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AB 8. JULI

BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN DRAMA | RUMÄNIEN 2021

AB 8. JULI

SOMMER 85 DRAMA | FRANKREICH 2020

Satire über die Abgründe der Sozialen Medien, Cancel Culture und Corona, die mit Witz und pointierter Beobachtung den Nerv der Zeit trifft.

Frankreichs Arthaus-Liebling François Ozon erzählt eine Retro-Lovestory über die erste große Liebe: „La Boum“ trifft „Call Me By Your Name“. Originell verpackter Liebesfilm mit leinwandpräsenten Helden.

So schnell die bloße Handlung von Radu Judes „Bad Luck Banging or Loony Porn“ (Pech beim Vögeln oder Bekloppten-Porno) erzählt ist, so vielschichtig erweisen sich Erzählform, Metaphorik, Subtexte. Ein Prolog eröffnet den Film, in dem ein Paar beim Sex zu sehen ist. Wie wir bald erfahren, handelt es sich dabei um die Lehrerin Emi (Katia Pascariu), die zusammen mit ihrem Mann einen Privatporno dreht. Dummerweise landet das Video im Internet und stößt den Eltern von Emis Schülern sauer auf. Eine Konferenz wird einberufen, auf der das Schicksal der Lehrerin verhandelt wird. In drei Kapitel ist der Film eingeteilt, die sicherlich nicht zufällig an ein Triptychon erinnern, denn die freundlich gesagt unglückliche Rolle, die die orthodoxe Kirche im Laufe der jüngeren rumänischen Geschichte gespielt hat, schwingt immer wieder mit. Während der dritte Teil die Konferenz, das Tribunal, den Prozess gegen die Lehrerin schildert, ist im ersten Teil Emi zu sehen, wie sie durch Bukarest geht. Es ist der Sommer 2020, fast alle Menschen tragen Masken, Corona prägt den Alltag, belastet die Psyche. Allein auf die Pandemie sollte man dieses Verhalten jedoch nicht schieben, vielmehr scheint Jude hier ein Bild einer modernen Gesellschaft zu zeichnen, die von zunehmendem Egoismus geprägt ist. Das Zentrum des Films – sozusagen der Mittelteil des Triptychon – ist schließlich eine rund 25minütige Sequenz, in der in einer Art filmischem Lexikon 70 Einträge von A wie Armee bis Z wie Zen abgehandelt werden. Aus historischen Aufnahmen, Handybildern und kurzen Videoclips bestehen diese Einträge, die auf meist satirische, auch zynische Weise ein Bild der Gegenwart zeichnen, nicht nur, aber auch der rumänischen Gesellschaft. Das Bild, das Jude von seiner Heimat zeichnet, ist bitterböse, doch allzu sehr sollte man sich als Zuschauer aus Deutschland nicht zurücklehnen: im Kern beschreibt „Bad Luck Banging or Loony Porn“ jede moderne, von Sozialen Medien geprägte Gesellschaft, in der immer häufiger jeder Gemeinsinn verloren gegangen ist. QUELLE: PROGRAMMKINO.DE / MICHAEL MEYNS

„Das ist er. Der künftige Leichnam“, so stellt Alexis (Félix Lefebvre) als Ich-Erzähler dem Publikum seinen neuen Bekannten David (Benjamin Voisin) vor. Der sechzehnjährige, recht naive Held gerät beim Segeln in ein Gewitter und kentert. Sein zwei Jahre älterer, reichlich coole Retter hat die Lage sofort souverän im Griff. Erst nimmt er das Boot in Schlepptau. Dann schleppt er den Segler ab. So rasch das Kennenlernen der Teenager über die Bühne ging, so geschmeidig entwickelt sich eine rasante Romanze. „Sie wollen wissen, was in jener Nacht hinter dieser Tür geschah?“ fragt Alexis das Publikum. „Aber ich verrate es nicht. Nur soviel: Es war die schönste Nacht meines Lebens. Und ich verbrachte sie mit David.“ Dass die verliebten Jungs in der Disco zu unterschiedlicher Musik im Walkman tanzen, mag ein erster Hinweis auf kommende Dissonanzen sein. Eifersüchteleien ziehen gleichfalls als dunkle Wolken auf. In seinem 19ten Werk bleibt François Ozon seiner Vorliebe von Romanverfilmungen treu, diesmal fiel die Wahl auf „Tanz auf meinem Grabe“ des Briten Aidan Chambers. Gleich zu Beginn wird mit einem Zeitsprung deutlich, dass dieser Lovestory ein tragisches Ende beschieden ist. Der junge Held befindet sich im Polizeigewahrsam. „Manchmal verstehen wir nicht, was er sagt“, wird die besorgte Mutter berichten und meint das Faible des Sohnes für den Tod. Mit eleganter Raffinesse wird die dramatische Geschichte jener ersten großen Liebe in Rückblicken erzählt. Visuell weiß Ozon traditionell mit Einfallsreichtum zu überzeugen. Mit dem Newcomer-Duo Félix Lefebvre und Benjamin Voisin hat Ozon zwei leinwandpräsente Darsteller gefunden, die das Liebespaar mit Lässigkeit sowie der notwendigen Glaubwürdigkeit gibt und zwischen denen die Chemie spürbar funktioniert. Ähnlich stimmig klingt der nostalgische Soundtrack von The Cure über Bananarama bis zu Rod Stewart. Zum guten Schluss darf der geläuterte Held noch eine neu gelernte Lebensweisheit zum Besten geben: „Das einzige, was zählt: Irgendwie deiner Geschichte zu entkommen.” PROGRAMMKINO.DE / DIETER OSSWALD

REGIE & BUCH Radu Jude  DARSTELLER Katia Pascariu, Claudia Ieremia, Olimpia Mălai, Nicodim Ungureanu, Alexandru Potocean, Andi Vasluianu  LAUFZEIT 106 Minuten  FSK 18  VERLEIH Neue Visionen

REGIE François Ozon  DARSTELLER Félix Lefebvre, Benjamin Voisin, Philippine Velge, Valeria Bruni-Tedeschi, Melvil Poupaud  LAUFZEIT 100 Minuten  FSK 12  VERLEIH Wild Bunch VERTRIEB Central

10 NEU IM JULI

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Programmheft des Schauburg Cinerama Filmtheaters Karlsruhe  

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