__MAIN_TEXT__

Page 1

SBFI NEWS

5/19

Informationen aus dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI

Fokus Interessante Chancen für Schweizer Industrie >4

Berufsbildung Orientierungshilfe für Qualifikationsverfahren > 12

EHB und ETH Bundesrat verabschiedet Botschaften > 16


Inhalt Fokus – Zusammenarbeit Industrie und Forschung ƒƒ Gefragte Schweizer Produkte und Dienstleistungen

4

ƒƒ Nachfrage nach Spitzentechnologie von Schweizer KMU

8

ƒƒ Zusammenarbeit mit Forschungsinstitutionen und Hochschulen

10

Themen ƒƒ Qualifikationsverfahren mit Abschlussprüfung

12

ƒƒ Exzellenz und Attraktivität der dualen Berufsbildung

14

ƒƒ ETH- und EHB-Gesetz

16

ƒƒ Praxisintegrierter Bachelorstudiengang an Fachhochschulen

18

ƒƒ Auswirkungen der Beteiligung der Schweiz an den europäischen Forschungsrahmenprogrammen 20

Einblicke ƒƒ Fakten und Zahlen Subjektorientierte Finanzierung stösst auf Interesse

22

ƒƒ Arbeiten im SBFI: Karin Berger Wälti, Ressort Finanzen und Controlling

23

ƒƒ BFI-Bild 24

IMPRESSUM Herausgeber: Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI Einsteinstrasse 2, 3003 Bern info@sbfi.admin.ch www.sbfi.admin.ch Ausgabe: Nr. 5 2019 (5/19) Redaktion: Dani Duttweiler und Martin Fischer Grafik: Désirée Goetschi Übersetzungen: Sprachdienst SBFI Druck: BBL Sprachen: D und F ISSN 2296-3677

2

Titelseite: Dank der Mitgliedschaft der Schweiz in internationalen Forschungsorganisationen können sich auch hiesige Unternehmen bei Ausschreibungen bewerben. Dazu zählt die Kompaflex AG aus Steinebrunn (TG). Das Industrieunternehmen lieferte und testete für den Bau des Fusionsreaktors ITER in Cadarache (Frankreich) den Prototypen eines hochpräzisen Rechteck-Kompensators in der Grösse von über drei auf vier Meter. Kompensatoren gleichen Bewegungen in Rohrleitungen mechanisch über einen Balg aus, beispielsweise bei thermischen Längenänderungen oder Verschiebungen ausgelöst durch Erdbeben. Mehr über die Zusammenarbeitsmöglichkeiten der Schweizer Industrie mit internationalen Forschungsorganisationen im Fokusthema ab Seite 4. Bild: Kompaflex AG

Folgen Sie uns auf Social Media


SBFI NEWS 5/19 l EDITORIAL

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser Die Schweizer Berufsbildung stand im November gleich mehrmals im Fokus. Zum einen stösst sie selbst in wirtschaftlich äusserst wettbewerbsfähigen Ländern auf grosses Interesse. Diese Erkenntnis habe ich unlängst aus Gesprächen in Dänemark, Finnland und Schweden mitgenommen. Die dort getroffenen Politikerinnen und Politiker und Akteure im Bereich Bildung, Forschung und Innovation zählen die duale Berufsbildung mit ihrer Verwurzelung in der Praxisorientierung zu den zentralen Gründen, weshalb unser Land in internationalen Innovationsrankings regelmässig auf Spitzenplätzen figuriert. Ist unsere Berufsbildung heute also auch aus internationaler Sicht eine Erfolgsgeschichte, gilt es, ihr entsprechend Sorge zu tragen. Heutige Erfolge beruhen immer auf Überlegungen, Entscheidungen und Massnahmen, welche früher angestellt, früher gefällt und früher in die Wege geleitet wurden. Soweit wie möglich vorausschauen ist also wichtig. Mit Blick auf diese Forderung war die Ende November von gut 750 Personen besuchte Herbsttagung der Berufsbildung in Bern ein Erfolg. Sie diente der offenen Diskussion über eine Berufsbildung, die fit bleiben und fit gemacht werden soll für die Zukunft. Mit der verbundpartnerschaftlich gestarteten Initiative «Berufsbildung 2030» befinden wir uns auf der richtigen Flughöhe und haben die richtige Weitsicht. Die ersten Projekte zielen jedenfalls auf drängende Fragen. Der Bürokratieabbau in den Lehrbetrieben zählt beispielsweise dazu – hier geht es um die Ausbildungsbereitschaft insbesondere der kleinen und mittleren Betriebe – oder die Beschleunigung bei der Berufsentwicklung angesichts des digitalen Wandels. Dass aus der Herbsttagung weitere zukunftsträchtige Projekte hervorgehen, ist zu erwarten. Schliesslich wurde im November 2019 auch die neueste Kosten-Nutzen-Studie zur beruflichen Grundbildung vorgestellt. Die berufliche Grundbildung beruht auf der Bereitschaft der Betriebe, junge Menschen oder auch Erwachsene in einem Lehrberuf auszubilden. Für diese Bereitschaft ist es wichtig, dass sich die Ausbildungstätigkeit aus betrieblicher Sicht lohnt. Das Fazit der Studie: Für die meisten Ausbildungsbetriebe in der Schweiz lohnt sich die Ausbildung von Lernenden, der Nutzen während der Ausbildungszeit übertrifft meist die Kosten. Und zusätzlichen Nutzen können die Betriebe dadurch generieren, dass sie ihre Lernenden nach Lehrabschluss weiterbeschäftigen und sich so Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten sparen.

Martina Hirayama Staatssekretärin für Bildung, Forschung und Innovation

3


SBFI NEWS 5/19 l FOKUS

Fokusthema: Internationale Zusammenarbeit im Forschungsund Innovationsbereich – Chancen für die Schweizer Industrie

Gefragte Schweizer Produkte und Dienstleistungen Internationale Forschungsinfrastrukturen wie das CERN in Genf sowie die Europäische Weltraumorganisation ESA sind auf hochwertige Produkte und Dienstleistungen angewiesen. Dank der Mitgliedschaft der Schweiz in diesen Organisationen können sich auch Unternehmen aus der Schweiz bei entsprechenden Ausschreibungen bewerben. Pro Jahr fliessen so Aufträge in der Grössenordnung von insgesamt rund 250 Millionen Franken in die Schweiz zurück. Zudem profitieren Grossunternehmen und KMU vom Wissens- und Technologietransfer.

Die Schweiz ist Mitglied verschiedener internationaler Forschungsorganisationen wie beispielsweise der Europäischen Synchrotronstrahlungsanlage (ESRF) in Grenoble. Von dieser Mitgliedschaft profitieren nicht nur Forschende, sondern auch Schweizer Unternehmen in Form von Aufträgen und Know-how-Transfer. Bild: ESFR / D. Morel

4


SBFI NEWS 5/19 l FOKUS

Im Rahmen ihrer internationalen Zusammenarbeit im Forschungsund Innovationsbereich ist die Schweiz Mitglied von knapp zehn internationalen Forschungsinfrastrukturen. Ein gemeinsames Merkmal dieser Organisationen ist die Bewirtschaftung grosser Anlagen, die gebaut und unterhalten werden müssen. Dafür werden Aufträge an Unternehmen und andere Institutionen vergeben, nicht nur zur Beschaffung von Spitzentechnologiegeräten, sondern auch für Dienstleistungen oder Bauarbeiten. Bei der ESA beispielsweise liegt der Hauptschwerpunkt ihrer Tätigkeit in der Nutzung von Raumfahrtinfrastrukturen, vor allem aber in der Entwicklung und Lancierung neuer Weltraummissionen, die mit der Unterstützung europäischer Industrieunternehmen realisiert werden. Internationale Forschungsinfrastrukturen Durch die Beteiligung der Schweiz an den internationalen Forschungsinfrastrukturen können Schweizer Unternehmen an Ausschreibungen dieser Einrichtungen teilnehmen und so Auftragseingänge im Umfang von rund 100 Millionen Franken pro Jahr verbuchen. Für die schweizerische Industrie bedeutet dies nicht nur finanzielle Rückflüsse, sondern auch eine Möglichkeit, technologisches Wissen und Know-how aufzubauen. Darüber hinaus fördern die internationalen Forschungsinfrastrukturen den Technologietransfer, mit dem für ihre Bedürfnisse entwickelte Innovationen auf dem Markt verbreitet werden. In der Regel handelt es sich dabei um Software oder neue Technologien, die in unterschiedlichsten Bereichen wie Medizin, Informatik, Optik, Robotik, Energie, Verkehr, Kommunikation oder sogar in der Kunstgeschichte Anwendung finden. Der Beitrag der Unternehmen ist hier zum Beispiel gefragt, um marktfähige Prototypen zu entwickeln, herzustellen und zu vertreiben. Die Beschaffungspolitik der einzelnen internationalen Forschungsinfrastrukturen ist sehr unterschiedlich. Einige Ausschreibungen sind öffentlich, andere richten sich nur an eine Reihe von Unternehmen, die von den Mitgliedstaaten bestimmt oder von der Organisation selbst ausgewählt werden. Wie stark jede Organisation auf einen «gerechten Mittelrückfluss» unter den Mitgliedstaaten, d.h. eine Auftragsvergabe entsprechend dem finanziellen Beitrag des jeweiligen Landes, zu achten hat, unterscheidet sich ebenfalls. Als öffentlicher Geldgeber fördert der Bund einen angemessenen industriellen Rückfluss und die Entwicklung des Industriestandorts Schweiz. Grundsätzlich setzt sich das SBFI, das den Bund in den Kontroll- und Steuerungsgremien der internationalen Forschungsorganisationen und -infrastrukturen vertritt, für die Festlegung transparenter Beschaffungsregeln, die Einhaltung möglichst offener Verfahren und die Berücksichtigung von sowohl Preis- als auch Qualitätskriterien in den Beschaffungsverfahren ein. Qualitätskriterien spielen eine entscheidende Rolle, um die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen in einem internationalen Umfeld mit vergleichsweise niedrigen Preisen sicherzustellen. Diese Politik animiert die Schweizer Industrieunternehmen, die Konkurrenz im Auge zu behalten, sinnvolle grenzüberschreitende Kooperationen einzugehen und an der Spitze mitzuhalten. Im Gegenzug haben die internationalen Forschungsinfrastrukturen Zugang zu einem breit gefächerten Angebot und profitieren vom Wettbewerb unter den potenziellen Lieferanten. Europäische Weltraumorganisation Im Gegensatz zu den internationalen Forschungsinfrastrukturen ist die Europäische Weltraumorganisation ESA nicht an eine spe-

Zusammenarbeit mit einer internationalen Forschungsorganisation – Ablauf

1 3

1. Die internationalen Forschungsinfrastrukturen und die ESA veröffentlichen Ausschreibungen in ihren Mitgliedstaaten.

2

2. Die Schweizer Kontaktstellen informieren und beraten interessierte Unternehmen aus der Schweiz (siehe Seite 7): • ESA: SBFI, Abteilung Raumfahrt • Internationale Forschungsinfrastrukturen: Swiss ILO

3. Das SBFI setzt sich für Beschaffungsregeln ein, die der schweizerischen Industrie entsprechen, und achtet darauf, dass sie von den internationalen Forschungsinfrastrukturen und der ESA eingehalten werden. Gemeinsam mit seinen Partnern beauftragt und finanziert das SBFI in grossen Teilen das Swiss ILO. zifische Grossanlage gebunden. Aufgabe der ESA ist es, die Entwicklung technischer Fähigkeiten und europäischer Raumfahrtinfrastrukturen zu gestalten, indem sie den Einsatz der Finanzmittel und das Know-how ihrer Mitgliedstaaten koordiniert. Die ESA ist auf allen Gebieten der Raumfahrt tätig und zeichnet sich durch ihre grosse Anzahl und Vielfalt an Programmen und Missionen aus. Entsprechend breit sind auch ihre Forschungsbereiche und die entsprechenden Technologien. Die Beteiligung an den verschiedenen Programmen der ESA erfolgt grundsätzlich nach dem Prinzip der «variablen Geometrie», d.h. jedes Mitgliedsland stimmt seine Beteiligung auf die jeweiligen nationalen Ziele und Prioritäten ab. Auch die Schweiz verfolgt eine eigene Weltraumpolitik. Der «Swiss Space Implementation Plan 2018−2020» fasst den strategischen Rahmen und die Technologieschwerpunkte der Schweiz zusammen. Die Industriepolitik bildet eine der Säulen der ESA und zielt vornehmlich darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu fördern. Offene Ausschreibungen sind die Regel. Die Mitgliedschaft der Schweiz erlaubt es den verschiedenen Schweizer Raumfahrtakteuren, sich auf unterschiedlichen Ebenen (Spitzentechnologie, Entwicklung von Prototypen, Produktion, Anwendungsentwicklung) vollumfänglich an den Missionen der ESA zu beteiligen, was sich in Mittelrückflüssen von jährlich rund 150 Millionen Franken niederschlägt. Die ESA, ihre Mitgliedstaaten und die europäische Raumfahrtindustrie stehen heute neuen Herausforderungen im Zusammenhang mit der rasanten Entwicklung der Raumfahrt gegenüber, die auf die Digitalisierung, die Miniaturisierung sowie den daraus resultierenden Kostendruck in der Herstellung und Lancierung von Satelliten zurückzuführen sind. Um in diesem schwierigen Umfeld die europäische Industrie zu unterstützen und Innovation zu fördern, verfügt die ESA über diverse Instrumente, die für die Ko-Finanzierung marktnaher Tätigkeiten geeignet sind, darunter öffentlich-private Partnerschaften. Zunehmend an Bedeutung gewinnen auch andere 5


Beteiligung der Schweiz an internationalen Forschungsorganisationen

ESS-ERIC (https://europeanspallationsource.se/) Source européenne de spallation

Lund, Schweden

Hinxton

European XFEL (www.xfel.eu) Europäische Freie-ElektronenRöntgenlaseranlage

Hamburg

Harwell Nordwijk

Brüssel Darmstadt EMBL (www.embl.de) Europäisches Laboratorium für Molekularbiologie

Heidelberg

Europäische Weltraumorganisation ESA (www.esa.int/)

Paris

ESO (www.eso.org) Europäische Südsternwarte

München

CERN (https://home.cern) Europäisches Labor für Teilchenphysik

Genf ILL (www.ill.eu) Institut Laue-Langevin

Grenoble

ESRF (www.esrf.eu) Europäische Synchrotronstrahlungsanlage

Französisch-Guyana

Cadarache

ITER/Fusion for Energy (www.iter.org, https://fusionforenergy.europa.eu) Thermonuklearer Fusionsreaktor / Europäische Agentur

Villafranca

Barcelona

Rom Frascati

Santiago de Chile

6


SBFI NEWS 5/19 l FOKUS

Die Mitgliedschaft der Schweiz erlaubt es den verschiedenen Schweizer Raumfahrtakteuren, auf unterschiedlichen Ebenen (Spitzentechnologie, Entwicklung von Prototypen, Produktion, Anwendungsentwicklung) vollumfänglich an den Missionen der ESA mitzuwirken. Schweizer Unternehmen beteiligten sich beispielsweise am Bau des ESASatelliten Sentinel 5P, der seit 2017 Daten für die weltweite Beobachtung der Atmosphäre erhebt. Bild: ESA / P. Carril

Instrumente, insbesondere solche zur Förderung der Nutzung von Weltraumdaten und des Technologietransfers. Dazu gehört das von der ESA lancierte europäische Netzwerk von Business Incubation Centres (ESA BIC), die schwerpunktmässig auf die Bedürfnisse von Start-ups ausgerichtet sind. Das ESA BIC Switzerland besteht seit 2016 und ist sehr aktiv. Der ESA ist es gelungen, in allen Bereichen der industriellen Wertschöpfungskette europäische Kompetenzen in der Spitzentechnologie aufzubauen. Kontakt Laurent Salzarulo, SBFI Wissenschaftlicher Berater Ressort Internationale Forschungsorganisationen laurent.salzarulo@sbfi.admin.ch +41 58 483 95 87 Lino de Faveri, SBFI Wissenschaftlicher Berater Abteilung Raumfahrt Lino.deFaveri@sbfi.admin.ch +41 58 462 99 64

Swiss Industry Liaison Office Damit Schweizer Unternehmen von Aufträgen internationaler Organisationen bestmöglich profitieren können, haben das SBFI, das Paul Scherrer Institut PSI und die ETH Lausanne (EPFL) das «Swiss Industry Liaison Office» geschaffen, dem auch Swissmem beigetreten ist. Als nationale Koordinationsstelle sorgt es für die Vernetzung und die Beteiligung von Unternehmen und Forschungsstätten aus der Schweiz an den internationalen Vergabeverfahren. Kontakt Michel Hübner, Leiter Swiss Industry Liaison Office michel.hubner@epfl.ch, +41 21 693 34 91 Weitere Informationen www.swissilo.ch

Weitere Informationen Internationale Forschungsinfrastrukturen www.sbfi.admin.ch/sbfo Schweizer Weltraumpolitik www.sbfi.admin.ch/chweltraumpolitik 7


Internationale Forschungsinfrastrukturen

Nachfrage nach Spitzentechnologie von Schweizer KMU Zurzeit laufen einige Projekte für den Bau sehr grosser Forschungsinfrastrukturen (ITER, ESS und ESO) wie auch Erweiterungsprojekte (CERN und ESRF). Aufgrund der hohen Arbeitskosten in der Schweiz und der Wechselkursproblematik im Zusammenhang mit dem (starken) Schweizer Franken ist die internationale Konkurrenz in diesen gängigen Technologiebereichen hart. Internationale Forschungsinfrastrukturen benötigen allerdings auch spezifische Spitzentechnologieprodukte und erstklassige technische Lösungen aus Bereichen, in denen Schweizer Industrieunternehmen dank ihrer Innovationskultur und ihrer Zuverlässigkeit überdurchschnittlich gut abschneiden. Eine Analyse der Verträge, die in den letzten Jahren vom «Swiss Industry Liaison Office» abgeschlossen wurden, zeigt, dass sich die Schweizer Industrie durch fünf Kompetenzbereiche auszeichnet, in denen sie nachweislich einen spezifischen Mehrwert im Vergleich zur internationalen Konkurrenz schafft. Dabei fällt auf, dass der Markt mehrheitlich von kleinen und mittleren Unternehmen abgedeckt wird. Historisch bedingt, haben sich in einigen Regionen des Landes bestimmte Sektoren stärker entwickelt als in anderen.

Die Schweizer Industrie profitiert regelmässig von Aufträgen seitens internationaler Forschungsorganisationen. Beispielsweise hat die im Kanton Luzern angesiedelte Imbach & Cie AG massive Aluminiumkomponenten mit hoher Präzision für den Teilchenbeschleuniger «Large Hadron Collider» am CERN geschmiedet. Bilder: Imbach AG / CERN

8


SBFI NEWS 5/19 l FOKUS

Hochpräzisionsmechanik Die Kompetenz der Schweizer Industrie im Bereich Hochpräzisionsmechanik ist weltweit anerkannt und eine unbestrittene Stärke. Langjähriges Know-how aus der Uhrenindustrie hat Eingang in andere Segmente gefunden, beispielsweise in die Medizinaltechnik, die Automobilbranche oder den wissenschaftlichen Gerätebau. Viele internationale Forschungsinfrastrukturen profitieren vom Know-how von Schweizer KMU bei der Entwicklung und Zulassung geeigneter Hochpräzisionsmechanik für ihre diversen wissenschaftlichen Instrumente und Detektoren, die extrem harten physischen Bedingungen standhalten müssen.

Komplexe Handhabung und Bearbeitung von Metallteilen Auf dem Gebiet der Metallverarbeitung verfügen Schweizer Industrieunternehmen über alle notwendigen technischen Kompetenzen für die Entwicklung und Bearbeitung komplexer Teile, die bei internationalen Forschungsinfrastrukturen zum Einsatz kommen. Bei der Herstellung von Prototypen oder Kleinserien ist die Schweizer Industrie nach wie vor wettbewerbsfähig. Die Bearbeitung hochpräziser Metallteile setzt ausgereifte Spezifikationen und Ingenieurswissen für Multiphysik-Anwendungen voraus (komplexe Schweisstechniken, Einsatz im Vakuum und bei hoher Strahlenbelastung, präzise messtechnische Kontrollschritte usw.).

Leistungselektronik Die Kompetenz der Schweiz im Bereich Hochleistungselektronik geht insbesondere auf das ehemalige Unternehmen Brown Boveri (BBC) zurück. Durch die Nähe der Fachhochschulen und der ETH Zürich, die hochqualifizierte Elektroingenieurinnen und -ingenieure ausbilden, ist rund um Zürich ein wachsendes Ökosystem von KMU entstanden, die Lösungen für viele elektromechanische Systeme in der Branche bieten können. Internationale Forschungsinfrastrukturen betreiben Geräte der Hochenergiephysik, die zwangsläufig auch speziell entwickelte Hochspannungsausrüstung erfordern.

Optische und messtechnische Systeme In der Schweiz produzierte Ultrakurzpulslaser werden in Teilchenbeschleunigern verwendet. Mit Schweizer Atomuhren werden grosse Radioteleskopnetze synchronisiert, die über die ganze Welt verteilt sind. In der Schweiz produzierte Laser Tracker kontrollieren die ordnungsgemässe Ausrichtung tonnenschwerer Metallkomponenten, die derzeit auf der Baustelle des Fusionsreaktors ITER zusammengebaut werden. Ein Grossteil dieses technischen Know-hows findet sich heute in der Ostschweiz und stammt aus der früheren LeicaFabrik in Heerbrugg (SG). Inzwischen hat sich hier ein dichtes regionales Netzwerk von KMU gebildet, die auf hochwertige Optikkomponenten spezialisiert sind.

Vakuumtechnik und Systeme im NiedrigstTemperarturbereich Viele Schweizer KMU aus diesem Sektor sind im Rheintal an der Grenze zu Liechtenstein angesiedelt und als Spin-offs der heute aufgeteilten Firma Balzers entstanden. Sie sind weltweit für die Entwicklung und Herstellung von Komponenten für UltrahochvakuumSysteme (Pumpen, Messgeräte, Ventile, Membranbälge) bekannt. Ausserdem werden grosse Helium-Anlagen benötigt, um supraleitende Magnete in Teilchenbeschleunigern oder Fusionsanlagen herunterzukühlen. Die Schweiz verfügt über einen von lediglich zwei Marktakteuren, die in der Lage sind, Helium-Kompressoren samt Turbinen und Zubehör mit der erforderlichen Kühlleistung zu liefern.


Christian Schanzer, Chief Operating Officer von SwissNeutronics. Bild © ScanderbegSauer.com

Warum sollte ein Unternehmen für Forschungsinstitutionen arbeiten? SwissNeutronics wurde als Spin-off des Paul Scherrer Instituts (PSI) gegründet und ist auf die Entwicklung und Produktion von Neutronenoptiken für Strahlführungssysteme spezialisiert. Diese werden insbesondere zur Erforschung der Struktur der Materie eingesetzt. Die Produkte von SwissNeutronics werden von einem zwanzigköpfigen Team entwickelt und hergestellt und in allen Ländern der Welt an grosse Labore vertrieben, die Neutronenforschung betreiben. Christian Schanzer, Chief Operating Officer von SwissNeutronics, berichtet über seine Erfahrungen. «Die Anforderungen an die Neutronenoptiken steigen und werden immer präziser, nicht zuletzt im Hinblick auf eine verbesserte Leistungsfähigkeit der wissenschaftlichen Instrumente, die Neutronenstrahlen einsetzen. Für die Entwicklung dieser Optiken ist die am PSI verfügbare Infrastruktur ein riesiger Vorteil. Insbesondere lassen sich durch die Neutronenexperimente am PSI direkte Erkenntnisse über 10

neue Entwicklungen und die Qualität unserer Produkte gewinnen. Diese Ergebnisse sind für unsere Kunden äusserst überzeugend. Die geografische und kulturelle Nähe zum PSI bildet die Basis einer gut etablierten und erfolgreichen Partnerschaft. Dank unserer Zusammenarbeit mit der Europäischen Spallationsquelle (ESS), die derzeit in Schweden gebaut wird, konnten wir an internationalen Veranstaltungen des Swiss ILO teilnehmen. Dadurch eröffneten sich für uns neue Geschäftsmöglichkeiten, und wir hatten die Gelegenheit, mit bestehenden und neuen Kunden über bevorstehende Projekte zu sprechen. Wir erfuhren so mehr über die spezifischen Ansprüche der Kunden und konnten sie über die jüngsten Entwicklungen im Bereich Neutronenoptik bei SwissNeutronics informieren. Dieser Informationsaustausch ist sehr nützlich, um unsere Tätigkeiten in Bezug auf F&E und unser Geschäft zu definieren und auszurichten. Ausserdem hilft er uns auch, unsere Kundenbasis in Europa auszuweiten. Da das Institut Laue-Langevin (ILL) in Grenoble das grösste Neutronen-Leitsystem betreibt und immer wieder mit modernster Leittechnologie ausgestattet wird, ist es ein sehr wichtiger Kunde für uns. Wir waren froh über die Unterstützung des Swiss ILO während der anstrengenden Verhandlungen zwischen dem ILL und uns, als es darum ging, den gesamten Beschaffungsprozess des ILL auf Konsistenz zu prüfen und das Angebot von SwissNeutronics mit kommerziellen und technologischen Argumenten zu begründen.» www.swissneutronics.ch


SBFI NEWS 5/19 l FOKUS

Zusammenarbeit mit Hochschulen

«Wir profitieren von einem breiten Netzwerk von Industriepartnern» Das Swiss ILO ist zurzeit im Swiss Plasma Center (SPC) der EPFL untergebracht und wird insbesondere vom PSI unterstützt. Welche Vorteile ergeben sich für eine eidgenössische Hochschule und eine öffentliche Forschungseinrichtung aus der engen Beziehung zu einer Kontaktstelle für die Industrie? Prof. Dr. Christian Rüegg, künftiger Direktor des PSI, und Prof. Dr. Ambrogio Fasoli, Direktor des SPC, beide Mitglied der Geschäftsleitung des Swiss ILO, geben Auskunft.

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit dem Swiss ILO aus? Ein konkretes Beispiel: Das PSI ist dafür verantwortlich, den Sachbeitrag der Schweiz an die Europäische Spallationsquelle ESS zu leisten, die zurzeit im schwedischen Lund errichtet wird. Wir bauen Instrumente, entwickeln Elektronikteile und schreiben Software für diese Infrastruktur. Das Swiss ILO hilft uns dabei, Industriepartner in der Schweiz zu finden, die die ehrgeizigen wissenschaftlichen und technischen Vorgaben dieser Projekte erfüllen.

Prof. Christian Rüegg Bild: zVg / ETHZ

Inwieweit profitieren Sie als Hochschul- bzw. Forschungsinstitution von der Partnerschaft mit dem Swiss ILO? Wir profitieren von einem breiten Netzwerk von Industriepartnern, die uns dabei unterstützen, unsere anderen Projekte beim PSI zu realisieren, beispielsweise neue Instrumente in unserer eigenen Spallationsquelle SINQ. Wir sind häufig auf der Suche nach hochspezialisierten Produkten oder modernsten Methoden, die gemeinsame F&E verlangen. Optimale Partner sind für uns Schweizer Unternehmen, die aus früheren Projekten mit Forschungsinstituten im In- und Ausland die Vorteile und Risiken kennen. Ein weiterer Vorteil für uns sind die Kontakte des Swiss ILO jenseits des «Röstigrabens» und zu anderen teilnehmenden Schweizer Institutionen mit ähnlichen Bedürfnissen und technologischen Projekten.

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit dem Swiss ILO aus? Das SPC ist ein aktiver Partner des ITER-Projekts, mit dem nachgewiesen werden soll, dass eine umfangreiche und kohlenstofffreie Energiegewinnung aus Kernfusion machbar ist. Wir arbeiten eng mit dem Swiss ILO zusammen, um Schweizer Industriepartnern den bestmöglichen Zugang zum Beschaffungsmarkt im Bereich der Fusionstechnologie zu ermöglichen, insbesondere, aber nicht ausschliesslich für ITER. Die grossen und komplexen Beschaffungspakete für ITER besprechen wir mit dem Swiss ILO, um die technischen Vorgaben und Herausforderungen genau zu kennen und auf wichtige Ausschreibungen vorbereitet zu sein.

Prof. Ambrogio Fasoli Bild: zVg / ETHZ

Inwieweit profitieren Sie als Hochschul- bzw. Forschungsinstitution von der Partnerschaft mit dem Swiss ILO? Bei der Deckung seines eigenen Bedarfs an Industrieentwicklungen und Beschaffungen profitiert das SPC von der grossen und fortlaufend aktualisierten Datenbank über Beteiligungen und Kompetenzen der Industrie in der Schweiz, aber auch von den Kontakten und persönlichen Beziehungen des Swiss ILO. Durch den Austausch mit dem Swiss ILO erhält das SPC-Management einen allgemeinen Überblick über die Beteiligung des Schweizer Privatsektors an Fusionsaktivitäten. Es kommt auch immer wieder vor, dass das Swiss ILO gebeten wird, zwischen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bzw. Ingenieurinnen und Ingenieuren und Schweizer Unternehmen zu vermitteln. Damit kann jungen Akademikerinnen und Akademikern der Einstieg ins Berufsleben erleichtert und die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Hochschulen gefördert werden.

11


Qualifikationsverfahren Qualifikationsverfahren ist in der Berufsbildung der Oberbegriff für alle Verfahren, mit denen festgestellt wird, ob eine Person über die in den entsprechenden Bildungsverordnungen festgelegten Handlungskompetenzen verfügt. Die beruflichen Qualifikationen werden nachgewiesen durch eine Gesamtprüfung, eine Verbindung von Teilprüfungen oder andere vom SBFI anerkannte Qualifikationsverfahren. Das wichtigste Qualifikationsverfahren ist die Abschlussprüfung am Ende der beruflichen Grundbildung. Quelle: Lexikon der Berufsbildung, SDBB

12


SBFI NEWS 5/19 l BERUFSBILDUNG

Qualifikationsverfahren mit Abschlussprüfung

Neue Orientierungshilfe liegt vor Vom SBFI erlassene Bildungsverordnungen regeln die Kernelemente der beruflichen Grundbildungen, unter anderem die Rahmenbedingungen des Qualifikationsverfahrens wie Form und Dauer. Wie das Qualifikationsverfahren in den rund 230 beruflichen Grundbildungen detailliert abläuft, definieren Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt gemeinsam: Dabei legt die jeweilige Organisation der Arbeitswelt bzw. Trägerschaft die Struktur des Verfahrens fest, und die Kantone sorgen dafür, dass das Qualifikationsverfahren umsetzbar ist. Eine unter Federführung des SBFI verbundpartnerschaftlich erarbeitete Orientierungshilfe definiert Grundsätze und Empfehlungen für Qualifikationsverfahren mit Abschlussprüfung. Ziel sind qualitativ hochwertige, vom Aufwand her schlanke und für alle involvierten Personen verständliche Qualifikationsverfahren. Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt arbeiten in der Berufsbildung eng zusammen. Das zeigt sich in der beruflichen Grundbildung (Sekundarstufe II) insbesondere auch bei den Qualifikationsfahren. Die jeweilige Trägerschaft ist für die Ausgestaltung ihres Qualifikationsverfahrens zuständig. Sie stützt sich dabei auf die Anträge ihrer Kommission für Berufsentwicklung und Qualität. Die Kantone ihrerseits sorgen für die Durchführung der Qualifikationsverfahren. Qualifikationsverfahren in rund 230 beruflichen Grundbildungen Je nach beruflicher Grundbildung können Qualifikationsverfahren aus organisatorischer Sicht für alle Beteiligten aufwändig sein: Prüfungsaufgaben erarbeiten, Dokumente erstellen, Termine festlegen, Prüfungsexpertinnen und -experten anfragen, finden und instruieren, Örtlichkeiten reservieren, Material bereitstellen und anderes mehr. Hinzu kommt, dass es in der Schweiz rund 230 verschiedene berufliche Grundbildungen gibt. Darunter finden sich einerseits berufliche Grundbildungen mit zahlreichen Lernenden in allen Kantonen wie beispielsweise im KV-Bereich oder im Gesundheitswesen. Dies erfordert eine gute Koordination unter allen Beteiligten in den verschiedenen Sprachregionen. Andererseits finden sich Qualifikationsverfahren auch in Kleinstberufen mit schweizweit wenigen Lernenden. Auch diese Lernenden haben Anspruch auf eine qualitativ hochstehende Abschlussprüfung. Teilweise führt in solchen Berufen ein Kanton stellvertretend für alle anderen Kantone das Qualifikationsverfahren durch.

Bei der Erarbeitung der Orientierungshilfe wurden insbesondere folgende Aspekte berücksichtigt: • organisatorischer Aufwand: Die Ausgestaltung der Qualifikationsverfahren trägt dazu bei, den Aufwand zu reduzieren; • finanzieller Aufwand: Die Einführung neu gestalteter Qualifikationsverfahren führt zu keinen Mehrkosten; • Milizprinzip: Die nach der Orientierungshilfe gestalteten Qualifikationsverfahren unterstützen Trägerschaften und Kantone bei der Rekrutierung der für die Prüfungsgremien erforderlichen Fachleute (Chefexpertinnen und -experten sowie Prüfungsexpertinnen und -experten); • landesweite Vergleichbarkeit: Die Ausgestaltung der Qualifikationsverfahren fördert eine landesweit einheitliche Durchführbarkeit. Orientierung und Hilfe Die Orientierungshilfe versteht sich als Arbeitsinstrument mit Empfehlungscharakter. Sie bietet den Akteuren von Bildungsverordnungsrevisionen, insbesondere den zuständigen Trägerschaften und ihren Kommissionen für Berufsentwicklung und Qualität, Orientierung bei der Ausgestaltung der in den Bildungsverordnungen geregelten Qualifikationsverfahren mit Abschlussprüfung. Darüber hinaus dient das Dokument zur Information der Kantone, der Prüfungskommissionen sowie der mandatierten Chefexpertinnen und -experten und Prüfungsexpertinnen und -experten, die schweizweit an der Aufsicht und der Umsetzung der Qualifikationsverfahren beteiligt sind.

Verlässliche und effiziente Qualifikationsverfahren Die Berufsbildungsverordnung hält fest, dass die Zusammenarbeit von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt einer hohen, landesweit vergleichbaren und arbeitsmarktbezogenen Qualifikation der Lernenden dient. Entsprechend gross ist das Interesse der Verbundpartner an verlässlichen und effizienten Qualifikationsverfahren mit Abschlussprüfung. Die Orientierungshilfe soll diesem Ziel dienen.

Kontakt: Odile Fahmy, SBFI Projektverantwortliche Ressort Berufliche Grundbildung odile.fahmy@sbfi.admin.ch, +41 58 483 90 47

Weitere Informationen: www.sbfi.admin.ch/qvbg_d 13


SBFI NEWS 5/19 l BILDUNGSZUSAMMENARBEIT

Exzellenz und Attraktivität der dualen Berufsbildung

Die Schweiz, Österreich und Deutschland stellen ihren Ansatz vor Die Berufsbildung geniesst international hohe Beachtung, denn sie gilt als Mittel zur Bekämpfung des Fachkräftemangels und der Jugendarbeitslosigkeit. Allerdings ist sie auf internationaler Ebene nicht eindeutig definiert und wird entsprechend sehr unterschiedlich wahrgenommen und ausgestaltet. An einer von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und vom Europäischen Zentrum für die Förderung der Berufsbildung (Cedefop) im Oktober 2019 in Paris organisierten Konferenz erklärten Länder mit «dualer Tradition», wie sie die Attraktivität ihres Berufsbildungssystems gewährleisten und auch künftig bewahren wollen.

«The next steps for Apprenticeships» − oder wie kann die Berufsbildung auf die Bedürfnisse der Zukunft ausgerichtet werden? Die Konferenz von OECD und Cedefop versammelte Berufsbildungspartner und Forschende aus der ganzen Welt. An der Tagung wurde unter anderem über die neusten Entwicklungen der Forschung berichtet. Auch wurde erörtert, wie die Berufsbildung den Herausforderungen der neuen Technologien begegnen kann, wie beispielsweise der Digitalisierung oder neuen Arbeitsformen. Beiträge der Schweizer Berufsbildungsforschung Die Schweiz investiert aktiv in die Berufsbildungsforschung. Prof. Dieter Euler (Universität St. Gallen) stellte verschiedene Modelle vor, mit denen sich die Schranken zwischen Berufsbildungs- und akademischen Studiengängen abbauen lassen. Prof. Dr. Antje Barabasch (Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung EHB) präsentierte, wie sich die Innovation in den beruflichen Grundbildungen im Telekommunikationsbereich zeigt. Die Schweizer Expertinnen und Experten leisteten mit ihrer Teilnahme an der Konferenz einen wichtigen Beitrag dazu, das Image der Schweiz auf internationaler Ebene zu stärken. Systemische Exzellenz – individuelle Exzellenz Die Länder mit dualer Ausbildung (vorab Deutschland, Österreich und die Schweiz sowie Dänemark) zeichnen sich durch ein exzellentes duales Bildungssystem aus. Sie fördern in der Regel die Exzellenz nicht direkt, diese ergibt sich vielmehr aus den Parametern ihrer Bildungssysteme. Exzellenz in der dualen Berufsbildung zeigt sich in verschiedener Hinsicht, beispielsweise bei der Arbeitsmarktfähigkeit, der Mobilität, den Perspektiven zur beruflichen Entwicklung, beim lebenslangen Lernen und beim Kosten-Nutzen-Verhältnis. Diese Parameter fördern die systemische Exzellenz und unterstützen gleichzeitig die individuelle Exzellenz, beispielsweise mit nationalen und internationalen Wettbewerben (SwissSkills, WorldSkills etc.). Die dualen Berufsbildungsangebote sind für die Jugendlichen attraktiv, weil sie ihnen die Möglichkeit bieten, ihre Talente über breitgefächerte Kompetenzen auszudrücken. Damit fördert die duale Berufsbildung sowohl die Integration als auch die individuelle Exzellenz. 14

Diese Merkmale der Schweizer Berufsbildung stehen häufig im Gegensatz zu ausländischen Systemen, die – ohne über deren Qualitäten an sich zu urteilen – den Fokus auf die Aus- oder Weiterbildung von Erwachsenen oder den Erwerb von Grundkompetenzen bei Jugendlichen richten, die nicht in der Lage sind, einen anderen Bildungsweg zu absolvieren. Unterschiedliche Herangehensweise Das Thema «Exzellenz» bei der Berufsbildung ist im Trend, was der Schweiz durchaus zugutekommt. In unserem Berufsbildungssystem wird jedoch eher von Attraktivität gesprochen, die beispielsweise durch die Systemdurchlässigkeit oder die Ausrichtung auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes erreicht wird. Aufgrund der Unterschiede bei den Berufsbildungssystemen in Europa bleibt zu definieren, was Exzellenz bedeutet und wie die Akteure diese angesichts der künftigen Herausforderungen wie dem Wandel der Arbeitswelt, der Digitalisierung und den soziodemografischen Veränderungen aufrechterhalten wollen. Hier seien insbesondere die Verlängerung des Erwerbslebens und die fortlaufende Weiterentwicklung der beruflichen Umgebung und der Technologien erwähnt. Wenn man genauer hinschaut, verfolgt jedes Land mit dualem Berufsbildungssystem einen anderen Ansatz: • Deutschland hat eine Initiative «Innovation for an Excellent VET (InnoVET)» entwickelt, die sich zu einem grossen Teil auf die Sozialpartnerschaft abstützt, aber auch auf die Förderung bei den Jugendlichen und die Gleichwertigkeit von beruflichen und akademischen Ausbildungen setzt. • In der Schweiz haben die Verbundpartner der Berufsbildung die Initiative «Berufsbildung 2030» lanciert. Der Bund, die Kantone und die Organisationen der Arbeitswelt wollen damit Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft vorwegnehmen. Die Initiative sieht verschiedene Massnahmen vor, um das aktuelle Qualitätsniveau zu erhalten und künftige Herausforderungen in der Berufsbildung anzugehen. Die Berufsbildungsforschung unterstützt den gesamten Prozess. • Österreich legt den Schwerpunkt ebenfalls auf die Qualitätssicherung, sowohl in der betrieblichen als auch der schulischen Ausbildung.


Von links nach rechts: Vlasis Korovilos (Cedefop), Isabelle Le Mouillour (Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB Deutschland), Frédéric Berthoud (SBFI) und Franz Gramlinger (Österreichische Referenzstelle für Qualität in der Berufsbildung ARQA-VET). Bild: zVg

Kontakt: Frédéric Berthoud, SBFI Leiter Ressort Internationale Bildungszusammenarbeit und Berufsqualifikationen frederic.berthoud@sbfi.admin.ch, +41 58 465 58 66

Weitere Informationen: Apprenticeship-Toolbox: www.apprenticeship-toolbox.eu Die Apprenticeship-Toolbox wurde von Österreich, Dänemark, Deutschland, Luxemburg und der Schweiz erarbeitet, um zur Unterstützung der Europäischen Ausbildungsallianz die Weiterentwicklung der dualen Ausbildung zu fördern. Sie wurde von der EU im Rahmen von Erasmus+ mitfinanziert und vor Kurzem aktualisiert. Tagungsbeiträge: www.cedefop.europa.eu/fr/events-and-projects/ events/2019-joint-cedefop-and-oecd-symposium-next-steps-apprenticeship-0 Ein gemeinsamer Artikel von Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz sowie die anderen Konferenzbeiträge soll in einer Publikation des Cedefop veröffentlicht werden. Berufsbildung 2030: https://berufsbildung2030.ch/de

15


SBFI NEWS 5/19 l HOCHSCHULEN

ETH- und EHB-Gesetz

Zwei Gesetzgebungsvorhaben im Zeichen der Governance Der Bundesrat hat im November 2019 die Botschaft zur Änderung des ETH-Gesetzes und die Botschaft zum Bundesgesetz über die Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung zuhanden des Parlaments verabschiedet. Mit den beiden Vorhaben unterstreicht der Bundesrat seine Absicht, die gesetzlichen Grundlagen in Bildung, Forschung und Innovation mit den Prinzipien der Bundesverfassung sowie seiner Governance-Politik noch stärker in Einklang zu bringen.

Botschaft zum Bundesgesetz über die Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung (EHB-Gesetz) Worum es geht Das neue Gesetz regelt Aufgaben und Organisation der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung (EHB) als öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes mit eigener Rechtspersönlichkeit. Es setzt dabei die Vorgaben des Legalitätsprinzips der Bundesverfassung und der Corporate-Governance-Politik des Bundes um und schafft die notwendigen Grundlagen für die Positionierung der EHB in der schweizerischen Hochschullandschaft. Ausgangslage Die Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung (EHB; heute noch «Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung») ist das Kompetenzzentrum des Bundes für die Aus- und Weiterbildung von Berufsbildungsverantwortlichen, für die Berufsentwicklung, die Berufsbildungsforschung sowie die internationale Berufsbildungszusammenarbeit. Die gesetzliche Regelung der EHB findet sich aktuell in zwei Artikeln des Berufsbildungsgesetzes und in der EHB-Verordnung. Im Rahmen einer Totalrevision der EHB-Verordnung beauftragte der Bundesrat das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), die Erarbeitung eines eigenen Gesetzes für die EHB zu prüfen. Dabei war insbesondere zu klären, ob die bestehenden gesetzlichen Grundlagen im Hinblick auf die Einbettung der EHB in die Hochschullandschaft Schweiz genügen und ob die Vorgaben der Bundesverfassung (Legalitätsprinzip) und der Corporate-Governance-Politik des Bundes eingehalten werden.

verankern. Es sind dies insbesondere die Grundzüge von Organisation und Verfahren, die Aufgaben der verselbstständigten Einheit, die rechtlichen Grundlagen für allfällige Eingriffe in Grundrechtspositionen (Zulassungsvoraussetzungen, Disziplinarmassnahmen, Bearbeitung von besonders schützenswerten Personendaten und Persönlichkeitsprofilen etc.), die Delegation von Rechtsetzungsbefugnissen, die Grundlagen zur Gebührenerhebung, mögliche Ausnahmen von der subjektiven Steuerpflicht sowie die Rechte und Pflichten des Personals. In Bezug auf die Einordnung in der Hochschullandschaft soll die EHB mit Zustimmung der Schweizerischen Hochschulkonferenz die Akkreditierung als pädagogische Hochschule anstreben. Das heutige Profil der EHB – der Fokus auf die Berufsbildung und die damit verbundene Ausrichtung auf die Arbeitswelt – soll beibehalten werden. Der Gesetzesentwurf enthält daher spezifische Bestimmungen zur Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen und Bildungsinstitutionen wie auch mit den Organisationen der Arbeitswelt als Vertreter der Wirtschaft sowie zur Koordination der Bildungsangebote mit kantonalen pädagogischen Hochschulen.

Grundzüge der Vorlage Die Vorlage dient dazu, die Organisationsbestimmungen mit den Anforderungen der Bundesverfassung an das Legalitätsprinzip und den Corporate-Governance-Standards des Bundes in Einklang zu bringen. Die gesetzliche Abstützung des EHB in der heutigen Form genügt diesen Anforderungen nicht. Deshalb wird eine Reihe von Verordnungsbestimmungen neu auf Gesetzesstufe angesiedelt – dies ohne wesentliche inhaltliche Korrekturen. Nach den Vorgaben des Legalitätsprinzips der Bundesverfassung sind für verselbstständigte Einheiten des Bundes eine Reihe von Bestimmungen zwingend in einem Gesetz im formellen Sinn zu 16

Das EHB ist in Zollikofen bei Bern (Bild), Lausanne und Lugano sowie an den beiden Kursstandorten Olten und Zürich präsent. Bild: EHB / Ben Zurbriggen


SBFI NEWS 5/19 l HOCHSCHULEN

Botschaft zur Änderung des ETH-Gesetzes Worum es geht Die vorgeschlagenen Änderungen des ETH-Gesetzes setzen Vorgaben der Corporate Governance-Politik des Bundes und Empfehlungen der Eidgenössischen Finanzkontrolle um. Darüber hinaus schaffen sie notwendige rechtliche Grundlagen für verschiedene Tätigkeitsfelder des ETH-Bereichs. Ausgangslage Der ETH-Bereich ist eine verselbstständigte Einheit des Bundes und umfasst die zwei Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) in Zürich und in Lausanne sowie die vier Forschungsanstalten Paul Scherrer Institut (PSI), Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), Eidgenössische Materialprüfungsund Forschungsanstalt (Empa) und Eidgenössische Forschungsanstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag). Der ETH-Rat ist das strategische Führungs- und Aufsichtsorgan des ETH-Bereichs, der dem WBF zugeordnet ist. Die gesetzliche Grundlage für den ETH-Bereich bildet das ETH-Gesetz vom 4. Oktober 1991. Empfehlungen der Eidgenössischen Finanzkontrolle sowie Anpassungsbedarf in verschiedenen Bereichen verlangen nach einer Teilrevision des ETH-Gesetzes.

• Präzisierungen bezüglich Aufsichtskompetenz und Beschwerdemöglichkeiten: Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat in ihrem Prüfbericht eine Präzisierung der generellen Aufsichtskompetenzen des ETH-Rates empfohlen, welche aufgenommen wird. In diesem Sinn und um Rechtsunsicherheiten zu beseitigen, wird im ETH-Gesetz explizit festgehalten, wann der ETH-Rat abschliessend entscheidet • Umgang mit Personendaten in der Lehre: Neue Informationstechnologien werden auch in der Lehre eingesetzt (zum Beispiel Massive Open Online Courses). Auch in diesem Bereich bedürfen die Bearbeitung und Auswertung der Personendaten einer gesetzlichen Grundlage. • Sicherheit und Videoüberwachung: Für die Sicherheitsdienste und die Videoüberwachung der beiden ETH und der Forschungsanstalten soll eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden. • Disziplinarrecht: Es soll für die bestehenden Disziplinarverordnungen der beiden ETH sowie für allfällige Verordnungen der Forschungsanstalten eine genügende gesetzliche Grundlage geschaffen werden.

Der ETH-Bereich – breit verankert in der Schweiz

Grundzüge der Vorlage • Corporate-Governance: Gemäss heutiger Regelung sind die beiden Schulpräsidentinnen beziehungsweise Schulpräsidenten, eine Direktorin beziehungsweise ein Direktor einer Forschungsanstalt sowie eine Vertretung der Hochschulversammlungen Mitglieder des ETH-Rates mit uneingeschränktem Stimmrecht (institutionelle Mitglieder). Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die Präsenz der vier institutionellen Mitglieder an den Sitzungen des ETH-Rates für das gute Funktionieren des ETH-Bereichs wichtig ist. Daher wird vorgeschlagen, dass die institutionellen Mitglieder weiterhin an allen Sitzungen und Diskussionen im ETH-Rat teilnehmen sollen. Aus Governance-Sicht ist es aber zwingend notwendig, deren Stimmrecht für bestimmte Geschäfte einzuschränken bzw. deren Ausstand in Aufsichtsangelegenheiten auf Gesetzesstufe festzulegen. • Energieverkauf: Mit einem neuen Artikel soll eine gesetzliche Grundlage für den Verkauf von zum Eigengebrauch erzeugter oder gekaufter und nicht benötigter Energie an Dritte geschaffen werden. • Verschiedene personalpolitische Anpassungen: Aktuell ist geregelt, dass in begründeten Ausnahmefällen eine Anstellung von Professorinnen oder Professoren auch über das AHV-Alter hinaus möglich ist. Solche Arbeitsverhältnisse waren bis anhin nur öffentlich-rechtlicher Natur, neu sollen auch privatrechtliche Anstellungsverhältnisse möglich sein. Im Weiteren soll mit einem neuen Absatz den Professorinnen der beiden ETH ermöglicht werden, bis zur ordentlichen Altersgrenze ihrer männlichen Kollegen angestellt zu bleiben.

Kontakt: Christina Baumann, SBFI Wissenschaftliche Beraterin Ressort Hochschulpolitik christina.baumann@sbfi.admin.ch, Tel. +41 58 463 21 77

Weitere Informationen: Botschaften: EHB-Gesetz www.sbfi.admin.ch/ehb-gesetz ETH-Gesetz www.sbfi.admin.ch/eth-gesetz 17


SBFI NEWS 5/19 l HOCHSCHULEN

Praxisintegrierter Bachelorstudiengang an Fachhochschulen

Erste Erkenntnisse liegen vor Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF lancierte 2014 in enger Abstimmung mit den Kantonen, der Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen (swissuniversities) und den Organisationen der Arbeitswelt zur Bekämpfung des Fachkräftemangels im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) den praxisintegrierten Bachelorstudiengang als befristeten Pilotversuch – ein Novum in der Zulassung an die Fachhochschulen. Eine nun vorliegende Schlussevaluation kommt grundsätzlich zu einem positiven Ergebnis. Aufgrund der kurzen Laufdauer sind die Resultate jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, es braucht weitere Erfahrungen.

Die Fachhochschulen (FH) wurden in den 1990er-Jahren mitunter gegründet, um die Berufsbildung zu stärken: Wer sich nach der obligatorischen Schule für eine berufliche Grundbildung entscheidet, soll auf Tertiärstufe Anschluss an Studiermöglichkeiten haben. Die Fachhochschulen zeichnen sich durch praxisorientierte Studien und anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung aus. Sie haben die Berufsbildung entscheidend aufgewertet. Königsweg Berufsbildung Die prüfungsfreie Zulassung an eine Fachhochschule erfolgt über die Berufsmaturität in Verbindung mit einer beruflichen Grundbildung in einem mit dem Fachbereich verwandten Beruf. Gemäss Zahlen des Bundesamts für Statistik kommen heute im Bereich Technik und IT rund 70 Prozent der Anfängerinnen und Anfänger eines Bachelorstudiums mit einer Berufsmaturität an die Fachhochschulen. Sie machen das Gros der Studierenden an Fachhochschulen aus (siehe Grafik). Personen mit einer gymnasialen Maturität oder mit einer Berufsmaturität mit fachfremder Studienrichtung können ebenfalls an einer Fachhochschule studieren. Voraussetzung ist allerdings, dass sie vor der Zulassung zum FH-Studium eine einjährige Arbeitswelterfahrung absolvieren (siehe Tabelle).

Beitrag zur Minderung des Fachkräftemangels Im Rahmen der vom WBF 2011 lancierten Fachkräfteinitiative wurden mit einem Pilotversuch neue Wege gesucht, um dem Fachkräftemangel im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik entgegenzuwirken. Eine dieser Massnahmen sind die praxisintegrierten Bachelorstudiengänge. Personen mit einer gymnasialen Maturität oder mit einer Berufsmaturität mit fachfremder Studienrichtung können so direkt ein FH-Studium beginnen. Um die fehlende Arbeitswelterfahrung wettzumachen, dauern die praxisintegrierten Bachelorstudiengänge jedoch länger und verfügen über grössere und qualifiziertere Praxisanteile als normale Bachelorstudiengänge: Die Studiendauer umfasst vier Jahre (statt drei) und einen Praxisanteil in einem Unternehmen im Umfang von 40 Prozent. Zudem muss bei Aufnahme des Bachelorstudiums ein mit einem Unternehmen abgeschlossener und von der Fachhochschule validierter vierjähriger Ausbildungsvertrag nachgewiesen werden. Befristeter Pilotversuch Da die Aufnahmebedingungen zu den praxisintegrierten Bachelorstudiengängen von den gesetzlichen Zulassungsvoraussetzungen an die Fachhochschulen abweichen, musste das WBF den Pilotversuch befristen und auf Verordnungsebene regeln. Die praxisintegrierten Bachelorstudiengänge wurden 2015-2019 von vier Fachhochschulen angeboten. Von den insgesamt 171 Studierenden sind die meisten an der Fachhochschule Südschweiz (SUPSI) und an der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) sowie an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) eingeschrieben. Das Studienangebot wird im Weiteren auch von der Berner Fachhochschule (BFH) sowie von der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) geführt.

Eintritte ins Bachelorstudium an Fachhochschulen nach Zulassungsweis, 2016 Wirtschaft und Dienstleistungen Technik und IT Architektur, Bau- und Planungswesen Angewandte Psychologie Chemie und Life Sciences Land- und Forstwirtschaft Soziale Arbeit Design Angewandte Linguistik Gesundheit Musik, Theater und andere Künste 0%

20%

40%

60%

80%

100%

Anteil der eintretenden Studierenden

Berufsmaturität Fachmaturität anderer schweizerischer Ausweis

Gymnasiale Maturität andere

Ohne ausländische Zulassungsausweise. Daten: BFS (SHIS). Quelle: Bildungsbericht Schweiz 2018

18

Ergebnisse der Schlussevaluation Das Zürcher Beratungsbüro econcept AG führte im Auftrag des SBFI eine Schlussevaluation des Pilotversuchs durch. Insbesondere wurde untersucht, «wie sich die Zulassung auf die Studierendenzahlen und auf die Praxisorientierung der Studierenden in den betroffenen Studiengängen auswirkt». Die Studie kommt zu einer insgesamt positiven Gesamteinschätzung der praxisintegrierten Bachelorstudiengänge (PiBS). Die wichtigsten Erkenntnisse sind:


SBFI NEWS 5/19 l HOCHSCHULEN

• Konformität von PiBS gegeben: Die Umsetzung von PiBS ist in allen Unternehmen, FH und in allen Studiengängen konform mit den gesetzlichen Vorgaben. • Attraktivität für Studierende und Unternehmen – bei kleinen Zahlen: Die Attraktivität von PiBS zeichnet sich insbesondere durch die Kombination von Studium und Praxis im Unternehmen aus. Jedoch bleibt die Anzahl Studierenden mit gesamthaft 171 Immatrikulationen über vier Jahre klein. • Umsetzung von PiBS funktioniert – bei vergleichbaren Kompetenzen der Studierenden am Ende des Studiums: Die Umsetzung von PiBS in der Pilotphase funktioniert an verschiedenen FH und in unterschiedlichen PiBS-Modellen. Die Kompetenzen der PiBS-Studierenden am Ende des Studiums sind vergleichbar mit jenen anderer FH-Studierender, wobei die Datenlage dazu jedoch noch gering ist. • Beitrag zur Minderung des Fachkräftemangels in einzelnen Unternehmen – bei aktueller Ungewissheit hinsichtlich Verbleib im Arbeitsmarkt: PiBS unterstützt das Angebot nach FH-Absolventeninnen und -absolventen im MINT-Bereich auf Ebene Einzelunternehmen und spricht ganz besonders auch Frauen an. Da die ersten PiBS-Absolventinnen und -absolventen erst im Sommer 2019 abgeschlossen haben, kann ihr Verbleib im Arbeitsmarkt noch nicht beurteilt werden. • Keine negativen Effekte auf die Bildungssystematik während Pilotphase: PiBS führte während der Pilotphase zu keinen Auswirkungen auf die Bildungssystematik im Sinne einer Veränderung der Zulassung zu den FH mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis und

Berufsmaturität, des Niveaus der Lehrveranstaltungen oder einer Verdrängung von Berufslernenden in den Unternehmen im MINT-Bereich. • Steigende Nachfrage zu erwarten – Unternehmen weiterhin als Nadelöhr: Bei einer allfälligen Institutionalisierung von PiBS im MINT-Bereich kann eine steigende Nachfrage seitens der Studierenden erwartet werden. Auch die Angebote seitens der FH und die Nachfrage der Unternehmen könnte steigen, wobei die bisherige Praxis zeigt, dass Unternehmen PiBS gezielt einsetzen und Studierende selektiv rekrutieren. Weiteres Vorgehen Der Hochschulrat der Schweizerischen Hochschulkonferenz hat an seiner Sitzung im November 2019 die Ergebnisse der Schlussevaluation zum Versuch der praxisintegrierten Studiengänge an Fachhochschulen zustimmend zur Kenntnis genommen. Er unterstrich, dass zusätzliche Datenerhebungen und eine Wirkungsanalyse notwendig seien, um abschliessend beurteilen zu können, ob der Pilotversuch einen Beitrag zur Minderung des Fachkräftemangels im MINT-Bereich leistet. Erst auf dieser Grundlage werde es möglich sein, über eine allfällige Verstetigung dieses Studienmodells zu entscheiden. Der Hochschulrat beantragt deshalb zuhanden des WBF und des Bundesrats, den Pilotversuch bis und mit Startjahrgang 2025 zu verlängern und 2023 eine abschliessende Wirkungsanalyse durchzuführen.

Zulassung zu Bachelorstudiengängen an Fachhochschulen – eine Übersicht Vorbildung

Zulassung

Berufsmaturität

Direkte Zulassung in einer mit der Vorbildung verwandten Studienrichtung. Entspricht die Vorbildung nicht dem Studienbereich, wird in der Regel zusätzlich ein einjähriges qualifizierendes Arbeitsmarktpraktikum verlangt. Teilweise spezifische Aufnahmeverfahren.

Gymnasiale Maturität

In der Regel einjährige Arbeitswelterfahrung in einem Arbeitsfeld der Studienrichtung, teilweise spezifische Aufnahmeverfahren (z.B. praxisintegrierte Bachelorstudiengänge).

Fachmaturität

Zulassung mit Fachmaturität in verwandte Studienrichtung, ansonsten in der Regel einjährige Arbeitswelterfahrung in einem Arbeitsfeld der Studienrichtung. Teilweise spezifische Aufnahmeverfahren.

Höhere Fachschule HF

Direkte Zulassung in gleiche und fachverwandte Studienrichtungen, teilweise verkürztes Studium, teilweise spezifische Aufnahmeverfahren.

Bachelor (Schweizer Hochschule)

Direkte Zulassung zu allen Studienrichtungen, in der Regel einjährige Arbeitswelterfahrung in einem Arbeitsfeld der Studienrichtung, teilweise spezifische Aufnahmeverfahren.

Primarlehrdiplom (5-jährig)

In der Regel einjährige Arbeitswelterfahrung in einem Arbeitsfeld der Studienrichtung.

Berufliche Grundbildung EFZ

Berufsmaturität nachholen, Aufnahme sûr dossier, vereinzelt Aufnahmeprüfung möglich.

Fachmittelschule / Wirtschaftsmittelschule

Fachmaturität / Berufsmaturität in einem der Studienrichtung entsprechenden Berufsfeld, teilweise spezifische Aufnahmeverfahren.

Ausländische Vorbildung

Die Anerkennung ausländischer Vorbildungsausweise ist auf Gesuch abzuklären.

Ohne anerkannten Vorbildungsausweis

Auch ohne anerkannten Vorbildungsausweis sind an Hochschulen Aufnahmen sûr dossier möglich. Die Verfahren unterscheiden sich je nach Hochschule und Hochschultyp.

Hinweis: Die Angaben sind rechtlich nicht verbindlich. Im Einzelfall sind Abweichungen und Ausnahmen möglich. Letztlich entscheidet jede aufnehmende Hochschule autonom. Quelle: www.berufsberatung.ch / Aufbereitung: SBFI

Kontakt: Sonja Henrich-Barrat, SBFI Wissenschaftliche Beraterin Abteilung Hochschulen Tel. +41 58 462 95 20; sonja.henrich@sbfi.admin.ch

Weitere Informationen: Schlussevaluation www.sbfi.admin.ch/pibs-d 19


SBFI NEWS 5/19 l FORSCHUNG

Auswirkungen der Beteiligung der Schweiz an den europäischen Forschungsrahmenprogrammen

Mehr als eine rein monetäre Förderung Im Auftrag der eidgenössischen Räte unterhält das SBFI seit 2010 ein Controlling zur Prüfung der Kostenwirksamkeit und der Effekte der Schweizer Teilnahme an den Rahmenprogrammen der Europäischen Union für Forschung und Innovation (EU-Forschungsrahmenprogramme, FRP). Nach 2010 und 2014 liegt nun der dritte Bericht dieser Art vor. Aus den Ergebnissen lässt sich schliessen, dass die Investition in die Beteiligung an den FRP für die Schweiz als Standort von Forschung und Innovation (F&I) sich in verschiedener Hinsicht bewährt. Die jüngsten Ergebnisse stehen in Einklang mit denjenigen aus früheren Berichten. Die Beteiligung der Schweiz an den FRP ist ein substanzieller, komplementärer Bestandteil der in der Schweiz verfügbaren Palette an F&I-Förderinstrumenten • Gemäss der dem Bericht zugrundeliegenden Umfrage sind die FRP nach dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) eine der bevorzugten Förderquellen für F&I-Projekte in der Schweiz (SNF: 40%, FRP: 35% der Befragten). • Die FRP fördern in bedeutendem Umfang internationale Zusammenarbeiten, für welche die schweizerischen F&I-Förderinstitutionen (SNF und Innosuisse) keine entsprechenden nationalen Förderinstrumente anbieten. • Für FRP-Teilnehmende aus der Schweiz ist der Zugang zu Fördermitteln ein wichtiger Beweggrund für die Beteiligung an FRP-Projekten. Ebenso wichtig sind auch die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit europäischen Partnern, die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und der Prestigegewinn auf internationaler Ebene.

Bevorzugte Förderquelle der Schweizer FRP-Teilnehmenden sonstige Quellen 13% andere europ. Programme 1,6% COST 0,9% EUREKA 0,8%

SNF 39,6%

FRP 35%

Innosuisse 9,6% Quelle: Befragung SBFI / Ipsos (GfK) (Fallzahl = 763) COST: Europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen und technischen Forschung EUREKA: zwischenstaatliche Initiative für grenzüberschreitende Kooperationsprojekte in marktorientierter Forschung und Entwicklung

Die Beteiligung der Schweiz an den FRP stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Wirtschaft und führt zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. • Die Teilnahme an FRP-Projekten führt zu Umsatzsteigerungen (bei ca. 30% aller Projektbeteiligungen durch Industrie und KMU) und Unternehmensgründungen (bei ungefähr jeder zehnten Projektbeteiligung). • Die Teilnahme an FRP-Projekten generiert in der Schweiz im Mittel einen neuen Arbeitsplatz pro Projektbeteiligung. • Innovationsorientierte FRP-Projekte begünstigen Patentaktivitäten (im Mittel generiert fast jede zweite Projektbeteiligung durch schweizerische Unternehmungen ein Patent) und die marktnahe Entwicklung innovativer Produkte (bei zwei Dritteln der Projektbeteiligungen durch Unternehmen in der Schweiz).

20

Anteil der Unternehmen mit einer Umsatzsteigerung aufgrund einer FRP-Teilnahme

Grossunternehmen

KMU

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% 1–25%

>25%

keine Umsatzsteigerung

Quelle: Befragung SBFI / Ipsos (GfK)

keine Angabe


SBFI NEWS 5/19 l FORSCHUNG

Die Beteiligung der Schweiz an den FRP stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Wirtschaft und führt zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. • Die Teilnahme an FRP-Projekten erzeugt eine rege Publikationstätigkeit (je nach Programm etwa fünf Publikationen pro Projekt). Insbesondere Verbundprojekte (Forschungspartner aus mehreren Ländern arbeiten zusammen) tragen dazu bei, dass Publikationen von Teilnehmenden aus der Schweiz mit ausländischen Co-Autorinnen und Co-Autoren entstehen.

• Die FRP spielen eine wichtige Rolle in der Ausbildung des Nachwuchses im schweizerischen F&I-Bereich: Im Schnitt erzeugt jede Projektteilnahme je einen Master- und Doktoratsabschluss beim Schweizer Partner. • Der Einfluss der Mitarbeit in einem FRP-Projekt auf die eigene Karriere wird von Teilnehmenden aus den Hochschulen als sehr positiv empfunden (bei den Teilnehmenden aus dem privaten Sektor ist dies weniger der Fall). Gemäss den Umfrageergebnissen haben insbesondere die Förderangebote des Europäischen Forschungsrates (Einzelstipendien) eine grosse Wirkung auf die Karriere der Befragten.

Nutzen der Teilnahme an einem FRP-Projekt für die eigene Karriere in Abhängigkeit der Institution der Teilnehmenden Institution der Teilnehmenden Private

Kein Nutzen

Kleiner Nutzen

Mittlerer Nutzen

Grosser Nutzen

Weiss nicht

28,8%

23,7%

28,8%

10,7%

7,9%

13,9%

14,6%

23,1%

41,4%

7,0%

Unternehmen Hochschulen

Quelle: Befragung SBFI / Ipsos (GfK)

Die Beteiligung an den FRP hat in der Schweiz positive gesellschaftliche Auswirkungen. • FRP-Projektbeteiligungen münden in gesellschaftlich relevante Ergebnisse wie die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen, die auf neuen Technologien (z.B. 5G, Internet of Things, Quantencomputer) basieren. • Die aus FRP-Projekten gewonnen Erkenntnisse liefern konkrete Grundlagen für politische Massnahmen (z.B. Klimaszenarien oder die Kartierung von Naturgefahren).

Aufteilung der Forschungsprojekte nach den verschiedenen Kategorien der Umsetzung politischer Massnahmen

Anderes 2,1% Ich weiss nicht 19,6%

Veröffentlichung einer politischen Empfehlung 11,5% Direkte Weitergabe der Ergebnisse an politische Entscheidungsträger (über Workshops usw.) 21%

Keine 16,7%

Zitierung einer Projektpublikation in einem Rechtstext 3,7% Kompetenzaufbau bei politischen Entscheidungsträgern 9%

Einfluss auf die Politikentwicklung (Strategiepapiere, Expertengruppen usw.) 16,3%

Quelle: Befragung SBFI / Ipsos (GfK) (Fallzahl = 959)

Kontakt: Doris Wohlfender, SBFI Wissenschaftliche Beraterin Abteilung Forschung und Innovation doris.wohlfender@sbfi.admin.ch, Tel. +41 58 465 12 26

Weitere Informationen: Auswirkungen der Beteiligung der Schweiz an den europäischen Forschungsrahmenprogrammen – Bericht 2019 www.sbfi.admin.ch/impact-d Europäische Forschungsrahmenprogramme: Status der Schweiz: www.h2020.ch 21


SBFI NEWS 5/19 l FAKTEN UND ZAHLEN

FAKTEN UND ZAHLEN

Subjektorientierte Finanzierung stösst auf Interesse Seit 2018 unterstützt das SBFI Absolvierende von Kursen, die auf eine eidgenössische Prüfung vorbereiten. Neue Zahlen zeigen, dass das Finanzierungsangebot im Bereich der höheren Berufsbildung zunehmend auf Interesse stösst. Dank dieser Bundesbeiträge wird die finanzielle Belastung der Studierenden auf Tertiärstufe (höhere Berufsbildung und Hochschulen) angeglichen. Markante Zunahme der Beitragsgesuche (Stand 31.10.2019) Ausbezahlte Beiträge Das SBFI geht davon aus, dass 2019 insgesamt rund 40 Millionen Franken an die Gesuchstellenden ausbezahlt werden. Der durchschnittlich ausbezahlte Betrag hat sich von 3664 Franken im Jahr 2018 auf 4696 Franken im Jahr 2019 erhöht (Stand 30.10.2019).

1500 1200 900 600 300 0

Januar Februar März 2018

April

Mai

Juni

Juli

August Sept. Oktober Nov.

Dez.

2019

Die subjektorientierte Finanzierung löst die frühere Finanzierung der vorbereitenden Kurse auf eidgenössische Prüfungen durch die Kantone ab. Die Jahre 2018 und 2019 gelten dabei als Übergangsjahre. Wurden 2018 beim SBFI insgesamt 5080 Gesuche eingereicht, waren es Ende Oktober 2019 bereits 7674. Davon stammten 84% aus der Deutschschweiz, 15% aus der Westschweiz und 1% aus der italienischsprachigen Schweiz. Das SBFI schätzt, dass 2019 insgesamt rund 9000 Gesuche eingereicht werden. In den Jahren 2018/2019 haben rund 97% der Kursteilnehmenden die Bundesbeiträge nach Absolvieren der eidgenössischen Prüfung beantragt. Anträge auf Teilbeiträge, die Personen mit Vorfinanzierungsschwierigkeiten bereits während des Kursbesuchs stellen können, liegen damit aktuell unter den Erwartungen.

Monitoring Die Auswirkungen der Subjektfinanzierung werden vom SBFI im Rahmen eines Monitorings beobachtet. Dabei stehen insbesondere die Entwicklungen im Kursmarkt sowie das Finanzierungsverhalten der Arbeitgeber im Fokus. Erste Daten des Bundesamts für Statistik werden 2020 zur Verfügung stehen und konkrete Rückschlüsse zur Umsetzung der Subjektfinanzierung erlauben.

Kontakt: Ramona Nobs, SBFI Stv. Leiterin Abteilung Berufs- und Weiterbildung, Leiterin Ressort Höhere Berufsbildung ramona.nobs@sbfi.admin.ch, Tel. +41 58 464 00 68 22

Weitere Informationen: Subjektorientierte Finanzierung www.sbfi.admin.ch/hbb-finanzierung

Über 700 Kursanbieter auf der Meldeliste 800 700 600 500 400 300 200 100 0

2018

2019

Total

Bundesbeiträge können für alle vorbereitenden Kurse beantragt werden, die auf der sogenannten Meldeliste stehen. Diese bildet die subventionsrechtliche Grundlage für die Auszahlung der Beiträge und bietet eine Übersicht über das Kursangebot. Die meisten Kursanbieter haben sich im Einführungsjahr 2018 für die Meldung von Kursen registriert. Derzeit stellen 739 Kursanbieter insgesamt 4950 Kurse / Module zur Auswahl (Stand: 30.10.2019). Das sind zusammengefasst rund 3000 verschiedene Angebote. Davon entfallen 80 Prozent auf die Deutschschweiz, 18 Prozent auf die Romandie und 2% auf die italienischsprachige Schweiz.

Quelle / Grafiken: SBFI / SDBB


ARBEITEN IM SBFI

SBFI NEWS 5/19 l EINBLICKE

Karin Berger Wälti Sachbearbeiterin / Beschaffungskoordinatorin Ressort Finanzen und Controlling

Was ist Ihr Aufgabengebiet? Im Kompetenzzentrum Beschaffungen und Vertragsmanagement unterstützen wir die Mitarbeitenden des SBFI während des gesamten Beschaffungsprozesses. Ich zeige dabei den Arbeitskolleginnen und -kollegen auf, wie sie unter Einhaltung der gesetzlichen Grundlagen einen Auftrag korrekt ausschreiben und vergeben. Das reicht von kleineren Beschaffungen bis hin zu sogenannten WTO-Ausschreibungen, die ab einem Schwellenwert von rund 230 000 CHF notwendig sind. Wichtig bei meiner Arbeit ist die bundesinterne Kontaktpflege, insbesondere zu unserem Departement und zum Bundesamt für Bauten und Logistik. Nebst der Beratung bin ich für das interne Controlling mitverantwortlich und gebe Auskünfte aller Art. Was gefällt Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders? Ich mag den Kontakt mit Menschen, die Abwechslung der Fragestellungen und die Heterogenität der Aufträge – kein Tag ist gleich wie der andere. Durch die Beschaffungsgeschäfte erhalte ich zudem einen spannenden Einblick in die Projekte unseres Staatssekretariats – von Informatikvorhaben über Berufsbildungsprojekte bis hin zu Krankenversicherungen für Inhaberinnen und Inhaber eines Bundes-Exzellenzstipendiums. Je nach Bedarf wirke ich in Evaluationsteams mit oder nehme an Anbieter-Präsentationen teil, was äusserst spannend ist. Welche Herausforderungen stehen in der nächsten Zeit an? Im Sommer 2019 verabschiedete das Parlament das revidierte Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen. Neu ist beispielsweise das Beschwerderecht bei Einladungsverfahren. Unser Ziel ist es, die Mitarbeitenden des SBFI entsprechend zu informieren, damit wir unsere Aufträge weiterhin korrekt vergeben, keine Beschwerden erhalten und so unsere Arbeiten termingerecht erfüllen können. Bild: Christophe Stolz, SBFI

23


BFI-BILD

STIX ist ein Weltraumteleskop, das an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW entwickelt und gebaut wurde. Es ist eines von zehn Instrumenten, die voraussichtlich im Februar 2020 an Bord der Raumsonde Solar Orbiter der Europäischen Weltraumorganisation ESA zur Sonne reisen werden. Das Instrument wird Röntgenbilder und Spektren der Sonne aufnehmen. Diese enthalten Informationen über physikalische Zustände und Prozesse bei Sonneneruptionen. Anhand dieser Informationen soll untersucht werden, wie sich geladene Teilchen auf sehr hohe Geschwindigkeiten beschleunigen und im Weltraum ausbreiten. Im Hintergrund steht das «Coronal Heating Problem»: Die grosse, ungelöste Frage der Sonnenphysik, weshalb sich die Temperatur der Sonne von 6000 Grad an der Oberfläche in ihrer Atmosphäre, der Korona, massiv erhöht – auf eine Million Grad, statt sich abzukühlen, wie zu erwarten wäre. STIX wird im Rahmen des PRODEX-Programms der ESA finanziert. Mit dieser Unterstützung können Forschende in der Schweiz hochkomplexe Instrumentenentwicklungen vorantreiben und an vorderster Front bei internationalen Weltraumwissenschaftsmissionen mitmachen. Ebenso profitiert die Schweizer Industrie. Die Koordination von PRODEX in der Schweiz wird, wie für alle ESA-Programme, durch das SBFI wahrgenommen. Weitere Informationen: https://stix.i4ds.net Quelle und Bild: FHNW Hochschule für Technik

Profile for SBFI SEFRI SERI

SBFI News - 5/2019  

SBFI News - 5/2019