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Gesundheitswirtschaft

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MedTech  & MEDICA

Digitalisierung MDR

Großgeräte

Medizinprodukte

Biophotonik Miniaturisierung

Künstliche Intelligenz Patienten Logistik Spracherkennung Hygiene

Avatare ÖKZ EXTRA: MedTech & MEDICA 2019

P.b.b. GZ 02Z033434 M

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Verlagspostamt: A-8041 Graz, Kasernstraße 80/8/25

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www.schaffler-verlag.com

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ISSN 0472-5530


© Sissi Furgler

Inhalt Nicht allein Haben Sie Avatar gesehen? Der ziemlich genau zehn Jahre alte Film von James Cameron ist laut Wikipedia der erfolgreichste Streifen aller Zeiten. 2,78 Milliarden Dollar hat er bisher eingespielt. Kein Wunder. Die mit digitalen 3DKameras gefilmten Wunderwelten des Planeten Pandora sind sehenswert. Die Handlung ist, wie meist bei Science-Fiction, reichlich kompliziert. Aber am Ende siegt das Gute – und der Held, von der Hüfte abwärts gelähmt, schlüpft in den intakten Körper seines Avatars. Sieht man sich in der modernen Medizintechnik um, ist diese Vision – abseits vom Hollywood-Brimborium – gar nicht mehr so futuristisch. Schon bald werden die digitalen Zwillinge von Rheumapatienten an einen Palmenstrand geschickt: Die Wärme ist gut gegen Arthritis. Technisch ist alles möglich, bloß die rechtliche Seite muss noch geklärt werden. Auch sonst tut sich in der Medizintechnik so einiges. Allein die Entwicklung der bildgebenden Verfahren in den letzten 30 Jahren ist atemberaubend. Und was Prothesen, etwa Cochlea-Implantate, heute vermögen, davon konnten Menschen mit Hörbehinderung vor wenigen Jahren nur träumen. Wir haben in diesem EXTRA MedTech & MEDICA die inte­ ressantesten Neuerungen für Sie zusammengestellt. Im Branchenverzeichnis auf www.schaffler-verlag.com finden Sie sämtliche Informationen über Anbieter und Messen auf dem Gebiet der Medizintechnik.

Wo die Zukunft schon begonnen hat 03 Hand in Hand mit dem

digitalen Doppelgänger

Wo es Forschung gibt 08 Hören müssen, können, dürfen:

Auswirkungen von Gehörlosigkeit

Was die Rückschau zeigt 15 Vom Schneegestöber zum

gestochen scharfen Bild – Großgeräte in den letzten 30 Jahren

Wo es Organisation braucht 18 Herausforderungen in

Kommunikation und Logistik: Vernetzung wird wichtiger

Was Unternehmen leisten 06 Siemens Healthineers:

Daten effektiv nutzen

07 Standortagentur Tirol:

Hilfe zur Selbsthilfe

12 Messe Düsseldorf:

COMPAMED Innovationsforum

14 Axonlab: Sediment und Harnstreifen –

kompakt und zuverlässig

16 TÜV Austria:

Andrea Nicolaus nicolaus@schaffler-verlag.com

Kompetenz in der Medizintechnik

19 Sumetzberger:

Rohrpost im Krankenhaus 4.0

Impressum nach § 24 MedienG: Medieninhaber: Schaffler Verlag GmbH, DVR 1031911, A-8041 Graz, Kasernstraße 80/8/25, T: +43(0) 316 820565-0, F: +43(0) 316 820565-20, E: office@ schaffler-verlag.com, Web: www.schaffler-verlag.com. Druck: Dorrong, Graz. Herausgeber: Mag. Roland Schaffler, roland@schaffler-verlag.com, am Standort Redaktion Graz: A-8041 Graz, Kasernstraße 80/8/25. Auf die Hinzufügung der jeweiligen weiblichen Formulierungen wird bei geschlechtsspezifischen Hinweisen im Sinne der flüssigen Lesbarkeit und einer angemessenen Sprachqualität zum Teil verzichtet. Alle personalen Begriffe sind sinngemäß geschlechtsneutral zu lesen. Weitere Informationen und Offenlegung nach § 25 MedienG: www.schaffler-verlag.com > ­ „Impressum“. Datenschutzerklärung: www.schaffler-verlag.com/datenschutzerklaerung

2 ÖKZ EXTRA: MedTech & MEDICA

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©kentoh - stock.adobe.com

Wo die Zukunft schon begonnen hat

Hand in Hand mit dem digitalen Doppelgänger Spätestens seit dem 2009 erschienen Science-Fiction-Hit Avatar wächst der Wunsch, sich einen Zwilling maßschneidern zu lassen. Auch in der Medizin. Und dieser Wunsch wird erfüllt. Avatare könnten uns bald nicht nur im Film in andere Welten bringen, sondern auch im ganz realen Krankenhausalltag. Bettina Benesch

E

s sind nur wenige Schritte zum digitalen Doppelgänger: Es braucht einen leistungsfähigen Computer, eine Virtual-Reality-Brille, zwei Steuerungselemente und einen Bewegungsmelder. Dazu eine Firma, die den Avatar schafft und ihn in die virtuelle Welt einbindet. Die Kosten sind überschaubar: Ab 500 Euro ist man mit von der Partie. Wie geht es dann weiter? Man trifft sich im (zuvor geschaffenen) virtuellen Raum – ganz so, als würde man einander gegenüberstehen oder -sitzen.

Ausbildung weltweit kostengünstig möglich

Rainer Schoditsch

Nicht nur Chefs internationaler Konzerne können sich auf diese Weise einfach und sozusagen im Pyjama mit ihren Mitarbeitern treffen, ohne tausende Kilometer hinter sich zu legen: Auch in der Medizin erwarten sich Experten künftig große Fortschritte durch diese Technologie. „In den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird alles, was in der realen Welt möglich ist, auch in der virtuellen Welt

umgesetzt“, sagt der Soziologe Thomas Druyen, Leiter des Instituts für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien: „In einem virtuellen Krankenhaus gibt es Patienten, die sich aus aller Welt auf dieser Plattform einfinden können. Sie sitzen in Indien und sprechen mit ihrem Arzt in Wien. Ohne zu reisen und damit ohne die Umwelt zu belasten und vor allem ohne die Kosten dafür tragen zu müssen. Jede Diagnose, jedes Arztgespräch kann mithilfe dieser virtuellen Erweiterung umgesetzt werden.“ (Siehe Interview).

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Jurist Nikolaus Forgó: Es braucht eine mutige, zukunftsorientierte Gesetzgebung.

Eine wichtige Rolle dürfte die Avatar-Technologie künftig in der Ausbildung junger Mediziner spielen. So könnten Leichen digital seziert werden und der Avatar mal schnell eine Vorlesung in Abu Dhabi oder New York besuchen. Auch in Altersheimen sehen Experten viel Potenzial, um den Heimbewohnern soziale Kontakte in die ganze Welt zu ermöglichen. Wer nicht mehr mobil ist, für den geht der Avatar auf Reisen. Durch die Dreidimensionalität innerhalb des virtuellen Raums, in dem man sich trifft, entsteht ein Gefühl von echtem

ÖKZ EXTRA: MedTech & MEDICA 3


Kein Medizinprodukt Rechtlich gesehen gelten im Hinblick auf die Avatar-Technologie die allgemeinen datenschutz-, datensicherheits- und medizinrechtlichen Regelungen, erklärt Nikolaus Forgó vom Institut für Innovation und Digitalisierung im Recht in Wien. Spezielle Normen, die sich nur mit Avataren beschäftigen, gebe es nicht. Als Medizinprodukt gilt der Avatar nicht – solange man sich mit ihm nur auf dem Boden der Aufklärung und Information bewegt. Wichtig sei, so Forgó, dass der Patient im Vorfeld ausreichend informiert werde und wisse, was der Avatar warum tut oder empfiehlt. Die Avatar-Technologie entwickelt sich – wie auch andere Innovationen im Gesundheitswesen – in großen Schritten weiter. Alte Normstrukturen kommen da schwer mit. Nikolaus Forgó sieht es daher als notwendig an, dass sich die Gesetzgeber in Europa für Innovationskultur einsetzen. Erste Versuche seien nur ansatzweise vorhanden, „sodass europäische Anbieter, die europäischen Standards verpflichtet sind, schon jetzt erneut ins Hintertreffen geraten“. Es brauche eine mutige, zukunfts­ orientierte Gesetzgebung, die den Änderungen nicht mehr hinterherhinke, sondern sie aktiv mitgestalte. :: Bettina Benesch, Journalistin, Pöchlarn buero@bettinabenesch.at

„Die Medizin muss sich neu erfinden“ Thomas Druyen forscht am Institut für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement zum Thema Avatare in der Medizin. Im Gespräch mit der ÖKZ erzählt er von der Faszination Avatar und wie sich unsere Welt dadurch verändern könnte. Sie beschäftigen sich seit einigen Jahren wissenschaftlich mit dem Thema Avatare. Welche Möglichkeiten eröffnet die Technologie in der Welt der Medizin? Thomas Druyen: Die Möglichkeit, in einem virtuellen Krankenhaus oder einem Smart Hospital Gespräche mit Patienten, mit besorgten Eltern, mit Pflegekräften oder Assistenzärzten zu simulieren, bedeutet erleichterte Kompetenzvermehrung. Sie können Personen zuschalten, egal wo sie sind. Auch zur Erleichterung medizinischer Ausbildung dient diese Technologie, denn ein Know-howSharing ist auf diesem Wege viel leichter möglich. Nicht zuletzt kann jeder Arzt oder jede Krankenschwester im virtuellen Raum mit externen Patienten oder Besorgten reden, ohne dass sie persönlich in die Praxis oder ins Krankenhaus kommen müssen. Was sind die konkreten Vorteile, die ein Avatar für die Patienten und das Gesundheitswesen haben kann? Druyen: Das ist ein weites Feld. Daher möchte ich nur über zukunftspsychologische oder sozialpsychologische Anwendungen sprechen. Und in diesem Zusammenhang gibt es keinen Zweifel, dass seelische Not, Überforderung, Angst und Orientierungslosigkeit mithilfe der Vertrautheit in virtuellen Räumen kompensiert werden können.

Andrea Sojka

Zusammensitzen. Die Avatar-Technologie kann also mehr als ein Videotelefonat. Das erklärt vermutlich auch den Effekt, den der Aufenthalt im virtuellen Raum auf die Psyche hat. David Matusiewicz, Professor für Medizinmanagement an der FOM Hochschule in Essen, erzählt von der körperlichen Reaktion auf einen virtuellen Strandbesuch: „Es gibt Studien, die zeigen, dass das Gehirn von Rheuma-Patienten auf die simulierte warme Umgebung am Strand positiv reagiert: Die Simulation stärkt das Immunsystem und aktiviert die Selbstheilungskräfte. Man nennt das den digitalen Placeboeffekt.“

Eine zukunftspsychologische Nutzung der Avatar-Technologie ist immer nach vorne gerichtet. Wir arbeiten präventiv und antizipativ. In der Beschäftigung mit der Zukunft und verschiedenen möglichen Optionen stärken wir die aktive Widerstandskraft und

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die Flexibilität, mit Überraschungen umzugehen. Lebenssituationen, die wir im Kopf mehrfach durchgespielt haben, sind im Ernstfall besser zu gestalten. Dieses geistige Probehandeln trägt auch zur Stressreduktion bei. Der Avatar ist mein Zwilling. Er ist 24 Stunden mit dem Internet verbunden. Er forscht unentwegt nach Themen und Neuerungen, die meine Arbeit betreffen. Er weiß, was ich lesen muss. Er kennt meinen Gesundheitszustand, authentisch und in Echtzeit. Er weiß, wer wann Geburtstag hat und hat alle meine jemals geschriebenen E-Mails im Kopf. Er kennt meine Arbeitsverträge, meine Termine und Pläne. Er wird zur rechten und linken Hand, um all das Wissen zu ordnen und mir adäquat zur Verfügung zu stellen, das ich schon längst nicht mehr überblicken, verstehen und erahnen kann. Er ist mit Sicherheit mein Gesundheitsberater und wird mir helfen, endlich präventiv zu sein. Wird die Avatar-Technologie in der Privatwirtschaft oder von Regierungen bereits genutzt? Druyen: Na klar, auch wenn uns als breitem Publikum diese Neuerungen noch teilweise utopisch erscheinen, sind sie im Silicon Valley, bei Startups in Tel Aviv oder bei anderen digital Eingeweihten längst vertraut und Bestandteil des alltäglichen Arbeitens. Ein Konzernchef, der in fünfzig Ländern tätig ist und regelmäßig seine Repräsentanten treffen muss, für den ist diese Technologie ein wahrer Segen. Anstatt fünfzig oder hundert Mal zu fliegen, setzt er sich seine virtuelle Brille auf, im Pyjama oder im Büro, und spricht im virtuellen Besprechungsraum jeweils einzeln oder mit Kollegen die

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Gunter Dreissig

Wo die Zukunft schon begonnen hat


Wo die Zukunft schon begonnen hat

Soziologe Thomas Druyen: Die gesamte Medizin muss sich neu erfinden.

anstehenden Themen durch. Vor allem in Universitäten wird diese Technik immer mehr eingesetzt. Wir lösen uns von der geographischen Notwendigkeit. Das heißt, ich lebe in New York und studiere trotzdem in Wien. Wie können wir uns in rechtlicher Hinsicht auf die neue Technologie vorbereiten? Druyen: Die Frage ist, ob die Rechtswissenschaft weiterhin nur auf neue Entwicklungen reagiert oder selbst spekulativ und experimentell tätig wird. Wir brauchen bald ein präventives Rechtssys­ tem, das sich konkret mit Möglichkeiten und Utopien auseinandersetzt, und nicht immer nur wartet, bis es etwas Neues zu

regeln gibt. Das ist nämlich die Krankheit unserer Zeit. Im Verhältnis zur exponentiellen Technologie kommt die konventionelle Wirklichkeit immer zu spät. Wir müssen uns alle beschleunigen. Und die Medizin ist der ideale Ort für Voraussicht, Früherkennung und professionellen Mut. Was braucht es Ihrer Meinung nach für eine gute Entwicklung in der Zukunft? Druyen: Aus meiner Sicht beginnt jede Gesundheitsversorgung heutzutage bei der emotionalen und psychischen Vorsorge. In Zeiten radikaler Veränderungen beobachten wir defizitäre Verwerfungen im menschlichen Verständnis. Wir bli­ cken nicht mehr durch. Das macht uns krank. Insofern glaube ich, dass sich die gesamte Medizin im Umgang mit ihren Patienten, mit den Krankenkassen, mit den Ärzten, mit sich selbst und ihrem System bezüglich zukünftiger Funktionalität neu erfinden muss. Wenn wir nicht lernen, in Prozessen zu denken, Gegensätze zu überwinden und Vorteile dem Gemeinwohl zuzuführen, gibt es ein bö-

ses Erwachen. Wir erleben ja gerade im Bereich der Politik, wie sich ein System durch Inkompetenz, Rückwärtsgewandtheit und Ignoranz selbst beerdigt. Noch ist Zeit, einem selbstgeschaffenen Paradies wieder einen Schritt näher zu kommen. Leider sind 80 Prozent der Menschheit bisher davon ausgenommen. Was die Menschheit bisher erreicht hat, ist unglaublich und grandios. Künstliche Intelligenz und Robotik sind Ergebnisse menschlichen Denkens und humaner Schöpferkraft. Die Errungenschaften der Menschheit stehen aber nur denjenigen zur Verfügung, die sie sich auch leisten können. Insofern ist unser ethisches System nicht in gleicher Weise gewachsen wie zum Beispiel unsere technische Kompetenz. Das führt zu großer Ungerechtigkeit und sollte dringend kompensiert werden. Die Vermögensunterschiede und die Einkommensunterschiede sind global und innerhalb der einzelnen Länder so groß, dass nur noch schwer von Gemeinschaften gesprochen werden kann. ::

„Nicht zu Sehen trennt von den Dingen. Nicht zu Hören von den Menschen.“ Immanuel Kant

Hightech aus Österreich – Für jede Art von Hörverlust eine Lösung.

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Was Unternehmen leisten

Foto: © Siemens Healthineers

Daten effektiv nutzen Benutzeroberfläche von Syngo.via installiert werden, sodass sie nahtlos in den klinischen Alltag integriert werden können. Auch Cios OpenApps für mobile C-Bögen werden zukünftig den Workflow im OP verbessern können, ohne in zusätzliche Hardware investieren zu müssen. Der große Vorteil: Gesundheitsversorger und Patienten profitieren von einer immer breiteren Palette medizinischer Anwendungen. Hand in Hand mit teamplay

Das Siemens Healthineers Digital Ecosystem wurde eingeführt, um die Chancen, die Gesundheitsdaten bieten, zu nutzen und so allen Interessensgruppen im Gesundheitswesen dabei zu helfen, eine patientenzentrierte Gesundheitsversorgung aufzubauen.

D

ie Digitalisierung im Gesundheitswesen birgt ein hohes Potenzial: Gesundheitsversorger können ihre Ergebnisse verbessern und gleichzeitig Ressourcen sparen. Patienten können mehr Kontrolle und Selbstbestimmung über ihre Gesundheit erhalten. Der wichtigste Ansatzpunkt ist die bessere Nutzung der unglaublich schnell wachsenden Menge an Gesundheitsdaten – ob Bilddaten, Laborwerte, pathologische Befunde oder Protokolle.

Entgeltliche Einschaltung

Netzwerk aus innovativen Dienstleistungen und Anwendungen Das Digital Ecosystem bietet Patienten, Anbietern und Kostenträgern eine offene und gesicherte Umgebung, um Gesundheitsdaten zu nutzen. Es integriert und verbindet effektiv Daten und Wissen aus einem weltweiten und vielseitigen Netzwerk aus Interessenvertretern im Gesundheitswesen. Es wurden digitale Angebote entwickelt, um dabei zu helfen, auf datenbasierten Erkenntnissen zu besseren Entscheidungen zu kommen. Das Ziel ist es, Lösungen für vielfältige Aufgaben im klinischen, operativen und

finanziellen Bereich bereitzustellen – sei es cloudbasiert oder durch lokale Installation. Bis heute sind fast 2.000 Institutionen aus rund 50 Ländern Teil dieses Digital Ecosystem. Das Spektrum an Mitgliedern, Daten und digitalen Angeboten soll – basierend auf gemeinsamen Fähigkeiten – kontinuierlich erweitert werden. Daraus sollen praktisch umsetzbare Erkenntnisse für innovative Anwendungen und Services gewonnen werden. Siemens Healthineers wird dies mit dem eigenen Entwicklerteam sowie durch offene Programmierschnittstellen (APIs) mit einem großen und vielseitigen Pool an innovativen Entwicklungspartnern vorantreiben. Digital Ecosystem Store

Das Siemens Healthineers Digital Ecosystem unterstützt unterschiedliche Modi für die Bereitstellung von Angeboten und den Zugriff darauf: von der webbasierten über die cloud­basierte bis hin zur lokalen Installation auf Workstations oder auf Medizinprodukten. :: Syngo.via kann als eigenständiges Produkt oder zusammen mit einer Reihe von auf Syngo.via-basierenden Softwareoptionen verwendet werden, die selbst als Medizinprodukte gelten.

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Mehr Informationen über das

Alle digitalen Angebote werden über den Digital Ecosystem Store verfügbar sein. Der Store ermöglicht es Benutzern, nach Angeboten als Teil bestimmter Abonnementmodelle zu suchen, solche anzufordern, zu testen und herunterzuladen. Die verfügbaren Angebote sind sowohl cloudbasiert als auch lokal installierbar wie beispielsweise Syngo.via1 OpenApps. Sie können über den Store bestellt und direkt in die

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Neben der Integration von Partnerangeboten hat Siemens Healthineers auch sein eigenes cloudbasiertes Angebot teamplay weiterentwickelt. Diese Lösung für das PerformanceManagement in Radiologie- und Kardiologieabteilungen ist ein wesentlicher Bestandteil des Siemens Healthineers Digital Ecosystem. Durch die Verbindung von Daten aus Bildgebungsgeräten und Radiologie-/Kardiologie-Informationssystemen bieten die teamplay-Anwendungen den Nutzern Einblicke, die sofortige und fundierte Entscheidungen auf Basis einer Übersicht über die Leistungsdaten ermöglichen. Teamplay aggregiert Parameter wie den Durchsatz bei der Bildgebung oder die Dosiswerte, die Auslastung des Personals, der Räume und der Ressourcen der gesamten Abteilung für jedes Gerät und jeden Arbeitsablauf. Dadurch vereinfacht sich das Reporting und ein Verbesserungspotenzial im Arbeitsablauf lässt sich leichter identifizieren.

Siemens Healthineers Digital Ecosystem unter www.siemens.com/healthineers-

digital-ecosystem oder Sie kontaktieren Herrn Thomas Kurmann,

thomas.kurmann@siemens-healthineers.com

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Foto: © Adobe Stock (rangizzz)

Was Unternehmen leisten

Hilfe zur Selbsthilfe Medizintechnikunternehmen müssen sich im Zuge der MDR völlig neu organisieren. In Tirol lernen sie dabei von den Besten und machen sich effizient zukunftsfit.

U

m künftig als Medtech-Unternehmen erfolgreich neue Produkte auf den Markt zu bringen, müssen vom ersten Entwicklungsschritt an die Bestimmungen der Medical Device Regulation (MDR) eingehalten und dokumentiert werden. Aber ist die MDR bereits praxisorientiert zu Ende gedacht? Wie geht es den Unternehmen mit der Interpretation und Umsetzung? Wie können die Hürden effizient gemeis­tert werden? Viele Fragen sind noch offen. Deshalb lernen Medtech-Unternehmen in Tirol von den Besten – voneinander. Stammtischgespräche mal anders Bei regelmäßigen MDR-Stammtischen, die der Cluster Life Sciences der Standortagentur Tirol organsiert, profitieren die Teilnehmer vom Knowhow ihrer Branchenkollegen. Offener Austausch und konstruktives Mit­ einander statt Geheimniskrämerei: Ein Instrument, von dem alle Beteilig­ ten profitieren und das ihnen Zeit und Geld spart – und das auch Firmen aus anderen Bundesländern offensteht. Die beteiligten Unternehmen aus Tirol sind jedenfalls von den regelmäßigen „MDR-Stammtischen“ überzeugt:

„Wir bekommen beim MDR-Stammtisch Tirol einfachen Zugang zu Personen, die auch auf europäischer Ebene gut vernetzt sind. Dadurch erweitern wir unsere Perspektiven zur MDR und sehen direkt, wie andere Unternehmen die Regularien interpretieren und anwenden.“ Benjamin Peschel, Pharmazeutische Fabrik Montavit Ges.m.b.H.

„Für uns lohnt sich die Reise nach Tirol – den offenen Austausch miteinander schätzen wir hier sehr! Die Lösungsansätze am MDR-Stammtisch haben für uns einen guten Praxisbezug: Somit müssen wir nicht selbst alles neu erfinden, sondern können uns von Lösungen der anderen inspirieren lassen.“ Michael Bohdal, ImplanTec GmbH Auf nach Tirol

iSYS Medizintechnik GmbH

„Die Umsetzung der MDR stellt auch uns vor Herausforderungen; der MDR-Stammtisch ist für uns eine wichtige, praxisnahe Ergänzung zu bestehenden Informationsquellen. Vor allem der unkomplizierte Austausch mit jenen, die in ähnlichen Situationen sind, ist für unsere Umsetzungs­ arbeit wertvoll.“ Fritz Madersbacher, METASYS Medizintechnik GmbH

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Der Endspurt für die MDR-Umsetzung hat bereits begonnen: Ab 26. Mai 2020 können Medizinprodukte nur mehr nach der neuen Verordnung zertifiziert werden. Wer also mit Rat zur Tat schreiten und von anderen lernen will: Auf nach Tirol! Alle Infos dazu unter www.standort-tirol.at/mdr :: Kontakt: Ing. Mag. (FH) Roland Fuchs

Tel.: +43 512 576262 253, roland.fuchs@standort-tirol.at www.standort-tirol.at

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Entgeltliche Einschaltung

„Wir haben uns sofort nach Veröffentlichung der MDR mit deren Umsetzung in unserer Firma beschäftigt und erkannt, dass die drei Jahre ‚kurz‘ werden. Die betroffenen Prozesse wurden bereits umgeschrieben, aber bei den Details zur Umsetzung in die Praxis ist ein Austausch unter Kollegen und Kolleginnen hilfreich. Deshalb nutzen wir sehr gerne den MDR-Stammtisch, um uns mit anderen Unternehmen über eine machbare Umsetzungsstrategie auszutauschen.“ Özlem Nigar-Tas,


Wo es Forschung gibt

Hören müssen, können, dürfen

medizinischen Modell – hin zum sozialen Modell“, meint ÖGLB-Vorsitzende Helene Jarmer. „Ich setze mich dafür ein, Barrieren ab- und eine gute Kommunikationsbasis aufzubauen. Gebärdensprache ist für gehörlose Menschen eine wichtige Voraussetzung für die volle Inklusion und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft. Es ist wichtig, das Bewusstsein für Gebärdensprachen zu erhöhen und auf die Rechte der gehörlosen Menschen hinzuweisen.“

Welche Auswirkungen hat die Gehörlosigkeit auf die Betroffenen, auf das Gesundheitssystem und auf die Volkswirtschaft? Und warum lehnen manche Eltern gehörloser Kinder ein Cochlea-Implantat ab und lassen sie lieber die Gebärdensprache erlernen? Ein Überblick. Erika Pichler

I

m Jänner dieses Jahres wurde mit einem Urteil des Landgerichts Goslar im deutschen Bundesland Niedersachsen ein Präzedenzfall geschaffen, der für die Gehörlosenvereinigungen in Deutschland – und auch in Österreich – eine gute Nachricht bedeutete. Ein gehörloses Paar lehnte bei seinem knapp zweijährigen gehörlosen Sohn die Implantation eines CochleaImplantats (CI) ab, weil es den Eltern leichter schien, das Kind in der vertrauten Gebärdensprache und Gehörlosenkultur großzuziehen. Die Folge war eine gerichtliche Anzeige durch das Jugendamt wegen mutmaßlicher Kindeswohlgefährdung.

Bei dieser Problematik geht es aus Jarmers Sicht zudem um mehr als um angebotene Alternativen und die freie Wahl des Einzelnen. „Es geht um Integration in der Familie, der Gesellschaft, um die freie Wahl, wie ein Mensch sein Leben bestreiten will und kann – es geht um Identität und Stärkung des Selbstbewusstseins und ein selbstbestimmtes Leben. Die besten Beispiele dafür sind zum Beispiel das Top-Model Nyle DiMarco oder Marleen Matlin.“

Gehörlose Fotomodelle und Schauspielerinnen mit Prominentenstatus sind freilich selten. Auch Helene Jarmer selbst ist als erste gehörlose Nationalratsabgeordnete Österreichs (bis 2017) wohl eher als Ausnahmeerscheinung zu bezeichnen. Nicht verwunderlich also, dass die in Gebärdensprache sozialisierte Gehörlosenpädagogin und Hochschuldozentin ein Cochlea-Implantat nicht als zwingend notwendig erachtet, wenngleich unter dem Vorbehalt einer besseren Gehörlosenbildung, als sie derzeit in Österreich für das Gros gehörloser und schwerhöriger Menschen Status quo ist.

ÖGLB

Die im Gerichtsprozess beigezogenen Experten kamen jedoch zu dem Schluss, ein Sorgerechtsentzug wegen mangelnder CI-Versorgung sei unzulässig, ein „Zwang zum Hören“ nicht mit der UNBehindertenrechtskonvention vereinbar und die Entscheidung der Eltern gegen Realität gehörloser Menschen eine Operation vertretbar. Die gerichtliche Entscheidungsfindung dauerte 20 Von der vielfach tristen Situation gehörMonate und wurde in der Öffentlichkeit loser Menschen hierzulande weiß der kontrovers diskutiert, zumal in der FamiHelene Jarmer, Österreichischer Gehörlosenbund: lie 2018 zusätzlich Zwillinge zur Welt kaHNO-Arzt und Experte für Hörimplantate „Es ist wichtig, auf die Rechte gehörloser Menschen hinzuweisen.“ men. Da eines dieser Kinder erneut gehörWolf-Dieter Baumgartner, geschäftsfühlos, das andere hörend war, empfahl ein render Oberarzt an der Universitätsklinik Gerichts-Sachverständiger, alle gehörlosen Kinder der Familie für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten der MedUni Wien, ein zu implantieren, damit die Kommunikation in der Familie besLied zu singen. Speziell bei spät ertaubten Personen (etwa nach ser funktionieren könnte. Das Gericht folgte jedoch letztendlich Meningitis, Schädelbasisbruch oder durch chronische Leiden wie der ursprünglichen Argumentation. Es sei „ohne Akzeptanz der Hörstürze oder Diabetes) seien viele Patienten mit schwersten Eltern ... unmöglich, dass das Kind trotz Cochlea-Implantat die Depressionen konfrontiert und suchten, sobald diese überwunden seien, nach Heilung, dies nicht selten bei Scharlatanen. Viele Hör- und Sprachfähigkeit erlangt“, hieß es in der Urteilsbegründung. Auch die Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft sprach dieser Patienten könnten, so sie den Weg zu einer HNO-Abteilung sich dafür aus, die Entscheidung der Eltern zu respektieren, fänden, später mit einem Cochlea-Implantat versorgt werden. ebenso der Deutsche Gehörlosen-Bund. Manche seien sehr enttäuscht, falls dies nicht möglich sei. Diese Sicht wird auch vom Österreichischen Gehörlosenbund (ÖGLB) geteilt, der sich explizit für Menschen einsetzt, die bevorzugt in Gebärdensprache kommunizieren. „Ich schließe mich der Meinung der UN-Behindertenrechtskonvention an: weg vom

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Mit den psychosozialen Folgen von Gehörlosigkeit und unbehandelter Schwerhörigkeit – sozialer Isolation, Depression, schlechtere familiäre und Partner-Beziehungen – setzt sich auch die wissenschaftliche Metastudie Hearing Loss – Numbers and

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Wo es Forschung gibt

Costs auseinander, die im Auftrag der nicht kommerziellen Organisation Hear-it AISBL erstellt und im März 2019 in Brüssel präsentiert wurde.1 Österreich gehört (im Unterschied etwa zu den skandinavischen Staaten, Großbritannien, Frankreich oder Spanien) nicht zu den Ländern, die darin mit eigenständigen nationalen Erhebungen vertreten sind. Die österreichischen Daten beruhen lediglich auf einer Extrapolation des seit 1990 regelmäßig durchgeführten Projekts Global Burden of Disease (GBD) und wurden zudem nicht speziell in Bezug auf hochgradige Hörstörungen oder Gehörlosigkeit erhoben, sondern für beeinträchtigende Schwerhörigkeit ab einem Hörverlust von größer gleich 35 Dezibel. Davon sind in Österreich laut der AISBL-Studie rund 530.000 Menschen betroffen, von denen etwa jeder Dritte mit Hörgeräten oder anderen Hörlösungen versorgt ist. Allein die oben geschilderte geringere Lebensqualität der betroffenen Menschen verursache in Österreich jährliche Kosten von 2,8 Milliarden Euro, weitere 1,3 Milliarden seien Folgen von Produktivitätsverlusten. Insgesamt betrage der Schaden also 4,1 Milliarden Euro, heißt es in der Studie.

stellungen, die komplementär zu einer explizit gesundheitsökonomischen Sicht zu berücksichtigen sind.

Nicht behandelter kompletter Gehörlosigkeit und speziell deren wirtschaftlichen Auswirkungen widmete hingegen Wolf-Dieter Baumgartner, der seit 2000 für das gesamte Implantat-Programm der HNO-Universitätsklinik Wien verantwortlich ist, im Jahr 2010 eine Masterarbeit2, dies im Bewusstsein aller ethischen Frage-

Zwar sei eine ähnliche Haltung den aktuellen Proponenten des Österreichischen Gehörlosenbundes nicht zum Vorwurf zu machen, da sie einer Generation von Gehörlosen angehörten, die noch keine Möglichkeit einer Therapie mittels Cochlea-Implantat gehabt hätten und daher lediglich ihre eigenen legitimen Inter-

Die Arbeit geht erstmals der Frage nach, ob etwa die an Krankenhäusern „verimplantierten“ Gelder (am AKH Wien beispielsweise zur Zeit des Abschlusses der Studie jährlich rund 1,7 Millionen Euro) unter rein ökonomischem Aspekt gut angelegt

Eine Betrachtung unter rein ökonomischem Aspekt ist wichtig. sind. Schließlich werde noch immer nicht von jedermann anerkannt, dass Gehörlosigkeit überhaupt behandlungsbedürftig sei, so Baumgartner. In einem Denken, das Gehörlosigkeit als Lebensstil oder Ersatzreligion sehe und nicht als Krankheit mit nachweisbarer und eventuell behebbarer Ursache, brauche es tatsächlich keine Cochlea-Implantate, stellt der Autor in seinen einleitenden Worten fest.

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Wo es Forschung gibt

essen vertreten würden. Aus medizinischer Sicht sei jedoch Hörbehinderung oder Gehörlosigkeit klar „eine Krankheit, die heute erstmals konkret und nachweislich erfolgreich therapierbar ist“. Für die 1990 oder jünger Geborenen sei das Implantat „die Therapie der Wahl“. Mangels aktuellerer Daten speziell zum Vergleich der volkswirtschaftlichen Kosten für implantierte und nichtimplantierte gehörlose Personen werden hier einige Zahlen aus 2010 zitiert, da sich die Umstände, die ihnen zugrunde liegen, nicht wesentlich geändert haben. In die Studie, auf deren Daten etwa auch der Report 2017 des weltweiten Marktführers von Cochlea-Implantaten3 weitgehend basiert, flossen speziell die zwischen April 1993 und 2010 erhobenen Daten von 900 Patienten (450 Erwachsene, 450 Kinder) ein, die an der HNO-Universitätsklinik Wien CI-implantiert wurden. Wichtigste Ausgangsgröße für alle Modellrechnungen in der Studie sind die Kosten für eine Implantation, die damals mit 51.000 Euro beziffert wurden (für das Implantat selbst, die OP sowie alle Vor- und Nachuntersuchungen im ersten Jahr).

Patientenpopulationen Was den sozialen und wirtschaftlichen Effekt eines Implantats betrifft, spielten laut Baumgartner die Lebens- und die Entwicklungsphase (vor oder nach dem Spracherwerb) der Patienten eine entscheidende Rolle. So seien, rein ökonomisch betrachtet, Cochlea-Implantationen nur für drei Gruppen von Patienten sinnvoll, und zwar für:

:: möglichst junge Kinder (idealerweise vor dem Spracherwerb), die aufgrund des Implantats allesamt später den Regelkindergarten und die Regelschule besuchen können;

:: Schulkinder, die nach dem Spracherwerb ertaubt sind, jedoch nach der Implantation die Regelschule erfolgreich abschließen und einen „normalen“ Lebensweg vor sich haben; hier setzt Baumgartner als ökonomischen Benefit den Kostenunterschied zwischen Regelschul- und Sonderschulbereich an. Allein der Verbleib eines Kindes in der bereits begonnenen Regelschule erspare jährlich einen Betrag von 38.237 Euro (bei nachgefragten Kosten 2010 von 44.537 Euro pro Jahr in der Sonderschule sowie 6300 Euro in der Regelschule). Dies egalisiere die Gesamtkosten einer CI-Operation inklusive ein Jahr postoperativer Therapie und Betreuung.

:: Transferleistungsempfänger, die nach der Implantation wieder ins Berufsleben einsteigen können und dadurch zu Beitragszahlern werden; so konnten in der Patientengruppe, die zum Zeitpunkt der Implantation Berufsunfähigkeitspension, Dauerkrankenstand, Notstandshilfe oder andere Individualregelungen beansprucht hatten, 63 Prozent (45 von 72 Personen) durch das Cochlea-Implantat wieder in den Arbeitsprozess zurückkehren. Das Durchschnittseinkommen in dieser Gruppe habe sich von 900 Euro auf 1250 Euro erhöht. Dem Autor ist bewusst, dass die „ökonomisch klare Schlussfolgerung nicht mit grundsätzlich medizinischen und ethischen Werten korrespondiert“. Auch Implantationen an allen anderen Patientengruppen sollen in seiner Arbeit mitnichten die Sinnhaf-

10 ÖKZ EXTRA: MedTech & MEDICA

hearring

Implantat-Spezialist Wolf-Dieter Baumgartner: „Spitzenmedizin darf sich zur Kostenwahrheit bekennen.“

tigkeit abgesprochen werden. So sei für ihn in allen Interviews mit Patienten, die durch die Implantation im Erwerbsleben bleiben konnten, zwar kein ökonomischer Effekt im Sinn etwa einer Einkommenssteigerung feststellbar, dafür jedoch große Erleichterung und Zufriedenheit über den Umstand, weiterhin ihren Beruf ausüben zu können. Dennoch hält Baumgartner eine Betrachtung unter rein ökonomischem Aspekt für wichtig – auch als Beitrag zur Legitimation der eingesetzten Gelder. „Spitzenmedizin darf sich zur Kostenwahrheit bekennen. Entscheidungen, welche Gelder für welche Leistungen auch tatsächlich verwendet werden, bleiben schluss­ endlich aber immer gesellschaftliche und politische Entscheidungen“, heißt es im Kapitel Zusammenfassung und Ausblick.4 So sei es zum Beispiel unter rein ökonomischen Gesichtspunkten sinnlos, bereits pensionierte Patienten zu implantieren, wenn sie in der Pension verbleiben. Die Härte einer solchen Aussage, deren Konsequenz die Restriktion „Kein Cochlea-Implantat nach dem 65. Lebensjahr“ wäre, sei für das österreichische System, das Medizinethik über ökonomische Regeln stelle, undenkbar, für den angloamerikanischen Raum jedoch sehr wohl, heißt es in Baumgartners Kapitel zu den Ergebnissen der Modellrechnungen. Selbst die Gruppe der erwerbstätigen Patienten, die sowohl vor als auch nach der Implantation in Beschäftigung seien, bringe im Verhältnis zum Gesamtaufwand nur sehr wenig finanzielle Besserstellung. Als „Millionengrab“ könne man unter rein wirtschaftlichem Aspekt auch die Investitionen in ältere Kinder sehen, die trotz Implantats nicht den Einstieg in die Regelschule schafften. „Hier verdoppeln sich die Kosten nahezu. Ein Aufwand von über 24 Millionen Euro für 69 Kinder, die mit CI die Sonderschule besuchen, ist ökonomisch nicht vertretbar.“5

Aufwand für Eltern Bei allen Kindern jedoch ist auch aus Sicht des CI-Verfechters nicht zu leugnen, dass Implantate – unabhängig vom wirtschaftlichen Aufwand für das Gesundheitssystem – auch einen erheblichen Aufwand für die Eltern bedeuten, da die Rehabilitationsphase ungleich mehr Zeit und Ressourcen erfordert als bei Erwachsenen. Den Eltern komme in der Therapie die größte Verantwortung zu, da das Hör-Sprachtraining nicht delegiert werden könne. 80 Prozent der Mütter der am AKH Wien implantierten Kinder geben ihren Beruf auf, um optimal für das Kind da zu sein. Die therapeutische Begleitung von Kindern nach CochleaImplantation dauere manchmal ein ganzes Schulleben lang, so Baumgartner. Zumindest einmal pro Jahr werde seitens der HNO-Universitätsklinik Wien auch das Erscheinen der Patienten zu Kontrollen und Tests erwartet. „Aus diesem Grunde ist es auch richtig und vernünftig, wenn Eltern gehörloser Kinder er-

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Wo es Forschung gibt

höhte Kinderbeihilfe und Pflegegeld Stufe I zugestanden wird. Es besteht tatsächlich ein erhöhter Aufwand“, so Baumgartner in seiner Masterarbeit. Während bei Erwachsenen die Therapie bei gutem Erfolg bei niedergelassenen Logopäden erfolgen könne, stoße man bei Kindern hier sehr rasch an die Grenzen, „da gerade die Kindertherapie sehr viele unterschiedliche Facetten aufweist“. Diese Erkenntnis bildet möglicherweise den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen den Cochlea-Implantat-Befürwortern und den Verfechtern einer rein gebärdensprachlichen Sozialisierung Gehörloser. Letztere sind als Betroffene oder Eltern betroffener Kinder Experten für all jene Herausforderungen des Alltags, mit denen Spitalsmediziner weniger zu tun haben und die speziell, wenn die Eltern selbst gehörlos sind, große praktische und finanzielle Hürden für eine ganze Familie bedeuten können. Helene Jarmer rät Eltern, die Entscheidung, ihr Kind einer CITransplantation zu unterziehen, gründlich abzuwägen: „Handelt es sich doch um einen nicht unerheblichen operativen Eingriff, nicht zu vergessen der lange beschwerliche Weg der Heilung, die Nachsorge – das Implantat kann nur mittels Operation gewechselt, entfernt, abgelegt oder gewartet werden –, die therapeutische (logopädische) Begleitung während und nach dem Prozess inklusive Erlernen des richtigen Umgangs mit dem Implantat. Beim CI-Implantat wird Schall in elektrische Impulse umgewandelt, was eine ständige Geräuschkulisse erzeugt; es fällt anfangs

schwer, das gesprochen Wort herauszufiltern. Für Menschen, die der Lautsprache nicht mächtig sind, ist dies noch schwerer. Dies alles stellt Familien vor große physische, psychische und auch zeitliche als auch finanzielle Herausforderungen.“ Insgesamt zeige sich der ÖGLB davon überzeugt, dass ein Implantat für spät ertaubte Menschen eine wunderbare, einzigartige und positive Chance biete, hält Jarmer fest. „Für sie bedeutet das, dass sie ihr Leben fast wie gewohnt weiterführen können.“ Umstritten seien aus ihrer Sicht jedoch Implantate bei Babys, Kindern und Menschen, welche noch keine Lautsprache erlernt hätten. Eine Sichtweise, die der medizinischen und ökonomischen Betrachtung des Implantat-Experten fast diametral entgegengesetzt ist. Möglicherweise kommunizieren auch hier zwei Welten – unabhängig von Hörproblemen – aneinander vorbei. :: Literatur: 1 Shield B, Atherton M (2019): Hearing Loss - Numbers and Costst. Hear-it AISBL. 2 Baumgartner W-D. Cochlea-Implantation. Eine ökonomische Analyse. Master Thesis. 3 Vom Hören und Sagen, Special Report, Grundlageninformationen über das Hören, 2. Überarbeitete Auflage, MED-EL, Innsbruck 2017. 4 Ibid., S. 72. 5 Ibid., S. 71.

Dr. Erika Pichler pichler@schaffler-verlag.com

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Was Unternehmen leisten

COMPAMED Innovationsforum Neues Konzept trägt Früchte: Entwickler, Zulieferer und Hersteller im direkten Dialog mit den Anwendern von Medizintechnik

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edizinprodukte müssen besser werden. Sie sind häufig nicht ausreichend kompakt, nicht flexibel genug, nicht sinnvoll in den Betriebsablauf auf den Stationen zu integrieren“, schrieb kürzlich ein auf die Entwicklung von Medizintechnik fokussiertes Fachmagazin zum Konflikt zwischen Herstellern und Anwendern. Genau dieser Herausforderung, den Dialog zwischen Herstellern, Entwicklern und den Abnehmern von medizintechnischen Systemen und Produkten voranzutreiben, widmete sich das diesjährige COMPAMED Innovationsforum. Das traditionelle Forum gibt mit ein paar Monaten Vorlauf einen ersten Ausblick auf Themen und Trends der international führenden Fachmesse für die Zulieferer der Medizintechnik-Industrie, die COMPAMED in Düsseldorf (Termin 2019: 18.–21. November, parallel zur MEDICA 2019). Es wird von der Messe Düsseldorf und dem IVAM Fachverband für Mikrotechnik organisiert. Gastgeber für das Forum unter dem Motto „Praxis meets Technology – Hightech in Krankenhäusern“ war am 10. Juli das Helios Klinikum Krefeld. Im Helios-Verbund zählt dieses Klinikum als Einrichtung der Maximalversorgung mit über 30 Fachabteilungen zu den großen Häusern. Es verfügt über 2.350 Mitarbeiter, die in 1.100 Betten 60.000 Patienten stationär und 120.000 Patienten zusätzlich ambulant pro Jahr versorgen. „Schon erste einleitende Diskussionen des Forums haben gezeigt, dass insbesondere Hightech-Medizintechnik viel zu oft am realen Bedarf des Fachpersonals vorbeientwickelt wird“, erklärt Dr. Thomas R. Dietrich, Geschäftsführer des IVAM.

Auch vor diesem Hintergrund geht Helios neue Wege – so ist das Unternehmen nicht nur ein wichtiger Anwender für Medizintechnik, sondern unterstützt durch das konzerneigene Center for Research and Innovation (HCRI) in Wuppertal und Berlin auch selbst zukunftsorientierte Entwicklungen in den Bereichen Gesundheit und Medizin. Im Mittelpunkt stehen Lösungen, die noch nicht am Markt verfügbar sind, und Pilotprojekte für Kliniken und Forschungseinrichtungen. „Ziel unserer Tätigkeit ist es, die medizinische Versorgungsqualität zu verbessern, den Klinikprozess zu optimieren, die Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen und die Effizienz im Gesundheitswesen zu steigern“, erklärt Maren Christina Geissler, Leiterin des Helios Innovations- und Forschungsdepartments in Wuppertal. Ein wichtiges Vorhaben ist das europäische Verbundprojekt STARS-PCP, das neue personalisierte eHealth-Lösungen entwickeln soll, um den Stress im Zusammenhang mit medizinischen Eingriffen zu reduzieren. Der Stress­abbau verringert die schädlichen Nebenwirkungen von Beruhigungsmitteln, verkürzt den Krankenhausaufenthalt und die Erholungszeit. Zugleich werden Pflegekräfte und verwandte Personen von kontinuierlicher Hilfe entlastet. Sprachassistenz im Krankenhaus gewinnt an Bedeutung Die Digitalisierung des Krankenhauses ist in vollem Gange, aber sie ist noch keine durchgängige Erfolgsstory. Innerhalb des HeliosKonzerns sieht sich das Klinikum Krefeld aber in diesem Sektor schon gut aufgestellt: So ist die digitale Patientenakte in fast allen Be-

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reichen bereits seit 2013 etabliert. „In Zukunft wollen wir dem Thema Sprachassistenz für Arztbriefe und Aktenführung noch mehr Bedeutung beimessen“, berichtet Franziska Niederschelp, Assistentin der Geschäftsführung am Klinikum Krefeld. Die Einführung der Spracherkennung wird im ganzen Haus vorangetrieben. Dabei soll in einem Pilotprojekt Single-Sign-on (SSO) genutzt werden. Das Verfahren der Einmalanmeldung ermöglicht es, über einen einzigen Authentifizierungsprozess Zugriff auf Services, Applikationen oder Ressourcen zu erhalten. Ein zusätzlicher Schwerpunkt liegt in der automatisierten Bündelung und digitalen Zusammenführung von Patientendaten aus Medizingeräten, Laboruntersuchungen und den verschiedenen Stationen. Sensoren gebührt eine Schlüsselrolle Voraussetzung für viele neue Entwicklungen in der Medizintechnik und auch für die Digitalisierung des Gesundheitswesens sind Sensoren, die bei der COMPAMED schon seit Langem eine wichtige Rolle spielen und in der zweiten Session des Innovationsforums in Krefeld intensiv thematisiert wurden. So hat das Centre Suisse d‘Electronique et de Microtechnique (CSEM) ein optisches Verfahren zur kontinuierlichen, zuverlässigen Kontrolle des Blutdrucks entwickelt. Nach zehnjähriger Forschungsarbeit und fünfjähriger klinischen Erprobung bietet das CSEM unter der Marke oBPM (Optical Blood Pressure Monitoring) ein tragbares Messgerät ohne Manschette an, das den Blutdruck im Ruhe- oder Bewegungszustand mit höchster Qualität misst. Das Produktekonzept der oBPMMessmethode beruht auf der physiologischen

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Fotos: © Messe Düsseldorf / ctillmann

Analyse der am Finger gemessenen photoplethysmographischen Signale (PPG-Signale). Die Technologie soll genutzt werden, um über ein Armband die wertvollen Daten zu sammeln und an ein Smartphone zu übertragen. Einwegsensoren für intelligente Wundauflagen Die Anforderungen an Sensoren steigen ständig; nach Überzeugung der InnoME müssen sie dünn, flexibel und formbar, einfach zu integrieren und körpernah einsetzbar sein. „Konventionelle Sensorik ist für medizinische Anwendungen nur begrenzt geeignet, weil sie nicht wirtschaftlich ist, keine Designfreiheit bietet sowie eine mangelhafte Umweltverträglichkeit und unzureichende Integrierbarkeit aufweist. Unsere Antwort auf diese Unzulänglichkeiten sind folienbasierte, gedruckte und/oder hybride Sensoren“, betont Eike Kottkamp, Geschäftsführer der InnoME. Das Unternehmen bietet Einwegsensoren in Massenproduktion oder für einzelne Produkte an. Anwendungen sind intelligente Druckverbände und Wundauflagen, die eine Wundüberwachung ohne Verbandöffnung zulassen, oder Abfall-Beutel für Körperflüssig­ keiten wie Blut, Urin, Schweiß und Dialysat, die eine In-vitro-Überwachung des Patienten erlauben. Als Messgrößen kommen u.a. der pH-Wert, Leitfähigkeit und Temperatur infrage. Auch das Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme (IMS) forscht und entwickelt im Bereich der Sensorik für die Medizintechnik. „Unser Markenkern sind CMOS-Schaltungen, die wir zu Mikrosystemen erweitern“, beschreibt Michael Görtz vom

Was Unternehmen leisten

IMS. In der Medizintechnik ist das Messen von Druck im Blut, im Hirn oder im Auge besonders relevant. Schnell, einfach und unkompliziert ist das Sensorsystem EYEMATE, das gemeinsam vom IMS und Implandata Ophthalmic Products entwickelt wurde und die Augeninnendruckmessung verbessert. In Zukunft soll EYEMATE Glaukom-Patienten das Leben erleichtern. Das Implantat ermöglicht die optimale Therapie bei Patienten, die von der Augenkrankheit Grüner Star betroffen sind. Ein ins Auge implantierter Mikrosensor misst dabei den Druck sowie die Temperatur. Die Werte werden mit einem Handlesegerät, das der Patient einfach vor sein Auge hält, erfasst, digitalisiert und wiedergegeben. Die behandelnden Ärzte erhalten dadurch eine um ein Vielfaches höhere Datenbasis zum Erstellen der richtigen Therapie. Darüber hinaus haben Betroffene die Möglichkeit, über eine Smartphone-App direkt auf die Daten zuzugreifen, den Verlauf des Augeninnendrucks selbst zu verfolgen und gegebenenfalls zu reagieren. Neue Lösungen für Hausnotruf und Raumüberwachung Ein großes Thema angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung ist auch ein sicheres, gesundes Leben möglichst in den eigenen vier Wänden. Die Möglichkeiten dafür werden dank des technischen Fortschritts immer besser. Eine Ausgründung aus dem Forschungszentrum Informatik (FZI) mit der Bezeichnung easierLife hat ein smartes Hausnotrufsystem aufgebaut, das Sicherheit ohne Knopf generieren soll. Es erfasst sensorbasiert alltägliche Aktivitäten, nimmt eine intelligente Auswer-

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tung ungewöhnlicher Situationen vor und startet eine individuelle Alarmierung per App oder Notrufzentrale. Durch die automatische Alarmierung bei Auffälligkeiten ist das System auch für Demenzerkrankte geeignet. Eine intelligente Raumüberwachung strebt auch das Technologieunternehmen nevisq an, das dafür ein Sensorband in Fußleisten entwickelt hat. Es erkennt Personen, Objekte und Bewegungen in Räumen, bei der Auswertung der Daten hilft künstliche Intelligenz. „Wir setzen aktives Infrarot ein, um die Fläche über dem Boden abzuscannen“, erklärt Christian Kind, Geschäftsführer Business Development & Finance von nevisq. Die smarten Fußleisten sind eine kostengünstige Alternative zu bereits verfügbaren Technologien wie Bodensensoren oder am Körper getragene Geräte. Die Fußleis­ ten erkennen nicht nur Stürze, sondern setzen auch Alarmmeldungen beim Verlassen des Bettes oder des Raumes ab. Fazit des COMPAMED Innovationsforums: Das Konzept, Entwickler, Hersteller und Anwender an einen Tisch zu bringen, trägt Früchte. Das belegen die regen und anregenden Diskussionen zwischen den Vorträgen. Dieser Austausch lässt sich in der Folge fortführen und vertiefen bei der COMPAMED 2019 in Düsseldorf, der internationalen Nr. 1-Plattform für die Zulieferer der Medizintechnik-Industrie. :: www.compamed.de www.medica.de

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© DIRUI Industrial Co., Ltd

Was Unternehmen leisten

Seit über 20 Jahren entwickelt Dirui hochwertige Analysengeräte für die Urindiagnostik. In Kooperation mit der Axonlab AG Österreich ist auch der im Groß­gerätesektor entscheidende Support flächendeckend sichergestellt.

Sediment und Harnstreifen – kompakt und zuverlässig

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em Trend zu immer kompakteren, kombinierten Lösungen folgend, wurde nach dem weltweit bereits 1000-fach bewährten FUS-2000 nun das neueste Modell, der FUS-3000, vorgestellt.

Dokumentation. Auch die Umstellungsphase für das Fachpersonal von der manuellen Sedimentbeurteilung auf die Automatisierung fällt deutlich leichter. Zusätzliche Parameter im Sediment

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Hierbei handelt es sich um einen Hybridanalyser, der die komplette chemische Diagnostik über Harntests und die Sedimentanalyse in einem Gerät vereint. Die Vorteile liegen auf der Hand: Über das nach Kundenwünschen skalierbare Regelwerk wird das Sediment nach definierten Kriterien automatisch und ohne weiteren, manuellen Eingriff über die hochauflösende Kamera erstellt. Die Kamera nimmt innerhalb von 10 Sekunden 2000 Bilder auf. Die Vergrößerung um den Faktor 400 entspricht dem gewohnten Blick ins Mikroskop und lässt eine Beurteilung der Morphologie zu. Intelligente Software und ein technisch ausgereiftes System, das die Zellen ohne Überlappungen in den Focus der Kamera bringt, sorgen für eine weitgehend automatisierte Zuordnung der Zellen und anderer geformten Bestandteile. Nicht erkannte Elemente können im Nachhinein auf dem Bildschirm beurteilt werden, auch ohne Mikroskop. Die wesentlichen Vorteile liegen hier im Zeitmanagement, der Standardisierung und der

Mit dem Technologiesprung auf den FUS3000 sind 13 Parameter hinzugekommen, die in einem Arbeitsschritt, zusammen mit den Standardparametern, erfasst werden: NRBC, MIRBC, ARBC, SRBC, OCRBC in der Erythrozytenlinie zur Differenzierung von Hämaturien; RTEP und TREP zur Identifikation von Tubulusschädigungen; GRAN, BROAD, OCAS, WAXY bei Nierenparenchymschäden und Glomerulonephritis; BACI und SUCO bei Harnwegs­ infektionen; BYST und HYST bei Pilzinfektion; CAOX, URIC, MAPH, OCRY für die Nieren- und Blasensteindiagnostik. 4-in-1-Lösung auf weniger als 80 cm Ein optional integriertes Refraktometer zur Messung von Färbung, Trübung und ein Leitfähigkeitsmessgerät für eine hochpräzise Nierenfunktionsüberprüfung ergänzen das neue Modell um zwei weitere Technologien. Über die Messung der Konduktivität lassen sich Interferenzen durch polare Substanzen wie Glucose und Harnstoff ausschließen.

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Ein Plus an Information auf einem Harnstreifen: Ohne in der Routine ein Reflextesting nötig zu machen und ohne zusätzliche Kosten, wird nun auch Kreatinin, Albumin und Ascorbinsäure als Standard gleichzeitig mit den klassischen 10 Parametern (auch diese sind verfügbar) auf einem einzigen Streifen gemessen. Die Vorteile, Kreatinin und Albumin im Screening gleich mitzubestimmen, sind nicht von der Hand zu weisen. Die Erfahrungen zeigen immer wieder Auffälligkeiten, die weitere diagnostische Maßnahmen in Richtung Diabetes indizieren. Die Ascorbinsäure an sich hat wenig Aussagekraft, jedoch kann ein hoher Ascorbinsäurespiegel zu falsch-negativen Aussagen in Bezug auf Blut und Glucose im Harn führen. Natürlich bieten viele Teststreifen einen Ascorbinsäureschutz an. Bei hoher Konzentration sind jedoch Grenzen erkennbar, die über ein eigenes Ascorbinsäure-Messfeld zuverlässig detektiert werden. :: Weitere Informationen unter www.axonlab.at

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Was die Rückschau zeigt

Vom Schneegestöber zum gestochen scharfen Bild Wie sich Großgeräte in den letzten 30 Jahren entwickelt haben. Michaela Endemann © 2014 Peter Gottschalk

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in finsterer Kellerraum. Brummende Geräusche und Hinweisschilder. Künstliches, kaltes Licht. Wenn man von Großgeräten in der Medizin spricht, so denken viele an die ersten CT und MRT, die aufgrund ihrer Dimensionen nur im Untergeschoss eines Spitals zu finden waren. 1989 hat Walter Hruby, damals Vorstand des Instituts für Röntgendiagnostik am Wiener Donauspital, gemeinsam mit dem kürzlich verstorbenen ehemaligen Vorstand des Zentralröntgeninstitutes der Krankenanstalt Rudolfstiftung Kurt Stellamor für die ÖKZ das Thema Großgeräte von allen Seiten beleuchtet.

Anzahl und Aufstellung Mit Palmenstrand und Meeresrauschen wird versucht, den Patienten die Angst vor Hruby und Stellamor postulierten 1989 der Röhre zu nehmen. die Erhebung des Ist-Zustandes sowie die Erarbeitung eines spezifisch österreichischen Gesamtkonzepts für eine optimale Aufstellung der oder in welchen Schwerpunktspitälern MR, CT und vor allem die Großgeräte. Pro 50.000 Einwohner sollte mindestens ein CT invasiv interventionell tätigen Radiologen und Kardiologen verfügbar sein müssen, damit sie die Ursache des Herzinfarkts und und ein MRT zur Verfügung stehen. „Nach der letzten Aktualisierung des Großgeräteplans1, der im Rahmen der fünften Redes Schlaganfalls sofort behandeln können. Das Zeitfenster, vision des Österreichischen Strukturplans Gesundheit 2017 erdas heute zur Verfügung steht, liegt bei vier bis sechs Stunden.“ stellt wurde, gibt es 2019 in Österreich etwa 230 CT (intra- und extramural), Im aktuellen Großgeräteplan sind EmpWas ist ein Großgerät? fehlungen in Sachen Erreichbarkeit für etwa 170 MRT und etwa 50 Coronarangiographische Arbeitsplätze sowie Patienten enthalten. Sie dienen als Planungsgrundlage für zukünftige etwa 20 PET“, fasst Michael Gruber, Medizinisch-technische Großgeräte, Standorte. Für CT und MR sind das 30 geschäftsführender Vizepräsident des die der öffentlichen Versorgung diebis 45 Minuten, für die StrahlentheraVerbandes für medizinischen Strahlennen, werden in sechs Kategorien einschutz in Österreich (VMSÖ), die derpie 90 Minuten und für Coronarangiogeteilt: zeitige Situation zusammen. Die OECD graphie und PET 60 Minuten. :: Computertomographiegeräte (CT) führt in ihren Gesundheitsstatistiken :: Magnetresonanz-TomographiegeIm Therapieeinsatz zu Medical technology Anzahl und Geräte (MRT) räte pro Million Einwohner. In dieser :: Emissions-Computer-TomograGroßgeräte sind – und waren – jedoch Statistik liegt Österreich im oberen 2 phiegeräte (ECT; inkl. ECT-CT) nicht nur für die Diagnostik einsetzbar, Drittel der OECD Länder. :: Coronarangiographische Arbeitssondern auch für die Therapie. „Im ers­ plätze (Herzkatheterarbeitsplätze) Walter Hruby sagt dazu: „Das ist die ten Moment denkt man bei dem Wort (COR) Minimalstruktur, die absolut verfügbar ‚Großgeräte‘ nur an die immensen An:: Strahlen- bzw. Hochvolttherapieschaffungskosten und vergißt, dass sein muss. Anzustreben ist das Optimum, nie das Maximum. Wir haben geräte (STR, Linearbeschleuniger) die Geräte der letzten Generation nicht :: Positronen-Emissions-Tomograz.B. schon vor Jahren das Herzinfarktmehr nur zu diagnostischen Zwecken, phiegeräte (PET; inkl. PET-CT, konzept sowie das Schlaganfallkonsondern fast alle auch in der Therazept entwickelt. Darin ist genau festpie eingesetzt werden“, so Hruby und PET-MR). geschrieben, wann und an welchen Stellamor 1989. Dieser Trend hat sich

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Gesellschaft der Ärzte

privat

Was die Rückschau zeigt

seither verstärkt. Walter Hruby sagt heute: „Die Onkologie z.B. hat sich mit der personalisierten und individualisierten Medizin positiv entwickelt, sodass heute viel mehr PET-CT- und PET-MRT-Installationen notwendig sind.“ Michael Gruber Michael Gruber, Verband für Radiologe Walter Hruby: medizinischen Strahlenschutz in „Es geht nicht um die Anwendung der gesamten vom VMSÖ bestätigt diese Entwicklung: Österreich: Die Strahlenbelastung technischen Diagnostikmöglichkeiten, sondern „Die Anzahl der Strahlentherapie-Geräte steigt, weil mehr untersucht wird. um den zielführendsten Einsatz.“ hat sich seit 2015 von 43 auf 57 erhöht. Die Wartezeiten haben sich damit verkürzt und auch dank besserer Diagnose in der Onkologie erhaltreiben. Was vielleicht nicht immer geklappt hat, war das Verten heute mehr Patienten eine Strahlentherapie als früher.“ ständnis, dass ein Großgerät genauso ein Werkzeug ist wie für den anderen das Stethoskop.“

Kostensenker Großgerät

Auch in Sachen Kosten nahmen Hruby und Stellamor bereits 1989 Stellung, indem sie voraussagten, dass Großgeräte die Pflegekosten senken könnten. Dazu Hruby: „Der erste Effekt ist, dass man die therapeutische Reaktionszeit verkürzt. In den späten 70er-, frühen 80er-Jahren wurden im Schnitt fünf Tage für eine finale Diagnostik benötigt, heute sind es nicht einmal 24 Stunden. Dadurch können sich auch der Krankenhausaufenthalt und damit die Kosten verkürzen.“ Zu den generellen Kosten der Großgeräte sagt er: „Natürlich sind die Einzelkosten pro Gerät im Laufe der Zeit günstiger geworden, der Anteil der gesamten Medizintechnik liegt in einem Krankenhaus unter dem der Medikamentenkosten.“ Neben den Anschaffungskosten der Großgeräte entfällt auch ein wesentlicher Teil der damals analogen und heute digitalen Aufnahme- und Verarbeitungssysteme wie etwa RIS oder PACS. Diese seien laut Hruby und Stellamor 1989 ebenfalls zu den Großinvestitionen zu zählen. Hruby resümiert heute: „Das Donauspital war das erste Spital weltweit, das eine vollständig digitale Radiologie hatte, und war somit Schrittmacher. Wir hatten dank der damaligen Verantwortlichen genug Freiräume in diesem doch sensiblen Bereich, diese Entwicklungen voranzu-

Es muss heute nicht mehr der Keller sein, in dem ein Großgerät aufgestellt wird, Diagnosezentren findet man ebenso im 5. Stock mit lichtdurchfluteten Warteräumen. An technischen Entwicklungen sind z.B. höhere Auflösung, ausgeklügelte Auswertesoftware, die künstliche Intelligenz nutzt, geringeres Gewicht, geringere Strahlenbelastung bei CT, kürzere Untersuchungszeiten durch breitere Detektoren oder implantatfähige MRT genauso zu nennen wie größere Röhrendurchmesser für Patienten, um klaus­trophoben Gefühlen entgegenzuwirken. Letzteres ist allerdings eine technische Herausforderung, da die Bilder unschärfer werden, je größer der Durchmesser ist. Auch beim CT kann die Öffnung nicht unendlich vergrößert werden. „Die Röntgenstrahlung muss dann einen längeren Weg zurücklegen. Das geht nur mit mehr Energieaufwand“, so Gruber vom VMSÖ.

Fortschritte in der Technik Im Laufe der Jahre sind z.B. CT-Geräte zwar strahlungsärmer geworden, dennoch ist die Strahlenbelastung nicht zu unterschätzen: „Wir sehen in mehreren Statistiken, dass die Strahlenbelas­ tung für die Gesamtbevölkerung insgesamt ansteigt, da mehr untersucht wird“, sagt Gruber. Doch wo ein Gerät vorhanden ist, wird es auch genutzt, und oft wird von Patienten diese oder jene

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Was die Rückschau zeigt

Untersuchung gefordert. Da ist Wissen gefragt, auch bei den Zuweisern. Hruby und Stellamor schrieben schon 1989: „Es geht nicht um die Anwendung der gesamten technischen Diagnostikmöglichkeiten, sondern um den zielführendsten Einsatz.“ Dies unterstreicht Hruby auch 2019: „Es ist wichtiger zu fragen, mit welchen Möglichkeiten ich bei einer einmaligen Untersuchung die größtmögliche Information erreiche, um für die Patienten zu einer raschen Diagnose und letztendlich zu einer Therapie zu kommen, als welches Gerät bzw. Großgerät nutze ich.“ Um den Ärzten diese Problematik bewusst zu machen, gibt es seit dem Jahr 2000 eine Orientierungshilfe Radiologie3, ein Projekt verschiedener Fachgesellschaften sowie des Verbandes für Bildgebende Diagnostik Österreich und der Bundesfachgruppe Radiologie der österreichischen Ärztekammer. Das Kompendium will Ärzten helfen, die für die jeweilige Situation bestgeeigneten bildgebenden Verfahren auszuwählen. „Zurzeit wird diese Version völlig neu überarbeitet, auch, um den neuen EU-Vorgaben dazu zu entsprechen. Diese wurden in der neuen Fassung der Medizinischen Strahlenschutzverordnung bereits umgesetzt“, sagt Gruber. Darin lautet §7: „Die überweisende Person hat verfügbare Überweisungsleitlinien für die medizinische Bildgebung zu berücksichtigen.“

Patientenorientierung

Interdisziplinäre Zusammenarbeit aller assoziierten Fächer und Berufsgruppen ist in sogenannten Hybrid-OP ebenfalls im Trend, wie z.B. im neu eröffneten Krankenhaus Nord in Wien. In diesen wird nicht nur operiert, sondern es steht auch eine umfangreiche Diagnostik zur Verfügung. Und dann gibt es noch etwas, das nichts mit Hightech zu tun hat: Die Kommunikation zwischen Fachgruppen, aber auch zum Patienten ist laut Hruby „in Zukunft viel stärker zu bewerten als die ganze Technik“. :: Literatur: 1 Österreichischer Strukturplan Gesundheit 2017 inklusive Großgeräteplan. Zugang: https:// www.sozialministerium.at/cms/site/attachments/1/0/1/CH3967/CMS1136983382893/ oesg_2017_-_textband_stand_28.06.2019.pdf. Zugriff: 20.8.2019. 2 OECD.Stat Health Care Resources: Zugang: https://stats.oecd.org/Index. aspx?DataSetCode=HEALTH_REAC#. Zugriff: 20.8.2019. 3 Orientierungshilfe Radiologie: Zugang: http://www.vbdo.at/orie/index.htm, Zugriff 16.8.19.

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Und dann ist da noch die Angst der Menschen vor der Röhre: Mit Palmenstrand und Meeresrauschen wird versucht, die Patienten zu beruhigen und Abbrüche bei der Untersuchung zu vermeiden. Brillen oder Spiegel, die über Bildschirme Weite simulieren oder in denen Filme ablaufen, selbst gewählte Musik über Kopfhörer und die Möglichkeit, mit dem Personal jederzeit auch zu sprechen, sind ebenfalls bereits im Einsatz. Es ist auch nicht egal, wo das Gerät steht. Muss das Personal viele Schritte zurücklegen, wirkt sich das auf die Auslastung und auf die Kosten aus. In Sachen Patientenorientierung spielt der Raum ebenfalls eine wichtige Rolle. „Wir sind empathische Wesen und daher ist die Gestaltung des Raumes, in dem eine Untersuchung oder Therapie durchgeführt wird, eine wichtige Komponente. Die neuen Ansätze der Raumdesigns haben Vorbildwirkung“, sagt Walter Hruby.

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„Vernetzung wird wichtiger“ D

ie Vinzenz Gruppe betreibt in Wien eine Zentrale Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte am Standort Speising. Im Interview mit der ÖKZ erzählt Bereichsleiterin Maria Gusenbauer von der Wichtigkeit guter Kommunikation und genauer Personaleinsatzpläne, von Haftungsfragen und logistischen Herausforderungen. Was war die Initialzündung für die Errichtung der Zentralen Aufbereitungseinheit? Maria Gusenbauer: Es ging um die langfristige Optimierung der Sterilgutversorgung, darum, die Fachkompetenz der Mitarbeiter an einer Stelle zu bündeln und die kostenintensiven Maschinen, die erneuert werden mussten, zu optimieren und natürlich um die Qualitätssicherung. Früher hatte jedes Haus eine eigene, an den OP angeschlossene Aufbereitungseinheit. Bereits 2005 wurde die IstSituation evaluiert, zudem gab es eine Machbarkeitsstudie, auch was die bau­ lichen Maßnahmen betraf. Es wurde ja ein eigenes Gebäude geschaffen, das optimale Arbeitsbedingungen bieten sollte. 2013 ging die Zentrale Aufbereitungseinheit in Betrieb. Wo erleben Sie die größten Herausforderungen für einen reibungslosen Ablauf? Gusenbauer: Sowohl die Kunden – die fünf Krankenhäuser in Wien mit insgesamt 28 OP-Sälen, zwei Pflegehäuser sowie ein Haartransplantationsunternehmen und verschiedene Ordinationen – als auch die Aufbereiter müssen sich an strikt getroffene Vereinbarungen halten. Die Anlage ist sieben Tage in der Woche 24 Stunden in Betrieb, die Arbeitsspitze ist der Nachmittag. Für Abholung und Anlieferung – jeder Kunde wird viermal pro Tag beliefert – gibt es bestimmte Zeiten, an die auch die externe Logistikfirma gebunden ist, sowie einen genauen Personaleinsatzplan, der dem Logistikplan angepasst ist. Zudem ist eine gute Kom-

munikation mit allen an dem Prozess beteiligten Personen Voraussetzung. Welche Qualitätssicherungsmaßnahmen sind vorgesehen? Gusenbauer: Die Qualität hat natürlich höchste Priorität. Gesetze und Normen verlangen, dass der gesamte Prozess­ ablauf, wie Reinigung, Desinfektion und Sterilisation von Medizinprodukten, nach geeigneten validierten Verfahren durchzuführen ist. Jährlich wird überprüft, ob der Maschinenpark regelmäßig gewartet wird, ob es klare Arbeitsanweisungen gibt, ob die Aufzeichnung und Dokumentation der einzelnen Arbeitsschritte lückenlos nachvollziehbar sind sowie ausgebildetes Personal zur Verfügung steht. Für die gesamte Dokumentation gibt es ein EDV-gestütztes Dokumentationssystem. 2008 wurde die Anlage erstmalig zertifiziert, das heißt, das Qualitätsmanagementsystem wurde im Zuge eines Audits überprüft und die Anforderungen der Normengrundlage wurden und werden erfüllt. Zudem gibt es alle drei Monate häuserübergreifende Qualitätszirkel. Dabei analysieren die Teilnehmer Probleme und Schwachstellen aus ihrem jeweiligen Arbeitsbereich. Verbesserungsvorschläge werden diskutiert, vor allem mit dem Ziel, die Kundenzufriedenheit zu steigern. Die Mitarbeiter in den Arbeitskreisen bringen ihr Wissen sowie Ideen und Erfahrungen verantwortungsvoll ein. Wer übernimmt die Haftung? Gusenbauer: Grundsätzlich ist die Sterilisation dafür verantwortlich, dass die Ware vollständig und steril für den Patienten einsetzbar ist. Es werden nur Medizinprodukte aufbereitet, die über eine CE-Kennzeichnung verfügen und die vom Hersteller zur Wiederaufbereitung zugelassen sind. Für schadhafte Instrumente und Verzögerungen bei der Anlieferung wird keine Haftung übernommen.

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Vinzenz Gruppe

Wo es Organisation braucht

Bereichsleiterin Maria Gusenbauer: „Alle müssen sich an Prozesse und Verbindlichkeiten halten.“

Nach mehr als zehn Jahren, die die Anlage in Betrieb ist: Hat sich das Konzept bewährt? Gusenbauer: Es gab 2012 eine Studie des IHS, aus der hervorgeht, dass Vernetzung im Gesundheitswesen immer wichtiger wird. Das sehen wir auch. Durch diese Art der Leistungsbündelung gelingt eine optimale Geräteauslastung und Wegeführung, darüber hinaus ist der Personaleinsatz optimiert. Die Validierungs- und Zertifizierungsverfahren sind nur einmal im Jahr notwendig und die Wartungsverträge sind gebündelt. Kurzum, es ist also zu dem gekommen, was man Synergieeffekte nennt. Und es gibt gar keine Nachteile? Gusenbauer: Die strikten Vereinbarungen der gesamten Logistik setzen eine vorausschauende Planung des nächsten Tages in den operativen Einheiten voraus, was dazu führt, dass die OP-Planung gut durchdacht sein muss. Insgesamt: Was braucht es, um die Kunden zufriedenzustellen? Gusenbauer: Abgesehen von der Qualitätssicherung braucht es ein Team, das sich an Gegebenheiten anpasst, dass sich, wie gesagt, alle an die Prozesse und Verbindlichkeiten halten, es braucht regelmäßige Schulungen und vor allem regelmäßigen Kontakt zu den externen Partnern und den Kunden. Was noch gesagt werden muss, ist, dass der Österreichischer Sterilgutverband im Orthopädischen Spital Speising den Sterilkundelehrgang Teil III für leitende Fachkräfte anbietet. :: Das Gespräch führte Elisabeth Tschachler tschachler@schaffler-verlag.com

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Fotos: ©Sumetzberger

Was Unternehmen leisten

Rohrpost im Krankenhaus 4.0 – Innovation durch Kooperation

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urch die gestiegenen Anforderungen zur Patientensicherheit sind Innovationen immer stärker auf Kooperationen über Unternehmensgrenzen hinaus gefordert. Zudem werden neben Partner-Unternehmen auch Forschungseinrichtungen als Innovationsträger für uns immer wichtiger“, erklärt Ing. Peter Friedrich, Leiter Rohrpost und Fördertechnik, Ing. Sumetzberger GMBH. Die Rohrpost ist mittlerweile weltweit ein wichtiger Bestandteil eines jeden modernen Krankenhauses. Dabei handelt es sich schon lange nicht mehr um einen simplen Transport von Blutproben, Blutbeuteln oder Medikamenten von Punkt A zu Punkt B. Hochmoderne computergesteuerte Rohrpostsysteme sind sichere Übergabepunkte an Pflegepersonal oder an vollautomatisierte Laborstraßen und Apothekenroboter. Dabei wird jeder Verarbeitungsschritt in Echtzeit überwacht und protokolliert.

Seit Mitte 2019 werden im Krankenhaus Nord – Klinik Floridsdorf Blutproben schnell und effizient via Rohrpost versendet und an eine vollautomatisierte Laboranalysestraße übergeben. „Mit diesem modernen System können Blutproben innerhalb einer Stunde analysiert werden. Akutproben werden außerdem durch die Rohrpost priorisiert und daher noch schneller abgearbeitet“, sagt Prim. Univ.-Doz. Dr. Walter Krugluger, Vorstand des Instituts für Labormedizin. Auch im Universitätsklinikum St. Pölten und im SMZ Süd – Kaiser-FranzJosef-Spital in Wien sind ähnliche Anlagen seit 2016 in Betrieb. „Durch den Einsatz dieser modernen Technologie ist es dem Fachpersonal möglich, sich auf Spezialanalysen zu konzentrieren“, so Peter Friedrich. „Aktuell arbeiten wir gemeinsam mit unseren internationalen Partnern an der Umsetzung des autonom fahrenden Transportroboters GoCart

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für den Transport von Medikamenten aller Art, bis hin zu patientenindividuellen Unit-DoseMedikationen. Mobile Endgeräte-Lösungen (smart devices) zur digitalen Pflegedokumentation sind dabei ebenso ein wesentlicher Bestandteil wie die Integration von GoCart in den intralogistischen Verteilerprozess von Medikamenten“, so Friedrich. Der automatisierte Transport von Sterilgütern, Mahlzeiten, Verbrauchsmaterialien und vielem mehr durch GoCart sind neue Trends, auf die Sumetzberger und seine internationalen Partner setzen. „Der Vorteil bei einem autonomen Transportroboter liegt klar in der flexiblen Anwendung. Während herkömmliche AGVs zur Navigation Marker, Drähte, Magnete oder Laser benötigen, kann GoCart ohne jede bauliche Veränderung schnell und einfach installiert werden“, so Peter Friedrich. Wie auch bei der Entwicklung moderner Rohrpostanlagen setzt Sumetzberger bei GoCart auf die enge Zusammenarbeit mit den Krankhäusern und entwickelt gemeinsam kundenspezifische und anwender­ orientierte Lösungen. :: www.sumetzberger.at

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Entgeltliche Einschaltung

Der Einsatz von modernen Informationstechniken im Krankenhaus gewinnt immer mehr an Bedeutung. Während die Digitalisierung zunächst darauf aufgebaut ist, bestehende Prozesse wie Datenaustausch und Dokumentation zu erleichtern, ergeben sich durch Technologien wie Cloud Computing, Big Data Analysen und medizinische Anwendungen auf mobilen Endgeräten ganz neue Möglichkeiten in der medizinischen Versorgung und Patientensicherheit.


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