Programmheft Schauburg-Cinerama, Karlsruhe September 2022

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AB 29. SEPTEMBER

REX GILDO – DER LETZTE TANZ DRAMA, BIOGRAFIE | DEUTSCHLAND | 2022

Der Vater der Schwulenfilme, Rosa von Praunheim, zeichnet ein liebevolles Porträt des einstigen Schlager- und Filmstars, der seine Homosexualität stets abstritt, und stellt die Frage in den Raum, ob das Versteckspiel nicht am Ende die Seele beschädigt. Ein glücklicher Morgen, die Sonne scheint ins Zimmer: Rex Gildo (Kilian Berger) und sein deutlich älterer Manager Fred Miekley (Ben Becker) liegen noch im Bett. Der Jüngere schmiegt sich in den Arm seines Liebhabers. Doch plötzlich treten drei schwarz gekleidete Frauen auf. Sie

zetern wie Furien und wie ein antiker Chor kommentieren sie die Handlung, wollen sie gar beeinflussen. „Stopp“ rufen sie, Rex habe nie mit seinem Manager im Bett gelegen. Und triumphieren gar: „Die Szene ist gestrichen“. Was sie natürlich nicht ist. Der Auftritt der Furien dient lediglich als kluger Schachzug, um Protesten gegen den Film zuvorzukommen, indem man sie von vornherein in ihn einbaut. Einige der Hardcore-Anhänger des 1999 gestorbenen Schlagerstars bestreiten bis heute vehement, dass ihr Idol schwul gewesen sein soll. Ist Regisseur Rosa von Praunheim, Urvater der deutschen Schwulenbewegung, noch immer mit FremdOuting beschäftigt? Natürlich nicht. Gerüchte über Gildos Homosexualität gibt es seit Jahrzehnten, für das bloße Aufdecken seiner Neigung zu Männern hätte es den Film nicht gebraucht. Dem Regisseur geht es um mehr. Er überrascht mit dem Bekenntnis, in jungen Jahren sei Rex ein Idol von ihm gewesen. So ist sein Film auch eine Art verspätetes Geburtstagsgeschenk an den Sänger, der letztes Jahr 85 Jahre alt geworden wäre. Ein Geschenk freilich nicht ohne ironisch-spielerische Verpackung, mit einem knallbunten Bändchen darum. Wie in vielen seiner Filme tobt Rosa von Praunheim seine Lust an der Übertreibung aus. Zudem nimmt er in diesem Fall die Freiheit der Fiktion in Anspruch. Spielszenen (als älterer Rex fungiert Kai Schumann) paaren sich mit dokumentarischem Material: Archivszenen, alte Filme, aktuelle Gespräche unter anderem mit Rex‘ Weggefährtinnen wie Cornelia Froboess, Gitte Hænning, Vera Tschechowa oder Cindy Berger (vom Duo „Cindy & Bert“). PROGRAMMKINO.DE / PETER GUTTING REGIE & BUCH Rosa von Praunheim DARSTELLER Kilian Berger, Ben Becker Kai Schumann LAUFZEIT 88 Minuten FSK 12