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Stiftungen Sarepta • Nazareth

Jahresbericht 2009/2010 Direktion Sarepta • Nazareth


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JAHRESBERICHT 2009 / 2010 

Vorwort............................................................................................ 3 A. Bewertender Rückblick ............................................................. 4 Altenhilfe ......................................................................................................4 Personalarbeit................................................................................................6 Bildungsarbeit ...............................................................................................9 Theologie/Diakonie......................................................................................11 Ökonomie und Organisation........................................................................12

B. Weitere inhaltliche Entwicklungen in unseren Arbeits- und Handlungsfeldern......................................................................... 13 1. Aus-, Fort- und Weiterbildung .................................................................13 2. Personalarbeit..........................................................................................17 3. Pädagogik ...............................................................................................19 4. Stiftungsbereich Altenhilfe.......................................................................19 5. Häuser der Begegnung und Gemeinschaften ...........................................24 6. Archive Sarepta-Nazareth ........................................................................25 7. Gemeinschaften ......................................................................................25

C. Ökonomie.................................................................................. 27 Lagebericht 2009 der Stiftung Sarepta.........................................................27 Geschäftsverlauf und Rahmenbedingungen 2009 ........................................28 Geschäftsverlauf - Belegungsentwicklung und Ertragslage ...........................29 Lagebericht 2009 der Stiftung Nazareth.......................................................32 Geschäftsverlauf und Rahmenbedingungen 2009 ........................................32 Geschäftsverlauf - Belegungsentwicklung und Ertragslage ...........................33

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Vorwort Liebe Schwestern und Brüder, liebe Mitarbeitende, sehr geehrte Damen und Herren, die Stiftungen Sarepta und Nazareth und die zu ihnen gehörenden Gemeinschaften und Mitarbeitenden stehen mit allen Mitarbeitenden in Diakonie und Kirche in dynamischen Zeiten und Entwicklungen. Niemand kann sich der Anforderung zum Umgang mit den sich stetig verändernden gesetzlichen Anforderungen, den engen und manchmal zu engen finanziellen Bedingungen sowie den gesellschaftlichen Umbrüchen mit den daraus folgenden Herausforderungen entziehen. In den letzten Monaten haben wir intensiv wahrnehmen können, wie sich die Debatte gerade um die gesellschaftlichen Umbrüche verschärft. Als Direktion bemühen wir uns darum, durch gute Analyse, aktiven Diskurs mit Führungskräften und Mitarbeitenden, durch Beratungen mit den Leitungsgremien der Gemeinschaften, dem Vorstand der Stiftungen und den Mitbestimmungsorganen einen sinnvollen Weg zur Umsetzung unserer inhaltlichen und fachlichen Ziele unter den Bedingungen unserer Zeit zu finden und mit Engagement zu beschreiten. Im Rückblick auf den Zeitraum von Oktober 2009 bis September 2010 freuen wir uns, dass es in einer Reihe von Bereichen gelungen ist, neue Weichenstellungen zu finden. Zeichen für Neubeginn sind die Gründung des Studienganges „Diakonie im Gemeinwesen – Soziale Arbeit und Diakonik“ an der FH der Diakonie, der Aufbau des Seniorenzentrums Dissen, die Maßnahmen zur Gewinnung von Mitarbeitenden z.B. durch die Teilnahme des Fachseminares für Altenpflege Sarepta am Aktionsplan Altenpflege des Landes NRW oder die Ausweitungen im Bereich der Bildungsarbeit von Bildung & Beratung Bethel. All diese Aktivitäten und die täglich gute Arbeit in unseren Einrichtungen und Diensten wären ohne das große Engagement der Mitarbeitenden in Sarepta/Nazareth sowie die Unterstützung der Gemeinschaften und des Vorstandes nicht denkbar. Dafür danken wir sehr herzlich!

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A. Bewertender Rückblick Altenhilfe Personalentwicklung, Personalgewinnung und Gesundheitsförderung als Basis für ein attraktives Arbeitgeberbild Das Arbeitsfeld der Altenhilfe erlebt bereits jetzt einen akuten Personalmangel für Pflege-, Fach- und Führungskräfte. Dieser Personalmangel wird sich in den kommenden Jahren ausweiten. Allein in den kommenden 10 Jahren werden in den stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen der Altenhilfe verschiedenen Schätzungen zufolge zwischen 150.000 und 200.000 Pflegekräfte benötigt. Die Politik lässt Einrichtungen und Träger bisher mit dieser Frage weitgehend allein. Die Träger der Altenhilfe stehen untereinander im Wettbewerb um gutes Personal. Angesichts der hohen Anforderungen im Arbeitsfeld Altenhilfe wird es bei der Personalgewinnung darauf ankommen, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Als Stiftungen Sarepta und Nazareth haben wir diese Aspekte aktiv in Diskussionen innerhalb der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und in Kirche und Diakonie eingebracht. Unsere Stabsstelle Personal & Bildung von Sarepta und Nazareth hat sich mit dieser Fragestellung beschäftigt und nach Prüfung verschiedener Ansatzmöglichkeiten folgende Schwerpunkte bearbeitet:  Aufbau von Fach- und Führungskräften aus eigenen Reihen (Einrichtungen von Stellen für stellvertretende Pflegedienstleitungen, Förderung der Qualifikation zur Pflegedienstleitung, Anpassung der Mitarbeitenden-Gespräche an die Anforderungen und Bedingungen des Arbeitsfeldes Altenhilfe, Entwicklung eines Austauschprogramms für Mitarbeitende in unseren Einrichtungen).  Impulse für ein Konzept zum Personalmarketing für das Arbeitsfeld Altenhilfe der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.  Gesundheitsförderung als Element zur Erhaltung von Arbeitskraft und Unterstützung der derzeitigen Mitarbeitenden ihren Dienst bis zur Pensionierung ausführen zu können.  Weiterentwicklung der Angebotspalette des Fachseminares für Altenpflege.  Aufbau von zusätzlichen Ausbildungsplätzen für den Beruf Altenpfleger/in. Diese Aktivitäten sind erste Schritte auf einem noch langen Weg. Personalmangel in quantitativer und qualitativer Hinsicht wird eine Dauererfahrung für das Sozial- und Gesundheitswesen werden. Deshalb wird dieser Themenbereich auch in den kommenden Jahren eine Schwerpunktaufgabe für die Personalarbeit der Stiftungen Sarepta und Nazareth sein. ‐ Seite 4 von 37‐ 


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Weiterentwicklung der Arbeitsprozesse angesichts der aktuellen fachlichen und gesetzlichen Anforderungen Unter dieser Überschrift haben wir uns im vergangenen Jahr im Wesentlichen mit drei Themengebieten beschäftigt. Zu allererst ging es darum, durch die intensive Arbeit im Bereich des Qualitätsmanagements für die Umsetzung der Expertenstandards, die weiter gestiegenen inhaltlichen Anforderungen auf der Basis der Weiterentwicklung des Pflegeversicherungsgesetzes sowie des Wohn- und Teilhabegesetzes in unseren Einrichtungen umzusetzen. Zugleich wurden die veränderten Anforderungen aus den neuen Prüfkriterien des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) sowie der Heimaufsicht aufgenommen und in den inhaltlichen Vorgaben für die Arbeit und in den Arbeitsabläufen eine weitest mögliche Umsetzung aller Anforderungen sichergestellt. Der Stiftungsbereich Altenhilfe hat sich an einem Projekt der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel zum Thema „Prozessmanagement“ beteiligt. In diesem Projekt ging es darum festzustellen, wie durch eine verbesserte Prozessgestaltung für Arbeitsabläufe die Arbeit in den Einrichtungen qualitativ weiterentwickelt werden kann. Der Stiftungsbereich Altenhilfe beteiligte sich als Pilot an einem Projekt der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel zum Thema „Prozessmanagement“. In diesem Projekt ging es darum festzustellen, ob sich die Methode Prozessmanagement eignet, Arbeitsabläufe zu verbessern und so die Arbeit in den Einrichtungen qualitativ weiter zu entwickeln. Hierbei beschäftigte sich eine Arbeitsgruppe im Haus Abendfrieden mit verschiedenen Kernarbeitsprozessen, so z.B. mit dem Ablauf und der Gestaltung des Einzuges einer neuen Bewohnerin / eines neuen Bewohners. Hier konnte für alle Beteiligten größere Handlungssicherheit erreicht werden. Ein dritter Arbeitsschwerpunkt stellte und stellt die Auseinandersetzung mit der technischen Entwicklung für assistierende und unterstützende Funktionen für Menschen im Alter und Arbeitsprozesse in ambulanten sowie stationären Einrichtungen der Altenhilfe dar. Angesichts der enormen Anforderungen im Arbeitsfeld Altenhilfe der kommenden Jahre und Jahrzehnte wollen wir – auch unter Berücksichtigung ethischer Aspekte – die Möglichkeiten technischer Hilfsmittel und Verfahren zur Unterstützung von Menschen und zur Verbesserung unserer Arbeitsprozesse prüfen. Aufbau einer neuen Einrichtung in Dissen Nachdem das Bauantragsverfahren erfolgreich abgeschlossen werden konnte, wurde die Bautätigkeit aufgenommen und am 27. August 2010 konnte das Richtfest gefeiert werden. Das Seniorenzentrum in Dissen wird 68 Menschen einen Pflegeplatz bieten und 22 Appartements für betreutes Wohnen zur Verfü‐ Seite 5 von 37‐ 


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gung stellen. Für das betreute Wohnen ist die Anfrage bereits im Vorfeld so groß, dass 18 von 22 Appartements durch Vorverträge bereits jetzt vergeben sind. Das Seniorenzentrum in Dissen lässt eine gute Nachfrage insgesamt erwarten. Zugleich sind die Bedingungen für eine Altenpflegeeinrichtung in Niedersachsen im Vergleich zu NRW ökonomisch noch schwieriger. Vor diesem Hintergrund haben wir - nach Beratung mit dem Vorstand beschlossen, eine ServiceGesellschaft zu gründen, die die hauswirtschaftlichen Dienstleistungen im Seniorenzentrum Dissen erbringen soll. Diese Service-Gesellschaft soll eine Tochtergesellschaft der Stiftung Sarepta werden und uns die Möglichkeit bieten, die Personalkosten im Bereich Hauswirtschaft, Service und Technik den tatsächlich refinanzierbaren Personalkosten durch die Pflegekassen und Landschaftsverbände anzupassen. Näheres lesen Sie dazu auch unter dem Abschnitt „Ökonomie und Organisation“. Für die Aufbauphase des Seniorenzentrum Dissen erwarten wir Anfangsverluste. Dies ist für die Aufbauphase von neuen Einrichtungen eine normale Situation. Mit Blick auf diese Anfangsverluste sind wir im Gespräch mit den Mitarbeitervertretungen Sarepta-Nazareth und der Altenhilfe Bethel OWL gGmbH, um nach Möglichkeit eine Absenkung der Vergütungen im Rahmen der Arbeitsvertragsrichtlinien des DW EKD (AVR-D) zu vereinbaren, wie dies die Arbeitsvertragsrichtlinien für solche Situationen vorsehen.

Personalarbeit Umsetzung der Abbauvorgaben aus dem Projekt „Spielräume zurückgewinnen – Zukunft sichern“ durch Weiterentwicklung unserer Arbeitsprozesse Die Stabsstelle Personal und Bildung Sarepta-Nazareth sowie die Stabsstelle Personal und Bildung Zentraler Bereich / Dienstleistungszentren müssen insgesamt von derzeit 5,75 auf 3,1 VK reduziert werden. Darin nicht enthalten ist die Funktion der Personalentwicklung für die Entsendungsverhältnisse. Der Abbau dient der finanziellen Konsolidierung der Stiftungen Sarepta und Nazareth. Dieser Personalabbau erfordert eine Neuorganisation der Arbeitsprozesse im Personalwesen. Er erfordert auch eine neue Ordnung der Zuständigkeiten und Aufgabenverteilung zwischen Mitarbeitenden der Stabsstelle Personal & Bildung, den Führungskräften in den Einrichtungen und Diensten sowie bei unseren Vertragspartnern der Entsendungsverhältnisse. Aus unserer Sicht können diese Abbauvorgaben nur umgesetzt werden, wenn die Arbeitsprozesse durch elektronische Unterstützung einerseits und Neuordnung der Aufgabenverteilung zwischen Stabsstelle Personal und Bildung und Führungskräften andererseits entsprechend ausgestaltet werden. ‐ Seite 6 von 37‐ 


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In beiden Themenbereichen haben wir im Berichtszeitraum intensiv gearbeitet. Im Verbund der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel wollen wir die Arbeitsprozesse im Personalwesen verbessern. Dies soll vor allem durch folgende Maßnahmen geschehen: Einführung einer elektronischen Personalakte Einführung eines gemeinsamen Bewerbermanagements in Bethel Elektronische Unterstützung von Personalprozessen sowie die Verbesserung der Unterstützung für die Führungskräfte vor Ort. Für die Verbesserung der Zusammenarbeit im Personalwesen zwischen Stabsstelle Personal & Bildung und den Führungskräften liegen Konzeptvorschläge vor. Diese werden nun in gemeinsamer Diskussion weiterentwickelt und zur Umsetzung gebracht. Ziele hierbei sind die:  Anpassung der Formen für Mitarbeitendengespräche auf die Arbeitsbedingungen unserer Einsatzfelder,  Überprüfung und Weiterentwicklung der Rollen und Kompetenzen zwischen Personalreferent/innen und Führungskräften (Einrichtungsleitungen, Pflegedienstleitungen sowie Hauswirtschaftsleitungen).    

Die oben beschriebenen Entwicklungen betreffen auch unsere Entsendungsverhältnisse von Diakonissen, Diakonischen Schwestern, Diakoninnen und Diakonen in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Auch deshalb arbeiten wir intensiv in den entsprechenden Projekten mit. Im Sommer wurde dann in einem Auswahlverfahren mit verschiedenen Anbietern für entsprechende Software eine Auswahl geeigneter Anbieter getroffen. Zum Abschluss bestand eine große Übereinstimmung mit einem Anbieter zusammen zu arbeiten. Gegenwärtig finden die abschließenden Verhandlungen mit diesem Anbieter statt. Parallel dazu werden die Anforderungen und Detailfragen für die Umsetzung der angedachten Projekte vorbereitet. Außerdem finden gegenwärtig die entsprechenden Mitbestimmungsverfahren mit Mitarbeitervertretungen, so auch dem Mitarbeitervertretungsausschuss Sarepta/Nazareth zur Einführung neuer Arbeitsformen in der Personalarbeit statt. Die Prozesse sind mittlerweile so weit, dass wir von einer Umsetzungsphase zwischen Januar und Oktober 2011 ausgehen können. Auch in dem Zeitraum werden besondere Anforderungen an uns gestellt. Trotzdem wollen wir uns sehr aktiv daran beteiligen, denn im Interesse der Mitarbeitenden, unserer Arbeitsabläufe und den Entsendungsverhältnissen erscheint es uns wichtig, hier ein besonderes Augenmerk auf die Form der Zusammenarbeit und Abgrenzungen zu setzen. Auch wenn der Einsatz elektronischer Prozesse im Personalwesen in Einzelsituationen noch etwas Befremden auslöst, so halten wir diesen nächsten Entwick‐ Seite 7 von 37‐ 


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lungsschritt für dringend notwendig. Er bietet die Chance folgende Ziele zu erreichen:  Qualitätsverbesserung für die Personalprozesse und Erleichterung für Führungskräfte  Reduktion des administrativen Aufwandes und Konzentration auf die Aufgaben von Personalentwicklung und Personalgewinnung  Kostensenkung für die Verwaltungsprozesse im Personalwesen Als Direktion danken wir allen Mitarbeitenden aus unseren Bereichen, die sich an dieser – oftmals mühevollen – Arbeit, engagiert beteiligt haben. Schwester Christiane Stelter und Herr Andreas Langer haben in den verschiedenen Arbeitsgruppen mitgewirkt und mussten parallel dazu die Prozesse zur Umsetzung des Personalabbaus aus dem Projekt „Spielräume zurückgewinnen – Zukunft sichern“ im Team Personalwirtschaft und einer Vielzahl einzelner Personalfragen bearbeiten. Ausbau der Vermittlungstätigkeit für Entsendungsverhältnisse Die Personalarbeit in den Entsendungsverhältnissen war in den vergangenen Jahren von einem fast komplett funktionsunfähigen Arbeitsmarkt geprägt. Fast alle Träger in Diakonie, Kirche sowie dem Gesundheitswesen mussten Personal abbauen und haben vorrangig freiwerdende Stellen durch vorhandenes eigenes Personal besetzt. Dadurch war es für die Referentinnen in der Stabsstelle Personal & Bildung besonders schwierig, in neue Stellen zu vermitteln. Im zurückliegenden Zeitraum haben wir neue Wege für die Vermittlung im Entsendungsverhältnis ausgelotet. Wir führen beispielsweise offensive Bewerbungen für Mitarbeitende mit Entwicklungswünschen und gezielte Absprachen mit Unternehmensberatungen, die Fach- und Führungspositionen in Diakonie und Kirche vermitteln. Ziel hierbei ist es, Diakonissen, Diakonische Schwestern, Diakoninnen und Diakone für Fach- und Führungspositionen zu vermitteln, die in bestimmten Arbeitsfeldern und bei bestimmten Trägern tätig sein wollen und die notwendigen Qualifikationen und Erfahrungen anbieten können. Die Recherche von frei werdenden Stellen läuft immer stärker über das Internet. Hierbei bemühen wir uns, auch Systeme regionaler Recherchen intensiver aufzubauen, damit wir Anfragen von Mitgliedern der Gemeinschaften nach regionaler Neuorientierung besser beantworten können. Trotz dieser Schwierigkeiten ist es immer wieder gelungen, neue Entsendungsverhältnisse abzuschließen. Erfreulicherweise erleben wir bereits jetzt, wie sich die Rahmenbedingungen verändern und der Arbeitsmarkt in den Arbeitsfeldern Pflege, Jugendhilfe sowie Elementar- und Schulpädagogik für gute Perspektiven sorgt. Wir gehen davon aus, dass die verbesserte Nachfrage in naher Zukunft insbesondere für die nachwachsende Generation bessere Einstiegsbedingungen nach Abschluss der Ausbildung bietet, als dies in den letzten Jahren der Fall war. ‐ Seite 8 von 37‐ 


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Gegenwärtig führen wir Gespräche mit uns verbundenen und neuen Trägern im Hinblick auf mittel- und langfristige Kooperationen zu Entsendungsverhältnissen für Diakonissen, Diakonische Schwestern, Diakoninnen und Diakone. Vielen Trägern wird deutlich, dass es eine wichtige Aufgabe und Schwierigkeit zugleich ist, gut qualifizierte Mitarbeitende mit einer theologisch-diakonischen Bildung und Prägung zu gewinnen. Darin werden sich für unsere Personalarbeit neue Chancen entwickeln lassen. Fortsetzung des Aufbaus von Maßnahmen zur Personalentwicklung Im Berichtszeitraum haben wir die Arbeit mit den Standortbestimmungsseminaren, Perspektivgesprächen und Potentialanalysen zum Dienstantritt oder bei Wechselwünschen fortgesetzt. Außerdem wurde Mitgliedern die Leitungsaufgaben übernehmen wollen, auch weiterhin die Teilnahme an entsprechenden Assesmentseminaren ermöglicht. An Standortbestimmungsseminaren haben erstmals in diesem Jahr Mitglieder anderer Gemeinschaften der Verbände im Diakonat (ViD) und aus der Ev. Kirche von Westfalen teilgenommen. Weitere Maßnahmen zum Aufbau der Personalentwicklung haben unsere Kapazitäten in diesem Jahr nicht zugelassen. Mit dem Vertretungsausschuss der Schwestern und Brüder im Entsendungsverhältnis haben wir das Gespräch hierzu aufgenommen und vereinbart, im Jahr 2011 diese Frage zu vertiefen.

Bildungsarbeit Fortsetzung der Neuausrichtung theologisch-diakonischer Angebote Für die Fortbildung zur Diakonisse wurde ein neuer Prospekt aufgelegt und erste Bausteine zur Überarbeitung des Curriculums entwickelt. In Bezug zur Beschreibung der verschiedenen „Bildungswege im Diakonat“ aus den Verbänden im Diakonat (ViD) wollen wir das Curriculum realistisch weiterentwickeln. Dabei soll der Bezug zur Schwesternschaft Sarepta deutlich bleiben, auch wenn wir offen sind, Schwestern aus anderen Mutterhäusern in die Kurse aufzunehmen. Erfreulicherweise liegt hierzu auch aktuell eine Interessenmeldung eines Mutterhauses vor, die gern mehrere Schwestern in einen Kurs entsenden würden. Sollte die möglich sein, werden wir prüfen wie wir ggf. vorfristig mit einem nächsten Kurs starten können. Neben dieser Aufgabe haben wir angesichts der Umstellungen, die die Ev. Bildungsstätte für Diakonie und Gemeinde im Berichtszeitraum unter hohem Zeitdruck bei geringer Personaldecke zu bewältigen hatte, die Kräfte auf wesentliche Fragen konzentriert: ‐ Seite 9 von 37‐ 


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 Beteiligung am Aufbau des Studiengangs „Diakonie im Gemeinwesen – Soziale Arbeit und Diakonik“ an der FH der Diakonie.  Aufbau eines Mentoringprogramms zur Begleitung der Studierenden der FH der Diakonie.  Klärung einer Übergangsregelung für die Absolventen/Absolventinnen der bisherigen Ausbildungsform.  Ideensammlung für die Weiterentwicklung.  Durchführung der Angebote für die laufenden Kurse und Seminare. Die Ideensammlung für die konzeptionelle Weiterentwicklung umfasst eine ganze Palette an Prüf- und Entwicklungsaufträgen. Daraus hier einige zur Veranschaulichung:  Entwicklung einer neuen Weiterbildung Diakon/Diakon für Menschen, die eine dem Diakonengesetz (DiakG) entsprechende Fachausbildung bereits absolviert haben.  Ausbau der Fortbildung zur Diakonisse in Kooperation mit anderen Mutterhäusern des Kaiserswerther Verbandes.  Entwicklung eines Kurses mit dem Abschluss Diakonikum für Mitarbeitende aus Diakonie und Kirche.  Prüfung der Nachfrage und Umsetzbarkeit einer Ausbildung Diakon/Diakonin mit Pflegeschwerpunkt.  Thematische Tagesseminare mit theol.-diak. Inhalten.  Integration von Inhalten des Basiskurses Diakonie in die Altenpflegeausbildung.  Aufbau eines Basiskurses Diakonie für Führungskräfte.  Einführungsangebote für Teams in bestimmten diakonischen Arbeitsfeldern zu den Werten und Kernthemen bezogen auf das jeweilige Arbeitsfeld. Ausbau unserer Ausbildungsangebote als Maßnahme gegen den kommenden Personalmangel für die Pflege älterer und behinderter Menschen Durch ausgeweitete Anstrengungen in der Akquise für die Kurse des Fachseminares für Altenpflege sowie die Beteiligung am „Aktionsplan Altenpflege“ konnten wir die Zahl der Auszubildenden erfreulich steigern. Außerdem kooperieren wir zum Aufbau einer niedrigschwelligen Bildung für junge Menschen, die sich mit dem Ziel „Alltagsbegleiter/in für Senioren/innen“ qualifizieren. Im Rahmen der neuen Regelung des Pflegeversicherungsgesetzes zur Betreuung von Menschen mit Demenzerkrankung haben wir eine entsprechende Qualifizierung für Betreuungskräfte entwickelt und konnten die verbesserten Bedingungen für die Menschen in unseren Einrichtungen schnellstmöglich zur Verfügung stellen. ‐ Seite 10 von 37‐ 


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Für einen möglichen Beginn im Jahr 2011 wollen wir prüfen, ob eine Ausbildung zur Diakonin/zum Diakon mit Pflegeschwerpunkt ausreichend Nachfrage finden würde. Wir sehen hierin eine sinnvolle Ergänzung zum Studium „Diakonie im Gemeinwesen“ an der FH der Diakonie. In einer Arbeitsgruppe zum Personalmarketing für das Arbeitsfeld der Altenhilfe in den vBS Bethel haben wir mitgearbeitet. In dieser Arbeitsgruppe wurde die Analyse der Personalbedarfe und Ausbildungskapazitäten deutlich, dass der Fortbestand und Ausbau der Altenpflegeausbildung sehr sinnvoll ist. Besonders dankbar sind wir dem Vorstand der vBS Bethel, der uns darin unterstützt 10 zusätzliche Ausbildungsplätze einzurichten und im Rahmen des Aktionsplanes Altenpflege der Landesregierung NRW einen Kurs in Vollzeit seit dem 1.10.2010 durchzuführen.

Theologie/Diakonie Entwicklung eines Vorschlags für eine Einsegnungsagende für Diakonissen Die Ev. Kirchen der Union (UEK) und die lutherischen Landeskirchen (VELKD) haben einen gemeinsamen Entwurf für die Agenden zu Ordination, Einführung, Verabschiedung von Amtsträger/innen in den Kirchen entwickelt. In diesem Entwurf fehlt eine Agende zur Einsegnung als Diakonisse. Mit der Ev. Kirche von Westfalen sind wir uns einig, dass der Versuch unternommen wird, eine solche Agende aufnehmen zu lassen. Im Kontext der Ummelner Konferenz (Beratungsorgan der Westfälisch-Lippischen Mutterhäuser mit ihren jeweiligen Landeskirchen und Diakonischen Werken) haben wir diese Frage mit der Ev. Kirche von Westfalen und dem Diakonischen Werk Westfalen diskutiert. Sollte ein eigenes Formular keine Akzeptanz finden, dann soll im bestehenden Entwurf eine zweite Variante zur Agende der Einsegnung von Diakoninnen und Diakonen aufgenommen werden. Diese sollte folgende Aspekte aufnehmen:  Spiritualität als geistliche Kraftquelle ist wesentliches Identitätsmerkmal.  Die Aufnahme in die Gemeinschaft ist unverzichtbar und Bestandteil des kollektiven Auftrages der Schwesternschaften.  Intendiert ist eine lebenslange Bindung, kein befristetes Dienstverhältnis.  Frauen aus unterschiedlichsten Berufsgruppen arbeiten im Haupt-, Neben- und Ehrenamt in Kirche und Diakonie und engagieren sich verantwortlich für das diakonische Profil von Gemeinde.  Gegenwärtig liegt der Agendenentwurf in den Landeskirchen zum Stellungnahmeverfahren vor.

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Fortführung der positiv angelaufenen Reihe „Pulsschlag“ und Ausbau von theologisch-diakonischen Angeboten für Mitarbeiter der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel Die Reihe wurde auch im Berichtszeitraum bei guter Teilnahme weiter durchgeführt. Sie zeigt deutlich das Interesse von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an theologisch-diakonischen Themen. Wir wollen diese Reihe auch in Zukunft fortführen und ähnliche Angebote ergänzend kreieren.

Ökonomie und Organisation Weiterentwicklung unserer Service-Organisation zur Anpassung unserer Kosten an die Möglichkeiten der Refinanzierung Wie bereits im Zusammenhang zum Aufbau des Seniorenzentrums in Dissen erwähnt, wollen wir eine Servicegesellschaft als Mehrheitsgesellschafter gründen, die helfen soll, die Refinanzierungslücke zwischen Personalaufwand und Personalkostenerstattungen über die Pflegesätze zu schließen. Dabei wollen wir den Umsatzsteuervorteil einer Gesellschaft in der Organschaft der Stiftung Sarepta nutzen und andererseits in der Partnerschaft zu einem Dienstleister aus dem Bereich Service und Versorgung dessen inhaltliche Unterstützung für qualifizierte Dienstleistungen gewinnen. Neben der Neugründung dieser Servicegesellschaft werden alle Bereiche in Hauswirtschaft, Service und Technik unter einer Leitung in der Stiftung Sarepta geführt. Hierdurch entstehen uns bessere Möglichkeiten die eigenen Dienstleistungen entsprechend der Anforderungen in den Entwicklungen unseres gesamten Bereiches, zu gestalten. Alle Neueinstellungen im Bereich Hauswirtschaft, Service und Technik sollen in Zukunft in der neu zu gründenden Servicegesellschaft stattfinden. Schrittweise werden dann einzelne Bereiche je nach Reduktion des bestehenden Personals an die Servicegesellschaft abgegeben. Zugleich werden wir bisher extern vergebene Aufträge in die eigene Servicegesellschaft zurückholen. In enger Abstimmung mit dem Vorstand haben wir uns gemeinsam für diesen Weg entschieden. Er bedeutet jedoch auch, dass wir unter den schwierigen Refinanzierungsbedingungen der Altenhilfe keine Ausgliederung unserer Mitarbeitenden vornehmen. Für das bestehende Personal wird ein eigener Organisationsbereich geschaffen. Gegenwärtig werden die Vorbereitungen zu dieser strukturellen Veränderung durchgeführt. Ab dem 1.1.2011 wird dann Frau Katharina Poggenklaß die Leitung des zusammengeführten Bereiches Hauswirtschaft, Service und Technik übernehmen. Wir freuen uns, dass wir mit ihr eine bei uns langjährig erfahrene und gut qualifizierte Mitarbeiterin für diese anspruchsvolle Aufgabe gewinnen konnten. ‐ Seite 12 von 37‐ 


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B. Weitere inhaltliche Entwicklungen in unseren Arbeitsund Handlungsfeldern 1. Aus-, Fort- und Weiterbildung Fachhochschule der Diakonie (FHdD) Das Projekt zum Aufbau eines Studiengangs „Diakonie im Gemeinwesen – Soziale Arbeit/Diakonik“ konnte erfolgreich mit der Akkreditierung des Studiengangs abgeschlossen werden. Mit dem Semesterbeginn im Oktober 2010 nehmen 38 Studierende damit erstmals einen grundständigen Studiengang an der Fachhochschule der Diakonie auf. Der neue Studiengang ermöglicht einerseits jungen Menschen ein grundlegendes Studium mit dem Bachelor-Abschluss und eine Doppelqualifikation als anerkannte Sozialarbeiterin/ Sozialarbeiter sowie Diakonin/Diakon. Zugleich stellt die Einführung dieses Studiengangs den Einstieg in eine neue Form der Kooperation zwischen der Fachhochschule der Diakonie, der Ev. Stiftung Wittekindshof und der Stiftung Nazareth dar. Studierende Nazareths und studierende des Wittekindshofes werden gemeinsam mit anderen Studierenden ihre Ausbildung zur Diakonin/zum Diakon in Form dieses Studiengangs an der Fachhochschule der Diakonie absolvieren. Zugleich haben sich der Wittekindshof und Nazareth verpflichtet, das im Studiengang vorgesehene MentoringProgramm für alle Studierenden der Fachhochschule der Diakonie durchzuführen. Dieses Programm soll in besonderer Weise dazu dienen, die Entwicklung der Berufsidentität Diakonin/Diakon zu fördern und das Wesen diakonischer Gemeinschaft zu vermitteln. Neben diesem neuen grundständigen Studiengang befinden sich weitere Studiengänge im Aufbau bzw. in der Planung. Ein berufsbegleitender Studiengang der Heilpädagogik soll bisherigen Absolventen von Ausbildungen zur Heilpädagogin/zum Heilpädagogen auf Fachschulebene ermöglichen, einen BachelorAbschluss zu erwerben. Außerdem akkreditiert die Fachhochschule der Diakonie Bachelor-Studiengänge im Bereich der Gesundheitswissenschaften und der psychiatrischen Pflege. Die Fachhochschule der Diakonie konnte einen Auftrag zur Qualifizierung von 100 Führungskräften in diakonischen Einrichtungen der Behindertenhilfe, die durch den Bundesverband Ev. Behindertenhilfe gefördert wird, annehmen. Dieses Programm ist eine gezielte Maßnahme zur Qualifizierung von Führungskräften mit diesem Arbeitsschwerpunkt und steht allen Einrichtungen der Diakonie auf Ebene der EKD offen. Nachdem einige Gesellschafter – vor allem aus dem süddeutschen Raum – ihre dauerhafte Mitarbeit an der Fachhochschule der Diakonie aufgekündigt haben, ‐ Seite 13 von 37‐ 


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ist es gelungen, neue Gesellschafter zu gewinnen bzw. die Ausweitung von Gesellschafteranteilen zu vereinbaren. So wird das Ev. Krankenhaus Bielefeld als Gesellschafter mit 10 % in die Fachhochschule der Diakonie eintreten. Außerdem hat die Ev. Stiftung Wittekindshof ihren Gesellschafteranteil ausgeweitet. Beide Mitgesellschafter werden in Zukunft personell auch im Aufsichtsrat mitwirken. Die Jahre 2009 und 2010 waren von mehreren Wechseln in Professuren an der Fachhochschule der Diakonie geprägt. Ausgeschieden sind: Prof. Dr. Jörg Eickhoff, Praktische Theologie (09/09) Prof. Dr. H.-Hermann Brandhorst (Renteneintritt zu 11/09) Prof. Dr. Anke Fesenfeld (Ruf an andere Hochschulen 02/10) Prof. Dr. Andrea Schmidt (Ev. Johannesstift Berlin 02/10) Neue Professuren haben übernommen oder übernehmen: Prof. Dr. Peter Weber; Professur für Kommunikation und Beratung (ab 07/09) Prof. Dr. Heiko Ulrich Zude; Professur für Ev. Theologie und Diakonik mit Schwerpunkt Biblische und systematische Theologie (ab 11/2009) Diakonin Prof. Dr. Doris Tacke; Professur für Pflegewissenschaft (ab 02/10) Dr. Frank Dieckbreder; Vertretungsprofessur für Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit (ab 09/2010) Zurzeit laufen die Besetzungsverfahren für die Professuren Diakonik, Psychiatrische Pflege und Heilpädagogik. Bildung & Beratung Bethel Im Frühjahr 2010 konnte der neue Kooperations-Studiengang „Pflegepädagogik“ mit der Fachhochschule Münster mit über 40 Teilnehmenden an den Start gehen. Damit wurde die Vorbereitungsphase für diesen Studiengang abgeschlossen. Die Nachfrage ist sehr erfreulich hoch und bereits jetzt lassen Nachfragen für einen nächsten Durchgang Überlegungen entstehen, diesen Einstiegstermin ggf. vorzuziehen. Insgesamt zeigt auch der Berichtszeitraum 2009/2010 eine hohe Nachfrage an den Angeboten von Bildung und Beratung Bethel. Diese hohe Nachfrage deuten wir in besonderer Weise als ein Ausweis der Qualität in der Planung, Durchführung und Auswertung von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen bzw. Prozessen zur Organisation- und Personalentwicklung durch die Mitarbeitenden von Bildung und Beratung Bethel. Eine steigende Nachfrage nehmen wir in den Bereichen der Qualifizierung für Pflegekräfte, im Bereich der Organisationsentwicklung sowie in hohem Interesse an Fortbildungen mit fachlichem Schwerpunkt sozialräumlicher Entwicklung und ‐ Seite 14 von 37‐ 


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neuer konzeptioneller Ansätze für die Arbeitsfelder Behindertenhilfe, Jugendhilfe, Suchthilfe und Altenhilfe wahr. Zum besonderen Profil von Bildung und Beratung Bethel gehört das Bildungsangebot für Menschen mit Behinderungen. Wir sind dankbar, dass auch im zurückliegenden Berichtszeitraum durch die finanzielle Unterstützung der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, sowie der Stiftungs- und Unternehmensbereiche Bethels dieses Programm durchgeführt werden konnte. Sowohl regional als auch überregional finden unsere Angebote ein breites Interesse – besonders freuen wir uns darüber, dass Bildungsangebote für Heim- und Werkstattbeiräte im direkten Dialog mit Politikerinnen und Politikern ihre Interessen in Gesetzgebungsverfahren (Wohn- und Teilhabegesetz NRW) einbringen konnten. Diese Arbeit findet mittlerweile auch in anderen Bundesländern Interesse. In einem Wettbewerb konnte der Zuschlag für ein Projekt „Sucht im Alter“ gewonnen werden. Wir freuen uns sehr darüber, dass hierdurch ein auf 3 Jahre angelegtes Projekt dieses Themengebiet auf besondere Weise untersucht und uns Möglichkeiten der Konzeptentwicklung für entsprechende Bildungsangebote ermöglicht. Der Gesamtverband Suchtkrankenhilfe (GVS) unterstützt dieses Projekt und wir führen es in enger Zusammenarbeit mit dem Gesamtverband durch. Die Angebote des Seelsorgeinstitutes Bethel unter dem Dach von Bildung und Beratung Bethel werden weiter erfreulich gut nachgefragt. Wir erleben, dass die in diesem Bereich geleistete Arbeit eine hohe fachliche Anerkennung findet und würden dieses Arbeitsfeld gern weiter fortführen. Absehbar ist allerdings, dass sich die Ev. Kirche in Deutschland EKD weiter aus der Finanzierung zurückziehen will. Deshalb prüfen wir gegenwärtig die Möglichkeiten der Fortsetzung des Projektes. Ev. Bildungsstätte für Diakonie und Gemeinde Der Basiskurs Diakonie ist für neue Mitglieder der Sarepta Schwesternschaft und der Diakonischen Gemeinschaft Nazareth ein verpflichtendes Element. Darüber hinaus nehmen immer wieder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an diesem Angebot als Einzelperson teil. Angesichts der für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oftmals eng gesetzten Rahmenbedingungen (Freistellung, dienstliche Anforderungen) wollen wir konzeptionell an der Ausgestaltung des Basiskurses Diakonie arbeiten und den Einstieg von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Diakonie und Kirche durch niedrigschwellige Einstiegsangebote erleichtern. Darüber hinaus wollen wir auch noch einmal gezielt die Kooperationsinteressen anderer Mutterhäuser und Diakonischer Gemeinschaften prüfen. Im Herbst 2009 konnten wir den Abschluss mit erfolgreichen Colloquien der Diakonissenfortbildung feiern. Ein besonderes Erlebnis war ein kabarettistischer Rückblick des Kurses auf die 3 Jahre im Haus der Stille. Im direkten Anschluss konnte der 4. Durchgang der Fortbildung zur Diakonisse mit 14 Teilnehmerin‐ Seite 15 von 37‐ 


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nen begonnen werden. Vor dem Hintergrund der bisher erfreulichen Nachfrage und aktueller Anfrage zur Kooperation aus einem anderen Mutterhaus wollen wir prüfen, ob wir auch vorzeitig einen neuen 5. Kurs starten können. Zugleich wird die Weiterentwicklung des Curriculums eine Schwerpunktaufgabe im Jahr 2011 sein. Mit dem Schwesternrat der Sarepta Schwesternschaft wurde vereinbart, dazu im Februar 2011 einen Bildungsworkshop durchzuführen. Ein wesentlicher Arbeitsschwerpunkt in der Arbeit der Ev. Bildungsstätte für Diakonie und Gemeinde des Berichtszeitraums war die Umstellung in der Ausbildung für Diakoninnen und Diakone. Der neue Studiengang Diakonie im Gemeinwesen an der Fachhochschule der Diakonie löst die bisherige grundständige Ausbildungsform (Grundseminar, Fachausbildung, Oberseminar) ab. Zugleich hat die Ev. Bildungsstätte sicherzustellen, dass alle Studierenden, die im alten Ausbildungsmodell begonnen haben, ihre Ausbildung auch beenden können. Hierfür wurde ein gesondertes Modell für die Durchführung eines Oberseminars sowie eine Kooperationsvereinbarung mit der Fachhochschule der Diakonie für die studienbegleitenden Angebote während der Fachausbildung entwickelt. Erfreulich ist, dass der neue Studiengang großen Anklang findet und somit für die Ev. Bildungsstätte der Auftrag in der Durchführung des Mentoringprogramms umfangreicher ausfällt als zunächst erwartet. Auch freuen wir uns darüber, dass die Nachfrage nach gemeinsamem Leben in der Ausbildungszeit im Haus Nazareth hoch ist, obwohl es keine Verpflichtung dazu gibt. Aus dem neuen Studiengang leben 16 Studierende im Haus Nazareth und werden durch die Diakonische Gemeinschaft Nazareth begleitet. Die im Jahr 2009 beschlossene organisatorische Zusammenführung von der Ev. Bildungsstätte für Diakonie und Gemeinde und dem Fachseminar für Altenpflege wurde weiter entwickelt. Die Schwerpunkte der Zusammenführung liegen im Bereich Leitung und Sekretariat. Hier mussten und müssen neben den Abläufen auch die aus dem Projekt „Spielräume zurückgewinnen – Zukunft sichern“ vorgegebenen Abbaupotentiale für die Mitarbeitenden umgesetzt werden. Damit durch die relativ kleinen Teams von Bildungsstätte und Fachseminar die Anforderungen qualifiziert ausgeführt werden können, entwickeln wir eine Reihe von Entlastungen im Bereich Verwaltung, Organisation und Logistik. Die Dozentinnen und Dozenten sollen ihre Kapazitäten auf die inhaltliche Durchführung und Weiterentwicklung der Angebote konzentrieren können. Dozentinnen und Dozenten sowie das Sekretariat für beide Bereiche werden im Haus Nazareth ihren Ort finden. Die Unterrichtstätigkeiten werden in den gemeinsam organisierten und bewirtschafteten Bildungs- und Seminarräumen in der Bethel-Mitte durchgeführt werden. Dabei werden die Angebote der Ev. Bildungsstätte mit Schwerpunkt im Mutterhaus/Haus der Stille sowie dem Haus Nazareth durchgeführt – die Angebote des Fachseminars für Altenpflege im Lydiaheim und im Haus Nazareth. Das Gebäude des Lydiaheims wird für die praktische Altenpflegeausbildung qualifiziert und auf einen entsprechenden Stand ‐ Seite 16 von 37‐ 


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gebracht. Insbesondere hoffen wir, durch die Unterstützung von Anbietern besonders im Bereich der technischen Neuerungen in der Altenpflege hier praktisch ausbilden zu können. Fachseminar für Altenpflege Nach dem Ausscheiden von Diakonin Dorothea Ebert aus der Leitung des Fachseminars im Herbst 2009 haben wir uns bemüht, eine neue Leitung für die Angebote des Fachseminars zu finden. Wir sind dankbar, dass Frau Dorothea Meudt in einer Vakanz die Leitungsaufgabe wahrgenommen hat und freuen uns, dass mit Frau Beate Aufderstroth in der Leitung und Frau Petra Knirsch im Team neue Kräfte den Aufbau und die Neuausrichtung ermöglichen. Im Frühjahr 2010 konnte das Fachseminar für Altenpflege erfolgreich die Rezertifizierung bestehen und damit eine wichtige Grundlage zur Annahme von Bildungsgutscheinen durch die Bundesagentur für Arbeit und entsprechende Fördermittel belegen. Wie schon erwähnt, hat die Landesregierung von NRW im April 2010 ein Programm „Aktionsplan Altenpflege NRW“ aufgelegt. Dieser Aktionsplan soll 1.000 zusätzliche Ausbildungsplätze im Bereich der Altenpflege schaffen. Hintergrund ist auch hier der schon jetzt vorhandene Personalmangel in der Altenpflege. Wir haben uns entschlossen, als Fachseminar den Versuch zu machen, an diesem Aktionsplan teilzunehmen. Unter schwierigen Bedingungen (Regelung durch das Land NRW völlig unklar, eigene Leitungssituation im Übergang, Finanzierung für Ausbildung und praktische Ausbildungsplätze unklar) konnte dennoch in sehr kurzer Zeit der Start eines Durchgangs in Vollzeitform zum 1.10.2010 erreicht werden. Wir freuen uns sehr, dass 21 Teilnehmende am 1. Oktober die Ausbildung begonnen haben. Besonders dankbar sind wir dafür, dass der Vorstand der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel 12 zusätzliche Ausbildungsplätze in unseren Einrichtungen über 3 Jahre finanziert. Neben der Gewinnung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigert diese Investition zeitgleich die Qualität der Arbeit in unseren Einrichtungen.

2. Personalarbeit Die Weiterentwicklung der Personalarbeit war im Berichtszeitraum ein besonders intensives Arbeitsgebiet (siehe dazu auch unter S. 8-10). Daneben steigt der tägliche Aufwand in der Personalarbeit des Arbeitsfeldes Altenhilfe durch eine weiter steigende Fluktuation, viele Verfahren des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) nach Langzeiterkrankungen, eine aufwändige Personalsuche für Führungs- und Fachkräfte u. a. m. Um die Personalarbeit unter den engeren personellen Bedingungen gut gestalten zu können, werden gegenwärtig die Abläufe überarbeitet. Die Referentinnen und Referenten sowie Assistentinnen sind im September 2010 in einen ‐ Seite 17 von 37‐ 


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räumlich sinnvollen Zusammenhang gezogen. Die weitere Abstimmung der Arbeitsprozesse miteinander wird zurzeit aufgebaut. Mit der Veröffentlichung der Forschungsarbeit im Auftrag der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel zur Fürsorgeerziehung der 50er, 60er und 70er Jahre in Freistatt unter dem Titel „Endstation Freistatt“ fand die Auseinandersetzung mit diesem Teil unserer Geschichte seine Fortsetzung. In Veranstaltungen boten sich für Mitglieder der Diakonischen Gemeinschaft Nazareth und Interessierte Möglichkeiten des Gespräches und der Bearbeitung. In Gesprächen mit Menschen, die als Kinder oder Jugendliche in Einrichtungen der Jugendhilfe schwere Erfahrungen machen mussten sowie in vielen Gesprächen mit Mitgliedern Nazareths und Schwestern Sareptas hat sich unser Bild erweitert. Wir begegnen darin Berichten über das als Scheitern empfundene von gut gemeinten Ansätzen und dem tiefen Wunsch helfen zu wollen. Wir erleben darin Berichte in der Erinnerung von überforderten Schwestern und Brüder (oftmals zu Beginn der Ausbildungen in Sarepta und Nazareth) unter schwierigen personellen und strukturellen Bedingungen. Wir begegnen auch den Hinweisen auf positive Bewertungen der Arbeit von Menschen mit Erfahrungen in Heimen - auch aus heutiger Sicht durch sie selbst. Die Aufarbeitung der Erfahrungen von Menschen in Heimen der 50er und 60er Jahre wurde in diesem Jahr von der öffentlichen Debatte und Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt geprägt, befördert und auch behindert. Es gibt in diesen Themenkomplexen leider Schnittmengen, denn auch in Einrichtungen der Jugendhilfe hat es Missbrauch und sexualisierte Gewalt gegeben. Zugleich reduzierte sich in der Öffentlichkeit der Fokus sehr auf diesen Aspekt. Das Verhalten von Diakonen und Diakonissen wurde ebenfalls im Blick auf sexualisierte Gewalt und Missbrauch befragt und unter Vorhalte gestellt. Wir haben jeden Hinweis aufgearbeitet und uns entschlossen, unabhängig von konkreten Hinweisen die Aktenlage der damaligen Zeit durchzuarbeiten. In allem zeigt sich für uns heute folgendes Bild; Wir können drei Fälle erkennen, in denen Diakone sexualisierte Gewalt ausgeübt oder dessen Aufklärung nicht offensiv betrieben haben. In diesen Fällen ist der Umgang mit den Vorfällen nicht als ausreichend zu bezeichnen. Daneben haben wir neun Fälle wahrgenommen, in denen entsprechende Vorfälle auch in den 50er und 60er Jahren in angemessener Weise bearbeitet worden sind (z.B. durch Kündigung, Anzeige und Strafverfahren). Die Einzelfälle sind alle für sich betrachtet äußerst bedauerlich und schrecklich für die betroffenen Menschen. Zugleich wird deutlich, dass Nazareth keine Grundhaltung hatte Vorfälle der sexualisierten Gewalt oder des Missbrauchs zu decken oder zu dulden.

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Der „Runde Tisch Heimerziehung“ (RTH) des Deutschen Bundestages hat seine Arbeit in diesem Jahr fortgesetzt. Schwerpunkte der Arbeit des runden Tisches waren:  Folgen und mögliche Hilfen für betroffene Menschen  Rechtliche Fragestellungen  Ansätze für eine Anerkennung des erfahrenen Leides Im Januar 2010 legte der RTH einen Zwischenbericht vor, in dem die Rolle kirchlicher Heime und Träger (auch die Arbeit in Freistatt) eine besondere Aufmerksamkeit erfahren haben. In diesen Diskussionen bestätigen sich die Erkenntnisse der Forschungsstudie Bethels.

3. Pädagogik Alice-Salomon-Haus Die Arbeit mit minderjährigen werdenden Müttern bzw. ihnen und ihren neugeborenen Kindern bildet den Schwerpunkt in der Arbeit des Alice-SalomonHauses. Aufgrund der oftmals belasteten Lebensläufe der jungen Frauen steigen die fachlichen Anforderungen von Jahr zu Jahr weiter und die psychiatrischen Fragestellungen nehmen zu. So mussten auch in diesem Jahr wieder Kinder in Pflegefamilien untergebracht werden und es war der tragische Suizid einer jungen Mutter zu beklagen. Das Betreuungsteam wird supervisorisch begleitet und baute seine Fachkompetenz für diese Arbeit weiter aus Wir freuen uns sehr, dass die Mitarbeiterinnen des Hauses in ihrem großen Engagement weiterhin durch eine Vielzahl von ehrenamtlich tätigen Schwestern Sareptas unterstützt werden. Das Arbeitsfeld der Jugendhilfe wird in den vBS Bethel zum 1.1.2011 neu strukturiert. In der Vorbereitung wurde die Zuordnung des Alice-Salomon-Hauses noch einmal geprüft. Da es auf Grund des ehrenamtlichen Engagements von Sarepta-Schwestern in der alltäglichen Arbeit des Hauses eine Vielzahl von Bezügen zur Sarepta-Schwesternschaft gibt, wird das Alice-Salomon Haus weiter in der Stiftung Sarepta geführt. Die Sarepta Schwesternschaft will diese Bezüge noch weiter ausbauen.

4. Stiftungsbereich Altenhilfe Allgemeine Entwicklung Aufnahmen in die Einrichtungen der Altenhilfe Bethel Wie auch im Jahr zuvor, können wir von einer guten Belegung in unseren Altenhilfeeinrichtungen berichten. Durch die Darstellung der Aufnahme in eines unserer Pflegeheime, soll hier das Prozedere von der ersten telefonischen Anfrage bis zum Abschluss eines Heimvertrages umrissen werden. Die Kolleginnen ‐ Seite 19 von 37‐ 


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von Aufnahme und Beratung verschaffen sich telefonisch einen ersten Eindruck vom Hilfebedarf der aufzunehmenden Person und von den Wünschen nach einer gewählten Einrichtung. Da der Stiftungsbereich über zehn verschiedene Einrichtungen verfügt, kann in den meisten Fällen ein Angebot unterbreitet werden. Bei großer Eile besteht die Möglichkeit, zunächst in eine andere Einrichtung zu ziehen, bis ein Platz in der gewünschten frei wird. Die meisten Anfragen müssen zügig bearbeitet werden, weil Menschen z. B. nach einem Sturz ins Krankenhaus gekommen sind und nun (vorerst) nicht mehr allein in ihrem zu Hause leben können. Eine große Bedeutung in dem Prozess der Heimaufnahme hat eine persönliche Begegnung mit der aufzunehmenden Person, der Besuch in deren zu Hause, im Krankenhaus, in der Reha-Einrichtung. Bei diesem Gespräch können Ängste abgebaut und wichtige Fragen geklärt werden. Die Erfahrung zeigt, dass weder Berichte von Angehörigen noch medizinisch-pflegerische Angabe des Personals so aussagekräftig sind, wie das persönliche Gespräch. Gut informiert über die aufnehmende Einrichtung entsteht meist Offenheit und eine Zustimmung zur Heimaufnahme. Wenn auch ein hoher Aufwand zu verzeichnen ist, vermittelt das Angebot einer zunächst befristeten Aufnahme zur Kurzzeitpflege meist das Gefühl der Wahlfreiheit und Selbstbestimmung. Aber auch, wenn der geistige Zustand die objektive Einschätzung der Notwendigkeit einer Heimaufnahme nicht möglich macht, ist die persönliche Begegnung und Einschätzung der Situation sehr wichtig, kann ein eigener Eindruck zur Verfassung und zum Hilfebedarf erlangt werden. Nach Möglichkeit werden bei diesem Besuch Fragen zur Lebensgeschichte, zu liebgewonnenen Gewohnheiten, Vorzüge beim Essen und Trinken, Freizeitbeschäftigungen und Musik- oder Fernsehwünschen beantwortet. Im Vorfeld soll so viel wie möglich, aber nur das, was gewünscht, von der aufzunehmenden Person in Erfahrung gebracht werden, um ihr eine sehr persönliche Aufnahme in der Pflegeeinrichtung zu ermöglichen. Alle Angaben zum Hilfebedarf, medizinischer Versorgung und persönlichen Belangen werden in einem Bericht zusammengefasst und der Geschäftsführung vorgelegt. Jede Aufnahme wird individuell geprüft und genehmigt. Für die Aufnahme sind diverse formelle Fragen zu klären, für die der Kontakt zu den Angehörigen bzw. gesetzlichen Vertretungen eine große Rolle spielt. In den meisten Fällen wären die alten Menschen hier überfordert. Ist eine Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung vorhanden? Muss eine Betreuung angeregt werden? Liegt bereits eine Pflegestufe vor? Muss ein Antrag auf Kostenübernahme bei der Stadt gestellt werden? Besteht Anspruch auf Pflegewohngeld? Diese und weitere Fragen müssen im Vorfeld beantwortet werden, um sich dann uneingeschränkt auf die individuellen Wünsche des alten Menschen konzentrieren zu können. Behördenangelegenheiten im Zusammenhang mit der Heimaufnahme sollen von der Pflegedienstleitung nur noch in geringem Umfang erledigt werden müssen. Für den Abschluss des Heimvertrages ‐ Seite 20 von 37‐ 


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wird in den meisten Fällen ein persönlicher Termin mit der bevollmächtigten Person oder der gesetzlichen Vertretung vereinbart. Unsere Erfahrung zeigt, dass es sich bewährt hat, die Aufnahmen zentral zu steuern und somit jedem Menschen, egal in welcher Einrichtung, eine persönliche und individuelle Pflege und Begleitung vom ersten Tage an, zu ermöglichen. „Bethel ambulant“ Unser neuer Dienst „Bethel ambulant“ hat nach nun 11/2 Jahren die Startphase hinter sich gelassen und sich mit gutem Erfolg nicht nur im ambulanten Arbeitsfeld Bielefelds etablieren können, sondern es gibt auch vielfältige Bezüge zum Arbeitsfeld Behindertenhilfe. Besonders hervorzuheben ist die zusätzliche Spezialisierung des Dienstes, die zum Erfolg und zur Erreichung der Zielvorgaben für 2010 beiträgt. So ist der Dienst inzwischen einer von drei von den Kostenträgern offiziell anerkannten Palliativdiensten, der eng mit dem Bielefelder Netzwerk zusammenarbeitet. Auch die Spezialisierung auf Kinder-Intensivpflege führte zu einer so großen Nachfrage, dass innerhalb des Dienstes ein eigener Arbeitsbereich hierfür gebildet wurde. Begleitung am Lebensende in den Einrichtungen der Altenhilfe Bethel Im letzten Jahresbericht wurde das Pilotprojekt zu Palliative Care im Pflegezentrum am Lohmannshof vorgestellt. Von Bedeutung waren der Kompetenzgewinn der Mitarbeitenden und die Offenheit für die Themen am Lebensende. Da dieses Projekt durch Spendengelder finanziert wurde, konnte nicht davon ausgegangen werden, dass alle Einrichtungen der Altenhilfe Bethel die Möglichkeit eines solch umfassenden Projektes erhalten. Mit Freude konnten wir aber eine Spende der Lukas-Hospizgruppe in Höhe von 7500,-€ entgegen nehmen. Mit diesem Geld können Fortbildungsmaßnahmen für Mitarbeitende im Boysenhaus finanziert werden. In dieser Einrichtung leben größtenteils Männer ohne Angehörige, die kaum soziale Kontakte besitzen und von Einsamkeit geprägt sind. Daher ist eine empathische Begleitung gerade dieser Personen von großer Bedeutung. 2010 werden dort zum einen eine Sozialarbeiterin und eine Pflegekraft an der Palliative-Care-Ausbildung bei Bildung und Beratung Bethel teilnehmen und zum anderen wird ein erfahrener Dozent drei Einheiten zu den Themen „Symptom und Schmerz“ fortbilden. Auch konnte, wie bereits im Pflegezentrum am Lohmannshof, die erfahrene Frau der Hospizarbeit, Schwester Adelheid Rieffel, zum Thema „Sprache der Sterbenden“ gewonnen werden. 2011 wird dann eine weitere Pflegekraft die Palliative-Care-Ausbildung machen können und drei Dozenten zu den Themen „Palliativnetz Bielefeld“, „Ethik“ und „Ehrenamt“ sprechen.

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Durch eine lebendige Kommunikation bei Dienstübergaben, Team-, Pflegeplanungs- oder Ethikgesprächen aller an der Begleitung von Sterbenden beteiligten können Ängste abgebaut und eine empathische, liebevolle und professionelle Begleitung ermöglicht werden. Dieses ist sowohl für die Bewohner/innen als auch für die Mitarbeitenden wünschenswert. Prüfverfahren in der Altenhilfe Im überwiegenden Teil der Einrichtungen des Stiftungsbereiches Altenhilfe haben inzwischen die in der medialen Öffentlichkeit sehr beachteten, in der Fachwelt und bei den Gerichten aber als sehr unzureichend und verzerrend bewerteten MDK-Prüfungen mit öffentlicher Benotung stattgefunden. Während wir Ende 2009 bei den ersten Prüfungen in der Vorbereitung und Begleitung noch nicht erfahren genug waren, wurden bei den letzten Prüfungen sehr gute Noten, besser als der Landesdurchschnitt, erzielt. Eine für Februar 2011 angekündigte Überarbeitung des Verfahrens wird zurzeit zwischen den Anbietern und Kostenträgern sehr kontrovers diskutiert. Verbesserung der Bedingungen im Arbeitsfeld Altenhilfe Der mit der Reform des Pflegeversicherungsgesetzes zunächst befristet eingeführte Einsatz von zusätzlichen Betreuungskräften in der Begleitung von Bewohnern und Bewohnerinnen mit Demenz, hat sich bewährt und stellt eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität dar, die aus dem Betreuungsalltag nicht mehr wegzudenken ist. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben alle die notwendige und vorgeschriebene Fortbildung erhalten und es ist sehr zu hoffen, dass der Gesetzgeber die Fortführung dieses Programms beschließen wird. Wir bringen den dringenden Verbesserungsbedarf der Bedingungen für das Arbeitsfeld der Altenhilfe in der verbandlichen Arbeit (U. Strüber wirkt im Vorstand des Fachverbandes mit), der kirchen- und diakoniepolitischen Arbeit sowie in Gespräche mit Politik und Gesellschaft ein. Wir hoffen sehr, dass beispielweise Kampagne wie die des Diakonischen Werkes der EKD unter dem Motto: „Weil wir es wert sind“ zu einer Verbesserung führen. v. Plettenberg Stift / Breipohlshof Anfang 2010 haben wir unsere strategischen Überlegungen zur Entwicklung des v. Plettenbergstiftes und unserer Angebote der Altenhilfe im Bielefelder Süden kommuniziert. Hiervon ist das v. Plettenberg-Stift in besonderer Weise betroffen. Im Jahr 1969 wurde in der Schillingshofsiedlung der erste Gebäudeteil des v. Plettenberg-Stifts gebaut und eröffnet. Bei der Eröffnung galt es als ein Altenwohnheim mit völlig neuem Konzept, weil es auf einen gesonderten Pflegebereich verzichtete. Erweiterungsbauten reagierten auf Veränderungsbedarf seither. Das Hauptgebäude des v. Plettenberg-Stifts ist mittlerweile zunehmend in einem baulichen und technischen Zustand, der den heutigen Erfordernissen ‐ Seite 22 von 37‐ 


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nicht in ausreichender Weise entspricht und so nicht auf Dauer bleiben kann. Nach 40-jähriger Nutzung ist ein deutlicher Modernisierungsbedarf im gebäudetechnischen und innenarchitektonischen Bereich entstanden (u. a. Rufanlagen, Aufzüge, Elektrik, …). Daneben sind durch gesetzliche Veränderungen auch umfangreiche Brandschutzauflagen zu erfüllen. Zur Verbesserung der Wohn- und Pflegesituation wären weitere umfassende bauliche Maßnahmen nötig und sinnvoll. Mit anderen Worten: eine Gesamtsanierung des Gebäudes wäre dringend erforderlich. Einrichtungsleitung und Direktion Sarepta/Nazareth haben sich deshalb im vergangenen Jahr eingehend mit möglichen Modernisierungsmaßnahmen beschäftigt. Die verschiedenen Modelle wurden ausführlich mit dem Vorstand der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, der Stadt Bielefeld und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe diskutiert. Letztendlich wurde dabei deutlich, dass alle möglichen Optionen zu unvertretbar hohem Aufwand führen würden, ohne dass es in dem Haus zu einer für die Bewohner und Bewohnerinnen deutlich gesteigerten Wohnqualität käme. Eine solche Modernisierung wäre mit der Verdoppelung des Investitionssatzes für die Bewohner und Bewohnerinnen verbunden und läge damit gleichauf mit dem Kostensatz eines Neubaus, ohne dessen Qualität erreichen zu können. Neben diesen wirtschaftlichen Aspekten wurde auch ein anderer Aspekt als sehr kritisch eingeschätzt: die Sanierungsmaßnahmen müssten im laufenden Betrieb stattfinden und es käme über ca. 2 Jahre zu erheblichen Belastungen für alle Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitende. Intensiv wurde geprüft, ob ein Neubau, Erweiterungsbau oder Anbau auf dem bisherigen Gelände eine Alternative sein könnte. Dabei sind wir auf mehrere Grenzen gestoßen: Auf die Begrenzungen aus den Vorgaben der vorhandenen Gebäude, den Vorgaben der Bebauungspläne, den Einschränkungen des Landschaftsschutzes und den eingeschränkten Möglichkeiten des Standortes vor allem für die Menschen, die nicht schon in Verbindung stehen mit Menschen aus der Schillingshofsiedlung, und das wird für einen großen Teil der Plätze gelten. Auch die Prüfung eines Ersatzneubaues dieser Größenordnung an einem anderen Standort in der Schillingshofsiedlung hat zu keinem positiven Ergebnis geführt. Aufgrund der genannten Aspekte und der Notwendigkeit, eine vertretbare Lösung für die nächsten 30 Jahre entwickeln zu müssen, haben Direktion Sarepta/Nazareth und Vorstand der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel beschlossen, das v. Plettenberg-Stift am jetzigen Standort durch eine neue Einrichtung, - die pflegefachlich und energetisch den heutigen Standards entspricht an anderer Stelle zu ersetzen. Der dafür ins Auge gefasste Standort liegt nicht weit entfernt. Mittlerweile haben wir das Grundstück im Baugelände Breipohls Hof in der Ortsmitte von Senne gekauft. Nach Abstimmung mit der Bezirksvertretung Sen‐ Seite 23 von 37‐ 


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ne, den Baubehörden und der Heimaufsicht wurde mittlerweile ein Bauantrag gestellt. In die Vorüberlegungen sind Anregungen von Bewohnerinnen und Bewohnern, Mitarbeitenden und Angehörigen des v. Plettenberg-Stifts eingegangen. Zugleich ist uns bewusst, dass die besondere Kultur in der Lukasgemeinde nicht in eine Einrichtung am Breipohls Hof zu übertragen ist. Dort wird unsere Aufgabe sein, eine neue Kultur im Gebiet um den Breipohls Hof zu entwickeln. Durch die positiven Erfahrungen in unseren neuen Einrichtungen in Dornberg und Quelle sind wir hier zuversichtlich, dass dies auch dort gelingen kann. Zugleich ist uns selbstverständlich, wichtig Elemente, die den Charakter des v. Plettenberg-Stifts heute ausmachen, dabei hoffentlich auch einzubringen. Beispielsweise stehen wir hierzu auch mit dem Heimbeirat im Gespräch, der schon konkrete Vorschläge gemacht hat. Diese Veränderung hat kritische und zugleich konstruktive Diskussionen ausgelöst. Ideen und Erwartungen aus der Schillingshofsieldung für die weitere Entwicklung wurden artikuliert und aufgenommen. Unter Federführung des Vorstandes arbeitet derzeit eine Arbeitsgruppe zur Entwicklung der Schillingshofsieldung an der Klärung dieser verschiedenen Ideen. In Kontakten mit der Stadt Bielefeld werden Ideen zur Strukturentwicklung geprüft. Als Direktion Sarepta/Nazareth prüfen wir, welche Altenhilfenagebote wir in der Schillingshofsieldung auch in Zukunft anbieten können. Dabei stehen momentan folgende Ideen im Mittelpunkt der Prüfungen:  Einrichtung einer Pflegeoase für Menschen mit Demenzerkrankung  Einrichtung einer Einrichtung für Kurzzeitpflege in Kombination mit ambulanten Angeboten Wir freuen uns, dass wir ebenfalls in einem offenen Gesprächsprozess mit der Diakonie Brackwede prüfen können, ob wir in Kooperation eine Angebotspalette zwischen den vorgenannten Modellen und dem Betreuten Wohnen anbieten können.

5. Häuser der Begegnung und Gemeinschaften Im Berichtszeitraum wurden die Ergebnisse des Projektes „Inhaltliche und wirtschaftliche Konsolidierung Mutterhaus / Haus der Stille“ weitgehend umgesetzt. Wesentliche Veränderungen hierbei sind:  Die hauswirtschaftlichen Funktionen wurden an einen Dienstleister vergeben.  Die Belegungsplanung wird vom Tagungszentrum Bethel aus in Zusammenarbeit mit der Hausleitung und der Gästeschwester wahrgenommen.  Die Neugestaltung der Präsenz im Empfang des Hauses der Stille.  Die Weiterentwicklung der Einkehrarbeit und Veränderung in den Aufgaben von Hausleitung und Gästeschwester. ‐ Seite 24 von 37‐ 


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Die Mitarbeiterinnen des Mutterhauses / Hauses der Stille haben das Projekt und die Umsetzung der Ergebnisse mit großem Engagement vorangebracht und getragen. Und dies auch, als für viele der Mitarbeiterinnen dieser Schritt mit einer Neuorientierung für sie selbst verbunden war. Für diese konstruktive und belastbare Form der Zusammenarbeit sind wir dankbar. Wir freuen uns über die mittlerweile entwickelten neuen Formen der Zusammenarbeit von Mutterhaus/Haus der Stille, Tagungszentrum Bethel und Bildung & Beratzung Bethel. Im Miteinander wurden die Arbeitsabläufe neu aufgeteilt. In diesem Prozess fanden alle Beteiligten eine gute Unterstützung durch die Abteilung Projekte Bethels und die Stabsstelle Hauswirtschaft der Stiftungen Sarepta und Nazareth.

6. Archive Sarepta-Nazareth Vorstand und Geschäftsführungen haben im Rahmen des Projektes "Spielräume zurückgewinnen - Zukunft sichern" eine Reihe von Reduktionen verabredet um die Belastung der Einrichtungen und Dienste zu reduzieren. Zu diesem Maßnahmenpaket gehört auch die Konzentration der bisher personell und organisatorisch getrennt geführten Archive in Sarepta, Nazareth und Bethel. Die Archive Sareptas und Nazareths werden mit in das neue Archivzentrum am Bethelplatz einziehen und zukünftig gemeinsam durch Frau Kerstin Stockhecke geführt. Ebenfalls in diesem Archivzentrum befindet sich das organisatorisch selbständige Archiv der EKvW unter der Leitung von Dr. Murken. Diese einmalige Zusammenführung verschiedener Archive soll auch den Prozess unterstützen Kirchen- und Diakoniegeschichte für wissenschaftliche Recherchen besser zugänglich zu machen. Zugleich wurde im genannten Projekt eine Reduktion von 0,5 VK für die Stiftungen Sarepta und Nazareth beschlossen. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass unter der Leitung von Frau Stockhecke die bisherige Arbeit auf dem hohen fachlichen Niveau weitergeführt werden kann, die die Schwester Gabriele Göckel und Bruder Reinhard Neumann mit ihrer Arbeit erreicht haben. Zurzeit bereiten beide den Umzug der Archivalien in das neue Gebäude vor. Dieser Umzug soll spätestens im Januar abgeschlossen sein. Zum Jahresende wird dort das neue gemeinsame Archiv der vBS Bethel und der EKvW am Bethelplatz in Betrieb genommen.

7. Gemeinschaften Die Sarepta Schwesternschaft und die Diakonische Gemeinschaft Nazareth waren im Berichtszeitraum von strukturellen und personellen Wechseln geprägt. In der Arbeit von Mission und Ökumene wollen die Gemeinschaften ihre Aktivitäten bündeln und verstärken. Gemeinsam mit der Stiftung Bethel werden sie auf der Basis ihrer langjährigen Erfahrungen und Kontakte die Beziehungen Be‐ Seite 25 von 37‐ 


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thels, Sareptas und Nazareths zu Partnerkirchen und Einrichtungen ausbauen und vertiefen. Ein gemeinsamer Ausschuss soll die verschiedenen Aktivitäten koordinieren. Sarepta Schwesternschaft Die Funktion der Schwesternschaftsleitung aus zwei leitenden Schwestern bestehend wurde auf eine leitende Schwester reduziert. Diakonische Schwester Sigrid Pfäfflin wechselte in das Amt der Oberin des Diakonissenmutterhauses Bremen und Diakonisse Anke Frickmann wurde zur alleinigen leitenden Schwester der Sarepta Schwesternschaft gewählt. Mit ihrer Amtseinführung am 22. Mai 2010 wurde zugleich der neu gewählte Schwesternrat eingeführt. Er hat im Mai seine Arbeit aufgenommen und in der Neukonstitution Schwester Anke Frickmann zur Vorsitzenden und Schwester Ute Strothmann zur stellv. Vorsitzenden des Schwesternrates gewählt. Die Arbeit des Mutterhauses / Hauses der Stille erfreut sich am steigenden Interesse der Öffentlichkeit. Mit dazu beigetragen haben die Salonabende. Ein besonderer Salonabend zur aktuellen Frage der Integrationsfähigkeit unserer Gesellschaft konnte Prof. Dr. Rita Süssmuth als Referentin gewinnen. Im April 2010 wurden 6 Frauen neu in die Sarepta Schwesternschaft aufgenommen und 12 Sarepta Schwestern zur Diakonisse eingesegnet. Diakonische Gemeinschaft Nazareth In der Diakonischen Gemeinschaft Nazareth trat Diakon Friedrich-Wilhelm Meine zum 1.10.2010 das Amt des Ältesten an. Diakonin Uta Braune-Krah ist als Referentin der Gemeinschaft und Diakonin Karin Steinbrück in der Begleitung der Studierendenschaft im Haus Nazareth eingestiegen. Im September 2010 wurde die Ordnung der Diakonischen Gemeinschaft Nazareth überarbeitet und neu beschlossen. Sie bildet die Basis für die inhaltliche Arbeit der Gemeinschaft. Das Projekt Aldas wurde im Berichtszeitraum auf mehr ehrenamtliche Arbeit umgestellt. In guter Kooperation mit Partnern aus Ungarn und Slowakei konnten dabei weitere Gebäudeteile und Hilfsgüter gesichert und in Partnergemeinden transportiert werden. Ein besonderes Projekt war der Abbau des Jochen-Klepper-Hauses in Bethel. Dachziegel und -balken, Fenster, Heizkörper und Türen wurden für den Aufbau von unterschiedlich großen Gemeindehäusern demontiert und in 3 Kirchengemeinden in die Slowakei transportiert Im Berichtszeitraum wurden 12 Männer und 6 Frauen zum Diakon zur Diakonin eingesegnet und 15 Geschwister neu in die Diakonische Gemeinschaft Nazareth aufgenommen.

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C. Ökonomie Die ökonomischen Rahmenbedingen der durch die Stiftungen Sarepta und Nazareth geleisteten sozialen Arbeit sind schwierig. Vor dem Hintergrund der durch die Finanzmarktturbulenzen ausgelösten globalen Wirtschaftskrise ist bereits jetzt erkennbar, dass sich dieser Rahmen in den nächsten Jahren nicht verbessern wird. Zu befürchten ist vielmehr, dass die Verschuldung der öffentlichen Haushalte zu weiteren Leistungsreduktionen führt und der Druck auf die Träger von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen durch Kassen, Sozialversicherungen oder Kommunen sogar noch zunimmt. Aufgrund tarifrechtlichen Bindungen und eines langsamen Umbauprozesses (Dezentralisierung und Ambulantisierung) geraten schon jetzt eine Reihe von diakonischen Trägern in erhebliche Schwierigkeiten oder müssen gar Insolvenz anmelden. Einrichtungen und Dienste sind immer häufiger gezwungen, Strukturanpassungen und Optimierung vorzunehmen. Gleichzeitig ist nicht zu übersehen, dass viele Mitarbeitende bereits jetzt bis an ihre Grenzen belastet sind. Wir haben also weiterhin eine schwierige Aufgabe zu lösen: Einerseits müssen wir zeitgerechte, attraktive und bezahlbare Angebote entwickeln, andererseits die wirtschaftliche Konsolidierung fortführen. In einigen Bereichen ist dies bereits gelungen. So ist aus unserer Sicht mit dem Neubau einer stationären Pflegeeinrichtung in Stadtteil Quelle eine Einrichtung geplant und gebaut worden, die den oben genannten Kriterien entspricht. Im ersten vollen Betriebsjahr konnten sogar die Anlaufverluste, die von der Stiftung Sarepta übernommen worden waren, wieder zurückgezahlt werden. Das ist ein außerordentlich gutes Zeichen für weitere Investitionsvorhaben der Stiftungen. Im Folgenden werden die Jahresergebnisse im Einzelnen näher erläutert.

Lagebericht 2009 der Stiftung Sarepta Gesellschaft Zum Satzungsauftrag der Stiftung Sarepta gehören die Förderung des Amtes der weiblichen Diakonie und der hierfür erforderlichen Einrichtungen, insbesondere ein Mutterhaus und entsprechende Versorgungseinrichtungen. Für die Weiterentwicklung der Schwesternschaft und für andere diakonische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterhält die Stiftung Aus- und Fortbildungsstätten. Zu den Aufgaben der Stiftung gehört die Entsendung von Schwestern in interne und externe Einrichtungen im Rahmen von Gestellungsverträgen. Die Stiftung Sarepta fördert satzungsgemäß die Zweckerfüllung der beiden anderen Stiftungen und verfügt deshalb über weitere Einrichtungen. Die Direktion der Stiftung Sarepta (personengleich mit der Direktion der Stiftung Nazareth) nimmt zugleich die Geschäftsführung des Stiftungsbereichs Altenhilfe wahr. Der Stiftungsbereich Altenhilfe fasst die Aktivitäten der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in der Region Bielefeld zusammen. Neben den Einrich‐ Seite 27 von 37‐ 


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tungen der Stiftung Sarepta werden im Stiftungsbereich das v. Plettenberg-Stift (Stiftung Nazareth), das Pflegezentrum Quelle (Altenhilfe Bethel OWL gGmbH) und Bethel ambulant (Pflege- und Betreuungsdienste Bethel gemeinnützige GmbH) geführt.

Geschäftsverlauf und Rahmenbedingungen 2009 Rahmenbedingungen: Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte sowie Einschnitte im Sozial- und Gesundheitsbereich wirkten sich auch auf die Ertragssituation der Stiftung Sarepta aus. Altenhilfe ist das am stärksten wachsende Segment im Gesundheitswesen der Bundesrepublik. Aufgrund der demografischen Entwicklung folgt zwangsläufig, dass die Versorgung und Pflege alter Menschen ein zentrales Thema in der Weiterentwicklung des Sozial- und Gesundheitssystems sein werden. Die politische und ebenso die gesellschaftliche Diskussion bewegen sich dabei zwischen zwei Polen, die ebenso die Einrichtungen des Stiftungsbereiches Altenhilfe bestimmen. Die Sicherung der hohen Qualitätsstandards auf der einen Seite steht in Diskrepanz zu den seit Jahren annähernd konstanten Erlösen aus Pflegesätzen auf der anderen Seite. Angebote im Bereich der Jugendhilfe werden weiterhin durch die Zuweisungsträger deutlich in Anspruch genommen. Die seit 2006 stattfindende öffentliche Debatte um unzureichende Unterstützungsleistungen der Kommunen für junge Eltern in sozialen Problemsituationen hat zu einer verbesserten Refinanzierungssituation entsprechender SGB VIII Angebote geführt. Strukturveränderungen: Träger der Altenhilfe diversifizieren verstärkt ihre Angebote. So werden Angebote des Betreuten Wohnens, Spezialangebote für besondere Gruppen (u. a. demenzerkrankte Menschen) und die ambulante Pflege das Leistungsangebot eines Trägers vervollständigen müssen um zukunftsfähig zu bleiben. Die Stiftung Sarepta hat diesen Diversifikationsprozess durch die Gründung der „Pflege- und Betreuungsdienste Bethel gemeinnützige GmbH“ vorangetrieben. Diese Gesellschaft wurde im September 2008 gegründet und hat in 2009 als „Bethel ambulant“ ihren wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb aufgenommen. Sie bietet dabei Pflege- und Betreuungsdienste an. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der palliativen Pflege von Erwachsenen und Kindern. Diese Neugründung dient auch der Absicherung der vorhandenen stationären SGB XI Angebote in den Stiftungen Sarepta und Nazareth.

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Geschäftsverlauf - Belegungsentwicklung und Ertragslage Leistungsdaten Im Jugendhilfebereich wurde die Platzzahl von 25 auf 29 Plätze angehoben und die Belegungstage konnten nochmals gesteigert werden. In der Altenhilfe stieg die Bettenzahl durch den ganzjährigen Betrieb des Wohnstifts „Frieda von Bodelschwingh“ mit 58 Appartements. Die Belegungstage erhöhten sich analog um 11.047 auf 187.708. Insgesamt war bei der Belegung über alle Hilfefelder eine Steigerung von 6,5 % zu verzeichnen. Im Fachseminar für Altenpflege blieb die geringe Auslastung (nur 63 von 100 Plätzen sind besetzt) konstant, da trotz gestiegener Teilnehmerzahlen bei den neuen Kursen, es zu vorzeitigen Beendigungen bei den laufenden Kursen kam. Der Arbeitsbereich der Personalgestellung ist bei den verrechneten Vollkräftestellen (VK) mit 53,6 (Vorjahr 55,8 VK) leicht gefallen. Die Zahl der über Entsendungsverträge beschäftigen Schwestern erhöhte sich von 75 auf 77, davon waren 55 in den vBS Bethel und 22 bei auswärtigen Trägern eingesetzt.

Ergebnis Die Stiftung Sarepta erzielte im Geschäftsjahr ein positives Ergebnis von 115 T€, da die Umsatzerlöse aus dem Altenhilfebereich deutlich gesteigert werden konnten und das Finanzergebnis durch die Zuschreibung der letztjährigen Abschreibung auf Finanzanlagen einen um 352 T€ verbesserten Beitrag leistete. Die Geschäftsfelder Jugendhilfe und Vermietungen erbrachten wie im Vorjahr positive Deckungsbeiträge, wogegen die Bereiche Altenhilfe, Altenpflegeausbildung und Mutterhaus/Haus der Stille negative Ergebnisse erwirtschafteten. Erträge Die Umsatzerlöse erhöhten sich um 727 T€ auf 15.221 T€, dabei konnte der Jugendhilfebereich seine Erlöse auf 656 T€ (Vorjahr 618 T€) steigern, im Altenhilfebereich war eine Umsatzsteigerung von 689 T€ zu verzeichnen. Hierfür waren höhere Pflegesätze und erstmalig Erstattungen für Betreuungsleistungen nach § 87b SGB XI ausschlaggebend. Die Betriebsmittelzuschüsse sinken von 317 T€ auf 289 T€, da der Altenhilfebereich geringere Zuschüsse für ABM-Maßnahmen erhielt. ‐ Seite 29 von 37‐ 


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Die sonstigen betrieblichen Erträge blieben per Saldo fast konstant auf 11.387 T€ (Vj. 11.332 T€), wobei größere Rückgänge die Erträge aus Rentenleistungen für Diakonissen mit 178 T€ und die Gestellungsgelderträge mit 170 T€ auf 3.026 T€ betrafen. Steigerungen gab es bei den Auflösungserträgen aus Rückstellungen mit 235 T€ auf 573 T€. Die Erträge aus Investitionstätigkeit fielen um 2.081 T€, da im Vorjahr ein Gesellschafterzuschuss aus Nachlässen über 2.000 T€ zur Finanzierung des Umbaus Abendfrieden eingesetzt und den Sonderposten zugeführt wurde. Die Erträge aus Anlageabgängen betrugen 429 T€ und erreichten nicht das Vorjahresniveau von 666 T€. Die Erträge aus Finanzgeschäften lagen um 79 T€ unter dem Vorjahreswert von 773 T€, wobei auf die Zuschreibung auf Finanzanlagen 334 T€ entfielen. Aufwendungen Die Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und bezogene Waren fallen um 47 T€ auf 2.651 T€ durch geringeren Lebensmittel- und Wareneinsatz. Der Aufwand für bezogene Leistungen steigt deutlichen um 506 T€ auf 3.075 T€ durch den höheren Personaleinsatz und externer Gebäudereinigung. Der direkte Personalaufwand sinkt um 317 T€ auf 17.401 T€. Der darin enthaltene Aufwand für Diakonissen sinkt erheblich um 693 T€ auf nunmehr 1.708 T€. Weiterhin sind 365 T€ (Vj. 292 T€) Rückstellungszuführungen für 12 neue Altersteilzeitfälle enthalten und das erwartete Sanierungsgeld für die KZVK in Höhe von 120 T€. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen erhöhen sich um 421 T€ auf 3.056 T€, davon entfallen 389 T€ auf Aufwendungen auf vergangene Geschäftsjahre wegen Kontenanpassungen. Die Abschreibungen auf Sachanlagen steigen durch die Aktivierungen des Vorjahres (Wohnstift „Frieda v. Bodelschwingh“) wieder von 1.640 T€ auf 1.687 T€ an. Prognose Die Wahrnehmung des Stiftungsauftrages ist durch Zuwendung aus Allgemeinmitteln der vBS als gesichert anzusehen. Die Refinanzierung der verschiedenen Stiftungsaufträge mit besonderen Zweckbindungen ist vereinbart. Die Einrichtungen der Altenhilfe können bei ähnlich guter Belegung in den Folgejahren ein weiter verbessertes Ergebnis erreichen. Risikoberichterstattung Die Weiterentwicklung eines Risikomanagements wird in enger Abstimmung mit den anderen Stiftungen der v. Bodelschwinghschen Stiftungen weiter verfolgt.

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Hier aufzuführen sind jedoch die Risiken durch die Personalgestellung. Hierfür wurde bereits in 2006 zur Absicherung des Risikos eine Rückstellung gebildet. Sollte aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Lage ein verstärkter Kostensenkungsdruck auf die sozialen Sicherungssysteme ausgeübt werden, wird dies zu Kündigungen für Mitarbeitende in der Personalgestellung führen. Generelle externe Einflussfaktoren Es ist erkennbar, dass insbesondere stationäre Einrichtungen der Altenhilfe weiter an Attraktivität für pflegerisches Fachpersonal einbüßen. Die Rekrutierung neuer, gut qualifizierter Mitarbeitender bedarf deutlich mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen. Es ist bereits jetzt ein verstärkter Wettbewerb um Fachkräfte erkennbar. Der Anteil befristeter Stellen ermöglicht insbesondere im Bereich der Altenhilfe eine Anpassung an Belegungsschwankungen. Dieser Anteil wird verstärkt im Bereich der Pflegehilfskräfte verschoben um Fachkräfte auch bei Belegungsschwankungen langfristig halten zu können. Belastend wirken sich auch die angekündigten Sanierungsbeiträge zur betrieblichen Altersfürsorge (hier KZVK) auf die Ergebnissituation aus. Es ist zu befürchten, dass diese erhöhten Personalaufwendungen in den Pflegesatzergebnissen nicht hinreichend Berücksichtigung finden werden. Ausblick Das mittelfristige Immobilienkonzept sieht auch in 2010 Verkäufe von Immobilien vor. Bereits abgestimmt ist der Verkauf der Krankenhausapotheke an die Evangelisches Krankenhaus Bielefeld gGmbH. Darüber hinaus ist die Veräußerung von Wohnimmobilien an die Stiftung Bethel oder an Dritte möglich. Der vor Jahren begonnene Personalabbauprozess wird auch in den nächsten Jahren konsequent weitergeführt. Die für das Mutterhaus / Haus der Stille erfolgte inhaltlichen Schwerpunktsetzung und verabredete wirtschaftlichen Konsolidierung befindet sich zurzeit in der Umsetzungsphase. Ziel ist es den Zuschussbedarf bis 2010 auf die Kosten für Abschreibungen und Tilgungen zurückzuführen. Mit dem Schwesternrat und Beirat der Diakonissen in genossenschaftlicher Lebensform wurde ein aktualisierter Leistungskatalog für das Jahr 2010 verabredet. Ziel ist es, neben einer bedarfsgerechten Versorgung der Diakonissen in genossenschaftlicher Lebensform, zu weiter verbesserten Kostenstrukturen zu kommen. Die Stiftung wird mit diesen Maßnahmen und Projekten sich wirtschaftlich weiter konsolidieren können. Die Wahrnehmung des Stiftungsauftrages ist im Übrigen durch die Zuwendung aus allgemeinen Mitteln der v. Bodelschwinghschen Stiftungen als gesichert anzusehen. ‐ Seite 31 von 37‐ 


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Lagebericht 2009 der Stiftung Nazareth Gesellschaft Zum Satzungsauftrag der Stiftung gehören die Förderung und Weiterentwicklung der Diakonischen Gemeinschaft Nazareth mit den dazugehörigen Einrichtungen, die Diakonische Aus-, Fort- und Weiterbildung, die Personalentsendung zu internen und externen Trägern, die Tagungs- und Gästebetreuung und die Altenhilfe. Die Direktion der Stiftung Nazareth (personengleich mit der Direktion der Stiftung Sarepta) nimmt zugleich die Geschäftsführung des Stiftungsbereichs Altenhilfe wahr. Der Stiftungsbereich fasst die Aktivitäten der Altenhilfe der vBS Bethel in der Region Bielefeld zusammen. Neben den Einrichtungen der Stiftung Sarepta werden im Stiftungsbereich das v. Plettenberg-Stift (Stiftung Nazareth), das Pflegezentrum Quelle (Altenhilfe Bethel OWL gGmbH) und Bethel ambulant (Pflege- und Betreuungsdienste Bethel gemeinnützige GmbH) geführt.

Geschäftsverlauf und Rahmenbedingungen 2009 Rahmenbedingungen Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte wie auch der landeskirchlichen Haushalte wirkt sich auch weiterhin auf die Ertragssituation der Stiftung aus. Dies betrifft vor allem die Einrichtungen Aus-, Fort- und Weiterbildung. Obwohl immer deutlicher wird, dass zukünftig Fachkräftemangel ein existentielles Problem für soziale Einrichtungen wird, wird Bildung nicht hinreichend finanziert. Strukturveränderungen Die Stiftung Nazareth betreibt ein Alten- und Pflegeheim (stationäre Pflegeeinrichtung nach SGB XI), das v. Plettenberg-Stift. Diese Einrichtung im Bielefelder Süden (Senne) bedarf einer grundsätzlichen Sanierung. Mit der Sanierung werden seitens der Stadt und des Landschaftsverbandes erhebliche Forderungen an den Brandschutz und den Zuschnitt der Zimmer verbunden. Diese Forderungen wurden in den vergangenen zwei Jahren geprüft und bewertet. Vorstand und Direktion haben nach eingehender Prüfung nun beschlossen, das v. Plettenberg-Stift nicht für den weiteren Betrieb als stationäre Pflegeeinrichtung nach SGB XI zu sanieren. Der entstehende Aufwand führt zu einer deutlich erhöhten Investitionskostenpauschale und somit zu einer deutlichen Verteuerung des Angebotes. Diese erhöhten Kosten lassen sich nach Einschätzung der Direktion am Bielefelder Markt nicht durchsetzen und bergen ein nicht absehbares Belegungsrisiko beim weiteren Betrieb. Zugleich wurde beschlossen, einen Ersatzneubau am Standort „Breipohls Hof“ zu errichten. Eigentümerin der nun zu bauenden Immobilie wird die Stiftung Be‐ Seite 32 von 37‐ 


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thel. Betreiberin dieser Einrichtung wird die Altenhilfe Bethel OWL gGmbH oder die Stiftung Sarepta. Die Stiftung Nazareth wird damit ab 2012 keine Altenhilfeangebote mehr vorhalten. Sie wird sich auf die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Mitarbeitenden für die Arbeitsfelder der v. Bodelschwinghschen Stiftungen konzentrieren.

Geschäftsverlauf - Belegungsentwicklung und Ertragslage Leistungsdaten Die Diakonische Gemeinschaft Nazareth hatte am Jahresende 1.004 Mitglieder (Vorjahr 1.009). In der Evangelischen Bildungsstätte für Diakonie und Gemeinde, worin die Diakonenausbildung, die theologisch-diakonische Fortbildung / Diakonissenausbildung und das Angebot des Basiskurses Diakonie zusammengefasst sind, belief sich die Zahl der Studierenden auf 157 (Vorjahr 174). Im Grundseminar konnte die gute Teilnehmerzahl des Vorjahres nicht wieder erreicht werden, die Zahl der Studierenden im Grundseminar sank von 17 auf 10. Im Arbeitsbereich der Personalgestellung stiegen die Fallzahlen von 557 auf 558 leicht an. Davon waren 201 in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, 125 bei externen Trägern und 192 im eigenen Dienstvertrag beschäftigt, weitere 40 waren z. Zt. beurlaubt. Das zum Stiftungsbereich Altenhilfe gehörende Altenheim v. Plettenberg-Stift hat 122 Plätze. Die Belegungstage waren mit 43.688 gegenüber dem Vorjahr mit 44.642 leicht rückläufig. Es war eine hohe Sterberate zu verzeichnen und die Wiederbelegung nicht immer problemlos möglich, trotzdem betrug die Auslastung 98,1 %. Die Pflegesätze wurden zum 1.5.2009 angehoben und die Umsatzerlöse konnte um 1,3 % gesteigert werden. Fehler! Keine gültige Verknüpfung. Ergebnis Die Stiftung Nazareth erzielt im Berichtsjahr ein negatives Ergebnis von -662 T€, das hauptsächlich durch die außerplanmäßige Abschreibung in Höhe von 1.128 T€ auf das Gebäude des v. Plettenberg-Stifts verursacht wurde. Der Verlust aus dem Arbeitszweig „Altenhilfe“ beläuft sich damit auf 1.280 T€. Die anderen Arbeitsfelder erwirtschafteten ausgeglichene Ergebnisse und die Bereiche Wohnungswirtschaft und Finanzwirtschaft konnten durch ihre guten Ergebnisse den Gesamtverlust abmildern. Erträge Die Umsatzerlöse (Pflegesatzerträge) steigen auf 3.924 T€, da der Pflegesatz im v. Plettenberg-Stift zum 1.5.2009 neu vereinbart werden konnte. Auch die Be‐ Seite 33 von 37‐ 


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triebsmittelzuschüsse konnten im Bereich „Bildung & Beratung Bethel“ durch neue Projektförderungen auf 329 T€ (Vj. 281 T€) gesteigert werden. Die sonstigen betrieblichen Erträge (EBIT-Darstellung) verringerten sich von 22.127 T€ auf 20.827 T€. Hier wirkt sich besonders die Reduzierung der Gesellschafterzuschüsse von 3.513 T€ auf 1.774 T€ aus, da im Vorjahr noch ein Ausgleich für den Sanierungsaufwand „Haus Nazareth“ von der Stiftung Bethel geleistet worden war. Die ebenfalls enthaltenen Erträge aus Personalentsendung stiegen um 459 T€ auf 16.222 T€. Die Erträge aus dem Abgang von Anlagevermögen betrugen 271 T€ (Vorjahr 422 T€) und betrafen größtenteils den Verkauf der Immobilie „Abendsonne“ in Bad Salzuflen. Die Finanzerträge von 222 T€ erreichten durch die geringere Ausschüttung der Finanzanlagen nicht das Vorjahresniveau von 308 T€. Aufwendungen Der Materialaufwand erhöhte sich im Bereich des Wareneinsatzes für Lebensmittel und um 78 T€ auf 1.817 T€. Der direkte Personalaufwand stieg nur geringfügig um 8 T€ auf 20.122 T€, der darin enthaltene Anteil der Personalentsendung beläuft sich auf 15.948 T€ (Vj. 15.580 T€). Für 2 Altersteilzeitzusagen wurden 211 T€ den Rückstellungen zugeführt. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen sinken deutlich um 1.472 T€ auf 2.772 T€, da die hohen Instandhaltungen für die Sanierung des Haus Nazareth entfallen sind. Der Aufwand für Zentrale Dienstleistungen stieg jedoch von 381 T€ auf 846 T€. Im Berichtsjahr 2009 wurden erstmals Verwaltungskosten (Personal- und Sachkosten) wegen der Zusammenlegung der Verwaltung für die beiden Stiftungen Nazareth und Sarepta in der Stiftung Sarepta, an die Stiftung Nazareth berechnet. Die Abschreibungen auf das Sachanlagevermögen sind durch die außerplanmäßige AfA auf das Betriebsgebäude des „v. Plettenberg-Stifts“ in Höhe von 1.128 T € belastet. Prognose Die Fachhochschule der Diakonie FHdD gGmbH wird in 2010 einen Studiengang „Diakonie im Gemeinwesen - Soziale Arbeit und Diakonik“ anbieten. Dieser Studiengang wird es Schulabsolventen ermöglichen, eine sozialfachliche Qualifikation (Sozialarbeit) mit der theologischen Qualifikation zum Diakon / zur Diakonin zu verbinden. Für einen ausgewählten Personenkreis wird die Stiftung Nazareth in 2010 damit die Ausbildung zum Diakon / zur Diakonin im Rahmen ei‐ Seite 34 von 37‐ 


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ner vertraglichen Regelung an die FH der Diakonie übertragen. Ein eigenes grundständiges Angebot wird vorerst nicht mehr vorgehalten. Die Evangelische Bildungsstätte für Diakonie und Gemeinde (theologisch diakonische Bildung) und das Fachseminar für Altenpflege (Stiftung Sarepta) werden Konzepte für eine engere Verzahnung der Ausbildungsgänge erarbeiten. Offen ist, ob sich hieraus auch ein kombiniertes Angebot für Altenpfleger / Diakone entwickeln lässt. Die wesentliche Herausforderung liegt hier in der Personalgewinnung auch bildungsfernerer junger Menschen um diese an die Altenpflege oder Eingliederungshilfe heranzuführen. Die Wahrnehmung des Stiftungsauftrages ist durch Zuwendung aus Allgemeinmitteln der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel als gesichert anzusehen. Die Refinanzierung der verschiedenen Stiftungsaufträge mit besonderen Zweckbindungen ist vereinbart und führt zu ausgeglichenen oder auch positiven Ergebnissen dieser Bereiche. Die Entscheidung zur Schließung des v. Plettenberg-Stiftes als stationäre Pflegeeinrichtung führt auch in 2010 und 2011 zu einem Abschreibungsbedarf von zusammen 1.128 T€ und wird auch so in den beiden verbleibenden Betriebsjahren zu einer erheblichen Belastung des Jahresergebnisses führen. Risikoberichterstattung Die Weiterentwicklung eines Risikomanagements wird in enger Abstimmung mit den anderen Stiftungen der v. Bodelschwinghschen Stiftungen vorangetrieben. Nennenswert sind die Risiken durch die Personalgestellung. Hierfür wurde in 2006 zur Absicherung des Risikos eine Rückstellung gebildet. In 2009 konnten durch risikominimierende Maßnahmen Auflösungen vorgenommen werden. Das Risiko aus dieser Geschäftstätigkeit besteht jedoch weiter. Sollte aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Lage auch ein verstärkter Kostensenkungsdruck auf die sozialen Sicherungssysteme ausgeübt werden, wird dies zu Kündigungen für Mitarbeitende in der Personalgestellung führen. Gleichzeitig wird erkennbar, dass der Personalmangel auch zu Vertragsvereinbarungen führt, die vor einigen Jahren nicht möglich erschienen. Bisher haben wirtschaftliche Entwicklungen keinen Einfluss auf die Weiterbildungsangebote genommen. Vielmehr war in den vergangenen Jahren erkennbar, dass Aus-, Fort- und Weiterbildung auch von Unternehmen der Sozialwirtschaft strategisch zu ihrer eigenen Weiterentwicklung genutzt wurden. Dieses Verhalten hat die Erträge im Weiterbildungsbereich abgesichert. Nicht abzuschätzen ist zurzeit, wie die Wirtschaftskrise auf individuelle und institutionelle Entscheidungsprozesse wirken wird.

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Ausblick Es ist zu erwarten, dass zur Sicherung der öffentlichen Haushalte Leistungsreduktionen oder Kostensenkungen für soziale Dienste politisch diskutiert und umgesetzt werden. Die Stiftung Nazareth ist mit ihren Konsolidierungsschritten gut auf Änderungen und Anpassungen der nächsten Jahre vorbereitet. Nachdem die Stiftung mit Ablauf des Jahres 2011 keine Angebote mehr im Altenhilfebereich vorhält, kann die strategische Orientierung auf den Bildungsmarkt vorangetrieben werden. Weiterhin besteht jedoch ein hoher Druck, durch geeignete Projekte und Maßnahmen, die Anpassungsfähigkeit der Stiftung zu verbessern um den scharfen Wettbewerb im Bildungsbereich bestehen zu können.

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v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel Stiftungen Sarepta • Nazareth Direktion [verantwortlich: Diakon Werner Arlabosse] Nazarethweg 5 33617 Bielefeld Telefon: 0521 144-2229 Telefax: 0521 144-2213 www. sarepta-nazareth.de


Jahresbericht der Stiftungen Sarepta | Nazareth 2009_2010