Page 1

GESCHICHTEN MASCHINE Ein Experiment von Max Scholl


Geschichtenmaschine Ein Experiment von Max Scholl


GESCHICHTEN MASCHINE Ein Experiment von Max Scholl


1. Auflage, 2012 Eine Hommage an Raymond Queneau Gestaltung und Konzept von Max Scholl Die Struktur der Kurzgeschichte »Angaben« aus dem Buch »99 Stilübungen« von Raymond Queneau ist Grundlage für den Aufbau der ent­standenen Texte. Die Struktur besteht aus vier Charakteren, zwei Orten, zwei Zeiten, sechs Merkmalen und acht Aktionen. Den Inhalt lieferten Freiwillige ohne die Struktur und somit den Geschichtenaufbau zu kennen. Somit entstehen Sachverhalte, die vollkommen surreal und abstrus kombiniert sind. Danke an die vielen freiwilligen Probanden, die den Inhalt zu diesen Geschichten geliefert haben, ohne zu wissen, was damit geschieht.


INHALT

VERSCHWENDET Inhalt von Anna-Lena Seite 5

HISTORISCH Inhalt von Christian Seite 12

KOMMUNISTISCH Inhalt von Joscha Seite 14


SURREAL Inhalt von Marius Seite 16

MEDIZINISCH Inhalt von Nathalie Seite 18

TELEFONISCH Inhalt von Sabrina Seite 20

TIERISCH Inhalt von Sebastian Seite 22


MÄRCHEN Inhalt von Frederik Seite 24

VORHERSEHUNG Inhalt von Peter Seite 26

ENTTÄUSCHT Inhalt von Frank Seite 28

APOKALYPTISCH Inhalt von Ravena Seite 30


VERSCHWENDET Inhalt von Anna-Lena

10


Im Kindergarten, neben dem Hundeleinenladen um 3 Uhr morgens. Ein Kind in einer roten Schürze, das beinhart geimpft wurde, denkt sinnfrei über einen Napf nach. Druffis siechen im Kindergarten lüsternd dahin. Das Kind ist im Begriff, in den Armen der Druffis abzukratzen. Das Kind tanzt mit den Druffis, die schwadronierend Einzug halten. Ein rosa Dildo, der zum Takt der Musik vibriert. Das Kind verschwendet seine letzten Stunden mit sinnfreiem Denken. Gestern Abend sah ich das Kind im Konsumpalast Loop5. Es war mit Aliens vom Stern Erotica unterwegs, die versackt un­ter einer Diskokugel leben. Einer der Aliens starb glücklich. 11


HISTORISCH Inhalt von Christian

12


In London, das nach Eiern roch 1920. Marvin, der besessen Milch, Brot und Käse fotografiert. Die junge Union singt inbrünstig in London. Marvin gaukelt der jungen Union etwas vor. Er will einen von der jungen Union elendig ersticken, doch dieser rennt davon. Sein Hals sieht vom Ersticken aus wie eine Wurst. Marvin stinkt aus dem Mund. Heute sehe ich in Anna -Lenas Küche Marvin. Marvin ist dort mit Joscha, der Marvin mit einem Stück Butter brutal ermordet. Joscha rennt rumpelnd über die Treppe davon.

13


KOMMUNISTISCH Inhalt von Joscha

Endlich auf dem Platz der großen Freiheit, der von oben aussieht wie ein Hund mit Gürtel in Größe M. Captian America mit Wecker im Handy und Geld auf dem Papier labbert dumm auf einer kunterbunten Toilette rum. Studenten hüpfen mit ihren Lungenflügel fabelhaft über den Platz der großen Freiheit. Captian America furzt grazil in Richtung von Ho Chi Min, der neben ihm steht. Er verspürt einen natürlichen Hass gegenüber Ho Chi Min, was er durch stump14


fes Grun­z en zum Ausdruck bringt. Es steht ein Auto da, das immer irgendwie teuer ist. Captian America kauft fast süchtig eines davon. Ich sehe ihn ständig in Laufhäusern in Frankfurt. Er und Rudolph Hess, wobei Rudolph amüsiert auf Captian America rumkaut, während er italienischen Espresso trinkt. Rudolph kocht auch gesund.

15


SURREAL Inhalt von Marius

An der Decke, bestückt mit grauen Iltis Plüschpuppen aus Samt um viertel vor Zwölf. Ein unendlich schöner Iltis mit treuen Knopfaugen lacht erheblich und triumphierend über den prätentiösen Bananenstaudenbaum aus Baum, der einer walfischflossenartigen Walfischflosse in einem Blumenkübel aus Ton ähnelt. Männer albern an der Decke überraschend witzig herum. Der Iltis wabert zerzaust um den Doppelpenis herum. Er hoppelt flink vor dem Doppelpenis weg, der 16


blitzartig reagierend an der Decke herumspaziert. Die goldene funkel-zauberschöne Teekanne erschwert das Hoppeln. Gerade sehe ich den Iltis mit zwei Eichhörnchen im Wartungsschacht der transsibirischen Eisenbahn wieder, die Eichhörnchen tanzen nackt um den Iltis her­um und winken mit tausend Mark aus Geldscheinmaterial. Die beiden Eichhörnchen zwinkern mir ungestüm zu.

17


MEDIZINISCH Inhalt von Nathalie

Im St. Joseph’s Hospital, in dem ein roter Beutel liegt, der so rot ist, wie zu viel Blut am 09.10.2009. Ein Arzt, bestückt mit durchsichtigen Schläuchen, die nach Plastik riechen und an denen gelbe Klipse stecken, kotzt würdevoll auf die weiße Bettwäsche. Das Chemo-Ambulanz Team verspürt kraftvolle Schmer­z en im St. Joseph’s Hospital. Der Arzt schreit hilflos nach der Krankenschwester. Er weint verzweifelt vor der Krankenschwester und zittert vor 18


Angst. Eine Nierenschale aus Pappe voll mit Tr채nen. Der Arzt denkt voll Melancholie nach. Um 12:20 sehe ich den Arzt in Wiesbaden. Er ist dort mit einem Zytostatika-Lieferant, der sich Wunden vom Arzt mit einem Skalpell behandeln l채sst. Der Zytostatika-Lieferant schluchzt.

19


TELEFONISCH Inhalt von Sabrina

20


In Brighton, das als Wahrzeichen eine Tasse im Wappen hat um 00:46. Onkel Gerhard fährt mit dem Iphone am Ohr und einem Brennkessel auf dem Beifahrersitz durch ein Untergeschossparksystem. Die Ludolfs zählen laut bis 100 in Brighton. Onkel Gerhard singt Carolin Kebekus, mit der er telefoniert, etwas vor. Er lässt gerade ein Buch drucken, indem er gesteht, dass er vergeben ist. Ein dicker Vogel schmückt das Cover. Onkel Gerhard hält an. Um 12:00 sehe ich ihn in Wiesbaden wieder. Er ist dort mit Frau Schenk, die über der Last ihrer Zeichnungen zusammenbricht. Sie redet auf ihn ein.

21


TIERISCH Inhalt von Sebastian

In der Wüste Gobi, durch die eine vergoldete Plastiktüte fliegt am 21.12.2012. Ein Pferdeflüsterer mit einer schwarzen Stereoanlage schält weinend grünes nach Birke duftendes Kerzenwachs mit seinem Messerset. Die Eismann-Gewerkschaft fährt besoffen durch die Wüste Gobi. Der Pferdeflüsterer verabschiedet sich dankbar von dem Luftballonverkäufer. Er kitzelt ihn, währendem er unaufhörlich telefoniert. Der Vogelkäfig des Luftballonverkäufers ist beheizbar 22


und mit einer Klimaanlage ausgestattet. Der Pferdefl端sterer ist auf dem Weg, um an diesem verregneten Tag zu saunieren. Im Zoo sehe ich ihn mit meinem Steuerberater Florian Platineisen, der gerade einen Teil des Pferdefl端sterers kocht. Dann geht er satt durch den Zoo spazieren.

23


MÄRCHEN Inhalt von Frederik In einer Scheune, in der ein Zauberstab liegt während der Dämmerung. Ein Wolf säuft sich um das letzte Hemd, während ihm eine verfaulte Banane reichlich Sorgen bereitet. Wahnwitzige Motorbiker reden durchgängig Müll in der Scheune. Der Wolf scheißt auf seinen alten Ego. Er läuft kurz rückwärts und denkt über ihn nach. Wirre Gedanken, er überlegt reichlich. Der Wolf ist durchgeknallt. Am Mittag sehe ich ihn mit Armins Astralkörper, der dreckige Teller spült, 24


während der Wolf Buchstabensuppe kocht. Armins AstralkÜrper seilt einen ab.

25


VORHERSEHUNG Inhalt von Peter

Vorgestern in Frank Philippin‘s Büro, in dem ein morscher Ast steht. Max mit der glänzenden Glatze und der lustigen Hose will langsam einen krummen Apfel verspeisen. Leopold will noch schnell in Frank‘s Büro schlafen. Max guckt kurz zu Ravena. Er wird vor Bewusstlosigkeit bleich, als Ravena vor Angst wegrennt. Er sieht aus wie ein abgelaufener Joghurt. Max platzt vor Freude. In 10 Jahren werde ich ihn wiedersehen, er wird mit Ingo genießend die 26


Beine kreuzen und auf einer spannenden Toilette sitzen. Ingo wird mich deutlich bemerken.

27


ENTTÄUSCHT Inhalt von Frank

28


Mitternacht, ich im Kleinen, hier. Ich bin groĂ&#x;, nicht schlank, nicht fett und sitze da. Du stehst auch hier. Ich laufe zu dir. Ich renne zu dir und krieche dann. Ich bin fast breit vom Rennen. Ich robbe. Um 12 Uhr Mittag sehe ich mich dort wieder, ich bin da mit ihm, er lahmt und ich habe gerade ein Hoch. Sie hinkt die Beziehung.

29


APOKALYPTISCH Inhalt von Ravena In der Hölle, in der man zu früh runzelige Fingerkuppen bekommt. Faust mit dem abgeschnittenen Ohr schleicht auf Zehenspitzen laut an einem sackhüpfenden Maulesel und einem weißen Bagger vorbei. Kafka tanzt blitzschnell langsam durch die Hölle. Faust rülpst in Benjamin Blümchens Richtung. Er hickelt mit Benjamin Blümchen, der schnackelt. Laut wie eine geprügelte Vogelscheuche. Faust schmatzt. Am 11.11.2011 um 11:11 Uhr sehe ich Faust im Hauptquartier der Donau30


dampfschiffahrtsgesellschaft wieder. Er ist dort mit Karla Kolumne, die im Begriff ist, auf Faust wie eine hinkende Seerobbe einzuschlafen. Karla meditiert.

31


Geschichtenmaschine  

Geschichtenmaschine ist ein Textexperiment, das im Rahmen des Entwurfskurs 1 entstanden ist.