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NEU IM JANUAR 10 10

CAN YOU EVER FORGIVE ME? USA 2018

Autorin und Biographin Lee Israel beginnt in den 1980er Jahren Briefe berühmter Menschen zu fälschen und dann teuer zu verkaufen. Anspruchvolle, hervorragend inszenierte Filmbiographie, in der es um Einsamkeit in der Großstadt geht.

IMPULSO Frankreich, Spanien 2017 — Dokumentarfilm

Dokumentarfilm, der die spanische Tänzerin und Choreografin Rocio Molina bei der Vorbereitung ihrer Arbeit für das Chaillot Theater begleitet. Im Flamenco, sagt man, sind Gefühl und Leidenschaft wichtiger als Technik. Und doch unterliegen Musik und Tanz strengen rhythmischen Konventionen. Es ist deshalb alles andere als leicht, ein meist anspruchsvolles Publikum mit Neuerungen zu begeistern. Die Spanierin Rocío Molina gehört zu den wenigen herausragenden Tänzerinnen, die dennoch nach neuen Wegen suchen. Mit ihrer Öffnung hin zur Improvisation verlangt sie sich und ihren Musikern Außerordentliches ab. Emilio Belmontes Film lässt die ungeheure Konzentration spüren, mit der diese Ausnahmekünstlerin arbeitet. Jeder ihrer fesselnden Auftritte ist eine Suche, die ein hohes Maß an Offenheit, Präzision, Kraft und Mut verlangt. Belmonte fängt diese intensive Arbeit in all ihren Facetten ein. Dank der sensiblen, dem Flamencorhythmus angepassten Bearbeitung gelingt es ihm, in seinem Film die Direktheit eines faszinierenden Tanzerlebnisses aufrechtzuerhalten. Belmontes Portrait, das auch der hervorragenden Musik viel Raum lässt, feiert die Sinnlichkeit von Molinas grenzüberschreitender Kunst und erkundet zugleich ihre tieferen Schichten. Dass diese nicht in einfacher Zurückweisung der Tradition, sondern mit Bezug auf sie entsteht, wird in einem bewegenden Auftritt mit der Flamenco-Legende La Chana deutlich. Belmontes Film zeigt, dass nur eine große Künstlerin wie Rocío Molina mit einer Tradition brechen und sie zugleich durch ihre radikale Veränderung neu entstehen lassen kann. (www.doku-arts.de)

Zwei Nein, sympathisch ist sie wirklich nicht. Lee Israel (Melissa McCarthy) ist stets schlecht gelaunt, unzufrieden und unfreundlich. Sie liebt ihre Katze mehr als die Menschen. Auf Partys, zu denen sie trotzdem gelegentlich eingeladen ist, steht sie allein in der Ecke, verweigert sich der Kunst des Small Talks und nimmt lieber ein Glas zuviel. Lee Israel ist Biographin. Sie hat ernsthafte Bücher über Tallulah Bankhead geschrieben. Doch wen interessiert’s? Lee schreibt am Publikumsgeschmack vorbei, ihre Bücher landen auf dem Grabbeltisch. Von nun an geht’s bergab: Ihre Agentin (Jane Curtin) wirft sie raus, ihre geliebte Katze wird krank, ihr Vermieter will sein Geld. Da kommt Lee auf die Idee, ihr Schreibtalent für das Verfassen gefälschter Briefe von berühmten Menschen, Noel Coward zum Beispiel, zu nutzen und an interessierte Antiquare zu verkaufen. Das Geschäft floriert, Lee ist obenauf. Als das FBI auf sie aufmerksam wird, überträgt sie die Verkaufsgespräche ihrem schwulen Freund Jack (Richard E. Grant). Doch das Ende ist nicht mehr aufzuhalten … Diese Lee Israel hat es wirklich gegeben, geboren 1939 in Brooklyn, gestorben 2014 in Manhattan. In den 1970er Jahren verdiente sie in New York ihren Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Portraits und Biographien von Prominenten, Anfang der 1980er Jahre wendete sie sich der Kunstform der Täuschung zu, bis sie 1993 von einem Gericht verurteilt wurde. Ihre gleichnamige Autobiographie erschien 2008 und sorgte für Kontroversen, weil hier eine Betrügerin und Fälscherin aus ihren Untaten, so der Vorwurf, noch Kapital schlug. Die große Überraschung des Films von Marielle Heller ist denn auch die Darstellung der Hauptfigur durch Melissa McCarthy, die man sonst als schwergewichtige Komikerin in nicht immer gelungenen Filmen kennt. Mit großer Nickelbrille, langweiligem Haarschnitt und unvorteilhafter Kleidung spielt sie diese alkoholabhängige Misanthropin und macht so aus „Can You Ever Forgive Me?“ eine beklemmende Studie über Einsamkeit in der Großstadt.

AB 14. FEBRUAR IN DER SCHAUBURG

AB 21. FEBRUAR IN DER SCHAUBURG

REGIE Emilio Belmonte​ LAUFZEIT 85 Minuten VERLEIH Arsenal

REGIE Marielle Heller DARSTELLER Melissa McCarthy, Richard E. Grant, Jane Curtin LAUFZEIT 107 Minuten VERLEIH Fox FSK ohne Altersbeschränkung

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Schauburg Cinerama Karlsruhe Februar 2019  

Das Programmheft Februar 2019 des Schauburg Cinerama Filmtheaters Karlsruhe

Schauburg Cinerama Karlsruhe Februar 2019  

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