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FENSTER

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LOKALES

Nr. 10 / 16.03.2016

PARTEIEN NUTZEN EINFLUSS DER RECHTEN TÜRKEN BEI WAHLEN

Die Grauen Wölfe sind längst in der Politik

Der ehrenwerte Altwolf „Onkel Cafer O.” war Wahlhelfer des SPÖ-Kandidaten Osman Günes. Bilder (4): Facebook

Osman Günes beim Frühlingsfest der Grauen Wölfe, April 2014. Rechts neben ihm: Alt-Präsident Ali Demir, ein Kurde.

Günes mit türkischem Ex-Botschafter Kadri Teczan (2.v.r.) vor MHP-Banner. Laut SPÖ sind es „zwei türkische Fahnen”...

Die Grauen Wölfe haben die SPÖ im Wahlkampf unterstützt, einer der ihren ist Funktionär der ÖVP. Politiker kommen zum Fastenbrechen und Dart Spielen – nur gesehen werden will keiner mit den rechten Türken. Fortsetzung von Seite 1

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hr neues Zuhause am Fuße des Plainbergs in Bergheim nennen sie auf Facebook respektvoll das „Regierungsgebäude”. Offiziell logiert in den beiden blauen Häusern am Pflegerweg 19 ein TürkischÖsterreichischer Kulturverein mit Moschee. Man habe die ehemaligen Bürohäuser mit einem Bankkredit

über 900.000 Euro und Mitgliederspenden von 30.000 Euro erworben, wird dem Salzburger Fenster beim Lokalaugenschein vorige Woche bereitwillig erzählt. Die Herren, die an der Örtlichkeit in Wahrheit das Sagen haben, sind die türkisch-nationalistischen „Ülkü”, die „Idealisten”, wie die „Grauen Wölfe” sich nennen. Sie residieren abgeschottet unterm Dach, mit allen Insignien der einst so

Alpha-Wolf Yurttas: „Ich wähle seit 1991 SPÖ und war Mitglied”

SPÖ-Gemeinderat Wolfgang Gallei beim Dart Spielen, dahinter ein Ex-Spitzenpolitiker.

gefürchteten Diaspora-Organisation. An der Stirnwand des Saals prangt der berüchtigte Wolf, zu seiner Linken die türkische Fahne mit einem Halbmond, zu seiner Rechten das Banner der ultrarechten türkischen Nationalistenpartei MHP – deren drei Halbmonde stehen für ein immerwährendes, omnipotentes Türkentum. Parteigründer Arpeslan Türkes erweist man mit mannshohen Portraits die Ehre. Er sympathisierte mit den Nationalsozialisten, die Grauen Wölfe waren als paramilitärischer Arm der Partei in den 1980erJahren für zahllose Morde an Kurden und Linken verantwortlich. Bis heute ist die PKK der Erzfeind. „Wir sind nicht extrem”

Ahmet Yurttas, seit Jänner Chef der „Idealisten”, wie die Grauen Wölfe sich nennen.

SF: Herr Yurttas, sind die Grauen Wölfe ultranationalistisch oder gar rechtsextrem, wie manche sagen?

Ahmet Yurttas: Sehen Sie mich an, schaue ich radikal aus?! Wir sind Idealisten. Wir wollen, dass unsere Kinder lernen, dass die Jungen arbeiten, dass sie ordentliche Bürger werden und das Land achten und respektieren, in dem sie leben.

SF: Die Bundes-SPÖ sagt, die Funktionäre sollen sich von Ihrer Organisation fernhalten.

Ahmet Yurttas: Das glaube ich nicht. Ich wähle seit 1991 die SPÖ und war selber lange Mitglied. Wir haben die Parteien schon sehr oft eingeladen, die kommen immer.

In Österreich ist die ultrarechte MHP durch die Türkische Föderation und die Idealisten-Vereine vertreten. In Salzburg habe man 150 Mitglieder, sagt Ülkü-Präsident Ahmet Yurttas. Aber man sei all das genau nicht, was an schlechter Nachrede kursiere. „Wir sind nicht rechtsextrem, nicht antisemitisch, ja nicht einmal nationalistisch”, versichert Yurttas. Man habe viele Kurden in den Reihen, sogar Altpräsident Ali Demir, ein Arbeiter aus dem Flachgau, sei Kurde. Viele Pioniere des Geheimbunds kamen aus Anatolien nach Salzburg. Aus Familien wurden einflussreiche

Führende Graue Wölfe im Vereinshaus Bergheim, v.l.: 8111-Taxiunternehmer und ÖVPMann Bünyamin Kurt, Präsident Ahmet Yurttas, Transportunternehmer Sinan Kuyucu. Fotos (2): Sonja Wenger

Clans, die Firmen im Import-Export und Transportgewerbe, Friseur- und Goldgeschäfte gründeten oder sich als beliebte Kebab-Wirte in der Altstadt niederließen. Der selbstständige 8111-Taxifahrer und bekennende Ülkü, Bünyamin Kurt, ist auch Wirtschaftskammerrat der ÖVP. Die Jungen lesen Koran Die zweite und dritte Generation spricht zwar perfekt Deutsch, definiert sich aber weniger als „stolze Österreicher”, sondern vielmehr als „Muslime”. So lernen die Welpen („Ülkü Ocagi Genclik Kollari”) zwar schon im Windelalter den Wolfsgruß, aber sie müssen „auch den Koran studieren und Suren lernen”, betont Ex-Jugendobmann Baris O. Fakt ist, dass der Verfassungsschutz nichts Negatives über die Szene sagen kann, so Oberstleutnant KarlHeinz Wochermayr. Sonja Wenger

SP-SPITZE BERÄT Das SPÖ-Präsidium berät diese Woche, wie man es mit den Grauen Wölfen künftig hält, so Landesgeschäftsführer Felix Müller. Eine Bundesrichtlinie untersagt „jegliche Zusammenarbeit”. Allerdings werden die rechten Türken von Politikern von SPÖ, ÖVP und Grünen regelmäßig umworben: beim Fastenbrechen oder Dart Spielen – wie SP-Gemeinderat Wolfgang Gallei, der freilich „engagierter Antifaschist” ist. SPÖ-Gemeinderat Osman Günes wurde im Wahlkampf 2013 von Alt-Wolf Cafer O. unterstützt und erzielte ein Direktmandat. O., der „kein Wort Deutsch spricht” (Yurttas), ist auf Facebook mit der türkisch sprechenden SPÖ-Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer befreundet. Weder Günes noch der SPÖ-Landtagsabgeordnete Tarik Mete sind Mitglieder der Wölfe, versichern diese.

SF 2016 | 10  

Salzburger Fenster, Ausgabe 10, 2016

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