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90 JAHRE SCHAUBURG Fotos diese Seite: www.fabrytorz.de

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SCHAUBURG OHNE DACH FREILUFTKINO MIT TRADITION Friedrich Schumacher unter Verwendung eines Textes von Dr. Peter Kohl … Ein Sommer in Karlsruhe ohne das große Open-Air-Kino vorm Schloss Gottesaue, das ist so unvorstellbar wie ein Sommer ohne Das Fest in der Günter Klotz-Anlage. Nachdem in den 90er Jahren zaghafte studentische Versuche zeigten, dass Freiluft-Filmvorführungen in Karlsruhe grundsätzlich Begeisterung finden, war SchauburgKinoprofi Georg Fricker klar, dass er da nicht nur am Rande oder gar abseits stehen durfte und vor allem, technisch und organisatorisch noch sehr viel verbessern könnte. Gerade in der kinoflauen Sommerferien/Urlaubszeit durfte er sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen… Für ihn stand fest: Das muss alles richtig perfekt, schön und imponierend attraktiv sein: Hollywood statt Schrebergartenkino. Im Juli 1995 startete die Schauburg gut vorbereitet und mit grenzenlosem Optimismus ihren Freiluftableger am geschichtsträchtigen Ort auf dem Schlossgelände des Domizils der Hochschule für Musik. Das einstige markgräfliche Lustschloss, das im Lauf seiner wechselvollen Geschichte auch schon mal Militär-, Miets- und Polizeikaserne und nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg lange Zeit einfach nur eine Ruine war, bot eine imponierende Kulisse für laue Kinonächte unter freiem Himmel. Auch hinsichtlich der filmtechnischen Ausgestaltung und Geländeabsicherung waren gute Voraussetzungen vorhanden, der Rest ließ sich improvisieren. Optimal war der „Projektionsraum“ im Schloss-Treppenhaus exakt mittig gegenüber der Bildwand. Bei den Probeläufen auf dem Karlsruher Kulturmarkt, beim Museumsfest und im Alten Stadion der Universität war Freiluftkino begeistert aufgenommen worden. Interesse und Nachfrage gab es offensichtlich. Soweit perfekt, soweit alles schön und gut. Aber das galt es auch noch vertraglich über die Verwaltungsbürokratie langfristig festzuschreiben. Mit der Musikhochschule, einer Einrichtung des Landes, hatte die Schauburg schon im Vorfeld beste Kontakte gepflegt. Das Kino stellte seine Räume in der Marienstraße seit langem für Proben und den großen Saal mit seiner idealen Akustik für Aufführungen der Opernklasse großzügig zur Verfügung. Natürlich war man an der Hochschule zunächst gar nicht gewillt, solch eine gigantische Fremdnutzung als Freilichtkino überhaupt ins Auge zu fassen. Die behördlichen Ämterbedenken mit Kompetenz- und Detailabklärungen galt es abzuarbeiten. Als aber sogar das städtische Kulturreferat, dem Fricker

jahrelang mangelnde Filmkunstbegeisterung vorgehalten hatte, seine Pläne unterstützte, er alle Fäden unbeirrt in der Hand hielt und sich wie üblich stringent durchzusetzen wusste, kam es zur Einigung. In der Sommerferienzeit war fortan das Gelände vor der Musikhochschule Schauplatz eines Sommerkinos im XXL-Format. Aus den improvisierten Versuchen war jetzt eine zwar immer noch unkalkulierbare, riskante Großveranstaltung geworden - mit aufwändigen Anschaffungen und monatelangen Vorbereitungen - aber es konnte losgehen.

DONNERWETTER Nach idiotischem Vandalismus und ähnlichen Beschädigungen, die zusätzliche aufwändige Sicherungsmaßnahmen und Bewachungen erforderten, spielte gleich im ersten Sommer der Wind dieser neuen Sommerattraktion einen bösen Streich: Am 15. Juli 1995 brachte samstags bei Tarantinos ‚Pulp Fiction’ im ausverkauftem Areal eine Sturmböe das Gerüst mit der Riesenbildwand zum Einsturz. Zum Schrecken aller krachte das Projektionstuch mitsamt Gerüstteilen auch in Richtung Publikum, was nur deshalb glimpflich ablief, weil gleichzeitig völlig überraschend ein schweres Starkregengewitter

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Schauburg Cinerama Karlsruhe - Programmheft Juli 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters in Karlsruhe für den Monat Juli 2019

Schauburg Cinerama Karlsruhe - Programmheft Juli 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters in Karlsruhe für den Monat Juli 2019