Page 25

90 JAHRE SCHAUBURG 25

FILMKOPIEN Kinofilm - gemeint ist der 35 und 70 mm breite Film - ist technisch eine empfindliche Materie. Farben verblassen, Perforationslöcher schrumpfen, Tonträger lösen sich auf. Das wäre tolerierbarer Verschleiß, gäbe es immer und von allem unbeschädigte Zweitkopien oder gar Originalvorlagen (Negative, Tonbänder …), und gäbe es noch Kopierwerke, die so etwas überhaupt fertigen könnten! Physisch als Film vorgeführte Werke haben eine medientypische Aura, bringen ein Kinoerlebnis, das sich digital kaum vermitteln lässt. Inzwischen gibt es in unseren Kinos überwiegend nur noch digitale Datenträgerbeamer, also schon seit langem keine Filme im technischen Sinne mehr.

Jacques Tatis 70 mm Film ‚Playtime‘ war zur Fertigung der vollständigen Blu-ray-Ausgabe nur noch bei privaten Sammlern verfügbar. Produzenten und Rechteinhaber freuen sich, wenn Sammler noch einen „verschollenen“ Film in ihrem oft jahrzehntelang gepflegten Fundus haben. Darauf greifen alle gern zurück, auch wenn man zuvor Sammlern keinen Meter Film offiziell abgegeben hatte. Es gibt inzwischen sehr viele berühmte Filme, von denen weltweit überhaupt keine Originalvorlagen mehr verfügbar sind. Festival-, Kino-, Blu-ray- und TV-Redakteure kennen dieses mühevolle Problem und sind begeistert, wenn Sammler und Archive ihnen helfen können.

Filmkritiker, Historiker und Kulturschaffende, selbst Filmemacher, glaubten lange Zeit, die großen Produktionsgesellschaften würden in ihren Zentralen etwa in den USA Negative und Tonbänder komplett und angemessen archivieren. Das ist jedoch leider nur selten so. Feuer, Hochwasser, Erdbeben, Kriege, politische Umstürze und Insolvenzen besorgen den Rest… Selbst das Bundesarchiv jammert spät, aber wehleidig, markante deutsche Filmwerke nicht im Bestand zu haben und unwiderruflich nie mehr rankommen zu können. Wer alte Filme (wieder-) entdecken möchte, hat es heute einfacher als noch vor 20 Jahren. Sogar seltene Titel sind inzwischen auf Bluray / DVD oder als Dateien verfügbar. Aber leider bleiben das alles immer systemtechnisch bedingt bescheidene Reduzierungen auf Ersatzformate. ‚2001 Odyssee im Weltraum‘ kann man sich gar nicht in weniger als 70 mm Projektion vorstellen. Regisseure, Kameramänner, Filmmusikkomponisten und Tontechniker haben Filme wie ‚Ben Hur‘ oder ‚West Side Story‘ nicht für bescheiden kleine Heimkinowände gestaltet, denn dort können sie ihre Wirkung nur andeuten. Und genau aus diesem Grund werden immer noch neue 70 mm Filme gemacht (‚Hateful 8‘), die man zwar als Kompromiss auch in kleineren Formaten ansehen, aber nur auf 70 mm Bildwänden medienadäquat erleben kann. Stanley Kubrick ließ einmal Kinos technisch überprüfen, bevor sie überhaupt einen Film von ihm spielen durften… VistaVision, CinemaScope und 70 mm Todd AO sind zudem bild- und tontechnisch eigentlich nur auf über 100 m² großen Bildwänden in ihrer künstlerisch durchkomponierten Gestaltung erlebbar - im Kino. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, an das im Heimbereich verfügbare Geräte nur herankommen. Heute mag „Fernsehen“ zwar nicht mehr Kaugummi für die Augen sein, aber von einer perfekten Projektion im 70 mm Kino hat man eben immer noch viel mehr, ja alles vom Film !

Profile for Schauburg Kino & Theater

Programmheft Schauburg Cinerama Karlsruhe März 2019  

Das Programm des Schauburg Cinerama Filmtheaters in Karlsruhe für den Monat März 2019

Programmheft Schauburg Cinerama Karlsruhe März 2019  

Das Programm des Schauburg Cinerama Filmtheaters in Karlsruhe für den Monat März 2019