Page 1

SBFI NEWS SEFRI Informationen aus dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI

April 18

Eidgenössische Berufsmaturitätsprüfung neu organisiert Nationale Forschungsschwerpunkte führen zu Struktureffekten Förderung der beruflichen Mobilität

1


Inhalt In dieser Ausgabe ƒƒ Gleichwertigkeit der individuellen Lernwege sicherstellen Eidgenössische Berufsmaturitätsprüfung neu organisiert

   4

ƒƒ Verbundpartnertagung 2018 Sondierung erster Projekte für die Berufsbildung

   6

ƒƒ Förderung der beruflichen Mobilität Fruchtbarer Austausch von Wissen und guten Praktiken zur Anerkennung von Architekturabschlüssen in Europa

   8

ƒƒ «International Space Exploration Forum» 2018 in Tokyo Vom Geist der Zusammenarbeit geprägt

  10

  12

ƒƒ Nationale Forschungsschwerpunkte erzeugen langfristige Struktureffekte Eindrücklicher Leistungsausweis der zweiten Serie

Titelbild: Die zweite Serie der vom Bund initiierten und mitfinanzierten Nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) wurde 2017 abgeschlossen (siehe Beitrag Seite 12–14). Sie umfasste sechs geistes- und sozialwissenschaftliche Schwerpunkte. Dazu zählte auch der NFS «Mediality» an der Universität Zürich. Dieser beschäftigte sich mit der Geschichtlichkeit von Medien und Medialität. Sein Interesse galt insbesondere Kommunikations-, Übertragungs- und Wahrnehmungsformen vor den dominanten Massenmedien und vor den modernen Mediendiskursen. Im Mittelpunkt standen Konstellationen, an denen sich eine historisch spezifische Verdichtung von Vermittlungsphänomenen beobachten lässt. Die im NFS entwickelten Forschungsperspektiven werden an der Universität Zürich im Zentrum für Historische Mediologie weiterverfolgt. Bild: Sternenkarte aus der Handschrift «Aratus – Germanicus: Phaenomena» (Bern, Burgerbibliothek, Cod. 88, fol. 11v., Anfang des 11. Jahrhunderts). Das Planisphärium, die Darstellung der Himmelskugel auf einer Ebene, kartiert Sterne und ihre Konstellationen als gegebene Himmelsphänomene. Zugleich steht es in einer langen Tradition, die Gestirne als geheimnisvolle Zeichen eines kosmologischen Ganzen über Bilder und Texte begreifbar zu machen.

IMPRESSUM Herausgeber: Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI Einsteinstrasse 2, 3003 Bern info@sbfi.admin.ch www.sbfi.admin.ch Ausgabe: Nr. 3 2018 (3/18) Redaktion: Dani Duttweiler, Jasmin Odermatt und Martin Fischer Layout: Désirée Goetschi Übersetzungen: Sprachdienst SBFI, GS-WBF und BK Druck: BBL Sprachen: d und f (Print), e und i (elektronisch) ISSN 2296-3677

2

Folgen Sie uns auf Social Media


SBFI News 3/18 l eDITORIAL

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser Vom hohen internationalen Interesse am dualen Berufsbildungssystem der Schweiz war an dieser Stelle schon die Rede. Doch was ist eigentlich der Kern dieses Systems? Dass es in einen historisch gewachsenen kulturellen Rahmen eingebettet ist, den die Jugendlichen, die Familien und die Betriebe bestens kennen und in dem ein Beruf seinen Wert hat, ist das eine. Doch es ist vor allem das Lehren im Milizsystem. Das Milizsystem als solches hat in der Schweiz eine lange Tradition, von der Armee über das Vereinsleben bis hin zur Politik und eben zur Berufsbildung. Und bei letzterer kommt etwas zum Tragen, das im Ausland grösstes Erstaunen hervorruft: Man muss nicht vollamtlicher Lehrer und letztlich nicht einmal zwingend Lehrer sein für das Weitergeben von Kompetenzen, für das Ausbilden von fähigem Berufsnachwuchs. Das zeigt sich eindrücklich in den Lehrbetrieben, in welchen Berufsbildnerinnen und Berufsbildner in fruchtbarer Wechselwirkung zwischen täglicher Praxis und fortlaufender Berufsentwicklung ihr Know-how an Lernende weitergeben. Dabei sind sicher nicht alle Fachpersonen pädagogisch besonders begabt: Nur diejenigen übernehmen im Nicht-Vollzeit-Modus eine Lehrtätigkeit, welche ein hohes Engagement und damit eine Eigenschaft besitzen, die ideal valorisiert werden kann. Bei all dem ist klar, dass auch das Schweizer (Berufs-)Bildungssystem Lehrerinnen und Lehrer in der eigentlichen und also international bekannten Form braucht. Aber nichtsdestotrotz stellt unsere Berufsbildung in einem gewissen Sinne den MonopolGedanken, was ein «Lehrer» ist und was einen «Lehrer» ausmacht, infrage. Jedenfalls lässt sich Professionalität nach Schweizer Tradition gut mit Miliz-Leistungen vereinbaren.

Mauro Dell’Ambrogio Staatssekretär für Bildung, Forschung und Innovation

3


SBFI News 3/18 l Berufsbildung

Gleichwertigkeit der individuellen Lernwege sicherstellen

Eidgenössische Berufsmaturitätsprüfung neu organisiert Dank der eidgenössischen Berufsmaturitätsprüfung (EBMP) ist es möglich, die eidgenössische Berufsmaturität unabhängig vom Besuch eines anerkannten Bildungsgangs zu erlangen. Davon profitieren insbesondere Personen, die im Berufsleben stehen und auf flexible Lernformen angewiesen sind. Sie haben so eine zusätzliche Chance, die Fachhochschulreife zu erlangen und später einen Hochschulabschluss zu erreichen. Ab 2019 wird die eidgenössische Berufsmaturitätsprüfung aufgewertet: Die Prüfungsvorgaben sind auf die Berufsmaturitätsverordnung und den entsprechenden Rahmenlehrplan für die Berufsmaturität abgestimmt. Anstelle von Stoffplänen werden Richtlinien und Musterprüfungen zur Verfügung gestellt. Zudem wird die Prüfung neu vom SBFI organisiert und durchgeführt. schen Berufsmaturitätsprüfung notwendig geworden. Die 2017 in Kraft gesetzte Verordnung des SBFI über die eidgenössische Berufsmaturitätsprüfung ersetzt das frühere Reglement und übernimmt als Grundlage den RLP-BM mit den darin definierten Ausrichtungen sowie den erwarteten fachlichen und überfachlichen Kompetenzen. Damit ist gewährleistet, dass alle Inhaberinnen und Inhaber eines eidgenössischen Berufsmaturitätszeugnisses über die gleichen Qualifikationen verfügen, unabhängig vom Weg auf dem sie zu diesem Ausweis gelangt sind.

Die Organisation und Durchführung der eidgenössischen Berufsmaturitätsprüfung erfolgt neu durch das SBFI. Die ersten Prüfungen auf den neuen Grundlagen finden im Sommer 2019 statt. Bilder: Iris Krebs und Fotolia

Die in den 1990er-Jahren eingeführte eidgenössische Berufsmaturität ist eine Erfolgsgeschichte. Sie leistet einen wesentlichen Beitrag zur Durchlässigkeit des schweizerischen Bildungssystems: Sie ergänzt die drei- oder vierjährige berufliche Grundbildung mit einer erweiterten Allgemeinbildung und ermöglicht den prüfungsfreien Zugang zu den Fachhochschulen. In Kombination mit einer Ergänzungsprüfung («Passerelle») ist auch ein Studium an einer kantonalen Universität oder an einer Eidgenössischen Technischen Hochschule möglich.

Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, sich die geforderten Kompetenzen in den Fächern der Berufsmaturität und im interdisziplinären Arbeiten selber anzueignen oder bei einem privaten Bildungsanbieter einen vorbereitenden Lehrgang zu besuchen. Nach der individuellen Vorbereitung kann die zentral organisierte eidgenössische Berufsmaturitätsprüfung absolviert werden. Von dieser Flexibilität profitieren insbesondere Erwachsene, die im Berufsleben stehen. 2017 haben rund 240 Personen die Prüfung abgelegt, davon hat gut die Hälfte das eidgenössische Berufsmaturitätszeugnis erhalten.

Ergänzendes Angebot Jährlich erlangen rund 14 000 Personen ein Berufsmaturitätszeugnis. Die Mehrheit von ihnen besucht dazu während der beruflichen Grundbildung oder im Anschluss daran in Voll- oder Teilzeit einen anerkannten Bildungsgang der Berufsmaturität.

Anpassung an Berufsmaturitätsverordnung und Rahmenlehrplan Nach der Inkraftsetzung der Verordnung über die eidgenössische Berufsmaturität (BMV) im Jahr 2009 und dem Erlass des darauf abgestützten Rahmenlehrplans für die Berufsmaturität (RLP-BM) im Jahr 2012 ist eine Anpassung der eidgenössi-

4

Bei der Neuregelung der eidgenössischen Berufsmaturitätsprüfung wurde auf die Konsistenz mit den Zielen und dem Aufbau der Berufsmaturität und dem Qualifikationsverfahren gemäss BMV und dem RLP-BM geachtet. In organisatorischer Hinsicht gilt das Augenmerk einer angemessenen Behandlung der Kandidatinnen und Kandidaten, da diese sich bereits im Erwerbsleben befinden, sowie einem schlanken und wirtschaftlich vertretbaren administrativen Aufwand. Schliesslich ist mit der eidgenössischen Berufsmaturitätsprüfung weiterhin gewährleistet, dass die Studienreife auf dem berufsbildenden Weg unabhängig vom Besuch einer formalen Vorbereitung absolviert werden kann. Dadurch ist die Chancengleichheit gegenüber dem gymnasialen Weg mit der Schweizerischen Maturitätsprüfung sichergestellt. Richtlinien und Musterprüfungen Damit die Vorbereitung auf die eidgenössische Berufsmaturitätsprüfung gezielt möglich ist, müssen die Prüfungsinhalte und die Bewertungskriterien konkret und transparent sein. Dies entspricht einem Bedürfnis der Kandidatinnen und Kandidaten, der vorbereitenden Institutionen, der Prüfungsverantwortlichen und des


SBFI News 3/18 l Berufsbildung

SBFI als zuständige Behörde für die eidgenössische Berufsmaturitätsprüfung. Aufgrund der Referenzierung auf den Rahmenlehrplan Berufsmaturität hat das SBFI auf die Erstellung von sogenannten Stoffplänen verzichtet. An deren Stelle hat es als Grundlage für die Prüfungsvorbereitung die Richtlinien EBMP erlassen. An deren Erarbeitung haben sich Lehrkräfte und Prüfungsexpertinnen und -experten der Berufsmaturität aus verschiedenen Kantonen und Sprachregionen beteiligt. Dadurch ist die eidgenössische Berufsmaturitätsprüfung an die Praxis der anerkannten Bildungsgänge der Berufsmaturität angeglichen. Die eidgenössische Berufsmaturitätskommission

hat den Erarbeitungsprozess beratend unterstützt. Zusätzlich stehen ab Mitte 2018 Musterprüfungen zur Verfügung und ermöglichen so eine gezielte Vorbereitung auf die Prüfung. Prüfungssekretariat ist neu beim SBFI Die Organisation und Durchführung der eidgenössischen Berufsmaturitätsprüfung erfolgt neu durch das SBFI. Die ersten Prüfungen auf den neuen Grundlagen finden im Sommer 2019 statt. Die genauen Prüfungsdaten und Orte werden gemäss Richtlinien EBMP per 1. Dezember 2018 auf der Website des SBFI veröffentlicht. Die eidgenössische Berufsmaturitätsprüfung ist für die Kandidatinnen und Kandidaten weiterhin kostenlos.

Kontakt Nicoletta Gullin Halter, SBFI Projektverantwortliche Ressort Berufliche Grundbildung +41 58 462 97 80 nicoletta.gullin@sbfi.admin.ch Weitere Informationen Richtlinien EBMP und sämtliche weiteren Informationen und Unterlagen zur eidgenössischen Berufsmaturitätsprüfung: www.sbfi.admin.ch/vebmp

5


SBFI News 3/18 l Berufsbildung

Verbundpartnertagung 2018

Sondierung erster Projekte für die Berufsbildung Unter dem Motto «Berufsbildung 2030 – von strategischen Leitlinien zu Projekten» fand Ende März 2018 in Bern die alljährliche Verbundpartnertagung der Berufsbildung statt. Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt arbeiteten dabei an Projekten für die Berufsbildung der Zukunft. die Konkretisierung möglicher Projekte. Dabei kamen Themen zur Sprache wie Synergien zwischen formaler Ausbildung und berufsorientierter Weiterbildung, die Verbesserung des Berufswahlfahrplans, verbundpartnerschaftliche Organe und die Integration von Menschen mit Behinderungen. Als nächster Schritt soll im Sommer 2018 das Steuergremium des Projekts «Berufsbildung 2030» die Projektvorschläge aus der Verbundpartnertagung genehmigen und priorisieren.

An der Verbundpartnertagung der Berufsbildung stand dieses Jahr die Konkretisierung des Projekts «Berufsbildung 2030» im Mittelpunkt. Photo: SBFI

Die Berufsbildung soll auch im Jahr 2030 ein wichtiges Angebot zur Qualifizierung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sein. Um dies zu erreichen, sollen die Berufsbildungsangebote flexibilisiert, die Agilität des Systems erhöht und die Prozesse effizienter gestaltet werden. Antworten darauf liefert das Leitbild «Berufsbildung 2030», das Ende Januar 2018 von einer verbundpartnerschaftlich zusammengesetzten Steuergruppe verabschiedet wurde.

6

Basierend auf diesem Leitbild haben die Verbundpartner ein Programm mit strategischen Stossrichtungen verabschiedet und entsprechende Prioritäten für die nächsten Jahre festgelegt. Diese gilt es in den kommenden Jahren mit konkreten Projekten umzusetzen. Einen ersten Schritt machten die Teilnehmenden der Verbundpartnertagung 2018 in Bern. Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten in Gruppen über

Kontakt Rémy Hübschi, SBFI Leiter Abteilung Berufs- und Weiterbildung +41 58 462 21 27 remy.huebschi@sbfi.admin.ch Weitere Informationen Tagungsunterlagen: www.sbfi.admin.ch/vpt Dossier «Berufsbildung 2030»: www.sbfi.admin.ch/bb2030


SBFI News 3/18 l Berufsbildung

Stefanie Bosshard und Jérôme Hügli präsentierten als Vertreter des SBFI am jährlichen Bildungsbriefing von Swisscore und der Schweizer Mission in Brüssel das Projekt «Berufsbildung 2030». Bild: Swisscore

Europäische Partner diskutierten das Leitbild «Berufsbildung 2030» Wie muss die Berufsbildung weiterentwickelt werden, damit sie zukunftsfähig bleibt? Welche Megatrends müssen dabei berücksichtigt werden? Auch Akteure in Nachbarländern und auf Ebene der EU setzen sich mit diesen Fragen auseinander. Das jährliche «Swiss Education Briefing» des Informations- und Verbindungsbüros Swisscore und der Schweizer Mission bei der EU in Brüssel dient der Information von europäischen Partnern über aktuelle Schweizer Bildungsthemen und zur Pflege des internationalen Fachdialogs. Aus aktuellem Anlass lautete das Thema der diesjährigen Veranstaltung Anfang März 2018 «Ensuring dynamic Vocational Education and Training (VET) systems post-2020». Das SBFI nutzte diese Gelegenheit, um das Leitbild «Berufsbildung 2030» einem Fachpublikum von über 40 Personen vorzustellen. Die Veranstaltung umfasste ebenfalls Beiträge und Ko-Referate von Vertreterinnen und Vertretern der EU-Kommission, des

Europäischen Zentrums für die Förderung der Berufsbildung (CEDEFOP), der Vereinigung der Österreichischen Industrie und des Mouvement des entreprises de France (MEDEF). Die im europäischen Vergleich bereits weit konkretisierte Schweizer Strategie wurde von den Teilnehmenden mit Interesse aufgenommen. Besonders der Einbezug der Akteure im Erarbeitungsprozess und der umfassende Charakter der Strategie wurden positiv hervorgehoben. Die anschliessende Podiumsdiskussion drehte sich um Themen wie die Finanzierung des lebenslangen Lernens, den stärkeren Einbezug der Privatwirtschaft in nationale Berufsbildungssysteme, die Rolle der internationalen Mobilität zur Stärkung der Berufsbildung und das Spannungsfeld zwischen Exzellenz und Integrationsleistung der Berufsbildung. Die Art und Weise, wie die Schweiz solche Herausforderungen strategisch angeht, konnte als Input für strategische Diskussionen auf europäischer Ebene eingebracht werden.

7


SBFI News 3/18 l Mobilität

Förderung der beruflichen Mobilität

Fruchtbarer Austausch von Wissen und guten Praktiken zur Anerkennung von Architekturabschlüssen in Europa Zu den Aufgaben des SBFI gehört auch die Koordination sämtlicher Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Anerkennung von Berufsqualifikationen gemäss Freizügigkeitsabkommen. In diesem Kontext hat das SBFI im Februar 2018 eine Sitzung der für die Anerkennung von Architekturabschlüssen zuständigen Behörden der EU-Länder organisiert. Dieser Fachbereich ist von der Ausbildung und der Beschäftigungssituation her ausgeprägt international ausgerichtet. Entsprechend hoch ist der gegenseitige Koordinationsbedarf. Dreifaches Interesse der Schweiz Der Architektenberuf ist in der Schweiz auf Bundesebene nicht reglementiert. Es stellt sich die Frage, weshalb die Beteiligung am ENACA-Netzwerk trotzdem sinnvoll ist. Dazu sind mehrere Gründe zu nennen: Erstens ist der Architektenberuf zwar nicht schweizweit, aber in mehreren Kantonen (GE, VD, NE, FR, TI, LU) reglementiert. Das SBFI wendet daher die Richtlinie 2005/36/EG für Architektinnen und Architekten aus der EU an, die für die Beantragung einer Berufsausübungsbewilligung in einem dieser sechs Kantone eine Anerkennung benötigen. In den übrigen Kantonen, die keine Reglementierung vorsehen, können Architektinnen und Architekten ihre Tätigkeit ohne Anerkennung frei ausüben. Am Treffen der für die Anerkennung von Architekturabschlüssen zuständigen Behörden der EU-Länder nahmen unter anderem Teil (von links nach rechts): Martin Hristov (Chamber of Architects Bulgaria), David Pace (Malta), Margarita Kozovska (Chamber of Architects Bulgaria), Olga Mihalikova (Slovak Chamber of Architects). Bilder: Frédéric Berthoud, SBFI

Das europäische System der Anerkennung von Berufsqualifikationen ist komplex und erfordert häufig eine enge Zusammenarbeit zwischen den am Verfahren beteiligten nationalen Behörden. Diese sind zum Teil in Netzwerken zusammengeschlossen, so auch die für den Architektenberuf zuständigen Behörden im Netzwerk ENACA (European Network of Architects’ Competent Authorities). In diesem Rahmen werden gegenseitig Informationen ausgetauscht und gute Praktiken festgelegt. Auch wird zu rechtsetzenden oder politischen Vorhaben der Europäischen Kommission Stellung genommen. Die Schweiz ist Mitglied dieser Gruppe, da sie sich gemäss Anhang III des Freizügigkeitsabkommens (FZA), der die Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen übernimmt, am europäischen System der Anerkennung beteiligt. 8

In der EU anerkannte Architekturabschlüsse aus der Schweiz 2015–2017 Rumä nien: 4 Polen: 2 Belgien: 4 Vereinigtes Königreich: 7

Niederlande: 1 Spanien: 1

Frankreich: 48 Italien: 145

Quelle: Datengrundlage für die reglementierten Berufe der EU; zusammengestellt durch das SBFI. Jedes Land ist für die Daten des eigenen Erfassungssystems zuständig; es ist nicht auszuschliessen, dass Anerkennungen fehlen. Der hohe Wert Italiens lässt sich damit erklären, dass viele Personen ihr Studium – dank ihrer Reputation und ihrer geografischen Lage – an der Architekturakademie der USI absolvieren.


SBFI News 3/18 l Mobilität

Herkunft der in der Schweiz anerkannten Architekturabschlüsse aus der EU (2015–2017) Bulgarien: 1 Tschechien: 2 Niederlande: 1 Luxemburg: 1 Schweden: 2 Österreich: 1 Griechenland: 3 Rumänien: 4 Polen: 1 Fürstentum Liechtenstein: 1 Vereinigtes Königreich: 4 Ungarn: 5 Belgien: 5 Deutschland: 8

Italien: 83 Portugal: 39

Frankreich: 43

Spanien: 46

Quelle: Entscheide SBFI

Zweitens hält sich das SBFI mit der Teilnahme am ENACA-Netzwerk über die politischen Entwicklungen auf europäischer Ebene auf dem Laufenden. Da die Schweiz nicht Mitglied der EU ist, wird sie in Entscheidungsprozesse häufig nicht einbezogen, weshalb die Beteiligung an solchen informellen Netzwerken sehr interessant ist. So bleibt die Schweiz auf dem Radar der Mitgliedsländer und wird über Entwicklungen informiert, die sich häufig nicht auf den Architektenberuf beschränken.

Drittens kann sich die Schweiz als kompetenter und verlässlicher Partner positionieren und präsentieren. Am Treffen im Februar 2018 legte sie beispielsweise ein Dokument vor, das verschiedene konkrete Situationen aufzeigt, mit denen die Behörden der EU-Mitgliedsländer regelmässig konfrontiert sind, und das deren Lösung gemäss Anwendung der Richtlinie 2005/36/EG beschreibt. Diese Fälle wurden in einem Workshop besprochen, während dem die verschiedenen

(von rechts nach links) Pia Selroos (Finnish Association of Architects SAFA), Alex Torpiano (Periti Warranting Board – Malta) und Henk Döll (Bureau Architectenregister the Netherlands).

Behörden sich über die Praktiken in den einzelnen Ländern austauschen konnten. Die Mobilität nimmt zu – die Zahl der Anerkennungen auch Die Mobilität in der Ausbildung – insbesondere im Hochschulbereich – ist stark gestiegen. Mit Ausbildungsstrukturen, die von Land zu Land übertragbar sind, hat die Bologna-Reform den Austausch erleichtert. Das Programm «Erasmus+» hat den Studierendenaustausch demokratisiert und einen klaren Trend zur Mobilität angestossen, die im Lebenslauf ein Plus ist. Entsprechend haben auch die Anträge für berufliche Anerkennungen zugenommen, insbesondere in sehr international ausgerichteten Bereichen wie der Architektur, in denen die Hochschulausbildungen häufig mit betreuten Berufspraktika ergänzt werden. So kommt es nicht selten vor, dass beispielsweise ein in Polen ausgebildeter Architekt sein Praktikum (das für eine Berufszulassung in Polen obligatorisch ist) in Frankreich absolviert und anschliessend in der Schweiz eine Anerkennung seiner Ausbildung beantragt. Solche Situationen sind verbreitet und relativ heikel zu klären. Hier sind die Kontakte zwischen den Behörden wichtig: Welche Gültigkeit besitzt das Praktikum in Frankreich? Gilt die Berufsperson gemäss den Kriterien von Polen als vollständig qualifiziert? Solch entscheidende Fragen stellen sich bei der Anwendung der Richtlinie 2005/36/EG. An den Sitzungen des ENACA-Netzwerks können solche Fälle diskutiert, die Ansprechpartner in den verschiedenen EU-Ländern ausfindig gemacht und gute Praktiken ausgetauscht werden. Schweizer Architektinnen und Architekten in der EU/EFTA Dank der Einbindung der Schweiz in das europäische System der Anerkennung von Berufsqualifikationen werden die Diplome von Schweizer Architektinnen und Architekten in EU- und EFTA-Ländern automatisch anerkannt. Die Masterabschlüsse in Architektur der Fachhochschulen, der Eidgenössischen Technischen Hochschulen und der Universität der italienischsprachigen Schweiz (USI) gewähren damit direkten Zugang zum Arbeitsmarkt in allen EU-/EFTA-Ländern. 9


SBFI News 3/18 l Raumfahrt

Die Richtlinie 2005/36/EG stützt sich auf das Herkunftslandprinzip. Dieses besagt: Von Inhaberinnen und Inhabern eines Schweizer Mastertitels kann nicht verlangt werden, dass sie beispielsweise noch ein Staatsexamen in Italien oder eine Befähigungsprüfung in Frankreich ablegen. Dies macht das System für in der Schweiz ausgebildete Architektinnen und Architekten sehr attraktiv.

Kontakt Frédéric Berthoud, SBFI Leiter Ressort Internationale Bildungszusammenarbeit und Berufsqualifikationen +41 58 465 58 66 frederic.berthoud@sbfi.admin.ch Wolfgang Haack (Architektenkammer Baden-Württemberg) und Olga Mihalikova (Slovak Chamber of Architects), Präsidentin des Netzwerks ENACA.

Weitere Informationen www.sbfi.admin.ch/diploma

«International Space Exploration Forum» 2018 in Tokyo

Vom Geist der Zusammenarbeit geprägt Die Suche nach einem besseren Verständnis des Weltalls und nach neuen Grenzen stellt für die Menschen eine grosse Herausforderung dar. Staaten und Gesellschaften, die sich an der Weltraumforschung beteiligen, schätzen deshalb den wissenschaftlichen, technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen, der sich direkt oder indirekt daraus ergibt, als hoch ein. Am zweiten «International Space Exploration Forum» (ISEF2), das im März 2018 in Tokyo (Japan) stattfand, vertrat Staatssekretär Mauro Dell’Ambrogio die Schweiz. An den Diskussionen beteiligten sich Vertreterinnen und Vertreter aus 45 etablierten und aufstrebenden Raumfahrtländern. In verschiedenen internationalen Foren wurden bereits Diskussionen über die internationale Weltraumforschung geführt. Jedoch gab es auf hoher politischer Ebene lange keine entsprechende Plattform zur Förderung des Dialogs. Erstmals Abhilfe schaffte diesbezüglich die «International Space Exploration Platform» 2011 im italienischen Lucca. Drei Jahre später luden die USA zum «International Space Exploration Forum» (ISEF) nach Washington DC ein. Die Teilnehmenden an diesen Treffen betonten jeweils die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit und die Notwendigkeit der Koordination zwischen den internationalen Raumfahrtorganisationen, um die Weltraumforschung gemeinsam voranzubringen. Überdies unterstrichen sie, dass die Nutzung des Weltraums der ganzen Menschheit zugutekomme und in der Folge ein gemeinsames politisches 10

Engagement für die nachhaltige Umsetzung internationaler Bestrebungen in der Weltraumforschung unerlässlich sei. ISEF2: Organisation und Ziele Diese Kooperationsbereitschaft wurde mit dem zweiten ISEF in Tokyo erneut unter Beweis gestellt. Das Treffen stand unter der Leitung des japanischen Ministeriums für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie und vereinte Ministerinnen und Minister sowie Leitende von Weltraumorganisationen. Im Rahmen der Zusammenkunft wurden drei Podiumsdiskussionen organisiert. Dabei ging es um die Bedeutung und den Nutzen der Weltraumforschung, um die Förderung der internationalen Weltraumforschung sowie um die Umsetzung von Programmen und Projekten der bemannten und unbemannten Erkundung des Weltraums.

Bekräftigung der wichtigen Rolle der ESA Die Schweiz wurde am ISEF von einer Delegation des SBFI unter der Leitung von Staatssekretär Mauro Dell’Ambrogio vertreten. Die Delegation setzte sich dabei die folgenden Ziele: 1) Auf weltweiter Ebene betonen, dass die Schweiz die Unterstützung der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) für wichtig hält, zumal es sich um die Weltraumagentur Europas handelt: Die ESA ist als zwischenstaatliche Organisation ein verlässlicher und aktiver Partner in der Raumfahrt und ermöglicht unter anderem den europäischen Beitrag zur Internationalen Raumstation (ISS). Sie sollte alle europäischen Bestrebungen in der Weltraumforschung leiten. Mit dem «European Exploration


SBFI News 3/18 l Raumfahrt

Am zweiten «International Space Exploration Forum» (ISEF2) vertrat Staatssekretär Mauro Dell’Ambrogio die Schweiz. Bild zVg

Envelope Programme», das an der letzten ESA-Ministerratskonferenz 2016 in Luzern verabschiedet wurde, verfügt die ESA bereits über das notwendige Instrument dazu. 2) Die Ansichten zur Weltraumforschung eines kleinen, aber aktiven ESA-Mitgliedslandes einbringen: Die Beteiligung der Schweiz an der Entwicklungs- und Betriebsphase der ISS sowie an anderen Forschungsprogrammen der ESA ermöglicht es Schweizer Forscherinnen und Forschern, Zugang zur ISS und zu anderen Forschungsplattformen zu erhalten. Auch können Schweizer Akteure wissenschaftliche Instrumente für robotische Erkundungsmissionen wie «ExoMars» einbringen. Ausserdem profitiert (auch) die Schweizer Industrie vom Zugang zu Aufträgen und Möglichkeiten der internationalen Weltraumzusammenarbeit. 3) Die ESA als Vorbild für die künftige Governance der internationalen Weltraumforschung fördern: Als internationale Organisation nutzt die ESA die vielfältigen Fähigkeiten und Leistungen ihrer Mitgliedsländer optimal und kombiniert so die nötigen Eigenschaften im Hinblick auf eine erfolgreiche und nachhaltige Führung.

Ergebnisse Konkret wurden am ISEF2 drei Dokumente verabschiedet: eine «Gemeinsame Erklärung», die «Grundsätze für die internationale Weltraumforschung von Tokyo» sowie die Beschreibung des Aufgabenrahmens des ISEF. Die in der «Erklärung» erwähnten Botschaften und die «Grundsätze» unterstreichen die gemeinsamen internationalen Visionen und Ziele zur Erweiterung der Erforschung des Sonnensystems. Auch werden darin die Bedeutung und der Nutzen der Weltraumforschung für die Menschheit sowie für die zunehmende Anzahl neuer Akteure (Staaten und private Unternehmen) in der internationalen Weltraumerkundung hervorgehoben. Daraus ergeben sich Möglichkeiten für neue fruchtbare Partnerschaften. Das ISEF2 leitet damit eine neue Ära der Weltraumforschung ein, in welcher der Privatsektor eine neue Rolle übernimmt, nämlich jene des Unternehmers mit einem wirtschaftlichen Interesse an der Weltraumerkundung.

Kontakt Renato Krpoun, SBFI Leiter Abteilung Raumfahrt +41 58 460 58 92 renato.krpoun@sbfi.admin.ch Weitere Informationen www.isef2.jp

Mit der Annahme des Aufgabenrahmens etablierten die Staaten das ISEF zudem als beständiges internationales Forum. Das nächste Treffen wird in Europa stattfinden.

11


SBFI News 3/18 l Forschung

Nationale Forschungsschwerpunkte erzeugen langfristige Struktureffekte

Eindrücklicher Leistungsausweis der zweiten Serie Die zweite Serie der vom Bund initiierten und mitfinanzierten Nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) wurde 2017 abgeschlossen. Sie umfasste sechs geistes- und sozialwissenschaftliche Schwerpunkte. Aus ihnen hervorgegangen sind nicht nur umfangreiche Forschungsergebnisse, sondern auch neue Professuren, Forschungszentren und vielfältige Kooperationen. Mit dem Abschluss der einzelnen NFS manifestiert sich nun ihre nachhaltige Wirkung. haben die NFS einen Förderauftrag in den Bereichen Nachwuchsqualifikation, Wissenstransfer und Gleichstellung. Zweite Serie zu Geistes- und Sozialwissenschaften Im Jahr 2000 wurden die ersten NFS lanciert. In dieser Serie waren jedoch keine NFS aus dem Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften vertreten. Deshalb startete der Bund im Jahr 2005 eine zweite Serie von NFS, die sich explizit an die Geistes- und Sozialwissenschaften richtete. Diese umfasste sechs Nationale Forschungsschwerpunkte: • «Affektive Wissenschaften» (Universität Genf) • «Demokratie» (Universität Zürich) • «Bildkritik» (Universität Basel) • «Mediality» (Universität Zürich) • «Trade Regulation» (Universität Bern) • «Sesam» (Universität Basel)

Das 2009 eröffnete Brain Behaviour Laboratory an der Universität Genf ist aus dem NFS «Affective Sciences» hervorgegangen. Das multidisziplinär ausgerichtete Forschungszentrum untersucht die Grundlagen der Gehirnfunktionen, der Emotionen und des Verhaltens sowie Dysfunktionen. Beispielsweise wird mittels Elektroden die elektrische Aktivität des Hirns gemessen. Bild: Universität Genf, Dorothée Baumann

Die Nationalen Forschungsschwerpunkte – auch bekannt als NCCR – sind ein Förderinstrument des Bundes. Sie werden in seinem Auftrag vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziert, begleitet und überprüft. Mit dem Instrument NFS will der Bund die Position der Schweiz in strategisch wichtigen Forschungsbereichen stärken und innovative Forschungsstrukturen fördern. Auch sollen die Arbeitsteilung und die Koordination unter den Forschungsinstitutionen sowie deren internationale Vernetzung gefördert werden. NFS sind institutionell abgestützte Forschungsvorhaben von gesamtschweizerischer Bedeutung. Gefördert werden Forschungsprojekte von höchster Qualität, 12

mit besonderer Gewichtung interdisziplinärer, aber auch neuer, innovativer Ansätze innerhalb der Disziplinen. Überdies

2017 konnten fünf von sechs NFS abgeschlossen werden. Ihr Leistungsausweis ist eindrücklich: Insgesamt wurden rund 20 neue Professuren geschaffen. Weiter haben rund 200 Nachwuchsforscherinnen und -forscher ihr Doktorat abgeschlossen und über 400 Doktorandinnen und Doktoranden waren an der Forschung beteiligt. Zudem resultierten knapp 7000 wissenschaftliche Publikationen (davon

So sind NFS organisiert • Netzwerk: Jeder Nationale Forschungsschwerpunkt besteht aus einer oder mehrerer Heiminstitutionen (NFS-Leitung) und verfügt über ein Netzwerk von Partnern und Partnerinstitutionen innerhalb oder ausserhalb des Hochschulbereichs. • Fokussiert auf ein Forschungsgebiet: Die NFS sind einem klar bezeichneten und thematisch abgegrenzten Forschungsgebiet zugeordnet. • Personell und finanziell gesicherte Basis: Die NFS verfügen über eine angemessene personelle und materielle Unterstützung durch die Institution(en), an welcher/denen ein Kompetenzzentrum errichtet wird. • Bundesunterstützung als Anschubfinanzierung: Die Förderung eines NFS durch den Bund erfolgt über einen Zeitraum von maximal zwölf Jahren.


SBFI News 3/18 l Forschung

Die Nationalen Forschungsschwerpunkte der zweiten Serie (2005–2017) im Überblick NFS «Bildkritik» – Universität Basel Die digitale Revolution hat ein neues Verständnis einer neuen Gesellschaft hervorgebracht, die sich immer mehr an Bildern ausrichtet, jedoch deren Besonderheiten, ihre Funktionen, Macht und Wirkung nur beschränkt versteht. Der NFS «eikones. Bildkritik – Macht und Bedeutung der Bilder» versammelte zehn Disziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften und untersuchte Bildphänomene aus verschiedensten Bereichen wie Kunst, Wissenschaft, Ökonomie, Stadtplanung, Philosophie oder Sprach- und Schriftgeschichte. Der NFS überzeugte durch seine ausgeprägt interdisziplinäre Ausrichtung. Aus dem NFS ist das interdisziplinäre Zentrum für Theorie und Geschichte des Bildes an der Universität Basel hervorgegangen. Auch die Graduate School, an der die ETH Zürich beteiligt ist, wird weitergeführt. NFS «Affektive Wissenschaften» – Universität Genf Der NFS «Affektive Wissenschaften – Emotionen im individuellen Verhalten und in sozialen Prozessen» hat ein neues Forschungsparadigma etabliert: die Emotionspsychologie. Er hat eines der ersten Forschungsnetzwerke aufgebaut, das umfassend Emotionen untersucht. Emotionale Faktoren werden für die Erklärung menschlichen Verhaltens immer wichtiger. Im NFS haben Forschende aus Psychologie, Neurowissenschaften, Medizin, Philosophie, Literatur-, Geschichts-, Sozial-, und Wirtschaftswissenschaften sowie Informatik zusammengearbeitet. Ihre Erkenntnisse tragen dazu bei, die körperliche und psychische Gesundheit zu verbessern, das Wohlbefinden in der Familie und am Arbeitsplatz zu steigern sowie Fähigkeiten im Umgang mit Emotionen zu fördern. Aufgrund des NFS ist an der Universität Genf das Swiss Center for Affective Sciences errichtet worden. Es ist heute im Campus Biotech angesiedelt. Zudem hat der NFS mit dem Brain and Behaviour Laboratory eine Forschungsinfrastruktur für Neuro- und Emotionswissenschaften sowie ein international beachtetes Doktoratsprogramm ins Leben gerufen. NFS «Demokratie» – Universität Zürich Der NFS «Demokratie – Herausforderungen an die Demokratie im 21. Jahrhundert» untersuchte, wie sich die Demokratie unter den Bedingungen der Globalisierung und Mediatisierung entwickelt. Er hat die Fachgebiete Politikwissenschaft sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaften in einzigartiger Weise verbunden. Ein wichtiger Aspekt der aktuellen Forschung besteht in der konzeptuellen Erfassung des Populismus, der die Demokratie vor grosse Herausforderungen stellt: Einerseits werden nationalstaatliche Entscheidungsstrukturen angesichts der Globalisierung in Frage gestellt. Andererseits beeinflussen die Medien zunehmend die Politik und die für die Demokratien wichtigen öffentlichen Debatten. Der NFS Demokratie ist massgeblich an der Gründung des Zentrums für Demokratie Aarau beteiligt, das die Universität Zürich mit der Fachhochschule Nordwestschweiz sowie mit dem Kanton Aargau und der Stadt Aarau gegründet hat. Dort angesiedelt ist das Demokratiebarometer. Zudem hat der NFS ein Doktoratsprogramm etabliert.

NFS «Mediality» – Universität Zürich Der NFS «Medienwandel – Medienwechsel – Medienwissen. Historische Perspektiven» untersuchte die Geschichtlichkeit von Medien und Medialität sowie die Kommunikationsformen vor dem Zeitalter der Massenmedien und technologischen Mediendiskurse. Anhand von Texten, Bildern, Karten, Skulpturen, Architekturen, Stoffen, Klängen und Filmen wurde analysiert, wie sich kommunikative Praktiken veränderten und wie über Bedingungen von Kommunikation nachgedacht wurde: Was fungiert als Medium, was ermöglicht Vermittlung? Beteiligt waren die Fächer der Literatur- und Sprachwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Kunstgeschichte, Filmwissenschaft, Nordistik und Rechtswissenschaft. Die Forschungen des NFS werden an der Universität Zürich im Zentrum für Historische Mediologie weiterverfolgt. Dabei handelt es sich um eine disziplinär offene, international ausstrahlende Forschungsplattform. Weitergeführt wird auch das Doktoratsprogramm. NFS «Trade Regulation» – Universität Bern Der NFS «Trade Regulation – Rahmenbedingungen des internationalen Handels: von einem fragmentierten zu einem kohärenten Regelwerk» analysierte multilaterale und bilaterale Handelsabkommen und weitere Aspekte der internationalen Handelsbeziehungen. Dabei arbeiteten Forschende aus Rechts-, Politik und Wirtschaftswissenschaften mit nationalen und internationalen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen zusammen und entwickelten neue Ansätze, um die verschiedenen Regelwerke auf internationaler Ebene besser aufeinander abzustimmen. Der NFS hat wichtige Beiträge zum besseren Verständnis des Welthandelssystems geleistet. Weiter wurde das an der Universität Bern angesiedelte World Trade Institute ausgebaut. Universitätsintern hat der NFS die Zusammenarbeit mit dem Centre for Development and Environment institutionalisiert. NFS «Sesam» – Universität Basel Der NFS «sesam – Schweizerische ätiologische Studie zur psychischen Gesundheit» untersuchte die komplexen Ursachen, die zu einer gesunden psychischen Entwicklung über die Lebensspanne führen. Im Fokus der Arbeiten stand die Zeit um Schwangerschaft und Geburt und die damit verbundenen Veränderungen für Neugeborene und Eltern. Der NFS musste 2010 abgebrochen werden. Es fanden sich zu wenige Probanden für die Kernstudie. Die Erkenntnisse aus zehn Studien sind in rund 280 Publikationen dokumentiert. Auf der Basis des NFS wurde eine transfakultäre Forschungsplattform für molekulare und kognitive Neurowissenschaften geschaffen. Weitere Informationen Detaillierte Informationen zu den NFS finden sich auf der Homepage des Schweizerischen Nationalfonds: www.snf.ch > Förderung > NFS 13


SBFI News 3/18 l Forschung

über 2000 begutachtete (peer reviewed) Artikel und 700 Bücher), ein Start-upUnternehmen, 46 Prototypen / Prozesse sowie rund 6000 Präsentationen an Fachveranstaltungen. Die nachhaltige Wirkung der NFS der zweiten Serie lässt sich auch in der Schaffung von vier Forschungszentren ablesen. Ein weiteres, bereits bestehendes Forschungszentrum wurde ausgebaut. Auch die Weiterführung von Doktoratsprogrammen zeigt, dass die NFS zur Strukturbildung in Fachgebieten beitragen. Das NFS «Sesam» musste 2010 abgebrochen werden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass das ursprüngliche Ziel, 3000 Probanden zu rekrutieren, nicht erreicht werden konnte. Bei diesem NFS ging es um eine Langzeitstudie zur psychischen Entwicklung und Gesundheit über die Lebensspanne. Der Bund hat für die zweite NFS-Serie insgesamt in der Gesamtlaufzeit von

zwölf Jahren rund 126 Millionen Franken gesprochen. Dies entspricht knapp der Hälfte des Gesamtbudgets von insgesamt 290 Millionen Franken. Die restliche Finanzierung steuerten vor allem die beteiligten Hochschulen und Projektpartner bei. Dritte und vierte Serie im Gange Derzeit laufen die dritte (2010 bis 2022) und vierte (2014 bis 2026) Serie der NFS. Insgesamt werden 16 NFS aus verschiedensten Forschungsgebieten gefördert (siehe weitere Informationen). Eine fünfte Serie ist in Vorbereitung. Im Oktober 2017 hat der SNF die entsprechende Ausschreibung publiziert. Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung wird gestützt auf die forschungs- und hochschulpolitische Prüfung durch das SBFI im Herbst 2019 über die Lancierung neuer NFS entscheiden. Eine hohe Priorität wird dabei Vorschlägen beigemessen, die den Zielen des Aktionsplans Digitalisierung entsprechen.

Finanzierung der NFS der zweiten Serie Finanzierungsquelle

CHF

%

Beiträge SNF / Bund

125 588 598

44

Beiträge Heiminstitutionen

63 598 896

22

Beiträge Projektpartner

81 714 528

28

Drittmittel

18 592 904

6

289 494 926

100

Total

Quelle: SNF «Guide 2018», 2018. Beiträge inklusive NFS «Sesam»

Output der NFS der zweiten Serie Total Publikationen

2256 1141 2193 707 162

Beiträge peer-reviewed Beiträge nicht peer-reviewed Beiträge in Sammlungen Bücher Reports

Präsentationen an Kongressen

5718

Kooperationen

51 Wirtschaft / Industrie 976 Forschungsinstitutionen 155 andere

Wissenstransfer

1 Start-up-Unternehmen 46 Prototypen / Prozesse 1 Innosuisse-Projekt

Quelle: SNF «Guide 2018», 2018. Ohne NFS «Sesam»

14

6459

1182

48

Der Beginn der Forschungsaktivitäten der fünften Serie ist auf Anfang 2020 geplant. Kontakt Nicole Schaad, SBFI Leiterin Ressort Nationale Forschung +41 58 463 59 85 nicole.schaad@sbfi.admin.ch Weitere Informationen www.sbfi.admin.ch/nfsp


SBFI News 3/18 l BFI

BFI-MELDUNGEN Informationsreihe zum Förderschwerpunkt «Grundkompetenzen am Arbeitsplatz»

AM

AT Z. AR BE ITS PL

Mit dem Förderschwerpunkt «Grundkompetenzen am Arbeitsplatz» unterstützt der Bund arbeitsplatzorientierte Weiterbildungen. Im April und Mai 2018 finden schweizweit mehrere Informationsveranstaltungen dazu statt. Die Informationsreihe richtet sich an Weiterbildungsanbieter sowie an Vertreterinnen und Vertreter von Organisationen der Arbeitswelt (OdA) und von Branchenverbänden. Sie wird vom Schweizerischen Verband für Weiterbildung SVEB in Kooperation mit dem SBFI organisiert. An den Informationsveranstaltungen erhalten die Teilnehmenden detaillierte Informationen zur Gesuchstellung. Zudem werden Beispiele erfolgreich umgesetzter Bildungsmassnahmen in Betrieben aufgezeigt. Weitere Informationen und Anmeldung: www.alice.ch > Dienstleistungen > Veranstaltungen

Nationale Forschungsprogramme: Zwischenstand der aktuellen Prüfrunde 2017/2018 im Themenbereich Digitalisierung Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) hat von November 2017 bis März 2018 die drei eingereichten Programmvorschläge («Bildung im digitalen Wandel», «Digital Trust and Ethics» und «Digitale Wirtschaft und Arbeitswelten») für die neuen Nationalen Forschungsprogramme (NFP) zum Thema Digitalisierung geprüft. Gemäss dieser Machbarkeitsprüfung wurde eine hohe Relevanz für alle drei Themen bestätigt. Zudem hat der SNF vorgeschlagen, die drei Themen in einem Nationalen Forschungsprogramm zu bündeln und eine Organisationsstruktur aufzubauen. Das SBFI hat nun den SNF beauftragt, ein Programmkonzept zu erarbeiten. Der Bundesrat wird voraussichtlich Ende 2018 das neue Nationale Forschungsprogramm lancieren. Mit den Nationalen Forschungsprogrammen fördert der Bund Forschungsprojekte, die Orientierungs- und Handlungswissen erarbeiten und damit zur Lösung aktueller Probleme von Gesellschaft und Wirtschaft beitragen. Die NFP werden nach jeweils rund fünfjähriger Laufzeit abgeschlossen. Seit der Einführung des Instruments wurden bis heute 76 NFP lanciert. Weitere Informationen: www.sbfi.admin.ch/nfp

3. Internationaler Berufsbildungskongress Vom 6. bis 8. Juni 2018 findet der dritte Internationale Berufsbildungskongress in Winterthur statt. Unter dem Titel «Skills for Employability and Careers» widmet sich der Kongress 2018 dem technologischen Wandel, der Curricula-Entwicklung und den Karrieremöglichkeiten in der Berufsbildung. Der Internationale Berufsbildungskongress bietet eine Plattform für den offenen Dialog und den Austausch von guten Praktiken. Als Fachveranstaltung richtet sich der Kongress an ein internationales Publikum aus Bildung, Politik und Wirtschaft. Die Organisation House of Winterthur wurde vom SBFI mit der Durchführung beauftragt. Getragen wird der Kongress vom Bund, dem Kanton Zürich, der Stadt Winterthur und verschiedenen Organisationen der Arbeitswelt sowie weiteren Berufsbildungspartnern und zahlreichen Sponsoren. Weitere Informationen: www.vpet-congress.ch

15


SBFI News 3/18 l Panorama

BFI I BILD DES MONATS

Die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) setzt sich gemäss der Leistungsvereinbarung 2017–2020 mit dem Bund unter anderem für die Nachwuchsförderung ein. Mit dem neuen Programm «Swiss TecLadies» werden insbesondere junge Frauen für die Technikberufe sensibilisiert. Damit sollen Fachkräfte von morgen in den Bereichen Technik und Informatik gewonnen werden. Das Programm «Swiss TecLadies» ermöglicht Mädchen und Knaben, ihre eigenen Talente spielerisch zu erkennen. In einer sogenannten Online-Challenge gilt es, in 15 verschiedenen Bereichen Fragen zu Technik und Informatik im Alltag zu beantworten. Mädchen der Jahrgänge 2002 bis 2005, die in der Online-Challenge besonders gut abschneiden, können sich ausserdem für ein Mentoring-Programm bewerben. Dabei werden sie von einer Mentorin aus dem Bereich Technik oder Informatik betreut und können an Besichtigungen, Workshops und Persönlichkeitstrainings teilnehmen. Bild: © SATW Weitere Informationen www.tecladies.ch

DIE ZAHL

884

Im Jahr 2017 sind beim Europäischen Patentamt (EPA) rund 166 000 Patentanmeldungen eingereicht worden. Das bedeutet eine Steigerung von 3,9% gegenüber dem Vorjahr. Die anmeldestärksten Länder waren die USA, Deutschland, Japan, Frankreich sowie China. Letzteres hat mit einem erneuten Zuwachs (+16,6%) die Schweiz überholt und ist zum ersten Mal in die Gruppe der fünf mengenmässig bedeutendsten Anmeldeländer aufgestiegen. Betrachtet man die Zahl der europäischen Patentanmeldungen im Verhältnis zur Einwohnerzahl eines

16

Landes, belegt die Schweiz 2017 erneut den ersten Platz mit 884 Anmeldungen pro Million Einwohner. Es folgen die Niederlande (412), Dänemark (377), Schweden (374) und Finnland (329). Das erste Mal in der Geschichte des EPA steht mit Huawei ein chinesisches Unternehmen im Jahresbericht an der Spitze der Unternehmen mit den meisten Patentanmeldungen. In den Top 10 befinden sich vier Unternehmen aus Europa, drei aus den USA, zwei aus Südkorea und eines aus China. Quelle: EPA, Jahresbericht 2017

SBFI-News - April 2018  

Eidgenössische Berufsmaturitätsprüfung neu organisiert // Förderung der beruflichen Mobilität // Nationale Forschungsschwerpunkte führen zu...

SBFI-News - April 2018  

Eidgenössische Berufsmaturitätsprüfung neu organisiert // Förderung der beruflichen Mobilität // Nationale Forschungsschwerpunkte führen zu...