das schöne ganzseitige Brustbild Huttens, das nach Curiel „dem Baldung sehr nahe“ steht, von Röttinger 53 und dem Karlsruher BaldungKatalog S. 370 jedoch eher Weiditz zugeschrieben wird, wurde im selben Jahr von Schott erstmals für das „Gespräch büchlin“ verwendet. – Durchgehend wasserfl., im Rand stellenw. Anstreichungen mit Tinte. Rechte untere Ecke des Holzschnittes leicht fingerfleckig. – Siehe Abbildung.

BEIGEB.: DERS., Christliche Haußtafel, Das ist: Beschreibung allerley Stände und Orden der Christen. Ebda. 1591. Mit Holzschnitt-Druckermarke am Ende. 4 Bl., 170 S., 1 Bl. – VD 16 H 6005. – Die erste Ausgabe dieser Schrift war 1586 erschienen. (DERS., Sechs Propheten der H. Schrifft, nemlich Daniel, Obadias, Jonas, Micha, Haggai unnd Malachias gründtlich außgelegt und in unterschiedlichen Predigten erkläret und in Druck verfertiget. Ebda. 1595). 25 (statt 26) Bl., 568, 552 S., 20 Bl. (1 weißes Bl. zwischengebunden). – Vgl. VD 16 B 3830 (EA 1587). – Enthält am Beginn Vorreden von Hunnius und Luther, am Ende die Register, wobei das Register zu Daniel die letzten beiden Lagen einnimmt und auf das weiße Blatt nn8 folgt. – Es fehlt das Titelblatt. – Im KVK kein Exemplar dieser Ausgabe. Auf den weißen Blättern am Beginn und Ende hs. Einträge aus dem 18. Jahrhundert zu Kindsgeburten und Todesfällen, einzelne Marginalien in Tinte, stellenw. kleine Randläsuren, fleckig und gebräunt. – Alle Werke selten. – Siehe Abbildung.

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HUTTEN, U., In Hieronymum Aleandrum, & Marinum Caracciolum, Leonis decimi, P. M. oratores in Germania, invective singule. (Straßburg, J. Schott, 1521). 4°. Mit blattgr. HolzschnittPortr. Huttens von H. Weiditz auf dem Titel. 32 Bl. Mod. Pp. (50) 600,-

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JOSEPHUS, FLAVIUS, Antiquitatum Iudaicarum libri XX. De bello Iudaico libri VII. Contra Apionem libri II. De Machabeis liber unus, ab Erasmo recognitus. Köln, E. Cervicornus, 1534. Fol. Mit figürlicher Titelbordüre sowie einigen Holzschnitt-Initialen von A.Woensam von Worms. 16 nn., 335 num., 4 nn. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. mit Schließbändern (Deckel wenig gewölbt). (110) 800,VD 16 J 959. STC 463. Merlo 1095, 117a. Van der Haeghen II, 37. – Vgl. Hieronymus, Griech. Geist, 237. – Wichtige lateinische Gesamtausgabe, erschienen im September 1534 in Köln, ein halbes Jahr nach der im Frühjahr in Basel gedruckten. – Tls. leicht gebräunt, stellenw. etw. wurmlöchrig und leicht wasserrandig. – Siehe Abbildung.


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Alte Drucke und alte Theologie

1602. Mit Druckermarke auf dem Titel. 8 Bl., 634 S., 37 Bl. Pgt. d. Zt. (Kopf mit Stauchspuren, etw. fleckig und bestoßen). (126) 200,CLC J 404. – „Dictionary classified according to subjects, with Latin catchwords, the explanation of the catchword in Latin, and the translation of the word in Greek, German, Dutch, French, Spanish, and occasionally English“ (Voet zur EA 1567). – Wasserrandig, etw. wurmstichig und leicht gebräunt.

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I. Adams J 679. – Nicht im STC. – II. Nicht im STC und bei Adams. – Seltene Ausgaben der Bearbeitungen der justinianischen Texte durch Haloander. „Mögen nun auch die Haloandrischen Arbeiten später durch exaktere kritische Methode und Benutzung eines reicheren Apparats in ihren Ergebnissen übertroffen sein; so kann doch die historische Bedeutung und das Verdienst des deutschen Gelehrten nicht hoch genug angeschlagen werden. Nicht hatte er sich die Aufgabe gestellt, die Textesform auf die am besten beglaubigte Überlieferung zurückzuführen; sondern er bezweckte, aus den mannigfaltigen Überlieferungen durch Auswahl einen lesbaren Text herzustellen. Es war ihm mehr um Brauchbarkeit und Verständlichkeit als um äußerlich beglaubigte Echtheit zu tun“ (Stintzing-L. I, 199). – Beide Ausgaben stammen aus der Offizin von Charlotte Guillard (ca. 1480-1557), der ersten bedeutenden Druckerin. – Vorsatz wurmstichig und mit Eintrag von alter Hand in Tinte, ohne den fliegenden Vorsatz, anfangs und gegen Ende leicht wasserrandig, vereinzelt mit Marginalien, leicht fleckig.

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JOSEPHUS, FLAVIUS, Historien und Bücher: Von alten Jüdischen Geschichten. Alles auß dem Griechischen von newem verteutscht (von Conrad Lauterbach). Straßburg, K. Dietzel und von der Heydens Erben, 1630. Fol. Mit Titelbordüre, Druckermarke am Ende und zahlr. Textholzschnitten von Ch. van Sichem und Ch. Stimmer nach Tobias Stimmer. 6 Bl., 960 S., 18 Bl. – NACHGEB.: HEGESIPPUS, Vom Jüdischen Krieg, jetz newlich auß dem Latein auffs trewlichst verteutscht (von Conrad Lauterbach). Ebda. 1630. Mit Titelbordüre und zahlr. Textholzschnitten (wie oben). 6 Bl., 214 S., 5 Bl. Hldr. d. Zt. mit Rsch. (fleckig, wurmstichig, beschabt und bestoßen). (102) 300,-

JUSTINIANUS, Novellarum constitutionum volumen. Gregorio Haloandro interprete. Accesserunt et haec, feudorum libri duo. – Institutionum libri quatuor. A Gregorio Haloandro recens castigati. Paris, Ch. Guillard und G. Desboys, 1552. 8 nn., 367, 121 num., 2 nn. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. (ohne die Schließbänder, fleckig, beschabt und bestoßen). (72) 600,-

222

JUSTINUS, (M. J.), Ex Trogi Pompeii historia. Köln, A. Birckmanns Erben, 1564. Mit Druckermarke auf dem Titel. 16 Bl., 350 S. Stark beschäd. Pgt. d. Zt. (4) 150,Bibliographisch von uns nicht nachweisbar (und nicht im KVK). – Fleckig, zahlr. alte Anmerkungen, Gebrauchsspuren.

Goed. II, 319, 5. Fürst II, 122. Wüthrich II, 105, 89. – Freie Wiedergabe der Chronik von Flavius Josephus in der Übersetzung von Conrad Lauterbach. Thieme und Becker (XXXII, 59) zählen die Holzschnitte zu den schönsten Erzeugnissen der deutschen Formschneidekunst der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. – Vorsätze erneuert, beide Titel am unteren Rand beschnitten, der erste zudem aufgezogen, fleckig, gebräunt und wasserrandig.

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JUSTINUS MARTYR, Operum, quae extant, omnium per Ioannem Langum Silesium, e(x) Graeco in Latinum sermonem versorum, et sententijs priscorum sanctorum Patrum illustratorum, Tomi III. 3 in 1 Bd. Basel, Froben, 1565. Fol. Mit Druckermarken auf dem Titel und am Schluß sowie einigen Holzschnittinitialen im Text. 348, 279, 190 S., 35 Bl. Läd. flex. Pgt. d. Zt. (72) 200,-

JUNIUS, A., Nomenclator octilinguis. Omnium rerum propria nomina continens. Ab A. Iunio antehac collectus. Nunc verò renovatus, auctus & in capita LXXVII. sic distinctus, ut materiae singulorum capitum dispositae sint. (Genf), Stör,

Erste Ausgabe der Übersetzung Johann Langes. – VD 16 J 1174. Adams J 497. Hoffmann II, 651. Hieronymus, Griech. Geist, 465. – Die Übersetzung des schlesischen kaiserlichen Rats und Philologen Johann Lange (1503-1567) ist die dritte lateinische Ausgabe der gesamten Werke (erste lateinische Gesamtausgabe: Paris 1551). – Titel gestempelt und mit Besitzvermerk, wenig fleckig.


Alte Drucke und alte Theologie

mit theologischen Argumentationen die Lehre Mohammeds zu widerlegen versuchte, zum Teil aber auch auf die 'Mohammedlegenden' einging. Weitgehend benützte er in seiner Apologie das Propugnaculum des Riccoldo de Monte Croce“ (Göllner).

Die erste gedruckte Koranübersetzung 224

KORAN – MACHUMETIS SARACENORUM PRINCIPIS, eiusque successorum vitae, ac doctrina, ipseque Alcoran. His adiunctae sunt confutationes multorum authorum una cum Martini Lutheri proemonitione. Adiunctae sunt etiam, Turcarum res gestae. Opera et studio Th. Bibliandri. 3 Tle. in 1 Bd. (Basel, J. Oporinus und N. Brylinger, 1543). Fol. 14 Bl., 230 S., 5, 4 Bl., 178 S., 1 weißes Bl., 163 S. Holzdeckel d. Zt. mit breitem Rücken aus weißem Kalbldr., sign. und dat. „PAZL 1659“ (etw. beschabt und bestoßen, mit vielen Wurmlöchern). (91) 12.000,-

Beide Drucke recht sauber, aber anfangs und gegen Ende mit starken Wurmspuren. – Zum Einband: ein ähnlicher Einband wird in der Festschrift Otto Schäfer S. 434 beschrieben. Beide tragen die Initialen von Placidus Hieber, Abt zu Lambach (Amtszeit 1640-1678). First edition of the first printed version of the Qu'uran, variant issue with the name of Martin Luther on the titlepage and with the 2-leaf preface by Luther. Translated by Theodore Bibliander, who followed a translation from the 12th century by Peter of Cluny and others: to this are added a number of Medieval and Renaissance tracts on the Mahometan religion, the Qu'uran, and the history of Turkish invasion. – Additional bound: First edition, in Latin and Greek. – Both printings quite neat, but strong worming at the beginning and towards the end. – Re binding: a similar binding is described on p. 434 of the Otto Schäfer volume of tributes. Both bear the initials of Placidus Hieber, abbot of Lambach (abbacy 1640-1678). – Contemporary wooden boards with wide spine of white calf, signed and dated „PAZL 1659“ (a little scratched and scuffed, with many wormholes).

VD 16 ZV 18456. Adams M 1889 (?). STC 479. – Vgl. Göllner 1792-93 und Benzing, Luther, 2766-68 (Varianten), sowie Enay 102 (2. Ausg. Basel 1550). – Erste Ausgabe der ersten gedruckten Koranübersetzung überhaupt. Eine von mehreren undatierten Druckvarianten, die sich u. a. durch die Kollation der Vorstücke und die Zuschreibung der Praemonitio unterscheiden; im vorliegenden Exemplar läuft diese unter Luthers (nicht Melanchthons) Namen. Am Schluß der Vorstücke findet sich außerdem die nicht in allen Varianten enthaltene Praefatio Luthers (2 Bl.). „Der Text dieser lateinischen Koranübertragung geht auf ein arabisches Manuskript zurück, welches im 12. Jahrhundert von Pierre von Cluny und Bernard von Clairvaux anläßlich ihres Besuches in Toledo erworben wurde. Pierre von Cluny übertrug dem Engländer Robert von Kent, der sich ebenfalls in Toledo aufhielt, die Aufgabe, dieses Manuskript ins Lateinische zu übersetzen. Eine Version davon besaß vierhundert Jahre später Martin Luther, der sie wiederum Theodor Bibliander zur Veröffentlichung anvertraute. Neben dieser Textversion benutzte Bibliander noch drei andere Manuskripte, die er zusätzlich gefunden hatte. Am 1. Juli 1542 wurde jedoch der Satz und die fertigen Druckbogen von der Obrikeit beschlagnahmt. Mit dem Basler Rat begannen langwierige Verhandlungen, in deren Folge am 30. August Joh. Oporin verurteilt und für kurze Zeit in Haft genommen wurde. Nur durch das energische Eingreifen von Luther und Melanchthon wurde die Vernichtung des Satzes und der ausgedruckten Bogen verhindert. Schließlich stimmte der Baseler Rat am 7. Dezember 1542 einer Veröffentlichung unter der Bedingung zu, daß in der Auflage weder der Name der Stadt noch der Name des Druckers publiziert wurde. Zudem wurde verfügt, daß Luther zu der Edition ein Vorwort beisteuern müßte und daß das Buch nur von Wittenberg aus verkauft werden dürfte“ (Enay).

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LANGE, J., (Loci communes sive) florilegium rerum et materiarum selectarum. Straßburg, Rihels Erben, 1613. 12 nn., 639 num. Bl. Pgt. d. Zt., monogr. „G*G*S*W“ und dat. „1*6*2*0“ (ohne die Schließbänder, Vorderdeckel aufgebogen, Kanten wenig schadhaft, etw. fleckig und bestoßen). (83) 120,ADB XVII, 603. – Dritte Ausgabe der geschätzten und erstmals 1598 erschienenen Sprichwörtersammlung. – Vorsatz mit Einträgen von alter Hand in Tinte, Titel mit Schadstelle und an den Rändern mit alt hinterlegten Ausschnitten (tls. Textverlust), Widmung gestempelt, Bl. 500 verso mit geschwärzter Textstelle, vereinzelt weitere Streichungen, gegen Ende mit Feuchtigkeitsschaden, stellenw. wenig wurmstichig, leicht wasserrandig, etw. gebräunt und fleckig.

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LUCANUS, M. A., De bello civili libri decem. Lyon, Gryphius, 1547. 16°. Mit Druckermarke auf dem Titel. 286 S. Pgt. d. Zt. (Wurmspuren im Gelenk). (47) 150,Von Gültlingen V, 987. Baudrier VIII, 214. Adams L 1576. – Diese Ausgabe nicht im STC. – Vorsätze mit Wurmspuren, Titel mit Besitzvermerk von alter Hand, zahlreiche Unterstreichungen und Marginalien mit Tinte, gebräunt und fleckig.

Der zweite Teil enthält eine Kompilation von älteren Schriften über den Islam und den Koran, teilw. mit griechischlateinischem Paralleltext. Darunter Schriften von G. Savonarola und Nikolaus von Kues. – Der dritte Teil enthält Schriften über die Türken, den Islam und den Mongoleneinfall Timur Lengs. BEIGEB.: JOHANNES VI. CANTACUZENUS, Contra Mahometicam fidem christiana & orthodoxa assertio, Graece conscripta, nunc vero Latinitate donata, R. Gualthero interprete. Adiecta est eadem Graeca scripta. 2 Tle. Basel, J. Oporinus, 1543. 6 Bl., 124 S., 2, 4 Bl., 108 S., 1 Bl. – Erste Ausgabe. – IA 131.339. VD 16 J 376. Adams J 261. Göllner 802. – Enthält im ersten Teil die Übersetzung, im zweiten das griechische Original. „Kaiser Johannes Kanthakuzenos schrieb eine Apologie, in der er zum Teil

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LUIS DE GRANADA, Rosario della sacratissima vergine Maria madre di Dio raccolto per A. Gianetti da Salò. Nuovamente ristampato. Venedig, Varisco, (1582). Mit breiter Titelbordüre, Druckermarke am Ende und 21 ganzseit. Textholzschnitten. 4 Bl., 276 S., 2 Bl. Pgt. d. Zt. (Schließbänder fehlen, einzelne Wurmlöcher, fleckig). (49) 500,-


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Alte Drucke und alte Theologie

„Auf dem letzten Bl. Holzschnitt wie Titel“ an, was jedoch nur bei den anderen Leipziger Drucken der Fall ist. – Die durchgehenden Marginalien und Unterstreichungen in roter Tinte laut Schlußvermerk: „Vollendet 17. Junij 1530. mit uberlesen“ (tls. etw. beschnitten). – Das Bl. A II in der unbedruckten unteren Hälfte ohne ersichtlichen Grund mit altem Papier tektiert, durchgehend mit kleinen Wurmlöchern (minimaler Textverlust), stellenw. wasserrandig (Titel), etw. fleckig. – Mit zeitgenössischen Randbemerkungen. – Siehe Abbildung.

EDIT 16 CNCE 73274. STC 398. Brunet II, 1697. – Vgl. Mortimer 218. – Nicht bei Adams. – Erstmals 1572 erschienener Auszug aus den Werken des großen spanischen Mystikers (1505-1588). – Titel hinterlegt, mit hs. Besitzvermerk, oben knapp beschnitten, anfangs und am Ende wasserrandig, leicht gebräunt.

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LUTHER – ANDREAE, C., Zwölff underschiedliche Tractätlein auß D. Martin Luthers seinen selbst eygnen Schrifften zusamen getragen. Ingolstadt, A. Angermayer bei Eder, 1600. 4°. 4 Bl., 280 S. Flex. Pgt. d. Zt. (Schließbänder defekt, fleckig). (160) 500,VD 16 L 3612. Stalla 1294. De Backer-S. VIII, 622, 24. Hayn-G. IV, 319 (dat. fälschlich 1590). Dünnhaupt 1.3. – Nicht im STC. – Dritte Sammelausgabe antilutherischer Schmähschriften des Jesuiten Conrad Vetter (1548-1622), den Dreves in der ADB (XXXIX, 664) eingängig und knapp als „ebenso frucht- als furchtbaren Schriftsteller“ charakterisiert, „denn seine 77 im Drucke erschienenen Werke gehören mit wenigen Ausnahmen der Controverse und Polemik an und veranlaßten nicht wenige Gegenschriften, so namentlich von Jakob Andreä und Philipp Heilbrunner.“

Leipzig reprint of the first entire edition which was published in the same year in Wittenberg. – Marginalia and underlinings in red ink according to closing note: „Vollendet 17. Junij 1530. mit uberlesen“ (partly a little cut). – Leaf A II in blank lower half covered with old paper slip without apparent reason, small wormholes throughout (minor loss of text), here and there waterstains (title), some soiling. – With contemporary marginal annotations. – Modern half vellum. – See illustration.

230

NACHGEB.: DERS., Puffer, das ist Zerschmetterungen deß predicantischen Jesuwiderspiegels Philip Heilbrunners. Ebda. 1601. 4°. 4 Bl., 348 (recte 347) S. – Einzige Ausgabe. – STC V 316. Stalla 161. De Backer-S. VIII, 624, 25. Dünnhaupt 25. – Pamphlet gegen den „Jesuider Spiegel, darinn der Jesuider antichristliche Lehr auß ihren eignen Schrifften zuerkennen“, den der Superintendent Philipp Heilbrunner (1546-1616) im selben Jahr kurz zuvor veröffentlicht hatte. ZWISCHENGEB.: DERS., Gründtliche Relation, von dem Postcolloquio, so den neundten Decemb(ris) Anno 1601. zu Regenspurg zwischen Conrado Andreae, unnd Philippen Heilbronner, die außgangne Tractätlein deß unschuldigen Luthers betreffend, angestelt und gehalten worden. Ebda. 1602. 4°. 12 Bl., 71 S. – Erste Ausgabe. – Stalla 204. De Backer-S. VIII, 624, 28. Dünnhaupt 28.1. – Nicht im STC. – Bericht über die Unterredung, bei der sich Vetter für seine gegen Luther gerichteten Schriften zu verantworten gehabt hatte. Am Ende der Vorrede lüftet er selbst sein Pseudonym Andreae.

Nicht im STC und nicht im VD 17. – Mit hs. Einträgen, u. a. zu den Verfassern und Komponisten; Titel mit Besitzeintrag, vorne knapp beschnitten, stellenw. fleckig.

231

– EYN DEUTSCH THEOLOGIA. Leipzig, (M. Landsberg), 1518. 4°. Mit Titelholzschnitt und blattgr. Holzschnitt auf dem letzten Bl. 40 nn. Bl. Mod. Hpgt. (69) 2.000,Benzing 162. VD 16 T 894. Baring, Theologia Deutsch, 5. – Leipziger Nachdruck der ersten vollständigen Ausgabe, die im selben Jahr in Wittenberg erschienen war, „der sorgfältigste dieser drei Leipziger Nachdrucke“. – Von Luther stammt nur die Vorrede. – Der Titelholzschnitt ist nach dem Titel der ersten Ausgabe geschnitten und geht auf einen Entwurf Lucas Cranachs zurück. Auf dem letzten Blatt verso Holzschnitt mit Christus am Kreuz (in den anderen Leipziger Drucken desselben Jahres als Titelholzschnitt verwendet). Benzing führt die Ausgabe mit der Bemerkung

LYCOSTHENES (WOLFHART), K., Similium loci communes. Cum Theod. Zvingeri Bas. similitudinum methodo. O. O. (Genf), J. Stör, 1595. Mit Druckermarke auf dem Titel. 2 Bl., 801 S., 4 Bl. Ldr. um 1900 (leicht beschabt). (49) 250,Moeckli 145. – Erstmals 1555 im Folioformat unter dem Titel „Apophthegmatum ... Loci communes“ erschienene Sentenzensammlung aus kirchlichen und weltlichen Schriftstellern. Ein Schatzhaus des antiken Geistes. – Zählt laut (ADB XIX, 728) zu Wolfharts „beträchtlichsten Arbeiten“. – NACHGEB.: DERS., Parabolarum loci communes. Ed. altera. Ebda. 1594. 8 Bl., 137 S., 2 Bl. – Moeckli 142. – Beide Drucke etw. fleckig und mit kleinen Gebrauchsspuren.

Erster Titel mit altem, hs. Besitzvermerk, mehrf. gestempelt; leicht fleckig, etw. gebräunt. – Aufschlußreicher Einblick in die heftigen – auch im Ton heftigen – Auseinandersetzungen in der Spätzeit der Gegenreformation.

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– VIERHUNDERT UND VIERTZIG CHRISTLICHE LIEDER und Psalmen D. Martini Lutheri und anderer frommer Christen. Für die Evangelischen Kirchen zu Erffurdt auffs new obersehen, vermehrt und nach der Ordnung der Jahrzeit und des Psalters außgetheilet. O. O. (Erfurt?), Sachs, 1628. Mit Titelbordüre und Vign. sowie zahlr. Textholzschnitten. 8 Bl., 767 S. (ohne die S. 199202 und 413/14), 27 Bl. Pp. d. 19. Jhdts. (stärker beschabt und bestoßen). (71) 300,-

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MACROBIUS, A. A., In somnium Scipionis, Lib. II. – Saturnaliorum, Lib. VII. Venedig, J. Gryphius, 1565. Mit Druckermarke und einigen Textholzschnitten. 567 (recte 565) S., 32 Bl. Beschäd. Hldr. d. 18. Jhdts. (Remboîtage). (49) 250,EDIT 16 CNCE 35297. STC, Suppl., 51. Schweiger II, 586. Shirley 13. – Nicht bei Adams. – Berühmter neuplatonischer Kommentar zu Ciceros „Somnium Scipionis“. – Mit der vom Meer umgebenen Weltkarte, „probably copied from a sketch in some old manuscripts“ (Nordenskjöld). – Titel lose, mit tektiertem Besitzvermerk, unterschiedlich gebräunt, wenig fleckig.


Alte Drucke und alte Theologie

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MAGNUS, O., Historien, Der Mittnächtigen Länder, ins Hochteutsch gebracht, und mit fleiß transferiert, Durch Johann Baptisten Ficklern. Basel, (H. Petri, 1567). Fol. Mit Druckermarke am Ende, zahlr. Textholzschnitten und gefalt. Holzschnitt-Karte. 30 Bl. (das 16. weiß), 623 S. Pgt. d. Zt. (Kanten stellenw. aufgebrochen). (91) 7.000,Erste deutsche Ausgabe (lateinische EA 1555 in Rom). – STC 587. VD 16 M 227. Lauridsen II, 14. – Vgl. Adams M 140. Cox I, 177: „This work long remained for the rest of Europe the chief authority on Swedish matters, and is still a valuable repository of much curious information in regard to Scandinavian customs and folk-lore.“ – Die Holzschnitte, einige davon mit dem Monogramm CG (unbekannter Formschneider aus Basel; Nagler II, 28, 69) u. a. mit Landschaften, Kriegswesen, Bergbau, Tieren und Gebräuchen, darunter die wahrscheinlich erste Abbildung einer Jagd auf Schneeschuhen. – Titel mit Schenkungsvermerk „Mathias Thalhaimb“, sonst sehr gut erhalten. – Siehe Abbildung Seite 41. First German edition (Latin first ed. 1555 in Rome). The woodcuts, of which some carry the monogramme CG (unknown cutter in Basle; Nagler II, 28, 69), show a. o. landscapes, military themes, mining, animals and customs, incl. probably the first illustration of a hunt on snowshoes. – Title with donation note „Mathias Thalhaimb“, otherwise very well preserved. – Contemporary vellum (edges here and there cracked). – See illustration on page 41.

234

MANUZIO, P., Antiquitatum Romanarum liber de legibus. Index rerum memorabilium. Venedig, Aldus, 1559. Mit 2 Druckermarken. 170 num., 34 nn. Bl. Pgt. d. Zt. (wenig fleckig). (49) 250,-

Nr. 229

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STC 412. Adams M 476. Renouard 179, 22. Burgassi 124. UCLA 473. Ebert 12990 Anmerkung. – Folgt textlich der Ausgabe 1557 in Folio. – Anfangs und gegen Ende mit kleinem Wurmgang, sonst hübsch.

235

MARCOS DE LISBOA, Erster (ander) Thail der Cronicken der eingesetzten Orden deß heiligen Vatters Francisci. An jetzo in unser Teutsche Sprach gebracht, durch den Edlen Carl Kurtzen von Senfftenau. Tle. I und II (von 3) in 1 Bd. München, Berg für Hertzroy, 1620. 4°. Mit 2 gestoch. Titeln (einer in Pag.) und Holzschnitt-Druckermarke am Ende von Tl. II. 31 Bl., 670 (recte 660) S., 7 Bl. (das letzte weiß), 506 S., 9 Bl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln (eine Schließe defekt, Schwanz läd., stärker beschabt und bestoßen). (160) 250,LThK VI, 959. Heimbucher I, 657. Alden 620/99. – Vgl. Streit I, 274 und 108. Medina I, 213. Palau 151.268 (spanische Ausgaben). Civezza 342 (italienische Ausgabe). – Zweite deutsche Ausgabe des erstmals 1604 in Konstanz erschienenen Werkes. – Vorsatz mit hs. Besitzvermerk, stellenw. wasserrandig und etw. fleckig, leicht gebräunt.

MARULIC, M., Circa l'institutione del buono, & beato vivere, secondo l'esempio de' Santi, del Vecchio e nuovo Testamento. Tradotto della lingua latina, nella toscana dal Remigio (Nannini). Venedig, Bindoni, 1586. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel. 6 Bl., 452 S. Pgt. d. Zt. (Bezug mit restaurierten Fehlstellen, stärker fleckig). (2) 250,EDIT 16 CNCE 23802. – Diese Ausgabe nicht im STC und bei Adams. – In lateinischer Sprache war die moralische Abhandlung des kroatischen Humanisten, auch bekannt als Marco Marul(l)o da Spalato (1450-1524), erstmals 1506 in Venedig erschienen. – Vorsatz, Titel und letzte Seite mit hs. Besitzeinträgen, letztes Blatt mit restaurierten Papierdurchbrüchen (kleiner Textverlust), stellenw. stark wasserfleckig und gebräunt.

237

MARULLUS, M. TARCHANIOTA, H. ANGERIANUS UND J. SECUNDUS, Poetae tres elegantissimi, emendati et aucti. 3 Tle. in 1 Bd. Paris, D. Duval, 1582. 12°. 106, 38, 175 Bl. Pgt. d. Zt. (Gebrauchsspuren). (54) 450,Erste Ausgabe des Sammelbandes mit neulateinischer Dichtung. – STC (Tarchaniota) 413. Adams T 147. Oberle, Amoenitates, 30. – Enthalten von Marullus: Epigrammata, Hymni, De principum institutione; von Angerianus: Erotopaegnion; von Secundus (Jan Everaerts): Opera, darunter die berühmten „Basiae“. – Buchblock lose, Vorsätze erneuert, Titel mit Einträgen von alter Hand in Tinte, leicht gebräunt, kaum fleckig.


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Alte Drucke und alte Theologie

Initialen in Holzschnitt. 4 Bl., 230 S., 9 Bl. – VD 16 M 3016. – Nicht im STC, bei Adams und Muller. – Dialektiklehrbuch in der zweiten, erweiterten Fassung. – Etw. gebräunt und fleckig, die letzten Lagen mit Wurmlöchern (geringe Textberührung). – Exemplar aus dem Kloster Ochsenhausen. – Siehe Abbildung.

240

MELANCHTHON – CAMERARIUS, J., Narratio de reverendissimo et illustrissimo principe Georgio principe Anhaltino et Ascaniae. Leipzig, Heybey, 1696. Mit gestoch. Portr. 3 Bl., 71 S. Pgt. d. Zt. (fleckig und etw. bestoßen). (83) 300,NACHGEB.: DERS., De Philippi Melanchthonis ortu, totius vitae curriculo et morte. Mit gestoch. Titelvign. und gestoch. Portr. Ebda. 1696. 19 Bl., 432 S. – DERS., Narratio de Helio Eobano Hesso. Ebda. 1696. Mit gestoch. Portr. 1 Bl., 92 S. STC C 145, C 149 und 150. – Sammlung von Biographien dreier bedeutender Humanisten in einer späten Ausgabe des 17. Jahrhunderts. – Vorsatz mit Besitzvermerk von alter Hand in Tinte, Porträt Georgs von Anhalt am unteren Rand beschnitten (ohne Text- und Bildverlust), Titel des ersten Werkes mit hinterlegtem Eckabriß, etw. gebräunt. – Gestoch. Exlibris.

241 Nr. 239

238

MARULLUS, M. TARCHANIOTA, H. ANGERIANUS UND J. SECUNDUS, Poetae elegantissimi. Nunc primùm in Germania excusi. Speyer, B. Albinus, 1595. 12°. 4 Bl., 517 S. Spät. Pgt. unter Verwendung alten Materials. (54) 450,Erste in Deutschland gedruckte Ausgabe. – VD 16 ZV 10463. STC (Tarchaniota) 849. Adams T 257. Roth 40. – Buchblock lose, Vorsätze erneuert, Titel mit Einträgen von alter Hand in Tinte, leicht gebräunt, kaum fleckig.

239

MELANCHTHON, PH., Grammatica Latina, iam denuo recognita, & plerisq(ue) in locis locupletata. Ingolstadt, A. Weissenhorn, 1542. Mit Titelbordüre und einigen teils beikolor. figürlichen Initialen in Holzschnitt. 192 Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten Schließen (fleckig, bestoßen, mit Wurmlöchern). (158) 500,VD 16 ZV 25602. – Nicht im STC, bei Adams und Stalla. – Sehr seltene Ausgabe der in mehreren Fassungen und zahlreichen Drucken veröffentlichten lateinischen Schulgrammatik, die nach Hartfelders Urteil „das verbreitetste lateinische Schulbuch in den evangelischen Schulen Deutschlands gewesen sein“ dürfte (Melanchthon als Praeceptor Germaniae, S. 266). – Vorsatz mit Notizen und Besitzvermerk von 1564, Titel gestempelt, zahlr. Marginalien und Unterstreichungen von alter Hand, etw. fleckig. NACHGEB.: DERS., De dialectica libri quatuor, postremo recogniti & aucti. Straßburg, K. Mueller (C. Mylius), 1542. Mit 2 Druckermarken und einigen teils beikolor. figürlichen

METHODIUS (PSEUDO-), De revelatione. (Mit Kommentar von W. Aytinger, hrsg. von S. Brant. Basel, M. Furter, 1504). 4°. Mit Titelholzschnitt und 60 Textholzschnitten. 66 (statt 68) Bl. Stark beschäd. blindgepr. Ldr. d. Zt. (54) 3.000,Dritte illustrierte Ausgabe mit den Holzschnitten der ersten von 1498. – STC 620. Adams M 1367. VD 16 M 4934. Fairfax Murray 289. Hieronymus 66: „Die Holzschnitte zeigen, mit gewissem Naturalismus, Einflüsse Albrecht Dürers, können teilweise – wie der aus dem Narrenschiff übernommene 'Von vile der pfrunden' – vom Meister des Haintz Narr stammen.“ – Das dem hl. Methodius nur zugeschriebene Werk ist auch eine „wichtige Quelle der mittelalterlichen Kaisersagen“ (Wetzer-W. VIII, 1441). – Mit der originellen Darstellung „Die Kirche Gottes wird zersägt“ (Schisma). – Es fehlen die Bl. m 7 und m 8. NACHGEB.: ALBERTUS MAGNUS (PSEUDO-), Speculum astronomie. (Nürnberg), K. Hochfelder, 1493(96). 92 (statt 94) Bl. – Goff A-243. IGI 177. BMC II, 474. GW 718. BSB A-220. – Es fehlen die Bl. A 1 und B 7; die Bl. K 10 und a 1 mit größeren Ausschnitten (Kolophon und Zwischentitel). Mit zahlreichen hs. Notizen und Federproben sowie Besitzvermerk von alter Hand, die Holzschnitte tls. ankoloriert, mehrere Bl. mit tls. hinterlegten Ein- oder Ausrissen, tls. stärker gebräunt und fleckig. Third illustrated edition with the woodcuts of first edition of 1498. – Lacks leaves m 7 and m 8. – Additional bound: Lacks leaves A 1 and B 7; leaves K 10 and a 1 with larger cut-outs (colophon and subsidiary title). – With numerous ms. notes and ink probes as well as ownership entry by contemporary hand, woodcuts coloured in parts, several leaves with partly backed tears or tear-outs, partly stronger browning and soiling. – Contemporary heavily damaged blind-pressed calf.


Alte Drucke und alte Theologie

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MEURER, N., Handtbüchlein Oder Compendium. Darinnen Sum(m)arie und auffs kürtzest gleich als in einem Register alle unnd jede des Heiligen Römischen Reichs Abschied, Ordnungen un(d) Constitutiones. Itzundt aber auffs neuw ubersehen und compliert. 2 Tle. in 1 Bd. Mainz, H. Brehm, 1595. 4°. 10 nn. Bl. (das letzte weiß), 103, 67 num. Bl. (1 weißes Bl. zwischengeb.), 1 nn. Bl. Ohne Einband. (3) 200,VD 16 M 4996. – Vgl. Stintzing-L. I, 518. – Nicht im STC und bei Adams. – Auszug aus dem Versuch einer systematischen Zusammenstellung der wichtigsten reichsgesetzlichen Bestimmungen, die 1578 unter dem Titel „Loci communes“ erschienen waren. – Behandelt u. a. Polizei, Religion, Münzwesen, Bergwerk, Wiedertäufer, Wucher und die „Türcken“. Der zweite Teil mit dem Untertitel „Von dem Landtfrieden, desselben Handthab, Kreiß-Ordnung, und was demselben weitters anhanget“. – Leicht gebräunt.

243

(MEYER, D.), Das leben unsers erledigers Jesu Christi. Nürnberg, J. Stuchs für C. Rosentaler, 1514. 4°. Mit 65 altkolor. Textholzschnitten. 6 nn., 183 num. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 erneuerten Schließen (Vordergelenk angebrochen, kleinere Bezugsfehlstellen, beschabt, bestoßen, fleckig). (50) 1.500,-

Nr. 243

Erste Ausgabe. – VD 16 M 5079. Muther 1153. Weigel IV, 17882. Panzer, DA, 768. – Nicht im STC und bei Adams. – Einzige komplette Fassung der Meditationes vitae Christi in deutscher Sprache durch den Minoriten Daniel Meyer mit dem Gelehrtennamen Agricola (geb. um 1490, gest. um 1540). – Die Illustrationen stammen von einem unbekannten Holzschneider und zeigen Szenen aus dem Leben der Muttergottes und Jesu; der Titel verso mit einer ganzseitigen Darstellung des Franziskus. – Titel mit alt geklebtem Einriß, gebräunt, fleckig. Am Ende eingebunden ein nicht zum Druck gehöriges Blatt mit Druckermarke Greif und Jahreszahl 1584. – Siehe Abbildung. First edition. – Sole complete version of the „Meditationes vitae Christi“ in German. The illustrations are by an unknown woodcutter and show scenes from the life of the Virgin Mother and Jesus; title verso with a full page illustration of Saint Francis. – Title with tear glued in former times, browned, soiled. Bound-in at the end a leaf not belonging to the issue with printer's mark Greif and date 1584. – Contemporary blind-pressed pigskin over wooden boards with 2 renewed clasps (upper hinge bursted, minor defects in cover material, scratching, scuffing, soiling). – See illustration.

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MISSALE – MISSALE SACRI ORDINIS praedicatorum. Rom, (M. Manelfi), 1639. 4°. Mit gestoch. Titel, ganzseit. Radierung vor dem Kanon, 16 kleinen Textholzschnitten und zahlr., in den Text gedruckten Musiknoten in Quadratnotation, durchgehend in Rot und Schwarz gedruckt. 31 Bl., 446, CXVI, 4 S. Goldgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten Schließen (Kapitale und Ecken mit kleinen Fehlstellen, Rücken etw. rissig, beschabt). (59) 800,-

Weale-B. 1863. – Nicht im STC. – Auf Veranlassung des dominikanischen Ordensgenerals Niccolò Ridolfi (Nicolaus Rodulfius; um 1578-1650) herausgegebenes und von ihm approbiertes, äußerst seltenes Missale. Von Bohatta nicht nach Autopsie verzeichnet, sondern nach Rosenthals Katalog 35 (Nr. 1402); vorliegend dieses Exemplar. In öffentlichem Besitz derzeit nur ein weiteres Exemplar nachweisbar (Bibliothek der Redemptoristen von Santa Maria della Consolazione in Venedig). – Innere Kolumne der S. LXXXVII/LXXXVIII mit ca. 11zeiligem Ausschnitt. Einige Bl. mit Randläsuren (tls. hinterlegt, vereinzelt dabei die gedruckten Marginalien oder die letzte Textzeile tektiert), Fußsteg mit Wurmspuren (Textverlust nur bei wenigen Kustoden), tls. stärker wasserrandig und fleckig. Vor allem der Canon missae und die Missae pro defunctis abgegriffen. 11 Blattweiser. – Auf dem Vorderdeckel goldgeprägt das Christusmonogramm IHS, auf dem Hinterdeckel die Mondsichelmadonna als Supralibros in Raute mit Eckfleurons. – Siehe Abbildung Tafel 5.

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– MISSALE ROMANUM, ex decreto sacrosancti Concilii Tridentini restitutum cum Missis novis de Sanctis. Graz, Widmannstetter, und Antwerpen, Haupt, 1651. Fol. Mit gestoch. Titelvign., 10 ganzseit. Textkupfern von D. Tscherning und 10 gestoch. Bordüren von S. Jenet. 36 Bl., 628, CXXIV S., 2, 10 Bl. Ldr. d. Zt. (eine Schließe fehlt, etw. fleckig und beschabt). (72) 200,Graff 445. – Vorsätze leimschattig, wenige Seiten am oberen Rand gestaucht, die S. 233/34, 269-282, LV/VI und XCV/VI mit hinterlegten Fehlstellen (Text- und Bildverlust), vereinzelt angerändert, stellenw. wasserrandig, tls. stark fleckig.

Zisska & Schauer, Auktion 61  

Katalog Auktion 61, Teil 1 - Catalog Sale 61, part 1

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