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Gesund altern Zutaten fĂźr ein langes Leben S. 19 __ Exergaming: Fitnessspiel als Therapie etra lin ler antrei t S. 24 __ as letter ro


TACHELES

«Seit ich vor 28 Jahren pensioniert wurde, schwimme ich jeden Tag 500 Meter und wandere eine Stunde. Ich bin überzeugt, dass sich tägliche Bewegung positiv auf die Lebenserwartung auswirkt.» K. P. aus Oberentfelden

Wir stehen jeden Tag und in allen Lebenslagen vor Entscheidungen – grossen und kleinen. Welches ist Ihr Rezept für gute Entscheidungen? Schreiben Sie uns! redaktion@sanitas.com

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Wenn wir richtig rechnen und Sie mit 65 Jahren pensioniert wurden, sind Sie 93 Jahre alt. Somit sind Sie in den letzten 28 Jahren gut 5000 Kilometer geschwommen und 40’000 Kilometer gelaufen. Was für eine Leistung! Sie haben recht: Täglich ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung unterstützen das gesunde Älterwerden. Eine Garantie aber ist das leider nicht. Die Wissenschaft unterscheidet zwischen dem chronologischen Alter, also der Anzahl gelebter Jahre, und dem biologischen Alter. Letzteres beschreibt die itness von K rper und eist in tter ähriger Mann wie Sie kann das biologische Alter eines 65-Jährigen haben. Und umgekehrt. Dabei sind wir mehr als die Summe unserer Gene. Unser Erbgut hat z ar einen erheblichen influss au unsere ebenser artung, doch auch Lebensstil, Glück und Krankheiten bestimmen mit, ob wir unser genetisches Potenzial in puncto Lebenserwartung ausschöpfen können. Was übrigens ebenfalls eine grosse Rolle fürs gesunde Altern spielt, ist die Psyche. Wer den Fokus auf das legt, was ihm oder ihr Freude bereitet, und dies mit positiven Menschen teilt, lebt zu riedener und ges nder Sie scheinen also alles richtig zu machen.

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EDITORIAL / INHALT

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8 Liebe Leserin, lieber Leser Wir haben in der Schweiz eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt. Verantwortlich dafür ist neben der sauberen Umwelt und der qualitativ hochstehenden Gesundheitsversorgung auch ein nachhaltiger Lebensstil mit gesunder Ernährung und viel Bewegung. Idealerweise kann man also selbst seine Lebenserwartung mitbeeinflussen ch treibe deshalb eden Morgen eine halbe Stunde Frühsport und trete regelmässig in die Pedalen meines Mountainbikes. Die Sanitas Active App unterstützt und motiviert mich dabei. Die geistige Fitness ist natürlich genauso wichtig. Ein aktives Sozialleben – Freunde zum assen, pazierengehen oder anzen treffen – unterstützt diese. Oder auch das Lernen einer Fremdsprache oder eines Instrumentes. Das Gehirn ist wie ein Muskel, der ständig gefordert werden muss. Und wer weiss: Vielleicht stehen uns in der Zukunft noch ganz andere Möglichkeiten offen, um das ltern zu bremsen Das zumindest hält Neurowissenschaftler Tony Wyss-Coray für möglich, wie er in dieser Ausgabe erklärt. Viel Spass beim Lesen!

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Tacheles Kurz & bündig

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DOSSIER ÄLTER WERDEN Welches sind die Zutaten für ein langes Leben? Viel Bewegung, gute Ernährung und ein aktives Sozialleben gehören mit Sicherheit dazu Ein Berner forscht an der Verjüngungskur Können wir bald alle über 100 Jahre alt werden? Tony Wyss-Coray geht davon aus, dass der Schlüssel dafür im Blut liegt Früherkennung statt Spätfolgen Regelmässige Gesundheitschecks können Leben retten. Welche Untersuchungen für wen und ab wann sinnvoll sind n o ra Mensch 2.0 – schwerer, grösser, später Tischlein, deck dich! Vom Kind über den Sportler bis zum Senior: Für jeden sieht der optimale Speiseplan anders aus. Ein kleiner Ratgeber

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ieleris esund erden mit Exergaming us dem e en Wer ist die Ikebana-Meisterin? ausmittel Schluss mit Schuppen lettern au o ni eau Unterländerin in der Vertikalen ani und lina Wir backen Grittibänzen e i on L wie Leistungserbringer

Cover: Mirjam Kluka

Dr. Andreas Schönenberger CEO, Sanitas

IMPRESSUM Herausgeber Sanitas Krankenversicherung, Jägergasse 3, 8021 Zürich, sanitas.com/magazin | Gesamtverantwortung Claudia Kontakt redaktion@sanitas.com, e efon Sebald | Redaktion Michael Suter (Leitung), Helwi Braunmiller, Ruth Jahn, Barbara Lukesch, o ert i di Übersetzungen anitas ersetzungsdienste Art Direction Franziska Neugebauer, ziska gra hics Lithografie nc ag | Druck iss rinters, s iss rinters ch Bildnachweise Alle nicht gekennzeichneten i der sind igentu on anitas oder on anitas izenziert esa tau age ca ahrgang gedruckt auf u e tfreund iche a ier Erscheinungsweise hr ich in , , as n chste agazin erscheint i e ruar

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KURZ & BÜNDIG

Sanitas Challenge Award —

t or ids

intert ur e innt

Der erein t orkids interthur ge innt den rderbeitrag von ranken r sein ngagement im Kinder und ugendbreitensport Damit hat sich das Pro ekt gegen ber Mitbe erber durchgesetzt Platz z ei und drei gehen an den erein Rock cadem aus der st sch eiz und das Pro ekt Halle o s ägt von H Daktiv aus der Re gion ern is am ebruar k nnen sich ereine und rganisationen ieder au unserer ebsite um die begehrten rderpreise be erben sanitas.com/sieger

77,3 Die Zahl —

% der Frauen

stehen Alexa oder Siri als medizinischen Beraterinnen skeptisch oder ablehnend gegenüber, bei den Männern sind es 72,7 %. Quelle: Sanitas Health Forecast 2020

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KURZ & BÜNDIG

Sanitas Coach App —

Ihr smarter Begleiter für ein gesundes Leben Die Sanitas Coach App unterstützt Sie dabei, gesund zu bleiben. Lassen Sie sich vom digitalen Coach zu einem ausgewogenen Lebensstil motivieren und nutzen Sie seine praktischen Funktionen rund um Ihre Gesundheit: – Selbsttests: Herzalter und Diabetes-Typ-2-Risiko – Tagebuch für Blutdruck oder Blutzucker: Werte einfach mit dem Smartphone scannen und als PDF exportieren – Erinnerungen an Medikamenteneinnahme, Messungen und Ziele – Planung und Organisation von Arztterminen – Schritt für Schritt zu einem gesünderen Lebensstil und besseren Schlaf sanitas.com/coach-app

Event-Tipp —

Macht Sport schlau?

Best of Swiss Web Award

Foto: Greg Dunn

old und il er Welche Auswirkungen haben körperliche Aktivitäten auf unser Gehirn? Macht uns Sport glücklicher und intelligenter? Das Anatomische Museum Basel präsentiert bis am 31. Januar 2021 in einer Sonderausstellung die neusten Erkenntnisse aus der Gehirnforschung. sanitas.com/basel

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Für den Service «Einfach abrechnen» wurde Sanitas an der diesjährigen Best of Swiss Web Award Night mit zwei Preisen ausgezeichnet. In der Kategorie «Business» erhielten wir den Gold-Award und in der Kategorie «Innovation» einen Silber-Award. Der Service ermöglicht es Kundinnen und Kunden, Rechnungen in der Sanitas Portal App mit dem Smartphone zu scannen und ganz einfach per Twint oder Kreditkarte zu bezahlen. Zudem schafft der integrierte echnungsü ersetzer mehr Transparenz, indem er Leistungsabrechnungen in eine einfache Sprache übersetzt.

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Die neuen Alten

ÄLTER WERDEN

Menschen ab 60 sind heute geistig und körperlich tter denn e ohlstand, medizinischer ortschritt, humanere Arbeitsbedingungen: Ihr Anteil daran ist unbestritten Die besseren Lebensbedingungen ermöglichen es Menschen auch, stärker auf sich zu achten – port zu treiben, gut zu essen, das ozial leben zu geniessen st also bald das neue

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DOSSIER ÄLTER WERDEN

Ein Berner forscht an der Verjüngungskur Den Jungbrunnen gibt es leider nicht. Aber an der Stanford-Universität in Kalifornien sucht der Schweizer Altersforscher Tony Wyss-Coray trotzdem nach Mitteln, um den Alterungsprozess zu verlangsamen. Text Barbara Lukesch

Fotos Boris Zharkov

Herr Wyss-Coray, wie stellen Sie sich das perfekte Alter vor? Das Wichtigste für mich ist, dass ich im Alter noch über volle geistige Gesundheit verfüge und klar denken kann. Haben diese Wünsche Sie dazu bewogen, Altersforscher zu werden? Das hat sich mehr zufällig ergeben. Als Immunologe beschäftigte ich mich einige Zeit mit der Alzheimererkrankung. Das wurde mit der Zeit etwas frustrierend, weil ich nur die Gehirne bereits verstorbener Patienten untersuchen konnte, die uns diese für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt hatten. Sie wollten sich lieber mit noch lebenden Patienten befassen? Ja, ich wollte die Entwicklung der Krankheit am liebsten schon vor ihrem Ausbruch studieren. Die einzige Möglichkeit dafür war, das Blut dieser Menschen mit jenem gesunder Kontrollpersonen zu vergleichen – ausgehend von der Hypothese, dass wir im Blut molekulare Spuren der Krankheit entdecken würden. Wir stellten dann tatsächlich fest, dass das Blut von Alzheimerpatienten Unterschiede zum Blut von Gesunden aufweist. Und – ganz wichtig – dass die grössten Unterschiede mit dem Alter korrelieren: Das Blut eines 60-Jährigen unterscheidet sich erheblich vom Blut eines 90-Jährigen. Das Alter spielt bei der Entwicklung von Alzheimer also eine entscheidende Rolle. Nach dieser Erkenntnis stand ich mitten in der Altersforschung. Die Altersforschung existiert erst seit rund 30 Jahren, und die Uneinigkeit unter den Experten scheint gross zu sein. Worüber ist man sich denn einig? (lacht) … Hinsichtlich all der Veränderungen, Einschränkungen und Verluste, die das Alter mit sich bringt. Die lassen sich beschreiben, regelrecht messen. Uneinig ist man sich bezüglich der Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. Da sind wir erst auf der Stufe von Hypothesen, es fehlt noch an handfesten Beweisen.

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«Das Blut eines 60-Jährigen unterscheidet sich stark vom Blut eines 90-Jährigen.» Tony Wyss-Coray

Welches sind gemäss Ihrer Einschätzung die Ursachen für die Alterung des menschlichen Organismus? Das eiss man noch nicht ber das nde ich gar nicht so schlimm, denn man kann trotzdem den Alterungsprozess verlangsamen. Auf vergleichbare Art gehen wir ja auch bei Krankheiten wie Arthritis, Diabetes oder Krebs vor. Sie forschen mehrheitlich mit Mäusen. In einem der erfolgversprechendsten Experimente wurden die Stammzellen in den Muskeln alter Mäuse durch Blutspenden junger Mäuse wieder aktiver. Was heisst das konkret? Die behandelten alten Mäuse wurden stärker. Mit dem Alter geraten die Muskeln – das ist bei Mäusen und Menschen sehr ähnlich – in eine Art Schlaf, sie lassen sich nicht mehr so gut aktivieren. Das ist beim jungen Menschen und beim jungen Tier anders: Stimuliert man deren Muskeln, bildet sich neues Muskelgewebe. Stichwort Bodybuilding. Tom Rando, der verantwortliche Forscher, konnte zeigen, dass das junge Blut Bestandteile enthält, die alte Stammzellen wieder aktivieren und damit verjüngen können.

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Gegen das Vergessen Tipps des Neuropsychologen Prof. Dr. Andreas Monsch im Video auf sanitas.com/ gedaechtnis

Tony Wyss-Coray konnte in diversen Studien beweisen, dass sich Mäuse mit Therapien verjßngen lassen.


DOSSIER ÄLTER WERDEN

Aktiv sein hält r er und eist t Zwei Beispiele.

«Als ich vor sechs Jahren pensioniert wurde, habe ich beschlossen, eine ehrenamtliche Tätigkeit zu übernehmen, mit der ich Menschen, die weniger Glück im Leben hatten als ich, etwas Gutes tun kann. Dass ich bei Tixi Zürich, dem Fahrdienst für Menschen mit Behinderung, gelandet bin, war eher Zufall. Aber der Entscheid, mich dort für mindestens einen halben Tag pro oche zu verpflichten, ar goldrichtig ch habe das Gefühl, etwas wirklich Sinnvolles zu tun, wenn ich zum Beispiel eine geistig schwer beeinträchtigte Frau zu ihrem Arzt fahre oder einen gehbehinderten Mann daheim abhole, der auf den Rollstuhl angewiesen ist und nur dank Tixi einen Verwandtenbesuch machen kann. Es ist mir wichtig, auch im Alter ein aktiver Teil der Gesellschaft zu bleiben und eine Aufgabe zu haben. Während der Fahrt wechsle ich mit meinen Fahrgästen auch ein paar Worte, sei es über das Wetter, Politik, Sport oder das Fernsehprogramm. Wenn jemand nicht reden kann, frage ich ihn, ob er gern etwas Musik hören würde, und schalte das Radio an. All diese Begegnungen tun mir gut, sie erfüllen mich mit Zufriedenheit, auch wenn ich manchmal sehr traurige Geschichten von erlust oder chmerz h re und die etroffenen zu trösten versuche.»

Wie lässt sich denn so etwas experimentell ermitteln? Wir haben zum Beispiel eine Maus auf eine Tischplatte mit vielen Löchern gesetzt. Dann haben wir den Tisch mit grellem Scheinwerferlicht bestrahlt und mit einem Gebläse für starken Wind gesorgt. In einer solchen Situation fürchtet sich eine Maus und sucht chutz ie schaut in alle cher, bis sie eines ndet, das in ein est m ndet, eine rt chlupfloch unge Mäuse merken sich dieses Loch und laufen bei weiteren Versuchen bald schnurstracks darauf los. Alte Mäuse tun sich damit viel schwerer. Dank des jungen Mäusebluts gelingt es aber auch ihnen wieder, sich das schützende Versteck zu merken. Brauchen die alten Mäuse nun ständig junges Blut, um den Alterungsprozess nachhaltig hinauszu zögern? Wir vermuten, dass es am wirkungsvollsten ist, junges Blut mehrmals in kleineren Portionen zu verabreichen. Hilfreich könnte auch sein, die Behandlung nach einem halben Jahr zu wiederholen.

Könnte das der Bereich sein, in dem Sie als Altersforscher am ehesten den grossen Durchbruch erzielen? Ich denke, wir werden eher kleinere Fortschritte machen. In den nächsten zehn, zwanzig Jahren werden Medikamente auf den Markt kommen, die den Alterungs-

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oto

Lassen sich diese Mäuseexperimente auf den Menschen übertragen? Hilft beispielsweise das Blut junger Spender Alzheimerpatienten, geistig ieder tter u erden Genau dazu machen wir jetzt klinische Versuche. Die dauern beim Menschen zwar deutlich länger als in der Mäuseforschung, aber wir sehen bereits erste positive ffekte – beispiels eise in ezug au die Gedächtnisleistungen – und halten die Resultate für ermutigend.

nita ffentranger

Wird so aus einer alten nach und nach wieder eine junge Maus? Nein, wir können zwar gewisse Begleiterscheinungen des Alterns verlangsamen oder mildern, aber aus einer alten Maus wird keine junge mehr. So einfach geht das leider nicht. (lacht)

Martin Ries hat mit dem Tixi-Fahrdienst eine sinnvolle neue Aufgabe gefunden und bleibt so mit Menschen im Austausch.

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Foto: Sebastian Doerk

Martin Ries, 71, pensionierter Reallehrer aus Zürich:

In der Folge stellten Sie fest, dass sich diese Erkenntnisse auch auf die Gehirnleistungen übertragen lassen. Welche Wirkungen hatte das junge Blut auf das Gehirn alter Mäuse? Die behandelten Mäuse konnten wieder besser denken und sich erinnern.


prozess verlangsamen und damit auch Alterskrankheiten ie lzheimer und Parkinson beeinflussen Und was ist mit der Pille, die das menschliche Leben eines Tages um – sagen wir – 150 gesunde Jahre verlängert? Diese Frage kann man noch nicht endgültig beantworten. Theoretisch müsste es möglich sein, weil sich ja das biologische System immer wieder erneuern kann. Das sehen ir an der ortpflanzung, bei der die i und die Samenzellen bei der Befruchtung im Grunde ihr eigenes Alter auslöschen und ein neues Leben beginnt. Oder

Tanzen aus Freude und um der Gesundheit willen: Ruth Ungricht und ihr Partner Walti.

«Das biologische System kann sich immer wieder erneuern.»

Ruth Ungricht, 71, pensionierte oiffeuse und Bürofachfrau aus Urdorf: «Wenn sie im Radio ein schönes Stück Musik spielen, etwas Volkstümliches oder auch einen rassigen Popsong, kann man mich nicht mehr halten. Dann muss ich tanzen, egal ob ich allein bin oder in Gesellschaft. Entdeckt habe ich das Tanzen mit 13 im Mädcheninternat. Heute, mit 71, tanze ich immer noch. Tanzen stellt mich auf. Es macht mich fröhlich, ja glücklich und hält mich t ch bin mir sicher, dass die Koordination der Bewegung mit der Musik und die Abstimmung auf den Tanzpartner das Hirn trainieren. Walti und ich besuchen jeden Mittwochabend einen Tanzkurs bei Dancer's World in Dietikon ZH. Besonders gern tanzen wir Discofox, Cha-chacha, Englischwalzer, Rumba und Jive. Wir sind beide verwitwet und erst seit zweieinhalb Jahren ein Paar. Als wir das erste Mal zusammen getanzt haben, merkte ich sofort, dass Walti es noch nicht so gut konnte. Doch er war schnell bereit, mit mir einen Kurs zu besuchen. Er sah ja, wie viel mir das Tanzen bedeutet. Mit unseren 71 beziehungsweise 77 Jahren sind wir zwar die ältesten Teilnehmer im Kurs, aber das stört mich nicht. Walti hat grosse Fortschritte gemacht und es macht riesig Spass, mit ihm über das Parkett zu wirbeln.»

Tony Wyss-Coray

nehmen Sie die sogenannte Reprogrammierung, bei der die Hautzelle eines alten Menschen so manipuliert werden kann, dass ihr Alter wieder null wird – eine Entdeckung, die für mich eine der grössten Revolutionen der Biologie darstellt, weil sie zeigt, dass das biologische stem unglaublich fle ibel ist as man allerdings eingestehen muss: Bisher hat man erst einzelne Zellen reprogrammiert. Es wäre unendlich viel schwieriger, den ganzen menschlichen Organismus zu verjüngen. Warum ist der medizinische Kampf gegen das Altern so schwierig? Man muss sich fragen, warum verschiedene Organismen verschieden lange Lebensspannen haben. Die Fliege ein paar Tage, die Maus drei Jahre, der Mensch

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Nach seinem Doktorat in Immunologie an der Universität Bern zog es Tony WyssCoray in die USA. Seit 2002 ist er Professor am Institut für Neurologie und Neurologischer Wissenschaft der Universität Stanford. Zudem ist er Co-Direktor am Stanford Alzheimer's Disease Research Center. Seine Forschungsresultate über Alterungsprozesse und Alzheimer wurden schon mit diversen Auszeichnungen wie dem NIH Director's Pioneer Award und dem Zenith Award geehrt.

im Schnitt achtzig. Soviel wir heute wissen, gibt es kein Altersgen. Also muss es vor allem die Umgebung der einzelnen Lebewesen sein, die ihre Lebensdauer beeinflusst s scheint auch nicht so zu sein, dass ir eine Art Batterie haben und wir sobald die aufgebraucht ist, sterben. Im Gegenteil, aktive Menschen leiden ja in der Regel unter weniger Altersbeschwerden – und sie leben länger.

pressiv und sind dann auch anfälliger für Alzheimer. Ganz wichtig ist auch, einen Sinn im Leben zu sehen und eine Aufgabe zu haben. Alte Menschen sollten sich nicht aufs Abstellgleis schieben lassen.

Was kann der Mensch selber dazu beitragen, langsamer und angenehmer zu altern? Er sollte gesund und vielseitig essen, sich regelmässig bewegen und vor allem dafür sorgen, dass er sozial vernetzt bleibt insame Menschen erden häu ger de-

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Ethiker befürchten, dass Sie der Menschheit mit Ihrer Forschung einen Bärendienst erweisen – Leistungsdruck bis ans Lebensende, weniger Mitgefühl mit Schwachen und Bedürftigen. Fördern Sie eine kalte, herzlose Gesellschaft? Im Gegenteil. Wenn ich wählen könnte, ob ich dement und hilfsbedürftig werde oder ob ich geistig nach wie vor am Leben teilnehmen kann, muss ich keine Sekunde überlegen.

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DOSSIER ÄLTER WERDEN

Früherkennung statt Spätfolgen

Finanzielle Vorsorge esha es sinn o ist, schon in ungen ahren damit zu beginnen sanitas.com/vorsorge

Ist eine Röntgenuntersuchung der Brust fällig oder ein Check der Haut? Sollten Sie eine PSA-Bestimmung vornehmen lassen oder erstmals zur Darmspiegelung? Welche Vorsorgeuntersuchungen für wen sinnvoll sind und welche Kosten Sanitas übernimmt. Text Ruth Jahn

Brust-Screening

Illustration Franziska Neugebauer

Warum: rustkre s ist die h u gste Kre sart ei rauen Wie: ine öntgenuntersuchung a ogra e der rust kann Kre s und Kre s orstufen früh entdecken und die ei ungschancen er essern Wann: foh en a ahren ei fa i i re isiko für rustkre s früher Grundversicherung: n Kantonen it eine a ogra e creening rogra können sich rauen a a e ahre orsorg ich durch euchten assen ies ü erni t die rund ersicherung ie ranchise ird zude er assen ei üngeren rauen it erhöhte fa i i re isiko ezah t e enfa s die rund ersicherung Zusatzversicherungen: n a en anderen en ü erneh en assic, a i , u und atura Ko fort die Kosten für a ogra en

Darmspiegelung Warum: Darmkrebs ist die dritth u gste Kre sart ei r achsenen und ent icke t sich aus gutartigen o en Wie: ine ar s iege ung hi ft, er nderungen früh zu entdecken eiterer est, u erstecktes ut i tuh nachzu eisen, ist sinn o Wann: foh en für a e a ahren tuh ro e a e ahre, ar s iege ung a e ahre ei fa i i re isiko oder entzünd ichen ar erkrankungen früher Grundversicherung: Übernimmt ar s iege ungen und tuh untersuchungen zur Kre s orsorge z ischen und ahren ie ranchise ird i ah en eines creening rogra s in einigen Kantonen er assen Zusatzversicherungen: ei hecks or und ohne fa i i re or e astung etei igen sich assic, a i , u oder atura Ko fort

Hautkrebsvorsorge Warum: ch arzer autkre s gehört zu den h u gsten Kre sarten ei nnern und rauen Wie: eo achten ie hre aut und assen ie hre utter a e rege ssig o ausarzt oder on hrer aut rztin kontro ieren Wann: foh en für edes ter Grundversicherung: ei erhöhte fa i i re isiko für autkre s e ano ird dieser orsorgecheck on der rund ersicherung ü erno en Zusatzversicherungen: In den anderen en etei igen sich die usatz ersicherungen assic, a i , u und atura Ko fort

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PSA-Test Warum: Prostatakrebs ist die häugste Kre sart ei nnern Wie: orsorg ich können nner sich ei ihre ausarzt oder ro ogen untersuchen assen itte s uttest, dessen ussagekraft nicht unu stritten ist, a er is dato a s eine rt u or arker fungiert, und tasten Wann: foh en ist dieser heck u z ischen und ahren Zusatzversicherungen: Die Sanitas usatz ersicherungen assic, a i , u und atura Ko fort ü erneh en die Kosten

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Zahlt Sanitas an eine Vorsorgeuntersuchung? it de eckungs heck können ie ederzeit ü er rüfen, ie sich Sanitas an den Kosten einze ner eistungen etei igt sanitas.com/d-check

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DOSSIER ÄLTER WERDEN

Mensch 2.0 – schwerer, grösser, später Uns geht es gut. Der Wohlstand verändert sogar unsere Biologie – vom Säuglings- bis ins Seniorenalter. Text Helwi Braunmiller

Infografik Codeplay

Babys

Jugendliche Grosse «Halbwüchsige» Verglichen mit Jugendlichen vor 120 Jahren sind Teenies heute rund 15 Zentimeter grösser. Mit 20 Jahren messen heute 50 Prozent der Männer 180,2 Zentimeter und mehr.

180,2 cm

Kleine Schwergewichte

165,0 cm

1977 wog ein termingerecht geborenes Baby in der Schweiz durchschnittlich 3550 Gramm – 2011 waren es bereits 3750 Gramm. Mittlerweile wiegt hierzulande von den termingerecht geborenen Jungen bereits jeder fünfte mehr als 4 Kilo, bei den Mädchen ist es jedes zehnte. Quelle: Hans Ulrich Bucher, Universität Zürich

Ø-Gewicht Neugeborene

4000 g

168 ,0 cm Auch junge Frauen gehören immer mehr zur «XXLGeneration»: Jedes zweite Mädchen erreicht mindestens 168 Zentimeter, jedes sechste misst sogar 175 Zentimeter und mehr.

3750 g

3500 g

3250 g

3000 g 1977

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2011

2020

Quelle: welt.de

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DOSSIER ÄLTER WERDEN

Erwachsene

Senioren Fitte «Alte» Wer heute Mitte 60 ist, fühlt sich nicht nur jünger, sondern in der Regel auch gesünder als Gleichaltrige noch vor 20 Jahren. Hinzu kommt eine grössere Lebenszufriedenheit.

Ø-Alter bei Geburt des ersten Kindes 35 34 33 32 31 30 29 28 27 26 25

1975

1985

1995

2005

2015 2019

Späte Eltern Das Durchschnittsalter der Mütter bei der Erstgeburt steigt kontinuierlich. Längere Ausbildungszeiten, der spätere Eintritt ins Berufsleben, Veränderungen der Lebens- und Verhaltensweisen usw. können diesen Anstieg erklären.

Ø-Lebenserwartung nach Geburtsjahr 43

1876

47 63

1917

Für Männer liegen erst seit 2007 Daten vor.

1967

Quelle: bfs.admin.ch

2017

70 82 87 91 94

30

44

58

72

86

100

Quelle: bfs.admin.ch

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DOSSIER ÄLTER WERDEN

Tischlein, deck dich! Je nach Lebensalter und Lebensstil sieht die optimale Ernährung anders aus. Was isst eine Seniorin im Idealfall? Was sollte beim Sportler auf dem Speiseplan stehen – und was darf auf den Kinderteller? Text Ruth Jahn

Foto Christine Benz

Seniorin, Senior Flüssigkeit Im Alter lässt das Durstgefühl nach. Trotzdem bleibt es weiterhin wichtig, 1–2 Liter täglich zu trinken – insbesondere um die geistige Leistungsfähigkeit in Schwung zu halten. Am besten sind ungesüsste Getränke. Kalziumhaltiges Mineralwasser ist überdies für die Knochendichte gut. Eiweiss Ältere Menschen brauchen weniger Kohlenhydrate als in jüngeren Jahren. Denn der Energiebedarf sinkt. Umso wichtiger wird Eiweiss: Im Alter baut die Muskelmasse kontinuierlich ab – eine gute Eiweisszufuhr steuert diesem Prozess gegen. Vitamine und Mineralstoffe ine vielseitige, vitamin und mineralstoffreiche Ernährung ist jetzt doppelt wichtig, da der Körper die ährstoffe nicht mehr so gut au nehmen kann. Vitamin B12 steckt in Fleisch, aber auch in Joghurt, Sauermilch oder Sauerkraut. Milch und Milchprodukte sind – neben Fisch, Eigelb und Pilzen – zudem Quellen von Vitamin D, das essenziell für Muskel- und Knochengesundheit ist, aber im Alter nicht mehr so stark gebildet wird. Besonders im Winter kann auch ein Vitamin-D-Präparat sinnvoll sein. Fette Fette und Öle liefern unter anderem wertvolle Fettsäuren: Täglich – ssl ffel Raps oder liven l so ie eine kleine Handvoll Nüsse oder Samen genügen jedoch.

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DOSSIER ÄLTER WERDEN

Junge Sportlerin, junger Sportler Flüssigkeit Wer körperlich sehr aktiv ist, braucht mehr als die üblichen 1–2 Liter Flüssigkeit. Faustregel: pro Stunde Sport zusätzlich 0,4–0,8 Liter trinken. Kohlenhydrate, Eiweiss und Proteine Leistungssportler brauchen eine Extraportion Energie. Damit Magen und Darm dadurch nicht überlastet werden, Mahlzeiten auf fünf bis sechs Portionen über den ag verteilen Zu eder Hauptmahlzeit geh rt eine tärkebeilage aus etreideprodukten rot, eig aren, Reis, Kartoffeln, Mais, M sli us Proteine helfen beim Muskelaufbau. Täglich braucht es drei Portionen Milchprodukte und zusätzlich eine Portion Fleisch, Fisch, Ei oder Tofu, Quorn oder Seitan, Käse oder Quark. Und was gilt für Vegetarier? Ernährungsempfehlungen für Vegetarier, Schwangere und Jugendliche sanitas.com/ ernaehrung

Fette äglich Pflanzen l, am besten Raps oder liven l, so ie eine Portion – g ungesalzene Nüsse, Samen oder Kerne sorgen für gen gend ette Rund bis Prozent der täglichen Energiemenge sollten aus Fett stammen.

Kind

Quelle: Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE www.sge-ssn.ch

Flüssigkeit Genug trinken ist wichtig: Mit einem Jahr sollten Kinder etwa 0,6 Liter pro Tag trinken. Im Alter zwischen 4 und 6 bereits 0,8 Liter, mit 13 bis 18 Jahren 1–1,5 Liter. Geeignet sind zum Beispiel Leitungswasser, Mineralwasser (am besten mit viel Kalzium , unges sste Kräuter oder r chtetees, stark verdünnte Fruchtsäfte. Eiweiss und Kohlenhydrate Eiweiss ist wichtig im Wachstum, Fleisch liefert zudem Vitamin B1, B2, B12, Niacin, Zink und Eisen. Vegetarische Eiweissquellen sind zum Beispiel o u, H lsen r chte und ier uch gen gend Kohlenhydrate sind für Kinder wesentlich. Am besten Vollkornprodukte. Wichtig: Vollkorn nicht plötzlich, sondern schrittweise einführen, damit der Darm mitkommt. Vitamine und Kalzium Gemüse und Früchte: fünf faustgrosse Portionen, in allen möglichen arben, die Häl te davon roh Milch und Milchprodukte sind klassische Kalzium- und Vitamin-D-Lieferanten. Joghurt enthält etwa gleich viel Kalzium wie Milch, Käse noch mehr. Kalzium kann aber auch via grünes Gemüse, Vollkorn, Nüsse und Mineralwasser aufgenommen werden, Vitamin D durch Fisch, Butter, Eigelb und Pilze. Besonders im Winter ist eventuell auch ein Vitamin-D-Präparat sinnvoll. SANITAS MAGAZIN 4 / 2020

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Gratiszahnbürste von Philips inklusive

Die Versicherung für ein strahlendes Lächeln Ihre Grundversicherung bezahlt nur einige wenige krankheits- oder unfallbedingte Zahnbehandlungen. Konservierende Zahnbehandlungen wie Füllungen und Wurzelbehandlungen, die Entfernung von Weisheitszähnen und auch Vorsorgeuntersuchungen übernimmt die Zusatzversicherung Dental Basic. Die Zusatzversicherung Dental Basic ergänzt Ihre obligatorische Grundversicherung und übernimmt 80 Prozent der Kosten für kleine Zahnreparaturen und orsorge is a i a ranken pro Kalenderjahr. Dental Basic eignet sich für alle, die bereits erwachsen sind und Wert auf eine regelmässige ahn ege egen s gi t eine ran chise von 250 Franken pro Kalenderjahr für krankheits- und unfallbeding te Behandlungen (ausser für Vorsorgebehandlungen).

Mehr Informationen: sanitas.com/dental-basic

Ihre Vorteile: – Ohne Zahnattest abschliessbar, sofern bisher keine grösseren Zahnschäden vorliegen – Bis zu 50 Franken Rabatt auf die Dentalhygiene und Zahnbehandlungen zum günstigen Sozialtarif bei swiss smile – 100 Franken pro Kalenderjahr für Vorsorgeuntersuchungen und Zahnreinigungen durch diplomiertes Fachpersonal – Beim Abschluss erhalten Sie eine elektrische Zahnbürste von Philips im Wert von 179.90 Franken geschenkt

Viele unserer Versicherungen können Sie online abschliessen. Möchten Sie lieber mit der Sanitas Kundenberatung telefonieren? Rufen Sie uns an. Montag bis Freitag, 8 bis 18 Uhr: 0800 22 88 44


ENTWICKELN FÜR MORGEN

Exergaming verbindet Computerspiele mit körperlicher Arbeit und vernetzt damit kognitive mit motorischen Fähigkeiten. Das hilft Spitzensportlern genauso wie Schlaganfallpatienten dabei, wieder auf die Beine zu kommen. Text Robert Wildi

Fotos Sebastian Doerk

Spielerisch gesund werden «Ui, das rüttelt ja gehörig!» Voll konzentriert steht die 73-jährige Frau mit beiden Füssen auf einer kleinen runden Platte, die bei geringsten Gewichtsverlagerungen sofort nachgibt. Zur Seite, nach vorn und hinten. Aufgabe der Seniorin ist es, sich mit guter Balance und viel Körpergefühl so zentral auf die Plattform zu stellen, dass diese möglichst waagrecht bleibt. Wie gut ihr das gelingt, kann sie auf dem kleinen Bildschirm der sogenannten ProkinB-Platte gleich selbst überprüfen. Dort werden alle Bewegungen und Abweichungen von der «goldenen Mitte» gemessen und dokumentiert Das macht offensichtlich Spass, denn die Frau lacht laut auf, wenn es nach einem Wackler wieder vibriert unter den Sohlen, gibt sich aber nicht geschlagen Das schaffe ich Altersturnstunde im Seniorenheim? Weit gefehlt, wir be nden uns in der niversitätsklinik algrist, konkret im Zentrum für Prävention und Sportmedizin. Nur 3 Meter von der älteren Frau entfernt ist ein junger Leistungssportler mit beeindruckendem Bizeps am Werk. Sein Trainingsgerät erinnert mit grossem Bildschirm an die Szenerie im Spielsalon. Doch auch der junge Athlet muss mit Druck und Gewichtsverlagerung der Füsse arbeiten: Auf zwei massiven Pedalen stehend steuert er einen Pinguin auf dem Screen eine Skipiste hinab. Tempo und Linie bestimmt er einzig durch Koordination und Kraft seiner Beinmuskeln.

Mittels Druck und Gewichtsverlagerung steuert der Athlet über die beiden Pedalen den Pinguin die Skipiste hinab.

Von Rehabilitation bis Fitnessstudio Was die beiden hier treiben, ist ein auf Computerspielen basierendes Körper- und Reaktionstraining, genannt Exergaming – oder auf Deutsch Fitnessspiel. Erste Prototypen, die Computerspiele mit körperlicher Bewegung koppelten, brachte Nintendo bereits in den 1980er-Jahren auf den Markt. Heute kommt Exergaming mit topmodernen Geräten, die sich zum Beispiel Prokin oder Allegro nennen, in der Gesundheitsförderung, im Leistungssport sowie im Fitnesssektor zur Anwendung.

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ENTWICKELN FÜR MORGEN

Massgeschneiderte Bewegungstherapie: Mithilfe von Exergaming hat Johannes Scherr schon diverse Patienten erfolgreich therapiert.

Aber: Exergaming ist kein E-Sport, betont Johannes Scherr, Chefarzt und Leiter am Universitären Zentrum für Prävention und Sportmedizin im Balgrist: «Beim E-Sport beschränkt sich die Bewegung auf Finger und wenige Muskelgruppen, während Exergaming motorische Fähigkeiten aktiviert, die gezielt mit den kognitiven Anforderungen des Spiels vernetzt werden.» Genau diese Koppelung der Elemente mache die Methode sowohl für therapeutische als auch präventive Behandlungen so wertvoll. «Beim Gleichgewichtstraining au der Platte reduzieren ältere Menschen effizient ihre Sturzgefahr und erhöhen gleichzeitig motorische Fähigkeiten zur Bewältigung des Alltags», betont der Mediziner. «Auch Patienten mit Gleichgewichtsstörungen werden neu motiviert und erzielen mit Exergaming-Therapien verblüffende Erfolge.» Neue Trainingsreize setzen Die Verbindung von Computerspiel mit körperlichem Koordinations- und Krafttraining wird bei Vertretern aller Altersgruppen zunehmend beliebter. Das Skipistentraining mit dem Pinguin dient Spitzensportlern nicht nur zur ptimierung ihrer ettkampfleistungen, sondern auch zum gezielten Aufbau nach Verletzungen oder Operationen. «Damit lässt sich beispielsweise die Regeneration von lädierten Bändern oder der Patella-Sehne beschleuni-

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gen», weiss Johannes Scherr von diversen Patientinnen und Patienten, auch aus dem Breitensport. Dem Reiz, die perfekte Balance auf der Prokin-B-Platte auch bei erheblichen rsch ernissen rasch iederzu nden, scheint auch die über 70-jährige Seniorin zu erliegen. Ihr Trainingsinstruktor muss sie nach über 20 Minuten für eine Verschnaufpause von der Platte holen. Daneben hat der rasende Pinguin soeben die Ziellinie überquert.

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Passion Ikebana: Wer ist die Meisterin? Die AuflÜsung finden Sie auf der nächsten Seite. 21


AUS DEM LEBEN

Isabelle Vautravers lenkt seit vier Jahren als Geschäftsführerin die Geschicke der Stiftung Sanitas. Privat widmet sie sich einer fernöstlichen Handwerkskunst, die früher zur Ausbildung jedes japanischen Adligen gehörte. Text Michael Suter Fotos Karin Heer

Harmonie und Kontrast Zwei wache Augen folgen aufmerksam den speziellen Windungen eines mit wenigen smaragdgrünen Blättern bestückten Astes. Dort, wo er in eine Keramikschale mit matt glänzender Glasur eintaucht, ragt eine elegante Lilie empor. Der Besuch einer Ikebana-Ausstellung als Kantonsschülerin war der Auslöser von Isabelle Vautravers’ Liebe zur japanischen Blumenkunst. «Ikebana ist ein traditionelles Handwerk, das gewissen Regeln wie der meist asymmetrischen Anordnung von drei Hauptlinien folgt. Wichtig sind Harmonie und Kontrast, es ist aber auch ein Wechselspiel zwischen Mensch und Natur. Das gefällt mir», sagt die heute 51-Jährige. Nach vielen Workshops im In- und Ausland hat Isabelle Vautravers 2017 den höchsten Meistergrad der Ohara-IkebanaSchule erworben. Bis heute geht die Stadtzürcherin regelmässig in die Natur, sammelt Blumen, Gräser, Äste und arrangiert sie zu schlichten Kunstwerken. Ein wertvolles, kreatives Hobby als Ausgleich zum Alltag: Nach Isabelles Studium der Volkswirtschaftslehre und Stationen bei der Zürcher Gesundheitsdirektion und in der Kommunikation von Sanitas ist Isabelle heute als Geschäftsführerin der Stiftung Sanitas tätig. Dort unterstützt sie unter anderem gemeinnützige Projekte im Bereich Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung. «Wir fokussieren uns auf solche, die mit digitalen Angeboten Hilfe bieten oder den Ausgleich zum digitalen Leben fördern. Dadurch beschäftige ich mich mit gesellschaftlichen Themen sowie digitalen Trends und komme mit vielen Menschen in Kontakt.» Insbesondere Letzteres schätzt sie sehr, denn der Mensch in Harmonie mit der Natur gehört neben Himmel und Erde eben auch zu den Hauptelementen im Ikebana.

Bei Ikebana spielt nicht nur das Arrangement der Blumen, sondern auch die Wahl des richtigen Gefässes eine entscheidende Rolle.

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HAUSMITTEL

Schluss mit Schuppen Text Michael Suter

Illustration Franziska Neugebauer

H EXPERTENTIPP Dr. med. Paola Maltagliati-Holzner, Fachärztin für Dermatologie bei Medgate «Leicht ausgeprägte Kopfschuppen können selbst behandelt werden. Die Irritation der Kopfhaut normalisiert sich, wenn Betroffene für einige Wochen auf eine austrocknende Reinigung und aufs Föhnen verzichten. Eine Untersuchung beim Arzt oder bei der Hautärztin ist notwendig, wenn die Kopfhaut entzündet ist, Krusten oder Bläschen vorhanden sind. Ursache dafür könnte eine Pilzinfektion, eine bakterielle Infektion oder eine Kontaktdermatitis sein, die dringend behandelt werden muss. Eine Arztvisite ist auch angebracht, wenn sich die Schuppenbildung nach circa drei Wochen nicht zurückgebildet hat.»

aarschuppen sind lästig und oft hartnäckig. Wer seine Schuppen langfristig loswerden will, muss erst auf Ursachenforschung gehen. Denn eine schuppige Kopfhaut kann viele Gründe haben – und entsprechend unterschiedlich ist die Behandlung. Rieseln die Schuppen beim Streichen durchs Haar und juckt die Kopfhaut, leiden Sie unter trockenen Schuppen. Sie sind das Resultat von heissem asser und häu gem hnen, aber auch von zu viel onne, aggressiven Pflegemitteln und trockener Raumlu t Die Kop haut produziert als Reaktion Hornschuppen ettige chuppen sind dagegen eher klebrig ie entstehen, enn die Kop haut zu viel alg produziert, der die Hautschuppen verklebt Dafür ist meist ein unausgeglichener Hormonhaushalt oder der Hefepilz Malassezia ur ur verant ortlich Diese Hausmittel k nnen hel en Gegen trockene Schuppen Aloe vera: Das el der h bschen Pflanze irkt antibakteriell und feuchtigkeitsspendend. Pressen Sie den Saft eines Aloe-vera-Blattes aus und verteilen ie ihn gleichmässig ber die Kop haut Die l ssigkeit beruhigt innert wenigen Stunden die trockene Haut und lindert das Jucken. Naturjoghurt: Die san te Milchsäure irkt ie alsam au die Kop haut ragen ie das atur oghurt grossz gig au die Kop haut au und lassen ie es Minuten ein irken p len ie die Haare anschliessend mit einem san ten hampoo ie k nnen die atur oghurtkur z ei bis dreimal chentlich iederholen Gegen fettige Schuppen Apfelessig: Ein altbekanntes Hausmittel ist Apfelessig. Er reguliert den pH ert der Kop haut und reinigt die Poren der algdr sen ettiger Haare ermischen ie r eine Kur den ssig im erhältnis mit asser ragen ie das emisch danach au die Kop haut au und massieren ie es leicht ein ach rund Minuten sollten ie die Haare mit lauwarmem Wasser gründlich ausspülen. Teebaumöl: b bei Pickeln oder arzen – eebaum l hil t bei vielen Hautproblemen s irkt pilzhemmend und san t au unsere Haut eben ie ein paar rop en eebaum l zum hampoo und aschen ie damit hr Haar u gepasst eebaum l und auch andere ätherische le k nnen eine Kontaktallergie ausl sen SANITAS MAGAZIN 4 / 2020

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Unterländerin in der Vertikalen 2020 hätte das Sportklettern sein Debüt als olympische Disziplin gefeiert. Mit der Zürcherin Petra Klingler wäre auch eine Schweizerin in die Wand gestiegen. Corona machte einen fetten Strich durch die Rechnung. Text Robert Wildi Fotos Dominic Bechtold und Gia Han Le / Red Bull Content Pool

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hre Grosseltern kletterten, ihre Eltern auch – aus Spass an der Freude. Petra Klingler, aufgewachsen im Zürcher Säuliamt, verbrachte deshalb schon als Kleinkind Ferien und Wochenenden im Gebirge – «anfangs nicht immer freiwillig», räumt sie schmunzelnd ein. Wandern fand sie wie fast jedes Kind öde. Da waren die steilen Felswände, für die man sich anseilen musste, viel spannender. «Klettern war aufregend, da gab’s viel mehr ‹Action›», erinnert sich Klingler. Schon als Sechsjährige übernahm sie erstmals den Lead einer kleinen Seilschaft. Als sich dann die Möglichkeit für Kletternachmittage im Kletterzentrum Gaswerk Schlieren ergab, ging es schnell: Mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder war sie ein regelmässiger Gast, absolvierte mit zwölf Jahren ihren ersten ofziellen ettkamp – und ge ann Doch statt sich im Erfolg zu sonnen, war die Nachwuchskletterin sauer: Sie hatte nicht die ganze Route bis zum op, dem offiziellen nde einer Route, bezwungen.

Spass und Ehrgeiz befeuern sich Der früh entfachte Ehrgeiz hat sie weit gebracht. In den letzten 15 Jahren hat sich Petra Klingler zu einer der weltbesten Kletterinnen entwickelt. Als Krönung hätte sie die Schweiz diesen Sommer in Tokio als erste Athletin in dieser Sportart überhaupt bei den

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AKTIV SEIN

In Bewegung trotz Corona Mit diesem Workout ei en ie t sanitas.com/workout

«Klettern war immer wichtiger als Ausgang und Party.» Petra Klingler

EXPERTENTIPP Kathrin Dettling, Sportphysiotherapeutin bei Medbase «Klettern ist gesund, weil es Kraft, Koordination, Gleichgewicht, Konzentration und Stressregulation trainiert. Es ist ein sehr vielfältiger Sport, der die körperliche und geistige Gesundheit auf vielen Ebenen fördert.»

Jeder Griff, jeder Tritt sitzt, Kraft und Geschwindigkeit sind auf Topniveau: Petra Klingler gehört zu den besten Kletterinnen der Welt.

Olympischen Spielen vertreten sollen. Denn Klettern ist neu im erlauchten Kreis der Disziplinen unter den fünf magischen Ringen – als Dreikampf aus Bouldern, Speed- und LeadKlettern am Seil. Verdient hat sich Klingler die Nominierung durch regelmässige Spitzenleistungen, gekrönt durch den Weltmeistertitel 2016 in Paris in ihrer Paradedisziplin Bouldern. «Eine tolle Ehre und riesige Motivation für mich», sagt Petra Klingler, die nach dem Sportgymnasium in Zürich ein Sport- und Psychologiestudium an der Universität Bern abschlossen hat. Für ihr Weltklasse-Niveau trainiert sie täglich, oft stundenlang, an den Wänden ihrer Trainingshallen in Zürich, Bern und Biel. Das brauche viel Disziplin, ab und zu auch Überwindung. «Aber der Reiz, im Wettkampf vor jeder neuen Wand innert Minuten Wege, Varianten und Möglichkeiten zu suchen, um diese in möglichst wenigen Versuchen zu bezwingen, treibt mich wie ein inneres Feuer an», beschreibt sie ihre Leidenschaft. Gepaart mit Ehrgeiz vermengt sich diese bei Klingler zu einem explosiven Gemisch, das sie die Wände für Aussenstehende förmlich hochsprinten lässt. Wille und Kraft allein reichen dafür aber nicht. «Es gibt kaum eine andere Sportart, bei der so viele Eigenschaften gefragt sind: Koordination, Ausdauer, Technik, Taktik, Schnellkraft und natürlich mentale Stärke», schwärmt sie. Verzicht? Nein, Gewinn! Neben ihrem intensiven Sportlerinnenleben arbeitet Petra Klingler im 50-Prozent-Pensum für das Marketing der Swiss am Flughafen Zürich. Wofür bleibt sonst noch Zeit? Ausgang und Party waren für die Zürcherin nie wirklich wichtig. «Dass ich für den Sport weitgehend darauf verzichten muss, ist daher nicht schmerzhaft. Ich würde in keiner Sekunde tauschen wollen.»

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SANI UND ELINA

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Die Zutaten in einer chüsse ischen

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Der Samichlaus steht schon bald vor der Tür. Traditionellerweise backt Sani für den 6. Dezember einen Grittibänzen. Für Elina ist das Neuland. Sie hat noch nie selber gebacken und ist ganz neugierig, wie das geht. Sani erklärt ihr alles Schritt für Schritt. Kannst du das auch so gut? Illustration

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LEXIKON

Kundenportal Belege einfach einreichen Sanitas Versicherte können ihre Rechnungen einfach mit der Sanitas Portal App scannen und an Sanitas senden. sanitas.com/scanning

Leistungserbringer Leistungserbringer werden in der Fachsprache alle Personen und Institutionen genannt, die medizinische Leistungen für die Versicherten der Krankenversicherung erbringen. Dazu zählen Ärztinnen und Ärzte sowie Therapeuten und Therapeutinnen. Auch Spitäler, Apotheken, Labors, Pflegeheime, Heilbäder und Einrichtungen zur ambulanten Krankenpflege (Spitex) sowie Transport- und Rettungsdienste gehören unter anderem dazu.

Leistungsfall Als Leistungsfall oder Versicherungsfall bezeichnet man in der Fachsprache das Eintreten eines Ereignisses (Krankheit, Unfall, Mutterschaft und Infertilität), welches eine Versicherungsleistung zur Folge hat. Wie man einen solchen Leistungsfall meldet, hängt vom Ereignis und vom gewählten Versicherungsmodell ab. Beispielsweise sind Versicherte mit einem telemedizinischen Modell verpflichtet, vor einem Arztbesuch zuerst medizinischen Rat bei Medgate einzuholen – ausser es handelt sich um einen Notfall.

Listenspitäler Jeder Kanton führt eine Liste der Spitäler, die das Angebot an stationären Behandlungen für die Einwohner dieses Kantons sicherstellen. Diese Spitäler nennt man Listenspitäler. Sie dürfen ihre Leistungen über die Grundversicherung abrechnen. Die Kantone regulieren so ihre Grundversorgung. In der Grundversicherung haben Versicherte die freie Wahl unter den vom Wohnkanton aufgeführten Listenspitälern. Wenn sich Versicherte in einem Listenspital ausserhalb ihres Wohnkantons behandeln lassen möchten, übernimmt die Grundversicherung nur unter bestimmten Voraussetzungen die vollen Kosten: Die Behandlung muss medizinisch notwendig sein, das heisst, im Wohnkanton kann die Behandlung nicht durchgeführt werden, oder es handelt sich um einen Notfall. In allen anderen Fällen übernimmt die Grundversicherung die Kosten in einem Listenspital nur bis zu einem Referenztarif. Die Differenz trägt der Patient – oder eine Zusatzversicherung mit freier Spitalwahl.

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