SLOW REGION. (ER)LEBEN.

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SLOW REGION. (ER)LEBEN. Wëlle Westen im Guttland.

Leitfaden zur Tourismusentwicklung der 360° Slow Region zwischen Atert und Wark im Guttland/Luxemburg




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Gérard Anzia. Präsident LEADER-Region Atert-Wark

VORWORT

Slow Region und Wëlle Westen. Wie passen diese auf den ersten Blick gegensätzlichen Begriffe zu unserer Region? Kommt das Slow vom langsamen Reagieren einer ganzen Gemeinschaft auf eine sich schnell verändernde Wirklichkeit? Bezieht sich die Bezeichnung „Wëlle Westen“ auf die Mentalität seiner Einwohner, die den Pioniergeist in sich tragen und ungern einen vorgegebenen, ausgetretenen Pfad einschlagen? Oder schießen hier gar einige wild gewordene Desperados ohne Vorwarnung aus der Hüfte? Es gibt doch nichts Schöneres, als Klischees zu bedienen ... Der „Wëlle Westen“ Luxemburgs zeichnet sich sicherlich durch seine Vorreiterrolle im Bereich der erneuerbare Energien sowie durch seine exemplarische interkommunale Zusammenarbeit betreffend Soziales und Arbeitsplätze, Klima- und Umweltschutz aus und bestärkt während dieser Leader-Periode durch sanfte Mobilität und nachhaltigen Tourismus. Dieser Pioniergeist mit seinem Mut, neue Wege einzuschlagen, sich gegenüber anderen positiv zu unterscheiden, dem Innehalten, sich auf das Wertvolle und Authentische einer Region und seiner Bewohner zu besinnen – all diesem trägt der vorliegende Leitfaden zur Tourismusentwicklung Rechnung. Er zeigt spannende Pisten auf, die jeden Tourismus-Desperado aus der Reserve locken werden und die Region „Wëlle Westen“ auf der Tourismuslandkarte Luxemburgs neu positionieren. Wir trauen uns,

Yee-haw! 5


Impressum

Auftraggeber und für den Inhalt verantwortlich: Groupe d’Action Locale Atert-Wark 34, Grand-Rue, L-8510 Redange, Luxemburg Urheber/Kreation/Auftragnehmer: Redaktion, Gestaltung, Inspiration und Begleitung Saint Elmo’s Tourismusmarketing, Team Tourismusmarketing GmbH, Karolingerstraße 1, 5020 Salzburg www.saint-elmos.travel, ®2019, alle Rechte vorbehalten. Autoren und Projektbearbeiter: Der vorliegende Konzept-Leitfaden wurde verfasst vom Team Tourismusdesign in Wien, Saint Elmo’s Tourismusmarketing unter konzeptioneller und redaktioneller Beteiligung von Renate Bauer und Martin Schobert sowie Grafik und Layout Maximilian Hammerl. Urheberrecht: Alle Bestandteile des vorliegenden Konzepts sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes und der Vereinbarung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer/Urheber/Autoren ohne schriftliche Zustimmung von Saint Elmo’s Tourismusmarketing, Team Tourismusmarketing GmbH ist unzulässig und strafbar bzw. wird ausdrücklich gerichtlich verfolgt. Dies gilt insbesondere für die Weitergabe (auch nach Projektabschluss) an unbeteiligte Dritte sowie für die Vervielfältigung, Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie die bildliche Dokumentation und Verfilmung und Verteilung in jeglichen elektronischen Medien. Die Nutzung des Konzepts durch Dritte im Rahmen der Projektumsetzung ist jedoch ausdrücklich zulässig.

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INHALT

AUF EINEN BLICK.

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SLOW-KRITERIEN.

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EIN PLÄDOYER FÜR SLOW.

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GEMEINSAME IMPULSE SLOW REGION.

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SLOW BUSINESS IM TOURISMUS.

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SLOW-KONZEPT FÜR AUSGEWÄHLTE ORTE UND INSTITUTIONEN.

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SLOW TOURISM IN LUXEMBURG.

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IDEE, ZITATE UND VORSCHLÄGE.

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UNSERE GÄSTE DER ZUKUNFT.

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SLOW 360 GRAD.

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Auf einen

BLICK


Markenessenz Slow Region. (Er)Leben. Wëlle Westen im Guttland.

10x Wëlle Westen Wer wir sind und was wir wollen.

Slow Region

Dorfkultur

Land(er)leben.

zwischen den Flüssen Atert und Wark.

im Westen Luxemburgs bewahren.

Regionale Produkte und traditionelle Methoden erhalten.

Lëtzebuergisch

Wild sein,

Pioniergeist

kultivieren.

grün, intakt, echt, quer- und vordenken.

leben. Tun statt reden.

Slow Society.

Slow Business.

Slow Trips.

Originalen aus dem Guttland begegnen.

Anders mobil

sein und Tourismus machen.

Unsere Lebenskultur erfahren.

Langsam

reisen. Sich selbst kennen lernen.

Marken-Story

Wëlle Westen ist eine idyllische Landregion im Guttland, im äußersten Westen Luxemburgs. Das „Wilde“ an dieser Landschaft zwischen Atert und Wark ist, dass Dorf- und Landleben in dieser Region noch „so wie früher“ ehrlich und intakt sind. Gemeinsamkeit, Achtsamkeit und Sinnlichkeit werden hier nicht nur gelebt, sondern haben auch Bedeutung. Lëtzebuerger, die hier heimisch sind, erkennen in der Langsamkeit nicht das Gegenteil von „schnell“, sondern, dass ein Lebensstil „Slow“ hier eine spirituelle, kraftspendende Bedeutung hat. Diese Haltung kann man nur selbst erfahren und in der Slow Region (er)leben. Wëlle Westen im Guttland.

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Ein

PLÄDOYER für SLOW Slow steht für unsere Haltung.

Uns geht es dabei nicht um Langsamkeit als Selbstzweck, sondern um angemessene Geschwindigkeiten und Veränderungen in einem umfassenden Sinn: im Umgang mit sich selbst, mit den Menschen und mit der umgebenden Natur. Die schnelllebige Welt bietet wenig Beständigkeit und Zeit zum Durchatmen. Zeit wird zum kostbaren Gut. Steigende Anforderungen im Beruf und vielfältige Aufgaben des Alltags, bei gleichzeitig immer neuen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung: Viele Menschen haben das Gefühl, dass die Zeit für die wichtigen Dinge im Leben zu kurz wird. In der Konsequenz möchten sie entschleunigen und wünschen mehr Zeit für sich, ihre Familie und Freunde. Das Leben in der Dorfgemeinschaft bekommt wieder Bedeutung. Ausheimische erinnern sich an idyllische und sinnliche Momente am Land. Ausheimische sind Einheimische, die nach Jahren der Lehre in der Fremde zurück in ihre Heimat kehren. Zurück an diese besonderen Orte, die mit ein wenig Achtsamkeit wieder jene Inspiration geben, die man als Kind so oft verspürte. Die Gemeinschaft des noch intakten Dorf- und Landlebens gepaart mit der Erfahrung des langsamen Reisens erzeugt eine besondere – fast spirituelle – touristische Erfahrung. Sie stillt die Sehnsucht der Städter nach Authentischem, Bodenständigen und dem Gefühl von Heimat. Sie gibt Regionen eine neue Bedeutung und Zukunftsorten eine Aura des Wertvollen. Daraus werden in Zukunft neue Geschäftsmodelle im Tourismus bedient. Auch Reisen bekommt wieder jene wertvolle Bedeutung als inspirierende Begegnung von Lebenskulturen.

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SIGNALE EINER NEUEN ÄRA DES REISENS „Zeit ist kostbar, also nutzen wir sie.“ „Entschleunigung ist die neue Dynamik.“ „Ultralokal ist das neue Fernweh.“ „Achtsamkeit ist Lebenskunst.“ „Live like a local.“ „Rurban = rural & urban.“

„Lange hat sich das Design vom Handwerk distanziert. Im Zeitalter des Digitalen aber wächst die Sehnsucht nach authentischen Dingen und realen Erfahrungen.“ Markus Frenzl, Professor für Design- und Medientheorie and der Hochschule München (A&W Magazin 5/16)

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Was ist Slow-Tourismus? Tempo drosseln

die Komfortzone ausweiten

bewusst ausgeben

vereinfachen

Fuß fassen

Dankbarkeit zeigen

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Plänen loslassen sich einfügen

auf Fremde vertrauen

das Gewöhnliche wertschätzen


Und „Slow Travel“ - was bedeutet „langsam Reisen?”

Reisemotive und Reisearten in Zeiten des „Slow“-Trends1

Regionalität und Genusstourismus: Unter „Gut, sauber, fair“ fordert die Slow Food Stiftung von Carlo Petrini ein „Menschenrecht auf Genuss“ und betreibt Initiativen wie die Messe Terra Madre, die Auszeichnung Città Slow, initiiert im internationalen Slow-Food-Netzwerk touristische Initiativen wie die Slow Food Region Kärnten. Stark steigender Nachfrage erfreuen sich auch Fastenaufenthalte – keinesfalls steht Kulinarik dabei im Hintergrund. Für beide Reisearten sind Motive des „Slow“-Trends Auslöser der Nachfrage: Reduktion auf Regionalität, wertvolle Produkte, alte Herstellungsmethoden und die Begegnung mit Menschen, die dieses Wissen und diese Traditionen bewahren.

Naturtourismus: „Zurück ins Paradies“, „Grüne Welten“ (TUI-Katalog) oder „Fahrziel Natur“ (Kampagne der Deutschen Bahn) sind Botschaften zur Bewerbung naturtouristischer Angebote. Natur und Heimat, verbunden mit Romantik und Emotionalität löste die stagnierende Zeitschriften-Branche aus ihrem Dornröschen-Schlaf, wie die boomende Zeitschrift Landlust seit Jahren beweist. Ob Wasser-, Kanu-, Wander-, Radwander- oder Gartentourismus – die Sehnsucht nach Nähe zur Natur und die touristische Nachfrage danach groß. Touristische Herausforderung ist hingegen das Erzielen von Wertschöpfung, da die Natur selbst im Prinzip ja kostenlos konsumierbar ist. Parkplatzbewirtschaftung, Naturführer, ausflugstouristische Services wie Natur-Workshops und Wald-Seminare sind Optionen zur Finanzierung touristischer Initiativen. Ein neuer lokaltouristischer Trend in diesem Segment ist „QuerfeldeinWandern“: Man nimmt den nächsten Zug, fährt in eine beliebige Richtung und geht querfeldein nach Hause, um die unbekannte Heimat kennenzulernen, die vor der Haustüre liegt.

Kulturtourismus: Authentische Erinnerung, kulturhistorische Artefakte und Begegnung mit der Lebenskultur und Stand-Up oder Mitmach-Kultur bis hin zum CoWorking, Co-Crafting und Co-Culture sind die Treiber der touristischen Nachfrage nach Kultur. Touristische Inszenierung mit „slow“-Inhalten ist vielen Kulturstätten, Kulturhäusern oder Kulturanbietern oft fremd. Slow Culture bedeutet, beim Besuch einer Dichterstätte noch den Geist des Schriftstellers zu spüren, wenn die Aura der Kirche durch den Geruch nach Weihrauch und Kerzen noch nicht verflogen ist. Oder der selbst gebackene Kuchen, dessen molliger, wohltuender Geschmack intensiv von der Lebenskultur in Luxemburg erzählt.

Quelle (auszugsweise) und Inspiration zur Definition in diesem Leitfaden: „Slow Tourism – Reisen zwischen Langsamkeit und Sinnlichkeit“; Christian Antz, Bernd Eisenstein, Christian Eilzer; 2011

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Gesundheitstourismus: Gesundheit als weltweiter Megatrend beschäftigt den Tourismus heute weit mehr als in Kuranstalten und WellnessHotels. Selfness, Yoga-Retreats, Heilfasten, Schweigeseminare, Digital Detox, Entschlackungsund Entschleunigungskuren oder Klausuren in Klöstern sind nur eine kleine Auswahl der „heilenden“ gesundheitstouristischen Angebote, die in Richtung „Langsamkeit“ weisen. Enormes Wachstum verspricht auch der auf Prävention aufbauende Gesundheitsmarkt, z. B. Osteoporose-Vorsorgewochen sind eines von vielen medizin-touristischen Angeboten im Trend. Neue „Slow“-Angebote schießen wie Pilze aus dem Boden, z. B. Atemorte, der persönliche Ruheort, Ursprungsorte, Waldbaden, Lebensresort, IchZeit – große Aussichten für achtsame, entschleunigende, reduzierte touristische Erfahrungen und Leistungen.

Städte-Tourismus: Beim Reisen wird Heimat in den nächsten Jahren DER Zukunftsmarkt werden. Kopenhagen Tourismus benennt deren Tourismus-Vision schlicht „Localhood“, da sie die Begegnung mit der unmittelbaren Nachbarschaft als große Chance zur Differenzierung sehen. Es geht aber noch intensiver: Urlaub auf Balkonien, Cocooning oder Couchsurfing reduzieren das Reisen auf ein Minimum. „Slow“ bedeutet dabei das Extrem, sich als Reisender gar nicht zu bewegen, sondern die Reiseerlebnisse zu sich nach Hause zu holen: Der Strandkorb am Balkon, das Zuhause als das gemütlichste Hotelzimmer der Welt oder gleich die Urlaubsbekanntschaften noch vor dem Kennenlernen zu sich nach Hause einladen, ist die polarisierende Variante dieses Tourismustrends. Airbnb ist dabei die kommerzialisierteste und globalste Variante dieses Trends, House-Sharing oder Homelidays die rurale und ferientouristische Erweiterung dieses städtetouristischen Nachfragetrends.

Bild unten: Leader Region Atert-Wark

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Touren- und Aktivitäten-Tourismus: Airbnb hat schon früh Unterkünfte um Concierge-Services, RestaurantEmpfehlungen und vor allem Airbnb Experiences ergänzt. Auch Woofern (Mitarbeiten, z. B. https://wwoofinternational.org oder www.tribewanted.com) zählt zu den intensiven Wünschen der Reisenden, das Gefühl von echter Heimat zu erfahren. Ziel ist, temporär so zu leben wie die Menschen, die hier leben. Withlocals.com, mealsharing.com oder myAthens.thisisathens.com verbinden Reiseerfahrungen und Begegnungen mit Menschen, die an diesem Ort leben. Activity Booking Engines wie Regiondo, Trekksoft, BookingKit und Erlebnis-Plattformen wie Getyourguide, Jollydays, Jochen Schweizer & Co verbinden heute Gäste mit ultra-lokalen Erlebnissen und machen diese buchbar.



SLOW BUSINESS im TOURISMUS WOZU BRAUCHT ES SLOW BUSINESS IM TOURISMUS? Touristische Wertschöpfung aus Slow-Erlebnissen entsteht, weil schlichtweg nicht alles schneller wird. Zahlreiche Beispiele touristischer Inszenierung, Kommunikation und Markenführung (Albergo Diffuso, Bergsteigerdörfer, Alpine Pearls, Cittàslow, ...) beweisen, dass Slow als nachhaltiges touristisches Angebot auch betriebswirtschaftlich erfolgreich geführt werden kann. Folgende Nachfragemotive sind Auslöser der steigenden Nachfrage nach Slow-Reiseerfahrungen: • • • •

Localhood als Reisemotiv. Zeit ist der neue Luxus. Leitsatz: Besser statt schneller. Entschleunigung, Ankommen, Entlastung, Entfalten. • Achtsamkeitstrend – Beispiele: „Digital Detox“, „mit Worten fasten.“, „den Blick ruhen lassen“ • Innovationen: den Blick erweitern und eine nachhaltige Perspektive einnehmen.

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• Synthese der Gegensätze schafft Wert: Kreativität braucht Konzentration. Entspannung will Bewegung und Begegnung.

WIE ENTWICKELN WIR SLOW TOURISM IM WËLLE WESTEN IM GUTTLAND?

1. Besondere Wertschätzung lokaler Eigenarten (Lebensraum, Kultur, Handwerk, Kunst, Handel, Landwirtschaft, Kulinarik ...). 2. Vertiefte, intensivere Formen des touristischen Erlebens durch Begegnung mit Einheimischen 3. Längere Aufenthaltsdauer an ausgewählten Orten 4. Erhöhtes Umwelt- und Sozialbewusstsein 5. Form und Geschwindigkeit der Mobilität 6. Erholung durch Achtsamkeit (Beobachten) und Zeit (Entschleunigen) 7. Glück durch persönliche Entfaltung (Genügsamkeit, bereichernde Erfahrungen, Heimatgefühl)

Recherchiert man die gängige Fachliteratur zu Slow Travel, umfasst Slow Tourism folgende Elemente touristischer Produktentwicklung2:

Quelle (auszugsweise): „Slow Tourism – Experiences and Mobilities“ ; Simone Fullagar, Kevin Markwell, Erica Wilson, 2012

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WAS GENAU IST ZU BEACHTEN? Das transnationale Leader-Netzwerk CultTrips hat 2013 folgende Schlüsselfaktoren für Produktentwicklung zu Slow Tourism Experiences definiert.3 Schlüsselfaktoren

Erklärung

Schlüsselwerte Kontakt zu Einheimischen

Aktivitäten, die den Gästen die Möglichkeit zur Interaktion mit der lokalen Bevölkerung geben

Storytelling

Lokale Akteure vermitteln Einsichten z. B. in regionale Geschichten, Mythen und dadurch ein Verständnis in die Kultur. Dadurch entsteht eine Interaktion zwischen dem Geschichtenerzähler und den Besuchern.

Gemeinsam lernen

Aktivitäten, die Gäste und Gastgeber zusammenbringen, z. B. bei Handwerks-Workshops, Führungen, Geschichten erzählen u. a. m.

Authentizität

Gäste werden eingebunden und können authentische Erfahrungen erleben, indem sie am realen Leben teilhaben. Dadurch erhalten sie Einsicht in die regionale Kultur.

Versteckte Schätze

Orte oder Erfahrungen, die für herkömmliche Gäste nicht zugänglich sind, aber eine CultTrips Spezialität darstellen

Werte der Nachhaltigkeit Soziale Nachhaltigkeit

Respekt vor der lokalen Kultur, deren Voraussetzungen und Erwartungen sowie Beiträge zu mehr Verständnis und Toleranz

Ökologische Nachhaltigkeit

Die Reise ist so umweltfreundlich wie möglich in allen Aspekten wie z. B. Transport, Unterkunft, Kulinarik, Verwendung erneuerbarer Energien u. a.

Ökonomische Nachhaltigkeit

Unterstützung der Integrität der lokalen Kultur durch Bevorzugung von Unternehmen, die das regionale Kulturerbe und Traditionen erhalten. Das zusätzliche Einkommen dient der ländlichen Entwicklung und kann Arbeitsplätze schaffen bzw. sichern.

Fazit: Slow Tourism und Localhood als touristische Positionierung Die oben angeführten SlowTourismus-Reisemotive und Reisearten werden in Zukunft als Erfolgsmotoren touristischer Entwicklung wirksam werden. Slow Tourism funktioniert dabei als Begriff im Tourismusmanagement, dient aber nicht als emotionaler Auslöser für touristische Aktivität.

Um „slow“-touristische Nachfrage zu bewirken, benötigt es emotionale Auslöser statt Floskeln: „wie zu Hause“, Sinnlichkeit der Natur, Treiben lassen am/mit/ um das Wasser, die Magie des Gehens entdecken, Spiritualität (Pilgerwege), Entfaltungsurlaube, Entschlackungsreisen, Terroir & ultralokaler Genuss, Flanieren im Städteurlaub statt Historie &

CultTrips Handbook Train the Trainer, Leader-Netzwerk CultTrips, 2013

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Bauten, authentische Lebenskultur statt verstaubter Kultur in Museen, Gartentourismus als Versöhnung zwischen Mensch und Natur. Slow Tourismus lässt uns künftig wohl weiterhin global denken und handeln, aber häufiger lokal reisen.

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Slow Tourismus in

LUXEMBURG


Lëtzebuergische Lebenskultur im Guttland Die Erfolgsfaktoren dänischer Lebenskultur „Hygge“ und schwedische Gelassenheit „Lagom“ dienen als „Kopier-Vorlage“ für das Gefühl im Wëlle Westen im Guttland. Auf Lëtzebuergisch übersetzt bedeutet das Gefühl in etwa so viel wie „kammoud“, „agréabel“, „léif“ und „gutt“ – Guttland eben.

Der Hygge-Trend Ein kleines

ABC

der zehn

wichtigsten Hygge-Faktoren

Harmonie

Atmosphäre

Gedämpftes Licht, bevorzugt Kerzenlicht

Halte dein Ego aus der Gleichung raus.

Dankbarkeit

Komfort

Sei den Dingen gegenüber achtsam!

Frieden

Lass das Drama ruhen, lass die Politik draußen.

Genuss

Die vier K - Kaffee, Kuchen, Kekse, Kakao

Gleichheit

Das Wir kommt vor dem Ich.

„Vor den Toren der Hauptstadt befindet sich eine verwunschene Kulisse aus charmanten Dörfern mit zahlreichen restaurierten Bauernhöfen, imposanten Schlössern und geheimnisvollen Burganlagen sowie bezaubernden Naturlandschaften.“ zitieren die TouristikerInnen auf

Entspann dich, entschleunige, lass dich fallen.

Präsenz

Schalte das Handy aus, sei im Hier und Jetzt.

Schutz

Dein „Clan“ gibt dir Schutz und Sicherheit.

Zusammensein

Arbeite an den Verbindungen zu Menschen, nicht an den Verbindungstechnologien.

visitguttland.lu ihre Liebe zu diesem Landstrich. Diese lëtzebuergische Übersetzung von „Heimatgefühl“ entsteht, wenn man aktiv am Dorfleben teilnimmt, während eines längeren Urlaubes hier die Heimat der Lëtzebuerger

kennenlernt, eine Landpartie in den Westen des Guttlands unternimmt oder entschleunigt einen Landurlaub im Wëlle Westen zwischen Atert und Wark mit ÖPNV, per Anhalter, aus eigener Kraft per pedes oder mit dem Rad bewältigt.

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So sind wir heute. In einer SWOT-Analyse haben wir den Status quo erhoben der touristischen Situation der Region zwischen Atert und Wark im Guttland. Die wichtigsten Ergebnisse sind im Folgenden zusammengefasst:

STÄRKEN • Slow wird schon in der Region gelebt und umgesetzt. • Beteiligung am transnationalen Leader-Netzwerk Slowtrips • überregionale Radwege • Regionalwährung BEKI • GRINGGO nachhaltige RegionalVermarktungskooperative • solidarische Landwirtschaft • Behindertenwerkstätten mit Inklusionsprojekten • kleinstes Dorf Luxemburgs – Rindschleiden & Thillenvogtei • Erlebnismühle in Beckerich • ultralokale Architektur (Mushrooms in Useldingen) • Schiefergruben in Obermartelingen • Lëtzebuergischer Name der Region (Wëlle Westen im Guttland) • Großregion, Belgien- und Frankreichnähe • Nähe zur Hauptstadt

Schwächen

Chancen

Risiken

SCHWÄCHEN • wenige professionell agierende Beherbergungsbetriebe • Qualität und Innovationsstau der meisten bestehenden Betriebe • kaum Privatvermieter, noch (zu) wenige touristische Attraktionen, Erlebnisanbieter ... • wenig touristische Erfahrung (v. a. Vertrieb, PR, Kommunikation, Inszenierung, Service ...) • wenig Gastronomie, viel Leerstand (Hotellerie, Gastronomie, Handel ...) • Handwerk und lokale/regionale Produkte wenig sichtbar • ÖPNV nicht für touristische Produkte geplant, abgestimmt und beauftragt

CHANCEN

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Stärken

• Es gibt bereits viele Initiativen zu „Slow“-Erlebnissen in der Region. • ab März 2020: ÖPNV frei nutzbar in Luxemburg • Integration der lokalen Bevölkerung durch soziale Tourismusprojekte • Alternative Mobilitätsangebote schaffen Nutzen für Einheimische und Gäste. RISIKEN • Slow wird von den Beteiligten nicht mitgetragen • Tourismusbewusstsein in der Bevölkerung fehlt, Wachstumspotenziale für regionale Entwicklung durch den Tourismus werden von Kommunalvertretern nicht erkannt. • fehlende Investoren • Gemeinschaftsdenken wird durch Mutlosigkeit und lokale Tristesse behindert.


„Slow Tourism“, der sanfte Tourismus, wird in der Region Guttland großgeschrieben. Zahlreiche Wander- und Radwege fördern die sanfte Mobilität, lokale Produkte haben hier Vorrang und man legt Wert auf Authentizität und Tradition. Mit einer eigenen lokalen Währung, dem „Beki“, werden im Kanton Redange die regionale Wirtschaft und Kaufkraft gestärkt. In der Erlebniswelt des Vitariums, des Besucherzentrums der Molkerei Luxlait, kann man spielerisch alles rund um das Thema Milch entdecken und sich die Produktion vor Ort anschauen. Geführte Besichtigungen zum Thema erneuerbare Energien und nachhaltige Entwicklung werden in der Beckericher Mühle angeboten. Bei traditionsreichen Festen können die Besucher, neben jeder Menge Spaß, die Brauchtümer der Region kennenlernen, wie zum Beispiel auf der „Emaischen“ in Nospelt, wo die „Péckvillercher“ (typisch luxemburgische Keramikvogelpfeifen), hergestellt werden. Besinnlicher geht es in Rindschleiden, fernab der Menschenmengen, auf dem Meditationspfad zu. Hier werden die Besucher an 12 Stationen zum Verweilen und Nachdenken eingeladen. von www.visitLuxemburg.lu

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Dort wollen wir hin: Slow Region (er)leben. Strategische Stoßrichtungen zur „Slow Region“ Wëlle Westen im Guttland „Wir sind slow“: Als „Wëlle Westen im Guttland“ bezeichnen wir die Kleinregion zwischen Atert und Wark und positionieren uns als die erste Slow Region Luxemburgs. Im Wëlle Westen im Guttland gibt es SlowInitiativen, die bereits erfolgreich implementiert sind (siehe SWOT). Doch heute sind diese touristischen Angebote der Region Wëlle Westen im Guttland kommunikativ noch nicht „unter einem Dach“ gebündelt bzw. unter einer gemeinsamen Story als „Slow Region“ vermarktet. 360° Slow setzt künftig diese Klammer.

und vermitteln Mut an Investoren, Kommunen und touristische Leistungsträger zur Inszenierung und Entwicklung von „Slow“-Erlebnissen und touristischer Wertschöpfung mit „Slow“-Erfahrungen im Wëlle Westen.

In der touristischen Produktentwicklung geht (ultra)lokal vor regional vor international.

Mut zum „Lëtzebuergischen“: Die Sprache als sichtbarer Ausdruck der Luxemburger Lebenskultur soll auf Leitsystemen, Speisekarten, in Bezeichnungen touristischer Produkterlebnisse und in Überschriften touristischer Kommunikation eine Begegnung mit der Lëtzebuergischen Lebenskultur ermöglichen. Es ist also nicht das Luxemburger „slow“, wenn „slow“ draufsteht! Es soll vielmehr „kammoud“, „agréabel“, „léif“ und „gutt“ sein.

Durch Gründung einer professionellen Tourismusinformation steuern wir die touristische Produktentwicklung und Kommunikation gemeinsam mit dem regionalen Tourismusverband (ORT Guttland)

Als Kleinregion zwischen Atert und Wark und Teil der Region Guttland leben und entwickeln wir den Verhaltenskodex und die Slow-Kriterien „Wëlle Westen im Guttland“ laufend gemeinsam weiter.

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Das sind wir. Wir leben „slow”. Als Kleinregion Wëlle Westen zwischen Atert und Wark im Guttland zeichnet uns heute schon aus: SLOW REGION. Wir lieben das Dorf- und Landleben zwischen den Flüssen Atert und Wark im Westen des Guttlands. PIONIERGEIST leben. Tun statt reden. Wir leben Slow-Projekte schon seit Jahren, ohne sie so benannt zu haben. DORFKULTUR im Westen Luxemburgs bewahren. Wir sind Dorfleben. Wir fühlen uns wie das berühmte gallische Dorf – nur im Wëlle Westen Lëtzebuergs. LAND(er)LEBEN. Regionale Produkte und traditionelle Methoden erhalten. Wir leben das Land. Lokale Produzenten, unser Hände Werk und Lust auf Traditionen und das gemeinsame Leben machen uns stark.

WILD sein. Grün, intakt, echt, quer- und vordenken. Wir sind Slow-Botschafter. Wir sensibilisieren den Trend zu Slow. SLOW SOCIETY. Originalen aus dem Guttland begegnen. Wir wollen Lëtzebuergisch kultivieren. Slow Business. ANDERS MOBIL sein und TOURISMUS machen. SLOW TRIPS. Unsere Lebenskultur erfahren. LANGSAM reisen. Sich selbst kennenlernen.

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gutt und kamoud, „léif“ und „agréabel“

- oder wie aus Texten Geschichten entstehen. Lëtzebuergisch! Das ist unsere Sprache. Die Verwendung der landestypischen Sprache ist sinnvolles Vermitteln der lokalen Lebenskultur. Wir versuchen, sichtbar und deutlich Elemente des Lëtzebuergischen in die touristische Markenführung und Kommunikation der Region, in die Produktentwicklung (Bezeichnung der Produkte in Landessprache), die Besucherlenkung (Beschilderung), aber auch die Services (Speisenbezeichnung in Lëtzebuergisch mit „Untertitel“) zu integrieren. Ein sichtbares Zeichen setzen. Ein ideales Symbol für Slow Region – Wëlle Westen bildet „Enso“, der Kreis der Entschleunigung. Dieser Kreis beschreibt unsere Gemeinschaft, die Kleinregion zwischen Atert und Wark im Guttland und beschreibt auf bedeutsame, nonverbale Weise Sinn und Zweck unserer Haltung: „Slow“- die Zukunft für Wachstum unserer Region.

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Enso, Kreis der Entschleunigung.

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GÄSTE ZUKUNFT.

Unsere der


Wer soll künftig unser Gast in der Region Wëlle Westen im Guttland sein? Unser „Lieblingsgast“ ist jener, der unserer Region die größte Wertschöpfung bringt: Paare und Kleingruppen der gemeinsam entwickelten Personas, die sich Zeit füreinander nehmen, abschalten wollen, Auszeit vom Alltag suchen und meist ohne Kinder unterwegs sind.

Zieht man die Sinus-Milieus als grundlegende Milieu-Typisierung der Gästegruppen heran, kommen unsere Lieblingsgäste überwiegend aus den Milieus der Sozial-Ökologischen und Liberal-Intellektuellen. Tagestouristisch als „wichtige Gäste“ relevant sind auch die bürgerliche Mitte und die Konservativ-Etablierten (sichern ganzjährig betrachtet das betriebswirtschaftliche Überleben).

Lieblingsgäste-Milieus im Wëlle Westen im Guttland: sozial-ökologisches Milieu, liberal-intellektuelles Milieu4

Oberschicht/ Obere Mittelschicht

Liberal-Intellektuelle 8%

1 Konservative 12%

Mittlere Mittelschicht

Untere Mittelschicht/ Unterschicht

Soziale Lage

Grundorientierung

Performer 10%

2 Bürgerliche Mitte 14%

3

Expeditive 9%

Sozial-Ökologische 8%

Traditionelle 9%

Adaptiv Pragmatische 10%

Hedonisten 15%

Prekäre 6% A

B

Pflichterfüllung Ordnung

Individualisierung Selbstverwirklichung, Genuss

Traditionelle Werte

Modernisierung

C Multi-Optionalität Pragmatismus

Refokussierung neue Synthesen

Neuorientierung

Quelle Grafiken: https://www.sinus-institut.de/fileadmin/user_data/sinus-institut/Bilder/sinus-mileus-2015/2015-09-23_Sinus-Beitrag_b4p2015_slide.pdf Quelle Daten: FUR Deutsche Reiseanalyse 2017, Deutsche Reiseende 4

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Liberal-intellektuelles Millieu4.1 Konsumverhalten Sie verfügen über ein relativ hohes Einkommen. Sie legen Wert auf Qualität und hochwertige Marken und Produkte. Hochwertiges ist für sie wichtig, weil sie sich gerne etwas Besonderes gönnen. Dabei ist eine qualitative Verarbeitung und verlässliche Leistung bedeutsamer als der Markenname, für entsprechende Qualität geben sie auch gern mehr Geld aus. Die Qualität muss dem höheren Preis aber in jedem Fall gerecht werden. Persönliche Beratung vor dem Kauf ist ihren wichtig. Sie bevorzugen bewusst Regionales, insbesondere bei Lebensmitteln und handwerklichen Erzeugnissen. Bio-Qualität und Hochwertiges auf dem Wochenmarkt oder in der Markthalle sind ihre bevorzugten Produktentscheidungen. Kleidung erstehen sie auch am liebsten in Boutiquen mit persönlicher Bedienung. Sie leben Nachhaltigkeit – ihr Kaufverhalten, ihre Einrichtung, auch ihre Reisen sind ökologisch bewusst und qualitativ hochwertig. Urlaubsmotive Liberal-Intellektuelle genießen es, im Urlaub viel zu sehen. Neue Länder und Kulturen kennenlernen und Abstand zum Alltag gewinnen sind ihre Reisemotive. Ihnen ist wichtig, Zeit für einander zu haben. Sie lassen sich im Urlaub führen und gönnen sich auch etwas. Sie reisen gern in authentische Orte auf Weltniveau. Bildung ist ein Reiseanlass für sie. Auch Erholung bedeutet für sie nicht Nichtstun, sondern sie erholen sich auf aktivem Weg, indem sie sich mit Kultur, Lebenskultur und Geschichte beschäftigen, am liebsten auch kombiniert mit leichten sportlichen Aktivitäten.

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Liberal-Intellektuelle Aktivitäten auf der Reise Sie urlauben bevorzugt als Paar oder in Kleingruppen mit Freunden oder nahen Verwandten. Im Urlaub sind sie gern sportlich, legen aber Rad- und Wanderrouten in die Nähe kultureller und kulturhistorischer Attraktionen und besuchen historische Bauten, Jazz- und KlassikKonzerte, Festspiele oder auch Lesungen. Sie reisen auch, um über (regionale) Kulinarik das Land zu erfahren. Regionalität ist ein weiteres Reisemotiv - Handwerk und landwirtschaftliche Produkte der Region sind ihnen wichtig. Dabei nehmen sie auch gern an Weinverkostungen oder hochwertigen Kochkursen teil. Wichtig am Urlaubsort sind ihnen außerdem gute Erreichbarkeit und eine interessante landschaftliche Lage des Ortes.

Um Massentourismus machen sie, wenn es irgendwie geht, einen Bogen. Sie reisen daher auch bevorzugt außerhalb der Ferienzeiten, gerne auch im Frühling, Herbst und an kuschelige Orte in der Winterzeit. Am liebsten buchen sie Hotels. Dabei ist ihnen ein gewisser Standard oder Außergewöhnliches (Lage, Interior, Geschichte ...) wichtig.

4.1 Quelle: eigene Zielgruppen-Spezifizierung von Saint Elmo’s Tourismusmarketing unter Ableitung aus publizierten MarktAnalysen u. a. von Integral Sinus Sociovision, der FUR Deutsche Reiseanalyse 2017 und Best4Planning Mediaplanungstool.


Sozial-ökologisches Millieu4.2 Konsumverhalten Sie konsumieren bewusst und überlegt. Sie kaufen faire Produkte, die unter fairen Bedingungen und mit möglichst geringem „Carbon Footprint“ produziert wurden. Sie fahren einen gebrauchten Kombi oder Bus und sind begeisterte Fahrrad-, Bahn- und Busnutzer. Sie essen bevorzugt regionale Lebensmittel, die sie im Bio-Laden oder am Wochenmarkt kaufen und verzichten immer öfter auch auf Fleisch. Sie sind konsumkritisch, sind nicht materiell orientiert, sie versuchen den globalen Mainstream zu vermeiden. Ihr Markenbewusstsein basiert auf den drei Säulen der Nachhaltigkeit, lokale Manufakturen und Handwerk oder Do-it-Yourself sind für sie wichtige Kaufmotive. Sie kaufen daher seltener, dafür bezahlen sie auch gern etwas mehr für „Handmade“ um die Ecke. Urlaubsmotiv Ein nachhaltiges Angebot hat für sie eine größere Bedeutung als das Reiseziel selbst. Sie sind offen für Neues und entdecken gerne Achtsamkeit und Natur (Kurzreise). Wichtig beim Reisen ist ihnen ein geringer „Carbon Foodprint“, daher reisen sie gerne an erdgebundene Ziele und nutzen ÖPNV für ihre Anreise. Entschleunigen, Kraft sammeln, gemeinsame Zeit erleben, die Natur entdecken, lokale Lebenskultur erfahren und sich durch das Reisen selbst bilden sind Urlaubsmotive für sie.

Sozial-Ökologische Aktivitäten auf der Reise Die Reisenachbereitung erfolgt am liebsten bei einem Glas Wein. Sie berichten ihren Freunden vom Urlaub und halten für Freunde auch Bildervorträge über ihre Reisen. Auch während des Urlaubs verschicken sie Fotos via WhatsApp an Freunde und Familie. Außerdem erstellen sie selbst gemachte Fotobücher und -alben von ihren Reisen. In sozialen Netzwerken posten sie eher nichts über die Reise. Sie bringen sich und anderen gern Souvenirs mit, vor allem landestypische Gegenstände oder besondere Dinge, die einen Nutzwert haben und im Alltag gebraucht werden können. Gern füllen sie im Urlaub auch Feedback-Bögen aus oder tragen sich in Gästebücher ein. Online-Bewertungen schreiben sie nur, wenn ihre Reiseerfahrung

besonders gut oder sehr schlecht war. Sie spenden nach dem Urlaub gern für Projekte, die sie unterwegs gesehen oder erlebt haben und die sie besonders überzeugt haben. Bei Flugreisen spenden sie gern an Klimaschutzprojekte, um ihren CO2Fußabdruck auszugleichen.

4.2 Quelle: eigene Zielgruppen-Spezifizierung von Saint Elmo’s Tourismusmarketing unter Ableitung aus publizierten MarktAnalysen u. a. von Integral Sinus Sociovision, der FUR Deutsche Reiseanalyse 2017 und Best4Planning Mediaplanungstool.

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SLOW 360

°

Erlebnis- und Produktentwicklung


Touristische Angebotsentwicklung entlang erfolgreicher Marken lässt Erlebnisprodukte entstehen, die eine natürliche Nachfrage erzeugen und auch mit geringen Marketingbudgets erfolgreich am Markt platziert werden können. Dies erfolgt durch die Kombination von drei Teilleistungen zu sogenannten Leuchtturm-Produkten, also den AushängeSchildern touristischer Kommunikation. Tourismusorganisationen stellen sie gerne ins „Schaufenster“ der touristischen Promotion, weil diese stellvertretend für die gesamte touristische Leistungspalette der Tourismusregion stehen. Man kombiniert dabei die touristische Kernleistung oder das, was der Gast kauft, ergänzt diese um bezahlte oder unbezahlte Serviceleistungen und veredelt diese Teilleistungen schlussendlich mit identitätsstiftenden Ambienteleistungen. Auf den folgenden Seiten haben wir jede Teilleistung separat skizziert.

Szenerie

Atmosphäre

Ambiente Service Essen

Guide

(begegnen)

Einheimische (begegnen)

Erlebnis

bezahlt

unbezahlt

Rastplatz (durchatmen)

Architektur Landschaft Kunst/Landart

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Erlebnisprodukt Die Kernleistung des touristischen Angebotes oder das, was der Gast „kauft“.

Slow-Reisemotive sind geringfügig anders priorisiert als massentouristische Motivatoren. Oft ist Nachhaltigkeit Auslöser der Reiseentscheidung und entscheidender Faktor zur „Buchung“. Wir haben acht Slow-Faktoren für Wëlle Westen identifiziert, die künftig auslösende touristische Kernleistungen sein können - also jene ReiseAngebote oder Reise-Erlebnisse, für die Gäste künftig bereit sein werden den „Preis der Reise“ zu bezahlen. Unser Ziel ist, durch ErlebnisGestaltung zu diesen Slow-Faktoren touristische Nachfrage mit acht Produktlinien im Wëlle Westen im Guttland auszulösen: •

• •

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„kammoud & gutt“ Unterkünfte: nachhaltige, geschichtsträchtige oder lokaltypische Hotels (Bsp.: Mushrooms, Pastorenhaus, – private Zimmervermietung und Pensionen als Kleinvermieter). Kulinarik: regionale/(ultra)lokale Geschmackskultur, Kulinarik, landwirtschaftliche Produktion. Mobilität: langsam, achtsam und kreativ reisen vor Ort: per pedes (Wanderkunst, stilles Wandern, Barfuß-Wandern, Querfeldein-Wandern ...), per Pedal (Trekking-E-Bike-Verleih, Spaßräder, Rikschas, Draisinen, Bett & Bike ...), Mitfahren (freier ÖPNV, Mitfahrbank, OldtimerBus ...).

Skizze der Teilleistungen: Kernleistung

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Märkte: Handel regionaler Produzenten, Dorf-Märkte, Regionalladen (Sozial-Koop mit 100% Luxemburg in Leerstand oder Container ...) Erlebnisse: aktiv - achtsames Bewegen (z. B. stilles Gehen), passiv - Localhood erfahren (Slowtrips) Kultur: lokaltypische Brauchtums- und Kulturveranstaltungen (passiver Konsum), lokaltypische Kreativität (aktive Workshops, Ausbildungen, Kurse) erfahren Handwerk: lokales Handwerk, regionale Manufaktur, traditionelle Arbeitsmethoden Lebenskultur: Meet the Locals - Begegnung & Lebenskultur von und mit Einheimischen entdecken

Was ist jetzt für uns zu tun? Diese acht Slow-Faktoren bilden die künftigen Produktlinien der Slow Region. In diesen Produktlinien sollen Slow-Erlebnisse entwickelt und angeboten werden, die als Angebot und Dienstleistung bepreist und am Markt buchbar platziert werden sollen. Unterkünfte benötigen dazu die entsprechenden Vertriebskanäle (digitale Buchungs-Website, Channel Manager, Touristinfo AtertWark und vor allem auch SpezialReiseveranstalter, die sich auf Slow Travel spezialisieren). Alle anderen Produktlinien sollten über die Website der Touristinfo, die jeweiligen Anbieter und über sogenannte Activity Booking Engines (Regiondo, Trekksoft, BookingKit ...) buchbar sein. Diese sind auch Channel Manager zu gängigen Vertriebsplattformen für Touren, Aktivitäten und Gutscheine – Get your Guide, Jochen Schweizer, Mydays, Jollydays, Viator ... Wir empfehlen, ein Online-Gutscheinsystem einzusetzen und Slow Living Luxemburg Gutscheine zu verkaufen (z. B. Incert, E-Guma ...).


Serviceleistung Wie entsteht ein perfekter Tag durch Slow-Erfahrungen im Wëlle Westen?

Ausgangspunkt für ergänzende Services (unbezahlt) und Angebote (bezahlte Dienstleistungen) sind die Kontaktpunkte in den Phasen der Reise. Vom Inspirieren über das Detailplanen und das Ankommen, vom Entdecken und Mitnehmen bis hin zum Erzählen und schlussendlich Wiederkommen kann man die eine Reise in drei Phasen mit je sechs Kontaktpunkten identifizieren. An jedem dieser Kontaktpunkte kann ich Slow Experiences gestalten, kommunizieren oder anbieten.

Skizze der Teilleistungen: Serviceleistung

NACH

VOR

AUF

Mitnehmen

Ankommen Einkehren

Was ist jetzt für uns zu tun? Nachdem die grundlegenden Reisemotive einer SlowReiseerfahrung durch die buchbaren Slow-Produkterlebnisse als touristische Kernleistung definiert sind, geht es darum, das SlowErlebnis der Gäste vor Ort in Form eines Drehbuchs der Slow Region

Begegnen

Durchatmen

(Storyboard Wëlle Westen) zu perfektionieren. Die einzelnen „Szenen“ dieses Storyboards bilden die sechs Kontaktpunkte der Reisephase „auf der Reise“: ankommen, entdecken, durchatmen, begegnen, einkehren, mitnehmen. Wir ergänzen nun bezahlte Dienstleistungen und unbezahlte Services, die gemeinsam

Entdecken

bereichernde Slow-Momente ermöglichen. Nun überlegen wir, ob es gelungen ist, perfekte Tagesabläufe für ein Slow-Erlebnis im Wëlle Westen zu schaffen. Mit den Services entstehen idealtypische Slow-Reisen oder anders formuliert – es entstehen „perfekte Tage“ in der Slow Region Wëlle Westen im Guttland.

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Gemeinsame Werkstatt-Ergebnisse:

Vier perfekte Tage Slow Region im Wëlle Westen im Guttland.

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Begegnung mit lokaler Bevölkerung

kleine gemütliche Unterkünfte

Ein Bild meines Dorfes

Ein lieber Mensch zum Reden

Kochkurs

Lëtzebuergisch Basis-Wörterbuch

Skulpturenweg

Schuerelser Schlass Useldinger Buerg

Platz Zeit

Bund frischer Kräuter von der Wiese

Patrimoine culturel/ Kulturerbe

Energie Beratung

Luxembourg Card (OT)

Millenhaff Kräutergarten

Schmugglerpfad

Thillenvogtei


Regionale und lokale Verpflegung

Moment der Stille

Ritterabend mit Mittelaltermenü

Gemeinschaftsgarten

Lesen, originelle Bänke

Kontakt mit Kreativschaffenden

Bibliothek (Lesungen)

Werke(l)n mit pensionierten/ lokalen Handwerkern

„grüne” Mobilität

Luxemburger Gemütlichkeit

Holzatelier Schiefergruben

Spaziergang mit Picknick

Büchlein mit ...

Ueleg, Gebees

Unterstellmöglichkeit Rad

Meditationsweg Rindschleiden

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Ambienteleistung Wie wird Slow-Atmosphäre im Wëlle Westen erzeugt?

Atmosphärische Bestandteile einer Slow-Reiseerfahrung können in die nachfolgende Aufstellung von Ambienteleistungen gegliedert werden. Jede dieser vorwiegend emotionalen und gefühlsbetonten Ambienteleistungen kann eigenständig geplant, gestaltet und inszeniert werden. Bei einer Slow-Produktentwicklung legen wir immer zuerst die SlowKernleistung fest – was soll der Gast kaufen? Anschließend begeistern wir unsere potenziellen Gäste mithilfe von Services, die wir zur Kernleistung ergänzen. Und schlussendlich fügen wir als letzten Schritt Ambienteleistungen zur Gestaltung einer SlowAtmosphäre, Szenerie, Emotion hinzu.

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Skizze der Teilleistungen: Serviceleistung

Ähnlich einer Checkliste überprüfen wir die folgenden Bestandteile zur Schaffung eines Slow-Ambientes und überprüfen, in welcher Form dieses Ambiente in der Slow Region Wëlle Westen im Guttland hergestellt werden kann5.

Was ist jetzt für uns zu tun? Überprüfen der atmosphärischen Bestandteile der touristischen Kernleistung und der ergänzenden Serviceleistungen: Wird unser „perfekter Tag“ im „Slow“-Ambiente im Wëlle Westen im Guttland wahrgenommen? Wird Localhood spürbar? Wird Begegnung wertvoll?

5 Überarbeitet und weiterentwickelt aus Quelle: „Slow Tourism – Experiences and Mobilities“; Simone Fullagar, Kevin Markwell, Erica Wilson, 2012


Bestandteile der touristischen Ambienteleistung

Massentourismus

Slow-Tourismus/Localhood: So sollte unser Ambiente sein

Beziehung

unmittelbar, vielfältig extensiv

harmonisch, faszinierend bereichernd, intensiv

Eigentum

externe Kapitalgeber und Investoren

lokale Betreiber, individuelle Unternehmer, Kooperativen

Einheimische

Randgruppe, als Fachkräfte

Hauptakteure

Dimension

meist größer, skalierend, international agierend

kleinteilig und lokal vernetzt

Bettenzahl/Gruppengröße

Unterkunft bis große Gruppen

hauptsächlich Einzelpersonen, Familien und kleine Gruppen

Aktivität

passiv, schnell, konsumierend

aktiv, tun, sein

Wert

effizient, Quantität

bedeutsame Erfahrung, Qualität

Muster

standardisiert

flexibel

Prozess

tourismusbranchentypisch

bottom-up, gemeinsam, kreativ

authentische Begegnung

nicht möglich, inszeniert

möglich, erwünscht, geplant

Optionen

viele Orte, Vielfalt

selektiv, Klarheit, Verzicht

Mentalität

Nehmen

Geben, Wertschätzung, Tiefe

Spiritualität

konsumorientiert, materiell

erfüllend, reinigend, entfaltend

Vorteile

wenige große Leistungsträger

größere Gemeinschaft

Verluste für lokale Wirtschaft

größerer Kapitalabfluss

minimierter Kapitalabfluss

Aufenthaltsdauer

kurzfristig

Längerer Aufenthalt bis zur „Sommerfrische“ (1-3 Monate)

Nachhaltigkeit

bedingt nachhaltig

nachhaltig in allen drei Säulen

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KRITERIEN

als Checkliste zur „Slow”-

PRODUKTENTWICKLUNG Für die Entwicklung der oben definierten Erlebnisprodukte und touristischen Kernleistungen wurden Slow-Kriterien definiert, die den Beteiligten eine Anleitung geben sollen, wie vor allem die Bereiche Beherbergung, Geschmackskultur und Mobilität entwickelt werden können. Kommunen und touristische Leistungsträger erhalten damit die nötige Orientierung, wie eine touristische Dienstleistung als Slow-Erlebnisprodukt wahrgenommen wird bzw. welche Schritte nötig sind, um aus touristischen Leistungen ein nachgefragtes Slow-Produkt zu entwickeln. Wir unterscheiden zwischen Muss-Kriterien, die – soweit betriebswirtschaftlich finanzierbar – grundlegende Bestandteile eines Slow-Erlebnisses in der Region Wëlle Westen im Guttland darstellen. Und ergänzend empfehlen wir die Umsetzung von Kann-Kriterien die aus zufriedenen Gästen auf der Suche nach Slow-Erfahrungen begeisterte Multiplikatoren der Slow Region werden lassen.


Erlebnisprodukt (touristische Kernleistung)

Muss-Kriterien • Eco-Label + Bed & Bike: Eco-Label Kriterien sind als Basiskriterien heranzuziehen, Bed & Bike Angebot anbieten • Technologie im Hintergrund: Alternativen zu TV anbieten (Spiele, Bücher, etc.), in den Zimmern und Gemeinschaftsräumen soll TV im Hintergrund bleiben, z. B. durch aufklappbare Holzverkleidung versteckt • Slow-Kompetenz im Betrieb sicherstellen: Schulungen & Info Mitarbeiter, Freiwillige • Regionale Produkte: weitgehender Verzicht auf industriell

vorgefertigte Lebensmittel von multinationalen Großkonzernen • Slow-Erlebnisse anbieten: im Rahmen der touristischen Vernetzung • Slow-Mobilitäts-Card, sanfte Mobilität: Pilotprojekt Kombination aus nationaler ÖPNV, Car-Sharing, Rufbus, E-Bike, Spaßräder -> KantonBüro mit Konzept für sanfte Mobilität

Kann-Kriterien • Technologiefrei: keine Radiobeschallung, Handy-Tresor anbieten, WLAN-freie Zone -> Gast kann selbst entscheiden. • „Cradle to Cradle“-Philosophie: ökologische, ökonomische und soziale Aspekte • Einsatz ultra-lokaler Produkte: aus dem unmittelbaren Umfeld • Slow-Anreise-Assistent: LeaderProjekt für Last Mile • Gastronomen werden zu Botschaftern des Geschmacks. • Gästekarte: App Mobilität vorhanden + Kommunikation von Produkten

Serviceleistungen (bezahlt oder unbezahlt)

Muss-Kriterien • Wertschätzende Kommunikation • Laufende Weiterbildung: Service- und Gastgeberqualität – Basisschulung für Betriebe in Bezug auf Slow-Reisende • Vernetzung und Einkauf lokaler Produzenten: evtl. Bildung einer Einkaufsgemeinschaft • Vernetzung innerhalb der Tourismusorganisation • Last-Mile-Assistenz (Link Footprint, Fragebogen …) • Herkunft, Geschichte, Ursprung in der Speisekarte: Weniger ist oft mehr … gezielte Auswahl an angebotenen Speisen, Bezug zu Slow herstellen, bewusst

sinnliches Erleben • Dankbarkeit zeigen: den Menschen und Dingen gegenüber achtsam sein • Das Wir kommt vor dem Ich: Gemeinschaft spürbar machen -> Wohlfühlfaktor • Slow-Mobilität anbieten: Kutschen, Pferdefuhrwerk, Pferdeeisenbahn, autonomer Bus, „Umwege“ anbieten und kultivieren; SpaßRäder: Hochrad, Einrad, Tretroller. Inklusion & sportliche Bewegung

Kann-Kriterien • Regional-Währung Beki anbieten • Gepäcktransport organisieren: Gast kann vielfältig anreisen (Gehen, Radfahren etc.) • Gemeinsames Kochen/ Mitkochen/Genuss: die vier K – Kaffee, Kuchen, Kekse, Kakao. Inkludierte Nachmittagsjause zwischen Mittagessen und Abendessen • Trainings für Geschmackskompetenz + Genussfähigkeit • Begehbares Rezeptbuch – Service zum Selberkochen • Historisches Kochbuch und historische Kochkurse anbieten • Eco-Box Zero Waste 39


Ambienteleistungen

Slow-Ambiente gestalten mit Atmosphäre, Szenerie, Stilistik, Tonalität, Besucherlenkung … Muss-Kriterien • Regionale, lokale, natürliche Materialien, mit Ursprung in der Region • Geschichten zur lokalen Lebenskultur vermitteln: Gestaltung, ZimmerBezeichnung, Literatur … aus dem Alltagsleben, alte Mythen und Legenden, besondere Orte, Betriebe aus der Region • lokale Vernetzung der Betreiber mit vor- und nachgelagerten Leistungsträgern, Kooperativen, - Touristinfo initiiert Netzwerke • Einheimische sind Hauptakteure und Teil des Reise-Erlebnisses, aktive Begegnung, die zum Mitmachen animiert, bereichert

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Kann-Kriterien • Beziehung zum Gast: harmonisch, faszinierend, intensiv, bereichernd • Leistungsversprechen: Geben, Tiefe, gemeinsam, kreativ, erfüllend, reinigend, entfaltend • Nachhaltigkeit der Region wird wahrnehmbar, (be-)merkbar, sichtbar, spürbar ... • Atmosphäre: gedämpftes Licht, bevorzugt Kerzenlicht: dimmbares Licht, ideal: Kamin, offenes Feuer, Feuerschale ... • Für Useldange bedeutet das z. B. Aufenthaltsmöglichkeiten am Wasser oder Fluss schaffen: die Beine ins Wasser halten, Steg, Hängematten, Wasserspiele etc.

• Spezifische Wohn- & Aufent haltsqualität: z. B. Dinkelkissen, Mondphasenholz-Zimmer • E-Leitungen abschaltbar … • „Umwege“ anbieten, kultivieren • Spaß-Räder: Hochrad, Einrad, Tretroller • Inklusion und Tourismusprojekte zur sozialen Integration • Sanfte Mobilitätsangebote • Sportliche Alternativen anbieten (Körperarbeit, Atemtrainings, stilles Wandern ...)


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Impressionen aus den Werkstätten ...

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IMPULSE SLOW REGION gemeinsame


In diesem Kapitel skizzieren wir konkrete Inszenierungs- und Gestaltungsideen aus dem 360° Slow-Region Entwicklungsprozess sowie Empfehlungen aus Sicht der begleitenden Tourismusberater und Erlebnisplaner Saint Elmo“s Tourismusmarketing. Sie sind zur einfachen Orientierung nach den 7 Slow Tourism Business-Elementen (siehe Seite 14) gegliedert: 1. Besondere Wertschätzung lokaler Eigenarten (Lebensraum, Lebenskultur, Handwerk, Handel, Kulinarik ...) • Gemeinsamkeit in den Vordergrund der Kommunikation stellen. Beispiele: sozialökologische Landwirtschaft, BEKI, Einkaufsgemeinschaft GRINGGO, Tourismusentwicklung in Rindschleiden und Useldange durch Initiativen der Gemeinden ... • Die Slow Region Wëlle Westen im Guttland wird über ein Tourismus-Vermarktungskonzept hinaus als touristisches Lebensraumkonzept verstanden. Die lokale Bevölkerung wird partizipativ involviert und profitiert gleichermaßen von touristischer Inszenierung, Produktentwicklung und ServiceDesign (bezahlte und/oder unbezahlte ServiceLeistungen) wie die Besucher der Region. • Slowtrips Luxemburg – transnationales LeaderNetzwerk (https://cultrips.org) • Begehbares Rezeptbuch: Beispiele www.avocado.lu, hellofresh.lu, www.kochhaus.de • Entwickeln einer Vertriebsplattform für folgende Erlebnisanbieter über Airbnb Experiences (Startphase) oder professioneller (empfohlen) über eine Activity Booking Engine (Regiondo, Trekksoft, Booking Kit ...) und Erlebnisvertrieb über Channel Management und Gutschein-Verkauf (Incert, E-Guma ...). Koordination übernimmt die Tourist-Info Atert-Wark, die Befüllung der jeweilige Erlebnisanbieter: Schiefergruben Obermartelingen, Beckericher Mühle, ManuKultura, Thillenvogtei ...

2. Intensive Formen des touristischen Erlebens über vertiefende Begegnung mit Einheimischen • Die Dorfmitte und die Gastwirtschaft sind die Zentren für Begegnung. In vielen Fällen ist das Dorfleben heute nur mehr eingeschränkt erfahrbar, Leerstand und geschlossene Lokale, Hotels und Läden bestimmen die dörfliche Szenerie. Das Dorfleben geht immer mehr zurück, die Dörfer mutieren zu Schlafstätten für Pendler in die Stadt Luxemburg. Um dem entgegenzuwirken empfehlen wir Leerstandsinititiativen, die Gründung von Vereinen zur Dorfbelebung und gemeinsame Bespielung des Leerstandes (z. B. kann an 2 Tagen/Woche die geschlossene Dorf-Auberge im Zuge von Sozialprojekten zur Vermeidung von Alterseinsamkeit bespielt werden. Beispiel: www.Vollpension.at • Slowtrips: ehemals CultTrips. Mit dem Projekt werden neue Formen des soziokulturellen Austausches und des Nischen-Tourismus auf transnationaler Ebene aufgebaut. Es geht um Professionalisierung und Produktentwicklung von lokalen Erlebnisanbietern für Begegnungen mit lokaler Lebenskultur (Localhood). • Details: www.cultrips.org, www.culttrips.at • Lieblingsplätze von Einwohnern • Mitfahrbankerl (siehe Mobilität) • Liste von Orten, wo man Einheimische treffen kann • Kaffee, Kekse & Kuchen: Seniorinnen backen für Einheimische und Gäste, Nachmittagskaffee – gegen freie Spende – für alle!

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Lokalversorgung und Regionalregal Container in Niederösterreich, Foto Saint Elmo’s, 2019

3. längere Aufenthaltsdauer an ausgewählten Orten • Neue Formen des Campings: Glamping, France Passion – Camping auf Bauernhöfen (https://www. france-passion.com) oder Expedition Hinterland im Wëlle Westen – statt verbotenem Wildcampen gezieltes Übernachten auf Wiesen von Kommunen und/oder im Hinterland von Gasthöfen (Beispiele: • Gîtes Insolites – z. B. Bamhaiser in Esch sur Alzette (https://bamhaiser.esch.lu), Hotel Péitche Lauer in Useldange (http://peitchelauer.lu), ArtLodge in Kärnten, Österreich (https://www.artlodge.at/ idee), Bulle (https://www.Gîtes.fr/insolites_bulle_ t331.html) • Autarke und/oder mobile Übernachtungsmöglichkeiten (www.sleeperoo.de , www.wohnwagon.at, https://biwaks.millstaettersee.com/de/zeit-zu-zweit.html), Wildberghof Hyt, Bayern (https://wildberghof-buchet.de/hyt-huett) • Leerstandsbespielung mit Einraum-Apartments (Beispiele: https://www.graetzlhotel.com, www. wienerzimmer.at) • Erlebnis-Scheune Thillenvogtei und andere (https://wildberghof-buchet.de/stadel )

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4. erhöhtes Umwelt- und Sozialbewusstsein, Handel • Sommerfrische neu aufgeladen (Langzeitaufenthalte mit Fachgesprächen zu Slow Living – Beispiel: http://www.landinger.at/home. html) • Mit Sozialprojekten, z. B. zur Beseitigung von Altersarbeitslosigkeit, werden frühpensionierte oder Langzeitarbeitslose zu Kultur-, Natur-, Localhood-Führern der Region ausgebildet oder gemeinschaftliche Handarbeits- und Kreativprojekte in Form von dörflichen Co-Working Spaces und Co-Crafting Werkstätten (Handwerk) angeboten. • Gute Beispiele: Rent a Sepp im Mostviertel, Niederösterreich (https://www.mostviertel.at/ rent-a-sepp) und der Werkraum im Bregenzerwald, Vorarlberg, Österreich (http://werkraum.at) • Slow-Gästekarte (Beispiel Samo Card in Werfenweng, SalzburgerLand Österreich: https:// www.werfenweng.eu/SAMO/Card/samo_Card_index.php) • GRINGGO Einkaufsgemeinschaft und/oder Regionalregal in Leerstandslagen • Kooperation zu Regionalregal mit Avocado.lu • Begehbares Rezeptbuch, z. B. über Kooperation mit HelloFresh • Lokalmärkte z. B. Slow-Picknickkorb & Dorfladen in Rindschleiden, Gemüseladen mit Kochwerkstatt im künftigen Containerdorf Beckerich • Kommunikation bei jedem Übernachtungsbetrieb: Tipps: 10x Regionalität im Wëlle Westen


5. Form und Geschwindigkeit der Mobilität • Autostoppen ausdrücklich erwünscht – das Mitfahrbankerl im Wëlle Westen (Beispiele: https://www.klimaaktiv.at/mobilitaet/mobilitaetsmanagem/kommunalregional/DieMitfahrbank.html, https://www.demographie-oberfranken.de/de/veranstaltungen/ termine/Mitfahrerbaenke-28.02.2018.php, http://tullnerfeld-ost.at/kem/themen/mobilitaet/ mitfahrbankerl) • Kunst- und langsam Wandern (800 Meter in 4 Stunden gehen) • Rent a Bike Luxemburg • Kreative Lokal-Buskonzepte (Hop on – hop off, Rufbus, Kombibus mit Transportfunktion, Beispiel: Kombibus Konzept Uckermark https://www. uvg-online.com/de/auf-der-erfolgsspur-mit-demuvg-kombibus/auszeichnungen.html) • ÖPNV gratis ab 2020 – entsprechende Gestaltung und Abstimmung der Linien (inklusive MitnahmeMöglichkeit von Fahrrädern) auf die Bedürfnisse von Gästen und Tagestouristen • Spaßräder auf ausgewählten Privatstraßen von Kommunen (Beispiel: https://www.werfenweng.eu/ SAMO/Fun_Fahrzeuge.php)

6. Erholung durch Achtsamkeit (Beobachten) und Zeit (Entschleunigen) • Fastenkurse, Schweigen und Fasten, SchweigeWanderungen auf stillen Wegen, Beispiele Klosterfasten: https://www.klosterpernegg. at, https://www.stift-schlaegl.at/veranstaltungen/edles-schweigen-und-fasten/, https://www. klosterwernberg.at/fasten/jahresuebersicht-fastenwochen/spirituelles-klosterfasten-und-wandern/, https://www.fasten-und-stille.de/ fasten-stille/) • Barfuß-Wandern (http://www.barfuss.net/wandern.htm, https://www.barfusswandern.com https://www.wanderdoerfer.at/magazin/wasser/ unten-ohne-barfusswandern/) • Für eine mutige, aber durchaus PR-trächtige Produktentwicklung: Nacktwandern (Beispiele Wanderdörfer Österreich https://www.wanderdoerfer.at/magazin/hier-laesst-man-fkk-freien-lauf/, https://www.stern.de/reise/deutschland/nacktwandern-7977036.html) • LandArt Installationen und Kunst im öffentlichen Freiraum und Naturraum

7. Glück durch persönliche Entfaltung (Genügsamkeit, bereichernde Erfahrungen, Heimatgefühl) • Begegnungen mit Menschen, die hier leben • „Bühnen“ für Kreativität und Begegnung schaffen, wie die mobile Bibliothek MoBib und Fahrbibliotheken (Beispiele: Lesetruck https://mobilitaetsprojekte.vcoe.at/die-mobile-bibliothek-2017, Bücherbus: https://bibliotheksportal.de/informationen/bibliothekslandschaft/fahrbibliotheken/), Bücherrad http://www.kindercampus.at/ at/projektwerkstatt/mobi-mobile-bibliothek • Glücksplätze schaffen (Beispiele Glücksplätze Salzkammergut https://www.salzkammergut.at/gluecksplaetze-im-salzkammergut.html) • Logenplätze SalzburgerLand (https://www.salzburgerland.com/de/magazin/die-logenplatze-im-salzburgerland/)

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Slow-Konzepte für

AUSGEWÄHLTE Orte und Institutionen


Slow für Useldingen „Péitche Lauer” Einzigartige Übernachtungsmöglichkeit in den neu errichteten „Mushrooms“, Unterstützung durch Touristinfo Atert-Wark und regionalen Tourismusverband (ORT Guttland), Arbeitsgruppe ist gebildet Zusatzanregungen für „Péitche Lauer“: • Metzger-Handwerk für Gäste sichtbar und erlebbar machen – Workshops dazu anbieten • Erfahrung von Schlachten und Zubereitung (nose to tail), Jägerschaft einbinden • Technologiefrei: keine Radiobeschallung, Handy-Tresor anbieten, WLNA-freie Zone -> Gast kann selbst entscheiden. TV.Anschlüsse werden überall in den Zimmern (auch in den Mushrooms) liegen, jedoch werden in Mushrooms TVs nur auf Anfrage aufgestellt • Spezifische Wohn- und Aufenthaltsqualität: z. B. Dinkelkissen, MondphasenholzZimmer, E-Leitungen abschaltbar, Bücher, Brettspiele, Musikinstrumente, Mandalas … Atmosphäre: gedämpftes Licht, bevorzugt Kerzenlicht: dimmbares Licht, ideal: Kamin, offenes Feuer wie Outdoor-Öfen, Feuerschalen, Kerzen, Laternen... • Betreiber hat Struktur für 3 Sterne ausgerichtet. Empfehlung: sich mehr nach dem Wohlfühlfaktor für Slow-Gäste auszurichten und nicht ausschließlich auf die klassische Schiene der Sterne-Klassifizierung zu fokussieren • Name Péitche Lauer unbedingt immer in der Unterzeile ergänzen z. B. Péitche Lauer BrasserieRestaurant, Péitche Lauer

EcoLodges, um Gästen ein „edles” Gütesiegel zu vermitteln • Aufenthaltsmöglichkeiten am Wasser/Fluss schaffen: die Beine ins Wasser halten, Steg, Hängematten, Wasserspiele ... Erlebnis rund um EcoLodges • 10 Begegnungen mit Useldingen • Slow-Trips des Tages • Burg einbinden, römische Fundorte sichtbar machen: antike Vase, Fundstücke ausstellen • Grafik-Design, handgeschrieben https://www.lavialla.it/de/ • Begegnungsstätte mit Einheimischen (Dorftreffpunkt mit Kinderspielplatz) • Langzeitaufenthalte in Nebensaison/ für Kreative … Eröffnung EcoLodges: Juni 2019 • Personal 6 Personen • Testküche/Testschlafen Was ist noch zu tun? • gute Bilder (Menschen in den Fokus, Handwerk zeigen, echt, HyggeSehnsucht bedienen ...) • gute Texte, die inspirieren, aktivieren, informieren und weitererzählt werden. Sprachen: D, E, F, Lëtzebuergisch? Verantwortung: Marc Mathieu mit der von ihm beauftragten Marketingund Kommunikationsagentur „Brainplug”, die sich um den

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Online-Auftritt und die Corporate Identity von Péitche Lauer kümmert. Sie werden von der Tourist-Info Atert-Wark, dem ORT Guttland und Julia Schrell unterstützt. Segelfliegen/Flugplatz in Useldange als buchbares Produkt aufbereiten: leise schweben im Doppelsegelflieger Produkt/Angebot (z. B. Schlachtseminare „From nose to tail“) Péitche Lauer – mit dem Namen Geschichten erzählen Herkunft Lebensmittel: „vun der Art“ + „Péitche Lauer“ (Haltung, solidarische Landwirtschaft, ...) besondere Empfehlungen: kleinere Betriebe, ungewöhnliche Angebote, Wow! „Pain Suprice“ Wiesenfeste Gästen „Sinnvolles“ mitgeben: Düfte/Kindheitserinnerung (Kaffee, Brot, Kuchen, Kekse ...) Manukultura Seminare (Packages mit Übernachtung oder Kurse spontan buchbar für Tagesgäste über Activity Booking) Sehr wichtig!! Auf Booking.com gibt es schon die erste negative Bewertung ... - unbedingt reagieren. Kommentare und Bewertungen auf Google, Booking und idealerweise über Trust You (aggregiert aus allen Bewertungen) monitoren und so weit möglich positiv (!) kommentieren

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Slow für Rindschleiden Rent a Village „Business Model”-Entwicklung: „So leben wie früher – Einwohner auf Zeit.“ Arbeitsgruppe Rindschleiden ist gebildet, Innenarchitektin für Pfarrhaus, Unterstützung durch Touristinfo Atert-Wark und regionalen Tourismusverband (ORT Guttland). Für Rindschleiden wurde ein touristisches Business-Model entwickelt und in einer separaten Dokumentation im April 2019 übermittelt. Was ist noch zu tun (über das Geschäftsmodell hinaus)? • Kommunikation, Marketing & Vermietung könnten im Rahmen eines Modells einer zentralen Verwaltungsstruktur geschaffen werden (z. B. nach dem Modell der Albergo Diffuso in Italien) -> im Rahmen des Projekts sollte auch ein gangbares Modell für Wëlle Westen ausgearbeitet werden (Seite 54). • Ein mehr-mandantenfähiges Property-Management-System wird in jedem Fall benötigt. • „Wie früher“: Rindschleiden als gesamte dörfliche Einheit in Sinne von „Slow“ • Lösung der Problematik Autos im Dorf: zu Fuß von Grevels gehen, Shuttle-Dienste (Kutschen, Bollerwagen, Taxi o. Ä. anbieten), nur Zustelldienst zu gewissen Zeiten, Busparkplätze klären • Temporäre Übernachtungsangebote anbieten: Mietzelte etc. von verschiedenen Anbietern: www. wohnwagon.at www.sleeperoo.de http:www.bubbletent.at/ https:www.whitepod.com/de/

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• Eine Person sollte für Tourismus-entwicklung in Rindschleiden zuständig sein: Betreuung der gesamten Struktur, Logistik, Organisation allgemein, mobile Touristinfo, Führungen organisieren, Kommunikation mit Touristinfo Backoffice und ORT, Gästebetreuung, Event-Management • Kurse und Angebot Thillenvogtei: neue Kundengruppe erschließen – Businesskunden, Kurse für Manager, Gruppen … • Gemüse- und Kräutergarten wie früher: für Gäste mitnutzbar • Historisches Kochbuch & historisch kochen: Kurse in Thillenvogtei anbieten (Foto Seite 50 Mitte: Thillenvogtei) • Versorgung Lebensmittel: wie Tante Emma Laden, Selbstbedienung, regionale Produkte für Gäste und Einheimische • Einrichting im zukünftigen Gîte Pfarrhaus: regionale, lokale und natürliche Materialien, die Ursprung in der Region haben, wenn möglich Interior aus Thillenvogtei-Sammlung.

• Gestaltung und Dekoration - puristisch, hochwertig, z. B. TopMatratze und Bett für besten Schlafkomfort, aber reduzierte Gestaltung (kein Schrank, nur Ablage/Haken, wenig Deko, Farben; Wände: Naturtöne, Schlammfarben ...) • Geschichten zur lokalen Lebenskultur vermitteln: Design, Zimmer-Bezeichnung, Literatur ... • Gemeinschaftsraum Wohnküche schaffen. Großer Tisch, hochwertige Küche

www.thillenvogtei.lu


Produktentwicklung (gemeinsam mit Useldange, Schiefergruben, Rambrouch ...) Manukultura Useldingen • Mittelalter-Langbogen bauen • Sehnen drehen • Bogenschießen von Brücke/ Burg • Übernachtung in EcoLodges Burg Useldingen/Rindschleiden • von oben erleben • Fernglas/Fernrohr (fix)/ Aussichtspunkt inszenieren • Entspannen beim Beobachten (gemütliche Sitzecke im Millenhaff in Useldingen): Nistplatz wie Vögel Spazierwege/Wege • zum „selbst Finden”, zur Selbstfindung • ausgeschildert oder Gäste sollen „sich treiben” lassen • „treffe eine(n) LuxemburgerIn” • Rent a „Geschichtenerzähler“ (kein ausgebildeter Guide, ein gesprächiger Einheimischer) • Mitfahr-Bank in den Orten Mobilitäts-Events & -Aktivitäten • Réidener Mobilitéitsatelier Ergebnisse nutzen/verbinden • Wanderkunst, z. B. Hamish Fulton, The Walking Artist, Wanderung 4 Stunden, 800

Meter, im „Gänsemarsch“ (Foto Seite 50 oben: Nockart, TVB Bad Kleinkirchheim) • Silent Walks • Geh-Meditationen • Trampen ausdrücklich erlaubt: „Mitfahrbankerl”-BegegnungsFest Glücksplätze finden und gestalten • Meditationsorte • Bänke der Stille • somatische Natursounds (Hörinseln im Wald) • Waldbaden (Hängematten) • Wasserberührungen (fühlen) Pavillons/Grillhütten • Lagerfeuer an der Atert mit Musik von Einheimischen • Luxemburger Grillkotas (ganzjährig benutzbar) Regio-Regal Touristinfo • Merchandising mit Webshop • hochwertige, identitätsstiftende Produkte und Souvenirs • Bücher aus dem Wëlle Westen im Guttland: Roman/Krimi/ Comic (luxemburgischer Zeichner/Illustrator/...) Kunstseminare „Malen“ • Kurse während der Woche anbieten (Auslastung

Nächtigungsbetrieben) • Kontingente anbieten Seminar-Tourismus & Vernetzung mit anderen Anbietern • Übernachtungen EcoLodges mit Beckericher Mühle und Thillenvogtei als perfekter Tag Fahrradfahren • „Slow“ radeln entlang der Atert (mit dem Rad rasten, lernen, Zeit zu „verlieren”, innehalten an hübschen Stellen, Beine ins Wasser hängen lassen anstatt Radkilometer abzufahren ...) • Original-Eisenbahnstrecke • Bahnhofsmuseum in Noerdingen • Idee für Schiefergruben: mobile Küche … Foodtrucks/FoodBikes/ Picknick-Körbe (evt. für gesamte Region)

Buchtipp: Die Spazierologie, Warum ist Landschaft schön: Die Spaziergangswissenschaft von Lucius Burckhardt (2006) https://www.martin-schmitz-verlag.de/Lucius_Burckhardt/Inhalt_ Warum_ist...pdf

Bild unten: Saint Elmo’s Tourismusmarketing

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Art Walk mit Hamish Fulton bei der NockArt in Bad Kleinkirchheim,© Bad Kleinkirchheim Region Marketing GmbH (oben); Hausarbeit in der Thillenvogtei, © Caroline (rechts)

Bild li.: EcoLodges Péitche Lauer

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Slow für Rambrouch

(Camping Héiltzer Stee) Die Gemeinde Rambrouch war im Zuge der Projektkonzeption als ein weiterer Ort zur Slow-Inszenierung – außergewöhnlich Übernachten am Campingplatz der Kommune – vorgesehen. Im Zuge des Projektes hat die Gemeinde erkannt, dass noch detaillierte Vorplanungen durch die Kommune und den beteiligten Architekten erfolgen müssen, bevor eine touristische Produktentwicklung möglich ist. Als begleitende Beratungsagentur bedauern wir dies, da diese Prozesse im besten Fall parallel erfolgen. In jedem Fall empfehlen wir, sich zur Detailplanung an den Leitlinien zur Produktentwicklung (Seiten 28 - 37) sowie an den Slow-Kriterien (ab Seite 38) zu orientieren. Auch das EcoLabel führt eine Vorlage für Campingplatzbetreiber. Die Erfüllung der EcoLabel-Kriterien für Campingplätze empfehlen wir künftig als Muss-Kriterien vorzusehen.

Beispiele zur Entwicklung sanfter Mobilitätsformen im Wëlle Westen im Guttland: Mitfahrbank zur sozialen Begegnung mit und unter Einheimischen als Alternative zu ÖPNV (rechts). Beobachtungs- und Entschleunigungsplätze für Radfahrer in idyllischer Lage schaffen (oben). © Saint Elmo’s Tourismusmarketing (Mitfahrbank in Niederösterreich), ORT Guttland (Rad)


Touristinfo Atert-Wark

Als alternative Slow-Konzeption wurden im Zuge des Prozesses die folgenden Überlegungen für Touristinfo Atert-Wark und Kleinvermieter-Vermarktung angestellt. Aufgaben „Kümmern, verknüpfen, veredeln und vernetzen“ Backoffice Carole Thull, Vollzeit + ½ - 1 Arbeitskraft (Empfehlung) Frontpffice Mehrere Zweigstellen in der Region schaffen (Beckericher Mühle, Slow-Trips, Rindschleiden …), Bespielung z. B. über mobile Touristinfo ähnlich wie Food-Bike, Verkauf, Räumlichkeiten, Infrastruktur, Personalkosten, 20 Stunden, braucht zusätzlich 50% Co-Förderung Idee: mobile Touristinfo über Crowdfunding, Touristinfo über Google Local Guides (bei Google registrierte Einwohner) Kernleistung/Gast: • Vor-Ort-Inspiration planen • Verkaufssituation erkennen • persönliche Beratung • Gäste emotional packen • Markenführung • individuelle Kommunikation • Service am Gast hochhalten • Bekanntheit steigern • Vorfreude befeuern • Informationen sicherstellen • Dialog-Phase nach der Reise Direkte Beteiligte/Betriebe: • Qualitätssicherung • Content- und Datenpflege • lokale Marktforschung • gemeinsame Slow-Angebotsund Produktentwicklung, z. B. vegetarische/vegane Speisen • Kommunikation Betriebe, Orte • Beki als Abschiedsgeschenk • Stempelkarte der Langsamkeit mit Betrieben entwickeln Indirekte Beteiligte/ Konsumenten: • lokale Infrastrukturentwicklung • Binnenmarketing • operative LeitungTouristinfo • Kommunikation regionaler Tourismusverband (ORT Guttland)

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To dos • Texte: modular, gesamte Region (durch ORT für Gemeinden) Verantwortung: Touristinfo, ORT und Julia Schrell unterstützt als Produktentwicklerin • Konzeption der Besucherlenkung durch die Touristinfo • Projektidee: Mobile Touristinfo mit Fahrrädern (Bsp: Potsdam), Testprojekt mit Praktikanten • freies WLAN • Startpunkt für Wanderungen/ Spazierwege, Radroute verlegen • E-Bike-Verleih (à la SAMOCard), Hotel übernimmt nach Möglichkeit die Grundkosten • Newsletter-Adressen sammeln • Wikipedia Einträge zur Region, deren Sehenswürdigkeiten, Attraktionen, Slow-Initiativen wie solidarische Landwirtschaft, Gringgo, Beki ... • Google-Bewertungen und Google Local Guides (onlineaffine Einheimische aus der Region machen Bilder, Videos, Empfehlungen als bei Google registrierte lokale Experten. Touristinfo aktiviert, schult und betreut. • „Slow-Trip des Tages“ als Newsletter (in Abstimmung mit

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ORT und Ergänzung zum What’s On vom ORT) an alle Betriebe im Wëlle Westen und ORT, Redakteur des ORT/Touristinfo Erstellen redaktioneller Inhalte Slow-Trips Zu- und Mitarbeit, Workshops mitentwickeln, z. B. Kochworkshops mit Senioren Resultate des Leader-Projekts Touristinfo 2.0 im Müllerthal überprüfen (2019) Kleine Wanderungen/ Spazierwege (weniger als 10 km) Inlandstouristen ansprechen Kennzeichnen/Anbringen von Infos über Useldange und Burg im Outdoor-Bereich überprüfen Klärung Öffnungszeiten TI, Raumoptimierung, Außengestaltung (Sitzmöbel vor Eingang ...) Social Media Monitoring Lokales Upselling planen, mit Betrieben gestalten Vermarktung & Kommunikation Schulungen ORT, Basics für gemeinsame Vermarktung = in Slow-Leitfaden Pilotprojekt mit ORT: Buchung über ORT, LFT, Link, Website Loyalitätsaktion, z. B. Stempelkarte (digital oder analog)



Kleinvermieter Mit einer internationalen Recherche und Analyse bestehender Kleinvermietermodelle in kleinen und großen touristischen Strukturen soll eine grundlegende Aussage zu einem idealen Modell für Wëlle Westen im Guttland getroffen werden. Als erste Grundlage sollen die nachfolgenden Infotabellen mögliche Modelle und verschiedene Varianten für ein nationales, gemeinsames Vorgehen hinsichtlich Vertriebs von Kleinvermietern skizzieren. Beispiel

Dorf Resort Mitterbach, Niederösterreich, Österreich

Vertrieb

Website, auf Airbnb, auf booking.com, Printmedien wenig, soziale Medien

Buchung

Buchungsmatrix online mit Auswahlkriterien zur Anzeige der gewünschten Unterkünfte (wie viele Sterne, Parkmöglichkeit, buchbare Zusatzleistungen, Zahlungsmodalitäten etc. Die Buchung ist offline und online möglich, Online-Buchung nach üblichen Modalitäten (Daten, Kreditkarte), Softwareprogramm Tomas für die Online-Buchungen.

Einkauf

Keiner, weil Einkaufsgruppe zu klein.

Gestaltung, Ausstattung, Interior

Ist dem Vermieter überlassen, eine gemeinsame Linie soll gefunden werden, aber schwierig (Anfang wäre ein Betthupferl, z. B. Lebkuchen für alle Betriebe, gebrandete Bettwäsche). Zweimal im Jahr gibt es eine Besprechung, bei der gemeinsame Beschlüsse bindend gefasst werden.

Businessmodell, Eigentümer/ private Vermieter

Nur private Eigentümer, DorfResort besitzt keine Immobilien zur Vermietung.

Service

Grundsätzlich übernehmen die DorfResorts alles (Check-in, -out, Schlüsselübergabe, Reinigung), es gibt aber auch Betriebe (Hotels), die aufgrund der vorhandenen Struktur alles selbst erledigen. Bei kleineren Betrieben Leistungen in Absprache und Zusammenarbeit mit dem Vermieter, der kann sich nicht völlig herausnehmen – Stichwort Investor Ferienwohnungen (Dienstleistung wie Reinigung frei wählbar, auch Wäschereiservice). DorfResort ist auch Anlaufstelle für Reparaturservice (Heizung, Wasser, Licht).

Buchung und Verwaltung

Rechnungslegung über DorfResort (Reisebüro-Konzession mit Mariazeller Land GmbH, DorfResort ist eine Filiale), Überweisung an Betrieb abzgl. Provision 10 %. Die Provision bekommt der Tourismusverein. Die Ortstaxe für teilnehmende Betriebe wird vom DorfResort verrechnet. Kein eigenes Buchhaltungsprogramm, Rechnungen werden mit Excel gefertigt, Abrechnung über Mariazeller Land GmbH.

Verortung Rezeption/Ansprechpartner

Zentrale Rezeption für Mitterbach, Erreichbarkeit telefonisch (täglich von 09:00 - 18:00 Uhr) und per E-Mail, Angebot zur Hilfe bei der Suche und Buchung wird angeboten.

Kriterien

Private und gewerbliche Vermieter zugelassen: Fewo und Ferienhäuser, Hotels, Pensionen, Privatzimmer.

Ergebnisse, Interview/Recherche

Frühstück und Abendessen aktiv bei Partnerbetrieben beworben. Von Mai bis Oktober Wilde-Wunder-Card (Ferienkarte für freie Eintritte und Vergünstigungen). Skipass an der Dorfrezeption erhältlich. Packages mit Übernachtung in DorfResort-Betrieben buchbar. Viele Tipps für Aktivitäten auf der Website beschrieben! Aktion: unser Betrieb des Monats; schwierig: Finden von identitätsstiftenden Elementen für die Angebotsgruppe/Branding, Auslagerung der Reinigung (Fewo an vier versch. Standorten, Stoßzeiten und Leerzeiten), Kommunikationsbedarf beim Gesamtpaket DorfResort. Positiv: Zusammenarbeit mit Vermietern und Vermieter untereinander funktioniert gut. Vermieter haben großes Vertrauen in das DorfResort (Schlüsselservice!). Buchungsabläufe funktionieren gut.

(Reinigung, Zimmerschlüssel etc.)


Kuckucksnester Hochschwarzwald Website, Hochschwarzwald-Tourismus GmbH (sehr viele Buchungen), Buchungsplattformen nach Bedarf, Print fast nicht (Broschüre, eher für Image), sozial Netzwerke über GmbH Buchungsmatrix online, bei Buchung Willkommensgeschenk mit Produkten aus der Region (Bier, Mineralwasser, Milch, Konfitüre, Kaffeepads) Interaktive Karte mit allen Kuckucksnestern und Sehenswürdigkeiten. Für die Online-Buchung verwenden sie Lohospo und Tomas (https://www.tomas.travel). Zentraler Einkauf für alle Wohnungen Exklusive Design-Ferienwohnungen/Apartments, individueller Kuckucksnester-Stil (Designerin Ingrid Buron de Preser), natürl. Materialien, regionales Handwerk, jede Fewo mit edlem Badezimmer und kleiner Küchenzeile, Wohnraum mit Sitzecke Betriebsgesellschaft gegründet, gehört zu 50 % der HTB und zu 50 % einem Baubetrieb aus Freiburg. Alle Wohnungen im Besitz der Privateigentümer, Gesellschaft investiert und renoviert diese und richtet sie im Kuckucksnest-Stil ein. Vertrag auf fünf Jahre plus Option auf weitere fünf Jahre.

Alles wird von der Betriebsges gemacht, vom Check-in bis Check-out, Give-aways, Reinigung, Bettwäsche etc., der Eigentümer muss sich um nichts kümmern.

Alles bei der Betriebsges, Rechnungslegung auch über die zentrale Stelle Buchhaltung: Datev Erreichbarkeit online über Kontaktformular, telefonisch (Rufbereitschaft 24/7), E-Mail. Schlüsselsafe mit Code; Hochschwarzwald Card etc. wird vorbereitet und am Tag des Check-ins vom Reinigungstrupp hingelegt, auch Meldeschein; alles total automatisiert und standardisiert. Persönlicher Kontakt auf Wunsch, Tourismusinfo in Hochzarten. Private Eigentümer – Standardkriterien und bauliche Kriterien, die von beteiligter Baugesellschaft beurteilt werden, tourist. Kriterien beurteilt HTG.

Hochschwarzwald Card: täglich über 100 Freizeitangebote kostenlos (Sommer und Winter) Schwierig: Wie kann ich den Gast noch mehr begeistern? Daran wird gearbeitet – customer journey verbessern, für Mitarbeiter Prozesse verankern. Positiv: Organisation und Reinigungsservice (immer dieselben Mitarbeiter!) aufgrund der ländlichen Struktur problemlos. Auslastung +80 % und damit sehr gut.


Beispiel

Vermieterinitiative Ostbayern

Vertrieb

Website, marktführende überregionale Buchungsplattformen, Partnerschaften mit großen Plattformen Buchungsmatrix online (über 2.000 Betriebe!), Suche nach Kriterien möglich (Sterne, Betriebsart, Ausstattung, Nichtraucher, Parkplatz, Sport, Orte etc.), auch nach Regionen kann gesucht werden – Verkauf stark über die Region. Starke Position durch die Anbindung an den Tourismusverband Ostbayern mit Sitz in Regensburg

Buchung

Eigenes regionales Online-Buchungssystem, nicht nur Vertrieb, sondern auch Service, damit kleine Betriebe auch auf großen Buchungsplattformen (z. B. booking.com) vertreten sein können. Initiative für Klein- und Kleinstvermieter, um Online-Vertrieb möglich zu machen. Einfach, aber wirkungsvoll! Info: https://www.lifepr.de/inaktiv/tourismusverband-ostbayern-ev/Onlinebuchung-Ostbayern-fuer-den-Deutschen-Tourismuspreis-nominiert/boxid/678615. Eigene Website für Vermieter: https://online-buchung-service.de/.

Einkauf

keiner

Gestaltung, Ausstattung, Interior

Keine Überprüfung von Standards oder Ausstattung, Gästefeedback wird an Gastgeber weitergegeben. Beratung, wie man mit Bewertungen umgeht, wie man reagiert.

Businessmodell, Eigentümer/ private Vermieter

Kein Eigentum, private und gewerbliche Vermieter, alle denkbaren Varianten. In Ostbayern 1.800 Mitgliedsbetriebe, insgesamt 2.500 Gastgeber, 2 Mio. Umsatz/Monat, Online-Buchungsquote an die 40 Prozent!

Service

Öffentlichkeitsarbeit, Pressedienst, Fotodatenbank, Veranstaltungen, aktive Tourismuswerbung seit 70 Jahren Professioneller Partner, der Mitglieder schult, auch Ängste versteht Know-how für Datenpflege (Fotos, Texte, Kontingente, Preise) wird vermittelt, muss aber vom Vermieter gemacht werden bzw. muss die Unterstützung angefordert werden, das wird gerne erledigt. Machen Gastgeber in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern auch aktiv auf Defizite im Content aufmerksam!

Buchung und Verwaltung

Organisation als GmbH, Tourismusverband Ostbayern Deren Services werden auch in anderen bayerischen Regionen und darüber hinaus angeboten. Jeder Betrieb, der Interesse hat, kann sich anschließen. Zusammenarbeit mit Tourismusorganisationen vor Ort Kleiner TVB kann z. B. kein booking.com-Partner sein (personell, finanziell). Buchhaltung/Verwaltung über Buchungssystem, FIBU-Export an ausgelagerte Buchhaltung.

Verortung Rezeption/Ansprechpartner

Erreichbarkeit über Kontaktformular, telefonisch (Mo - Fr 9:00 - 17:00 Uhr), E-Mail Gastgeber-Support für alle Fragen, auch Samstag und Sonntag (E-Mail Support), da Gästeanfragen weitergeleitet werden müssen

Kriterien

Private und gewerbliche Vermieter zugelassen: Bauernhof/Ferienhof, Fewo/Ferienhaus, Gasthof, Hotel, Jugendherberge, Pension, Gästehaus

(Reinigung, Zimmerschlüssel, etc.)

Ergebnisse, Interview/Recherche

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Positiv: Schon im ersten Jahr haben 500 Vermieter mitgemacht. Erste Destination, die mit booking. com einen Agenturvertrag geschlossen hat, jetzt soll Airbnb als Vertragspartner gewonnen werden. Schwierig: Thema digitale Datenvernetzung und Schnittstellen, Verknüpfung von Vertriebslogiken und Datensystemen kostet viel Zeit und viel manuelle Arbeit.


Airbnb Website, div. soziale Medien, Fernsehwerbung

Buchungsmatrix online: Anfragen und Direktbuchungen sind möglich. Verfügbare Tage werden vom Vermieter in einem Online-Kalender freigegeben. Kriterien für die Buchbarkeit (Hunde, Kinder), Hausregeln werden vom Vermieter festgelegt. Es gibt keine Mindestanzahl von verfügbaren Tagen, Blockieren und Abmelden von der Plattform ist täglich möglich. Restriktive Stornobedingungen für den Vermieter mit Entzug des Gütesiegels für ein Jahr. Kunden müssen sich online registrieren, bevor sie buchen können. Die Buchung ist nur online möglich.

keiner Ist dem Vermieter überlassen, Vermietung einzelner Zimmer, Zimmer in Wohngemeinschaft, ganze Wohnungen und Häuser Kein Eigentum, nur Vermittler von privaten und gewerblichen Objekten

Ist dem Vermieter überlassen, allerdings gibt es Minimal-Standards (z. B. muss für Geschäftsreisende ein 24-h-Schlüsseldepot eingerichtet sein). Viele Infos für Vermieter, wie man was macht, was Gäste begeistert, Hinweise für Rechnungslegung (Mwst-Pflicht) etc.

Abrechnung zentral via Airbnb: Haben Gäste innerhalb von 24 Stunden bei Airbnb nicht reklamiert, wird die Auszahlung an den Vermieter (Überweisung auf Konto) veranlasst. Verwaltungserleichterung für Vermieter: Auf der Airbnb-Website werden gebuchte Tage, der ausbezahlte und erwartete Umsatz pro Jahr/Monat ausgewiesen, die Kundenkorrespondenz ist sichtbar, Airbnb zeigt Preisvorschläge an. Rechnungslegung erfolgt via Airbnb, Servicegebühr für Kunden und für Vermieter. Ansprechpartner für Vermieter und Kunden telefonisch (7/24 h), Online-Plattform für Gastgeber, um Probleme zu besprechen, unregelmäßiger Newsletter von Airbnb für Gastgeber mit Tipps für mehr Umsatz/besseren Service für Gäste. Nach Buchung erhält der Gast die Telefonnummer des Vermieters, der Vermieter ist angehalten, den Gast mit Informationen (schriftlich und telefonisch) zu versorgen. Private und gewerbliche Vermieter zugelassen, alle Arten von Unterkünften (einfachste Angebote bis Luxusimmobilien) Fotoservice (nicht überall verfügbar), um qualitativ hochwertige Bilder und Informationen von der jeweiligen Unterkunft anbieten zu können. Augmented Reality Service. Neben der Vermietung können auch Erlebnisse angeboten werden (Zusatzeinnahmen!), z. B. Weinverkostung, gemeinsames Kochen, sportliche Aktivitäten. Die Probleme mit Airbnb sind auch bekannt: Der Erlös ist wesentlich höher als bei einer Dauervermietung, Städte gehen teilweise aktiv gegen Airbnb vor, Vermieter kommen ihren Pflichten (Anmeldung bei der Stadt/Gemeinde und Steuerzahlung) nicht nach.

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Beispiel

Landlust

Vertrieb

Website, booking.com und andere Portale, die Hausbesitzer nützen

Buchung

Keine Online-Buchungsmöglichkeit (ergo keine Software) auf der Landlust-Website, es können nur Anfragen in einer Kontaktmaske gesendet werden. Bei den Mitgliedsbetrieben wird deren eigene Webadresse angezeigt, ebenso alle Kontaktdaten. Der Kunde muss direkt beim Gastgeber buchen. Geringes Budget (200 Euro pro Mitglied), daher wenig Werbung, TVB Thermenland zahlt mit, nimmt Landlust auch in die Folder auf.

Einkauf

keiner

Gestaltung, Ausstattung, Interior

Individuelle, stilvolle Häuser

Businessmodell, Eigentümer/ private Vermieter

Kein Eigentum, private und gewerbliche Vermieter von Unterkünften in traditionellen Häusern, Gasthöfen und Bauernhöfen, die mindestens 100 Jahre alt sind, Standort Steiermark. Landlust ist ein loses Anhängsel der Angebotsgruppe Thermenland Süd- & Oststeiermark Marketing GmbH.

Service

Landlust-Wertgutscheine telefonisch oder online bestellbar, Wert Euro 100,00. Diese sind für Pauschalangebote und GenussCard (120 Ausflugsziele von 1. März - 31. Oktober kostenlos) und in Betrieben einlösbar. Mit Landlust erfolgt gleichzeitig Werbung für Hochzeiten auf dem Lande. Kein zentraler Service, weder Reinigung noch Schlüsselservice

Buchung und Verwaltung

Gibt keine zentrale Buchhaltung noch Verwaltung, Gruppe ist nicht mal Verein, sondern eine Art Arbeitsgemeinschaft. Einmal pro Jahr Jahresversammlung und gegenseitiger Besuch. Zusammenarbeit auf Projektebene für Thermenland z. B. bei Workshops etc.

Verortung Rezeption/Ansprechpartner

Ansprechpartner telefonisch, per Kontaktformular oder E-Mail (Thermenland)

Kriterien

Private Eigentümer, Haus mindestens 100 Jahre alt, revitalisiert nach best. Richtlinien (originalgetreu). Empfehlung, auch alte Möbel bzw. Holzmöbel zu verwenden, regionale Erzeuger.

Ergebnisse, Interview/Recherche

Bemühen um Nachhaltigkeit, Verringerung des CO2-Abdrucks. Historische Bausubstanz soll erhalten werden. Individuelle Urlaubserlebnisse, bei aller Gemeinsamkeit gleicht kein Haus dem anderen. Ruhige Lage/Garten/Terrasse Voraussetzung Überprüfung der Häuser alle 3 - 4 Jahre durch den Landlust-„Vorstand” anhand der Kriterienliste (es wurden auch schon Mitglieder ausgeschlossen). Es gibt eine Stilberaterin für authentische Einrichtung!

(Reinigung, Zimmerschlüssel, etc.)

Bild li.: https://media-cdn.holidaycheck.com/w_1280,h_720,c_ fill,q_80/ugc/images/043ea364967a-4b88-8f0e-d8e0d767e94a

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Romantikinitiative Steiermark Eigene, kleine Website, wichtiger: Website (Romantikurlaub) und Printprodukte des TRV Hochsteiermark (Package-Bücher, Prospekte) https://www.steirische-romantik.at/romantikzimmer/ Kein Online-Buchungstool, Mitgliedsbetriebe sind aufgelistet und präsentieren sich auf eigener Seite mit E-Mail und Website. Anfrage an alle Romantikzimmer-Betriebe, an Betriebe in der Region und einzelne Betriebe über Anfragemaske möglich https://www.hochsteiermark.at/de/urlaubsthemen/ausfluege-und-wissenswertes/romantik-urlaub-in-der-steiermark.html Über Website Hochsteiermark sind Anfragen an Vermieter bzw. Buchungen der Romantikzimmer möglich. Manche Betriebe haben nur ein Romantikzimmer, manche mehrere, manche haben alle Zimmer in diesem Stil. Buchungssoftware Feratel Destinations-Managementsystem keiner Individuelle Ausstattung von ländlich-rustikal bis original Jugendstil, Ausstattung mit Whirlpool, Sauna, alles dabei. Wichtig: romantische Atmosphäre Kein Eigentum, Privatvermieter, Gasthöfe, Hotels, Bauernhöfe. Eigentümer der Website ist der Verein Steirische Romantik, der Vertrieb erfolgt über den TVR Hochsteiermark (d. h. die Vermieter sind auf beiden Websites zu finden). Kein direkter Service, da die Vermieter alle dezentral liegen und sich selbst verwalten. Weiterleitung der Buchungsanfragen durch den TRV Hochsteiermark an den Vermieter bzw. Direktbuchung über TRV-Website Keine Verrechnung über den TRV Hochsteiermark, Buchungen direkt beim Betrieb, Abwicklung und Zahlung durch den Vermieter, keine Kommission für den TRV Auf der Website www.steirische-romantik.at/romantikzimmer kein Ansprechpartner zu finden, auch kein telefonischer Kontakt, allein das Kontaktformular. Ansprechpartner ist auch der TRV Hochsteiermark Private und gewerbliche Vermieter, Stilrichtung der Zimmer klassisch, rustikal, Himmelbett und Holzböden Muss, Karaffe mit frischem Wasser, kleines Geschenk im Zimmer. Bäuerliche Produkte für das Frühstück. Kriterien sind definiert. Positiv: Romantikurlaub und Romantikzimmer sehr gefragt, sind einzigartige Zimmer, werden von Gästen direkt angefragt. Schwierig: Wäre schön, wenn noch mehr Betriebe online buchbar wären, Online-Buchbarkeit soll in Zukunft erhöht werden.

Bild re.: http://s3.weddbook.com/ t4/2/0/5/2059688/romanticroom-do-you-want-one-beautifulplaces-pinterest.jpg

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Beispiel

Pannonisch Wohnen

Vertrieb

Pannonisch Wohnen ist ein Unterkunftsangebot auf der Burgenland-Website (authentische Unterkünfte), Werbung hier integriert. Werbung auf der Website, auf Werbemitteln der Burgenland Tourismus GmbH und anderen Kommunikationsinstrumenten der Landestourismusorganisation

Buchung

Keine Online-Buchung möglich, Kontaktdaten des Pannonisch-Wohnen-Vermieters werden angezeigt, Anfrage kann versendet werden. Wenn Vermieterbetrieb an Feratel angeschlossen ist, kann auf dessen Website direkt gebucht werden. Die meisten Betriebe sind aber buchbar auf booking.com und anderen Plattformen (80 %).

Einkauf

keiner

Gestaltung, Ausstattung, Interior

Gemeinsames Logo für die Teilnehmerbetriebe, Durchsetzung aber schwierig.

Businessmodell, Eigentümer/ private Vermieter

Kein Eigentum, private und gewerbliche Vermieter, Website-Eigentümer ist die Burgenland Tourismus GmbH. Die Betriebe sind sehr unterschiedlich, die Eigentümer prägen die Häuser mit ihrem Stil.

Service

Vermarktung über Burgenland Tourismus: Gutscheine, Burgenland-App, Newsletter, interaktive Karte etc. Wenn Angebote im Bereich Natur erstellt werden, werden diese meist mit Pannonisch-Wohnen-Betrieb kombiniert, Marke Burgenland soll verstärkt werden - das Historische, Gemütliche, Authentische.

Buchung und Verwaltung

Keine Kommission für Burgenland Tourismus GmbH, von jedem Betrieb ein Gutschein für 2 Personen pro Jahr (für Marketingzwecke), sonst keine Gebühren

Verortung Rezeption/Ansprechpartner

Ansprechpartner sind die Vermieter selbst, sonst die Burgenland Tourismus GmbH mit Sitz in Eisenstadt.

Kriterien

Private und gewerbliche Vermieter: Hotels, Winzerhöfe, Bauernhöfe, Privatvermieter, Camping, (Burg-) Hotels, 44 individuelle Mitgliedsbetriebe unter „Pannonisch Wohnen” eingetragen (vom Kellerstöckl (Weinkeller) bis zum Relais & Châteaux-Hotel) Strenger Kriterienkatalog, jeder Betrieb wird besichtigt, Beratung bei Umbau/Renovierung/Was muss man bei Vermietung beachten

Ergebnisse, Interview/Recherche

Positiv: Eigentümer sind sehr enthusiastisch. Schwierig: kein direktes Buchungstool auf der Website verfügbar, Buchung sollte für Gast schneller und direkter sein. Ende des Jahres wird es eine neue Website der Burgenland Tourismus GmbH geben, die eine Vereinfachung ermöglichen kann (Details nicht bekannt).

(Reinigung, Zimmerschlüssel etc.)

Bild re.:https://res.cloudinary.com/seekda/image/upload/w_1200,h_800,c_fill,f_auto,fl_lossy,q_auto/production/ AT_UAB1-03-07-09/CRW_5934_JFR.JPG Bild unten: https://www.diereisezeit.com/wp-content/uploads/2015/11/DSC_0049.jpg

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Fazit Kleinvermieter-Initiative: Die Analyse beschränkte sich daher auf den Vergleich der Leistungen und eine Diskussion in den Werkstätten über geeignete Varianten für Wëlle Westen. Aus Sicht der begleitenden Berater benötigt es im Wëlle Westen nicht nur Vertrieb, sondern vor allem auch eine Produktentwicklung attraktiver Leerstandsangebote (Apartments) und Privatvermieter-Initiativen oder kleinbetriebliches Engagement (Gîtes insolites, Gîtes ruraux). Die nationale Initiative, die sich ausschließlich an Gemeinden als Projektträger richtet, wird sich zunächst mit der Schaffung neuer, kleiner Beherbergungsstrukturen befassen und später dann Vertriebs- und Vermarktungsmodelle ausarbeiten. In einem Aufruf an die Bevölkerung – wir benötigen mehr Zimmer! - kann gemeinsam mit dem ORT und der nationalen Initiative „ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten“ (Gites incolites) die sogenannte „LUES - Gîtes Slow“ als Atert-Wark-Projekt entwickelt werden. Die Idee: Leerstand oder Privatzimmer werden in einem reduzierten und puristischen „SLOW Design“ und -Gestaltungskonzept entwickelt – ähnlich wie Pannonisch Wohnen im Burgenland, Romantikzimmer Steiermark oder Landlust.at. Die nächsten Schritte: KURZFRISTIG • Slow-Kriterien an bestehende Privatzimmer-Vermieter kommunizieren • TI übernimmt erste Qualitätssicherungsgespräche mit Vermietern (Julia Schrell in Gestaltung) • Erste Vertriebsprofessionalisierung über Airbnb (Schulungstag mit ORT/TI) MITTELFRISTIG • Zusammenarbeit mit Gringgo unter anderem als gemeinsame Einkaufszentrale ausarbeiten • Anfrage Ostbayern: Lizenzkosten PMS • Vertiefende Ausarbeitung einer Produktentwicklungs-Taktik für Klein- und Privatvermieter • Klärung und Abstimmung der Ziele und Rahmen einer nationalen Lösung durch das ORT Guttland • Vertiefende Entwicklung gemeinsam mit externen Beratern für touristische Produktentwicklung und/oder für digitale Vertriebswege sinnvoll • Entwicklung eines Pilotprojektes in der Region als „Vorzeige-Modell” für Gîtes in Luxemburg als eine nationale Offensive mit folgenden Zielsetzungen: • Belebung und Attraktivierung von Leerstandslagen in ländlichen Siedlungsgebieten • Schaffung von mobilen oder ungewöhnlichen Unterkünften • Schaffung von Zusatzeinkommen und Arbeitsplätzen im ländlichen Raum • Begegnungsqualität mit der einheimischen Bevölkerung • Attraktive Privatunterkünfte am Land, Urlaub am Bauernhof ...

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UNSERE ZUKUNFT IST SLOW. Schlussgedanken. Der Entwicklungsprozess des LEADER-Projektes Slow Tourism Atert-Wark 360° hat 8 Monate gedauert, im Zuge einiger LEADER-Projekt-Werkstätten wurden viele wesentliche Inhalte erarbeitet und von den Teilnehmern aus der Region AtertWark wesentliche Ideen entwickelt, diskutiert und konzipiert. Zielvorschläge der Teilnehmer, die mit der Projektumsetzung erreichbar werden, finden Sie untenstehend. Auf den folgenden Seiten haben wir ausgesuchte Wortmeldungen der Teilnehmer als Schlussworte dieses Leitfadens ergänzt.

Redange im April 2019 Büro Leader Atert-Wark, Saint Elmo’s Tourismusmarketing

Wo stehen wir in drei Jahren (2022)? • „Alles läuft glatt im Museum.“ • „Slow – wollen andere auch.“ • „Region ist als Slow-Region bekannt.“ • „Zimmer sind belegt.“ • „10 gebuchte Slow-Trips-Programme.“ • „P. Lauer ist ein Musterbeispiel für eine Slow-Unterkunft.“ • „Touristinfo in Zusammenarbeit mit kleinen Infos ist koordiniert.“ • „Alle Projekte laufen – neue kommen dazu.“ • „Redingen ist in ausländischen Tourismuszeitungen publiziert.“ • „Wow! Das haben wir geschafft!“ • „Gute Bewertungen.“

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ZITATE

Ideen und Vorschläge „Local Guide für einen Tag – Rent a Sepp“

„Einwohner auf Zeit“

„Hör-Räume schaffen“ „Kräuter zum Anfassen“

„Reisemotiv ist das Erlebnis“

„Zertifikat für Gäste ausstellen – zum Mitnehmen aus dem Wëlle Westen“

„Waldbaden“ „Eine Schaukel für Erwachsene bräuchten wir – und Feuerschalen für die perfekte Abendstimmung.“

„Gesund schlafen – Wert auf die Matratze legen. z B. Gast kann sich Kissen aussuchen und mit welchem Waschmittel die Bettwäsche gewaschen wurde.“

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„Nahversorger – Selbstbedienung. Vertrauen.“

„Authentizität - Menschen, die erzählen (z. B. frühere Grubenarbeiter)“

„Slow ist mehr – nicht nur Geld verdienen“

„Dem Gast ermöglichen zu lernen – durch einen Urlaub in Luxemburg“

„Don’t push the river. Seine Füße auf Sitzstufen in die Atert eintauchen und alle Zeit der Welt haben – das wäre etwas. “

„Starke Momente beim Reisen“ „Service: Brettspiele, Musikinstrumente, offener Kamin, Kräuterbeet, Garten wie früher, E-Bike-Verleih …“

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SLOW SLOW SLOW SLOW SLOW

IST IST IST IST IST

MEHR ALS EIN TREND. EINE HALTUNG. BEGEGNUNG. AUCH BUSINESS. UNSER LEBENSRAUM.

SLOW REGION WËLLE WESTEN IM GUTTLAND.

Enso, Kreis der Entschleunigung.


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