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Sarepta • Nazareth

Geistliche Impulse 2013 der Gemeinschaften und Mitarbeitenden in Sarepta | Nazareth


Jahreslosung

„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

Hebräer 13,14

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Jahreslosung „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Welche Orte bringen Sie mit Gott in Verbindung? Wo glauben Sie, ist Gott? Wo glauben Sie eigentlich hin? Ist er hier oder ganz woanders? Und wann ereignet sich Gott, jetzt, zukünftig? Was erhoffen und erwarten Sie von der Zukunft Gottes? Was davon ist jetzt schon wirksam, spürbar? Alles, was zählt, ist jetzt? Alles, was zählt, kommt noch? Der Hebräerbrief wurde noch im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt an und für eine Gemeinde mit jüdisch-christlicher Tradition geschrieben. Viele Bilder und Aussagen des Briefes bemühen sich, der Gemeinde vor Augen zu führen, dass Jesus Christus tatsächlich der verheißene und ersehnte Gottessohn ist. Und dass Gott tatsächlich in Jesus seinen Bund mit dem Gottesvolk erneuert hat. Die Gemeinde, an die dieser Brief gerichtet ist, scheint des Christseins müde geworden zu sein in schwieriger Zeit. Es war im zu Ende gehenden ersten Jahrhundert keine Selbstverständlichkeit, Christ zu sein, im Gegenteil, es war gefährlich. Die Christenverfolgungen nahmen in dieser Zeit ihren Anfang. Der Hebräerbrief schließt mit Ermahnungen zum rechtschaffenen christlichen Leben. Im letzten 13. Kapitel findet sich die Jahreslosung 2013:

„Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Wo ist also Jesus Christus zu finden? Draußen vor dem Tor, bei den Geringsten, den Ausgestoßenen, den Ausgegrenzten. Kein schöner Ort, eher dreckig, verkommen, verletzt und verletzend, würdelos. „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“(Markus 15,34).

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Sind Orte und Momente der größten Gottesferne am Ende auch die größter Gottesnähe? Ja, das ist die Zusage im Hebräerbrief. In jedem Fall sind das wohl auch die Orte der Diakonie. Denn es braucht Menschen, die es denen draußen vor dem Tor sagen, es durch Zuwendung spürbar werden lassen: trotz allem gelten Gottes Zusage und Liebe. So geht Nachfolge im wahrsten Sinne – mit hinausgehen vor das Tor: „Brich mit dem Hungrigen Dein Brot und die im Elend ohne Obdach sind, führe in Dein Haus! Wenn Du einen nackt siehst, so kleide ihn und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut.“ (Jesaja 58, 7). Die Jahreslosung ist gedacht als Ermutigung in schwieriger Zeit: dann wenn die Knochen und der Geist müde geworden sind. Ich lese den Text nicht als Verweis auf eine ferne Zukunft, auf die wir hoffen, an die wir glauben, die wir aber nur abwarten können. Es ist eine Anstiftung zur Suche danach, wie Leben (für alle) gelingt, heute im Hier und Jetzt. Dietrich Bonhoeffer hat den bedeutenden Gedanken formuliert, dass wir erst „in der vollen Diesseitigkeit des Lebens glauben lernen“. Wir erwarten von Gott Einiges. Wir warten aber nicht ferne Zeiten ab und geben uns zufrieden. Wir suchen jetzt nach der zukünftigen Stadt und gestalten schon heute Leben unter neuen Maßstäben. Und wir geben uns mit den heutigen Grenzziehungen um uns herum nicht zufrieden. Wir gehen dazwischen! Diese Welt und diese Gesellschaft sind verbesserungswürdig und -fähig – an allen Ecken und Kanten! Wie weit trauen Sie sich im Jahr 2013 vor die Tore der (sicheren) Stadt? Ich wünsche Ihnen Zeiten und Orte, in und an denen sich Gott ereignet und mitteilt, in denen Sie Bestätigung und Halt finden in unsicherem Gelände. In denen Sie Mut und Gemeinschaft finden zum Protest gegen Ungerechtigkeit und Ausgrenzung, zum Aufbruch in eine neue Zeit, die jetzt ihren Anfang nimmt. Und bitte, nehmen Sie nach Möglichkeit Menschen mit auf dem Weg, die Ihre Bestätigung, Zuversicht und Vertrauen brauchen, um mit Ihnen losgehen zu können. Wir sehen uns – unterwegs! Ihr

Wolfgang Roos-Pfeiffer Ältester der Diakonischen Gemeinschaft Nazareth

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Die „Geistlichen Impulse“ 2013 werden an alle Mitglieder der Sarepta Schwesternschaft und der Diakonischen Gemeinschaft Nazareth versandt. © 2013; v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel; Stiftung Sarepta, Stiftung Nazareth. Für manche Mitglieder unserer Gemeinschaften ist die Schrift der „Geistlichen Impulse“ schwer lesbar. So bieten wir wie in den Vorjahren an, den Leserinnen und Lesern, die es wünschen, ein Exemplar im DIN A4-Format zuzusenden. Dies ist ohne großen Aufwand möglich. Machen Sie Gebrauch von dieser Möglichkeit, wenn es Ihnen die Lektüre erleichtert! Bitte melden Sie sich dann telefonisch bei Frau Bilan in der Geschäftsstelle der Diakonischen Gemeinschaft Nazareth, Tel.: 0521/144-4152, Fax: 0521/144-4151 6


Zum Geleit Liebe Schwestern und Brüder, liebe Mitarbeiterinnen und liebe Mitarbeiter, liebe Freundinnen und Freunde von Sarepta und Nazareth diese neue Ausgabe der Geistlichen Impulse für das Jahr 2013 haben dankenswerter Weise wieder viele Geschwister aus Sarepta und Nazareth vorbereitet. Die Andachten zu den Monatssprüchen sowie die Texte und Fürbitten sind ein Angebot, im Getriebe des Alltags für ein paar Augenblicke innezuhalten, Zeit zu haben zur Besinnung auf Gottes Botschaft und daraus Kraft zu schöpfen für den weiteren Weg. Wichtiger Bestandteil unserer Geistlichen Impulse sind die Hinweise auf die Geburtstage. Sie geben Impulse, aneinander zu denken und füreinander zu beten. Ein Ausdruck dessen, was uns in Gemeinschaft miteinander verbindet. Gedenktage und Termine sollen uns mit Vergangenem verbinden und auf Aktuelles hinweisen. Hinweise auf die Festtage anderer Religionen sind Ausdruck dafür, dass wir nicht alleine als Christinnen und Christen in der Welt leben und arbeiten, sondern in der Gemeinschaft mit Menschen aus anderen Religionen und Kulturkreisen unsere diakonische Arbeit tun. Wir wünschen Ihnen Gottes Segen und Geleit durch das Jahr 2013 und freuen uns auf geschwisterliche Begegnungen. Ihre

Sr. Anke Frickmann

Ihr

Br. Wolfgang Roos-Pfeiffer

Wenn Sie für die Gestaltung der Geistlichen Impulse 2014 Anregungen haben, oder Texte zur Verfügung stellen können, wenden Sie sich bitte an Schwester Uta BrauneKrah oder an Schwester Anke Frickmann. Wir bedanken uns für ihre Mitwirkung bei: Horst Behr, Friederike Beuter, Cornelia Bilan, Ilse Birkwald, Uta Braune-Krah, Tina Earl, Friedel Eichler, Martin Eickhoff-Drexel, Andreas Heitkämper, Sabine Hirte, Uwe Krah, Andrea Michel, Elisabeth Morgenstern, Anke Frickmann, Gabriele Göckel, C. Christian Klein, Paul-Friedrich Klein, Daniel Nottbrock, Karin Patzer, Karsten Rode, Anna Scheilke, Stefanie Schmelzer, Sonja Schwab, Hanna Seehase, Susanne Stock, Andrea Steinkühler, Hildegard Steffen, Loni Stuke, Karin Szepat, Jörg Oelmann, Ernst Pech, Heinz-Jürgen Uffmann, Petra Vogt, Claus v. Arnim, Hermann Wortmann.

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Januar 2013 Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich. Psalm 16,11

„Entschuldigen Sie, können Sie mir sagen wie ich nach … komme?“ Wie oft habe ich diese Frage auf einer meiner Radtouren gestellt. Ich war mit „meinem Latein“ am Ende und die Radkarte konnte mir auch nicht mehr weiterhelfen. Was war ich glücklich, wenn mir ein Mensch begegnete, der mir klar und verständlich den Weg zum Ziel beschrieb. An mir war es nun, dieser Empfehlung zu glauben und mich wieder aufs Rad zu schwingen. Die Belohnung meines Vertrauens genoss ich am Abend, wenn ich wohlbehalten am Ziel ankam. Wie viel mehr Bedeutung hat eine Neuorientierung für mein Leben. Situationen, in denen ich vor schwierigen Entscheidungen stehe oder einfach mit „meinem Latein“ am Ende bin, kennt bestimmt eine jede und ein jeder von uns. Welch ein Geschenk des Himmels, wenn sich in solchen Momenten eine neue Perspektive auftut. Sei es durch die Begegnung mit Menschen, mit Literatur, Musik oder in der Stille. Gott hat unerschöpfliche Möglichkeiten, mir durch sie „den Weg zum Leben“ zu eröffnen. Es bedarf meiner Offenheit und Achtsamkeit, diese meist leisen Zeichen zwischen den vielen betörenden Angeboten zu entdecken und sie im Vertrauen auf Gott zu leben. Die Entscheidung lohnt, denn „Freude die Fülle“ wird an ihrem Ende stehen.

Sr. Sonja Schwab lebt im Kantensiektal in Bethel und ist mit Kreativität und Humor in den Begegnungen mit Jung und Alt unterwegs – ob mit dem Fahrrad, in der Bergwelt oder in Ungarn. Wochensprüche / Wochenlieder

Neujahr (01.01.) Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn. Kolosser 3, 17 Wochenlied: Der du die Zeit in Händen hast (EG 64) oder: Von guten Mächten treu und still umgeben (EG 65) Epiphanias (06.01.) Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt, 1. Johannes 2, 8b Wochenlied: Wie schön leuchtet der Morgenstern (EG 70) oder: O König aller Ehren (EG 71) 1. Sonntag nach Epiphanias (13.01.) Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Römer 8, 14 Wochenlied: O lieber Herre Jesu Christ (EG 68) oder: Du höchstes Licht, du ewger Schein (EG 441) Letzter Sonntag n. Epiphanias (20.01.) Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Jesaja 60, 2 Wochenlied: Herr Christ, der einig Gotts Sohn (EG 67) Septuagesimä (27.01.) Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Daniel 9, 18 Wochenlied: Es ist das Heil uns kommen her (EG 342) oder: Gott liebt diese Welt (EG 409)

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Impulse

Versäume nicht, das Glück mit beiden Händen zu ergreifen, zu lieben, wenn es dir im Herzen brennt; Freundschaften zu genießen, wenn sie dir geschenkt werden, Tränen fließen zu lassen, um der Trauer und dem Schmerz des Abschieds Raum und Zeit zu geben. Versäume nicht zu leben, solange du kannst.

Christa Spilling-Nöker

Der Himmel, der ist, ist nicht der Himmel, der kommt, wenn einst Himmel und Erde vergehen. Der Himmel, der kommt, das ist die fröhliche Stadt und der Gott mit dem Antlitz des Menschen. Der Himmel, der kommt, grüßt schon die Erde, die ist wenn die Liebe das Leben verändert.

Kurt Marti

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Februar 2013 Schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei. Lukas 11, 35

Es geht um das Licht, das ich als Christ bin. Das Licht, das ich nicht unter den Scheffel stellen soll. Das Licht, das auf den Leuchter gehört. Licht, das Räume erhellt, Menschen wärmt und Orientierung bietet. „Ihr seid das Licht der Welt“, so heißt es bei Matthäus. Es geht um meine guten Werke. Doch der, der immer brennt, kann müde werden. „Akku leer“, heißt es dann. Eine Weisheit sagt: Am Fuße eines Leuchtturms ist es oft am finstersten. Die Monatslosung hilft, damit dies nicht geschieht. Sie gibt einen wichtigen Hinweis: Wer nur leuchtet und wer nicht auf sich schaut, dem kann es finster ergehen. Die frohe Botschaft verliert an Glaubwürdigkeit, wenn die Augen des Botschafters keine Begeisterung ausdrücken und sagen: „Ich kann nicht mehr“. Dann ist auch mal Pause angesagt. Ausruhen und auf Gott vertrauen. Denn Gott ist viel mehr als meine Hände. Es liegt nicht an mir allein, ob ein gutes Werk geschieht oder nicht. Bald kommt der Frühling. Seien wir gewiss, er wird kommen. Er wird kommen so wie das Reich Gottes eines Tages kommen wird. Auch ich kann nach einer Pause wieder aufstehen und weiter an diesem Reich Gottes arbeiten. Mich mit anderen gemeinschaftlich einsetzen für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Ich kann Leid wahrnehmen. Ich kann die hoffnungsvollen Zeichen sehen und betonen. Ich kann aufhören, immer nur schwarz zu sehen. Ich kann das Leben erleben. Ich kann Licht sein.

Heinz-Jürgen Uffmann, Diakon in Bildung & Beratung Bethel für diakonische und politische Bildung. Engagiert sich in der Freizeit für Naturschutz. Wochensprüche / Wochenlieder Sexagesimae (03.02.) Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht. Hebräer 3, 15 Wochenlied: Herr, für dein Wort sei hoch gepreist (EG 196) oder: Es wolle Gott uns gnädig sein (EG 280)

Estomihi (10.02.) Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. Lukas 18, 31 Wochenlied: Ein wahrer Glaube Gotts Zorn stillt (EG 413) oder: Lasset uns mit Jesus ziehen (EG 384) Invokavit (17.02.) Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. 1. Johannes 3, 8b Wochenlied: Ein feste Burg ist unser Gott (EG 362) oder: Ach bleib mit deiner Gnade (EG 347) Reminiszere (24.02.) Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Römer 5, 8 Wochenlied: Wenn wir in höchsten Nöten sein (EG 366)

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Impulse

Zu beten bedeutet nicht, dass man sich selbst sprechen hรถrt, sondern dass man das Schweigen erreicht und dass man im Schweigen verharrt, darauf wartet, dass der Beter Gott vernimmt.

Sรถren Kierkegaard

So ist das Denen wir lieber aus dem Weg gehen sind Dein Weg. Die wir lieber nicht sehen mรถchten sind Dein Blick. Die wir lieber nicht hรถren mรถchten sind Deine Stimme. So ist das. Und so: bist Du.

Kurt Marti

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März 2013 Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; ihm leben sie alle. Lukas 20, 36

Der Abschnitt aus dem Lukas-Evangelium, dem der Monatsspruch entnommen ist, ist überschrieben: ‚Die Frage nach der Auferstehung‘. Schon zur Zeit der Jünger hatten es die Menschen schwer mit der Frage nach der Auferstehung. Was gab es nicht alles für Vorstellungen vom Leben nach dem Tod? Die Atheisten glauben: ‚Mit dem Tod ist alles aus‘. Anhänger der Reinkarnationslehre sprechen von früherem und vom nächsten Leben. In Israel war es vor allem die Gruppe der Sadduzäer, die die Auferstehung der Toten verneinte. Mit einer übertriebenen Geschichte (Luk. 20, 28b-33) versuchen sie, den Auferstehungsglauben lächerlich zu machen. Jesus aber stellt sich ihnen entgegen und räumt damit kräftig auf und sagt: ‚Ihr kennt weder die Schrift noch die Kraft Gottes‘. Es wird mit der Auferstehung einen Neubeginn geben, denn ‚Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden, ihm leben sie alle‘. Schon im Alten Testament stellt sich Gott als Gott der Lebenden vor. Seine Kraft, sein Wirken sind nicht durch den Tod begrenzt. Das gilt bis heute für jeden Menschen, der ihm vertraut, von dessen Liebe und Gnade wir leben. Auf alle, die in diesem Leben mit Gott gelebt haben, wartet das ewige Leben. Hanns Lilje sagt: ‚Es ist eines der größten und kraftvollsten Kapitel unseres Glaubens, das wir in der christlichen Lehre von Tod und Leben vor uns haben‘. Wie dieses Leben aussehen wird, bleibt Gottes Geheimnis; eine faszinierende Nachricht inmitten einer vom Tod bedrohten Welt.

Sr. Loni Stuke lebt im Haus Zeder in Bethel und ist oft mit helfender Hand in Haus Salem zu finden. Wochensprüche / Wochenlieder

Okuli (03.03.) Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Lukas 9, 62 Wochenlied: Wenn meine Sünd mich kränken (EG 82) oder: Du schöner Lebensbaum des Paradieses (EG 96) Lätare (10.03.) Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Johannes 12, 20 – 26 Wochenlied: Korn, das in die Erde (EG 98) oder: Jesu, meine Freude (EG 396) Judika (17.03.) Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. Matthäus 20, 28 Wochenlied: O Mensch, bewein dein Sünde groß (EG 76) Palmarum (24.03) Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Johannes 3, 14 – 15 Wochenlied: Du großer Schmerzensmann (EG 87) Ostersonntag (31.03.) Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. Offenbarung 1, 18 Wochenlied: Christ lag in Todesbanden (EG 101) oder: Erschienen ist der herrlich Tag (EG 106)

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Impulse Gott, der Ursprung und das Ziel alles Seins, sei dir nahe auf Deiner Reise durch das Leben. Er richte dich immer wieder auf, wenn du fällst und gebe dir Kraft für jeden Schritt. Er umarme dich in deiner Angst und beschütze dich vor Gefahren. Er heile deine Wunden und gebe dir Gesundheit und Wohlergehen. Er trockne deine Tränen und fülle deine Seele mit neuer Hoffnung. Er lasse dir Blumen am Wegesrand blühen und schenke dir glückliche Momente. Er sende Freude in dein Herz, dass Freundlichkeit von dir ausgehe. So segne dich Gott, dass du selbst ein Segen sein kannst.

Quelle leider unbekannt

Ein neuer Anfang Ein neuer Anfang ist möglich, diese Hoffnung verbindet sich mit jeder neuen Situation. Wünsche, Sehnsüchte und gespannte Vorfreude richten sich auf das Neue. Manchmal gemischt mit Fragen und Ängsten: Wohin wird mich mein Leben führen? Wird alles gut gehen? Manchmal belastet von Scheitern, vom Schmerz und von der Trauer aus dem Vergangenen. Aber in jeder Situation gilt: Ein neuer Anfang ist möglich! Es ist an uns, die vor uns liegende Zeit zu gestalten. Wer sich anstecken lässt vom Leitstern der Sehnsucht, wer den ersten Schritt in die Zukunft wagt, dem ist gesagt: „Fürchte dich nicht!“

nach Hilde Domin

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April 2013 Wie ihr nun den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar. Kol. 2, 6-7

Deutliche Worte der Ermahnung, die der Apostel Paulus hier ausspricht. Sie vermitteln konzentriert die Botschaft, viel mehr noch die Aufforderung des gesamten Kolosserbriefes: Den beschrittenen Glaubensweg nicht verlassen; der christlichen Lehre auch weiterhin treu folgen. Empfänger dieses Schreibens ist die verhältnismäßig junge Gemeinde in Kolossä. Nach selbstgewähltem Bekenntnis zum Christentum, befindet sie sich nun in einem Stadium des Zweifels. Doch was hat die Menschen so nachhaltig in ihrem Glauben erschüttert? Kolossä ist, zusammen mit den benachbarten Städten Laodizea und Hierapolis ein wohlhabendes Dreigestirn, gelegen an der Handelsstraße von Ephesus nach Persien. Eine wirtschaftlich begünstigte Stadt, multikulturell und weltoffen. „Weltoffen“, das gilt ebenso für eine neu auftretende Geheimlehre, die heidnische, jüdische sowie christliche Elemente in ein diffuses Amalgam verwandelt. Diese reizvolle Mischung aus philosophischer Welterklärung, Mystizismus und traditionellen Reinheitsvorschriften verunsichert die Gemeinde zutiefst. Der christliche Wahrheitsanspruch ist bedroht, relativiert zu werden. Paulus begegnet mit dem Kolosserbrief der gnostischen Herausforderung, indem er Christus als Herrn des Kosmos abbildet, dessen Versöhnungswerk universell heilswirksam ist. Der Apostel stellt bewusst die göttlich-messianischen Hoheitstitel voran (Herr Christus Jesus). Philosophische Lehren der Menschen sind - als irdische Produkte - in dieser Gesamtperspektive von nachrangiger Bedeutung. In Christus soll die Gemeinde leben - Wurzeln schlagen - standfest bleiben. Diese Erdung ist es, die den Glauben bewahrt und schützt. Der postmodernen, aufgeschlossenen Gesellschaft erscheinen Gedanken dieser Art befremdlich. Religionen und Weltanschauungen sind frei verfügbar. Oft genug wird die eigene christliche Tradition - auch in ihrer geistigen Tiefe kritisch beäugt, während beim Blick „in die Weite“ ein anderer Maßstab zu gelten scheint. Doch auch hierhin folgt bald der lange kultivierte Zeitgeist der Skepsis. „Ein Zweifler ist unbeständig auf allen seinen Wegen.“ So die Worte des Jakobusbriefs (Jak. 1,8). Der gefestigte Glaube hingegen beschreitet nur einen Weg. Dieser mag schmal, uneben oder steinig sein.Aber er sollte – nach Paulus- voller Zuversicht und Dankbarkeit gegangen werden. Andreas Heitkämper (Jahrgang 79) arbeitet in der Offenen Jugendarbeit mit Jugendlichen mit multikulturellem Hintergrund. Seit Herbst 2011 studiert er „Diakonie im Gemeinwesen – Soziale Arbeit und Diakonik“ an der FH der Diakonie. Wochensprüche / Wochenlieder

Quasimodogeniti (07.04.) Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christ von den Toten. 1. Petrus 1, 3 Wochenlied: Jesus Christus, unser Heiland, der den Tod überwand (EG 102) Misericordias Domini (14.04.) Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. Johannes 10, 11. 27 – 28. Wochenlied: Der Herr ist mein getreuer Hirt (EG 274) Jubilate (21.04.) Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 2. Korinther 5, 17. Wochenlied: Mit Freuden zart zu dieser Fahrt (EG 108) Kantate (28.04.) Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalm 98, 1 20 Wochenlied: Lob Gott getrost mit Singen (EG 243) oder: Nun freut euch, liebe Christen g mein (EG 341)


Impulse Credo Ich glaube an einen Gott der sich mir verspricht der mich an meine Grenzen bringt und darüber hinaus der sagt: Ich bin da Ich bin für dich da Ich glaube an einen Gott der einen langen Atem hat der mich für sich immer neu gewinnen will der mit mir rechnet auch wenn er dabei immer wieder rote Zahlen schreibt Ich glaube an einen Gott der für mich unfassbar ist der mich ergriffen hat der mich nicht los lässt dem ich ans Herz gewachsen bin der mich liebt Ich glaube an einen Gott der mir viel zumutet weil er mir viel zutraut der meine Selbstzweifel nicht gelten lässt der mich stattdessen damit beauftragt zusammen mit anderen seine Schöpfung zu bewahren Ich glaube an einen Gott der - schaue ich zurück noch nie von meiner Seite gewichen ist der bis heute seine Hände über mir gehalten hat EINEM SO UNGLAUBLICHEN GLAUBE ICH

Friedel Eichler

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Mai 2013 Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen! Sprüche 31.8

Diese Worte richtet in ihrem ursprünglichen Zusammenhang seine Mutter an den König Lemuel. Ob er sie beachtet hat, ist nicht bekannt. Ich möchte es eher bezweifeln, denn damals wie heute hatten die Mächtigen wenig Interesse daran, sich allzu intensiv um die Sache der Schwachen zu kümmern. Doch man muss kein König sein, um sich von diesem Bibelwort angesprochen zu fühlen. Gerade wir in den Gemeinschaften, die sich dem diakonischen Handeln verpflichtet haben, werden aus vollem Herzen und vorbehaltlos zustimmen. Schließlich ist es eine wesentliche Grundlage unseres christlichen Selbstverständnisses, uns für das Recht der Schwachen einzusetzen. Aber wenn man genauer hinschaut, ist es damit nicht getan. Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen. Das erfordert zunächst einmal die Bereitschaft, genau hinzuhören, denn die Stummen machen sich nicht laut bemerkbar. Zum anderen braucht es aber auch oft sehr viel Mut. Wer seinen Mund aufmacht, eckt schnell an. Wie oft steht uns unsere eigene Bequemlichkeit im Weg oder die Angst um das eigene Ansehen, die eigene Position. Da ist es eben einfacher, die Stummen gar nicht erst zu bemerken, denn so müssen wir uns auch nicht verpflichtet fühlen, den Mund aufzumachen und das Recht der Schwachen zu vertreten. Dabei sind uns doch die Worte Jesu zutiefst vertraut und selbstverständlich: “Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Dass es neben dem Tun aber auch noch ein Reden geben kann,- ein sich-Einsetzen-, das oft mehr Kraft und Mut erfordert, sollten wir uns immer wieder deutlich machen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass der Herr, in dessen Namen wir den Mund öffnen, uns dazu den Rücken stärken wird.

Sr. Ilse Birkwald lebt in Bielefeld und arbeitet in der Finanzverwaltung. Neben der Kenntis der Zahlen ist ihr die Erkenntnis um den gerechten Geist Gottes ein Anliegen. Wochensprüche / Wochenlieder

Rogate (05.05.) Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Psalm 66, 20 Wochenlied: Zieh ein zu deinen Toren (EG 133) oder: Vater unser im Himmelreich (EG 344) Exaudi (12.05.) Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. Johannes 12, 32 Wochenlied: Heilger Geist, du Tröster mein (EG 128) Pfingstsonntag (19.05.) Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. Sacharja 4, 6 Wochenlied: Komm, Heiliger Geist, Herre Gott (EG 125) Trinitatis (26.05.) Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Jesaja 6, 3 Wochenlied: Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist (EG 126) oder: Gelobet sei der Herr, mein Gott (EG139)

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Impulse

Ohne zu lügen Schaffe in mir gott ein neues herz das alte gehorcht der gewohnheit schaff mir neue augen die alten sind behext vom erfolg schaff mir neue ohren die alten registrieren nur unglück und eine neue liebe zu den bäumen statt der voller trauer eine neue zunge gib mir statt der von angst geknebelten eine neue sprache gib mir statt der gewaltverseuchten die ich gut beherrsche mein herz erstickt an der ohnmacht aller die deine fremdlinge lieben schaffe in mir gott ein neues herz Und gib mir einen neuen geist dass ich dich loben kann ohne zu lügen mit tränen in den augen wenns denn sein muss aber ohne zu lügen

Dorothee Sölle

Herr, wenn ich dich um ein Wunder bitten darf, so mach mich zu einem guten Menschen.

Ansgar, Apostel des Nordens (gest. 865)

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Juni 2013 Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt.

Apostelgeschichte 14, 17 Paulus und Barnabas wissen nicht, wie ihnen geschieht; als auf die Erde gekommene Götter werden sie verehrt, als Jupiter und Merkur, denen die Einwohner von Lystra, einem kleinasiatischen Städtchen, Opfergaben entgegenbringen wollen. Vorangegangen ist die Heilung eines gelähmten Mannes und nun gilt die Bewunderung und Verehrung der Bevölkerung den beiden Fremden, die sich aufgemacht haben, um die Botschaft des Evangeliums in die Welt hinauszutragen. Und nun das! Sie selbst werden zu Stars und werden vergöttert! Ist es für die beiden eine Verlockung, dieses Treiben geschehen zu lassen und sich im Mittelpunkt zu sonnen: Endlich ein Star? Nein, Paulus und Barnabas erliegen dieser Versuchung nicht. Offensichtlich der Verzweiflung nahe, versuchen die beiden die Begeisterung des Volkes in eine andere Richtung zu lenken: „Wir sind nur Menschen aus Fleisch und Blut wie ihr!“ Ihre Kleider zerreißend, weisen sie auf Gott als Ursprung allen Lebens und auf sein Wirken im Ablauf der Natur. Aber von der Menge werden sie nicht verstanden, im Gegenteil; schnell schlägt die Stimmung um und Paulus wird sogar vor die Tore der Stadt geschleift und fast zu Tode gesteinigt. Und doch wird berichtet, dass er sich zusammen mit Barnabas schon am nächsten Tag wieder auf den gefährlichen Weg macht, um die Botschaft vom „lebendigen Gott, der Himmel und Erde, das Meer und alles was darinnen ist“ gemacht hat, zu verkündigen. Was veranlasst uns heute, unbequeme oder gar gefährliche Wege zu gehen? Nervenkitzel, Geld, Erfolg? Paulus und Barnabas haben sich im Vertrauen auf die Lebendigkeit Gottes und im Glauben auf die Kraft des Evangeliums auf ihre riskante Reise gemacht. Ihr Weg war dabei geprägt von dem Willen, gerade die zu stärken, die angefeindet wurden oder von Zweifeln geplagt waren. Diese wollten sie stärken, damit sie wiederum für andere da sein können und einem Senfkorn gleich hundertfach Frucht bringen. Eine solche Zuversicht wünsche ich uns bei den Aufgaben und Anforderungen, die an uns im Beruf und im Alltag gestellt werden. Gott ist bei uns, er ernährt uns und erfüllt unsere Herzen mit Freude.

Uwe Krah ist Diakon und arbeitet als Teamleitung in der Eingliederungshilfe für Menschen mit psychischen Erkrankungen (Betreutes Wohnen) bei der Gesellschaft für Sozialarbeit, Fachbereich Lebensräume, in Bielefeld.

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Wochensprüche / Wochenlieder 1. Sonntag n. Trinitatis (02.06.) Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. Lukas 10, 16. Wochenlied: Nun bitten wir den Heiligen Geist (EG 124) 2. Sonntag n. Trinitatis (09.06.) Christus spricht: Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Matthäus 11, 28 Wochenlied: Ich lobe dich von ganzer Seelen (EG 250) oder: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn (EG 363) 3. Sonntag n. Trinitatis (16.06.) Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Lk 19, 10 Wochenlied: Allein zu dir, Herr Jesu Christ (EG 232) oder: Jesus nimmt die Sünder an (EG 353) 4. Sonntag n. Trinitatis (23.06.) Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Galater 6, 2 Wochenlied: Komm in unsere stolze Welt (EG 428) oder: O Gott, du frommer Gott (EG 495) 5. Sonntag n. Trinitatis (30.06.) Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. Epheser 2, 8 Wochenlied: Preis, Lob und Dank sei Gott dem Herren (EG 245) oder: Wach auf, du Geist der ersten Zeugen (EG 241)


Impulse

Sage ja zu den Überraschungen, die deine Pläne durchkreuzen, deine Träume zunichtemachen, deinem Tag eine ganz andere Richtung geben, ja vielleicht deinem Leben. Sie sind kein Zufall. Lass dem himmlischen Vater die Freiheit, den Verlauf deiner Tage zu bestimmen.

Dom Helder Camara

Wegzeiten Der Herr hat mich erhört, auf ihn baue ich mein Leben lang. Darum will ich nicht mehr dumm ins Dasein dösen und stumm sein wie ein Fisch. Der Herr hat mich geführt, er hat geholfen. Darum will ich seinen Namen preisen und groß an den Himmel schreiben. Du hast meine Klage verwandelt in Melodie und Tanz. Denn aus der Tiefe rief ich zu dir und du hast mich aus der Tiefe gezogen. Du hast meine Hoffnungslosigkeit verwandelt in eine grenzenlose Zuversicht. In deiner Güte hast du mich beschützt und niemand kann mir etwas antun. Du bist mein Gott, auf dich kann ich mich verlassen.

Uwe Seidel (nach Psalm 30)

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Juli 2013 Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir. Apg. 18, 9 u. 10

Dieser Auftrag und Zuspruch gelten als Erstes dem Apostel Paulus, der auf seiner zweiten. Missionsreise in Korinth angekommen ist. Der Vers will gar nicht so recht in den Zusammenhang passen! Wir kennen Paulus aus vielen Texten, so auch hier, als redegewandt und wortgewaltig. Überzeugend und mit einer guten Erfolgsquote redet er von seinem Glauben an Christus. Viele Juden lassen sich taufen und nehmen den christlichen Glauben an. Auch in diesem Text lehrt er in der Synagoge in Korinth, er überzeugt Juden und Griechen (Vers 4) und sogar den Vorsteher der Synagoge. Mit dem jüdischen Ehepaar Aquila und Priscilla lebte und arbeitete er handwerklich in seinem gelernten Beruf als Zeltmacher. Er wählte damit einen Weg, noch dichter an seinen Zuhörern zu sein und seine Predigten und Glaubensüberzeugungen noch glaubwürdiger zu vermitteln. Wie passt da dieser Zuspruch ins Bild? Mit ähnlichen Worten hat Gott dem Mose Mut zugesprochen, als er ihn zum Pharao geschickt hat, um Freiheit für das Volk Israel zu fordern. Mose war unsicher und ängstlich und hatte diesen Zuspruch wohl nötig. Aber Paulus? Ich vermute, dass Paulus, wie wir alle, eine schwache Seite hatte, die niemand gerne zeigt: – Angst, an der richtigen Stelle das richtige Wort zu finden – Den Wunsch, aus Erschöpfung zu schweigen und sich dem Thema zu entziehen – Das Gefühl der Einsamkeit in der Leitungsverantwortung Da kommen Gottes Auftrag und Zusage - in die Stille oder in die Unruhe einer schlaflosen Nacht- ermutigend und tröstend, genau richtig, auch für starke Persönlichkeiten wie Paulus: Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir. Sr. Susanne Stock lebt in Berlin. In Teltow ist es ihr wichtig, die dortige Ev. Grundschule mit diakonischem Geist zu leiten. Wochensprüche / Wochenlieder

6. Sonntag n. Trinitatis (07.07.) So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Jesaja 43, 1. Wochenlied: Ich bin getauft auf deinen Namen (EG 200) 7. Sonntag n. Trinitatis (14.07.) So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Epheser 2, 19 Wochenlied: Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen (EG 221) oder: Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut (EG 326) 8. Sonntag n. Trinitatis (21.07.) Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Epheser 5, 8 – 9 Wochenlied: O gläubig Herz, gebenedei (EG 318) 9. Sonntag n. Trinitatis (28.07. Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. Lukas 12, 48 Wochenlied: Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun (EG 497)

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Impulse

Auf der Schwelle des Hauses In den Dünen sitzen. Nichts sehen als Sonne. Nichts fühlen als Wärme. Nichts hören als Brandung: Zwischen zwei Herzschlägen spüren: Nun ist Frieden.

Günter Kunert

gebet an der see leih mir den schwung der wellen am frühen morgen die kraft bei ebbe auf die flut zu warten schenk mir den humor einer lachmöwe den glauben einer schnecke nämlich dass ich auch langsam vorwärtskomme und die freiheit der krebse auch mal rückwärts zu gehen

© sabine heuser

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August 2013 Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt, hast mir das Trauergewand ausgezogen und mich mit Freude umgürtet. Psalm 30,12

Dieser Vers des 30. Psalms beschreibt das Ende eines existentiellen Prozesses: Nach dem Schrecken schwerer Krankheit nun die Heilung und Freude darüber. Doch dieser Psalm ist meines Erachtens weniger eine Heilungsgeschichte, als vielmehr eine Erfahrung des Beters, wie er nach seiner Krise eine neue Lebenshaltung, die Freude in Dankbarkeit, entwickelt. Die Erfahrungen des Beters sind mitten unter uns: Jetzt, im Sommer verlangt es uns danach, aufzubrechen zum Reisen, zum Genießen des Lebens, nach Leichtigkeit und Vorfreude auf das Besondere. Gerade jetzt trifft es da unverhofft: An die Lebensgrenze gebracht zu werden, durch schwere Krankheit der eigenen Zerbrechlichkeit gewahr zu werden, oder gar viel zu früh den geliebten Menschen zu verlieren. Auch der Psalmbeter war erschrocken, für ihn war Gott verborgen, nicht mehr erkennbar im Leid. Da tut mir gut zu hören, dass für ihn das Ringen um seine Lebendigkeit zum Gebet wird. Er will etwas von Gott: Klagen dürfen, wahrgenommen werden in seinem Schmerz, in seiner Trauer. Beim Eintreten für seine Lebendigkeit werden Kräfte in ihm wieder wach. Und man könnte meinen, Gott schicke seine Antwort direkt in den Körper des Betenden: Dankbarkeit, Freude und Lebenskraft werden in ihm wieder spürbar, Gott ist in ihm wieder und nun in anderer Tiefe präsent, die Todesnähe ist vorüber. Da strömt Freude ein, beginnt ihn zu umgürten, die Trauer zieht aus, er beginnt zu tanzen, sein Herz öffnet sich, da sind Jubeln und Musik, wie ein Sommerreigen voller Lebendigkeit. Nein, nicht garantiert geht es so aus, ein Ringen mit Gott. Oder es bleibt viel Schmerz zurück. Doch ich kann darauf vertrauen, dass Gottes Liebe immer da ist, wenn auch verborgen. Wir sind im großen Ganzen aufgehoben und geborgen, wir werden gewiss wieder Lebendigkeit in uns spüren, oder leben endgültig in Gottesnähe. Die Beziehung zu Gott bleibt. So möchte ich im Alltag nicht warten, bis „alles gut“ ist, sondern annehmen, was ist, und dabei mit Gott um die Lebendigkeit ringen. So spüre ich eine dankbare Freude über Gottes Liebesbeziehung zu uns und ich vertraue auf Augenblicke des Tanzes und des Jubelns in mir.

Andrea Steinkühler, Diakonin im Sozialdienst im v. Plettenberg-Stift, verfasste die Andacht im August/ September 2012 und tanzt(e) nicht immer gern....;-) Wochensprüche / Wochenlieder

10. Sonntag n. Trinitatis (04.08.) Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat. Psalm 33, 12 Wochenlied: Gott, der Vater, steh uns bei (EG 138) oder: Nun danket Gott, erhebt und preiset (EG 290) 11. Sonntag n. Trinitatis (11.08.) Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. 1. Petrus 5, 5 Wochenlied: Aus tiefer Not schrei ich zu dir (EG 299) 12. Sonntag n. Trinitatis (18.08.) Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Jesaja 42, 3 Wochenlied: Nun lob, mein Seel, den Herren (EG 289) 13. Sonntag n. Trinitatis (25.08.) Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Matthäus 25, 40 Wochenlied: Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ (EG 343)

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Impulse

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Menschen tragen. Amen.

Gebet der Vereinten Nationen

Gott öffne unsere Herzen für seine uralte und täglich neue Botschaft Er öffne unsere Ohren für sein Wort wo immer es uns sucht Er öffne unsere Augen für die Schönheit seiner Schöpfung und das Lied der Geschaffenen Er öffne unsere Hände um die zu fassen die sie ergreifen wollen Er öffne unsere Lippen zu einem guten Wort und zu neuen Liedern für ihn Gott stärke unsere Füße, unsern Weg zu gehen an diesem Tag und jedem Tag den er uns noch schenkt an seiner Seite unter seinem Segen.

Wilma Klevinghaus

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September 2013 Seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke! Nehemia 8, 10

Freude statt Bekümmernis! – ein „fröhlicher Tausch“ (Martin Luther) Die starke Zusage gilt den aus dem Exil heimgekehrten Israeliten. Kummererfahrungen hatten sie reichlich: jahrzehntelange Gefangenschaft, Rückkehr in zerstörte Städte, der Tempel dem Erdboden gleichgemacht, anhaltende Feindschaft mit den Nachbarn! Gott hat ihnen dieses Land zugesagt. Wo erleben sie Erfüllung seiner Verheißungen? Ein Tag mit dem „Gesetz“ (mit der Bibel) bringt sie zur Besinnung. Gottes Wort wird klar verkündet, „so dass es jeder verstand“. Es trifft ihre Lebenssituation und ihre Herzen. Es löst tiefe Bekümmernis aus „und alles Volk weinte“. Doch Tränen über Schuld und Versagen dürfen zu Freudentränen werden. Freude ist angesagt! Freude, die auf den Weg bringt zu Gott, in die offenen Arme des Vaters. Gott ist ein Gott der Freude. Alle meine Kümmernisse, die meinen Alltag belasten, die mich lähmen und müde machen, kann ich in Gottes Hände legen. Diese Entlastung schenkt mir Heil und Heilung, ist meine Hoffnung und Stärke. Die Freude über Gottes Liebe und Treue bringt mich in Bewegung, schenkt Gemeinschaft, verbindet Schwestern und Brüder. Israel feiert ein fröhliches Fest (lesen Sie Kap. 8+9 im Nehemia-Buch). Das Mahl wird geteilt und Lob und Dank erfüllen die Herzen. Wir können einstimmen (EG 305): „Singt das Lied der Freude über Gott! Lobt ihn laut, der euch erschaffen hat. Er wird Kraft uns geben, Glanz und Licht wird sein, in das dunkle Leben leuchtet hell sein Schein: Singt das Lied der Freude über Gott!“

Sr. Hildegard Steffen lebt in Herford und begleitet mit Herz und Sachverstand die Entwicklungen von Diakonie in Gemeinschaft.

Wochensprüche / Wochenlieder

14. Sonntag n. Trinitatis (01.09.) Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Psalm 103, 2 Wochenlied: Von Gott will ich nicht lassen (EG 365) 15. Sonntag n. Trinitatis (08.09.) Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. 1. Petrus 5, 7 Wochenlied: Auf meinen lieben Gott (EG 345) oder: Wer nur den lieben Gott lässt walten (EG 369) 16. Sonntag n. Trinitatis (15.09.) Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium. 2. Timotheus 1, 10 Wochenlied: O Tod, wo ist dein Stachel nun? (EG 113) oder: Was mein Gott will, gescheh allzeit (EG 364) 17. Sonntag n. Trinitatis (22.09.) Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. 1. Johannes 5, 4 Wochenlied: Such, wer da will, ein ander Ziel (EG 346) 18. Sonntag n. Trinitatis (29.09.) Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Psalm 145, 15 Wochenlied: Ich singe dir mit Herz und Mund (EG 324) oder: Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit (EG 502)

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Impulse Manchmal, über Nacht, erwacht eine Quelle zum Leben. Manchmal, über Nacht, beginnt es zu grünen am kahlen Zweig. Manchmal, über Nacht, bringt ein Traum, dir das Leben zurück. Manchmal, über Nacht, hat dich ein Engel besucht.

Antje Sabine Naegeli

Es ist alles eitel Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden! Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein; wo jetzt die Städte steh n, wird eine Wiese sein, auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden; Was jetzt und prächtig blüht, soll bald zertreten werden; was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein; nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein. Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden. Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn. Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch besteh n? Ach was ist alles dies, was wir für köstlich achten, als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind, als eine Wiesenblum, die keiner wiederfindt! Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.

Andreas Gryphius (1663)

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Oktober 2013 Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen; denn an solchen Opfern hat Gott Gefallen.

Hebräer 13,16 Eine Werkstatt für Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen irgendwo in Bethel: Sam aus Sri Lanka sitzt neben Klaus aus Bielefeld und fertigt ein Kerzenlicht aus Sperrholz. Klaus ist etwas aufgeregt. Sam auch. Sam ist seit einer Woche im Rahmen eines internationalen Workshops der Vereinten Evangelischen Mission als Praktikant in der Werkstatt, um hier mehr über die handwerkliche Arbeit von und mit Menschen mit Behinderung (oder vielleicht besser: Menschen mit anderen / differenzierten Fähigkeiten) zu erfahren. Sam ist Pastor der Methodistischen Kirche und leitet seit über 10 Jahren eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen in Sri Lanka. Heute ist er Lernender und sehr wissensdurstig. Klaus hat sich auf den heutigen Tag vorbereitet. Er hat all seine Englischkenntnisse neu aktiviert. Einige Worte hat er sich von seinem Betreuer übersetzen lassen. Er wird Sam heute seine Arbeit, das Leimen, Schleifen und Lackieren des Kerzenlichts erklären. Er zeigt ihm die Vorrichtung, welche ihm hilft, die fünf Einzelteile ordentlich zu verleimen. Sie ermöglicht ihm diese Arbeit, obwohl er mit seiner rechtsseitigen Spastik eigentlich Schwierigkeiten hat, Dinge ruhig zu halten. Alle Schritte zeigt und erklärt er Sam ganz gewissenhaft. Und Sam: Er baut zum ersten Mal mit seinen gesunden Händen ein Kerzenlicht aus Holz, noch nicht ganz so ordentlich – aber es wird mit jedem Mal besser. Klaus erlebt, dass er seine Arbeit gut vermitteln kann, sogar in einer anderen Sprache. Für Sam war es wichtig zu erleben, dass jeder Mensch arbeiten kann und er jetzt seine Rolle als Mitarbeiter darin sieht, Arbeit und damit Teilhabe für die ihm anvertrauten Menschen individuell zu ermöglichen. Also eine klassische „Win-Win Situation“. Vielleicht auch etwas von dem Doppelgebot der Liebe, das hier erkennbar wird: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen und ganzer Seele und deinen Nächsten wie dich selbst. Denn der Dank an Gott und das Teilen mit anderen Menschen gehören für mich fest zusammen.

Jörg Oelmann, Diakon, Leitung des Zentrums für Mission und Diakonie (CMD) in Bethel, Referent für das Internationale Diakonie-Programm der VEM.

Wochensprüche / Wochenlieder

19. Sonntag n. Trinitatis (06.10.) - Erntedankfest Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen. Jeremia 17, 14 Wochenlied: Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren (EG 320) 20. Sonntag n. Trinitatis (13.10.) Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Micha 6, 8 Wochenlied: Wohl denen, die da wandeln (EG 295) 21. Sonntag n. Trinitatis (20.10.) Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Römer 12, 21 Wochenlied: Ach Gott, vom Himmel sieh darein (EG 273) oder: Zieh an die Macht, du Arm des Herrn (EG 377) 22. Sonntag n. Trinitatis (27.10.) Bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte. Psalm 130, 4 Wochenlied: Herr Jesu, Gnadensonne (EG 404)

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Impulse

Gebet aus Afrika Herr, rühr unser Herz, Lass uns nicht zu viel für uns selbst beten. Und achte darauf, dass wir mit denen teilen, die nichts haben. Sei mit denen, die alles vom Guten des Lebens haben. Sei mit denen, die hungern, und mit denen, die den halbvollen Teller zur Seite stellen. Wir alle sind deine Kinder. Wir brauchen dich. Wir brauchen deine Liebe, damit wir einander lieben können. Segne uns und unsere Brüder in der ganzen Welt. Amen

(zit. nach: Victorias Gebetbuch, Kreuz Verlag 1988)

Ob wir Gott lieben, wissen wir nie in unserem Leben ganz genau, ob wir unseren Nächsten lieben, merkt man jeden Tag.

Teresa von Avila

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November 2013 Das Reich Gottes ist mitten unter euch. Lukas 17, 21

Einige Pharisäer kommen zu Jesus und fragen ihn: „Wann kommt das Reich Gottes?“ Jesus wies sie darauf hin, dass Gottes Reich nicht sichtbar und greifbar sei wie weltliche Reiche. Als Kind habe ich geglaubt, Gott wohne mit seinen Engeln im blauen Himmel oben, und habe ehrfürchtig hinauf geblickt. Die Pharisäer werden von einer anderen Vorstellung zu ihrer Frage veranlasst. Sie warteten mit dem ganzen jüdischen Volk nämlich auf den verheißenen Messias. Das Wirken Jesu machte sie nachdenklich, aber auch unsicher. Konnte er der Messias sein, wie viele im Volk glaubten? Seine Lehre und die Wunder, die er tat, waren gewaltig und zugleich, war er war ein „ungelehrter“ Mann - kein Schriftgelehrter. Also wollten sie mit ihm ins Gespräch kommen. Seine Antwort wird für sie nicht leicht zu verstehen gewesen sein: Das Himmelreich mitten unter euch. Sie ahnen nicht, dass sie dem Sohn Gottes gegenüber stehen. Und wir? In Gleichnissen und in den Seligpreisungen will Jesus uns das Wesen des Himmelreiches nahebringen. Täglich beten wir: Dein Reich komme. Vor seinem Abschied hat Jesus seinen Jüngern zugesagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ … und diese Zusage gilt auch uns, und wir sollen sie ganz wörtlich in Anspruch nehmen. In jedem Augenblick unseres Lebens dürfen wir gewiss sein, dass Jesus bei uns ist. Das erfüllt uns mit Ruhe, Freude und Kraft. Sind wir uns dieses Reichtums bewusst?

Sr. Hanna Seehase lebt im Wohnstift „Frieda v. Bodelschwingh“ und hat sich im Alter von 88 Jahren mit großer Leidenschaft in die Welt des Computers eingearbeitet.

Wochensprüche / Wochenlieder

23. Sonntag n. Trinitatis (03.11.) Dem König aller Könige und Herrn aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, dem sei Ehre und ewige Macht. 1. Timotheus 6, 15-16 Wochenlied: In dich hab ich gehoffet, Herr (EG 275) Drittletzter Sonntag des Kirchenjahrs (10.11.) Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils. 2. Korinther 6, 2 Wochenlied: Wir warten dein, o Gottes Sohn (EG 152) oder: Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen (EG 518) Vorletzter Sonntag des Kirchenjahrs (17.11.) Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi. 2. Korinther 5, 10 Wochenlied: Es ist gewisslich an der Zeit (EG 149) Letzter Sonntag des Kirchenjahrs (Ewigkeitssonntag) (24.11.) Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen. Lukas 12, 35 Wochenlied: Wachet auf, ruft uns die Stimme (EG 147)

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Impulse

Der Eilige Der Berditschewer sah einen auf der Straße eilen, ohne nach rechts und links zu schauen. "Warum rennst du so?" fragte er ihn. "Ich gehe meinem Erwerb nach", antwortete der Mann. "Und woher weißt du", fuhr der Rabbi fort zu fragen, "dein Erwerb laufe vor dir her, dass du ihm nachjagen musst? Vielleicht ist er dir im Rücken, und du brauchst nur innezuhalten, um ihm zu begegnen, aber du fliehst vor ihm."

Martin Buber, Chassidische Erzählung

Schick mir keinen Engel der alle Dunkelheit bannt aber einen der mir ein Licht anzündet schick mir keinen Engel der alle Antworten kennt aber einen der mit mir die Fragen aushält schick mir keinen Engel der allen Schmerz wegzaubert aber einen der mit mir Leiden aushält schick mir keinen Engel der mich über die Schwelle trägt aber einen der in dunkler Stunde noch flüstert fürchte dich nicht

Elisabeth Bernet

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Dezember 2013 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Joh. 1, 4

Welch passende Losung für solch einen dunklen und zugleich von Licht(ern) durchfluteten Monat wie den Dezember, mögen Manche denken, das Licht der Menschen, wunderbar, diese Metapher! Leben ist Licht, und das Licht spendet den Menschen das Leben. Rund und gut und klar. Andere stolpern vielleicht gleich und fragen nach dem zweiten Wort: Wer ist denn mit ihm gemeint? Eindeutig, antworten Dritte möglicherweise schnell, Gott natürlich, und das Licht ist doch Jesus, das sagt er doch nach Johannes im 12. Vers des 8. Kapitels selbst. Aber warum war das Leben in wem auch immer, wollen Vierte wissen und bringen eine weitere Dimension in die Diskussionen und Auseinandersetzungen der heutigen Gemeinde ein. Er ist bekannt, der vierte Vers – und die um ihn herum - aus dem ersten Kapitel des vierten Evangeliums, das sich so sehr von den anderen drei Schriften über das Leben und Sterben Jesu, über sein Mensch- und sein Gott-Sein unterscheidet und zugleich vieles mit ihnen gemeinsam hat. Der Vers steht im Prolog des Johannesevangeliums. Auch wenn niemand mit Sicherheit weiß, wer das Werk verfasst hat, scheint doch gewiss, dass es sich beim Prolog um ein altes (Gemeinde-)Lied handelt oder um Teile eines solchen. Es erinnert an Geschichten zur Schöpfung, geht gar darüber hinaus, indem es auf Gott hinweist, der vor allem war und durch den alles geworden ist. Von Jesus ist hier explizit nicht die Rede. Und doch führt der Prolog in das Evangelium ein, das von Jesus erzählt, sein Leben und Sterben schildert und auf diese Weise auf die Frage nach dem Christus eine Antwortet gibt. Vom Ende des Evangeliums her wird deutlich, dass schon der Prolog von Jesus, vom Mensch gewordenen Gott spricht. Und zwar als das Leben schlechthin. Jesus als das Leben schlechthin, in Gott und durch ihn in der Welt, in der er als Mensch mit Menschen geliebt und gelebt hat und in der schließlich Gott den Menschen wirklich nahe gekommen ist. Genau deshalb kann dieser Jesus im Sterben rufen oder vielleicht auch nur flüstern Es ist vollbracht! und damit das war aus dem Prolog getrost Vergangenheit sein lassen. Eine segensreiche Adventszeit und frohe Weihnachten!

Friederike Beuter ist Diakonin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule der Diakonie Wochensprüche / Wochenlieder

1. Sonntag im Advent (01.12.) Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. Sacharja 9, 9 Wochenlied: Nun komm, der Heiden Heiland (EG 4) 2. Sonntag im Advent (08.12.) Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Lukas 21, 28 Wochenlied: Ihr lieben Christen, freut euch nun (EG 6) 3. Sonntag im Advent (15.12.) Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig. Jesaja 40, 3.10 Wochenlied: Mit Ernst, o Menschenkinder (EG 10) 4. Sonntag im Advent (22.12.) Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! Philipper 4, 4.5 Wochenlied: Nun jauchzet, all ihr Frommen (EG 9) 1. Sonntag nach Weihnachten (29.12.) Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit. Johannes 1, 14 Wochenlied: Vom Himmel kam der Engel Schar (EG 25) oder: Freut euch, ihr Christen alle (EG 34)

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Impulse

Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens. John Steinbeck

Wunderbar verwebt, der uns erschuf, in den bunten Teppich unsres Lebens lichten Traum und dunkle Wirklichkeit. Und wir wissen erst beim letzten Ruf: Keinen dieser Fäden wob vergebens seine Hand in diese bunten Streifen, die gemach enträtselnd wir begreifen erst im Lichte seiner Ewigkeit.

Agnes Miegel

Zum Jahresende Herr, setze dem Überfluss Grenzen, und lasse die Grenzen überflüssig werden. Lasse die Leute kein falsches Geld machen aber auch das Geld keine falschen Leute. Nimm den Ehefrauen das letzte Wort und erinnere die Ehemänner an ihr erstes: Schenke unseren Freunden die Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde. Bessere solche Beamten, Geschäfts- und Arbeitsleute, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind. Gib den Regierenden ein besseres Deutsch Und den Deutschen eine bessere Regierung. Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen. Aber nicht sofort.

Neujahrsgebet des Pfarrers von St. Lamberti, Münster (1883)

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Unaufhaltsam Das eigene Wort wer holt es zurück, das lebendige eben noch ungesprochene Wort? Wo das Wort vorbeifliegt, verdorren die Gräser, werden die Blätter gelb, fällt Schnee. Ein Vogel käme dir wieder. Nicht dein Wort, das eben noch ungesagte, in deinem Mund. Du schickst andere Worte hinterdrein. Worte mit bunten, weichen Federn. Das Wort ist schneller, das schwarze Wort. Es kommt immer an, es hört nicht auf anzukommen. Besser ein Messer als ein Wort. Ein Messer kann stumpf sein. Ein Messer trifft oft am Herzen vorbei. Nicht das Wort. Am Ende ist das Wort immer am Ende das Wort.

Hilde Domin, Gesammelte Gedichte. S.170/171

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Die Einladung Es interessiert mich nicht, womit du dein Geld verdienst. Ich möchte wissen, wonach du innerlich rufst Und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen. Es interessiert mich nicht, wie alt du bist. Ich will wissen, ob du es riskierst, wie ein Narr auszusehen, um deiner Liebe willen. Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadranten zu deinem Mond stehen. Ich will wissen, ob du mit dem Schmerz dasitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern. Ich will wissen, ob du mit der Freude da sein kannst, ohne uns zur Vorsicht zu mahnen. Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist. Ich will wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst, um dir selber treu zu sein. Ich will wissen, ob du Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du dein Leben aus Gottes Gegenwart speisen kannst. Es interessiert mich nicht, wo du lebst. Ich will wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und der Verzweiflung und tust, was getan werden muss. Es interessiert mich nicht, wo und was oder mit wem du gelernt hast. Ich will wissen, was dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt.

Oriah Mountain Dreamer

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Du liebe Zeit Da habe ich einen gehört Wie er seufzte: „Du liebe Zeit!“ Was heißt da Du liebe Zeit“? „du unliebe Zeit“, muss es heißen „Du ungeliebte Zeit!“ von dieser Unzeit, in der wir leben müssen. Und doch sie ist unsere einzige Zeit Unsere Lebenszeit und wenn wir das Leben lieben Können wir nicht ganz lieblos gegen diese Unsere Zeit sein Wir müssen sie ja nicht genau so lassen, wie sie uns traf. Erich Fried Möge Gott dich segnen mit Unbehagen gegenüber allzu einfachen Antworten, Halbwahrheiten und oberflächlichen Beziehungen, damit Leben in der Tiefe deines Herzens wohne. Möge Gott dich mit Zorn segnen gegenüber Ungerechtigkeiten, Unterdrückung und Ausbeutung des Menschen, damit du nach Gerechtigkeit und Frieden strebst. Möge Gott dich mit Tränen segnen, zu vergießen mit denen, die unter Schmerzen, Ablehnung, Hunger und Krieg leiden, damit du deine Hand ausstreckst, um sie zu trösten und ihren Schmerz in Freude zu verwandeln. Möge Gott dich mit Torheit segnen, daran zu glauben, dass du die Welt verändern kannst, indem du Dinge tust, von denen andere meinen es sei unmöglich sie zu tun. So segne euch Gott mit der Geistkraft des Mutes. Amen.

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aus: Kairos Europa (hg), 2007, Liturgische Inspirationen zu Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung


v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel Stiftungen Sarepta • Nazareth Direktion [verantwortlich: Diakon Wolfgang Roos-Pfeiffer, Diakonisse Anke Frickmann] Nazarethweg 5 33617 Bielefeld Tel. 0521.144-2229 Fax 0521.144-2213 www.sarepta-nazareth.de


Geistliche Impulse 2013