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NEU IM SEPTEMBER 08

SONDERVORSTELLUNG

mit einem Glas Sekt in Anwesenheit von Christa Meuter (Vertreterin der Gitga’at First Nation, Pacific Whale Society) und Sandra Brandl (Montage), Moderation: Georg Brandl

THE WHALE & THE RAVEN

Freitag, 06.09. um 18:45 Uhr

Deutschland, Kanada 2019

Die Dokumentarfilmerin Mirjam Leuze begleitet zwei Walforscher, die an der kanadischen Pazifikküste leben. Anspruchsvolles Infotainment, das interessante Fakten mit einer sehr persönlichen Bildsprache verbindet. Sehr stimmungsvoll, dabei aber unspektakulär und in meditativer Ruhe geht die deutsche Dokumentarfilmerin Mirjam Leuze an ihr Thema heran: das bedrohte Leben von Orcas und Buckelwalen in einem Fjord in British Columbia an der kanadischen Westküste. Dabei stehen die beiden Walforscher Janie Wray und Hermann Meuter im Mittelpunkt. Ihre Biografien sind eng mit den Walen und deren Lebensraum verbunden, der – noch! – vom Rhythmus der Jahreszeiten und vom natürlichen Miteinander zwischen Mensch und Tier geprägt ist. Doch es drohen massive Eingriffe in das fast unberührte Habitat … Mit derselben feinfühligen Akribie, die sie der Natur widmet, nimmt Miriam Leuze am Leben der beiden Walforscher teil, begleitet sie auf ihren Wegen, bei der täglichen Arbeit, im Kontakt mit Vertretern der First Nations, den indigenen Bewohnern Kanadas. Die beiden Forscher verbindet mit den First Nations ein ganz besonderes Band, und Mirjam Leuze konnte ihr Filmprojekt nur mit Unterstützung und Mitwirkung der indigenen Bewohner der Region realisieren. Auf diese Weise ist ein einprägsamer, atmosphärisch dichter Film entstanden, der nebenbei von der Erinnerung an Mythen und Bräuche erzählt und vor allem vom Leben am Fjord. Wenn in den Schlusstiteln die beteiligten Wale ihre eigenen Credits bekommen, dann ist das nicht unbedingt ein Gag, sondern ein Zeichen dafür, dass es um mehr geht als um Walbeobachtung und Naturforschung. Und tatsächlich sind die beiden Wissenschaftler nicht nur geradezu besessen von ihrer Arbeit, sondern sie haben im Laufe ihrer Forschungsarbeit eine enge Beziehung zu den Riesen des Meeres entwickelt. Janie Wray und Hermann Meuter verfolgen ganz im Sinne der First Nations mit ihren Forschungen einen ganzheitlichen Ansatz, der weit über Dokumentation und Analyse hinausgeht. Sie betrachten die Wale als gleichberechtigtes Glied in der Kette der natürlichen Abläufe. Obwohl der Film weder kämpferisch noch lautstark oder provokant an sein Thema herangeht, setzt er doch ein klares Statement: für die Natur und gegen kommerzielle Interessen.

AB 5. SEPTEMBER IN DER SCHAUBURG

MEIN LEBEN MIT AMANDA Frankreich 2018

Ein siebenjähriges Mädchen verliert plötzlich ihre Mutter. Anrührendes, warmherziges Drama über Trauerarbeit und Verarbeitung von Schicksalsschlägen, das nicht zuletzt durch seine beiden Hauptdarsteller authentisch wirkt. „David holt mich heute ab, Mamas Bruder“, erklärt die kleine Amanda (Isaure Multrier) ihrer Lehrerin. Doch der 24jährige sympathische Filou (Vincent Lacoste) lässt auf sich warten. Noch immer schlägt er sich mit Gelegenheitsjobs durch und hat seinen Platz im Leben noch nicht richtig gefunden. Für seinen Vermieter kümmert er sich um dessen Wohnungen bei der Übergabe an Nachmieter und Touristen. Diesmal brachte eine indische Familie, die nicht rechtzeitig ankam, seinen Zeitplan durcheinander. Abgehetzt radelt er durch Paris, um seine kleine Nichte nachhause zu bringen. Die beiden verstehen sich prächtig. Und selbst Sandrine, Davids Schwester, ist nur kurz verärgert, über seinen Faux pas. Dass sie sich auf ihren kleinen Bruder trotz allem verlassen kann, weiß sie im Grunde. Doch ein schwerer Schicksalsschlag ändert alles... In lichtdurchfluteten sommerlichen Bildern, die durch die Körnigkeit des Super 16mm-Materials noch stimmiger wirken, beschwört Regisseur Mikhaël Hers das zunächst unbeschwerte Glück dieses kleinen Trios. Doch abrupt bekommt das Ganze Risse. Von einem Tag auf den anderen gerät das Leben aus den Fugen. Ein blutiger Anschlag erschüttert Paris. David ist mit dem Rad unterwegs, als die Polizei-Sirenen zu heulen beginnen und Krankenwagen losrasen. Seine Schwester Sandrine kommt dabei ums Leben und kehrt nie mehr nach Hause zurück. Léna ist verletzt und schwer traumatisiert von dem schrecklichen Geschehen. Jenseits aller Klischees gelingt Regisseur Mikhael Hers ein schwieriges Thema mit bemerkenswerter Leichtigkeit zu behandeln. Sein anrührendes, warmherziges Drama über Trauerarbeit und Verarbeitung von Schicksalsschlägen wirkt nicht zuletzt durch seine beiden Hauptdarsteller Vincent Lacoste, dem französischen Shootingstar, und die siebenjährige Isaure Multrier authentisch. Einfühlsam zeigt Hers nicht nur die psychische Erschütterung sondern auch die Kostbarkeit einzelner Momente, die helfen, langsam wieder Lebensfreude zu finden.

AB 12. SEPTEMBER IN DER SCHAUBURG

REGIE Mikhael Hers DREHBUCH Mikhael Hers, Maud Ameline DARSTELLER Vincent Lacoste, REGIE & BUCH Mirjam Leuze LAUFZEIT 101 Minuten FSK ohne Altersbeschränkung VERLEIH mindjazz

pictures

Isaure Multrier, Stacy Martin, Ophelia Kolb, Marianne Basler, Greta Scacchi LAUFZEIT 107 Minuten FSK 6 VERLEIH MFA

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Schauburg Cinerama Karlsruhe - Programmheft September 2019