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Sonderausgabe 2013


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Inhalt 05 DIE KUNST DES VERWEIGERNS

BRATZE - HIGHLIGHT

08 BALL FLACH, HERZ AUF

KÄPTN PENG WILL EUCH MIT LIEBE QUÄLEN

10 KLANGPOESIE AUS HÄUSERSCHLUCHTEN

CAPTAIN PLANET - TREIBEIS

12 IM INTERVIEW MIT MIKROKOSMOS23

SÄNGER PETER LÖWE ÜBER DIE NEUE PLATTE, LABELSUCHE UND ALLTAGS BEWÄLTIGUNG

16 SO PERFEKT

TWO DOOR CINEMA CLUB IM KÖLNER E-WERK

18 DER ERHABENE PHOENIS

10 GUTE GRÜNDE FÜR EIN TENACIOUS D KONZERT

20 DIE SEGEL SIND GESETZT

IDLE CLASS - STUMBLING HOME

22 DAS GEPLAGTE HERZ

SUPERMUTANT - F R V R

25 DAS TEAM 26 IMPRESSUM

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DIE KUNST DES VERWEIGERNS BRATZE - HIGHLIGHT von Marc Braun

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ie Geschichte von Bratze ist eine Geschichte des Verweigerns. Raus aus den ewig gleichen Denkmustern, raus aus den eigenen Ketten des Alltags, ein Entschwinden aus der Eindeutigkeit und Festlegung. Bratze haben den Anspruch, keine Schublade zu bedienen und keine Erwartungen zu erfüllen. Wären da nicht die eigenen. Und die sind bei dem verkopften Kevin und dem beatbewussten Norman alles andere als gering. Es war irgendwann 2006 im nordischen Flensburg, als ClickClickDecker und Der Tante Renate aufeinander trafen und so gut verstanden, dass der Song „Jean Claude“ entstand. Und mit ihm gleichzeitig der Grundstein für einen neuen Stil gelegt wurde. Aus dem anfänglichen Projekt wurde eine echte Band. Die Symbiose von Renates Electrorock und dem Songwriter-Herz Clicks sollte zu diesem Zeitpunkt nur die Spitze des Eisberges offenlegen. Denn was folgte, war nicht nur steigender Internetruhm, sondern die Begründung einer ganz eigenen Interpretation davon, wie Text und Beat verschmelzen sollen. Bratze klingen anders. Nicht, weil sie es darauf anlegen würden oder das Genre Electropunk nach neuem Antrieb geschrien hätte. Nicht, weil sich irgendjemand aus der Musikbranche den Kopf zerbrochen hat, welcher Sound wieder frischen Wind braucht. Sondern, weil sie im Duo einfach nicht anders können als intelligente, im Nebel durchschimmernde Texte in ein Beatgewand zu hüllen, das seine Schönheit mit jedem Abspielen weiter offenbart. Weil sie beweisen, dass Philosophie

auch tanzbar ist. Nach den sehr erfolgreichen Alben KRAFT und KORREKTUR NACH UNTEN kehren Bratze nun nach zwei Jahren Sendepause am 07.09.2012 mit dem dritten Album HIGHLIGHT endlich zurück. Die Pause haben sie genutzt, um sich für ein Jahr ausschließlich ihren Solo-Aktivitäten zu widmen. So tourte Kevin alias ClickClickDecker, verstärkt durch Pedal-Steel-Gitarrenheld Oli Stangl mit seinem Live-Album DU ICH WIR BEIDE ZU DEN FLIEGENDEN BAUTEN durch die Landen, während Der Tante Renate samt Laserknarre, Gamepad und Gitarre die Clubs in Electro-Raves verwandelte. Anlass für die Tour gab sein Album H4xX02, das, wie sich später herausstellen sollte, sein vorerst letztes war. Der Tante Renate gab Ende 2011 nämlich bekannt, dass er ebenjenes Soloprojekt erst einmal ruhen lässt. Heißt das für uns nun: Mehr Bratze? Hat er neue Feuer im Eisen? Wir sind gespannt, welche Bretter Herr Kolodziej musikalisch noch auf uns loslassen wird! Aber genug in der Geschichte gekramt, auf zur Platte: Zehn Songs finden sich auf dem - dezent gesagt - couragiert betiteltem Musikträger, ganz wie seine beiden Vorgänger. Wurde im letzten Atemzug noch die Erwartung nach unten korrigiert, haben wir es jetzt also schon wieder mit einem fulminanten Ende aus der Verschnaufpause zu tun. Die Ironie, die seit jeher fester Bestand der Band-Ästhetik ist (; verwiesen sei an dieser Stelle nur einmal auf das Video „Ohne das ist es nur noch laut“ oder das erste Fan-Shirt mit der Aufschrift: „Bei Myspace sahst du besser aus“), kommt also auch 2012 nicht zu kurz. Schnörke-

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leien sind im Band-Kosmos ein Fremdwort – die Tracks kommen auf den Punkt und lassen dabei trotzdem genügend Raum für vertrackte Soundspielereien („Schon dumm, viel zu spät, alles gleich“). Sie springen dem Hörer aber nicht mehr so wütend ins Gesicht, wie es die Vorgänger taten, sondern schmiegen sich erst an, bevor sie dir die Beats und Gitarren in den Quellcode hämmern. Ein besonderes Schmankerl ist der Song „Insel“, der erst sehr verhalten in den Gehörgang dringt, immer mehr an Fahrt aufnimmt und besonders durch den Part von Frittenbudes Strizi an Dringlichkeit und Durchschlagskraft gewinnt. Die Feature-Freudigkeit im Bandkatalog von Audiolith nimmt ihren wohlklingenden Lauf. Das dritte Album erfindet das Rad nicht neu und das ist auch gut so - ein weiteres Mal wird der geneigte Hörer verwöhnt mit ballernden Beats und ausgeklügelten Aphorismen, die es verdienen, in Haut gestochen zu werden. Ein Beispiel hierfür seien Zeilen wie „Zu allem Übel und Bedauern spielt niemand mehr die Lieder, zu denen wir gern gestorben wär‘n.“ oder „Es ist ein elendiger Umstand, ein ausrangiertes Klagelied. Es liegt ganz sicher nicht am Umstand, sondern weil’s nichts Besseres gibt.“ Zugegeben: Beim ersten Durchspielen lauert das große Potenzial der zehn Songs mal mehr, mal weniger in der dunklen Gasse. Dafür schlägt es mit jedem Hördurchgang fester und intensiver in die Synapsen. Wirft man einen weiteren Blick auf den Langspieler, wird schnell klar: Der nordische Soundkosmos hat sich um ruhigere Facetten erweitert. Der langsame Takt aus „Die, die es schon wissen“ steht den Beiden durchaus gut zu Gesicht. Die Formen dieser Platte wirken geschliffener, das Outfit gepflegter, die Beats weniger dreckig als zuvor. Den in Rezensionen so oft zitierten Rave hat es bei Bratze ohnehin nie in Reinform gegeben – dafür ist die Musik auch rauschlos zu berauschend. Sie funktioniert im Hirn wie auf dem Dancefloor, im Pogo-Pit wie auf dem heimischen Plattenspieler.

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HIGHLIGHT vermittelt außerdem den Eindruck, dass das vergangene Jahr der beiden Künstler im Solo-Dasein nicht spurlos am Songwriting & Beatbasteln vorbeiging. So enthält der klassische Rausschmeißer „Immer noch vorn genug“ oder „Insel“ mit seinen melodischen „Ah‘s“ ein Element, das sich ansonsten bei ClickClickDecker finden lässt (z.B. „Die Aufgabe davor und die Aufgabe danach“). Es ist schon beinahe Tradition, dass getreu dem bandeigenen Regelwerk jedes Album einen Track ohne Lyrics enthält: Auf HIGHLIGHT übernimmt „Findling“ diesen Posten. Von der Journaille gerne fälschlicherweise als reiner Tante Renate-Track aufgefasst, sagt der Song ohne eine einzige Textzeile mehr aus als das Gesamtwerk der Red Hot Chilli Peppers. Das ist geballter Punk – nur eben ausgedrückt in Synthesizern. Daneben finden sich klassische Tanznummern, die nach süßem Dancefloorschweiß duften („Ihr versetzt die Berge“). Das alles steht gut nebeneinander, lässt verschmerzen, dass härtere Ausbrüche wie im Vorgänger („Molfsee“, „Ich und die Geister“) deutlich weniger geworden sind. Einzig am Ende von „Zum Übrigen Ich“ bricht die unbändige Ekstase noch vom Stapel. Dafür sind die Stücke wieder bis in die letzte Ecke mit verspielten Soundmustern gespickt. Das Highlight von HIGHLIGHT ist ganz klar „Eigentlich Kalender“. Ausgestattet mit Piano, steiler Spannungskurve und einer Hookline, die einem zum unkontrollierten Herumspringen auf der morgendlichen Busfahrt zur Arbeit animiert, hinterlässt der Track nichts als pure Freude in der Seele. So hat Electropunk 2012 zu klingen. Mit Lust und Lautstärkemaximum dem Untergang entgegentanzen! Unweigerlich drängt sich die Frage auf: Was wollen die eigentlich? Witzig sein, tanzen, oder mit Rotwein zum Gespräch über Meta-Ebene, Selbstverständnis und Menschsein laden? Außerdem: Wer soll das denn hören? Die kulturell ausgehungerten Teenies, die ansonsten mit Jersey Shore und Berlin – Tag und Nacht abgespeist werden? Oder eher die Musiknerds und Geisteswissenschaftler, die sich nicht trauen in normalen Clubs mal die Sau rauszulassen? Die ADHS-Fraktion,


die diesen Artikel ohnehin nicht bis zum Ende lesen kann und nur Versatzstücke im Leben aus Smartphone und Dauerberieselung wahrnimmt? Ganz einfach: Bratze ist Musik für niemanden – und dennoch für alle. Ein jeder fühle sich dazu eingeladen, sich das Stück Bedeutung herauszutrennen, dass er sehen möchte. Die Platte ermöglicht uns eine Zeitreise in die Zeitlosigkeit. Thementechnisch werden zahlreiche Häfen angesteuert: Hinter den Texten verbirgt sich noch immer Gesellschaftskritik und das Zugeständnis an die eigene Unzulänglichkeit. Norman und Kevin rücken die Fieberträume des Selbstverständnisses und das Absprechen von Originalität („Zitate“) in den Blickpunkt. Taufen die Erde in „Strafplanet“ um. Stellen fest, dass dreimal zweimal zu wenig ist. Wo die Gedanken der Deichkind-Fans aufhören, werden die Synapsen hier erst angeregt. Dabei befinden sich die Lyrics stets im Schwindel – ein einzigartiger Stil, den man so bei keiner vergleichbaren Electro-Formation findet. Bedeutungsschwangerer Dadaismus ohne dediziert politischen Sprengstoff, den die Labelkollegen von Frittenbude oder Egotronic nur allzu gerne hochgehen lassen. Es fällt aber schwer, das Album in eine versicherte Pressform zu packen und festzulegen: Wo es Synthie-Gewitter und Groove-Geballer niederregnet, darf auch einfach mal ganz unbeschwert über die Tanzflächen gehuscht werden.

wusstest, dass sie dort sind. Wie sagen sie selbst schon auf dem Debüt so passend: „Wir sind die, die durchhalten, die, die bestechen. Vielleicht anders als die Anderen, ich kann’s dir nicht versprechen.“ HIGHLIGHT beweist auf zehn Stücken eindrucksvoll und nachhallend, dass der Titel nicht passender hätte gewählt werden können: Ein furioses Monstrum clever-negierender Ekstase.

Die beiden Könige der Aphorismen sind Ernstmeiner, bewaffnet mit dem nötigen Humor-Hammer, den Quatsch des Seins durchzustehen. Die Überdosis Punk im Electrozirkus. Die Massen wollen sie mit HIGHLIGHT trotz höherer Eingängigkeit nicht erreichen – sondern niemand geringeres als das Individuum – Dich! Nur etwas länger dürfte der Ausflug in den Dadaismus schon gehen - nach nur 35 Minuten erreicht die Nadel das Ende der Vinylscheibe. Trotzdem meistern es die beiden Hamburger zum dritten Mal, dich zum Tanzen und Nachdenken gleichermaßen anzustiften und Steine im Kopf ins Rollen zu bringen, von denen du gar nicht

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BALL FLACH, HERZ AUF KÄPTN PENG WILL EUCH MIT LIEBE QUÄLEN von Stuffi Herzog

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obert Gwisdek, deutscher Schauspieler, eigentlich bekannt aus Filmen wie NVA oder 3 Zimmer/Küche/Bad steht neuerdings im musikalischen Rampenlicht. Wobei - so neu ist seine entdeckte Leidenschaft zu den Tönen nicht, fand man die ersten gerappten Ergüsse doch schon 2009 im Internet. Diese Form des Doppeljobs (Schauspielerei/Musik) gibt es sehr häufig: Jeff Bridges, Hugh Laurie oder auch Jared Leto schlüpften bereits zwischenzeitlich in die Musikerrolle. Doch Platz da, jetzt kommt Käptn Peng! Zusammen mit seinem älteren Bruder, mit dem er als Shaban & Käptn Peng auftritt, hat er im März 2012 das Album DIE ZÄHMUNG DER HYDRA herausgebracht. Dafür wurde mit Freunden eigens das Label „Kreismusik“ gegründet. Zum Glück! Endlich wieder deutscher Hip Hop zum toll finden! Die Tracklist beginnt mit einer entkoppelten Vorstellung des Künstlers: „So heißen wir nun Peng, wie die platzende Hutschnur.“ Man kann bereits in diesem Satz ein wenig Unzufriedenheit über Job („Kündigung 2.0“), Unkenntnis („Keine Ahnung“), aber vor allem gegenüber dem eigenen Ich („Werbistich“) erahnen. Auch der folgende Song „Oha“ beschäftigt sich mit dem Denken, genauer gesagt mit dem Verstand und dessen Abhandenkommen. Über das Grübeln grübeln und das mit sprachlich ausgeklügeltem Können. Auch in „Kampf mit der Hydra“ steht die menschliche Existenz im Zentrum des Geschehens. Es geht um

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unwirkliche Wahrheit, um das Dasein, um Verblendung. Philosophisch verworren. Jeder Song ist eine eigene kleine, in sich abgeschlossene Geschichte. Wie ein Märchen in moderner, leicht verrückter Form lässt sich „Sie mögen sich“ anhören. In „Haus brennt“ begegnen einem mal ausnahmsweise keine lästigen Fragen um „Sein und wenn ja, wie?“, sondern viel eher ist es ein Lied voller Spinnerei und viel Witz. Auch mal ganz angenehm. Die sich einstellende Bequemlichkeit bleibt allerdings nicht sehr lang bestehen, denn gleich darauf wird in „Werbistich“ so ziemlich alles in Frage gestellt: Von Gegenwart bis Bildungssystem, von Realität bis Neuerfindung, von Karriere bis Vergnügen und Selbsterkenntnis. DIE ZÄHMUNG DER HYDRA vereint 15 Tracks voller cleverer Wortgewandtheit, rätselhafter Kopfarbeit und absonderlichen Assoziationen. Das Debütalbum ist eine Hommage an die Selbst-


reflexion. Das eigene „Ich“ im Mittelpunkt allen Tuns, aller Verhaltensweisen, allen Seins. Die Erkenntnis, dass vieles im Leben nicht zu Ende gedacht oder unter den Tisch gekehrt wurde. Die Kritik am Wegsehen („Wo sind meine Augen? Ich seh’ sie nicht!“) Die Erkenntnis selbst als Erkenntnis. Manchmal hat man das Gefühl der Übermittler hat seinen Verstand verloren. Vielleicht hat er das auch. Vielleicht ist er an der Grenze zum Wahnsinn, zur Verrücktheit. Manchmal ist einem jede weitere Textzeile zuviel, denn beim Hören gerät der eigene Denkapparat in Bewegung. Das strengt natürlich an. Fragen, Fragen, Fragen, Fragen, Fragen, Fragen, Fragen. Du hast dein heutiges Verhalten noch nicht kritisch hinterfragt? Kein Problem, Käptn Peng ist zur Stelle! Selten war deutscher Hip Hop so verkopft und gedankenverheddert und vermittelt gleichzeitig eine eigenartige Leichtigkeit. Nach mehreren Durchläufen des Albums ist immer noch nicht alles verstanden und interpretiert. Deshalb bleibt die Freude, dass bei jedem neuen Anspielen der

Songs weitere Satzkombinationen und Wortfetzen auftauchen, sich neu entfalten, von neuem in Frage gestellt werden und eine wieder andere Auffassung zur Folge haben. Der König der lauschig, metaphorischen Selbstreflexion.

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KLANGPOESIE AUS HÄUSERSCHLUCHTEN CAPTAIN PLANET - TREIBEIS von Pascal Ziemen

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ASSER KOMMT WASSER GEHT als Debütalbum im Jahr 2007 und direkt ein Stein im Brett: Album kam, Superlative überschlugen sich in Hörerschaft und Presse. Eine Platte erbarmungslos wie die Gezeiten. Deutschsprachiger Punkrock in makelloser Imperfektion. Den Wassermetaphern erlegen, folgte zwei Jahre später INSELWISSEN: Ebbe und Flut getrotzt, erschöpft, durchfroren und durchnässt das Land erreicht. Mit TREIBEIS verlassen die Kapitäne wieder das vermeintlich sichere Festland und stoßen in romantisch lebensfeindliches Terrain vor.  Es knackt, dann ein Rauschen wie aus einem alten Lautsprecher. Die ersten Seiten zittern, das Schlagzeug entfesselt, 40 Sekunden vergehen, bis die altbekannte Stimme die ersten Töne druckvoll preisgibt. Dann ein Bruch, Tempowechsel, Refrain. Es braucht keine Minute für die erste Gänsehaut. Als der erste Song „Pyro“ mit den gerufenen Worten „Viva allein“ zu Ende geht, stellt sich das Captain Planet – Gefühl endgültig ein: Bittersüße Erinnerungen an vergangene Abende, sei es unter Menschen auf der Wiese am Fluss oder allein in grauen Häuserschluchten – gerne auch umgekehrt. Umgang mit den hässlichen Abgasen des Alltagsmotors: Beziehungskrisen, Arbeitsdruck, Sehnsucht und Fernweh. „Wenn du jetzt nach vorne fällst, liegt ihr euch in den Armen – zum allerersten Mal seit 25 Jahren.“ Textlich nochmals gesteigert, bilden die Worte einen perfekten Bilderrahmen für jede Erinnerung:

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Ein unbearbeiteter Holzrahmen, dessen Farbe sehr wohl gewählt ist, der aber nicht krampfhaft Kunst sein will. Arne von Twisterns Verse sind lyrisch, aber nicht gezwungen kryptisch. Captain Planets Poesie ist nicht eitel. Die Zeilen verortet man gestickert auf Laternenpfählen, mit Kreide auf asphaltierte Hinterhöfe geschrieben und unter Zugbrücken gesprayed. Bereits außerhalb der Melodien ist das Mitlesen des Albums ebenso wertvoll wie das Hören: All die Brüche Deine Narben Der Glaube an dich selbst Wie das geliebte Haustier Im Karton begraben als du vier warst Und dann diese Schaukel Diese Rutsche Das Lachen vor deinem Fenster Dir fehlt das Buch in deinem Regal Um diese Freude zu verstehen Da TREIBEIS allerdings kein Poetry Slam Vortrag, sondern ein Tonträger ist, verdient jede Melodie Beachtung. Gitarren, Bass und Schlagzeug liefern sich einen stets wiederkehrenden Wettlauf um die Krone des Vorantreibens. Der stetige Wechsel des Tempos, nach erfolgreich eingefädelten Brüchen, definiert das Regelwerk neu und lässt jede Songpassage wie durch ein Stroboskop gejagt durchs Gehör blitzen. Der Gesang pausenlos druckvoll am Limit, mutet sich Arne von Twistern deutlich mehr zu als auf den vergangenen Alben.


Dass das Ganze auch live überzeugend vorgetragen wird, beweisen die Kapitäne bereits seit vielen Jahren. Am 6. Oktober 2012 hatte man bereits die Möglichkeit einige Songs der neuen Platte live zu bestaunen. Da „Pyro“ als Video seit einigen Wochen im Internet bereitsteht, war das Publikum schon überzeugend textsicher. Gemeinsames Tanzen, Singen, die Arme zu den besten Textpassagen gegen Raumdecke erheben, um am Ende im Chor „Viva Allein“ rauszuschreien, sorgte für kollektive Gänsehaut im AZ Köln. Die Publikumseuphorie war derart groß, dass der Song locker mit HörerInnenlieblingen wie „Baumhaus“, „Hundertzwanzig Sachen“ und „Rambo“ mithalten kann. Die anderen Songs platzierten die Hamburger nach besagten besonders intensiven Songs, um der mitfeiernden Masse ein wenig Durchatmen zu ermöglichen. „Nest“ und auch „Spielplatz“ wurden trotzdem gebührend gefeiert und das Outro letzterem Songs in seiner fiebrigen Wiederholung bereits mitgesungen: „Wie gehst du nur mit den Niederlagen um? Wo üben die, die immer siegen?“. 

Wenn alles zusammentrifft, zerren die unterschiedlichen musikalischen Elemente aneinander, lassen einander Raum oder bedingen sich – alles jedoch in einem gemeinsamen Rahmen, der das Album derart rund klingen lässt, ohne auch nur eine einzelne Facette opfern zu müssen. TREIBEIS ist dadurch kantiger und rauer als der Vorgänger. Ärger, Sehnsucht, Krisen: Die Nachvollziehbarkeit des Beschriebenen und dessen melodische Untermalung berührt weit mehr als nur das Gehör und macht TREIBEIS zum Manifest der Herbstmenschen. Kopfhörer auf und rein in die Graustufen der Häuserschluchten: Mag die Kraft auch fehlen, um „rauszuschreien, was uns fehlt“ (Gehwegflattern), solang ich diese Platte habe, kann mir nichts passieren. Album des Jahres. Punkt. Aus.

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IM INTERVIEW MIT MIKROKOSMOS23 von Marc Braun und Pascal Ziemen

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IKROSMOS23 melden sich nach einer längeren Pause mit der Vorabsingle „Alles gegen Wände“ lautstark zurück. Das neue Album ALLES LEBT. ALLES BLEIBT. erscheint nach Auflösung der alten Labelheimat Unterm Durchschnitt am 25.01.2013 bei Unter Schafen Records. Uns gewährte Sänger Peter Löwe Einblicke darüber, wie sich die Suche zum neuen Label gestaltete, wohin es mit dem neuen Album geht und wie man sogar im traurigen Alltagstenor Gutes finden kann.

Man hatte als Außenstehender den Eindruck, dass es bei euch eine ganze Zeit lang gedauert hat, bis ihr bei einem neuen Label untergekommen seid. Wie habt ihr das Ende des Kölner Punk-Labels untermdurchschnitt erlebt? Wir haben tatsächlich etwas gebraucht um zu entscheiden, auf welchem Label wir veröffentlichen. Aber das kam mir recht natürlich vor. Man wirft ja das, was einem am Wichtigsten ist, nicht irgendjemanden einfach so vor die Füße und sagt „Mach halt, was du willst damit.“ Ich denke unser neues Label Unter Schafen Records war eine sehr gute Wahl. Andreas von Unterm Durchschnitt hatte ja wegen seinem Hauptjob einfach keine Zeit mehr das Label zu halten. Unspektakuläre Begründung, aber so ist es halt manchmal. Da darf man als Band nicht den Kopf in den Sand stecken. Wir hatten zu dem Zeitpunkt grad das Album fertig aufgenommen. Also ging die Suche los und wir haben Unter Schafen gefunden. Besteht noch reger Kontakt zu anderen Exuntermdurchschnitt Bands? Mal mehr, mal weniger. Durch die lange Konzertpause sind wir ja sowieso weniger rausgekommen in den letzten Monaten, aber ich denk doch sehr, dass wir den ein oder anderen 2013 mal wieder

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über die Füße stolpern werden. Wie darf der Leser sich die Suche nach einem neuen Label vorstellen? Das ist unterschiedlich, glaube ich. In unserem Fall war das Album ja bereits aufgenommen. Also haben wir die Rohfassung des Albums einfach an eine Handvoll Labels gegeben. Hin und her und hin und her und uns letztendlich für Unter Schafen Records entschieden.

Wie kam der Kontakt zu Unter Schafen Records (ebenso aus Köln) zustande? Wir kannten uns vor der Zusammenarbeit noch nicht persönlich, aber es hat sich recht schnell rausgestellt, dass wir ziemlich gleich ticken und in Zukunft sicherlich ausgezeichnet klarkommen werden. Viele befreundete Musiker haben uns Timo und Unter Schafen ans Herz gelegt, unter anderem auch Blackmail, die ja auch ihr nächstes Album bei Unter Schafen veröffentlichen.


Seit einigen Wochen ist es endlich gewiss: Euer zweites Album ALLES LEBT. ALLES BLEIBT. erscheint am 25. Januar 2013 kommenden Jahres und somit ganze drei Kalenderjahre nach „MEMORANDUM“. Wann habt ihr die kreative Arbeit zu diesem Album aufgenommen? Oh Mann… Drei Jahre sind eine ganz schön lange Zeit! Den ersten Song haben wir geschrieben, noch bevor MEMORANDUM erschienen ist. Den letzten Song haben wir im Studio fertig gestellt. Und trotzdem funktionieren alle Songs als ein Ganzes. Das ist das Schöne daran: Das neue Album wird zwar anders, passt aber trotzdem in die Entwicklung der Band.

Was würdet ihr sagen, sind die größten Unterschiede zwischen eurem Vorgänger und der aktuellen Platte? Ist der weniger depressive Sound der Vorab-Single „Alles gegen Wände“ bezeichnend für das ganze Album? Eine Band besteht immer aus mehreren Individuen, die den kompletten Sound beeinflussen können. Toni, unser früherer Bassist hat die Band verlassen, bevor wir angefangen haben den Großteil der Songs für ALLES LEBT. ALLES BLEIBT. zu schreiben. Dieser Faktor fällt weg, was wiederum bedeutet, dass der Einfluss der anderen Teile wächst. Wir sind privat sicher auch nicht stehen

geblieben. Auf dem Album geht es in alle Richtungen gleichzeitig und genau deswegen sind wir alle sehr, sehr zufrieden damit. Was sind eure größten Einflüsse? Welche Musik hat euch dazu bewogen, 2005 diese Band zu gründen? Wie schon gesagt, Einflüsse können sich ändern. Der Grundpfeiler von 2005, der immer noch besteht, ist sicher Punkrock und Emo. Wir haben Bands wie Tagtraum live gesehen, haben uns Platten von Yage angehört und irgendwann angefangen Konzerte zu spielen. Das war der Anfang, der dann durch eine Million Faktoren geformt wurde und jetzt so klingt, wie ALLES LEBT. ALLES BLEIBT...

Das Cover des neuen Albums habt ihr Schritt für Schritt in Puzzlestücken per Facebook enthüllt. Darauf zu sehen: Eine Frau mit leerem, traurigem Blick, die Einkaufstaschen in ihren Händen zerrissen, die Einkäufe zerplatzt auf dem Asphalt. Beschreibt das Cover gewissermaßen eure Texte, die das Pech und die Verzweiflung im Alltag karikieren? Was wollt ihr dem Hörer durch das Cover vermitteln? Das Cover ist wirklich fantastisch! Das Foto ist von Rosie Hardy, einer Künstlerin aus Manchester. Eine Momentaufnahme, irgendwie unspektakulär, normal irgendwie, aber ganz, ganz intensiv. Und das ist es, was das Cover mit den Texten des Albums verbindet. Was für andere sinnlos erscheint, bedeutet dem anderen alles. Während die einen zu dem neuen David Guetta-Lied tanzen, bricht für den anderen gerade aus irgendeinem Grund eine Welt zusammen. Diese Stimmung ist in einem Foto zusammengefasst.

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Scheinbar seid ihr große Rätselfreunde: In einem Bilderrätsel-Gewinnspiel (ebenfalls über Facebook) habt ihr alle Liedtitel des neuen Albums versteckt. Die Gewinner konnten Shirts und ein Konzert nach Wahl abstauben. Bietet ihr auf der Bühne auch mehr Interaktion als andere Bands? Haha!! Nein, ich glaube wir sind immer noch die schüchternen Normalos, die lieber Auge in Auge mit den Leuten reden, als von einer Bühne herunter zu predigen. Das erste Album ist wie geschaffen für die grauen, fast schwarzen Tage und die dunklen Stunden. Die Songs darin kann man als Auffangbecken für Verlierer sehen. Egal, ob nun gesellschaftlich oder persönlich. In welcher Lebensphase entstand das Album? Unser erstes Album ALs WIR JUNG WAREN IST JETZT war echt so ein „Ich lebe in einer Kleinstadt, würde am liebsten raus hier, kann aber nicht, kotzt mich alles an, die Frau, in die ich mich verliebt habe, will auch nichts von mir wissen – jetzt bleiben mir nur noch meine Freunde“-Ding. Jugendliche Angepisstheit, die ab und an in Traurigkeit gipfelt. Die Definition von Emo. Peter, an deiner rauen Stimmfarbe spalten sich die Meinungen. Ein kleines Beispiel: Als ich das erste Mal einen Song von euch hörte („Irland“) störte ich mich an deiner Stimme. Nach etwas Eingewöhnung und intensiverem Eintauchen in euren Sound („Knightrider Generation“) fand ich sie genial und einzigartig. Geht es nur mir so? Welche Reaktionen bekommst du auf deinen unverkennbaren Gesang? Vielen Dank! Oftmals ist es so, dass die Leute, die das neue Album hören immer ganz überrascht davon sind, dass ich tatsächlich irgendwie singen kann. Ich weiß nicht, ob ich einen eigenen Stil habe. Ich habe das nicht gelernt. Ich habe das genommen, was schon immer da war, wurde von den Sängern der Bands, die ich mag - teilweise be-

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wusst, teilweise unbewusst - beeinflusst und habe angefangen Lieder zu singen. Für die Wartezeit zwischen den beiden Alben habt ihr die EP EIN GESCHENK ins Netz gestellt, um den Fans Lieblings- und Bonus-Songs in akustischem, ruhigerem Gewand an die Hand zu geben: Darauf findet sich der Song „Mein Baumhaus“ mit Tom von Adolar. Auch auf der Split-Single des Intro-Magazins zum Thema Emo ist das Gespann MIKROKOSMOS23 & Adolar zu finden. Können wir uns auf dem Neuling auf eine weitere Zusammenarbeit freuen? Wie ist der Kontakt zu den Jungs? Wie schon gesagt, durch die lange Konzertpause war nicht viel mit Bands treffen. Ich hatte länger keinen Kontakt mehr mit den Boys. Deswegen hab ich mich auch besonders gefreut, dass Frank von Adolar uns letztens auf einer Show besucht hat. Eine Zusammenarbeit mit Adolar gibt’s diesmal nicht, aber dafür haben wir ganz viele andere tolle Leute mit an Bord gehabt: Carlos Ebelhäuser von Blackmail hat alle Bässe eingespielt, Felix Weigt, der in ungefähr jeder Hamburger Band spielte, spielt oder spielen wird, hat Keyboards eingespielt, die Bläser der Bandgeek Mafia waren dabei und die tolle Jessica Struch hat ein Lied mit mir gesungen!

Oft werdet ihr nach dem Grund für die Nummer im Bandnamen gefragt (; die Antwort war ja die Nummer des ersten Proberaumes in Meißen), wir drehen den Spieß einmal um: Von welchem Mikrokosmos ist die Rede? Das wird wohl damals der gewesen sein, den wir Vier miteinander dargestellt haben. Bisschen sehr pathetisch, aber so ist das, wenn man jung ist. An


den Moment, an dem wir uns MIKROKOSMOS23 genannt haben, kann ich mich leider gar nicht erinnern. Im Frühjahr 2013 tourt ihr nach einiger Abstinenz auch wieder, diesmal mit neuem Basser an Bord. Erzählt mal: Wie habt ihr ihn kennengelernt? Wohin verschlug es seinen Vorgänger Toni Petraschk? Toni investiert seine Kraft jetzt in andere Dinge wie Fotografie. Er hat schon mehrere Ausstellungen mit seinen Bildern gehabt und unterstützt uns da auch noch sehr mit seinem Talent. Auf der Suche nach einem neuen Bassisten wurde Steffen Oks von Mathias vorgeschlagen. Ich kannte ihn vorher gar nicht, er kannte komischerweise aber alle meine Freunde. Wir haben wohl ziemlich lange aneinander vorbei gelebt. Steffen ist der liebste Mensch der Welt und spielt unfassbar gut Bass.

Ihr seid alle Anfang 20, die Band verspricht sich mit dem Album sicherlich einiges. Für viele Hörer ist sie Bestätigung eines eben nicht immer allzu positiven Lebensgefühls. Was bedeutet MIKROKOSMOS23 für euch selbst? Wie weit soll der Weg zusammen noch gehen? Wo zieht ihr Grenzen und würdet im Zweifelsfalle aufhören? Für mich bedeutet die Band so ziemlich alles. Ich habe 90% meiner besten Freunde über die Band kennengelernt und mache das seit ungefähr acht Jahren. Ohne diese Band wäre meine komplette Jugend anders verlaufen und das hätte ich nicht missen wollen. Die Frage nach dem „Wie weit?“ kann ich nicht beantworten. Mir ist eine Chance gegeben und ich wäre blöd, wenn ich die nicht nutzen würde. Zum Abschluss: Wie bestreitet ihr als Spezialisten in Sachen Sentimentalität den grausamen Alltag, um nicht den Verstand zu verlieren? Ich koche mir was Leckeres, rauche eine Zigarette, meide Schnee und umgebe mich mit Leuten, die ich mag.

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SO PERFEKT TWO DOOR CINEMA CLUB IM KÖLNER E-WERK - 19. November 2012 von Jan Quasten

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s staut sich vor der Schanzenstraße 36 in Köln-Mühlheim. Ausverkaufter Konzertabend im E-Werk. Überall nur coole Menschen und auf den ersten Blick wird deutlich, mit Mitte 20 gehört man hier bereits zum alten Eisen. Nachdem die beiden Support Acts Kowalski (ganz gut) und Alt-J (stark!) ihre Arbeit verrichtet haben, betreten Two Door Cinema Club gegen 21:15 Uhr und nach einer gefühlten Ewigkeit, die via 90er Jahre Trashpop-Eurodance-Hits à la Dr. Alban gefüllt wurde, die hübsch dekorierte Bühne. (Man mag sich kaum vorstellen, dass es doch die Künstler selbst sind, die jene Pausenmusik auswählen.) Das sichtlich angeheizte Publikum, welches am heutigen Abend aus ca. 90% Adoleszenten besteht, verleiht seiner Vorfreude durch kontinuierliches Hüpfen Ausdruck. Der erste Song ist nicht mal zur Hälfte gespielt, da ereignet sich bereits Wundersames in den ersten Reihen: Inspiriert von welcher Textzeile oder welchem Riff auch immer, bildet das junge Blut einen Circle Pit, den man doch eher von Metal- oder Punkkonzerten gewohnt ist. Wenn solche Rituale nun schon adaptiert werden, dann doch bitte direkt auch eine elegante Modernisierung in Form eines seitwärtigen Handstützüberschlags, der akrobatisch eindrucksvoll inmitten des Kreises geturnt wird. Ganz schön hip! Die Herren vor dem in allen möglichen Farben leuchtendem Trapez (man beachte unbedingt: kein schnödes Hipsterdreieck!) performen derweil wie aus dem Lehrbuch - jeder Ton ein Tref-

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fer, jeder Saitenanschlag auf den Punkt. Sänger Alex Trimble verwöhnt seine Fans mit einer perfekten Stimme, so perfekt wie sonst nur auf CD. Verwerfen wir zügig den Gedanken, dass es sich hierbei um ein Konzert im Playback-Modus handelt, dann ist es gerade jene Perfektion, die das Ganze nicht perfekt macht; anders ausgedrückt: Das Menschliche und die damit einhergehende Interaktion zwischen Angebetetem und Anbetenden wird teils schmerzlich vermisst. Ergo, Kommunikation mit dem Publikum gibt es spärlich bis gar nicht. Bis auf ein „Guten Abend Cologne!“ nach den ersten Songs und einem „Prost!“ beim Ansetzen der Bierflasche, ist es nicht sonderlich viel, was die Musiker ihren Jüngern mitzuteilen haben. Das obligatorische „You‘re the best crowd of all time!“ oder so ähnlich, lassen wir dabei einfach mal unbeachtet links liegen. Auf humorvolle Anekdoten - irrwitzig, weil vom heißgeliebten Idol vorgetragen - müssen die Heranwachsenden verzichten. Doch was macht das schon, wenn man stattdessen, von Mama und Papa heute ausnahmsweise unbeaufsichtigt, Alkohol beziehen kann. In der Zwischenzeit setzt der nordirische Rotschopf sich auch gerne mal ans Piano und erweist sich als echtes Multitalent, was den Umgang mit Musikinstrumenten betrifft. Keine Frage, in diesem Moment steht eine unglaublich gute Band auf der Bühne, die ihr Handwerk bis ins kleinste Detail versteht und beherrscht. Indie, der poppiger nicht sein könnte. Ob von TOURIST HISTORY oder BEACON, ob „What You Know“ oder „Next Year“, ein Hit jagt den nächsten und den Anhängern bleiben kaum Verschnaufpausen.


Die brauchen sie auch nicht, denn sie sind jung und feiern sich, immer noch konsequent hüpfend, nur allzu gern selbst. Aalglatt wäre wohl ein weiteres Adjektiv, das sich bei diesem Ensemble unter der Kategorie Eigenschaften finden ließe. Trotz aller dargebotenen Professionalität mangelt es an waschechten Highlights. Ausreißer nach oben - geschweige denn unten! - gibt es so nicht. Gegen 22:30 Uhr heißt es dann während der Zugabe noch einmal „This is a rock n‘ roll song!“ und der Gitarrensound wird urplötzlich etwas härter, etwas dreckiger. „Bitte mehr davon!“ möchte man den Jungs zurufen, doch das Konzert ist jetzt aus.

herzten Schlag auf eine Reise durch die Halle zu schicken? Ein Gedanke schießt uns durch den Kopf: Backstreet Boys, sie sind wieder da! Nur irgendwie ganz anders. Irgendwie cooler und weniger albern. Irgendwie viel besser...

Was bleibt also hängen? Ist das Gesamtkonzept Two Door Cinema Club am Ende etwa tatsächlich so kantenlos und austauschbar, wie es uns mitunter vorkommt? Oder ist es bereits die hemmende Altersdepression, die in uns Mitzwanzigern nicht den Wunsch weckt, die von oben herabfallenden riesigen, weißen Luftballons ekstatisch schreiend zu begrüßen, um sie anschließend mit einem be-

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10 GRÜNDE FÜR EIN

Um Tenacious D angemessen zu huldigen, fällt dieser Nachbericht ein wenig anders aus als sonst. Die witzigste Rockband des Planeten hat auf ihrer Rize Of The Fenix World-Tour am 16. Oktober 2012 Zwischenstopp im heimischen Düsseldorf gemacht. Wir beschwören zehn gute Gründe für ein Tenacious D Konzert hinauf.

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Die 80er sind zurück! Zumindest, wenn man der Haapracht des in Scharen heranstürmenden Publikums trauen darf: Langes, wild-krauses Haar ist offiziell wieder en vogue.

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Die mit Patches albern benannter Metalbands gepflasterten Kutten, die ansonsten höchstens zum Wacken hervorgekramt werden, feiern heute ihr Revival. Selbst der gesetztere Mitt-30er hat heute nochmal exklusiv die Chance, das gebügelte Hemd gegen das biergetränkte Stück auszutauschen.

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Hipsterfreie Zone: Dem Publikum zu urteilen, mögen die ganzen Wannabe-Berliner und veganen Künstlertypen Jack Und Kyle nicht besonders. Kaum eines der possierlichen Wesen traut sich in den engen Jeans her. Und wenn doch mal eine enge Jeans zu finden ist, dann im rot-schwarzen Leomuster. Glam-Metal to the fullest! Doch auch der geneigte Hardrocker zeigt Gefühl und lässt tätowierte Lilien und Schnörkel vom Oberarm blitzen.

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Rock ist ja bekanntlich der Phallus der Musikstile – und da sind Tenacious D auch nur konsequent in Sachen Bühnenbild: Ein Phoenix, dem aktuellen Albumcover entsprechend, der zufällig aussieht wie ein gigantischer… Penis. Richtig gelesen. Sind wir nicht alle langsam aus dem Alter raus? Nein! Pünktlich zum Opener „Rize Of The Fenix“ erhebt sich das Glied im Phoenixgefieder mit breiten Schwingen und triumphierender Haltung. Das ist doch mal ein Statement!


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Ich habe noch auf keinem der geschätzt tausend besuchten Konzerte so viel, laut und unbeschwert gelacht wie bei The D. Klar, die Show zwischen den Songs ist bis ins letzte Detail durchchoreographiert, aber da sich Jack und Kyle nicht umsonst als Schauspieler verdingen, gleicht das Konzert schon fast einer musikalischen Comedyshow. Herrlich, wenn der Roadie im gleichnamigen Song seine 90 Seconds Of Fame verschwitzt, um von Jack Black persönlich wieder fluchend von der Bühne gejagt zu werden. Die deutschen Satz-Brocken von Jack und die Ansagen zu „The Metal“ („The strongest kind of rock music!“) sind nur das Sahnehäubchen auf dem Show-Kuchen.

von Marc Braun

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Jack Black ist ein Freund absurder Geräusche. Gegen Ende des Konzertes ergründet er mit seiner Stimme minutenlang alle Tonarten, die die Welt je gehört hat. Das klingt zu aller Überraschung sogar ganz gut! Sein Gesang jedenfalls ist über die gesamten zwei Stunden wundervoll abwechslungsreich. Auch der Sound bringt Druck in die letzten Winkel der Mitsubishi Electric Halle.

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Sehenswert: Die Art, wie Kyle Gass seine Akustik-Gitarre hält. Ohne Gurt balanciert er sie, stets in absurd-schrägster Lage, auf seinem Dauer-Babybauch. Der Wunsch, ihm Bela B’s „Gitarre runter“ vorzuspielen, konnte nur unter Aufwendung größter Willensbeherrschung unterlassen werden.

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Ausgedehnte Soli: Jedes der vier Supportband-Mitglieder der beiden Akustikhelden bekommt jeweils seine zwei Minuten Solo spendiert und erntet dafür mindestens so viel Applaus wie das Duo selbst. (Randnotiz: Ein unisono gebrülltes Publikum-Anfeuern „D! D! D!“ klingt besser, als es sich liest). Schön auch, dass Herr Black sich höchst selbst ansagt und dafür feiern lässt.

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Ein wahres Konzert-GZSZ-Drama entspinnt sich, als Kyle die Band verlässt („Kyle Quit The Band“) und schon Richtung Düsseldorfer Flughafen reist, nur um im nächsten Song „Friendship“ zurückzukehren und ein zartes Liebes-Duett zwischen ihm und Black zu entfachen.

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Um die sexuellen „Hinweise“ noch einmal zu betonen, senkt sich der Phoenis (so nenne ich den VogelVögel-Hybriden einfach mal) im 20-minütigen „Double Team“ gen Publikum und schleudert die weiße Ladung in dessen Richtung (auf dem sich, so die Legende, die Antlitze der Beiden befinden). Das wird heute für viele Zuschauer das erste Mal in mehrerlei Hinsicht gewesen sein. Nach einer zweiten Konfetti-Sperma-Attacke senkt sich der erhabene, aber entleerte Phoenis und sackt in sich zusammen. Übrig bleiben die Schwingen des geäscherten Phoenix. Wie es der Zufall will, muten die beiden Schwingen einem weiblichen Hinterteil an und die großen runden Schwingen bilden einen verdächtigen Kreis, unter dem sich eine Vagina gigantischen Ausmaßes befindet.

Nach der letzten Zugabe-Ballade „Fuck Her Gently“ entschwinden Kyle und Jack auch folgerichtig in genau in dem Geschlechtsteil, aus dem sie einst entsprangen. Das hochamüsante Theater findet nach allen fünf Akten (hihi, Akt) seinen würdigen Abschluss. In vielen Belangen ein großes Konzert.

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DIE SEGEL SIND GESETZT IDLE CLASS - STUMBLING HOME von Florian Zandt

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rücken einreißen, Leinen los, ab ins Unbekannte. Idle Class machen aus der Not eine Tugend. Denn manchmal ist es heilsam, sich neuen Dingen zuzuwenden. Ansonsten hätte die Band, deren Mitglieder es aus den verschiedensten Ecken in die Studentenhochburg Münster verschlagen hat, wohl ihre Debüt-EP STUMBLING HOME nie veröffentlicht – und was für ein Brocken melodischer Punk mit Herz uns dann verloren gegangen wäre, möchten wir uns lieber nicht vorstellen. Denn eines merkt man, direkt nachdem das Musikzitat aus dem namensgebenden Film mit Charlie Chaplin in der Hauptrolle ausgeklungen ist: Wie ein Debüt hört sich STUMBLING HOME wirklich nicht an. Klar, auch vor Idle Class waren die Mitglieder der Band in verschiedensten musikalischen Gruppierungen tätig, beispielsweise bei Stand Fast oder Goodbye Fairground. Die Spuren der Vorgängerbands merkt man dem Sound aber nur bedingt an. Das Schlagzeug ballert, die Gitarren singen und der Bass prügelt den rotzigen, aber immer melodischen Grundtenor der Band weit nach vorne, direkt ins Ohr des geneigten Hörers. Was da musikalisch zusammengebastelt wird, muss sich vor ähnlich klingenden Bands wie The Riot Before, Hot Water Music oder den Flatliners nicht verstecken.

den neuen Ufern hat nicht viel mit Innovation zu tun. Zeilen wie „When it comes to talking about hometowns/I ain’t got much to say/Cause there’s nothing that ever happened/That would last on forever“ aus dem Opener der Platte treffen aber trotzdem genau ins Herz. Wer kennt das beschriebene Gefühl nicht? Wenn das Ganze dann noch von Benni und Tobi in klassischer Call and Response-Manier durch die Boxen geträllert wird, nickt man nicht nur gedanklich mit. Wenn alle Treffen, die „down by the docks where elephant and giraffe meet“ stattfinden, so enden, sollte man vielleicht etwas öfter nach Münster pilgern. Denn die Welt braucht mehr Bands wie Idle Class.

Dass Idle Class aber eben nicht über den großen Teich gehüpft sind, sondern ihre Zelte in heimischen Gefilden aufgeschlagen haben, wird in den Texten klar. Zugegeben, die Metapher mit

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DAS GEPLAGTE HERZ SUPERMUTANT - F R V R von Marc Braun

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ehn Songs können eine Menge mit dir anstellen...

Was passiert, wenn man Punk lange genug kippt und wendet und die Gitarristen in die Hamburger Schule steckt? Um das herauszufinden, dauert es drei Jahre, ein paar verheizte Bandmitglieder und zehn Songs. Auf Supermutants Debüt F R V R finden sich Stücke, die den so oft zitierten und gescheiterten Drahtseilakt von Eingängigkeit und Punk hinkriegen wollen. Mit weichgespültem Poppunk hat das Ganze hier trotzdem rein gar nichts zu tun.

Doch eins nach dem anderen: Erste Signale schickte die vierköpfige Truppe aus Mönchengladbach 2009 mit der EP LICHTERLOH voraus. Der Gesang: Angenehm schief. Die Gitarren: Catchy, aber ohne Willen zur Perfektion. Das machte Hunger auf mehr und bot den idealen Appetizer für den Punk mit Herz, hier allerdings mit einer kräftigen Note Indie-Aroma. Dann wurde es still um die Truppe, deren Zukunft mittlerweile in der Schwebe lag. Nun proklamiert das Gespann: „Forever als Lebensgefühl - das Hier & Jetzt, das totale Leben“. Und genau im Hier & Jetzt ist der Sound angekommen. Der helle Gesang schwurbelt immer noch so kraftvoll wie eh und je über die Gitarrenläufe. Und überhaupt: Diese gekonnt beackerten Gitarren, die feinen Melodien, die starken Bassläufe: Alles wirkt so unfassbar stimmig, dass man erstmal nach Luft schnappen muss. Und natürlich

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der Gesang: Aufgeräumter wirkt er, gereifter. Wo Yanns Stimme hinschallt, da hallt es im Kopf nach und kribbelt sanft auf der Haut. Man verliebt sich innerhalb von Sekunden: Großen Anteil daran haben vor allem die nachdenklichen Texte. Hier dichtet eine jener Seelen, von denen du weißt, dass sie auf einer Wellenlänge mit dir liegen. So nah am eigenen Gefühl, dass man sich ein um’s andere Mal fragt: „Mensch, woher weißt du das?!“ So anders und alternativ wir uns alle zum Rest der Leute fühlen, so ähnlich sehen wir eben doch manchmal auf bestimmte Gefühlslagen zurück. Der Hörer darf sich auf eine Konfrontation der schwierigen Sorte einstellen: Die Mutanten zwingen ihre Hörer dazu, sich mit sich selbst, seinen Entscheidungen und Beziehungen zu beschäftigen. Manch einer wird dem bildgewaltigen Storytelling vielleicht vorwerfen, dass das ganze Elend doch so gar nicht zu erleben wäre. Und das würde man Sänger Yann seiner eigenen Gesundheit willen auch wünschen. Aber verdammt


nochmal – hier ist vieles einfach direkt aus dem Herzen in den Songs gelandet. Wer so nah am Gefühl schreibt und trotzdem genug Raum lässt, dass man sich seine eigenen Abzweigungen und Handlungsspielräume bewahren kann, dem kann man nur danken, dass er das alles erlebt hat. Besonders ergreifend und vereinnahmend sind Zeilen wie „Alles verloren im Rausch der Liebe, wenn du an deinem Kissen leckst, mein Salz auf deinen Lippen schmeckst“. Diese Momente der melancholischen Euphorie ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album. Beweise? „Und aus den Trümmern ihres eigenen Ichs, zuckt sie mit den Schultern, weil sie längst vergessen hat, mit wem sie schläft und wer sie ist.“ Den Vorwurf des Poppunks muss sich F R V R indes nicht gefallen lassen: Klar, die Eingängigkeit macht es Neulingen leicht sich in den Soundkosmos ohne langen Anlauf einzufinden, aber der Punkbackground wird zu keiner Zeit verschwiegen, sondern ergänzt die Soundstruk-

tur um weitere Facetten. Man achte nur einmal auf die schnell changierenden Gitarennläufe oder das Salvenfeuer der Drums, das immer an den rechten Stellen ausbricht. Die zehn Songs funktionieren einzeln, wirken auf Albumlänge trotzdem so abwechslungsreich, dass man sich kaum von diesem graudunklen Gesamtgemälde lösen kann, dass hier Wort für Wort gemalt wird. Wer sich bei Adolar, Matula, MIKROKOSMOS23 und Captain Planet aufgefangen fühlt, der wird in Supermutant einen weiteren Hochkaräter in Sachen Herzpunk finden. Stolpersteine wie Plattitüden und große, jedoch leere Gesten umschifft das passionierte Gespann gekonnt. Denn jeder Song beherbergt eine Vielzahl von Betrachtungsebenen. So verbirgt sich hinter dem mit bittersüßen Saiten ausgestattetem Titel „Sopor“ eine Bewusstseinsstörung, in dem sich der Patient in einem schlafähnlichen Zustand befindet. Nur durch starke äußere Reize können körperliche Reaktionen ausgelöst werden. Man spricht in diesem Zu-

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sammenhang gar von Todesschlaf. So singt Yann: „Und wenn du ihn fragst, wie’s ihm geht, dann sagt er 0 und wartet auf die 1 am nächsten Morgen. Und er weiß, es ist schon spät und er muss jetzt gleich auch schlafen gehen. Aufgewacht im Minenfeld, und dreht er seine Kreise. 22 Schritte Zweifel entscheiden, ob er fällt. Entsetzt schließt er die Augen und glaubt nicht, was er sieht unter seinen Augenlidern, so kann er auch nachts nicht fliehen. Durch H A L T E N und nicht Auf G E B E N, weiß und plakatiert, so kann er auch nichts fliehen. Ohne Mut an seiner schlägt nur ein wildes Herz auf ihn ein.“ Solche Schicksale macht Yann erfahrbar, indem er aus der Sicht des Patienten selbst erzählt. Doch während es vordergründig um ebendiesen Todesschlaf geht, strickt der Hörer schon Verstrebungen zum Liebesleid. Taubheit als Gefängnis des eigenen Ichs und der Schmerz als einziger Weg, um wenigstens irgendwas zu spüren. Der Sänger hat etwas zu erzählen, das ebenso in Kurzgeschichten passen könnte. Während man gedanklich noch zwischen den Zeilen liest, untermalt Supermutant das alles mit dem, was eine gute Platte ausmacht: Kein Wunder, dass auch Chöre nicht fehlen dürfen, wie z. B. beim mitreißenden „Brady Cardia“. Zufällig ist der Song ebenfalls nach einer Störung des Köpers benannt: Bradykardie bezeichnet in der Medizin einen Herzschlag unter 60 Schläge pro Minute. Als Metaphern funktionieren und überzeugen

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solche Songs und wirken überaus eigenständig. Denn man findet sich selbst in den Abgründen der Texte wieder: Dieser Moment, wenn der Körper Signale sendet, die das Herz nicht mehr auffangen kann. Wenn man vor Verzweiflung das Leid herausschreien will und trotzdem nur ein Schweigen durch den kahlen Raum schneidet. Wir lernen: Das Titelthema der unglücklichen Liebe verliert eben nie an Bedeutung in der Kunst. Gut für F R V R, denn das schlägt nur so mit Befindlichkeiten um sich. Mit dem Debüt gelingt es dem Vierergespann auf Anhieb zu überzeugen. Die drei Jahre der Wartezeit zwischen EP und Platte haben sich wirklich gelohnt. F R V R weckt Sehnsucht: Nämlich nach Konzerten, in denen man sich den Trümmerhaufen Gefühlswelt endlich mal wieder von der Seele pogen kann. Wo der Erstling F R V R einschlägt, da muss sich erst einmal gesammelt werden: Texte, wie sie mich besser nicht bestätigen können, Gitarrenläufe, die mein Ohr umschmeicheln und an den richtigen Stellen den Querverweis zur Punkvergangenheit wecken, dazu ein ungebügelter Gesang, dem man das ganze Gefühlselend glaubt: All das kann nicht beschreiben, wie sehr die Jungs für sich einnehmen. So schnell hat sich noch niemand einen Platz in meiner „Platten für alle Zeiten“-Kiste erspielt. Und das will etwas heißen.


DAS SCHALLHAFEN - TEAM

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ir, ein Team aus Freibeutern (und Studenten verschiedenster Geisteswissenschaften), bieten dem Leser ein genreübergreifendes Musikmagazin, das die Segel in Gefilde außerhalb des Pop- und Chartnebels setzt. Grenzen sind uns fremd. Und um den Weitsicht raubenden Nebel des großen Meeres zu entkommen, schippern wir stets Richtung kleinerer, vielleicht unentdeckter Gewässer, die durch ihre atemberaubende Unterwasservielfalt einen ganz eigenen Charme besitzen und mindestens so wertvolle Schätze beherbergen wie der Pop-Atlantik. Im Schallhafen wird aber nicht nur der Musikliebhaber und Konzertjunkie bedient, sondern Film- und Serienfreunde oder gar der angeblich so uncoole Bücherverfechter bekommt einen Lichtblick vom Leuchtturm des guten Geschmacks. Alles nur, damit der mutige Seefahrer am Ende des Tages im sicheren Hafen einlaufen kann und weiß: Ich bin endlich angekommen! Unser Credo: Wir schreiben ehrlich, kritisch und mit Herz. Wir wollen mit unserer Arbeit gezielt Künstler fördern, hinter denen kein großes Management steht, die es aber verdienen, einem größeren Publikum vorgestellt zu werden. Marc Braun, Redaktionsleiter Der Gründer des Schallhafens und coolibri-Redakteur ist stets getrieben: Inmitten der allgegenwärtigen Alltagstristesse der unermüdlich fordernden Leistungsgesellschaft begleitet ihn seit jeher Musik der leidenschaftlichen Sorte, um trotzdem atmen zu können. Wo mitreißender Ton auf ergreifende Lyrik trifft, flimmert sein Herz vor Freude. Deswegen lässt er sich intensive Konzerte in vornehmlich kleinen Clubs nie entgehen. Luftholen kann so befreiend sein. Kontakt: marc@schallhafen.de Jan Quasten, Redakteur Als eine tragende Säule des Teams ist der vinylaffine Germanist immer auf der Suche nach dem nächsten Highlight. Ohne Scheuklappen und mit dem Auge fürs Detail kämpft er sich furchtlos durch den musikalischen Dschungel. Dabei sind es vor allem die großen Namen längst vergangener Tage, die sich tief in sein Herz gespielt haben und ihn stets auf seinem Weg begleiten. Kontakt: jan@schallhafen.de

Außerdem gehören zum Team: Stuffi Herzog, Erhan Köken, Michael Schmidt, Florian Zandt, Pascal Ziemen

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Ansprache und Danksagungen Im Jahre 2010 (noch unter anderem Namen) aus der Passion geboren, dürfen wir mittlerweile auf zahlreiche magische Momente zurückblicken. Beispiele gefällig? Da wäre das pure Glücksgefühl während des Beirut-Konzertes auf dem malerischen Open Source Festival 2012, das Interview mit Lieblingsherzmusiker ClickClickDecker beim Fest Van Cleef 2011, das Rollkoffer-Curling auf der Straße nach dem Herrenmagazin-Auftritt oder das idyllische Schlosspark-Shooting mit den (w)irren Jungs von Susanne Blech. 2013 vollziehen wir die Namensänderung in Schallhafen, samt taufrischem Logo und neuer Domain. Und siehe da: Wir präsentieren höchst offiziell Konzerte, entfalten Tag für Tag das erste Tourtagebuch mit Supermutant und begrüßen neue Schreiberlinge. An dieser Stelle möchte ich meinem gesamten Team für die tolle Mitarbeit danken! Besonders erwähnt sei an dieser Stelle Christiane Ebrecht, der ich viele Stunden für die fabelhafte Illustration dieser Ausgabe geraubt habe: Es hat sich jede Minute davon gelohnt. Wir freuen uns, euch weiterhin Bands ans Herz zu legen, die zum Denken anregen, Gefühlsstürme auslösen oder einfach zum leichten wie harten Tanz animieren. Zu Hause ist, wo der Wohlklang herrscht. Marc

Impressum Redaktionsleitung

Marc Braun

Redaktion

Marc Braun, Pascal Ziemen, Jan Quasten, Florian Zandt, Erhan Köken, Michael Schmidt, Stefanie Herzog

Logodesign, Artdirektion/Layout, Illustration

Christiane Ebrecht S.21 nach dem Originalartwork von Josua Riebers

Original Maskottchen-Design

Jonas Dreyer

Web-Umsetzung, Technical Support

Sebastian Brüning

Links

www.schallhafen.de www.facebook.com/Schallhafen

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Schallhafen Magazin #1  

Schallhafen.de – Endlich angekommen: Das Magazin für Herzmusik, Hirnfutter und Popkultur aus Düsseldorf.

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