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90 JAHRE SCHAUBURG 27

Filmauswahl versucht, ein breites Interessenspektrum abzudecken. Filmverleiher waren zuweilen mal bereit, einen neuen Film zur Verfügung zu stellen, der noch die Premiere vor sich hatte oder sogar erst in der Endbearbeitung war. Prominente Star-Gäste lassen sich zwar regelmäßig blicken, Katharina Thalbach, Elmar Wepper und Florian Henckel von Donnersmarck zum Beispiel, aber im Grunde genügt die Mischung aus Kulisse, Kino und Küche, um Massen anzulocken. Prominente Freilichtkinofans gibt es übrigens auch - sogar von weither anreisende.

KNÜLLER: EUROPÄISCHE ERSTAUFFÜHRUNG Ein ganz besonderes Ereignis war die Uraufführung von ‚Army go home!‘, ursprünglich betitelt: ‚Buffalo Soldiers‘. Der Film über drogendealende GIs spielt im aktuellen Karlsruhe. Kasernen und das damals schon runtergekommenen Tullabad als US-Armypool waren tagelang für Filmaufnahmen gesperrt. Für die im Umland gedrehten Manöveraufnahmen (mit Panzern!) hatten im Spätjahr 2000 hunderte Einheimische als Statisten mitgemacht, die sich dann gern auf der Bildwand wiedergesehen hätten. Die Marienstraße mit der Schauburg kam ebenfalls ins Kulissenbild. Mit Joaquin Phoenix, Ed Harris und Scott Glenn verfügte der australische Regisseur Gregor Jordan über zugkräftige Darsteller. Der deutschen Filmverleih Prokino erlaubte exklusiv eine Vorabpräsentation als europäische Erstaufführung. Der Film kam erst Ende Oktober regulär in die Kinos. Georg Fricker hatte hartnäckig darum gekämpft; für ihn sollte das die Krönung „seiner“ Freilichtkinoära werden - und so kam es: Die Premiere war krönender Abschluss der Saison 2002. Der Vorverkauf für die Vorstellung am Sonntag, 25. August 2002, stellte alles in den Schatten, was es jemals an Besucherströmen gab. Weitere Vorstellungen (in der Schauburg) mussten angesetzt werden, um allen Statisten und ihren Angehörigen Gelegenheit zum Anschauen zu geben.

Kartenvorverkauf, Mitteilungen zum Programm, nicht vermeidbare kurzfristige Änderungen, optimale ÖPNV-Erreichbarkeit usw. müssen gewährleisten, dass sich das Freilichtkino gegen andere Karlsruher Sommerfeste, Urlaubsreisen und große Fußballereignisse und überhaupt nicht steuerbare Wetterkapriolen behaupten kann. Schlechte Besucherzahlen gab es in kalten Sommern, was aber die Organisatoren erfreulicherweise nicht entmutigt hat. Freiluftkino-Stammgäste bestätigen dem Schauburg-Team, dass es in Karlsruhe am Gottesauer Schloss schöner, gemütlicher und kinofeelinger ist als in vielen anderen Open Airen. Die konkrete Bewertung „Schönstes deutsche Open Air Kino“ möchte Schauburg-Chef Herbert Born anderen überlassen. Bei aller Bescheidenheit darf und kann er auf das Erreichte stolz sein. Mühen und Risiken in bald 25 Jahren haben sich gelohnt. Georg Frickers Sprung ins kalte Wasser entwickelte sich zur Erfolgsgeschichte. Weitere Überlegungen zur umweltfreundlichen Ess- und Trinkgefäßen und Details zur Ablaufverbesserung „beschäftigen“ Herbert Born und sein Team auch außerhalb der Sommersaison. Die Film- und Kinokultur-gerechte Pflege als Maxime Georg Frickers und seiner Stiftungsidee unterstützt deshalb konsequent auch seine Stiftung. Und nicht zu vergessen all die externen hilfreichen Kräfte drumherum. Am Schluss, wenn km an Kabeln und Berge von Stapelstühlen und und und ins Winterlager geschleppt sind, ackern die Landschaftsgärtner fleißig, damit die Grünanlage wieder ihre makellose lustschlössliche Gestalt zurückbekommt…

Gelegentlich spielt auch die Natur im Film mit - lange vor Dollbie Ahtmoß u. ä.. Etwa, wenn ein Blitz, der vom Blitzableiter des Schlosses unschädlich gemacht wurde, für Sekunden die magische Aura von Kubricks ‚2001 – Odyssee im Weltraum‘ festlich illuminiert. Schon früh gab es sogar Mehrkanalton - so gut das im Freien überhaupt praktizierbar ist. Und manchmal passt ein Martins- oder Nebelhorn von der Autobahn oder ein Zugpfiff von der DB-Strecke quasi als Sensourround zum Filmgeschehen. Immer wieder kommt es vor, dass Regen einsetzt, wenn es im Film gerade zu regnen beginnt, und leider öfter noch, dass der strahlende Filmhimmel von realen widrigen Witterungsumständen torpediert wird. Aber so ist es halt, wenn das Kino kein Dach überm Kopf hat. Die Gäste nehmen’s dann leicht mit Gene Kelly von wegen ‚Singing in the rain’.

Wenn Natur ins offene Kino stürmt: da war ENDE

ERFOLG MIT VERPFLICHTUNG Die Erfolgsgeschichte des Open-Air-Kinos vorm Schloss Gottesaue wird weitergeschrieben - ob’s stürmt oder schneit (was zugegebenermaßen derzeit im Sommer hoffentlich selten vorkommt.) Seit 1995 haben sich über 800.000 Besucher dieses frischluftige Sommervergnügen gegönnt. Der Eintrittspreis ist trotz des enormen Kostenaufwands möglich dank der Sponsoren. Die unterstützen das sommerliche Ereignis gern. Einige sind zwar abgesprungen, andere treu geblieben bzw. neu hinzugekommen. Und dass dieses cineastische Sommervergnügen richtige Knochenarbeit mit wochenlangen Auf und Abbauten, fummeligen Installationen, komplizierten Sicherheitsmaßnahmen ist, davon können Helfer/innen ein schweißtreibendes Lied singen. Begeisterte Filmmitmacher: badische Blues Brothers Lookaliker

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Schauburg Cinerama Karlsruhe - Programmheft Juli 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters in Karlsruhe für den Monat Juli 2019

Schauburg Cinerama Karlsruhe - Programmheft Juli 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters in Karlsruhe für den Monat Juli 2019