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Das neue Gerüst für die Bildwand hat eine Gesamthöhe von 12,4 m und eine Breite von 26 m. Das Ganze wird auf 26 Betonfertigteile mit einem Gesamtgewicht von etwa 80 Tonnen montiert, damit die darauf verankerte Bildwand auch schweren Sturmböen widersteht. Das Gerüst selbst besteht aus einem Raumfachwerksystem, das auch für Hallen mit großer Spannweite verwendet wird. Der Fuß hat eine Grundfläche von 26 m x 5,66 m. Darauf geschraubt wird dann die Unterkonstruktion für die Bildwand mit 24 m x 11 m und einer Tiefe von 1,5 m. Gesamtgewicht der verwendeten Gerüstrohre ist nochmals ca. 8 Tonnen. Rundum wird das Gerüst mit Planen verkleidet und danach die Bildwand in einem Stück darauf aufgespannt. Ein Teil der Lautsprecher hängt geschützt vor Nässe und Sonneneinstrahlung im Gerüstturm.

losgetobt war. Die Regenmasse war gigantisch; die Straße vorm Haupttor stand kniehoch unter Wasser! Alle Besucher flüchteten deshalb bereits panisch vom Gelände. Die Fläche unmittelbar vor der Bildwand war frei von Zuschauern und groß genug. Wie durch ein Wunder ist bei diesem Horrorszenario kaum 30 Minuten nach Filmbeginn - niemand auf dem proppenvollen Areal verletzt worden. Fricker nahm es äußerlich gelassen, aber nur äußerlich. Ihm war klar, was nun alles noch an Auflagen und Maßnahmen nachgefordert werden und ob das nicht sogar schon das Ende vom Freilichtkinotraum bedeuten könnte. Zu seinen Gunsten sprach, dass er mit dem Wetterdienst einen Warnvertrag abgeschlossen, die aber dieses Unwetter nicht angekündigt hatte. Aufsichtsgremien sahen sich natürlich in der Pflicht, Neider gossen Öl in die kolportierten Schreckensszenarien. Der Gerüstbauer wurde zu Schadensersatz verurteilt, mit provisorisch instandgesetzter Bildwand, dann einer kleineren Leihbildwandanlage, konnte nach einigen Tagen bei großen Publikumszuspruch weiter gespielt werden. Das Bauordnungsamt verschärfte vorbeugend einige Sicherheitsauflagen. Im nächsten Sommer trug dann eine neue - auch wieder, aber diesmal „mehr und garantiert sturmsichere“ Konstruktion - eine noch größere Bildwand, 24 Meter breit, 10 Meter hoch. Dabei ist es seit 1996

prinzipiell geblieben. Service, Bild- und Tonqualität wurden und werden ständig verbessert und dem Stand der Technik angepasst. 35 und 70 mm Filme sind hier projiziert worden, während inzwischen natürlich längst DCP-gebeamt wird. Bei der Bildwandgröße und dem Abstand vom Projektor (42 Meter) sind Objektive, Lampentypen und Gleichrichter ausgefallener Größenordnung erforderlich. Und die Physik macht sich auch bemerkbar, denn Licht ist schneller als Schall… Schließlich werden die Erwartungen an Schauburg-Kinomacher mit dem Erreichten an der Marienstraße verglichen.

FREILICHTKINO-ABLÄUFE Anwohnerklagen über Geräuschbelästigung galt es bestmöglich vorzubeugen. Die wenigen Direktnachbarn waren tolerant bis verständnisvoll. Mit allen erdenklichen Maßnahmen wurde und wird die Schallausbreitung minimiert. Und dass bei Klagen gelegentlich neben Hysterie auch Unterstellungen vorkommen, zeigt eine Beschwerde aus der weiteren (!) Umgebung: Als bei Polizei und Ordnungsamt viele erbost heftige Anwohnerbeschwerden über den „Freilichtkinokrach“ eingingen, schickte man umgehend Einsatzkräfte zum Gottesauer Schloss. Schnell stellte sich heraus, dass ein filmfreier Spieltag war und der „Krach“ - aus der Klotz-Anlage rüberbrandete… Gespielt wird immer (außer montags), wenn es denn keine Unwetterwarnung gibt. Der gastronomische Service wird auch dann angeboten, wenn sich bei schlechtem Wetter nur ein paar unverwüstlich wetterfeste Filmfans auf dem Gelände verlieren. 3.000 Besucher haben Platz, nicht alle setzen sich auf Stühle, manche machen es sich wie bei einem Picknickausflug auf den Rasenflächen bequem. Kino im Freien ist immer auch ein bisschen wie Happening, Treffen mit Freunden, bei vielen längst ein Alle-Jahre-wieder Sommerritual. Gezeigt werden neben Blockbustern der Saison, Publikumslieblinge vergangener Spielzeiten, Klassiker, aber auch neue deutsche Produktionen. Die finden leider kaum so regen Publikumszuspruch wie Blockbuster-Knüller in lauen Karlsruher Kinonächten. Film-Wunschlisten sowie Umfragen gab es bereits, wobei sich aber auch deren umgesetzte Resultate mit anderen Terminen und Veranstaltungen „vertragen“ mussten oder wetterbedingt nicht wahrgenommen werden konnten. Auf jeden Fall ist das Freilichtkino - Wunschfilm hin oder her - der sommerliche Anziehungspunkt für die Region und darüber hinaus geworden. Die

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Schauburg Cinerama Karlsruhe - Programmheft Juli 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters in Karlsruhe für den Monat Juli 2019

Schauburg Cinerama Karlsruhe - Programmheft Juli 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters in Karlsruhe für den Monat Juli 2019