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SAH News März 1/ 2016 N   eu beim SAH Zentralschweiz – Ateliers für Frauen: Arbeits- und Bildungswerkstätte für Frauen Bezahlte Arbeit zu haben– für viele Frauen ein Ziel, das schwer zu erreichen ist. Die Gründe sind vielfältig: Sie haben jahrelang ihre Kinder erzogen und sich um den Haushalt gekümmert – ihr Berufsfeld entwickelte sich derweil rasant weiter und sie verpassten den Anschluss. Oder sie sind in die Schweiz immigriert, eine bei uns anerkannte Ausbildung fehlt. Oder sie haben gesundheitliche oder psychische Probleme und sind daher vorübergehend aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden. Oder… Najiba Thameur ist so eine Frau. In ihrem Heimatland genoss sie eine gute Bildung und hatte eine feste Anstellung. Auch in der Schweiz arbeitete sie – bevor sie sich jahrelang um ihre drei Kinder kümmerte. Als die Kinder etwas grösser waren und sie wieder arbeiten wollte, entwickelte sich dies zum Spiessrutenlauf. Dank den Ateliers für Frauen – einer Arbeits- und Bildungswerkstätte, die erwerbslose Frauen in den ersten Arbeitsmarkt eingliedert – konnte sie wieder Fuss fassen im Arbeitsmarkt. Seit Anfang dieses Jahres sind die Ateliers für Frauen ein Bereich des SAH Zentralschweiz – ein guter Grund, die vorliegenden SAH News deren Angeboten zu widmen.

80 Jahre Schweizerisches Arbeiterhilfswerk SAH Veranstaltung vom Samstag, 18. Juni Weit über 20‘000 Personen jährlich profitieren von Angeboten der zehn Regionalvereine des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks SAH. Dieses Jahr feiert das SAH sein 80. Jubiläum. Für uns ist dies Anlass, den Blick auf eine Gruppe von Menschen zu richten, die derzeit viel in den Schlagzeilen steht: die Flüchtlinge. Am Samstag, 18. Juni 13.30 Uhr veranstalten wir ein Podium, das sich mit der Integration von Flüchtlingen, dem Handlungsbedarf und der Rolle der Wirtschaft und den staatlichen Aufgaben befasst (siehe Seite 4). Nahost-Experte Ulrich Tilgner hält ein Inputreferat. Vielleicht dürfen wir Sie an diesem Samstagnachmittag auch begrüssen? Wir freuen uns über Ihre Teilnahme. Beat Däppeler Präsident SAH Zentralschweiz


Wieder Fuss fassen im Arbeitsmarkt

Arbeit, Austausch und Bewerbungsunterstützung «Vom ersten Tag an habe ich mich in den Ateliers für Frauen wohl gefühlt», erzählt Najiba Thameur. Bei ihrem Eintritt wurden ihr die verschiedenen Ateliers gezeigt – Malen, Keramik, Floristik, Garten, Näh-, Papier- und Siebdruckatelier. «Am liebsten hätte ich im Nähatelier gearbeitet», blickt sie zurück, jedoch war kein Platz frei. Daher «Ich wollte wieder arbeiten und eigenes Geld verdienen», erzählt begann sie im Floristikatelier zu arbeiten – sechs Monate lang in einem Najiba Thameur. Die 46jährige gebürtige Tunesierin mit Schweizer- 50%-Pensum. pass kam 1998 zusammen mit ihrem Ehemann in die Schweiz. Zwei Monate lang besuchte sie einen Deutschkurs, schon nach drei Monaten begann sie in einer Wäscherei zu arbeiten. Sie arbeitete mehrere Jahre lang – dann wurde sie Mutter. «Nach der Geburt meines ersten Kindes arbeitete ich anfänglich auch noch ausser Haus», erzählt Najiba Thameur. Erst nach der Geburt des zweiten Kindes gab sie ihre Stelle auf und engagierte sich ausschliesslich als Hausfrau und Mutter. Fürs Familieneinkommen sorgte ihr Gatte. «Anfänglich hatte ich keine Ahnung, wie ich Blumen binden soll», lacht sie. «Sie zeigten mir alles, ich lernte und setzte eigene Ideen um.» Belastende Familiensituation Najiba gefiel es sehr im Floristikatelier, sie war mitten unter Frauen, Das Jahr 2004 veränderte das Leben der Familie Thameur einschnei- die sie akzeptierten. Sie lernte viel neues, ihre Arbeit wurde geschätzt, dend: Najibas Ehemann verunfallte bei der Arbeit schwer. Seither ist sie erhielt Komplimente. «Nie hätte ich gedacht, dass ich so schöne er nicht mehr derselbe. Woche für Woche besucht er Therapien, Sträusse und Gestecke machen kann», erzählt sie. Jeden Dienstag nimmt Schmerzmittel. Arbeiten kann er nicht mehr. Zwei Jahre lang unterstützte eine Arbeitsagogin sie beim Verfassen von Bewerbungslebt die Familie fortan von Beiträgen der Taggeldversicherung – dann schreiben. «Alleine ein gutes Bewerbungsschreiben zu verfassen bleiben diese aus. Najiba und ihrem Mann steht der schwere Gang traute ich mir nicht zu, mein Deutsch war zu wenig gut.» aufs Sozialamt bevor – seither kommt dieses für den Lebensunterhalt Najiba Thameur hat sich in den sechs Monaten, in denen sie bei den der mittlerweile fünfköpfigen Familie auf. «Für mich war das eine Ateliers für Frauen arbeitete, oft beworben – für Logistikjobs, in schwierige Zeit», erzählt Najiba Thameur. «Die Familiensituation Wäschereien, in der Reinigung – nie klappte es, die Absagen häuften belastete mich sehr. Ich sehnte mich danach, rauszukommen, unter sich. «Ich vermute, viele Arbeitgebende hat es abgeschreckt, dass ich Leute zu gehen, etwas zu tun, zu arbeiten.» ein Kopftuch trage», meint sie etwas traurig. Doch dann, eines Tages, steckte ihr eine Mitarbeiterin der Ateliers für Frauen eine Adresse zu und sagte, hier werde jemand für Reinigungsarbeiten gesucht. Najiba packte ihre Chance, rief an, und durfte sich der Inhaberin einer Reinigungsfirma vorstellen. Beim ersten Termin begleitete diese Najiba zu einer Kundin und erklärte ihr, was sie machen solle – dann liess sie Najiba allein. Nach der Arbeit kam die Chefin wieder vorbei Eines Tages besprach Najiba ihre Situation mit einer Sozialarbeiterin und kontrollierte Najibas Arbeit. So ging es ein paar Mal – jedes Mal des Sozialdienstes ihrer Wohngemeinde. Von dieser hörte sie erst- war sie sehr zufrieden mit dem, was sie sah. Naijba erhielt immer mehr mals von den Ateliers für Frauen und davon, dass sie als Langzeitar- Aufträge. Sie bestand die einmonatige Probezeit und konnte einen beitslose mit Anspruch auf wirtschaftliche Sozialhilfe zur Zielgruppe Arbeitsvertrag abschliessen. des Angebots gehöre. Sie könne dort etwas Neues lernen, sagte die Heute arbeitet Naijba etwa 40 %. Sie mache diese Arbeit gerne und Sozialarbeiterin. Und sie werde bei der Stellensuche unterstützt, bei- schätze es, alleine und selbstverantwortlich zu arbeiten, erzählt sie spielsweise beim Verfassen von Bewerbungsschreiben. - Najiba war «Es ist körperlich ein bisschen streng – aber ich bin zufrieden». sofort interessiert. Rückblickend war die Zeit in den Ateliers für Frauen sehr wichtig für Najiba: «Ich konnte weg von zuhause, mit anderen Menschen sprechen, Bewerbungen verfassen – und auch wieder Hoffnung schöpfen, dass sich unsere familiäre Situation verbessern wird», sagt sie. «Die Ateliers für Frauen waren für mich die Chance, wieder auf eigene Beine zu kommen!»

«Die Ateliers für Frauen waren für mich die Chance, wieder auf eigene Beine zu kommen!»

«Sie zeigten mir alles, ich lernte und setzte eigene Ideen um.»


Laufend gesucht: Einsatzplätze in KMU In verschiedenen Integrationsangeboten vermitteln wir Einsatzplätze im ersten und zweiten Arbeitsmarkt an Menschen, die aufgrund ihrer beruflichen und/oder persönlichen Voraussetzung (Alter, Gesundheit Sprachdefizite usw.) auf Stellensuche sind. Unsere Berater/-innen begleiten die Einsatzbetriebe und die teilnehmenden Personen während des Einsatzes. Wenn Sie einen Einsatzplatz in Ihrer KMU zu vergeben haben, freuen wir uns auf Ihre Kontaktnahme unter info@sah-zs.ch

Jugendliche unterstützen Möchten Sie einen Jugendlichen, eine Jugendliche während eines Schuljahres beim Berufseinstieg begleiten? Dann kontaktieren Sie bitte Christine Spychiger, Projektleiterin: christine.spychiger@sah-zs.ch

Ateliers für Frauen: Eine Brücke zum ersten Arbeitsmarkt

Wöchentliche persönlichkeitsorientierte Weiterbildungen, Bewerbungscoachings, Einzelcoachings, arbeitsmarktorientierte Deutschförderung sowie Bewerbungsunterstützung ergänzen die handwerkliche Tätigkeit. Damit wird eine persönliche Weiterentwicklung ermöglicht und die Teilnehmerinnen der Ateliers sind gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. Die in den Ateliers hergestellten Produkte werden im Laden in Horw und auf dem Wochenmarkt in Luzern verkauft.

Die Ateliers für Frauen wurden 1997 gegründet, seit 1. Januar 2016 Dauereinsatzplätze «Natur-pur» sind sie ein Bereich des SAH Zentralschweiz. Die Ateliers für Frauen Die Schaffung einer Tagesstruktur und die Abklärung, ob eine Integverstehen sich als Arbeits- und Bildungswerkstätte, die erwerbslose ration in den ersten Arbeitsmarkt möglich ist, stehen bei den DauerFrauen wieder in den ersten Arbeitsmarkt eingliedert. Den Frauen ste- einsatzplätzen im Vordergrund. Die Teilnehmerinnen arbeiten in hen verschiedene handwerkliche und kreative Bereiche (Ateliers) hauswirtschaftlichen Arbeitsbereichen, in handwerklichen Ateliers offen: Floristik, Keramik, Textil, Malen oder Garten. Je nach Fähigkeit, und im Küchenbereich. Bei Frauen ohne Arbeitserfahrung in der Ausbildung und Interesse der Teilnehmerinnen werden sie einem Schweiz wird die Arbeitsmarktfähigkeit abgeklärt und sie sammeln bestimmten Atelier zugeteilt. Arbeitsagoginnen fördern und fordern erste Arbeitserfahrungen. Migrantinnen haben die Möglichkeit, einen sie, damit sie die Arbeit produktiv ausführen können. Die Arbeits- Tag in der Woche den internen, arbeitsmarktorientierten Deutschstrukturen der Ateliers bilden jene des ersten Arbeitsmarktes reali- kurs zu besuchen. Deutschförderung findet intensiv auch bei der Arbeit statt. tätsnah ab. Anmeldungen für die Ateliers für Frauen tätigen die zuständigen Regionalen Arbeitsvermittlungsstellen (RAV), die Dienststelle BerufsBildlegenden und Weiterbildung «startklar», IV-Stellen und Sozialdienste der WohnTitelseite: Hasen-Produktion in den Ateliers für Frauen gemeinde der Frauen. S. 2 oben: Schönes entsteht auch aus Altpapier S. 3 oben: Blick ins Verkaufslokal in Horw S.3 unten: Liebevoll hergestellte Hühner – eine tolle Osterdekoration


Agenda

Details unter: www.sah-zentralschweiz.ch

News immer auch auf Facebook: www.facebook.com/SAHZentralschweiz Dienstag, 19. April 2016, 19 bis 21 Uhr SAH Frauenpalaver: Lebensphasen und Lebensfragen

Schmetterlinge im Bauch: Beziehungen Ort: Sentitreff Luzern Mittwoch, 18. Mai 2016, 17 Uhr

Jahresversammlung SAH Zentralschweiz (nur für geladene Gäste) Ort: Zentrum DerMaihof, Luzern Anschliessend Apéro im Restaurant Libelle Samstag, 18. Juni 2016, 13.30 bis 17 Uhr

Podium zur Situation der Flüchtlinge, ihrer Integration, dem Handlungsbedarf und der Rolle der Wirtschaft und des Staates. Input Ulrich Tilgner, Nahost-Experte Details ab April unter www.sah-zentralschweiz.ch Ort: Universität Luzern, Hörsaal 1 Anschliessend Apéro 13. – 19. Juni 2016

Aktionswoche Asyl Detailliertes Programm unter www.aktionswocheasyl-stadtluzern.ch Ort: verschiedene Lokalitäten, gemäss Programm Dienstag, 28. Juni 2016, 19 bis 21 Uhr SAH Frauenpalaver: Lebensphasen und Lebensfragen

Ein Wunder entsteht: Schwangerschaft Ort: Sentitreff Luzern

Kurznews

Unsere Standorte

Personelles Seit Mitte März ist Daniel Schaufelberger neuer Bereichsleiter des Bereichs Arbeit und Bildung. Daniel Schaufelberger war als Dozent, Projekt- und Studienleiter an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit in Luzern tätig. Bis 2008 arbeitete er als Leiter Fachbereich Case Management bei der CSS Versicherung, Luzern. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung.

Geschäftsstelle und Bereich Arbeit und Bildung Birkenstrasse 12 Postfach 3867 6002 Luzern Telefon 041 418 71 81

Migration Co-Opera Reussport 2 Luzerner Wochenmarkt Ab 12. März sind die Ateliers für Frauen wieder auf dem Luzerner 6004 Luzern Wochenmarkt vertreten. Marktstand beim Luzerner Theater, Telefon 041 249 49 00 Dienstag 7.30 bis 12 Uhr und Samstag 7.30 bis 12.30 Uhr. Infozentrum Luzern Bundesstrasse 9 Elektronischer Newsletter Wenn Sie künftig unseren elektronischen Newsletter erhalten Postfach 3867 möchten, freut uns Ihre Anmeldung! Einfach eine Email senden an 6002 Luzern Telefon 041 360 30 04 newsletter@sah-zs.ch. Infozentrum Sursee Centralstrasse 14b 6210 Sursee Telefon 041 921 93 05

Impressum Herausgeberin: Text & Redaktion: Fotos: Gestaltung: Druck:

SAH Zentralschweiz Elisabeth Gebistorf Käch, Beat Däppeler Jutta Vogel, Luzern Lukas Gallati Grafik, Luzern Druckerei Ebikon AG

Regionalbüro Zug Bahnhofstrasse 16 6340 Baar Telefon 041 712 27 20

Fachstelle BiSt Birkenstrasse 8 Postfach 3867 6002 Luzern Telefon 041 240 78 68 Ateliers für Frauen Kantonsstrasse 19 6048 Horw Telefon 041 340 46 40

info@sah-zs.ch www.sah-zentralschweiz.ch info@bist.ch www.bist.ch IBAN CH25 0900 0000 6048 0662 7 Postcheckkonto 60-480662-7

SAH News 1/2016  

Neu beim SAH Zentralschweiz: Ateliers für Frauen

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