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Offizielles Organ der SAQ Swiss Association for Quality | www.saq.ch

07–08/2018 | CHF 14.30 / € 13,50

Qualität in der Weiterbildung

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Datenschutz im Detailhandel

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Das Magazin für integrierte Managementsysteme

Folgen des US-EUHandelsstreits 20 Une nouvelle norme ISO

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Bildquelle: Industrieblick – fotolia.com

Qualitätssicherung in laufender Produktion


Zufriedenes Personal beflügelt Ihren Erfolg. Jana Walker, CEO SwissPrimePack AG, Altstätten «Die Umsetzung der neuen Qualitätsstandards zogen wir konsequent durch. Und die Motivation unserer Mitarbeitenden ist deutlich gestiegen.» Höhere Qualität, Leistung, Effizienz, Transparenz und dazu die Zertifizierung nach ISO 9001:2015? Das alles erarbeitete sich die SwissPrimePack AG mit dem elektronischen QuaIitätsmanager IQSoft innert sensationellen sechs Monaten. Dies erforderte auch eine gewisse Härte. Doch IQSoft ist vom Personal aller Stufen bestens akzeptiert. Warum?

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Weil IQSoft nicht einfach kontrolliert, sondern allen die Arbeit erleichtert. Unklares wird definiert. Abläufe werden ruhiger. Fehler verschwinden wie von selbst. Das zahlt sich aus – auch dort, wo es nicht direkt messbar ist. IQSoft. Die Nummer Eins für jede Art von Qualitätsoptimierung. Mehr unter www.iqsoft.ch oder +41 62 745 10 45.

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INHALT/APROPOS

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Beständigkeit im Wettbewerb

Flash «Ich brauche Stabilität im Team» Hartmut Volk

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Branchenfokus Tue Gutes und sprich darüber Simone Kamm Nachfrage nach Hochschulabschlüssen steigt weiter Thomas Berner

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Business Excellence Das agile Manifest Zehra Sirin und Thomas Haas Wie Industrieunternehmen die Digitalisierung umsetzen Felix Müller und Roland Glauser Datenschutz mit «Good Priv@cy» Max W. Twerenbold

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SAQ/SAQ-Qualicon ag Verbandsnachrichten

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Risiken managen Die Risiken im Outsourcing steuern Bruno Triet

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Die Konsequenzen für Schweizer Sektoren 20 Michael Merz

Qualität sichern Effiziente, zuverlässige Qualitätskontrolle Johannes Maruschzik

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Les machines-outils moins énergivores Sandrine Tranchard

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Standards bringen Stabilität Beni Krieger

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Ich könnte jetzt die etwas steile These aufstellen, dass Persönlichkeiten wie Vladimir Petković inzwischen einen weit besseren Ruf verzeichnen als die Schweizerische Post. Allerdings hinken solche Vergleiche, geht es darum, in den heutigen dynamischen Zeiten nachhaltiges Management und längerfristige Strategien an Mann und Frau zu bringen. Gibt es also so etwas wie einen gemeinsamen Nenner, so etwas wie eine Qualitätsmarke, die alle gleich würdigen? Ich würde meinen, es gibt gesellschaftliche Parameter, die bessere Zufriedenheiten oder Sicherheit für Verbraucher darstellen. Hierfür spielen Standards und Normen eine zentrale Rolle. Die Einbeziehung sozialer Einsichten in die Normenentwicklung ist daher von wesentlicher Bedeutung, da diese realen Perspektiven dazu beitragen, dass Themen wie Qualität überall adäquat behandelt werden. In der Nachkriegszeit repräsentierten die Internationalen ISO-Standards einen wichtigen Bezugspunkt in Zeiten des Wiederaufbaus. Die Gründer öffneten die ISO-Organisation für jedes Land, das teilnehmen wollte – und zwar mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten für alle. So erhielt die Bedeutung des Verbraucherschutzes etwa mit dem ISO-Ausschuss für Verbraucherpolitik (ISO/COPOLCO) schon 1978 breitere Unterstützung. Hinsichtlich der gegenwärtigen politischen, hyperlokalen Divergenzen (Hyperlocalisation, engl. Schachtelwort aus «hyper-linking» und «local» – damit sind medial abhängige Orte und Objekte gemeint) bleiben Standards sehr wichtig. Ob nun die Schweiz Weltmeister wird, ob die USA, oder China den Welthandel aushebelt (s. Thema auf S. 20): Regeln und Normen gelten über politische Kammern, über nationale Grenzen hinweg. Sie können zum Beispiel helfen, die Ressourcenknappheit besser zu regeln oder auch die immense Menschenmigration insofern zu koordinieren, soweit internationales Handeln und integriertes Management vorgelebt wird.

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Michael Merz Redaktor

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Aus Gründen aktueller Gegebenheiten – siehe die Gestik von WMKickern und die Kontroverse darüber, ob Fussballer auch wirklich Schweizer Tugenden verkörpern – bin ich zu einem Schluss gekommen: Qualitätsarbeit wird oft unterschiedlich wahrgenommen. Qualität wird nie von allen gleich akzeptiert.

Kolumne Hannes führt die «Du-Kultur» ein Stefan Häseli

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Engagierte junge Selbstständigkeit

«Ich brauche Stabilität im Team» Mit 22 Jahren gründete Christoph Beyer seine Werbeagentur 3MAL1 in Berlin. «Es war hart in den ersten Jahren, zunächst als Einzelkämpfer. Viele Interessen mussten zurückstehen. Ich wollte jede Chance wahrnehmen. Meine Arbeitszeit betrug zehn, elf Stunden am Tag und oft auch länger. Ich musste lernen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Richtigen Urlaub nehme ich erst seit drei Jahren, weil das Team auch mal drei Wochen ohne mich zurechtkommt. Aber ich wollte selbstständig sein und der Mut von damals hat sich für mich als richtig erwiesen», sagt er.

Hartmut Volk*

Ein Gespräch über das Selbstverständnis und die Geschäftsauffassung eines jungen Unternehmers: Herr Beyer, Sie sind jetzt 15 Jahre am Markt. Wie wichtig war es, sich ein Netzwerk zu schaffen? Netzwerk ist für mich ein veralteter Begriff. Es beinhaltet in meinem Verständnis vor allem das Ziel der eindeutigen Akquise. Das ist mir zu engspurig, das will ich nicht. Ich gehe nicht zu Unternehmertreffen, um meine Visitenkärtchen zu verteilen, und dies nur unter dem Aspekt, Kunden zu bekommen. Das finde ich überhaupt nicht sinnvoll oder nachhaltig. Ich möchte Menschen und ihre Ansichten kennenlernen, Neues erfahren, Politiker treffen, mir Meinungen anhören, meine eigene Meinung bilden, den Kreis von Menschen, die interessant für mich sind, stetig erweitern. Auch Informationen zu dem Umfeld, in dem ich lebe und in dem sich die Agentur befindet, sind wichtig für mich. Das Geschäftliche steht erst an zweiter Stelle, spielt indirekt eine Rolle. Es geht mir darum, als Persönlichkeit wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Wenn ich

Hartmut Volk, Diplom-Betriebswirt und freier Journalist in Bad Harzburg, Deutschland. Seine Spezialgebiete sind Unternehmensführung, Selbstmanagement sowie Bewährung und Pflege der psychophysischen Leistungsfähigkeit.

dabei Anregungen für meine Arbeit erhalte, auch Tipps bekomme, selbst Fragen beantworten kann, ist das sehr gut und führt dann natürlich bestenfalls auch zu neuen Geschäftsbeziehungen. Ein Kunde engagiert zuallererst den Menschen, mit dem er gut auskommt, der ihm sympathisch ist, der ihn auch inspiriert, dem er schliesslich dann zutraut, seinen Auftrag gut zu meistern. Danach vertraut er dem Unternehmen. Auch ich selbst wäge so ab. Wenn die Chemie nicht stimmt, nehme ich einen Auftrag nicht an. Dann wird das nichts. Welche Kundenstruktur haben Sie heute? Ich bin natürlich vor 15 Jahren mit meist kleinen Kunden gestartet – selbstständige Einzelkämpfer wie ich seinerzeit, kleine Handwerksbetriebe, Arztpraxen, aber auch schon etliche mittelständische Firmen. Gar nicht wenige der Kunden aus den Anfangsjahren sind noch immer dabei. Inzwischen bemühe ich mich aber vor allem um grössere Unternehmen mit 100 und mehr Mitarbeitern und auch um komplexe Aufträge mit Folgeaufträgen. Keiner meiner Mitarbeiter kann heute noch für 500 Euro mehrere Wochen an einer einzigen Website arbeiten. Wir sind oft monatelang mit hoch komplexen Internetplattformen beschäftigt. Unsere Kunden sind in der Regel keine Hipster oder irgendwie besonders «schräg-modern». Sie sind konservativ – und das sind wir auch. Wir passen daher gut zusammen. Ich duze nicht gleich alle, ich selbst liebe ein seriöses

Outfit. Unsere Kunden sind seriös und oft schon lange im Geschäft, darunter Wohnungsbaugesellschaften und Unternehmen, die im weiteren Sinne mit Mobilität zu tun haben. Sie lassen uns sowohl Print- als auch Internetaufträge bearbeiten. Wir haben ausserdem als drittes Standbein ein System vor allem für Hausmeisterservices entwickelt. Sie sagten, viele Kunden sind Ihnen seit Jahren treu – was tun Sie dafür? Im Grunde das Selbstverständliche: Kundenpflege ist gute Beratung, gleichbleibend gute Qualität der Leistungen, Pünktlichkeit, auch Ehrlichkeit, Fairness, Offenheit. Gute Beratung bedeutet immer, sich in die Schuhe des Kunden zu stellen, um ihm die für ihn und seine Ziele passenden Werbemittel empfehlen und vorstellen zu können. Es ist klar, dass es dabei immer auch Trends gibt, die sinnvoll genutzt werden sollten. Als ich mit der Agentur startete, war noch nicht die Rede davon, dass jedes Unternehmen eine eigene Homepage benötigt. Heute ist das für uns eine der Hauptaufgaben. Wer eine Zeitung abonniert hat, weiss aber auch, dass Werbebeilagen, Flyer und Anzeigen noch immer eine grosse Rolle spielen. Beides müssen wir in guter Qualität zum vereinbarten Termin herstellen. Darauf achte ich akribisch. Dennoch werden immer wieder auch Fehler passieren … Dagegen ist niemand gefeit. Das passiert bei aller Sorgfalt. Unser Prinzip ist, sie gleich zu kommunizieren, keine Vertuschungsversuche zu unternehmen, sofort mitzuteilen, wie der Fehler behoben werden kann, und dabei nicht noch Sparversuche zu unternehmen. Wenn mindere Qualität allerdings darauf zurückzuführen ist, dass ein Kunde einen Wunsch hatte, der zu einem schlechteren Ergebnis führte – etwa bei einem Druckerzeugnis anderes Papier auswählt als vorgeschlagen, oder wenn er zeitlichen Druck aufbaute – übernehmen wir keine Garantie und ziehen uns am Ende den Schuh auch nicht an. Auch dies muss dann aber ruhig und sachlich kommuniziert werden. Dann einigen wir uns über das weitere Vorgehen, übernehmen allerdings nicht die ganzen Kosten. Es muss immer für beide Seiten passen. Jede Branche pflegt ihre eigene Fachsprache. Das hat sich in der Werbung noch durch die digitalen Möglichkeiten verstärkt. So mancher Marketingexperte macht sich damit vielleicht auch ein bisschen wichtig.


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Was ein Kunde nicht verstanden hat, wurde ihm schlecht kommuniziert. Das führt dann zu falschen Ergebnissen auch in unserer Arbeit, zu tausend Nachfragen, zu schlechter Laune auf allen Seiten. So etwas können und wollen wir uns nicht leisten. Wer versucht, sich mit «Marketingsprech» aufzublasen und zu beeindrucken, baut kein Vertrauen auf – eher im Gegenteil. Der erste Ansprechpartner für jeden Kunden bin ich. Das ist Chefsache, wie es auch für den Kunden in der Regel Chefsache ist. Es sind ja inzwischen durchaus grössere Summen im Spiel. Ich nehme mir vor allem für die ersten Kundengespräche viel Zeit. Es geht mir dabei nicht nur darum, darzustellen, was wir leisten können. Ich selbst will auch verstehen, welche Ziele das Unternehmen hat, wie es organisiert ist, welche Unternehmenskultur herrscht. Geht es in die Realisierung, übernimmt der Mitarbeiter, der den Auftrag umsetzt. Neue Marketingtrends und sich daraus ergebende Möglichkeiten stellen wir übrigens auch in unserem Newsletter den Kunden mehrmals im Jahr vor und schätzen deren Bedeutung für kleine und mittlere Unternehmen ein. Hier berichten wir über Projekte, die wir gerade bearbeiten – als Nachweis unserer Kompetenzen, aber auch als Anregungen für andere Firmen. Wir schreiben über Aktionen, an denen wir uns beteiligen, begrüssen neue Unternehmen in unserer «Kunden-Community» und wenn wir einen neuen Mitarbeiter haben, stellen wir ihn vor. Wie führen Sie Ihre Mitarbeiter? Heute spricht man von der «Generation Y» oder «Schneeflocke», die ganz spezielle Vorstellung vom Arbeitsleben hat, die sehr viel Lob, sehr viel Feedback wünscht, keine grosse Verantwortung übernehmen möchte. Ein Stichwort ist auch Work-Life-Balance. Mein Prinzip ist, alle gleich fair zu behandeln. Menschlichkeit, gesunder Menschenverstand, Berechenbarkeit im Verhalten, Vertrauen bilden meine Richtschnur. Ich brauche Stabilität im Team und jeder soll sich bei der Arbeit wohlfühlen. Dabei muss klar sein, dass wir hier kein «enger Freundeskreis» sind, der sich schon aus dem Sandkasten kennt. Natürlich ist ein freundschaftliches Umgehen miteinander wichtig und schön, es darf aber nicht zu intim werden, damit Dinge, die der Arbeit im Weg stehen, auch klar angesprochen werden können. Jeder trägt hier Verantwortung und

Christoph Beyer, Beispiel eines jungen «Selfmademan».

führt seine Arbeit sehr selbstständig aus. Hinzu kommen regelmässige Projektsitzungen und ich versuche, mit jedem im Team einmal oder zweimal im Monat ein kurzes individuelles Gespräch zu führen, damit kein Problem, wenn es denn eines gibt, ansteht und dadurch grösser wird. Wenn ich merke, dass jemand ein privates Problem hat, gebe ich auch mal einen Tag frei. Wer privat belastet ist, konzentriert sich nicht auf seine Arbeit. Wir arbeiten hier naturgemäss in einer flachen Hierarchie. Das ändert nichts daran, dass es eine Hierarchie gibt. Das letzte Wort habe ich. Ich erwarte Respekt und respektiere meinerseits. Ich würde nie Witze auf Kosten von Mitarbeitern machen und musste in den ganzen 15 Jahren auch noch nie laut werden. Wenn es ein ernstes Problem gibt und ich extrem unzufrieden mit einem Verhalten oder einer Leistung bin, merken das alle ohnehin sofort. Was schätzen Sie an Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern? Worüber ich sehr froh bin, ist, dass sich alle im Team als Dienstleister verstehen und unsere Kunden auch entsprechend behandeln. Diese Agentur ist ein kleines Familienunter-

nehmen. Meine Lebensgefährtin und ich wissen, was es bedeutet, selbstständig zu sein, Dienstleister zu sein. Das haben wir so gewollt. Auch daher rührt unser grosses Verständnis für unsere Kunden – ein Verständnis und ein daher rührendes Handeln, das man gemeinhin von den Mitarbeitern nicht unbedingt erwarten kann. Ich kann aber sagen, dass sie bei uns fast hundertprozentig diese Haltung ebenfalls an den Tag legen. Was ich sogar hin und wieder feststelle, ist, dass sie eher zu viel auf Sonderwünsche eingehen als dass sie lustlos erklären würden, was alles nicht gehe. Gehadert wird auch nicht damit, dass hin und wieder Überstunden geleistet werden müssen. In einer Werbeagentur bleibt das leider ebenso wenig aus wie in anderen Unternehmen. Termine müssen eingehalten werden, auch wenn es zwischendurch zu ungeplanten Verzögerungen kommt – obwohl wir natürlich immer zeitliche Puffer einplanen. Wer als Chef Leistungsbereitschaft erwartet, muss allerdings mit gutem Beispiel vorangehen. Ich weiss, der Begriff Work-LifeBalance ist in Mode. Es ist unbenommen, dass jeder Mensch auch ein Leben ausserhalb der Arbeit hat und es geniessen soll. Work ist aber ebenfalls Life, finde ich. Wichtig ist, dass man sich dort, wo man arbeitet, gut fühlt. Dafür muss ich als Chef entsprechende Bedingungen schaffen. Welche Ziele haben Sie für die Zukunft? Wir haben drei Standbeine: das Offline-Geschäft, also Print in gesamter Breite, aber auch Beschriftungen und Design, dann Websites und Internetplattformen sowie als dritten grossen Bereich unser System osca, unser selbst entwickeltes Angebot für einen digitalen Hausmeisterservice. Alle drei sind wichtig für uns und ergänzen sich. In allen diesen drei Feldern wollen wir weiter wachsen, obwohl der digitale Bereich sicher mehr als die anderen an Bedeutung gewinnen wird. Wichtig scheint mir zu sein, genau zu beobachten, welche Trends und Möglichkeiten sich ergeben, dabei aber nicht auf jeden Zug gleich unbesehen aufzuspringen, sondern genau zu prüfen, ob sie für unsere Kunden sinnvoll sind. Die stetige Fortbildung unserer Mitarbeiter ist dafür unabdinglich. Dazu müssen sie bereit sein. Und ich muss darauf vertrauen, dass sie ihr spezielles Arbeitsgebiet beherrschen. Das heisst: Je grösser die Agentur wird, desto mehr Vertrauen muss ich auch in ■ meine Mitarbeiter haben.


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Bild: Hans Mosimann

Swiss Medtech Day 2018

V.l.: Der Jury-Vorsitzende Prof. Mirko Meboldt von der ETH Zürich, Rubino Mordasini, Past Präsident Swiss Medtech, Moderatorin Jessica Gygax, Philipp Tholen, Mitbegründer und Leiter Product & Operations, Ava, sowie Peter Stein, Mitgründer und Leiter F&E Ava. Die Ava AG hat am Swiss Medtech Day vom 12. Juni 2018 in Bern den Swiss Medtech Award gewonnen. Ausgezeichnet wurde das Zürcher Start-up für die Entwicklung eines FertilitätsTrackers. Dieser hilft Frauen, ihre fruchtbaren Tage zu erkennen und sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Den erstmals mit 50 000 CHF dotierten Preis überreichte der Jury-Vorsitzende Prof. Mirko Meboldt von der ETH Zürich vor rund 600 Teilnehmenden. Auch die beiden anderen Award-Nominierten, die Xeltis AG und

BÜHLMANN Laboratories AG, tragen mit ihren zukunftsweisenden Medizinprodukten – einer künstlichen Herzklappe und einem Heimtest für chronisch Darmerkrankte – deutlich zur erhöhten Lebensqualität der Patienten und zur effizienteren Gesundheitsversorgung bei. Weiter wurden am Swiss Medtech Day unter dem Patronat von Innosuisse 39 Poster mit innovativen Medtech-Forschungsprojekten vorgestellt und präsentierten acht Teams am Science Slam ihre Neuheiten im Blitzvortrag. Marco Gadola, CEO Straumann Group, beschrieb den spektakulären Weg seiner Firma aus der Krise hin zum Weltmarktführer. Als Keynote-Referentin sprach Prof. Dr. Andréa Belliger vom Institut für Kommunikation & Führung IKF über die Dringlichkeit der digitalen Transformation von Unternehmen. Und an sechs Breakout Sessions wurden branchenspezifische Fragen diskutiert. Die diesjährigen Themen reichten vom Innovations-Support für Start-ups und KMU bis zu Kooperationsmodellen bei der Implementierung der beiden neuen EU-Regulierungen für Medizinprodukte (MDR) und In-vitro-Diagnostika (IVDR). Diverse Aussteller zeigten ferner ihre Produkte und Dienstleistungen für die Medizintechnik, u.a. auch im Bereich Qualitätsmanagement.

www.swissmedtechday.ch

Neue ISO Standards für Werkzeuge Elektrische Energie, Lufthydraulik, Kühlungsenergie etc.: Wenn das Thema Effizienz aufkommt, kommt einem die Ergiebigkeit von MaschinenWerkzeugen nicht gleich in den Sinn. Nichtdestotrotz befinden sich in den industriellen Werkzeugen Motoren und diverse Komponenten, die im Einsatz Energie freisetzen respektive verbrauchen. Glücklicherweise hilft nun eine neue Serie von ISO-Standards dabei, Energie zu messen, gar das «Machine Design» von Werkzeugen und deren «Performance» zu optimieren. Kürzlich wurden ISO-Standards für eine umweltschonende Auswahl von Maschinenwerkzeugen veröffentlicht. Hierbei werden die Tools nicht nur aufgrund von Lieferangaben analysiert, sondern auch bezüglich Kompatibilitäten unter der weltweit riesigen Auswahl an Werkzeugtypen eingeordnet: «ISO 14955-1, Machine tools – Environmental evaluation of machine tools – Part 1: Design methodology for energy-efficient machine tools, addresses the energy efficiency of machine tools during their working life. It identifies the main

functions and machine tool components that are responsible for energy demand during the use phase. These components are then compared with previous components or with the state-ofthe-art for their future improvement. ISO 14955-2, Machine tools – Environmental evaluation of machine tools – Part 2: Methods for measuring energy supplied to machine tools and machine tool components, supports the energy-saving design methodology according to ISO 14955-1 by providing practical methods for measuring the energy supplied to machine tools.» (Quelle: ISO) Die neuen ISO-14955-Serien unter energieschonenden Prämissen wurden durch das «ISO technical committee ISO/TC39», hierbei auch durch Schweizer Experten von SNV, mitentwickelt. (mm) www.iso.org Siehe auch den Artikel «Une nouvelle norme ISO pour des machines-outils moins énergivores» (in franz. Sprache) in dieser Ausgabe auf Seite 26.

20. Jubiläum des Kollegiums für Hausarztmedizin Das KHM ist eine Stiftung, deren Ziel es ist, die Qualität der medizinischen Grundversorgung in Praxis, Lehre und Forschung zu unterstützen. Am 21. und 22. Juni fand im KKL Luzern die 20. Fortbildungstagung des Kollegiums statt. Das Tagungsmotto «bittersüss» passte zum Jubiläums-Fachanlass: Über 50 Sessions (Referate, Seminare, etc.) mit rund 65 Referenten drehten sich um vitale Themen der Gesundheitsbranche. Darüber hinaus vergab das KHM den KHM-Forschungspreis. Der diesjährige Preis ging an Herrn Dr. med. Cédric Lanier (1. Preis) und Herrn Dr. med. Sven Streit (2. Preis) mit ihren Teams. Für ein sehr verdienstvolles Engagement in der Kinder- und Hausarztmedizin wurde Herr Dr. med. Christian Häuptle aus St. Gallen als KHMKopf des Jahres geehrt. www.kollegium.ch

149. Vereinsversammlung des SVTI Schweizerischer Verein für technische Inspektionen Der SVTI verzeichnete im Geschäftsjahr 2017 in allen Arbeitsbereichen eine bessere Geschäftslage als im Vorjahr. Besonders gut ausgelastet waren das Kesselinspektorat und das Nuklearinspektorat. Per 1. Januar 2018 haben sich die im freien Markt tätigen Tochtergesellschaften Swiss TS Technical Services AG, IWT Institut für Werkstofftechnologie AG und Swissi AG zur Swiss Safety Center AG zusammengeschlossen. An der 149. Vereinsversammlung vom 21. Juni 2018 in Olten nahmen rund 220 Mitglieder teil. Dr. Raffael Schubiger, CEO der Swiss Safety Center AG, wird per Anfang 2019 zusätzlich die Funktion des Direktors des SVTI übernehmen. Sein Vorgänger Dr. Herbert Egolf wird dem SVTI in einem reduzierten Pensum weiterhin unterstützend zur Verfügung stehen. Als besonders wertvoll schätzt der SVTI den Erfahrungsaustausch mit anderen Organisationen wie zum Beispiel mit dem in Deutschland ansässigen Verband der Technischen Überwachungsvereine (VdTÜV) und mit Forschungsinstitutionen wie der Fachhochschule St. Gallen. Ergänzend zu ihrem Dienstleistungsangebot baut die SVTI-Gruppe auch ihr umfassendes Ausund Weiterbildungsprogramm laufend aus. www.svti.ch


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CSEM lanciert einen Wettbewerb für Schweizer KMU Prominente Köpfe für swissICT Das private Non-Profit-Entwicklungszentrum CSEM mit Hauptsitz in Neuenburg zieht ein positives Resümee über das vergangene Ge-

Bild: zVg.

Claude Nicollier, Präsident des CSEM Verwaltungsrats, und Mario El-Khoury, CEO (rechts).

schäftsjahr 2017. Laut Medienmitteilung gab es besonders eine erfreuliche Entwicklung für industrielle Tätigkeiten des CSEM. Das CSEM wünsche sich noch viel mehr solcher Initiativen und starte deshalb einen Wettbewerb für Schweizer KMU namens «CSEM Digital Journey», heisst es in der Aussendung weiter. «Die Digitalisierung stellt für diese Unternehmen eine besondere Herausforderung dar, da sie nicht unbedingt über das notwendige Knowhow verfügen, um gewinnbringend einzusteigen», erklärt Mario El-Khoury, CEO des CSEM. Interessierte Betriebe können auf einen Katalog von Technologien zurückgreifen und ihre Ideen bis zum 10. September einreichen. Eine Expertenjury wählt das vielversprechendste Projekt aus, dessen Entwicklung vom CSEM gezielt mit Arbeiten im Wert von CHF 100 000 begleitet wird. Der Name des Gewinner-Unternehmens der ersten «CSEM Digital Journey» wird am 7. November 2018 anlässlich des «4. CSEM Business Day» bekannt gegeben. Partner dieses Wettbewerbs ist Swissmem.

Mit der 3L Informatik haben die ICT-Verbände swissICT und Schweizer Informatik Gesellschaft ein Joint-Venture ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist, die Aktualität von Fachwissen in der Informatik sichtbar zu machen. Anfang des Jahres wurde die Lancierung des Joint Ventures 3L Informatik angekündigt. Jetzt geht es in die Umsetzungsphase. Drei prominente Köpfe konnten für die Initiative 3L Informatik von SI und swissICT gewonnen werden: – Prof. Dr. Reinhard Riedl von der Berner Fachhochschule (BFH) übernimmt die Leitung des Fachbereichs Bildungssysteme. – Prof. (emer.) Martin Glinz von der Universität Zürich engagiert sich als Verantwortlicher Beirats- und Arbeitsgruppenleiter zum Thema Multiple–Choice-Test. – Dr. Alain Gut, Präsident der Kommission Bildung von ICTswitzerland, ist im Beirat engagiert. Weitere bekannte Namen im bereits konstituierten Beirat kommen aus den Informatikdepartments der Fachhochschulen aller Landesteile. Ebenso wurden die privaten Bildungsanbieter wie Kalaidos oder m&f engineering mit Vertretern eingebunden.

www.csem.ch/digitaljourney

«Berufe der ICT» mit Zertifikat ISO 22000 zur «Food Safety» wird erneuert Es heisst, dass über 200 Krankheiten über die Nahrungsmittelkette verbreitet werden können. Der komplexe, globalisierte Handel mit Nahrungsmitteln trägt sein Übriges bei. Deshalb leuchtet es ein, dass Nachhaltigkeit in der Nahrungsproduktion eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit bildet. Die neu entworfene ISO 22000 über «Food Safety Management»-Systeme berücksichtigt die Prävention, die Elimination und letztendlich auch die Kontrolle einer durch Lebensmittel übertragenen Gefahr. Die ISO, die von der Produktion bis zur Konsumption geht, fordert auf jeder Stufe der Nahrungsherstellung ensprechende Gefahrenkontrollen. Sie fordert alle beteiligten Parteien – Regierungen, Produzenten, Händler und Konsumenten –, die Gefahren im Essensbereich zu identifizieren. ISO 22000:2018 beendet und ersetzt ISO 22000:2005. Organisationen, die bereits mit dem Standard zertifiziert wurden, haben nun (A. d. Red.: seit dem 19. Juni 2018) drei Jahre Zeit, sich der neuen ISO-Norm anzupassen.

ISO 22000:2018 (… ). Its latest improvements include: – Adoption of the High-Level Structure common to all ISO management system standards, making it easier for organizations to combine ISO 22000 with other management systems (such as ISO 9001 or ISO 14001) at a given time – A new approach to risk – as a vital concept in the food business – which distinguishes between risk at the operational level and the business level of the management system – Strong links to the Codex Alimentarius, a United Nations food group that develops food safety guidelines for governments (Quelle: ISO) Der neue Standard kombiniert folgende Schlüsselbereiche: Interaktive Kommunikation, System Management, Parallel-Redundanz-Programme wie PRP, «Prerequisite Programmes» sowie die Prinzipien der HACCP, «Hazard Analysis and Critical Control Points.» (Michael Merz) www.iso.org

Für den ICT-Arbeitsmarkt entsteht ein einfach anzuwendendes und sehr transparent gestaltetes Instrument, um abschätzen zu können, ob ein Jobkandidat auf dem aktuellen Stand des Fachwissens ist. Drei Jahre gilt ein erworbenes Zertifikat, dann kann es jederzeit erneuert werden. Bewertet wird dabei die individuelle Leistung in einem Multiple–Choice-Test und der erreichte Punktwert aus der strukturierten Auswertung des Lebenslaufes eines Kandidaten. Ziel ist es, ein möglichst aktuelles Bild der Wissensentwicklung eines Informatikers zu erhalten, deshalb sind z.B. auch bereits erworbene Punkte einem gewissen Verfall über die Jahre ausgesetzt. Im Moment ist 3L Informatik dabei, die organisatorischen und technischen Voraussetzungen für erste Zertifizierungen zu schaffen www.3l-informatik.ch Hinweis: Eine mit ICT-ExpertInnen besetzte Jury sucht bis am 17. September 2018 die besten «digitalisierten» Unternehmen der Schweiz; mehr Informationen finden Sie unter: www.digitaleconomyaward.ch


08 BRANCHENFOKUS BILDUNGSWESEN

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Wie Weiterbildungsanbieter ihr QMS als Marketinginstrument nutzen können

Tue Gutes und sprich darüber

Bild: Lindas Fotowelt /pixelio.de

Damit Weiterbildungsanbieter aus ihrem zertifizierten Qualitätsmanagement-System (QMS) einen möglichst grossen Nutzen ziehen können, braucht es Modelle, die sich optimal in die Organisation integrieren lassen. QMS sind wertvolle Leitplanken für die Qualitätssicherung und -entwicklung, aber mit dem Label allein ist es nicht getan. Es braucht ein bereichsübergreifendes Qualitätsverständnis und eine gemeinsame Sprache sowie Qualitätsziele, die von allen Mitarbeitenden getragen werden.

Simone Kamm

Die Qualität besitzt sowohl bei privaten wie auch bei öffentlichen Weiterbildungsanbietern einen hohen Stellenwert. Die Mehrheit der Weiterbildungsanbieter in der Schweiz sichern und entwickeln ihre «Qualität». Über die Hälfte tut dies systematisch und verfügt über ein Qualitätszertifikat oder -label. Dies geht aus einer Studie des Schweizerischen Verbands für Weiterbildung hervor. Mit über 1000 zertifizierten Institutionen ist das Qualitätslabel eduQua, das speziell auf Weiterbildungsanbieter und betriebsinterne Weiterbildungsabteilungen zugeschnitten ist, unter den Anbietern mit einem zertifizierten QMS das meistverbreitete Label (86%) in der Schweiz. Gefolgt wird es von ISO (23%; davon rund drei Viertel ISO 9001, ein Viertel ISO 29990) und weiteren Labels, Modellen und Richtlinien (25%) wie EFQM sowie spezialisierte, branchenspezifische Zertifikate wie beispielsweise SVOAM (Arbeitsintegration).

Simone Kamm ist Bereichsleiterin Qualitätssicherung und -entwicklung, Geschäftsstellenleiterin eduQua, Schweizerischer Verband für Weiterbildung SVEB. Kontakt: simone.kamm@alice.ch

Erfolg durch Weiterbildung ist erst sichergestellt, wenn auch die Qualität des Angebots stimmt.

Fast ein Drittel der Anbieter verfügt über zwei oder mehr Labels.

Grosse interne Wirkung Trotz hohem Aufwand beurteilen Weiterbildungsanbieter den Nutzen eines zertifizierten QMS als gross. Dies hat jüngst auch eine Studie aus Deutschland belegt. Hauptsächlich bezieht sich diese Beurteilung jedoch auf interne Effekte. Dazu gehören die Auseinandersetzung innerhalb der Organisation mit Qualität, der Verbesserung der Organisationsprozesse, der Transparenz in organisatorischen Strukturen sowie der Nutzen für die interne Kommunikation. Die Steigerung der Qualität bei den Lehr-/und Lernprozessen sowie der Professionalisierung der pädagogischen Arbeit wird aus Sicht der Anbieter ebenfalls durch ein QMS unterstützt. Trotzdem werden die meisten Anbieter eher durch die Vorgaben öffentlicher Auftraggeber als durch eigene Überzeugung zu

einem zertifizierten QMS gedrängt. Dies birgt eine gewisse Gefahr, dass das QMS nicht als Steuerungs-, sondern als Rechtfertigungsinstrument gegenüber Subventionsgebern eingesetzt und nur periodisch für Zertifizierungs- und Zwischenaudits bewirtschaftet wird. Zudem ist es schwierig, eine gemeinsame Sprache zu finden und ein einheitliches Qualitätsverständnis zu entwickeln, weil viele Weiterbildungsanbieter mit komplexen, oft dezentralen Strukturen arbeiten, die Kursleitenden im Stundenlohn und mit unterschiedlich hohem Unterrichtspensum beschäftigt sind.

Potenzial beim externen Mehrwert An die externe Wirkung eines QMS glauben die wenigsten Anbieter. Obwohl drei Viertel der mit einem Q-Label Zertifizierten eine Imagesteigerung feststellen, schreiben einer Zertifizierung nur wenige eine Zunahme von Teilnehmerzahlen, Auslastung und Umsatz


BILDDUNGSWESEN BRANCHENFOKUS 09

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zu. Dieser Widerspruch deutet darauf hin, dass in der Regel das QMS nicht für Marketing- und Kommunikationszwecke genutzt wird. Dabei liegt für die optimale Marktpositionierung eine Verbindung von Qualitätsmanagement und Marketing auf der Hand, zumal der Teilnehmende bzw. Kunde (Marketing) und dessen Zufriedenheit (Qualität) für die Gesamtorganisation im Zentrum stehen und Ziel aller Tätigkeiten sein sollten. Welche Zahlen und Werte gegen aussen kommuniziert werden und in welchem Kontext, soll natürlich gut überlegt sein. Die Durchführungsrate, Erfolgsquote oder die Abbruchzahlen mögen für die externe Kommunikation eher ungeeignet sein. Grundsätzlich gilt jedoch: Auf die Geschichte kommt es an. Selbst negative Kundenrückmeldungen können in der Marketingkommunikation genutzt werden, um Vertrauen und Image zu bilden; die Art und Weise, wie man mit einer Kundenreklamation umgeht und welche Prozesse definiert sind, um zu einer zufriedenstellenden Lösung zu gelangen, können durchaus als positive «Geschichte» vermittelt werden.

Beispiel: Incident-Management Ein Online-Weiterbildungsanbieter etwa erhält die Rückmeldung, dass die Kursleitenden schlecht verfügbar und erreichbar seien, Teilnehmerfragen nicht innert nützlicher Frist oder überhaupt nicht beantwortet wer-

«Die Liason von QM und

Marketing macht Unsichtbares für Kunden sichtbar.

»

den. Der Anbieter führt daraufhin ein «Incident»-Management ein, welches eingehende Fragen registriert, den zuständigen Fachpersonen zuteilt, eine zeitnahe Beantwortung sicherstellt. So kann der Anbieter nicht nur die inhaltliche, sondern auch die technische Unterstützung der Teilnehmenden verbessern. In der Sprache der Marketingkommunikation klingt das dann so: «Durch die Einführung eines Incident-Managements haben wir die fachliche und technische Unterstützung der Kursteilnehmen-

Veranstaltungshinweis: «2. nationale Qualitätstagung» - Qualitätslabel in der Weiterbildung Datum: 30. August 2018 8.45 – 13.00 Welle7, Bern Thema: «Qualitätslabel in der Weiterbildung; Nutzen maximieren, Mehrwert verkaufen» Schöpfen Sie das Potenzial Ihres zertifizierten Qualitätsmanagement-Systems bereits voll aus? Die Tagung gibt Anregungen und diskutiert mit Experten und Personen aus der Praxis, wie ein Qualitätslabel im Weiterbildungsbereich zum Wettbewerbsvorteil wird, wenn es gelingt, den internen Nutzen zu maximieren und den Mehrwert gegen aussen sichtbar zu machen. Die Veranstaltung wird vom Schweizerischen Verband für Weiterbildung in Zusammenarbeit mit der nationalen Arbeitsgruppe «Qualität in der Weiterbildung» durchgeführt, in der die SAQ Mitglied ist. Aus dem Programm/Referate: – Ales nur Alibi? Erfolgsfaktoren für ein wirkungsvolles QMS als Managementmodell. (Olivier Mark, Olivier Mark Management)

– Was wissen Sie über die Wirkung Ihres QMS? (Kurt Rubeli, Rektor der ABB-Technikerschule, Baden) – Gutes tun und darüber sprechen.So bringen Sie die Qualität ins Gespräch. (Solange Dunand, Consultante Qualité & Stratégie, qef.ch) – Qualität in der Praxis bei der Rettungssanität. Ein Perspektivenwechsel. (Martin Müller, Fachstellenleiter Weiterbildung und Rettungssanitäter Sanitätspolizei Stadt Bern) – Q-Marketing: Verkaufen Sie Ihre Erfolge! (Gaby Neyer, Expertin für hybride Kommunikation und Mitglied der Geschäftsleitung Transformer Werbeagentur AG) Kosten: SAQ-Mitglieder CHF 95.00 (bitte bei der Anmeldung vermerken), Nichtmitglieder CHF 190.00

Anmeldung: www.alice.ch/veranstaltungen

den unserer Online-Lehrgänge sichergestellt und bieten ihnen eine optimale Unterstützung beim Studium.» Ergänzen lässt sich das durch ein Testimonial eines Teilnehmenden, der von der positiven Entwicklung berichtet.

Qualitätskennzahlen als Basis für Marketing Die Liaison von QM und Marketing/Kommunikation macht Unsichtbares für Kunden sichtbar; sie steht für Kundenfokus und Transparenz und erbringt dafür auch Nachweise aus dem QMS. Qualitätskennzahlen liefern dem Marketing Grunddaten für Storytelling, Infographics und Erfolgsgeschichten. Gekonnt auf die Marketinginstrumente angewandt und zielgruppenadäquat in klassischen und modernen Marketingkanälen eingesetzt, kann das QMS somit Wettbewerbs■ vorteile verschaffen.

Literatur 1 Bildungsstudie «Qualitätssicherung in der Weiterbildung», SVEB (2016) 2 Ergebnisse wbmonitor Umfrage 2017 «Qualitätsmanagementsysteme in der Weiterbildung», bibb (2018)


10 BRANCHENFOKUS BILDUNGSWESEN

Bildungsbericht in dritter Auflage

Nachfrage nach Hochschulabschlüssen steigt weiter Der Bildungsbericht Schweiz 2018 liegt vor. Auf über 300 Seiten ist darin das aktuelle Wissen über das Bildungswesen Schweiz und dessen Leistungsfähigkeit zusammengefasst – von der obligatorischen Schule bis zur Weiterbildung. Thomas Berner

Der Bildungsbericht Schweiz 2018 vermittelt Daten und Informationen aus Statistik, Forschung und Verwaltung zum gesamten Bildungswesen entlang von rund 500 Themen. Der Bericht erscheint alle vier Jahre und wird von der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) in Aarau erarbeitet. Auftraggeber sind das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und die Schweizerische Konferenz der Bildungsdirektoren (EDK).

Themen Migrationshintergrund und Digitalisierung: Noch viel Arbeit Unter den aktuell wichtigen Herausforderungen für das Schweizer Bildungswesen benennt der Bildungsbericht die Migrationsfragen und die Digitalisierung. Ein Drittel der 15- bis 17-Jährigen weist einen Migrationshintergrund auf, sagt dazu die Statistik. Um die

Der Bildungsbericht 2018 ist als E-Paper unter www.bildungsbericht.ch erhältlich.

Frage der Integration von Migrantinnen und Migranten eingehender zu untersuchen, wäre gemäss Bildungsbericht die Beschaffung besserer statistischer Daten angezeigt, die auch Sprache, kulturelle Herkunft, sozioökonomische Herkunft und Anwesenheitsdauer im Land umfassen. Vielfach werde nämlich in Studien einzig der Migrationshintergrund als Ursache schulischer Benachteiligung angegeben und das sei zu vereinfachend. Zur Digitalisierung im Bildungsbereich gibt es noch wenig Forschungsergebnisse oder Indikatoren. Im Arbeitsmarkt hat sich die Digitalisierung und somit die Automatisierung in den letzten zwanzig Jahren zwar deutlich manifestiert, gemäss Bildungsbericht ist es aber aktuell schwierig, Prognosen zu machen hinsichtlich des Umfangs und vor allem der Geschwindigkeit, mit der sich diese Prozesse in Zukunft auswirken werden. Auch die Berufsbildung ist in dieser Hinsicht stark gefordert, da sie am Arbeitsmarkt verwertbare Kompetenzen vermitteln muss. In einer internationalen Studie erreicht die Schweiz zusammen mit Österreich bezüglich des Gleichgewichts von Bildungswesen und Wirtschaft den Spitzenplatz. Die schweizerische Verbundpartnerschaft scheint demnach eine besonders enge und gleichgewichtige Verzahnung zwischen den Akteuren des Bildungswesens und der Arbeitswelt zu garantieren.

Tertiarisierung setzt sich fort Das Prinzip des «lebenslangen Lernens» scheint in der Schweiz beherzigt zu werden.

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Und auch das Streben nach einem Hochschulabschluss hält an. Denn der Prozess der Tertiarisierung wird sich in der Schweiz fortsetzen, wenn auch in einer etwas abgeschwächten Dynamik, stellt der Bildungsbericht fest. Gemäss Prognosen des BFS werden bis 2045 rund 60 % der Bevölkerung einen tertiären Bildungsabschluss (Hochschule oder höhere Berufsbildung) aufweisen. 2015 lag dieser Anteil bei rund 40 %. Dieser Anstieg von tertiär Gebildeten wurde vom Arbeitsmarkt auch tatsächlich nachgefragt, denn die relativen Einkommen von Tertiärgebildeten (Bildungsrenditen) sind über die Jahre mehr oder weniger konstant geblieben. Die Bildungsrenditen lassen dabei keine markanten Unterschiede zwischen höherer Berufsbildung und Hochschulen erkennen.

Fachkräftemangel leicht entschärft Auf Basis der Bildungsberichte 2010 und 2014 haben die EDK und das SBFI in den Jahren 2011 und 2015 gemeinsam bildungspolitische Ziele für den Bildungsraum Schweiz festgelegt. Der Bildungsbericht enthält erste Hinweise, ob und wie diese Ziele erreicht worden sind. So sei die Harmonisierung der Strukturen und Ziele der obligatorischen Schule in den vergangenen Jahren bereits weit fortgeschritten. Bund und Kantone haben bereits 2011 das bildungspolitische Ziel festgelegt, dass 95 % der 25-Jährigen über einen Abschluss auf der Sekundarstufe II verfügen sollen. Der Fokus liegt auf den Jugendlichen, die das Schulsystem nicht vollständig in der Schweiz durchlaufen haben. Im Durchschnitt liegt die neu berechnete Quote bei 91 % (Zahlen für 2015). Mit 94 % erreichen Jugendliche mit Schweizer Nationalität die Zielquote von 95 % nahezu, während die Quote für Migrantinnen und Migranten mit 86 % (in der Schweiz geboren) und 73 % (im Ausland geboren) weiter von der Zielgrösse entfernt ist. Im MINT- und Gesundheitsbereich könnte sich der Fachkräftemangel in den entsprechenden Berufsfeldern in Zukunft etwas entschärfen. So ist beispielsweise in den MINT-Fächern die Zahl der Abschlüsse an den Hochschulen seit 2010 deutlich gestiegen und die Prognosen deuten darauf hin, dass dieser Trend auch in den nächsten Jahren an■ halten wird.


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Standards stärken die agile Transformation, Teil 2

Das agile Manifest Die VUCA-Welt fordert offenen Umgang mit Veränderungen auf allen Ebenen des Unternehmens. Rückt der Kunde ins Zentrum, verschiebt sich der Fokus von Anforderungen an Produkte hin zum Mehrwert (eigentlicher Zweck) des Produktes/ der Leistung für den Kunden. Mit dem Manifest für agile Entwicklung wird dieser Wandel mit neuen Werten tief im Unternehmen verankert. Dieser Wandel hin zu Werteorientierung setzt die Bereitschaft auf einen Kulturwandel (siehe Teil 1 in der letzten Ausgabe) voraus und gelingt mit angepasstem Führungsverständnis und gestützt auf eine konsequente Unternehmensstrategie der Agilität. Zehra Sirin und Thomas Haas

Eines der höchsten Gebote im Qualitätsmanagement ist es, die Kundenanforderungen zu verstehen und konform umzusetzen. Die normative sowie produktspezifische Konformität, die der Kunde voraussetzt, wird durch die Digitalisierung deutlich weniger aufwendig werden. Müssen heute Gesetzeslisten nachweislich sein, die die Kenntnis über die Anforderungen an ein Produkt oder eine Leistung oder deren durchgängige Erfüllung im Unternehmen nachweisen, dürfte dies künftig komplett digitalisiert und automatisiert werden. Für diese Aufgabe eingesetzte Product oder Regulatory Manager dürften diesen datengetriebenen Auto-

matismen – zumindest auf diese Aufgabe bezogen – weichen.

Die Unterscheidung von Anforderungen und Bedürfnissen Die Herausforderung wird darin liegen, schnell auf individuelle Kundenanforderungen zu reagieren – nötigenfalls in Echtzeit. Ein gängiges Instrument für die Ableitung von Kundenanforderungen an Produkte und Leistungen ist das Quality Function Deployment (QFD). Wurde dazu schrittweise abgeleitet, welches Produktmerkmal, welche Funktion oder welches Leistungsmerkmal wie konstruiert, verändert oder verbessert werden muss, um die Kundenanforderung zu erfüllen, werden diese schrittweisen Vorgehen

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künftig zu zeitintensiv für Echtzeitanforderungen sein. Eine Alternative aus der agilen Welt stellt das Framework Scrum aus der Toolbox der Softwareentwickler dar. Auch Scrum hat sich zwischenzeitlich von der strengen Softwareentwicklungs-Methode in die Projektvorgehen etabliert. Die Kunden müssen sich ebenfalls umstellen und über den gesamten Projektverlauf hinweg aktiv mitarbeiten (Co-creation) sowie einen engagierten Ansprechpartner bereitstellen. Der Vorteil liegt darin, dass sie davon profitieren, dass sie jederzeit direkten Einfluss auf den Projektverlauf, die Umsetzung ihrer Bedürfnisse haben und über den Stand der Arbeiten im Bilde sind. Diese Vorgehensweise ist bezüglich der Anforderung, die Erwartungen der Kunden zu verstehen, kaum besser zu erfüllen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die nachfolgend beschriebene strikte Abgrenzung zwischen den beiden Definitionen Kundenbedürfnisse und -anforderungen. Die Scrum-Methode entwickelt die Lösung ungeachtet der vermeintlichen Anforderungen der Kunden und fokussiert sich auf die übergeordnete Frage, den Nutzen, den Zweck, welcher das Kundenbedürfnis überhaupt ausgelöst hat, und strebt die Lösungssuche darauf basierend an. Dabei werden Kundenanforderungen als Ausgangs-Hypothese betrachtet. Innerhalb des iterativen Entwicklungsprozesses wird ausgehend von den Kundenanforderungen eine Lösung entwickelt. Die Umsetzung, das Resultat, wird als Experiment geführt, um den Zweck, die Motivation des Kunden, den Nutzen zu validieren. Neue Erkenntnisse fliessen in die nächste Iteration ein (siehe Grafik).

Innerhalb des iterativen Entwicklungsprozesses wird ausgehend von den Kundenanforderungen eine Lösung entwickelt.


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Schrauben: Die Spezifikationen oder den Zweck erfüllen? Beispiel: Bei einem Hersteller von Schrauben stellt typischerweise ein Qualitätsmanager sicher, dass die herzustellenden Schrauben der Spezifikation entsprechen. Die Anforderungen der Kunden sind Schrauben gemäss Spezifikation. Das Qualitätsmanagement stellt demnach sicher, dass die Schrauben diesen Anforderungen entsprechen, und verspricht sich damit die Erfüllung der Kundenzufriedenheit. So weit, so gut.

«Mit den agilen Methoden

werden in Entwicklungsvorhaben Kundenbedürfnisse viel weiter gefasst.

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Mit den agilen Methoden werden in Entwicklungsvorhaben Kundenbedürfnisse viel weiter gefasst. Die Frage ist nicht bloss, ob Schrauben Spezifikationen erfüllen, also richtig erstellt sind. Die Frage ist: erfüllen die Schrauben ihren Zweck? Erst mit dem Nutzen der Schrauben erfüllen sie das ursprüngliche Bedürfnis. Dient die Schraube, um Bilder aufzuhängen, so erfüllt die Schraube ihren Zweck mit dem aufgehängten Bild. Mit dem Verständnis für das Bedürfnis, ein Bild an der Wand, kann die Entwicklung eines Produktangebots weitergeführt und anstelle von beliebigen Schrauben zu spezifischen BilderBefestigungs-Systemen oder gar Dienstleistungen führen. Je nach Innovationsbedarf kann die Entwicklung auf weitere Bedürfnisse ausgeweitet werden: Räume dekorieren, Diplome und Auszeichnungen zur Schau stellen, Idole vor Augen führen, Erinnerungen festhalten. Ein Produkt- oder Dienstleistungsangebot könnte entsprechend über Bilder befestigen hinausgehen und sich der Raumdekoration oder anderer Themen annehmen.

Schlüsselbegriffe im agilen Projektmanagement – Individuen und Interaktionen stehen über Prozessen und Werkzeugen.

Konsequenzen für das Qualitätsmanagement Die Digitalisierung führt zu mehr Automatisierung, Standardisierung und Kostendruck. Differenzierung über zusätzliche Wertschöpfung ist eine mögliche, bewährte Strategie sich diesem Druck zu entziehen. Mehr Wertschöpfung bedeutet, Produkte und Dienstleistung für übergeordnete Kundenbedürfnisse zu entwickeln (im Beispiel: «Erzielte Erfolge zur Schau stellen» statt Befestigungen oder Schrauben und Diplome und Auszeichnungen aufzuhängen.) Übergeordnete Bedürfnisse herauszuschälen, Produkte und Dienstleistungen dafür zu entwickeln, ist ein komplexer Prozess und wird daher idealerweise empirisch angegangen. Wie bereits festgehalten, kann Qualität in empirischen Prozessen nicht alleine durch Überwachung der Prozessschritte sichergestellt werden. Dies kann bedeuten, dass zusammen mit der Lösung die Anforderungen an die Lösung sowie auch entsprechende Prüf- und Qualitätssicherungsverfahren mitentwickelt werden. Zukünftig bedeutet das, dass das Qualitätsmanagement in der Lage ist, dies verlässlich sicherzustellen. Als Beispiel für integrales Verfahren kann das A/B-Testing der Internet-Riesen herangezogen werden. Mit A/B-Testing werden unterschiedliche Varianten einer Web-Applikation an verschiedene Benutzer ausgeliefert. Durch Messung des Benutzerverhaltens wird die Web-Applikation kontinuierlich verfeinert und verbessert. Entscheide über die beste Lösungsvariante werden durch prüfbare Hypothesen ersetzt. Die Sicherung der Kundenbedürfnisse ist integraler Bestandteil der Lösung, inklusive der notwendigen Prozesse zur Auswertung der

Bild: HNFOTO – fotolia.com

Eine Aufgabe des Qualitätsmanagements ist, die Erfüllung von Anforderungen sicherzustellen. Dabei wird der Begriff Anforderungen je nach Kontext unterschiedlich gedeutet oder verstanden: als Bedürfnisse des Kunden oder als Spezifikation an ein Produkt. Dazwischen liegt die Lösungsfindung, welche Probleme oder Bedürfnisse des Kunden in mögliche Lösungen ummünzt. Die Anforderungen an das Produkt, die Spezifikationen, leiten sich aus der entwickelten Lösung ab.

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Daten, zum Erkenntnisgewinn und zur gezielten Steuerung der Weiterentwicklung. Ein griffiges Qualitätsmanagement für empirische Prozesse muss daher integraler Bestandteil des Prozesses selbst sein.

Verändertes Führungsverständnis/ Wertorientierung ISO 9001 hat mit der letzten Revision in ihrem Modell die Führung in das Zentrum jeden Handelns gesetzt. Zeitgleich werden neue Anforderungen ans Bewusstsein der Mitarbeitenden über das Managementsystem oder die ohnehin bestehenden Anforderungen wie Einbezug der Mitarbeiter, Kultur etc. gefordert. Agilität gibt diesem teilweise gescheiterten Versuch eine ganz neue Dynamik. War es bisher ein Softthema, ist es neu für die künftigen Wertschöpfungsaktivitäten eine Voraussetzung und wird dadurch unumgänglich.

«Weg vom Entscheider hin zum Teamcoach.» Entschliesst sich ein Unternehmen, dem Wandel agil zu begegnen, beeinflusst das nicht nur den übergeordneten Strategieentwicklungsprozess. Der herausforderndste Teil dürften der Kulturwandel und die diesbezügliche Bereitschaft für eine neue und konsequentere Führungsrolle sein. Denn mit der Absicht, ein agiles Unternehmen zu werden, muss das Unternehmen auch ein einheitliches Verständnis darüber haben, wie es mit dem Wandel künftig umgehen möchte und welche Massnahmen für ein systematisches Vorgehen auf allen Stufen erforderlich werden.


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Es benötigt die Bereitschaft aller Beteiligten, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen, Vertrauen in die Mitarbeiter/ Kollegen zu haben, eine lösungsfokussierte Fehlerkultur zu leben, und nicht zuletzt braucht es Führungspersönlichkeiten, die sich und andere mehr an den erfüllten Leistungs- und Qualitätsansprüchen als an Einfluss und Status messen. Als ein mögliches Beispiel wurde im vorangegangenen Kapitel die Co-creation genannt. Für erfolgreiche Co-creation ist beispielsweise der konstruktive Umgang mit Kritik genauso wichtig wie die Offenheit für gute Lösungsansätze, die ausserhalb des Unternehmens existieren und sich bewährten. Alle Entscheidungen hinsichtlich der Kultur sollen auch formal in den strategischen Grundlagen einer Organisation verankert bzw. erweitert werden. Häufig werden Impulse zur Anpassung von handlungsleitenden Grundlagen in der Organisation durch das Qualitätsmanagement angestossen. Beispiele können die in der Vision festgelegte Organisationsstruktur, eine im Leitbild dokumentierte agile Unternehmungskultur oder ein agiles Führungsverständnis in den Grundsätzen sein. Die Softwareentwicklung orientiert sich hinsichtlich der Kultur am Manifest für agile Softwareentwicklung (siehe «Agile Manifest»). Zwar bezieht sich das im Vergleich zur Vision oder zum Leitbild auf eine operative Ebene. Doch versteht sie sich gleichermassen als Grundstein jeden Handelns in einem Projekt. Aus dem nachstehenden Manifest ist ableitbar, dass die agilen Werte stark auf das Menschenbild abzielen. Es wird davon ausgegangen, dass Menschen intrinsisch motiviert sind und der Treiber ihrer Motivation zu handeln nicht von Anreizsystemen und Vorgaben abhängig ist. Viel eher hängt er von Tatsachen ab wie über Sinn und Zweck für ein herausforderndes Ziel zu verfügen und/oder Wissen für eine Verbesserung und Mehrwert selbstorganisiert zur Verfügung stellen zu können. Dass sich dabei die Führung in ihrem bisherigen Rollenverständnis neu definieren muss – weg vom Entscheider hin zum Teamcoach – versteht sich von alleine.

Eine weitere gegenläufige Anwendung betreffend die obigen Grundsätze geschieht bei Projekten. Stellt die Organisation den Handlungsbedarf durch ein Verbesserungspotenzial oder eine Zielabweichung fest, wird ein Optimierungsprojekt mit Verantwortlichen sowie dem Projektziel entschieden. Diese Entscheidung erfolgt in der Regel durch die Linienvorgesetzten, wobei die Fachexperten als Projektteam damit betraut werden, ihr fachliches Wissen für diese spezifische Lösungsfindung dieses Ziels zu erarbeiten. Das klingt auf den ersten Blick durchaus sinnvoll. Doch widerspricht sie den Mechanismen des agilen Manifestes. Denn durch die Bestimmung des Projektziels wird bereits eine Stossrichtung zugrunde gelegt und dem Projektteam kaum die Chance eingeräumt, noch geeignetere alternative Lösungen anzustreben, die nicht nur KundenAnforderungen erfüllen, sondern darüber hinausgehenden Nutzen schaffen. Teil 3 folgt in der nächsten Ausgabe. Teil 1 erschien in Ausgabe 6-2018. Für eine Bedürfnisanalyse zum Thema Agil und Qualitätsmanagement werden Interessenten gesucht. Sind Sie interessiert? Nehmen Sie Kontakt mit uns ■ auf.

Zehra Sirin entwickelt und richtet Unternehmen auf Transformation aus. Als Beraterin und Trainerin kombiniert sie agile Ansätze zur Optimierung von Strategien, Geschäftsprozessen, bzw. Integrierte Managementsysteme. www.size-consens.ch

Thomas Haas führt Organisationen durch die digitale Transformation. Als Berater, Trainer und Coach unterstützt er Strategie-Entwicklung und -Umsetzung. Dabei kombiniert er bewährte agile Frameworks wie Lean Start-up, Scrum, Kanban und Lean. www.agilist.ch

Agile Manifest Ins Deutsche übersetzt, verankert das Agile Manifest Folgendes. Wir erschliessen bessere Wege, Software zu entwickeln, indem wir es selbst tun und anderen dabei helfen. Durch diese Tätigkeit haben wir diese Werte zu schätzen gelernt: – Individuen und Interaktionen stehen über Prozessen und Werkzeugen. – Funktionierende Software steht über einer umfassenden Dokumentation. – Zusammenarbeit mit dem Kunden steht über der Vertragsverhandlung. – Reagieren auf Veränderung steht über dem Befolgen eines Plans. Das heisst, obwohl wir die Werte auf der rechten Seite wichtig finden, schätzen wir die Werte auf der linken Seite höher ein. Vergleicht man die Inhalte des Manifestes und die Ansätze, die hinter dem Modell AGIL einleitend beschrieben wurden, so ist festzustellen, dass der Kulturaspekt «Zusammenhalt herstellen und absichern» sowie «Aufrechterhaltung von grundlegenden Strukturen und Werten» (AGIL) oft zu wenig konsequent gepflegt wurde. Zu stark liegt und lag das Augenmerk auf dem Handlungsbedarf «Anpassung an Veränderungen» und «Ziele definieren und verfolgen» (AGIL). Der Grund für diese Unausgewogenheit liegt in fast allen Fällen dann vor, wenn Engpässe bezüglich Ressourcen (Zeit und Geld) bestehen.

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Digital konkret

Wie Industrieunternehmen die Digitalisierung umsetzen

Zahnbürsten im Qualitätstest bei der Trisa AG.

neuen Arbeitskultur, die weit über die ICT hinausreicht. Denn: Motivieren kann nur, was überzeugt.

Digitalisierung hier, Digitalisierung dort. Es ist das Kernthema unserer Zeit. Es wird viel publiziert, referiert und geschult. Alles gut und richtig so. Doch was wird in der Praxis effektiv unternommen? Erfreulich viel, wie Beispiele zeigen. Felix Müller und Roland Glauser*

Die Digitalisierung ist in Wirtschaft und Gesellschaft angekommen. Weil man vor ihr nicht davonlaufen kann, muss man sie anpacken. Vorsichtig tastend die einen, mutig forsch die anderen, sind Unternehmer daran, dies zu tun. Noch ist der Stand der Durchdringung unterschiedlich. Im Vorteil sind sicher jene, die ihr Geschäftsmodell vom Markt her anpassen müssen, um überhaupt wettbewerbsfähig zu bleiben. Es gibt aber auch Vorreiter, darunter fortschrittliche KMU, welche die Sache proaktiv umsetzen.

Vier Wegmarken im Vorgehen Diese Unternehmen nutzen die gebotenen Möglichkeiten aus der Digitalisierung, indem sie ihre Systeme und Prozesse entsprechend anpassen und fortentwickeln. Verbessern, strukturieren, vereinfachen, standardisieren, transparent machen, Zugriff ermöglichen: Das sind die entscheidenden Wegbegleiter

dazu. Bei dieser Transformation setzen sie in der Regel die folgenden Marksteine: – Sie schaffen die technischen Voraussetzungen durch Investitionen in die ICT-Infrastruktur. Denn: Ohne geeignete Technik geht nichts. – Sie erkennen die Notwendigkeit, über Software-Spezialisten zu verfügen, die Massarbeit leisten. Denn: Anwenden ist das eine, programmieren das andere. – Sie befähigen ihre Mitarbeitenden in der stufengerechten Anwendung der geschaffenen Tools. Denn: Die Digitalisierung betrifft alle. – Gut instruierte Mitarbeitende nutzen Infrastruktur und Software aber erst optimal, wenn der Umgang damit Spass macht. Und Freude bereitet nur, was überzeugt. Damit öffnen diese Unternehmen das Tor zu einer

Felix Müller ist seit Anfang 2018 CEO der Schweizerischen Vereinigung für Qualitätsund Management-Systeme (SQS).

Roland Glauser führte die SQS bis Ende 2017.

Bei LCA Automation AG wurde die Digitalisierung stark forciert.

Vier Beispiele aus der Industriepraxis Zahlreiche Unternehmen sind in diesem Wandlungsprozess weit fortgeschritten. Wir beobachten das auch im Rahmen unserer Audits bei SQS-zertifizierten Industriebetrieben. Vier Beispiele veranschaulichen, wie die Praxis Prozesse digitalisiert. Konkret!

Agathon AG, Bellach Unternehmer und CEO Michael Merkle treibt die Digitalisierung bei Agathon (200 Mitarbeitende) mit der Integration der Möglichkeiten aus der Industrie 4.0 weiter voran. Er sagt: «Schon heute ist es möglich, aus unseren Anlagen 300 Daten für die Weiterverarbeitung zu gewinnen. Bereits bestehende Applikationen wie Teilefluss, Qualität, Service auf der Basis von ‹Predictive Maintenance› werden perfektioniert. An der EMO im September 2017 in Hannover trat Agathon mit weiteren Neuerungen punkto Produktivität der Maschinen auf. Qualität heisst bei uns einerseits höchste Genauigkeit im Toleranzbereich von einem


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Tausendstel Millimeter, und zwar kontinuierlich gleichbleibend. Andererseits aber auch intuitive und einfache Bedienbarkeit sowie ein weltweiter Service, mit Reaktionszeiten, die den Vorstellungen der Kunden entsprechen. Überdies: Agathon-Maschinen sind rückwärts kompatibel. Wer eine bestehende Maschine durch eine der neusten Generation ersetzt, profitiert davon, dass die neue Maschine die Programme der alten Maschine ‹versteht› und dass auch die Werkzeuge der alten Maschinen auf den neuen eingesetzt werden können».

LCA Automation AG, Küssnacht a.R. Unternehmer und CEO Dr. Christoph A. P. Rennhard hat die Digitalisierung in seinem Betrieb mit 100 Mitarbeitenden «stark forciert», wie er betont. «Unser Vorteil als Automationsspezialist ist, dass wir alle Kompetenzen im eigenen Hause haben: Datenbankanbindungen, Energieverbrauchauswertungen, Kommunikationsnetze in der Firma, aber auch zu Kunden über sogenannte Monitoring- oder Remote-Access-Systeme. Bei LCA wird das HMI (Human Machine Interface) kundenspezifisch entwickelt. Dazu gehört eine Auswertung, die sich über die ganze Anlage erstreckt. Unser HMI ist ein Touchscreen, mit welchem die Anlageninformationen auf mehreren Ebenen kommuniziert werden können: auf der Bedienerebene (Produktionsinformation: Typ, Stückzahlen, Ausschussraten), auf der Werksleiterebene (Produktivität, Vergleich pro Schicht, Zukunftsplanung) und auf speziellen Ebenen für die Software (Auslesen von Fehlerspeichern usw.). Wir verfügen über Anlagen, wo Produktionskennzahlen auf eine Datenbank geschrieben werden, und eine Software, die Zahlen statistisch auswertet. Damit wird die Prozessbeherrschung dokumentiert. Das ist eine typische Anwendung. Prozesskontrolle führen wir seit einiger Zeit mittels Auswertung der Antriebsdaten von Antrieben und visuellen Kontrollen durch Kameras durch. Die heutigen Geräte, allen voran Tablets, bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten, diese Daten darzustellen und auszuwerten».

Maschinen von Agathon AG sind rückwärts kompatibel.

tern. Wir konnten dieses Niveau glücklicherweise in einer Wachstumsphase erreichen und haben gleichzeitig auch mitarbeitermässig zugelegt. Diesen Weg verfolgen wir konsequent weiter. Hilfreich sind für uns dabei die Experimentierfreude und die Nähe zur Innovation. Zweitens: Seit über einem Jahr ist das neue Hochregallager im Betrieb – ein Paradebeispiel der Digitalisierung. Es läuft vollautomatisch und optimiert sich nachts selber. Drittens: In einer Grossinitiative sind wir im Begriff, in den Jahren 2017 bis 2019 weitere Digitalisierungsschritte umzusetzen. Punkto IT-Manpower sind wir im Vorteil, denn unser Kerngeschäft bedingt seit jeher hochstehende Technologien. Schon damals, in den Anfangszeiten der Computerisierung, bewegte sich Trisa an vorderster Front. Später kamen die Industrieroboter hinzu. Hier haben wir grosses Wissen erarbeitet.»

Thermoplan AG, Weggis Adrian Steiner, CEO und Partner des Kaffeemaschinen-Herstellers Thermoplan mit 290 Mitarbeitenden: «Seit Jahren kommunizieren unsere Maschinen über eine Cloud zum Endkunden und zu uns in die Fabrik – weltweit. Bei 97 % Exportanteil und installierten Maschinen in 72 Ländern ist das erforderlich. Allein bei Starbucks stehen etwa 50 000 Maschinen im Einsatz. Um Zuverlässigkeit zu ge-

Trisa AG, Triengen Gemäss Unternehmer und CEO Adrian Pfenniger hat Trisa «einen hohen Stand der Digitalisierung» erreicht. Er illustriert diese strategische Ausrichtung des traditionsreichen Familienunternehmens mit 1000 Mitarbeitenden anhand von drei Beispielen: «Erstens verfügen wir bereits heute über eine ausserordentlich hohe Dichte an Industrierobo-

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Dank umfangreicher Daten kann Thermoplan immer bessere Maschinen entwickeln.

währleisten, brauchen wir die Informationen der Maschinen (Verschleiss, Servicebedarf usw.) und die intelligente Vernetzung. Zuverlässigkeit ist ein spezifischer Vorteil. Der Endkunde von Starbucks will seinen Kaffee ohne Schlangenstehen schnell und in der gewünschten Ausführung und Qualität haben. Bestellvorgang und Bezahlung erfolgen mehr und mehr ebenfalls smart. Smartness hat eigentlich zwei Aspekte: Erstens: Starbucks kann dem Konsumenten spezielle Angebote machen (zum Beispiel Coffee of the Day). Die Kaffeemaschine funktioniert wie eine Zentrale für den Datenaustausch. Mit den uns dienlichen Daten können wir immer bessere Maschinen entwickeln. Zweitens: Das Bestellwesen wird vernetzt und beschleunigt. Eine Maschine besteht aus 1200 Komponenten. Eröffnet Starbucks einen neuen Coffeeshop, so gehen die Bestellinformationen via ERP-System direkt zu unseren Zulieferern. Immer wichtiger werden die damit verknüpften logistischen Prozesse (zum Beispiel ‹Just in time›, Rückverfolgbarkeit u.a.m.) Zusammenfassend: Mit Fokus auf Maschinen und Kunden ist Thermoplan mit 4.0 sehr weit fortgeschritten. Bei den internen Prozessen arbeiten wir derzeit an unserer Zukunftsvision ‹Automatisierter Materialfluss mit verknüpfter Logistik›. Darin steckt viel Potenzial.» ■


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Cumulus von Migros

Datenschutz mit «Good Priv@cy®» Cumulus, das Kundenbindungsprogramm der Migros, gibt es seit 20 Jahren. «Es ist eine Erfolgsgeschichte», sagt Benedikt Zumsteg, Leiter Customer Relationship Management vom Migros-Genossenschafts-Bund. Mitentscheidend dabei: Dem Datenschutz wurde schon früh Sorge getragen. Das SQS-Zertifikat «Good Priv@cy®» ist das äussere Zeichen dafür. Max W. Twerenbold

Kundenbindungsprogramme haben in den 1990er-Jahren das Marketing vieler Anbieter markant professionalisiert. Sie haben zum Entstehen des Customer Relationship Management (CRM) wesentlich beigetragen und sind seither in dieser Disziplin fest verankert. Das Prinzip ist einfach und überzeugend: Je besser man den Kunden kennt (Beschaffung und Auswertung seiner Kaufdaten), desto flexibler kann man die Angebote auf ihn ausrichten (Sortimentsgestaltung, Spezialangebote, usw.). Gut informierte Kunden sind die besseren Kunden, heisst es. Für die erfassten Daten wird der Kunde belohnt, zum Beispiel in Form von Punkten, die ihm geldwerte Vorteile bringen. Auf diese Wirkungsweise stützt sich auch Cumulus. «Da ist es nur natürlich, dass die Inhaber von Cumulus-Karten wissen wollen, was mit ihren Daten geschieht», unterstreicht der Marketing-Projektleiter & Datenschutzverantwortliche Jan Vonderlinn im Gespräch. «Sie vertrauen darauf, dass ihre Daten nicht missbräuchlich Verwendung finden. Zu Recht, denn Kundendaten sind sensible Daten, die des besonderen Schutzes bedürfen. Deshalb ist der Datenschutz für Cumulus so wichtig». Aber was genau ist das Gütesiegel «Good Priv@cy®»? Und wie kann es zur Vertrauensbildung zwischen Kunde und Cumulus beitragen? Jan Vonderlinn hat unsere Fragen dazu beantwortet. Prof. Max W. Twerenbold, St. Gallen, publiziert regelmässig über unternehmerische Best Practice.

Herr Vonderlinn, was versteht man unter Good Priv@cy®? Jan Vonderlinn: Good Priv@cy® ist ein markenrechtlich geschütztes Datenschutzzertifikat. Durch eine unabhängige Stelle (SQS) wird dem berechtigten Nutzer (Cumulus) attestiert, dass er die gesetzlichen Anforderungen an den Datenschutz sowie an die Informationssicherheit einhält, und dass er über ein funktionierendes Datenschutz-Managementsystem verfügt. Welche Kriterien muss Cumulus für Good Priv@cy® erfüllen? Folgende strenge Kriterien müssen in der täglichen Praxis nachgewiesen werden können: – eine formulierte und umgesetzte Datenschutzpolitik – ein funktionierendes und dokumentiertes Datenschutz-Management-System DMS – die Einhaltung aller für den zertifizierten Bereich relevanten gesetzlichen oder vertraglichen Datenschutzvorschriften – die Gewährleistung der datenschutzrechtlich notwendigen Informationssicherheit durch entsprechende organisatorische, personelle und technische Massnahmen – eine wirksame Überwachung und stetige Verbesserung der datenschutzrelevanten Prozesse. Was nützt Good Priv@cy® der Migros? Der Datenschutz gewinnt in der Öffentlichkeit zunehmend an Bedeutung. Er hat einen starken Einfluss darauf, ob ein Unternehmen oder eine Behörde als vertrauenswürdig wahrge-

Benedikt Zumsteg, Leiter Customer Relationship Management, Migros Genossenschaftsbund. Er verantwortet u.a. das Cumulus-Programm.

nommen wird. Ein Datenschutzgütesiegel ermöglicht es, die eigenen Datenschutzleistungen gegenüber Kunden, Geschäftspartnern und gegenüber der Öffentlichkeit objektiv zu dokumentieren und wirkungsvoll zu kommunizieren. Es schafft zudem Vertrauen. Und Vertrauen ist die Basis für ein gutes Verhältnis zwischen der Migros und ihrer Kundschaft. Was bringt das Gütesiegel dem Cumulus-Teilnehmer? Grundlage für die Mitgliedschaft im CumulusProgramm sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie die Datenschutzerklärung. Darin wird die Verwendung der Daten durch Cumulus klar und eindeutig aufgelistet. Mit der Zertifizierung bestätigt eine unabhängige und bekannte Zertifizierungsstelle, dass Cu-

Fortsetzung auf Seite 17

Cumulus 1997 im Markt lanciert, wurde Cumulus seither laufend weiterentwickelt – u.a. mit der Einführung der Cumulus-Kreditkarte (2006) und mit digitalen Coupons und Cumulus-Bons (2016). Dem Cumulus-Bonusprogramm sind heute 2,8 Mio. CH-Haushalte angeschlossen. Bei 80% der Migros-Umsätze wird die Cumulus-Karte vorgezeigt.


Ehrung und Verabschiedungen Jürg Saxer

Josef Keller Als Josef Keller am Neujahr 2004 das VR-Präsidium der SAQ-Qualicon AG angetreten hat, war er sich bewusst, dass er das Ruder eines Schiffes übernahm, welches auf stürmischer See im hohen Wellengang einen Weg an ein neues Ufer suchte. Dass es ob dieser schwierigen Verhältnisse trotzdem gelungen ist, einen sicheren Hafen anzulaufen, ist vor allem sein Verdienst. Unter seinem Präsidium hat sich die Q-Q zu einer erfolgreichen Unternehmung entwickelt; oder anders gesagt, aus dem pubertären Problemkind von damals wurde ein gefreutes, kern gesundes Erwachsenes. Für die SAQ-Qualicon, genannt Q-Q und die SAQ war und ist Josef Keller ein Glücksfall. In den vierzehn Jahren seiner Tätigkeit als VRP hat er die Q-Q zu einem erfolgreichen Unternehmen entwickelt. Dass es heute zu hundert Prozent der SAQ gehört, basiert auf einer damals strategisch richtigen Entscheidung, welche kontinuier-

>> Josef Keller MQ | 06/2018

lich auch mit der richtigen Taktik umgesetzt wurde. Dazu brauchte es jeweils Geduld und Beharrlichkeit zugleich, immer in der richtigen Dosis eingesetzt. Seine Nachfolge hat er vorausschauend vorbereitet, indem mit Felix Dettwiler eine kompetente Persönlichkeit aus den Reihen der SAQ im VR Einsitz nahm. Ebenfalls hatte Josef Keller ein gutes Händchen, als er mit Beat Häfliger den richtigen Mann zur richtigen Zeit zum Geschäftsführer bestimmt hat. Und schliesslich und schlussendlich hat er als Verwaltungsratspräsident der Q-Q stets einen offenen Austausch mit dem Mutterhaus gepflegt. Am 30. Mai wurde Josef Keller an der GV der SAQ vor einem grösseren Publikum als Vorstandsmitglied nach zwanzig jähriger Tätigkeit verabschiedet und mit der verdienten Ehrenmitgliedschaft bedacht. Sepp, wir danken Dir danken Dir herzlich und wünsche Dir alles Gute.

Bei der internen Verabschiedung von Sepp Keller habe ich gesagt: «Mit Jürg Saxer hatte er von Anfang an einen – um bei der Militärsprache zu bleiben – schlauen Adjutanten an der Seite, dem er voll und ganz vertrauen konnte.» «Der Adjutant ist ein dem Truppenbefehlshaber zur Unterstützung beigegebener Offizier», sagt Duden. Nun, wir wissen, Jürg ist nicht nur ein präzis analysierender und zuweilen schalkhafter Jurist, er ist auch ein humorvoller Mensch, der den Ausdruck «beigegebener Offizier» auf seine eigene Art und Weise grosszügig zu interpretieren wusste. Jürg war dem Verwaltungsrat und der SAQ das juristische Gewissen, der pflichtbewusste Anwalt und der selbstständig funktionierende, wort- und schreibgewandte und -gewaltige Advokat. Auf ihn war Verlass. Er hat sich stets für die Zukunft der Unternehmung und die Sache der Qualität eingesetzt.

Vor allem erwähnt sei auch die perfekte Zusammenarbeit mir Sepp Keller. Sie beide waren ein Team, ungleich zwar, und trotzdem haben sie perfekt funktioniert und sich entsprechend sehr gut ergänzt. SAQ, SAQ-Qualicon und Ariaq danken dir herzlich, lieber Jürg.

Ruedi Lustenberger Präsident SAQ

>> Jürg Saxer I


Agenda g >> Anmeldung und weitere Infos unter www.saq.ch

>> Sektion Bern Thema Datum Ort

Gibt es ein Management-Review mit strategischer Richtung? 28. August 2018 Bildungszentrum Wald, Lyss

>> Section Nord-Romande Sujet Date Lieu

Normes NIHS 06-11 Filetages 11 septembre 2018 DIXI, Le Locle

>> Sektion Ostschweiz Thema Datum Ort Thema Datum Ort Thema Datum Ort

Excellence im Projektmanagement 29. August 2018 NTB, Buchs Qualität beim Bierbrauen 12. September 2018 Sonnenbräu AG, Rebstein Design of Experiments / Statistische Versuchsplanung 26. September 2018 NTB, Buchs

>> Section Vaud Sujet Date Lieu >> Weitere Bilder auf www.tagderschweizerqualität.ch Fotograf: Willy Kaufmann

Gestion des risques dans une PME 27 septembre 2018 à définir

>> Sektion Zentralschweiz Thema Datum Ort

ISO 45001 – die neue Norm für Arbeitssicherheitsmanagement 14. September 2018 Emmenbrücke

>> Fachgruppe Medizinprodukte

Business Excellence

Thema Datum Ort

Medical Device Single Act Program MDSAP 13. September 2018 Hotel Arte Olten

>> HENS Health Excellence Netzwerk Schweiz

Auf dem Weg zu Excellence

Thema Datum Ort

Netzwerktreffen 23. August 2018 Seniorenzentrum Solino, Bütschwil

Im Anschluss an ein erfolgreiches Assessment durfte die SAQ folgende Organisation auszeichnen und gratuliert herzlich:

EFQM Anerkennung für Excellence (R4E) 3 Stern – UNIVERSITÄRE PSYCHIATRISCHE DIENSTE BERN (UPD) AG MQ | 06/2018

>> Impressum Rina Pitari, Redaktion, rina.pitari@saq.ch SAQ Swiss Association for Quality, Stauffacherstrasse 65/42, CH-3014 Bern T +41 (0)31 330 99 00, info@saq.ch, www.saq.ch

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Sektion Aargau/Solothurn

Kundenbeschwerde als Chance … >> … im Kontext der Normanforderungen der ISO 9001:2015 von Zehra Sirin.

>> V.l.n.r.: Zehra Sirin, Madlen Grüter und Daniel Müller (beide Vorstand SAQ-Sektion Aargau/Solothurn) Kundenbeschwerde? Ein Kunde beschwert sich! Das löst sofort negative Assoziationen aus, was dazu führt, dass sich der Kunde trotz berechtigten Gründen, oft gar nicht beschwert. Aus dem Kunden wird dann ein ehemaliger Kunde. Beschwert er sich doch noch, dann meist mit der Aussage: Es geht nicht ums Geld, es geht ums Prinzip. Kundenorientierung heisst, diesem die Möglichkeit zu geben, seine Erwartungen anzubringen, Kommunikationskanäle sowie Ansprechpartner anzubieten und in jedem Fall professionell zu bleiben. Geben wir dem Kunden diese Unterstützung, schaffen wir ein Vertrauen, auf dem wir eine Partnerschaft aufbauen können. Dieses Verständnis und diese Unterstützung erfordert eine starke Systematik in der Prozessorientierung. Zur systematischen Bearbeitung von KundenbeIV

schwerden eignet sich unter anderem der «8D»(Disziplinen)Report oder die Corrective and Preventive Action (CAPA). Die Referentin zeigt entlang der direkten und indirekten Beschwerdemanagementprozesse, welche zahlreichen Normanforderungen der ISO 9001:2015 sys-

tematisch erfüllt werden. Das sind unter anderem 5.1.2 Kundenorientierung, 9.1.2 Überwachung der Kundenwahrnehmungen/Ermitteln der Zufriedenheit, 9.1.3 Bewertung Kundenzufriedenheit. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass der Kunde den Kontakt als positives Erlebnis wahrnimmt. Damit wird der Kontakt von der Sachebene auf die Beziehungsebene gewandelt. Diese hohe Servicequalität begünstigt die Kundenbindung und Empfehlungsbereitschaft des Kunden massgeblich. Für das QM wäre ein möglicher Ansatz ein wertschätzendes Bedanken dafür, dass der Kunde den Mut aufbringt, die Beschwerde auszusprechen und nicht einfach einen neuen Anbieter aufzusuchen! Es lohnt sich, Beschwerdefälle vertieft zu analysieren mittels Ursachenanalyse wie zum Beispiel «Ishikawa» oder «FMEA» und darauf aufbauend ein Beschwerde-Controlling einzufüh-

ren, wo das Erfassen, die Aufgaben versus Ziele und schlussendlich auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis kontrolliert wird. Beschwerden respektiv die daraus resultierenden Informationen ergeben zusammengefasst die Möglichkeit, sich zu verbessern und daraus Nutzen zu schaffen. Der grösste Nutzen ist immer der zufriedene Kunde, der sich wohl fühlt und damit erhalten bleibt. Die hervorragende Referentin, Zehra Sirin, konnte die Besucher fesseln und mit zwei kurzen Workshops aktiv miteinbeziehen. Für diejenigen, die sich vertieft mit diesem Thema befassen wollen, weist die Referentin und Autorin auf Ihre Beratungsleistungen sowie ihr Buch «Die 5 Sterne Strategie – Exzellentes Beschwerdemanagement in Zeiten von Onlinebewertungen» hin. Dieses ist im Fachhandel oder unter www.sizeconsens.ch zu beziehen. Der Ausklang bei einem Glas Wein und Stehlunch war «beschwerdefrei», gesellig und wurde fürs Networking genutzt.

Text und Bilder: GH Mediendienste GmbH Gabriela Hüppi und René Senn

MQ | 06/2018


Sektion Ostschweiz

Vom Risiko- zum Chancenmanager mit Risikokompetenz >> 2 1/2 Jahre nach der Veröffentlichung der ISO 9001:2015 geben Änderungen noch immer viel zu Reden und die Unsicherheit ist gross. Die SAQ-Sektion Ostschweiz lud am Mittwoch, 21. März 2018, zu einer Podiumsdiskussion zum Thema «Umgang mit Chancen und Risiken» ein.

>> V.l.n.r.: Oliver Christ, Markus Bormann, Michael Vogt und Paul Vetsch Michael Vogt, Unternehmensberater aus Balgach, stimmte mit seinem Impulsreferat die Teilnehmer kompetent in das Thema ein. In einem Unternehmen sollte der Umgang mit Risiken und Chancen ausgeglichen sein, damit es nicht in übertriebener Ängstlichkeit oder kopflosem Leichtsinn ausartet. Oft ist das Ungleich-

>> Goar Hutter, Vorstand SAQ-Sektion Ostschweiz MQ | 06/2018

gewicht mit überwiegendem Risikofokus zu beobachten, was sich dadurch ausdrückt, dass auf der Risikoseite mehr Methoden zur Verfügung stehen und zur Anwendung kommen. Michael Vogt propagierte, den Risikomanager zum Chancenmanager mit Risikokompetenz zu entwickeln. Als praxisgestählter SQS-Auditor erläuterte Paul Vetsch die spezifischen Normanforderungen. Im Anschluss moderierten Goar Hutter und Daniel Mannhart die Podiumsdiskussion. Markus Bormann, Geschäftsführer der Fa. Mikrop AG, stellte die Aktivitäten der Firma vor und erklärte anhand von Beispielen, dass in «seiner Firma» mit Risiken bewusst umgegangen wird, jedoch Chancen ergriffen werden, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Die Unternehmenskultur ist für ihn ein

wichtiger Bestandteil des Chancenmanagements, welches speziell gepflegt werde. Dr. Oliver Christ, Dozent am Institut für Qualitätsmanagement und angewandte Betriebswirtschaft an der FHSG, zeigte den wissenschaftlichen Zugang zum Thema auf, unter anderem durch den Einsatz neuer Techniken. Paul Vetsch, Leadauditor SQS, vertrat den Standpunkt der Auditoren und Zertifizierer mit klarem Fokus «erwünschte Auswirkungen stärken und unerwünschte Auswirkungen verhindern». Er stellte die These auf, dass durch die blosse unternehmerische Tätigkeit und Erschliessung neuer Märkte bewusst mit Chancen umgegangen wird. Michael Vogt brachte danach den Fokus auf den Ansatz «Risiken bewusst eingehen, um Chancen wahrnehmen zu können». Fachkompetente Teilnehmer leisteten wertvolle Beiträge. So konnte man erfahren, wie Unternehmen mit organisatorischen und technischen Massnahmen Risiken vermindern und durch den frühzeitigen Aufbau von Liquidität Unternehmen in die günstige Position gelangen, Chancen nutzen zu können.

An der im Anschluss der Veranstaltung durchgeführten Mitgliederversammlung, die vom Sektionspräsidenten in gewohnt kurzweiliger Form abgehalten wurde, konnten die Mitglieder sich von der ausgezeichneten Vorstandstätigkeit in der Sektion überzeugen. Den anschliessenden Apéro nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer um das Thema informell unter Gleichgesinnten zu vertiefen.

Text und Bilder GH Mediendienste GmbH Gabriela Hüppi und René Senn

V


News >> ISO 9001:2015 – Umgang mit Risiken und Chancen

– Welche Prozessziele werden verfolgt und mit welchen Kennzahlen nachgewiesen – Relevante Chancen und Risiken für den Prozess

Risikomanagement schlank umgesetzt >> Die Fähigkeit, im Rahmen der Strategiearbeit Chancen und Risiken richtig einzuschätzen und darauf abstützend Entscheidungen zielführend zu treffen, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor des unternehmerischen Erfolgs. Unternehmen müssen Risiken eingehen, um Werte zu schaffen. Der Erfolg eines Unternehmens ist somit massgeblich davon abhängig, die richtigen Strategien zu entwickeln, die «richtigen» Risiken einzugehen und entsprechend effektive und effiziente Geschäftsprozesse als Teil einer «guten» Corporate Governance zu definieren. Wir stellen hier eine elegante Vorgehensweise vor, welche die Forderungen aus der ISO 9001:2015 abdeckt, wirksam ist und effizient umgesetzt werden kann. Das beschriebene Konzept ist in mehreren KMU implementiert.

VI

– Mit welchem Input wird die Arbeit gestartet und was wird als Output abgeliefert – Prozessverantwortung

Die vier Schritte des PDCA beinhalten folgende Schlüsselelemente: Plan Chancen und Risiken identifizieren und in den Steckbriefen festhalten Chancen und Risiken bewerten.

Risikomanagementkonzept • Ziele • Definitionen • Organisation Risikoanalyse • Identifikation • Beurteilung • Validierung und Plausibilisierung

Risikoreporting • Reporting zu Aufsichtsstellen

Kontinuierlicher Verbesserungsprozess

Do Einerseits Chancen mittels Projekten verfolgen und andererseits die relevanten Risiken nach einer der Strategien «vermeiden, vermindern, überwälzen, selber tragen» steuern –> Massnahmenplan.

Risikosteuerung • Risikobewältigung • Massnahmenplan

Risikoüberwachung • Überwachung Umsetzung Massnahmen

Check Die Massnahmen werden überwacht und die Risiken neu bewertet.

>> Risikomanagement im PDCA-Verbesserungskreislauf

Das Führungssystem nach ISO 9001:2015 Structure follows Strategy. An diesem Leitsatz orientieren wir uns bei der Identifikation der relevanten Prozesse einer Organisation. Die Gestaltung der Prozesse richtet sich nach den Zielen, Risiken, Produkten und/ oder Dienstleistungen sowie Grösse und Struktur des Systems. Im Rahmen einer guten Corporate Governance werden Chancen und Risiken systematisch adressiert. Wirksames Risikomanagement wird auf Prozessebene integriert. Dafür hat sich der Prozesssteckbrief in vielen Projekten bewährt. Folgende Aspekte lassen sich auf einem A4-Blatt darstellen:

Risikomanagement im PDCA-Verbesserungskreislauf nach Deming

Zielsetzung

Erfolgsfaktoren / Chancen

Prozessauslöser Input

Kennzahlen

Prozesseigner

Prozessleistung Output

Hauptprozesse

Anforderungen / Kompetenzen ●

Risiken ●

IInterne nterne / externe extterne Partner Grundlagen; Mitgeltende Dokumente ●

>> Der Prozesssteckbrief als bewährtes Instrument zur Integration eines wirksamen Risikomanagements MQ | 06/2018


–> Strategisch ausgerichtete Kompetenzentwicklungsprojekte lancieren

SWOT-Portfolio Mit Strategie entwickeln

Halten, Pflegen, Fördern O5

100

Chancen

W5

O3

O2

W4

W2

S1

80

S3

O6

60

S6 O7 S5

Blau (Risiken/Stärken) Diesen Risiken kann mit eigener Stärke begegnet werden. –> Mit den betroffenen Prozesseignern Ziele zur Risikoreduktion vereinbaren

O4

S2

W3

W1

40

O1

20

0

Risiken

-100

-80

-60

-40

-20

T1

0

20

40

-20

T5

-40

T3

-60

T4

60

80

100

Rot (Risiken/Schwächen) Dies ist der schwierigste Bereich, weil die Fähigkeit mit genau diesen Risiken optimal umzugehen schwach ist. –> Diese Positionen erfordern im Rahmen von Sofortmassnahmen eine gründliche Analyse und dann eine individuelle Vorgehensweise zur Risikominderung

S4

T2

-80

-100

Sofortmassnahmen

Schwächen

Mit Zielen umsetzen

Stärken

>> Risikolandkarte, dargestellt als SWOT-Portfolio

Risikolandkarte, dargestellt als SWOTPortfolio Der nachfolgend gezeigte Lösungsansatz ist sehr handlungsorientiert. In der graphischen Portfoliodarstellung steht die horizontale Achse für die Innensicht, die Gegenwart mit ihren Stärken und Schwächen. Die vertikale Achse zeigt Chancen und Risiken, die sich möglicherweise in der Zukunft manifestieren.

Je weiter weg vom Zentrum, desto höher ist die Relevanz für die betrachtete Organisation. Je Quadrant bietet sich eine unterschiedliche Vorgehensweise an:

Die Tabelle ist entlang dem Risikomanagementprozess wie folgt aufgebaut:

Grün (Chancen/Stärken) Die Fähigkeiten, um die Chancen zu realisieren sind vorhanden. –> Keine zusätzlichen Ressourcen einsetzen –> Halten, pflegen, fördern

Plan In den Spalten 1 bis 3 sind die Identifizierten Chancen und Risiken festgehalten. Dann kommt in den Spalten 4 bis 6 die Beurteilung, welche im SWOTPortfolio graphisch dargestellt ist.

Gelb (Chancen/Schwächen) Um diese Chancen zu packen, müssen die Fähigkeiten von Schwäche in Stärke entwickelt werden

Do In der Spalte 7 «Risikosteuerung» werden für die ausgewählten Positionen die festgelegten Massnahmen dokumentiert.

SWOT-KRITERIEN

Parameter

Nr.

Stärken

Strategiearbeit Mitarbeiterentwicklung inklusive «Einführung neuer Mitarbeiter» Leadership MA-Fähigkeiten in Hybridtechnologie Service Innovation

S1 S2 S3 S4 S5 S6 S7

Stärke: 0 bis +100 (%) Schwäche: 0 bis -100 (%) 60 60 60 80 80 80 00

Chance: 0 bis +100 (%) Risiko: 0 bis -100 (%) -80 -55 -65 -40 -75 -85 -00

Blasengrösse

Act Die aktualisierte Risikolandkarte wird Bestandteil der Managementbewertung (Managementreviewbericht).

Risikomanagement mit einer Tabelle dokumentiert

Check Nach einer gewissen Zeit, zum Beispiel nach einem Jahr, wird die Wirksamkeit der Massnahmen überprüft, in Spalte 8 dokumentiert und das Risiko neu beurteilt. Act Tabelle und SWOT-Portfolio werden in den Managementreview-Bericht integriert. Damit ist das Risikoreporting gewährleistet und die Normenforderung gemäss ISO 9001:2015 erfüllt.

Fazit Risikomanagement reicht von der strategischen Unternehmensplanung über die Zielvereinbarung und Wirksamkeitsprüfung auf Prozessebene bis zur Managementbewertung. Risikomanagement wird in den Kreislauf der Unternehmensführung integriert. Dies garantiert eine effiziente Umsetzung.

Text und Bilder: Markus Matter

Risikosteuerung Massnahme

Neubeurteilung, Wirkung der Massnahmen Bem. zur Neubewertung

05 05 05 15 +1 gut ausgebildeter Spezialist aufbauen 05 05 00

>> Risikomanagement mit einer Tabelle dokumentiert MQ | 06/2018

VII


Weiterbildungsangebote g g Studien- und Lehrgänge

Seminare

Qualitätsmanagement / Prozessmanagement Assistent/in Qualitätsmanagement Qualitäts- und Prozessmanager Dipl. Qualitätsmanager/in NDS HF MAS Quality Leadership CAS Integrierte Managementsysteme CAS Continuous Improvement

Audits

13. bis 20.9.2018 20.8. bis 3.12.2018 19.10.18 bis 12.10.2019 Start frei wählbar 5.10. bis 15.12.2018 14.6. bis 21.9.2019

4 17 40 63 12 12

Tage Tage Tage Tage Tage Tage

27.9. bis 18.10.2018 27.9. bis 18.10.2018 27.9. bis 18.10.2018 27.9. bis 18.10.2018 27.9. bis 18.10.2018 27.9. bis 18.10.2018

3 3 3 3 3 3

Tage Tage Tage Tage Tage Tage

14.6. bis 20.9.2018 3. bis 5.9.2018 22.8. bis 1.10.2018 28.8. bis 19.11.2018

12 3 6,5 13

Tage Tage Tage Tage

Audits Externer Auditor Qualitätsmanagement Externer Auditor Umweltmanagement Externer Auditor Energiemanagement Externer Auditor Medizinprodukte Externer Auditor Arbeitssicherheit Externer Auditor Informationssicherheit

Qualitätssicherung CAS Quality Assurance Selbstprüfer Qualitätsprüfer Qualitätstechniker

Qualitätsentwicklung bei Lieferanten Supplier Quality Management

22.8. bis 30.11.2018

10 Tage

auf Anfrage

10 Monate

13.9.2018 bis 12.3.2019 16 Tage

Qualitätsmanagement in der Medizintechnik Qualitätsmanager Medizintechnik Managementsysteme in der Medizintechnik Regulatorische Grundlagen Medizinprodukte Externer Auditor Medizinprodukte

27.8. bis 6.12.2018 27.8. bis 10.10.2018 23.10. bis 6.12.2018 27.9. bis 18.10.2018

15 7 8 3

Tage Tage Tage Tage

1.3. bis 11.5.2019 7. und 22.11.2018

12 Tage 2 Tage

Business Excellence CAS Business Excellence Coach Interner Excellence Assessor

Lean Management / Lean Six Sigma Lean Manager NEU Lean Manager Advanced Lean Six Sigma Green Belt Lean Six Sigma Black Belt

19.9. bis 4.10.2018 12. bis 23.11.2018 19.9. bis 19.10.2018 23.8. bis 30.10.2018

4 4 6 12

Tage Tage Tage Tage

Risikomanagement / Sicherheit NEU CAS Risk & Safety Management Safety Manager Business Continuity Management Risikomanager Betrieblicher Datenschutzverantwortlicher Externer Auditor Arbeitssicherheit

12.10.2018 bis 26.1.2019 auf Anfrage 3. bis 7.9.2018 24.9. bis 11.10.2018 27. bis 31.8.2018 27.9. bis 18.10.2018

12 6 5 4 5 3

Tage Tage Tage Tage Tage Tage

8.10. bis 29.11.2018 27.9. bis 18.10.2018

11 Tage 3 Tage

Umweltmanagement NEU Umweltmanager Externer Auditor Umweltmanagement

2. bis 4.10.2018 24.9. bis 11.10.2018 26. und 27.6.2018 17.10.2018

3 3 2 1

Tage Tage Tage Tag

23.8.2018 10. und 11.10.2018 5. und 6.9.2018 25. und 26.9.2018 17. und 18.9.2018 20. und 21.8.2018 6.9.2018 2. und 9.11.2018 23. und 24.10.2018

1 2 2 2 2 2 1 2 2

Tag Tage Tage Tage Tage Tage Tag Tage Tage

3 2 1 2 2

Tage Tage Tag Tage Tage

Qualitätssicherung Grundlagen der Qualitätsprüfung Prüfmittelqualifikation Statistik Grundlagen Statistische Prozesslenkung Statistische Prüfmethoden Stichprobenprüfung nach AQL FMEA-Methode FMEA-Moderator Methoden zur Qualitätsverbesserung

Qualitätsentwicklung bei Lieferanten Lieferantenaudit 24.9. bis 11.10.2018 Lieferantenauswahl und QSV 5. und 6.9.2018 Bedarfsanalyse zur Lieferantenentwicklung 22.8.2018 Partnerschaftliche Lieferantenentwicklung 29. und 30.11.2018 Reklamationsmanagement in der Beschaffung 14. und 15.11.2018

Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen

Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen CAS FH Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen Qualitäts- und Prozessmanager Gesundheitswesen

Interner Auditor Lieferantenaudit Interner Umweltauditor Interne Audits im Kontext ISO 9001:2015

Qualitätsmanager als Coach 14.1. bis 11.2.2019 in Gesundheitsorganisationen NEU Praxisorientiertes QM für Spitex, 13.9. bis 9.10.2018 Pflege & Langzeitbetreuung, Spital, Rettungswesen Patientensicherheit 6. und 7.11.2018 Vergütungssysteme, Messungen, 20. und 21.11.2018 Controlling und Kennzahlen NEU Lean Health Basic 6. und 27.11.2018

3 Tage 4 Tage 2 Tage 2 Tage 2 Tage

Qualitätsmanagement in der Medizintechnik Abweichungen und Verbesserungen Design Control Dokumentation und Rückverfolgbarkeit Grundlagen für das Inverkehrbringen Best Practice Herstellung Lieferantenmanagement Marktüberwachung Medizinprodukte Qualifizierung und Validierung Qualitätsmanagement für Medizinprodukte nach ISO 13485 Regulatorische Anforderungen – Basiswissen Risikomanagement für Medizinprodukte Pharma & Medtech – Compliance in der Beschaffung Revision ISO 13485:2016 NEU Computer Software Validierung

12.9.2018 11.9.2018 28.9.2018 8. und 9.11.2018 22. und 23.11.2018 11.10.2018 5. und 6.12.2018 auf Anfrage 27.8.2018

1 1 1 2 2 1 2 1 1

Tag Tag Tag Tage Tage Tag Tage Tag Tag

23. und 24.10.2018 28.8.2018 auf Anfrage

2 Tage 1 Tag 2 Tage

25.10.2018 16.11.2018

1 Tag 1 Tag

17.9.2018 30. und 31.10.2018

1 Tag 2 Tage

2.10.2018 27.9.2018

1 Tag 1 Tag

Risikomanagement / Sicherheit Einführung ISO 27001/27002 Managementsysteme für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz ISO 45001:2016 – Revision der OHSAS 18001 NEU Compliance Management – Basiswissen

Lean Management / Lean Six Sigma NEU Value Stream Expert

Seminare

2 Tage

8. bis 16.10.2018 7. bis 15.11.2018 auf Anfrage

4 Tage 4 Tage 2 Tage

Umweltmanagement

Qualitätsmanagement / Prozessmanagement Basiswissen Qualitätsmanagement auf Anfrage Strategie und Prozessmanagement auf Anfrage Prozessausrichtung und Prozessgestaltung 14. und 15.11.2018 Messung, Kennzahlen, Steuerung 28.1.2019 Einführung in das Beschwerdemanagement 29.11.2018 Schulungskonzepte im Qualitätsmanagement 13.11.2018 Qualitätsmanager als Coach 11.9. bis 12.12.2018 Revision ISO 9001:2015 21.9.2018 KVP-Moderator 29. und 30.8.2018 NEU Design Thinking 19.11. und 5.12.2018

13. und 14.9.2018

2 2 2 1 1 1 4 1 2 2

Tage Tage Tage Tag Tag Tag Tage Tag Tage Tage

NEU Basiskurs Umwelt NEU Umweltmanagement: Systemaufbau NEU Interner Umweltauditor

Infoabende Dipl. Qualitätsmanager/in NDS HF Aus- und Weiterbildung SAQ-QUALICON MAS Quality Leadership

27.8.2018 10.9.2018 23.10.2018

>> Die Lehrgänge/Seminare werden auch bedarfsorientiert als InHouse-Veranstaltungen durchgeführt. VIII

MQ | 06/2018


BUSINESS EXCELLENCE

MQ | 07–08/2018

Über das Cumulus-Programm erfasst die Migros Daten über getätigte Einkäufe. Ob sie ihre Cumulus-Karte an der Kasse vorweisen wollen, entscheiden die Kunden jeweils selbst.

mulus gesetzeskonform arbeitet und sich an die verschiedenen selbstauferlegten Einschränkungen hält, welche im Interesse der Kundschaft definiert wurden. So bekommen die Cumulus-Teilnehmer die Gewissheit, dass mit ihren Daten sorgfältig umgegangen wird. Welche Kundendaten sammelt Cumulus? Cumulus-Teilnehmer hinterlassen bei der Anmeldung ihre Personalien. Bei jedem Einsatz der Cumulus-Karte werden die eingekauften Artikel und der Einkaufsort erfasst.

«Nur Transparenz bildet Vertrauen.» «Gläserne» Kunden also bei jedem Einkauf? Sicher nicht. Denn bei jedem Kauf bestimmt der Kunde selbst, ob er den Einkauf erfassen lassen will oder nicht. Kommt hinzu: Die Cumulus-Karte ist eine Haushaltkarte. Die Migros weiss folglich nicht, wer mit der Karte und den Rabatt-Coupons punktet. Die Einkäufe werden nicht einer Person, sondern dem Haushalt zugeordnet. Cumulus ist in der Tat nicht am Einkaufsverhalten einzelner Personen interessiert. In den meisten Fällen geht es darum, Kundenzielgruppen zu bilden, die gross genug sind, um mit Angeboten und Informationen angesprochen zu werden. Das Datenschutzgesetz schreibt hier «Zweckbindung» vor. Entsprechend darf die Migros die Cumulus-Daten zu statistischen Zwecken erheben und bearbeiten.

17

Bild: Migros

Wie lange bleiben die erfassten Daten bei Migros gespeichert? Die Einkaufsdaten der Cumulus-Teilnehmer werden maximal 5 Jahre aufbewahrt. Danach werden die personenbezogenen Daten gelöscht. Die Transaktionsdaten selber bleiben aus buchhalterischer Pflicht (OR) 10 Jahre aufbewahrt. Jeder Kunde kann seine Einkaufsdaten detailliert über die letzten zwei Jahre auf www.migros.ch unter «Meine Migros» oder bei der Cumulus-Infoline abrufen. Was macht Cumulus eigentlich mit den Kundendaten? Dieser Vorgang ist transparent dokumentiert: Die Kundenadressen werden folgenden Firmen der Migros-Gemeinschaft zur Verfügung gestellt: Migros-Genossenschafts-Bund, Migros-Genossenschaften, M-Electronics, SportXX, Bike World by SportXX, Outdoor by SportXX, Do it + Garden Migros, Micasa, Obi, Migusto (vormals Saisonküche), LeShop.ch, Ex Libris, Migrol, Migrolino, Migros Ferien, Depot. Die erhobenen Kundendaten erlauben der Migros-Gemeinschaft, den Kunden gezielt bedarfsgerechte Informationen und Angebote aus der Migros-Gemeinschaft zukommen zu lassen, in der Regel verbunden mit Kundenvorteilen. Gibt oder verkauft Cumulus die Kundendaten gar an Dritte weiter? Nein, Cumulus-Daten werden nur innerhalb der Migros-Gemeinschaft genutzt. Übrigens: Im Falle von Strafuntersuchungen müsste

Cumulus laut Gesetz Daten liefern, aber nur dann, wenn ein Strafverfahren eröffnet ist und ein Untersuchungsrichter die Datenherausgabe befiehlt. Was, wenn Kunden ihre Anliegen vortragen? Im Kundendienstzentrum von Cumulus gehen pro Monat rund 50 000 Anrufe und Kontaktformulare ein. Der Grossteil davon betrifft Fragen zu Konten, Anwendungen oder Rabatt-Coupons. Nur gerade 0,05% bis 0,1% machen Beanstandungen oder Reklamationen aus. Sind diese berechtigt, so werden unbürokratische und kulante Lösungen angeboten. Wie die Erfahrung und Kundenumfragen der letzten Jahre zeigen, schätzen die Kunden diese Haltung. Das stärkt das Vertrauen in unser Leistungsversprechen.

«Kundendaten brauchen Schutz.» Zusammengefasst: Welche Erfahrungen macht Migros mit Good Priv@cy®? Die Akzeptanz ist hoch. Die Migros-Generaldirektion stützt das Programm. Professionell und konstruktiv verläuft auch die Zusammenarbeit mit den SQS-Auditoren. Deren Verbesserungshinweise sind im Rahmen der regelmässigen Datenschutz-Meetings ein fixes Traktandum. Und der aktuelle Status wird jeweils zuhanden des Leitungsteams protokolliert. ■


18 RISIKEN MANAGEN

MQ | 07–08/2018

Outsourcing-Prozesse

Die Risiken im Outsourcing steuern Outsourcing von Prozessen oder Dienstleistungen wird oft als das allheilende Mittel zur schlanken und wirtschaftlichen Organisation angesehen, denn jeder will die Kosten und die Komplexität der eigenen Organisation reduzieren. Aber was sind die Risiken dabei? Bruno Triet

Outsourcing, also die Abgabe von Unternehmensaufgaben und -strukturen an Dritte, ist eine ganz eigene Art des Fremdbezugs. Diese Vergabe von Aufgaben ist zeitlich häufig unbeschränkt und wird nur bei negativen Erfahrungen oder strategischen Änderungen wieder gestoppt. Die Gründe für ein Outsourcing

«Es bedarf einer fundierten Vorbereitung.» sind sehr vielschichtig. Grundsätzlich suchen die Unternehmen jedoch nach Möglichkeiten, um einen Zusatz-Nutzen zu erzielen. Dabei sind es meistens Kostenüberlegungen und die Konzentration auf das Kerngeschäft sowie mehr Flexibilität, welche nach einer externen Lösung suchen lassen. Doch wo Sonne scheint, ist auch Schatten. Mit einem Outsourcing sind immer auch Risiken verbunden, diese gilt es zu erkennen und entsprechend zu managen.

sung sein. Wenn gleichzeitig veraltete Organisationsstrukturen und ein Mangel an qualifiziertem Personal im eigenen Betrieb die zielführende Erledigung der Unternehmensaufgaben erschweren, kann eine Verlagerung der Prozesse attraktiv werden. Die erwarteten Kosteneinsparungen sind meistens ein hoher Treiber, um das Outsourcing anzugehen. Ein Beispiel einer solchen angestrebten Kostenreduzierung ist das Nichtmehrbetreiben einer eigenen Infrastruktur (z.B. EDVAnlagen, Bürogebäude) sowie das Einsparen des dafür erforderlichen Personals. Daraus resultierend sind verschiedene Einsparungen denkbar: – Wegfall von Leerständen / Leerlaufzeiten, da diese nun beim Dienstleister anfallen werden. – Wechsel von Fixkosten auf variable Kosten, da diese nur bei Inanspruchnahme der Leistung anfallen.

– Einsparungen dank eines grossen Auftragsvolumens, da der Dienstleister mehr gleichartige Aufträge hat und somit die Prozesse optimieren und besser automatisieren kann. – Verringerung der Abhängigkeit von internen Spezialisten, Ausweichszenario bei Fachkräftemangel.

Risiken bei den Kostenüberlegungen Der Vergleich eigener IST-Kosten mit dem Angebot des Dienstleisters ist elementar. Es sollten jedoch nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. Nur wenn die Transparenz über die eigene Kostensituation tatsächlich vorhanden ist, sollte das Outsourcing-Projekt angegangen werden. Dabei zu beachten ist besonders die nicht verursachungsgerechte Zuweisung von Gemeinkosten, welche in der eigenen Unternehmung meist historisch gewachsen sind. Neben der notwendigen wahrheitsgetreuen Prozesskostenrechnung empfiehlt es sich auch, vor Outsourcing-Projekten interne Verbesserungsprogramme zu realisieren, um eine Prozessoptimierung intern zu sichern. Nur wenn diese Zitrone wirklich ausgepresst ist, sollte man sich mit Firmen vergleichen, welche sich auf diesen Teilbereich spezialisiert haben. Mögliche Stolperfallen: – Integrationskosten – Aufwände für das Führen und Kontrollieren des neuen Lieferanten / Partners – Gewinnzuschlag des Dienstleisters Bei Angeboten von Dienstleistern besteht am Anfang die Gefahr, dass zunächst unter den Selbstkosten angeboten wird und nach Verlagerung die Anfangsverluste durch überhöhte Anpassungs- und Änderungskosten kompensiert werden.

Chancen bei einem Outsourcing

Bruno Triet ist Chief Risk Officer bei der Franke Group, Aarburg

Quelle: Helbling Best Sourcing für die IT

Nebst den bereits genannten Möglichkeiten können auch gestiegene Anforderungen an die technische Lösung, die Wartung derselben, Veränderungen im Wettbewerb, Verarbeitungsgeschwindigkeiten, welche es zu erhöhen gilt, etc. Treiber zur Outsourcing-Lö-

Abwägung von Chancen/Risiken


Neben der Kostenanalyse sind noch weitere Risikoüberlegungen für eine erfolgreiche Outsourcing-Entscheidung wichtig. Egal in welchem Bereich Outsourcing zum Thema wird (Produktion, Administration, EDV, Projekte, Forschung), ein teures Reintegrieren der extern verlagerten Prozesse zurück in die eigene Organisation ist wegen der hohen Kosten tunlichst zu vermeiden. Es bedarf somit einer fundierten Risikobetrachtung, da OutsourcingEntscheidungen meist von hoher unternehmerischer Tragweite für die Organisation sind und langfristige Auswirkungen haben. Als sogenannte Verlagerungsrisiken müssen sicherlich das Risiko von BusinessSchwankungen wie auch das Tragen der Folgen bei Fehlern / Mängeln, verursacht beim Dienstleister, bezeichnet werden.

Die Liste operativer Risiken ist weitaus länger: – Ein Ausfall des Dienstleisters, weil ein Organisieren eines zeitnahen Ersatzdienstleisters sehr schwierig werden könnte. – Eine grosse Abhängigkeit vom Lieferanten durch die verlagerte Prozesstiefe und das nun intern nicht mehr vorhandene Fachwissen. – Somit eine erzwungene Zusammenarbeit mit dem Dienstleister, weil für eine mögliche Weiterentwicklungen des Produktes / der Dienstleistung das notwendige Know-how nun beim Lieferanten ist. – Schäden / Ausfälle wegen Mängeln an der erbrachten Dienstleistung, z. B. Ausfälle der EDVAnlagen. – Reklamationen und Mehrkosten wegen mangelndem Qualitätslevel; eine 100 %-Prüfung würde dies verhindern, wäre aber nicht bezahlbar. – Kosten aus unklar formulierten Service-Levels, Verträge, Vorgaben oder Pflichtenhefte, welche zu Missverständnissen und Fehlern führen.

Auch wenn finanzielle Vorteile auf der Hand liegen, existieren so einige Abhängigkeiten und Risiken bei Outsourcing-Prozessen.

– Erzwungene Know-how-Freigabe und Mehraufwand wegen notwendiger detaillierter Prozessbeschreibungen, welche intern allenfalls nicht notwendig wären. Diese sind jedoch nun notwendig, um die speziellen Arbeiten durch den Dienstleister ausführen zu lassen. – Löcher in der Datensicherheit sowie eine Verletzung der Geheimhaltungsanforderungen, da nicht mehr alle Prozesse in der eigenen Organisation stattfinden und somit nun schwierig bis gar nicht von der eigenen Organisation steuerbar sind. – Reduktion / Mangel an Flexibilität, da alles über die nun vorhandene zusätzliche Stelle (den Dienstleister) kommuniziert und geleistet werden muss. – Verschlechterte Kundenbetreuung, weil der eigene Kunde nun nicht mehr direkt von der eigenen Organisation betreut wird. Erfahrungen zeigen, dass Misserfolge beim Outsourcing vielfach entweder darin begründet sind, dass grundsätzlich der falsche Anbieter ausgewählt wurde, oder dass der falsche Prozess outgesourct wurde. Auch der notwendige Aufwand in der eigenen Unternehmung zur Beschreibung der Aufgaben und Prozesse

sowie die notwendige Standardisierung und die Betreuung und Lenkung des Dienstleisters werden vielfach stark unterschätzt.

Zusammenfassung Outsourcing bietet viele Chancen, jedoch müssen dessen Gefahren beachtet werden. Eine Organisation muss sich im Klaren sein, wann ein Outsourcing für die Unternehmung Sinn macht. Ein Outsourcing sollte besonders auch bezüglich der Wettbewerbsvorteile überprüft werden. Zwingend notwendig ist jedoch erst die Analyse der eigenen Unternehmensstrategie. Es bedarf demnach einer fundierten Vorbereitung und einer Betrachtung aller Risiken (d.h. Chancen und Gefahren) sowie ein Vorhandensein von konkreten Vorgaben und vergleichbaren IST-Kosten. Ist dies vorhanden, kann und wird ein gutes Outsourcing einen wertvollen Beitrag zur schlanken und wirtschaftlichen Organisation leisten. ■ Dieser Fachartikel erscheint in einer MQ-Serie, die von Experten und Expertinnen des «Netzwerk Risikomanagement» beigesteuert wird: www.netzwerk-risikomanagement.ch.

Quelle: 4managers.de

Risiken ausserhalb der Kostenüberlegungen

Bild: depositphotos

Zusätzlich ist zu bedenken, dass sich Kostenvergleiche für innovative Anwendungen und einmalige komplexe Leistungen als problematisch erweisen, da weder in der eigenen Organisation noch bei möglichen Dienstleistern eine ausreichende Datenbasis vorliegt. Mit diesem Mangel an genauen Zahlen ist eine objektive und sachgerechte Ermittlung der Kosten nicht möglich. Trotzdem könnten hier wohl Themen wie Know-how und Ressourcen-Verfügbarkeit zu einem Outsourcing-Projekt führen.

Chancen durch Outsourcing


US-EU-Handelsstreit:

Die USA haben seit 2009, also bereits vor dem Amtsantritt von Donald Trump, jährlich über 100 neue handelshemmende Massnahmen eingeführt. Ungeachtet dessen wuchsen Schweizer Exporte in die USA auf heute 34 Mrd. CHF von 22 Mrd. CHF im Jahr 2012. Es bleibt also abzuwarten, inwieweit sich Zollerhöhungen – so sie denn für die Schweiz tatsächlich wirksam würden – negativ auswirken würden.

Die Konsequenzen für Schweizer Sektoren Aktueller denn je verbreitet sich der Begriff «Trade war», dies auch unter Risiko-Verantwortlichen. Wenn zwischen den USA und China höhere Zölle erhoben werden: Könnte es auch weltweit tätige Schweizer Betriebe teffen? Wie könnten sich Riskmanager gegen die neuen Zoll-Regulativa rüsten? – Einschätzungen von Experten wie Martin Naville, CEO der Swiss-American Chamber of Commerce.

Michael Merz

Wie schwerwiegend ist der heraufbeschworene «Handelskrieg» zwischen den Grossmächten? Geht es um ein zielloses Geplänkel, oder zieht die Situation eine tiefe, nachhaltige Schädigung des globalen Handelssystems mit sich? Eigentlich sollten sich multinationale Unternehmen mit rapide verändernden Regulierungen und Bedürfnissen auskennen. Viele Unternehmen in der Schweiz analysieren ihre Wertschöpfungskette grundlegend und richten sie – je nach politischen Entscheiden und wirtschaftlichen Potenzialen – neu aus, und doch verdonnert seit 2009 die USA ausländische Sektoren zu ZollhandelsRichtlinien. Der Schweiz ist es bis jetzt gelungen, wichtige ökonomische Teile ihrer Wertschöpfungsketten anzuziehen. Der Schweizer Markt setzte positive Zeichen für Tausende von Zulieferfirmen, der Export nahm zu; schliesslich hat es auch solidere Entwicklungen auf dem Energie- und Arbeitsmarkt gegeben. – Nichtsdestotrotz ist jetzt die Situation wegen auferlegter Handelshemmnisse der USA schwieriger einzukalkulieren. Jetzt sieht es danach aus, als dass die volkswirtschaftlichen, rechtlichen und weiteren Treiber, welche bisher den multinationalen Unternehmen in die Schweiz Aufwind verliehen, umgestürzt werden. Und vor allem: Wo möchte Donald Trump mit seinen Strafzöllen respektive nebulösen Vorschlägen des jüngsten G-7-Treffens letztlich hin? Heisst es nur noch «America first» oder gibt es auch andere wirt-

schaftliche Voraussetzungen und Planungsoptionen, mit denen auch hiesige Manager möglichst arbeiten können? Kennen weltweit agierende Schweizer Betriebe die Treiber und Risiken, die bei staatlich-globalen Entwicklungen über die Ufer treten können? Aktuelle Tendenzen und Einschätzungen von Handels- und Entwicklungsexperten im Folgenden:

1.) Treiber Industriemetalle Die Drohungen von US-Präsident Donald Trump, beispielsweise Importzölle von 25 Prozent auf Autos aus der EU zu verhängen, haben offensichtlich den Dollar-bedingten Preisanstieg der Industriemetalle gebremst. Ebenso gerieten im Frühling 2018 die Metallpreise in asiatischen Börsen unter Druck, und demnächst werden neue Schutzzölle für Metalle gefordert. So möchte nicht nur die USA seinen Märkten Schützenhilfe leisten. Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang verkündete zum Beispiel im Mai 2018, dass in der Stahlindustrie Produktionskapazitäten von 30 Mio. Tonnen Jahr für Jahr stillgelegt werden sollen. (Quelle: Wallstreet online) Ziel der Chinesen ist es, bis Ende 2018 150 Mio. Tonnen an jährlichen Produktionskapazitäten einzuschränken, dafür die Preise zugunsten des chinesischen Renminbis zu drehen. Auf die inländische Stahlproduktion wird dies jedoch kaum Auswirkungen zeigen. Die Chinesische Republik könnte mit Stahlproduktionen locker weitere Rekordniveaus erreichen. So steuern nicht nur die USA, sondern auch andere Kräfte den Weltmarkt. Der Aufstieg Chinas zum global wichtigsten Produktionsstandort spiegelt sich auch in der Nutzung wichtiger Rohstoffe wie zum Beispiel Kupfer wider. Daher wird im Kontext einer weltweit wachsenden Nachfrage ein systematisches Verständnis der Rohstoffbestände und -ströme immer wichtiger. Bis heute wurde aber kein Versuch unternommen, beispielsweise Kupferströme im Detail abzubilden und gleichzeitig diejenigen Wirtschaftssektoren zuzuordnen, welche Treiber für die Kupfernachfrage sind. Laut einer Studie des Fraunhofer ISI hat sich Chinas Pro-Kopf-Kupferbestand seit 1990 verachtfacht. Der Kupferpreis stieg kürzlich auf ein Viereinhalb-Jahres-Hoch. Mitten in diese Situa-

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tion schiesst ein schwacher Dollar, der das Metall in anderen Währungen billiger macht, was die Nachfrage per se anschiebt. Allein seit dem 30. Mai 2018 hat sich Kupfer daher um sieben Prozent verteuert – im Vergleich zum Mai 2017 ist der Kupferpreis um über 20 Prozent gestiegen. Gleichzeitig schwingen noch viele weitere Faktoren im Rohstoffhandel mit: Aufstieg der USA zum weltgrössten Rohölproduzenten; volatile Ölpreise. Bevorstehende Schliessungen von (Kupfer-)Minen in China und Chile; oder regionale Streiks.

2.) Verhalten der Marktteilnehmer Der Handelskonflikt zwischen den USA und China respektive zwischen den USA und der EU führte den SMI im Juni 2018 auf ein Jahrestief; der Kurs hat sich jedoch schnell wieder hochgerappelt. Einige Börsenkommentatoren versuchten derweil zu erklären, weshalb sich in Europa im Gegensatz zu Asien kaum panikartige Reaktionen einstellten. Grundsätzlich kursiert die Börsenweisheit «der Markt irrt und korrigiert sich». Eine generelle Erklärung für SMI-Entwicklungen kursiert ebenso: Die Anleger sind inzwischen «unempfindlich» gegen die ununterbrochene Tweets-Flut des US-Präsidenten geworden. Darüber hinaus gewinnt der in turbulenten Zeiten als sicherer Hafen geltende Schweizer Franken sowohl zum US-Dollar als auch zum Euro an Wert.Auf globaler Ebene sieht die Situation jedoch anders aus. Weil die Zinsen bereits auf einem sehr tiefen Niveau liegen, ist auch der Spielraum der

Zentralbanken eingeschränkt, um auf eine allfällige Wachstumsabschwächung reagieren zu können. Einige Marktkommentatoren haben für die «Trumpschen Zölle» durchaus Verständnis. Daniel Lacalle, Chefökonom des Hedge-Fund Tressis Gestion, stimmt dem Vorwurf zu, dass die Länder mit den höchsten Handelsbilanzüberschüssen seit Jahrzehnten die USA ausgenützt hätten (siehe «Der Handelsstreit ist nur ein Geplänkel», NZZ vom 17.6.2018). Jetzt müsse man die Handelsverträge revidieren. Möglicherweise könnte die USA seine Handelspartner durch Druck zum Abbau eigener Protektionismus-Strategien bewegen. Den Gedanken eines völlig freien Handels, den Trump am letzten G-7-Treffen ausgesprochen hatte, würden einige Vertreter freier Märkte regelrecht begrüssen. Laut Korrespondenten scheine jedoch Trump zurzeit nicht wirklich an den freien Handel zu glauben. Immerhin sei die Welt schon weit gekommen mit dem Zollabbau, lobt der Science-Redaktor Ronald Bailey im Blog des «Reason Magazines», welches in Washington, DC, kursiert. Die Weltbank unterstreicht: Die Zölle der USA beantragen im Durchschnitt noch 1,6 Prozent – sie sind gleich hoch/tief wie jene in Deutschland, Frankreich, Italien und Grossbritannien. In Ländern wie Kanada oder Japan gehen sie sogar noch tiefer. Indes ist die Position der USA gegenüber den Handelspartnern enorm gewichtig: Einerseits zeigt ihr Markt grosse Anziehungskraft auf andere Industrienationen, andererseits sind sie weniger export■ abhängig.

Einige Experten betonen, dass die Zölle, gemessen an der Grösse der US-Wirtschaft, eigentlich von geringem Gewicht bezüglich weltweiten Wirtschaftsschwankungen seien, doch könnte es sein, dass sich die Weltmächte, die USA, China sowie die EU wirtschaftlich gegenseitig ausbooten.

Bild: zVg

Eine globalere Sicht der Dinge

Martin Naville, Chief Executive Officer der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer seit 2004.

Interview von Michael Merz

US-Zölle von 50 Mrd. Dollar hier oder 100 Mrd. Dollar dort – ganz zu schweigen von EU-Zöllen von bis zu 2,8 Mrd. Euro – seien gemäss Experten nicht einmal Rundungsdifferenzen im global gesehenen Welthandel. Auch die Ökonomen der Beratungsfirma Capital Economics weisen auf die zumindest vorläufig «geringen» Summen hin: Selbst wenn alle protektionistischen Massnahmen, die von den Beteiligten bisher angedroht wurden, ergriffen werden sollten, würde es das globale Bruttoinlandprodukt um deutlich weniger als ein halbes Prozent drücken, meinen die Chefökonomen von Capital Economics in London.

«Die USA beabsichtigt nicht einfach, nett zu verhandeln.»

Doch es gibt auch andere Seiten, die von einer zusätzlichen Belastung aller US-Importe von zehn Prozent ausgehen. Sollten in Zukunft Weltmarkt-dominierende Länder mit hohen «Vergeltungszöllen» reagieren, könnte eine globale Rezession drohen. Dieses Szenario sei aber unwahrscheinlicher, meint Martin Naville, CEO der SwissWir bringen Ihre Daten American Chamber of Commerce, in Zürich. – Wie verheerend sich diese hochgeschraubten Zölle zumkönnten Sprechen. der USA und der EU auf die Wirtschaftsleistung von Schweizer Unternehmen auswirken? VisualCockpit Herr Naville, notiert man die staatlichen Schutzzölle in China, sind die angedrohten Regulativa der USA gegenüber dem Rüchligweg Welthandel 101 nicht schon längst überfällig? CH-4125 Riehen Dass die USA dieses Ungleichgewicht an Schutzzöllen nicht643 länger akTel. +41(0)61 26 43 zeptieren, ist nicht erstaunlich. Eine entsprechende Herabsetzung Fax +41(0)61 643 26 44

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einzelner Zölle kann wohl kaum bei der World Trade Organization WTO durch die USA verhandelt werden. Deshalb geht jetzt die Trump-Administration mit kurzfristigen Drohungen und punktuellen Massnahmen gegen seine Konkurrenten vor. Langfristiges Ziel ist wohl die Senkung aller Zölle bei allen Wirtschaftsmächten – nicht die Errichtung zusätzlicher Handelsbarrieren. Wie verteilen sich denn die Zölle grundsätzlich? Im weltweit gewichteten Handelspaket fordert die USA Zölle gegen 3,5 Prozent, die EU 5,2 Prozent und China 9,9 Prozent. Das heisst: China fordert drei Mal mehr als die Staaten. In der Tat ist die heutige Situation nicht austariert.

«Ziel ist es wohl, alle Zölle zu senken.» Wo könnte Donald Trump mit seinem Votum – oder ist es pure Rhetorik – für den völlig freien Handel letztlich hinsteuern? Ich würde sagen, die USA beabsichtigt nicht einfach, nett zu verhandeln. Es geht um zwei Dinge: Wenn China beispielsweise staatlich gefördertes Dumping in der Stahlindustrie betreibt, anderswo ein Gros an Stellen verloren geht, fordert die USA zuerst einmal gleichlange Spiesse. Zweitens darf es nicht sein, dass Staatssubventionen in den USA und in der EU verpönt sind, während China kaum durch die WTO gemassregelt wird. Die Welt bräuchte bilateral-symmetrische Verträge.

Die Einzigen, die sich in Richtung «Zero Trade» (Anm. d. Red.: weltweite Schutzzoll-Nihilierung) durchsetzen könnten, sind zurzeit die USA. Die USA sind der zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz. Sehen Sie bei zu rigorosen Zöllen noch Handlungsspielraum für gewisse Schweizer Sektoren? Im Moment machen die direkten Zölle keinen Unterschied. Allenfalls wirkt sich zurzeit der amerikanische Stahl- und Aluminiumpreis auf Wertschöpfungsketten multinationaler Industriezweige der Schweiz aus. Dies ist volkswirtschaftlich gesehen noch lange kein «Wirtschaftskrieg», aber für die Betroffenen ärgerlich. Falls sich aber die Massnahmen und Gegenmassnahmen weiter hochschauklen würden, wäre dies für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft eine grosse Gefahr. Gibt es möglicherweise gar positive Effekte dieses Handelsstreits? Sollte – zwischen all dem medialen Getöse – durch die Verhandlungen eine neue Handelsstruktur mit angepassten Zöllen und besser austarierten Regeln entstehen, könnten die Marktteilnehmenden gewinnen. Abschliessend: Welche Mittel könnten Risikobeauftragte gegen zu einseitige Schutzzölle ergreifen? Die heutigen Ereignisse werden Manager nützen, um neue Szenarien zu entwickeln. Solche werden sicher auch die Wertschöpfung in den grössten Märkten betreffen, um hierbei die Importe und damit ver■ bundenen Zölle zu minimieren.

Turbulente Zeiten für Schweizer Exporteure? Zwischen Globalisierung und Protektionismus: Welche Bedrohungen und Opportunitäten erwarten international aktive Schweizer Firmen? Diese Frage beantworten die Wirtschaftsprofessoren Simon J. Evenett (Universität St. Gallen) und Patrick Ziltener (Universität Zürich) in ihrer jüngsten Studie für Switzerland Global Enterprise (S-GE). Daniel Küng, CEO von Switzerland Global Enterprise, kommentiert: «Die Studie der beiden Experten zeigt: Exporteure sollten die grossen Schlagzeilen mit Vorsicht geniessen. Im Einzelfall könnten neue Abkommen im Asien-Pazifik-Raum oder in Lateinamerika vielleicht

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Daniel Küng, CEO von Switzerland Global Enterprise (S-GE)

Wir bringen Ihre Daten zum Sprechen.

VisualCockpit

Rüchligweg 101

mehr Einfluss haben als die Zollpolitik der USA oder Chinas. Gleichzeitig schafft die Globalisierung stets neue Opportunitäten. Es laufen Verhandlungen zu Freihandelsabkommen oder es treten Handelserleichterungen in Kraft, die Schweizer Firmen nützen könnten. Wir raten Exporteuren dazu, zu analysieren, was sich im Detail vor Ort für sie verändert – und weiter mutig ihr internationales Business voranzutreiben!» ■

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Die Studie «Swiss Exports between Globalization and Protectionism» (auf Englisch) ist gratis verfügbar auf der Site von Switzerland Global Enterprise (S-GE)

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Videoüberwachungssystem und Bahnlaufregelung

Effiziente, zuverlässige Qualitätskontrolle Videoüberwachungssysteme und Bahnlaufregelungen kommen z. B. an Maschinen zum Einsatz, auf denen bahnförmige Materialien wie Papier, Folien, Textilien oder Vliesstoffe ab Rolle verarbeitet werden. So auch bei bsb-label im deutschen Bielefeld: In der Herstellung von Rollenetiketten stellt das Unternehmen mit Bahnlaufregelungen und Videoüberwachungssystemen des Herstellers BST eltromat höchste Qualität sicher. Johannes Maruschzik

Die bsb-label GmbH ist einer von zwei Pilotkunden, bei denen BST eltromat sein Videoüberwachungssystem POWERScope 5000 im Praxiseinsatz auf Herz und Nieren prüfen konnte. Als Hersteller hochwertiger Rollenetiketten deckt bsb-label ein besonders breites Anforderungsspektrum des Marktes ab. Buch-, Sieb-, Flexo- und Digitaldruck – mit seinen zehn Druckmaschinen unterschiedlicher Technik kann der Bielefelder Rollenetiketten-Spezialist für seine Kunden in Sachen Beschriftung, Kennzeichnung und Dekoration von Produkten alle Register ziehen. «In acht unserer zehn Druckmaschinen garantieren Bahnlaufregelungen von BST eltromat einen perfekten Durchlauf der zu bedruckenden Materialien», stellt Brigitte Alers, geschäftsführende Gesellschafterin des Unternehmens, fest. «Zudem kontrollieren wir mit Videosystemen dieses Herstellers in drei unserer Maschinen die Druckqualität.» Auch in den Schnellstanzern von Feldbaum + Vogt sowie in den Weiterverarbeitungsmaschinen der Grafisk Maskinfabrik kommen bei bsb-label Systeme von BST eltromat zum Einsatz. Die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen reicht in das Jahr 2008 zurück. Damals liess bsb-label in seiner schmalbahnigen Flexodruckmaschine des Schweizer Herstellers Gallus ECS 340 die vorhandenen Systeme für Bahnkantenregelung und Videoüberwachung gegen Lösungen von BST eltromat austauschen. Im Laufe der Jahre intensivierte sich die Partnerschaft und erreichte Ende 2014 mit einem 100%-Inspektionssystem SHARK 4000 LEX einen vorläufigen Höhepunkt. Dieses wird in einer Konfektioniermaschine eingesetzt, die bsb-

Das Redaktionsbüro Maruschzik (i.e. Birgit und Johannes Maruschzik) verfasst Pressetexte für Unternehmen aus verschiedenen Industrie-Bereichen. www.redaktion-maruschzik.com

Eine Compact-Guide-Bahnlaufregelung von BST eltromat in einem Kontrollgerät, mit dem bsb-label grosse Etikettenrollen kontrolliert.

label in erster Linie für die Kontrolle grosser Etikettenrollen nutzt. SHARK 4000 LEX werden Master zur Verfügung gestellt, anhand derer das 100%-Inspektionssystem überprüft, ob alle Etiketten auf den Rollen den Referenzen entsprechen und auch die Gitter korrekt abgezogen sind. Ist das nicht der Fall, werden die Fehler manuell aus dem Prozess herausgenommen.

Echte Partnerschaft Im Frühjahr 2016 fragte BST eltromat schliesslich an, ob bsb-label als eines von weltweit zwei Unternehmen Interesse an einem Betatest des seinerzeit brandneuen digitalen Videoüberwachungssystems POWERScope 5000 habe. Im August 2016 wurde dieses in der Gallus ECS 340 installiert, mit der bsb-label ein breites Spektrum unterschiedlicher Rollenetiketten produziert. «Viele Kunden erwarten von uns eine hundertprozentige Kontrolle ihrer Produkte. Einwandfreie Etikettenrollen sind eine Voraussetzung dafür, dass sie die Produktivität ihrer Maschinen voll ausschöpfen können», betont Peter Bellmann, Abteilungsleiter Druck bei bsb-label, die her-


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Bedienungsfreundlichkeit weiter verbessert bsb-label GmbH und BST eltromat Die 2004 gegründete bsb label GmbH (www.bsb.eu) ist ein Unternehmen der Bielefelder bsb group. Mit 20 Mitarbeitern produziert bsb-label in Bielefeld hochwerte Rollenetiketten für praktisch alle Anforderungen der globalen Konsumgüterindustrie und anderer Branchen. Insgesamt beschäftigt die bsb group mit ihren weiteren Unternehmen bsb-bentlage (Verkauf), bsb-proprint (Rollen- und Bogensiebdruck) und bsb-schönberg in Wien/Österreich (Entwicklung innovativer Folien) 150 Mitarbeiter. BST eltromat International (www.bst.group) bietet Lösungen für Bahnlaufregelung, Bahnbeobachtung, 100%-Inspektion, Oberflächeninspektion, Farbmessung, Farbmanagement, Registerregelung, Automatisierung und Schichtdicken- und Flächengewichtsmessung an. In den Stammwerken in Deutschland (Bielefeld und Leopoldshöhe) arbeiten mehr als 360 Mitarbeiter, weltweit beschäftigt das Unternehmen 600 Mitarbeiter.

ausragende Bedeutung der Qualitätssicherung in der Herstellung der Rollenetiketten. Angesichts dieser Anforderung des Marktes sei modernste Technik hier gerade gut genug. Deshalb habe ein Praxistest des neuen POWERScope 5000 bsb-label prima ins Konzept gepasst. Das POWERScope 5000 wurde von BST eltromat von Grund auf neu entwickelt, wobei das verantwortliche Team die einzelnen technischen Details der Vorgängerversion POWERScope 4000 analysierte und hinterfragte. Angefangen bei der Traverse, auf der die Kamera in Druckmaschinen befestigt und positioniert wird, über die Kamera bis hin zur Software einschliesslich der Bedieneroberfläche – alle Kernkomponenten sollten verbessert werden. Zur Fachmesse drupa 2016 stellte BST eltromat das neue System für schmale und mittelbreite Druckprozesse schliesslich vor.

Angesichts der Vielfalt und Komplexität der Marktanforderungen legt bsb-label hohen Wert auf die einfache Bedienbarkeit seiner Produktionssysteme. «BST eltromat hat die Bedienoberfläche des neuen Videoüberwachungssystems auf die jeweils wesentlichen Funktionen reduziert und damit besonders übersichtlich gestaltet», erkennt Daniel Diesselhorst, bei bsb-bentlage für den strategischen Einkauf verantwortlich, die beim POWERScope 5000 erzielten Fortschritte an. Die Maschinenführer des Unternehmens brauchen im Menü jeweils nur wenige Auftragsparameter wie die Formatlängen und -breiten einzugeben. Das können sie wahlweise über die Schnellzugriffstasten der externen Tastatur oder über den Multitouch-Monitor tun. Je nach räumlichen Begebenheiten und Wünschen von Kunden lässt sich die externe Tastatur flexibel in Druckmaschinen montieren. Darüber hinaus nimmt das POWERScope 5000 den Maschinenführern Arbeitsschritte ab. «Beispielsweise können wir Kamerapositionen inklusive Bildausschnitten, Zoom und anderer Einstellungen speichern und jederzeit wieder abrufen. Die Kamera fährt dann automatisch an die gewünschten Positionen. Unsere Maschinenführer brauchen für das Einrichten des Systems pro Auftrag höchstens noch ein bis zwei Minuten», so Bellmann. Bei täglich drei bis fünf Auftragswechseln auf dieser Maschine bedeute das über das Jahr hinweg gesehen eine enorme Zeit- und damit auch Kostenersparnis.

Qualität stets unter Kontrolle Mit der Split-Screen-Funktion können die Maschinenführer auf dem 21,5 Zoll breiten Multitouch-Monitor stehende Live-Bilder aus der Produktion Referenzbildern gegenüberstellen und mit den Live-Bildern vergleichen. Dabei erlaubt der elektronische Zoom das verzeichnungsfreie Vergrössern der Bildausschnitte. So können die Maschinenführer gezielt Details der gedruckten Etiketten wie etwa die Qualität der Passer anschauen und eventuelle Unregelmässigkeiten dank der ausgezeichneten Bildqualität des Videosystems zuverlässig erkennen. Selbst die Stanzkonturen sind auf den Bildern deutlich sichtbar. So wartet die digitale Kamera mit einer hohen Auflösung auf, während der Hochleistungs-LED-Blitz die Materialbahnen gleichmässig ausleuchtet. Die LED-Technik bietet den Vorteil, dass ihre Beleuchtungsintensität langfristig stabil bleiben wird. Und auch beim elektronischen Zoom gibt es keine Verschleissteile mehr, die später je nach Beanspruchung der Kamera eventuell ausgetauscht werden müssten.

Immer wieder neue Aufgabenstellungen

Ein Merkmal des neuen Videoüberwachungssystems POWERScope 5000 von BST eltromat ist seine kompakte Bauweise. Im Rahmen des Betatests wurde es bei bsb-label in eine Etikettendruckmaschine Gallus ECS 340 integriert.

Zwar ist der Test schon seit längerer Zeit abgeschlossen. Dennoch kommt bsb-label immer wieder mit neuen Anforderungen auf BST eltromat zu. Bellmann: «Wir nutzen gerne die Möglichkeit, Wünsche äussern zu können.» Beispielsweise fordere ein Kunde bei seinen technischen Etiketten einen Abstand von exakt zehn Millimetern zwischen dem Bildanfang auf den Etiketten und ihrem Rand. BST eltromat arbeite derzeit an einer Lösung, mit der die Maschinenführer von bsb label künftig auf einen Blick und zuverlässig erkennen können, ob sie diese Vorgabe des Kunden einhalten. «Die Entwicklungsabteilung von BST eltromat meldet sich regelmässig bei uns, um zu fragen, ob wir neue Anforderungen haben», lobt Alers das Engagement.


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Eventuell wird bsb-label auch andere seiner Druckmaschinen auf das neue Videoüberwachungssystem umrüsten. Bei dieser Entscheidung wird das kompakte Design der Kameraeinheit eine Rolle spielen, da es den Vorteil bietet, in den Druckmaschinen nur wenig Platz zu beanspruchen. Zudem denkt man bei bsb-label für die nahe Zukunft über den Einsatz eines Weitbereichssensors von BST eltromat nach. Diese Sensoren mit Messbereichen bis 460 mm bieten die Möglichkeit, zum Beispiel bei wechselnden Bahnbreiten die Bahnlaufregelung zu optimieren – stossen hier doch die Sensoren klassischer Bahnkantenregelungen an ihre Grenzen.

«Bei den hohen Produktionsgeschwindigkeiten unserer Maschinen brauchen unsere Drucker Systeme, die zuverlässig die Qualität des Drucks inklusive der Passer erkennen. Die Systeme von BST eltromat funktionieren so gut, dass wir uns wegen der Druckqualität keine Gedanken mehr machen müssen», fasst Bellmann die Erfahrungen von bsb-label mit der Technik seines Lieferanten zusammen. Fehlerhafte Etiketten dringen nicht mehr bis zu Kunden vor. Bei besonders anspruchsvollen Kunden wie etwa aus der Automobilindustrie falle es bsb-label dank der Systeme zudem leicht, den Qualitätssicherungs■ prozess zu dokumentieren.

Druckqualität bereitet kein Kopfzerbrechen mehr Diesselhorst: «Wir befragen unsere Kunden seit jeher nach ihren Anforderungen und investieren erst dann in die entsprechende Maschinentechnik.» Letztlich interessiere viele Kunden nicht, auf welchen Maschinen ihre Produkte hergestellt werden. Für sie seien nur die Ergebnisse wichtig. Gerade bei Just-in-time-Lieferungen direkt in die Produktion der Kunden sei konstante Qualität auch ein Kriterium der Zuverlässigkeit. «Wir haben unseren Produktionsprozess so ausgerichtet, dass unsere Kunden auch in ihren Nachtschichten sicher produzieren können», stellt Diesselhorst fest.

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Une nouvelle norme ISO

Les machines-outils moins énergivores Les machines-outils viennent rarement d’emblée à l’esprit lorsque l’on aborde la question de l’efficacité énergétique. Pourtant, elles sont constituées de moteurs et de composants auxiliaires dont les besoins en énergie varient fortement au cours des opérations d’usinage. Aujourd’hui, une nouvelle norme ISO en plusieurs parties peut aider à mesurer l’énergie fournie à ces machines et améliorer leur conception et leurs performances.

Sandrine Tranchard

Les machines-outils sont des appareils industriels à moteur complexes, utilisées pour fabriquer des pièces prêtes à l’emploi ou des produits semi-finis. Englobant un éventail complet d’outils de coupe et de formage du métal, du bois ou des matières plastiques avec tous leurs accessoires, les machines-outils sont utilisées par les entreprises de divers secteurs tels que l’industrie automobile, le génie mécanique en général, l’ingénierie de précision, le secteur médical, les transports, l’aérospatiale ainsi que l’industrie des moules et matrices. Les machines-outils utilisent de toute évidence différentes formes d’énergie : énergie électrique, air comprimé, énergie hydraulique, énergie cachée dans les systèmes de refroidissement et de lubrification, etc. C’est pourquoi les besoins en énergie d’une machine-outil sont considérés comme une information essentielle pour la prise de décision en matière d’investissements, sans toutefois être le seul critère. Les performances d’une machine-outil couvrent plusieurs aspects, selon que l’on considère sa valeur économique, ses caractéristiques techniques ou les exigences de fonc-

Sandrine Tranchard est chargée de communication chez l’Organisation Internationale de Normalisation ISO.

tionnement, qui dépendent de son application spécifique. Ainsi, l’empreinte écologique est un enjeu commun à tous ces produits et, avec l’épuisement des ressources naturelles, il est devenu nécessaire de définir des critères de performance environnementale pour les machines-outils et de spécifier leur utilisation. L’ISO a récemment publié les deux premières parties d’une nouvelle Norme internationale relative à l’évaluation environnementale des machines-outils, qui propose d’analyser les machines-outils du point de vue des fonctions offertes afin de mettre en évidence les points communs partagés par la grande diversité des types de machines-outils actuels.

ISO 14955-1, Machines-outils Évaluation environnementale des machinesoutils – partie 1 : Méthode de conception pour l’efficacité énergétique des machines-outils, traite de l’efficacité énergétique des machines-outils au cours de leur durée de vie. Elle identifie les principales fonctions et les principaux composants des machines-outils qui déterminent les besoins en énergie au cours de la phase d’utilisation. Ces composants sont ensuite comparés à la génération précédente ou aux composants de pointe en vue de leur amélioration future.

ISO 14955-2, Machines-outils Évaluation environnementale des machinesoutils – partie 2 :

Méthode pour mesurer l’énergie apportée aux machines-outils et aux composants de machines-outils, vient à l’appui de la méthode de conception économe en énergie d’ISO 14955-1, en fournissant des méthodes pratiques de mesure de l’énergie fournie aux machines-outils. Ralf Reines, animateur de l’ISO/TC 39/ GT 12 qui a élaboré la norme, explique : « À ma connaissance, il s’agit de la seule norme abordant ce sujet et spécifiquement destinée aux machines-outils. Elle couvre la question de l’efficacité énergétique de façon à pouvoir être appliquée à toute machine-outil, malgré l’extrême diversité présentée par ce groupe de produits, notamment du point de vue des technologies mises en œuvre (fraisage, tournage, meulage, usinage au laser, formage), du matériau usiné (métal, bois, matières plastiques) ou des dimensions des produits fabriqués (production de pièces de la taille d’une dent ou usinage d’engrenages de moulins à vent de dix mètres de diamètre). La norme se concentre sur les principaux éléments consommateurs d’énergie pour améliorer la performance environnementale sans compromettre les possibilités techniques. » Selon l’étude de marché Market Report 2016 publiée par l’Association allemande des constructeurs de machines-outils (VDW), la production mondiale de machines-outils pèse EUR 67,7 milliards. La demande croissante de machines et de systèmes de production offrant une meilleure efficacité énergétique est un enjeu relativement nouveau pour les concepteurs de machines. Désormais, avec la nouvelle norme ISO 14955, il y a fort à parier que l’efficacité énergétique s’imposera comme un critère de qualité de plus en plus important pour les machines-outils modernes. ISO 14955-1 et ISO 14955-2 ont été élaborées par le comité technique ISO/TC 39, Machines-outils, dont le secrétariat est assuré par SNV, membre de l’ISO pour la Suisse. Elles sont disponibles auprès du membre de l’ISO dans votre pays ou ■ sur l’ISO www.iso.org

Hinweis Eine kurze Zusammenfassung zu den neuen ISO-Normen für nachhaltige Werkzeuge finden Sie auch unter der Rubrik «Szene» in dieser Ausgabe auf S. 6.


PRODUKTENEWS

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Product Lifecycle Management Training

Zurzeit arbeitet das Psychiatriezentrum Münsingen (PZM AG) in den Abteilungen mit verschiedenen Adressverzeichnissen und Systemen. Damit ist eine effiziente und effektive Bearbeitung der Zuweiser-Adressen nicht möglich. Das PZM geht noch einen Schritt weiter: Sämtliche Adressdaten für Kommunikation, Marketing, Administration, Weiterbildung, Forschung usw. sollen neu zentral in einem CRM-Tool verwaltet werden. evidence crm4clinic wird neu als Adressen-Master eingesetzt. crm4clinic ermöglicht ein modernes, automatisiertes Kampagnenmanagement, das speziell für die Pflege und Gewinnung von Zuweisern entwickelt wurde. Durch die freie Stichwortvergabe pro Kontakt u/o Firma, die Zuteilung zu definierten Betreuern oder die Office-Anbindung erfüllt das System weitere Anforderungen des PZM. Mit evidence crm4clinic verspricht sich das Psychiatriezentrum Münsingen viele Vorteile. Die wichtigsten sind dabei: – zentrale Datenhaltung mit klar geregelten Zuständigkeiten – Zeitersparnis bei der Pflege der Adressen und gleichzeitig optimierte Datenbestände

Bild: zVg.

Zuweisermanagement für Spitäler

Mehr Selbstwert, Kompetenz und verantwortliches Arbeiten bilden eine Prozesskette im Unternehmen gleichermassen wie in der fachlichen Entwicklung jedes einzelnen Mitarbeiters. Die Cytrus AG ist seit März 2016 der Ansprechpartner für die Organisation und Durchführung der Trainings der gesamten PLM-Palette von Siemens PLM Software. Die Trainer werden themenbezogen durch Cytrus AG, JANUS Engineering AG oder andere Partner gestellt. Cytrus AG übernimmt die bewährten Schulungsinhalte und bietet künftig das Training an zwei Standorten an. Künftig können Termine und Anmeldungen über eine zentrale Homepage gemacht werden, egal ob es sich um CAD-, CAM-, CAE- oder PLM-Kurse handelt.

– 360°-Sicht auf die zuweisenden Ärzte und damit eine effektive Segmentierung derselben – wirkungsvolle Unterstützung des Marketings als Kampagnen- und Informationssystem

Das aktuelle und erweiterte Schulungsprogramm finden Sie unter cytrus.com

www.glauxsoft.com

Neue App fürs Inspektionsmanagement

Product Lifecycle Management Software Im Bereich Siemens Product Lifecycle Management (PLM) werden die NX-Softwareprodukte weiterentwickelt. NX basiert auf einer einheitlichen, modernen Softwarearchitektur. Ziel der Softwarelösung ist es, neue Funktionen bereitzustellen und gleichzeitig Kundendaten zu schützen. Der neue Distributionsansatz wird es Kunden ermöglichen: – funktionale Erweiterungen für Produktivitätssteigerungen einfacher zu erhalten – über einen konsistenten Zeitplan für Updates zu verfügen, um die Einführung neuer Technologien besser planen zu können – auf neue Ideen und Trends reagieren zu können – die Bereitstellungskosten zu reduzieren – eine schnelle, regelmässige Rückmeldung über NX-Entwicklungen zu erhalten – von einer durchgängigen Integration und Kompatibilität zu profitieren Ab Januar 2019 werden neue Produkte nach der kontinuierlichen Release-Methode ausgeliefert. Kunden erhalten dann neue Software-Upgrades und profitieren von regelmässigen Verbesserungen. Darüber hinaus lässt sich NX so einfacher bereitstellen. Siemens ist der erste grosse CAD/CAM/ CAE-Anbieter, der seine Lösungen in dieser Form anbietet. Weitere Informationen zu dem neuen Angebotsmodell finden Sie unter www.plm.automation.siemens.com

Gesetzliche Konformitätsprüfungen Fälle, in denen sich Unternehmen nach Arbeitsunfällen, Umweltschäden oder Brandereignissen öffentlicher Kritik oder einer Strafverfolgung ausgesetzt sehen, mehren sich. Eine Vielzahl an gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen im Arbeits- und Umweltschutz sowie laufende Veränderungen von vorhandenen Gesetzen, Richtlinien

etc. stellen Unternehmen vor grosse Herausforderungen bei der Einhaltung der «legal compliance» und der Vermeidung ernst zu nehmender Folgen. Informationen zu diesem Kursmodul – welches mit der IPSO ECO AG angeboten wird – finden Sie bei der sanu AG. www.sanu.ch

Die FLIR InSite-App unterstützt die Benutzer beim effektiven Planen und Vorbereiten ihrer Inspektionen zu Beginn ihres Arbeitstags. Die App arbeitet nahtlos mit den FLIR Wärmebildkameras und Prüf- und Messinstrumenten zusammen, erfasst dabei alle Bilder und Daten, die für einen Inspektionsbericht benötigt werden, und reduziert gleichzeitig den administrativen Arbeitsaufwand.

Bild: FLIR

Um fit für die Anforderungen eines modernen Zuweisermanagements zu werden, verschrieb sich das Psychiatriezentrum Münsingen (PZM AG) einer internen Reorganisation.

Mit FLIR InSite können Inspektionsexperten ihre Leistungen visuell veranschaulichen. Das FLIR InSite Workflow-Management-Tool eignet sich ideal für Elektriker und professionelle Thermografen, reduziert die Vorbereitungszeit von Inspektionen, steigert die Effizienz und ermöglicht das schnelle Bereitstellen von Ergebnissen. Mit FLIR InSite können Inspektionsexperten ihre Kunden besser betreuen und diesen den Wert ihrer Leistungen visuell veranschaulichen. www.flir.eu/InSite


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Managementsoftware bei der SwissPrimePack AG

Standards bringen Stabilität Das Gegenteil von Murphy’s Law: Alles, was funktionieren soll, funktioniert auch. So zu erleben bei der SwissPrimePack AG, die ihr elektronisches Qualitätsmanagement innert einem halben Jahr mit enormem Erfolg neu strukturierte. Beni Krieger

Ganz klar: Kleine KMU, die voll auf erstklassiges elektronisches Qualitätsmanagement setzen, arbeiten mit wenig Leuten effizienter als manches Grossunternehmen. Nicht verwunderlich: Immer mehr anspruchsvolle Schweizer Firmen entscheiden sich für digitale Prozessführung. Oft beobachtet: Die Einführung dieser Neuerung gestaltet sich zum Hindernislauf.

Vollerfolg nach nur sechs Monaten Dass es anders geht, zeigt die SwissPrimePack AG, mitführend im Bereich der Entwicklung und Produktion hochstehender Lebensmittelverpackungen für Kunden wie Emmi, Mövenpick oder die Migros. «Ein kompetitiver Markt, besonders für ein Schweizer Unternehmen!», meint CEO Jana Walker. «Es gibt ja Auslandslösungen. Man muss effizient und innovativ arbeiten, um vorne zu bleiben.» Unter diesen Vorzeichen gelang der SwissPrimePack AG im Jahr 2017 innert sechs Monaten, wofür andere Unternehmen Jahre einsetzen: die Einführung durchgängigen elektronischen Qualitätsmanagements, gekrönt von der ISO-9001:2015-Zertifizierung im September 2017.

Qualitätsmanagement ist für alle da Walker betont: «Die zügige Einführung umfassenden Qualitätsmanagements gelingt, wenn man alle involviert. Es lag uns am Herzen, unseren digitalen Assistenten richtig aufzubauen und seine Bedeutung für alle Mitarbeitenden und unsere Firma klar darzulegen. Sämtliche Abteilungen sollten einbezogen und geschult werden. Alle Prozesse mussten sicher und stabil abrufbar sein, denn alle sollten Zugriff haben.»

Emmi erfolgreich auf IQSoft setzt. Das beeindruckte mich. Ausschlaggebend war letztlich eine IQSoft-Präsentation durch Beat Rippstein von der IQS AG. Er zeigte meinem Qualitätsmanager, Marcus Kriebel, und mir umfassend, was die Software in der neuen, webbasierten SQL-Version für uns tun konnte.» Marcus Kriebel ergänzt: «Die nachfolgende Zusammenarbeit hat sehr gut funktioniert. Die Beratung, die Konstanz, der Mensch-Faktor: für uns sehr wichtig.»

Jetzt aber Vollgas! Bei SwissPrimePack erinnert man sich an diese Projektphase als «eine ziemliche Offensive». Der Druck war gross, die Zertifizierung nahte. Man involvierte intern mindestens ein Dutzend Leute und setzte zudem auf die aktive Unterstützung der IQS AG. Marcus Kriebel: «Wir wählten Support vor Ort und wir erhielten von der IQS AG auch Templates als Grundgerüst für die Prozessplanung. Alle Beteiligten haben gut zugearbeitet. Dafür bin ich dankbar, denn deshalb konnte ich als Qualitätsmanager sehr effizient ans Werk gehen.» In dieser Phase lief übrigens längst nicht alles digital. Kriebel verrät uns, dass seine Mitarbeitenden ihre Wünsche per Kugelschreiber auf den Prozess-Templates einzeichneten.

Eine überzeugende Prozesslandkarte für alle Und die Software selbst? Kriebel: «Mit IQSoft bekommt man neben allen anderen Funktionen BPM, ein fantastisches visuelles Tool zur Gestaltung von Prozesslandkarten.» Diese Prozesslandkarte – darauf legten Walker und Kriebel Wert – sollte «ganz praktisch» funktionieren. Etwa im Mai 2017 begann man daher mit der Abbildung und Gestaltung aller Elemente, Produkte und Prozesse. Heute ist einfach alles in der Prozesslandkarte abgebildet. Jeder Mitarbeitende kann das Organigramm, die Strukturen und die Prozesse anschauen. Abrufbar sind zum Beispiel die Einstelldaten

Gesucht: ein umfassendes Werkzeug Zum Zeitpunkt dieser Überlegungen (im frühen Frühjahr 2017) stand SwissPrimePack wenige Monate vor einer aufwendigen Zertifizierung. Bereits im Haus: eine ältere Lizenz der Zofinger Qualitätsmanagement-Software IQSoft. Jana Walker evaluierte Angebote der Mitbewerber. Sie wollte kein reines Audit-Tool, sondern ein umfassendes Werkzeug zur Vernetzung aller Unternehmensbereiche. «Ich sah, dass unser Kunde

Beni Krieger, Texter/Konzepter, die-texter GmbH, Haldenbachstrasse 9, CH – 8006 Zürich www.dietexter.ch

Jana Walker, CEO von SwissPrimePack AG: Der Markt der Lebensmittelverpackungen ist sehr kompetitiv.


QUALITÄT SICHERN 29

der Maschinen, die Qualitätsmerkmale der hergestellten Produkte, das Leistungssoll oder die Abteilungsziele. Zum kompletten Dokumentenmanagement gehören aber auch Arbeitspläne, das Prüfmanagement oder das Beschwerdemanagement. Die via IQSoft verwalteten Datensätze sind dabei die einzige aktuelle Quelle. Auf das entsprechende Laufwerk darf daher auch nur der Qualitätsmanager zugreifen.

Umfassende Effizienzsteigerung Fragt man nach dem Resultat des nicht unbeträchtlichen Aufwands, ist Jana Walkers Urteil eindeutig: «Unsere Lieferfähigkeit, die Effizienz, Qualität und Motivation unserer Leute sind gestiegen.» Markus Kriebel verdeutlicht: «Ein Mitarbeiter an einer Maschine holt sich heute mit zwei Mausklicks eine aktuelle Produktzeichnung. Früher musste er solche Zeichnungen per E-Mail anfordern. Aber was, wenn der Empfänger nicht da war? Die Effizienzsteigerung ist massiv.»

Vom Müssen zum Dürfen zum Wollen Jana Walker betont die Bedeutung positiver Kommunikation, hält jedoch fest: «Sie müssen eine derartige Veränderung knallhart einfordern. Die Umsetzung muss stimmen und das wird kontrolliert.» Glücklicherweise sei es jedoch nur in absoluten Einzelfällen zu Konsequenzen gekommen. Ganz im Gegenteil: «Widerstände gegen IQSoft haben wir nur während ganz kurzer Zeit gespürt. Anfangs sagten die Leute: ‹Ja, ich muss das jetzt halt anwenden.› Und dann hörten wir plötzlich: ‹Das nützt mir ja!›. Wenn wir heute durch die Firma gehen, kommen Leute auf mich zu und sagen: ‹Das müsst ihr dann im Fall noch verbessern. Diese Maschine sollte man besser so und so einstellen›. Das ist neu und wir finden es super!» Der Effekt? Es ist in der Firma ruhiger geworden. Man hat dank höherer Transparenz wohl mehr Verständnis untereinander. Und wo alles sehr geordnet abläuft, kann jeder Mitarbeitende nach seinem Einsatz gelassen und zufrieden nach Hause gehen: «Vorher waren manche Vorgaben etwas unklar. Die Leute wussten nicht genau, was richtig war. Mit IQSoft als Führungstool gibt es keine Unklarheiten mehr.»

Alles klar. Jederzeit. Jedes erfolgreiche Unternehmen legt Wert darauf, sich von innen und aussen zu betrachten. Dieser zweifache Fokus aufs Wesentliche wird durch elektronisches Qualitätsmanagement erleichtert. Bei SwissPrimePack zeigt sich das unter anderem am monatlichen ManagementReview: Die Führungscrew weiss jederzeit genau, wo das Unternehmen quantitativ und qualitativ steht. So oder so überprüft man regelmässig bestimmte Prozesse, denn «sonst wäre das System ja nicht gelebt». Wie weit man Mitarbeitende an gewonnenem Wissen partizipieren lässt, ist von KMU zu KMU unterschiedlich. SwissPrimePack setzt auf Offenheit. Die allgemeinen Kennzahlen, Qualitätskennzahlen und Entwicklungen sind für alle Interessierten sichtbar. Der Erfolg der Firma als Ansporn für den Einzelnen? Jana Walker bejaht das. Sie ist überzeugt, dass jeder Mensch gerne in einer erfolgreichen Firma arbeitet. Marcus Kriebel ergänzt: «Mitarbeitende können zum Beispiel abrufen, wann sie an ihrem Arbeitsplatz welche neue Software erwarten dürfen. Die Leute sehen, dass etwas geht.»

Aufs Notwenige reduziert Alle reden vom Lean Management. Beim Dokumentenmanagement heisst das: Verdichten! Weg mit allem, was man nicht wirklich braucht.

Blick in die Produktion von SwissPrimePack AG.

Bei SwissPrimePack geriet dieser Prozess zur regelrechten Schlankheitskur: Aus 500 uneinheitlichen und kaum kontrollierten Dokumenten wurden 150 einheitlich strukturierte Datensätze. Und vor allem: «Es gibt nun Zugriffskontrollen. Das allein bringt schon enorm viel.» Bereinigt werden Dokumente durch Qualitätsleiter Kriebel: «Mitarbeitende kommen mit Vorschlägen auf mich zu. Diese Ideen sind meistens gut, und dann passen wir das an.» Gibt es Kundenaudits? Klar, aber die seien kein Problem, da schneide man sehr gut ab. Wiederholbarkeit sei erwünscht und da helfe so eine Software sehr.

Aufs Maximum minimiert Jana Walker zieht Bilanz: «Ob Qualität, Leistung oder Motivation: Wir haben viel erreicht, zahlreiche Abläufe mit Strategie und Leitbild verknüpft, sehr hohe Transparenz geschaffen und das in einem voll integrierten System. Wir kennen alle Werte und Abläufe, die wir kennen wollen. Solche Standards bringen Stabilität.» Marcus Kriebels Perspektive: «Alle relevanten Infos fliessen zusammen und stehen zur Verfügung. Die Zugriffszeit hat sich wahnsinnig minimiert. IQSoft macht die Arbeit aus Sicht des QM sehr einfach.»

Alles gut, alles erledigt? Auch, wenn alles funktioniert, kann man doch immer noch besser werden. Auf dem Wunschzettel der SwissPrimePack AG: die Einführung des Schulungsmoduls EDUQ und – trotz erfolgreicher Zertifizierung – die Aktivierung des IQSoft Auditmoduls. Marcus Kriebel freut sich auf diesen Schritt: «Mit IQSoft lassen sich komplizierte Prozesse auf einer A4-Seite abbilden. Die Auditvorbereitungen sind aber aufwendig. Das können wir gerne noch optimieren.» Fazit? Qualitätsoptimierung ist für die SwissPrimePack AG keine Pflicht, sondern eine Herzensangelegenheit. Zwei weitere IQSoft-Module? Noch mehr Qualität und Effizienz? ■

IQS AG Seit 25 Jahren am Markt und auf der Erfolgsspur, «The Quality Maker», das Team der IQS AG in Zofingen. Über 1300 Kunden schenkten der IQS bisher ihr Vertrauen. Dank striktem Kundenfokus erneuert sich das Erfolgsprodukt IQSoft laufend. Die Module der Managementsoftware iqsoft.ch sind vollständig vernetzt, können aber trotzdem step by step ganz nach Bedarf lizenziert werden. IQSoft Kunden partizipieren ohne Wartungsgebühren an den Weiterentwicklungen. www.iqs.ch


30 KOLUMNE

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Hannes managt

Ein Entscheid wird gefällt – jetzt wird «Du» gesagt

Hannes führt die «Du-Kultur» ein

Aber heute hat Hannes sich getäuscht. Da schlägt doch tatsächlich die HR-Division vor, das Teamklima gezielt weiter zu fördern. Schlussendlich trage eine gute Motivation mehr zur Produktionssteigerung bei als eine digital optimierte Steuerung einer Produktionslinie. Die Kollegen sind begeistert. Gemeinsam wird der Entscheid gefällt, dass das Programm «Förderung der Firmenkultur durch mehr Motivation im Team» heisst und vor allem nichts kosten darf. Da entscheidet der CEO, der sich gerne als «Macher-Typ» bezeichnet, dass man doch einfach die «Du-Kultur» einführen sollte. Geht schnell, wirkt schnell und kostet nichts. Das Gremium nickt das ab und gibt Hannes den Auftrag, die Umsetzung zu planen. Das ist zwar nicht gerade das, was Hannes sich aus dieser Sitzung versprochen hat, aber es bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich dahinter zu machen.

Im Detail steckt der Du-Teufel

Stefan Häseli

Die erste Sitzung der Geschäftsleitung nach der langen Sommerpause hat gedauert. Hannes war sich dessen schon zuvor bewusst gewesen, kam gut vorbereitet und hatte auch klare Pläne vorgelegt, wie im zweiten Semester in der Produktion noch etwas an der Effizienzschraube gedreht werden könnte, um die gefährdete Gewinnmarge noch etwas aufzuholen. Ein anspruchsvolles Unterfangen, zumal die Märkte ebenfalls flau sind. Der Teamgeist mit dem neuen CEO verpflichtet. Weitreichende Entscheidungen wie Schichtkürzungen oder Fremdvermietungen von Maschinenstrassen an Partnerunternehmen werden nun im Team der Geschäftsleitung austariert. Gemeinsam wird dann ein Entscheid gefällt. Das Einzelkämpfertum hat ausgedient. Das ist Hannes sympathisch, denn es entlastet ihn als Produktionsleiter sehr. Die Anträge von Hannes wurden diskutiert. «Diskutiert» heisst: jeder gibt seinen Senf dazu, obwohl er von Technik, Produktion, Kaizen und KVP überhaupt keine Ahnung hat. Entschieden wird höchstens, dass noch nicht entschieden wird. Voten wie «da muss meiner Meinung nach Hannes nochmals über die Bücher» sind die vorgeschobenen Argumente, wichtige Entscheidungen nicht zu fällen. Das macht Spass: alle reden mit, niemand will die Konsequenzen tragen. Die Geschäftsleitung mutiert zum Abklatsch politischer Gremien im Land.

Stefan Häseli regt als international aktiver Speaker dazu an, wirkungsvolle Kommunikation im Alltag mit Spass zu erleben. Dazu ist er Autor von zahlreichen Büchern und bekannt als Ratgeber in Radio- und TV-Sendungen. Er analysiert aktuelle Ereignisse regelmässig als «kommunikativer Beobachter». Seine Kolumne «Hannes managt» ist eine Geschichtenserie mit feinsinniger Satire aus den und über die Management-Etagen. www.stefan-haeseli.com

Zurück in seinem Büro beginnt er, die entsprechende Weisung zu entwerfen. Ab sofort sollen sich alle «Du» sagen, unabhängig von der Hierarchie. Das ist modern und zeugt von Offenheit und Aufgeschlossenheit. Seine Gedanken machen sich selbstständig: Gefühlt werden so Hierarchien abgeschafft, um sie dann durch die Hintertür noch stärker zu pflegen. Aber was heisst hier «ab sofort»? «Ab sofort» geht nicht, befindet er. Was ist mit denjenigen, die jetzt im Urlaub oder auf Geschäftsreise sind? Die kommen nächsten Montag zurück und werden von ihren Mitarbeitenden mit «Du» angesprochen. Das ist zu abrupt. Also muss ein Stichtag her. Er beginnt an der Weisung zu feilen. Hannes definiert: Ab 1. Oktober dieses Jahres gilt die «Du-Kultur». Und weil auch Leute im Dreischichtbetrieb betroffen sind, wird die Zeit 00.00 Uhr ebenfalls definiert. Zu Beginn der Schicht begrüsst der Bereichsleiter noch mit «Guten Abend Herr Meier», verabschiedet wird er mit «Tschüss Matthias». Das wirkt nur auf den ersten Blick etwas grotesk und gestelzt, aber die Gruppe spürt so am intensivsten, wie ernst es der Geschäftsleitung mit dem Thema «Wertschätzung» ist. Gleichwohl weiss Hannes beispielsweise vom Finanzchef, dass er sich schwer tut mit dem «Du»-Sagen. Eigentlich tun das viele. Kein Wunder, denn die Branche und ganz besonders das Unternehmen waren klar hierarchisch geprägt. Ist es ja heute noch, denn es gibt Abteilungen, in denen sich selbst langjährige Kollegen noch «Sie» sagen. Aber das ist jetzt alles vorbei. «Da muss man halt umdenken», sagt sich Hannes und unterstreicht in der Weisung den Passus für alle obligatorisch. Aber findig wie er ist, kreiert er doch noch einen kleinen sprachlichen Notausgang.

Die rettende Übergangsphase Wer in einer Übergangsphase von sechs Monaten Mühe hat, vom «Guten Tag Herr Meier, konnten Sie den Bericht schon schreiben?» auf das joviale «Hallo Bruno, hast du das Gekripsel schon fertig gebastelt?» zu wechseln, für den gibt’s eine Alternative. «Guten Morgen, wie sieht’s aus, ist der Bericht schon fertig?» «Das ist gut», denkt Hannes und ist wieder einmal stolz, die Quadratur des Kreises gefunden zu haben. Dazu erfüllt das Unternehmen weitere Hürden in der geschlechterneutralen Formulierung. Wer nicht Menschen mit «Sie» oder «Du» anspricht, sondern nur über Sachen redet, kann «Frau» und «Mann» sowie «Sie» oder «Du» nicht mehr verwechseln. Das ist wahrlich ein monumentaler Schritt im kontinu■ ierlichen Verbesserungsprozess.


AGENDA/VORSCHAU

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IMPRESSUM

Vorträge/Tagungen/Seminare Das Magazin für integrierte Managementsysteme

Anlässe Schweiz

Anlässe International

Compliance Cockpit Simulator

Toolbox-Workshop 2018

Weiterbildung per Fernstudium

Compliance auf spielerische Art kennenlernen 13. Juli 2018, Zürich zhaw.ch

Wirkungsvolle Führungsinstrumente auf der Basis der «Toolbox 2018» gezielt anwenden 5. September 2018, Luzern www.swiss-excellence-forum.ch

Qualitätsbeauftragter TÜV, Qualitätsmanager TÜV, Qualitätsauditor TÜV Beginn: jederzeit www.fernschule-weber.de

Aktuelles zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

Komplettlehrgänge für Qualitätsmanager Beginn: monatlich www.cqa.de

Medical Devices Risk Management Quantitative Verfahren zur Risikokalkulation. Durchführung in Kooperation mit der Berner Fachhochschule 3., 4. und 7. August 2018, Bern www.snv.ch

Umgang mit Betriebsunterbruch Best Practice, Normen, Branchenvorgaben in Zusammenhang mit Betriebsunterbruch kennen 22. August 2018, Wallisellen akademie.safetycenter.ch

Krisenkommunikation Grundlagen Übung «Story Telling»: bildhafte und beispielhafte Sprache etc. 23. August 2018, Wallisellen akademie.safetycenter.ch

CAS in Process and Quality Leadership In Kooperation mit der Kalaidos FH 23. August 2018 bis 16. November 2019, siehe Details www.snv.ch

CAS Führungskompetenz für Finanzfachleute Das «CAS Führungskompetenz für Finanzfachleute» optimiert die sozialen und persönlichen Kompetenzen. ab 29. August 2018 (Zentralschweiz) www.hslu

CAS Datenschutzverantwortliche Anmeldung 2018 nur noch auf Warteliste. Nächste Durchführung im 2019 ab 31. August 2018, Winterthur weiterbildung.zhaw.ch

Gesprächsführung im Risikomanagement Wie Risikomanager schwierige Gespräche führen 4. September 2018, Ort noch offen www.netzwerk-risikomanagement.ch

Übersicht bezüglich der neuen gesetzlichen Regelungen und Vorschriften 6. September 2018, Pratteln akademie.safetycenter.ch

SKO-Lehrgang: Digital Leader Digitale Herausforderungen erkennen und umsetzen. Lehrgang an der Hochschule für Wirtschaft HWZ 14. Sept. bis 22. Nov. 2018, Zürich www.sko.ch

Info-Veranstaltung: CAS Führungskompetenz Erfahren Sie die wissenswerten Details dieser Weiterbildung. 19. September 2018, Luzern www.hslu.ch

SAQ-QUALICON Umweltmanager/-in EOQ Environmental Systems Manager. Neue Weiterbildung 8. Oktober bis 29. November, Olten www.saq-qualicon.ch

Das Unternehmer-Symposium 2018 Was braucht es, um als Unternehmen die Zukunft zu prägen? 9. Oktober 2018, Zürich www.zfu.ch

Externer Auditor Umweltmanagement Externe Audits von Umweltmanagementsystemen nach ISO 14001 5. und 6. September 2018, Olten 16. und 17. Oktober 2018, Luzern www.saq-qualicon.ch

Get to know ISO 45001:2018 Im Kurs werden Chancen und Risiken und benötigte Ressourcen besprochen. 24. Oktober 2018, Winterthur www.snv.ch

QM-Ausbildung

QM in der Automobilindustrie Qualitätsmanagement-Audits sind wichtig für die nachhaltige Sicherung und Wertschöpfung in der Automobilindustrie. – Div. Weiterbildungsmodule, siehe www.tuev-sued.de

48. Jahrgang erscheint 10 x jährlich Schweiz: ISSN 1422-6634 Deutschland: ISSN 1862-2623

Offizielles Organ der SAQ Swiss Association for Quality Stauffacherstrasse 65/42, 3014 Bern T 031 330 99 00, www.saq.ch Herausgeber SAQ/galledia verlag ag Druckauflage 6970 Ex. Verkaufte Auflage 2620 Ex. (wemf-beglaubigt) Redaktion Thomas Berner, lic. phil. I (MA) Burgauerstrasse 50, 9230 Flawil T +41 58 344 97 37, F +41 58 344 93 62 thomas.berner@galledia.ch Michael Merz T +41 58 344 98 64 michael.merz@galledia.ch Produktion galledia ag, CH-9230 Flawil

Risikomanagement im Gesundheitswesen Nach erfolgreichem Abschluss der zwei Module (5 Tage) wird das Zertifikat «Risikomanager im Gesundheitswesen – TÜV» erstellt, siehe www.tuev-sued.de

Metropolitan Cities Designing Ecosystems for Innovation 19. und 20. Juli 2018, Aachen www.campusforum.de

Risk Management Congress 2018 Die 13. RMA-Jahreskonferenz 15. und 16. Oktober 2018, Köln rma-ev.org

Unternehmenssprecher BAW Ein neuer zertifizierter Lehrgang der Bayerischen Akademie für Wirtschaftskommunikation 15. Oktober 2018, München baw.academy

Deutscher Maschinenbau Gipfel Der industriepolitische Treffpunkt für die Maschinenbau-Elite 16. und 17. Oktober 2018, Berlin www.maschinenbau-gipfel.de

Schweiz Verlag galledia verlag ag Buckhauserstrasse 24, 8048 Zürich T +41 (0) 58 344 98 98 www.galledia.ch Verlagsmanager: Rolf Gubelmann Werbemarkt Kömedia AG Geltenwilenstrasse 8a, 9001 St.Gallen T +41 71 226 92 92, F +41 71 226 92 93 info@koemedia.ch, www.kömedia.ch Abonnenten-Service galledia verlag ag Burgauerstrasse 50, 9230 Flawil T +41 (0) 58 344 95 64 F +41 (0) 58 344 97 83 abo.mq@galledia.ch, www.galledia.ch Einzelnummer Jahresabonnement Ausland

CHF 14.30 CHF 128.– CHF 169.–

Deutschland, Österreich Werbemarkt Kömedia AG Geltenwilenstrasse 8a, 9001 St.Gallen T +41 71 226 92 92, F +41 71 226 92 93 info@koemedia.ch, www.kömedia.ch Abonnenten-Service TÜV Media GmbH Am Grauen Stein, D-51105 Köln Iris Weinmeister T 0221 806-3520, F -3510 iris.weinmeister@de.tuv.com Einzelnummer Jahresabonnement

EUR113.50 EUR 115.–

Die Kündigung des Abonnements ist mit einer Frist von 6 Wochen zum 31. Dezember möglich und schriftlich an den Verlag TÜV Media GmbH zu richten. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages. Weitere Titel der galledia: Organisator, MK Marketing & Kommunikation, IMMOBILIEN Business, SicherheitsForum, Forum Sécurité, Safety-Plus, Moto Sport Schweiz, Moto Sport Suisse, TÖFF, AutoSprintCH, TIR transNews, KMT kommunalTechnik, carrossier, electro revue, Modellflugsport, St. Galler Bauer, Thurgauer Bauer, UmweltPerspektiven


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Qualitäts- und Prozessmanager Gesundheitswesen Abschluss: SAQ-QUALICON Diplom Start: Do, 13.09.2018 Durchführung garantiert (noch wenige Plätze frei) Supplier Quality Management Abschluss: SAQ-QUALICON Diplom Start: Mi, 22.08.2018 Jetzt anmelden Qualitätsmanager Medizintechnik ŽÞ©½êÞÞɆ ]Xɬ~™Úæ¬Ĉº‚æ Start: Mo, 27.08.2018 Durchführung garantiert (noch wenige Plätze frei)

Besuchen Sie: www.saq-qualicon.ch

MQ Management und Qualität  

Das Magazin für integrierte Managementsysteme Ausgabe 7-8/2018

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