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SCHAUBURG SPECIALS 26

ließen, spekulierten offensichtlich darauf, von der Verpflichtung zum Bau der kompliziert aufwändigen Doppelstockgarage befreit zu werden. Ein neues Parkraum-Konzept mit einer einfallsreichen Platznutzungsoptimierung war dann endlich erfolgreich: Im Oktober 1998 entschied der Gemeinderat, dass so eine einstöckige Tiefgarage ausreiche. Noch im selben Monat kam es tatsächlich zum ersten Spatenstich. Georg Fricker - ebenso erfreut wie überrascht - hatte auch schon mit dem Gedanken gespielt, „das wird ja hier doch wohl nix“, versicherte aber pfiffig, dass mit den an der Tiefgarage gesparten fünf Millionen DM ein 3 D-Kino installiert werde… Ein Immobilienfonds übernahm die Bauträgerschaft und die Baukonzerne Züblin und Dyckerhoff & Widmann starteten mit Volldampf im Januar 1999 die Arbeiten, die dann auch zügig vorangingen. Trotz Bodenbelastung, Munitionsfunde und Schwarzarbeiterkontrollen war nach kaum mehr als einem Jahr der Palascht fertig. Wer bei den Bauarbeiten die gigantische Baugrube gesehen hat, kann sich vorstellen, dass Fricker nicht nur triumphierte… Der Filmpalast mit

seinen zehn Kinos, 2.954 bequemen Plätzen, moderner Projektionstechnik, Vorhängen in den neun Großsälen, Klimaanlage und vielfältigen gastronomischen Angeboten war sofort ein Publikumsmagnet. Zudem übte er einen heilsamen Modernisierungsdruck auf die Kinos in der Innenstadt aus, die lange mangels direkter Konkurrenz Komfort und Technik sträflich vernachlässigt hatten. Das Luxor schloss seine Pforten, Kurbel und Universum wurden umgebaut, die Kamera musste dem Erweiterungsbau der Sparkasse weichen. Was nichts daran änderte, dass Karlsruhe endlich wieder ein Angebot an Kinoplätzen hatte, das einer Stadt dieser Größenordnung würdig war. Das 3 D-Kino im Filmpalast blieb lange ein Versprechen, obwohl im Kino 3, einem Saal in Zylinderform, die baulichen Voraussetzungen schon planerisch geschaffen worden waren. Erst mit dem digitalen 3-D-Verfahren konnte die dreidimensionale Verheißung Jahre später endlich eingelöst werden. Rückblickend ist fraglich, ob der ursprünglich geplante Einbau der in die Jahre gekommenen IMAX 3D-Technik die Attraktivität des Filmpalastes wesentlich erhöht hätte, zumal das überschaubare Angebot an Filmen in diesem Format, lange vorher vom IMAX-Kino des nahegelegenen Auto&Technik-Museums in Sinsheim abgespielt wurde und immer noch wird. Die Kooperation mit ZKM und EIKK ist nur selten realisiert worden. Das liegt und lag vor allem daran, dass Programmkinomache mit sehr viel Arbeit und gigantischem Organisationsaufwand verbunden ist. Außerdem scheinen Kinokultur und die der Hochschulinstitute gewissen Berührungsängsten nicht ausweichen zu können oder zu wollen. Im Filmpalast geht ganz überwiegend der filmische Mainstream über die Bildwände. So kollidiert das Filmangebot selten mit dem Programm der Schauburg. Fricker hatte vertraglich geregelt, dass der Karlsruher Filmpalast unter keinen Umständen ein „CineStar“ (so hießen die Kieft-Multiplexe) genannt werden dürfe. Kein Schriftzug, kein Prospekt, kein Werbeauftritt in Karlsruhe sollten den Begriff bringen dürfen. Und das 8-seitige Wochenprogramm musste auf der Rückseite stets das aktuelle Schauburg-Programm abdrucken. Zuweilen darf die Schauburg bei aktuellen Neustarts zunächst nur mit Originalsprachfassungen beginnen, aber immerhin bleibt sie nicht ausgeschlossen abgehängt. Ob der kulturelle Anspruch, der erheblichen Teil zur Realisierung des Filmpalast-Projekts beigetragen hat, unzureichend in die Praxis umgesetzt wurde, ist nur eingeschränkt richtig. Indirekt kommen die Einnahmen des Filmpalasts nämlich der Förderung von Film- und Kinokultur zugute - nämlich über die Aktivitäten der Georg Fricker Stiftung. Wenn diese zum Beispiel kinotechnisch/filmhistorische Kulturveranstaltungen wie das alljährlich TODD-AO- oder TechnicolorFestival in der Marienstraße sponsorisch erst ermöglicht. Die vielen Menschen, die dem Unternehmen Multiplex anfangs noch kritisch, skeptisch oder sogar vehement ablehnend gegenüber standen, dürften mittlerweile anerkennen, dass der Filmpalast in jeder Hinsicht eine Attraktion der Stadt Karlsruhe ist - nicht zuletzt auch dank der gelungenen architektonischen Gestaltung und der akzentuierten Einbindung in den Stadtteil. Bereits zehn Jahre nach Eröffnung wurden im Filmpalast am ZKM schon zehn Millionen Kinobesuche registriert. Die Bürgerproteste, lästig und hemmend bei der Realisierung des Projekts, sind längst verstummt, zumal der Immobilien/Wohnwert in der Umgebung auch dank des harmonischen Nebeneinanders gestiegen ist.

Profile for Schauburg Kino & Theater

Schauburg Cinerama Karlsruhe - Programmheft November 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters in Karlsruhe für den Monat November 2019

Schauburg Cinerama Karlsruhe - Programmheft November 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters in Karlsruhe für den Monat November 2019