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NEU IM JANUAR 10

PREMIERE

mit Regisseur Felix Hassenfratz

FAHRENHEIT 11/9 USA 2018

Die in der Vergangenheit manchmal umstrittene Ikone Michael Moore rechnet auch diesmal wieder in gekonnter Mischung aus staunender Naivität und beißender Schärfe mit der US-Gegenwart. Es wird keinen Präsidenten Donald Trump geben“, lacht George Clooney völlig überzeugt in die Kamera. Doch damit lag der charismatische Schauspieler total falsch. Selbst die renommiertere New York Times tippte mit ihrer Prognose, wer die USPräsidentschaftswahl gewinnen wird, absolut daneben. Nur 15 Prozent Chancen auf einen Sieg räumten sie dem exzentrischen Milliardär Donald Trump ein, der für die Republikaner ins Rennen gegen die haushohe demokratische Favoritin Hillary Clinton ging. In seiner neuen Doku geht der begnadete Polemiker Michael Moore nun der Frage nach: „Wie zur Hölle konnte das passieren“. Der mutige Starregisseur zeigt den Weg zur Präsidentschaft, aber auch den Widerstand. Vor allem aber, macht der 64jährige seine These anschaulich, dass das System bereits bevor Trump auftauchte marode und kaputt war. Dazu nimmt der umtriebige Filmemacher die Zuschauer mit ins Hauptquartier der Schüler rund um David Hogg und Emma Gonzalez. Sie kämpften nach dem Massenmord an ihrer High School in Parkland, Florida, für strengere Waffengesetze und gegen den Einfluss der NRA-Lobbyisten. In einem exzellentem Zusammenschnitt von Clips aus Interviews und Fotos illustriert er, dass Trump sich sexuell an seiner Tochter Ivanka vergangen haben könnte. Dazu kommentiert er in einer Szene, in der Trump über einen roten Teppich schreitet, aus dem Off; „Seine Verbrechen beging er immer schon in aller Öffentlichkeit“. Doch sein erhellender Film ist nicht nur eine Anklage gegen den 45. Präsidenten der USA. Michael Moore zieht in seinem im besten Sinne aufrüttelnden Agitprop-Film alle Register. Eine Trump-Rede vermischt er mit den historischen Aufnahmen eines Hitler-Auftritts. Dass er Trump mit Hitler vergleicht, mag auf den ersten Blick überzogen wirken. Trump sei kein Massenmörder wie der NS-Diktator, räumt Moore freilich ein. Aber nach dem immer noch berechtigten Satz von Bertold Brecht: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“, ist selbst diese krasse Satire nicht unbedingt verkehrt, um aufzuschrecken.

AB 17. JANUAR IN DER SCHAUBURG

Sonntag, 20.1. um 13:00 Uhr

VERLORENE Deutschland 2018

In der süddeutschen Provinz entfaltet sich diese archaische Geschichte, die zahllose verlorene Figuren in einem Geflecht aus Liebe, Inzest und Erwachsenwerden zeigt. Irgendwo, in einem kleinen Dorf in Baden, wo jeder jeden kennt, wächst die 18jährige Maria (Maria Dragus) auf. Zusammen mit ihrer etwas jüngeren Schwester Hannah (Anna Bachmann) und ihrem Vater Johann (Clemens Schick), der sich nach dem frühen Tod der Mutter allein um seine beiden Töchter kümmert. Die sind ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Doch zunehmend fällt Hannah Merkwürdiges an ihrer Schwester auf, entdeckt sie immer wieder Blutspuren an ihrer Kleidung und ertappt Maria und ihren Vater schließlich beim Sex in einer abgelegenen Waldhütte. Scheinbar willenlos hat sich Maria dem Missbrauch durch ihren Vater hingegeben, hat komplett die Rolle der Mutter übernommen und sehnt sich doch nach einer Möglichkeit, auszubrechen... Ganz allmählich offenbart sich das ganze Ausmaß des Missbrauchs, blickt der Zuschauer von Felix Hassenfratz‘ Debütfilm durch die Augen von Hannah nach und nach hinter die Fassaden der heilen Dorfwelt, von der man schon früh ahnt, dass sie nur eine Fassade ist. Denn vieles an „Verlorene“ - der bewusste Verzicht auf einen Artikel deutet an, dass hier nicht nur eine Person, sondern zwei oder drei oder noch mehr gemeint sind - wirkt bekannt: Das Motiv der betont bürgerlichen Dorfgemeinschaft etwa. Hauptschuldiger ist hier jedoch nicht die Kirche, im Gegenteil, Motive oder Ursachen werden bewusst ausgespart, auch Johann selbst wirkt keineswegs wie ein schlechter Mensch, der Missbrauch selbst wird nicht betont schrecklich inszeniert, wirkt eher wie liebloser Sex als eine Vergewaltigung. Gerade das er nicht dramatisiert zeigt die ganze Beiläufigkeit des Missbrauchs. Erst durch die Möglichkeit eines Ausbruchs aus dieser Welt ändert sich Marias Blick auf ihr Leben. Ein gewagter Ansatz ist das, mit dem vor allem auch die psychologischen Folgen des Missbrauchs angedeutet werden, ein Ansatz den Franz Hassenfratz bis zum Ende konsequent verfolgt und der seinen Debütfilm so bemerkenswert macht.

AB 17. JANUAR IN DER SCHAUBURG

REGIE & DREHBUCH Michael Moore DARSTELLER

Michael Moore, Donald Trump, Barack Obama, Katie Perry, Roger Ailes, Brooke Baldwin, Ashleigh Banfield, Ivanka Trump, Hillary Clinton LAUFZEIT 128 Minuten VERLEIH Weltkino

REGIE & DREHBUCH Felix Hassenfratz DARSTELLER

Maria Dragus, Anna Bachmann, Clemes Schick, Enno Trebs, Meira Durand, Anne Weinknecht LAUFZEIT 91 Minuten VERLEIH wfilm

Programmheft Januar 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters Karlsruhe für Januar 2019.

Programmheft Januar 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters Karlsruhe für Januar 2019.