Discover Germany, Issue 86, Architecture Special, October 2021

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Quiet spaces.

Smart partitions.

HYBRIDOFFICE ALS ARBEITSPLATZ DER ZUKUNFT Das Münchner Architekturbüro tools off.architecture von Eva Durant und Andreas Notter ist ein Experte für neue Typologien des Arbeitens und hat für den Verlag Condé Nast ein neues Bürokonzept entwickelt, das Office und Homeoffice, Arbeit, Freizeit und Kommunikationsräume miteinander kombiniert.

Das Thema Homeoffice sei gerade mit Recht in aller Munde, sagt Architekt Andreas Notter. Er und seine Partnerin Eva Durant haben sich auf neue Formen des Büro-Arbeitens konzentriert – lange Zeit vor allem für Unternehmen in der Kreativbranche, doch inzwischen haben auch andere Branchen das Thema entdeckt. „Nach der Pandemie werden viele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz zuhause behalten“, so Andreas Notter. Das Arbeiten der Zukunft ist für ihn gekennzeichnet durch ein Hybridoffice: Arbeit zuhause und Arbeit im Büro werden sich die Waage halten. „Es hat sich herausgestellt, dass beide Situationen ihre Vorzüge haben und dass ein Arbeiten im räumlichen Wechsel eine optimale Situation darstellt.“ Zuhause kann man sich oft besser konzentrieren und die Arbeitszeit lässt sich flexibler gestalten. „Aber was fast alle nach einigen Wo-

chen ‚alleine arbeiten‘ vermissen, ist der direkte und unmittelbare Kontakt mit den Kollegen“, sagt Architektin Eva Durant über die Ergebnisse von Workshops unter anderem bei Condé Nast. Erfolgreiches Arbeiten braucht Kommunikation und das Gefühl gemeinsam „an einem Strang zu ziehen“. „Was das Homeoffice nicht erfüllen kann, muss das Office bieten“, ist sich Notter sicher. Condé Nast entschloss sich zum Ende des Lockdowns eine komplett neue Arbeitsatmosphäre zu bieten, statt abzuwarten, wie sich die Arbeitswelt entwickeln würde. Im neu gestalteten Büro verschmelzen die drei Bereiche Working, Creating und Living, so dass eine Art ‚zweites Zuhause‘ für Mitarbeiter entstand. Die Flächen für Projektarbeit und Living sind durch Partitionen aus Nussbaum abgegrenzt, die einen Blickkontakt mit den Arbeitsplätzen

erlauben, so dass sich keiner ausgeschlossen fühlt. „Wir haben das Konzept gemeinsam mit Condé Nast entwickelt“, erläutert Eva Durant. „Es ist ein Glücksfall, ein Unternehmen zu haben, dass das genauso sieht wie wir.“ Anfangs gab es sogar die Idee, gar keine Computerarbeitsplätze zu schaffen und sich ganz auf die Kommunikationsaspekte zu konzentrieren. „Es hat sich aber herausgestellt, dass Leute doch zum konzentrierten Arbeiten ins Büro kommen“, weil ihnen zuhause die Motivation oder auch der technische Support fehlt. Andreas Notter vergleicht das mit dem Sport: Manch einer braucht die Motivation des Mannschaftssports oder den Ansporn der Kollegen. „Das Konzept zeigt, dass in der Veränderung der Arbeitswelten ein grosses Potenzial liegt.“

www.tools-off.com

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