Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters Karlsruhe

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Punch-Drunk Love Punch-Drunk Love

Der seidene Faden Punch-Drunk Love

Meine Ausbildung als Regisseur bestand daraus, herauszufinden, welche Filme meine Lieblingsregisseure mochten und diese dann anzuschauen. (…) Man lernt wesentlich mehr (…) als bei 20jährigem Studium auf der Filmschule. sollte, entwickelte sich schließlich zum Ensemblewerk „Magnolia“, welches die eigentümliche Wechselwirkung zwischen den Leben von mehreren Personen in San Fernando Valley erzählt. Basis und Inspiration für den Film war die Musik von Aimee Mann, der Anderson den Auftrag gab, acht weitere Songs zu schreiben. „Magnolia“ erhielt drei Oscar-Nominierungen, für den besten Nebendarsteller (Tom Cruise), den besten Originalsong („Save Me“) von Aimee Mann und für das beste Originaldrehbuch. In einem Interview nach Veröffentlichung des Films wurde Anderson mit folgenden Worten zitiert: „…was ich wirklich fühle, ist, dass „Magnolia“, wohl oder übel, der beste Film ist, den ich je machen werde.“ Spätestens jetzt wurde Anderson in Hollywood als Wunderkind gehandelt, als eines der großen Talente der Traumfabrik. Komplexe, vielschichtige Handlungen und eine große Anzahl von Figuren wurden zum Markenzeichen seiner Filme.

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Der seidene Faden

Nach „Magnolia“ wollte Anderson gerne einmal mit Adam Sandler arbeiten und erfüllte sich diesen Wunsch 2002 mit der romantischen Komödie „Punch-Drunk Love“. Darin geht es um einen Kleinunternehmer mit Wutproblemen und sieben dominanten Schwestern. Sandler erhielt viele positive Kritiken für seine erste ernste Rolle abseits der MainstreamKomödien, welche ihn zum Star machten. Mit „There Will Be Blood“ folgte 2007 Andersons erste Zusammenarbeit mit Daniel Day-Lewis, der für seine Rolle als Ölsucher den Oscar als Bester Hauptdarteller einheimste. „There Will Be Blood“ wurde von den Kritikern als einer der größten Filme des Jahrzehnts betrachtet und von einigen sogar zu einem der besten amerikanischen Filme, die je gemacht wurden, gekürt. Fünf Jahre später lieferte Anderson mit „The Master“ ein Drama über einen charismatischen Intellektuellen, der in den 1950er Jahren eine neue Religion gründet.

„The Master“ war der erste Film in Andersons Karriere, der nicht nur mit 65mm Negativ aufgenommen, sondern neben der Digitalfassung auch mit 70mm-Kopien in die Kinos gebracht wurde. Anderson etablierte sich damit als einer der Verfechter des analogen Kinos, zu denen auch Quentin Tarantino und Christopher Nolan gehören. Er sorgte dafür, dass auch alle weiteren Filme unter seiner Regie analog aufgenommen wurden und mit einer Handvoll 70mm-Kopien in die Kinos gelangten. Auch wir haben diese Kopien hier in der Schauburg im Rahmen unseres jährlichen „ToddAO 70mm Film Festivals“ gezeigt. Neben „The Master“ waren das die Thomas Pynchon Adaption „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ sowie „Der seidene Faden“, mit Daniel Day-Lewis als exzentrischem Modeschöpfer. Auch Andersons neuester Film „Licorice Pizza“ wurde auf 70mm kopiert und wird bei uns in diesem Format zur Aufführung kommen. (Wolfram Hannemann)