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Jahresbericht 2013 von Saferparty.ch Willkommen zum Jahresbericht von saferparty.ch, dem Nightlife Präventionsangebot der Jugendberatung Streetwork (im Folgenden Streetwork genannt). Im Jahr 2013 stiegen wie 2012 die Nutzungszahlen in praktisch allen saferparty.ch Angeboten. Die seit Jahren anhaltende Zunahme an Angebotsnutzer/innen ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Prävention und Schadensminderung im Nachtleben und für Freizeitdrogenkonsumierende weiterhin einem grossen Bedarf entsprechen. Im Vergleich zu 2012 war beispielswese im Drogeninformationszentrum DIZ eine Zunahme von 372 Kontakten und 74 Beratungen zu verzeichnen, dies bei gleichbleibenden Öffnungszeiten. Die Anzahl der durchgeführten Analysen nahm insgesamt um 388 Proben (+35%) zu. Übersicht Nightlife Bereich 2013 Anzahl Anlässe

DIZ

Anzahl Kontakte

Anzahl Kurzberatungen (>15 Min)

Anzahl Analysen

1’522

577

1261

684

454

271

192

79

199

44

-

-

179

92

-

-

permanent

180‘0001

-

-

-

62

182‘354

984

1476

763

50

Mobiles 7 Drug Checking Alkoholprävention 6 / Club Monitoring Online Beratung permanent Saferparty.ch Total

Anzahl Warnungen

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Abb. 1: Übersicht Nightlife Bereich, 2013 ( unique visitors)

Networking Lokal / National / International Der von der Jugendberatung Streetwork organisierte und koordinierte Zürcher Round Table Nightlife fand 2013 drei Mal statt und wurde insgesamt von 118 (+63%) Personen besucht. Die Hauptthemen waren das geplante Sicherheitskonkordat mit Mindeststandards für Sicherheitsdienstleistende (Security), der Sekundärlärm im Umfeld von Bar und Clubs, die Street Parade 2013, der Umgang mit Rockerkriminalität und das Dienstleistungspapier Nightlife. Die 2012 gebildete Zürcher Substanzexpertengruppe traf sich 2013 dreimal. Im Vordergrund des Austausches standen Substanz- und Konsumtrends bezüglich neuen Psychoaktiven Substanzen (NPS), welche am Zoll beschlagnahmt worden und/oder im Nachtleben konsumiert worden sind. Da Partydrogen kein lokales Phänomen sind, muss Prävention und Schadensminderung in diesem Bereich auch national und international vernetzt tätig sein. Im Rahmen dieser Vernetzung ist Streetwork Mitglied und Koordinationsstelle der Fachgruppe Nightlife des Fachverbands Sucht. Hauptthemen der drei Treffen 2013 waren neben dem Austausch die inhaltliche Entwicklung eines Verhaltensflyers in Verbindung mit dem Massnahmenplan GHB und drogenassoziierten Sexualdelikten, die Integration des Themas Nightlife innerhalb der zwei-

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ten Europäischen Harm Reduction Konferenz in Basel und die Zusammenarbeit innerhalb der durch den Fachverband Sucht geplanten Bestandsaufnahme zum Thema Früherkennung und Frühintervention im Suchtbereich. Aus organisatorischen Gründen fand 2013 kein nationaler Austauschtag statt. National setzte sich Streetwork im Rahmen des Projektes Früherkennung und Frühintervention Nightlife aktiv für die Adaption des Ansatzes - Früherkennung und Frühintervention im Suchtbereich - zur Anwendung im Nachtleben ein. Im Jahr 2013 fanden zwei Treffen und ein nationaler Schulungstag im Rahmen des Projektes F&F Nightlife statt. Beim Schulungstag war Streetwork zuständig für die substanzspezifischen Inhalte. Der Schulungstag wurde erfreulicherweise von 60 Personen aus der ganzen Schweiz besucht. Im 2012 gegründeten Expertennetzwerk Safer Nightlife Schweiz (SNS) ist Streetwork Mitglied der Kerngruppe. Das SNS setzte sich 2013 mit dem Massnahmenplan GHB und Drogenassoziierte Sexualdelikte auseinander. Ausserdem wurden erstmalig die unterschiedlichen nationalen Daten mit Relevanz für das Nachtleben (Präsenzen und Beratungen vor Ort, Anzahl Drug Checking Analysen, etc.) in einem Schweizer Nightlife Jahresbericht zusammengestellt (SNS Report 2013). International war Streetwork im Rahmen des europäischen TEDI Projektes in die Erstellung eines Beratungsleitfadens in Zusammenhang mit einem Drug Checking Angebot involviert. Auf Einladung hin nahm Streetwork an acht verschiedenen Kongressen im Ausland (z.B. Toxikologiefachtagung in Moosbach, EMCDDA Kongress 2013 in Lissabon, Club Health San Francisco, NIGHTS-Conference in Padua), mit eigenen Referaten teil. saferparty.ch Die Besuchsfrequenz von saferparty.ch hat 2013 gegenüber dem Vorjahr wieder stark zugenommen. Rund 180‘000 (+55%) Personen (Unique Visitors) besuchten die Website. Pro Tag besuchten durchschnittlich 493 Personen die Website, die Besucheranzahl variierte zwischen 460 und über 1000 Personen. Am häufigsten wurden die Bereiche Drug Checking / Warnungen und Substanzen aufgerufen. Die aufgeschalteten Warnungen verzeichneten nach der Veröffentlichung durchschnittlich zwischen 1‘900 und 5‘100 Zugriffe. Dass die Besucherzahlen auch 2013 weiter zunahmen, ist unter anderem auf die zusätzlichen Informationen hinsichtlich der Substanzqualität (z. B. Streckmittelblätter), auf eine starke Präsenz in den Medien, auf die direkten Verlinkungen über andere Websites und über Facebook zurückzuführen. Der Facebook Auftritt von saferparty.ch wurde 2013 vermehrt bedient und erfreut sich seither ebenfalls zunehmender Beliebtheit. Die Warnungen auf dem saferparty.ch Facebook Profil wurden im Schnitt von 1500 Personen betrachtet und im Schnitt 10-mal geteilt (sog. Shares). Online Beratung - info@saferparty.ch Besonders erfreulich ist, dass neben der Homepage www.saferparty.ch auch das Angebot der Online-Information und -Beratung weiterhin auf hohem Niveau genutzt worden ist. 2013 liessen sich insgesamt 179 Personen (+3%) vom saferparty.ch Team beraten. Davon waren 101 Personen männlich und 78 weiblich. Um 8% zugenommen (n=86) haben die Onlineberatungen, welche eine komplexere Fragestellung beinhalteten und deshalb mit einem längeren Arbeitsaufwand und zum Teil mit Fol-

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gekontakten verbunden waren. Die Themen Drug Checking und Drogeninformation sind weiterhin bei der Onlineberatung sehr präsent, aber auch Abhängigkeit und Gesundheit sind häufige Beratungsinhalte. Leicht zugenommen haben Fragestellungen zu rechtlichen Themen. Prävention an Parties und Monitoring 2013 hat Streetwork an 7 Anlässen (+1) im öffentlichen Raum, in Clubs und an grösseren Events (z.B. Openair Wipkingen, Oberdorffest, Outdoor-Jugendparties) in der Stadt Zürich Alkohol-Präventionen und Monitorings durchgeführt. Die Alkohol-Prävention ist auf die Sensibilisierung Jugendlicher bezüglich Alkohol induzierten Risiken (z. Bsp. Rauschtrinken) ausgerichtet. 2013 fanden diese Aktionen dreimal in Kooperation mit der Suchtpräventionsstelle der Stadt Zürich und einmal mit der OJA (Offene Jugendarbeit Zürich) statt. Zweimal waren Mitarbeitende von Streetwork mobil an sogenannten Jugendparties präsent. Dabei handelte es sich um bewilligte Anlässe, welche von unter 25 Jährigen organisiert wurden. Ausserdem wurden an 8 Abenden (+5) in den Ausgehzonen zwischen Langstrasse, Escherwyssplatz und dem Niederdorf sowie in den Uferzonen um den Zürichsee mit Goodie Bags und Fragebogen zu spezifischen Themen (Alkohol, Sexualität, Drogen) unsere Angebote bekannt gemacht sowie Jugendliche bezüglich risikohaften Verhalten sensibilisiert. Der Streetwork Anhänger in Aktion

Mobile Drug-Checkings an Parties Im Vergleich zum Vorjahr ist an jeweils sieben Anlässen (z.B. Street Parade, Lethargy, Psychedelic Carnival) im Jahr 2013 die Anzahl Analysen um 16% auf 192 Proben gestiegen. Die Anzahl Kurzberatungen nahm im Vergleich zum Vorjahr um 19% ab. Diese Abnahme kann in erster Linie mit der Einführung eines genaueren Evaluationstools begründet werden. 260 Personen nutzten das Angebot, ohne eine Substanz zur Analyse abzugeben. Die Besucher/innen, mit welchen im Rahmen der mobilen Drug-Checking ein Beratungsgespräch durchgeführt wurde, waren durchschnittlich 29 Jahre alt. Pro Anlass wurden 2013 im Schnitt 30 Analysen und von den 3 – 4 Streetwork Mitarbeitenden jeweils mindestens 38 Kurzberatungen, die länger als 15 Minuten dauerten, durchgeführt.

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Neue Standpräsenz 2013 konnte Streetwork den mobilen Informationsstand den heutigen Anforderungen anpassen. Neu besteht dieser aus zwei miteinander koppelbaren Informationsdesks und einem Touchscreen Monitor, auf welchem Warnungen dem Publikum auf eine attraktive Art und Weise präsentiert werden können. Neben einem attraktiven Auftritt bestanden die Herausforderungen vor allem darin, dass der neue Stand möglichst flexibel, mobil und schnell einsetzbar sein musste. Die neue Standpräsenz war nur dank der zusätzlichen finanziellen Unterstützung durch die Bahnhof Apotheke Zürich und der Firma EXPOformer AG in Bülach möglich. Bilder neue Standpräsenz

DIZ, Drogeninformationszentrum Die Anzahl DIZ Besucher/innen stieg 2013 im Vergleich zum Vorjahr um rund 32% auf 1‘522 Personen. 261 (rund 17%) besuchten das DIZ, ohne eine Substanz zur Analyse abzugeben. Dabei handelte es sich um Personen, welche andere DIZ Besucher/innen begleiteten, um Angehörige, welche ein Beratungsgespräch ohne Substanzanalyse wünschten oder um interessierte Fachpersonen. Knapp 36% der Besucher/innen kamen zum ersten Mal ins DIZ. Mit 577 (+14%) Personen wurde eine Kurzberatung geführt, welche länger als 15 Minuten dauerte. Wie der Abbildung 2 zu entnehmen ist, wurde das DIZ 2013 pro Öffnungstag durchschnittlich von 30 Personen besucht, was einer Zunahme von 7 Personen pro Öffnungstag entspricht (+30%). Dabei wurden im Schnitt pro Öffnungstag 25 Substanzen zur Analyse entgegengenommen, was einem Plus von 40% entspricht. Aufgrund der hohen Auslastung in den Monaten September und Oktober (bis zu 44 Proben/Öffnungstag) entschied man sich aus Qualitätsgründen, eine Obergrenze von 30 Proben pro Öffnungstag festzulegen. Dies führte dazu, dass insgesamt 11 Proben von DIZ-Nutzer/innen aus Kapazitätsgründen abgelehnt werden mussten. Die Gesprächsinhalte waren vor allem Informationen zu Substanzen und zum Drug Checking. In 129 Fällen wurde über Abhängigkeit gesprochen, und in 72 Gesprächen kam das Thema Angehörige zur Sprache. Insgesamt konnten im Jahr 2013 90 Personen zu einem Übertritt in ein höherschwelliges Angebot motiviert werden. Das Durchschnittsalter der DIZ Besucherinnen lag bei 31 Jahren, der Hauptteil der Besucher/innen war

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zwischen 24 und 35 Jahre alt und der Frauenanteil ist im Vergleich zum Vorjahr wieder um 4% gesunken und lag bei 24%.

DIZ Nutzungszahlen/Öffnungstag 35.0 30.0 25.0 20.0

Analysen

15.0

Kontakte

10.0

Beratungen

5.0 0.0 2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

Abb 2: DIZ Nutzungszahlen/Öffnungstag, 2006 - 2013

Substanzentwicklungen / Warnungen Insgesamt wurden im Jahr 2013 1‘476 Analysen durchgeführt, wobei in 763 Fällen Konsumierende vor einem unerwarteten Inhaltsstoff oder einer hohen Dosis gewarnt werden mussten (+77%). Im DIZ wurden 1‘261 Analysen durchgeführt. Wie der Abbildung 3 zu entnehmen ist, wurden am häufigsten die Substanzen Kokain, Speed sowie XTC Tabletten und MDMA Kristalle zur Analyse abgegeben Die Substanzverteilung ist im Vergleich zum Vorjahr mit Ausnahme von XTC Tabletten und MDMA Pulver (+3%) gleich geblieben.

Analysierte Substanzen DIZ, 2013 LSD 5%

Andere 9%

Speed 21%

MDMA Kristalle/Pulver 10%

Kokain 43%

XTC Tabletten 12%

Abb. 3: Analysierte Substanzen im DIZ, 2013

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Der durchschnittliche Kokaingehalt ist 2013 stabil geblieben. Im Schnitt enthielten die Kokainproben rund 60.5% Kokain (2012: 59.6%). Der niedrigste Kokaingehalt lag bei 0.1%, der höchste Wert bei 99%. Über die Hälfte (58.9%) der Proben enthielten mehr als 60% Kokain*HCl (+7.6%). 2013 waren 87% (-3%) aller Kokainproben, welche im DIZ zur Analyse abgegeben wurden, mit mindestens einer oder mehreren psychoaktiven Substanzen gestreckt! 70.7% der Proben enthielten Levamisol, 28.9% Phenacetin. Weitere gängige Streckmittel waren Lidocain, Koffein sowie Hydroxyzin. In einzelnen Proben wurden bis zu sechs psychoaktive Inhaltsstoffe detektiert. Vgl. Kokainstreckmittelblatt 2013. Die analysierten Speedproben enthielten durchschnittlich 35.7% Amphetamin (+9.1%). Der niedrigste Amphetamingehalt lag bei 0.4%, der höchste bei 94.0%. 77.5% (-6.8%) der Amphetaminproben waren mit einem weiteren psychoaktiven Streckmittel gestreckt: 67.7% enthielten traditionellerweise Koffein, rund 32.3% beinhalteten ein weiteres Streckmittel (+15.5%). 5.8% der analysierten Amphetaminproben enthielten 4-Methylamphetamin (-2.3%). Weitere Streckmittel waren 4-Fluoramphetamin, MDMA oder Kokain. Alarmierend war 2013 der hohe Anteil an analysierten Synthesenebenprodukten (23.5%). Nebst DPIA handelte es sich dabei um Phenylaceton, 4-Methyl-5-phenylpyrimidin und um zahlreiche weitere Nebenprodukte. Vgl. Amphetaminstreckmittelblatt 2013. Die im DIZ analysierten XTC-Tabletten enthielten durchschnittlich 106.8mg MDMA*HCl (3.3mg weniger als 2012). Die Spannweite bei den analysierten Proben reichte von 4.1mg bis zu 213.6mg pro Tablette. Zum Teil waren diese Proben aber sehr hoch dosiert. Der Anteil der Tabletten mit einem MDMA-Gehalt von mehr als 120mg war vergleichbar mit 2012 und betrug 27.1%. Rund 66% der analysierten XTC’s enthielten nur MDMA*HCl und keine weiteren psychoaktiven Substanzen. 34.0% der Tabletten enthielten neben oder anstelle von MDMA mindestens eine weitere oder eine andere psychoaktive Substanz. Dieser Wert hat im Vergleich zu 2012 stark zugenommen (+16.5%). Am häufigsten handelte es sich um Koffein (18.8%) und um Amphetamin (9%). 2.8% der Tabletten enthielten das besonders bedenkliche PMMA, welche in hohen Dosen oder in Kombination mit anderen serotoninerg wirksamen Substanzen zu einem Serotoninsyndrom führen kann. Vgl. XTC-Streckmittelblatt 2013. MDMA Pulver Proben, die am viert häufigsten analysierte Substanz, enthielten durchschnittlich 85% MDMA. Die Reinheit variierte zwischen 22% und 98% MDMA. 15% der Proben enthielten mindestens ein psychoaktives Streckmittel, am häufigsten handelte es sich dabei um Kokain, Levamisol und MDA. Die analysierten LSD Proben enthielten durchschnittlich 71.6 µg LSD, der Wert variierte zwischen 5.9 µg und 164.2 µg LSD. Unverändert bei ca. 2% lag der Anteil an Neuen Psychoaktiven Substanzen, welche zur Analyse ins DIZ gebracht wurden. Bei den restlichen analysierten Substanzen (9% der Gesamtzahl) handelte es sich um Heroin, Methamphetamin, 2C-B, Medikamente oder auch Pulver oder Tabletten mit unbekannten Inhaltsstoffen. Bei den sieben mobilen Drug Checking wurden insgesamt 192 Proben analysiert. Abbildung 4 stellt dar, dass bei den mobilen Einsätzen XTC Tabletten und MDMA Kristalle mit 43% (6%) die am meisten analysierte Substanzen waren. Die Ecstasy Tabletten enthielten durchschnittlich 118.2mg MDMA. 79.6% enthielten nur MDMA als Wirkstoff. 20.4% waren mit mindestens einem psychoaktiven Streckmittel gestreckt. Dabei handelte es sich um Amphetamin, Koffein und m-CPP. Im Vergleich zu den im DIZ analysierten XTC Tabletten fällt auf, dass die durchschnittliche Reinheit 10mg höher war und der Anteil der Proben mit einem psychoaktiven Streckmittel um 14% niedriger ausfiel. Knapp 23% (+8%) der abgegebenen Substanzen waren Speedproben. Durchschnittlich enthielten diese 28% Amphetamin, die Reinheit variierte jedoch stark zwischen 1.7% und 96.1% Amphetamin. 84.4% der Amphetaminproben enthielten mindestens ein psychoaktives Streckmittel, am häufigsten handelte

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es sich dabei um Koffein und Synthesenebenprodukte. Im Vergleich zu den im DIZ analysierten Amphetaminproben fällt auf, dass die durchschnittliche Reinheit um 7% niedriger ausfiel und der Anteil der Proben mit mindestens einem psychoaktiven Streckmittel um 7% höher lag. 25% waren Kokainproben (+10%), diese enthielten durchschnittlich 51.4% Kokain. Die Reinheit variierte zwischen 7.9% und 94.4% Kokain. 89.4% der Kokain Proben waren mit mindestens einem psychoaktiven Streckmittel gestreckt. Am häufigsten handelte es sich um Levamisol und Phenacetin. Im Vergleich zu den im DIZ analysierten Kokainproben fiel die durchschnittliche Reinheit um 9% niedriger aus, und der Anteil der Proben lag mit mindestens einem psychoaktiven Streckmitteln um 2% höher. 3% der im Rahmen der mobilen Drug Checking analysierten Proben waren LSD. Bei den restlichen analysierten Substanzen (6% der Gesamtzahl) handelte es sich um Heroin, 2C-B, Ketamin oder auch Medikamente. Es wurden keine NPS und kein Methamphetamin zur Analyse abgegeben.

Analysierte Substanzen Mobil, 2013 LSD 3%

Andere 6%

Kokain 25%

Speed 23%

MDMA Kristalle/Pulver 15%

XTC Tabletten 28%

Abb. 4: Analysierte Substanzen beim mobilen Drug Checking, 2013

Fragebogendaten 2013 Seit Beginn 2001 steht das Drug Checking Angebot in Verbindung mit dem Ausfüllen eines anonymen Fragebogens, welcher gleichzeitig schweizweit verwendet wird. Dieser wurde im Rahmen der Arbeitsgruppe F&F Nightlife in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gesundheits- und Suchtforschung (ISGF, Zürich) entwickelt. Die Auswertung wird jeweils durch das ISGF vorgenommen. 2013 wurden von den Streetwork Mitarbeitenden im Rahmen des mobilen Drug Checking und im DIZ 413 Fragebogen ausgefüllt. Das Ausfüllen des Fragebogens dauerte jeweils durchschnittlich 25 Minuten. 83.3% der Befragten waren männlich und 16.7% weiblich, das Durchschnittsalter lag bei 28.9 Jahren. 78% der Befragten war unter 31 Jahre alt, am grössten war der Anteil zwischen 19 und 24 Jahren, welcher bei 31.2% lag. 20.6% waren noch in Ausbildung, 66.5% arbeiteten, 7.5% waren auf Stellensuche und 5.3% gaben an, nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt aktiv zu sein. 19.4% wiesen über einen Hochschulabschluss auf und 51.1% gaben an, eine Berufsausbildung abgeschlossen zu haben. Da die Fragebögen im Rahmen eines Drug Checking ausgefüllt wurden, überraschen die hohen Lebensprävalenzen nicht: 95.3% hat schon einmal Tabak konsumiert, 99.3% Alkohol, 97.8% Cannabis, 92.0% MDMA (Pulver oder Tablette), 82.6% Kokain, 78.5% Amphetamin, 63.7% LSD und 17.7% gaben an, jemals eine Neue Psychoaktive Substanz (NPS) konsumiert zu

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haben. Die folgenden Abbildungen 5 und 6 zeigen die Monatsprävalenz und die im Rahmen einer typischen Partynacht am häufigsten konsumierten Substanzen auf. 30-Tages Prävalenzen, 2013 (N=413) Alkohol Tabak Cannabis Kokain Ecstasy (MDMA) Amphetamin (Speed) LSD Ketamin vMed Psylos 2C-B Poppers nvMed GHB/GBL Methamphetamin Andere NPS Heroin

91.7% 82.0% 68.4% 44.2% 43.6% 42.0% 15.6% 9.5% 8.5% 7.4% 6.0% 5.6% 5.4% 5.1% 3.2% 2.7% 2.4% 1.2%

Abb. 5: 30-Tages Prävalenzen, 2013 (N=413)

Konsum während einer typischen Partynacht, 2013 (N=413) 68% 66.6%

Tabak 33.2% 29.5% 25.4% 16.9%

Ecstasy (MDMA) Kokain Nichts Ketamin Poppers Heroin Psylos

7.3% 3.6% 3.1% 1.9% 1.5% 1.2% 1% 0.5% 0% 0%

Abb. 6: Konsum während einer typischen Partynacht, 2013 (N=413)

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In Zusammenhang mit dem Konsum in einer typischen Partynacht wurde auch der Frage nach dem besonders problematischen Mischkonsum nachgegangen. Dabei gaben 58.8% der Befragten an, mindestens zwei psychoaktive Substanzen (exklusiv Tabak) während einer typischen Partynacht zu konsumieren. Am häufigsten wurde dabei Alkohol und Cannabis kombiniert. Die im Zusammenhang mit dem Konsum in einer typischen Partynacht erfragten Mengen variierten stark. Die Befragten gaben an, durchschnittlich 21.1 Zigaretten (zwischen 1 bis 60 Stück) geraucht zu haben, beim Alkohol lag der Durchschnittswert bei 6.5 Standardgetränken (zwischen 1 und 25 Getränken). Zudem wurden durchschnittlich 4 Joints geraucht (zwischen 0.5 und 20 Joints), 0.9 Gramm Kokain (zwischen 0.1 und 4 Gramm) und 0.7 Gramm Amphetamin (zwischen 0.05 und 2.5 Gramm) geschnupft sowie durchschnittlich1.7 Ecstasy Tabletten (zwischen 0.5 und 5 Pillen) konsumiert. Nur 9.8% der Befragten gaben an, noch nie ein kurzfristiges Problem in Zusammenhang mit dem Substanzkonsum erlebt zu haben. Am häufigsten handelte es sich dabei um einen Bad Trip (45.5% der Fälle), um Autofahren unter Einfluss von Alkohol und Drogen (47.2%), um Probleme mit der Polizei (46.5%) oder um eine depressive Verstimmung (43.7%). 64% gaben an, langfristige Probleme in Zusammenhang mit dem Substanzkonsum zu erleben, am häufigsten wurde die Antriebslosigkeit (31.9% der Fälle), Probleme mit der Polizei, z.B. Ausweisentzug (29.9%) oder Probleme mit der Familie/Partnerin angegeben (26.1%). Die am häufigsten genannte Informationsquelle, bezüglich der Wirkungen und Nebenwirkungen von Substanzen, war das Internet mit 68.4%, 10% gab an mindestens einmal schon ein Fachbuch gelesen zu haben. 2013 enthielt der Fragebogen ein Zusatzmodul zum Konsum von NPS, dessen Fragen nur denjenigen Personen gestellt wurden, welche bereits eine solche Substanz konsumiert haben (N=73). Als Bezugsquelle wurde überraschenderweise am häufigsten Freunde/Bekannte genannt (52.5%), nur 25.4% gaben an, das Produkt über das Internet gekauft zu haben. Am häufigsten wurden NPS im privaten Rahmen konsumiert (43.1%). Als wichtigster Grund für den Konsum wurde die Neugierde (45% stuften dies als wichtig und 26.7% als sehr wichtig ein) und die Abwechslung genannt (41.7% stuften dies als wichtig, 6.7% als sehr wichtig ein). Die legale Erhältlichkeit (16.7% stuften dies als wichtig, 11.7% als sehr wichtig ein) und die Nichtnachweisbarkeit (6.7% stuften dies als wichtig, 3.3% als sehr wichtig ein) wurden überraschend wenig als Konsumgrund genannt.

Presseanfragen Auch 2013 war Streetwork ein beliebter Ansprechpartner für Presseanfragen, welche mit dem Phänomen des Freizeit- und Partydrogenkonsums in Zusammenhang standen. Gegen 40 Mal wurde Streetwork 2013 von diversen Medien kontaktiert. Die meisten Berichte entstanden während, vor und nach der Street Parade. Ein kanadisches Journalistenteam drehte zudem eine Reportage über den Streetwork Einsatz im Rahmen der Street Parade 2013.

Weiterbildung für Fachleute / Präventionsveranstaltungen an Schulen Streetwork führte 2013 insgesamt 50 Weiterbildungs- und Präventionsveranstaltungen für unterschiedliche Anspruchsgruppen durch. 2013 wurden in insgesamt 26 Schulklassen Substanz-Informationsveranstaltungen angeboten, dabei handelte es sich um Berufs- oder Kantonsschulen. Rund 24 Veranstaltungen wurden für andere Fachstellen, Clubangestellte, Sicherheitsdienstleistende und angehende Rettungssanitäter/innen sowie Apotheker/innen zu

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den Themen Partydrogen und Nightlife durchgeführt. Insgesamt wurden 2‘584 (Fach-) Personen erreicht, daraus resultierten 402 längere Einzel- oder Beratungsgespräche.

Safer Clubbing / BCK Die 2011 gegründete Bar- und Clubkommission Zürich beschloss an ihrer GV 2013 einstimmig, das von Streetwork erarbeitete Safer Clubbing Konzept in ihre Strukturen zu integrieren. Neu wird also die BCK als Kollektivmitglied die lokale Sektion Zürich bilden. Streetwork war im Rahmen dieses erfolgreichen Prozesses für die Entwicklung der Präventions- und Schadensminderungsinhalte zuständig und wird diese künftig in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern durchführen und die Koordination der Safer Clubbing Kommission übernehmen. Zu dieser Aufgabe gehört auch die Mitorganisation des Club Staff Day, in dessen Rahmen letztes Jahr über 100 Clubmitarbeiter/innen in Erster Hilfe, Deeskalation, Jugendschutz und Substanzen geschult worden sind. An die Partygänger/innen richtete sich die gemeinsam durchgeführte Plakataktion „H2O – STATT K.O“. und „IM GLAS ERSAUFEN MEHR ALS IM MEER“, welche in der Sprache des Nachtlebens zum Nachdenken anregen soll.

Weitere Projekte 2013 Das im Rahmen des Jahresberichts 2012 angekündigte Projekt DIZ mobil (Stichwort: Gassenproben aus den K&A) wurde aufgrund mangelnder personeller und finanzieller Ressourcen auf Eis gelegt. Die Mitarbeitenden der Jugendberatung Streetwork waren 2013 in die Mitentwicklung des nationalen Onlineberatungsprojekts Safezone involviert. Neben einer inhaltlichen Mitgestaltung umfasste dies auch die Weiterbildung zweier Mitarbeitender zum Thema Onlineberatung. Im Herbst 2013 war Streetwork Bestandteil der nationalen Umsetzung der Global Drug Survey. Dabei handelte es sich um eine Onlinebefragung, welche weltweit in über 10 Ländern durchgeführt worden ist. Aus der Schweiz nahmen mehr als 5000 Personen daran teil, die Resultate sind für Frühjahr 2014 vorgesehen.

Ausblick 2014 Ab April 2014 werden im Rahmen der regulären DIZ Öffnungszeiten zusätzliche Beratungen zu den Themen Substanzen/Gesundheit/Abhängigkeit, Soziales/Job, Sex/Drogen und Geld/Budget angeboten. Dadurch soll der Zugang zu zusätzlichen Beratungen auf niederschwelliger Basis ermöglicht werden. Interessierte Personen können sich im Vorfeld anonym anmelden oder dienstags jeweils direkt das zusätzliche Angebot nutzen. Im April startet zudem das nationale Onlineberatungsportal Safe Zone. Streetwork wird Bestandteil des Beratungsteams sein und vor allem in den Bereichen Forum und Onlineberatungen zum Thema

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Freizeitdrogenkonsum und damit verbundene Risiken beratend tätig sein. Im Rahmen der Aktionen zu Alkoholprävention ist 2014 eine erste Kooperation mit der Fachstelle Alkohol am Steuer nie und deren Projekt „Be my Angel“ geplant. Mai 2014, das saferparty.ch-Team www.saferparty.ch info@saferparty.ch

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Saferparty Bericht 2013