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90 JAHRE SCHAUBURG 23

KINOTECHNIK WEIT VORAUS Es begann in Amerika - ziemlich bombastisch und wirkungsvoll: 1952 eröffnete ein dafür umgebautes Kino mit dem ersten CINERAMAWeltreisefilm. Ein extrem aufwändiges Drei-Filmstreifenverfahren für gigantisch große, stark gekrümmte Bildwände mit 7 Kanal-Stereoton. Die Vorführungen waren pannenanfällig, die beiden Nahtstellen zwischen den drei Teilbildern auf der Riesenbildwand störten trotz aller Kaschiertricks. Die Filmhandlungen mussten sich technisch bedingt auf lange Einstellungen beschränken. Die Bild und Tonwirkung aber waren seinerzeit unbestritten großartig - übrigens sind sie das sogar heute noch. Faszinierte Besucher kauften nach der Vorstellung gleich Karten für weitere. In kurzer Zeit gab es in allen Weltstädten Cinerama-Kinos: „Man geht zu Cinerama“. Die Kinobranche hatte inzwischen begriffen, dass es technisch in dieser Richtung weitergehen müsste. Dann brachte die Centfox 1953 wenige Monate nach dem CineramaStart sein Breitwandverfahren CinemaScope in die Kinos. Dabei wird 35 mm Film mit einer Spezialoptik in einer Breite von bis zu 1:2,55 projiziert. Vierkanaliger High-Fidelity Ton dazu kam von aufgeklebten Magnettonspuren. Die lieferten einen Klang, den man bei Schallplatte und Radio erst Jahre später annähernd erreichte. Centfox wollte damit den Kinos eine etwas preisgünstigere Technik bereitstellen, die im Vergleich zu Cinerama in bestehende Kinos mit viel geringerem Aufwand nachgerüstet werden konnte und vor allem weniger störanfällig, zudem nicht so personalintensiv war. Mit Stereoton ausgerüstete CinemaScope-Kinos boten eine Attraktion, die sich vom mickrig kleinen zeilenschmierigen Matschscheiben-TV zu Hause abhob. Bei dem erforderlichen Umrüstungsaufwand wundert es nicht, dass anfangs nur in den Metropolen einzelne Großkinos diese Investition riskierten. Größere, breitere Bildwände, damit verbunden bauliche Veränderungen des Bühnenrahmens, neue Vorhänge sowie -Zuganlagen, Projektoren, Optiken, Verstärker, Lautsprecher usw. waren enorm teuer.

Mehrere tausend Statisten - der 31-jährige Stanley Kubrik traute sich das 1969 zu. Sonnenhimmel ohne Flugzeuge, Menschen, Waffen Kostüme, Pferde… transportieren, verpflegen sowie das Gegenteil. Das muss man auf der Riesenbildwand in 70 mm gesehen haben!

Oklahoma (1955) setzte als erster TODD-AO-Film Maßstäbe. Selbst auf diesem Bildschirmfoto imponiert die Schärfentiefe.

Bei der tontechnischen Ausrüstung für Kinos hatte übrigens Siemens Klangfilm marktführend die Nase vorn. In Karlsruhe-Knielingen produzierte man für den Weltmarkt Kinoverstärkeranlagen - anfangs noch in Röhrentechnik, in 4 und 6 Kanal. 1953, als Kinobesuchern daheim Mittelwelle in störgeräuschigem Mono und s/w-TV in wenigen Wohnungen verfügbar waren, standen Kinomacher vor existentiellen Entscheidungen. Schließlich bauten sie ihre Kinos nicht für einen Film um, sondern wollten fortan über genügend Programmangebot in der neuen Technik verfügen können. Ein Risiko, das ihnen niemand abnahm und das durch unterschiedliche Formate auf dem Markt noch riskanter wurde.

TODD-AO SCHAFFT DEN DURCHBRUCH Als Kompromiss zur etwas bescheidenen 35 mm CinemaScopeTechnik einerseits und dem überzogen riskant-gigantischen Cinerama andererseits kam der Amerikaner Michael Todd (19091958) mit seiner Idee, einen doppelt, nämlich 70 mm breiten Film zu verwenden. Bei dem nach ihm benannten TODD-AO-Verfahren (AO = American Optical Company) ist das Filmbild fast dreimal so groß wie im 35 mm Film, was sich zugunsten der Bildqualität auswirkt. Detaillierter, schärfentiefer, heller und stabiler lieferte 70 mm TODD-AO nie gekannte Qualitäten auf extrem großflächigen, gekrümmten Bildwänden. Dabei ging es nicht um extreme Breiten, sondern um höhere Bildqualität. Mit 1:2,2 war das 70 mm-Format hochformatiger als CinemaScope. Dank der hohen Filmlaufgeschwindigkeit lieferten die 6 Magnettonspuren erstklassigen High Fidelity Raumklang. Dieser gigantische

CLEOPATRA, 1958-63 katastrophenbegleitet produziert, wurde in seiner Pracht erst spät gewürdigt. Während der Dreharbeiten erkrankte Elizabeth Taylor lebensbedrohlich, ihr Ehemann Michael Todd kam beim Flugzeugabsturz um - und hinterließ ihr seine TODD-AO-Rechte.

70 MM GENUSSHINWEIS Fast plastisch wirkenden Filmeindrücke kommen im Kino zustande, wenn man im Saal unbedingt mittig, am besten im mittleren Drittel sitzt, die Bildwand sauber, stark gewölbt und das Licht im Projektor hell genug ist und hochwertige Projektionsoptiken zum Einsatz kommen, die 5 Kanäle vorn hinter der Bildwand verteilt an die Raumakustik angepasst, mit leistungsstarken Präzisionsverstärkern beschickt werden. Der sechste Kanal ist diffus im Raum verteilt. Bei neueren 70 mm-Produktionen kommen noch mehr Kanäle zum Einsatz. Diese Perfektion wird gewährleistet, sie hat einen Namen: Schauburg Karlsruhe.

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Schauburg Cinerama Karlsruhe - Programmheft August 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters in Karlsruhe für den Monat August 2019

Schauburg Cinerama Karlsruhe - Programmheft August 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters in Karlsruhe für den Monat August 2019