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info santÊsuisse Epidemiologie und Prävention

Das Magazin der Schweizer Krankenversicherer


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Präventiv-Untersuchungen: Sorge oder Vorsorge?

Es gibt immer mehr Impfkritiker – Weshalb?

Schwärzer als der Tod: Wie Seuchen die Welt veränderten

Inhalt Im Fokus 4 Warum werden wir krank? 6 Präventiv-Untersuchungen: Sorge oder Vorsorge? 8 Es gibt immer mehr Impfkritiker – Weshalb? 10 Daniel Koch: «Es gibt keine Garantie, dass exotische Krankheiten bleiben, wo sie sind» 12 Überwachung, Statistiken und Prävention: Das Meldesystem Sentinella 13 Vogelgrippe: Echte Gefahr oder Psychose? 14 Schwärzer als der Tod: Wie Seuchen die Welt veränderten Gesundheitswesen 16 Wachsender Druck auf die ambulante medizinische Versorgung 17 Grafik des Monats Oktober: Die 30 umsatzstärksten Arzneimittel 2007 Krankenversicherung 18 sondage santé: Bevölkerung ist für Reformen und Eigenverantwortung 20 35 neue Krankenversicherungs-Fachleute erhalten ihr Diplom 21 Drei Fragen an Thomas Meyer, Projektleiter der Grund- und Vertiefungskurse bei santésuisse Service 22 Buchtipp: Leben mit dem Marfan-Syndrom 22 News aus aller Welt 23 Veranstaltungen 23 Mr Raoul 24 Filmtipp: Le Théâtre des Opérations 24 Ausserordentliche GV von santésuisse Klipp & Klar 25 Änderungen in der KLV per 1. August 2008

Nr. 8, september 2008. Erscheint zehnmal jährlich Abonnementspreis Fr. 69.− pro Jahr, Einzelnummer Fr. 10.− Herausgeber und Administration santésuisse, Die Schweizer Krankenversicherer, Römerstrasse 20, Postfach, 4502 Solothurn Verantwortliche Redaktion Peter Kraft, Abteilung Politik und Kommunikation, Postfach, 4502 Solothurn, Tel. 032 625 42 71, Fax 032 625 41 51, E-Mail: redaktion@santesuisse.ch Herstellung: Vogt-Schild Druck AG, Gutenbergstrasse 1, 4552 Derendingen Gestaltungskonzept: Pomcany’s Layout: Henriette Lux Anzeigenverwaltung: Alle Inserate − auch Stelleninserate − sind zu richten an: «infosantésuisse», Römerstrasse 20, Postfach, 4502 Solothurn E-Mail: redaktion@santesuisse.ch Abonnementsverwaltung Tel. 032 625 42 74, Fax 032 625 41 51 Homepage: www.santesuisse.ch Titelbild: Prisma Bildagentur AG, Schlieren ZH ISSN 1660-7228


Prävention ist notwendig – aber bitte koordiniert Die Schweiz ist auf Epidemien gut vorbereitet. Wir haben grosse Pflichtlager der nötigen Medikamente. Kantone, Gemeinden und Betriebe wissen, was sie im Fall der Fälle zu tun haben. Die Zusammenarbeit mit unseren Nachbarstaaten ist geregelt. Diese Art der Prävention hat nichts mit Panikmache zu tun, sondern sie ist nötig. Die Klimaerwärmung und unsere weltweite Mobilität führen dazu, dass sich Krankheiten, die normalerweise auf ein Gebiet beschränkt sind, einfacher und schneller ausbreiten können. Zu diesem Präventionspaket gehören auch die Reserven der Krankenversicherer: Sie garantieren, dass auch bei unvorhergesehenen Ereignissen wie Epidemien die medizinischen Behandlungen weiterhin bezahlt werden können. Es ist deshalb nicht sehr verantwortungsvoll, wenn der Bund von den Krankenversicherern den Abbau der Reserven erzwingt. Neben der Vorsorge gegen Epidemien gibt es sehr viele andere Bereiche der Prävention. Und weil es so viele Bereiche gibt, tummeln sich auch viele Akteure auf dem Feld. Es wird viel Gutes getan – doch leider verzetteln sich die Bemühungen der Prävention häufig, weil sie nicht aufeinander abgestimmt sind. Das möchte der Bund mit dem neuen Gesetz über Prävention und Gesundheitsförderung ändern. Es hat zum Ziel, die Zuständigkeiten und Kompetenzen unter den Akteuren klar zu regeln. Der Bund soll die Ziele und die Stossrichtung der Gesundheitsförderung und Prävention definieren. Das ist an sich zu begrüssen. Doch leider legt der Gesetzesentwurf ein zu grosses Gewicht auf Vorsorgeuntersuchungen. Die Schaffung von gesunden Lebenswelten in Schule und Beruf oder die Sensibilisierung für einen gesünderen Lebensstil bleiben zu sehr auf der Strecke. Das Präventionsgesetz ist eine gute Sache, und es wäre schade, würde es scheitern. Doch braucht es aus Sicht der Krankenversicherer noch einiges an Überarbeitung.

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Dr. Beat Ochsner Verwaltungsrat santésuisse


Epidemiologie: Über die Ursachen von Krankheit und Gesundheit

Warum werden wir krank? Verantwortlich für Gesundheit und Krankheit ist ein unüberschaubares Ursachengewirr. Die Epidemiologie versucht Licht ins Dunkel zu bringen und untersucht, welche Einflüsse besonders schädlich für unsere Gesundheit sind. Wir zeigen eine – gezwungenermassen unvollständige – Übersicht über die Wurzeln der Krankheiten.

Die Epidemiologie beschäftigt sich mit den Ursachen, Folgen und der Verbreitung von Krankheiten in Bevölkerungen. Sie ist eine wichtige Grundlage für die Prävention: Nur wenn bekannt ist, welche Faktoren das Auftreten einer Krankheit wie stark beeinflussen, ist eine gezielte und wirkungsvolle Vorbeugung möglich. Weil Krankheiten meist ein ganzes Bündel von jeweils verschiedenen Ursachen haben, ist die Epidemiologie ein typisches Fass ohne Boden: Sie wird niemals vollständig klären können, warum jemand an einer Krankheit leidet, während ein anderer verschont bleibt. Trotzdem folgt hier ein Versuch einer Übersicht: Was macht uns krank, was gesund? Tödlicher Feinstaub

Eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit spielt die Luftqualität. Das Bundesamt für Umwelt schätzt, dass in der Schweiz jedes Jahr 3700 Menschen frühzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung sterben. 40 000 Lebensjahre gehen so jährlich verloren. Die grössten Auswirkungen hat der Feinstaub. Die beiden Langzeitstudien SCARPOL und SAPALADIA zeigen die negativen Auswirkungen der Kleinstpartikel auf die Gesundheit: 40 Prozent der Bevölkerung leiden darunter, und jedes Jahr verursachen sie Gesundheitskosten von über vier Milliarden Franken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass in Europa jährlich 280 000 Menschen wegen des Feinstaubs sterben. Hitzetote und Hasenpest

Für die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels gibt es keine Studien aus der Schweiz – doch dürften die Resultate aus den Nachbarländern übertragbar sein. In Deutschland schätzt das Umweltbundesamt die Zahl der zusätzlichen Hitzetoten während des Rekordsommers 2003 auf 7000. In Frankreich waren es gar 15 000. In Köln sind im August 2003 16,5 Prozent mehr Menschen gestorben als sonst in dieser Jahreszeit. Das Österreichische Innenministerium hat beim Wiener Institut für Meteorologie die Studie StartClim erstellen lassen. Sie stellt fest, dass es an Tagen mit Temperaturen über 30 Grad zehn Prozent mehr Todesfälle gibt als im Durchschnitt. StartClim rechnet damit, dass sich solche Hitzetage bis 2040 um die Hälfte vermehren. «Gegen Ende des Jahrhunderts werden in Wien bis zu 1,6 Prozent aller Todesfälle hitzebedingt sein», heisst es in der Studie. Probleme ortet StartClim auch bei der Trinkwasserversorgung: Dauerhaft zuviel oder zuwenig Niederschlag führe zu einer Beschädigung der Leitungen oder aber zu Wasserknappheit. Wie viele andere Studien, erwartet auch StartClim eine Zunahme von Naturkatastrophen sowie die Ausbreitung von

subtropischen Tier- und Pflanzenarten, die Krankheiten verbreiten (mehr dazu auf den Seiten 10 und 11). In Ost-Österreich ist schon heute eine verstärkte Ausbreitung der heimtückischen Tularämie (Hasenpest) nachgewiesen. Die Krankheit dürfte sich in wenigen Jahrzehnten auf die Hälfte der gesamten Landesfläche ausdehnen. Auf globaler Ebene rechnet die WHO mit jährlich 600 000 Todesfällen, die durch den Klimawandel verursacht sind. Die Folgen technischer Katastrophen

Jenseits des Klimawandels gibt es noch andere vom Menschen verursachte Katastrophen, die schwere Folgen für die Volksgesundheit haben. Über eine Million Menschen sind seit 1986 in der Region um Tschernobyl an Krebs erkrankt. In Bayern sind in den Jahren nach der Reaktorkatastrophe rund 1000 Babys mit Fehlbildungen zur Welt gekommen. Die internationale Atomenergie-Behörde schätzt, dass es in Westeuropa aus Angst vor Folgeschäden bis zu 200 000 Abtreibungen gegeben hat. Die WHO rechnet damit, dass im weiss­ russischen Grenzgebiet zur Ukraine 50 000 der heute dort lebenden Kinder früher oder später Schilddrüsenkrebs bekommen. Das ukrainische Tschernobyl-Ministerium schreibt, dass im Land nach der Katastrophe 44mal mehr Menschen an einer Herzkreislauf-Krankeit litten als vorher. Erkrankungen der Verdauungsorgane stiegen um das 60fache. Auch Kriege haben verheerende gesundheitliche Folgen für die Zivilbevölkerung. Laut WHO sterben 35 Menschen pro Stunde an den Folgen von bewaffneten Konflikten. Verunreinigtes Trinkwasser und zerstörte (medizinische) Infrastrukturen sind die Hauptgründe dafür. Ernährung: Der entscheidende Faktor

All das kann der Einzelne durch sein Verhalten kaum beeinflussen. Anders sieht es bei der Ernährung aus: Sie ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren für die Gesundheit. Schon ältere epidemiologische Studien liessen vermuten, dass eine schlechte Ernährung rund 30 Prozent aller Krebsfälle verursacht. Seit 1992 läuft europaweit die Langzeitstudie Epic

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Vielfalt: Es ist kaum je möglich, einer Krankheit eine bestimmte Ursache zuzuordnen.

mit 520 000 Teilnehmern. Die Resultate sind eindrücklich: Wer täglich 35 Gramm Ballaststoffe isst, reduziert das Darmkrebsrisiko um 40 Prozent. Auch gegen Mundhöhlen-, Kehlkopf- und Lungenkrebs wirken die Ballaststoffe vorbeugend. Andererseits steigert ein unmässiger Konsum von Fleisch das Risiko für all diese Krebsarten, ebenso wie der Tabak- und Alkoholmissbrauch. Schlechte Ernährung führt, gekoppelt mit wenig Bewegung, auch zu Übergewicht. Übergewicht ist wiederum ein Risikofaktor für Diabetes, Herzkrankheiten und Depressionen. Laut der schweizerischen Gesundheitsbefragung 2002 sind fast 30 Prozent der Schweizer Bevölkerung übergewichtig. 7,7 Prozent gelten sogar als fettleibig. Das Bundesamt für Gesundheit schätzt die jährlichen Folgekosten des Übergewichts auf 2,6 Milliarden Franken. Davon geht über eine Milliarde in medizinische Behandlungen. Neue Medien – neue Süchte

Über Tabak-, Alkohol- und Drogenmissbrauch als gesundheitschädigende Faktoren wird viel geschrieben und debattiert. Zu ihnen hat sich in den letzten Jahren die InternetSucht gesellt. Laut einer Studie von André Hahn und Matthias Jerusalem sind bereits mehr als drei Prozent der deutschen Bevölkerung internetsüchtig. Sieben Prozent sind gefährdet. Bei Jugendlichen unter 20 Jahren liegt die Quote bei sieben Prozent Süchtigen und zehn Prozent Gefährdeten. Die Autoren haben für die gesundheitlichen Folgen und die Kosten zwar noch keine Zahlen – doch sie stellen klar, dass die Internet-Sucht häufig von psychischen Störungen, von einem zerfallenden Beziehungsnetz und auch von körperlichen Beschwerden begleitet wird. Zu letzteren zählen Schäden an der Wirbelsäule und Augenkrankheiten.

für Krankheiten sind? Keinesfalls – die Epidemiologie geht auch dieser Frage nach. Die meisten Untersuchungen – unter anderem jene von Sabine Paul und Thomas Junker – zeigen aber einen beschränkten Einfluss der Erbanlagen. Nur fünf bis 10 Prozent aller Tumorerkrankungen haben genetische Ursachen. «Das ist charakteristisch für die meisten der heute weit verbreiteten Krankheiten», schreiben Paul und Junker. Das gesellschaftliche, familiäre und hygienische Umfeld sei für das Erkrankungsrisiko von viel grösserer Bedeutung. Die Autoren bezweifeln deshalb, dass Gentests in Zukunft wichtige Instrumente der Prävention sein werden. Mücke ist nicht gleich Mücke

Neben der grossen Zahl der Krankheits-Ursachen gibt es noch einen anderen Grund für die Komplexität der Epidemiologie: Ursache ist nicht gleich Ursache. In Norwegen wird die Klimaerwärmung kaum zu einer Ausbreitung der Malaria führen – in Italien ist diese Gefahr durchaus gegeben. Und in Kenia ist die Malaria viel ansteckender als in Indien: Ein Kranker steckt in Kenia durchschnittlich 1900 andere an, in Indien hingegen nur 1,4. Dies obwohl in beiden Ländern die Krankheitserreger und die übertragende Mückenart vorkommen. Der Grund dafür: Wenn eine Anopheles-Mücke einen Malaria-Patienten sticht, muss sich der Krankheitserreger etwa zwölf Tage in ihr entwickeln. Erst dann kann sie die Malaria weitergeben. In Indien überleben die Mücken fast nie so lange, in Kenia dagegen häufig. Ausserdem stechen die indischen Mücken vor allem Tiere, während es die kenianischen ausschliesslich auf Menschen abgesehen haben. PETER KRAFT

Umfeld ist wichtiger als die Gene

Unser Platz reicht nur für eine winzig kleine Auswahl der Krankheits-Ursachen, welche die Epidemiologie kennt. Vergisst sie in ihrer Suche nach Erklärungen vielleicht, dass manche Menschen allein aufgrund ihrer Konstitution anfälliger

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Check Up, Mammographie und Co. bei Licht betrachtet

Präventiv-Untersuchungen: Sorge oder Vorsorge? Vorsorge-Untersuchungen sind vor allem für Krebskrankheiten gefragt. Kein Wunder: Gerade hier erhöht ein frühes Erkennen der Krankheit die Heilungschancen massiv. Doch halten die Vorsorge-Untersuchungen, was sie versprechen? Und ist der Nutzen gross genug, dass wir ihre unbestreitbaren Nachteile in Kauf nehmen?

Gesundheitsbewusste Menschen sind nicht nur zu beneiden. Um ihrem Ideal nachleben zu können, gilt es viele Regeln einzuhalten und auf einiges zu verzichten. Immerhin: Meistens ist klar, was der Gesundheit nützt und was schadet. Schwierig wird es bei den Vorsorgeuntersuchungen. Hier gerät der verantwortungsbewusste Laie in ein Kreuzfeuer aus widersprüchlichen Studien und Meinungen. Die einen betonen die verhinderten Todesfälle, die anderen beklagen sich über frisierte Statistiken und verschwiegene Nachteile. Wir versuchen deshalb, einen Überblick über die Wirksamkeit der wichtigsten Präventiv-Untersuchungen zu geben. Die Kostenfrage klammern wir in diesem Artikel bewusst aus. Mammographie: Nutzen nur dank strikten Richtlinien

Die bekannteste und am intensivsten diskutierte Vorsorgeuntersuchung ist wohl die Mammographie. Die grösste Studie zur Wirksamkeit dieses Checks zur Früherkennung von Brustkrebs hat die Weltgesundheitsorganisation WHO durchgeführt. Bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren kann die Mammographie tatsächlich Todesfälle wegen Brustkrebs verhindern. Dasselbe gilt für Frauen, die erblich bedingt ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben. Bei allen anderen Frauen hingegen gibt es keine Hinweise darauf, dass die Mammographie etwas nützt. Auch der Nutzen für die «Risikogruppen» ist nur dann nachgewiesen, wenn die Mammographie nach strengen Richtlinien und Qualitätsstandards durchgeführt wird. So forderte die deutsche Betroffenen-Organisation «Breast Cancer Action Germany» 2004 von der Bundesregierung, Mammographie-Programme nach EU-Richtlinien durchzuführen. Vier Jahre später hat Berlin diese Forderung umgesetzt – weil neue Studien die Nutzlosigkeit der Mammographie ohne strenge Richtlinien bestätigt hatten. So wies das Umweltinstitut München nach, dass die Strahlenbelastung bei unsachgemässer Durchführung das Krebsrisiko derart erhöht, dass die Mammographie nichts mehr zur Verhinderung von Todesfällen beiträgt. Ausserdem hat die Bundesärztekammer die Fehlerquote der unsystematischen Mammographie untersucht: Um bei einer Frau den Tod durch Brustkrebs zu verhindern, müssen 1000 Frauen zehn Jahre lang jedes zweite Jahr zum Röntgen der Brust. In dieser Zeit kommen bei etwa 250 Frauen fälschlicherweise ein Verdacht auf Brustkrebs auf, der weitere, zum Teil belastende Untersuchungen nach sich zieht.

Keine Qualitätsrichtlinien in der Schweiz

In der Schweiz ist die Mammographie für 50- bis 70-jährige Frauen in einigen Kantonen kostenlos. Allerdings werden die Untersuchungen nicht konsequent nach europäischen Qualitätsrichtlinien durchgeführt. Die Zürcher Kantonsrätin und Patientenschützerin Erika Ziltener hat deshalb in einem Postulat gefordert, die Mammographien im Kanton Zürich nach europäischen Qualitätsstandards durchzuführen. Der Regierungsrat lehnte dies ab mit der Begründung, dies sei nur in spezialisierten Brustzentren möglich. Wenn man die Frauen dorthin lenke, verstosse das gegen die freie Arztwahl. Ob Mammographien unter solchen Umständen etwas nützen, ist mehr als fraglich. Erika Ziltener möchte denn auch die Patientinnen lieber besser über Risiken und Früherkennung aufklären, statt «massenhaft Screenings durchzuführen, die ausser Angst wenig bringen.» Darmkrebs: Darmspiegelung rettet einen von 1000

Weniger umstritten als die Mammographie sind Vorsorgeuntersuchungen gegen Darmkrebs. Die Krankenversicherung erstattet Personen, die in der nächsten Verwandschaft Fälle von Darmkrebs erlebt haben, die vorsorgliche Darmspiegelung – und zwar schon vor dem 50. Lebensjahr, wenn das Risiko für Darmkrebs anzusteigen beginnt. Trotzdem ist die Wirksamkeit der Darmspiegelung bis heute nicht einwandfrei bewiesen. Die deutschen Forscherinnen Anke Steckelberg und Ingrid Mühlhauser haben einen Ratgeber auf Basis der Evidence Based Medicine entwickelt, welcher der Frage nach dem (fehlenden) Nutzen der Darmkrebs-Vorsorge nachgeht. Sie stellen darin die britische Studie «Cochrane Review» vor. Von 1000 beobachteten Personen ohne Früherkennung starben innert zehn Jahren sieben an Darmkrebs. In der Gruppe mit Früherkennung waren es nur vier. Allerdings: In dieser Gruppe war dafür die Sterblichkeit wegen anderen Todesursachen grösser. Das heisst: Wer dank der Früherkennung von Darmkrebs nicht daran stirbt, fällt möglicherweise einer anderen Krankheit zu Opfer. Berücksichtigt man das, kann die Früherkennung in zehn Jahren «nur» einem von 1000 Menschen das Leben retten. Die Autorinnen der Broschüre empfehlen deshalb keine flächendeckenden Darmspiegelungen, sondern nur für Personen mit erhöhtem, vor allem erblich bedingtem Risiko. Für alle anderen erachten sie die Umstellung der Lebensweise auf Nichtrauchen, mehr Bewegung und ballaststoffreiche Ernährung als wesentlich wirkungsvoller. Kardio-Check: Vor allem ein gutes Geschäft

Im vergangenen Sommer berichtete die Schweizer Illustrierte seitenfüllend über die Vorteile des Kardio-Checks. Ab dem 40. Lebensjahr, so das Blatt, sei eine solche Vorsorgeuntersuchung empfohlen, bei Personen mit besonderem Risiko bereits früher. Neben Belastungstests und Blutfettmessungen zieht der Arzt auch die persönlichen Lebensumstände – Ernährung, Rauchen – in die Analyse mit ein. Der Artikel und die darin zitierten Ärzte machen den Eindruck, dass dies medizinischer Standard sei. Dem ist aber nicht so. Studien,

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Gebärmutterhals-Krebs: Ergänzen sich Abstrich und Impfung?

Der Krebs-Abstrich, die bisher gebräuchliche Vorsorgeuntersuchung gegen Gebärmutterhalskrebs, hat zwei entscheidende Nachteile: Erstens erkennt er Tumore längst nicht in allen Fällen, und zweitens bedeutet ein positives Testresultat noch lange nicht, dass die Betroffene tatsächlich an Krebs erkrankt ist. Zermürbende und letztlich unnötige Abklärungen und Behandlungen können die Folge sein. Abhilfe verspricht die HPV-Impfung. Mädchen können sich damit vor einem zukünftigen Gebärmutterhals-Krebs schützen – allerdings nicht gegen alle Arten davon. Monika BertschingerFehr, die stellvertrende Leiterin der Frauenklinik am Spital Limmattal, sagt in einem Interview in der Sonntagszeitung: «25 Prozent der Gabärmutterhalskrebse wird nicht durch die in der Impfung enthaltenen HP-Viren verursacht.» Auch hält sie fest, dass es noch keine Studien zur Wirksamkeit der Impfung gibt. Dennoch: Sowohl Krebs-Abstrich wie auch die HPV-Impfung sind in der Schweiz von der Grundversicherung gedeckt. Die Zukunft wird weisen, wie sich die beiden Massnahmen mit jeweils eingeschränkter Wirksamkeit optimal ergänzen.

Abwägen von Vor- und Nachteilen

Vorsorge-Untersuchungen zu bestimmten Krankheiten sind, was ihre Wirksamkeit angeht, nicht unumstritten. Meistens machen sie nur unter bestimmten Umständen, etwa bei Risikopatienten, Sinn. Wie sieht es aber mit dem beliebten «Check-Up», der vorsorglichen Generaluntersuchung, aus? Der Genfer Professor Hans Stalder drückt es in der Zeitschrift Primary Care deutlich aus: «Unter den Gesichtspunkten der Evidence Based Medicine ist ein formeller Check-Up selten, Prävention immer sinnvoll.» Stalder führt unter anderem ins Feld, dass bei Check-Ups meist keine Früherkennung von Krankheiten stattfindet, sondern «nur» Risikofaktoren entdeckt werden. Wenn bei einem Patienten ein leicht erhöhter Blutdruck vorliegt, legt ihm der Arzt eine Umstellung der Lebensweise nahe – was allerdings auch ohne medizinischen Befund für die gesamte Bevölkerung empfehlenswert ist. Stalder zieht deshalb die eigentliche Prävention den Vorsorgeuntersuchungen vor. Am Beispiel des Prostata-Checks illustriert Hans Stalder die generelle Problematik von Vorsorge-Untersuchungen. Wenn der Arzt eine Geschwulst findet, ist sie nicht zwingend eine Bedrohung für die Gesundheit. Umgekehrt ist der entdeckte Tumor manchmal so weit fortgeschritten, dass eine Operation nicht mehr möglich ist. Ausserdem bietet eine Operation des ProstataKrebses noch lange keine Garantie, dass der Patient überlebt – und die Nebenwirkungen sind immens. Hans Stalder stellt deshalb die Frage: «Dürfen wir 23 Patienten wegen eines durch Screening entdeckten Prostatakarzinoms operieren, um einen zu retten, und dabei die Zahl der impotenten und inkontinenten Patienten verdoppeln?» PETER KRAFT

Foto: Keystone

welche die Verhinderung von Herzinfarkten bei Nicht-Risikopersonen durch Kardio-Checks belegen, gibt es nicht. Die Wirksamkeit von Vitaminpräparaten zur Vorbeugung von Herzinfarkt ist von einer in der Zeitschrift JAMA publizierten US-Studie sogar widerlegt worden. Der Artikel der Schweizer Illustrierten ist trotzdem wenig erstaunlich: Der Verlag betreibt gleichzeitig das Gesundheitsschiff, das mit KardioChecks zahlungskräftige Kunden auf Kreuzfahrten lockt.

VorsorgeUntersuchungen machen oft nur bei Risikopatienten Sinn.

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Wovor fürchten wir uns? Zweifel, Befürchtungen und Überzeugungen der Skeptiker

Es gibt immer mehr Impfkritiker – Weshalb? Masernepidemie – und alles spricht davon. In den ersten Monaten des Jahres 2008 sind in der Schweiz 2542 Fälle aufgetreten. Impfen oder die Natur walten lassen? Die Debatte wird wieder aufgerollt. Die Zahl der Skeptiker scheint zuzunehmen. Wieso?

«2007 traten 60 Prozent aller Masernfälle Europas in der westlichen Hälfte auf», führt Dr. Marc Danzon, WHO-Regionaldirektor für Europa, aus. Diese Entwicklung ist teilweise auf die skeptischen Personen zurückzuführen, die sich trotz allen Drucks und aller Empfehlungen weigern, sich impfen zu lassen. Wer sind diese Leute? Fern ab von vorgefassten Meinungen handelt es sich nicht ausschliesslich um Erleuchtete, Sektenmitglieder oder Bio-Fanatiker. Zu ihnen zählt Otto Normalverbraucher genau so wie Schul- oder Alternativärzte, aber auch Anthroposophen, Umweltschützer oder Globalisierungskritiker. Argumente der Skeptiker

Die vielseitigen Argumente der Skeptiker spiegeln ihre Zweifel, ihre Befürchtungen oder ihre Überzeugungen wider: • Systematische Impfung ist unnötig. Die Notwendigkeit einer Impfung sollte von Fall zu Fall entschieden werden. • Säuglinge sind empfindlich. Wozu sollte man sie impfen, sie stechen lassen und ihnen eine derartige Qual zufügen? • Wozu soll eine Impfung gut sein, wenn man sich die Krankheit trotzdem zuziehen kann? • Man soll die Natur walten lassen. Zieht man sich im richtigen Moment eine Krankheit zu, kann diese heilsam auf das gesamte Immunsystem wirken. Eine Impfung hingegen schwächt die Abwehrkräfte. • Die Zusammensetzung von Impfstoffen ist zweifelhaft. Sie enthält Konservierungsstoffe, Quecksilbersalze, Aluminium und gentechnisch veränderte Bestandteile sowie Substanzen, welche für die Gesundheit gewiss schädlich sind. • Es gibt keine Studie, die beweist, dass Impfstoffe irgendwelche Krankheiten ausgerottet haben. Deren Ausrottung ist wohl anderen medizinischen Fortschritten zu verdanken. • Impfkampagnen sind eine Lüge der Behörden und der Labors, um die Pharmaindustrie anzukurbeln. • Es wird uns nicht alles über die Nebeneffekte gesagt. Impfstoffe sind gefährlicher als die Krankheit selbst. Man kann sich infolge einer Impfung Krankheiten zuziehen. • Rudolf Steiner hat gesagt: «Wir verstehen also, wieso unter den grössten Geistern unserer Epoche eine Art Abneigung gegenüber Impfungen besteht. Wir erreichen lediglich etwas, das die Person bei ihrer nächsten Reinkarnation selbst vollbringen sollte. Wenn wir die Veranlagung

zu Pocken zunichte machen, konzentrieren wir uns nur auf die äussere Seite der karmischen Aktivität.»1 Je länger je mehr Impfkritiker – Weshalb?

Die Ausbreitung der Masern hat die Impfkritiker ins Rampenlicht gerückt. Doch worin wurzeln ihre Bedenken? Ironischerweise ist der Erfolg der Impfungen ein wichtiger Grund. Dank der Wirksamkeit der Impfprogramme hat die Mehrzahl der Menschen in Westeuropa die Seuchen vergessen, die sich heute durch Impfstoffe vermeiden lassen. Viele sehen diese Krankheiten nicht mehr als Bedrohung und halten deshalb eine Impfung für unnötig. Auf den medizinischen Fortschritt vertrauend, banalisieren sie auch Krankheiten, die alles andere als harmlos sind. Als Folge hat sich in der allgemeinen Meinung eine Risikoumstellung vollzogen: Man misstraut nicht mehr der Krankheit, sondern dem Impfstoff. Auch Gerüchte und Medienrummel reizen die Skepsis oder stacheln sogar zur Angst an. Der Zugang zu Informationen ist dank dem Fernsehen, den Medien und dem Internet bedeutend leichter. Doch gerade hier liegen unzuverlässige und seriöse Informationen so dicht beieinander, dass es schwer fällt, sie zu unterscheiden.

Skeptischer Blick aufs Impfen: Die Zahl der Impfkritiker scheint zuzunehmen.

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Impfverweigerung: Gefahr für sich und andere

Entdeckung des Impfstoffs

Sich impfen zu lassen ist keine Verpflichtung, sondern eine persönliche Wahl, die aber auch Auswirkungen auf die Allgemeinheit hat. Wenn eine Population die Impfungen vernachlässigt, könnte das ein Wiederauftreten von hoch ansteckenden Krankheiten wie Diphtherie, Masern oder gar der Kinderlähmung zur Folge haben. Tatsächlich verursacht die Einführung eines neuen Impfstoffs mit einer breiten Deckung eine Verminderung der Zahl an infizierten Personen. Sinkt die Deckung, treten die Krankheiten wieder auf. Eine Impfung schützt also auch jene, die nicht geimpft sind. Durch Reisen können ungeimpfte Personen Krankheiten übertragen und die Anstrengungen anderer Länder zunichte machen. Sie können auch Personen anstecken, die keine Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen. Das bringt nicht nur Risiken von Komplikationen und Epidemien mit sich. Es ist auch äusserst kostspielig. Eine Studie in elf westeuropäischen Ländern hat gezeigt, dass sich die Kosten einer Masernbehandlung auf 209 bis 480 Euro pro Fall belaufen, während der Preis für den Impfstoff und die Auffrischimpfung zwischen 0,17 bis 0,97 Euro pro Person beträgt.2

Edward Jenner, Landarzt, beobachtete 1796, dass Melkerinnen häufig gegen Pocken, eine damals weit verbreitete Krankheit, immun waren. Er nahm daher an, dass diese jungen Mädchen mit Vacciniaviren (oder Kuhpocken) infiziert worden waren, einer milderen Form der Krankheit. Um seine Hypothese zu bestätigen, impfte er einem achtjährigen Jungen namens James Phipps Vacciniaviren. Die Erfahrung stellte sich als beweiskräftig heraus: das Kind war immun gegen Erreger der humanen Pocken. Seit damals hat sich das Prinzip der Impfung nicht geändert; im Gegensatz dazu hat sich die Technik deutlich weiterentwickelt. Bereits zur Zeit Jenners gab es angesichts der Neuheit dieser Technik zahlreiche Skeptiker.

Foto: Prisma

Transparenz und Information sind zentral

Skepsis und Unentschlossenheit entstehen aus Unsicherheit, aus Angst oder aus Überzeugung. Information und Transparenz sind deshalb von grosser Bedeutung. Deshalb verteilen Kinderärzte ein Büchlein mit dem Titel «Impfratgeber – Ein Leitfaden zum rationalen Impfentscheid». Es verzeichnet für jede Krankheit das Krankheitsbild, die Komplikationen, die Risiken der Krankheit, sowie die Wirkung, den Erfolg und die Risiken einer Impfung. Es stimmt, dass kein Impfstoff eine 100-prozentige Wirksamkeit erreicht und ganz risikofrei ist, nicht mehr und nicht weniger als jedes andere medizinische Vorgehen oder jede alltägliche Verrichtung in unserem Leben. Im Fall der MMRImpfung (Masern-Mumps-Röteln) beispielsweise erkrankt eine Person auf eine Million an einer Hirnhautentzündung, die auf den Impfstoff zurückzuführen ist. Dem stehen die Erfolge der Impfungen gegenüber: • Die Impfung rettet mehr als drei Millionen Leben jährlich und schützt einige Millionen Menschen vor Krankheiten oder schweren Behinderungen. • In Europa wurden tödliche Krankheiten, wie beispielsweise die Pocken, ausgerottet. • Seit 2002 gibt es laut WHO in Europa keine Poliomyelitis mehr. Prof. Claire-Anne Siegrist, Präsidentin der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF), betont in der Zeitung le Courrier: «Auf unserem Impfplan gibt es keinen einzigen Impfstoff, der heute in der Schweiz empfohlen wird, der nicht unverzichtbar wäre». MAUD HILAIRE SCHENKER

Nach: Steiner R. Karma of the higher beings. In Manifestations of karma. Lecture 8, 25 Mai 1910 2 Pressemitteilung des WHO-Regionalbüros für Europa, April 2008. Verfügbar unter http://www.euro.who.int/vaccine/eiw/20080319_1?language=German 1

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Im Gespräch: Dr. med. Daniel Koch, Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG

«Es gibt keine Garantie, dass exotische Krankheiten bleiben, wo sie sind» Es gibt in der Schweiz momentan keinen Grund, in Sachen Epidemiegefahr die Alarmstufe zu erhöhen. Eine Entwarnung wäre aber genauso falsch. Das sagt Daniel Koch, der beim Bundesamt für Gesundheit für übertragbare Krankheiten zuständig ist. Klimaerwärmung und Mobilität steigern das Risiko, dass exotische Krankheiten nach Europa vordringen. Wichtig ist deshalb, dass sich Staat, Betriebe und jeder Einzelne auf den Ernstfall vorbereiten. Grossen Wert legt das BAG auf die internationale Zusammenarbeit.

Vor einiger Zeit war die Vogelgrippe in aller Munde. Inzwischen ist es um das Thema ziemlich ruhig geworden. Hat sich an der Bedrohung etwas geädert?

Nein, die Bedrohungslage für eine Grippepandemie ist unverändert. Im asiatischen Raum oder in Afrika kommt es immer wieder zu Ausbrüchen in den Geflügelbeständen. Auch in Deutschland hat es in diesem Jahr einzelne Fälle gegeben. Beim Menschen ist die Situation ebenso unverändert. Ansteckungen sind sehr selten. Sie kommen dort vor, wo Menschen in engem Kontakt zu Geflügelbeständen leben. Und es gibt weiterhin keine Übertragung von Mensch zu Mensch. Sie sprechen von engem Kontakt zwischen Tier und Mensch. Die Ente im Teich stellt also kein Problem dar?

Für den Menschen sind die Wildtiere ungefährlich. Sie könnten allenfalls das Nutzgeflügel anstecken. Allerdings hat es in Westeuropa dank der guten hygienischen Verhältnisse bisher noch keine Übertragung vom Tier auf den Menschen gegeben. Sehen Sie noch andere übertragbare Krankheiten, die für die Bevölkerung gefährlich werden können? Wie sieht die «Epidemie-Gefahrenlage» für die Schweiz und Europa aus?

Es gibt weltweit einige gefährliche Krankheiten, die sich über ihr bisheriges Gebiet hinaus verbreiten könnten. Zwar sehen wir im Moment keinen Grund, die Alarmstufe zu erhöhen. Doch es gibt keine Garantie, dass sich zum Beispiel das Ebola-Virus nicht nach Europa ausbreitet. Im letzten Sommer gab es in Italien einige Fälle des Chikungunya-Fiebers, das durch die asiatische Tigermücke übertragen wird. Diese Insekten haben sich wegen der Klima-Erwärmung in Südeuropa verbreitet. Glücklicherweise tragen sie nur selten das Virus in sich. Die Klimaerwärmung ist einer der Gründe, warum sich exotische Krankheiten leichter verbreiten. Weitere

Gründe sind die wachsende Erdbevölkerung, das Wachstum der Ballungsgebiete, die immer grössere Zahl von Nutztieren und die riesigen Monokulturen. Welche Rolle spielt die zunehmende Mobilität?

Das kommt hinzu. Reisen in exotische Gegenden sind heute nichts Aussergewöhnliches mehr. Da steigt natürlich die Gefahr, dass der eine oder andere Tourist mit einer ansteckenden Tropenkrankheit heimkehrt. Hinzu kommt, dass sich auch in den Herkunftsländern der Krankheiten immer mehr Menschen das Reisen leisten können. Und wenn wir bei diesen Menschen sind: Auch für sie sind wir als Reisende nicht ungefährlich. Wir verbreiten genauso Krankheiten, die an sich nur bei uns vorkommen. Anfang dieses Jahres haben ungeimpfte Schweizer Touristen die Masern in diverse Länder exportiert – unter anderem in die USA, wo die Masern als ausgerottet gelten. Was können die Reisenden tun, um die Ein- und Ausfuhr von Krankheiten zu verhindern?

Wer in exotische Länder reist, soll sich vorgängig bei einem Tropenmediziner informieren und die empfohlenen Impfungen durchführen lassen. Häufig unterschätzen die Touristen die Gefahr durch Krankheiten, weil Reisen nach Mauritius oder Namibia heute so problemlos erscheinen. Für die Ausfuhr von Krankheiten gilt: Was man von den anderen nicht will, soll man ihnen auch nicht antun. Ohne Masernimpfung in die USA zu reisen ist, gelinde gesagt, nicht sehr rücksichtsvoll.

«Ohne Masernimpfung in die USA zu reisen ist, gelinde gesagt, nicht sehr rücksichtsvoll.» Wenn wir schon beim Impfen sind: Die Schweiz hat einen Impfstoff gegen die Vogelgrippe gekauft, der nur bis in den nächsten Frühling und nur für Erwachsene zugelassen ist. Ist eine Lösung für dieses Problem in Sicht?

Dass der Impfstoff nur bis Frühling 2008 zugelassen ist, stimmt nur bedingt. Er wird jedes halbe Jahr überprüft, weil man noch nicht weiss, wie lange er haltbar ist. Es ist allerdings richtig, dass die Zulassung für Kinder noch aussteht. Die Herstellerfirma arbeitet mit Hochdruck an den klinischen Studien, welche die Verträglichkeit für Kinder beweisen sollen. Die Schweiz hat mit diesem Impfstoff einen so guten Pandemie-Schutz, wie es momentan eben möglich ist. Dennoch kann ich nicht ganz ausschliessen, dass wir in zwei, drei Jahren wieder über die Bücher müssen. Neben Impfstoffen und Gesichtsmasken: Welche Präventionsmassnahmen betreibt die Schweiz für den Fall einer Epidemie?

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Im Pandemie-Fall ist es wichtig, dass nicht nur die Behörden, sondern auch die Betriebe wissen, was zu tun ist. Die Schweiz hat neben den Impfstoffen noch andere Medikamente eingelagert, zum Beispiel Tamiflu oder Antibiotika. In unserem föderalen Gesundheitssystem ist die Vorbereitung der Kantone von grösster Bedeutung. Sie haben teilweise sehr detaillierte Pandemie-Pläne, die sie in Übungen regelmässig testen und verbessern. Eine Überprüfung durch die WHO hat ergeben, dass die Schweiz bis auf wenige Lücken gut auf den Pandemiefall vorbereitet ist. Wo sind diese Lücken?

Die WHO hat Probleme bei der Koordination mit den Kantonen festgestellt. In einem föderalistischen System ist dieser Befund nicht weiter erstaunlich. Trotzdem treffen wir uns nun zweimal pro Jahr mit den Kantonen, um das Vorgehen im Pandemiefall besser aufeinander abzustimmen. Die WHO hat auch gewisse Schwächen in der Kommunikation festgestellt. Auch daran arbeiten wir zusammen mit den Kantonen. Wie steht es mit der internationalen Zusammenarbeit?

Wir versuchen, unsere Massnahmen mit den anderen europäischen Staaten abzustimmen. Vor allem mit unseren Nachbarländern arbeiten wir eng zusammen. Was heisst das konkret?

Zum Beispiel legen wir fest, wie wir im Pandemiefall den Grenzverkehr regeln. Wenn jedes Land eigenmächtig und in Panik seine Grenzen schliessen würde, wäre Europa bald funktionsunfähig. Allerdings dürfen bereits erkrankte Personen nicht mehr ein- oder ausreisen und müssen eventuell sogar in Quarantäne. Sehr wichtig ist die Kommunikation. Im Pandemiefall wäre es verheerend, wenn die verschiedenen Länder widersprüchliche Botschaften und Anweisungen an die Bevölkerung richten. Auch die Kommunikationswege zwischen den Staaten müssen definiert sein, damit wir im Ernstfall die gemeinsamen Probleme rasch angehen können. Im letzten Winter, als während der Grippewelle viele Patienten nicht auf die Medikamente ansprachen, haben sich die Staaten Europas sofort miteinander in Verbindung gesetzt, um bei einer starken Ausbreitung der Grippe bereit zu sein. Sie haben von den Pandemievorbereitungen der Betriebe gesprochen. Was muss man sich konkret darunter vorstellen?

Generell gilt: Je grösser und komplexer ein Betrieb, desto detaillierter muss sein Pandemieplan sein. Er muss vor allem wissen, wie er im Krisenfall mit seinen Mitarbeitern um-

geht. Welche Schutzmassnahmen bieten wir ihnen? Wen schicken wir nach Hause? Wie sind die Stellvertretungen geregelt? Im Pandemiefall werden die Firmen versuchen, physische Kontakte möglichst zu vermeiden und wann immer möglich per Telefon oder Internet zu kommunizieren. Wenn ein Grossteil des Personals ausfällt, müssen die Betriebe wissen, welche Produkte und Dienstleistungen sie noch anbieten wollen. Eine Zürcher Grossbäckerei zum Beispiel hält in ihrem Pandemieplan fest, welche Brotsorten sie im Ernstfall noch produzieren würde. Die Banken haben sich in ausgedehnten Übungen auf den Pandemiefall vorbereitet. Und die grossen Lebensmittelverteiler wissen, welche Waren sie im Pandemiefall wie an welchen Ort bringen. Die Betriebe haben also keine Vorgaben des BAG?

Nein. Die Betriebe sind zu unterschiedlich, als dass staatliche Regelungen Sinn machen würden. Wir bieten ihnen aber Hilfeleistungen – zum Beispiel ein Handbuch über Pandemie-Vorsorge für KMUs.

«Die Herstellerfirma arbeitet aber mit Hochdruck an den klinischen Studien, welche die Verträglichkeit des Vogelgrippeimpfstoffs für Kinder beweisen sollen.» Wie kommen die Arbeiten am neuen Epidemiegesetz voran? Können Sie schon etwas zu dessen Inhalt sagen?

Das heutige Epidemiengesetz stammt aus dem Jahre 1970 und genügt heutigen Ansprüchen nicht mehr. Es ist vorgesehen, dass die Revision 2010 vors Parlament kommt. Sie wird eine bessere Definition der Verantwortlichkeiten bringen: Was macht der Bund, was die Kantone? Und natürlich auch: Wer finanziert was? Zu den konkreten Inhalten kann ich noch keine Angaben machen. Aber die Vorbereitungsarbeiten laufen nach Plan. INTERVIEW: PETER KRAFT

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BAG, Hausärzte und Uni Bern spannen zusammen

Überwachung, Statistiken und Prävention: Das Meldesystem Sentinella Seit 1986 dient das Sentinella-Meldesystem der Überwachung übertragbarer akuter Erkrankungen und der Forschung in der Hausarztmedizin. Sentinella beruht auf einer freiwilligen Meldetätigkeit und gewährt wichtige Einblicke ins Krankheitsgeschehen der Schweizer Bevölkerung.

Mit dem Sentinella-Meldenetz werden epidemiologische Daten gesammelt und andere akute Erkrankungen überwacht. Sentinella dient auch der Forschung in der Hausarztmedizin. Es handelt sich um ein Co-Projekt zwischen dem Bundesamt für Gesundheit, Hausärztinnen und Hausärzten sowie der Universität Bern. Mehr als 200 Allgemeinpraktiker (3,6 Prozent Hausärzte unter 65 Jahren), Internisten und Pädiater nehmen freiwillig und unentgeltlich am System teil. Die Ärzteschaft ist über die ganze Schweiz verteilt. 2008 war in allen Kantonen mindestens ein Arzt beteiligt, ausser in den beiden Appenzell und in Obwalden. Um ein repräsentatives Bild aller Arztpraxen zu haben, sind HMO-Praxen und Ärzte der Alternativmedizin eingeladen, ebenfalls mitzuwirken. Immer neue Meldethemen

Sentinella erfasst nichtmeldepflichtige Krankheiten sowie die von der Hausarztmedizin erbrachten Leistungen. Als meldepflichtig gelten Krankheiten wie Hirnhautentzündung, Diphtherie, Gelbfieber oder Aids. Für andere Krankheiten und Meldethemen beschränkt sich die Meldedauer auf ein oder zwei aufeinanderfolgende Jahre. Jedes Jahr kommen neue Meldethemen ins Programm. Dafür verantwortlich ist die Programmkommission aus Vertretern der teilnehmenden Ärzteschaft, des BAG und der Universitäten Lausanne und Bern. Themenschwerpunkte für 2009 sind Influenzaver-

dacht, Mumps, Röteln, Pertussis, Antibiotika-Verschreibungen, Zeckenbisse, Borreliose und Depression. Wie funktioniert es?

Die beteiligte Ärzteschaft informiert einmal pro Woche per Post oder übers Internet über die aufgetretenen Erkrankungen. Die Patienten bleiben dabei anonym. Die Meldungen enthalten lediglich das Geburtsjahr, das Geschlecht und ähnliche für das Meldethema relevante Informationen. Die Verarbeitung der Daten erfolgt beim BAG. Die Ergebnisse werden wöchentlich im BAG-Bulletin veröffentlicht und sind unter www.bag.admin.ch/sentinella frei zugänglich. Die Teilnehmenden erhalten vierteljährlich die individualisierten Daten ihrer Meldungen, samt Vergleich zu den Durchschnittszahlen der anderen Sentinella-Praxen. Frühwarnmodell

Sentinella enthält vorläufige, aktuelle Informationen und liefert der Hausarztmedizin wöchentlich Angaben zur schweizweiten Entwicklung der gemeldeten Krankheiten. Das Meldenetz schafft Erfassungs- und Frühwarnmodelle und ermöglicht Voraussagen für Epidemien. Es kann auch als Grundlage für epidemiologische Erhebungen dienen. In der Wintersaison beispielsweise liefert Sentinella die Grippe-Meldungen in Form einer Grafik mit Kommentar. Damit werden rechtzeitig Beginn und Verlauf der jährlichen Grippeepidemie erfasst. Sentinella erlaubt es zudem, den Einfluss gewisser Präventions- oder Impfkampagnen zu prüfen, etwa gegen Mumps und Masern. Ähnliche Systeme gibt es seit einigen Jahren in verschiedenen Ländern Europas, wie Grossbritannien, Frankreich (www.sentiweb.org), den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Italien, Portugal und Spanien. Maud hilaire schenker

AKTUELLE MELDUNGEN Meldungen (N) der laufenden 4 Wochen bis 5.9.2008 und Inzidenz pro 1000 Konsultationen (N/103)

Woche

33 N

34

N/103

N

35

N/103

168

N

Mittel der 4 Wochen

36

N/103

171

N

N/103

137

N

N/103

meldende Ärzte

147

155,8

Influenzaverdacht

1

0,1

2

0,1

2

0,1

8

0,7

3,3

0,2

Mumps

0

0

0

0

0

0

1

0,1

0,3

0

Röteln

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Otitis Media

30

2,4

23

1,5

39

2,6

36

3

32

2,4

Pneumonie

8

0,6

10

0,7

11

0,7

14

1,2

10,8

0,8

Pertussis

0

0

1

0,1

2

0,1

1

0,1

1

0,1

Provisorische Daten Quelle: Bundesamt für Gesundheit (BAG)

Sentinella zeigt die Verbreitung von Infektionskrankheiten – für jede Woche aktuell.

12 | Im Fokus 8/08


Foto: Prisma

Ein Schreckensszenario verliert an Beachtung

Vogelgrippe: Echte Gefahr oder Psychose? Ende 2005 bis anfangs 2006 war die Vogelgrippe in aller Munde. Ein Schreckensszenario jagte das andere. Heute tritt die Vogelgrippe nur mehr sporadisch auf und beschränkt sich auf die Zeit der Vogelzüge. War die Angst also begründet oder war es reine Panikmacherei?

Die Vogelgrippe ist eine Tierseuche, von der hauptsächlich Hausgeflügel und Wildvögel betroffen sind. Die Geflügelpest, wie sie auch genannt wird, ist erstmals in Italien 1878 aufgetaucht. Das äusserst ansteckende und aggressive Virus verbreitete sich seit Ende 2003 in Südasien und erreichte 2005 mehrere europäische Länder. Es hat sich gezeigt, dass das Virus auch für Menschen gefährlich ist. In der Schweiz ist das H5N1-Virus bis heute noch nie aufgetaucht – auch nicht in Geflügel.

Die Vogelgrippe bleibt eine Gefahr. Prävention bleibt wichtig.

Katastrophenszenario

Eingeschränkter Bewegungsraum, geschlossene Schulen, Familien in Quarantäne, Kauf von Masken und Handschuhen: Das sind nur einige Massnahmen, welche das BAG geplant hatte, obwohl noch kein Vogelgrippefall in der Schweiz aufgetaucht war. Die Kantone entwickelten Katastrophenszenarien für eine Epidemie, die ein Viertel der Bevölkerung betroffen hätte. Zahlreiche Bereiche und Sektoren wären lahm gelegt, die Menschen im Umfeld der Erkrankten in Quarantäne geschickt worden. Im Hinterkopf hatten die Behörden die Spanische Grippe, welche 1918 weltweit 20 bis 40 Million Menschenleben forderte. Bis Juni 2008 erkrankten weltweit 385 Menschen am Vogelgrippe-Virus, hautsächlich in Asien. 243 Erkrankte starben daran.

Das Risiko bleibt

Die erste Panik hat sich langsam verflüchtigt, aber das Risiko besteht noch immer. Eine Übertragung vom Geflügel auf den Menschen ist zwar weiterhin praktisch ausgeschlossen. Durch Migration der Vögel oder Schmuggel könnte das H5N1-Virus dennoch in der Schweiz auftauchen und Hausgeflügel und einheimische Vögel gefährden. Die bereits unternommenen Anstrengungen waren also nicht umsonst. Und im Pandemiefall können die Behörden auf bereits getroffene Massnahmen zurückgreifen. Rasches Handeln ist das A und O einer Krisenbewältigung. Von der Realität zur Fiktion

Übertriebene Massnahmen?

Im Zuge der Vogelgrippe wurden kantonale, nationale und internationale Massnahmen koordiniert. Die weltweite Strategie bestand darin, erstens die Seuche mittelfristig in den Griff zu bekommen und auszuradieren, zweitens die Übertragung des Virus vom Tier auf den Menschen zu stoppen, drittens die Infektionen beim Menschen zu kontrollieren und die Ausbreitung zu vermeiden und viertens sich schrittweise auf den Ausbruch eines Pandemievirus vorzubereiten. Die Schweiz hat 100 000 Dosen Impfstoff gegen das H5N1Virus gekauft. Die Anzahl ist beschränkt, da es sich beim künftigen Pandemievirus nicht unbedingt um das Grippevirus H5N1 handeln muss. Es könnte sich um eine abweichende oder mit einem menschlichen Virus (z.B. H3N2) kombinierte Art handeln, oder auch ein ganz neues Virus sein. Der Vorrat an Tamiflu, einem Arzneimittel zur Behandlung oder Vorbeugung der Grippe, wurde aufgestockt. Man ging vom schlimmsten Szenario aus. Der Vorrat sollte reichen, um zwei Millionen Personen zu behandeln. Waren diese Massnahmen übertrieben?

Epidemien waren immer schon Stoff für Bücher und Filme. Einige Beispiele aus der Literatur sind: «Das Decameron» (1349 – 1353) von Boccaccio, «Der Husar auf dem Dach» (1951) von Jean Giono, «Die Pest» (1947) von Camus. Die Filme zum Thema tragen Titel wie: »Outbreak» (1995), die Trilogie «28 days later» (2003), «28 weeks later» (2007) und «28 months later» (geplant für 2009), «I am Legend» (2008). Während sich in den Büchern jeweils noch Platz für Berichte, Liebesgeschichten und existenzielle Fragen findet, setzt die Filmindustrie meist auf Horrorszenarien, welche die Probleme des Gesundheitssektors gedrängt thematisieren (Ethik, Genmanipulation, Diskriminierung, Globalisierung, Medien, pharmazeutische Labors, Forschung). Die apokalyptischen Bilder zeigen Massenevakuierungen, unter Quarantäne gestellte Menschenmassen, getrennte Familien, weltweite Pandemien, Mutationen beim Menschen. Wohl lässt sich nicht sagen, dass das Verhalten der Menschen von den Filmen beeinflusst wird (Psychosen, besondere Präventionsmassnahmen), aber die Filmindustrie lässt sich von echten Epidemien und Ängsten der Bevölkerung inspirieren. MAUD HILAIRE SCHENKER

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Pandemien brachten Weltreiche ins Wanken, sorgten aber auch für Fortschritts-Schübe

Schwärzer als der Tod: Wie Seuchen die Welt veränderten Wir wissen, wie Pandemien entstehen. Wir können deshalb dagegen kämpfen, schon bevor sie ausbrechen. Bevor die Menschheit über Bakterien und Viren als Krankheitserreger Bescheid wusste, war das anders: Seuchen brachen mit ungeheurer Wucht über die Bevölkerung ein. Sie waren, nicht minder als Kriege, Motoren der Geschichte.

Epidemien von grossem Ausmass verfolgen die Menschen seit Urzeiten. Die Hethiter lebten lange vor den Griechen und Römern im Gebiet des heutigen Anatoliens. Der Berliner Altorientalist Volker Haas hat Dokumente gefunden, die von einer verheerenden Epidemie unter diesem Volk zeugen. Während einer Überschwemmung ertrank eine grosse Anzahl Tiere, deren Kadaver das Wasser verschmutzten und unzähligen Ratten als Nahrung dienten. Fast das gesamte hethitische Volk fiel darauf einer Seuche zum Opfer. Haas folgert aus den beschriebenen Symptomen, dass es sich bei der Krankheit um die Pest gehandelt haben muss. Täglich 2000 Tote in Rom

Aus vorchristlicher Zeit sind einige weitere Pandemien dokumentiert. So berichtet der Heerführer und Chronist Thukydides von einer Pestepidemie, welche das antike Griechenland im 5. Jahrhundert v. Chr. heimsuchte. Die älteste detailliert beschriebene Pandemie ist die antoninische «Pest» – vermutlich eine besonders aggressive Pockenform, welche zwischen 165 und 190 n. Chr. im gesamten Römischen Reich wütete. 162 zog Lucius Verus, der damals gemeinsam mit Marc ­Aurel römischer Kaiser war, in einen Krieg gegen die Parther, einem Volk auf dem Gebiet des heutigen Iran. Verus blieb in der Schlacht siegreich, aber seine Truppen brachten eine tödliche Fracht nach Hause. Ab 165 grassierte eine Seuche im gesamten Römischen Reich. Für einmal wurde den Römern ihre gut ausgebaute Infrastruktur zum Verhängnis. Ihre Strassen und Schiffe verbreiteten die Plage in horrendem Tempo bis auf die britischen Inseln. Allein die Stadt Rom hatte in den schlimmsten Zeiten über 2000 Tote pro Tag zu beklagen. Der Freiburger Medizinhistoriker Karl-Heinz Leven beschreibt in seinem Buch «Antike Medizin» die Auswirkungen der Katastrophe: Marc Aurel gab erstmals in der Geschichte Roms die öffentlichen Ämter für sämtliche Bevölkerungsklassen frei. Die Überlebenden in der Oberschicht reichten nicht mehr aus, um alle Staatsämter zu besetzen. Erst nach fünf Jahren beruhigte sich die Situation, weil die Bevölkerung langsam immun wurde. Doch bis 190 flammte die Seuche lokal immer wieder auf. Der deutsche Althistoriker und Pest-Spezialist Mischa Meier zeigt die Folgen der Seuche für das römische Reich auf. Die Front gegen die Partner blieb instabil: Es starben so viele Legionäre, dass die Römer die Grenze nicht mehr dauerhaft sichern konnten. Einige Historiker glauben sogar, dass die antoninische Pest den langsamen Machtverlust des Römischen Reiches einleitete.

Brachte die Pest das Ende der Antike?

Um das Jahr 530 machte sich der oströmische Kaiser Justinian I. daran, die an die Germanen verlorenen Gebiete Westroms zurückzuerobern. Zu Beginn klappte das recht gut. Doch 541 machte eine aus Ägypten kommende, verheerende Pest-Epidemie Justinians Pläne zunichte. Die Bevölkerung Ostroms schrumpfte um einen Viertel. Sie hatte bereits zuvor unter Missernten, Dutzenden von Erdbeben und Flutwellen zu leiden gehabt. Der britische Archäologe David Keys vermutet als Ursache dafür einen gewaltigen Vulkanausbruch in Indonesien. Als die Epidemie hinzukam, sahen nicht wenige im Kaiser den Antichristen, der laut der biblischen Offenbarung kurz vor dem jüngsten Gericht die Welt mit Leid überziehen sollte. Der britische Historiker Peregrin Horden beschreibt eine drückende Endzeitstimmung, die Ostrom beherrschte. Die Eroberungszüge kamen zum Stillstand, und die glorreichen Tage von Konstantinopel waren vorerst gezählt. Die Pest-Epidemie schwächte sich zwar nach einigen Jahren ab, kehrte aber bis ins 8. Jahrhundert in regelmässigen Abständen wieder. Nicht wenige Historiker, darunter Keys und der deutsche Justinian-Spezialist Hartmut Leppin, sehen in der justinianischen Pest einen der Gründe für das Ende der Antike. Judenhass und Buchdruck

Die schlimmste Pest-Epidemie der Geschichte traf Europa zwischen 1347 und 1353. Sie erfasste den gesamten Kontinent und raffte 25 Millionen Menschen – einen Drittel der damaligen Bevölkerung Europas – dahin. Die Folgen der Epidemie waren vielfältig: Einerseits liegt hier einer der Grundsteine des modernen Antisemitismus, weil auf der verzweifelten Suche nach Schuldigen die Juden der Brunnenvergiftung bezichtigt wurden. Diese Sicht der Dinge hielt sich über Jahrhunderte. Andererseits führte die Reduktion der Bevölkerung zu einem Mangel an Arbeitskräften. Viele Menschen konnten sich so von der Leibeigenschaft befreien und ein neues Leben als freie Bauern oder Handwerker beginnen. Um die anfallende Arbeit auch mit weniger Menschen zu bewältigen, suchten die Betriebe technische Lösungen. Die Pest brachte letztlich einen Mechanisierungsschub. Bekanntestes Beispiel dafür ist die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg. London stinkt

1830 kämpften russische Truppen gegen einen polnischen Aufstand an. Viele Soldaten waren zuvor in Indien und brachten von dort eine verheerende Krankheit mit: Die Cholera. In den wachsenden Elendsquartieren der Grossstädte fand sie ideale Bedingungen, und während der nächsten sechzig Jahre wurde ganz Europa immer wieder von schweren Seuchenwellen heimgesucht. Die Seuche hätte früher überwunden werden können, hätten Ärzte und Behörden den Neuigkeiten aus der Wissenschaft mehr Glauben

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geschenkt. Der Londoner Arzt John Snow hatte seit Längerem den Verdacht, dass die Cholera durch verschmutztes Wasser übertragen wird und nicht wie bisher angenommen durch üble Dämpfe. In der englischen Metropole wuchsen die Abwassermengen damals derart, dass sie ungefiltert in die Themse geleitet wurden. Snow untersuchte die Trinkwasserpumpen oberhalb und unterhalb jener Stelle, an der die meisten Abwässer in den Fluss gelangten. Er stellte fest: In den Stadtbezirken, die mit verschmutztem Trinkwasser versorgt wurden, lag die Cholera-Sterblichkeit fünf Mal höher als in anderen Stadtteilen. Die Behörden ignorierten Snows Erkenntnisse beharrlich, bis zwei Ereignisse einen Wandel brachten. Der Sommer 1858 war ungewöhnlich heiss, so dass die abwasserverseuchte Themse zu einer abscheulich stinkenden Brühe wurde. Das Wohnen in der Stadt war kaum mehr möglich, und das Parlament musste seine Sitzungen ausserhalb von London abhalten. Nun endlich beschlossen die Abgeordneten den Bau eines Abwassersystems. Prak-

tisch gleichzeitig entdeckten Wissenschaftler das CholeraBakterium und konnten die Übertragung durch verschmutztes Wasser beweisen. Nun begannen auch die anderen europäischen Grosstädte mit dem Bau von Abwassersystemen – bis auf eine Ausnahme.

Foto: Prisma

Die Katastrophe von Hamburg

Der britische Historiker Richard J. Evans beschreibt die gesellschaftlichen Zustände in Hamburg Ende des 19. Jahrhunderts als oligarchisch. Reiche Handelsfamilien beherrschten die Stadtpolitik fast vollständig. Wie in allen Grossstädten verschmutzten riesige Fabriken, die damals noch nicht ausserhalb der Wohngebiete standen, die Luft. Die Arbeiter lebten in immer grösseren Elendsvierteln unter erbärmlichen hygienischen Verhältnissen. Doch Hamburg unternahm nichts dagegen. Alles, was nicht direkt dem Florieren des Handels diente, hatte für den Senat keinerlei Bedeutung, schreibt Evans. 1885 untersuchte ein Zoologe Hamburgs Wasserleitungen. Er fand sechzig verschiedene Tierarten. Die Hamburger Kinder freuten sich an den Fischen, die hin und wieder aus den Wasserhahnen purzelten. Weniger erfreulich waren die Krankheitserreger, die das Trinkwasser in Windeseile in der ganzen Stadt verteilte. 1892 explodierte die Zeitbombe: Die Cholera brach aus. Aus Angst, der Handelsverkehr könnte in Mitleidenschaft gezogen werden, verschwiegen die Stadtoberen die Epidemie und unternahmen auch nichts dagegen. Innert kürzester Zeit fielen tausende Hamburger der Seuche zum Opfer. Der Entdecker des Cholera-Erregers, Robert Koch, eilte in die Stadt. Erschüttert von den Zuständen in den Elendsvierteln, sagte er zum Senat: «Meine Herren, ich vergesse, dass ich in Europa bin.» Auf Drängen Kochs wurde endlich die Bevölkerung informiert. Nun bekam auch die Aussenwelt mit, was sich in der Stadt abspielte. Kein Hafen liess mehr Schiffe aus Hamburg einlaufen, der Handel brach zusammen. Unter diesem Druck modernisierten die Behörden das Abwassersystem und sanierten die Elendsviertel. Die Oligarchen aus den Handelsfamilien verloren ihren politischen Einfluss, ein neues Wahlgesetz brachte mehr Demokratie. Die Cholera-Epidemie in Hamburg markiert den endgültigen Übertritt in die medizinische Moderne. Seit dieser Katastrophe werden die Ursache ansteckender Krankheiten – Bakterien und Viren – als solche erkannt. Was ohne diese Erkenntnisse während der Spanischen Grippe von 1918 bis 1920 geschehen wäre, lässt sich nur erahnen. Diese Pandemie forderte weltweit 25 Millionen Todesopfer. PETER KRAFT

«Die Pest» von Arnold Böcklin: Das Gemälde zeigt die Seuche als geflügelten Sensemann, dem kaum jemand entrinnen kann.


Die Alterung der Bevölkerung – laut Obsan eine grosse Herausforderung

Wachsender Druck auf die ambulante medizinische Versorgung Die Alterung der Bevölkerung könnte in naher Zukunft erheblichen Druck auf die ambulante medizinische Versorgung ausüben. Dazu kommt, dass jüngere Ärztinnen und Ärzte häufiger Teilzeit arbeiten. Es ist deshalb zu befürchten, dass schon bald die Inanspruchnahme das Angebot medizinischer Leistungen übersteigt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums Obsan.

Die Arbeit untersucht mit einem Zeithorizont bis 2030 das Gleichgewicht zwischen Inanspruchnahme und Angebot medizinischer Leistungen in der Schweiz. Sie geht von der beobachteten Entwicklung dieser Leistung zwischen 2001 und 2006 aus. Die Analysen stützen sich auf die Behandlungen, die der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) in Rechnung gestellt wurden. Auch wenn man davon ausgeht, dass sich die heutige Situation betreffend Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht befindet, ist doch nicht auszuschliessen, dass in der Realität regionale Überangebote oder Angebotsmängel bestehen. Frappant erhöhte Inanspruchnahme und sinkendes Angebot

Bis 2030 geht das Grundszenario von einer Erhöhung von rund vier Millionen

Behandlungen pro Jahr aus, was ein Total von 40 Millionen Behandlungen ergibt. Vorausgesetzt, dass die Produktivität der Ärztinnen und Ärzte auf dem heutigen Niveau bleibt. Nimmt das Angebot an Behandlungen pro Jahr schrittweise von 36 auf 29 Millionen ab. Damit wird die geschätzte Inanspruchnahme (40 Millionen Behandlungen) das Angebot (29 Millionen Behandlungen) um fast 12  Millionen Behandlungen oder um 39 Prozent übersteigen. In den Szenarien «Verbesserung des Gesundheitszustandes» und «Verschlechterung des Gesundheitszustandes» variiert der geschätzte Nachfrageüberhang zwischen 28 und 47  Prozent (gegenüber 39 Prozent im Grundszenario). Szenarien, die eine andere Behandlungsorganisation wie Gatekeeping oder Substitution gewisser ärztlicher Behandlungen durch Pflegepersonal untersuchen, haben weniger Auswirkungen. Das Szenario «optimistisch» prognostiziert einen Nachfrageüberhang von vier Millionen Behandlungen (13 Prozent) insgesamt und von 3,5 Millionen Behandlungen in der Allgemeinmedizin (20 Prozent). Das Szenartio «pessimistisch» prognostiziert einen Nachfrageüberhang von 16 Millionen Behandlungen insgesamt (36 Prozent) und 14 Millionen Behandlungen (49 Prozent) in der Allgemeinmedizin. In der Psychiatrie ergeben die verschiedenen Szenerarien einen Nachfrageüberhang von 700 000 Behandlun-

gen im Jahr 2030. In der Gynäkologie und der Pädiatrie sind Angebot und Nachfrage ausgeglichen. Die Zunahme von Depression und Demenz nicht unterschätzen

Die Autoren richten ein besonderes Augenmerk auf die Psychiatrie, bei der ab 2020 ein geringer Überhang der Inanspruchnahme im Vergleich zum Angebot zu erwarten ist. Der geringe Überhang darf jedoch nach Einschätzung der Autoren nicht unterschätzt werden: Die tiefe Inanpruchnahme könnte darauf hinweisen, dass hier bereits heute eine Lücke bei Spezialbehandlungen besteht. Mit der Zunahme von Depression und Demenz könnten zukünftig der Bedarf und die Inanspruchnahme psychiatrischer Behandlungen noch mehr ansteigen, als es die vorliegenden Szenarien einschätzen. Das Ungleichgewicht zwischen Inanspruchnahme und Angebot würde dadurch grösser. Ungleichgewicht abschwächen – aber wie?

Um das Angebot auf heutigem Niveau zu halten, braucht es laut dem Obsan Massnahmen hinsichtlich der Anzahl Studienplätze und für ein besseres Verhältnis zwischen Allgemein- und Fachmedizin. Wie aber die Inanspruchnahme reduzieren? Das wäre möglich, wenn sich – etwa wegen Massnahmen der Prävention und der Gesundheitsförderung – der Gesundheitszustand der Bevölkerung verbessert oder wenn die Behandlungsintensität abnimmt. Diese zweite Möglichkeit, so die Studie, kann sowohl eine Verbesserung der Behandlungseffizienz wie auch eine Rationierung der Behandlungen beeinhalten. Daher ist es wichtig, eine solche Entwicklung der Inanspruchnahme genau zu beobachten. JOSEPH ZIEGLER

Die Alterung der Bevölkerung wird den Bedarf an Ärzten erhöhen. Sind wir darauf vorbereitet?

Anspruch und Nachfrage im Bereich der ambulanten Medizin – Zeithorizont 2030. Autoren: Laurence Seematter Bagnoud, Julie Junod, Hélène Jaccard Ruedin, Maik Roth, Claudia Foletti, Brigitte Santos-Eggimann, Schweizerisches Gesundheitsobservatorium

16 | Krankenversicherung 8/08


Grafik des Monats Oktober

Die 30 umsatzstärksten Arzneimittel 2007: Herz-Kreislauf-Medikamente sind top

RANG

BRAND

UMSATZ IN MIO. CHF

GENERIKUM VORHANDEN?

1

Sortis

127

Nein

2

Pantozol/ Zurcal

107

Nein

3

Nexium

90

Nein

4

Atacand/ Blopress

85

Nein

5

Seretide

69

Nein

6

Plavix

68

Nein

7

Herceptin

49

Nein

8

Symbicort

48

Nein

9

Efexor

48

Nein

10

Diovan

47

Nein

11

Zyprexa

46

Nein

12

Remicade

40

Nein

13

Dafalgan

39

Ja

14

Humira

35

Nein

15

Seroquel

35

Nein

16

Enbrel

33

Nein

17

Calcimagon D3

31

Nein

18

Cipralex

30

Nein

19

Remeron

29

Nein

20

Aspirin Cardio

28

Ja

21

Risperdal

27

Nein

22

Cosaar

27

Nein

23

Agopton

27

Nein

24

Coversum/ Preterax

26

Nein

25

Mabthera

26

Nein

26

Omezol-Mepha

25

Generikum von Antra Mups

27

Glivec

25

Nein

28

Lucentis

24

Nein

29

Eloxatin

23

Nein

30

Kaletra

23

Nein

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Quelle: santĂŠsuisse

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Der Bund legt in der so genannten Spezialitätenliste fest, welche Medikamente zu welchem Preis von der obligatorischen Grundversicherung ßbernommen werden. Pro Jahr werden im ambulanten Bereich Medikamente im Wert von ßber 4,5 Milliarden Franken vergßtet. Alleine die dreissig meistverkauften Präparate machen rund 30 Prozent des Marktumsatzes aus.

Herz-Kreislauf-Medikamente (Lipidund Blutdrucksenker) machen fast einen Viertel der Top-30-Umsätze aus. Es folgen Magensäurehemmer und Antidepressiva, welche jeweils rund zwanzig Prozent ausmachen. Die neuen gentechnisch hergestellten Pharmazeutika wie monoklonale AntikÜrper (Herceptin, Mabthera, Lucentis) oder Anti-TNFι-Präparate (Remicade, Humira, En­brel) sind stark auf dem Vormarsch und machen nun beinahe einen Fßnftel der Top-30-Liste aus. Diese biotechnologischen Präparate sind breit einsetzbar, aber auch sehr teuer, so dass Monatstherapiekosten von bis zu 10 000 Franken keine Seltenheit sind. Die hohen Preise dieser Produkte erfordern eine sorgfältige evidenzbasierte Kosten-Nutzenabwägung bei der Zulassung. Nur so ist gewährleistet, dass die knappen Mittel im Gesundheitswesen effizient eingesetzt werden. Mit dem Magensäurehemmer OmezolMepha hat es gerade mal ein Generikum in die Top-30-Liste geschafft. Dafßr gibt es zwei Grßnde: Erstens teilt sich bei patentabgelaufenen Wirkstoffen der Umsatz auf mehrere Produkte auf und zweitens sinkt mit dem Eintritt von Konkurrenten tendenziell das Preisniveau. MARKUS A. ZIEGLER

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Auf Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen entfällt ein grosser Teil der Top-30-Medikamente.

17 | Krankenversicherung 8/08


Umfrage «sondage santé»: Schweizerinnen und Schweizer schätzen das heutige Krankenversicherungssystem

Bevölkerung ist für Reformen und Eigenverantwortung Das Ergebnis der sechsten «sondage santé» zeigt, dass die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung mit dem Krankenversicherungssystem zufrieden ist. Das Wissen über die Grundversicherung bleibt aber bescheiden. Der Reformwille ist trotz der Ablehnung des Verfassungsartikels am 1. Juni vorhanden, allerdings in der Deutsch- und Westschweiz unterschiedlich ausgeprägt und je nach Altersgruppe schwankend.

Satte 88 Prozent der Versicherten schätzen individuelle Zusatzversicherungen, 82  Prozent die Kontrolle und Bezahlung der Rechnungen, 77 Prozent die rasche Rückerstattung der Zahlungen, 69 Prozent die Gesundheitsförderung, 55 Prozent die medizinische Beratung und 54 Prozent den Schutz vor finanziellen Problemen im Krankheitsfall. Die Krankenversicherung scheint für die Schweizerinnen und Schweizer eine Selbstverständlichkeit zu sein. Nur so ist es zu erklären, dass sie den Schutz vor finanziellen Problemen im Vergleich mit anderen Nutzen doch eher gering einschätzen. Das Aushandeln optimaler Preis-Leistungsverhältnisse mit Ärzten, Spitälern und anderen Leistungserbringern erwähnen nur 48  Prozent als konkreten Nutzen – Personen über 55 Jahre etwas häufiger und Personen aus der Westschweiz seltener. Bescheidenes Wissen

Ähnlich wie in vergangenen Jahren konnten nur gerade 8,6 Prozent der Befragten alle Wissensfragen zur Krankenversicherung korrekt beantworten. Personen mit höherer Ausbildung schneiden dabei besser ab. Erfreulich ist dennoch, dass alternative Versicherungsmodelle von Jahr zu Jahr bekannter werden. Der Anteil derjenigen, die auch HMO und Hausarztmodelle kennen, hat sich in den letzten sechs Jahren verdoppelt. Allgemein sind jungen Menschen und Personen mit tieferer Schulbildung sowie Personen aus der lateinischen Schweiz die gängigen Prämiensparmöglichkeiten weniger ein Begriff. Die bekannteste Sparmöglichkeit stellt immer noch die Erhöhung

der Franchise dar. Diese Option kommt mehr als der Hälfte der Befragten spontan in den Sinn. Die Verwaltungskosten der Krankenversicherer werden im Durchschnitt auf 32 Prozent der Gesamtkosten in der Grundversicherung geschätzt. Tatsächlich zeigt die Verwaltungskostenkurve aber als einzige nach unten und ist mittlerweile bei 5,4 Prozent angekommen. Was braucht es, um in der Bevölkerung das Wissen über den Nutzen und die Organisation der Krankenversicherung zu verbessern? Zu diskutieren wäre, ob dieses schon in der obligatorischen Schulzeit vermittelt werden sollte. Auch santésuisse liefert mit ihrer Basisbroschüre «1 x 1 der Krankenversicherung» sowie der Vertiefungsbroschüre «Plus2 der obligatorischen Krankenpflegeversicherung» einen wichtigen Beitrag dazu (Erscheinungsdatum: Herbst 2008). Kosten, Prämien, Reserven

Die prosperierende Wirtschaft der letzten Jahre entfaltet ihre Wirkung: Gaben 2004 noch 34 Prozent der Befragten an, die Prämie sei zu hoch für ihre Verhältnisse, sind es bei der diesjährigen Befragung nur noch 20 Prozent – mehr als ein Drittel weniger. Rund die Hälfte der Bevölkerung bezeichnet die Prämien als hoch, aber tragbar. Diese Aussage steht in krassem Widerspruch zu Forderungen gewisser Gesundheitsdirektoren, welche die Krankenversicherer zu Prämiensenkungen zwingen wollen. Das ist eine zweifelhafte Forderung angesichts steigender Gesundheitskosten von knapp fünf Prozent und schwankender Kapitalerträge, welche die finanzielle Stabilität einer Krankenversicherung gefährden können. Durch das sich abzeichnende Ende der guten Wirtschaftslage sowie der moderaten Prämienerhöhung der vergangenen Jahre wird mittelfristig das Kostenproblem wieder in den Vordergrund rücken. Die gefühlte Belastung durch die Krankenversicherungsprämien wird dann wohl wieder zunehmen.

Mehrheit für Lockerung der Vertragsfreiheit

Alle zur Diskussion gestellten politischen Reformen finden mehrheitlich Zustimmung. 89 Prozent der Befragten sind «eher» oder «sicher» für Medikamentenpreise auf dem europäischen Durchschnittsniveau, 81  Prozent für Komplementärmedizin in der Grundversicherung, 71 Prozent für einen neuen Kostenteiler in der Alterspflege, 70 Prozent für die Aufhebung des Territorialitätsprinzips (also für die Vergütung von medizinischen Leistungen im Ausland) und 69 Prozent für ein Bonus-Malus-System. Eine Mehrheit unterstützt schliesslich auch eine Lockerung des Vertragszwangs (54 Prozent). Dies bestärkt santésuisse in ihrer Ablehnung gegen die Ausweitung staatlicher Planwirtschaft, wie sie Gesundheitsdirektoren und FMH im Zusammenhang mit der Ablösung des Zulassungsstopps propagieren. santésuisse schlägt eine Lösung vor, welche dem Prämienzahler die freie Wahl zwischen einem regulierten oder einem marktwirtschaftlichen Grundversicherungsmodell überlässt. Ein klares Bekenntnis zur Solidarität

Wollen Schweizerinnen und Schweizer im Zeitalter der Individualisierung überhaupt noch solidarisch sein? Erstmals seit Einführung der «sondage santé» wurde die Einstellung der Bevölkerung gegenüber dieser viel zitierten Solidarität in der Grundversicherung befragt. Das Resultat ist eindeutig: 76 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass die Solidarität zwischen Gesunden und Kranken nur dank einer obligatorischen Krankenpflegeversicherung möglich ist. Nur gerade 17 Prozent sind für die Aufhebung des Obligatoriums. Die Prämienverbilligung, welche die Solidarität zwischen Arm und Reich sicherstellt, wird von 87 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer unterstützt. Weitere Hinweise auf die Solidarität und Fairness zeigt die mit 73 Prozent hohe Zustimmung zur Aussage, es sei gegenüber anderen Prämienzahlern unfair, zu seiner Gesundheit keine Sorge zu tragen. Diese Meinung wird am häufigsten von Menschen über 55 vertreten, von

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Nutzen der Krankenversicherung

Beurteilung politischer Fragen

Zusatzversicherungen

88% 88%

Medikamentenpreise im europ. Ø

Rechnungskontrolle

82% 82%

Ja zur Komplementärmedizin

Rückerstattungen

77% 77%

Gesundheitsförderung

69% 69%

Beratungsdienst

55% 55%

Schutz vor finanziellen Problemen

54% 54%

Preis-Leistungsverhältnis

48% 48%

0% trifft zu

25% trifft nicht zu

50% nie gehört

75%

100%

Behandlung im Ausland Bonus-Malus-System neuer Kostenverteiler Alterspflege Lockerung Vertragszwang 0% sehr dafür

weiss nicht

sondage santé 2008 (Basis: 1210)

25% eher dafür

50% eher dagegen

75% sehr dagegen

100% weiss nicht

sondage santé 2008 (Basis: 1210)

Der Schutz vor finanziellen Problemen im Krankheitsfall scheint für die Bevölkerung weniger von Bedeutung zu sein als etwa Zusatzversicherungen.

Solidarität

Die politischen Reformen im Gesundheitswesen sind allesamt mehrheitsfähig.

Branchenvergleich: vertrauenswürdig? Unfallversicherungen

3,07 +0,01

Solidarität Solidarität zw. zw. Gesunden Gesunden und und Kranken Kranken

76%

Krankenversicherer

2,92 +0,01

Soldidarität Soldidarität zw. zw. arm arm und und reich reich

87%

übrige Versicherungen

2,88

Jeder Jeder ist ist für für sich sich selbst selbst verantwortlich verantwortlich

17%

Pensionskassen

2,81 +0,08

Telekommunikation

2,58

-0,01

Keine Keine Sorge Sorge zur zur Gesundheit Gesundheit ist ist unfair unfair

73%

Banken

2,57

-0,29

Höhere Höhere Prämien Prämien für für Ältere Ältere

27%

Pharmaindustrie

2.36

-0,08

Franchise Franchise ändern ändern

38%

Medien 0% sehr

sondage santé 2008 (Basis: 1210)

Vertrauenswürdigkeit der Krankenversicherer gestärkt

Im Vergleich zum Image anderer Branchen wie Banken, Medien, Unfallver-

2,21 - 0,16 25% eher

50% eher nicht

75% gar nicht

100% weiss nicht

sondage santé 2008 (Basis: 1210)

Die Solidaritätsgedanke ist in der Bevölkerung tief verwurzelt.

Personen in der Westschweiz jedoch mit einer knappen Mehrheit von 54 Prozent. Die Aussage, älteren Menschen eine höhere Prämie zu verrechnen, weil diese mehr medizinische Leistungen beanspruchen, wurde zu 73 Prozent abgelehnt. Erfreulich ist auch, dass selbst junge Leute zwischen 15 und 34 Jahren diesen Vorschlag zu rund 60 Prozent ablehnen.

-0,12

Die Krankenversicherer gelten im Vergleich zu anderen Branchen als sehr vertrauenswürdig.

sicherungen und der Pharmaindustrie konnten die Krankenversicherer ihre Position leicht ausbauen – trotz massiven Vorwürfen im Abstimmungskampf um die Gesundheitsverfassung. So sind sie in Bezug auf die Vertrauenswürdigkeit auf Platz zwei vorgerückt. Bei den Banken etwa hat die Finanzmarktkrise sichtbare Spuren beim Imagewert der Glaubwürdigkeit hinterlassen. Die Bevölkerungsumfrage «sondage santé» wird seit 2003 von santésuisse in Auftrag gegeben und beim Marktforschungsinstitut Demoscope erhoben. Die repräsentative Telefonbe-

fragung wurde dieses Jahr zwischen dem 6. Juni und dem 22. Juli durchgeführt. Die Grundgesamtheit der Befragung umfasste die Bevölkerung aus der Deutsch- und der Westschweiz sowie dem Tessin im Alter zwischen 15 und 74 Jahren. Gesamthaft wurden 1210 Interviews geführt. Die Umfrage der «sondage santé» wird jedes Jahr den gesundheitspolitischen Themen angepasst und aktualisiert. DOROTHEA L. HAENNI

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35 neue Krankenversicherungs-Fachleute erhalten ihr Diplom

Foto: Peter Kraft

Auch einmal über den Tellerrand hinausschauen die Bemühungen seiner Institution auf, wirtschaftlich zu arbeiten und sich dem freien Markt anzupassen. Erfolgreiche Premiere

Die erfolgreichsten Absolventinnen von links nach rechts: Sabine Reinacher (Visana Muttenz, Notendurchschnitt 4,9), Cécile Hurschler (CSS Luzern, 5,2), Alexandra Ochsner (Helsana Zürich, 5,1), Ursula Staub Frey (Spitäler FMI Unterseen, 4,9), Susanne Kunz (Suva Luzern, 4,9). Ganz links Ausbildungsleiter Hans Wohler, ganz rechts Daniel Wyler, Präsident der Prüfungskommission.

Die Krankenversicherungs-Branche erhält neues Know-how: 35 Absolventen haben in Solothurn nach erfolgreicher Berufsprüfung ihr Diplom erhalten. Die Erfolgsquote war mit 65 Prozent so hoch wie noch nie. Doch bei santésuisse sieht man durchaus noch Steigerungspotenzial.

Die Pianistin Marlis Walter spielte zum Auftakt der Feier das Stück «Waldgeister» von Cécile Chaminade und kombinierte es mit einem Werk von Mozart. Daniel Wyler, Präsident der Prüfungskommission, erzählte den frisch gebackenen Krankenversicherungs-Fachleuten allerhand über das eben Gehörte: Waldgeister sind in Europa den Menschen meist gut gesinnt. In Japan aber gelten sie als üble Kreaturen, vor denen sich Wanderer besser in Acht nehmen. Amadeus, der zweite Vorname vom Mozart, ist nichts anderes als eine lateinische Übersetzung des griechischen Theophilus, seinem eigentlichen Namen. Schliesslich erzählte Wyler noch von der kleinen Taschenmaus, die 20 Stunden pro Tag schläft – mehr als zehnmal so lange wie die Giraffe. Von Waldgeistern und Taschenmäusen

Für Daniel Wyler sind solche Dinge schön zu wissen – im Gegensatz zu all den Kenntnissen, die sich die Diplomandinnen und Diplomanden in den vergangenen zwei Jahren angeeignet

haben. Dieses Wissen werden sie in ihrem Beruf dringend benötigen. Allerdings, so Wyler, werden Fachkenntnisse erst dann richtig wertvoll, wenn man sie zum richtigen Zeitpunkt auch mit scheinbar nutzlosem Wissen verknüpfen kann. Mit anderen Worten: Die Branche braucht Spezialisten, die auch über den Tellerrand hinausschauen können. Eine Gelegenheit, über den Tellerrand hinauszuschauen, bot anschliessend der Gastvortrag von Enrico Meuli. Der Geschäftsführer des Behinderten-Pflegeheims Oberwald in Biberist zeigte

Hans Wohler, Leiter des Ressorts Ausbildung von santésuisse, zeigte sich bei der Würdigung der Prüfungsresultate zufrieden. 58 Prüflinge sind angetreten, 65 Prozent haben schliesslich bestanden. Das ist eine wesentlich bessere Quote als in den Jahren zuvor, als jeweils nur wenig mehr als die Hälfte der Absolventen erfolgreich war. Die Absolventen haben die Berufsprüfung in diesem Jahr zum ersten Mal gemäss neuer Bildungsverordnung abgelegt. Damit verbunden war auch eine Neugestaltung des Lehrgangs: Neu ist die Ausbildung modular aufgebaut. Hans Wohler kann also auf eine erfolgreiche Pre­miere zurückblicken. Er sieht aber durchaus noch Steigerungspotenzial: «Durch die gezielte Auswertung der Ausbildungsblöcke und Prüfungen möchten wir eine Erfolgsquote von mindestens 75 Prozent erreichen». Der erste Schritt hat das Ressort Ausbildung von santésuisse zusammen mit dem Prüfungsjahrgang 2008 bereits getan. PETER KRAFT

Die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen Hurschler Cécile, CSS, Luzern; Ochsner Alexandra, Helsana, Zürich; Kunz Susanne, Concordia, Luzern; Reinacher Sabine,Visana, Muttenz; Staub Frey Ursula, Spitäler FMI, Unterseen; Aeschbacher Cornelia, Visana, Muttenz; Augstburger Denise, Helsana, Worblaufen; Baumgartner Dominik, Concordia, Thun; Berner Nadja, Helsana, Aarau; Birrer Funda, CSS, Luzern; Bissig Nadine, Groupe Mutuel, Villars-sur-Glâne; Bissig Peter, Max Bissig AG, Zürich; Eberhöfer Tanja, Swica, Zürich; Eggler Urs, Concordia, Luzern; Gamper Elisabeth, Krankenkasse Elm; Gartmann Ramona,ÖKK, Winterthur; Gawin Nadja ,Helsana, St. Gallen; Geisser Claudia,CSS, Luzern; Graber Roman, Helsana, Worblaufen; Meier-Heiniger Christa, Helsana, Zürich; Hofer Claudia, Helsana, Zürich; Majdanac Emina, Basler Vers. Gesellschaft, Zürich; Offner Tanja, sodalis, Visp; Ritler Andrea, Atupri, Bern; Rüthemann Bettina, Helsana, St. Gallen; Schaer Natascha, Groupe Mutuel, Villars-sur-Glâne; Sejdiu Daut, Helsana, Zürich; Theler Isabelle, sodalis, Visp; Topfel Anja, Innova Worb; Trösch Irène, Helsana, Olten; Wälti Andrea, Concordia, Schönenwerd; Wechner Maja, Atupri, Zürich; Welterlin Julia, Helsana, Olten; Widmer Renate, KPT, Bern; Wigger Astrid, Concordia, Entlebuch

Notenstatistik Prüfungsabsolventen: 58 Erfolgsquote: 64,4 % Notenschnitt erfolgreiche Prüfungsabsolventen: 4,4 Der erste Durchgang der Berufsprüfung nach neuem Reglement hat nur in der Deutschschweiz stattgefunden.

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Drei Fragen an: Thomas Meyer, Projektleiter der Grund- und Vertiefungskurse

«Weg vom rein dozierenden Unterricht» Die Grundkurse des Ressorts Ausbildung von santésuisse sind konzipiert für Neueinsteiger in der Krankenversicherungsbranche und gelten als bewährtes Basis-Bildungsangebot. Der Vertiefungskurs geht weiter. Er richtet sich an Personen, die sich auf dem Niveau des Lehrganges Berufsprüfung lernaktiv mit anderen Krankenversicherungsdisziplinen auseinandersetzen wollen. Seit dem 1. Oktober 2007 ist Thomas Meyer für die Grund- und Vertiefungskurse von santésuisse verantwortlich.

Was stellen Sie bei Ihrer Arbeit ins Zentrum?

suche ich, deren Rollenverständnis weg vom rein dozierenden Unterricht hin zu mehr erarbeitenden Unterrichtsanteilen hinzuführen. Durch den abwechslungsreichen Einsatz geeigneter Lernmethoden sollen die Teilnehmenden aktiv in den Unterricht miteinbezogen werden. Bei beiden Kurssegmenten legen wir grossen Wert auf die Kernprobleme

Foto: Peter Kraft

Als Ausbilder mit eidgenössischem Fachausweis lege ich den Schwerpunkt meiner Arbeit auf die methodisch-­ didaktische Weiterentwicklung der Referierenden sowie auf die Überarbeitung der Kurseinheiten. In der Zusammenarbeit mit den Referierenden ver-

Performix – so oder so Performix ist ein ausgewogenes Futter für aktive Pferde. Performix enthält alle Bestandteile, die aktive Freizeit- und Sportpferde für leichte bis mittelschwere Arbeit brauchen. Performix enthält Getreide sehr guter Qualität, hochwertige Eiweisse, Fette und gut verdauliche Faserstoffe. Performix ist aber auch die neue Kursplattform von santésuisse. Sie bietet alle Möglichkeiten einer zeitgemässen Lösung, um Kurse anzubieten, Teilnehmende zu informieren und die Kursorganisation und -administration schlank zu halten. Interessenten können sich informieren über Kursangebote, Kursinhalte bis hin zum Anforderungsprofil für die Teilnehmenden. Sind noch freie Plätze, können sie sich direkt für den Kurs anmelden. Uns eröffnen sich neue Perspektiven von der Projektphase bis hin zur Honorar­ abrechnung der Referenten. Ab Ende September wird die Plattform aktiv geschaltet. Besuchen Sie uns auf der Homepage: www.santesuisse.ch/ausbildung

aus der Praxis und die Vermittlung von Kompetenzen zu deren Lösung. Geben Sie selber auch Unterricht?

Um noch näher am Puls der Teilnehmenden sein zu können, habe ich mich aufgrund meiner beruflichen Erfahrung als Personalfachmann entschieden, innerhalb des Grundkurses die Verantwortung für den Kurstag «soziale Sicherheit» zu übernehmen. Dies erlaubt es mir, den Grundkurs aus eigener Kursleiter-Perspektive zu beurteilen. Eine Erfahrung, die mir bei der Weiterentwicklung der Kurse zugute kommen wird. Wie bereiten sich die Teilnehmenden auf den Grundkurs vor?

Sie erarbeiten im Selbststudium vorgängig ein e-learning-Modul. So können sie erste Vorkenntnisse erwerben, was sich im Unterricht positiv auswirkt. Das Gebiet des e-learning entwickelt sich laufend weiter. Hier wollen wir in Zukunft einen grossen Schritt vorwärts machen und evaluieren zurzeit eine neue Applikation. Unser Ziel ist es, für jedes Kursangebot stufengerechte e-learning-Module zu gestalten und anzubieten. INTERVIEW: HANS WOHLER

«Unser Ziel ist es, für jedes Kursangebot stufengerechte e-learning-Module anzubieten.»

Einen detaillierteren Überblick über unser Grundund Vertiefungskurs-Angebot verschafft Ihnen unsere Homepage: http://www.santesuisse.ch/de/ ausbildung_kurzuebersicht.html?navid=1143 Ab Anfang Oktober werden Sie auf dieser Plattform noch detailliertere Angaben finden.

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Das Marfan-Syndrom ist eine angeborene Schwäche des Bindegewebes. Weil Bindegewebe überall im Körper vorkommt, kann sich das Marfan-Syndrom auf sehr unterschiedliche Art äussern. Herzrhythmusstörungen, Verformungen der Wirbelsäule oder starke Kurzsichtigkeit gehören zu den Symptomen, ebenso wie eine schwache Muskulatur und schnelles Ermüden. Menschen mit Marfan-Syndrom haben oft einen auffälligen, schmalen Körperbau mit sehr feingliedrigen Händen und einem langgezogenen Gesicht. Häufig kommen auch Hühneroder Trichterbrust vor. Die Marfan-Stiftung Schweiz vertritt die Interessen der Patienten mit dieser seltenen, unheilbaren Krankheit. Die Stiftung hat mit «Herzsache» ein Buch herausgegeben, das Marfan-Patienten in der Bewältigung ihrer Krankheit unterstützt. Das Buch enthält auch informative Beiträge, etwa zur Situation von chronisch Kranken in Europa. Hauptsächlich geht es aber darum, Marfan-Patienten Tipps zum Umgang mit ihrer Krankheit zu geben – sei es in Partnerschaft und Familie, am Arbeitsplatz oder im Gesundheitssystem. Es kommen viele Betroffene zu Wort, und das Buch stellt auch die Selbsthilfe in Gruppen vor. «Herzsache» ist im Buchhandel oder direkt bei der Marfan-Stiftung erhältlich (info@marfan.ch). Das Buch umfasst 300 Seiten. Die Beiträge stammen jeweils von anerkannten Spezialisten auf ihrem Gebiet. Unter den Autoren ist auch der Herzchirurg Thierry Carell. «Herzsache» kostet Fr. 44.80.

Aus aller Welt

Leben mit dem Marfan-Syndrom

Service

Buchtipp: «Herzsache» von der Marfan Stiftung Schweiz

Tiefere Kindersterblichkeit Seit 1990 ist die weltweite Kindersterblichkeit von 9,3% auf 6,3% zurückgegangen. Für die Unicef ist das aber kein Grund zur Zufriedenheit: «Noch immer sterben jedes Jahr mehr als neun Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag», sagt Exe­kutivdirektorin Ann Venemann.

Organ-Zucht Der britische Forscher Robert ­Winston plant, Schweine für Organtransplantationen beim Menschen zu züchten. Herz, Leber und Nieren der Tiere hätten genau die richtige Grösse und Funktionsweise. Um die Abstossungsreaktionen zu verringern, will Winston den ZuchtEbern menschliche Gene in die Hoden spritzen.

Foto: Keystone

Herzsache. Gesundheitskompetenz und Empowerment bei chronischen körperlichen Beeinträchtigungen am Beispiel des Marfan-Syndroms. Marfan-Stiftung Schweiz (Hrsg.), Bern 2008.

EU-Kommission tut nichts Das EU-Parlament beklagt sich über die Untätigkeit der EU-Kommission gegenüber umweltbedingten Erkrankungen. Es fordert bis 2010 einen Aktionsplan gegen die gesundheitlichen Bedrohungen durch Luftverschmutzung und Klimawandel.

Aufklärung per Klingelton Um die weitere Ausbreitung des HIVVirus zu stoppen, setzt eine indische Hilfsorganisation auf eigenwillige Mittel: Handy-Kunden können einen kostenlosen Klingelton herunterladen, der «Kondom, Kondom» ruft.

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Veranstaltungen Veranstalter

Besonderes

Datum/Ort

Weitere Informationen

24. Oktober Inselspital Bern

www.msd.ch

24. Oktober Universitätsspital Zürich

www.heartfoundation.ch

14. November Kantonsspital Aarau

www.santesuisse.ch

19. November Hotel Bellevue Palace, Bern

www.novartis.ch

5. Schweizerischer Kongress für Gesundheitsökonomie SAG/MSD

Thema: Gehört die Zukunft der Consumer Driven Health Care?

5. Cardiovascular Roundtable Stiftung für Herz- und Kreislaufforschung

Für kardiovaskulär tätige Ärzte

Auswirkungen von DRG auf die Tarifpartner santésuisse

Beiträge u.a. von Carlo Conti (Regierungsrat BS), Stéphanie Mörikofer (Spitex Schweiz) und Reto Dahinden (CSS)

11. Forum für Gesundheitsökonomie Novartis

Thema: «Die Nutzenfrage im Gesundheitswesen»

Zeichnung: Marc Roulin

Melden Sie uns Ihre Veranstaltungen an: redaktion@santesuisse.ch! Weitere Veranstaltungen unter www.santesuisse.ch

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Der Schweizer Dokumentarfilm «Le Théâtre des Opérations» begleitet einen jungen Chirurgie-Assistenzarzt am Universitätsspital Lausanne während seiner Ausbildung. Der Operationssaal ist ein eigener Mikrokosmos inmitten der Spitalmaschinerie. Hier spielen sich jeden Tag dramatische Szenen ab, in denen es um Leben und Tod geht. Für das hoch qualifizierte Team gehört das «Reparieren» von Körpern zum Alltag. Dieser Belastung begegnen sie oft mit schwarzem Humor. Sie gehen kollegial miteinander um, gleichzeitig stehen die ambitionierten Chirurgen – zumeist sind es Männer – unter konstantem Konkurrenz- und Leistungsdruck. Nikos Kotzampassakis steht ganz am Anfang seiner Chirurgenlaufbahn. Neben nervenaufreibenden Operationen hat der Assistenzarzt immer wieder Tests und Gespräche mit den leitenden Ärzten zu bestehen. Sie wollen wissen: Ist Kotzampassakis stark genug, sich den enormen Belastungen des Chirurgen-Berufs zu stellen? Auf die Probe stellen den jungen Mann auch die Gespräche mit todkranken Patienten. Findet er den richtigen Mittelweg zwischen Mitgefühl und professioneller Distanz? Schliesslich erhält Kotzampassakis die ersehnte Ausbildungsstelle. Und gleich zu Beginn realisiert er: Ein guter Chirurg kann nicht nur operieren, sondern er weiss auch, wann er nicht operieren darf. Regisseur Benoît Rossel sagt über seine Motivation, diesen Film zu drehen: «Viele von uns waren schon einmal in einem Operationssaal, aber fast niemand hat jemals einen von innen gesehen.» Rossels Ziel war eine möglichst realitätsnahe Darstellung des Chirurgenalltags. Das bedeutet, dass im Film auch unangenehme Bilder zu sehen sind. «Wir hatten den An-

Foto: ZVG

Mythos Operationssaal: Ein Dokumentarfilm zeigt die knallharte Realität

spruch, den Operationssaal für den Zuschauer quasi physisch erlebbar zu machen. Daher hat es im Film Bilder, die noch nie so in einem Film gezeigt wurden und schockieren können. Aber sie entsprechen der Realität im OP», sagt der Regisseur. «Le Théâtre des Opérations» läuft im Herbst in den Schweizer Kinos.

Ausserordentliche Generalversammlung von santésuisse santésuisse führt am 10. Dezember 2008 eine ausserordentliche Generalversammlung durch. Sie findet um 13 Uhr 30 im Hotel Allegro im Kursaal Bern statt. Haupttraktanden sind der Bericht über die laufende Organisations-Überprüfung, Statutenanpassungen sowie die Bestellung des Verwaltungsrats inkl. Präsidium für die nächste Amtsperiode. Traktandenliste*

1. Eröffnung und Begrüssung durch Herrn Ständerat Christoffel Brändli, Präsident von santésuisse 2. Protokoll der Generalversammlung vom 16. Mai 2008, Bern 3. Bericht des Präsidenten über die Organisations-Review 4. Anpassung Statuten santésuisse 5. Wahlen für die Amtsperiode 2008 - 2010 5.1 Präsident 5.2 Mitglieder des Verwaltungsrates 6. Varia * vorbehältlich Änderungen des Verwaltungsrates an der Sitzung vom 23.10.2008

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Service

«Le Théâtre des Opérations» – Ein junger Arzt auf seinem Weg zum Chirurgen-Beruf


Nach den ersten beiden, im Jahresintervall normal verlaufenen Untersuchungen besteht nur noch alle drei Jahre eine Verpflichtung zur Kostenübernahme. Diese Vorsorgeuntersuchung wird in der Schweiz noch bei Weitem nicht optimal durchgeführt. Die Streuung von über- und unterversorgten Frauengruppen ist enorm gross. Die Krankenversicherer könnten in diesem Bereich durch Bewirtschaftung einen positiven Beitrag zur Verbesserung leisten. • Bei der Hüftsonografie nach Graf bei Neugeborenen und Säuglingen wurde die Altersbegrenzung von null bis sechs Wochen aufgehoben. Bei korrekter Anwendung müssten Beschwerden oder klinische Befunde vorliegen, damit die Leistungspflicht gemäss bestehendem Artikel besteht. Abklärungen der Kostenträger sind aber relativ aufwändig und erfolgen daher nur selten. • Beim Keratokonus der Hornhaut handelt es sich um eine Auswölbung der Hornhaut, welche wie eine Lupe mit Glasdefekten die Sicht beeinträchtigt. Die UV-Crosslinking-Methode versucht, mit Hilfe von Vitamin B2 und ultraviolettem Licht, die fortschreitende Verdickung der Hornhaut zu verzögern. Die klinische Erforschung ist in verschiedenen Ländern und zahlreichen Kliniken voll im Gange. Die Anwendung des UV-Crosslinking bei Keratokonus beim Patienten sollte also nur dann erfolgen, wenn dies im Rahmen einer klinischen Studie erfolgt. Bis zur Klärung der Ergebnisse wird die Leistungspflicht verneint. • Das Markieren der Geweberänder der krebskranken Prostata mit Goldplättchen, welche im Gewebe keine Reaktion hervorrufen, ermöglicht ein genaueres Einstellen der Bestrahlungsfelder. Damit werden die Nebenwirkungen von Strahlenschäden auf gesundes Gewebe reduziert. Die Mehrkosten der Bespickung werden durch bessere Effizienz und geringere Nebenwirkungen aufgewogen. Die Methode ist ausdrücklich auf die Prostata beschränkt. Damit wird letztlich die Goldbespickung anderer Organe als Nicht-Pflichtleistung deklariert.

Foto: Keystone

Auf den 1. August 2008 hat das Eidgenössische Departement des Inneren die Krankenpflege-Leistungsverordnung geändert. Wir stellen in Kürze die wichtigsten Neuerungen vor: • Die erste Ultraschallkontrolle in der normal verlaufenden Schwangerschaft kann neu zwischen der 11. und der 14. Schwangerschaftswoche stattfinden. Zuvor lag die Zeitspanne zwischen der 10. und der 12. Woche und war damit wesentlich enger. Neu brauchen die Ärztinnen und Ärzte einen Fähigkeitsausweis und müssen sich an die Richtlinien der «Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin» halten. Das gilt natürlich auch für Ultraschalluntersuchungen in der Risikoschwangerschaft. • Neu sind auch gezüchtete, zweischichtige Hauttransplantate im Leistungskatalog der Krankenversicherung. 2001 hatte das BAG diese Methode noch abgelehnt, weil der Nachweis der WZW-Bedingungen nicht gelang. Inzwischen hat ein anderer Anbieter dies nachgeholt. Die zweischichtige Hauttransplantation ersetzt nun die schmerzhafte alte Methode: Bisher wurden Teile der äusseren Hautschicht einer anderen Körperstelle auf die offene Wunde transplantiert. • Der Ersatz des natürlichen Meniskus durch ein Kollagen-Implantat ist nicht mehr Teil des Leistungskatalogs. Entsprechende Operationen sind als Nichtpflichtleistung zu betrachten. Die klinischen Studien haben bisher keinen Nachweis der Wirksamkeit erbracht. Die heutige Meniskus-Chirurgie versucht, möglichst viel des natürlichen Meniskus zu erhalten und nur die beschädigten Teile zu entfernen. Damit kann der Meniskus seine Funktionen (Verteilung der Gelenkflüssigkeit, Kraftübertragung zwischen den Gelenkteilen) weiterhin einigermassen erfüllen. • Die Injektion von Botulismus Toxin Typ A in die Blasenwand ist solange nicht leistungspflichtig, bis die Swissmedic die entsprechende Indikation aufgenommen hat. • Der Krebsabstrich zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs bleibt leistungspflichtig.

25 | Klipp & klar 8/08

Klipp klar

Änderungen in der KLV per 1. August 2008


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Themen/Referierende

fĂźr folgende Hauptaufgaben:

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ďƒź Verantwortlich fĂźr das Tagesgeschäft Leistungen ďƒź Umsetzung der KVG- und VVG-Bestimmungen sowie der EGK-Reglemente ďƒź Fachliche und personelle FĂźhrung der Mitarbeitenden ďƒź PrĂźfen und verfassen von VerfĂźgungen ďƒź Erteilen von LeistungsauskĂźnften an Agenturen und Leistungserbringer (schriftlich und/oder telefonisch) ďƒź Stellvertretung Leiter Betrieb, welcher fĂźr die Leistung, Mutation, Scanning und IT-Betrieb verantwortlich ist ďƒź Controllingaufgaben

Programme /Anmeldung )NSTITUTĂĽFĂ“RĂĽ2ECHTSWISSENSCHAFTĂĽUNDĂĽ2ECHTSPRAXISĂĽ)20 (3' ĂĽ "ODANSTRASSEĂĽ ĂĽĂĽ3TĂĽ'ALLEN ĂĽ4ELĂĽĂĽĂĽĂĽ ĂĽĂĽ &AXĂĽĂĽĂĽĂĽ ĂĽE MAILĂĽIRP UNISGCHWWWIRPUNISGCH

Was Sie mitbringen:

ďƒź Eidg. Fachausweis Krankenversicherungsexperte oder Sozialversicherungsfachperson ďƒź Gute Benutzerkenntnisse der gängigen MS-Office-Programme ďƒź mehrjährige FĂźhrungserfahrung ďƒź Gute Kenntnisse in allen Bereichen der Leistung ďƒź Durchsetzungsstark, vernetztes Denken, direkte Kommunikation ďƒź Flexibel und gewillt bei Veränderungen mitzuwirken ďƒź FranzĂśsischkenntnisse in Wort und Schrift von Vorteil Wir bieten Ihnen eine grĂźndliche Einarbeitung in einem fortschrittlichen und unkomplizierten Arbeitsklima, einen modernen Arbeitsplatz sowie gute Sozialleistungen und Anstellungsbedingungen. Arbeitsort: Hauptsitz, Laufen FĂźhlen Sie sich angesprochen? Dann senden Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen an: EGK-Gesundheitskasse Frau A. Grolimund Brislachstrasse 2 4242 Laufen Tel. direkt 061 765 51 60 andrea.grolimund@egk.ch


Visana ist einer der führenden Krankenversicherer in der Schweiz. Auf unserem erfolgreichen Wachstumskurs stehen die Anliegen unserer fast 890000 Versicherten (Privat- und Firmenkunden) im Zentrum. Die Abteilung Leistungssupport unterstützt die Leistungsabwicklung der Visana in fachlicher und technischer Hinsicht. Zur Ergänzung unseres Teams suchen wir eine engagierte Persönlichkeit als

FachausbilderIn Heilungskosten (100%) Ihr Aufgabengebiet:

Als FachausbilderIn schulen Sie neu eintretende Mitarbeitende in der Leistungsabwicklung. Im Rahmen von Workshops vermitteln Sie bestehenden Mitarbeitenden Kenntnisse über Spezialthemen oder neue Produkte. Sie sind mitverantwortlich für die Erstellung von Schulungsunterlagen, fachlichen Handbüchern und Hilfsmittel im Bereich der Leistungsabwicklung. Sie optimieren und entwickeln die Regelwerke in fachlicher Hinsicht weiter und helfen bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen mit. Zudem erledigen Sie Spezialaufträge und führen Projekte zum Erfolg.

Ihr Profil:

Ideal ist eine (para-)medizinische Ausbildung. Zwingend notwendig sind fundierte Kenntnisse und Erfahrung im Bereich der sozialen Krankenversicherung. Kenntnisse der französischen Sprache runden Ihr Profil ab. Sie lieben Abwechslung, sind flexibel und haben Freude am Umgang mit Menschen.

Unsere Leistungen:

Diese spannende und entwickelbare Stelle bietet Ihnen die perfekte Plattform, um Ihr fachliches Wissen in die Praxis umzusetzen. Fortschrittliche Anstellungsbedingungen und attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten runden unsere Leistungen ab. Der Arbeitsort ist Bern. Sind Sie interessiert? Wir freuen uns auf Ihre vollständige online-Bewerbung (Referenz-Nr. 10000959) unter www.visana.ch > Offene Stellen. Für Fachauskünfte steht Ihnen Frau Lisa Schmid, Tel. Nr. 031 357 85 88 gerne zur Verfügung; der zuständige Personalverantwortliche ist David Neukom, Tel. 031 357 95 51.

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Epidemien  

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