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Festival Internationale Neue Dramatik Demokratie und Tragödie 30. März – 9. April 2017


Liebes Publikum, die heutigen Demokratien befinden sich in einem einschneidenden Umbruchsprozess: drohende Staatspleiten, stärkerer Einfluss von Wirtschaftsinteressen und Lobbyismus auf politische Entscheidungen, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, Arbeitslosigkeit, Terrorismus, knappe Ressourcen, zurückkehrender Nationalismus und ein Rechtspopulismus, der systematisch demokratische Grundprinzipien und -werte auszuhebeln versucht, bedrohen sozialen Frieden, Solidarität, offene Grenzen und auch die Kultur und internationale Theaterarbeit, für welche die Schaubühne und ein Festival wie FIND stehen. Vor diesem Hintergrund versammelt das Festival Internationale Neue Dramatik 2017 unter dem Motto »Demokratie und Tragödie« Inszenierungen von international renommierten Theate­r­ macher_innen. Seit der griechischen Antike sind Demokratie und Tragödie miteinander verbunden, denn hinter der attischen Demokratie steht die Erfahrung der Tragödie als politisches Bewusstsein und Beschreibung des Daseins. Die versammelte Öffentlichkeit sollte sich durch die Darstellung all der Affekte und schuldhaften Verstrickungen, welche in der politischen Wirklichkeit verdrängt wurden, durch Mitleid und Erschrecken von ebenjenen reinigen. Anknüpfend an diese Ursprünge des Theaters beschäftigen sich die bei FIND 2017 präsentierten Arbeiten mit dem aktuellen Stand der Demokratie, ihrer Gefährdung, ihrer verdrängten Schuld und ihren Widersprüchlichkeiten. Romeo Castellucci schaut in »Democracy in America« mit Alexis de Tocqueville auf die im 18. Jahrhundert entstehende amerikanische Demokratie und den damit eingeläuteten Wendepunkt des europäischen Denkens über das Staatswesen. Anne-Cécile Vandalem und Angélica Liddell zeigen ganz unterschiedliche, dystopische Verlängerungen der Gegenwart ins Fiktive: Beide entwerfen Visionen eines Europas, in dem Rechtspopulismus und Abschottung vor allem Fremden die Oberhand gewonnen haben und trotzdem nur Angst und Paranoia regieren. In ­Vandalems »Tristesses« mündet dies in einer bildgewaltigen, mit reichlich schwarzem Humor gesättigten Komödie, Angélica Liddells Stück »Toter Hund in der Chemischen Reinigung: die Starken«, welches mit dem Ensemble der Schaubühne entsteht, richtet den Blick auf die verdrängte Nachtseite der europäischen Aufklärung. Andere Arbeiten stellen gesellschaftliche Außenseiter ins Zentrum, wie den Paria Sandokan in Pablo Larraíns »Acceso«, der als Kind von Priestern missbraucht wurde und auf Zugang zu einem Leben jenseits von Armut, Gewalt und Ausbeutung hofft. Oder die wütende, arbeitslose Effie aus einem walisischen Arbeiterstadtteil Cardiffs in Gary Owens »Iphigenia in Splott«, die eine unmögliche Liebe leben möchte. Richard Nelson befragt in »The Gabriels:­Election Year in the Life of one Family« das gesellschaftliche Erbe einer zunehmend von materiellen Nöten und politischer Desillusionierung gezeichneten US-amerikanischen Mittelklasse, indem er eine Familie aus Rhinebeck, New York, über das Wahljahr 2016 begleitet. Gabino Rodríguez, der sich undercover als einfacher Arbeiter in eine mexikanische Montagefabrik einschleust und sein Experiment schließlich abbrechen muss, untersucht in »Tijuana« reale Ausbeutungszusammenhänge. Der transsexuelle iranische Theatermacher Saman Arastou zeigt in »Sei, wer du nicht bist« in eindringlichen szenischen Vorgängen die Gewalt, die eine Gesellschaft Menschen antut, die nicht so leben dürfen, wie sie empfinden. Andere Theatermacher_innen geben unerzählten Geschichten einen Ausdruck, wie das Kollektiv Mapa Teatro, die in »LOS INCONTADOS – Anatomía de la violencia en Colombia: un tríptico« surrealrauschhafte Bilder finden für die Gewalt, die ihr Land Kolumbien seit mehr als einem halben Jahrhundert durchzieht. Auch das

familiäre Erbe und der Konflikt zwischen den Generationen kommen als Themen vor, wie in »Hamnet« von Dead Centre, welches Shakespeares einzigen, als Kind verstorbenen Sohn in Dialog mit dem Publikum bringt. Christophe Meierhans und Roger Bernat befragen unsere Konzepte von Gemeinschaft sowie den Platz des Individuums darin und denken auf der Bühne in fiktiven Versuchsanordnungen mit uns zusammen darüber nach, wie wir in Zukunft zusammenleben können: in Bernats »Pendiente de voto« mittels Abstimmungsgeräten und vom Publikum geführten Debatten, in Meierhans’ »Verein zur Aufhebung des Notwendigen« ganz konkret am Küchentisch bei der Zubereitung eines demokratischen Abendessens. Und natürlich gibt es auch wieder Werkstattinszenierungen neuer Stücke, dieses Jahr »Please Excuse My Dear Aunt Sally« von Kevin Armento über die Liebe zwischen einem Schüler und seiner Mathematiklehrerin, erzählt aus der Perspektive eines Handys, sowie Neuentdeckungen in Late Night Specials, wie »From here I will build everything« von Cédric Eeckhout, der seine persönliche Lebenskrise mit der Krise Europas in einem kurzen Stand-Up-Monolog verbindet. Rund ums Programm erwarten Sie darüber hinaus Publikumsgespräche, eine Diskussion mit den Künstler_innen zu »Demokratie und Tragödie« und eine Ausgabe des Streitraums zum Thema »Grenzen des Respekts – die radikalisierte Gesellschaft«. Unser spezieller Dank gilt der Kulturstiftung des Bundes, ohne die FIND 2017 so nicht möglich wäre, aber auch allen anderen Partner_innen, Freund_innen und Kolleg_innen für ihre Unterstützung. Wir freuen uns darauf, zusammen mit Ihnen viele besondere Theatermomente zu erleben, Neues kennenzulernen, zu feiern und zu diskutieren. Seien Sie herzlich willkommen! FIND plus Das zehntägige Workshop-Programm »FIND plus« findet 2017 zum siebten Mal statt. Es bringt ausgewählte Schauspiel- und Regie­studierende aus Deutschland, Frankreich und jedes Jahr aus ­einem dritten europäischen Partnerland zusammen. In diesem Jahr wird es Griechenland sein. Die Studierenden treffen­ auf die eingeladenen Theatermacher_innen des Festivals, be­ gleiten­das Festival-Programm, begegnen einander und arbeiten in Master­classes zusammen, die von geladenen Dozent_innen unter­richtet werden. Auch Student_innen aus dem Europäischen Theater­netzwerk PROSPERO, dessen Gründungsmitglied die Schaubühne­ist, sind eingeladen. Dazu stößt eine Klasse von der New Yorker Tisch School of the Arts. Wir begrüßen in diesem Jahr Studierende aus Athen, Berlin, Liège, Modena, New York, P ­ aris und Rennes. In den vergangenen Jahren waren ­Student_innen aus Kroatien, Palästina, Polen, Russland, Tunesien, der T ­ ürkei und Ungarn unsere Gäste bei dieser ungewöhnlichen und spannenden Begegnungsmöglichkeit für den Theaternachwuchs.


Against this backdrop, the 2017 Festival of International ­New Drama is drawing together productions from internationally renowned theatre-makers under the heading »Democracy and Tragedy«. Since Ancient Greece, democracy and tragedy have been closely linked: behind Classical demo­cracy lies the experience of tragedy as a form of political awareness and a description of existence. In its performance, pity and fear were intended to purge the assembled public of all the emotions and guilty entanglements represented on stage but repressed in political reality. Building upon these origins of the theatre, the works presented in FIND 2017 address the current state of democracy, its imperilment, repressed guilt and contradictions. In »Democracy­in America«, Romeo Castellucci accompanies Alexis de Tocqueville in his study of the democracy which developed in America in the 18th century and, in doing so, heralded a turning point in the European concept of the body politic. Anne-Cécile Vandalem and Angélica Liddell depict two very different, dystopian images of how the present can be extended into fiction: both conceive visions of a Europe in which right-wing populism and exclusion of anything alien or foreign have won the upper hand and yet fear and paranoia still reign. In Vandalem’s »Tristesses« this is given expression in a visually stunning comedy saturated with plenty of dark humour; Angélica Liddell’s »Dead Dog at Dry Cleaners:­the Strong«, created in collaboration with the Schaubühne Ensemble, turns its gaze upon the repressed underbelly of European enlightenment. Other works place social misfits at their centre, such as the pariah Sandokan in Pablo Larraín’s »Acceso«, who was abused by priests as a child and who dreams of access to a life free from poverty, violence and exploitation. Or the furious, jobless Effie from a working-class district of Cardiff in Gary Owen’s »Iphigenia in Splott« who wants to live an impossible love. Richard Nelson questions in »The Gabriels: Election Year in the Life of one Family« the social legacy of a US middle-class increasingly defined by financial difficulties and political disillusionment by following a family from Rhinebeck, New York, in the year of the 2016 presidential election. Gabino Rodríguez who passed himself off undercover as a simple worker in a Tijuana factory and ulti­mately had to abandon his experiment, investigates actual nexcuses of exploitation in »Tijuana«. In »Be the one who you’re not«, the transsexual Iranian theatremaker Saman Arastou exposes in powerful sequences the violence visited by society upon people who are forbidden from living their lives as the person they feel they are. Other theatre-makers give voice to untold stories, such as the Mapa Teatro collective who, in their triptych »LOS INCONTADOS – Anatomía de la violencia en Colombia: un tríptico«, find ecstatically surreal images for the violence which has permeated their Columbian homeland for over half a century. Family inheritance and generational conflict are also topics up for exploration, for example, in »Hamnet« by Dead Centre which brings ­Shakespeare’s only son, who died in childhood, into dialogue

with the audience. Christophe Meierhans and Roger Bernat question our concepts of community and the individual’s place within it and, in fictional experimental set-ups, ponder on stage with us about how we might co-exist in the future. In Bernat’s »Pendiente de voto« this is by means of voting machines and public led debates; in Meierhans’ »Verein zur Aufhebung des Notwendigen« it is in a very practical manner at the kitchen table during the preparation of a democratic dinner party. And, of course, once again there will be workshopped productions of new plays – this year with »Please Excuse My Dear Aunt Sally« by Kevin Armento about the love between a schoolboy and his female maths teacher, told from the perspective of a mobile phone – and new discoveries in our Late Night Special such as »From here I will build everything« by Cédric Eeckhout who combines his own personal crisis with the crisis of Europe in a short stand-up monologue. Complementing the programme are audience debates, a panel discussion with the artists about »Democracy and Tragedy« and our monthly discussion series ­»Streitraum« on the topic of »The Limits of Respect – the radicalised Society«. We would like to extend our special thanks to the German Federal Cultural Foundation, without whom FIND 2017 would not be possible in its current form, and also to all our other partners, friends and colleagues for their valuable support. We are looking forward to sharing some very special theatre moments with you, to experiencing something new, to celebrating and discussing. You are truly very welcome! FIND plus In 2017 the ten-day »FIND plus« workshop programme is ­taking place for the seventh time. The programme brings together selected drama school and directing students from Germany, France and, each year, a third European partnercountry. This year that partner is Greece. The students meet the theatre-makers who have been invited to the festival, ­accompany the festival programme, get to know one another and work together in masterclasses held by guest lecturers. Students from the PROSPERO European theatre network, of which the Schaubühne is a founding member, are also invited, as is a class from the New York Tisch School of the Arts. So this year we are welcoming students from ­Athens, Berlin, Liège, Modena, New York, Paris and Rennes. In previous years, students from Croatia, Hungary, Palestine, ­Poland, Russia, Tunisia and Turkey have been our guests in this exceptional and exciting opportunity for theatre’s next generation to meet one another.

Willkommen / Welcome

Dear Audience, Today’s democracies find themselves in a dramatic process of upheaval: impending state bankruptcies, the increasing influence of economic interests and lobbyism on political decisions, the growing gulf between the rich and the poor, unemployment, terrorism, scarcity of resources, resurgent nationalism and a right-wing populism which systematically seeks to dismantle the basic principles and values of demo­ cracy and threatens social harmony, solidarity, open borders and also the culture and international theatre work which the Schaubühne and a festival like FIND represent.


Dead Dog at Dry Cleaners: the Strong (Berlin/Madrid) by Angélica Liddell German language premiere German translation by Klaus Laabs Direction: Angélica Liddel

30.3. / 20.00 (Premiere) 31.3. / 21.00 1.4. / 15.00 Auf Deutsch mit engl. ÜT

30.3. / 20.00 (Premiere) 31.3. / 21.00 1.4. / 15.00 In German with English surtitles

Mit: Damir Avdic, Veronika Bachfischer, Iris Becher, Ulrich Hoppe, Renato Schuch, Lukas Turtur. Bühne und Kostüme: Angélica Liddell, Mitarbeit Regie: Gumersindo Puche, Sounddesign: Antonio Navarro, Licht: Carlos Marquerie, Dramaturgie: Florian Borchmeyer

With: Damir Avdic, Veronika Bachfischer, Iris Becher, Ulrich Hoppe, Renato Schuch, Lukas Turtur. Set and Costume Design: Angélica Liddell, Collaboration Direction: Gumersindo Puche, Sound Design: Antonio Navarro, Lighting Design: Carlos Marquerie, Dramaturgy: Florian Borchmeyer

Foto: Gianmarco Bresadola

Europa in einer dystopischen Zukunft: Die Regierung hat die Phase der »Sicherheit« ausgerufen. Alle Migranten sind deportiert, jede Kriminalität eliminiert. In einer Chemischen ­Reinigung treffen fünf marginalisierte Existenzen aufeinander, in deren Geschichten buchstäblich die »schmutzige W ­ äsche« gesellschaftlich verdrängter Erniedrigung, Ausgrenzung und Schuld ans Tageslicht kommt. Reinigungsange­stellter ­Octavio treibt Unzucht mit der Wäsche seiner Kunden und klammert sich in zweideutiger Weise an seine Schwester,­ die Prostituierte Getsemaní. Zu ihnen flüchtet der Museumswächter Lazar, der seinen Job quittiert hat, da ihm die Sicher­ heit der Kunstschätze Panikattacken verursacht. Lazar begehrt die Lehrerin Hadewijch, die ihren letzten Arbeitsplatz verlor, weil sie Sex mit einem Zwölfjährigen­hatte. In der Reinigung sucht sie nach ihrem entlaufenen Hund Rameau – ohne zu wissen, dass dieser von Octavio in einem Anfall von Verfolgungs­wahn erschlagen wurde. Der tote Hund meldet sich allerdings in höchst vitalen Beschimpfungskaskaden zu Wort: Dargestellt wird er von einem Schauspieler, dessen Gage für die Theaterleitung billiger­ist als die eines Hundes. Durch den geheimnisvollen Combeferre, Spielmeister dieser schmerzhaften Versuchsanordnung, verwebt Liddell die Handlung mit den Schriften Rousseaus und Diderots. Dabei entsteht das Schreckensszenario einer degenerierten Gesellschaft, die durch das Versprechen von absoluter Sicherheit ihre Freiheit verloren hat: Die Grenzen sind zu, aber die Menschen leben noch immer in Angst und Paranoia. Die spanische Autorin, Regisseurin und Performerin Angélica Liddell gehört zu den herausragenden Figuren der internationalen Theaterszene. Sprachmächtig schreibt sie in ihren Texten gegen Gewalt, Chauvinismus und Vulgarität an und entdeckt dabei stets die größten Abgründe und Widersprüche in sich selbst. Mit »Toter Hund in der Chemischen Reinigung: die Starken« inszeniert sie zum ersten Mal einen Text mit einem deutschen Ensemble. Angélica Liddell, *1966 in Figueres. Theaterregisseurin, Schauspielerin, Dramaturgin und Performancekünstlerin. 1993 gründete sie das Atra Bilis Teatro, mit dem sie seitdem mehr als 20 Produktionen erarbeitet und international aufgeführt hat. 2012 wurde sie für »La casa de la fuerza« mit dem Premio Nacional de Literatura Dramática ausgezeichnet. 2013 erhielt sie den Silbernen Löwen bei der Biennale in Venedig.

Europe in a dystopian future: the government has declared a period of »security«. All immigrants have been deported, all crime has been eliminated. In one dry cleaner’s five marginalised souls meet whose stories literally bring to the light of day the »dirty linen« of humiliation, exclusion and guilt that society has repressed. Dry-cleaner Octavio fornicates with his customers’ washing and clings onto, in both senses of the word, his sister, the prostitute Getsemaní. Taking refuge with them is museum guard Lazar who has quit his job because being responsible for the security of works of art causes him to have panic attacks. Lazar lusts after the teacher Hadewijch who lost her last job because she had sex with a 12-year-old boy. She comes into the dry cleaners searching for her lost dog Rameau – not realising he has been slain by Octavio in a fit of paranoia. The dead dog is nevertheless given striking voice in a colourful stream of abuse – he is played by an actor whose performance fee is cheaper than that of a real dog. Via the mysterious Combeferre, puppet-master of this painful experimental set-up, Liddell interweaves the plot with the writings of Rousseau and Diderot and, in doing so, creates the nightmare scenario of a degenerate society which, through the promise of absolute security, has lost its freedom: the borders are closed but the people still live in a constant state of fear and paranoia. The Spanish writer, director and performer Angélica Liddell is one of the most prominent figures in the international theatre scene. With her texts she eloquently rails against violence, chauvanism and vulgarity and, in doing so, always discovers the most yawning abysses and largest contradictions to be in herself. »Dead Dog at Dry Cleaners: the Strong« is the first text she is staging with a German ensemble. Angélica Liddell, born in Figueres in 1966. Theatre director, actor, dramaturge and performance artist. In 1993 she founded the Atra Bilis Teatro, with whom she has since created over 20 productions which have been performed internationally. In 2012 she was awarded the Premio Nacional de Literatura­Dramática for »La casa de la fuerza«. In 2013 she received the Silver Lion at the Venice Biennale.

Premiere

Toter Hund in der Chemischen Reinigung: die Starken (Berlin/Madrid) von Angélica Liddell Deutschsprachige Erstaufführung Aus dem Spanischen von Klaus Laabs Regie: Angélica Liddell


The Gabriels: Election Year in the Life of one Family (New York) by Richard Nelson Direction: Richard Nelson

Teil 1: 31.3. / 19.00, 2.4. / 14.00 Teil 2: 1.4. / 18.00, 2.4. / 16.45 Teil 3 : 1.4. / 21.00*, 2.4. / 20.30 Jeweils 100 Minuten *im Anschluss Publikumsgespräch Auf Englisch mit dt. ÜT

Part 1: 31.3. / 19.00, 2.4. / 14.00 Part 2: 1.4. / 18.00, 2.4. / 16.45 Part 3 : 1.4. / 21.00*, 2.4. / 20.30 100 minutes each *followed by post-show talk In English with German surtitles

Mit: Meg Gibson, Lynn Hawley, Roberta Maxwell, Maryann Plunkett, Jay O. Sanders, Amy Warren. Bühne: Susan Hilferty und Jason Ardizzone-West, Kostüme: Susan Hilferty, Licht: Jennifer Tipton, Ton: Scott Lehrer und Will Pickens

With: Meg Gibson, Lynn Hawley, Roberta Maxwell, Maryann Plunkett, Jay O. Sanders, Amy Warren. Set Designers: Susan Hilferty and Jason Ardizzone-West, Costume Designer: Susan Hilferty, Lighting Designer: Jennifer Tipton, Sound Designers: Scott Lehrer and Will Pickens

Foto: Joan Marcus

Eine Produktion des Public Theater New York (Künstlerischer Leiter: Oskar Eustis, Geschäftsführer: Patrick Willingham). Gemeinsame Präsentation mit Theater der Welt 2017, Hamburg.

A production of The Public Theater New York (Artistic Director: Oskar Eustis, Executive Director: Patrick Willingham). Presented in cooperation with Theater der Welt 2017, Hamburg.

März bis November 2016. Eine Küche im Hause der Familie Gabriel, South Street, Rhinebeck, ein kleiner Ort 100 Meilen nördlich von New York. In drei Stücken verfolgen wir in Moment­aufnahmen in Echtzeit nicht nur die amerikanische Präsidentschaftswahl, sondern auch ein Jahr im Leben einer Mittelklasse-Familie, mit ihren privaten Hoffnungen und Ängsten. Richard Nelson, der bei FIND 2015 mit seinem Stückezyklus »The Apple Family Plays« zu Gast war, verwebt in seiner neuen Trilogie große nationale Ereignisse mit kleinen Geschehnissen privaten Lebens und zeigt das Porträt einer Welt, in der das Persönliche, das Gesellschaftliche, das Kulturelle und das Politische unzertrennbar miteinander verknüpft sind. Die drei Teile von »The Gabriels«­ hatten jeweils an den Tagen des Wahljahres Premiere, an dem die Stücke spielen – als weder der Autor, noch die Schauspieler oder die Figuren im Stück wussten, wie die Wahl ausgehen würde.

March to November 2016. The kitchen in the Gabriel family home in South Street, Rhinebeck, a small town 100 miles north of New York. In these three plays, real-time snapshots allow us to follow not only the American presidential election but also a year in the life of a middle-class family and the private hopes and fears of its members. In his new trilogy Richard Nelson, who presented his play-cycle »The Apple Family Plays« at FIND 2015, interweaves big national events with small occurrences in private lives and presents us with a ­portrait of a world in which the personal, social, cultural and political are all inseparably connected. The three parts of »The Gabriels« premiered on the days in the election year on which they are set – when neither the writer, actors nor chara­cters in the cycle knew the results of the votes.

Richard Nelson, *1950 in Chicago. Regisseur, Dramatiker und Librettist. Er schrieb die Librettos der Musicals »Chess« und »James Joyce’s the Dead« sowie das Drehbuch für den Film »Hyde Park on Hudson«. Zu seinen Stücken gehören u. a. »New England«, »Rip Van Winkle«, »Goodnight Children Everywhere« und »The Apple Family Plays« ( 2010 —13 ). Zahlreiche Preise, z. B. den Tony Award, Obie Award und Olivier Award.

Richard Nelson, born in Chicago in 1950. Director, dramatist and librettist. He wrote the librettos for the musicals »Chess« and »James Joyce’s The Dead« as well as the screenplay for the film »Hyde Park on Hudson«. His theatre plays include »New England«, »Rip Van Winkle«, »Goodnight ­Children Every­ where« and »The Apple Family Plays« ( 2010 –13 ). He has won numerous awards including the Tony, Obie and ­Olivier awards.

Gastspiel / Guest Performance

The Gabriels: Election Year in the Life of one Family (New York) von Richard Nelson Regie: Richard Nelson


Teil 1: Hungry »Like most other humans, I am hungry.« M.F.K. Fisher Freitag, 4. März 2016, 18.00 –20.00 Es ist der Freitag nach dem Super Tuesday, der Tag, an dem in vielen Bundesstaaten die Vorwahlen zur Präsidentschaftskandidatur stattfinden. Thomas Gabriel, ein relativ erfolgreicher Dramatiker, ist vor ein paar Monaten gestorben. Die Angehörigen, Thomas’ Witwe Mary, seine Ex-Frau Karin, sein Bruder George mit Frau Hannah, seine Schwester ­Joyce und Mutter Patricia, haben sich im Haus der Familie getroffen, um sich an ihn zu erinnern. Während sie gemeinsam ­Ratatouille und Apple Crumble zubereiten, reden sie: Über ihre kleine Stadt, in der die neu zugezogenen Reichen das Leben für die Alteingesessenen immer schwieriger machen und über die ihnen gleich alte Hillary Clinton, die sie mit einer Mischung aus Skepsis und Hoffnung beobachten.

The Gabriels: Election Year in the Life of one Family

Part 1: Hungry »Like most other humans, I am hungry.« M.F.K. Fisher Friday, 4 March 2016, 6pm– 8pm It is the Friday after Super Tuesday, the day when the primaries take place in many states. Thomas Gabriel, a relatively­ successful dramatist, passed away a few months ago. Now his next of kin, Thomas’ widow Mary, his ex-wife Karin, his brother George and wife Hannah, his sister Joyce and mother Patricia, have gathered to remember him at the family home. While they prepare ratatouille and apple crumble together, they talk: about their small town in which the newly-arrived wealthy are making life increasingly difficult for the long-established residents and about Hillary Clinton who is of the same generation as them and who they regard with a mixture of scepticism and hope.

31.3. / 19.00, 2.4. / 14.00, auf Englisch mit dt. ÜT 31.3. / 19.00, 2.4. / 14.00, in English with German surtitles

Teil 2: What did you expect? »You cease to suffer, you cease to hope.« Harley Granville Barker Freitag, 16. September 2016, 18.30 –20.30 Wir befinden uns mitten im Wahlkampf. Mary, Thomas’ Witwe, hat Probleme, das Haus, in dem die Familie seit Generationen wohnt, zu finanzieren. Um etwas Geld zu verdienen, hat sie ein Zimmer an Thomas’ Ex-Frau Karin vermietet. Es wirkt so, als ob Mary bald auch Patricia, Thomas’ Mutter, aufnehmen muss, denn das Altersheim schluckt zu viel Geld. Auch George und seine Frau Hannah haben finanzielle Probleme und müssen eventuell ihr Haus verkaufen. Während die Familie sich zum Essen trifft, reden sie über ihre finanziellen Ängste – als bisher komfortable Mittelklasse mussten sie sich nie groß Gedanken über Geld machen, aber es wirkt so, als ob nicht nur ihr kleiner Ort, sondern auch die amerikanische Gesellschaft im Allgemeinen sich zunehmend verändert.

Part 2: What did you expect? »You cease to suffer, you cease to hope.« Harley Granville Barker Friday, 16 September 2016, 6.30pm– 8.30pm We find ourselves in the middle of the election campaign. Thomas’ widow Mary has problems continuing to afford the house in which the family has lived for generations. To earn some extra money, she has rented out a room to Thomas’ exwife Karin. It looks like Mary will soon have to take in Thomas’ mother Patricia too because her old people’s home is eating up too much money. George and his wife Hannah are also facing financial difficulties and might have to sell their house. As the family meet for dinner, they talk about their financial worries – as a previously comfortably-off middleclass, they’ve never had to give much thought to money before but it appears that not only their small town but also the entirety of American society is increasingly changing.

1.4. / 18.00, 2.4. / 16.45, auf Englisch mit dt. ÜT

Foto: Joan Marcus

1.4. / 18.00, 2.4. / 16.45, in English with German surtitles

Teil 3: Women of a Certain Age »… and something went – wiggle-wiggle.« Anton Tschechow Dienstag, 8. November 2016, 17.00 –19.00 Wahltag. Die meisten Familienmitglieder haben bereits das Wahllokal besucht. Alle haben für Hillary Clinton gestimmt, nicht weil sie von allen Teilen ihres Wahlprogramms oder von ihr als Persönlichkeit komplett überzeugt sind, sondern weil es ihnen wichtig erscheint, dass eine Frau in das Weiße­ Haus einzieht. Karin, eine Schauspielerin, wird sogar später am Abend einen Monolog vorführen, in dem sie Hillary ­Clintons Biografie verarbeitet. Während einige Familienmitglieder kochen, durchstöbern andere alte Kisten und Schubladen, denn das Haus muss verkauft werden, um Patricias Altersheim zu bezahlen. Zwischen den alten Sachen gibt es viele Fundstücke: Alte Kochbücher, Zeitschriften … Das Leben von Frauen scheint sich in den letzen Jahrzehnten sehr verändert zu haben. Oder hat es das doch nicht?

Part 3: Women of a Certain Age »… and something went – wiggle-wiggle.« Anton Chekhov Tuesday, 8 November 2016, 5pm–7pm Election Day. Most of the family members have already cast their vote. They have all voted for Hillary Clinton, not because they are fully convinced by every aspect of her election manifesto or her as a person, but because it seems important to them that a woman moves into the White House. Later in the evening Karin, an actor, will deliver a monologue that is based on Hillary Clinton’s biography. As some family members are cooking, others rummage through old boxes and drawers: the house has to be sold to pay for Patricia’s old people’s home. Many discoveries are made amongst the old possessions: ancient cookbooks, magazines … The lives of women appear to have changed a great deal during the previous decades. Or have they?

1.4. / 21.00*, 2.4. / 20.30, auf Englisch mit dt. ÜT *im Anschluss Publikumsgespräch

1.4. / 21.00*, 2.4. / 20.30, in English with German surtitles *followed by post-show talk

Gastspiel / Guest Performance

The Gabriels: Election Year in the Life of one Family


Foto: Sergio Armstrong

Acceso (Santiago de Chile) by Roberto Farías, Pablo Larraín

1.4. / 20.00 2.4. / 19.30 55 Minuten Auf Spanisch mit dt. und engl. ÜT

1.4. / 20.00 2.4. / 19.30 55 minutes In Spanish with German and English surtitles

Mit: Roberto Farías. Regie: Pablo Larraín, Produktion und Regieassistenz: Josefina Dagorret, Lichtdesign: Sergio Armstrong, Technische Leitung: Catalina Olea, Produktion: Association Sens Interdits (Frankreich) in Zusammenarbeit mit Fitam, Fundación Teatro a Mil (Chile)

With: Roberto Farías. Direction: Pablo Larraín, Production and Assistant Director: ­Josefina Dagorret, Lighting Design: Sergio Armstrong, Technical Director: Catalina Olea, Production: Association Sens Interdits (France) in collaboration with Fitam, Fundación Teatro a Mil (Chile)

Mit freundlicher Unterstützung von Dirac

With kind support by Dirac

Sandokan ist ein Außenseiter, einer, der nichts mehr zu verlieren hat. Wortreich bringt er im Transantiago-Bus Billig­ produkte an die Leute und hofft so, endlich ›acceso‹ zu erhalten – Zugang zu einem besseren Platz in der Gesellschaft. Während er unverblümt seine Artikel für Haar- und Fußpflege, seine zerschlissenen Ratgeberbüchlein, Kinder­ bibeln, ja sogar die Staatsverfassung anpreist, drängt er den Leuten seine Geschichten auf und erzählt nach und nach aus seiner Vergangenheit, die geprägt ist von Armut, Drogen und Gewalt. Wir erfahren, dass er als Kind missbraucht wurde von Priestern und anderen »Onkeln« der besseren Gesellschaft. Er brüllt das in allen brutalen, ungeheuerlichen Details heraus, prangert staatliche Behörden an, die Kinder mit Psychopharmaka ruhigstellen und sie zurückschicken in die desaströsen Verhältnisse, denen sie zu entkommen versuchen, attackiert Heime, deren Praktiken die Kinder als grausamer erfahren als ihren Alltag zwischen Missbrauch und Ausbeutung. Und sehnt sich schließlich sogar zurück nach der vermeintlichen »Liebe«, die ihm die Priester zu teil werden ließen. »Acceso« ist die erste Theaterarbeit des international gefeierten chilenischen Filmregisseurs Pablo Larraín­ (»Neruda«­, »Jackie«). Zusammen mit dem Schauspieler R ­ oberto Farías, der bereits in seinem preisgekrönten Film »El Club« den Paria Sandokan spielte, hat er einen schonungslos offenen Monolog entwickelt. Während im Film die Täter im Fokus stehen, konzentriert sich der Monolog auf die Opfer des sexuellen Missbrauchs und entwirft eine unerbittliche Anklage gegen ein tief korruptes System.

Sandokan is an outsider, someone with nothing left to lose. He volubly flogs cheap tat to people on the Transantiago bus in the hope of finally gaining ›acceso‹ – entry into a better position in society. Whilst he bluntly advertises his hair and footcare articles, his tatty advice booklets, children’s bibles and even the country’s constitution, he forces his stories upon the people and tells them bit by bit about his past shaped by poverty, drugs and violence. We learn that he was abused as a child by priests and other »uncles« who hailed from a better class of society. He bellows out all the brutal, monstrous details, pillories the state authorities who sedate children with psychotropic drugs and send them back to the disastrous circumstances from which they have sought to escape. He attacks the homes whose gruesome practices are even worse than these young people’s everyday lives of abuse and exploitation. Ultimately, he even craves a return to the so-called »love« of which the priests gave him a taste. »Acceso« is the first theatre production by the internationally-celebrated Chilean film director Pablo Larraín (»Neruda«,­­»Jackie«). Working with actor Roberto Farías, who already played the pariah Sandokan in Larraín’s award-winning film »El Club«, the director has developed a ruthlessly candid monologue. Whereas the film centres around the perpetrators, this play focusses on the victims of sexual abuse and delivers an unflinching indictment of a deeply corrupt system.

Pablo Larraín, *1976 in Santiago de Chile. Regisseur, Produzent und Drehbuchautor. Nach dem vielfach ausgezeichneten Drama »Fuga« ( 2006 ) setzte er sich intensiv mit der Diktatur unter Pinochet auseinander, u. a. in »Tony Manero«­ ( 2008 ), »Post Mortem« ( 2010 ) und »¡NO!« ( 2012). Sein Film »El Club« ( 2015 ) feierte weltweit große Erfolge (u. a. Silber­ ner Bär auf der Berlinale). Seine neueste Arbeit »Jackie« ( 2017) wurde bereits vielfach mit Preisen ausgezeichnet und für den Golden Globe sowie den Oscar nominiert.

Pablo Larraín, born in Santiago de Chile in 1976. Director,­ producer and screenwriter. Following his multi-award-winning drama »Fuga« ( 2006 ), he focussed intensively on the Pinochet dictatorship in films including »Tony Manero« ( 2008 ), »Post Mortem« ( 2010 ) and »¡NO!« ( 2012). His film »El Club« ( 2015 ) met with great worldwide success (including a Silver Bear at the Berlinale). His most recent work »Jackie« ( 2017) has already won many prizes and has been nominated for both a Golden Globe and an Oscar.

Gastspiel / Guest Performance

Acceso (Santiago de Chile) von Roberto Farías, Pablo Larraín


Tristesses (Brussels / Liège) Concept, text and realisation: Anne-Cécile Vandalem

3.4. / 20.00 im Anschluss Publikumsgespräch 4.4. / 20.00 130 Minuten Auf Französisch mit dt. und engl. ÜT

3.4. / 20.00 followed by post-show talk 4.4. / 20.00 130 minutes In French with German and English surtitles

Mit: Vincent Cahay, Anne-Pascale Clairembourg, Epona und Séléné Guillaume, Pierre Kissling, Vincent Lécuyer, Bernard Marbaix, Catherine Mestoussis, Jean-Benoit Ugeux, AnneCécile Vandalem, Françoise Vanhecke. Musik: Vincent Cahay, Pierre Kissling, Bühne: Ruimtevaarders, Sounddesign: JeanPierre Urbano, Licht: Enrico Bagnoli, Kostüme: Laurence Hermant, Video: Arié van Egmond, Federico D’Ambrosio, Technische Leitung: Damien Arrii, Produktion: Das Fräulein (Kompanie)

With: Vincent Cahay, Anne-Pascale Clairembourg, Epona and Séléné Guillaume, Pierre Kissling, Vincent Lécuyer, Bernard Marbaix, Catherine Mestoussis, Jean-Benoit Ugeux, Anne-Cécile Vandalem, Françoise Vanhecke. Music Direction: Vincent Cahay, Pierre Kissling, Set Design: Ruimtevaarders, Sound Design: Jean-Pierre Urbano, Lighting Design: Enrico Bagnoli, Costume Design: Laurence Hermant, Video: Arié van Egmond, Federico D’Ambrosio, Technical Direction: Damien Arrii, Production: Das Fräulein (Kompanie)

Foto: Phile Deprez

Koproduktion: Théâtre de Liège / Le Volcan – Scène Nationale du Havre / Théâtre National – Bruxelles / Théâtre de Namur, centre dramatique / Le Manège.Mons / Bonlieu Scène Nationale Annecy / Maison de la Culture d’Amiens – Centre européen de création et de production / Les Théâtres de Marseille – Aix en Provence. Im Rahmen des europäischen Theaternetzwerks PROSPERO: Théâtre National de Bretagne / Théâtre de Liège / Schaubühne Berlin / Göteborgs Stadsteatern / Théâtre National de Croatie, World Theatre Festival Zagreb / Festival d’Athènes et d’Epidaure / Emilia Romagna Teatro Fondazione.

Coproduction: Théâtre de Liège / Le Volcan – Scène Nationale du Havre / Théâtre National – Bruxelles / Théâtre de Namur, centre dramatique / Le Manège.Mons / Bonlieu Scène Nationale Annecy / Maison de la Culture d’Amiens – Centre européen de création et de production / Les Théâtres de Marseille – Aix en Provence. Prospero coproduction: Théâtre National de Bretagne  / Théâtre de Liège / Schaubühne Berlin / Göteborgs Stadsteatern / Théâtre National de Croatie, World Theatre Festival Zagreb / Festival d’Athènes et d’Epidaure / Emilia Romagna Teatro Fondazione.

Im Europa der Gegenwart gewinnen rechtsradikale Parteien­ rasant an Einfluss. Unter ihnen ist die »Partei des völkischen Erwachens« mit deren Vorsitzender Martha Heiger, die in den skandinavischen Ländern zunehmend die Kontrolle übernimmt. Auf der fiktiven dänischen Insel »Traurigkeiten« leben nur noch acht Bewohner, die alle eine merkwürdige Melancholie verbindet. Eines Tages wird auf der Insel die Leiche von Ida Heiger, der Mutter von Martha, gefunden. Ihr Leichnam ist in eine dänische Flagge gewickelt, und es scheint, als habe sie sich erhängt. Die Parteiführerin Martha Heiger­, die kurz davor ist, zur Premierministerin gewählt zu werden, hat großes Interesse daran, dass der Vorfall keine große öffent­liche Aufmerksamkeit erregt. Anlässlich der Beerdigung kündigt sie sich auf der Insel an. Zwei junge Mädchen planen, die Politikerin, die ihre Zukunft bedroht, zu töten. Doch am Beerdigungstag kippt die Situation … In »­Tristesses« untersucht Anne-Cécile Vandalem, die auch die Rolle der Martha­ Heiger spielt, die Beziehung zwischen Macht und Emotionalisierung. Die Inszenierung wechselt stetig zwischen Kriminalhandlung und politischer Komödie. Mit einem großen Schauspiel-Ensemble, Live-Video und eigens für die Arbeit komponierter Musik sowie reichlich schwarzem Humor legt Anne-Cécile Vandalem die Emotionalisierung, Hysterisierung und Manipulation gegenwärtiger Politik sowie die fragwürdige Rolle der Medien im politischen Diskurs offen.

Europe, the present. Radical right-wing parties are experiencing a meteoric rise. Among them is Martha Heiger’s »Party of National Awakening« which is gaining an increasing amount of influence in the Scandinavian countries. Only eight inhabitants remain on the fictional Danish island of »Sadnesses«, all bound together by a strange melancholy. One day the body of Ida Heiger, Martha’s mother, is discovered on the island. Her corpse is wrapped in a Danish flag and she appears to have hanged herself. Party leader ­M artha Heiger, who is just about to be elected Prime Minister, has a strong interest in hushing up the affair. Her arrival is announced on the island for the funeral. Two young women whose future has been threatened by the politician plot to kill her. But on the day of the burial itself, the situation is turned upon its head … In »Tristesses« Anne-Cécile Vandalem, who herself plays Martha Heiger, explores the relationship between power and emotionalisation. The tone of the production constantly fluctuates between criminal investigation and political comedy. With a large ensemble cast, live video and music especially composed for the piece, along with a rich vein of dark humour, Anne-Cécile Vandalem lays bare how contemporary politics is rendered hysterical, emotionalised and manipulated as well as revealing the questionable role the media plays in political discourse.

Anne-Cécile Vandalem, *1979 in Liège. Schauspielerin und Regisseurin. Sie gründete 2008 »Das Fräulein (Kompanie)«. Mit »HABIT(U)ATION« ( 2011) und »AFTER THE WALLS (UTOPIA)« ( 2013 ) gastierte sie auf dem Kunstenfestivaldesarts. Zuletzt u. a. »Still too sad to tell you« ( 2016 ) und ­»Tristesses« ( 2016 ).

Anne-Cécile Vandalem, born 1979 in Liège. Actor and director. In 2008 she founded »Das Fräulein (Kompanie)«. »Habit(u)Tion« ( 2011) and »After the Walls (Utopia)« ( 2013 ) were both guest productions at the Kunstenfestivaldesarts. Her most recent works include »Still too sad to tell you« ( 2016 ) and »Tristesses« ( 2016 ).

Koproduktion / Coproduction

Tristesses (Brüssel / Liège) Konzept, Text und Regie: Anne-Cécile Vandalem


Hamnet (Dublin) by Dead Centre Direction: Bush Moukarzel, Ben Kidd

5.4. / 19.30 im Anschluss Publikumsgespräch 6.4. / 19.30 ca. 60 Minuten Auf Englisch mit dt. ÜT

5.4. / 19.30 followed by post-show talk 6.4. / 19.30 approx 60 minutes In English with German surtitles

Mit: Ollie West. Text: Bush Moukarzel, Ben Kidd, William Shakespeare, Bühne: Andrew Clancy, Kostüme: Grace O Hara, Lichtdesign: Stephen Dodd, Sounddesign: Kevin ­Gleeson, Video: Jose Miguel Jimenez, Dramaturgie: Michael West, Produktion: Matthew Smyth, Rachel Murray

With: Ollie West. Text: Bush Moukarzel, Ben Kidd, William ­Shakespeare, Set Design: Andrew Clancy, Costume Design: Grace O Hara, Lighting Design: Stephen Dodd, Sound Design: Kevin Gleeson, Video: Jose Miguel Jimenez, Dramaturgy: Michael West, Production: Matthew Smyth, Rachel Murray

Eine Koproduktion des Abbey Theatre, Dublin und Dead Centre

An Abbey Theatre, Dublin and Dead Centre Coproduction

Mit freundlicher Unterstützung von

With kind support by

Mein Schmerz füllt den Platz meines abwesenden Kindes aus. (William Shakespeare, Leben und Tod des Königs ­Johann, 3. Aufzug, 6. Szene)

Foto: Ste Murray, Image: Jason Booher

In seiner neuen Arbeit, einem Solo für einen 11-jährigen Jungen,­ widmet sich das irische Theaterkollektiv Dead Centre William Shakespeares einzigem Sohn Hamnet, der 1596 im Alter von 11 Jahren starb. Sein Vater, der berühmte Dichter, der fern von­der Familie seine Theaterkarriere vorantrieb, erreichte Stratford­nicht mehr rechtzeitig, um ihn noch einmal zu sehen. 1599 schrieb Shakespeare Hamlet. Ein Buchstabe nur trennt ­Hamnet von der philosophischen Größe Hamlets.­Anders als der philosophie­ rende Prinz kann der 11-Jährige sie nicht stellen, die Frage nach dem »sein oder nicht sein«. Dazu verdammt, nicht zu sein, versucht er nun die Welt zu verstehen, der er ent­rissen wurde. Wartend auf den Besuch seines Vaters – ein Besuch, der vielleicht nie stattfinden wird – hat er nur dessen Stücke, die ihm zu Ersatzeltern werden. Aber was möchte Shakespeare ­ amnet ist zu uns sagen? Wie soll man sein? Wie nicht sein? H jung, um Shakespeare zu verstehen. Wir sind zu alt, um Hamnet­zu verstehen. Die Jugend streckt sich vorwärts in Richtung eines Lebens, das sie niemals kennen wird; das Publikum zurück in Richtung eines Lebens, welches es vergessen hat. Sie treffen aufeinander im Theater, zwei Generationen, die sich befragen, was sie weitergeben und erhalten­wollen. 2016 war Dead Centre mit »Chekhov’s First­Play« und »LIPPY«, das erste Mal beim FIND zu Gast und eine absolute­Neuentdeckung für Berlin. In ihren Arbeiten verbinden Mourkazel­und Kidd angelsächsisches Erzähltheater mit kontinentaleuropäischem Regietheater, spielen mit theatralen Konventionen und entwerfen dabei immer auch ein Kommen­tar auf die eigene Arbeit und die Möglichkeit von Kunst. Dead Centre, gegründet 2012 in Dublin von Bush Moukarzel­ und Ben Kidd. Ihr erstes Projekt »Souvenir« entwickelten sie für das Dublin Fringe 2012. Mit »Souvenir« gastierten sie in ­London und in New York. Das zweite Projekt »(S)quark!« fand in ­Dublin statt und reiste anschließend nach Russland (2013 ). »­LIPPY« feierte in Dublin Premiere (2013 ) und tourte bereits­nach New York, London, Deutschland und Edinburgh. 2015 fand die ­Premiere von »Chekhov’s First Play« in Dublin statt und wurde u. a. in Holland, Estland, Berlin, ­Bordeaux und Brisbane gezeigt.

Grief fills the room up of my absent child. (William Shakespeare, King John, Act III scene iv) Irish theatre collective Dead Centre’s new solo work for an 11-year-old boy is devoted to Shakespeare’s only son, Hamnet, who died in 1596 at the age of 11. His father, the famous poet who had abandoned his family and was pursuing his theatre career far away from his family, was unable to get back to Stratford-upon-Avon in time to see his child one last time before he died. In 1599 Shakespeare wrote Hamlet. A single letter separates Hamnet­ from the philosophical heights of Hamlet. Unlike the Prince, he cannot ask »to be or not to be«. Condemned not to be, he now seeks to understand the world from which he has been wrested. While waiting for a visit from his father – a visit that may never happen – all he has are the plays to act as a surrogate parent. But what is Shakespeare telling us? How to be? Or how not to be? Hamnet is too young to understand S ­ hakespeare. We are too old to understand Hamnet. Youth reaching forward to a life it will never know, an audience reaching back to a life it has forgotten. Two generations, asking each other what they want to pass on and receive. In 2016 the Irish theatre group Dead Centre featured in FIND for the first time with »Chekhov’s First Play« and »LIPPY« and were an exciting new discovery for Berlin. In their work, Moukarzel and Kidd combine Anglo-Saxon narrative theatre with continental European director’s theatre, play with theatrical conventions whilst also creating a commentary on their own work and on the possibility of art. Dead Centre, founded 2012 in Dublin by Bush Moukarzel and Ben Kidd. They developed their first project »Souvenir« for the 2012 Dublin Fringe and it then appeared in London­and New York. Their second project »(S)quark!« was performed in D ­ ublin and then travelled to Russia ( 2013 ). »LIPPY« celebrated its premiere in Dublin­( 2013 ) and has already gone on to appear in New York, London,­Germany and Edinburgh.­In 2015 »Chekhov’s First Play« premiered in Dublin and it has played across the world, including Holland, Estonia, Berlin, Bordeaux and Brisbane.

Gastspiel / Guest Performance

Hamnet (Dublin) von Dead Centre Regie: Bush Moukarzel, Ben Kidd


Foto: Mauricio Esguera

LOS INCONTADOS – Anatomía de la violencia en ­Colombia: un tríptico (Bogotá) by Mapa Teatro Concept, dramaturgy and direction: Heidi and ­ Rolf ­Abderhalden

7.4. / 20.30 im Anschluss Publikumsgespräch 8.4. / 18.30 9.4. / 18.00 66 Minuten Auf Spanisch mit dt. und engl. ÜT

7.4. / 20.30 followed by post-show talk 8.4. / 18.30 9.4. / 18.00 66 minutes In Spanish with German and English surtitles

Mit: Heidi Abderhalden, Agnes Brekke, Andrés Castañeda, Julián Díaz, Jeihhco, Danilo Jiménez, Santiago Nemirowski, Santiago Sepúlveda mit der Mapa Teatro Kinderkapelle: Lesly Ramírez, Melanie Ramírez, Sofía Rodríguez, Mariana Saavedra, Darío Sinisterra, Sebastián Zúñiga. Musik und Sounddesign: Juan Ernesto Díaz, Visual Design: Heidi und Rolf Abderhalden, Kostüm: Elizabeth Abderhalden, Bühne: Pierre Henri Magnin, Licht: Jean François Dubois, Video: Luis Antonio Delgado, Live Video: Ximena Vargas, Live Sound: Alexander Rodriguez, Inspizienz: José Ignacio Rincón.

Performed by: Heidi Abderhalden, Agnes Brekke, Andrés Castañeda, Julián Díaz, Jeihhco, Danilo Jiménez, Santiago Nemirowski, Santiago Sepúlveda and the Mapa Teatro Children Band: Lesly Ramírez, Melanie Ramírez, Sofía Rodríguez, Mariana Saavedra, Darío Sinisterra, Sebastián Zúñiga. Music and Sound Design: Juan Ernesto Díaz, Visual Design: Heidi and Rolf Abderhalden, Costume Design: Elizabeth Abderhalden, Set Design: Pierre Henri Magnin, Lighting Design: Jean François Dubois, Video Editing: Luis Antonio Delgado, Live Video: Ximena Vargas, Live Sound: Alexander Rodriguez, Stage Manager: José Ignacio Rincón.

Koproduktion: Mapa Teatro, Iberescena, Festival Iberoamericano de Teatro de Bogotá und Prod.Art.Br, Europäisches Touring: Camille Barnaud, Ximena Vargas In Zusammenarbeit mit dem ¡Adelante! Festival des Theater Heidelberg.

Coproduction: Mapa Teatro, Iberescena, Festival Iberoamericano de Teatro de Bogotá and Prod.Art.Br, European touring: Camille Barnaud, Ximena Vargas In Collaboration with ¡Adelante! Festival, Theater Heidelberg.

Drei zwischen Phantastik und Realität angesiedelte Mikrokosmen, drei hintereinander geschachtelte Bühnenbilder: Mit erzählerisch wie bildlich ungewöhnlichen Montage­mitteln entwirft das transdisziplinäre Kollektiv Mapa Teatro aus Bogotá­ in »DIE ­UNERZÄHLTEN« eine »Anatomie der Gewalt in Kolumbien«,­die das Land seit weit über einem halben Jahrhundert bestimmt und insbesondere in den blutigen Guerillakrieg führte, dessen Beendigung seit vielen Jahren verhandelt wird. Teil 1, »Die heiligen Unschuldigen« greift ein altes afro-­ kolumbianisches Ritual auf: maskierte, als Frauen verkleidete Männer ziehen durch die Straßen und peitschen alle aus, die nicht transvestiert sind. Teil 2, »Diskurs eines anständigen Mannes« führt den Geist eines ermordeten DrogenmafiaChefs vor, der im kolumbianischen Dschungel in Begleitung seines letzten Musikers den Gespenstern seiner eigenen Vergangenheit in die Augen sehen muss. Teil 3, »Der Abschied« bringt eine Gruppe von Kindern auf die Bühne, die um ein ­Radio versammelt auf die Nachricht einer Revolution wartet, die nie stattfinden wird. Jeder Teil führt eine einzelne Partei dieses langen­Krieges vor und zeigt den schmalen Grat auf, der zwischen Feier und Gewaltausbruch liegt. Gemeinsam verbinden sich die drei Teile zu einer großen, aus kultischen und sur­realen Elementen gebauten Vision der lateinamerikanischen Demokratien seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

Three microcosms located between fantasy and reality, three set designs nestling one behind another: combining­ extraordinary narrative and visual montage methods, in »THE UNACCOUNTED« the Mapo Teatro transdisciplinary collective from Bogotá chart an »Anatomy of violence in ­C olumbia«, which has defined the country for well over half a century and notably led to the bloody guerrilla war whose end has been under negotiation for many years. Part 1, »The Holy Innocents«, transforms an old African-Columbian ritual into a delirious perfor­mance: masked men dressed as women parade through the streets whipping everyone who is not masked and a transvestite. Part 2, »­Discourse of a Decent Man«, presents the ghost of a murdered drug m ­ afia overlord who in the company of his last musician, is forced to look the ghost of his own past in the eye in the Columbian­ jungle. Part 3, »The Farewell«, brings onto the stage a group of children gathered around a radio waiting for news of a revolution that will never happen. Each part depicts a single side in this long war and shows the narrow edge which separates celebration from an outbreak of violence. Together the three parts form a grand v­ ision – constructed from cultish and surreal elements – of Latin American democracies since the end of the Second World War.

Das kolumbianische Kollektiv Mapa Teatro gehört seit mehr­als 30 Jahren zu den bedeutendsten Theaterformationen Latein­­ amerikas. Gegründet 1984 in Paris von den Geschwistern Rolf, Heidi und Elizabeth Abderhalden, ist es seit 1986 in Bogotá ansässig. Gemeinsam schufen sie ein ganz eigenes, verschiedene Gattungen und Kunstformen durchbrechendes und verbindendes Universum, in dem Mythos, Geschichte und Gegenwart, privater und öffentlicher Raum, Oper, Theater, Kabarett, Radio und Video ineinanderfließen.

The Columbian Mapo Teatro collective has been one of the most renowned theatre companies in Latin America for over 30 years. Founded in 1984 in Paris by the siblings Rolf, H ­ eidi and Elizabeth Abderhalden, it has been based in ­Bogotá since 1986. Mapo Teatro created an extremely individual universe dismantling and combining various genres and art forms in which myths, history and the present, private and public spaces, opera, theatre, cabaret, radio and video all flow into one another.

Gastspiel / Guest Performance

LOS INCONTADOS – Anatomía de la violencia en ­Colombia: un tríptico (Bogotá) von Mapa Teatro Konzept, Dramaturgie und Regie: Heidi und Rolf Abderhalden


Pendiente de voto (Barcelona) by Roger Bernat / FFF

8.4. / 15.00 auf Deutsch 8.4. / 20.30 auf Deutsch 9.4. / 15.00 auf English 140 Minuten, ab 16 Jahre

8.4. / 15.00 in German 8.4. / 20.30 in German 9.4. / 15.00 in English 140 minutes, suitable for audiences aged 16 and over

Dramatisierung: Roberto Fratini, Datenvisualisierung: Mar Canet, Datenträger und Software: Jaume Nualart, Musik: »The Sinking of the Titanic« von Gavin Bryars, PatchWorks, etc., Sounddesign: Juan Cristobal Saavedra, Licht: Ana Rovira, Bühne: Marie-Klara González, Spezialeffekte: Cube.bz, Produktion: Helena Febrés Fraylich.

Dramatist: Roberto Fratini, Data Visuals: Mar Canet, Data Devices and Software: Jaume Nualart, Music: »The Sinking of the Titanic« by Gavin Bryars, PatchWorks, etc., Sound Design: Juan Cristobal Saavedra, Lighting Design: Ana Rovira, Set Graphic Design: Marie-Klara González, Special Effects: Cube.bz, Producer: Helena Febrés Fraylich.

Koproduktion: Centro Dramático Nacional (Madrid), FundacióTeatre Lliure/Festival NEO and Elèctrica Produccions (Barcelona) mit Manège de Reims-Scène Nationale/Reims Scènes d’Europe, Manège de Mons/ CECN, TechnocITé in the Transdigital project unterstützt vom europäischen Programm Interreg IV.

A coproduction by Centro Dramático Nacional (Madrid), FundacióTeatre Lliure/Festival NEO and Elèctrica Produccions (Barcelona) with Manège de Reims-Scène Nationale/Reims Scènes d’Europe, Manège de Mons/ CECN, TechnocITé in the Transdigital project supported by the European program Interreg IV.

Foto: BLENDA

In »Pendiente de voto« wagt der katalanische Regisseur und Aktionskünstler Roger Bernat ein Experiment: Der Raum des Globe-Theaters der Schaubühne wird zum Parlament auf Zeit, und das Publikum bildet das Modell einer Gemeinschaft, die ihre Geschicke selbst in die Hände nimmt. Ausgestattet mit Abstimmungsgeräten führt ein Computer, ›das System‹, die Zuschauer durch einen dreiphasigen Entscheidungsprozess. Die Zuschauer müssen ihre Standpunkte klar machen, gemeinsam Lösungen finden, und dazu abstimmen, ganz direkt und transparent. Sie verhalten sich zu Fragen des sozialen Umgangs, persönlicher Vorlieben, aber auch der inneren Sicher­heit, Gesundheit, Genderpolitik, Gerechtigkeit, Religionsfreiheit oder Immigration. Alltägliches steht neben emotional Aufgeladenem, Absurdes neben Hochpolitischem und gesellschaftlich Relevantem. Zunächst müssen die Zuschauer ganz allein abstimmen, später zu zweit und schließlich in Form von Parteifraktionen. Immer geht es darum mit der Gruppe zu diskutieren, die anderen vom eigenen Standpunkt zu überzeugen und durch Abstimmungen Entscheidungen herbei zu führen, welche über die Zukunft bestimmen. Mehr und mehr jedoch beginnt auch das System, den eigentlich transparenten und direkten Weg der Demokratie zu manipulieren und zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen … »In ›Pendiente de voto‹ erprobe ich das Parlament als theatrale Form«, erklärt Roger Bernat. »Es geht mir nicht darum, eine fiktive Parlamentsdebatte nachzustellen, sondern mein Ziel ist eine Politik der Fiktion. Wenn Politiker heute Theater spielen, so möchte ich im Theater gemeinsam mit dem Publikum Politik machen.« Roger Bernat, *1968 in Barcelona. Er entwickelt Projekte­ ausgehend von Dokumenten, Zeugenaussagen und historischen Inszenierungen, bei denen die Gemeinschaft zum Hauptdarsteller wird. Statt individueller Schauspieler, die ­Figuren verkörpern, steht das Publikum selbst im Zentrum­, welches, nicht immer ohne Ironie, zum Kollektiv wird. Zu seinen Werken zählen: »Public Domain« (2008), »The Rite of Spring« (2010), »Please, Continue (Hamlet)« (2011), »­Pending Vote« (2012), »Desplazamiento del Palacio de La Moneda« (2014) und »­Numax-Fagor-plus« (2014). Seine A ­ rbeiten waren in mehr als 25 Ländern zu sehen.

With »Pendiente de voto« Catalan director and performance artist Roger Bernat is embarking upon an experiment: the Globe Theatre space at the Schaubühne will become a parliament for the duration and the audience will create the model of a community which takes its fate in its own hands. Equipped with an electronic voting system, a computer – ›the system‹ – will take spectators through a three-phase decision-making process. They must express their points of view, devise solutions together and vote on them in a very direct and transparent way. They are expected to take a position on questions of social interaction and personal preferences as well as on national security, health, gender politics, justice, freedom of religion and immigration. The everyday is juxtaposed with the emotionally charged, absurdities with the highly political and socially relevant. Initially, the spectators will vote entirely individually, then in pairs and finally in the form of party factions. The exercise will constantly demand group discussions as people have to convince others of their own views and bring about decisions by votes that will determine the future. More and more, however, the system will begin to manipulate the initially transparent and direct path of democracy and influence things in its own favour … »In ›Pendiente de voto‹ I am testing parliament as a form of theatre« explains Roger Bernat. »To me, it’s not about reconstructing a fictional parliamentary debate; instead, my goal is a politics of fiction. Just as politicians today play at theatre, I want to make politics in the theatre together with the audience.« Roger Bernat, born in Barcelona in 1968. He retakes docu­ ments, testimonies and historical stagings to elaborate pro­ jects in which the community becomes protagonist. There are no longer individual actors who embody the characters but it is the audience that, not without irony, represents the collective. His shows include »Public Domain« (2008), »The Rite of Spring« (2010), »Please, Continue (Hamlet)« (2011), ­»Pending Vote« (2012), »Desplazamiento del Palacio de La Moneda« (2014) and »Numax-Fagor-plus« (2014). The shows have been performed in more than 25 countries.

Gastspiel / Guest Performance

Pendiente de voto (Barcelona) von Roger Bernat / FFF


20.00 – 22.30 Studio »Verein zur Aufhebung des Notwendigen« von Christophe Meierhans

19.00 – 20.40 »The Gabriels: Election Year in the Life of one Family. Teil 1: Hungry« von Richard Nelson Regie: Richard Nelson Auf Englisch mit dt. ÜT

Fr, 31. März

20.00 PREMIERE »Toter Hund in der Chemischen Reinigung: die Starken« von Angélica Liddell Regie: Angélica Liddell Auf Deutsch mit engl. ÜT

Do, 30. März

19.30 – 20.25 »Acceso« von Roberto Farías und Pablo Larraín Regie: Pablo Larraín Auf Spanisch mit dt. und engl. ÜT

16.45 – 18.30 »The Gabriels: Election Year in the Life of one Family. Teil 2: What did you expect?« von Richard Nelson Regie: Richard Nelson Auf Englisch mit dt. ÜT

16.30 – 19.00 Studio »Verein zur Aufhebung des Notwendigen von Christophe Meierhans« Konzept und Regie: Christophe Meierhans Für deutsch- und englischsprachiges Publikum

14.00 – 15.40 »The Gabriels: Election Year in the Life of one Family. Teil 1: Hungry« von Richard Nelson Regie: Richard Nelson Auf Englisch mit dt. ÜT

12.00 Podiumsgespräch »Demokratie und Tragödie« Mit Richard Nelson, Thomas Ostermeier und Anne-Cécile Vandalem Moderation: Joseph Pearson Auf Englisch

So, 2. April

Festival Internationale Neue Dramatik Demokratie und Tragödie 30. März – 9. April 2017

20.30 – 22.50 »Pendiente de voto« von Roger Bernat

20.00 »Democracy in America« von Romeo Castellucci Auf Italienisch mit dt. und engl. ÜT Im Anschluss Publikumsgespräch

18.30 – 19.40 »LOS INCONTADOS – Anatomía de la violencia en Colombia: un tríptico« von Mapa Teatro Konzept und Regie: Heidi Abderhalden und Rolf Abderhalden Auf Spanisch mit dt. und engl. ÜT

17.00 – 17.45 Studio »Sei, wer du nicht bist« Konzept und Regie: Saman Arastou Ohne Text Im Anschluss Publikumsgespräch

15.00 – 17.20 »Pendiente de voto« von Roger Bernat Auf Deutsch

Sa, 8. April


23.30 FIND-Eröffnungsparty Im Foyer, Eintritt frei

21.00 – 22.45 »The Gabriels: Election Year in the Life of one Family. Teil 3 : Women of a Certain Age« von Richard Nelson Regie: Richard Nelson Auf Englisch mit dt. ÜT Im Anschluss Publikumsgespräch

20.00 – 22.30 Studio »Verein zur Aufhebung des Notwendigen« von Christophe Meierhans Konzept und Regie: Christophe Meierhans Für deutsch- und englischsprachiges Publikum

20.00 – 20.55 »Acceso« von Roberto Farías und Pablo Larraín Regie: Pablo Larraín Auf Spanisch mit dt. und engl. ÜT

18.00 – 19.40 »The Gabriels: Election Year in the Life of one Family. Teil 2: What did you expect?« von Richard Nelson Regie: Richard Nelson Auf Englisch mit dt. ÜT

15.00 »Toter Hund in der Chemischen Reinigung: die Starken« von Angélica Liddell Regie: Angélica Liddell Auf Deutsch mit engl. ÜT

Sa, 1. April

21.00 »Toter Hund in der Chemischen Reinigung: die Starken« von Angélica Liddell Regie: Angélica Liddell Auf Deutsch mit engl. ÜT

Konzept und Regie: Christophe Meierhans Für deutsch- und englischsprachiges Publikum

21.00 – 22.15 Studio »Tijuana« von Lagartijas tiradas al sol Auf Spanisch mit dt. und engl. ÜT

19.30 – 20.30 »Hamnet« von Dead Centre Regie: Bush Moukarzel und Ben Kidd Auf Englisch mit dt. ÜT Im Anschluss Publikumsgespräch

Mi, 5. April

20.30 – 21.45 Studio »Tijuana« von Lagartijas tiradas al sol Auf Spanisch mit dt. und engl. ÜT Im Anschluss Publikumsgespräch

20.00 – 22.10 »Tristesses« Konzept, Text und Regie: Anne-Cécile Vandalem Auf Französisch mit dt. und engl. ÜT

Di, 4. April

20.30 – 21.40 »LOS INCONTADOS – Anatomía de la violencia en Colombia: un tríptico« von Mapa Teatro Konzept und Regie: Heidi und Rolf Abderhalden Auf Spanisch mit dt. und engl. ÜT Im Anschluss Publikumsgespräch

19.00 – 20.20 Studio »Iphigenia in Splott« von Gary Owen Regie: Rachel O’Riordan Auf Englisch mit dt. ÜT

Fr, 7. April

21.00 – 22.20 Studio »Iphigenia in Splott« von Gary Owen Regie: Rachel O’Riordan Auf Englisch mit dt. ÜT Im Anschluss Publikumsgespräch

19.30 – 20.30 »Hamnet« von Dead Centre Regie: Bush Moukarzel und Ben Kidd Auf Englisch mit dt. ÜT

Do, 6. April

So, 9. April

Mo, 3. April 20.00 – 22.10 »Tristesses« Konzept, Text und Regie: Anne-Cécile Vandalem Auf Französisch mit dt. und engl. ÜT Im Anschluss Publikumsgespräch

23.00 – 23.25 »From here I will build everything« von Cédric Eeckhout Auf Englisch

20.00 – 20.45 Studio »Sei, wer du nicht bist« Konzept und Regie: Saman Arastou Ohne Text Im Anschluss Publikumsgespräch

19.30 »Democracy in America« von Romeo Castellucci Auf Italienisch mit dt. und engl. ÜT

18.00 – 19.10 »LOS INCONTADOS – Anatomía de la violencia en Colombia: un tríptico« von Mapa Teatro Konzept und Regie: Heidi Abderhalden und Rolf Abderhalden Auf Spanisch mit dt. und engl. ÜT

16.00 – 17.00 Studio «Please Excuse My Dear Aunt Sally« von Kevin Armento Regie: Christoph Buchegger Werkstattpräsentation Auf Deutsch

15.00 – 17.20 »Pendiente de voto« von Roger Bernat Auf Englisch

12.00 Streitraum: »Grenzen des Respekts – die radikalisierte Gesellschaft« Carolin Emcke im Gespräch mit Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung), Bianca Klose (Mobiles Beratungsteam gegen Rechts) und Ernst-Dieter Lantermann (Sozialpsychologe) Auf Deutsch

Auf Deutsch

20.30 – 22.15 »The Gabriels: Election Year in the Life of one Family. Teil 3 : Women of a Certain Age« von Richard Nelson Regie: Richard Nelson Auf Englisch mit dt. ÜT


Democracy in America (Cesena) by Romeo Castellucci freely inspired by the book by Alexis de Tocqueville

8.4. / 20.00 im Anschluss Publikumsgespräch 9.4. / 19.30 Auf Italienisch mit dt. und engl. ÜT

8.4. / 20.00 followed by post-show talk 9.4. / 19.30 In Italian with German and English surtitles

Mit: Olivia Corsini, Giulia Perelli, Gloria Dorliguzzo, Evelin Facchini, Stefania Tansini, Sofia Danai Vorvila. Regie, Bühne, Licht, Kostüme: Romeo Castellucci, Text: Claudia Castellucci, Romeo Castellucci, Musik: Scott Gibbons, Korrepition: Evelin Facchini Choreographie inspiriert von Folkloretraditionen aus Albanien, Griechenland, Botswana, England, Ungarn, Sardinien

With: Olivia Corsini, Gloria Dorliguzzo, Evelin Facchini, Giulia Perelli, Stefania Tansini, Sofia Danai Vorvila. Direction, Set Design, Lighting Design, Costume Design: Romeo Castellucci, Texts: Claudia Castellucci, Romeo Castellucci, Music: Scott Gibbons, Maître Répétiteur: Evelin Facchini Choreography freely inspired by the folk traditions of Albania, Greece, Botswana, England, Hungary, Sardinia

Produktion: Socìetas – Cesena Koproduktion: deSingel International Artcampus, Wiener Festwochen, Festival Printemps des Comédiens à Montpellier, National Taichung Theatre in Taichung (Taiwan), Holland Festival Amsterdam, Schaubühne Berlin, Festival d’Automne à Paris mit MC93 Maison de la Culture de Seine-Saint-Denis à Bobigny, Le Manège – Scène nationale de Maubeuge, Teatro Arriaga Antzokia de Bilbao, São Luiz Teatro Municipal (Lissabon), Peak Performances Montclair State University (NJ-USA).

Executive production: Socìetas – Cesena A coproduction with: deSingel International Artcampus, Wiener Festwochen, Festival Printemps des Comédiens à Montpellier, National Taichung Theatre in Taichung (Taiwan), Holland Festival Amsterdam, Schaubühne Berlin, Festival d’Automne à Paris with MC 93 Maison de la Culture de Seine-Saint-Denis à Bobigny, Le Manège – Scène nationale de Maubeuge, Teatro Arriaga Antzokia de Bilbao, São Luiz Teatro Municipal (Lisbon), Peak Performances Montclair State University (NJ-USA).

Foto: Luca del Pia

»Diese Aufführung ist nicht politisch. Diese Aufführung ist weniger ein Nachdenken über Politik als – wenn überhaupt – über ihr Ende. 1835 wendet ein Europäer zum ersten Mal den Blick von Athen ab. Alexis de Tocqueville ist Zeuge der Geburt der Vereinigten Staaten von Amerika zu einer Zeit, als eine neue Demokratie aus der Saat puritanischer Prinzipien und wahrer Gleichheit von Individuen erschaffen wird. Das bedeutet den Rückgang der Tragödie, die politisch als Bewusstsein und Verständnis des Daseins begriffen wurde. Die großartige, künstliche Forschungsstätte der Fahrlässigkeit des Daseins – die Tragödie – wurde damit für immer aufgegeben. Das lebensnotwendige, antibiotische Experiment, das der Athener Demokratie innewohnte, wurde in die Archive verbannt, zusammen mit dem Versuch, einen kurzen Moment lang während einer Vorstellung im dionysischen Theater sich jenseits der Grenzen der Demokratie selbst zu positionieren, um immer und immer wieder der Fehlfunktion des Daseins zu lauschen, der Klage des Sühneopfers, das keine Politik – auch heute nicht – retten kann. Keine Opfer mehr, aber immer noch keine Politik. Keine Götter mehr, aber immer noch keine Stadt des Menschen. Der Sündenbock wurde vertrieben, das Messer ist uns aus der Hand gefallen und der Himmel ist leer, neu, blau und kalt. Was bleibt, ist die inhaltslose Zeremonie, die die Größe dieses Verlusts feiert.« Romeo Castellucci In »Über die Demokratie in Amerika«, einem der grundlegenden Texte des westlichen Politikverständnisses, beschreibt Tocqueville ein neues Modell repräsentativer Demokratie. Dabei weist er auf deren Gefahren hin, wie z. B. die Tyrannei der Mehrheit, die Schwächung intellektueller Freiheit angesichts populistischer Rhetorik und die zweifelhafte Beziehung zwischen den Interessen der Gemeinschaft und individuellen Ansprüchen. Romeo Castellucci (*1960 Cesena) folgt seinem Beispiel und positioniert sich in der Zeit, die der Politik vorrausgeht.

»This performance is not political. This performance is not so much a reflection on politics, as – if anything – on its end. In 1835, for the first time, a European turns his eyes away from Athens. Alexis de Tocqueville witnesses the birth of the United States of America at the time when a new Democracy was being created from the seeds of the principles of Puritanism and a true equality among individuals. This implies the decline of Tragedy, understood politically as an awareness and comprehension of being. The great artificial laboratory of the negligence of being – tragedy – has thus been dismissed, forever. The vital and antibiotic experiment inherent in Athenian democracy has been relegated to the archive, along with the attempt – for the brief duration of a performance at the Theatre of Dionysus – to situate oneself beyond the limits of democracy itself, so as to listen, time and time again, to the dysfunction of existence, the lament of the expiatory victim, whom no politics is able – even today – to save. No more sacrifice, but still no politics. No more Gods, but still no city of man. The Scapegoat has been driven out, the knife has fallen out of our hands, and the sky is empty, new, blue and cold. All that remains is the empty ceremony that celebrates the grandeur of this loss.« Romeo Castellucci In »Democracy in America«, one of the fundamental texts underpinning the contemporary Western world’s political vision, Tocqueville described a new model of representative democracy, even while pointing out its dangers, such as the tyranny of the majority, a weakening of intellectual freedom when faced with populist rhetoric, and the ambiguous relation between collective interests and individual ambitions. Romeo Castellucci (born in Cesena in 1960) follows his example and positions himself in a time, which precedes politics.

Koproduktion / Coproduction

Democracy in America (Cesena) von Romeo Castellucci frei nach dem Buch von Alexis de Tocqueville


Foto: Luca Mattei

Verein zur Aufhebung des Notwendigen (Brussels) Concept and Realisation: Christophe Meierhans

31.3. / 20.00 1.4. / 20.00 2.4. / 16.30 ca. 150 Minuten Geeignet für deutsch- und englischsprachiges Publikum

31.3. / 20.00 1.4. / 20.00 2.4. / 16.30 approx. 150 minutes Suitable for German and English speaking audiences

Inspiriert von einer Idee des Verein zur Aufhebung des Notwendigen e. V., mit Dank an R. Komarnicki, Drama­turgie: Bart Capelle, Bühne und Konzeptionelle Beratung: Holger Lindmüller, Michael Carstens, Produktion: Hiros

Inspired by an idea from the Association for the Elimination of the Necessary, with thanks to R. Komarnicki, Dramaturgy: Bart Capelle, Set Design and Co-thinking: Holger Lindmüller, Michael Carstens, Production: Hiros

Koproduktion: Kaaitheater, Vooruit, BIT Teatergarasjen, BUDA, Nouveau Théâtre de Montreuil, Vaba Lava. Mit Unterstützung von: Regierung von Flandern, Kunstenwerkplaats Pianofabriek. Ein House On Fire Projekt, mit Unterstützung des Kulturprogramms der Europäischen Union.

Co-production: Kaaitheater, Vooruit, BIT Teatergarasjen, BUDA, Nouveau Théâtre de Montreuil, Vaba Lava. With the support of: The Flemish Government, Kunstenwerkplaats Pianofabriek. A House On Fire Project, with the support of the Culture Programme of the European Union.

»Verein zur Aufhebung des Notwendigen« von Christophe Meierhans ist ein Abendessen über die Demokratie. Und zwar über die Demokratie als verinnerlichte und alltäglich gelebte Praxis, als Weg, unsere persönlichen und kollektiven Bedürfnisse zu befriedigen und gemeinsam bindende Entscheidungen zu treffen. Ein Abendessen bringt Menschen zusammen, sollte fröhlich, gemütlich und gesellig sein. Jedoch ist gerade das Essen ein Thema, das aufgeladen ist mit sehr intimen Überzeugungen: existenziellen, ethischen, ästhetischen, ökonomischen, sozialen, rituellen oder religiösen. Mit anderen Worten, ein Abendessen bietet die perfekte Kulisse für einen politischen Showdown. Für die Dauer der Aufführung wird das Publikum zu einer Gemeinschaft, zum »Verein zur Aufhebung des Notwendigen«. In dieser Gemeinschaft bringt jede und jeder Einzelne die individuellen Vorlieben, Werte und Überzeugungen in einen gemeinsamen Entscheidungs- und Gestaltungsprozess ein. Die Zuschauer_innen bereiten nach einem von Christophe Meierhans verfassten Kochbuch zusammen ein Zwei-Gänge-Menü samt Apéro und Getränken zu. Sie decken den Tisch, bestimmen die Atmosphäre und essen gemeinsam. Die Küche wird zum Schauplatz kollektiv oder individuell getroffener, verbindlicher Entscheidungen. Alle Zuschauer_innen tragen die Verantwortung für das Gelingen, jedoch geht es nicht um Konsens: es darf widersprochen, gestritten und verteidigt werden. Das fertige Abendessen schmeckt so wie die Summe all dieser Entscheidungen der Zuschauer_innen – ein Experiment mit offenem Ausgang. Kommen Sie hungrig!

»Verein zur Aufhebung des Notwendigen« by ­Christophe ­Meierhans is a dinner party about democracy. A very specific and direct democracy as an internalised and everyday fact of life, as the way to satisfy our personal and collective needs and reach binding decisions together. A dinner party brings people together; it should be jovial, comfortable and sociable. However, food is always a topic that is loaded with very intimate beliefs: existential, ethical, aesthetic, economic, social, ritual or religious. In other words, a dinner party offers the perfect setting for a political showdown. For the duration of the performance, the audience becomes a community, the »Verein zur Aufhebung des Notwendigen« in which each individual brings their personal preferences, values and convictions to a collective decision-making and creative process. Following a recipe book created by Christophe Meierhans, the spectators jointly prepare a two-course meal, including an appetiser and drinks. They set the table as well as the tone of the evening and eat together. The kitchen becomes the stage for collectively or individually made binding decisions. Each spectator carries the responsibility for making the evening a success but this is not about reaching a consensus: objections, arguments and refutations are all permitted. The finished meal will taste of the sum of all the decisions made by the audience – an openended experiment. Please bring an appetite!

Christophe Meierhans, *1977 in Genf. Er lebt in Belgien und arbeitet als Performancekünstler, Komponist und Video­ designer. Er ist Gründungsmitglied der Performancegruppen C&H ( 2000 ) und TAPE THAT ( 2002). Zu seinen vergangenen Projekten gehört u. a. der Kurzfilm »Up North Right East Down South Left West« von 2012. Mit »Some use for your broken clay pots« war er bereits 2015 bei FIND zu Gast. Mit seinen Arbeiten gastiert er in ganz Europa.

Christophe Meierhans, born 1977 in Geneva. He lives in Belgium and works as a performance artist, composer and video­designer. He is a founding member of the C&H ( 2000 ) and TAPE THAT ( 2002) performance groups. His previous projects include the short film »Up North Right East Down South Left West« from 2012. With »Some Use for Your ­Broken Clay Pots« ( 2014 ) he was already featured at FIND 2015. His work has been invited to appear throughout Europe.

Gastspiel Studio / Guest Performance Studio

Verein zur Aufhebung des Notwendigen (Brüssel) Konzept und Regie: Christophe Meierhans


Tijuana (Mexico City) by Lagartijas tiradas al sol

4.4. / 20.30 im Anschluss Publikumsgespräch 5.4. / 21.00 75 Minuten Auf Spanisch mit dt. und engl. ÜT

4.4. / 20.30 followed by post-show talk 5.4. / 21.00 75 minutes In Spanish with German and English surtitles

Ein Projekt von Gabino Rodríguez, basierend auf Texten und Ideen von: Günter Walraff, Andrés Solano, Martin Caparrós, Mitarbeit Regie: Luisa Pardo, Licht: Sergio López Vigueras, Bühne: Pedro Pizarro, Sounddesign: Juan Leduc, Video: Chantal Peñalosa, Carlos Gamboa, Künstlerische Mitarbeit: Francisco Barreiro

A project by Gabino Rodríguez, based on texts and ideas by: Günter Walraff, Andrés Solano, Martin Caparrós, Co-­ Direction: Luisa Pardo, Lighting Design: Sergio López Vigueras, Set Design: Pedro Pizarro, Sound Design: Juan Leduc, Video: Chantal Peñalosa, Carlos Gamboa, Artistic Collaboration: Francisco Barreiro

Foto: Escenas de cambio

»Tijuana« ist das Ergebnis eines realen Selbstversuches von Gabino Rodríguez, Gründer und künstlerischer Leiter des Theaterkollektivs Lagartijas tiradas al sol, gemeinsam mit ­Luisa Pardo. Inspiriert von der Methode Günter W ­ allraffs und Andrés Solanos brach ­Rodríguez für sechs Monate sein Leben als Autor, R ­ egisseur und in Theater und Kino gefragter Schauspieler in der Hauptstadt Mexikos ab, um in Tijuana an der Grenze zu den USA in einer Montagefabrik zu arbeiten: unter der falschen Identität »Santiago Ramírez«, mit angeklebtem Schnurrbart, ohne jeden Kontakt zu Freunden, Familie und Kollegen, und für den gesetzlichen Mindestlohn, der laut mexikanischer Verfassung »die üblichen materiellen, kulturellen und sozialen Bedürfnisse eines Familienoberhaupts decken und seinen Kindern die Pflichtschulausbildung ermöglichen soll«. So zumindest der Anspruch des Gesetz­ gebers. In der Realität bedeutet es: 73 Pesos pro Tag, umgerechnet weniger als 3,50 Euro. Gerade einmal zum Sterben zu viel für einen alleinstehenden, schlechternährten Schlafgänger wie »Santiago Ramírez«. Eine Rolle, in die sich Rodríguez als talentierter Schauspieler zunächst völlig unverdächtig fügt und, wie mehrere Millionen Maquiladora-­ Arbeiter, durch gnadenlose Ausbeutung seiner Arbeits- und Lebenskraft am eigenen Leib den Preis für Freihandel und Unternehmergewinne in den mexikanischen Grenzregionen zahlt. Bald jedoch plagen ihn auch ethische Bedenken gegenüber seinen Kollegen und seiner Vermieterfamilie, die alle dem Arbeiter »Santiago Ramírez« vertrauen, obwohl sie de facto von einem bürgerlichen Künstler als Recherchebasis für sein Theaterstück benutzt werden. �»Tijuana« ist der Auftakt eines großangelegten politischen und gesellschaftlichen Panoramas mit dem Titel »Die Demokratie in Mexiko (1965-2015 )«, das insgesamt aus 32 Teilen bestehen soll – einer für jeden der mexikanischen Bundesstaaten. Es ist das jüngste Projekt des Kollektivs Lagartijas tiradas al sol, das seit seiner Gründung 2003 in verschiedenen theatralen Formen die Grenze von Dokumentartheater und Schauspiel auslotet, um die Widersprüche ihres Landes aufzudecken und so mit den Mitteln des Theaters politisch zu mobilisieren. Bislang sind vier der Teile realisiert. Zu Gast bei FIND waren Lagartijas zuletzt 2014 mit einem dokumentarischen Projekt über die PRI-Staatspartei: »Derretiré con un ­cerillo la nieve de un volcán«.

»Tijuana« is the result of a real self-experiment made by Gabino Rodríguez, founder and artistic director of the Lagartijas­tiradas al sol theatre collective, together with Luisa Pardo. Inspired by the methods of Günter Wallraff and Andrés Solano, for six months Rodríguez abandoned his life in Mexico City as a writer, director and sought-after theatre and film actor to work on an assembly line in a Tijuana factory on the US border. He passed under the false identity of »Santiago Ramírez«, wore a fake moustache, had no contact with friends, family or colleagues and earned the legal minimum wage which, according to the Mexican constitution, »should cover the normal material, cultural and social needs of the head of a family and facilitate the compulsory education­ of his children«. That, at least, is the claim made by the legislators. In reality it means: 73 pesos per day, which is less than 3.50 Euro, a sum almost impossible to scrape by on for a single, malnourished sleepwalker like »Santiago Ramírez«. It is a role which Rodríguez­, as a talented actor, initially slips into without raising any suspicions and for which, like several million Maquiladora workers, the merciless exploitation of his physical strength and vitality is the price exacted for free trade and company profits in the Mexican border region. Soon, however, he becomes plagued by ethical considerations for his co-workers and the family of his landlord, all of whom trust the worker »Santiago Ramírez« although they are actually being used by a middle-class artist as research subjects for his theatre play. »Tijuana« is the prelude to a large-scale political and social panorama entitled »Democracy in Mexico (1965-2015 )« which is designed to be told in 32 parts – one for every Mexican state. It is the latest project of the Lagartijas tiradas al sol collective which, since being founded in 2003, has explored the borders between documentary and fiction in various theatrical forms to reveal the contradictions in Mexico, thus aiming to use the theatre as a means of political mobilisation. To date, four parts of this project have been realised. Lagartijas­were most recently at FIND in 2014 with a documentary project about the PRI State party: »Isle Melt the Snow of a Volcano with a Match«.

Gastspiel Studio / Guest Performance Studio

Tijuana (Mexiko-Stadt) von Lagartijas tiradas al sol


Iphigenia in Splott (Cardiff) by Gary Owen Direction: Rachel O’Riordan

6.4. / 21.00 im Anschluss Publikumsgespräch 7.4. / 19.00 80 Minuten Auf Englisch mit dt. ÜT

6.4. / 21.00 followed by post-show talk 7.4. / 19.00 80 minutes In English with German surtitles

Mit: Sophie Melville. Bühne und Kostüme: Hayley Grindle, Licht: Rachel Mortimer, Sounddesign: Sam Jones, ­Casting Director: Kay Magson CDG, Original Stage Manager: ­Charlotte Unwin

With: Sophie Melville. Set and Costume Designer: Hayley Grindle, Lighting Designer: Rachel Mortimer, Sound Designer: Sam Jones, ­Casting Director: Kay Magson CDG, Stage Manager: ­Charlotte Unwin

Eine Produktion des Sherman Theatre, Cardiff.

A Sherman Theatre, Cardiff production.

Splott, ein Arbeiterstadtteil von Cardiff, Wales. Effie ist jung, arbeitslos und wütend auf alles und alle. Der einzige Weg, sich kurz aus der Misere rauszukatapultieren, ist, indem man sich betrinkt und Drogen einwirft. Jede Nacht wird durchgezofft, gestritten, gevögelt und manchmal auch geprügelt, jeden Morgen wacht man verkatert auf und trinkt ein Bier, um die Kopfschmerzen zu mildern, abends zieht man wieder los. Doch dann, eines Nachts, trifft Effie Lee, einen Ex-Soldaten,­ dem im Einsatz ein Teil seines Beins weggesprengt wurde. Effie und Lee fühlen sich sofort zueinander hingezogen und Lee zeigt seinen Körper zum ersten Mal seit der Explo­sion ­einer Frau. Effie weiß, wie wichtig dieser Moment für Lee ist, und nimmt die Verantwortung ernst; die wodkagetränkte gemeinsame Nacht ist unvergesslich. Am nächsten Morgen empfindet Effie etwas völlig Neues und Wunderschönes: Sie ist nicht mehr alleine. Effie und Lee tauschen Telefonnummern aus und verabreden sich für den gleichen Abend, aber Lee meldet sich nicht und als ­Effie versucht ihn anzurufen, funktioniert die Nummer nicht. »Iphigenia in Splott« ist inspi­ riert von der Geschichte­der Iphigenie, die in der griechischen Mythologie von ihrem­Vater geopfert wurde, um gute Winde für die Fahrt nach Troja zu bekommen, aber erzählt eine zeitgenössische Geschichte vor dem Hintergrund des bröckelnden Sozialstaats und stellt die Frage, wer heutzu­ tage im Interesse von Profit und Eigennutz geopfert wird.

Splott, a working-class district of Cardiff in Wales. Effie is young, unemployed and furious at the world. The only brief respite from this miserable existence is to get drunk and high. Every night is taken up with boozing, arguing, fucking­ and sometimes even fighting; every morning begins with a hangover and a beer to ease the headache. Then, next evening, it starts all over again. But one night Effie meets ex-soldier Lee who had part of his leg blown off in action. ­Effie and Lee are immediately attracted to one another and, for the first time since the explosion, Lee reveals his body to a ­woman. Effie knows how important this moment is for Lee and takes the responsibility very seriously; their vodkasoaked night together is unforgettable. Next morning Effie feels something totally new and wonderful: she is no longer alone. Effie and Lee swap phone numbers and arrange to meet the same evening. But Lee fails to turn up and, when Effie tries to phone him, his number doesn’t work. »Iphigenia in Splott« is inspired by the story of Iphigenia who, in Greek mythology, was sacrificed by her father to gain good winds for the voyage to Troy. But this play tells a contemporary tale against the backdrop of a crumbling welfare state and asks the question: who today is being sacrificed for motives of profit and self-interest?

Foto: Mark Douet

Mit »Iphigenia in Splott« gewann Gary Owen den Preis für das Beste Neue Stück bei den UK Theatre Awards 2015, den James Tait Black Drama Prize, sowie den George ­Devine, Meyer Whitworth und ­Pearson Best Play Award. Weitere ­Stücke: »Violence and Son«, »Crazy Gary’s Mobile Disco«, »The Shadow of a Boy«, »The Drowned World«, »Mrs Reynolds and the Ruffian« und »Love Steals Us From Loneliness«. Rachel O’Riordan, Künstlerische Leiterin des Sherman ­ heatre (Cardiff). Dort inszenierte sie u. a. »The Weir«, T »Bird«, »The Lion The Witch and The Wardrobe«, »Nora oder ein Puppenheim«, »Romeo und Julia« and »Arabian Nights«. Von 2011–14 Künstlerische Leitung des Perth Theatre in Schottland.

Gary Owen, is the winner of the Best New Play at the UK Theatre Awards 2015 and the James Tait Black Drama Prize for »Iphigenia in Splott« as well as the George Devine, Meyer Whitworth and Pearson­Best Play Awards. His other plays include »Violence and Son«, »Crazy Gary’s Mobile Disco«, »The Shadow of a Boy«, »The Drowned World«, »Mrs Reynolds and the Ruffian« and »Love Steals Us From Loneliness«.   Rachel O’Riordan is the Artistic Director of Sherman ­Theatre in Cardiff, for whom she has directed »The Weir«, »Bird«, »The Lion The Witch and The Wardrobe«, »A Doll’s House«, »Romeo & Juliet« and »Arabian Nights«. Before joining Sherman­Theatre, she was Artistic Director at Perth Theatre, Scotland.

Gastspiel Studio / Guest Performance Studio

Iphigenia in Splott (Cardiff) von Gary Owen Regie: Rachel O’Riordan


Foto: Babak Haghi

Be the one who you’re not (Tehran) Direction and Concept: Saman Arastou

8.4. / 17.00 im Anschluss Publikumsgespräch 9.4. / 20.00 im Anschluss Publikumsgespräch 45 Minuten Ohne Text

8.4. / 17.00 followed by post-show talk 9.4. / 20.00 followed by post-show talk 45 minutes Without text

Mit: Afsaneh Mirbagheri, Nadia Bavand, Sima Shokri, Mahi Azimi, Amirmo’ayad Bavand, Saman Arastou. Regieassistenz: Amir Mo’ayad Bavand, Bühne: Saman Arastou, Produktion: Avaye Divanegan theater group

With: Afsaneh Mirbagheri, Nadia Bavand, Sima Shokri, Mahi Azimi, Amirmo’ayad Bavand, Saman Arastou. Assistant Director: Amir Mo’ayad Bavand, Set Design: Saman Arastou, Production: Avaye Divanegan theater group

Eine Veranstaltung im Rahmen des Kulturprogramms »Die iranische Moderne« des Goethe-Instituts.

An event within the cultural program »Iranian Modernity« by the Goethe-Institut.

In »Sei, wer du nicht bist« stellt Regisseur, Autor und Schauspieler Saman Arastou die Situation von Transsexuellen im Iran ins Zentrum. Ausgehend von seiner eigenen Biographie, macht er die Gewalt, die eine Gesellschaft auf Menschen ausübt, die nicht so fühlen, wie sie geboren wurden, mit einfachsten theatralen Mitteln spürbar. Saman Arastou wurde als Frau geboren und entschied sich 2008 zu einer Geschlechtsumwandlung. Geschlechtsumwandlungen sind in Iran legal. Transsexualität gilt seit einer Fatwa von Staatsgründer Ayatollah Khomeini als heilbare Krankheit. Wer sich im falschen Körper gefangen fühlt, darf sich operieren lassen. Doch mag der chirurgische Eingriff offiziell mit dem heutigen Islam in Iran vereinbar sein, prägen noch immer Stigmatisierung und Intoleranz den Alltag von Transsexuellen im streng schiitischen Gottesstaat. Und Homosexualität ist bis heute in Iran strafbar. Für viele Homosexuelle ist die Operation der einzige Weg, diesen Strafen zu entgehen. In »Sei, wer du nicht bist« ist die Macht des Gottesstaates bis in die schützende Atmosphäre der Familie zu spüren: Arastou wird von seinen Geschwistern zurück in die Rolle der Frau und brutal in ein Brautkleid gezwungen, um einen Mann zu heiraten. Ein stummer, eindringlicher Abend über einen Menschen, der sich nicht diktieren lassen will, Mann oder Frau zu sein.

In »Be the one who you’re not« director, writer and actor Saman Arastou addresses the situation of transsexuals in Iran. Using his own biography as a starting point he deploys the simplest of theatrical techniques to make intensely tangible the violence which society visits upon people who feel they are of a different gender to the one they were born with. Saman Arastou was born a woman but decided in 2008 to undergo a sex change operation, something which is actually legal in Iran. Since a fatwa by the country’s founder Ayatollah Khomeini, transsexuality has been considered a curable disease. Whoever feels trapped in the wrong body may have an operation. But, although the surgical intervention may be compatible with contemporary Islam in Iran, everyday life for transsexuals in this strongly Shiite theocracy is characterised by stigmatisation and intolerance. And homosexuality is still punishable in Iran. For many homosexuals, the operation is the only way to escape this punishment. In »Be the one who you’re not« the power of the theocracy even makes itself felt in the protecting atmosphere of the family: Arastou is pushed back into the role of a woman by his siblings and brutally forced into a wedding dress to marry a man. A silent, powerful evening about a person who does not want to be forced to be either a man or a woman.

Saman Arastou, *1967 in Shahrud (Iran). Schauspieler, Theaterautor und Regisseur. Er gründete 1983 die Gruppe »Avaye Divanegan« und realisierte mit ihr zahlreiche Stücke. Vorstandsmitglied (1988—91) in Shahrud’s Association of Performing Art. 1996 erhielt er seine erste Theaterrolle in Teheran, in dem Stück »As·h·a¯b kahf« (The Seven Sleepers)« (Regie: Nureddin Ostovar). Es folgten weitere Rollen in einer Fernsehserie »Sofreh Aghd« (»Wedding Table«) sowie Zusammenarbeiten mit verschiedenen Regisseur_innen aus Theater und Film (u. a. Hamed Mohammad Taheri, Narges Hashempour, Asghar Farhadi, Masoud Kimiai, Tahmineh Milani).

Saman Arastou, born 1967 in Shahrud (Iran). Actor, playwright and director. In 1983 he founded the »Avaye Divanegan« theatre group with whom he has produced numerous plays. Board member (1988-91) of Shahrud’s Association of Performing Art. In 1996 he played his first theatre role in Tehran in the play »As·h·a¯b kahf« (The Seven Sleepers)«, directed by Nureddin Ostovar. This was followed by further roles, for example in the television series »Sofreh Aghd« (»Wedding Table«), and collaborations with various theatre and film directors (including Hamed Mohammad Taheri, Narges Hashempour, Asghar Farhadi, Masoud Kimiai and Tahmineh Milani).

Gastspiel Studio / Guest Performance Studio

Sei, wer du nicht bist (Teheran) Regie und Konzept: Saman Arastou


From here I will build everything (Brussels) A project by Cédric Eeckhout

8.4. / 23.00 25 Minuten Auf Englisch

8.4. / 23.00 25 minutes In English

Mit: Cédric Eeckhout, Douglas Grauwels, Jo Libertiaux. Text und Regie: Cédric Eeckhout in Zusammenarbeit mit ­Douglas Grauwels, Dramaturgie: Nils Haarmann, Bühne und Kostüm: Frédérik Denis, Laurence Hermant, Beratung: Andrea Romano

With: Cédric Eeckhout, Douglas Grauwels, Jo Libertiaux. Text and Direction: Cédric Eeckhout in collaboration with ­Douglas Grauwels, Dramaturgy: Nils Haarmann, Set and Costume Design: Frédérik Denis, Laurence Hermant, Consulting: Andrea Romano

Foto : Katja Strempel

Foto : Rachel Lang

Die Inszenierung entstand beim Festival XS 2017 des Théâtre National de la communauté francaise de Belgique, Brüssel. Dank an: Théâtre de Vidy-Lausanne, La comédie de Reims, Le théâtre de la Criée à Marseille und Lieu Unique à Nantes.

This production was created for the 2017 Festival XS at the Théâtre National de la Communauté française de Belgique in Brussels. With thanks to: Théâtre de Vidy-Lausanne, La Comédie de Reims, Le Théâtre de la Criée à Marseille and Le Lieu unique à Nantes.

»My mother is Wallonian and my father is Flemish. They divorced in 1982. Ich bin en Europäisch produit. And I am in crisis. Just like Europe.« Der Schauspieler Cédric Eeckhout verbindet in seiner ersten eigenen Performance zusammen mit seiner echten Mutter und seinem Kater Jesus auf der Bühne europäische und private Krisenszenarien: von den Initialen C.E., Cédric Eeckhout und Communauté Européenne, bis zu schmerzhaften Trennungen in Beziehungen oder Familie und der zwischen Schuldenkrise und Brexit allmählich zerfallenden Union findet er erstaunliche Gemeinsamkeiten und sucht eine Beziehung, die hält.

»My mother is Wallonian and my father is Flemish. They divorced in 1982. Ich bin en Europäisch produit. And I am in crisis. Just like Europe.« Actor Cédric Eeckhout detects in his first self-created performance with his mother and his tomcat Jesus political and private crisis scenarios between his own life and developments in the European Community – beginning with the shared initials CE, Cédric Eeckhout and Communauté Européenne, and ending with painful separations in his personal life and, sandwiched between debt crises and Brexit, the gradually disintegrating EU. He embarks on the search for a relationship which will last.

Please Excuse My Dear Aunt Sally von Kevin Armento Aus dem Englischen von Theresa Schlesinger Regie: Christoph Buchegger Werkstattpräsentation

Please Excuse My Dear Aunt Sally by Kevin Armento German translation by Theresa Schlesinger Direction: Christoph Buchegger Workshop presentation

9.4. / 16.00 Auf Deutsch ca. 60 Minuten

9.4. / 16.00 In German approx. 60 minutes

Mit: Stephanie Eidt, Laurenz Laufenberg, Kay Bartholomäus­ Schulze. Bühne: Emilie Cognard, Dramaturgie: Theresa Schlesinger, Licht: Diana Swieca

With: Stephanie Eidt, Laurenz Laufenberg, Kay Bartholomäus Schulze. Set Design: Emilie Cognard, Dramaturgy: Theresa Schlesinger, Lighting Design: Diana Swieca

Red McCray ist ein typischer Highschool-Schüler im kalifor­ nischen Niemandsland. Einzelgänger, Klassenclown und Scheidungskind mit einem einzigen Freund: seinem Handy. Als das jedoch eines Tages im Mathematikunterricht konfisziert wird, entwickelt sich plötzlich eine intimere Verbindung zwischen Red und seiner Lehrerin. Nachdem sie das Telefon versehentlich eingesteckt hat, durchforstet sie seine Fotogalerie und beginnt nach der Rückgabe, ihm Nachrichten zu schreiben. Mit jedem Bild und jeder SMS bringt sie die Fassade des Teenagers zum Bröckeln und initiiert so ein Verhältnis, welche die beiden vor eine unlösbare Gleichung stellt. Erzähler und Zeuge dieser zum Scheitern verurteilten Affäre ist Reds Handy, das uns sowohl an den persönlichen Nachrichten, als auch an der wechselnden Gefühlslage der Figuren und der unaufhaltsam fortschreitenden Tragödie teilhaben lässt. Der US-amerikanische Autor Kevin Armento erzählt in rasantem Tempo von der illusorischen Natur elektronischer Verbindungen und der Gefahr der Vereinzelung im Zeitalter digitaler Liebe.

Red McCray is a typical high school student in a Californian nowheresville. Lone wolf, class clown and child of divorced parents with only a single friend: his mobile phone. When one day this is confiscated in a maths lesson, a more intimate bond suddenly develops between Red and his teacher. After inadvertently pocketing the phone, she trawls through his photo album and, once she has returned it, begins to send him messages. With each photo and text, she causes the teenager’s facade to crumble a little more, initiating a relationship which poses an unsolvable equation for the two. The narrator and witness of this doomed affair is Red’s mobile which allows us to share in the personal texts as well as the fluctuating emotions of the characters and the tragedy that is inexorably unfolding. At a rapid pace, American writer Kevin Armento tells of the illusory nature of electronic connections and the dangers of isolation in the time of digital love.�

Specials

From here I will build everything (Brüssel) Ein Projekt von Cédric Eeckhout


Foto : Gianmarco Bresadola

»Democracy and Tragedy« Conversation with Richard Nelson, Thomas Ostermeier and Anne-Cécile Vandalem, Moderator: Joseph Pearson

2.4. / 12.00 Auf Englisch

2.4. / 12.00 In English

2017 steht mit den Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland nichts Geringeres als das Schicksal eines Europas demokratischer Entscheidungsprozesse, kritischer Presse und freier Kunst auf dem Spiel. Die westlichen Demokratien sind in der Krise. Trennendes tritt zunehmend an die Stelle von Gemeinsamem, marktfromme Entscheidungen­ lösen demokratische Verständigungsprozesse ab, die Auswirkungen und Fluchtbewegungen globaler Kriege und Spannungen sind immer stärker zu spüren, Grenzen werden geschlossen, Nationalismus und rechtspopulistische Bewegungen erstarken. Was können wir tun? Welche Rolle kann das Theater einnehmen, um diesen Krisen- und Zerfallserscheinungen etwas entgegenzusetzen und Erzählungen und Bilder von Gerechtigkeit und Egalität zu entwerfen? Welche Visionen brauchen wir? Eine Debatte über unsere politischen und sozialen Konzepte von Gemeinschaft und Miteinander und die Aufgabe der Kunst darin.

Nothing less than the fate of Europe’s democratic processes, its critical media and free artistic expression is at stake in the 2017 elections in France, the Netherlands and Germany­. Western democracies are in a crisis. Division increasingly­ supplants commonalities, market-serving decisions supersede the democratic processes of finding common ground, the effects and refugee movements caused by global wars and conflicts are increasingly felt, borders are being closed, nationalism and right-wing populist movements are gaining in strength. What can we do? What role can theatre take to offer a response to these symptoms of crisis and decay, and to create narratives and images of justice and equality? What visions do we require? This is a debate about our political and social concepts of community and coexistence, and the purpose of art within this context.

Streitraum 16/17 »Unbegrenzt entgrenzt«: »Grenzen des Respekts – die radikalisierte Gesellschaft« Carolin Emcke im Gespräch mit Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung), Bianca Klose (Mobiles Beratungsteam gegen Rechts) und Ernst-Dieter Lantermann (Sozialpsychologe)

Streitraum 2016/17 »Unlimited Unbounded«: »The Limits of Respect – the radicalised Society« Carolin Emcke in conversation with Anetta Kahane (Amadeu Antonio Foundation), Bianca Klose (Mobile Counsel against Right-wing Extremism) and Ernst-Dieter Lantermann (social psychologist)

9.4. / 12.00 Auf Deutsch

9.4. / 12.00 In German

Streitraum wird gefördert durch

Streitraum is funded by

Ressentiments und Gewalt, rassistische und antisemitische Positionen hat es als Sediment in dieser Gesellschaft immer gegeben. Aber etwas hat sich doch verändert: Menschen, die anders denken oder anders aussehen, die anders glauben oder lieben, werden offen und scheinbar hemmungslos attackiert. In den sozialen Medien wird ungefiltert und ungebremst gehetzt und gedroht. Die Standards des respektvollen Miteinanders in der Öffentlichkeit werden zunehmend unterwandert und die Sprache des Diskurses ist radikaler und roher geworden. Wie lässt sich das erklären? Welche Fakto­ ren begünstigen politischen Fanatismus und wie lässt sich ihm begegnen? Und mit welchen rhetorischen, sozialen oder auch künstlerischen Strategien lassen sich demokratische Umgangsformen wieder stabilisieren?

Resentments and violence, racist and anti-Semitic positions have been a constant sediment in our society. Yet recently­ something has changed: people who think or look, believe or love differently are being attacked, openly and seemingly­ without restraint. Unfiltered and unbridled hatreds are being­ stirred up in social media and people are being threatened. The standards of respectful coexistence in society are increasingly being subverted and the language of public discourse has become more radical and crude. How can this be explained? What are the factors that foster political fana­ ticism and how can it be countered? And which rhetorical, social or even artistic strategies can help restabilise democratic modes of behaviour?

Diskussionen / Discussions

»Demokratie und Tragödie« Podiumsgespräch mit Richard Nelson, Thomas Ostermeier und Anne-Cécile Vandalem, Moderation: Joseph Pearson


Pearson’s Preview FIND-Spezial Der kanadische Autor, Blogger und Historiker Joseph Pearson­ (needleberlin.com) schreibt seit Anfang 2015 für unsere Rubrik »Pearson’s Preview« auf schaubuehne.de Essays zu neuen Inszenierungen der Schaubühne. Vor und während des Festi­vals werden wir englischsprachige Essays­mit Hintergrundinformationen und persönlichen Eindrücken zu den Festival­beiträgen veröffentlichen: »Toter Hund in der ­Chemischen Reinigung: die Starken«, »The Gabriels: Election Year in the Life of one ­Family«, »Tristesses«, »Hamnet«, »LOS ­INCONTADOS – Anatomía de la violencia en Colombia: un tríptico«, »Democracy in America« und »­Pendiente de voto«. www.schaubuehne.de/blog

Pearson’s Preview FIND Special Since the beginning of 2015, Canadian writer, blogger and historian Joseph Pearson (www.needleberlin.com) has been writing essays on new Schaubühne productions for our »Pearson’s Preview« column at www.schaubuehne.de. Before and during the festival we are publishing English language essays containing background information and personal impressions of the festival productions: »Dead Dog at Dry Cleaners: the Strong«, »The Gabriels: Election Year in the Life of one ­Family«, »Tristesses«, »Hamnet«, »LOS ­INCONTADOS – Anatomía de la violencia en Colombia: un tríptico«, »Democracy in ­America« and »Pendiente de voto«. www.schaubuehne.de/blog

Foto-Dokumentation Gianmarco Bresadola, der schon viele unserer Inszenierungen fotografiert hat, wird auch das Festival mit der Kamera begleiten. Die besten Fotos werden jeden Tag auf der Startseite der Website sowie auf Facebook veröffentlicht und laufen als Diashow in den Fenstern des Cafés.

Photo Documentation Gianmarco Bresadola, who has photographed many of our productions, will document the festival with his camera. The best photos will be published every day on www. schaubuehne.de as well as on Facebook and will also be shown as a slide show in the Schaubühne café.

#FIND17 Fotos von Künstlern, Produktionen und anderen Fundstücken, Trailer, aktuelle Infos zu FIND und den eingeladenen Künstlern veröffentlichen wir auch auf Facebook, Twitter und Instagram unter dem Hashtag #find17. Wir freuen uns auch über Ihre Eindrücke, in Form von Kommentaren, Twitter-Kurzkritiken oder Fotos.

#FIND17 Photos of artists, productions and other finds, trailers and current information about FIND and the invited artists will be published on Facebook, Twitter and Instagram, and will be tagged with #find17. We’re looking forward to receiving your impressions as well, in the form of comments, Twitter reviews or photos.

/Schaubuehne /SchaubuehneInternational (in English) @schaubuehne /schaubuehne_berlin /schaubuehne

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Schaubühne am Lehniner Platz Kurfürstendamm 153, 10709 Berlin + 49 30 890023 ticket@schaubuehne.de www.schaubuehne.de

Tickets Tickets for all shows can be bought at the box office, via telephone or online in the webshop. The box office is open from Monday to Saturday from 11am and on Sundays from 3pm. You can get tickets in advance sale until one hour before the beginning of a performance. The evening box office only sells tickets for the show on the respective evening, there is no advance sale. You can purchase tickets in advance sale online at any time. Schaubühne am Lehniner Platz Kurfürstendamm 153, 10709 Berlin + 49 30 890023 ticket@schaubuehne.de www.schaubuehne.de

Anfahrt Bus: M19 und M 29 Haltestelle Lehniner Platz / Schaubühne U-Bahn: U7 Bahnhof Adenauerplatz S-Bahn: S5, S7 und S75 Bahnhof Charlottenburg oder S 41, S42 und S46 Bahnhof Halensee Nachtbus: N7 Haltestelle Adenauerplatz PKW: Die Schaubühne hat keine eigenen Parkplätze, parken ist in den Seitenstraßen Cicerostraße oder Albrecht-AchillesStraße bzw. direkt gegenüber der Schaubühne auf dem Mittelstreifen des Kurfürstendamms möglich.

How to get here Bus: M19 and M 29 stop Lehniner Platz /Schaubühne U-Bahn: U7 stop Adenauerplatz S-Bahn: S5, S7 and S75 stop Charlottenburg or S41, S42 and S46 stop Halensee Night Bus: N7 stop Adenauerplatz Parking: the Schaubühne does not have its own parking faci­ lities. However, it is possible to park in nearby side streets Cicero Straße and Albrecht-Achilles-Straße as well as directly across from the Schaubühne in the central reservation of Kurfürstendamm.

Café Das Café Schaubühne bietet täglich wechselnde kleine und größere Speisen und Getränke an. Mo – Fr: 09.00 – 1.00 Uhr Sa + So: 10.00 – 1.00 Uhr

Café The Café Schaubühne offers daily changing dishes as well as a range of drinks. Mon – Fri: 9am – 1pm Sat + Sun: 10am – 1pm

Service

Kartenverkauf Tickets zu allen Veranstaltungen im Rahmen des Festivals können regulär im Vorverkauf an der Kasse, telefonisch oder online im Webshop erworben werden. Die Kasse ist Montag bis Samstag ab 11 Uhr, Sonntag ab 15 Uhr geöffnet. Jeweils eine Stunde vor Beginn eines Stücks können an der Kasse ausschließlich Karten für diese Vorstellung gekauft werden (Abendkasse), es findet in dieser Zeit kein Vorverkauf statt. Online im Webshop sind Karten im Vorverkauf zu jeder Zeit buchbar.


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FIND plus wird gefördert durch

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Impressum/Imprint Redaktion/Editorial: Schaubühne am Lehniner Platz, 55. Spielzeit 2016/17, 55th season 2016/17 Gestaltung/Graphic Design: Pascal Schönegg, Katja Strempel, Druck/Print: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH

Partner und Förderer / Partner and Sponsors

FIND wird gefördert durch die


Festival International New Drama Democracy and Tragedy 30 March – 9 April 2017

Festival Internationale Neue Dramatik 2017  

Programmzeitung mit allen Infos zu FIND 17. /// Programme with all information on FIND 17

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