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Zwischenbilanz: Steiniger Weg in der Top-Liga HEITEC Volleys können die HEITEC VOLLEYS lediglich das zu Hause gewonnene Spiel gegen die Grizzlies aus Giesen nachweisen. Auch auf der Libero-Position sind die Franken Top 3: Ganze drei Japaner spielen in der Volleyball-Bundesliga und seit dem 31. Oktober darf sich der Japaner Shunsuke Watanabe als eingeschriebener Eltmanner bezeichnen.

In der Politik oder der Wirtschaft zieht man 100 Tagen nach Amtsantritt eine vorläufige Bilanz. Bei den HEITEC VOLLEYS sind es seit dem ersten Training in der Vorbereitungszeit 111 Tage bis heute. Schaut man auf die Tabelle, dann gibt es aber keinen Grund zu närrischer Freude. Auf dem letzten Platz sind die HEITEC VOLLEYS aktuell einsortiert, aus den acht Hauptrundenspielen konnten bislang nur drei Tabellenpunkte mitgenommen werden. Besonders schmerzhaft: Mit dem Spiel gegen die Netzhoppers aus Königs-Wusterhausen und dem Kellerduell zu Hause gegen den TV Rottenburg gab man zwei wichtige Spiele aus der Hand, die im Vorfeld ganz klar als machbar und verwertbar eingestuft worden waren. Für Headcoach Marco Donat extrem ärgerlich, denn die Mannschaft spielte vor dem fränkisch-schwäbischen Duell in Berlin und Friedrichshafen besonders stark auf, wirkte danach aber sehr verunsichert vor heimischem Publikum. „Wir verlieren eines der wichtigen Spiele, weil wir kein Selbstvertrauen haben. Rottenburg wollte gewinnen und wir standen uns selbst im Weg.“

„shun“ kann aus dem Japanischen mit „schnell“ beziehungsweise ziemlich frei mit „auf Zack“ übersetzt werden. Die Eltern des heute 31jährigen Liberos hatten wohl eine Ahnung, dass er sich einen Beruf aussuchen würde, bei dem Schnelligkeit und Reaktionsvermögen keine Nachteile sind. Den Mann von Japans nördlichster Hauptinsel Hokkaido hat es sehr kurzfristig ins beschauliche Frankenland verschlagen. Und dass, obwohl er verheiratet ist und 2 Töchter von 2 und 4 Jahren hat, denn die Familie bleibt erst mal in Japan. Keine einfache Situation für den Libero, bei dem WhatsApp im Moment zum wichtigsten Medium avanciert ist, um mit seiner Familie in Kontakt zu bleiben. Doch nach 9 Jahren Erfahrung in Japans Topliga- Club Toray Arrows und einem Jahr als Libero für die „Drachengötter“ - Nippons Volleyball-Stolz und Nationalmannschaft stapelt da nicht tief - suchte Watanabe die Herausforderung in der Volleyball-Bundesliga. Bei seinem Team hatte er bereits nach 15 Sekunden seinen Spitznamen weg: „Shuni“ verpassten ihm die Eltmanner, in Anlehnung an den auch in Asien hochgeschätzten Rennfahrer. Shuni quittierte das nicht mit der üblichen asiatischen Fassung, sondern mit einem fröhlichen Lacher, die herzliche Begrüßung und die schnelle Integration in die Mannschaft gefiel ihm sehr.

Dennoch kann den HEITEC VOLLEYS nicht die Qualität abgesprochen werden, die es in Liga 1 braucht. Das zeigt besonders eindrucksvoll der Serbe Irfan Hamzagic, dieser punktet mit gleichbleibender Präzision und hat sich in acht Spielen satte sechs Medaillen als bester Spieler seines Teams abholen können. Dass er damit nicht zu den Top 3 im MVP-Ranking gehört, liegt daran, dass dieses erst nach Gold- und dann nach Silber-Medaillen für den Verlierer des Matches wertet. Und da

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Sportecho Dez 19/ Jan20  

Sportecho Dez 19/ Jan20  

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