Page 10

nachhall // manfred hojer

paar Jahre später gründete er seinen eigenen Fechtclub in Uelzen/Niedersachsen, wohin es ihn beruflich geführt hatte. Anschließend wechselte er nach Pinneberg in den hohen Norden zum dortigen VfL, einem der größten Sportvereine Deutschlands. Er engagierte sich weiter in seinem Sport und auch im Verein und war von 1993 bis 1999 Vorsitzender des VfL. Zu dieser Zeit zählte der Verein rund 5000 Mitglieder. „Da waren Top-Leute in allen Abteilungen“, erzählt Hojer, „wie beispielsweise Michael Stich im Tennis." In Pinneberg hat er viel bewegt, auch wirtschaftlich, und war natürlich weiter aktiv in der Fechtabteilung dabei.

Mit 74 Jahren WM-Zweiter geflogen“, sagt Hojer gelassen. Sein internationales Engagement stieß in Schleswig-Holstein auf offene Ohren und so wurde er 2005 zum Präsidenten des Fechterverbandes ernannt. Zwischen Kassel und Nürnberg wollte er sich schließlich mit seiner Frau einen Altersruhesitz bauen und kam 2007 zum ersten Mal zufällig zum Kirchweihfest nach Baunach, wo es ihnen beiden prompt gefallen hat. 2008 sind sie in ihr neues Haus dort eingezogen. Doch Hojer war nicht nur Funktionär. Seine sportlichen Erfolge verzeichnen eine prall gefüllte Tabelle und seine Urkunden und Medaillen eine ganze Wand in seinem Büro gleich neben dem Eingang. Sie klimpern hell und schön, streicht man mit der Hand vorsichtig darüber. Über 15 Jahre war er Mitglied der deutschen Senioren-Nationalmannschaft und dabei zumeist führend in der Equipe. Rund 50 Titel bei Landesmeisterschaften von 1985 bis 2012 gehen auf das Konto des Profis. Dazu wurde er dreimal Norddeutscher Meister (1996, 1997 und 2006), zweimal Deutscher Meister (1994 und 2002) sowie einmal Europameister (2001). Kurz vor seinem Trainer-Abschied bei der TSG 05 Bamberg holte er schließlich noch die Silbermedaille bei der WM 2011 in Porec/Kroatien im Florett-Fechten der Senioren – die Krönung einer aktiven, fechterischen Laufbahn. Gegen seinen stärksten Gegner, Gregory Avtandilov, konnte er zwar in der Vorrunde punkten, nicht aber im Finale. „Wenn man mit über 70, wie ich damals schon war, gegen einen 65-Jährigen antritt, kommt man trotz sportlichem Ehrgeiz an seine Grenzen“, erinnert er sich. Der Abschied von der Fechterei fällt Hojer nur scheinbar leicht. Viel zu sehr war er Profi, um ganz aufzuhören. Besonders jungen Besuchern erklärt er gerne, was eine Parade ist oder wie ein Angriff aussieht, zeigt ein paar Techniken und den Ausfallschritt, den es sich bei jeder Gelegenheit, wie etwa beim Zähneputzen, zu üben empfiehlt. In seinem Hof hat er für Kinder zur Ferienzeit schon Schnuppertage organisiert und Fechtbahnen aufgebaut.

2004 ging er schließlich beruflich in Pension. Seine anfängliche Auszeit führte ihn für ein halbes Jahr nach Spanien, wo er fortan regelmäßig in Nerja, einem Ort in der Provinz Malaga an der Costa del Sol, in der Fechthalle anzutreffen war. „Um die Leute auch da weiter zum Training anzuregen, bin ich einmal im Monat eine Woche nach Spanien

10

Profile for sandratrunk

Sportecho Dez 19/ Jan20  

Sportecho Dez 19/ Jan20  

Advertisement