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Lageplan: Hauptwache, Frankfurt a.M. Kennzeichnung der den Eingangsbereich definierenden Wasserf läche, die die bisherige Öffnung im Boden ersetzt.


Meine Diplomarbeit mit dem Titel „Gleichgewicht“ beschreibt eine Parallelwelt zu dem geschäftigen Treiben in einer U-Bahnstation am Beispiel der Hauptwache in Frankfurt am Main. Architektonisch soll der betonten Vertikale in der Großstadt ein Gegenpol gegeben werden. Inhaltlich soll der lautstarken und hektischen U-Bahnstation ein alternativer Weg mit ruhiger Atmosphäre hinzugefügt werden. Für eine praxisnahe Gestaltung stellte mir die Frankfurter Verkehrsgesellschaft Pläne der U-Bahnstation zur Verfügung. Eine U-Bahnstation ist ein ambivalenter Raum. Die Menschen haben es entweder eilig – sie wollen ihre Bahn erwischen oder noch schnell auf dem Weg zur Arbeit etwas einkaufen. Oder sie bewegen sich betont langsam, weil sie die Zeit bis zu der nächsten Bahn überbrücken müssen. Diese beiden Geschwindigkeiten kollidieren miteinander. Ich möchte diesem Ort Raum für Beides

geben – die Möglichkeit die bisherige Struktur der U-Bahnstation zu nutzen, d.h. auf direktem Wege zu seinem Ziel zu gelangen, aber auch einen alternativen Weg anbieten auf dem es ruhig ist und auf dem man ausschließlich gerichtete Töne ausmachen kann. Deshalb möchte ich den neuen Raum nicht völlig von dem Vorhandenen abgrenzen, sondern Wechselbeziehungen herstellen. Über Glas, also Blickkontakt, kombiniert mit Spiegeln – also Selbstbetrachtung und wahrnehmbare Hell-Dunkel-Unterschiede. Dieser zu dem U-Bahnalltag parallele Raum soll unterirdisch sein, da man eintaucht in eine sich von dem vorhandenen Raum abgrenzende Atmosphäre, die es einem erlaubt, anders als in der U-Bahnstation selbst, in der man eine physische Reise antritt, sich auf eine gedanklich Reise zu begeben. Die parallele Welt soll aus drei Teilen bestehen – einem durch Wasser definierten Eingangsbereich, dem Schwarzraum und einem Tunnel. *

* Eingangsbereich, Schwarzraum und Tunnel. linke Seite: U-Bahnplan Frankfurt a.M.


Im Gegensatz zum Außenraum, in der die Menschen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten in verschiedene Richtungen laufen, gibt es im Tunnel nur eine Laufrichtung und ein gleichmäßiges Schritttempo. Geräuschliche A bschottung und Verdunkelung vermitteln A bgeschiedenheit von der lauten und grellen U-Bahnstation. Der Platz um die Hauptwache herum ist durch eine große Öffnung im Boden geprägt. Durch diese Öffnung erschließt sich die B-Ebene, eine Einkaufspassage unterhalb des Platzes, die außerdem als Zugang zu den unterirdischen Schnellbahnhöfen dient. Von der Passage aus besteht direkter Zugang zu einigen umliegenden Geschäften. Diese Öffnung wird in meinem Projekt geschlossen. A n ihre Stelle tritt eine Wasserf läche, in der sich der Grundriss des ersten Raumes abzeichnet.*

Wasser sucht immer das Gleichgewicht. Es folgt der Schwerkraft und dehnt sich in die größtmögliche Waagerechte aus. Am Eingang f ließt es herunter und zieht so den Besucher ins Innere. Zunächst wird er dort im „Schwarzraum“ durch Dunkelheit gebremst. Auf blitzende, von der Geometrie des Raumes abweichende, aber dennoch Raum suggerierende Lichtperspektiven lassen ihn seine Wahrnehmung und Erinnerung in Frage stellen.

unten: die alte Hauptwache in Frankfurt linke Seite: *Eingangsbereich, Abzeichnung des Schwarzraumes in der Wasserf läche


Gesch채fte

Gleichgewicht


Es folgt ein Tunnel, in dem Blickbeziehungen zwischen dem neuen Innenraum und der B-Ebene hergestellt werden. Das erste Tunnelsegment ist aus einem Glas, das bei dunkler Rückseite spiegelt und bei heller Rückseite transparent ist. Somit werden hier durch Verändern der Beleuchtung Blickbezüge temporär hergestellt. Versetztes Uhrenticken unterstreicht die gefühlte Verlangsamung. Mit Fortschreiten des Weges wird das Ticken allmählich schwächer und geht in das Geräusch eines Scannvorgangs über, das den Besucher ins nächste Tunnelstück leitet. Hier spielt ein raumhoher Scanner auf den Blick an, mit dem man an einem anonymen Ort wie einer U-Bahnstation bloß die Außenkonturen einer Person aufnimmt. Der Scanner wird durch Leuchtstoffröhren

simuliert, die zwischen zwei mit Silhouetten bedruckten Glasscheiben hin und her fahren. Darauf folgt eine in verschieden große Dreiecke gegliederte Fassade aus Glas, Spiegel und Fotografie. Durch dieses Wechselspiel wird mit Transparenz und Sichtbarkeit gespielt. A n der Grenze von Glas zu Foto entsteht ein Übergang von gefrorenem zu lebendigem Bild. A m Ende dieses Weges gelangt man entweder hinunter zu den Zügen oder zurück an die Oberf läche. unten: die B-Ebene, Scanner und Tunnel linke Seite: *Grundriss der B-Ebene, Schwarzraum-perspektive und Tunnelfassade


Eingang zwischen den Wasserf l채chen hindurch in den Schwarzraum.

weiter 체ber eine Rampe in den Tunnel. (B-Ebene)


Verlassen des Tunnels. Hier geht es weiter hinunter zu den Z체gen oder zur체ck an die Oberf l채che.


Da sich mein Projekt in große Dimensionen einfügt und sich zudem über verschiedene Ebenen erstreckt, habe ich ein 1:500 Modell aus Plexiglas gebaut, in den mein Baukörper als Ganzes eingelassen ist. Zur Orientierung sind die jeweiligen Grundrisse der Ebenen in das Glas gefräst. Bei deutlicher Beleuchtung treten diese besonders hervor.

Ein schematisches Scannermodell mit innenliegendem, verschiebbarem LED verdeutlichte die variable Sichtbarkeit des aufgedruckten Motivs.

Das zweite Modell in 1:100 zeigt die Tunnelfassade, den Wechsel zwischen Glas und Spiegel. (Fotografie ausgenommen) unten: Ergänzend dazu waren Materialproben von dem Glas ausgestellt, das bei dunkler Rückseite spiegelt und bei beleuchteter durchsichtig ist. Um dies zu verdeutlichen, habe ich hinter die Scheibe einen Verlauf von Transparent nach Schwarz befestigt.

Modell 1:500 U-bahnstation Hauptwache, Plexiglas CNC gefräst

rechts oben: Strichzeichnung der Podeste auf denen die Modelle ausgestellt wurden.



http://www.sarahclaes.de/Bilder/04.PDFse/Diplom