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SBFI NEWS

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Informationen aus dem Staatssekretariat fĂźr Bildung, Forschung und Innovation SBFI

Fokus Forschungsinfrastrukturen >4

20 Jahre Bologna Die Etappen im Ăœberblick > 17

Weltraum Schweizer Meilensteine bei der Erkundung > 28

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Inhalt Fokus – Forschungsinfrastrukturen ƒƒ Gemeinsam wissenschaftliche Grenzen überwinden ƒƒ Forschungsinfrastrukturen am Beispiel der ESO

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Themen ƒƒ Indikatoren für das Monitoring des Weiterbildungsgesetzes Einzelne Zielgruppen besonders im Fokus

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ƒƒ Positive Bilanz Eidgenössisches Berufsattest erfolgreich eingeführt

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ƒƒ 20 Jahre Bologna-Deklaration Ein Überblick über die wichtigsten Etappen tiefe Intensität - hoher Impact hohe Intensität - hoher Impact

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ƒƒ Wissenschaftliche Publikationen der Schweiz Starke Leistung der Schweiz im internationalen Vergleich

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ƒƒ Programm Academia-Industry Training Das internationale Netzwerk « Sciencentrepreneurs » erweitern

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ƒƒ Schweizer Meilensteine bei der Erkundung des Weltraums Raumfahrtnation Schweiz

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Einblicke ƒƒ Arbeiten im SBFI: Véronique Sidler

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ƒƒ Fakten und Zahlen Das Wichtigste über die Schweizer Berufsbildung in kompakter Form ƒƒ BFI-Bild

IMPRESSUM Herausgeber: Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI Einsteinstrasse 2, 3003 Bern info@sbfi.admin.ch www.sbfi.admin.ch Ausgabe: Nr. 2 2019 (2/19) Redaktion: Dani Duttweiler und Martin Fischer Layout: Désirée Goetschi und Sandra Kobel Übersetzungen: Sprachdienst SBFI und BK Druck: BBL Sprachen: D und F ISSN 2296-3677

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Titelseite: Der Zugang zu exzellenten Infrastrukturen hat eine hohe Bedeutung für Forschende an Hochschulen und in Forschungseinrichtungen, aber auch für innovative Unternehmen. Für Forschungsinfrastrukturen von nationaler und internationaler Bedeutung mit hohem Koordinationsbedarf, wie das Europäische Laboratorium für Teilchenphysik (CERN) in Genf, ist eine umfassende Planung daher unabdingbar. Das Fokusthema der aktuellen Ausgabe der SBFI News beleuchtet diesen Planungsprozess (Seite 5 ff.). Bild: Teilchendetektor CMS am CERN, Bild: CERN

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SBFI NEWS 2/19 l EDITORIAL

Sehr geehrte Damen und Herren Hat die Schweiz das Potenzial, ein digitaler Wissenshub zu werden? Wesentliche Voraussetzungen dafür sind gegeben. Wir verfügen erstens über ein wettbewerbsfähiges Bildungssystem, dessen eine grosse Stärke die Anpassungsfähigkeit an neue Bedürfnisse und Umstände ist. Sodann gibt die Schweiz gemäss OECD-Ländervergleich weltweit pro Kopf am drittmeisten für Forschung und Entwicklung aus. Drittens haben wir eine Vielzahl innovativer Unternehmen. Darunter finden sich nicht nur die Grossen und die Global Players, sondern auch kreative KMU. Von der Strahlkraft des Wirtschaftsstandortes Schweiz profitieren nicht nur bestehende Unternehmen, sondern auch Start-ups finden gute Voraussetzungen und Fördermöglichkeiten vor. Auch der Bund hat Massnahmen lanciert, um Bildung, Forschung und Innovation angesichts des digitalen Wandels zu stärken. Der «Aktionsplan Digitalisierung im BFI-Bereich in den Jahren 2019 und 2020» enthält ein vielfältiges und abgestimmtes Bündel an Massnahmen. Einen hohen Stellenwert hat die Aus- und Weiterbildung. Nicht nur die digitalen Kompetenzen der Lernenden gilt es zu entwickeln, sondern ebenso diejenigen der Lehrpersonen. Die Federführung haben hier die Kantone. Sie haben u.a. bereits ein Informatikobligatorium an den Gymnasien beschlossen. In zahlreichen Reformprojekten wird die Digitalisierung in den Berufsbildern stärker gewichtet. Eine dringliche Massnahme ist hierbei die Weiterbildung und die Förderung von Grundkompetenzen am Arbeitsplatz. Ziel ist es, dass möglichst viele fit sind für den digitalen Wandel. In diesem Zusammenhang sind auch die Unternehmen gefordert: Mitarbeitende informieren, sensibilisieren und gezielt weiterbilden, ist eine zentrale Aufgabe. Die ETH, die kantonalen Universitäten und die Fachhochschulen wiederum gehen die Digitalisierung im Rahmen ihrer hohen Autonomie an. Beispiel dafür ist das gestartete Nationale Forschungsprogramm «Digitale Transformation». Auch bei den Nationalen Forschungsschwerpunkten (NFS) ist die Digitalisierung ein wichtiges Thema. Die NFS «Robotik» und «Digitale Fabrikation» sind auf Kurs. Diesen Herbst sollen weitere NFS mit Blick auf die Grundlagenforschung und ihr Anwendungspotenzial im Bereich der Digitalisierung dazukommen. In der Innovationsförderung ist das Impulsprogramm «Fertigungstechnologien» von Innosuisse erfolgreich gestartet. Zudem wird zurzeit im Auftrag des WBF ein nationaler Verbund von Technologietransferzentren für Fertigungstechnologien aufgebaut. Last but not least war am BFI-Spitzentreffen zur Vorbereitung der Förderbotschaft 2021-2024 unbestritten, dass die digitale Transformation einen bereichsübergreifenden Schwerpunkt bilden soll. Wir sehen: Um die Chancen der Digitalisierung zu packen und deren Herausforderungen zu bewältigen, ist schweizweit vieles im Gange. Nebst der Bereitstellung von finanziellen Mitteln geht es aber vor allem auch darum, Kräfte zu bündeln, Synergien zu nutzen und fruchtbare Partnerschaften einzugehen. Die Digitalisierung ist eine Entwicklung, die interdisziplinär und international stattfindet. Beschreiten wir also gemeinsam den Weg zum digitalen Hub.

Martina Hirayama Staatssekretärin für Bildung, Forschung und Innovation

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Das CERN ist das grösste Forschungszentrum für Teilchenphysik weltweit. Es befasst sich mit der Frage nach Herkunft und Art der Grundbausteine der Materie sowie nach den sie zusammenhaltenden Kräften. Bild: Teilchendedektor ATLAS, Bild: CERN

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Fokusthema – Forschungsinfrastrukturen

Gemeinsam wissenschaftliche Grenzen überwinden Der Zugang zu exzellenten Infrastrukturen hat eine hohe Bedeutung für Forschende an Hochschulen und in Forschungseinrichtungen, aber auch für innovative Unternehmen. Für Forschungsinfrastrukturen von nationaler und internationaler Bedeutung mit hohem Koordinationsbedarf, wie das Europäische Laboratorium für Teilchenphysik (CERN) in Genf, ist eine umfassende Planung daher unabdingbar. Im April 2019 hat der Bundesrat die Schweizer Roadmap für Forschungsinfrastrukturen 2019 des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) zur Kenntnis genommen.

Um die Grenzen unserer wissenschaftlichen Kenntnisse des unendlich Grossen, unendlich Kleinen oder unendlich Schnellen immer weiter zu versetzen, sind wir immer auf leistungsfähigere und komplexere Instrumente angewiesen. In zahlreichen Fachbereichen lassen sich nur dank Forschungsinfrastrukturen Antworten auf grundlegende Fragen finden und neue Probleme angehen. Auch für die Weiterentwicklung bestehender Methoden oder die Erschliessung neuer Gebiete spielen diese Infrastrukturen eine wichtige Rolle. Theoretische Erkenntnisse praktisch beweisen Die Bedeutung von Forschungsinfrastrukturen zeigt sich beispielsweise am CERN. Im Jahr 2012 hat das menschliche Wissen einen grossen Sprung gemacht: Mit dem Nachweis des «Higgs-Teilchens» liess sich die Hypothese vom Ursprung der Masse im Universum bestätigen. Die Bedeutung dieser Entdeckung steht ausser Frage und wurde 2013 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Der erfolgreichen Entdeckung des «Higgs-Teilchens» ging ein langjähriger Prozess in mehreren Etappen voraus. Von den Theoretikern, die in den 1960er-Jahren Modelle des Universums entwickelten, stellten einige die Hypothese eines solchen Teilchens auf und sagten dessen Eigenschaften voraus. Unter ihnen auch Peter Higgs, dem für die Entwicklung seiner Theorie ein Lebensstandard als Hochschulprofessor, eine gut ausgestattete wissenschaftliche Bibliothek und der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen ausreichten. In dieser ersten Etappe der Entdeckung waren nur wenige Mittel erforderlich. Mit dem Aufstellen einer Hypothese ist es allerdings nicht getan: Einzig durch empirische Beobachtungen lassen sich eine Theorie erhärten und neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen. Damit entsteht ein Ressourcenbedarf ganz anderer Grössenordnung. Der Bau und Betrieb der Maschinen, die den Nachweis des «HiggsTeilchens» erlaubten, erforderte eine aussergewöhnliche Zusammenarbeit zwischen den weltweit besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Ingenieurinnen und Ingenieuren. Die Kosten für die Maschinen und das Personal eines solchen Projekts überstiegen die Kapazitäten eines einzigen Landes bei Weitem. Nach jahrzehntelangen diplomatischen Anstrengungen gelang es schliesslich, die Prioritäten in diesem Forschungsbereich auch auf

Der Nachweis des «HiggsTeilchens» ist nur eines von vielen Beispielen, um zu zeigen, wie zentral Forschungsinfrastrukturen für die Weiterentwicklung unseres Wissens sind. zwischenstaatlicher Ebene zu koordinieren. Ausserdem brauchte es eine nachhaltige Governance, die personelle Fluktuationen und politische Veränderungen überdauern würde. Es ist daher kein Zufall, dass das CERN, die weltweit führende zwischenstaatliche Organisation für Teilchenphysik mit inzwischen 23 Mitgliedstaaten, den geeigneten institutionellen und wissenschaftlichen Rahmen für den Bau der Einrichtungen bot, die die Beobachtung des «Higgs-Teilchen» möglich machten. Forschungsinfrastrukturen als zentrale Voraussetzungen Der Nachweis des «Higgs-Teilchens» ist nur eines von vielen Beispielen, um zu zeigen, wie zentral Forschungsinfrastrukturen für die Weiterentwicklung unseres Wissens sind. Dasselbe gilt für alle Wissenschaftsbereiche und sämtliche Etappen auf dem Weg zur Entwicklung neuen Wissens. In den Sozialwissenschaften oder in der Bioinformatik sind es beispielsweise die Daten- und Service-Infrastrukturen, die auf komplexen Datenbanken mit sehr grossen Datenmengen basieren. Dabei werden Daten anhand von Analysen strukturiert und für die Forschung aufbereitet beziehungsweise nutzbar gemacht. In der Klimaforschung sind es zum Beispiel die örtlich verteilten Messstationen, mit denen Daten zur Klimaveränderung über längere Zeiträume erhoben und über koordinierte Netzwerke den Forschenden zugänglich gemacht werden. All diese Forschungsinfrastrukturen basieren mittlerweile auf ausgeklügelten IT-Infrastrukturen, die Rechnerkapazitäten brauchen, um die riesigen Datenmengen in komplexen Systemen speichern und 5


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übertragen zu können. Beispielsweise generieren die verbesserten Techniken der zahlreichen Sensoren beim weltgrössten Teilchenbeschleuniger des CERN, dem Large Hadron Collider LHC, rund 1 Petabyte (1 000 000 Gigabyte GB) an Daten bei der Durchführung von Experimenten; oder pro Sekunde 6 GB Daten. Umso wichtiger ist es, solche Daten zu selektionieren, zu strukturieren und zu pflegen. Grosses Potenzial für die Grundlagenforschung und Innovationen Eine Forschungsinfrastruktur stellt ein ganzes System an Wissen und Innovation dar, dessen Auswirkungen sich auf die Gesellschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette beobachten lassen. Mit der zunehmenden Komplexität von Forschungsinfrastrukturen vervielfachen sich ihre Nutzungs- und Anwendungsbereiche. Hier besteht ein grosses Potenzial. Das CERN ist beispielsweise primär für seine Untersuchungen und sein Grundlagenwissen über Elementarteilchen bekannt. Es ist aber auch der Ort, an dem vor 30 Jahren das World Wide Web «erfunden» wurde. Dank der CERN-Grundsätze war es übrigens von Anfang an öffentlich zugänglich. Weniger bekannt ist jedoch, dass aus den Experimenten am CERN auch Innovationen resultieren. So entstanden etwa im Bereich der Medizin neue Bildgebungsverfahren (Magnetresonanztomographie) und Therapieformen (Protonentherapie). Auch in anderen Fachbereichen wie zum Beispiel in den Geowissenschaften entsteht neues Wissen dank Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung. Das «European Plate Observing System» beispielsweise bedient sich eines Netzwerks spezifischer Infrastrukturen für die Beobachtung der Erdplatten. Die ständig weiterentwickelten Seismometer tragen dazu bei, das Verständnis physikalischer und chemischer Prozesse der Erde zu verbessern. Dadurch ist beispielsweise ein besserer Schutz vor Überschwemmungen oder Erdrutschen möglich. Subsidiäre Rolle des Bundes Mit der angewandten Forschung lassen sich potenziell Geschäftsgewinne erzielen, was in der Regel das Interesse privater Anleger weckt. Für die Grundlagenforschung gilt das nicht immer. Hier muss die öffentliche Hand die notwendigen Ressourcen aufbringen für die Weiterentwicklung der Wissenschaft von morgen, die wiederum den Weg bereitet für die angewandte Forschung von übermorgen.

Aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel, die dem Bund und den Kantonen als Träger der Hochschulen zur Verfügung stehen, braucht es eine frühzeitige und konsequente Priorisierung wichtiger ForschungsinfrastrukturVorhaben. 6

Vor diesem Hintergrund finanziert die öffentliche Hand Forschungsinfrastrukturen, dank denen die Grenzen der wissenschaftlichen Kenntnisse immer weiter versetzt werden können. Wie in vielen anderen Bereichen wendet die Schweiz auch hier das Subsidiaritätsprinzip an. Im Allgemeinen finanzieren und betreiben die Forschungseinrichtungen die von ihren Forschenden benötigten Forschungsinfrastrukturen selbst. Das gilt nach Möglichkeit auch für die Beteiligung an internationalen Forschungsinfrastrukturen. Der Bund engagiert sich nur, wenn sich − wie beim CERN − Investitionen und die institutionelle Stabilität langfristig nur durch Staaten sicherstellen lassen. Der Aufbau einer Forschungsinfrastruktur setzt dementsprechend eine strategische Verankerung in den Hochschulen voraus. Auch ist in allen Fällen ein sorgfältig erarbeiteter und validierter «Business Plan» erforderlich. Dieser Bottom-up-Ansatz trägt dazu bei, dass die nationale Landschaft der Forschungsinfrastrukturen sowohl ausgewogen ist als auch den Bedürfnissen der Forschenden entspricht. Koordination und Priorisierung Aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel, die dem Bund und den Kantonen als Träger der Hochschulen zur Verfügung stehen, braucht es eine frühzeitige und konsequente Priorisierung wichtiger Forschungsinfrastruktur-Vorhaben. Der Bund hat den gesetzlichen Auftrag, seine finanziellen Mittel wirtschaftlich und wirksam zu verwenden und die wissenschaftliche Forschung und wissensbasierte Innovation zu fördern. Die Entscheide, eine nationale oder internationale Forschungsinfrastruktur aufzubauen und zu betreiben, basieren auf wissenschaftlichen Beurteilungen von internationalen Panels, fachlichen Einschätzungen von Forschergemeinschaften und – insbesondere im internationalen Bereich – auf forschungspolitischen Prioritäten im Rahmen der verfügbaren Finanzmittel. Die Beteiligung der Schweiz an internationalen Forschungsinfrastrukturen wird von den anderen Ländern zwar geschätzt und gewünscht, sie spielt aber bei der Errichtung dieser Infrastrukturen jeweils keine entscheidende Rolle. Die finanziellen Beiträge der Schweiz hängen in der Regel davon ab, wie stark die Infrastruktur von ihren Forschenden genutzt wird, und schwanken daher je nachdem zwischen 1 und 5 Prozent des Budgets. Die Schweiz kann sich entsprechend mit relativ bescheidenen Beiträgen an einer Vielzahl von internationalen Forschungsinfrastrukturen beteiligen und ihren Forschenden und Unternehmen somit in etlichen Bereichen Zugang zu den weltbesten wissenschaftlichen Instrumenten verschaffen. Damit erreicht der Bund ein Ziel der Internationalen Strategie der Schweiz im Bereich Bildung, Forschung und Innovation (BFI), nämlich, dass Infrastrukturen, Programme und Dienstleistungen im Ausland Schweizer BFI-Akteuren offenstehen und ihnen zur Sicherung und Steigerung der Qualität ihrer eigenen Leistungen dienen. Auch stellt der Bund dadurch sicher, dass Schweizer Unternehmen privilegierten Zugang zu einem Markt haben, auf dem mit den von diesen internationalen Infrastrukturen ausgehenden Aufträgen eine hohe Wertschöpfung generiert werden kann.

(Fortsetzung Seite 8)


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Forschungsinfrastrukturen dienen unterschiedlichsten Zwecken – eine Auswahl

Im Tessin betreibt die ETH Zürich das nationale Hochleistungs-Rechenzentrum CSCS. Die hochmodernen Supercomputer stehen allen Schweizer Hochschulen und Forschungsanstalten zur Verfügung. Bild: CSCS Im modularen Forschungs- und Innovationsgebäude NEST der Empa und Eawag werden neue Technologien, Materialien und Systeme unter realen Bedingungen getestet, erforscht, weiterentwickelt und validiert. Bild: Empa Die Synchrotron Lichtquelle Schweiz SLS des PSI erzeugt Synchrotronlicht, mit dem Forschende die Eigenschaften unterschiedlichster Materialien untersuchen. Bild: Paul Scherrer Institut (PSI)

FORS ist das Schweizer Kompetenzzentrum für Sozialwissenschaften. Es ist an der Universität Lausanne angesiedelt. FORS führt grosse nationale und internationale Umfragen durch, bietet Daten- und Forschungsinformationsdienste für Forschende und akademische Einrichtungen an und führt methodische und thematische Forschung durch. Bild: Fotalia

Das Swiss Plasma Center an der ETH Lausanne ist national und international eine wichtige Drehscheibe für die Entwicklung der kontrollierten Kernfusion zu einer nutzbaren Energiequelle. Bild: EPFL, Alain Herzog

Die Beteiligung der Schweiz am European XFEL in Hamburg (D) ermöglicht den Forscherinnen und Forschern Zugang zum weltweit stärksten Röntgenlaser. Damit können sie beispielsweise atomare Details von Viren und Zellen entschlüsseln. Bild: European XFEL

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DAS WICHTIGSTE IM ÜBERBLICK

Forschungsinfrastrukturen sind eine zentrale Voraussetzung, um wissenschaftliche Fachgebiete weiterzuentwickeln und neue Gebiete sowie Anwendungen zu erschliessen.

Verantwortlich für die Planung, Einrichtung und den Betrieb von Forschungsinfrastrukturen sind die Hochschulen beziehungsweise die jeweiligen Trägerorganisationen. Der Bund leistet subsidiär Unterstützung.

Forschungsinfrastrukturen sind in der Regel mit hohen Kosten verbunden und anspruchsvoll in der Planung und im Betrieb. Eine Zusammenarbeit auf nationaler oder internationaler Ebene bringt Vorteile für alle Beteiligten.

Bericht «Nationale Roadmap Forschungsinfrastrukturen» aktualisiert Das zuständige Fachamt, das SBFI, erarbeitet periodisch einen Bericht zuhanden des Bundesrates, der den Stand und die Entwicklung von Forschungsinfrastrukturen aufzeigt. Dabei werden auf nationaler Ebene die Entwicklungsprioritäten der jeweiligen Fachgebiete im ETH-Bereich und an den kantonalen Hochschulen berücksichtigt, auf internationaler Ebene zudem die Entwicklungen insbesondere der europäischen Forschungsförderung.

Die Roadmap selbst ist kein Finanzierungsinstrument. Die Hochschulen und die Forschungsanstalten des ETH-Bereichs haben mit der Roadmap die Möglichkeit, ihre priorisierten Vorhaben national wie auch international zu positionieren und sichtbar zu machen. Es ist nun an diesen Institutionen, die entsprechenden Finanzierungsentscheide vorzubereiten, um den Aufbau der neu geplanten Forschungsinfrastrukturen zu ermöglichen. Dem Bund fällt dabei gegebenenfalls der Entscheid zu, ob er sich an der einen oder anderen neuen internationalen Forschungsinfrastruktur beteiligen will.

Die aktuelle nationale Roadmap für Forschungsinfrastrukturen 2019 ist in enger Zusammenarbeit mit dem ETH-Bereich und den kantonalen Hochschulen (Universitäten und Fachhochschulen) erarbeitet worden. Der Bericht gibt einen Überblick über die priorisierten laufenden und geplanten nationalen wie auch internationalen Forschungsinfrastrukturen. Diese Vorhaben sind von nationaler Bedeutung und für die Forschungsgemeinschaft aller Hochschulen aufgrund vorgegebener Kriterien zugänglich. Der Bericht dient dem Bund als Planungsgrundlage für die Vorbereitung der Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation 2021−2024. Neue Vorhaben können so frühzeitig gesamtschweizerisch koordiniert und nachhaltig abgestützt werden.

Kontakt: Nicole Schaad, SBFI Leiterin Ressort Nationale Forschung nicole.schaad@sbfi.admin.ch, +41 58 463 59 85

Weitere Informationen Roadmap Forschungsinfrastrukturen www.sbfi.admin.ch/roadmap_forschungsinfrastrukturen

Xavier Reymond, SBFI Leiter Ressort Internationale Forschungsorganisationen xavier.reymond@sbfi.admin.ch, +41 58 462 34 52

Internationale Forschungsorganisationen www.sbfi.admin.ch/sbfo

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Forschungsinfrastrukturen am Beispiel der Europäischen Südsternwarte (ESO)

«Die ESO faszinierte mich schon immer» Die Europäische Südsternwarte (European Southern Observatory, ESO) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung. Mit ihren Teleskopen der Superlative an verschiedenen Standorten in der Atacama-Wüste in Chile ermöglicht die ESO astronomische Spitzenforschung. Die ESO wird zurzeit von Professor Willy Benz präsidiert. Er ist Professor für Physik und Astrophysik an der Universität Bern und Direktor des Nationalen Forschungsschwerpunkts «PlanetS».

Weshalb ist es für die Schweiz wichtig, Mitglied der Europäischen Südsternwarte zu sein? Prof. Willy Benz: Die moderne Astronomie benötigt immer komplexere Teleskope und Instrumente, die auch immer teurer werden. Die Beteiligung der Schweiz an der ESO verschafft Schweizer Astronominnen und Astronomen Zugang zu Infrastrukturen und Mitteln, beides hätten sie ohne diese Mitgliedschaft nicht. Gewisse Forschungen wären ohne diese Mitgliedschaft schon gar nicht möglich. Werden die Ressourcen mehrerer Staaten zusammengelegt, entstehen auch für deutlich grössere Mitgliedsländer als die Schweiz wie etwa Deutschland oder Frankreich neue Möglichkeiten. Zudem sprechen auch ganz praktische Gründe für eine Mitgliedschaft: In der Schweiz haben wir nur wenige klare Nächte pro Jahr. Deshalb sind Schweizer Astronominnen und Astronomen stets auf der Suche nach Orten, an denen sich der Himmel zeitlich möglichst oft erforschen lässt, wie etwa in der Atacama-Wüste in Chile. Ausserdem ist der Südhimmel spannender als der Nordhimmel, da er den Blick ins Zentrum unserer Galaxie freigibt. Vor welchen Herausforderungen steht die ESO? Eine grosse Herausforderung ist das Teleskop ELT (Extremely Large Telescope): Ein Teleskop mit einem Durchmesser von 39 Metern, das gab es noch nie! Das gewählte Design ist zudem komplexer als bei heutigen Teleskopen. Die Qualität der Optik und der Bildgebung erreicht ebenfalls völlig neue Dimensionen. Dies ist nicht nur auf technologischer Ebene eine Herausforderung. Auch bezüglich der Industrie (es geht um den Bau der bislang grössten Kuppel) und der Finanzierung (die Projektkosten entsprechen sechs bis sieben Mal dem ESO-Jahresbudget) stehen wir vor neuen Herausforderungen. Gleichzeitig zum Bau des ELT sollen aber auch alle bestehenden Infrastrukturen der ESO zum besten Nutzen der europäischen Gemeinschaft weiterbetrieben werden. Das sind insbesondere das VLT (Very Large Telescope) und die dazugehörigen Instrumente, die Spitzenforschung im Bereich der modernen Astronomie erlauben.

Professor Willy Benz, Professor für Physik und Astrophysik an der Universität Bern und Direktor des Nationalen Forschungsschwerpunkts «PlanetS». Bild: Alessandro Della Bella

«Gewisse Forschungen wären ohnen die Mitgliedschaft der Schweiz in der ESO gar nicht möglich.» Welche wissenschaftlichen Fortschritte könnten dank dem ELT erzielt werden? In meinem Bereich, also jenem der Exoplaneten, lassen sich diese Himmelskörper mit dem ELT direkt beobachten statt wie bisher nur indirekt. Je grösser der Spiegel des Teleskops und je stärker die Auflösung, desto eher können wir zwischen dem Licht eines Planeten und dem Licht seines Sterns unterschieden. Damit können wir in einem zweiten Schritt die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre des betreffenden Planeten sowie die klimatischen Bedingungen und die Bodentemperaturen erkennen. Somit können wir auch sagen, ob auf diesem Planeten Wasser in flüssiger Form vorkommen könnte. Welchen Nutzen hat die Schweiz von den Beiträgen, die sie an die ESO und insbesondere an den Bau des ELT zahlt? Die Mitgliedstaaten der ESO zahlen einen Jahresbeitrag, der ihren Forschenden Zugang zu den von der ESO betriebenen Teleskopen und Instrumenten ermöglicht. Die Vergabe von Teleskopzeiten erfolgt dabei mittels eines kompetitiven Systems. Ausserdem können Forschende sowie Ingenieurinnen und Ingenieure der Mitgliedsländer sich an Konsortien beteiligen, welche die notwendigen Instrumente entwerfen und bauen, damit die Teleskope wissenschaftlich genutzt werden können. Als Gegenleistung für ihre Arbeit erhalten die Konsortien deutlich mehr Beobachtungszeit zugesprochen als sonst möglich wäre. Die Nachfrage nach Beobachtungszeit am ELT wird riesig sein. Schweizer Astronominnen und Astronomen erhalten durch ihre Beteiligung am Bau der zwei Instrumente (eine Infrarotkamera mit 9


Im April 2019 wurde das erste Bild eines massenreichen schwarzen Lochs präsentiert. Die ESO war am Bau und Betrieb von ALMA und APEX beteiligt, zweier Radioteleskope, die dieses revolutionäre Bild ermöglichten. Bild: ESO

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Spektrograph namens METIS und ein ultra-stabiler hochauflösender Spektrograph namens HIRES) die Garantie, dass ihnen relativ viel Beobachtungszeit zustehen wird. Welche Aufgaben und welches Arbeitspensum haben Sie als Präsident des ESO-Rates? Ich muss mir selbst Grenzen setzen, da ich mich nicht nur dieser Funktion widmen kann, auch wenn die Lust schon da wäre. Ich denke, diese Funktion macht im Schnitt 30 Prozent meiner Arbeitszeit aus, allerdings mit starken Schwankungen. Die ESO faszinierte mich schon immer. Seit meiner ersten Beobachtungsmission im Jahr 1982 in Chile war ich als Mitglied in verschiedenen Ausschüssen immer auf irgendeine Art und Weise mit der ESO verbunden. Die ESO ist für mich eine beachtliche Institution, der es in den letzten 50 Jahren gelungen ist, zur weltweit führenden Organisation in der bodengebundenen Astronomie zu avancieren und diesen Spitzenplatz zu bewahren. Dank ihrer Infrastrukturen hat sie die europäische Führungsrolle in der Astronomie gestärkt. Als Präsident des ESO-Rates kann ich mich aktiver an der Organisation beteiligen. Man steht mittendrin im Geschehen, kann Entscheidungen mitgestalten und seine Meinung einbringen. Für mich ist es ein grosser Glücksfall, dass ich so intensiv an dieser Organisation mitarbeiten darf, vor allem jetzt, wo sie das grösste Teleskop der Welt baut. Wie bringen Sie Forschung, Lehre und Familie unter einen Hut? Es ist nicht immer einfach und die Arbeitstage sind lang. Für manches reicht die Zeit nicht mehr. So war ich beispielsweise Direktor des Physikalischen Instituts der Universität Bern oder Mitglied in anderen Ausschüssen. Aber diese Ämter habe ich abgegeben. Zur Familie: Meine Kinder sind gross, so gesehen bin ich freier als früher. Als sie kleiner waren, hätte es zuhause nicht funktioniert mit all diesen Aufgaben. Aber jetzt geht es und ich geniesse es. Wie war es für Sie, als Sie im März 2019 eine Sitzung des ESO-Rates in der Schweiz organisiert haben? Was bedeutet Ihnen das? Dass die Sitzung des ESO-Rates in der Schweiz stattfinden konnte, zeigt, dass die Schweiz ihre Rolle als Mitglied sehr ernst nimmt und ihrer Verantwortung auf allen Ebenen gerecht wird. Wir sind ein verlässlicher Partner für die ESO, die Organisation kann auf uns zählen und wir zählen auf sie, um unseren Astronominnen und Astronomen Spitzenforschung zu ermöglichen. Es war erst das zweite Mal in der Geschichte der Organisation, dass der Rat in der Schweiz zusammengekommen ist, und ich war natürlich auch ein wenig stolz und habe mir gesagt, dass die Schweizer Ratsdelegation hier wirklich gute Arbeit geleistet hat.

Kontakt: Professor Dr. Willy Benz, Abteilung für Weltraumforschung und Planetologie der Universität Bern willy.benz@space.unibe.ch, +41 31 631 44 03

«Wir sind ein verlässlicher Partner für die ESO, die Organisation kann auf uns zählen und wir zählen auf sie.» Inwiefern kommt die Astronomie der Gesellschaft zugute? Die Astronomie ist in vielerlei Hinsicht von Nutzen. Zuallererst trägt sie zur allgemeinen Vergrösserung des Wissens bei und hilft uns, die Erde in ihrer Umgebung zu verstehen. Wie ist das Universum entstanden? Wie das Sonnensystem? Wie unsere Erde? Gibt es andere Planeten, die der Erde gleichen und auf denen eine Form von Leben vorkommt? Solche Fragen haben die Menschheit schon immer beschäftigt. Dank des technologischen Fortschritts könnten wir die erste Generation sein, die diese Fragen wissenschaftlich beantworten kann. In einem anderen Bereich, aber ebenfalls an der Grenze unseres derzeitigen Wissens, hat die ESO zum ersten Bild eines supermassiven schwarzen Lochs im Zentrum der Galaxie Messier 87 beigetragen. Die Astronomie ist zudem eine Wissenschaft, die die Öffentlichkeit und vor allem junge Menschen anzieht. Manche Jugendliche kommen über die Astronomie auf die Idee, ein naturwissenschaftliches Studium zu wählen. Sie entscheiden sich zwar vielleicht nicht alle gerade für Astronomie, studieren dann aber womöglich Ingenieurwissenschaften, Physik, Biologie, Informatik oder etwas Ähnliches. Der Nachwuchs in diesen Disziplinen ist wichtig, denn eine gut ausgebildete Bevölkerung erhöht insgesamt das Niveau einer Gesellschaft, die wiederum besser in der Lage sein wird, die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Gleichzeitig trägt die Astronomie auch zur technologischen Innovation bei. Zum Beispiel werden neue Maschinen gebaut, um der Frage nach anderen Lebensformen im Universum nachzugehen. Diese Maschinen verlangen oftmals technologische Neuerungen und bringen die Technik voran. Das wiederum treibt die technologische Innovation und den Fortschritt an. Vom Bau eines Teleskops oder eines anderen Instruments kann die Industrie nicht leben, aber die dabei entwickelten Technologien werden später oft bei anderen Entwicklungen eingesetzt und teils auch vermarktet, was wiederum direkte Auswirkungen auf die Gesellschaft haben kann.

Weitere Informationen Europäische Südsternwarte ESO: www.eso.org

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SBFI NEWS 2/19 l WEITERBILDUNG

Indikatoren für das Monitoring des Weiterbildungsgesetzes

Einzelne Zielgruppen besonders im Fokus Das 2017 in Kraft gesetzte Weiterbildungsgesetz sieht ein Monitoring über die Weiterbildungsbeteiligung und den Weiterbildungsmarkt vor. Damit soll über einen längeren Zeitraum beobachtet werden, ob eine Entwicklung – insbesondere bei Gruppen, bei denen Dysfunktionen in der Weiterbildungsbeteiligung vermutet werden – den gewünschten Verlauf nimmt. Anlässlich der Fachtagung «Dialog Weiterbildung 2019» hat das SBFI einen ersten Vorschlag für ein solches Monitoring zur Diskussion gestellt.

Das Bundesamt für Statistik erhebt Daten zur Weiterbildungsbeteiligung in der Schweiz im Rahmen von verschiedenen Erhebungen: • Der alle fünf Jahre durchgeführte «Mikrozensus Aus- und Weiterbildung» (MZB) liefert Informationen zum Bildungsverhalten der Bevölkerung der Schweiz. Berücksichtigt werden sowohl Ausbildungen, die zu anerkannten Abschlüssen führen, als auch Weiterbildungen oder verschiedene individuelle Lernformen. Auf europäischer Ebene entspricht der MZB dem «Adult Education Survey». • «Aus- und Weiterbildung im Unternehmen SBW» ist eine Erhebung bei den schweizerischen Unternehmen. Ziel ist es, Informationen zur Aus- und Weiterbildungsteilnahme sowie zu Politik und Ausgaben zu sammeln. Die Erhebung basiert teilweise auf der europäischen Erhebung «Continuing Vocational Training Survey». • Die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE) ist eine Personenbefragung, die seit 1991 jedes Jahr durchgeführt wird. Die 12

Erhebung beinhaltet unter anderem auch Angaben zu Aus- und Weiterbildung. Auf Grund der strikten Anwendung internationaler Definitionen in der SAKE lassen sich die schweizerischen Daten mit jenen der übrigen Länder der OECD sowie den Staaten der Europäischen Union vergleichen. Seit 2010 erfolgt die SAKE vierteljährlich. International werden die SAKE-Daten unter dem Titel «Labour Force Survey» veröffentlicht. • Weitere Erhebungen wie zum Beispiel Omnibus-Erhebungen beleuchten Teilaspekte der Weiterbildungsbeteiligung. Aufgrund der Erhebungsfrequenz und der Datenverfügbarkeit eignen sich SAKE-Daten zur Weiterbildung am besten für die Definition von Indikatoren zur Beobachtung der Zielgruppen. Mögliche Zielgruppen eruiert Bei der Erarbeitung des Weiterbildungsgesetzes und in der parlamentarischen Diskussion wurde davon ausgegangen, dass der Weiter-


SBFI NEWS 2/19 l WEITERBILDUNG

bildungsmarkt in der Schweiz grundsätzlich gut funktioniert. Handlungsbedarf wurde lediglich im Bereich Weiterbildungsbeteiligung von Geringqualifizierten geortet. Um Indikatoren für das Monitoring des Weiterbildungsgesetzes zu entwickeln, hat das SBFI zusammen mit den interessierten Kreisen 2018 an der Fachveranstaltung «Dialog Weiterbildung» eine Reihe von möglichen Zielgruppen identifiziert. Bei der Auswahl der Zielgruppen lag der Fokus vor allem auf vermuteten Dysfunktionen. Nebst den Geringqualifizierten werden als Zielgruppen auch Seniorinnen und Senioren sowie ältere Arbeitnehmende, sogenannt Nicht-Teilnehmende an Weiterbildungsaktivitäten und Personen mit Migrationshintergrund näher untersucht. Erster Entwurf zur Diskussion gestellt Das nun an der Fachtagung 2019 präsentierte Instrument bietet einerseits eine generelle Übersicht über die Beteiligung der Weiterbildung in der Schweiz. Verschiedene Indikatoren und entsprechende Kontextfaktoren zeigen die jeweiligen Entwicklungen auf und vergleichen diese mit dem angestrebten Ziel. Es finden sich beispielsweise Informationen zur Weiterbildungsteilnahme nach

Alter, Geschlecht oder Arbeitsmarktstatus sowie Aussagen zur aufgewendeten Zeit für Weiterbildung, zu Teilnahmehindernissen oder zum Anteil der Personen, die sich nicht an Weiterbildung beteiligen. Andererseits finden sich auch Indikatoren-Sets zu den 2018 eruierten Zielgruppen wie beispielsweise Geringqualifizierte. Auch hier erfolgt, wie bei der generellen Übersicht, eine Aufschlüsselung nach verschiedenen Themen. Der vom SBFI präsentierte Entwurf wurde an der Fachveranstaltung im April 2019 grundsätzlich begrüsst. In einem Workshop diskutierten die Vertreterinnen und Vertreter der Sozialpartner, Organisationen der Weiterbildung, Verbände, des Bundes und der Kantone über Verbesserungen. Neben der Aufnahme von weiteren Kontextinformationen wie etwa die regionale Verteilung wurde auch die Aufnahme eines Indikators zur Teilnahme nach Geschlecht sowie eine Aufsplittung des Indikators «Ältere Arbeitnehmende und Senioren» angeregt. Ausserdem wurde darauf verwiesen, dass ein Monitoring nicht nur die Nachfrageseite beleuchten, sondern auch Elemente der Angebotsseite sowie der Unternehmensseite beleuchten sollte. Das SBFI wird nun diese Diskussionsergebnisse aufarbeiten und das Instrument entsprechend weiterentwickeln.

Weiterbildungsbeteiligung in der Schweiz Gemäss dem Mikrozensus Aus- und Weiterbildung des Bundesamts für Statistik präsentiert sich die Weiterbildungsbeteiligung in der Schweiz generell wie folgt: Teilnahmequote

Die Teilnahmequote der ständigen Wohnbevölkerung zwischen 25 und 75 Jahren hat von 2011 zu 2016 von 58% auf 62% zugenommen, was einer relativen Zunahme von 6,9% entspricht und den positiven Trend bestätigt.

Internationaler Vergleich

Die Beteiligung an Bildung und Weiterbildung ist in der Schweiz seit Jahren massiv höher als in anderen europäischen Ländern. Einzig Länder wie Finnland, Schweden, Island oder Dänemark weisen ähnlich hohe Beteiligungsquoten auf.

Geschlecht

Die Teilnahme an Weiterbildung der ständigen Wohnbevölkerung zwischen 25 und 74 Jahren (SAKEDaten) ist in Bezug auf das Geschlecht ausgeglichen.

Alter

Bis und mit 54 Jahren ist die Weiterbildungsbeteiligung relativ konstant. Zwischen 55 und 59 Jahren geht sie leicht zurück, ab 60 Jahren nimmt sie massiv ab. Die Gründe dafür liegen u.a. im Arbeitsmarktstatus.

Arbeitsmarktstatus

Die Teilnahme an Weiterbildung ist stark vom Arbeitsmarktstatus beeinflusst. Erwerbstätige bilden sich am häufigsten weiter, während Nichterwerbspersonen die niedrigste Weiterbildungsbeteiligung aufweisen.

Nicht-Teilnehmende

2016 wollten sich ca. 30% der Bevölkerung im Alter von 25 bis 75 Jahren aus- oder weiterbilden, konnten dies aber aus unterschiedlichen Gründen nicht wie beabsichtigt tun. Zwei Drittel dieser Gruppe (oder 21% der beobachteten Bevölkerung) haben zwar an mindestens einer Bildungsaktivität teilnehmen können, hätten aber gerne noch eine weitere besucht. Das restliche Drittel (9% der Bevölkerung) konnte trotz Wunsch gar keine Bildungsaktivität besuchen. Knapp 70% sind mit ihrer Situation zufrieden. Entweder konnten sie sich, wie geplant, aus- oder weiterbilden (42%) oder sie hatten keine Bildungsabsicht (27%). Werden die Teilnahmehindernisse betrachtet, die von Personen aufgeführt werden, die gerne (mehr) an Weiterbildung teilgenommen hätten, so wird mit Abstand am häufigsten der Zeitmangel als Teilnahmehindernis genannt (36%), gefolgt von hohen Kosten (15%) und der Beanspruchung durch die Familie (13%).

Quelle: Indikatoren zum Monitoring Weiterbildungsgesetz, SBFI 2019.

Kontakt: Theres Kuratli, SBFI Stv. Leiterin Ressort Weiterbildung und Projektförderung theres.kuratli@sbfi.admin.ch, +41 58 464 20 86

Weitere Informationen Tagungsunterlagen und Indikatoren Monitoring www.sbfi.admin.ch/dialog-wb-d 13


SBFI NEWS 2/19l BERUFSBILDUNG

Positive Bilanz

Eidgenössisches Berufsattest erfolgreich eingeführt Seit der gesetzlichen Einführung der zweijährigen beruflichen Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest EBA im Jahre 2004 sind 56 EBA-Grundbildungen geschaffen worden. Dies zeigt der Bericht «Einführung des Eidgenössischen Berufsattests – eine Bilanz», den der Bundesrat im März 2019 verabschiedet hat. Sowohl die EBA-Lernenden wie auch die Ausbildungsverantwortlichen (Ausbildungsbetriebe, Berufsfachschulen und überbetriebliche Kurse) sind gemäss verschiedenen Evaluationen mit den EBA-Angeboten zufrieden.

Der Bericht wurde in Erfüllung eines Postulates von Alt-Nationalrat Jean Christophe Schwaab (Kanton Waadt) erstellt. Er stützt sich unter anderem auf drei Evaluationen ab, die das SBFI in Auftrag gegeben hatte. Unterschiedlichste Aspekte untersucht Die erste Evaluation erfolgte rund fünf Jahre nach der Einführung der EBA-Grundbildungen. Im Fokus standen dabei der Übertritt von der obligatorischen Schule in eine EBA-Grundbildung sowie die Ausbildung an den drei Lernorten (Betrieb, Berufsfachschule und überbetriebliche Kurszentren). Die zweite Evaluation aus dem Jahr 2016 fokussierte darauf, ob die Arbeitsmarktfähigkeit von EBA-Absolventinnen und -Absolventen gegeben ist. Auch wurde untersucht, ob die Absolventinnen und Absolventen über Weiterbildungsperspektiven verfügen. Eine dritte Evaluation aus dem Jahr 2018 ermöglichte vertiefte Einblicke in die fachkundige individuelle Begleitung in zweijährigen beruflichen Grundbildungen. Es handelt sich dabei um ein spezifisches Unterstützungsangebot für EBA-Lernende. Etabliertes Bildungsangebot Alle drei Evaluationen zeigen den Erfolg der zweijährigen EBAGrundbildung auf. Die Bilanz ist positiv sowohl im Hinblick auf die Integration in den Arbeitsmarkt wie auch auf die Durchlässigkeit zu weiterführenden Ausbildungen. Zu erwähnen ist auch die Zufriedenheit der verschiedenen Beteiligten. Die wichtigsten Ergebnisse sind: • Die EBA-Grundbildungen haben sich im Schweizer Bildungssystem etabliert. Die Entwicklung der Lehrabschlüsse zwischen 2005 und 2017 zeigt, dass die EBA-Grundbildung die frühere Anlehre schrittweise ersetzt hat (siehe Grafik Seite 16). Gleichzeitig blieb die Zahl der Lehrabgängerinnen und -abgänger mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (drei- und vierjährige berufliche Grundbildungen) konstant. • Seit der gesetzlichen Einführung der EBA-Grundbildungen im Jahre 2004 sind 56 EBA-Grundbildungen geschaffen worden. Sowohl die EBA-Lernenden wie auch die Ausbildungsverantwortlichen sind mit den EBA-Angeboten zufrieden. • Den EBA-Absolventinnen und -Absolventen gelingt in den meisten Fällen ein erfolgreicher Einstieg in den Arbeitsmarkt. Arbeitsmarktfähigkeit und Ausbildungserfolgsquoten der EBA-Absolvierenden 14

Die zweijährigen beruflichen Grundbildungen haben sich im Schweizer Bildungssystem etabliert. haben sich seit der Einführung entwickelt und stabilisiert. Eine überwiegende Mehrheit der Inhaberinnen und Inhaber eines EBA findet innerhalb von zwölf Monaten nach Abschluss der Ausbildung eine Stelle. • Die Indikatoren zur Durchlässigkeit zeigen, dass der Anschluss des EBA an andere Abschlüsse in der Berufsbildung wie beispielsweise die drei- und vierjährigen Grundbildungen mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis gewährleistet ist. • Die für das EBA verfügbaren kantonal umgesetzten Unterstützungsmassnahmen haben sich etabliert und werden genutzt. • In Bezug auf den Lernerfolg und das Verhindern von Lehrabbrüchen erweist sich die fachkundige individuelle Begleitung als passende Massnahme. Auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet Insgesamt zeigt sich, dass der Gesetzgeber mit den EBA-Grundbildungen ein Angebot geschaffen hat, das Arbeitskräfte für den Arbeitsmarkt qualifiziert. Auch öffnet es den Zugang zu weiterführenden Abschlüssen auf Sek II-Stufe sowie zu Weiterbildungen. Die Einführung der EBA-Grundbildungen unterstützt im Weiteren das gemeinsame bildungspolitische Ziel von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt, dass 95% aller 25-Jährigen über einen Abschluss auf der Sekundarstufe II verfügen. Schliesslich tragen die EBA-Grundbildungen dazu bei, das Potenzial an Arbeitskräften weiter auszuschöpfen. Aufgrund der Ergebnisse der Evaluationen stellt der Bundesrat fest, dass sich die Einführung der EBA-Grundbildungen positiv auf die Bildungslandschaft der Schweiz auswirkt. Zusätzlichen Handlungsbedarf sieht er zurzeit nicht. Er ersucht die Verbundpartner, im Rahmen ihrer Zuständigkeiten geeignete Massnahmen gemäss den Empfehlungen der Evaluationen umzusetzen, damit sich das volle Potenzial dieses Angebots entfalten kann.


Der Gesetzgeber hat mit den EBA-Grundbildungen ein Angebot geschaffen, das Arbeitskräfte für den Arbeitsmarkt qualifiziert. Bild: Iris Krebs

Die zehn meistgewählten EBA-Grundbildungen 2017

1. 2. 3. 4. 5.

Detailhandelsassistent/in EBA 1450 Lehrverhältnisse Assistent/in Gesundheit und Soziales EBA 1058 Lehrverhältnisse Büroassistent/in EBA 483 Lehrverhältnisse Automobil-Assistent/in EBA 388 Lehrverhältnisse Küchenangestellte/r EBA 384 Lehrverhältnisse

6. 7. 8. 9. 10.

Haustechnikpraktiker/in EBA 346 Lehrverhältnisse Logistiker/in EBA 301 Lehrverhältnisse Schreinerpraktiker/in EBA 275 Lehrverhältnisse Hauswirtschaftspraktiker/in EBA 274 Lehrverhältnisse Gärtner/in EBA 270 Lehrverhältnisse

Darstellung: SBFI 2018 (statistische Daten: BFS 2018)

15


SBFI NEWS 2/19 l BERUFSBILDUNG

EBA – kurz erklärt Die zweijährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) wurde als wesentliche Neuerung mit dem Bundesgesetz vom 13. Dezember 2002 über die Berufsbildung eingeführt und 2004 in Kraft gesetzt. Sie richtet sich an vorwiegend praktisch begabte Jugendliche und Erwachsene. Sie führt – im Gegensatz zu den früheren Anlehren – zu einem eidgenössischen Abschluss auf Sekundarstufe II mit schweizweit einheitlichen Kompetenzen. Die zweijährige berufliche Grundbildung ist Teil der Schweizer Bildungssystematik. Die Ausbildungen basieren auf eigenständigen, arbeitsmarktorientierten Berufsprofilen. Sie gewährleisten Anschlusslösungen zu den drei- und vierjährigen beruflichen Grundbildungen mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ). Ausserdem vermitteln sie den Lernenden Kompetenzen, die ihnen gute Chancen auf eine Integration in den Arbeitsmarkt bieten. Die Organisationen der Arbeitswelt entscheiden, ob es in ihrem Berufsfeld eine zweijährige berufliche Grundbildung geben soll. Bund und Kantone leisten als Verbundpartner ihren Beitrag, indem sie die nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Die EBA-Grundbildung steht in einem Spannungsfeld: Einerseits geht es darum, die Handlungskompetenzen so zu definieren, dass die EBA-Inhaberinnen und -Inhaber auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen haben. Andererseits sollen möglichst viele Jugendliche und Erwachsene die Möglichkeit erhalten, einen eidgenössisch anerkannten Abschluss zu erlangen.

Entwicklung der Abschlüsse der beruflichen Grundbildung (Sekundarstufe II) 2005–2017 80 000 70 000 60 000 50 000 40 000 30 000 20 000 10 000 0

2005 EBA

2006 EFZ

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

Total

Die Anzahl der jährlichen EBA-Abschlüsse steigt stark an und liegt 2017 bei 6512, was rund 9,5% aller Berufsbildungsabschlüsse auf Sekundarstufe II entspricht. Diagramm: SBFI 2019 (statistische Daten: BFS 2019)

Kontakt: Heike Suter, SBFI Projektverantwortliche Ressort Berufsbildungspolitik heike.suter@sbfi.admin.ch, +41 58 463 23 42

Weitere Informationen Bericht: www.sbfi.admin.ch/eba-bilanz Dossier EBA-Grundbildungen: www.sbfi.admin.ch/eba Evaluationen: www.sbfi.admin.ch/evaluationen

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2017


SBFI NEWS 2/19 l HOCHSCHULEN

20 Jahre Bologna-Deklaration

Ein Überblick über die wichtigsten Etappen Am 19. Juni 1999 ist die Bologna-Deklaration unterzeichnet worden. Auch die Schweiz beteiligte sich damit an einer der grössten Reformen in der Hochschulbildung in den letzten Jahrzehnten. Dieser Beitrag zeigt einige Etappen bei der Umsetzung der Bologna-Deklaration in der Schweiz sowie in Europa auf.

1999 – die Bologna-Deklaration und die Schweiz als Signatarstaat der ersten Stunde Der im Juni 1999 von 29 Staaten unterzeichneten BolognaDeklaration gehen zwei wichtige Texte voraus: • Die Magna Charta Universitatum wurde 1988 von den Rektorinnen und Rektoren zahlreicher Universitäten anlässlich des 900-Jahre-Jubiläums der Universität Bologna unterzeichnet. Sie vertritt die Werte der institutionellen Autonomie und der akademischen Freiheit als Grundsätze einer guten Governance der Hochschulen. • Die Sorbonne-Deklaration wurde 1998 anlässlich des 800-jährigen Bestehens der berühmten Pariser Universität vom französischen, deutschen, englischen und italienischen Bildungsministerium unterzeichnet. Mit der Zustimmung der Schweizerischen Universitätskonferenz (heute: Schweizerische Hochschulkonferenz) unterzeichnete auch Bundesrätin Ruth Dreifuss die Deklaration, die die Vision eines Europas des Wissens skizziert. Um einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen, beschliessen die Bildungsministerinnen und -minister mit der Bologna-Deklaration folgende Ziele: leicht verständliche und vergleichbare Abschlüsse, ein zweistufiges Studiensystem mit Bachelor und Master, die Einführung eines Leistungspunktesystems (nach dem ECTS-Modell), die Förderung der Mobilität, die Zusammenarbeit bei der Qualitätssicherung und die Förderung der europäischen Dimension im Hochschulbereich. Die Bologna-Deklaration ist eine zwischenstaatliche Initiative, die nicht bindend ist. Für ihre Umsetzung sind die einzelnen Länder zuständig. Sie bietet auch für die Schweiz eine einmalige Gelegenheit, ihr nationales System zu reformieren. Die Zuständigkeit für die koordinierte Umsetzung der Bologna-Deklaration in der Schweiz wird den Rektorenkonferenzen übertragen (heute: swissuniversities, die Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen).

Die Universität St. Gallen zählte zu den ersten Hochschulen in der Schweiz, die das Bologna-System einführten. Bilder: Universität St. Gallen

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SBFI NEWS 2/19 l HOCHSCHULEN

2004 – koordinierte Umsetzung der Reformen und erste Vergabe des Bachelortitels

2010 – offizielle Eröffnung des europäischen Hochschulraumes

Die Rektorenkonferenzen leisten intensive Arbeit und schlagen ab 2002 verschiedene verbindliche Richtlinien vor. Im Rahmen des Bologna-Prozesses werden einerseits für die Universitäten und andererseits für die Fachhochschulen (FH) und die pädagogischen Hochschulen (PH) Richtlinien für die koordinierte Erneuerung der Lehre festgelegt.

Seit der Unterzeichnung der Bologna-Deklaration versammeln sich die Unterzeichnerstaaten alle zwei bis drei Jahre, um den Stand der Umsetzung der Reformen zu besprechen, die ursprünglichen Absichten zu präzisieren und neue Massnahmen zu treffen. Zu diesen Massnahmen gehören unter anderem die Berücksichtigung des Doktoratsstudiums als dritte Studienstufe, die Einrichtung des Registers der europäischen Qualitätssicherungsagenturen EQAR und eines Qualifikationsrahmens für den europäischen Hochschulraum (QF-EHEA) sowie die automatische und kostenlose Ausstellung von Diploma Supplements (Studiengangerläuterungen).

Die Richtlinien dienen dazu, einheitliche Vorschriften zu folgenden Punkten sicherzustellen: Studienstufen (einschliesslich ECTS-Punkte) und deren Übergänge, die einheitliche Benennung der Titel sowie die Durchlässigkeit und Mobilität zwischen den und innerhalb der universitären Hochschulen, FH und PH. Da die Bologna-Richtlinien nur die unerlässlichen Voraussetzungen regeln, bleibt den Hochschulen bei der Umsetzung der BolognaReformen und der Gestaltung der Studienprogramme ein bedeutender Handlungsspielraum. Ab 2004 werden an den universitären Hochschulen die ersten Bachelordiplome vergeben. An den FH und den PH ist dies 2008 der Fall. Seit dem Wintersemester 2009/2010 beginnen alle Studienanfängerinnen und -anfänger in der Schweiz ihr Studium nach dem Bologna-Modell – selbst im Medizinstudium, auf das nur wenige Länder das zweistufige Modell anwenden.

Die teilweise erheblichen Unterschiede beim Fortschritt der Umsetzung der wichtigsten Verpflichtungen von Bologna schaden der Glaubwürdigkeit des europäischen Hochschulraums und dessen Entwicklung. Ab 2015 wird die Problematik der «Nichtumsetzung» angesprochen. 2018 wird ein System der Peer-Unterstützung nach dem «Geist von Bologna» eingeführt. Die Staaten haben sich in der Bologna-Deklaration verpflichtet, bis 2010 einen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Obwohl die Reformen noch nicht in allen Ländern umgesetzt worden sind, wird der europäische Hochschulraum an der Konferenz von Wien und Budapest im März 2010 offiziell eingeweiht. Die Staaten verpflichten sich dabei für weitere zehn Jahre. 2019 besteht der europäische Hochschulraum aus 48 Ländern, die dem Europäischen Kulturabkommen angeschlossen sind, sowie der Europäischen Kommission.

Abschlüsse nach Hochschultyp und Examensstufe, ab 2005 2005

2010

2015

2017

Bachelorabschlüsse

2 926

11 536

14 292

14 473

Lizenziate/Diplome

9 187

3 326

495

104

Masterabschlüsse

1 290

7 961

13 439

13 981

Weiterbildungsabschlüsse *

1 692

1 767

1 677

1 814

Doktorate

3 100

3 593

3 853

4 151

Universitäre Hochschulen

Fachhochschulen FH-Diplome

6 871

1 050

0

0

Bachelorabschlüsse

0

8 528

12 678

13 594

Masterabschlüsse

0

1 280

2 721

3 142

2 436

2 691

2 400

2 587

1 018

974

1 048

1 064

684

2 037

3 219

3 328

0

801

1 110

1 225

17

34

169

112

Weiterbildungsabschlüsse Pädagogische Hochschulen PH-Diplome Bachelorabschlüsse Masterabschlüsse Weiterbildungsabschlüsse

*inkl. Aufbau-/Vertiefungsstudium. Quelle: BFS – SHIS-studex

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SBFI NEWS 2/19 l HOCHSCHULEN

2015 – Schaffung des Schweizerischen Akkreditierungsrates Die Zusammenarbeit im Bereich der Qualitätssicherung läuft bereits seit Beginn des Bologna-Prozesses. Sie dient dazu, vergleichbare Kriterien und Methoden zu entwickeln und die Qualität der Lehre zu verbessern. Nach der Annahme eines neuen Verfassungsartikels, wonach Bund und Kantone gemeinsam für die Koordination und die Gewährleistung der Qualitätssicherung im Hochschulbereich sorgen, wird 2015 ein neues Bundesgesetz in Kraft gesetzt: Das Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz (HFKG) stellt unter anderem die Akkreditierung in der Hochschullandschaft Schweiz auf eine neue Grundlage. Ein politisch unabhängiger Schweizerischer Akkreditierungsrat wird ins Leben gerufen, dessen Entscheide den akkreditierten Hochschulen ein Gütesiegel ausstellen. Die zweite mit dem HFKG eingeführte Neuerung ist der Aufbau eines gemeinsamen Qualitätssicherungssystems für alle Hochschulen. Das Akkreditierungsverfahren konzentriert sich gemäss den «Standards and Guidelines for quality assurance in the European Higher Education Area» auf das Qualitätssicherungssystem der Hochschulen.

2019 – die Prinzipien der BolognaDeklaration als fester Bestandteil des Hochschulwesens Die Delegation Lehre von swissuniversities, die nun alle unterschiedlichen Hochschultypen vereint, stellt ihr jährliches Treffen im Mai 2019 unter das Motto des 20-jährigen Jubiläums von Bologna. Gestützt auf die oben erwähnten Bologna-Richtlinien erarbeitet die Schweizerische Hochschulkonferenz mit swissuniversities einen Entwurf für eine gemeinsame neue Verordnung zur Koordination der Lehre an den Schweizer Hochschulen. Der derzeit zur Vernehmlassung vorliegende Entwurf präzisiert spezifisch folgende Punkte: die Anzahl ECTS-Kreditpunkte der Masterstudiengänge an den FH, einschliesslich FH-Bachelor als berufsqualifizierender Abschluss, die dritte Stufe (Doktorat), die Weiterbildung sowie die Titelbezeichnungen. Auf europäischer Ebene findet am 24. und 25. Juni 2019 an der Universität Bologna eine grosse Konferenz zu den Werten und zur Zukunft des europäischen Hochschulraums statt. Im Juni 2020 treffen sich die Ministerinnen und Minister des europäischen Hochschulraums in Rom, um die künftigen Prioritäten festzulegen.

Mobilität: 20% im Jahr 2020 Wo steht man heute in der Schweiz in Bezug auf die Mobilität, eines der Hauptziele des Bologna-Prozesses? Der Bereich Mobilität wurde mit einem eindeutigen quantitativen Ziel von 20% bis 2020 versehen. Gemäss einer kürzlich veröffentlichten Publikation des Bundesamts für Statistik über die Mobilität bewegte sich die Auslandsmobilitätsquote der Absolventenkohorten 2012, 2014 und 2016 zwischen 20% und 21%. Die Quote beträgt 16%, wenn lediglich Auslandsaufenthalte berücksichtigt werden, die einer Mindestdauer von drei Monaten oder dem Erwerb und der Anrechnung von 15 ECTS entsprechen. Mit der Einführung der gestuften Studiengänge hat das Bologna-Modell auch die vertikale Mobilität beim Übertritt vom Bachelor- auf die Masterstufe zwischen Hochschulen, Studienrichtungen oder Hochschultypen möglich gemacht. Weitere Informationen Bundesamt für Statistik: bit.ly/mobilite_des_etudiants

Weitere Informationen Bologna-Prozess: https://www.sbfi.admin.ch/bologna-prozess

Kontakt: Abteilung Hochschulen, Sekretariat info@sbfi.admin.ch, +41 58 462 96 96

Autorin des Beitrags: Muriel Meister-Gampert, SBFI Wissenschaftliche Beraterin Ressort Hochschulpolitik (bis Ende Mai 2019) 19


SBFI NEWS 2/19 l FORSCHUNG

Wissenschaftliche Publikationen der Schweiz

Starke Leistung der Schweiz im internationalen Vergleich Das SBFI führt seine in den vergangenen Jahren verfolgten bibliometrischen Analysen mit einem neu veröffentlichten Bericht weiter. Der Bericht «Leistungen der Schweiz beim wissenschaftlichen Publikationsaufkommen 2011−2015 – bibliometrische Analyse der Leistungen der Schweiz nach wissenschaftlichen Unterbereichen» vermisst die Leistungsfähigkeit der Schweizer Forschung anhand der wissenschaftlichen Publikationen von Forschenden in der Schweiz. Dabei werden internationale Vergleiche gezogen. Auch wird dabei die Entwicklung der Schweizer Leistung beschrieben. Überdies bietet der Bericht eine Auswertung nach Regionen, was ein differenzierteres Publikationsprofil der Schweiz ergibt, sowie eine Untersuchung der meistzitierten Publikationen (Top 10%). Die Schweiz schneidet beim wissenschaftlichen Publikationsaufkommen weltweit insgesamt sehr gut ab (Abb. 1). Bei den Publikationen pro Einwohnerin bzw. Einwohner und Forscherin bzw. Forscher belegt sie den ersten Rang. Zudem werden ihre Publikationen von anderen Forschenden geschätzt, denn ein grosser Anteil schafft es unter die 10% der meist zitierten Publikationen. Leistungen der Schweiz beim wissenschaftlichen Publikationsaufkommen, 2011−2015 (Abbildung 1) Indikatoren

Wert

Weltweiter Platz

Weltweiter Anteil am Publikationsaufkommen

1,1% 19

Publikationen pro Million Einwohner/innen

4 286 1

Publikationen pro 1000 Forschende

965

2

Impact der Publikationen (nach Anzahl Zitierungen gemessen)

118

3

Weltweiter Anteil an den meist zitierten Publikationen (Top 10%)

1,5% 13

Top-10%-Publikationen pro Million Einwohner/innen

560

1

Top-10%-Publikationen pro 1000 Forschende

172

1

Quelle: Clarivate Analytics (SCIE/SSCIE/A&HCI), Bearbeitung SBFI © SBFI 2018

Dieses gute Resultat zeigt sich auch auf der Ebene der sieben grossen Forschungsbereiche (Abb. 2). Die anhand zweier Indikatoren, nämlich der Publikationsintensität und des Impacts, gemessene Leistung der Schweiz ist bemerkenswert: • Impact (Beachtung der Publikationen in der Forschungsgemeinschaft): In sechs der sieben Hauptforschungsbereiche erzielten die Publikationen der Schweiz einen Impact, der deutlich über dem weltweiten Mittelwert liegt. Die Bereiche «Landwirtschaft, Biologie und Umweltwissenschaften», «Life Sciences» und «Technische und Ingenieurwissenschaften, Informatik» übersteigen den weltweiten Durchschnitt um mehr als 20 Punkte. 20

• Intensität (Publikationstätigkeit gegenüber dem Rest der Welt): Die Publikationsintensität der Schweiz ist in der «Klinischen Medizin» und den «Life Sciences» überdurchschnittlich hoch, in «Physik, Chemie und Erdwissenschaften» sowie «Landwirtschaft, Biologie und Umweltwissenschaften» nahe beim Durchschnitt und in den «Sozial- und Verhaltenswissenschaften», «Technische und Ingenieurwissenschaften, Informatik» sowie «Geisteswissenschaften und Kunst» unterdurchschnittlich. Leistungen der Schweiz nach wissenschaftlichen Unterbereichen Eine Analyse der Leistung der Schweiz nach lediglich sieben Hauptforschungsbereichen ist nützlich, um für internationale Vergleiche eine Gesamtsicht zu haben. Interessant ist dieser Vergleich aber auch auf einer detaillierteren Ebene der zahlreichen wissenschaftlichen Unterbereiche. Darauf geht nun der neue Bericht des SBFI ein, der die Leistung der Schweiz in 109 wissenschaftlichen Unterbereichen gemäss der Datenbank von Clarivate Analytics untersucht. Anhand einer solch detaillierten Analyse können beispielsweise die Unterschiede zwischen den Unterbereichen innerhalb eines Forschungsbereichs aufgezeigt (Abb. 4) oder die leistungsstärksten Unterbereiche der Schweizer Forschung ausgemacht werden (Abb. 5). Abbildung 3 zeigt deutlich, dass sich die meisten wissenschaftlichen Unterbereiche der Schweiz in der oberen Hälfte des Diagramms befinden, was einem überdurchschnittlichen Impact und einer überdurchschnittlichen Publikationsintensität entspricht. Die Analyse nach Unterbereichen bestätigt damit das insgesamt positive Ergebnis der Schweiz. Dies spricht klar für die Qualität der Forschung in der Schweiz. Die Leistungen der Unterbereiche im Forschungsbereich «Technische und Ingenieurwissenschaften, Informatik» Die Leistung des Bereichs «Technische und Ingenieurwissenschaften, Informatik» ist insgesamt durchzogen: Der Impact (121) liegt über dem weltweiten Durchschnitt, die Publikationsintensität (62) hingegen deutlich darunter (Abb. 2). Während sich der hohe Impact mit der Qualität der Schweizer Forschung erklären lässt, ist die eher tiefe Publikationsintensität einerseits auf die geringe Bedeutung dieses Bereichs in der Publikationstätigkeit der Schweiz (7% des Publikationsaufkommens der Schweiz) und andererseits


SBFI NEWS 2/19 l FORSCHUNG

Impact, Intensität und Volumen der Publikationen der Schweiz nach Forschungsbereichen, 2011−2015 (Abbildung 2) Impact 200

hohe Intensität - hoher Impact

tiefe Intensität - hoher Impact

Landwirtschaft, Biologie und Physik, Chemie und Umweltwissenschaften (95;127) Life Erdwissenschaften Sciences (99;119) (112;121) Technische und IngenieurwissenKlinische schaften, Medizin Informatik (113;115) (62;121)

100

Erklärung: Die «Klinische Medizin» befindet sich im Quadranten oben rechts, da sie eine Intensität von 113 und einen Impact von 115 verzeichnet. Die Zahlen sind in dieser Reihenfolge (Intensität, Impact) in Klammern unter dem Namen aufgeführt (113; 115).

Sozial- und Verhaltenswissenschaften (89;107) Publikationsvolumen

Geisteswissenschaften und Kunst (44;66)

50 000 25 000

hohe Intensität - tiefer Impact

tiefe Intensität - tiefer Impact

0 0

100

10 000

200

Intensität

Quelle: Clarivate Analytics (SCIE/SSCIE/A&HCI), Bearbeitung SBFI © SBFI 2018

Impact, Intensität und Volumen der Publikationen der Schweiz in allen wissenschaftlichen Unterbereichen (109), 2011−2015 (Abbildung 3)

Impact 200 tiefe Intensität - hoher Impact hohe Intensität - hoher Impact

Die Unterbereiche des gleichen Forschungsbereichs tragen dieselbe Farbe: Technische und Ingenieurwissenschaften, Informatik Physik, Chemie und Erdwissenschaften Landwirtschaft, Biologie und Umweltwissenschaften Life Sciences

100

Klinische Medizin Sozial- und Verhaltenswissenschaften Geisteswissenschaften und Kunst

10 000 5000

0

tiefe Intensität - tiefer Impact 0

hohe Intensität - tiefer Impact

100

1500

200 Intensität

Quelle: Clarivate Analytics (SCIE/SSCIE/A&HCI), Bearbeitung SBFI © SBFI 2018

21


SBFI NEWS 2/19 l FORSCHUNG

Impact, Intensität und Volumen der Publikationen der Schweiz in den Unterbereichen des Forschungsbereichs «Technische und Ingenieurwissenschaften, Informatik», 2011−2015 (Abbildung 4)

Impact 200 tiefe Intensität - hoher Impact hohe Intensität - hoher Impact

Bereich Technische und Ingenieurwissenschaften, Informatik 1.01 1.02 1.03 1.04 1.05 1.06 1.07 1.08 1.09 1.10

1.10

1.15 1.17

1.13

1.03

1.06

1.09 1.04

1.07 1.14 1.11

1.12 1.16

100 1.08

1.05

1.01

1.11

1.02

0

tiefe Intensität - tiefer Impact 0

hohe Intensität - tiefer Impact

100

200 Intensität

1.12 1.13 1.14 1.15 1.16 1.17

AI, Robotics & Automatic Control Aerospace Engineering Chemical Engineering Civil Engineering Computer Science & Engineering Electrical and Electronics Engineering Engineering Management / General Engineering Mathematics Environmental Engineering & Energy Geological, Petroleum & Mining Engineering Information Technology & Communications Systems Instrumentation & Measurement Materials Science & Engineering Mechanical Engineering Metallurgy Nuclear Engineering Optics & Acoustics

5000 2500 1000

Quelle: Clarivate Analytics (SCIE/SSCIE/A&HCI), Bearbeitung SBFI © SBFI 2018

auf dessen grossen Stellenwert in Ländern wie China, Südkorea, Taiwan, Singapur, Indien oder dem Iran zurückzuführen. Die Analyse nach Unterbereichen (rund 20% der nationalen Publikationen) ergibt ein umfassenderes Bild dieses Bereichs. Dabei zeigt sich, dass die 17 Unterbereiche über alle Quadranten verteilt sind; die zwei Unterbereiche «Instrumentation & Measurement» und «Nuclear Engineering» befinden sich im Quadranten oben rechts (Intensität und Impact überdurchschnittlich), elf Unterbereiche im Quadranten oben links (überdurchschnittlicher Impact, aber unterdurchschnittliche Intensität), drei verzeichnen einen Impact und eine Intensität unter dem weltweiten Durchschnitt und ein Unterbereich eine starke Intensität, aber einen leicht unterdurchschnittlichen Impact.

22

Zoom auf die leistungsstärksten wissenschaftlichen Unterbereiche Ein Forschungsschwerpunkt ist dann wettbewerbsfähig, wenn er in den Bereichen, in denen er am aktivsten ist, hervorragende Leistungen erbringt. Für eine detaillierte Betrachtung reicht es hier nicht, aber Abbildung 5 zeigt die 37 leistungsstärksten Unterbereiche für die Schweiz, d.h. die Unterbereiche, die sich im Quadranten oben rechts von Abbildung 3 befinden (Impact und Intensität über dem weltweiten Durchschnitt von 100). Darunter befinden sich hauptsächlich Unterbereiche von «Klinische Medizin» und «Life Sciences», aber auch – im Gegensatz zu den Resultaten des Hauptforschungsbereichs – einige aus «Sozial- und Verhaltenswissenschaften», «Physik, Chemie und Erdwissenschaften», «Landwirtschaft, Biologie und Umweltwissenschaften» sowie aus dem Bereich «Technische und Ingenieurwissenschaften, Informatik».


SBFI NEWS 2/19 l FORSCHUNG

Impact, Intensität und Publikationsaufkommen der Unterbereiche mit einem Impact und einer Intensität über dem weltweiten Durchschnitt (100), 2011−2015 (Abbildung 5)

Impact 200

1.12 Instrumentation & Measurement 1.16 Nuclear Engineering

hohe Intensität - hoher Impact

2.03 Earth Sciences 2.09 Physics 2.11 Spectroscopy / Instrumentation / Analytical Sciences 3.05 Biology 3.08 Environment / Ecology 3.10 Multidisciplinary in Agriculture, Biology & Environmental Sciences 3.12 Veterinary Medicine / Animal Health

4.04

3.10

6.09 4.14

6.13 5.23

5.01 4.11 4.17

100 90

90

5.12

3.08

2.03

4.08

5.05 5.17 5.03

4.18 4.09

1.12 4.12 2.11 4.05 6.03 2.09 5.07 5.08 5.10 4.07 5.02 5.04 1.16 3.05 4.15 5.13 4.03

5.21

3.12

100

200 Intensität

Quelle: Clarivate Analytics (SCIE/SSCIE/A&HCI), Bearbeitung SBFI © SBFI 2018

4.03 Cardiovascular & Hematology Research 4.04 Cell & Developmental Biology 4.05 Chemistry & Analysis 4.07 Experimental Biology 4.08 Immunology 4.09 Medical Research, Diagnosis & Treatment 4.11 Medical Research, Organs & Systems 4.12 Microbiology 4.14 Multidisciplinary in Life Sciences 4.15 Neurosciences & Behavior 4.17 Pharmacology & Toxicology 4.18 Physiology 5.01 Anesthesia & Intensive Care 5.02 Cardiovascular & Respiratory Systems 5.03 Clinical Immunology & Infectious Disease 5.04 Clinical Psychology & Psychiatry 5.05 Dentistry / Oral Surgery & Medicine 5.07 Clin. Endocrinology, Metabolism & Nutrition 5.08 Environmental Medicine & Public Health 5.10 General & Internal Medicine 5.12 Hematology 5.13 Neurology 5.17 Orthopedics, Rehabilitation & Sports Medicine 5.21 Radiology, Nuclear Medicine & Imaging 5.23 Research / Laboratory Medicine & Medical Technology 6.03 Economics 6.09 Political Science & Public Administration 6.13 Rehabilitation

Kontakt: Müfit Sabo, SBFI Stv. Leiter Abteilung Forschung und Innovation muefit.sabo@sbfi.admin.ch, +41 58 465 91 51

Weitere Informationen Bericht www.sbfi.admin.ch/wissenschaftliche_publikationen_ch

Isabelle Maye, SBFI Wissenschaftliche Beraterin Ressort Grundlagen isabelle.maye@sbfi.admin.ch, +41 58 463 09 64 23


SBFI NEWS 2/19 l INTERNATIONAL

Programm Academia-Industry Training

Das internationale Netzwerk der «Sciencentrepreneurs» erweitern Das «Academia-Industry Training» (AIT) bietet jedes Jahr rund 20 jungen Forschenden und Unternehmerinnen und Unternehmern die Möglichkeit, ihren Horizont zu erweitern und ihr Potenzial sowie ihr internationales Netzwerk in ihren jeweiligen Arbeitsfeldern auszubauen. In Indien und Brasilien erhalten sie eine Einführung in vielversprechende Märkte. Das Projekt läuft unter den vom SBFI finanzierten bilateralen Forschungsprogrammen. Mit diesen werden seit über zehn Jahren Partnerschaften zwischen der Schweiz und aussereuropäischen Ländern mit hohem Forschungs- und Innovationspotenzial entwickelt.

Die Teilnehmenden am AIT India. Bild: Julia Bory (venturelab)

In einer sich rasch wandelnden Welt mit immer komplexeren und globaleren Herausforderungen ist es wichtig, die Einbindung der Bildungs-, Forschungs- und Innovationsakteure auf internationaler Ebene zu fördern. Damit können diese den gegenseitigen Austausch, ihre Forschungskraft sowie ihre Innovationsfähigkeit und Kreativität stärken. Dadurch leisten sie einen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit und zur Attraktivität der Schweiz.

zusetzen. Das Programm besteht aus einem zweiwöchigen intensiven Praktikum. Die erste Woche findet jeweils im Herbst in Indien oder Brasilien, die zweite im Frühling in der Schweiz statt. In den Camps im Ausland werden die Teilnehmenden für die Chancen und Herausforderungen der indischen und brasilianischen Märkte sensibilisiert. Auch können sie dank zahlreicher neuer Kontakte und Beziehungen ihre Geschäftsideen und Produkte weiter ausfeilen.

Unternehmertum fördern Das von den Partnerministerien in Indien und Brasilien mitfinanzierte Programm «Academia-Industry Training Camp» ist genau in diesem Sinne. Sein Ziel ist es, Jungforschenden einen vertieften Einblick in die Welt des Unternehmertums zu bieten und sie dabei zu unterstützen, Forschungsresultate in marktfähige Produkte umzuwandeln. Für schweizerische, brasilianische und indische «Sciencentrepreneurs» ist dies eine einmalige Gelegenheit, sich mit sehr dynamischen, wenn auch ganz andersartigen und anspruchsvollen Märkten auseinander-

Für die Auswahl der Start-ups und die Programmorganisation sind das swissnex Netzwerk und die Leading Houses für die bilaterale Zusammenarbeit (die ZHAW für Indien und die Universität St.Gallen für Brasilien) zuständig, wobei sie mit den Partnerinstitutionen venturelab und Startup@HSG zusammenarbeiten.

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Gezielte Vorbereitungen Vom 1. bis 5. April 2019 fand im Rahmen der fünften Ausgabe des AIT das Camp in der Schweiz statt. 40 Start-up-Vertreterinnen und


SBFI NEWS 2/19 l INTERNATIONAL

-Vertreter nahmen daran teil: 20 aus der Schweiz sowie je zehn aus Indien und Brasilien. In den Praktikumswochen treffen die Teilnehmenden seitens der Start-ups Expertinnen und Experten, die ihnen helfen, ihre Projekte weiterzuentwickeln. Dabei werden Themen wie geistiges Eigentum oder rechtliche Vorschriften behandelt. In spezifischen Workshops geht es zudem um die (kulturellen) Besonderheiten der Länder, in denen die Start-ups Fuss fassen möchten. Das Programm besteht zu einem grossen Teil aus Coaching-Aktivitäten und Austausch mit Gründungsexpertinnen und -experten. Die Jungunternehmerinnen und -unternehmer wiederholen ihren «Pitch» mehrmals, damit sie bereit sind, im weiteren Verlauf ihrer Karriere mögliche Investoren zu überzeugen. Am letzten Tag der Woche findet jeweils das grosse Finale statt, bei dem die Teilnehmenden fünf Minuten Zeit haben, ihr Start-up einer Fachjury vorzustellen. Diesjähriger Gewinner im Programm mit Brasilien war das Start-up Bloom Biorenewables (aus der EPFL). Im AIT India wurden die Start-ups OxyPrem (hervorgegangen aus der Universität Zürich) und Previda ausgezeichnet. Zusammenarbeit mehrerer Partnerorganisationen Neben dem Einfluss des AIT auf den individuellen Entwicklungsprozess der ausgewählten Start-ups entstanden auch enge Beziehungen zwischen den am Programm beteiligten institutionellen Akteuren. Alle in diese bilateralen Programme mit Indien und Brasilien eingebundenen Akteure, die vom Bund unterstützt werden, schlossen sich zusammen und wirkten gemeinsam auf den Erfolg des Projekts hin: das SBFI und die Partnerministerien, die swissnex in Bangalore und Rio de Janeiro sowie die Leading Houses für die beiden Regionen. Durch das AIT haben die Agenturen der Partnerländer das Innovationssystem der Schweiz entdeckt. Sie haben sich für mehrere Jahre finanziell verpflichtet, was das gegenseitige Interesse an diesem Programm bezeugt. Gemäss den befragten Akteuren ergänzt das AIT-Programm bestehende Angebote für Start-ups in anderen Regionen der Welt, beispielsweise in den USA, China und dem Vereinigten Königreich. Um sich in den Märkten Indiens und Brasiliens zu etablieren, braucht es viel Zeit und Ressourcen, sie bieten jedoch enorme Möglichkeiten. Ähnliche Programme bestehen im Übrigen auch mit Südafrika und Indonesien sowie bald mit Kolumbien.

Kontakt: Cecilia Neyroud, SBFI Wissenschaftliche Beraterin Ressort Bilaterale Beziehungen +41 58 466 88 32 cecilia.neyroud@sbfi.admin.ch Weitere Informationen swissnex Brazil: www.swissnexbrazil.org/services/for-startups/academia-industry-training swissnex India: www.swissnexindia.org/ait Leading House für Lateinamerika (Universität St. Gallen): www.cls.unisg.ch/de/forschung/leading-house Leading House für Südasien und Iran (ZHAW): www.zhaw.ch/en/research/leading-house-south-asia-and-iran

Eine wertvolle Erfahrung im Werdegang eines Start-ups Die AIT-Programme werden von den Teilnehmenden sehr geschätzt. Sie können damit nicht nur ihre Kenntnisse erweitern, sondern auch ihre Ideen unter Gleichgesinnten erproben und auf internationaler Ebene Kompetenzen im Zusammenhang mit komplexen Märkten erwerben. Was das konkret heisst, zeigen zwei Beispiele. Antibiotikaresistenzen bekämpfen Anhand von Patientenproben entwickelt das Start-up Clemedi Testkits für In-vitro-Diagnosen zur Erkennung wirkstoffresistenter Infektionen, die innerhalb von 24 Stunden Ergebnisse liefern. Ziel ist es, die am besten geeigneten Medikamente zu wählen, um den Einsatz von Antibiotika zu verringern und damit Antibiotikaresistenzen zu verhindern helfen. Dr. Prajwal, Leiter Unternehmensentwicklung von Clemedi, stammt aus der ETH Zürich und nahm 2017 am AIT-Programm mit Indien teil. Während der Woche in Indien lernte er potenzielle Partner kennen, die sich für die weitere Entwicklung als entscheidend herausstellen sollten. Eineinhalb Jahre nach dem AIT-Programm ist es Clemedi gelungen, den Prototypen eines Diagnosetests für Tuberkulose zu entwickeln. Zudem konnte das Start-up dank einem von Innosuisse in Zusammenarbeit mit swissnex angebotenen Validierungscamp die im AIT aufgebauten vielversprechenden Kontakte konkret nutzen und Partnerschaften aushandeln. Unterdessen führt das Start-up Gespräche mit mehreren Partnern in Indien. Hochsensitiver Test zur Diagnose von Malaria Ebenfalls im medizinischen Bereich entwickelt das Start-up Hemolytics, das von einem Forscher des Instituts Adolphe Merkle (Teil der Universität Freiburg) gegründet wurde, einen hochsensitiven Malaria-Test. Eine grosse Herausforderung dieser Krankheit besteht darin, dass Patienten häufig keine Symptome aufweisen, was die Eindämmung der Krankheit erschwert. Mit dem von Hemolytics entwickelten Test können nun jedoch sehr geringe Konzentrationen des Malaria-Parasiten im Blut der Betroffenen festgestellt werden. Die Forschenden des Instituts Adolphe Merkle erhielten in einem ersten Schritt Fördergelder («Seed Money») des Leading House für Südamerika für ein Projekt mit dem CEPEM, einem brasilianischen Forschungszentrum für Tropenmedizin. Danach meldete sich Jonas Pollard, einer der Gründer von Hemolytics, zur Teilnahme an der fünften Ausgabe des AIT mit Brasilien an. Dort lernte er dank Kontakten von swissnex Brazil für die Entwicklung des Projekts entscheidende Personen kennen, insbesondere Vertretende von Fiocruz, einer brasilianischen Spitzenforschungsinstitution im Bereich der öffentlichen Gesundheit, und von Global Health Strategies. Über diese kam er schliesslich auch zur Bill & Melinda Gates Stiftung. Neben diesen Kontakten und Workshops, die Hemolytics einen grossen Schritt vorwärtsbrachten, schätzte Jonas Pollard vor allem auch den Austausch mit anderen schweizerischen und brasilianischen Teilnehmenden am AIT, die trotz unterschiedlicher Tätigkeitsbereiche vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterstützten sich gegenseitig und ihr Zusammenhalt besteht auch über das AIT hinaus weiter.

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ARBEITEN IM SBFI

Véronique Sidler Französischübersetzerin im Ressort Sprachdienst Was ist Ihr Aufgabengebiet? Unser Sprachdienst übersetzt verschiedenste Texte aus den Themenbereichen des SBFI, hauptsächlich vom Deutschen ins Französische und umgekehrt. Ab und zu übersetzen wir aber auch aus dem Englischen (vor allem wissenschaftliche Texte) und dem Italienischen. Zudem beraten wir die Kolleginnen und Kollegen im SBFI in sprachlichen Belangen und übernehmen häufig Korrekturlesungen von Texten in der Originalsprache. Was gefällt Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders? Ich hatte immer eine Vorliebe für Sprachen, was mich automatisch zum Übersetzen geführt hat. Neben der Arbeit an der Sprache in all ihren Feinheiten gefällt mir am Übersetzen vor allem, dass man immer wieder Neues dazulernt. Es ist eine Arbeit, die einen gewissermassen dazu zwingt, sich für Themen zu interessieren, mit denen man sich sonst nicht unbedingt befasst hätte. Ich habe und mag diese nötige Neugier. Welche Herausforderungen stehen in der nächsten Zeit an? Seit Bundesrat Guy Parmelin als unser Departementsvorsteher im Amt ist, ist unser Arbeitsvolumen gestiegen und vielfältiger geworden. So sind neue Textsorten hinzugekommen. Nach diesem Sommer werden wir unseren Beitrag zum Projekt «BFI-Botschaft 2021-2024» leisten, deren Übersetzung uns längere Zeit beschäftigen wird. Ausserdem erwarten uns nach einer Pensionierung im Team Ende Sommer einige Veränderungen. Bild: Christophe Stolz, SBFI

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SBFI NEWS 2/19 l FAKTEN UND ZAHLEN

FAKTEN UND ZAHLEN

Das Wichtigste über die Schweizer Berufsbildung in kompakter Form Die Ausgabe 2019 der SBFI-Publikation «Berufsbildung in der Schweiz – Fakten und Zahlen» ist erschienen. Es finden sich darin Informationen zum Aufbau des Berufsbildungssystems, zu den verschiedenen Angeboten für Jugendliche und Erwachsene bis hin zur Berufsbildungsforschung und zur Finanzierung der Berufsbildung. Eintritte in die Sekundarstufe II 2017 – betrieblich organisierte Grundbildung dominierend

Bildungsabschlüsse der höheren Berufsbildung – Karriere auf Tertiärstufe 30

Betrieblich organisierte berufliche Grundbildung

29796 65872

7 645

Schulisch organisierte berufliche Grundbildung Allgemeinbildung

Rund zwei Drittel der Jugendlichen in der Schweiz entscheiden sich für eine berufliche Grundbildung. Die betrieblich organisierte Grundbildung ist die überwiegende Form.

27 054

26 690

26 455

26506

25 20 14537

15 10 5 0 Tausend

8451

8106 2635

14835

1776

2014

14448

14402

8754

8430 3473

2707 462

2015

2954 385

2016

Diplom HF

Eidg. Diplom

Eidg. Fachausweis

Übrige

350

2017

Total

Berufsmaturitätsquote – Zutritt an eine Fachhochschule 18% 15%

14,1

14,8

15,1

15,4

12%

Den grössten Anteil an Bildungsabschlüssen in der höheren Berufsbildung (Teil der Tertiärstufe) bilden die eidgenössischen Fachausweise (Berufsprüfung), gefolgt von den eidgenössisch anerkannten Diplomen der höheren Fachschulen (HF) und den eidgenössischen Diplomen (höhere Fachprüfung).

9% 6%

Quelle: Berufsbildung in der Schweiz – Fakten und Zahlen. Ausgabe 2019. SBFI.

3% 0%

2013

2014

2015

2016

Jede sechste Absolventin bzw. jeder sechste Absolvent einer beruflichen Grundbildung mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis verfügt auch über eine Berufsmaturität.

Weitere Informationen Online-Version und Bestellmöglichkeit: www.sbfi.admin.ch/fzbb_d 27


SBFI NEWS 2/19 l RAUMFAHRT

Schweizer Meilensteine bei der Erkundung des Weltraums

Raumfahrtnation Schweiz Als 1969 Buzz Aldrin als zweiter Mann aus der US-Mondlandefähre stieg, entrollte er als erstes das Sonnenwindsegel der Universität Bern und steckte es noch vor der amerikanischen Flagge in den Boden des Mondes. Ein Blick auf die vergangenen 50 Jahre zeigt, dass die Schweiz über die Jahre hinweg verschiedenste Beiträge zur Erkundung und Nutzung des Weltraums geleistet hat und an zahlreichen Missionen beteiligt war. Folgend eine Auswahl wichtiger Meilensteine.

 1986

1979

Vorstoss in die Tiefen des Weltraums: Die Sonde Giotto, die erste Mission der ESA in die Tiefen des Weltraums, fliegt 1986 so nahe wie nur möglich am Kometen Halley vorbei. An Bord hat sie ein Spektrometer der Universität Bern. Es misst erstmals vor Ort die Zusammensetzung von Kometenstaub und -gasen. Bild: ESA

Nutzlastverkleidung einer Trägerrakete – Made in Switzerland: Die europäische Ariane-1-Trägerrakete startet zu ihrem Jungfernflug mit einer Schweizer Nutzlastverkleidung der RUAG (ehemals Contraves). Ariane-1 wurde vor allem entwickelt, um zwei Satelliten gleichzeitig ins All zu transportieren und so Kosten zu sparen. Als die Satelliten immer grösser werden, wird die Ariane-1 durch leistungsfähigere Raketen abgelöst. Die Nutzlastverkleidungen aus der Schweiz beweisen bis heute ihre Zuverlässigkeit. Bild: ESA

 2000

1995 Jenseits unseres Sonnensystems: Michel Mayor und Didier Queloz von der Universität Genf entdecken den ersten Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems, der den nahen Stern 51 Pegasi umkreist. Bild: ESA

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Dienstleistungen für die Forschung im Weltall: Gründung des Zentrums BIOTESC (Biotechnology Space Support Center) der Hochschule Luzern. Das Zentrum arbeitet im Auftrag der ESA. Es betreut Forschende, die Experimente in der Schwerelosigkeit des europäischen Weltraumlabors Columbus, einem Modul der Internationalen Raumstation ISS, machen wollen. Zudem unterstützt es die Crew der ISS bei der Durchführung dieser Experimente. Bild: Christophe Stolz


SBFI NEWS 2/19 l RAUMFAHRT

 1975

1969

Die Raumfahrt unter einem Dach: Zehn Staaten, darunter die Schweiz, gründen die Europäische Weltraumorganisation ESA. Sie entsteht aus der Fusion von ESRO (European Space Research Organisation) und ELDO (European Launcher Development Organisation). Dadurch vergrössert sich der Aufgabenbereich und umfasst jetzt auch operationelle Anwendungssysteme wie Telekommunikationssatelliten. Bild: ESA

Von Bern zum Mond und wieder zurück: Bei der ersten bemannten Mondlandung führen die Astronauten ein Experiment durch, um den Sonnenwind zu untersuchen – den kontinuierlichen Strom geladener Teilchen, der von der Sonne ausgeht. Johannes Geiss, Professor an der Universität Bern, entwickelte das Experiment und trägt damit dazu bei, konkurrierende Theorien über den Ursprung des Sonnensystems, die Atmosphäre von Planeten und die Dynamik des Sonnenwinds zu klären. Bild: NASA

 1990

 1992 Erster Flug ins Weltall mit dem SpaceShuttle: Der Schweizer Claude Nicollier wird 1978 für die erste ESA-Astronautengruppe ausgewählt, die mit dem Space Shuttle der USA ins All fliegen soll. Nicollier gehört viermal zu einer Space-Shuttle-Crew (1992, 1993, 1996 und 1999) und verbringt insgesamt über 1000 Stunden im All. Dazu gehört auch ein Weltraumspaziergang, um neue Instrumente am Teleskop Hubble zu installieren. Bild: ESA

Der Griff nach der Sonne: Start der Ulysses-Mission der ESA/NASA im Jahr 1990. Während der 18-jährigen Beobachtung von Sonne und Heliosphäre liefert Ulysses Daten für die Grundlagenforschung zum Verständnis der Sonne und unserer interstellaren Umgebung. Bei dieser Mission – der längsten in der Geschichte der ESA – ist auch das Instrument SWICS (Solar Wind Ion Composition Spectrometer) aus der Schweiz im Einsatz. Bild: ESA

 2002

 2004 Start des fortschrittlichsten Gammastrahlen-Observatoriums INTEGRAL: Das INTErnational Gamma-Ray Astrophysics Laboratory der ESA untersucht eine der energiereichsten Strahlungsarten im Universum. Innerhalb von Sekunden sendet es wissenschaftliche Daten an das INTEGRAL Science Data Center (ISDC) der Universität Genf. Das ISDC stellt der weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft entsprechende Alarm-Meldungen, verarbeitete Daten und Analyse-Software zur Verfügung. Bild: ESA

Rendezvous mit einem Kometen: Rosetta ist die erste Raumsonde überhaupt, die einen Kometen aufsucht, in seine Umlaufbahn eintritt und auf ihm landet. Sie untersucht den Kometen 67P/ Churyumov-Gerasimenko mit einer Kombination aus Fernerkundungs- und In-situ-Messverfahren. Unter den wissenschaftlichen Instrumenten an Bord ist auch das Spektrometer ROSINA (Rosetta Orbiter Spectrometer for Ion and Neutral Analysis) der Universität Bern. Bild: ESA

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SBFI NEWS 2/19 l RAUMFAHRT

2008

2008 An Bord von Columbus: SOVIM, ein Instrument zur präzisen, stabilen und genauen Beobachtung und Messung der Sonneneinstrahlung, gehört zu den ersten Experimenten an Bord des europäischen Forschungslabors COLUMBUS. Das Physikalisch-Meteorologische Observatorium Davos entwickelte das Instrument. COLUMBUS ist an der internationalen Raumstation ISS angedockt. Bild: ESA

Schweizer Präzision im Weltall: Als Vorbereitung auf das Galileo-System lanciert die ESA in den 1990er-Jahren die Entwicklung von zwei Technologien für Borduhren: Rubidium-Uhren (Rubidium Atomic Frequency Standard, RAFS) und Wasserstoffuhren (Passive Hydrogen Maser, PHM). Beim ersten Galileo-Testsatelliten 2005 kommen RAFS-Uhren zum Einsatz; an Bord des zweiten Testsatelliten GIOVE-B wird die erste PHM-Uhr getestet. Bild: ESA

 2012–2016

 2013 Erster Vorsitz: Die Schweiz wird zusammen mit Luxemburg formell zur Co-Präsidentin des ESA-Ministerrats gewählt. 2016 fand die Tagung des ESA-Ministerrates zum ersten Mal in der Schweiz statt. Bild: ESA

Start des vierten ATV-Raumfrachters, Albert Einstein: Der Frachter ist auf Vorschlag der Schweiz nach dem berühmten Physiker benannt. ATV-4 ist eines von fünf ESA-Raumschiffen, die wesentlich zur Versorgung der ISS beitragen. Wichtige Bestandteile der ATVs stammen aus der Schweiz. Dazu gehören die Struktur des Raumschiffs (RUAG Space), der Mikrometeoritenschutzschild (APCO Technologies) sowie elektronische Komponenten (Syderal). Bild: ESA

 2018 Die amerikanische Sonde «InSight» tritt ihre Reise zum Mars an. Ihr Ziel: Messdaten zum besseren Verständnis des Aufbaus des Roten Planeten sammeln. Zentraler Bestandteil der NASA-Mission ist ein Seismometer, welches unter der Leitung von Frankreich gemeinsam mit Deutschland, der Schweiz (ETH Zürich und Privatindustrie), dem Vereinigten Königreich und den USA entwickelt und gebaut wurde. Bild: NASA

Bern feiert 50 Jahre Mondlandung Vom 28. Juni bis 4. Juli 2019 feiert die Universität Bern gemeinsam mit der Bevölkerung ein Wissenschaftsfest – unter anderem auf dem Bundesplatz. Das SBFI unterstützt die Veranstaltungen mit einem Beitrag. www.bernimall.unibe.ch

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 2012

 2009–2010 Praktische Ausbildung: In enger Zusammenarbeit entwickeln rund 200 Studierende der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne EPFL und mehrerer Fachhochschulen den «Swisscube». Der CubeSat wird vollständig in der Schweiz hergestellt und 2009 ins All gebracht, um das Nachthimmelsleuchten zu beobachten Ein Jahr später schickt ein Team der Tessiner Fachhochschule SUPSI den Mikrosatelliten Tisat-1 in den Weltraum. Bild: EPFL

2013

Schutz für eine weitere europäische Trägerrakete: Die Trägerrakete Vega startet ebenfalls mit einer Nutzlastverkleidung der RUAG zu ihrem Jungfernflug. Bis heute produziert die RUAG Space Nutzlastverkleidungen für europäische und US-amerikanische Trägerraketen. Bild: ESA

2016–2018 CHEOPS (CHaracterising ExOPlanet Satellite) wird als erste S-Klasse-Mission im Rahmen des ESA-Wissenschaftsprogramms ausgewählt. Unter Leitung der Schweiz, Universität Bern, beteiligt sich ein Konsortium aus elf Ländern an der Mission. Sowohl die wissenschaftliche Nutzlast als auch das zugehörige Bodensegment werden unter Führung der Schweiz entwickelt und getestet. Der Start des Satelliten ist für Ende 2019 geplant. Bild: ESA

SBFI: Förderung und Koordination Die Weltraumforschung und -technologie hat in der Schweiz einen hohen Stellenwert. Als Gründungsmitglied der Europäischen Weltraumorganisation ESA positioniert sich die Schweiz als wettbewerbsfähige Partnerin im internationalen Umfeld. Neben neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen generiert der Raumfahrtbereich wichtige industrielle und technologische Innovationen in der Schweiz. Das SBFI fördert und koordiniert die Schweizer Weltraumpolitik auf nationaler und internationaler Ebene. Ihre nationalen Interessen wahrt die Schweiz durch eine gezielte internationale Zusammenarbeit, namentlich durch die Teilnahme an den Programmen der ESA und an weiteren europäischen und internationalen Weltraumaktivitäten. Das SBFI vertritt die Schweiz in der ESA und ist Ansprechpartner für die im Weltraumbereich tätigen wissenschaftlichen Institutionen und Industriebetriebe.

Die Schweiz beteiligt sich an drei wichtigen wissenschaftlichen Missionen der ESA: Mit der Mission ExoMars sucht die ESA nach Leben auf dem Mars. Ziel der Mission Aeolus ist die globale Bestimmung von Windprofilen in der Atmosphäre. BepiColombo soll dazu beitragen, das Verständnis über den Planeten Merkur zu verbessern sowie zusätzliche Informationen über Ursprung und Entwicklung unseres Sonnensystems zu gewinnen. Bei allen drei Missionen ist Schweizer Know-how mit an Bord. Bild: ESA

Kontakt: Renato Krpoun, SBFI Leiter Abteilung Raumfahrt renato.krpoun@sbfi.admin.ch, +41 58 460 58 92 Weitere Informationen Die vorliegende Zusammenstellung stützt sich im Wesentlichen auf die Publikation «Die Schweiz im Weltall – Spitzenforschung und Hightech – auch für den Alltag», herausgegeben vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA in Zusammenarbeit mit dem SBFI, Bern 2016. Online-Version und Bestellmöglichkeit: www.sbfi.admin.ch/ch_space_d

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BFI-BILD

Lüftungsanlagebauerinnen und -bauer sind Garanten für frische Luft. Sie sorgen mit der Herstellung und Montage von Lüftungs- und Klimaanlagen dafür, dass in Gebäuden jederzeit ausreichend Sauerstoff zur Verfügung steht. Die dreijährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis ist kürzlich revidiert worden und wird nun ab Sommer 2019 in überarbeiteter Form angeboten. Die fortlaufende Anpassung der Bildungsangebote an neue Erfordernisse hat in der Berufsbildung System: Dadurch ist sichergestellt, dass die Lernenden diejenigen Kompetenzen vermittelt erhalten, die auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt werden. Die Federführung liegt dabei bei den Organisationen der Arbeitswelt in Zusammenarbeit mit dem SBFI und den Kantonen. Bild: suissetec

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