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SBFI NEWS

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Informationen aus dem Staatssekretariat fĂźr Bildung, Forschung und Innovation SBFI

Fokus Wie weiter nach der Schule? >4

Aktionsplan Digitalisierung Gut unterwegs > 12

Hochschulbauten Beiträge des Bundes > 16


Inhalt Fokus – Nahtstelle I ƒƒ Wie weiter nach der obligatorischen Schulzeit?

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ƒƒ Unterstützung und Förderung von Jugendlichen

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ƒƒ Interview «Die grossen Lehrstellenüberhänge werden bald Vergangenheit sein» 9 Themen ƒƒ Zwischenstand der Umsetzung des Aktionsplans Digitalisierung Gut unterwegs im digitalen Wandel

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ƒƒ Bauinvestitions- und Baunutzungsbeiträge des Bundes «Lehre und Forschung von h ­ oher Qualität benötigen optimale ­Infrastrukturen» ƒƒ 36 faszinierende Einblicke in die Schweizer Wissenschaft

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Einblicke ƒƒ Arbeiten im SBFI: Peter Brönnimann

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ƒƒ Fakten und Zahlen Das swissnex Netzwerk

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ƒƒ BFI-Bild 24

IMPRESSUM Herausgeber: Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI Einsteinstrasse 2, 3003 Bern info@sbfi.admin.ch www.sbfi.admin.ch Ausgabe: Nr. 3 2019 (3/19) Redaktion: Dani Duttweiler und Martin Fischer Layout: Désirée Goetschi und Hannes Saxer Übersetzungen: Sprachdienst SBFI und BK Druck: BBL Sprachen: D und F ISSN 2296-3677

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Titelseite: Schweizweit beendeten rund 80 000 Jugendliche diesen Sommer ihre obligatorische Schulzeit. Die meisten von ihnen treten in eine formale Ausbildung auf Sekundarstufe II über und entscheiden sich für eine berufliche Grundbildung oder eine Maturitätsschule. Nicht alle tun diesen Schritt allerdings sofort. Auch ist der Übertritt mit der Typenwahl, persönlichen Erwartungen und dem effektiv vorhandenen Angebot verbunden. Das Fokus-Thema geht den Fragen an der sogenannten Nahtstelle I nach. Bild: Iris Krebs

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SBFI NEWS 3/19 l EDITORIAL

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser Gemäss dem letzthin von der Europäischen Kommission publizierten Innovationsanzeiger 2019 ist die Schweiz Innovationsleaderin in Europa. Wenn sich also die Schweiz im Kontext der Diskussion um ihre Teilnahme an der kommenden Generation der europäischen Forschungs- und Innovationsprogramme als starke Partnerin präsentiert, dann tut sie das faktenbasiert. Stärkste Ergebnisse in den verschiedenen vermessenen Innovationsdimensionen erzielt die Schweiz unter anderem in den Bereichen «International scientific co-publications», «New doctorate graduates» sowie «Firm investments». Besonders gut schneidet sie auch beim Indikator «Öffentlich-private CoPublikationen» ab sowie bei der Anzahl kleinerer und mittlerer Unternehmen (KMU), die Marketing- oder Organisationsinnovation eingeführt haben. Tatsächlich ist in der Schweizer Bildungs-, Forschungs- und Innovationsszene und in der Folge in der Wirtschaft sehr vieles im Gange. Der Wandel hin zur «Wirtschaft 4.0» findet, belegbar beispielsweise anhand Innovationen bei Produkten und Dienstleistungen und neuen Geschäftsmodellen gerade auch bei zahlreichen KMU und einer Vielzahl «neuer» Jobs, zweifellos statt. Dabei sind die Treiber für diese erfreuliche Entwicklung viele: • Von der Politik bereitgestellte Rahmenbedingungen für die Akteure ganz allgemein. • Eine arbeitsmarknahe Berufsbildung, die die Bedürfnisse der Zeit erkennt und aufnimmt und ihren starken Beitrag zum von der Wirtschaft nachgefragten Skillsmix der Fachkräfte leistet. • Start-ups, die nicht nur, aber vor allem im Umfeld der Hochschulen entstehen. • Hochschulen, die unter ihren Studierenden und Doktorierenden den Unternehmergeist wecken und vermehrt die Public-Privat-Partnership pflegen. • Ganz starke Leistungen im Bereich der Grundlagenforschung auf vielen Gebieten. • Anwendungsorientierte Forschung und Wissens- und Technologietransfer zur Stärkung der Innovationskraft der Wirtschaft, insbesondere der KMU. • Die enge internationale Vernetzung, die den Austausch, den Wettbewerb und damit die Qualität fördert. • Impulsprogramme des Bundes, so etwa im Rahmen des Aktionsplans «Koordinierte Energieforschung Schweiz» oder der Strategie «Digitale Schweiz». Bei all dem muss klar sein: Erfolge, auf welchem Feld im BFI-Bereich auch immer, kann man nicht anordnen. Sie basieren auf geeigneten Rahmenbedingungen und langfristigen Investitionen. Unsere Anstrengungen heute sind entscheidend für unseren künftigen Erfolg.

Martina Hirayama Staatssekretärin für Bildung, Forschung und Innovation

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Fokusthema – Nahtstelle I

Wie weiter nach der obligatorischen Schulzeit? Schweizweit beendeten rund 80 000 Jugendliche diesen Sommer ihre obligatorische Schulzeit. Die meisten von ihnen treten in eine formale Ausbildung auf Sekundarstufe II über und entscheiden sich für eine berufliche Grundbildung oder eine Maturitätsschule. Nicht alle tun diesen Schritt allerdings sofort. Auch ist der Übertritt mit der Typenwahl, persönlichen Erwartungen und dem effektiv vorhandenen Angebot verbunden. Das Fokus-Thema geht den Fragen an der sogenannten Nahtstelle I nach.

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Erste Erhebung 2019

Nahtstellenbarometer zeigt Bildungsentscheide Das vom SBFI in Auftrag gegebene und von gfs.bern durchgeführte «Nahtstellenbarometer – Bildungsentscheide nach der obligatorischen Schulzeit» zeigt die aktuelle Situation und die Entwicklungstendenzen an der Nahtstelle zwischen obligatorischer Schule und Sekundarstufe II auf. Die Ergebnisse der diesjährigen April-Erhebung geben seitens der Jugendlichen und der Betriebe ein insgesamt stabiles Bild wieder.

Jugendliche 57% der Jugendlichen an der Nahtstelle haben bereits eine feste Anschlusslösung

Wie weiter nach der obligatorischen Schulzeit? Interessen der Jugendlichen unterscheiden sich nach Sprachregionen

• Im April 2019 standen hochgerechnet rund 84 700 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren vor der Ausbildungswahl. • Am häufigsten ziehen sie nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit eine berufliche Grundbildung in Erwägung. Maturitätsschulen (Gymnasien und Fachmittelschulen) sind die zweithäufigste Wahl. Knapp ein Fünftel der Jugendlichen plant ein Zwischenjahr oder will ein Brückenangebot in Anspruch nehmen. • Insgesamt haben bereits 47 900 Jugendliche und damit 57% eine Anschlusslösung nach den Sommerferien. 28 800 von ihnen verfügen über einen unterschriebenen Lehrvertrag oder über eine feste mündliche Zusage. Die übrigen rund 19 000 haben Aufnahmeprüfungen bestanden oder Zusagen zu einem anderen Angebot erhalten. • Die Mehrheit der Jugendlichen mit Interesse an einer Lehrstelle verfügt bereits über einen unterschriebenen Lehrvertrag oder eine feste mündliche Zusage (28 800 bzw. 58%).

In der Deutschschweiz ist die Nachfrage nach Lehrstellen unter den Jugendlichen deutlich höher als in der französisch- oder italienischsprachigen Schweiz. Umgekehrt streben mehr Jugendliche aus der lateinisch-sprachigen Schweiz eine Maturität an als in der Deutschschweiz. 56 Lehre

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Maturitätsschulen und ähnliches

26 57 62 30

Obligatorische Schule

19 16 10

Brückenangebote

16 10 10

Zwischenjahr / Anderes

10 14

Schulische berufliche Grundbildung

4 15 13

Nichts / Arbeitslos

1

Deutschschweiz

1

Französischsprachige Schweiz

1

Italienischsprachige Schweiz

In % der Einwohnerinnen und Einwohner zwischen 14 und 16 Jahren die vor der Ausbildungswahl stehen, Mehrfachantworten möglich, «obligatorische Schule» ausgeblendet. Quelle: © gfs.bern, Nahtstellenbarometer, März/April 2019 (N = 3132), sig.

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Unternehmen 67% der angebotenen Lehrstellen sind besetzt

Situation der Lehrstellenvergabe nach Branchen

• Die Unternehmen boten im April 2019 hochgerechnet insgesamt rund 81 300 Lehrstellen an. Bei den meisten Unternehmen (71%) ist das Lehrstellenangebot gleich gross wie im Vorjahr. 12% der Unternehmen haben die Absicht, mehr Lehrstellen anzubieten als 2018. 10% der Unternehmen geben an, weniger Lehrstellen anzubieten. • 74 000 der angebotenen Lehrstellen sind berufliche Grundbildungen, die drei- oder vier Jahre dauern und zu einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis führen (EFZ, 91%). Bei den übrigen rund 7000 Lehrstellen handelt es sich um zweijährige berufliche Grundbildungen mit einem eidgenössischen Berufsattest (EBA, 9%). • Insgesamt bieten 22% der Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, Lehrstellen an. • 54 800 oder 67% der Lehrstellen waren im April 2019 bereits vergeben.

Der Anteil der im April 2019 bereits vergebenen Lehrstellen variiert von Branche zu Branche beträchtlich und liegt zwischen 52 und 100 Prozent.

Kurz erklärt Mit dem Nahtstellenbarometer werden einerseits die Bildungsentscheide von Jugendlichen am Ende ihrer obligatorischen Schulzeit erfasst. Andererseits erlaubt das Instrument eine Einschätzung der Situation auf dem Schweizer Lehrstellenmarkt. Zu diesem Zweck wird jährlich im April und im August eine dreisprachige Online-Umfrage bei Jugendlichen im Alter von 14-16 Jahren und Unternehmen mit mindestens zwei Angestellten durchgeführt. Das Nahtstellenbarometer wird im Auftrag des SBFI von gfs.bern realisiert. Es ist erstmals 2018 erschienen.

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Kunst, Unterhaltung und Erholung

87

13

Finanz- und Versicherungsdienstleistungen

85

15

Information und Kommunikation

81

19

Grundstücks- und Wohnungswesen

80

20

Verkehr

78

22

Land- und Forstwirtschaft

77

23

freiberufliche Dienstleistungen

77

23

Gesundheits- und Sozialwesen

75

25

Öffentliche Verwaltung

72

28

Energieversorgung

71

29

Erziehung und Unterricht

70

30

Verarbeitendes Gewerbe

67

33

sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen

66

34

sonstige Dienstleistungen

62

38

Gastgewerbe

60

40

Baugewerbe

57

43

Handel

54

46

Wasserversorgung

52

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vergebene Lehrstellen offene Lehrstellen Stand der Lehrstellenvergabe nach Branchen in % der angebotenen bzw. voraussichtlich angebotenen Lehrstellen. Quelle: gfs.bern, Nahtstellenbarometer, März/April 2019


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«Der Fachkräftemangel wird sich in den ­ nächsten Jahren in mehreren Branchen verschärfen, während sich die Berufsrealitäten im Rahmen der Digitalisierung rasch verändern. Die berufliche Grundbildung bildet diese dringend benötigten Fachkräfte nah an der neuen Realität aus. Deshalb sollte sie nicht weiter an Attraktivität gegenüber der Matura verlieren.» Lukas Golder, Co-Leiter gfs.bern

Erkenntnisse in vier Thesen Das mit der Erhebung des Nahtstellenbarometers beauftragte Unternehmen gfs.bern hat die Ergebnisse des Nahtstellenbarometers in vier Thesen zusammengefasst.

Entspannte Situation An der ersten Nahtstelle nach der obligatorischen Schule sind heute die meisten Jugendlichen durch das engste Umfeld gut betreut. Sie erfreuen sich eines grossen Angebots, sei dies für die berufliche Grundbildung, für weiterführende Schulen oder für Zwischenlösungen. Deutlich mehr als die Hälfte der Jugendlichen weiss bereits im Frühjahr, wie es weitergehen soll.

Berufliche Grundbildung erste Wahl – akademischer Weg wird beliebter Weiterhin interessiert sich knapp die Hälfte der Jugendlichen an der ersten Nahtstelle für eine berufliche Grundbildung. Damit bleibt sie schweizweit betrachtet die erste Wahl. Die Matura ist in der lateinischsprachigen Schweiz klar die erste Wahl für eine Mehrheit und gewinnt tendenziell schweizweit an Interesse. Ausgeprägter als im Vorjahr ist mit dem Interesse an der Matura auch der Wunsch nach einer akademischen Ausbildung.

KV in der Gemeinde statt technischer Beruf in der ­Grossfirma Angesichts der sich abzeichnenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt (beispielsweise im Gefolge der Globalisierung und der Digitalisierung) orientieren sich auffallend viele Jugendliche mit Interesse an einer Berufsausbildung eher noch an klassischen beruflichen Grundbildungen. Das KV ist weiterhin mit Abstand die beliebteste berufliche Grundbildung. Die örtliche Nähe zum Elternhaus ist für die Lehrstelle wichtiger als die internationale Anbindung der Unternehmen. Die Informatiklehre gewinnt nicht an Attraktivität und ist nur für 7 Prozent erste Wahl.

Grosse Dynamik bei Lehrstellen nach Branchen Zwar bleibt das Angebot an Lehrstellen gemessen an der Anzahl Ausbildungsplätze recht stabil, es gibt aber hohe Dynamiken der verfügbaren Lehrstellen von Jahr zu Jahr und nach Branche. Auch die Nachfrage nach Lehrstellen verändert sich, wenn man von der Dominanz der KV-Lehre absieht. In einigen Branchen gibt es eher ein Überangebot an Lehrstellen. Trotzdem sind spezifische Lehrstellen offenbar sehr beliebt und erfreuen sich einer Vielzahl von Bewerbungen. Viele Lehrstellen werden früh und auf Basis von Schnupperlehren besetzt.

Quelle: Nahtstellenbarometer Welle 1 / April 2019. Detaillierter Ergebnisbericht. gfs.bern, Bern, 2019. S. 47 (Download Bericht: siehe weitere Informationen).

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Übertritt in die Sekundarstufe II

Unterstützung und Förderung von Jugendlichen Beim Übertritt von der obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II steht heute den Jugendlichen ein breites und gut abgestimmtes Angebot an Unterstützungs- und Förderange­ bo­ ten zur Verfügung. Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt streben gemeinsam an, dass 95 Prozent aller 25-Jäh­rigen in der Schweiz über einen Abschluss auf Sekundar­ stufe II verfügen. Diese Abschlussquote wird heute von den in der Schweiz geborenen 26- bis 35-Jährigen – unabhängig von ihrer Nationalität – erreicht. Anstrengungen bleiben insbesondere bei Jugendlichen notwendig, welche die Schule nicht oder nicht vollständig in der Schweiz durchlaufen haben. Berufsinformation und -beratung Die kantonalen Berufsberatungen unterstützen die Jugendlichen in enger Zusammenarbeit mit den Volksschulen bei der Berufswahl und der Suche nach einer Lehrstelle. Umfassende Informationen bietet das Internet-Portal der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung. ww.adressen.sdbb.ch www.berufsberatung.ch Lehrstellennachweis Im Lehrstellennachweis LENA werden offene Lehrstellen publiziert. Gemeldete Lehrstellen können nach verschiedenen Kriterien gesucht werden. www.berufsberatung.ch Brückenangebote Brückenangebote richten sich an Jugendliche, für die der Einstieg in eine berufliche Grundbildung aus sozialen oder schulischen Gründen noch nicht möglich ist oder die noch keine Lehrstelle gefunden haben. Parallel zur Aufarbeitung von schulischen, sprachlichen oder anderen Defiziten erfolgt eine Einführung in die berufliche Praxis. Die erlangte Qualifizierung erhöht die Chancen bei der Lehrstellensuche. Coaching und Mentoring Mit Coaching- und Mentoring-Angeboten werden Jugendliche schon während der obligatorischen Schulzeit individuell auf dem Weg zu einer nachobligatorischen Ausbildung begleitet. Dabei geht es beispielsweise um die Förderung berufsrelevanter sowie sozialer Kompetenzen oder um die Optimierung der Bewerbungsunterlagen. Die Projekte und Programme werden neben den Kantonen auch von privaten Organisationen getragen. Case Management Berufsbildung Im Zentrum des Case Management Berufsbildung stehen die Unterstützung von Jugendlichen mit mehrfachen Schwierigkeiten sowie die Effizienz- und Effektivitätssteigerung der eingesetzten Massnah8

men. Das Case Management Berufsbildung ist ein strukturiertes Verfahren: Eine fallführende Stelle sorgt über institutionelle Grenzen hinweg für ein planmässiges und koordiniertes Vorgehen bei der Betreuung der Jugendlichen. www.sbfi.admin.ch/cmbb Vermittlungsangebote Die Massnahmen der Vermittlungsangebote greifen im vierten Quartal des letzten Schuljahres. Ziel ist es, das Matching zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Lehrstellenmarkt zu verbessern und dadurch die Zahl der offenen Lehrstellen sowie der Personen in Zwischenlösungen zu senken. Individuelle Begleitung Während der beruflichen Grundbildung bietet die individuelle Begleitung Jugendlichen, deren Lernerfolg beeinträchtigt ist, eine umfassende Unterstützung. Lehrbetrieb, Berufsfachschule, überbetriebliche Kurse und soziales Umfeld werden einbezogen. Gesetzlichen Anspruch auf individuelle Begleitung haben Lernende der zweijährigen beruflichen Grundbildung. Aber auch Lernende von drei- und vierjährigen beruflichen Grundbildungen können die Angebote nutzen. Berufsmeisterschaften An den Berufsmeisterschaften ermitteln zahlreiche Berufsverbände jährlich ihre Schweizermeisterinnen und -meister unter den jungen Berufsleuten. Im Rahmen der Initiative «SwissSkills» werden zudem regelmässig zentrale Berufsmeisterschaften durchgeführt. In Wettkämpfen und Demonstrationen können Berufe live erlebt werden. Die Schweizermeisterschaften dienen gleichzeitig als Ausscheidung für die Teilnahme an den Europa- und Weltmeisterschaften. Die Weltmeisterschaften 2019 finden Ende August in Kasan (Russland) statt. www.swissskills.ch Instrumente zur Förderung von Jugendlichen Für Jugendliche mit hohem Leistungspotenzial besteht die Möglichkeit einer verkürzten beruflichen Grundbildung oder sich von Teilen der Ausbildung beziehungsweise der Abschlussprüfung dispensieren zu lassen. Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern in den Lehrbetrieben obliegt ausserdem die Aufgabe, leistungsstarken Lernenden mehr Verantwortung und anspruchsvolle Aufgaben zu übertragen. Die Berufsfachschulen bieten zudem mit Freikursen die Möglichkeit, sich in unterschiedlichen Bereichen zusätzliche Kenntnisse anzueignen. Das Angebot umfasst berufsbezogene und allgemeinbildende Kurse, beispielsweise Sprachkurse mit Diplomen.

Projektförderung durch den Bund Bis zu zehn Prozent seiner Mittel für Berufsbildung setzt der Bund für die Förderung von Entwicklungsprojekten und die Unterstützung besonderer Leistungen im öffentlichen Interesse ein. Zu den vom SBFI geförderten Projekten im Bereich der Nahtstelle I zählt beispielsweise das Projekt «ICT-Scouts & Campus». Das Projekt sieht vor, den Informatik-Nachwuchs gezielt zu fördern. Bereits auf der Sekundarstufe I werden junge ICT-Talente durch Scouts gesucht. https://ict-scouts.ch/


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Übertritte in die Sekundarstufe II aus Sicht der Berufsbildungsforschung

«Die grossen Lehrstellenüberhänge werden bald Vergangenheit sein» «Zwei Dinge stechen bei der Wahl der Bildungstypen sofort ins Auge, auch wenn sie nicht wirklich neu sind: Einerseits die markant unterschiedlichen Präferenzen von jungen Frauen und Männern und ande­ rer­­seits die Unterschiede zwischen den Sprachregionen», sagt Prof. Dr. Stefan C. Wolter, Universität Bern, Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung in Aarau. Er leitet unter anderem die Herausgabe des vierjährlich erscheinenden Bildungsberichtes Schweiz und wirkt bei der Erhebung des Nahtstellenbarometers als externer Berater mit.

Was lässt sich an der Nahstelle I allgemein beobachten? Prof. Dr. Stefan C. Wolter: Von einem Jahr zum anderen sind die Bewegungen nicht sehr stark. Aber nun lässt sich auch anhand des Nahtstellenbarometers beobachten, dass die Tendenz in Richtung allgemeinbildender Ausbildung (Gymnasium oder Fachmittelschule) wieder zunimmt. In der April-Erhebung des Nahtstellenbarometers hat über ein Drittel der befragten Jugendlichen angegeben, eine allgemeinbildende Schule besuchen zu wollen. Dieser Anteil ist recht hoch, auch wenn nicht ganz alle der Jugendlichen dies letztlich tun werden.

Was fällt bei der Wahl der Bildungstypen durch die Jugendlichen auf? Zwei Dinge stechen sofort ins Auge, auch wenn sie nicht wirklich neu sind: Einerseits die markant unterschiedlichen Präferenzen von jungen Frauen und Männern und andererseits die Unterschiede zwischen den Sprachregionen. In der Westschweiz und im Tessin ist die duale Lehre ganz klar die zweite Wahl der Jugendlichen, während es in der Deutschschweiz gerade umgekehrt ist. Weiter zeigt das Nahtstellenbarometer, dass sich die Feminisierung der Gymnasien fortsetzen dürfte.

Der Durchschnitt maskiert, dass diese Bewegung in einzelnen Kantonen sehr ausgeprägt und in anderen noch nicht zu verzeichnen ist. Mit anderen Worten, der Rückgang der Zahl der Jugendlichen, die direkt in eine Berufslehre eintreten, ist derzeit noch stark auf einzelne Kantone konzentriert.

Gegen unterschiedliche individuelle Präferenzen ist nichts einzuwenden. Aber bei solchen Gruppenphänomenen muss man sich die Frage stellen, ob nicht zu viele Jugendliche nur wegen der spezifischen Gegebenheiten des kantonalen Bildungssystems oder den Erwartungen der Eltern falsche oder ineffiziente Entscheide treffen. So zeigt beispielsweise das Nahtstellenbarometer, dass in der Westschweiz auch unter schulisch sehr schwachen Schülerinnen und Schülern der Drang ans Gymnasium verbreiteter ist als unter sehr guten Schülerinnen und Schülern in der Deutschschweiz. Irgendwann rächt sich das im System durch Repetitionen oder Bildungsabbrüche während des Gymnasiums oder später an der Hochschule.

Weshalb hat in den letzten Jahren der Anteil der Jugendlichen, die eine Zwischenlösung wählen, zugenommen? Die Zunahme bei den Zwischenlösungen war ursprünglich eine Reaktion auf die Lehrstellenkrise in den 1990er-Jahren und damals auch gerechtfertigt. Was uns beim Monitoring dieser Prozesse derzeit Sorgen bereitet, ist eher die Frage, weshalb die Zahl der Direktübertritte nicht wieder stark gestiegen ist. Auch wenn wir beim Nahtstellenbarometer noch auf die August-Erhebung warten müssen, um ein Bild über die nicht besetzten Lehrstellen zu erhalten, können wir davon ausgehen, dass auch dieses Jahr wieder tausende von Lehrstellen nicht besetzt werden können. Gleichzeitig wird eine ebenso grosse Zahl an Jugendlichen eine Zwischenlösung wählen. Während es im Einzelfall durchaus Gründe gibt, weshalb ein Jugendlicher den Eintritt in eine zertifizierende Ausbildung auf der Sekundarstufe II hinauszögert, zeigen unsere neuesten Analysen, dass sich dieser Schritt für die wenigsten Jugendlichen lohnt. Weder erhalten sie später ihre «Traumlehre», noch schliessen sie die Ausbildung eher ab. Ausser dem «verlorenen» Jahr gibt es keinen erkennbaren Nutzen. Vielleicht würde es sich lohnen, den Eltern, den Lehrpersonen und den Jugendlichen vermehrt die Frage zu stellen, ob sie tatsächlich denken, ein Zwischenjahr sei eine bessere Investition als ein Jahr, welches man nach abgeschlossener Ausbildung auf der Sekundarstufe II für Bildung und Berufserfahrung einsetzen kann.

«Was uns beim Monitoring derzeit Sorgen bereitet, ist die Frage, weshalb die Zahl der Direktübertritte nicht wieder stark gestiegen ist.» Prof. Dr. Stefan C. Wolter

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Prof. Dr. Stefan C. Wolter Bild: ZvG

Wie hat sich das Lehrstellenangebot der Unternehmen in den letzten Jahren entwickelt? Das Lehrstellenangebot ist sehr stabil geblieben. Die zwei grossen Treiber des Lehrstellenangebotes sind die Demographie und die Konjunktur. Die Anpassung an beide Faktoren ist aber relativ langsam. So war in den vergangenen Jahren, während deren wir rückläufige Schülerzahlen hatten, das Lehrstellenangebot dennoch relativ hoch geblieben. Dies hat zu dem seit einigen Jahren zu beobachtenden Lehrstellenüberangebot geführt. Nun werden die Jahrgangskohorten wieder grösser. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Lücke zwischen Lehrstellengebot und -nachfrage wieder schliesst. Wenn dazu noch eine Rezession käme, was wir nicht hoffen, dann würde sich die Lücke schneller schliessen. Hingegen würde diese Entwicklung etwas weniger schnell erfolgen, falls der Drang in die allgemeinbildenden Schulen weiter anhält. Alles in allem ist aber davon auszugehen, dass die sehr grossen Lehrstellenüberhänge bald Vergangenheit sein werden.

Kontakt Katrin Frei, SBFI Leiterin Ressort Berufsbildungspolitik katrin.frei@sbfi.admin.ch +41 58 462 82 47 10

Wie wirkt sich der digitale Wandel auf die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe aus? Bislang können wir das nur aus dem gesamten Lehrstellenangebot ablesen und da sehen wir keinen grossen Einfluss auf die Ausbildungsbereitschaft. Aber dahinter verbirgt sich, dass sich natürlich praktisch alle Berufsbilder im Zuge des digitalen Wandels verändern. Das führt dazu, dass sich aus der Sicht des Betriebs häufig auch das Wunschprofil für Lernende ändert: Die Lehrstelle wird zwar noch angeboten, aber im Vergleich zu früher bewerben sich vielleicht nicht genügend Interessenten mit dem richtigen Profil darauf. Dort, wo wir den digitalen Wandel am direktesten sehen, im Bereich der Informatiklehre, zeigt das Nahtstellenbarometer, dass die Zahl der Interessenten fast doppelt so hoch ist wie die verfügbaren Lehrstellen. Im März 2019 war der grösste Teil der Lehrstellen schon vergeben. Trotzdem gab es noch einen grossen Teil an Jugendlichen, die angaben, auf der Suche nach einer Informatik-Lehrstelle zu sein. Aus früheren Untersuchungen wissen wir aber, dass der grösste Teil dieser am Ende erfolglos suchenden Jugendlichen nicht über die schulischen Qualifikationen verfügt, die in diesem Lehrberuf verlangt werden. Hier haben wir einen klaren Fall, bei dem die Verantwortlichen, Berufsberatung, Eltern und Lehrkräfte, diese Jugendlichen schon frühzeitig hätten darauf aufmerksam machen müssen, dass sie besser in einem anderen Berufsfeld suchen würden.

Kontakt Prof. Dr. Stefan C. Wolter Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung SKBF +41 62 858 23 90 stefan.wolter@skbf-csre.ch Weitere Informationen Bildungsbericht Schweiz 2018: www.skbf-csre.ch/bildungsbericht/bildungsbericht/

Weitere Informationen Nahtstellenbarometer: www.sbfi.admin.ch/barometer


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MEHR DRAUF.

Weitere Informationen: https://berufsmaturitaet.ch/de 11


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Zwischenstand der Umsetzung des Aktionsplans Digitalisierung

Gut unterwegs im digitalen Wandel In der Digitalisierung verfügt die Schweiz im Bereich Bildung, Forschung und Innovation (BFI) über eine gute Ausgangslage. Sowohl Bund und Kantone als auch Private sind in verschiedensten Bereichen aktiv. Damit die Schweiz auch in Zukunft eines der führenden Länder in der Entwicklung und Anwendung digitaler Technologien bleibt, ist es wichtig, dass die Kompetenzen in Bildung und Forschung weiter gestärkt werden. Das WBF hat die Herausforderungen der Digitalisierung für Bildung und Forschung in der Schweiz untersucht und den «Aktionsplan Digitalisierung im BFI-Bereich in den Jahren 2019 und 2020» lanciert. Die Massnahmen in den verschiedenen Aktionsfeldern sind teilweise bereits umgesetzt oder in Planung.

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Bereich Bildung

Bildungszusammenarbeit Die Auswirkungen und Potenziale der Digitalisierung werden zurzeit auf allen Ebenen des Bildungssystems breit diskutiert. Entsprechende Strategien und Massnahmen sind geplant oder werden bereits umgesetzt. Um die Kohärenz zwischen den Initiativen auf nationaler und kantonaler Ebene sicherzustellen, arbeiten Bund und Kantone unter Einhaltung der jeweiligen Zuständigkeiten im Koordinationsausschuss «Digitalisierung in der Bildung» eng zusammen. Ziel des Gremiums ist es, gute Rahmenbedingungen für die Digitalisierung der Bildung zu schaffen. Im Juni 2019 wurde dazu ein Dialog mit den betroffenen Akteuren lanciert. Der Digitalisierung messen Bund und Kantone auch in der Erklärung 2019 zu den gemeinsamen bildungspolitischen Zielen von Bund und Kantonen einen wichtigen Stellenwert bei. Darin zeigt sich der Wille, eine Strategie zur gemeinsamen Entwicklung des digitalen Bildungsraums Schweiz zu erarbeiten. Obligatorische Schule Im Bereich der obligatorischen Schule, wofür die Kantone zuständig sind, enthalten die sprachregionalen Lehrpläne zentrale Kompetenzen, um die Schülerinnen und Schüler auf die digitalisierte Welt vorzubereiten. Auf interkantonaler Ebene hat die Plenarversammlung der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK im Juni 2018 ihre Strategie für den Umgang mit Wandel durch Digitalisierung im Bildungswesen verabschiedet. Gestützt darauf wurde im Juni 2019 eine Massnahmenplanung beschlossen. Die Massnahmen betreffen beispielsweise die Datenverwendung in der Bildung oder die Schaffung einer Föderation von Identitätsdiensten für den Bildungsraum Schweiz. Gymnasium Der Bundesrat und die EDK haben beschlossen, Informatik als obligatorisches Fach einzuführen. Die entsprechend revidierte Maturitäts-Anerkennungsverordnung ist am 1. August 2018 in Kraft gesetzt worden. Spätestens ab dem Schuljahr 2022/2023 werden schweizweit alle Schülerinnen und Schüler an Gymnasien Informatik als obligatorisches Fach belegen.

Berufsbildung Die auf den Arbeitsmarkt abgestimmte Schweizer Berufsbildung ist mit den Auswirkungen der Digitalisierung unmittelbar konfrontiert. Bei Berufsrevisionen werden die Anforderungen der Digitalisierung konsequent berücksichtigt und fliessen in die entsprechenden Bildungserlasse ein. Es entstehen aber auch gänzlich neue Berufe wie zum Beispiel im Bereich Cyber Security. Im Rahmen der Initiative «Berufsbildung 2030» werden die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung breit diskutiert und Massnahmen eingeleitet. Teil der Umsetzungsmassnahmen ist die Förderinitiative «digitalinform.swiss». Damit schafft der Bund Rahmenbedingungen, die über die Projektförderung im engeren Sinn hinausgehen und zusätzlich einen aktiven Know-howTransfer zwischen den Projekten ermöglichen. Ziel ist es, mithilfe einer Internet-Plattform Vorhandenes sichtbar zu machen und die Akteure untereinander besser zu vernetzen. Im Bereich der Ausbildung der Lehrpersonen und der Schulleitungen hat der Bundesrat dem Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) Zusatzmittel für die Integration digitaler Kompetenzen in die Grundausbildung und für bedarfsgerechte Weiterbildungen zugesprochen. Das EHB bietet mit dem Programm «trans:formation» entsprechende Weiterbildungen an. Querschnittbereiche Im ausserschulischen Bereich setzt sich der Bund über die Akademien der Wissenschaften aktiv für die (frühe) Förderung der MINT-Kompetenzen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) ein. Ausserdem unterstützt er das interkantonale Projekt der Schaffung einer Föderation von Identitätsdiensten für den Bildungsraum Schweiz (siehe obligatorische Schule). Hochschulen In ihrer strategischen Planung für die Jahre 2021–2024 hat die Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen (swissuniversities) die Digitalisierung als Schwerpunktthema definiert und zahlreiche Massnahmen vorgesehen. Priorität räumt sie der Ausbildung von Fachkräften

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Bereich Forschung und Innovation

im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik sowie der Stärkung der «Digital Skills» der Absolvierenden und des wissenschaftlichen Personals ein. Bereits 2019 hat swissuniversities das mit projektgebundenen Beiträgen gemäss Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz finanzierte Impulsprogramm «Stärkung der Digital Skills in der Lehre» in den Jahren 2019 und 2020 lanciert. Die Hochschulen planen, das Projekt in der Förderperiode 2021-2024 weiterzuführen. Die Entwicklung neuer Formen des Lehrens und Lernens, die Weiterentwicklung der Curricula sowie die Vermittlung von Kompetenzen in der Anwendung neuer Schlüsseltechnologien der Informatik sind zentrale Herausforderungen, welche die Hochschulen verstärkt angehen werden. In der Forschung legen die Hochschulen einen Schwerpunkt auf den Kompetenzaufbau in den Kernbereichen der Digitalisierung wie Data Sciences / Digital Sciences. Zugleich setzen sie die interdisziplinäre Erforschung der gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen des digitalen Wandels verstärkt fort. Schliesslich stellt die Bewirtschaftung der wissenschaftlichen Information im Kontext von Open Science eine zentrale Herausforderung für die Hochschulen dar. Hierbei geht es um den Zugang, die Verarbeitung und die Speicherung wissenschaftlicher Informationen und Daten. Die Hochschulen bauen auch ihr Weiterbildungsangebot aus und leisten damit einen Beitrag zum Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit von Fachkräften. Weiterbildung Das Weiterbildungsangebot im Bereich von digitalen Kompetenzen ist immens. Allein die Datenbank «weiterbildung. swiss» verzeichnet über 11 000 Angebote. Die Angebotsvielfalt stellt sicher, dass sich Interessierte ihren unterschiedlichen Bedürfnissen entsprechend weiterbilden können. Bund und Kantone sind subsidiär aktiv, etwa im Rahmen von arbeitsmarktlichen Massnahmen oder bei der Förderung von Grundkompetenzen. So beschloss der Bundesrat 2017 die Einführung eines Schwerpunktes zur Förderung der Grundkompetenzen Erwachsener am Arbeitsplatz. Das Programm ist unter Federführung des SBFI 2018 angelaufen und unterstützt Arbeitgeber, die ihrer Belegschaft für die tägliche Arbeit notwendige IKT-Kompetenzen oder weitere Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben, Kenntnisse der lokalen Amtssprache oder Alltagsmathematik vermitteln möchten.

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Nationales Forschungsprogramm «Digitale Transformation» (NFP 77) Der Bundesrat hat im September 2018 ein neues Nationales Forschungsprogramm zum Thema «Digitale Transformation» lanciert. Hauptziel von NFP 77 ist es, Grundlagenwissen über die Chancen und Risiken der Digitalisierung für die Gesellschaft und Wirtschaft und Handlungswissen für die Politik und Verwaltung zu erarbeiten. Im Zentrum stehen dabei die Themenschwerpunkte «Bildung, Lernen und digitaler Wandel», «Ethik, Vertrauenswürdigkeit und Governance» sowie «Digitale Wirtschaft und Arbeitsmarkt». Das Programm dauert fünf Jahre, sein Finanzrahmen beläuft sich auf insgesamt 30 Millionen Franken. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) wird bis Ende 2019 über die zu fördernden Forschungsgesuche entscheiden. Die Forschungsaktivitäten dauern von 2020 bis Ende 2024, die Programmsynthese wird 2026 erwartet. Das Interesse der Forschenden an der Thematik ist gross. Neue Serie Nationaler Forschungsschwerpunkte Der Schweizerische Nationalfonds hat 2017 eine fünfte Serie Nationaler Forschungsschwerpunkte (NFS) ausgeschrieben. Im Rahmen der Ausschreibung erwartet der Bund auch Eingaben, welche die Grundlagenforschung im Bereich der Digitalisierung stärken und ihr Potenzial für verschiedene Anwendungsbereiche nutzen. Zwischenzeitlich hat der SNF die Eingaben für neue NFS unter Einbezug eines international zusammengesetzten Expertenpanels auf ihre Qualität, Interdisziplinarität und Neuartigkeit geprüft und beurteilt. Er empfiehlt dem WBF im Sommer 2019 eine Auswahl als exzellent bewerteter und priorisierter Gesuche zur Durchführung und Finanzierung. Gestützt auf die forschungs- und hochschulpolitische Prüfung

Bund stellt zusätzliche Mittel bereit Für die Umsetzung des Aktionsplans Digitalisierung sind in den Jahren 2019 und 2020 insgesamt 213 Mio. CHF an Bundesmitteln vorgesehen. Der Bundesrat hat am 25. April 2018 den erforderlichen Zusatzmitteln von netto 62 Mio. CHF zugestimmt. Die verbleibenden 151 Mio. CHF werden durch thematische Priorisierungen im Rahmen bestehender Instrumente und Kredite umgesetzt.


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des SBFI wird das WBF im 4. Quartal 2019 über die Lancierung neuer NFS entscheiden. Neue Lehrstühle Die im Rahmen des Aktionsplans neu gesprochenen Professuren an der ETH Zürich und an der ETH Lausanne wurden 2018 ausgeschrieben. Schwerpunkte der Ausschreibungen waren unter anderem die Bereiche Cyber Security, Software Engineering, Programmiersprachen, maschinelles Lernen und Bildungs- und Lernanalytik im Bereich Computerwissenschaften. Erste Kandidatinnen bzw. Kandidaten werden im Verlaufe des Jahres 2019 von den Präsidenten der ETH Zürich und der EPFL dem ETH-Rat zur Wahl vorgeschlagen. Lancierung eines Impulsprogramms «Fertigungs­ technologien» Ziel des von Innosuisse, der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung, lancierten Impulsprogramms ist die Förderung von Innovationsprojekten an der Schnittstelle zwischen Forschung und Umsetzung. Von den 46 in der ersten Ausschreibung bis Ende Januar 2019 eingereichten Gesuchen für 18-monatige Projekte wurden 27 bewilligt. Die Eingabefrist der zweiten Ausschreibung lief im Mai 2019 ab. Insgesamt sind 27 Gesuche für 12-monatige Projekte bei Innosuisse eingereicht worden. Für die eingegangenen Gesuche stehen noch zehn Millionen Schweizer Franken zur Verfügung. Die bei Innosuisse eingereichten Projekte decken ein sehr breites Spektrum von Innovationsthemen im Bereich Industrie 4.0 und moderne Fertigungstechnologien ab. Die Projekte starteten im Mai 2019 bzw. werden im November 2019 starten und dauern bis Oktober 2020.

Kontakt Bereich Bildung Barbara Montereale, SBFI Projektverantwortliche Ressort Bildungssteuerung und -forschung barbara.montereale@sbfi.admin.ch +41 58 46 67934 Bereich Hochschulen Suzanne Monnier, SBFI Wissenschaftliche Beraterin Ressort Hochschulpolitik suzanne.monnier@sbfi.admin.ch +41 58 464 90 20

Aufbau eines nationalen Verbunds von Technologietransferzentren Mit dem Aufbau von Technologietransferzentren im Bereich der digitalen Fertigungstechnologien soll gezielt eine Lücke zwischen Forschung und industrieller Anwendung geschlossen werden. Für die Pilotphase 2019/2020 werden durch den Dachverband der Technologietransferzentren «Advanced Manufacturing» (AM-TTC Verbund) der Aufbau und die Umsetzung solcher Zentren koordiniert und teilweise durch ETH-Mittel finanziert. Jedes Zentrum wird dabei als sogenannte «Public-Private Partnership» aufgebaut. Bei positiver Prüfung sollen ab 2021 die in der Pilotphase aufgebauten Zentren im Rahmen von Artikel 15 des Bundesgesetzes über die Förderung von Forschung und Innovation (FIFG) als technologische Plattformen durch den Bund subsidiär unterstützt werden. Bei der Auswahl der Zentren sind neben den Kriterien gemäss Artikel 15 FIFG auch die Empfehlung des AM-TTC Verbunds und die verfügbaren BFI-Mittel zu berücksichtigen. Swiss Competence Centers for Energy Research (SCCER) Im Rahmen des Aktionsplans «Koordinierte Energieforschung Schweiz» steuert und finanziert Innosuisse gemeinsam mit dem Schweizerischen Nationalfonds und dem Bundesamt für Energie den Aufbau und Betrieb von interuniversitär vernetzten Forschungskompetenzzentren, den Swiss Competence Centers for Energy Research (SCCER). Um die Digitalisierung weiter voran zu treiben, hat Innosuisse vier Projektgesuche der SCCER geprüft und zwei davon im Bereich Energie und Mobilität genehmigt.

Bereich Forschung Claudine Dolt, SBFI Wissenschaftliche Beraterin Ressort Forschung claudine.dolt@sbfi.admin.ch +41 58 462 78 38 Bereich Innovation Christian Busch, SBFI Wissenschaftlicher Berater Ressort Innovation christan.busch@sbfi.admin.ch +41 58 466 79 33

Weitere Informationen Aktionsplan Digitalisierung: www.sbfi.admin.ch/digitalisierung

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SBFI NEWS 3/19 l HOCHSCHULEN

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Bauinvestitions- und Baunutzungsbeiträge des Bundes

«Lehre und Forschung von ­hoher Qualität benötigen optimale ­Infrastrukturen» 2018 hat der Bund kantonale Universitäten und Fachhochschulen mit Bauinvestitions- und Baunutzungsbeiträgen in der Höhe von 90 Millionen Franken unterstützt. Die Beiträge dienen dem Erwerb, der langfristigen Nutzung, der Erstellung oder der Umgestaltung von Bauten, die der Lehre, der Forschung oder anderen Hochschulzwecken zugutekommen. Urs Zemp, Leiter Ressort Hochschulbauten im SBFI, empfiehlt den Gesuchstellern, frühzeitig mit dem SBFI Kontakt aufzunehmen.

Weshalb gewährt der Bund den kantonalen Universitäten und Fachhochschulen Beiträge im Bauwesen? Urs Zemp: In den 1960er-Jahren erfolgte ein Wandel im Hochschulwesen: Der rasante Anstieg der Studierendenzahlen sowie die steigen­ den Kosten in den Naturwissenschaften und der Medizin machten eine finanzielle Beteiligung des Bundes an den kantonal finanzierten Universitäten unumgänglich. 1968 setzte der Bund das erste Hochschulförderungsgesetz in Kraft. Dadurch konnten die Kantone für ihre Universitäten einerseits Grundbeiträge für den Betrieb, anderseits Beiträge an Sachinvestitionen, die heutigen Bauinvestitions- und Baunutzungsbeiträge, beantragen. Seit 1998 richtet der Bund den Kantonen zudem Beiträge für die in den 1990er-Jahren gründeten Fachhochschulen aus. 2011 folgte das neue Hochschulförderungsund -koordinationsgesetz (HFKG). Dessen Finanzierungsbestimmungen traten 2017 in Kraft. Das HFKG hat zu einer einheitlichen Finanzierungsgrundlage im Hochschulwesen geführt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Kriterien Zusammenarbeit und Synergien.

«Jedes Bauvorhaben wird gemäss den gesetzlichen Grund­ lagen beurteilt und auf Qualität und Kosten geprüft. Zudem müssen hohe ökologische und energetische Standards beachtet werden.»

Wie geht der Bund bei der Beitragsgewährung vor? Ausgangspunkt sind die Bedürfnisse der kantonalen Hochschulen. Dazu führt die Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen (swissuniversities) periodisch bei den Kantonen eine Umfrage zu den geplanten Bauvorhaben durch. Für die Jahre 2021–2024 meldeten die Kantone bereits Investitionsvorhaben von insgesamt 2,1 Milliarden Franken. Der Bund kann sich gemäss HFKG an den anrechenbaren Aufwendungen mit einem Anteil von höchstens 30 Prozent beteiligen.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass etwa 70 Prozent der angemeldeten Vorhaben in der geplanten Beitragsperiode auch tatsächlich realisiert werden. Die langen baurechtlichen Auflage- und Genehmigungsverfahren wegen Einsprachen und Rekursen bewirken jedoch zunehmend, dass Bauvorhaben viel später als geplant realisiert werden können.

Der Campus Muttenz der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) wurde 2018 eingeweiht. An den Gesamtkosten von rund 350 Millionen Franken beteiligte sich auch der Bund mit 62 Millionen. Der Campus beherbergt die Bereiche Architektur, Life Sciences, Pädagogik, Soziale Arbeit und Mechatronik. Er ist Studien-, Forschungsund Arbeitsort für rund 4500 Menschen. Bilder: Zeljko Gataric

Urs Zemp, SBFI, Leiter Ressort Hochschulbauten

Im Rahmen der Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation in den Jahren 2021-2024 wird das eidgenössische Parlament aufgrund dieser Abklärungen und unter Berücksichtigung der finanzpolitischen Vorgaben einen Verpflichtungskredit sprechen. Falls dieser Beitrag nicht ausreichen sollte, um alle geplanten Projekte zu berücksichtigen, müssen wir gemäss Subventionsgesetz eine Prioritätenordnung der beitragsberechtigten Vorhaben erstellen. Vorrang erhalten Projekte von strategischer Bedeutung. Welchen Einfluss hat der Bund auf die Ausgestaltung der Bauten? Ein wichtiger Punkt bei der Beitragsgewährung ist, dass der Bund mit den Bauinvestitionsbeiträgen auf die Qualität der Hochschulinfrastruktur gezielt Einfluss nehmen kann. Dies zeigt sich beispielsweise 17


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darin, dass die Projektverantwortlichen des SBFI bei den geplanten Vorhaben bereits in die Ausarbeitung des Architekturwettbewerbs involviert sind. Wir können so unsere Beratungsfunktion bereits vor der Jurierung des Wettbewerbs wahrnehmen und die Interessen des Bundes wahren. Um die Qualität zusätzlich zu verbessern, werden die Projekte einem unabhängigen Architekten beziehungsweise einer Architektin unterbreitet. Es handelt sich um Expertinnen und Experten der Fachstelle für Hochschulbauten, einer Kommission der Schweizerischen Hochschulkonferenz. Wie lange dauert das Verfahren zur Erlangung eines Bundesbeitrags? Ganz generell gesagt, liegen etwa drei Jahre zwischen einem Gesuchseingang und der Zusicherung eines Bundesbeitrags. Allerdings hängt dies sehr stark von der Grösse und dem Fortschritt der Planung ab. Für einen reibungslosen Ablauf empfehlen wir den Gesuchstellern, frühzeitig mit uns Kontakt aufzunehmen. Es ist uns ein Anliegen, die Gesuchsteller umfassend zu beraten und so zu einem effizienten Vorgehen beizutragen. Auch können wir aufgrund unserer Erfahrung mögliches Verbesserungspotenzial aufzeigen. Schliesslich geht es darum, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten und so Beitragskürzungen zu vermeiden. 18

Baufinanzierung in anderen ­Bildungsbereichen ETH-Bereich Der Bund ist Eigner und kommt praktisch vollumfänglich für die ETH-Bauten auf. Deren Finanzierung ist Teil des Globalkredits, den der Bund dem ETH-Rat ausrichtet. Berufsbildung Der Bund beteiligt sich mit einem Viertel an den Kosten der öffentlichen Hand für die ­Berufsbildung. Er richtet dabei den Kantonen einen Pauschalbeitrag aus. Dieser deckt auch Aufwendungen der Kantone im Bauwesen ab.


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Wie wird sichergestellt, dass die Bundesgelder effizient eingesetzt werden? Jedes Bauvorhaben wird gemäss den gesetzlichen Grundlagen beurteilt und auf Qualität und Kosten geprüft. Zudem müssen hohe ökologische und energetische Standards beachtet werden. Auch müssen die Bauvorhaben behindertengerecht geplant sein. Die von uns angewendete Methode der Flächenkostenpauschalierung ermöglicht eine effiziente Prüfung der Vorhaben auf ihre Kosten und Wirtschaftlichkeit hin. Dies wirkt sich positiv auf die Effektivität aus. Nach Fertigstellung und Bezug der Baute wird durch den zuständigen Projektverantwortlichen des SBFI eine Prüfung der Ausführung und Nutzung vorgenommen. Erst dann erfolgt die letzte Teilzahlung des Bundes und der Abschluss des Geschäfts. Wichtig dabei ist zu erwähnen, dass die Zweckbindung des Gebäudes 25 Jahre beträgt. Wird dieses vor Ablauf veräussert oder einem anderen als dem ursprünglichen Zweck zugeführt, werden Rückforderungen des ausgerichteten Bundesbeitrags fällig. Sind Universitätsbauten anders als Fachhochschulbauten? Die Unterschiede sind im Baulichen unwesentlich. Aber sie zeigen sich etwa in der Nutzung der Flächen: Bei den Universitäten werden mehr Räume für exakte Wissenschaften und Naturwissenschaften sowie für die Medizinausbildung benötigt, bei den Fachhochschulen eher für technische Disziplinen, Lebenswissenschaften, Musik, Thea­ ter und andere Künste sowie für Design. Welche Herausforderungen stellen sich heute in der Praxis? Die alleinige Finanzierung durch den Kanton wird zur Ausnahme. Investitionen können durch private Bauherrschaften erfolgen, Hochschulen beziehungsweise Kantone sind dann Mieter. Anderseits kann es aber auch vorkommen, dass die Kantone Investitionen in privaten Bauten vornehmen. Auch die Form der Trägerschaften ändert sich, beispielsweise werden Aktiengesellschaften zur Realisierung von Bauten gegründet. Die Komplexität zeigt sich auch in der verschiedenartigen Nutzung. In einer Baute können Lehre, Forschung, Weiterbildung und Dienstleistungen sowie auch Dritte untergebracht sein. Dies führt bei der Beitragsberechnung des Bundes zu einer aufwendigen Abgrenzung. Schliesslich sind bei den Bauvorhaben mehrere Fachpersonen mit unterschiedlichen Kenntnissen und Bedürfnissen beteiligt.

Urs Zemp, Leiter Ressort Hochschulbauten Bild: Hannes Saxer

Noch eine persönliche Frage: Welches vom Bund mitfinanzierte Hochschulgebäude gefällt Ihnen am besten? Ich habe keine besondere Präferenz. Für mich ist wichtig, dass die vom Bund unterstützten Hochschulbauten für die Nutzerinnen und Nutzer zweckdienlich sind und den Anspruch an gute Architektur erfüllen. Auch sollen dank der Mitunterstützung des Bundes Lehre und Forschung von hoher Qualität über eine adäquate Infrastruktur verfügen.

Kontakt Urs Zemp, SBFI Leiter Ressort Hochschulbauten +41 58 462 76 30 urs.zemp@sbfi.admin.ch

Weitere Informationen Dossier Hochschulbauten: www.sbfi.admin.ch/bauinvestitionsbeitraege 19


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Weltkonferenz für Wissenschaftsjournalismus

36 faszinierende Einblicke in die Schweizer Wissenschaft Die alle zwei Jahre stattfindende World Conference of Science Journalists (WCSJ) wurde im Juli 2019 erstmals in Lausanne durchgeführt. Sie war eine einzigartige Gelegenheit, die Schweiz in der internationalen Wissen­schaftspresse als führenden Standort für Bildung, Forschung und Innovation zu positionieren.

Fakten zur «Swiss Science Lounge» • Forschungspräsentationen: 36

• Teilnehmende Hochschulen: 7

• Grösse: 50 Quadratmeter mit 11 Sofas und 15 Hockern

• Publikum: mehr als 450 ausländische Journalistinnen und Journalisten

Die Akademien der Wissenschaften Schweiz schufen mit der «Swiss Science Lounge» eine Plattform für alle an der World Conference of Science Journalists teilnehmenden Schweizer Hochschulen. Um die leis­tungs­starke Forschungslandschaft der Schweiz ins beste Licht zu rücken, hatten die Institutionen bis zu sechs Wissenschaftlerinnen und Wissen­schaftler bezeichnet, die sich und ihre Projekte in der Lounge vor­stellten. Die 36 Kurzpräsentationen («Power Pitches») behandelten Themen wie Demokratie, Nachhaltigkeit oder Weltraumforschung. Sie boten den Forschenden Gelegenheit, ihre Arbeit einem Publikum ausserhalb ihres gewohnten akademischen Umfelds zu präsentieren. Gleich­zeitig konnten die Wissenschaftsjournalistinnen und Kommunikatoren interessante Inhalte für ihre Medien sammeln.

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Der Konferenzort in der Schweiz bot Gelegenheit für mehrere bilaterale Treffen. Staatssekretärin Martina Hirayama führte Gespräche mit Frédérique Vidal, der französischen Ministerin für Hochschulwesen, Forschung und Innovation, sowie mit Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation, und Jean-Eric Paquet, Generaldirektor für Forschung und Innovation der Europäischen Kommission. Die «Swiss Science Lounge» wurde vom SBFI und dem swissnex Netz­­werk finanziell unterstützt. Letzteres war mit seinen vier Kommu­ ni­ka­tions­managern von swissnex Boston, Brasilien, Indien und San Fran­cisco vertreten. Diese konnten Beziehungen pflegen und den anwe­senden Journalistinnen und Journalisten aus den jeweiligen Ländern gezielt Unterstützung bieten.


SBFI NEWS 3/19 l INTERNATIONAL

An der «Swiss Science Loun­ ge» getroffen. Was denken die Besucherinnen und Besucher über die Konferenz?

darüber, wie es weitergehen soll. Es war äusserst interessant, die Erkenntnisse von sehr erfahrenen Journalistinnen und Journalisten zu hören, die spezifische Fälle präsentierten. Dabei befassten sie sich nicht nur mit Integrität in der Forschung und Fehlverhalten in der Wissenschaft, sondern auch mit Untersuchungsmethoden und mit der Frage, wie sich neue und überraschende wissenschaftliche Geschichten aufspüren lassen.»

auf dem Campus ist perfekt. Die Inhalte waren hervorragend und die Expo mit der Swiss Science Lounge gut aufgebaut.»

Boris Vejdovsky Ausserordentlicher Professor für Englisch Universität Lausanne, Schweiz

Igor Chlebny Wissenschaftskommunikator Universität Neuenburg, Schweiz

«Ich bin hier, um in der Swiss Science Lounge meine Forschung über die Rolle der Geisteswissenschaften in der Wissenschaft und das Wesen der Wirklichkeit vorzustellen. Die Pitches in der Lounge sind ein hervorragendes Format, um mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Forschenden in Kontakt zu treten und Journalistinnen und Journalisten aus der ganzen Welt zu treffen.»

«Wir wollen einen beständigen Dialog zwischen der Wissenschaftsgemeinschaft und der breiten Öffentlichkeit aufbauen und aufrechterhalten. Als Wissenschaftskommunikatoren und Journalistinnen stehen wir alle vor denselben Herausforderungen. Diese Konferenzen dienen Journalistinnen und Journalisten sowie Forschenden dazu, sich zusammenzusetzen und herauszufinden, wie die Bevölkerung am besten über die neuste wissenschaftliche Forschung informiert und dafür sensibilisiert werden kann.»

Susana Irles Kommunikations- und Medienbeauftragte ALLEA – European Federation of Academies of Sciences and Humanities, Deutschland «Der Wissenschaftsjournalismus steckt ein wenig in der Krise. Diese Konferenz bietet Raum für Über­legungen und Diskussionen

Estrella Burgos Chefredakteurin ¿Comó ves?, Mexiko «Der Wissenschaftsjournalismus ist wichtiger denn je. Wir müssen den Klimawandel – eine enorme ökologische Krise – und viele andere Herausforderungen bewältigen. In Mexiko kennen wir die Schweizer Wissenschaft kaum. Wir wissen nicht, woran hier gearbeitet wird. Nach dem Besuch der Swiss Science Lounge bin ich überzeugt, dass wir der Schweizer Wissenschaft und Forschung mehr Beachtung schen­ken sollten.» Tinsley H. Davis Geschäftsführer National Association of Science Writers (NASW), Berkeley «Die Schweiz geniesst hohes Ansehen – und die Qualität dieser Konferenz hat alle Erwartungen übertroffen: Der Standort direkt gegenüber der EPFL und

Kontakt Roman Kern, SBFI Projektverantwortlicher Ressort swissnex Netzwerk +41 58 460 54 29 roman.kern@sbfi.admin.ch

Helga Rietz Wissenschaftsredakteurin Neue Zürcher Zeitung, Schweiz «Die Konferenz ist eine gross­ artige Gelegenheit, in einem globalen Kontext über die

Schwei­ zer Wissenschaft zu spre­ chen. Ich erinnere mich an eine Diskussion, die ich vor einer Weile auf Facebook mitverfolgt habe: Jemand stellte die Frage ‹Welches Land hat die beste Forschung?›. Zwei Drittel sagten: ‹die Schweiz› – wegen des CERN. Natürlich wiesen andere darauf hin, dass das CERN keine Schweizer Forschungsinstitution sei. Es befindet sich zwar in der Schweiz, geht aber weit darüber hinaus. An der Schweizer Wissenschaft muss etwas sein: Alle haben eine bestimmte Vorstellung davon, auch wenn wir wahrscheinlich als Erstes an das CERN denken.»

Ankur Paliwal Mitredakteur Business Standard India, New Delhi «Viele der T ­agungssitzungen, insbesondere jene über Instru­ mente des investigativen Journalismus – z.B. über den Schutz der Identität von Quellen und über qualitative An­ sätze zum Entziffern von Medien­ mitteilungen –, sind äus­ serst relevant und sehr nützlich. Die Konferenz ist ausserdem eine gute Gelegenheit, um sich mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Wissenschaftsjournalismus, Pressesprechern und Wissenschaftlerinnen aus­zutauschen und mehr darüber zu erfahren, wie sie ansprechende wissenschaftliche Artikel erarbeiten.»

Weitere Informationen www.swissnex.org

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ARBEITEN IM SBFI

SBFI NEWS 3/19 l EINBLICKE

Peter Brönnimann Wissenschaftlicher Berater im Ressort EU-Rahmenprogramme

Was ist Ihr Aufgabengebiet? Unser Ressort vertritt die Schweiz in den Komitees der europäischen Forschungsrahmenprogramme. In diesen Gremien diskutieren wir die Arbeitsprogramme und Ausschreibungen und überwachen die Evaluationsverfahren. Wir tragen so zur Entwicklung der strategischen Ausrichtung der verschiedenen Themenbereiche bei und versuchen dabei, optimale Bedingungen für die Forschenden aus der Schweiz zu schaffen. Ich bin verantwortlich für den Themenbereich Informations- und Kommunikationstechnologien sowie für digitale Initiativen wie sie zum Beispiel im Bereich Hochleistungsrechnen und Künstliche Intelligenz stattfinden. Was gefällt Ihnen bei Ihrer Arbeit ­besonders? Der Einblick in die Spitzenforschung zu digitalen Themen ist hochinteressant. Auch empfinde ich den Kontakt zu den Forschenden stets als Bereicherung. Die nie ganz einfache Beziehung der Schweiz zur EU führt dazu, dass wir eine sehr dynamische und vielfältige Tätigkeit haben. Das ganze Team muss jeweils zusammen rasch passende Lösungen für unvorhersehbare Probleme finden. Ich schätze es sehr, im SBFI ein Umfeld mit viel Eigenverantwortung und genügend Handlungsspielraum gefunden zu haben. Welche Herausforderungen stehen in der nächsten Zeit an? Viele digitale Schlüsseltechnologien wie im Bereich Cybersicherheit oder Hochleistungsrechnen gewinnen weltweit immer mehr an strategischer Bedeutung. Der Zugang dazu wird für kleinere Länder wie die Schweiz schwieriger. Im Ressort beschäftigen wir uns ausserdem mit der nächsten Generation der europäischen Forschungsrahmenprogramme, die 2021 starten werden. Es ist aus meiner Sicht von grosser Bedeutung, die gute Zusammenarbeit mit Europa im Bereich der Spitzenforschung fortzusetzen und unsere Stärken in Brüssel aufzuzeigen, um die bestmöglichen Rahmenbedingungen für die Schweizer Akteure im Bereich Forschung und Innovation, ob das nun öffentliche oder private sind, herbeizuführen. Bild: Christophe Stolz, SBFI

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SBFI NEWS 3/19 l FAKTEN UND ZAHLEN

Fakten und Zahlen

Das swissnex Netzwerk swissnex ist das Netzwerk, das den Aufbau weltweiter Beziehungen der Schweizer Akteure in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation (BFI) unterstützt. Präsent in rund zwanzig der innovativsten Länder, fördert das swissnex Netzwerk den internationalen Austausch von Wissen, Ideen und Talenten.

Weltweit präsent

Brüssel Moskau Berlin London Wien Paris Madrid Rom

Ottawa Boston Washington New York San Francisco

Tel Aviv

Peking Seoul Neu Delhi

Tokio

Shanghai Guangzhou

Bangalore Singapur

Netzwerk • SBFI: Zentrale/Ressort swissnex Netzwerk • 5 swissnex Standorte (teilweise mit Aussenstellen) • Rund 20 Wissenschaftsrätinnen und -räte an Schweizer Botschaften.

Brasilia Rio de Janeiro Santiago de Chile

São Paulo

Pretoria

Canberra

Buenos Aires

74 Angestellte (Vollzeitäquivalente, Ende 2018) 30 Standorte

swissnex Standorte Wissenschaftsrätinnen und -räte an Schweizer Botschaften

Die Schweiz und die Welt in Bildung, Forschung und Innovation verbinden • Vernetzung der Partner mit dynamischen Innovationsökosystemen auf der ganzen Welt • Erkennen von Trends, Analysieren von politischen Entwicklungen im Wissenschaftsbereich und Aufzeigen von bestehenden Möglichkeiten im Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationsbereich • Förderung der Sichtbarkeit der Schweizer Hochschulen, Forschungszentren, Start-ups und anderer auf die Innovation ausgerichteter Partnerorganisationen • Inspiration zu neuen Ideen durch die Erleichterung von Treffen und des Wissensaustauschs

Kontakt Malin Borg Soares, SBFI Leiterin Ressort swissnex Netzwerk malin.borgsoares@sbfi.admin.ch +41 58 466 79 59

Aktivitäten 2018 mehr als 320 Anlässe und Events mit insgesamt über 180 Partnern aus der Schweiz. Einen Einblick in die Aktivitäten bietet der interaktive Jahresbericht 2018: https://annualreport.swissnex.org

Partner Hochschulen, Forschungsinstitutionen, staatliche In­sti­tutionen und Kantone, Start-ups und innovative Unternehmen, NGO etc.

Aufwand 2018: 12,07 Mio. CHF • swissnex Standorte: 9,77 Mio. CHF davon Finanzierung durch Partner: 4,33 Mio. CHF • Wissenschaftsrätinnen und -räte: 2,03 Mio. CHF • Zentrale (SBFI): 0,51 Mio. CHF

Weitere Informationen www.swissnex.org

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BFI-BILD

Vom 23.–27. August 2019 finden in Kazan (Russland) die internationalen Berufsweltmeisterschaften «World Skills» statt. 42 junge Berufsleute aus der Schweiz werden sich dabei in rund 40 Berufen mit der Weltelite messen. Unter Federführung der Stiftung SwissSkills wird das Schweizer Team gezielt vorbereitet. Dazu zählen auch mentale Trainings. Die Stiftung SwissSkills wird vom SBFI finanziell unterstützt. Bild: zVg Weitere Informationen: www.swiss-skills.ch/team/

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