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50. Jahrgang, Nr. 4 Viertes Quartal: Oktober - Dezember 2013 Ausgabe für Belgien und Luxemburg Abgabepostamt: 3500 Hasselt 1 P2A8759

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Salvatorianische Hilfsaktion

Stiftung Guacamaya: ein Unterrichtsprogramm für die Erhaltung von kulturellem und natürlichem Reichtum in Guatemala Als junger Wirtschaftsstudent besuchte Herr Michael de Groot im Jahr 1989 Madagaskar und stellte fest, wie sich die schöne und wundervolle Insel allmählich in eine Mondlandschaft verwandelte, weil die Menschen dort einen Raubbau in großem Maßstab betrieben: Wälder wurden gerodet, um Felder zu bestellen. Dadurch kam ihm der Gedanke, sein Wirtschaftsstudium mit dem Schreiben einer Arbeit über die „nachhaltige Nutzung des Tropenwalds” abzuschließen. Einige Jahre später zog er nach Guatemala, wo er seine Ideen in die Praxis umsetzen konnte, und er gründete die Stiftung Guacamaya, die sich für die Erhaltung des natürlichen und kulturellen Reichtums einsetzt. Eine der wichtigsten Aktivitäten des pädagogischen Zentrums, El Corazal, ist die Verbesserung des Bildungsniveaus von Mayakindern und die Förderung der nachhaltigen Landnutzung. Aus der langen Geschichte, die er uns schickte, haben wir die folgende Zusammenfassung herausgefiltert. Entwaldung in Guatemala Sechs Jahre lang lebte Michael de Groot in einem kleinen Mayadorf in Guatemala. Auch dort wurde viel Wald abgeholzt, um eine wenig rentable Landwirtschaft und Viehzucht zu betreiben. Den Menschen wurde jedoch nicht bewusst, dass mit dem Wald auch Baumaterial wie Holz sowie Palmblätter, Früchte, Nüsse, Pilze, Heilpflanzen und andere wertvolle Erzeugnisse verschwanden. Brennholz, das früher kostenlos in den Wäldern gesammelt werden konnte, ist inzwischen ein teures Produkt geworden, das bezahlt werden muss.

pflanzen einen eigenen Wald“ besteht aus acht kurzen Geschichten über die Kinder Juanito und Maria, die einen eigenen Wald anpflanzen, und den Einfluss, welchen dies auf die Entwicklung ihrer Zukunft ausübt. Nach dem Ablauf des Programms bekommen die Kinder kleine Bäume und eine Bambuspflanze, um genau wie Juanito und Maria ihren eigenen Wald anzupflanzen. Im pädagogischen Zentrum El Corazal unterrichtete Michael diesen Lehrstoff persönlich einem knappen Dutzend kleinerer Gruppen und stellte fest, dass die Geschichte die Kinder enorm ansprach. Als die Lehrer von diesem Programm hörten, kamen sie nach einigen Wochen spontan ins Zentrum, um mehr über das Lehrprogramm über die Wiederaufforstung zu erfahren.

Lehrprogramm über Wiederaufforstung Weil Michael feststellte, dass Erwachsene nicht sehr aufgeschlossen sind, wenn es darum geht, ihre Lebensweise zu ändern, entwarf er im Jahr 2012 ein Unterrichtsprogramm über die Wiederaufforstung. Eigenartigerweise waren diese Lektionen nicht auf Erwachsene, sondern eher auf Kinder ausgerichtet. Der Lehrstoff mit dem Titel „Juanito und Maria

Vor kurzem, im Juli 2013, ist dieses Programm in der Form eines Arbeitshefts gedruckt worden, das aus den acht Geschichten mit jeweils einigen Fragen, einer Übung und einer Zeichenaufgabe besteht. Die


Lehrer fanden das Heft sehr praktisch und somit war wieder sehr viel Interesse für dieses Programm gewonnen. Inzwischen haben schon 20 Grundschulen und 10 Oberschulen an diesem Programm teilgenommen, wodurch mehr als 1 000 Kinder begonnen haben, einen eigenen Wald anzupflanzen.

Entwicklung weiterer Lehrprogramme Weil die Geschichte über die Wiederaufforstung solch einen Erfolg kannte, beschloss Michael, auch ein Lehrprogramm über den Anbau von Gemüse und die Haltung von Hühnern zu entwickeln. Er stellte nämlich fest, dass schätzungsweise 70 % der MayaKinder in Guatemala chronisch unterernährt sind. Die Basismahlzeit besteht nur aus Tortillas, die aus Mais und schwarzen Bohnen zubereitet werden. Obst, Gemüse und Fleisch werden so gut wie nicht gegessen. In der Geschichte dieser neuen Lektionen spielen Juanito und Maria wieder die Hauptrolle. Sie richten einen Gemüsegarten ein und halten Hühner. Der Lehrstoff enthält eine aktive Komponente, wobei die Kinder lernen, wie sie ihren Garten einzäunen und das Saatgut und die Pflanzen pflegen müssen. Mit Bambusstäben lernen sie, wie sie ein kleines Hühnergehege einrichten, sodass die Hennen und Küken in einer sicheren Umgebung leben und nicht mehr den Raubtieren zum Opfer fallen oder durch die schlechten Wetterbedingungen krank werden. Weil der Anbau und die Nutzung von Bambus in verschiedenen Bereichen eine Rolle spielt, wurde auch ein Lehrgang für die Herstellung von Bambusmöbeln organisiert. Zwei Mädchen, Glendi und Isabel, erwiesen sich dabei als besonders talentiert und sehr motiviert. Nachdem sie sich noch einige weitere technische Fertigkeiten angeeignet haben, erhalten beide regelmäßig neue Aufträge und verdienen inzwischen pro Tag doppelt so viel wie ein gewöhnlicher Landarbeiter.

Der Erfolg zweier Kinder: Delmi und Juanito Es sind die Kinder selbst, die das Projekt in die Tat umsetzen müssen. Michael sagt, dass er die Kinder zwar mit lustigen Geschichten und schönem Material begeistern kann, aber die Arbeit müssen sie selbst erledigen. Viele Kinder geben glücklicherweise ihr Bestes, um einen eigenen Wald, Hühnerstall und Gemüsegarten einzurichten. Ein leuchtendes Beispiel dafür ist die zwölfjährige Delmi. Für ihr Alter ist sie sehr klug und engagiert. Aus dem Material, das ihr nach den Lektionen mitgegeben wurde, hat sie einen schönen Hühnerstall aus Bambus errichtet und einen Gemüsegarten angelegt. Sie ging mit Begeisterung an die Arbeit und arbeitete sehr präzise. Wenn ein Nagel schief war, schlug sie ihn wieder gerade, damit der Stall so schön wie möglich wurde. Beim Säen in ihrem Garten ging sie zusammen mit ihrer jüngeren Schwester sehr sorgfältig vor. Als Michael sie besuchte, lud sie ihn ein, sich das Gelände anzusehen, auf dem sie zwei Jahre zuvor die Bäume und den Bambus gepflanzt hatte, die er ihr gegeben hatte. „Sehen Sie“, sagte das Mayamädchen, „hier stehen die Melinabäume, dort der Bambus und hier der Mahagoni. Ich hatte auch ein Zederbäumchen gepflanzt, aber das hat jemand beim Reinigen des Geländes umgehackt.” Von all den Bäumen, die Delmi gepflanzt hatte, war also nur eines verloren gegangen. Zum Schluss zeigte sie Michael auch noch den Baumspinat (Chaya), den sie hinter ihrem Haus gepflanzt hatte und der inzwischen zu einem richtigen Baum herangewachsen war, von dem sie regelmäßig Chaya ernten können.

Ein anderes schönes Beispiel ist jenes von Juanito. Dieser Junge hat zusammen mit seinen Brüdern und seiner Schwester im Jahr 2009 als erster einen eigenen Wald angepflanzt. Mit einem breiten Lächeln auf ihren Gesichtern posierten sie zusammen unter dem höchsten Baum von 10 Metern. Stolz erklären sie, dass sie über genug Holz verfügen werden, wenn sie später ihr Haus bauen und Möbel anfertigen wollen. Sogar einige Brüllaffen, die in dieser Gegend


aufgrund der Entwaldung nicht mehr vorkamen und mit dem Aussterben bedroht sind, haben sich in ihrem Wald eingefunden. Glücklicherweise gibt es noch viele andere Kinder, die wie Delmi und Juanito die angebotene Hilfe mit beiden Händen ergreifen und versuchen, ihrer Zukunft eine positive Wende zu geben. Institutionelles Interesse für das Projekt Inzwischen erhält das Projekt mehr Bekanntheit, und durch die positiven Erfahrungen, die von Kollegen gesammelt wurden, melden sich immer mehr Schulen zu den Unterrichtsprogrammen an. Michael gab eine Präsentation des Projekts für die zuständigen Beamten in der Provinzabteilung des Kultusministeriums. Diese waren besonders begeistert über das Projekt und inzwischen wurde jede Mitwirkung zugesagt, um das Projekt zu verbessern und zu erweitern. Das Kultusministerium weist zahlreiche Schulen auf das Projekt hin und weckt das Interesse der Lehrer. Eine große Schulgemeinschaft aus der größten Stadt dieser Region, La Libertad, will sich 2014 am Projekt beteiligen. In Zusammenarbeit mit der örtlichen Abteilung des Kultusministeriums und der Schulgemeinschaft in La Libertad kann das Projekt in der Zukunft nun erheblich ausgeweitet werden. 2013 besuchte die lokale Nichtregierungsorganisation Defensores de la Naturaleza das Zentrum. Dieser Naturschutzverband ist in Guatemala allseits bekannt und verwaltet den Nationalpark Sierra de Lacandon. Die Delegation war vom Zentrum und seinen Tätigkeiten sehr beeindruckt und schlug eine Zusammenarbeit vor. Inzwischen sind fünf Schulen aus der Pufferzone des Parks in das Unterrichtsprogramm aufgenommen worden und der Naturschutzverband hat dem Projekt 3 000 Mahagonibäume geschenkt. Außerdem hat Defensores de la Naturaleza im Zentrum einen Lehrgang für Dorfoberhäupter organisiert und versprach jetzt schon eine weitere Zusammenarbeit im Jahr 2014. Schließlich besuchte auch noch eine Delegation der mexikanischen Universität Universidad Politecnica

Mesoamericana das Zentrum. Die Mexikaner waren ebenfalls von den verschiedenen Projekten enorm begeistert. Die Universität arbeitet an einer Studie über den Umgang mit natürlichen Rohstoffen und will jetzt Studenten aus den entsprechenden Studiengängen praxisorientierte Forschungen im Zentrum durchführen lassen. Gegenstände dieser Forschung sind der Anbau und die Nutzung von heilkräftigen Pflanzen sowie der Anbau und die wirtschaftliche Nutzung von ‘Guano’, einer Palme, die beim Bedecken von Dächern eingesetzt wird. Die Salvatorianische Hilfsaktion ist froh, feststellen zu dürfen, dass dieses pädagogische Bildungsprogramm einen großen Beitrag zur Entwicklung einer ganzen Region leistet. Vor allem, wenn Kinder und Jugendliche so intensiv am Projekt beteiligt werden. Sie sind schließlich die Zukunft des Landes. Durch einfache Techniken und auf spielerische Weise werden diese Kinder jetzt schon darauf vorbereitet, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen und den Wert ihres kulturellen und natürlichen Reichtums zu respektieren. Aber für solch ein schönes und wertvolles Bildungsprogramm ist Geld nötig! Die Salvatorianische Hilfsaktion möchte dieses Projekt der Stiftung Guacamaya gerne mit einem Betrag in Höhe von € 5.000 unterstützten und ruft deshalb ihre treuen Wohltäter auf, eine Überweisung für Projekt 13/025 zu tätigen. Im Namen von Delmi, Juanito und allen anderen Maya-Kinder bedanken wir uns herzlich! P. Gerry Gregoor


Weihnachts- und Neujahrswünsche Liebe Freunde, Mit Freude möchten wir allen unseren Lesern von ganzem Herzen frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr wünschen! Durch Ihre Unterstützung, Ihr Mitgefühl und Ihr Gebet hat die Menschwerdung Christi im vergangenen Jahr eine konkrete Gestalt und Ausstrahlung erhalten. Durch die Feier unseres 50-jährigen Jubiläums war dieses vergangene Jahr ein sehr besonderes Jahr für uns. Es war für uns eine schöne Gelegenheit, allen unseren Wohltätern, Lesern und Sympathisanten für die vielen Jahre treuer Unterstützung der Salvatorianischen Hilfsaktion herzlich zu danken. Denn dadurch haben Sie einen schönen Beweis für Solidarität und Mitgefühl mit so vielen Menschen in den Entwicklungsländern gegeben. Tausende Bedürftige, Kranke, Behinderte und Kinder haben durch Ihr Zutun eine neue menschenwürdige Existenz aufbauen können. So etwas wollen wir nicht vergessen und wir sind Ihnen dafür enorm dankbar! Denn wir wissen, dass wir auch in der Zukunft wieder auf Ihr Vertrauen und Ihre Mitwirkung rechnen dürfen, um segensreich und dienend in der Welt anwesend zu sein. Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie den tiefen weihnachtlichen Frieden und viel Glück und Segen für das neue Jahr 2014. Mit unserem großen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, Verbundenheit und Solidarität. Nochmals allerbeste Wünsche und herzlichen Dank!

(Nur für Belgien: Spenden von € 40,- insgesamt oder mehr pro Jahr können vom besteuerbaren Einkommen abgezogen werden. Der Beleg wird Ihnen automatisch im Februar des nächsten Jahres zugeschickt. Auch Messstipendien für die Länder im Süden kommen hierfür in Anbetracht.) Manch einer möchte seinen Beitrag eine persönliche Note geben, möchte gerne Kontakt mit den Ländern im Süden pflegen und genau wissen, was mit seiner Geldspende geschieht. Dieser Wunsch ist berechtigt. Solche Spender möchten wir auf unsere Patenschaftsaktion hinweisen und ihnen anraten, ein Kind finanziell zu adoptieren. Durch einen Beitrag von € 16, 50 pro Monat sorgen Sie für die Erziehung eines bedürftigen Kindes in einem Land im Süden. Sie erhalten Namen und Foto des Kindes sowie die Anschrift des Missionars, der für ihre Kontaktaufnahme mit dem Kind und dessen Familie sorgt. Es besteht auch die Möglichkeit, sich an einer Gruppenpatenschaft, z.B. zur Unterstützung eines Waisenhauses, zu beteiligen. Wir wissen, dass bei solchen Aktionen Missbräuche entstehen können. Deshalb wird vor Ort ein Missionar mit dieser Aktion betraut, den wir persönlich kennen und für den wir uns verbürgen. Auf Anfrage erteilen wir Ihnen gerne nähere Auskunft über diese Aktion, falls sie Ihnen gefällt. Unterstützen Sie unser Werk! Haben Sie jemals daran gedacht, dass es möglich ist, die Salvatorianische Hilfsaktion als Miterbe in Ihrem Testament aufzunehmen? Auf diese Art und Weise können Sie unseren bedürftigen Mitmenschen in den Ländern im Süden ausgezeichnet helfen. Dazu brauchen Sie in Ihrem Testament nur z.B. nachfolgende Satz einzufügen: “Ich hinterlasse der Salvatorianischen Hilfsaktion, ‘t Lo 47, B – 3930 Hamont eine Summe von €...... “. Wenn sich aus irgendeinem Grund Ihre Anschrift ändert und Sie weiterhin unsere Zeitschrift empfangen möchten, bitten wir Sie, uns so schnell wie möglich Ihre neue Anschrift mitzuteilen. Unsere Adresse in Belgien: Salvatorianische Hilfsaktion, ‘t Lo 47, B – 3930 Hamont

Kolophon Redaktion: P. Gerry Gregoor Lay-out: P. Paul Frederix Fotonachweis: Stiftung Guacamaya

Verantwortlicher Herausgeber: Salvatorianische Hilfsaktion ´t Lo 47 B –3930 Hamont

Druckerei: T. Boonen, Hamont (B) Tel.: 0032 11 44 58 21 Fax: 0032 11 44 73 93

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Zeitschrift 04/2013 Belgien