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HANDELSBLATT MANAGEMENT-FORUM 02/10 E X C L U S I V E

I N T E R N A T I O N A L

P R O F E S S O R

P A N E L

F R O M

Wege aus der Krise

T O P

B U S I N E S S

S C H O O L S


HANDELSBLATT MANAGEMENT-FORUM 02/10

Inhalt 1

Vorwort

2

Kernbotschaften

3

Umfrageergebnisse

4

Fragen und Antworten

5

Impressum

Handelsblatt Management-Forum Wege aus der Krise A


HANDELSBLATT MANAGEMENT-FORUM 02/10

B Handelsblatt Management-Forum Wege aus der Krise


HANDELSBLATT MANAGEMENT-FORUM 02/10

1 Vorwort Santiago Advisors und Prof. Dr. Ronny A. Fürst haben in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt einen exklusiven Fachkreis renommierter Professoren führender Business Schools zusammengestellt, um diese in regelmäßigen Abständen zu zukünftigen Managementthemen zu befragen. Business Schools bilden die Management-Elite der Zukunft aus. Darüber hinaus betreuen und beeinflussen sie im Rahmen von Executive Programmen die Management-Elite von heute. Das Handelsblatt Management-Forum bringt die führenden Professoren der Management-Lehre virtuell zusammen und lässt sie gemeinsam in die „Glaskugel“ blicken und Zukunftsthemen bewerten. Santiago Advisors ist eine auf Organisation und Strategie fokussierte international operierende Top - Management Beratung. Das seniore Team ist spezialisiert auf die Konzeption und Umsetzung von komplexen Unternehmensveränderungen, Reorganisationen und Integrationen. Prof. Dr. Fürst ist Studienleiter der European Management School (EMS) in Mainz und Inhaber einer Professur für International Business. Er ist Direktor des icgrowth Institut für Wachstumskooperationen in Wiesbaden.

aus fünf Fragen bezogen auf die Entwicklungen von Regionen und Unternehmen während der Krise und Best Practices bezogen auf den Weg aus der Krise. Die folgenden 12 Professoren aus der Triade haben vom 19ten bis 25zigsten April an der Befragung teilgenommen:  UCLA, Anderson School of Management (USA), Prof. Dominique M. Hanssens

 Yale School of Management (USA), Prof. Oliver J. Rutz

 Columbia University, Columbia Business School (USA), Prof. Bernd Schmitt

 Harvard Business School (USA), Prof. Stefan H. Thomke

 Universität St. Gallen, HSG (Europa), Prof. Oliver Gassmann

 Universität Mainz (Europa), Prof. Oliver P. Heil

 INSEAD (Europa), Prof. David A. Soberman  University of Navarra, IESE Business School (Europa), Prof. Julián Villanueva

 Singapore Management University, Lee Kong Chian School of Business (Asien), Prof. Cathy Y. Chen

 CEIBS, China Europe International Business School (Asien), Prof. Waldemar A. Pfoertsch

 Indian School of Business, ISB (Asien), Prof. Jagmohan S. Raju

 Korea University Business School (Asien), Prof. Shijin Yoo

Die zweite Umfrage in 2010 besteht Handelsblatt Management-Forum Wege aus der Krise 1


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2 Kernbotschaften Kernbotschaften 

Manager in Europa und USA treffen strukturelle Vorkehrungen für eine längere Krise

Europa: Deutschland als die größte Volkswirtschaft wird das Zugpferd aus der Krise

Amerika: Die USA und Brasilien nehmen die Rolle der Krisenbewältiger ein

Asien: Die Krise — welche Krise? Sie war europäisch und amerikanisch und hat nur „geringfügige“ Auswirkungen auf Asien

Globale Champions: Von Unternehmen wie Apple, IBM, Schindler oder Haier kann man in Sachen Krisenüberwindung am meisten lernen

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3 Umfrageergebnisse Umfragedetails Manager in Europa und USA treffen strukturelle Vorkehrungen für längere Krise

Die schleppend anlaufende Erholung an den Weltmärkten zeichnet ein differenziertes Bild. Stark unterschiedliche Entwicklungen zwischen Ländern und Regionen hängen teilweise direkt an nationalen Finanz– und Industriestrukturen sowie an wirtschaftspolitischen Eingriffen von Regierungen. Das bisherige Verbleiben der Regierungen im Unterstützungsmodus fördert den teilweise noch sehr zarten Aufschwung. Allerdings führt die Aussicht einer Verlängerung der Krise durch staatliche Instabilitäten und hohe öffentliche Verschuldungsgrade bei den amerika-

Dezember/Januar nachgefragt. Möglicherweise erkennen die Manager die Notwendigkeit von stärkeren Eingriffen, da die Krise wohl doch noch länger anhalten wird und man „sich besser selbst hilft“. Neben dem schon für amerikanische Manager wichtigen Thema Unternehmertum finden gerade in Europa auch Themen im Bereich der Führung und Organizational Behaviour große Beachtung. Ganz im Gegenteil zu der westlichen Welt gewinnt die Wachstumsorientierung in Asien weiter an Stärke. Struktur und Effizienzthemen verlieren weiter an Bedeutung und Marketing, Strategie und Globalisierung sind die am häufigsten nachgefragten Fokusthemen.

nischen und europäischen Managern zu einem leichten Paradigmenwechsel. Zwar beherrscht das Thema Wachstum, wie schon im Handelsblatt Management-Forum 01/10, weiterhin die Agenden, allerdings konnten die Restrukturierungsthemen deutlich dazugewinnen. Amerikanische Manager sehen weiterhin ein Defizit im Bereich der strukturellen Aufstellung und Ausrichtung der Unternehmen. Auch in Europa werden die strukturellen Themenfelder stärker als im Handelsblatt Management-Forum Wege aus der Krise 3


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3 Umfrageergebnisse

Europa: Deutschland als die größte Volkswirtschaft wird das Zugpferd aus der Krise Professoren wie Oliver Heil (Mainz) und David Soberman (INSEAD) sehen Deutschland als eines der Länder in Europa, das am schnellsten zu alter Stärke (BIP-Wachstum) zurück finden wird. Professor Soberman sieht Deutschland als „pragmatisch und realistisch“. „Deutschland hat es geschafft, den Gürtel enger zu schnallen und die teilweise exzessiven Arbeitskosten zu reduzieren.“ Des Weiteren wird der schwindende Unterschied zwischen Ost– und Westdeutschland als ausgleichender Pol genannt. Die am Anfang der Krise verurteilte starke Exportorientierung dient nun als Motor der Erho-

ternehmen werden und müssen die Krise für eine weitere Flexibilisierung nutzen.“ Neben Deutschland wird auch die Schweiz als eines der Länder mit einer voraussichtlich schnellen Erholung gesehen. Professor Gassmann (St. Gallen) begründet das damit, dass die Schweiz, abgesehen von den Rückschlägen auf dem Bankensektor, auch von der Krise nur geringfügig in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Wissenschaftler in Europa arbeiten derweil sowohl an weiteren Strukturthemen als auch an der effizienteren Ausnutzung der lokalen Märkte. Professor Gassmann (St. Gallen) hat einen verstärkten Trend hin zu Outsourcing und Offshoring bei europäischen Unternehmen wäh-

lung. Deutsche Unternehmen haben es wie wenige in Europa geschafft, auch vor der Krise strukturelle sowie effizienzgetriebene Maßnahmen umzusetzen und sich auf die Stärken der deutschen Wirtschaft - Innovation und Zuverlässigkeit - zu konzent-

rend der Krise ausgemacht und geht davon aus, dass vergleichbare Bestrebungen nun auch auf die Forschungsund Entwicklungsprozesse übertragen werden. Der steigende Innovationswettbewerb auf den globalen Märkten erfordert immer schnellere

rieren. Allerdings haben führende Marktplayer erkannt, dass aufgrund der Länge der Krise die bislang erzielten Kosteneinsparungen unbedingt gehalten werden müssen, sieht Santiago-Partner Christian Salm. „Wir werden eine Renaissance der Restrukturierung erleben. Die Un-

und umfassendere Innovationszyklen. So trifft die Suche nach einer neuen globalen Struktur, die den veränderten regionalen Wachstumsperspektiven und einer neuen globalen Arbeitsteilung Rechnung trägt, auf die notwendige Einbeziehung regionalen Markt- und Technologie- Know-

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3 Umfrageergebnisse

Hows. Professor Heil (Mainz) ist zusammen mit Dr. Langer (Mainz) dabei, das zukünftige Potenzial der bestehenden Märkte, besser gesagt einzelner Branchen zu identifizieren. Der entwickelte Luxus-Index gibt Auskunft über den Entwicklungsstand einzelner Branchen. Der Luxus-Index spiegelt die Abdeckung verschiedener Preisklassen in einer Branche wider. Je größer die Abdeckung, umso besser entwickelt ist die Branche.

tung auf den Kunden und untersucht „Die Relevanz der Mundpropaganda für die Markenentwicklung.“ Gerade im Zeitalter der neuen Medien wird der Stellenwert der Mundpropaganda (Bsp. Facebook und Blogs) wieder deutlich steigen.

Als Resultat wurden in zahlreichen Branchen deutliche Markpotenziale ausgemacht, die es zu erschließen gilt. Professor Soberman (INSEAD) und Professor Villanueva (IESE) legen ihren Arbeitsschwerpunkt auf Instrumente und Tools, die vorhandenen Marktpotenziale besser auszunutzen. Professor Soberman (INSEAD) sieht „zusätzliches Umsatzpotenzial durch die Anwendung von verhaltens- und präferenzbasierten Informationen.“ D.h. Verhaltensdaten der Kunden werden interpretiert und fließen in kundenspezifische Angebote ein. Um die notwendigen Informationen zu generieren, wird der verstärkte Einsatz von Proben und -vorführungen untersucht. Anscheinend kann ein richtig getimter Probelauf die Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen - mehr als das traditionelle Marketing. Professor Villanueva (IESE) unterstreicht die erhöhte AusrichHandelsblatt Management-Forum Wege aus der Krise 5


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3 Umfrageergebnisse

Amerika: Die USA und Brasilien nehmen die Rolle der Krisenbewältiger ein Spätestens im nächsten Jahr sollen die Selbstheilungskräfte dem nordamerikanischen Markt wieder zu alter Stärke verhelfen. Diese Einschätzung tragen einstimmig die Professoren Raju (Wharton), Schmitt (Columbia) und Hanssens (UCLA). Begründet wird die schnelle Erholung mit der stark diversifizierten und flexiblen Wirtschaft in den USA (Professor Hanssens, UCLA). Neben den USA wird als zweites Land Kanada wieder zu alter Stärke zurückfinden. Kanada scheint die Krise aufgrund seiner sehr strikten Fiskalpolitik gut zu meistern, sagt Professor David Soberman (INSEAD). Professor Hanssens (UCLA) sieht die USA als Zugpferd und Kanada als großen Profiteur aufgrund seiner guten Infrastruktur. Jedoch verlassen sich nicht alle Wissenschaftler auf die Selbstheilungskräfte und folgerichtig schreibt Professor Rutz (Yale) den staatlichen Infrastrukturinvestitionen einen erheblichen Teil des Wachstums zu. In Südamerika scheint Brasilien langsam die schon lange zugeschriebene Rolle einer regionalen Wirtschaftsführerschaft zu übernehmen und das Potenzial auszuspielen (Professor Hanssens, UCLA).

Ähnlich wie in Europa spielen auch in Amerika die Nutzung bestehender Marktpotenziale eine ganz erhebliche Rolle. Professor Schmitt (Columbia) spricht in diesem Zusammenhang von der Bereitschaft, gerade in den jetzigen Zeiten auch ehemals „heilige Kühe“ zu schlachten. Professor Thomke (Harvard) stellt hierbei die zukünftige Relevanz von globalen Innovationsprozessen heraus. Nur so können sich Unternehmen im steigenden globalen Wettbewerb behaupten. Professor Hanssens (UCLA) spezifiziert die Aussage mit Bezug auf die Nutzung des Internets. Er untersucht inwieweit das Internet verlässliche Informationen zu Kundenpräferenzen und Kaufabsichten bereitstellen kann. Welche neuen Wege müssen Unternehmen gehen, um die Kunden besser kennenzulernen und die spezifischen Kaufanreize zu verstehen? Professor Rutz (Yale) stellt hierbei die Rolle der Mundpropaganda heraus. Schon heute ist der Anteil der Marketingausgaben in Mundpropaganda mit ca. 1,5 Mrd. Dollar ganz erheblich und erlebte von 2007 auf 2008 einen 14,2%tigen Anstieg. Wobei davon ausgegangen wird, dass im Jahr 2013 ca. 3 Mrd. Dollar (PQ Media 2009) für Mundpropaganda ausgegeben werden. Aus Unternehmenssicht geht es darum, die Online-Kommunikation zu verfol-

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3 Umfrageergebnisse

gen, zu verstehen und zu interpretieren. Professor Rutz (Yale) untersucht in diesem Zusammenhang die direkten Auswirkungen auf das Tagesgesch채ft durch positive, neutrale oder negative Online - Kommunikation.

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3 Umfrageergebnisse

Asien: Die Krise — welche Krise? Sie war europäisch und amerikanisch und hat nur „geringfügige“ Auswirkungen auf Asien Trotz der nur indirekten Auswirkungen wurde während der Krise das Wachstum gerade in den aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaften doch deutlich gebremst. Gigantische Staatsausgaben, tiefgreifende Zinssenkungen sowie eine deutlich gelockerte Kreditpolitik haben nach Meinung von Professor Chen (Singapur) gerade der wichtigsten Volkswirtschaft vor Ort, China, wieder zu gesundem Wachstum verholfen. Allerdings gibt es im Bereich des Exports (1/3 der Wirtschaftsleistung) noch Nachholbedarf. In der Praxis beobachtet Dr. Juan Rigall, Managing Director Santiago, die aktuelle Hinwendung asiatischer Unternehmen zu ihren Binnenmärkten und warnt „Diese Entwicklung darf für westliche Unternehmen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die asiatische Konkurrenz stetig an Stärke gewinnt und die Zeit daher genutzt werden muss, um die Effektivität und Schlagkraft der eigenen Organisation zu steigern.“ Professor Soberman (INSEAD) unterstreicht diese Sorge und sieht chinesische Unternehmen auf einem guten Weg durch die Annäherung der Produktqualitäten an

G8-Standards und den neuerlichen Innovationsfokus. Besonders die Größe des chinesischen und indischen Marktes gilt in der Region als rettender Anker für die kleineren Volkswirtschaften sowie die eigene Wirtschaft, meint Professor Schmitt (Columbia). Neben den großen Volkswirtschaften wie Indien und China spielen besonders Singapur, Südkorea und die Philippinen eine tragende Rolle in der Fortführung der asiatischen Wachstumsgeschichte. Singapur konnte speziell durch den Handel mit elektronischen Gütern in die USA und China im ersten Quartal ein 32%tiges Wachstum hinlegen. Gründe für das starke Wachstum sieht Professor Yoo (Korea) in der sehr offenen Wirtschaft und der effizienzorientierten Regierung. Ähnliche Gründe sieht Professor Yoo (Korea) für das gute Abschneiden von Südkorea. Die auf Aufschwung und Wachstum fokussierte Politik verhilft Südkorea zu einer schnellen Erholung. Für die Philippinen bildet der Boom in der Halbleiter- und Elektronikindustrie ein starkes Zugpferd laut Professor Chen (Singapur). Alleine im März konnten die Philippinen ein 42,3%tiges Exportwachstum (Vorjahresvergleich) vorweisen. Die Schwerpunkte der Forschungsarbeiten liegen somit auch eher in den

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3 Umfrageergebnisse

Bereichen Wachstum und Performance-Management. Das Feld Wachstum ist dabei im Gegensatz zu dem amerikanischen und europäischen Schwerpunkt klar auf Globalisierung und internationales Wachstum gerichtet. Professor Chen (Singapur) untersucht dabei die Auswirkung des Ansehens eines Landes auf die Wahrnehmung der Unternehmen und Produkte durch potenzielle Kunden. So konnte nachgewiesen

gestellt. Demnach ist die Unternehmensperformance bei Unternehmen mit einer durchschnittlich niedrigen Kundenzufriedenheit am höchsten, wenn die Kundenzufriedenheit durch starke Variabilität gekennzeichnet ist. D.h. Unternehmen, die in Teilbereichen hohe Kundenzufriedenheit erreichen, nehmen dieses als Benchmark für die weniger guten Bereiche. Professor Pfoertsch (CEIBS) spricht in diesem Zusammenhang von Mar-

werden, dass eine positive Wahrnehmung gegenüber einer Nation, einen positiven Effekt auf die Wahrnehmung der Unternehmen und Produkte hat. Selbst landesuntypische Produkte können von diesem positiven Ansehen profitieren. Genauso funktioniert es allerdings auch bei negati-

ken-Management und sieht gerade im B2B Marken-Management zukünftigen Nachholbedarf für asiatische Unternehmer.

vem Ansehen. Somit ist es die Aufgabe der asiatischen Regierungen, an ihrem Image im Ausland zu arbeiten und damit die Globalisierungsbestrebungen asiatischer Unternehmen zu unterstützen (Professor Chen, Singapur). Professor Yoo (Korea) untersucht den Zusammenhang von Customer Equity und dem Unternehmenswert. Laut seinen Studien hat das Customer Equity eine direkte Auswirkung auf den Unternehmenswert. Des Weiteren hat Professor Yoo (Korea) einen Zusammenhang zwischen Kundenzufriedenheit und der Unternehmensperformance herHandelsblatt Management-Forum Wege aus der Krise 9


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3 Umfrageergebnisse

Globale Champions: Von Unternehmen wie Apple, IBM, Schindler oder Haier kann man in Sachen Krisenüberwindung am meisten lernen Runter gebrochen auf Branchen finden sich laut Handelsblatt Management-Forum die meisten Best Practice Unternehmen im High-Tech Segment. Unternehmen wie Apple, IBM oder auch Samsung werden die Krise schneller als andere überwinden und zu alter Stärke zurückfinden. Überraschenderweise zählen auch einige Unternehmen aus der Automobilbranche bzw. automobilnahen Branchen dazu. Hier wurden Ford, Hyundai und Hero Honda genannt. Weitere Unternehmen die von den Professoren als Best Practices gesehen werden sind Starbucks, GE, Haier, Würth, Schindler und Banken wie Goldman Sachs oder die kanadischen Banken. Die Gründe für das bessere Abschneiden der genannten Unternehmen liegen in den folgenden Punkten: 

Klare Kundenorientierung: Eindeutiges Commitment die Kunden kennenzulernen, zu verstehen und die Bedürfnisse zu befriedigen.

Starke Marken: Kontinuierliche Investitionen in die Pflege und Stärkung der Marke.

Innovationsführerschaft: Kontinuierliche Neuerfindung des eigenen Geschäftsmodells und eine starke Innovationspipeline.

Risikoverteiltes Produktportfolio: Ausgeglichene Verteilung der Aktivitäten in unterschiedlichen Bereichen, z.B. Kunden.

Effektive Früherkennung: Realistische, konservative Planung mit effektiven Früherkennungsmechanismen z.B. Szenarioanalyse und Notfallplanung.

Starke Führung und Kultur: Fundierte Kultur und starke Führung mit Vorbildcharakter für alle Mitarbeiter.

Globale Verteilung der Operations (für Konzerne): Multinationaler Ansatz bei der Aufstellung des Konzerns (Bsp. IBM: Global Purchasing & Procurement in China, HR auf den Philippinen und das Back Office in Brasilien).

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4 Fragen und Antworten

UCLA (USA) Prof. Hanssens

2

Yale University (USA) Prof. Rutz

3

2

1

Columbia University (USA) Prof. Schmitt

1

2

3

3

rung & Global Bus.

Internationalisie-

Mgmt./Entrep.

Entrepreneurial

IT

Technologie &

operatives Mgmt.

haltung

Finanzen & Buch-

search/Märkte

Mrktg. & Re-

Verhalten

Führung & Organ.

Management

Strategie/Strateg.

HR Management

Frage1: Welche Management Themen werden gerade von den Teilnehmern der MBA und Executive MBA Programme am stärksten nachgefragt?

1

Harvard University (USA) Prof. Thomke Universität St. Gallen (Europa) Prof. Gassmann

2

Universität Mainz (Europa) Prof. Heil

3

INSEAD (Europa) Prof. Soberman

2

1

Navarra University (Europa) Prof. Villanueva

2

3

Singapore University (Asien) Prof. Chen

2

CEIBS (Asien) Prof. Pfoertsch

2

Indian School of Business (Asien) Prof. Raju Korea University (Asien) Prof. Yoo

3

2

1

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1

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Frage 2: Gibt es aktuell besonders stark nachgefragte Themen? (optionale Frage) UCLA (USA) Prof. Hanssens

 Keine Antwort

Yale University (USA) Prof. Rutz

 Wie das iPad die Benutzung von Computern verändern wird

Columbia University (USA) Prof. Schmitt

 Keine Antwort

Harvard University (USA) Prof. Thomke

 (Globales) Innovationsmanagement

Universität St. Gallen (Europa) Prof. Gassmann

Universität Mainz (Europa) Prof. Heil

INSEAD (Europa) Prof. Soberman

Navarra University (Europa) Prof. Villanueva

Singapore University (Asien) Prof. Chen

CEIBS (Asien) Prof. Pfoertsch

Indian School of Business (Asien) Prof. Raju

Korea University (Asien) Prof. Yoo

 Keine Antwort

 Globalisierung und globales Marketing (Abhängigkeit von China)  Die Krise und die aggressive Reaktion einiger Regierungen  Verhaltensforschung über Kunden am Point of Sale  Integration von Online– und Offline-Kommunikation  Effektivitätsmessung von Online-Werbung  Der Aufbau einer Marke mit neuen Medien  Kundenmanagement mit Umsatzsteigerung

 Marketing in Schwellenländern wie China und Indien

 Internationalisierung chinesischer Firmen

 Finanzielle Offenlegungspflichten  Kundensicht  Verständnis des Kunden aus Schwellenländern

 Keine Antwort

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Frage 3: Welche Managementimplikationen resultieren aus Ihrer aktuellen Arbeit?

UCLA (USA) Prof. Hanssens

 Die Nutzung des Internets als führender Indikator bei der Analyse von Kundenstimmungen und Kaufabsichten

Yale University (USA) Prof. Rutz

 Auswirkung positiver, neutraler und negativer Mundpropaganda auf das Tagesgeschäft

Columbia University (USA) Prof. Schmitt

 Unternehmen müssen „heilige Kühe“ opfern, um sich gegenüber dem Wettbewerb zu differenzieren

Harvard University (USA) Prof. Thomke

Universität St. Gallen (Europa) Prof. Gassmann

Universität Mainz (Europa) Prof. Heil

INSEAD (Europa) Prof. Soberman

Navarra University (Europa) Prof. Villanueva

Singapore University (Asien) Prof. Chen

CEIBS (Asien) Prof. Pfoertsch

Indian School of Business (Asien) Prof. Raju

Korea University (Asien) Prof. Yoo

 Unternehmen aus aufstrebenden Volkswirtschaften legen zunehmend mehr Wert auf Innovationen  Globale Innovationsnetzwerke  Experimentelle Innovationsgenerierung

 Outsourcing- und Offshoringaktivitäten werden auf den Forschungs– und Entwicklungsprozess übertragen

 Der Luxus-Index zeigt, dass eine Vielzahl an Produktkategorien in den heimischen Märkten noch nicht ausreichend ausgeschöpft werden

 Zusätzliches Umsatzpotenzial durch Beachtung von verhaltens– und präferenzbasierten Informationen bei der Angebotserstellung  Der Einsatz von Probeläufen zur Beeinflussung der Kaufentscheidung

 Die Relevanz der Mundpropaganda für die Markenentwicklung

 Der Einfluss des Ansehens eines Landes auf die Wahrnehmung von Unternehmen und Produkten aus diesem Land durch Kunden

 B2B Markenmanagement wird fester Bestandteil zukünftige Geschäftsstrategien

 Keine Antwort

 Der Einfluss von Customer Equity auf die Unternehmensbewertung  Der Zusammenhang zwischen Kundenzufriedenheit und der Unternehmensperformance

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Frage 4: Welches Land in Ihrer Region wird zuerst die Wirtschaftskraft von 2007 (BIPWachstum) erreichen und bis wann? (Bitte 3 nennen und kommentieren) UCLA (USA) Prof. Hanssens

Yale University (USA) Prof. Rutz

Columbia University (USA) Prof. Schmitt

Harvard University (USA) Prof. Thomke

Universität St. Gallen (Europa) Prof. Gassmann

Universität Mainz (Europa) Prof. Heil

INSEAD (Europa) Prof. Soberman

Navarra University (Europa) Prof. Villanueva

Singapore University (Asien) Prof. Chen

CEIBS (Asien) Prof. Pfoertsch

Indian School of Business (Asien) Prof. Raju

Korea University (Asien) Prof. Yoo

 USA: Flexibel, hoch diversifizierte Volkswirtschaft  Brasilien: Schafft es letztendlich, das lange zugetraute Potenzial zu heben  Kanada: Gute Infrastruktur, wird von US Wachstum profitieren

 USA: Große staatliche Infrastrukturinvestitionen werden für Arbeit und Wachstum sorgen

 USA: läuft  Südkorea: Konglomerate haben Krise gut gemanaged  China: Größe des Marktes  Indien  China  USA (möglicherweise)  China und Indien sind Krisengewinner  Schweiz: Wurde von der Krise nicht so hart getroffen  Deutschland  Schweiz  Hongkong  Kanada: Starke Fiskalpolitik durch die Regierung  Deutschland: Pragmatisch und realistisch. Deutschland hat es geschafft die Arbeitskosten zu reduzieren.  China: Annäherung der Produktqualitäten an G8-Standards und den neuerlichen Innovationsfokus.  Großbritannien  Frankreich  Deutschland  China: Gigantische Staatsausgaben, tiefgreifende Zinssenkungen sowie deutlich gelockerte Kreditpolitik  Singapur: Handel mit elektronischen Gütern in die USA und China  Philippinen: Boom in der Halbleiter– und Elektronikindustrie als starkes Zugpferd  China  Singapur  Südkorea  Indien 2010  China 2011  USA 2011  China: Wenig Auswirkungen durch die Krise  Südkorea: Regierungspolitik mit Fokus auf Aufschwung und Wachstum  Singapur: Offene Wirtschaft und effizienzorientierte Regierungsarbeit

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Frage 5: Welche globalen Unternehmen sind Best Practices bei der Überwindung der Krise? UCLA (USA) Prof. Hanssens

Yale University (USA) Prof. Rutz

Columbia University (USA) Prof. Schmitt

Harvard University (USA) Prof. Thomke

Universität St. Gallen (Europa) Prof. Gassmann

Universität Mainz (Europa) Prof. Heil

INSEAD (Europa) Prof. Soberman

Navarra University (Europa) Prof. Villanueva

Singapore University (Asien) Prof. Chen

CEIBS (Asien) Prof. Pfoertsch

Indian School of Business (Asien) Prof. Raju

Korea University (Asien) Prof. Yoo

 Apple  Hyundai

 Keine Antwort

 Samsung  GE  P&G

 Apple

 Schindler

 Würth  Goldman Sachs  LVMH  Apple  Kanadische Banken  Ford  CISCO  Starbucks  Associated British Foods (Primark)  IBM  Apple  Starbucks  GE  Haier  IBM  Hero Honda  Ford  Apple  Samsung  Google

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Frage 6: Welche Gründe/Best Practices gibt es für die schnellere Erholung dieser Unternehmen? UCLA (USA) Prof. Hanssens

 Apple: Andauernde Innovationen  Hyundai: Gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis in der Krise

Yale University (USA) Prof. Rutz

 Keine Antwort

Columbia University (USA) Prof. Schmitt

 Gleichmäßige Verteilung der Geschäftsaktivitäten (Portfoliomanagement)

Harvard University (USA) Prof. Thomke

Universität St. Gallen (Europa) Prof. Gassmann

Universität Mainz (Europa) Prof. Heil

INSEAD (Europa) Prof. Soberman

Navarra University (Europa) Prof. Villanueva

Singapore University (Asien) Prof. Chen

CEIBS (Asien) Prof. Pfoertsch

Indian School of Business (Asien) Prof. Raju

Korea University (Asien) Prof. Yoo

 Andauernder Fokus auf Innovationen und Umsatzwachstum  Exzellente Produkte  Strenges Cash-Management und eine konsistente M&A Strategie  Frühzeitige Aufstellung von Notfallplänen  Starke Führung und Kultur kombiniert mit einer exzellenten Innovation-Pipeline  Starke Marken und gutes Management  Fähigkeit die Zeichen des Marktes zu lesen und schneller zu reagieren als andere  Die richtige Portion an Risikofreudigkeit (im Einklang mit der Marke)  Apple: Anscheinend bessere und schönere Produkte  Kanadische Banken: Strenge Regularien und eine risikoaverse Kultur  Ford: Frühzeitige Erkennung der Krise  Klare Kundenorientierung  Starke Führung  Aus Fehlern lernen (Starbucks)  Globale Verteilung der Operations: Multinationaler Ansatz bei der Aufstellung des Konzerns (Bsp. IBM: Global Purchasing & Procurement in China, HR auf den Philippinen und das Back Office in Brasilien).  Commitment die Kunden zu kennen, zu verstehen und bestmöglich zu bedienen  Transformation  Lokalisierung  Fokus auf Service

 Hero Honda: Investment in Markenaufbau, Qualitätsverbesserung und Kapazitätsausbau

 Die Entdeckung neuer Wachstumszweige durch die Veränderung der Spielregeln im Markt  Qualitätskontrolle und viel F&E Investment  Verständnis für die Kundenbedürfnisse

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5 Impressum Handelsblatt: Das Handelsblatt ist die größte Wirtschafts- und Finanzzeitung in deutscher Sprache. Rund 200 Redakteure und Korrespondenten weltweit stehen für einen kritisch-analytischen Journalismus, der zu nationalen und globalen Themen und Anlässen exklusiv und aktuell recherchiert und analysiert. Es unterhält mit über 30 Korrespondenten weltweit eines der größten Netzwerke unter den deutschen Tageszeitungen. Handelsblatt-Leser sind Entscheider und Meinungsführer der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft. Aufgrund seiner aktuellen und qualitativ hochwertigen Berichterstattung ist das Handelsblatt laut Medientenor 2009 die meistzitierte Abonnement-Zeitung in Deutschland. Damit führt es zugleich die Rankings der Wirtschafts- und Finanzzeitungen sowie der überregionalen Tageszeitungen an. Prof. Dr. Ronny A. Fürst: Prof. Dr. Fürst ist Direktor des icgrowth Institut für Wachstumskooperationen in Wiesbaden, Studienleiter der European Management School (EMS) in Mainz und Inhaber einer Professur für International Business. Zuvor war er mehrere Jahre Management-Experte bei einer führenden deutschen Restrukturierungs-/Unternehmensberatung in Düsseldorf und München. Santiago GmbH & Co. KG: Santiago Advisors ist eine auf Organisation und Strategie fokussierte, international operierende Top -Management Beratung. Das Team aus senioren Experten ist spezialisiert auf die Konzeption und operative Umsetzung von komplexen Veränderungsprozessen und Reorganisationen und verfügt über eine breite Referenzbasis bei der Begleitung marktführender Unternehmen. Weiterführende Informationen zum Handelsblatt Management-Forum finden Sie unter: www.handelsblatt.de www.santiago-advisors.com www.icgrowth.de Für Fragen zu dieser Erhebung kontaktieren Sie gerne: Christian Prinz zu Salm-Horstmar Managing Partner Santiago GmbH & Co. KG Christian.Salm@santiago-advisors.com Alle Rechte vorbehalten © 2010 Santiago GmbH & Co. KG Das Werk ist urheberrechtlich geschützt und darf weder ganz noch in Auszügen ohne schriftliche Genehmigung der Santiago GmbH & Co. KG vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fällt insbesondere auch die gewerbliche Vervielfältigung bei Kopien, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM. Handelsblatt Management-Forum Wege aus der Krise D


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