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R+V VERSICHERUNG

Kostspielige Attacken aus dem Netz Die Zahl von Angriffen auf die IT-Systeme von Unternehmen steigt rasant: Viren legen ganze IT-Systeme lahm, Unternehmens- und Kundendaten werden gestohlen: Laut dem KfW-Mittelstandspanel 2015 waren in den vergangenen Jahren rund ein Drittel der mittelständischen Unternehmen in Deutschland konkret von IT-sicherheitsrelevanten Vorfällen betroffen. Die Politik bietet mit einer Cybersicherheitsstrategie für kleine und mittlere Unternehmen unter dem Motto »IT-Sicherheit in der Wirtschaft« Unterstützung an. Zudem wird ein neues Zentrum zur Bekämpfung der Cyberkriminalität geschaffen. Dennoch sind Betriebe aufgefordert, selbst Verantwortung für IT-Sicherheit zu übernehmen, um existenzbedrohende Schäden abzuwenden. ie Digitalisierung hat in den mittelständischen Unternehmen, dem Rückgrat der deutschen Wirtschaft, längst Einzug gehalten. Bedauerlicherweise vernachlässigen aber bisher die meisten den dazugehörigen Versicherungsschutz«, sagt Stefan Schmutterer, Cyber-Experte der R+V Versicherung. Viele Mittelständler gingen davon aus, dass Cyberattacken vor allem großen Konzernen gelten. Tatsächlich zeige das KfW-Mittelstandspanel, dass auch kleine und mittle-

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re Unternehmen stark gefährdet sind. Neben Dienstleistungsunternehmen, Betrieben des verarbeitenden Gewerbes sowie dem Groß- und Einzelhandel ist auch das Baugewerbe von IT-Sicherheitsvorfällen betroffen. Jeder fünfte Betrieb wurde bereits Opfer von elektronischer Kriminalität. Weitere 30 % der Unternehmen des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes berichten von Verdachtsfällen. Zu den spezifischen Cyberrisiken der Branche gehört

der Datendiebstahl. Denn mit der Realisierung größerer und kleinerer Bauprojekte ist immer auch der Umgang mit großen Mengen von Kundendaten und Plänen verbunden. Die Liste potenzieller Gefahren ist allerdings noch viel länger. »Mittelständler werden Opfer von Hacking, Phishing oder Datendiebstahl. Aber auch durch unachtsames Fehlverhalten der eigenen Mitarbeiter kann es schnell zu einem Datenschaden kommen, der den wirtschaftlichen Ruin des Un-

ternehmens bedeutet«, sagt Schmutterer. »Deshalb ist es wichtig, dafür Sorge zu tragen, dass Schäden, die durch die Nutzung vernetzter IT- und Kommunikationssysteme entstehen, über eine Versicherung abgedeckt sind – und zwar sowohl auf Seiten des Unternehmens als auch auf Seiten eventuell ebenfalls betroffener Partner oder Kunden. Dass der Versicherungsumfang auch das fahrlässige Fehlverhalten der Mitarbeiter umfasst, ist hierbei keine Selbstverständlichkeit.« Sind des Weiteren Kundendaten von einer Cyberattacke betroffen, hat das immer auch Auswirkungen auf die wichtigen Kundenbeziehungen. Um drohende Reputationsschäden abzuwenden, sollten im Schadensfall schnell die richtigen Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. »Auch dabei helfen

Sofortige Einberufung einer Gesellschafterversammlung bei hälftigem Verlust des GmbH-Stammkapitals O UPPENBRINK & COLLEGEN – Auf eine häufiger vernachlässigte Pflicht eines GmbHGeschäftsführers weist Unternehmensberater Thomas Uppenbrink von Thomas Uppenbrink & Collegen aus Hagen hin: Wenn anhaltende Verluste mindestens die Hälfte des Stammkapitals einer GmbH aufgebraucht haben, hat der Geschäftsführer gemäß § 49 III GmbHG eine außerordentliche Gesellschafterversammlung einzuberufen. iese Pflicht bestehe auch dann, so Uppenbrink, wenn ein Jahresabschluss noch nicht vorliege, aber aus den betriebswirtschaftlichen Auswertungen hervorgehe, dass im Laufe des Geschäftsjahres bereits mindestens die Hälfte des Stammkapitals verloren wurde. Nach § 84 I GmbHG drohe dem Geschäftsführer bei Unterlassen dieser Pflicht eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. »Selbst wenn die Einberufung solch einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung vom Geschäftsführer ohne Böswilligkeit unterlassen wurde, steht gemäß § 84 II GmbHG immer noch ein fahrlässiges Versäumnis zur Diskussion, das eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder Geldstrafe vorsieht«, so Uppenbrink weiter.

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Geschäftsführer in der Sorgfaltspflicht Uppenbrink weist Geschäftsführer darauf hin, dass hier eine entsprechende Pflicht besteht, innerhalb einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung auf einen hälftigen Verlust des Stammkapitals hinzuweisen. Dem Geschäftsführer sollte auch immer daran gelegen sein, denn letztendlich haftet gegebenenfalls nur er und muss sich unter Umständen sogar bezüglich einer möglichen Insolvenzverschleppung rechtfertigen. Gerade bei krisenbehafteten Unternehmen muss den Geschäftsführern explizit nahegelegt werden, die tatsächliche und sogar zukünftige wirtschaftliche Situation immer im Auge zu behalten. Nur so lässt sich eine zivil- und strafrechtliche Haftung verhindern.

Gesellschafterversammlung-Entscheidung abhängig von der Prognose Allein die Entscheidung zu treffen, das Stammkapital wieder aufzufüllen, scheint zwar dem Gesetz gegenüber zweckmäßig, jedoch sind damit weder die Ursachen noch weitere Auswirkungen der Krise behoben. »Neben den vorhandenen Beratern ist daher zu überlegen, ob eine Beauftragung von sanierungserfahrenen Spezialisten Sinn macht«, betont der Unternehmensberater. Denn es sei unter Umständen ratsam, bereits vor der Gesellschafterversammlung ein entsprechendes Sanierungskonzept erarbeiten zu lassen, um eine Fortführungsprognose für das krisenbehaftete Unternehmen abgeben zu können und die weitere Strategie daran auszurichten.§

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bauMAGAZIN April 2017  

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