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90 JAHRE SCHAUBURG 20

Schauburg in den 50er Jahren – Willy Mansbacher inmitten seiner Mitarbeiterinnen

optimieren, reparieren waren gleichzeitig zu bewerkstelligen. Für solch eine Endlosfron hatte er Selbstvertrauen und eine zwanghafte Vision mit Erfolgsglauben bei allen Experimenten: · 1973 richtete er ein tägliches zweistündiges Juniorenprogramm ein, bestehend aus einem nicht allzu anspruchsvollen Spielfilm, umrahmt von Zeichentrick-, Slapstick- und Kulturfilmen und Wochenschauen. Das Regina und zwei andere Karlsruher Kinos hatten es mit Non-Stopp-Vorführungen a la Bahnhofskino erfolglos versucht. Das Konzept konnte auch in der Schauburg vermutlich nicht funktionieren, weil jeweils der Hauptbahnhof direkt beim Kino fehlte. Aber bei diesem Versuch machte Fricker eine für ihn höchst nützliche Bekanntschaft: Gerhard Zimmermann leitete u. a. in Bielefeld, Mönchengladbach und Bonn jeweils ein „Woki“ (Wochenschaukino), mit der genialen Idee, ab 18 Uhr aber Filmkunst anzubieten. Diese Mischung brachte vormittags sicheres Geld, ermöglichte beim Filmkunstprogramm moderate Eintrittspreise und federte das finanzielle Risiko ab. Bonn war noch Bundeshauptstadt und erst im benachbarten Köln gab es Niveaukino-Konkurrenz. In Karlsruhe hoffte Fricker auf Studenten und Schüler und dass die badische Metropole auch aus dem Umland Besucher anzog. Und noch etwas war unabdingbar: Filme müssen im Kino medienadäquat in bestmöglicher Technik präsentiert werden. Bonn hatte 4 Kanal Magnetton, HiFi-Tonanlagen, Klipschorn-Lautsprecher, immer die neuesten Bildwände und hochwertigste Projektionsoptiken. Seinem Kollegen Fricker trat Zimmermann manches Teil ab, wenn mal wieder eine Neuanschaffung ins Woki kam. Viele Ideen zu Programmreihen und Präsentationen konnte er von ihm übernehmen. Außerdem hatte er in Karlsruhe einen riesigen Saal mit 70mm, Cinerama-Bildwand und die Möglichkeit, ohne Projektionseinbußen zwei weitere Kinosäle zu schaffen. All das hatte er den deutschen Programmkinos in anderen Städten voraus. · Ein anderes Konzept für die Sommermonate und damit die Ferienzeit, in der die Filmverleiher damals so gut wie keine neuen Filme starteten, wurde ausprobiert, als an Open Air noch gar nicht zu denken war. Mit einem buntgemischten Programm aus Kassenerfolgen und Klassikern ließ sich der Saal füllen. Dieses Programmangebot lockte auch ein anspruchsvolleres Publikum in die

Schauburg, das auf der gekrümmten Großbildwand spektakuläre klassische Filmepen, aber auch die bildmächtigen Filme von Stanley Kubrick in voller Pracht erleben konnte wie sonst kaum noch! Das „Schauburg-Festival“ war 1974 so erfolgreich, dass es im Jahr darauf auf vier Monate mit insgesamt hundert Filmen verlängert wurde – zum Schrecken der Filmvorführer. Das Angebot reichte von gottesfürchtigen Spektakeln in 70mm Todd AO oder CinemaScope wie „Untergang des römischen Reiches“, „El Cid“, „Ben Hur“ bis zu den (damals) neuen Filmen von Roman Polanski, Woody Allen und den Regisseuren des Jungen Deutschen Films. Diese Spannbreite und auch die Tiefe dieses Angebots sollte die Schauburg auch weiterhin auszeichnen und ihr neben der medienadäquaten Präsentation in Bild und Ton ein überzeugendes Alleinstellungsmerkmal in der badischen Kinolandschaft verleihen. Einfach war das nicht, denn in Karlsruhe gab es einstmals noch bis zu drei andere 70mm Kinos: das Capitol (1956-1971) an der Kaiserallee kurz hinterm heutigen Kaisergarten, die Kamera im Stadtsparkassenhaus (1953-2001) und das auch an der Kaiserstraße gelegene City/Universum. Die ließen aber inzwischen ihre 70 mm Anlagen ungenutzt – sehr zur Freude Georg Frickers. · Zur Schauburg gehörten auch als Nischenangebot Filme in Originalsprache. “Einen Querschnitt durch die Kultur der Vereinigten Staaten“ wollte ein Reihe von US-Filmen in Originalfassung bieten, die von April bis Juli 1976 in der Schauburg gezeigt wurden – an Filmkopien war nur schwer heranzukommen! Der Filmjournalist Thomas Rübenacker erstellte den illustren Filmreigen unter anderem mit zwei Barbra Streisand-Filmen, einem B-Picture mit der schwarzen Heldin Cleopatra Jones, dem damals noch jungen Klassiker „Bonnie and Clyde“ und dem brandneuen Film von Hal Ashby „Last Detail“, der Jack Nicholson einen Oscar eingebracht hatte. Nicht fehlen durfte der frühere Ashby-Film „Harold and Maude“. Die bittersüße Geschichte, die auch noch durch den Cat StevensSong „If You Wanna Be Free“ veredelt wurde. H&M entwickelte sich zu einem Dauerbrenner im Schauburg-Repertoire. Schauburg 1995 - ganz links Georg Fricker mit Gästen

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Schauburg Cinerama Karlsruhe - Programmheft April 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters für April 2019.

Schauburg Cinerama Karlsruhe - Programmheft April 2019  

Das Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters für April 2019.