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NEU IM MAI 07

KLEINE GERMANEN Deutschland 2018 — Dokumentarfilm

DAS ENDE DER WAHRHEIT Deutschland 2019

Ein BND-Mann kommt einem weitreichenden Komplott auf die Spur. Hervorragend recherchierte Geschichte, die zeitgemäße politische und gesellschaftliche Fragen auf überzeugende Weise verhandelt. Martin Behrens (Ronald Zehrfeld) ist Zentralasien-Experte beim Bundesnachrichtendienst. Als Mann alter Schule vertraut er mehr seinem Instinkt und seiner Erfahrung, als der bloßen Analyse von Daten. Dementsprechend hellhörig wird er auch, als seine Geliebte, die investigative Journalistin Aurice Köhler (Antje Traue), in einem arabischen Lokal getötet wird. Scheinbar zufällig, so vermutet die Polizei, doch Behres ahnt, das Aurice gezielt ermordet wurde. Bald findet er Spuren, die auf ein weitreichendes Komplott hindeuten, das bis weit in die Ränke des BND hineinreicht: Alles dreht sich um die (fiktive) zentralasiatische Region Zahiristan, deren umstrittene Regierung Waffen für den Kampf gegen Terroristen verlangt ... In seinem zweiten Langfilm „Wir waren Könige“ hatte Philipp Leinemann sich mit den Strukturen des Sondereinsatzkommandos der Polizei beschäftigt, diesmal blickt er in die Welt der Geheimdienste. Was er dort findet ist vielschichtig und komplex und darin liegt die größte Qualität des Films. Kein ungeschöntes Loblied auf die Staatsorgane singt er, verdammt sie aber auch nicht. Stattdessen beschreibt er in „Das Ende der Wahrheit“ die Strukturen der Geheimdienste, deutet Verflechtungen an, die meist kaum nach außen dringen, stellt Fragen nach politischer und moralischer Verantwortung und kommt am Ende zum Schluss, dass die Wahrheit meist nicht schwarz oder weiß, sondern grau ist. Ein dichtes Geflecht aus politischen, wirtschaftlichen und geheimdienstlichen Interessen spinnt Leinemann. Zwar merkt man immer wieder mit wie wenig Geld „Das Ende der Wahrheit“ gedreht wurde, doch trotz dieser Einschränkungen ist Philipp Leinemann und seinem Team ein bemerkenswerter, intelligenter Film gelungen, der sich in Bereiche vorwagt, in die das deutsche Kino allzu selten blickt

Es geht um Kinder, die in einem rechtsradikalen Umfeld aufwachsen. Dieser Film kommt zur richtigen Zeit, seine Wirkung beruht auf der Kombination von Fakten, unverbrämten Äußerungen und Originalinterviews mit einer wahren Geschichte. Ein aufrüttelnder, handwerklich sehr gelungener Film. Die kleine Elsa wächst liebevoll behütet auf – der Opa ist ihre wichtigste Bezugsperson. Ihm vertraut sie, und wenn sie ihren kleinen Stahlhelm trägt und mit ihm Krieg spielen kann, ist sie selig. „Für Führer, Volk und Vaterland“, piepst sie und grüßt mit erhobenem rechtem Arm. Als Erwachsene heiratet sie einen Neonazi, mit dem sie in einem von der Außenwelt abgeschotteten Dorf voller Gleichgesinnter lebt. Nachdem ihr Mann wegen rechter Gewalttaten inhaftiert wurde, sieht sich Elsa allein gelassen mit ihren Kindern, von denen eines behindert ist. Sie baut sich unter den misstrauischen Blicken der Dorfgemeinschaft eine eigene Existenz auf, setzt sich zur Wehr, als sie ihren behinderten Sohn ins Heim geben soll und trennt sich schließlich von ihrem Mann... Elsas Lebensgeschichte ist einer der beiden Erzählstränge des Films. Er zeigt in animierten Bildern, wie Elsa aufwächst – in einem Umfeld von Hass und Lügen. Parallel dazu stehen die realen Bilder der Gegenwart, die unterschiedliche Aspekte einer rechtsradikal ideologisierten Erziehung zeigen. Die Bedeutung dieses Films kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Während in weiten Teilen der Gesellschaft die Fähigkeit zum Diskurs im gleichen Maße abnimmt wie die offenkundige Neigung zu einem sehr schlichten Schwarz-Weiß-Denken zunimmt, mischt sich scheinbar der Wertkonservativismus des schwindenden kleinbürgerlichen Mittelstandes mit dem Hurra-Patriotismus und dem Kadavergehorsam vergangener militaristischer Zeiten. Die Spaltung der Gesellschaft schreitet fort, an allen Ecken und Enden wird eine kaum verbrämte Nazi-Ideologie salonfähig. Wohin ein solcher verquaster Nationalstolz führt, wenn er sich über ein ganzes Land oder über die gesamte Welt ausbreitet, sollte eigentlich jedem Menschen klar sein. Um Diskussionen in Gang zu setzen, um das Nachdenken über den Zustand der Republik und die Richtung einer künftigen Entwicklung zu steuern, bietet der Film jedenfalls eine Fülle von Denkansätzen und Gesprächsmöglichkeiten.

AB 9. MAI IN DER SCHAUBURG

AB 9. MAI IN DER SCHAUBURG

REGIE & BUCH Philipp Leinemann DARSTELLER Ronald

REGIE Mohammad Farokhmanesh & Frank Geiger DREHBUCH Mohammad Farokhmanesh, Frank Geiger & Armin Hoffmann LAUFZEIT 85 Minuten FSK 12 VERLEIH Little Dream

Zehrfeld, Alexander Fehling, Axel Prahl, Claudia Michelsen, Antje Traue, August Zirner LAUFZEIT 105 Minuten FSK 16 VERLEIH Prokino/Studiocanal

Entertainment GmbH

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Schauburg Cinerama Karlsruhe - Programmheft Mai 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters in Karlsruhe für Mai 2019.

Schauburg Cinerama Karlsruhe - Programmheft Mai 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters in Karlsruhe für Mai 2019.