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Magazin für Christen im Gesundheitswesen 3/2011

Am Lebensende

ChrisCare

ChrisCare

Am Lebensende Am Lebensende SALBUNG

HEILIGER GEIST

DIE RECHTE STERBENDER

BEDÜRFNISSE BETROFFENER

FÜRBITTE

VERSORGUNGSSTRUKTUREN

DEPRESSION

SCHWERE STUNDEN ETHIK VERGEBUNG VERSÖHNUNG PALLIATIVSTATION RAUM DES HEILENS HALT DURCH DEN GLAUBEN VIS-À-VIS GEPFLEGTE UND PFLEGENDE SPIRITUELLE RESSOURCEN

August 2011 // (D) € 5,80 // (A) € 6,00 // (CH) SFr 10.30 // www.chriscare.info // ISSN 1869-9944 // ZKZ 18 381


Inhalt S. 4 S. 5 S. 6 S. 11 S. 12 S. 16 S. 18 S. 19 S. 20 S. 22 S. 25 S. 26 S. 28 S. 30 S. 32 S. 34 S. 39 S. 41 S. 44 S. 47 S. 48 S. 49 S. 50

Leserbriefe Teil 1 Wer ist das Opfer? – Paula Modersohn-Becker „Der barmherzige Samariter“ Christliche Heilkunde – eine „Medizin der Person“ Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland Liturgie mit Kranken und Sterbenden Kritischer Zwischenruf: Hospizversorgung Zwei Palliativstationen – zwei Welten Zu viel Wein ist eine Falle für den Toren Gesundheitskongress: Ich freue mich auf den Austausch Kirchengemeinde und Depression „Nicht mehr – sondern anders“ – Begleitung am Lebensende Was soll ich dir tun? Palliative Care bei Behinderten Der Raum des Heilens Stellungnahme zu „Demente haben manches voraus“ Vis-à-vis Besuchsdienst Nachrichten & Personen Literatur: Buchtipps Impressum / Glosse Christen im Gesundheitswesen (CiG) Tagungen, Seminare & Konferenzen Was heißt hier „austherapiert“? Schwangerenkonfliktberatung im Internet Leserbriefe Teil 2

Inhal t

Herausgeberkreis: Dr. theol. Astrid Giebel (Berlin), Pastorin und Krankenschwester, Referentin Diakonie Bundesverband; Pastor Frank Fornaçon (Ahnatal), Redaktion ChrisCare; Bettina Gundlach (Aumühle), Ärztin im Sozialpsychiatrischen Dienst, Vorstand Christen im

Gesundheitswesen (CiG); Günther Gundlach (Aumühle), Geschäftsführer CiG; Sr. Patricia Baumann (Untermarchtal), Pflegeheimleiterin; Annette Meussling-Sentpali (München), Dipl.-Pflegewirtin, MScN, Referentin Caritasverband (München), Fortbildung Caritas; Dr. med.

Georg Schiffner (Aumühle), Internist, Vorsitzender CiG; Hans-Arved Willberg (Karlsruhe), Theologe und Pastoraltherapeut; Dr. med. Monika Windsor (Berlin), Anästhesistin, palliative care

Fachbeirat: Dr. theol. Peter Bartmann (Berlin), Gesundheitsökonom, Diakonie Bundesverband; Reinhild Bohlmann (Hofgeismar), Bund

freiberuflicher Hebammen Deutschlands BfHD e.V.; Prof. Dr. med. Andreas Broocks (Schwerin), Ärztl. Direktor Carl-Friedrich-Flemming-Klinik, HELIOS-Kliniken; Ulrike Döring (Wiesbaden), Vorsitzende Arbeitsgemeinschaft christlicher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen in Deutschland e.V.; Paul Donders (Niederlande), Leitung xpand international; Prof. Dr. theol. Ralf Dziewas (Bernau), Theologisches Seminar (Fachhochschule) Elstal; Heribert Elfgen (Aachen), Physiotherapeut, Dipl. Musiktherapeut; Claudia Elwert (Karlsruhe), Physiotherapeutin, Leiterin Zentrum für Gesundheit, Therapie, Heilung; Sr. Hildegard Faupel (Springe), Theologin, Pädagogin; Dr. med. Martin Grabe (Oberursel), Chefarzt Psychosomatik Klinik Hohe Mark, Vorsitzender Akademie für Psychotherapie und Seelsorge e.V.; Dr. med. René Hefti (Langenthal), Chefarzt SGM Klinik Langenthal, Ltg. Forschungsinstitut Spiritualität & Gesundheit; Sr. M. Basina Kloos (Waldbreitbach), Franziskanerin, Generaloberin; Sr. Anna Luisa Kotz (Untermarchtal), Vorstand Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul; Reinhard Köller (Aumühle), Arzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren; Pfarrer Ulrich Laepple (Berlin), Referent Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste; Dipl.-Kfm. Cord Meyer (Reinbek), Hauptgeschäftsführer Albertinen-Diakoniewerk e.V.; Dr. med. Gabriele Müller (Frankfurt a. M.), Anästhesistin am Schmerz- und Palliativzentrum Rhein-Main; Rolf Nussbaumer (Herisau), Schule für christlich ganzheitliche Heilverfahren; Weihbischof Thomas Maria Renz (Rottenburg), Diözese Rottenburg-Stuttgart; Dr. theol. HeinrichChristian Rust (Braunschweig), Pastor der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Braunschweig, Friedenskirche; Dr. med. Claudia Schark (Tübingen), Internistin, Geriatrie, Oberärztin Reha-Klinik Böblingen; Oberin Andrea Trenner (Berlin), Oberin Johanniter Schwesternschaft; Dr. phil. Michael Utsch (Berlin), Psychotherapeut, Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen


EDITORIAL

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Liebe Leserin, lieber Leser, „Vergesst nicht die Pflege“, meint am Messestand eine Leserin, die eine Schwesternschaft leitet. Sie legt den Finger in eine Wunde des Gesundheitswesens, denn die Pflegenden werden oft genug übersehen. Oder machen sich Pflegende möglicherweise selber klein? In ChrisCare jedenfalls soll die Pflege keine untergeordnete Rolle spielen, sondern deutlich zu Wort kommen. In den Redaktionssitzungen ist die Frage Routine: Und was sagen die Pflegenden dazu? Wenn man die Todesanzeigen in der Zeitung aufschlägt, kann man einen anderen Eindruck bekommen. Da wird oft dem Bestattungshaus gedankt für die Begleitung in den schweren Stunden und die Pfarrerin wird für ihre tröstlichen Worte und die würdige Feier gelobt. Relativ häufig wird auch der Hausarzt genannt. Aber die Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes, die oft seit Jahren die Last der Pflege tragen, werden mit keinem Wort erwähnt. Ist ihr Dienst selbstverständlich? Oder mit der Bezahlung abgegolten? Wer über lange Zeit für einen schließlich verstorbenen Patienten da war, wird möglicherweise gar nicht mehr als etwas Besonderes wahrgenommen. Schwestern und Pfleger verbringen jedoch von den professionellen Helfern die meiste Zeit mit den Patienten und kennen sie und ihre Angehörigen besser als viele andere. Sie müssen gerade in der Palliativ-Pflege besonders qualifiziert sein, Sterbende angemessen auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Das gilt nicht nur für spezialisierte Dienste im ambulanten oder stationären Hospiz, sondern für alle, egal ob in der häuslichen Krankenpflege oder in stationären Einrichtungen. Wir wünschen jedenfalls allen, die Menschen am Lebensende begleiten, dass sie das mit der fachlichen und geistlichen Kompetenz tun können, die angebracht ist. Diese Ausgabe hat erstmals 52 Seiten. Wir wollen durch ein noch besseres Layout die Lesefreundlichkeit erhöhen. Neu ist die Rubrik „Personen“. Sie sind als Abonnent eingeladen, diese Rubrik zu füllen. Wenn Sie eine neue Stelle angetreten haben, einen Preis gewonnen, einen akademischen Grad erworben haben oder in den Ruhestand gegangen sind, dann teilen Sie uns dies mit. Indem wir einander auf diese Weise Anteil geben, ermutigen wir einander. An vielen Stellen sind Christen aktiv, übernehmen Verantwortung und tragen so dazu bei, dass christliche Überzeugungen den Berufsalltag mit prägen. Haben Sie sich schon zum 3. Christlichen Gesundheitskongress 2012 in Kassel angemeldet? Bis zum 30.9. können Sie noch vom Frühbucherrabatt profitieren. Wenn viele von uns in Kassel sind, dann wird das ein deutliches Zeichen: Christen setzen Akzente und wollen aktiv gestalten.

Günther Gundlach,

Dr. theol.

Geschäftsführer

Astrid Giebel,

Christen im Gesund‑

Pastorin, Diakonie

heitswesen e.V.

Bundesverband

Wir sind Partner:

ChrisCare

&


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Leserbriefe Teil 1

Unvereinbar Zu CC allgemein:

Ich hatte eine schwere Kindheit und Jugend, so dass ich auch noch im Erwachsenenleben unter Minderwertigkeitskomplexen und Selbstablehnung litt. Mit 39 bekam ich eine endogene Depression und Suizidgedanken. (…) Durch immer stärker werdende Schlafstörungen suchte ich nach Ruhe und Frieden und hoffte, das beim Yoga zu finden. Ich entschied mich, eine Ausbildung zur Yoga‑Lehrerin zu machen, denn in dieser Welt fühlte ich mich wohl und angenommen. In der 3‑jährigen berufsbegleitenden Ausbildung tat sich mir eine neue Welt auf. Dort traf ich auf Menschen, die sich noch mit anderen esoterischen Praktiken beschäftigten. So war für mich diese Ausbildung ein Türöffner in die übersinnliche Welt. (…) Mein Wunsch nach Ruhe und Frieden, Versöhnung, Anerkennung, körperlicher und seelischer Gesundheit war so groß, dass ich viel Zeit und Geld dafür ausgab. All dieses Wissen ließ ich auch in meine Yogakurse einfließen, wollte ich doch den Menschen Gutes tun. Ich unterrichtete Hatha‑Yoga, Atemübungen (Pranayama), Entspannung und Meditation in Verbindung mit Mantren. (…) Durch die intensive Beschäftigung mit der übersinnlichen Welt wurde ich immer sensibler dafür und nahm mehr und mehr Dinge war, die

bei mir Zweifel und Ängste auslösten. Ich merkte, dass es mir nicht mehr gut tat. Doch die Geister, die ich rief, wurde ich nicht so einfach los. Eine Freundin gab mir den Hinweis, ich solle mein Leben Jesus übergeben. (…) Ich nahm das in Anspruch, denn ich war wirklich in großer Not. Alles was ich durch Yoga und andere esoterische Techniken erreichen wollte: Geheilte Beziehung mit meinen Eltern, eine gute Ehe führen, Gesundheit, Ruhe und Frieden in meinem Herzen, das alles hatte nicht geklappt, sondern das Gegenteil war eingetreten. Yoga und Christsein lassen sich nach meinem Erleben überhaupt nicht miteinander vereinbaren. Ruhe und Frieden finden wir nur bei Jesus, wenn er unser Herr ist und wir den Weg mit ihm gehen. Als Gläubige kann ich Jesus nicht mit Yoga vermischen und habe Verantwortung dafür, was ich an andere Menschen weitergebe, und darf sie nicht zum Weg der Selbsterlösung verführen. Als Alternativen bieten sich z.B. Rücken‑ und Beckenbodenübungen, Muskelentspannung nach Jacobsen und Kontemplation (Nachdenken über Bibelworte) an. Ingrid S.‑G.

Dazulernen Zu CC 2 2011: Akupunktur

Ich selbst bin bekennender Christ seit 1966 und bin froh, meinen Patienten seit 12 Jahren zusätzliche Linderung durch Akupunktur und verwandte Heilmethoden bieten zu können, insbesondere in solchen Fällen, in denen Patienten durch Nebenwirkungen medikamentöser Therapie überdrüssig geworden sind und eine körperliche – ich möchte sagen „physikalische“ – Therapieform durch Nadelreizungen bevorzugen, aber auch und nicht zuletzt in den Fällen, in denen die Schulmedizin Patienten in ihren Leiden nicht weiterhelfen konnte und die Behandlung eines chronischen Leidens als „damit müssen Sie sich abfinden“ abgeschlos-

sen hat. Nachdem ich nach 17 Jahren hausärztlicher Tätigkeit dann schließlich die Akupunktur ergänzend erlernte, konnte ich vielen zusätzliche Hilfe verschaffen, denen ich vorher nur eine Dauermedikation verordnen konnte. Auch wenn, wie der Autor erwähnte, in der Großstudie Gerac Akupunktur bei Kopfschmerz etwa gleich wirksam war wie Medikamente, so spricht doch zusätzlich für die Akupunktur, dass vielen Patienten, die die Migräne Attacken regelmäßig mit Medikamenten kurieren mussten, durch Akupunktur eine länger anhaltende Besserung oder sogar Befreiung über Monate bis Jahre ermöglicht werden konnte. Erfreulich finde ich in dem erwähnten Artikel, dass unterschieden wurde zwischen der kulturell entwickelten Methode durch Nadelreizungen an bestimmten Punkten und der religiösen Ausdeutung. Auch bei dem europäischen Ötzi gibt es bekanntlich Hinweise auf Nutzung der Behandlung an bestimmten AkuPunkten durch örtl. Schnitte und Tätowierungen. Auch finde ich erfreulich und wichtig festzuhalten, dass erwähnt wurde, dass auch unsere hierzulande gebräuchliche Medizin keineswegs rein christliche Bezüge und Ursprünge hat. Ein atheistisches Menschenbild der biologischen Maschine Mensch, die man nur gut genug reparieren muss, um sie gesünder und langlebiger zu machen, ist weit verbreitet. (…) Bliebe lediglich zu erwähnen, dass ich mir wünschte, dass auch die Bescheidenheit bezüglich unserem als christlich verstandenen Weltbild um sich greift, welches auch nicht mehr viel Ähnlichkeit hat mit dem Weltbild der griechischen Urgemeinde. Auch wir heute sollten noch offen sein, dazuzulernen. (…) Dr. med. Gerhard Riehl, Wilnsdorf Weitere Leserbriefe finden Sie auf Seite 50.


Überforderung KUNST

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Wer ist das Opfer?

Paula Modersohn-Becker – „Der barmherzige Samariter“ Die Wege kreuzen sich auf dem Bild von Paula Modersohn-Becker (geb. 1876), das in ihrem Todesjahr 1907 entstand. In der Mitte steht ein Baum. Er reicht bis an den Himmel und trägt prächtige Früchte. Äpfel? Granatäpfel? Orangen? Auf alle Fälle rote, reife Früchte. Ist es der Baum des Lebens, von dem schon auf den ersten Seiten der Bibel die Rede ist? Im Schatten des Baumes der barmherzige Samariter und der unter die Räuber Gefallene, von einem roten Tuch umfangen. Steht das Rot für das Blut des Opfers oder für die Wärme, mit der ihn die Fürsorge des Samariters umgibt? Der Samariter trägt ein Kleid in der Farbe der Blätter, Grün, die Farbe des Lebens. Unter beiden der Acker, braun, Erde, aus der rechts eine Sonnenblume wächst. Ein Zeichen der Hoffnung. Wenn dieses Bild in einer Zeitschrift für Mitarbeiter in Gesundheitsberufen erscheint, dann legt der Kontext die Deutung nahe. Der Samariter steht für den, der für andere da ist, der sich verausgabt, das eigene Leben einsetzt, um zu helfen. Am Boden liegt der Patient, ohnmächtig, halbtot. Generationen von Schwestern und Ärzten haben sich zu selbstloser Hilfe verpflichtet gefühlt. Aber sind sie nicht selbst unter die Räuber gefallen und brauchen den Helfer? Ausgeraubt durch Arbeitgeber, die mehr fordern als möglich ist, ausgelaugt durch Patienten, die immer nur nehmen, aber nicht geben wollen? Was, wenn der Mitarbeiter das Opfer ist? Wenn er dem Mobbing auf Station ausgesetzt war? Was, wenn er nicht die Kraft hatte, sich zu wehren gegen den stillen Vorwurf von

Angehörigen, er habe nicht genug getan? Vielleicht waren es gar keine Räuber, sondern Patienten, Kollegen, Vorgesetzte, Politiker und nicht zuletzt der eigene Anspruch. Auch wer sich selbst überfordert, bleibt irgendwann auf der Strecke.

Erst auf den zweiten Blick erkennt man die dunklen Gestalten am linken Bildrand. Die Räuber, die sich davonmachen. Sie sind braun wie die Erde. Der Acker ist nicht nur fruchtbares Land, sondern auch Symbol für das

Die Künstlerin hat den Baum nicht umsonst in die Mitte gestellt. Dessen Früchte hatten Zeit zu reifen. Sie sind ein Geschenk des Himmels. Im Galaterbrief schreibt Paulus von solchen Früchten, die der Geist Gottes wachsen lässt: „Liebe, Freude, Tempera auf Holz, 1907 Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut“. Sie könirdische Leben, das von Anfang an nen nicht gefordert werden. Diese durch Diesteln und Dornen geprägt Früchte schenken Leben. Ihre rote ist. Die Räuber gehören zu unserer Farbe spiegelt sich auch im Becher Wirklichkeit dazu. wider, dessen Wein dem Verwundeten helfen wird. Der Baum des Lebens verbindet das irdische Braun mit dem Im Bildhintergrund sieht man Pries- heiteren Blau des Himmels. Wo ter und Levit, die sich nicht auf die Geistliches und Weltliches zusamNot des Opfers einlassen wollten. menkommt, da können Früchte Sie eilen aus dem Bild heraus und wachsen, die Leben schenken und werden verschwinden. Der Esel die helfen, mit den Widrigkeiten dagegen zeigt den Weg, an dessen des Daseins umzugehen. Ende eine Tür zur Herberge wartet. Ist es ein Kloster, dessen Garten von einer hohen Mauer umgeben wird? Diese Mauer ist kein Gefängnis. Sie schützt und schafft Pastor Frank einen Raum der Geborgenheit und Fornaçon, Kassel, des Friedens. Redakteur ChrisCare


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STANDPUNKT

Christliche Heilkunde – eine „Medizin der Person“ Hinter jeder pflegerischen, therapeutischen oder medizinischen Handlung steht eine Weltanschauung, ein grundlegendes Menschenbild, ein „Glaube“, eine Sicht von Krankheit und Gesundheit, mit den sich daraus ergebenden Konsequenzen für die moderne Medizin. Sie folgt entweder einem atheistischen Weltbild und versteht den Menschen als Maschine, die repariert werden kann, oder der esoterischen Vorstellung als Wegweiser für alternative Heilkünste. Auf der Suche nach einer Christlichen Heilkunde sieht Reinhard Köller Ansätze bei der Medizin der Person, wie sie der Arzt Paul Tournier entwickelt hat. Der folgende Beitrag ist ein gekürzter Ausschnitt aus der neuen Publikation CiGDenkanstoß Nr. 7, „Zugänge zu einer Christlichen Heilkunde“. Paul Tournier und die „médecine de la personne“. Paul Tournier (1898-1986) war sicher ein besonderer Pionier für einen ganzheitlichen Ansatz in der Patientenbegleitung im Sinne der Christlichen Heilkunde. Ohne Vater aufgewachsen studierte er zu Beginn des 20. Jahrhunderts Medizin. Nach seinem Diplom 1923 vollzog er eine Weiterbildung in der Inneren Medizin und eröffnete 1928 in Genf eine Arztpraxis. 1940 veröffentlichte er sein erstes Buch mit dem Titel „Krankheit und Lebensprobleme“. 1947 gehörte er zu den Mitinitiatoren der bekannten Tagungen „Medizin der Person“ in Bossey. Er hatte enge Kontakte zu den Medizinern der so genannten Heidelberger Schule [Ludolf Krehl (1861–1937) und seinen beiden Schülern Richard Siebeck (1883–1965) und Viktor von Weizsäcker (1886–1957)].

Sein bekanntes Buch „Vom Sinn unserer Krankheit“, mit einem Vorwort von Richard Siebeck versehen, widmete Paul Tournier seiner Frau, „mit der ich von Jugend an durch Lesung und Betrachtung der Bibel verbunden bin...“ . Siebeck schreibt in seinem Vorwort: „Paul Tournier ist ein sehr ernster, aufrichtiger Christ und ein Arzt von seltener Bereitschaft und Hingabe für seine Kranken, voll Wissen und Erfahrung. Er liest und arbeitet mit großem Eifer in der Bibel, erstrebt nicht Theologie oder strenge Exegese der Texte, sondern sucht in den Schriften des Alten und Neuen Testamentes Aussagen, nach denen er seinen ärztlichen Auftrag zu verstehen und zu deuten vermag. Mit diesem Rüstzeug will er die Ärzte durch seine ‚médecine de la personne‘ immer wieder zu neuem Einsatz, zu einer besseren Einsicht und Haltung begeistern, vor allem zu der Hilfe in den vielen seelischen Nöten Kranker, in ihrem Verhängnis aus Verlassenheit und Vereinzelung, aus der Trennung von Gott und den Mitmenschen. ‚Vom Sinn unserer Krankheit‘ wird sicher auch vielen Ärzten eine wertvolle Hilfe zu echtem Arzttum sein.“ Es ist unschwer zu ahnen, dass Paul Tournier über den naturwissenschaftlichen Ansatz hinaus, Krankheiten zu verstehen, diagnostisch zu erfassen und therapeutisch zu beeinflussen, in außerordentlicher Weise einen Zugang zu dem kranken Menschen gesucht und gefunden hat. Ihn interessiert der biografische Kontext einer Erkrankung. Er analysiert Schwächen und Stärken zur Bewältigung von Krankheiten auch im seelischen, sozialen und spirituellen Kontext einer Person. Genauso interessiert er sich auch für existenzielle Fragen über den Sinn einer Krankheit, den Sinn des Lebens und des Todes, über Krankheit

und Zielverfehlungen im Leben oder die Sendung des Arztes. Paul Tournier wehrt sich vehement gegen eine magische Verklärung einer angeblich „christlichen Medizin“ oder mystisch verklärte Therapiewege, zumal dann, wenn die wissenschaftliche Medizin verlässliche Lösungswege anbieten kann. „Person“ in seiner reifen Ausprägung bedeutet für Paul Tournier, sich zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickelt zu haben, die um ihre einzigartige Individualität, um Stärken und Schwächen in ihrem Leben weiß, die Sinn und Ziel in ihrem Leben gefunden hat, Beziehungen zu anderen Menschen lebt und auch in religiösen Fragen einen Weg gefunden hat. Eine reife Persönlichkeit war und ist aus seiner Sicht ein freier Mensch, der keine andere Abhängigkeit als allein die von Gott in seinem Leben gefunden hat. Die Gefahr eines magischen Geistes, der magischen Verklärung sieht Tournier aber nicht nur auf die Religion oder im Speziellen auf die christliche Glaubenspraxis beschränkt.


STANDPUNKT

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Unpersönlichkeit unserer Medizin Auch in der wissenschaftlichen Medizin sieht er ausgeprägte Gefahren für eine magische Denkweise. „In der Medizin zeigt sich die magische Denkweise in der übertriebenen Zugkraft dieses oder jenes Medikaments, sei es beim Publikum oder der Ärzteschaft im Allgemeinen oder auch nur im Geist eines einzelnen Arztes, der damit in einigen Fällen so wunderbare Erfolge erzielt hat, dass er es nun bei jeder Gelegenheit verschreibt. Da ist aber auch die Magie des Laboratoriums, die Magie der Röntgenstrahlen, die Magie der einen oder anderen Diätlehre. Da ist die Magie der Chiropraktik, die der Psychoanalyse, die der Vitamine und die andere der Schockbehandlung.“1 Er kritisiert manche seiner ärztlichen Kollegen, „die sich der angeblichen Wunder der Wissenschaft bedienen, um diese als ein wahres Heilsinstrument für die Menschheit hinzustellen.“2 Seine positiv formulierte Antwort auf diese Kritik folgt wenige Seiten später: „Man kann aus dem Evangelium weder die Wunder noch das Kreuz

entfernen, ohne es zu entstellen. Es versteht sich, dass die Haltung des Arztes der Haltung Christi gleichen muss: Er muss sich ebenso sehr vor Kleinmut und Verzagtheit wie vor Rausch und Abenteuer hüten. Er muss im Stande sein, diese oder jene technische Kühnheit zu wagen, von der er fühlt, dass sie Gottes Plan entspricht. D. h. nichts anderes, als dass eine Inspiration von Gott her ihn in der Auswahl der technischen Mittel, die die Wissenschaft ihm zur Verfügung stellt, leiten soll.“3 Sein Lehrer, der Mediziner Roch, hat sich bei einem seiner Vorträge einmal mit der Spannung zwischen der wissenschaftlichen Medizin und ihren wachsenden Erkenntnissen und der Beobachtung, dass zunehmend mehr Menschen außerhalb dieses rational fundierten Diagnostik- und Therapiesystems bei Heilpraktikern oder gar spirituellen Heilern Hilfe suchen, befasst. Eine seiner Schlussfolgerungen lautete: „Man muss den Schluss ziehen, dass der Geist der Wissenschaft die Massen unserer Mitbürger nur wenig erleuchtet hat, und des Weiteren, dass der Kranke

das Bedürfnis hat, in eine Gefühlsbeziehung und bis zu einem bestimmten Grade sogar in eine mystische Beziehung mit demjenigen zu treten, von dem er seine Heilung erwartet. Er möchte mit Freundschaft von ihm betrachtet werden, als eine Person und nicht nur als ein nummerierter Versicherungsnehmer.“4 Paul Tournier sah sich als Mensch im Image Gottes, der sich Gott in Jesus Christus bewusst anvertraute und als Arzt in seinem Beruf sehr konkret die Führung Gottes erwartete. Er rechnete in seinem beruflichen Alltag damit, dass Gott ihm in einer konkreten Situation Gedanken und Eingebungen zur Verfügung stellen würde.5 Er suchte und fand für sich einen Weg, Vernunft und persönlichen, die transzendente Dimension einbeziehenden Glauben zu verbinden und nicht dem Dilemma zu unterliegen, zwischen dem einen oder dem anderen wählen zu müssen. Medizin der Person in der Christlichen Heilkunde lebt von dieser Integration! Noch einmal bei Paul Tournier nach-


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Schon Kind oder nur kleines

STANDPUNKT

gefragt: „Was ist aber die Person?“ – Person ist der Mensch, insofern er erwachsen, majorenn, frei von selbst6, weil abhängig von Gott ist, der Mensch, der vor Gott seine Verantwortung für sich selbst voll auf sich nimmt. Der erkrankte Mensch ist für Paul Tournier kein Komplex physischer und psychischer Erscheinungen, sondern

Literatur-Tipp: Der Beitrag ist ein Auszug aus der CiG-Publikation „Zugänge zu einer Christlichen Heilkunde“. Herausgeber: Reinhard Köller, Georg Schiffner. Das Buch erscheint Herbst 2011

Paul Tournier, Bibel und Medizin. Humata Verlag. 7. Auflage, S. 124 2 Paul Tournier, Bibel und Medizin. Humata Verlag. 7. Auflage, S. 117 3 ebenda, S. 120 4 ebenda, S. 125 5 So erlebte er, wie eine im Grunde ganz banale Frage in einem Arzt-PatientenGespräch so sehr ins Schwarze traf, dass dem Patienten infolgedessen wesentliche Hintergründe zu seinem gesundheitlichen Problem bewusst wurden und sich zugleich ein Lösungsansatz auftat. Gerade weil seine Frage in der betreffenden Situation nicht einer menschlichen Strategie oder Berechnung entsprach, sondern von ihm als klare Führung Gottes empfunden wurde, wusste er um die Einmaligkeit. Wie unsinnig wäre es gewesen, im nächsten Patientenkontakt erneut so vorzugehen. Ein anderes Mal konnte es ein bestimmtes Wort Gottes gewesen sein, dass bei seinem Gegenüber „ins Schwarze“ traf und auf dessen innere Not eine konkrete Antwort Gottes folgte. Und im nächsten Atemzug wehrte er sich erneut gegen alle Versuche, das Wirken Gottes in die menschliche Verfügbarkeit, die Verallgemeinerung und Systematisierung herunter zu zerren. Diese Gefahr nannte er „den magischen Geist, der sich unvermerkt in unser Herz einschleicht“. 6 gemeint ist die egoistische Grundhaltung, die Selbstbezogenheit 7 ebenda, S. 128 8 gemeint ist die Indikationsprüfung für eine Abtreibung in speziellen Ausnahmefällen durch Spezialärzte 1

eine Person. Erst wenn er diesen Menschen wirklich als ganze Person sieht, ihn als Person annimmt und behandelt, stärkt er sich und ihn in dem Prozess, als Person zu wachsen. „Ein wirklicher persönlicher Kontakt mit dem Kranken braucht unbedingt Zeit und Ruhe. Wie viele Ärzte sprechen zehnmal, zwanzigmal und öfter für wenige Minuten mit einem Patienten, ohne je einmal die Zeit zu einem eingehenderen Gespräch zu finden, das ihnen ein anderes Verständnis für ihn geben würde. Wenn der Arzt im Verlauf dieser unzähligen kleinen Konsultationen eine intravenöse Einspritzung macht oder irgendeine technische Apparatur gebraucht, so bezahlen ihn die Krankenkassen viel besser, als wenn er eine lange klinische Untersuchung vornimmt oder eingehend mit dem Patienten spricht, um ihm zu einer richtigeren Lebensführung zu verhelfen. Es scheint mir, dass in allen Ländern die Ärztekammern bei den Krankenkassen einen Tarif durchsetzen sollten, welcher der für jede Konsultation verwendeten Zeit Rechnung trägt.“7 So schreibt Paul Tournier in seinem 1979 erschienenen Buch sowohl eine bis heute hoch aktuelle Aufforderung zum Kern ärztlicher Berufsausübung als auch einen Imperativ an die Politik und die Organe der Selbstverwaltung. Am schärfsten kritisiert Paul Tournier die Unpersönlichkeit unserer Medizin am Beispiel der Abtreibungspraxis: „In jedem Kanton gibt es zu diesem Zwecke8 eigens bezeichnete Experten. Einer von ihnen, mein Freund Dr. Paul Plattner, Psychiater in der Nähe von Bern, hat uns kürzlich ein Erlebnis erzählt: „Es kommt oft vor“, sagte er, „dass eine schwangere Frau, die meine Zustimmung zur Abtreibung haben möchte, von dem Kind, das sie empfangen hat, als von einem ‚kleinen Häuflein Zellen‘ spricht“. Ja, ein „kleines Häuflein Zellen“, und für einen Erwachsenen ein „großer Haufen

Zellen“, so sieht die Auffassung vom Menschen aus, die die Wissenschaft uns vermittelt. Ganz instinktiv bediente sich jene Frau dieses Bildes, um das infrage stehende Leben zu entwerten. „Eines Tages“, so fuhr Dr. Plattner fort, „kam mir der Gedanke, der Frau die folgende Frage zu stellen: ‚Wie würden Sie das Kind nennen, wenn es zur Welt käme?‘ – Plötzlich war die Atmosphäre des Gespräches ganz anders geworden. Die Frau wurde nachdenklich; man fühlte, dass das Kind, sobald sie ihm im Geist einen Namen gegeben hatte, für sie nicht mehr ein ‚kleines Häuflein Zellen‘ war, sondern zu einer Person wurde.“ Es ist ein treffendes und anschauliches Beispiel von einer Patientenbegleitung, die durch eine Intervention im Sinne der Medizin der Person eine dramatische Wende nahm.

Medizin der Person – im Grunde ist es ein Schlüssel für eine Christliche Heilkunde in einem naturwissenschaftlich und kapitalgeführten Medizinbetrieb, der ja in diesen Prinzipien letztlich verankert ist. Medizin der Person ist nach dem Personbegriff des biblischchristlichen Menschenbildes verankert in Gott, in dem Wesen und der Gnade Gottes. Denn Gott ist ein personaler Gott. Und ein Freund, den das Dilemma des Menschen nicht „kalt lässt“. Vielmehr ist ihm die Bereitstellung von „Heilmitteln“ ein Herzensanliegen, wie er uns durch Jesus Christus in Wort und Tat verkünden lässt. „Medizin ist eine Gabe Gottes“, so sieht es auch noch 1500 Jahre nach Christus der Schweizer Reformator Calvin. Ambroise Paré beschrieb im Anschluß an eine Behandlung durch eine ganz schlichte Formulierung seine Identität als Arzt: „Ich habe ihn verbunden, Gott wird ihn heilen“. Medizin soll den Menschen „verbinden“, ihm dienen, statt ihn zu beherrschen. Sonst wird der Vorwurf jenes Patienten an seinen Arzt traurige Wirklichkeit: „Ihr hindert uns


Häufchen Zellen? am Sterben und helft uns nicht, zu leben.“ Das ganze kann nur gelingen, wenn der Arzt „seine Medizin“ in einen größeren verbindlichen ethischen und anthropologischen Kontext stellt, dem er letztlich verantwortlich ist. Seitdem Medizin zu einem erheblichen Wirtschaftsfaktor wurde und auch die Wissenschaft dem Kapital zu einem erheblichen Teil zum Opfer fiel, ist nicht nur ein enormer Vertrauensverlust der Menschen in die Medizin zu beklagen, sondern es fehlt die für alle heilenden / therapeutischen Berufe unbedingt notwendige Sinnhaftigkeit, die nur aus der Verankerung des menschlichen Lebens in die Schöpfungswirklichkeit entwickelt werden kann. Beide, Arzt und Patient, Therapeut und Kranker, wissen sich unter dem Schutz und der Führung des Schöpfers und nicht unter dem Diktat der Machbarkeit, ihm verantwortlich und zur Rechenschaft herausgefordert, der beiden das Leben geschenkt hat. Medizin der Person orientiert sich an dem, der jeden Menschen als einzigartige Person geschaffen hat, liebt und bei seinem Namen ruft: „Siehe, ich habe Dich je und je geliebt...“ . Der uns schon kannte, bevor wir gezeugt wurden, und der einen Plan, einen Lebensentwurf für unser Leben hat.

STANDPUNKT

Dem wir nicht entfliehen können, weil er uns von allen Seiten umgibt. Der uns nicht hängen lässt, wenn wir hinfallen. Dessen Zuneigung, Liebe, Trost und Fürsorge unabhängig von erfolgreichen oder erfolglosen medizinischen Behandlungen Gültigkeit hat. In dessen Berufung und Gnade sich der Arzt weiß, dem er zugleich letztverantwortlich ist. Ebenso der Kranke, der die Hilfe des Arztes beansprucht, aber von Gott und durch Gottes Eingreifen Heilung erwartet.

Medizin der Person im Kontext der Christlichen Heilkunde Wie können wir zwischen einem der Hochschulmedizin nahe stehenden biomedizinischen Modell und einem Modell, das in der Christlichen Heilkunde zum Tragen kommt, unterscheiden: (siehe Tabelle unten) Die Gegenüberstellung bedeutet nicht, dass es in der Christlichen Heilkunde um ein „Entweder – oder“ geht. Vielmehr kann das biomedizinische Modell in das Konzept der Christlichen Heilkunde integriert werden, solange es nicht verabsolutiert wird. Die Medizin der Person integriert das Fachwissen der somatischen Medizin, die Kenntnisse und Werkzeuge der Sozialwissenschaften, der Psychologie, der Künste, andere Disziplinen sowie die

Biomedizinisches Modell

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spirituelle Dimension. Die Medizin der Person in der Christlichen Heilkunde arbeitet person- und beziehungsorientiert. Bereits in der ersten Anamnese (Informationssammlung zum Prozess der Krankheitsentwicklung, zur Person etc.) werden Daten zu allen oben genannten Feldern erfragt. Die interaktive Kommunikation im Diagnostikund Therapieprozess bekommt eine ganz neue Qualität, wenn Therapeut und Hilfesuchender ihre gewohnten Rollen als „Behandelnder“ und „Behandelter“ verlassen und sich Gott gegenüber öffnen. Wenn sie konkret mit seinem persönlichen Reden rechnen und von ihm bewegt handeln. Und zugleich ihn handeln lassen, der die Not der Menschen kennt und weiß, was sie brauchen. So werden beide, „Behandelnder“ und „Behandelter“, zu Handelnden und einander Helfenden. Angewiesen auf die erneuernde und heilende Liebe Gottes sind Patient und Therapeut den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus vergleichbar, die sich einlassen auf den Dritten, der ihren eingeschränkten Blick für eine neue Wirklichkeit öffnet. Das bewusste Loslassen der ausschließlichen Bezogenheit auf humane und wissenschaftliche Kompetenz öffnet den Denk- und Handlungsrahmen grundlegend. Der

Medizin der Person in der Christlichen Heilkunde Multi-faktorell

Ursache der Erkrankung

physisch

Anthropologisches Modell

Mensch stammt vom Tier

Diagnostik

Quantitative Analysen, Statistik

Körper und Geist / metaphysische Ebene Qualitative Ergebnisse

Objektive Beobachtung

Biografisch-interaktive Beobachtung

Es geht um das Ergebnis der Erkrankung einer Person Materielle Fakten und rationale Bewertung

Es geht um die Person, zu der auch das Ergebnis der Erkrankung gehört Einbeziehung der persönlichen Erfahrungen und der Grundüberzeugungen


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STANDPUNKT

Reinhard Köller, Arzt für Allgemein‑ medizin, Naturheilverfahren, Hamburg, Referent beim 3. Christ‑ lichen Gesundheitskongress 2012, Mitglied im Bundesweiten Lei‑ tungskreis von CiG

integrative Zugang über die drei Fenster Materie/Körper, psychosoziale und metaphysische Dimension erfordert für das therapeutische „Setting“ neben Fachleuten aus medizinischtherapeutischen bzw. psychosozialen Berufen auch die Einbindung seelsorgerlich und pastoral qualifizierter Menschen. Die Qualität des Prozesses zeichnet sich nicht nur durch die Fähigkeit der beteiligten Personen, zuhören und eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen zu können, aus. Der diagnostische und therapeutische Prozess bleibt unvollständig, wenn neben der medizinischen, sozialen und psychischen Informationssammlung nicht auch eine ausführliche biografische Anamnese und die Exploration von fundamentalen Überzeugungen/existentiellen Werten (Sinn des Lebens, Bedeutung von Gesundheit und Krankheit, religiöse Grundüberzeugungen...) erfolgt. In der Medizin der Person gilt es, den Patienten als Ko-Therapeuten zu gewinnen, anstatt ihn in einen Diagnostik- und Therapieprozess „einzuschleusen“, den er ergebnisoffen über sich ergehen lässt. Der Therapeut ist herausgefordert, eine klare Vorstellung

von Ereignissequenzen in der Biografie des Kranken unter Berücksichtigung der verschiedenen Ebenen zu erhalten und mit dem Patienten zu teilen. Es kann eine Hilfe sein, den Patienten selber Ereignisketten aufzeichnen zu lassen oder ihn eine „Mind-Map“ zu seiner persönlichen Sicht von Zusammenhängen, Hintergründen und Ursachen erstellen zu lassen. Häufig ist auch die Darstellung eines ausführlicheren Soziogramms hilfreich, das die Qualität der verschiedenen Beziehungen, in denen der Patient lebt, widerspiegelt. Im weiteren Verlauf ist die Kennzeichnung wichtiger Personen oder auch bedeutungsvoller Ereignisse in der Darstellung der biografischen Entwicklung von Bedeutung. Es ist wichtig, zu verstehen, welchen (prägenden) Einfluss bestimmte Personen und Ereignisse im Leben des Kranken ausübten. Genauso von Bedeutung sind gesundheitliche Störungen und durchgemachte Erkrankungen, die zwar keine nachweisbaren Veränderungen der Textur / Struktur hinterließen, aber als engrammierte Informationen körperliche oder seelische Regelsysteme stören. Solche regulativen Belastungen fördern die Disposition zu Rezidiven und zur Chronifizierung von Erkrankungsprozessen. Schließlich dürfen belastende Arbeitsbedingungen und Umwelteinflüsse bis in die tägliche Ernährung hinein, die Medikalisierung unserer Gesellschaft (z.B. des alten Menschen oder der hormonell „chemie-getakteten“ Frau u.a.m...) bei einer ganzheitlichen Betrachtungsweise nicht übersehen werden. Damit unterscheidet sich der personorientierte ganzheitliche Zugangsweg zum Kranken und seiner Krankengeschichte von dem etablierten Medizinsystem. Hier wird häufig allzu schnell nach einem definierten Raster eine somatische bzw. psychosoziale Diagnose gestellt, statt zunächst deskriptiv Problemfelder zu erfassen und zur Diagnose führende Kausalzusammenhänge in einem offenen Prozess

behutsam einzugrenzen. Leitliniengerechte Behandlungspfade zielen auf eine Lösungsstrategie, die unter hinreichender Bewertung der Risiken für die Studienpopulation in einem begrenzten Zeitraum summarisch einen gesundheitlichen Benefit ermöglicht. Sie stellen ein hilfreiches Werkzeug dar, wenn seine Grenzen berücksichtigt werden. Zumeist fehlt ein Filter zur Differenzierung, wem Leitlinien nützen, wem sie nicht nützen und wem sie schaden. Es ist die Aufgabe des Arztes bzw. des Therapeuten, die horizontale und die vertikale Betrachtungsebene in Beziehung zu setzen. Die Christliche Heilkunde ergründet, in Übereinstimmung mit humanistischen Ansätzen, ein ganzheitliches Ursachenprofil und entwickelt darauf aufbauend einen individuellen persönlichen Therapieweg. Das Image des von dem dreieinigen Gott bedingungslos geliebten einzigartigen Menschen öffnet den Zugang zu spezifisch christlichen Ressourcen. Christliche Heilkunde zielt u.a. auf einen Reifungsprozess der eigenen Persönlichkeit, den sie fördert und damit Heilungsprozesse integriert. Selbstverständlich wird dabei auch das Fachwissen einer evidenzbasierten Medizin, Psychologie und Psychotherapie etc. genutzt. Aber die Handelnden machen sich nicht abhängig von diesem Wissen. Vielmehr binden sie es in ein verantwortungsvolles Handlungskonzept ein, das in der Rückbindung zu Gott Mut zu individuellen, personorientierten kreativen Lösungswegen aufbringt. Zeit des Zuhörens, Zeit zur Gestaltung der therapeutischen Beziehung, Zeit zum Hören auf Gottes Reden, Zeit zu schöpferischen Prozessen, Wissen um die eigenen Grenzen und die individuelle Prägung, wiederholte Reflexion des prozessualen Geschehens, Mut zum Eingeständnis von Fehlern und zur Kursänderung, sind Bausteine einer Medizin der Person im Kontext der Christlichen Heilkunde.

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§ DOKUMENTATION

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Charta

zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland1 Gesellschaftspolitik

Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Sterben unter würdigen Bedingungen. Er muss darauf vertrauen können, dass er in seiner letzten Lebensphase mit seinen Vorstellungen, Wünschen und Werten respektiert wird und dass Entscheidungen unter Achtung seines Willens getroffen werden. Familiäre und professionelle Hilfe sowie die ehrenamtliche Tätigkeit unterstützen dieses Anliegen. Ein Sterben in Würde hängt wesentlich von den Rahmenbedingungen ab, unter denen Menschen miteinander leben. Einen entscheidenden Einfluss haben gesellschaftliche Wertvorstellungen und soziale Gegebenheiten, die sich auch in juristischen Regelungen widerspiegeln. Wir werden uns dafür einsetzen, ein Sterben unter würdigen Bedingungen zu ermöglichen und insbesondere den Bestrebungen nach einer Legalisierung der Tötung auf Verlangen durch eine Perspektive der Fürsorge und des menschlichen Miteinanders entgegenzuwirken. Dem Sterben als Teil des Lebens ist gebührende Aufmerksamkeit zu schenken.

Bedürfnisse der Betroffenen

Jeder schwerstkranke und sterbende Mensch hat ein Recht auf eine umfassende medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Betreuung und Begleitung, die seiner individuellen Lebenssituation und seinem hospizlich-palliativen Versorgungsbedarf Rechnung trägt. Die Angehörigen und die ihm Nahestehenden sind einzubeziehen und zu unterstützen. Die Betreuung erfolgt durch haupt-

und ehrenamtlich Tätige soweit wie möglich in dem vertrauten bzw. selbst gewählten Umfeld. Dazu müssen alle eng zusammenarbeiten. Wir werden uns dafür einsetzen, dass Versorgungsstrukturen vernetzt und bedarfsgerecht für Menschen jeden Alters und mit den verschiedensten Erkrankungen mit hoher Qualität so weiterentwickelt werden, dass alle Betroffenen Zugang dazu erhalten. Die Angebote, in denen schwerstkranke und sterbende Menschen versorgt werden, sind untereinander so zu vernetzen, dass die Versorgungskontinuität gewährleistet ist.

Aus-, Weiter- und Fortbildung

Jeder schwerstkranke und sterbende Mensch hat ein Recht auf eine angemessene, qualifizierte und bei Bedarf multiprofessionelle Behandlung und Begleitung. Um diesem gerecht zu werden, müssen die in der Palliativversorgung Tätigen die Möglichkeit haben, sich weiter zu qualifizieren, um so über das erforderliche Fachwissen, notwendige Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie eine reflektierte Haltung zu verfügen. Für diese Haltung bedarf es der Bereitschaft, sich mit der eigenen Sterblichkeit sowie mit spirituellen und ethischen Fragen auseinanderzusetzen. Der jeweils aktuelle Erkenntnisstand muss in die Curricula der Aus-, Weiter- und Fortbildung einfließen.

Wir werden uns dafür einsetzen, dass der Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen thematisch differenziert und spezifiziert in die Aus-, Weiter- und Fortbildung integriert wird.

Entwicklung und Forschung

Jeder schwerstkranke und sterbende Mensch hat ein Recht darauf, nach dem allgemein anerkannten Stand der Erkenntnisse behandelt und betreut zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, werden kontinuierlich neue Erkenntnisse zur Palliativversorgung aus Forschung und Praxis gewonnen, transparent gemacht und im Versorgungsalltag umgesetzt. Dabei sind die bestehenden ethischen und rechtlichen Regularien zu berücksichtigen. Zum einen bedarf es der Verbesserung der Rahmenbedingungen der Forschung, insbesondere der Weiterentwicklung von Forschungsstrukturen sowie der Förderung von Forschungsvorhaben und innovativen Praxisprojekten. Zum anderen sind Forschungsfelder und -strategien mit Relevanz für die Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen zu identifizieren. Wir werden uns dafür einsetzen, auf dieser Basis interdisziplinäre Forschung weiterzuentwickeln und den Wissenstransfer in die Praxis zu gewährleisten.

Die internationale Dimension

Jeder schwerstkranke und sterbende Mensch hat ein Recht darauf, dass etablierte und anerkannte internationale Empfehlungen und Standards zur Palliativversorgung zu seinem Wohl angemessen berücksichtigt werden. In diesem Kontext ist eine nationale Rahmenpolitik anzustreben. Wir werden uns für die internationale Vernetzung einsetzen und uns um einen kontinuierlichen und systematischen Austausch mit anderen Ländern bemühen.

Die Charta wurde 2010 verabschiedet und inzwischen von über 250 Organisationen unterzeichnet (hier in leicht gekürzter Fassung). Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, der Deutsche Hospiz- und Palliativverband und die Bundesärztekammer hatten auf Anregung einer internationalen Initiative, die als Budapest Commitments auf dem 10. Kongress der European Association for Palliative Care (EAPC) 2007 vereinbart wurde, diese Charta formuliert. Zu lesen ist die ungekürzte Charta und Hintergründe dazu unter www.charta-zur-betreuung-sterbender.de 1


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HINTERGRUND

Liturgie mit Kranken und Sterbenden Von der Neuentdeckung eines alten Schatzes: die Krankensalbung

Neben der Kranken- und Sterbendenkommunion, der Wort-GottesFeier und dem seelsorgerlichen Gespräch sowie Segnen und Handauflegen gewinnt die Krankensalbung wieder an Bedeutung. Sowohl in katholischen wie evangelischen Kirchen ist diese Form der Liturgie mit Kranken neu entdeckt worden.

hängen also eng zusammen.1 Was kann nun christliche Liturgie zur Realisierung der biblischen Utopie, zur Gesundung und zum Ganz-Werden der kranken Patienten beitragen? Heilwerden betrifft den Bereich des Leibes, der Seele und des Geistes. Im Fall des Sterbens geht es hier besonders darum, dass es möglichst wenig Schmerz gibt und dass Ruhe und Abschied ermöglicht werden.

Grundlagen Die Grundlage der christlichen Liturgie ist die biblische Offenbarung, die übrigens seitens Gottes immer wieder aktualisiert wird. Die biblische Utopie des Königreiches Gottes schildert uns die neue Gemeinschaft zwischen dem langmütigen und gerechten Erbarmer und den Menschen sowie zwischen den Menschen untereinander. Diese Gemeinschaft des Schalom beinhaltet Frieden, Gerechtigkeit, Erbarmen und Versöhnung, Freiheit, Essen, Unterkunft und Gesundheit für alle. Die Gesundheit betrifft nicht nur Genesung von körperlichem Leiden, sondern auch ein würdiges Sterben. Sie beinhaltet ebenso Genesung von Untreue der gerechten Ordnung Gottes gegenüber. Körperliche Heilung und Bekehrung, Solidarität mit denen, denen es schlecht geht,

Heutige Praxis innerhalb der katholischen Kirche Die heutige Praxis der Krankensalbung in der katholischen Kirche in Westeuropa zeigt, dass die vom Konzil beabsichtigte Erneuerung äußerst mühsam und nur ganz langsam realisiert wird. In den Pfarrgemeinden dient die Krankensalbung sehr häufig noch als Letzte Ölung. Es gibt also Kontinuität mit der Vergangenheit. Das ist nicht erstaunlich, denn eine jahrhundertealte Praxis lässt sich wohl kaum in wenigen Jahrzehnten verändern. Ähnliches gilt für die Krankenhäuser und die Pflegeeinrichtungen. Hier ist die Krankensalbung eine sehr bedeutende Aufgabe der dort tätigen katholischen Priester, egal ob das nun die Krankenhausseelsorger oder die von außen kommenden Pfarrgemeindeseelsorger sind. Es

betrifft auch hier meistens die traditionelle Letzte Ölung, also die „Versehung“. Das Sakrament wird in diesen Fällen oft eilig vollzogen, manchmal mitten in der Nacht, während die Person, um die es sich handelt, das Bewusstsein bereits verloren hat. Die engsten Angehörigen sind oft dabei. Nur eine Minderheit der bald sterbenden Katholiken wird gesalbt. Die meisten von ihnen sterben ohne „Versehung“. Manchmal wird wegen der Familie, als Zeichen des Trostes und des Abschieds, ein gerade verstorbener Patient noch gesalbt. Übrigens versterben im heutigen Westeuropa 80% aller Menschen in einer Einrichtung, obwohl 80% lieber daheim sterben möchten. Das üblichste Sterberitual ist zurzeit die Schmerztherapie, man könnte sie die „ärztliche Letzte Ölung“ (Reimer Gronemeyer) nennen. Sehr problematisch ist die Tatsache, dass gerade die Angehörigen eines sterbenden Patienten oft nicht wollen, dass ihre Mutter, ihr Vater gesalbt wird. Sie betrachten die Salbung als Zeichen des bevorstehenden Todes und den Priester als Todesherold. „Es ist noch nicht so weit“, „später bitte“, bis es eigentlich zu spät ist... Die Angst der Familie vor dem Verlust einer geliebten Person und die Unfähigkeit, darüber zu kommunizieren, verhindern eine angemessene Feier der Krankensalbung. Glücklicherweise gibt es auch andere Möglichkeiten in Krankenhäusern und sonstigen Pflegeanstalten: Die Krankensalbung wird gelegentlich am Anfang des Sterbeprozesses als „Proviant für unterwegs“ gefeiert. Es kommt auch regelmäßig vor, dass sie zur Stärkung und Linderung, also ohne dass der Patient schon im Sterben liegt, gefeiert wird. Ein besonde-


HINTERGRUND

res Beispiel ist die Feier im Fall der Alzheimerkrankheit. Dann kann sie zur Stärkung des (oder der) Kranken und dessen (oder deren) Partner(in) dienen und eventuell ebenfalls den Übergang von der vertrauten Wohnung ins Pflegeheim markieren.2 Es finden in Krankenhäusern und anderen Pflegeanstalten übrigens nicht nur individuelle, sondern auch kollektive Krankensalbungen statt. In einer gemeinschaftlichen Krankensalbung lässt sich Wärme stärker empfinden und die Solidarität der Gemeinschaft kann besser erfahren werden. Außerdem können Kranke die Salbung einfacher als Feier zur „Aufrichtung“, statt als „Versehung“ / „Versehgang“ empfinden. Auch in einigen Pfarren entwickelt sich die Krankensalbung immer mehr zu einer gemeinschaftlichen Feier „zur Ermutigung und Stärkung“ des alten Menschen. In diesem Rahmen werden kollektive Krankensalbungen gefeiert, bald während des normalen Sonntagsgottesdienstes, bald während einer eigens dafür angesetzten Eucharistiefeier. Viele Teilnehmer(innen) solcher Feiern empfinden die Salbung als beruhigend: Ein unerwartetes Sterben, ohne dass man zuvor mit der Salbung versehen wäre, sei auf diese Weise ausgeschlossen. So dient die Krankensalbung ebenfalls als eine Art „Versicherung“. Gleichzeitig aber empfinden die Teilnehmenden auch Kraft und Ermutigung. Indem sie gemeinsam mit anderen gesalbt werden, haben sie Gesellschaft und fühlen sich als Schicksalsgefährten. Es gibt jedoch auch einige Leute, die sich nicht auf den „Versicherungsgedanken“ stützen und nur für Aufrichtung und Genesung von ihrem Leiden beten. Ein weiterer Aspekt ist, dass die gemeinschaftliche Krankensalbung für viele Senioren und Kranke natürlich auch eine angenehme Unterbrechung des Alltagslebens ist: Man trifft sich, plaudert vor und

nach der Feier miteinander, trinkt zusammen Tee oder Kaffee, isst Kuchen, usw.. Einige Pfarrer und Theologen betrachten die allgemeine Salbung zur Ermutigung alter Menschen als eine Abwertung. Sie halten die erneuerte Sicht der Krankensalbung für einen Betriebsunfall der katholischen Liturgiereform und sind der Ansicht, dass die Kraft dieses Sakramentes an erster Stelle in der Sterbesituation klar wird.3 Ihrer Meinung nach gäbe es kein geeignetes Ritual in der Todesstunde mehr, wenn die Krankensalbung vor allem für Kranke und Senioren da ist und nicht für die Sterbenden. Meiner Ansicht nach kann die Krankensalbung sowohl in der einen als auch in der anderen Situation gefeiert werden. Es ist nicht „entweder – oder“, sondern „sowohl – als auch“.4

Die gegenwärtige Praxis innerhalb der evangelischen Kirchen Innerhalb der reformatorischen Kirchen entwickelte sich während der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts eine starke Aufmerksamkeit für die Krankensalbung. (Ich spreche hier über die „klassische“ Reformation. In den Pfingstkirchen existieren das Salben von Kranken, das Eintauchen von Tüchern in Öl, um Kranke damit zu bestreichen, und Ähnliches schon viel länger.) Diese Wiedergeburt der Krankensalbung muss in der allgemeinen Neuentdeckung liturgischer Elemente durch reformatorische Pfarrer(innen) und Theolog(inn)en positioniert werden. Während lange Zeit dem gesprochenen und gehörten Wort – vor allem Bibel und Predigt – ein viel höherer Stellenwert als den nichtverbalen Zeichen beigemessen wurde und die Amtshandlungen der Kasualien, wie z.B. Trauung und Beerdigung, eher für weniger wichtig als der Predigtgottesdienst gehalten wurden, erlebten die Kasualien am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts eine Wie-

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derbelebung und sie wurden immer mehr als „Segensraum“ betrachtet. Auch ökumenische Kontakte und die Erforschung der Traditionen anderer Kirchen förderten diesen liturgischen Aufbruch. Die große Aufmerksamkeit für Körperlichkeit, leibliches Wohlsein, Wellness und menschliche Selbstentfaltung in der heutigen westlichen Welt tragen wahrscheinlich zum Interesse für die Krankensalbung bei. In Deutschland spielte vor allem die evangelische „Michaelsbruderschaft“ eine wichtige Rolle in der Rückkehr zu den liturgischen Quellen, auch in der Wiederentdeckung der Krankensalbung. Mehrere evangelische Kirchen empfahlen die Krankensalbung. Unter anderem nahm die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands die Salbung in ihre neue, 1994 erschienene Agende für Krankenliturgie, „Dienst an Kranken“, auf.5 In einigen deutschen evangelischen Pfarrgemeinden werden außerdem „Salbungsgottesdienste“ gefeiert.6 Die Struktur einer solchen Feier sieht so aus: Als Eröffnung gibt es leise Musik, Stille, ein Willkommen-heißen, ein Lied, Meditation und Gebet. Danach wird eine Kurzpredigt über die „Freundlichkeit“ und Liebe Gottes gehalten. Dann gibt es eine Lesung aus der Heiligen Schrift, z.B. die Perikope über die Frau, die Jesus salbt (Mt 26,6-13); es wird ein Dankgebet über dem Öl gesprochen; wer gesalbt werden möchte, wird auf Stirn und Handflächen gesalbt und es wird ein Gebet gesprochen. Zum Schluss gibt es ein „Geleit nach draußen“, nämlich Fürbitten, Vaterunser, Schlusssegen und Kollekte. Während des zwanzigsten Jahrhunderts wurden in der Kirche Englands mehrere Formulare für die Salbung in Umlauf gebracht. In der neuesten anglikanischen Agende, Common Worship, die seit Ende 2000 in Gebrauch ist, nehmen die Formulare


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HINTERGRUND

Vgl. de Boer, Sjaak: The Collective Anointing of the Weak. A Sign of Solidarity with All the Suffering. In: Questions Liturgiques 76 (1995) 73–85, hier 82–85. 2 Vgl. Menken-Bekius, Corja: Werken met rituelen in het pastoraat, Kampen 2001, 90–96. 3 Siehe z.B. Menken-Bekius, Corja: Rituelen in het individuele pastoraat. Een praktisch-theologisch onderzoek, Kampen 2002, 129–136, 146–148, 151–155, 183, 223, 225–226, 284. 4 Depoortere, Kristiaan: Neue Entwicklungen rund um die Krankensalbung. In: Concilium 34 (1998) 553–564 plädiert für die Krankensalbung als Übergangsritual in der Sterbesituation. Speelman, Willem Marie / Strijards, Hans: Ten hele gekeerd. De ziekenzalving als therapie en als sacrament. In: Jaarboek voor Liturgie-onderzoek 10 (1994) 13–30 sind der Ansicht, das Ziel der Feier sei Verarbeitung und Bekehrung, wobei die Autoren die Sterbesituation voraussetzen. 5 Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Band III. Die Amtshandlungen. Teil 4. Dienst an Kranken, Hannover 19963, 84–109. In der Einführung über den Krankenbesuch (10–29) werden u.a. die Bedeutung von Öl in der Bibel, die geänderte Krankensalbungspraxis in der Kirche sowie die Reaktion der Reformation dazu besprochen (18–23). Siehe auch Reiner, Artur: Die Krankensalbung. In: Wege zum Menschen 46 (1994) 418–429, hier 418–420; Schulz, Frieder: Die Salbung als neu entdeckte Zeichenhandlung. Information über den Gesprächsstand in den evangelischen Kirchen. In: Liturgisches Jahrbuch 48 (1998) 183–189; Meyer zu Lenzinghausen, Ute: Krankensalbung in der evangelischen Klinikseelsorge. Ein Ritual wird neu entdeckt, Münster 1999 (= Schriftenreihe der Evangelischen Fachhochschule Freiburg 7), 44–46, 52–65. 6 Vgl. Pisarski, Waldemar: Gott tut gut. Salbungsgottesdienste. Grundlagen und Modelle, München 2000. 7 Common Worship. Pastoral Services, London 2000, 4, 8–99; Common Worship. Services and Prayers for the Church of England, London 2000, 50–53, 58. Siehe auch: Buchanan, Colin: Services for Wholeness and Healing. The Common WorshipOrders, Cambridge 2000 (= Grove Worship Series 161) 14–24; Headley, Carolyn: The Laying on of Hands and Anointing in Ministry of Wholeness and Healing, Cambridge 2002 (= Grove Worship Series 172). 8 Das rührende Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen...” findet man in: Evangelisches Gesangbuch, Stuttgart 1993, Nr. 65. 9 Vgl. Schilson, Arno: Negative Theologie der Liturgie? Über die liturgische Erfahrung der Verborgenheit des nahen Gottes. In: Liturgisches Jahrbuch 50 (2000) 235–250; ders.: Über das „Geheimnis“ des lebendigen Gottes in der Liturgie. Unzeitgemäße Hinweise auf Vergessenes in Christentum und Liturgie. In: Liturgisches Jahrbuch 51 (2001) 8–17. 1

für einen Gottesdienst um Ganzheit und Genesung (Celebration of Wholeness and Healing), einschließlich der Krankensalbung, einen prominenten Platz ein.7 Auch die episkopale Kirche in den USA, die britischen Methodisten, die Kirche Schwedens, die protestantische Kirche in den Niederlanden, die amerikanischen Lutheraner und die amerikanische Baptistenkirche United Church of Christ – meine Übersicht ist bei weitem nicht vollständig – haben mittlerweile die Krankensalbung in ihre neuen liturgischen Bücher integriert. Neben Begeisterung bei vielen evangelischen Christen und Christinnen gibt es bei anderen Protestanten noch Unbehagen und Angst: einerseits vor „katholischem Ritualismus“ und Magie und andererseits vor den sensationellen Heilungsgottesdiensten der amerikanischen Pfingstbewegung, die nicht nur auf geistliche Erweckung, sondern auch sehr auf körperliche Genesung hinzielen. Deswegen sind gute Aufklärung und Erklärung innerhalb der Reformata sehr wichtig, meinen die Befürworter des Salbungsrituals. Man weist ebenfalls auf die Realität hin, dass nur einige körperlich gesund werden und dass am Ende alle sterben werden. Übrigens kreiert die evangelische Unerfahrenheit in Bezug auf die Krankensalbung ein Aufgeschlossen-Sein für neue Wege und Richtungen.

Gesundung als Ergebnis von Heilungsritualen? Warum haben Heilungsrituale längst nicht immer Gesundung als Ergebnis? Diese sehr komplizierte Frage stellt sich unter anderem bei der Heilungspraxis in charismatischen Kreisen. Es gibt Gruppen, die mit Kranken explizit um Genesung beten, ihnen die Hände auflegen und sie mit Öl salben. Sie hören sorgfältig zu, welche Beschwerden die kranke Person hat und beten. Tatsache ist, dass längst nicht immer Heilung

und Genesung auf allen Ebenen stattfindet. Bald geschieht seelische, aber keine körperliche Genesung, bald umgekehrt, bald beide, bald überhaupt keine. Nicht selten sind gesellschaftliche und wirtschaftliche Faktoren, wie z.B. krankmachende Arbeitsumstände in der Fabrik und krebserregende Luftverschmutzung, die Ursache davon, dass Heilung nicht möglich ist. Zudem werden wir alle sterben. Viele Kranke, die z.B. nach Lourdes pilgern, erfahren dort eine tiefe innerliche Ruhe und Hingabe, auch wenn sich an ihrer körperlichen Situation nichts verändert. Die Rolle des Glaubens ist bei der Frage, warum der Leib nicht gesundet – trotz des intensiven Gebetes und trotz starken Glaubens – nicht eindeutig. Der Glaube an Gott, an seine Liebe und Kraft, inklusive unserer eigenen Unsicherheit und Zweifel, ist sicher wichtig. Genesung ist dennoch nicht immer eine Folge des Glaubens und ebenso wenig ist Glaube immer eine Bedingung der Genesung. Es gibt Personen, die an Gottes heilende Liebe stark glauben und nicht geheilt werden, und es gibt Personen, die dem Heilsangebot Gottes skeptisch gegenüberstehen und trotzdem genesen. Darum sind manche Aussagen von Personen, die in der christlichen Heilungsbewegung tätig sind, falsch, ja verletzend. Ich meine hier im Besonderen die Aussage, dass der Grund, warum ein kranker Mensch nicht gesund wird, darin liege, dass er oder sie nicht genug glaubt. „Wenn die kranke Person bloß mehr glaubte, würde er oder sie genesen“, sagen sie, meistens zu Unrecht. Auch in einigen esoterischen Kreisen kann man gelegentlich solche Aussagen hören. Wie Ijob kennen auch wir das Mysterium Gottes kaum (vgl. Ijob 38,1–42,6). Die Wurzeln sowohl von Krankheit als auch von Gesundung bleiben uns oft fremd. In manchen Gebetskreisen sowie in einigen esoterischen Milieus


HINTERGRUND

wird behauptet, dass jede Krankheit die Folge eigener Schuld sei. Laut dieser Auffassung wird zum Beispiel Krebs dadurch verursacht, dass wir einen falschen Lebensstil pflegen. Das mag in manchen Fällen zutreffen. Die Kausalbeziehung zwischen Rauchen und vielen Fällen von Lungenkrebs ist eindeutig nachgewiesen worden. Aber viele andere Krebsfälle können und dürfen nicht auf diese einfache und einfältige Weise erklärt werden.

Epilog Die dunkle Nacht, Suche und Zweifel gehören ebenso zum religiösen Leben wie der helle Tag und die Gewissheit, dass es Gott gibt und dass ich in der Liebe Gottes „wunderbar geborgen“ bin (frei nach Dietrich Bonhoeffer).8 Wenn Menschen im liturgischen Gebet – auch im Kranksein und im Sterben – vor Gott treten, dürfen sie sein, so wie sie sind: mit all ihren Anliegen, Problemen, mit Hoffnung, Freude, Verzweiflung, Dankbarkeit, Wut, Trauer, Klage, Gefühlen der Gottverlassenheit. Das Ausdrücken „negativer” Gefühle Gott gegenüber ist eine oft vergessene Grundkategorie der christlichen Spiritualität und Liturgie.9 Diese Gefühle gehören jedoch auch zum religiösen Erleben. In der Glaubensfeier hat auch die bedrängende menschliche Erfahrung der Ohnmacht der Liebe Gottes ihren berechtigten Platz. Die Beispiele des Buches Ijob, der Fluch- und Klagepsalmen sowie des Lebens Jesu selbst können uns hier weiterhelfen. Jesus lebte einerseits in einem intensiven Verhältnis mit Gott, in Gottgewissheit – er nannte Gott abba, „Väterchen“ –, andererseits fühlte er sich jedoch bei seinem Sterben von Gott total verlassen. Zudem setzen sowohl Weihnachten als auch die Osternacht die Finsternis voraus, bevor von Licht die Rede sein kann. Das Aussprechen solcher „negativer“ Emotionen und Gedanken kann befreiend wirken und die

Beziehung mit Gott sogar vertiefen, statt abbrechen. Viele scheuen sich jedoch, Gott zu „kritisieren“, „anzugreifen“; das entspricht ihrem Gottesbild nicht. Die „Behörde“ Gottes sei für Kritik zu hoch oder es sei nicht angemessen, dem „lieben Herrgott“ etwas vorzuwerfen. Gute, begeisternde Liturgie benutzt die Sprache der Visionen, Bilder und Gleichnisse, die Sprache des Betastens und der Rührung, die Sprache der Sehnsucht und des Verlangens, auch zur Befreiung von unseren Nöten. Performative Liturgie trägt zum Verbundensein miteinander sowie zur Begegnung mit dem unsichtbaren Erbarmer bei. Sie vermag dies in allerlei Arten des Spre-

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chens: in der Klage genauso wie im Lobpreis, im tastenden Zweifel wie im festen Wissen, flehend oder verkündigend, verzweifelt anrufend oder segnend. Die Begegnung zwischen Gott und Mensch in der Liturgie trägt auf vielfältige Weise zur Heilung bei und kann ein relevanter Faktor in unserem Gesundwerden sein, wenn wir auch oft nicht wissen, wie dies geschieht.

Univ.‑Prof. Dr. Basilius J. Groen ist Vorstand des Instituts für Liturgiewissen‑ schaft, Christliche Kunst und Hymnologie der Karl‑ Franzens‑Universität Graz Anzeige

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KOMMENTAR

Kritischer Zwischenruf Hospizversorgung und Palliative Care flächendeckend – und alles wird gut?

Die Verdienste der Hospizbewegung sind gewaltig und das, was Ehrenamtliche und Hauptamtliche in den letzten Jahren für eine bessere Betreuung von Schwerkranken und Sterbenden bewegt haben, verdient hohe Anerkennung. Sterbende werden nicht mehr ins Bad geschoben – ist nun jetzt alles gut? Ja, dass es mittlerweile so viele Hospize und Palliativstationen gibt, ist gut – aber: 1. Sterben im Hospiz ist exklusiv. Exklusiv heißt: nicht für alle zugänglich, wenigen vorbehalten – hauptsächlich für Tumorpatienten, von Experten begleitet, die sehr gut ausgebildet und hoch motiviert sind und bessere Rahmenbedingungen als bspw. in der Altenpflege haben. Dort, wo die meisten alten Menschen am Lebensende gepflegt werden, im Krankenhaus, Pflegeheim und in der ambulanten Pflege, ist pflegerische Arbeit unterfinanziert, stark reglementiert und findet im Minutentakt statt. Wie sollen denn Pflegende plötzlich bei der Begleitung von Sterbenden ihr Tempo verlangsamen und Achtsamkeit üben? Bis das, was die Hospizbewegung erreicht hat, in Pflegeheimen ankommt, scheint es noch ein weiter Weg zu sein. 2. Immer noch leben und sterben viele Menschen nicht dort, „wo sie hingehören“ (Klaus Dörner), nämlich zu Hause. Je mehr Hospize und Palliativstationen entstehen, desto mehr delegiert die Gesellschaft die Versorgung am Lebensende an Experten. Zu Hause sterben wird weiter institutionalisiert, auch weil dort, wo die meisten Menschen sterben möchten, Pflegende in Zeitkorridoren arbeiten, die ihnen echte Zuwendung selten

ermöglichen. Ob die Umsetzung der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) daran etwas ändern kann, muss sich noch zeigen. 3. Der höchste Wert in unserer Gesellschaft, die Gesundheit, wird am Lebensende abgelöst von der Autonomie. Wenn schon Gesundheit nicht mehr machbar ist, dann will man wenigstens selbst bestimmen (und vorher planen), wie und wann man sterben möchte. Das Lebensende wird genauso geplant, wie Gesundheit und Schönheit herstellbar zu sein scheinen. Der Umgang mit Patientenverfügungen zeigt: Es wird Vorsorge getroffen für den Fall, dass man nicht mehr autonom genug ist, selbst zu entscheiden, dass man nicht mehr wie ein mündiger Kunde wählen kann, anderen zur Last fällt, dass man zu teuer wird. Wir versuchen genauso, wie im Leben alles machbar scheint, den Tod zu kontrollieren und können nicht akzeptieren, dass er als Sensenmann einfach kommt. 4. Wir als Mitarbeiter im Gesundheitswesen glauben, die letzte Lebensphase „managen“ zu können. Die Sprache verrät uns: Schmerzmanagement, Optimierung, Implementierung, Standards, Prozesse, Leitlinien... Dort, wo die rein medizinische Behandlung nicht ausreicht, kommen Gesprächstechniken, Klangschalentherapie, Meditation und spirituelle Angebote hinzu. Unserer Unsicherheit begegnen wir mit ethischen Fallbesprechungen, in denen wir so tun, als diskutierten wir auf Augenhöhe und lösten Probleme durch die Summe interdisziplinärer Kompetenzen. „In Wahrheit sollten wir uns in geteilter Inkompetenz unsere Unsicherheit eingestehen“ (Heller 2010).

Körper

5. „Sterben wird ideologisiert, mythologisiert, relativiert und eigeebnet“ (Heller 2000). Nicht zuletzt durch die (begrüßenswerte) Enttabuisierung ist der Eindruck entstanden, Sterben wäre etwas, das mit der richtigen Begleitung und Unterstützung ein sanftes, friedliches Hinübergleiten in eine andere Welt sei. Sterben wird als eine ganz normale, zum Leben gehörende, tiefgreifende Erfahrung gesehen. Das Bild des grausamen Todes, der zur Unzeit kommt, wird verdrängt. Diese Idealisierung des Sterbens „steht in ihrer einseitigen Beschönigung des Sterbens in einem diametralen Gegensatz (...) zum Sterben und Tod Jesu Christi“ (Heller 2000).


KOMMENTAR

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rlicher Schmerz 6. Man meint, zu wissen, was ein guter Tod ist – nämlich schmerzfrei, nicht einsam, voll aufgeklärt, im Kreis der Lieben, friedlich und nach bestimmten Phasen ablaufend. Deshalb meinen wir auch zu wissen, welche Bedürfnisse ein Sterbender hat und was eine ideale Sterbebegleitung ist:

• sie tut alles zur Symptombekämpfung, • sie kennt die Bedürfnisse und erfüllt sie, • der Sterbende ist nie allein, • der Helfer baut eine intensive Beziehung auf und begleitet den Sterbenden bis zum Schluss, • es werden alle Berufsgruppen einbezogen und mit dem Sterbenden wird die beste Begleitung vereinbart.

Diese Annahmen vermitteln implizit den Eindruck, dass alles andere keine gute Sterbebegleitung sei und dass man nur diese Bedürfnisse befriedigen müsse, damit „gutes Sterben“ gelingen könne.

7. Palliative Care wird auf Sterbebegleitung reduziert, Sterbebegleitung auf palliativmedizinische Versorgung, diese dann auf Schmerzmanagement. Das zentrale Thema in der Palliativmedizin ist der körperliche Schmerz und nicht Versöhnung oder gar Heil. Im Fokus bleibt der Körper und nicht das Leiden. Wir versuchen, den Schmerz zu messen und ihn abzuschalten. Dem „total pain“ wird mit hoch wirksamen Schmerzmedikamenten begegnet (für deren Erforschung

genügend Gelder aus der Pharmaindustrie zur Verfügung stehen). Palliative Care im eigentlichen und umfassenden Sinne ist also bisher längst nicht für alle Menschen zugänglich. Außerdem braucht es weiterhin eine begleitende kritische Reflexion, auch wenn sich dabei gelegentlich hoch motiviertes Gutmenschentum in Frage stellen lassen muss.

Annette Meussling-Sentpali, Dipl.-Pflegewirtin MScN, Mit‑ glied im Herausgeberkreis, Caritas München, Referentin beim 3. Christlichen Gesund‑ heitskongress 2012


ERFAHRUNGEN

Zwei Palliativstationen – zwei Welten Ein Erfahrungsbericht

Wie ist es eigentlich, wenn man von einer Palliativstation zur anderen wechselt? Gibt es Unterschiede von Bundesland zu Bundesland? In diesem Artikel berichte ich von meiner Erfahrung zu diesem spannenden Thema. Schon während meiner Ausbildungszeit zur Krankenschwester begann mich der Bereich der Palliativmedizin, also die Pflege Schwerstkranker und Sterbender zu interessieren. Nach meinem Examen bewarb ich mich in einer Klinik in Bayern für die Gynäkologie, aber dort war keine Stelle frei. Stattdessen fragte mich der Pflegedienstleiter, ob ich nicht Interesse hätte, in ein gerade entstehendes Pflegeteam für die neu gebaute Palliativstation zu kommen. Und ob ich das hatte! Das Team bestand aus zwei Ärzten und zehn Krankenschwestern. Alle hatten wesentlich mehr Berufserfahrung als ich, aber sie begegneten mir sehr herzlich und ließen mich an ihrem Wissen teilhaben. Wir waren mit Feuereifer bei der Sache und bau-

ten mit Leidenschaft die neue, wirklich wunderschöne Station auf. Als endlich die ersten Patienten kamen, wurden sie sehr liebevoll gepflegt. Jeder brachte seine Gaben ein, ob es im künstlerischen, seelsorgerischen, musischen, dekorativen... Bereich war. Alleine die vielen Milchshakes, die wir in dieser ersten Zeit mixten! Insgesamt herrschte auch eine große Offenheit gegenüber dem christlichen Glauben. Im Team waren bestimmt fünf Mitarbeiter „Herzenschristen”. Es gab Abschiedsgottesdienste für trauernde Angehörige, ein sogenanntes Abschiedszimmer für Aussegnungsfeiern, einen Raum der Stille, Adventsandachten, Gebete etc. In Bayern schien mir der Glaube auch ein bisschen mit zum Leben dazu zu gehören. In vielen Gesprächen, die ich mit den Patienten führte, war der Glaube an Gott ganz zentral. Viele fühlten sich durch die Hoffnung auf das ewige Leben getröstet. Der evangelische und der katholische Pfarrer gehörten zum Stationsalltag mit dazu und wurden häufig von uns gerufen. In mir entstand die Theorie, dass ein jeder, der vielleicht auch im Leben nicht viel nach Gott gefragt hat, im Sterben zum Glauben zurückfindet. Diese Theorie bestätigte sich in Berlin nicht. Aus familiären Gründen zog ich nach einigen Jahren von Bayern nach Berlin um. Ich fand eine Stelle auf einer bereits zehn Jahre alten Palliativstation in einem kleinen, familiären Krankenhaus. Hier waren die Voraussetzungen ganz anders. Das bunte Berlin spiegelte sich auch in unserem Team wider: ein Schwuler, eine Buddhistin, ein Heilpraktiker, „Ostberliner”, „Westberliner”– die ganze Bandbreite. Als Christin stand ich fast alleine da. Statt Pfarrer gab es auf dieser Station zwei Psychologen, die sich sehr liebevoll um die seelsorgerischen Belange der Patienten kümmerten.

Nach dem Tod is' Feierabend!

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Die ersten Gespräche mit sterbenden Patienten schockierten mich. Hier waren Atheisten, die bis zum Schluss Atheisten blieben. Da gab es keine Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. „Nach dem Tod is´ Feierabend!”, sagte ein älterer Herr zu mir. Wie sollte ich damit umgehen?

Dieses Bundesland hatte einfach eine ganz andere Geschichte als Bayern. Das musste ich erstmal verstehen lernen. Es half mir, die Menschen einfach so zu nehmen, wie sie waren, und den Rest Gott zu überlassen. Bei einer Seelsorgefortbildung lernte ich damals, dass „die Rolle des Retters doch schon vor 2000 Jahren vergeben wurde...” . Manchmal gab es ganz unerwartet gute Gespräche über den Glauben oder altes Liedgut, wie „Großer Gott, wir loben Dich” wurde wiedererkannt – das hatte doch die Großmutter damals immer gesungen. Das waren Sternstunden für mich und ich wusste, dass Gott seine Hände im Spiel hatte. Die Jahre in Berlin waren sehr herausfordernd, aber auch sehr horizonterweiternd, und ich bin dankbar für jede Erfahrung, die wir in unserem spannenden Berufsleben machen dürfen. Klar ist jedoch auch, dass jede Palliativstation eine ganz eigene Geschichte schreibt und auch verschiedene Phasen durchlebt. Wenn ich heute wieder nach Bayern käme, würde ich die Situation dort vielleicht ganz anders vorfinden als damals. Aber in der Veränderung liegt ja auch der besondere Reiz und die positive Herausforderung unseres (Berufs-) Lebens.

Friederike Höppner, Krankenschwester, Kassel


GASTKOMMENTAR

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Zu viel Wein ist eine Falle für den Toren Ein Beitrag der Drogenbeauftragten Mechthild Dyckmans Christentum und Liberalismus – für mich gehört das zusammen. Viele Mitglieder der FDP – auch FDP-Abgeordnete des Deutschen Bundestags – sind seit Jahren in der Kirche und ihren Gemeinden aktiv. Mit einigen Gleichgesinnten haben wir im Mai 2009 eine neue Plattform gegründet, die Gruppe „Christen in der FDP-Bundestagsfraktion“. Als stellvertretende Koordinatorin dieser Gruppe stehe ich in einem intensiven Austausch über liberale Politik und christliche Werteorientierung. Mit der Gründung der Gruppe setzen wir auch nach außen ein deutliches Zeichen, dass sich Liberalismus und Christentum sinnvoll ergänzen. Aber auch in der Arbeit mit Suchtkranken haben christliche Werte eine besondere Bedeutung. Schon bei Jesus Sirach (31,27-30) findet sich eine Empfehlung zum Umgang mit dem legalen Suchtmittel Alkohol, die auch heute noch Gültigkeit hat: „Lebenswasser ist der Wein für den Menschen, wenn er ihn mäßig trinkt. (…) Kopfweh, Hohn und Schimpf bringt Wein, getrunken in Erregung und Zorn. Zu viel Wein ist eine Falle für den Toren, er schwächt die Kraft und schlägt viele Wunden.“ Für die Freiheit eines maßvollen und verantwortungsbewussten Konsums einzutreten, verlangt auch, vor Missbrauch und Abhängigkeit zu warnen. Tagtäglich engagieren sich Fachkräfte in der Suchtkrankenhilfe mit ihrer ganzen Kraft und auf beeindruckende Weise, um Betroffene auf ihrem schweren Weg aus der Sucht zu unterstützen. Für diese schwierige Arbeit gilt ihnen mein besonderer Dank und meine Anerkennung. Oft ist es nicht einfach, die Leidensgeschich-

ten von häufig schwer traumatisierten Patientinnen und Patienten zu verkraften und Rückfälle aufzufangen. Mir wird bei meinen Besuchen vor Ort häufig versichert, dass der christliche Glaube für Fachkräfte in der Suchtkrankenhilfe eine wichtige Stärkung und Stütze bei der Bewältigung ihres Arbeitsalltags ist. Es ist kein Zufall, dass es im Bereich der ambulanten und stationären Suchtkrankenhilfe eine beeindruckende Zahl von Einrichtungen der Caritas und Diakonie gibt. Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände engagieren sich auch in anderen Gesundheitsbereichen – Altenhilfe, Behindertenhilfe, Krankenhäuser – und natürlich erlebe ich auch in Einrichtungen anderer Träger das Engagement christlich motivierter Fachkräfte. Ganz besonders gilt das in der Sucht-Selbsthilfe. Die Begegnung und der Erfahrungsaustausch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, sind für viele abhängige Menschen und deren Angehörige eine authentische und wirksame Ermutigung sowie eine wichtige Ergänzung zur professionellen Beratung. Viele Gruppen der Suchtselbsthilfe haben eine Heimat in den Kirchengemeinden. Als stellvertretendes Mitglied der 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ist mir die Bedeutung der Zusammenarbeit von Kirchengemeinde und Suchtkrankenhilfe besonders wichtig. Als Drogenbeauftragte setze ich mich unter anderem auch für eine lückenlose und bedarfsgerechte Versorgung von schwerstkranken Patienten mit betäubungsmittelhaltigen Schmerzmitteln ein. Durch die im Mai 2011 in Kraft getretene gesetzliche Neuregelung werden u. a. die Vorschriften für

das Verwenden von Betäubungsmitteln in Alten- und Pflegeheimen und in Hospizen auf Einrichtungen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung ausgedehnt. Außerdem können nun in allen Bereichen der ambulanten und stationären Palliativ-

Mechthild Dyckmans MdB (61), Kassel, ist Mitglied des Deutschen Bundestages, stellvertretende Koordinatorin der Gruppe „Christen in der FDP-Bundestagsfraktion“ sowie Drogenbeauftragte der Deutschen Bundesregierung.

versorgung Betäubungsmittel-Notfallvorräte angelegt und individuell verschriebene, aber nicht mehr benötigte Betäubungsmittel für andere Patienten weiter verwendet werden. Diese Neuregelung verbessert nicht nur die Versorgung der Patienten, sie unterstützt auch die Fachkräfte in Medizin, Pflege und Therapie in ihrer Arbeit. Das christlich geprägte Engagement der Fachkräfte in der Suchtkrankenhilfe wird auch in Zukunft ein wichtiges Fundament unseres Gesundheitswesen bleiben.


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INTERVIEW

Gesundheitskongress: Ich freue mich auf den Austausch Eine Kinderärztin und ein Pastor gehören zu den Verantwortlichen des 3. Christlichen Gesundheitskongresses. Dr. Britta Mundhenk (BM) arbeitet in einer Klinik in Lüneburg. Henning Dobers (HD) ist Pastor in der ev.-luth. Landeskirche Hannover und Vorsitzender der Geistlichen GemeindeErneuerung in der Evangelischen Kirche in Deutschland, die sich von Anfang an stark für den Kongress eingesetzt hat. Frage: Der 3. Christliche Gesundheitskongress wird sich stärker als bisher der Begleitung von Kranken und Behin-

sind wir dankbar. Bleibt die Einschränkung bestehen, sind wir herausgefordert, nicht wegzusehen, oder gar den Glauben des Betroffenen als klein abzustempeln, sondern uns dem diakonischen Auftrag Jesu an uns zu stellen: der Begleitung eines Menschen in Krankheit und Leid. Nur gemeinsam können wir ihm nachkommen, da immer wieder unsere Ausdauer und unsere Zusammenarbeit in besonderer Weise gefordert werden. Wie dies in unseren Kirchen und Krankenhäusern gelingen kann, dafür möchte der Kongress Hilfestellung und Inspiration bieten, nicht aus Resignation, sondern aus Notwendigkeit.

derten widmen. Schwingt da etwas Resignation mit, dass Heilung nicht immer so funktioniert, wie manche Christen sich das wünschen?

HD: Von Pastor John Wimber habe ich vor Jahren etwas übernommen: „Als wir in unserer Gemeinde nicht um Heilung beteten, erlebten wir auch keine. Als wir aber anfingen zu beten, erlebten wir manche Heilungen“. Um diese gesunde Spannung soll es uns gehen. Uns über die kraftvollen Auswirkungen des Reiches Gottes freuen und ausbleibende Heilung nicht als defizitär oder weniger kraftvoll deuten. Gott will in beiden Dimensionen des Lebens geglaubt und erfahren werden. Dies gilt besonders für eine Zeit, in der Leid, Krankheit und Behinderung(en) bzw. Einschränkungen nicht akzeptiert werden. Jesus sagt: „Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht“. Heilung ist die Ausnahme, ermutigende und stärkende Begleitung in Leid und Krankheit die Regel – insbesondere in einer Gesellschaft, die älter wird.

Antwort:

Frage:

BM: Schenkt Gott ein Wunder oder hilft die Einnahme einer Tablette,

Sie waren schon bei früheren Kongressen dabei. Welche Inspiration

Henning Dobers (HD)

Leid

ist für Sie persönlich von Kassel ausgegangen?

Antwort:

HD: Beim letzten Kongress habe ich zuhause unsere Kinder versorgt, damit meine Frau (die Allgemeinmedizinerin ist) am Kongress teilnehmen kann. Jetzt bin ich also das erste Mal dabei.

BM: Den ersten Kongress habe ich als Mitarbeiterin besucht, den zweiten als Tagesgast. Ich war beeindruckt von der Fülle der christlich-medizinischen Projekte, die vorgestellt wurden. Die deutsche Christenheit ist aktiv, nur mir manchmal unbekannt. Außerdem haben die theologischen Grundlagenreferate mir gute Denkanstöße mitgegeben und mir geholfen, meinen Alltag in einen größeren Zusammenhang einzuordnen.

Frage: Sie waren an der Gestaltung des Programms und der Auswahl der Referenten beteiligt. Auf welche Vorträge, Seminare oder sonstigen Beiträge freuen Sie sich am meisten?

Antwort: HD: Ich bin vor allem für die Leitung des Bereichs Coaching, Beratung und Seelsorge zuständig und deshalb viel im Hintergrund tätig. Insofern freue ich mich besonders auf Einzelbegegnungen mit unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Herausforderungen und Situationen in Medizin und Pflege. BM: Unter all den interessanten Programmpunkten und bereichernden Begegnungen erwarte ich das Plenum 5 am Samstag mit höchster Spannung. Der Wert des Lebens


und Krankheit INTERVIEW

wird dort aus unterschiedlichen Blickrichtungen beleuchtet.

Frage:

Und wem empfehlen Sie, im März 2012 nach Kassel zu kommen?

Antwort: BM: Ganz besonders lade ich meine kinderärztlichen Kollegen ein und hoffe, dass wir uns am Stammtisch kennenlernen und so ein breiteres Netzwerk formieren können. Genauso wichtig sind mir alle Gemeindemitglieder, die am Besuchs- oder Segnungsdienst einer Kirche oder eines Krankenhauses beteiligt sind. Ich freue mich auf den Austausch mit Personen der verschiedenen Professionen. Davon lebt der Kongress. HD: Ich empfehle den Kongress besonders für jene, die Ermutigung, Inspiration und weiterführende Kontakte für ihren Dienst als Mediziner/ in, Pflegende oder therapeutisch Tätige suchen. Außerdem lade ich besonders Krankenhausseelsorger und Theologen ein.

Frage: Und zum Schluss noch eine inhaltliche Frage: Im Frühjahr haben sich die Deutschen mit der Präimplantationsdiagnostik beschäftigt. Die Spalten der Zeitungen waren voll davon, im Fernsehen lernte man, wie die Medizin vermutlich kranke Menschen verhindern kann. Die Entscheidung des Deutschen Bundestages ist gefallen. Aber die Menschen werden die Frage ja weiterhin mit sich herumtragen: Muss man ein möglicherweise behindertes Kind austragen? Was haben die Christen den betroffenen Müttern und Vätern zu sagen?

Antwort:

BM: Nach der derzeitigen Rechtslage und den heutigen medizinischen Möglichkeiten muss sich keine Frau in Deutschland einen möglicherweise genetisch kranken Embryo einpflanzen lassen oder ein behindertes Kind austragen. Dennoch ist mein Wunsch viel, viel mehr, dass betroffene Eltern tragfähige Beziehungen suchen und Rückhalt in Familie, Freundeskreis und durch professionelle Hilfsangebote finden, um die nötige Unterstützung für die Betreuung ihres behinderten Kindes zu erhalten. Dieses Kind hat das gleiche Recht auf und vielleicht die gleiche Freude am Leben wie Sie und ich. Die Zahl der Selbsthilfegruppen nimmt zu, die Versorgung mit Hilfsmitteln und Unterstützung durch einen Pflegedienst kann von der Krankenkasse geleistet werden, elterliches und ärztliches Engagement vorausgesetzt. Ich würde die Eltern ermutigen, sich an ihren Hausarzt, die Ärzte der nächstgelegenen Kinderklinik, ihre Nachbarn, ihre Kirchengemeinde zu wenden. Ich habe für alle Beteiligten sehr positive Lösungen erlebt, so dass ich überzeugt bin, dass es möglich ist, den zunächst schwerer erscheinenden Weg gemeinsam zu gehen. Und auch: Ziehen Sie sich nicht zurück, wenn Sie sich gegen das Leben mit Ihrem Kind entscheiden. Sie sind von Gott genauso geliebt.

HD: Einerseits werde ich bei diesem Thema und vor allem dem Trend, der dahinter steht (Sehnsucht nach dem perfekten Menschen und einem leidfreien Leben) ganz unruhig. Wir Menschen entscheiden über Tod und Leben, ohne dass sich der am meisten Betroffene, nämlich das heranwach-

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sende Leben, äußern kann. Andererseits hilft den Eltern und Paaren in der jeweiligen Situation keine steile Moral oder eine Ansammlung

Dr. Britta Mundhenk (BM)

von ethischen Richtigkeiten. Ich glaube, wir brauchen eine Kultur des Beistands und der Entlastung für Familien, die mit diesem Thema leben (müssen). Kirchengemeinden können hier Vorreiter sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

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FORSCHUNG

Kirchengemeinde und Depression Soziale und spirituelle Ressourcen entdecken Depressionen: die Zahlen steigen

Depressionen: multifaktoriell

Psychische Erkrankungen nehmen zu. Man rechnet damit, dass 25 Prozent der erwachsenen Europäer mindestens ein Mal in ihrem Leben unter psychischen Störungen leiden. Unter Berufstätigen in Deutschland stiegen die gemeldeten Fehlzeiten mit der Diagnose von psychischen Störungen von 2006 bis 2010 um 53 Prozent. Am häufigsten sind Angststörungen und Depressionen, und es wird erwartet, dass bis zum Jahr 2020 Depressionen in den Industrienationen die zweithäufigste Ursache von Erkrankungen sein werden. Damit haben psychische Störungen einen erheblichen Einfluss auf unsere Gesellschaft und auf das Gesundheitswesen.1

Was für die Vorbeugung und die Behandlung von Krankheiten allgemein gilt, trifft besonders auf psychische Erkrankungen zu: Zu ihrer Entstehung und für den Krankheitsverlauf sind eine Vielzahl von Faktoren bestimmend. Und von einer Erkrankung ist immer der Mensch als ganzer, mit Körper, Seele und Geist und in allen seinen Beziehungen betroffen.

Depressionen werden heute als „Volkskrankheit“ bezeichnet, und in Kirchengemeinden leiden viele Menschen an Depressionen. Denn: Auch Christen werden depressiv! Aber Menschen, die an Depressionen leiden, haben oft gerade in ihrer Kirchengemeinde eine große Scheu, offen über ihre Erkrankung zu reden. Nicht selten brechen sie den Kontakt zur Gemeinde sogar ab. Ein Projekt im Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen bearbeitet das Thema „Kirchengemeinde und Depression“. Das Ziel ist, die Ressourcen von Gemeinden im Hinblick auf diese Krankheit aufzuzeigen und zu stärken. Dies geschieht unter der Voraussetzung, dass die medizinische und psychotherapeutische Behandlung von Depressionen nicht der einzige und ausschließliche Weg zur Stärkung der psychischen Gesundheit und zur Behandlung von Depressionen sind.

Bei Depressionen wurde früher zwischen endogenen, d.h. genetisch bedingten, und exogenen Depressionen unterschieden. Bei Letzteren sah man die Ursache in äußeren belastenden Einflüssen, wie sie etwa der Verlust eines nahestehenden Menschen, Arbeitslosigkeit, Verfehlen von Lebenszielen etc. darstellen. Heute geht man davon aus, dass zwar manche Menschen wohl so etwas wie eine „Veranlagung“ zu einer depressiven Erkrankung haben, dass aber dennoch viele weitere Faktoren das Auftreten einer Depression verhindern oder aber auch fördern und den Verlauf beeinflussen können. Diese Erkenntnis hat Auswirkungen auf die Prävention und die Behandlung von Depressionen. Es gibt heute sehr wirksame psychotherapeutische Verfahren und eine Vielzahl von Antidepressiva, die Depressionen lindern oder heilen können. Darüber hinaus aber weisen auch Fachleute immer wieder auf die Bedeutung der Ressourcenperspektive im Hinblick auf Depressionen hin. Damit ist gemeint: So wichtig wie die Behandlung der Störung ist auch die Stärkung der Faktoren, welche die psychische Gesundheit fördern. Das sind vor allem soziale und spirituelle Faktoren. Unter diesem Aspekt nimmt

das Projekt „Kirchengemeinde und Depression“ die Kirchengemeinden als soziales Netz und als Ort der Gottesbegegnung in den Blick.

Kirchengemeinden: Aufklärung und Unterstützung Was ist eigentlich eine Depression? Was sind mögliche Auslöser und wie erkenne ich, wann eine Depression vorliegt? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Wie kann ich Betroffenen begegnen und was hilft ihnen? – Diese und andere Fragen können in den Kirchengemeinden im Rahmen von Aufklärungsinitiativen behandelt werden. Dafür gibt es verschiedene Formen, wie etwa Gemeindeabende, thematische Predigten, Konfirmandenunterricht, Schulungen der Ehrenamtlichen in Besuchskreisen etc.. Als Unterstützung depressiver Menschen oder ihrer Angehörigen ist das soziale Netz der Gemeinde eine wichtige Ressource. Denn das Fehlen tragender sozialer Beziehungen als Folge der neuzeitlichen Individualisierung und des Strebens nach Autonomie sowie die „Wurzellosigkeit“ auf Grund hoher Mobilität sind mitunter eine große psychische Belastung. Besuche und praktische Hilfen bieten soziale Unterstützung, die Teilnahme an Gesprächskreisen und zum Beispiel auch das Mitsingen im Kirchenchor können wertvolle Beziehungen stiften. Depressive Menschen ziehen sich zwar oft zurück und brechen soziale Kontakte ab, weil sie sich „so“ nicht zeigen wollen oder glauben, sich anderen nicht „zumuten“ zu können. Dennoch tut es ihnen in aller Regel sehr gut, wenn sie spüren, nicht vergessen zu sein. Ein Anruf oder


FORSCHUNG

ein – angemeldeter – Besuch wird meist als positiv empfunden, auch oder vielleicht gerade dann, wenn die psychische Situation gar nicht Gegenstand des Gesprächs ist. Wenn die Depression thematisiert wird, kann nicht der Anspruch bestehen, wirksame „Ratschläge“ zu geben. Zum Wichtigsten gehört, dass die Betroffenen spüren, als Kranker/als Kranke wahrgenommen zu werden, der/die an einer Krankheit leidet, deren Verlauf nicht von der eigenen Willensstärke abhängt.

Halt durch den Glauben Menschen mit schweren Depressionen leiden oft besonders darunter, nicht mehr beten zu können. Sie erleben sich als von Gott fern und ihr Leben scheint ihnen sinn- und ziellos zu sein. Besonders schlimm ist es, wenn die Umgebung ihnen dann noch mit Sätzen begegnet, wie: „Wenn du nur genug auf Gott vertrauen würdest, wärst du nicht

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so verzweifelt… Wer auf Gott der Gotteserfahrung depressive vertraut, hat keine Angst…“. Dazu Menschen stützen und wie kann es kommen nicht selten noch unbegelingen, Hoffnung zu vermitteln? gründete Schuldgefühle sowie die Überzeugung, alles im Leben falsch Entscheidend ist ein sensibler und gemacht zu haben und ein Versager/ geduldiger Umgang mit den Betroffeeine Versagerin zu sein. Wenn diese nen, das Da-Sein und Mit-Aushalten Menschen in ihrer Erziehung Gott als ihrer Gottesferne und der trostlos strafend und übermächtig erfahren erscheinenden Situation. In einem haben, Anzeige können depressive Ein Ort für geistliches Leben Symptome durch den beten lernen Verweis auf den Glauben sogar begleitet werden verstärkt werden. Wie also können der Glaube und die Gemeinde als ein Ort

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FORSCHUNG

punkte, um das Thema Depression durch Aufklärung, Schulungen und das Anregen neuer Initiativen ins Gemeindeleben zu integrieren. Ergänzend zur Arbeit in den Kirchengemeinden werden Fortbildungsveranstaltungen für Gemeindeleitende erarbeitet. Hier geht es neben der Vermittlung von Wissen zum Thema Depression um die seelsorgerliche Begleitung depressiver Menschen und um die Frage, welche Formen sozialer und spiritueller Unterstützung in den jeweiligen Kirchengemeinden angeregt werden könnten. unter Umständen sehr langen Prozess der Begleitung kommt es darauf an, immer wieder Gottes bedingungslose Liebe und vorbehaltlose Annahme eines jeden Menschen zu betonen und unbegründete Schuldund Minderwertigkeitsgefühle anzusprechen. Andererseits können im Falle einer vorliegenden realen Schuld der Zuspruch von Vergebung durch Gott und die so erfahrene Versöhnung sehr heilsam sein und neue Perspektiven eröffnen. Manchmal trifft ein Psalmvers oder ein einzelner Satz der Predigt ins Innere von Menschen, wirkt nach und begleitet sie über eine lange Zeit. Abendmahl und Eucharistie können als Quellen der Kraft erfahren werden. Oft sind depressive Menschen auch offen für die Rituale der Segnung und Salbung, die persönlichen Zuspruch und wohltuende Berührung vermitteln. „In der Zeit meiner Depression wurde der sonntägliche Gottesdienst für mich zur Quelle der Kraft“ – dies sagte eine Frau, die monatelang depressiv war und Zeiten erlebte, da sie sich am Morgen nicht vorstellen konnte, wie sie „über den Tag“

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kommen werde. In der sonntäglichen Feier habe sie dann immer wieder das Gefühl gehabt, Gott sei bei ihr und gehe mit ihr. – Dieses Beispiel zeigt, wie spirituelle Ressourcen Stärkung bieten für depressiv erkrankte Menschen auf einem oft sehr langen und mühsamen Weg zu einem neuen Vertrauen auf Gott, die Mitmenschen und zu sich selbst.

Was kann ein Projekt erreichen? Das Projekt „Kirchengemeinde und Depression“ hat im Herbst 2010 begonnen und ist ein Kooperationsprojekt der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen, des „Bündnis gegen Depression e.V. Neckar Alb“ und des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm) in Tübingen. In einer ersten Phase dieses Projekts wurden die auf Gesundheit bezogenen Ressourcen der Kirchengemeinden des Bezirks dokumentiert. Eine Erhebung zeigte: In vielen Gemeinden gibt es ein breites Angebot von zum Teil professionellen, zum Teil ehrenamtlichen Hilfsangeboten für Menschen in Not- und Krisensituationen. Diese bereits vorhandenen Strukturen sind gute Anknüpfungs-

Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts ist die Vernetzung gemeindlicher Ressourcen mit säkularen Hilfsangeboten: Für Gemeindemitglieder ist es wichtig, professionelle, nichtkirchliche Hilfsangebote zu kennen. Umgekehrt sollten – und das ist ein wichtiges Ziel des Projekts – Mitarbeitende in säkularen Einrichtungen die Ressourcen von Kirchengemeinden im Blick haben, darauf verweisen und – im Idealfall – mit den Gemeinden zusammen arbeiten. So können Kirchengemeinden einen wichtigen und spezifischen Beitrag zur Förderung psychischer Gesundheit leisten, nach innen und nach außen.

Dr. med. Beate Jakob, Ärztin und Theologin, Deutsches Institut für ärztliche Mission, Tübingen. Das Projekt wird beim 3. Christlichen Gesundheitskongress vorgestellt.

Vgl. hierzu z.B.: BKK-Gesundheitsreport 2008, S. 17-19; TKK-Gesundheitsreport 2008, S. 17-50; DAK-Gesundheitsreport 2011, S. 28


ERFAHRUNGEN

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„Nicht mehr – sondern anders“ – Begleitung am Lebensende

Ein Praxisbericht aus dem Alltag eines Pflegeheims Das Pflegeheim „Maria Hilf“ ist eine stationäre Einrichtung der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul in Untermarchtal, einem kleinen Dorf an der Donau gelegen, am südlichen Fuße der Schwäbischen Alb. Unsere Pflegeeinrichtung steht mit 76 Dauerpflegeplätzen und zwei Kurzzeitpflegeplätzen sowohl Ordensschwestern als auch Menschen aus der Umgebung offen. Das Thema „Lebensende“ und „Pflegeheim“ löst in vielen Menschen ein Unwohlsein aus, verbunden mit Bildern aus den Medien, die uns nicht ausreichend versorgte und völlig fremdbestimmte alte Menschen vor Augen führen. Immer wieder neu ärgere ich mich darüber, dass die Negativ-Beispiele in den Medien präsentiert werden und unsere Ängste und Sorgen über das uns vielleicht bevorstehende Lebensende immer neu Nahrung finden. Das macht mich traurig – denn mein Alltag zeigt sich anders! Nicht mehr – sondern anders. Dies bedeutet, aufmerksam mit „Antennen der Liebe“ zu erspüren, was dem alten Menschen und seinen Angehörigen gut tut. Aufgrund der zunehmenden Qualitätsvorschriften und Standards in der Altenhilfe neigen wir alle dazu, immer noch mehr

Nachweise zu erbringen und immer mehr in Betriebsamkeit zu verfallen. In unserem Haus gilt das Motto „Nicht mehr – sondern anders“. Wenn wir von Lebensqualität sprechen, legen wir unser Augenmerk besonders auf folgende Faktoren: Selbstbestimmung, Selbständigkeit, Bewegungsfähigkeit, Partizipation und Sinnfindung. Selbstbestimmung beginnt im Alltag mit Fragen der Pflegekräfte, die meist mit „Möchten Sie…?“ beginnen, aber letztendlich keine Auswahlmöglichkeit lassen. Die permanente Erfahrung, doch nicht wählen zu dürfen, hinterlässt Frustration und Resignation. Also: Nur fragen, wenn der Betreffende auch frei wählen kann! Wie viel Selbstständigkeit und Bewegungsfähigkeit fördern wir? Ist nicht immer wieder der Zeitfaktor unsere Argumentation in der Pflege, die Aufgaben selbst zu übernehmen? Wenn pflegerische Maßnahmen kontinuierlich von allen Pflegekräften gleich getan werden – z.B. Transfers in den Stuhl, ins Bett… – wird eine Bewohnerin oder ein Bewohner sehr schnell die Bewegungen mit übernehmen. Wenn jede Pflegekraft es macht, wie sie es für richtig hält, haben die Bewohner sehr schnell das Gefühl, sie können selbst nichts mehr – also machen sie nichts mehr!

auswählen, die sie/ihn begleitet? Ist es immer dieselbe Person, die sie/ ihn dann auch auf seinem allerletzten Weg begleitet und weiß, was gut tut? Oder kommt ein schnell

Schwester Patricia Baumann

herbeigerufener Begleitdienst, der fremd ist und meint, das Gute zu tun? Das Motto „Nicht mehr – sondern anders“ ist ein nicht einfaches und sehr herausforderndes Motto, das sich im alltäglichen Tun zeigen muss und immer wieder aufs Neue ins Bewusstsein und zur Sprache gebracht werden muss. Schwester Patricia Baumann,

Auch für die Begleitung, die Seelsorge gilt: „Nicht mehr – sondern anders.“ Kann eine Bewohnerin oder ein Bewohner eine Person

Heimleitung, Untermarchtal, Mitglied im Herausgeberkreis von ChrisCare und Referentin beim 3. Christlichen Gesundheitskongress


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HINTERGRUND

„Was soll ich dir tun?“ Menschen mit geistiger Behinderung am Lebensende begleiten Gerade die Begleitung von Menschen an deren Lebensende im Sinne von Palliative Care und Hospizarbeit verlangt von uns den unbedingten Blick auf die Person und ihr Umfeld. Die Konzentration auf ihre Bedürfnisse, ihre Wünsche, Ängste und Schmerzen ist unerlässlich. Jesus fragt den blinden Bettler Bartimäus: „Was soll ich dir tun?“ (MK 10, 51). Dieser Haltung folgt Palliative Care: Nicht die Helfenden wissen, was gut für den Sterbenden ist, der Sterbende sagt es den Helfern. Wie gelingt uns dies in der Begleitung von Menschen mit geistiger Behinderung? Die Behindertenhilfe stellt für Palliative Care einen relativ neuen Versorgungskontext dar und bietet gleichermaßen eine neue Zielgruppe des Konzepts. Palliative Care kann und soll ein Angebot werden, von dem auch Menschen mit geistiger Behinderung nicht ausgegrenzt sind (Roy 2006). Hinter dem Konzept steht eine Haltung, die allen Menschen ein Sterben in Würde Anzeige ein Europa ben – für anasie! Ja zum Le g und Euth un b ei tr b A ohne

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zu ermöglichen sucht. Die Perspektive von Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Bedürfnisse am Lebensende, im Abschiednehmen und in der Trauer müssen daher in den Fokus rücken. Dies verlangt eine Ausdehnung in Richtung Behindertenhilfe und somit der Wohn- und Betreuungsformen für Menschen mit geistiger Behinderung.

ten. Je nach Ausprägung der Behinderung kann ein weniger abstraktes Denken möglich sein.

Krankheit, Sterben, Trauer und Tod begleiten

Um die Phänomene Krankheit, Sterben, Trauer und Tod erfahrbar zu machen, eröffnen sich unterschiedliche Ansatzpunkte. Konkrete Erfahrungen, Der Mensch und sein Umfeld die bewusste Wahrnehmung, das Menschen erleben Krankheit, Tod und Erleben, Fühlen und Sehen können in Trauer sehr individuell. Auch Mender Auseinandersetzung mit Verlusten schen mit einer geistigen Behinderung sehr hilfreich sein. Begleitende bedürerfahren Verluste und trauern dabei fen einer Haltung, die den Menschen auf ihre eigene Art und Weise, die in seiner Gesamtheit zu erfassen nicht wesentlich von Menschen ohne sucht. Sie müssen bereit sein, von ihm Behinderung abweichen muss. Das zu lernen und sensibel sein, bereits Verständnis von Krankheit, Sterben kleinste Veränderungen wahrzunehund Tod sowie das Trauerverhalten bei men. Biografiearbeit kann dabei ein Menschen mit geistiger Behinderung gutes Instrument sein, Zugang zur können sich andererseits auch stark Lebenswelt des Gegenübers zu erhalvon der Allgemeinbevölkerung unterten. Zugleich bedarf es einer qualifizierscheiden. Das kognitive und emotionale ten Begleitung des Bezugssystems. Entwicklungsalter bedingen das indiviDas Sterben einer Bewohnerin bzw. duelle Todesverständnis. Das Ausmaß eines Bewohners ist immer auch ein der Trauerreaktionen ist dabei auf die gemeinsamer Weg und kollektiver Reife des persönlichen Todeskonzepts Trauerprozess der MitarbeiterInnen der zurückzuführen. Die Möglichkeiten zur jeweiligen Einrichtung, der MitbewohTrauerverarbeitung orientieren sich an ner und Angehörigen. Das Bezugsder Fähigkeit, den Tod real zu begreifen system darf daher nicht außer Acht und Emotionen bewusst zu erleben gelassen werden und bedarf ebenso (Haveman/Stöppler 2010, S. 208-214). wie der/die Betroffene selbst, einer Zugleich zeigen sich allgemeine individuellen, bedürfnisorientierten Lebensumstände von Menschen Begleitung. Das soziale Umfeld stellt mit geistiger Behinderung, die den auf der anderen Seite eine wichtige individuellen Trauerverlauf maßgeblich Ressource für die Begleitung des Men.de s-leben a d re beeinflussen können und im Kontext schen mit geistiger Behinderung dar. arsch-fu www.m von Palliative Care näherer Beachtung So können Angehörige oder langjähbedürfen (Luchterhand/Murphy 2007). rige Mitbewohner und Mitbewohnerinnen – wenn sie dabei unterstützt und Die jeweilige Lebenswirklichkeit varibegleitet werden – wichtige Stützen iert und demnach auch das eigene für den betroffenen Menschen sein. Denken, Fühlen und Handeln. Zudem Auch wenn es z. B. um die Erfassung haben Menschen mit einer geistigen von Behandlungswünschen oder des Behinderung sehr unterschiedlich mutmaßlichen Willens bezüglich mediausgeprägte Fähigkeiten, Informatizinischer Eingriffe geht, sind An- und onen aufzunehmen und zu verarbeiZugehörige wichtige Partner.


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Benjamin Krückl, MAS Palliative Care, DiplomSozialpädagoge (FH),

Mit- und voneinander lernen Es bedarf bestimmter Bedingungen, um Sterbebegleitung, Trauerarbeit und ein gemeinsames Abschiednehmen im Kontext der Behindertenhilfe zu ermöglichen. Ein wichtiger Aspekt ist das Prägen einer palliativen Kultur. Die Integration des Palliative Care Konzeptes in die Behindertenarbeit im Hinblick auf die personelle und organisationale Ebene sowie die Haltung und Betroffenenorientierung, die diesem Konzept zugrunde liegen, sind dabei maßgeblich und für ein gutes Gelingen der Sterbebegleitung und eines gemeinsamen Abschiednehmens im Kontext der jeweiligen Einrichtung unabdingbar. Die ressourcen- und lebensweltorientierte Haltung der Helferinnen und Helfer in der Behindertenhilfe ist für eine zunehmende Orientierung an Palliative Care ein fruchtbarer Boden. Dennoch scheint der Zugang zum Palliative Care Konzept gerade für Menschen mit kognitiven Einschränkungen noch erschwert. Eine notwendige Perspektivenerweiterung bezüglich der jeweiligen Versorgungskontexte und Organisationen ist angezeigt. Potentielle Problembereiche für eine Umsetzung palliativer Versorgung dieser Zielgruppe sind z. B. späte Anzeichen von Krankheit, Schwierigkeiten im Erkennen und in der Behandlung von Symptomen sowie Schwierigkeiten beim Verständnis der Krankheit und ihrer Folgen durch die Betroffenen. Aber auch die fehlende Qualifizierung von Mitarbeitenden und unzureichende Vernetzung von Behindertenhilfe und Palliative Care im Sinne einer interdisziplinären Teambildung sind dabei zu nennen. Es besteht wenig Wissen in der Behindertenhilfe zum Thema Palliative Care. Bei Hospizangeboten wiederum ist ein Bedarf an Wissen über Menschen mit geistiger Behinderung festzustellen (Tuffrey-Wijne 2003).

„Was soll ich dir tun?“ Ernst gemeinte Orientierung an der oder dem Betroffenen, an ihren oder seinen Wünschen, Bedürfnissen und

Nöten, verlangt nach einer tragenden Beziehung zwischen Helfenden und Schwerkranken bzw. Sterbenden. Diese Beziehung ist davon geprägt, dass die helfende Person permanent durch den sterbenden Menschen auch auf ihre eigene Endlichkeit und Sterblichkeit hingewiesen wird (vgl. Heller 2007). Die Begleitenden sind demnach gefordert, wie wohl in kaum einem anderen sozialen Kontext, sich als Person zu zeigen und sich mit eigenen Vorstellungen und Ängsten auseinanderzusetzen. Dies berührt insbesondere auch spirituelle Fragen, die in der Begleitung von Menschen mit geistiger Behinderung durchaus im Raum stehen. Die Haltungsfrage „Was soll ich dir tun?“ ist auch hier beziehungsprägend, wenngleich die verbale Formulierung der Frage allein zu kurz greifen wird.

Auf dem Weg Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising führt ein großes Projekt zur Förderung einer „Christlichen Hospiz- und Palliativkultur“ durch. Neben Altenheimen und Pflegediensten werden in diesem Projekt auch einige Träger und Einrichtungen der Behindertenhilfe bei der Integration von Palliative Care unterstützt (www.caritasmuenchenhospizkultur.de). Mittlerweile gibt es auch einige Schulungsangebote zur Palliative Care für Menschen mit geistiger Behinderung. So hat z. B. das Hospiz-Zentrum Bruder Gerhard der Malteser in Hamburg das Thema „Begleitung von Menschen mit einer geistigen Behinderung im Sterben und in der Trauer“ in ihren Palliative Care Aufbaukursen integriert sowie ein zweitägiges Seminar konzipiert (www.malteser-hamburg.de). Eine Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen der Behindertenhilfe und Hospizarbeit wird durch die benannten Träger gefördert und sollte für eine gelingende und gelebte palliative Kultur zunehmend Beachtung finden.

Hospizreferent, Caritas‑ verband der Erzdiözese München und Freising e.V., benjamin.krueckl@caritasmuenchen.de

Ramona Bruhn, MAS Palliative Care, Dipl. Rehabilitationspädago‑ gin, Hospizkoordina‑ torin, Hospiz-Zentrum Bruder Gerhard, Malteser Hilfsdienst e.V., Hamburg, ramona.bruhn@malteser.org

· Bleeksma, Marjan (2009): Mit geistiger Behinderung alt werden. 3. Auflage. Weinheim: Juventa Verlag · Bruhn, Ramona (2010): Verstehen und Unterstützen beim Abschiednehmen. In: Trauern kann dauern. Praxis Palliative Care 9/2010: 28-30 · Caritasverband für die Diözese Augsburg e.V. (Hrsg.) (2011): In Würde. Bis zuletzt. Hospizliche und palliative Begleitung von Menschen mit geistiger Behinderung. · Dingerkus, Gerlinde / Schlottbohm, Birgit (2006): Den letzten Weg gemeinsam gehen – Sterben, Tod und Trauer in Wohneinrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung. 2. überarbeitete Auflage. Münster: ALPHA-Westfalen · Haveman, Meindert / Stöppler, Reinhilde (2010): Altern mit geistiger Behinderung. Grundlagen und Perspektiven für Begleitung, Bildung und Rehabilitation. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer · Heimerl, Katharina (2008): Orte zum Leben – Orte zum Sterben. Palliative Care in Organisationen umsetzen. Freiburg im Breisgau: Lambertus Verlag · Heller, Andreas (2007): Die Einmaligkeit von Menschen verstehen und bis zuletzt bedienen. Palliative Versorgung und ihre Prinzipien. In: Heller, Andreas / Heimerl, Katharina / Husebø, Stein (Hrsg.): Wenn nichts mehr zu machen ist, ist noch viel zu tun. Wie alte Menschen würdig sterben können. 3. aktualisierte und erweiterte Auflage. Freiburg im Breisgau: Lambertus, 191-208 · Kofoet, Christel / Dingerkus, Gerlinde (2008): Hospiz- und Palliativversorgung in den Lebensbereichen der Behindertenhilfe. Münster: ALPHAWestfalen · Luchterhand, Charlene / Murphy, Nancy (2007): Wenn Menschen mit geistiger Behinderung trauern. Vorschläge zur Unterstützung. 2. Auflage. Weinheim: Juventa-Verlag · Roy, David J (2006): O.T. Vorwort zur Schwerpunktausgabe „Disability and Palliative Care“. Journal of Palliative Care 22:3/2006 · Tuffrey-Wijne, Irene (2003): The palliative care needs of people with intellectual disabilities: A literature review. Palliative Medicine 17, 55-62


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HINTERGRUND

Der Raum des Heilens Vom Heilungsauftrag der Gemeinde Der Greifswalder Professor für Praktische Theologie, Michael Herbst hat 2006 in Kapstadt auf die Bedeutung des Heilungsdienstes der Kirchen hingewiesen. In einem Referat anlässlich einer Pfarrkonferenz mit Pastoren der Pommerschen Evangelischen Kirche und Pastoren der Cap Orange Diözese in Südafrika erinnert er zunächst an Dietrich Bonhoeffer. Zu dessen weniger bekannten Schriften zählt „Der beste Arzt“. Der Theologe schrieb den Aufsatz mitten im Krieg 1941 für die Bädermission. Dass die Welt nicht in Ordnung ist, schildert Bonhoeffer am Beispiel eines gelähmten Kindes, das an den Rollstuhl gefesselt ist. Eine Welt, in der solches Leid vorkommt, entspricht nicht den ursprünglichen Vorstellungen des Schöpfers. Es ist die Gottlosigkeit, die das Leiden mit sich bringt. Bonhoeffer zitiert 2. Chronik 16,12: „Und Asa wurde krank an seinen Füßen im neununddreißigsten Jahr seiner Herrschaft, und seine Krankheit nahm sehr zu; und er suchte auch in seiner Krankheit nicht den Herrn, sondern die Ärzte.“ Bald darauf starb der judäische König Asa. Dieser war ein moderner Mensch. In religiösen Dingen suchte er Gottes Gegenwart. Aber in Fragen von Krankheit und Gesundheit ging er zum Arzt. In seiner Vorstellung hatten Krankheit und Gott nichts miteinander zu tun. Er wird in der Bibel allerdings nicht dafür kritisiert, dass er zum Arzt ging, sondern, dass er darauf verzichtete, den Herrn zu suchen. Jesus wird an die heilende Macht Gottes anknüpfen, wenn er den Kranken seiner Tage begegnete. Und in unserer Zeit wurde bei der Weltmissionskonferenz 2005 in Athen daran angeknüpft: „Wenn

Christus der beste Arzt ist, dann ist die Kirche dazu berufen, eine heilende Gemeinschaft zu sein.“

diese Sehnsucht u.a. auf eine immer bessere Gesundheit, die man durch Fitnessprogramme fördern könne.

Um das Wie dieser heilenden Gemeinschaft ging es schon in den 1960er Jahren. Damals hatten der Ökumenische Rat der Kirchen und der Lutherische Weltbund die Tübinger Erklärung zum Heilungsauftrag der Kirchen formuliert. Umso erstaunlicher ist es für Herbst, dass in den deutschen Seelsorgelehrbüchern der letzten Jahrzehnte kaum vom Heilungsauftrag die Rede ist. Und auch in der aktuellen missionstheologischen Debatte kommt Heilung kaum vor. Das sei umso auffälliger, weil Kirchen, die sich stark mit dem Thema Heilung befassen, wachsen.

Angesichts dieser unterschiedlichen Vorstellungen von Gesundheit muss in den Gemeinden sehr genau darauf geachtet werden, welche Heilungssehnsüchte befriedigt werden sollen und welche Wünsche zurückgewiesen werden müssen.

Michael Herbst berichtet von einem Treffen junger Theologen im Vorfeld der Athener Weltmissionskonferenz, bei dem unterschiedliche Vorstellungen zur Bedeutung von Heilung sichtbar wurden: Während ein junger Norweger meinte, körperliche Heilung, wie man sie im Handeln Jesu sehe, müsste stärker betont werden, widersprach dem ein Südafrikaner. Der erinnerte an die positiven Folgen des Versöhnungsprozesses nach dem Ende der Apartheit. Damals seien Beziehungen geheilt worden, weil Menschen zur Versöhnung bereit gewesen seien. Während die beiden Positionen unterschiedliche Aspekte des Heilungsdienstes betonen, ist die Sehnsucht nach Heilung allgegenwärtig, z.B. in Ländern des Südens als Folge von Epidemien wie HIV/ AIDS, von Malaria und Tuberkulose sowie mangelndem Zugang zu medizinischer Versorgung. In den wohlhabenden Ländern richtet sich

Ein Blick in die Bibel zeigt, dass Heilung eine große Bedeutung hat. Dabei, so betont Michael Herbst im Anschluss an Stuart C. Bate, müsse zwischen körperlicher Gesundung (curing disease) und Heilung (healing illness) unterschieden werden. Das eine bezeichnet die Wiederherstellung einer biologischen Fehlfunktion, das andere ein „Unwohlsein“, das als Reaktion auf die Krankheit zu verstehen ist. Dieses „Unwohlsein“ entstammt sozial-kultureller Prägung, die auch das soziale Netz, die Beziehungen oder das Selbstbild einbezieht. Heilung als Wiederherstellung eines gesunden Systems und einer positiven Selbstwahrnehmung, die sich also nicht nur auf die Heilung von Krankheiten beschränkt, wird in der westlichen Kultur vernachlässigt. Gerade dieser ganzheitliche Ansatz entspricht jedoch den Vorstellungen des Neuen Testaments (Lk 17,1519; 2. Kor 12,7-9). „Heilung ist ein Prozess, der unser Beziehungsnetz betrifft und es mit Christus verbindet.“ Herbst würde sich freuen, wenn in den Gemeinden Menschen in dieser Weise zu neuer Lebensgewissheit geholfen würde, ohne dass die körperliche Gesundung vergessen würde. Auch wenn er kein Pfingstler sei, so der Greifswalder Professor, wolle er ebenfalls an der


HINTERGRUND

Hoffnung festhalten, dass Gott nicht nur der Schöpfer, sondern auch der Herr der Naturgewalten ist. Wie das geschehen kann, schildert Herbst an drei Beispielen: • Markus aus Leeds in England wuchs als Missionarskind auf, machte Abitur und geriet durch einen schweren Verkehrsunfall in eine tiefe Krise, durch die Gott sein Leben grundlegend veränderte. Monatelang heilte sein Bein nicht. Im Gottesdienst einer Pfingstgemeinde wurde ihm dann Heilung zugesagt, aber es geschah nichts. Monate vergingen, er kam zu einer Spezialuntersuchung nach London. Deren Ergebnis: Das Bein muss amputiert werden. Nachdem ihm das der Professor eröffnet hatte, kam Besuch. Ein Onkel kam, Priester der anglikanischen Kirche, betete für Markus und salbte ihn mit Öl. Kaum war der Geistliche gegangen, kam der Professor noch einmal herein: Er habe gerade einen Einfall gehabt, mit welchem Antibiotikum man es noch einmal versuchen könne. Wenige Tage später ging Markus gesund nach Hause. Er meinte, Gottes Eingreifen sowohl in der ausbleibenden als auch in der eintretenden Heilung sehen zu können. • Die Wahrheits- und Versöhnungskommissionen in Südafrika haben zweifelsohne einen heilenden Einfluss auf die Gesellschaft. Wenn in der Kirche die Versöhnung mit Gott und untereinander gepredigt wird, dann entsteht ein heilendes Umfeld. In diesem dürfe offen über Fehler und Konflikte gesprochen werden. Dadurch würde der präventive Faktor gestärkt werden, der Gesunderhaltung nicht nur auf körperliche Krankheiten bezieht. Versöhnung ist ein wichtiger Baustein der „Salutogenese“ auf dem Weg zur Heilung.

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• In der Anglikanischen Kirche wurde 2000 ein Handbuch zum Heilungsdienst veröffentlicht: A time to heal. Hier wurden positive Beispiele zusammengetragen, wie in Kirchengemeinden um Heilung gebetet werden kann. Dabei wird Heilung als ganzheitliches Geschehen gesehen, das sowohl die Gottesbeziehung als auch die zwischenmenschlichen Beziehungen betrifft und dabei Emotionen, Umwelt, Vergangenheit, Körper und Gott einbezieht. Das Handbuch ermutigt Laien, Heilungsteams zu bilden, die im Gottesdienst mitwirken. Besonders der Abendmahlsgottesdienst ist der Ort, in den der Heilungsdienst integriert werden kann. Michael Herbst empfiehlt die Einrichtung solcher Heilungsteams, die in vielfältiger Weise aktiv werden können, z.B. durch öffentliche oder private Fürbitte, durch Handauflegung, Salbung mit Öl, Versöhnung und Vergebungszuspruch, Heilung der Familiengeschichte und von Erinnerungen, Einrichtung von Selbsthilfegruppen, Krankenbesuche, Gebetgruppen für Kranke, Beratungsangebote, Hospize und das Angebot von Befreiungsdiensten. Der Autor schließt: „Ich wollte zeigen, wie heute der Heilungsdienst in der Ortsgemeinde ein wichtiger Teil unseres Auftrags sein kann, der die Bedürfnisse und die Sehnsucht vieler Menschen berührt. Ich habe versucht, einige der Gefahren aufzuzeigen und wie man Fehltritte vermeiden kann. Aber zuallererst möchte ich Sie ermutigen, über unsere kirchlichen Aktivitäten in diesem Bereich des Dienstes nachzudenken. Dietrich Bonhoeffer dachte, dass wir nicht die Kirche Christi, des verwundeten Heilers sein können, wenn wir die Bedürfnisse der Kranken übersehen. Christus, so betont er, sei der beste Arzt.“

Dietrich Bonhoeffer: Gottlosigkeit bringt Leiden mit sich

„Christ ist einer, der für andere da ist.“ Dietrich Bonhoeffer

Zusammenfassung eines Vortrags von Professor Dr. Michael Herbst, Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald, Inhaber des Lehrstuhls für Prakti‑ sche Theologie und Direktor des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung.


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DENKANSTOß

Demente haben manches voraus Aufforderung zum Perspektivenwechsel Stellungnahme zu dem Artikel: „Denkanstoß“ ChrisCare 2 2011, S. 18 von Frau Prof. Dr. phil. Dipl.Psychologin Karin Wilkening Da ich mich seit vielen Jahren mit dem Thema Spiritualität in der Begleitung von Demenzkranken auseinandersetze, hat mich der Artikel von Frau Dr. Karin Wilkening neugierig gemacht und ich war auf ihre Sichtweise gespannt. Leider geht Frau Dr. Wilkening sehr undifferenziert mit dem Begriff Spiritualität um. Sie definiert nicht, welche Inhalte sie mit diesem Wort verbindet. Begriffe wie Bewusstsein und Achtsamkeit sind nur ein kleiner Anteil. Nach Gisbert Greshake ist Spiritualität „vor aller begrifflichen Klärung die gelebte Grundhaltung des Menschen an Gott und seine Sache. Deshalb ist Spiritualität eine so vielgestaltige Größe wie das Leben selbst und wie die Vielgestaltigkeit möglicher Beziehungen zu Gott“.1 Meine Erfahrung in der Begleitung von Menschen mit Demenz und die vertiefte Auseinandersetzung mit der eigenen Spiritualität machen mir immer deutlicher, wie sehr es einer differenzierten Sichtweise bedarf, um die Menschen in ihren existentiellen Erfahrungen von Armut, Identitätsverlust, Angst, Ungeborgenheit etc. zu begleiten. Die Autorin bemerkt zu Recht, dass Möglichkeiten spiritueller Erfahrung in einer Konzentration auf den „Wesenskern“ eines Menschen liegen. Aber was versteht sie unter „Wesenskern“? Widerspricht sich die Autorin nicht, wenn sie in der Hinführung schreibt: „Wenn man Spiritualität mit Begriffen, wie ‚Bewusstheit‘ oder ‚Achtsamkeit‘ gleichsetzt, dann wird es schwierig, auch Menschen mit Demenz Möglichkeiten spiritueller Erfahrungen zuzugestehen.“

Kurz danach bringt sie unter 2. die zeitliche, räumliche, personelle Desorientierung in Zusammenhang mit Fähigkeiten zur „Bewusstseinserweiterung“ durch meditative Techniken, die zu einer zunehmenden Auflösung von Zeit-, Raum- und Personengrenzen und dem „Einswerden“ mit dem Umfeld führen und die als höchste Kunst „spiritueller Meister“ gelten. Ob Frau Dr. Wilkening jemals die Ängste, die existentielle Bedrohung, das emotionale Chaos dieser Menschen geteilt hat? Begegnen wir hier nicht Phänomenen, die sehr unterschiedlich gesehen werden müssen? Der an Demenz erkrankte Mensch wendet nicht bewusst eine Technik an – und hat vielfach kein Instrumentarium in sich, zu gegebener Zeit „aus der Technik auszusteigen“ – das Erfahrene zu reflektieren, neue Entscheidungen zu treffen – sprich, hier in Freiheit einen Weg zu gehen. Ist die Wirklichkeit des an Demenz leidenden Menschen nicht die, dass ihm „etwas genommen wird“, dass er die Veränderungen nicht mehr „bewusst“ nachvollziehen kann? Er hat vielfach kein Instrumentarium in sich, um dem Chaos der Gefühle und der existentiellen Bedrohung etwas entgegensetzen zu können. Ich erfahre immer wieder, dass tief im Herzen des Menschen ein Raum ist, der unverletzt und unberührt bleibt durch diese Erschütterungen. Um aber mit diesem Raum in Berührung zu kommen, bedarf es nicht einer Technik, sondern der personalen Begegnung mit einem DU, das fähig ist, zu lieben, mitzuleiden, Heimat und Geborgenheit zu schenken. Eine solche Begegnung hilft, die

eigene Identität zu wahren oder tiefer zu entdecken. Eine Identität, die durch die nachlassenden Fähigkeiten nicht in Frage gestellt wird. Wenn wir uns wirklich und wahrhaftig auf Beziehungen zu Menschen in der Demenz einlassen, dann decken sie uns sehr schnell auf, wie begrenzt unsere eigene Beziehungs- und Liebesfähigkeit ist. Sie verweisen uns auf unsere eigene Bedürftigkeit und unsere Defizite sowie unseren eigenen Schrei nach Geborgenheit, Heimat und Identität. Solche Erfahrungen in der Begleitung von Menschen in der Demenz können uns einen neuen und vertieften Zugang zu einer biblisch-christlichen Spiritualität eröffnen und neue Perspektiven für Pflegende und Gepflegte geben. In der Begegnung mit Jesus Christus, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn, der die Mitte und das Ziel christlicher Spiritualität ist, bekommt das ganze körperliche und seelische Leid eine Würdigung. Die Sehnsucht des Menschen nach Glück, Weite, Fülle, Ansehen, Heimat etc. ist dann nicht mehr von der Leistung abhängig, sondern ist unverdientes Geschenk, das immer neu ersehnt und empfangen werden kann. Der Geist Gottes will uns in diese Begegnung führen. Wo Menschen sich dem Geist Gottes öffnen, werden sie in ganz alltäglichen Situationen eine neue Sichtweise bekommen. Sie werden fähig, auch in Erfahrungen von Scheitern, Krankheit und Tod neue Lebensperspektiven zu erkennen (vgl. Johannes 17,3)2. Hier erschließt sich dann auch der Begriff „Spiritualität“, wie er ursprünglich gemeint war, ganz neu. Im Fol-


Stellungnahme 3/2011 CHRISCARE

genden ein Zitat aus einer Veröffentlichung von Dr. Peter Hammerschmid: Der Begriff Spiritualität geht zurück auf das lateinische Adjektiv „spiritualis“, was so viel wie geistvoll, geistig, geistreich bedeutet. Dieses Adjektiv ist eine christliche Neuschöpfung aus den ersten Jahrhunderten, um das griechische Adjektiv „pneumatikós“ wiederzugeben, das im Neuen Testament eine wichtige Rolle spielt.3 Dieser ursprünglich aus der Mitte des Christentums entstandene Begriff der „Spiritualität“ entwickelte sich in den letzten Jahr(zehnt)en sowohl zu einem Sammelbegriff esoterischer Religiosität als auch zu einem rein profanen Wort, das eine Orientierung an Werten und Sinn ausdrückt.4 Selbst ein umfangreicher Leserbrief gibt nicht die Möglichkeit, auf jeden einzelnen der von Frau Dr. Karin Wilkening aufgeführten Punkte differenziert einzugehen. Daher möchte ich zusammenfassend fünf Gedanken ausführen, die sich aus einer bewusst christlich orientierten Spiritualität ergeben: 1. Wie sehr das Thema Spiritualität auch für den an Demenz erkrankten Menschen bedeutsam ist, zeigen neuere Veröffentlichungen von Betroffenen oder von ihren Angehörigen.5 Werden die Menschen in Demenz auf ihrem spirituellen Weg gut begleitet, kann auch diese Wegstrecke zu einer erfüllten Zeit werden. 2. Die Demenzerkrankung ist für unsere westliche Zivilisation eine Chance, sich neu mit den Fragen nach Werten, nach Sinn, nach Transzendenz auseinanderzusetzen, und sich vor allem den Fragen nach dem Leid zu stellen. 3. In den östlichen Religionen und den von der Esoterik her geprägten „Spiritualitäten“ bilden immer Bewusst-

heit – Achtsamkeit – und in gewisser Weise auch Methode und Technik die Voraussetzung zu spirituellen Erfahrungen. In den Offenbarungsreligionen führt der Weg über eine personale Begegnung mit dem DU Gottes. In dieser Begegnung findet der Mensch Antwort auf seine Bedürfnisse. Nach Tom Kitwood sind die primären Bedürfnisse des an Demenz erkrankten Menschen „Einbeziehung, Trost, Bindung, Identität, Liebe, Beschäftigung (schöpferisch sein)“, die alle ein personales Gegenüber fordern.

Schwester Rosa Maria Lochmiller, Kloster Sießen, Altenarbeit, Lei‑ tungsaufgaben inner‑ halb der Ordensge‑ meinschaft, gehört zum Bundesweiten

Leitungskreis von CiG und ist Referentin beim 3. Christlichen Gesundheitskongress

Zitiert in Schütz, Christian (1992): „Praktisches Lexikon der Spirtualität“, S. 1170/1171. Herder. 2 Das ist das ewige Leben, Dich den einzigen und wahren Gott zu erkennen und Jesus Christus, den er gesandt hat (...). (Zit. Einheitsübersetzung der Bibel) 3 Rahner, Karl: Frömmigkeit früher und heute. In Theologie des geistlichen Lebens (Einsiedeln u.a.1966 Schriften zur Theologie VII), S. 11-13, hier vor allem: 12.22-26.30 zitiert in: Hammerschmid, Dr. Peter: Lebensprinzip Achtsamkeit; Herausgeber: Katholischer Berufsverband für Pflegeberufe e.V., Regenburg 2007, S. 35 4 Vgl. Nüchtern, Michael: Spiritualität auf dem Markt. In: Herbst, Michael (Hrsg.) 2003: Spirituelle Aufbrüche. Perspektiven evangelischer Glaubenspraxis. Festschrift für Manfred Seitz zum 75. Geburtstag. Göttingen. S. 9-18, hier: 14. Nüchtern unterscheidet zwei Typen von Spiritualität, nämlich beziehungsorientierte und entwicklungsorientierte Spiritualität. Entwicklungsorientierte Spiritualität hat die eigene Person im Blick, die sich entwickeln und transformieren darf bzw. soll und im Zentrum ihres Kosmos steht. Die meisten spirituellen Angebote auf dem Psycho- und Esoterikmarkt passen in diese Kategorie. Christliche Spiritualität dagegen sei beziehungsorientiert, da sie von einem transzendenten Gott als Gegenüber zum Menschen ausgehe. Auch im Christentum gehe es um Wachsen und Weiterentwicklung – jedoch als Selbsttranszendenz in der Beziehung zu einem göttlichen Du. Zu ergänzen wäre aus meiner Sicht: Eine solche beziehungsorientierte Spiritualität ist allen monotheistischen Offenbarungsreligionen eigen; sie verbindet Juden, Christen und Muslime. Zitiert in Hammerschmid, Dr. Peter: Lebensprinzip Achtsamkeit; Herausgeber: Kath.Berufsverband für Pflegeberufe e.V., Regenburg 2007, S. 40 und Fußnote 18 5 z.B. Bryden, Christine (1998): Who will I be when I die?, Harper Collins, East Melbourne, Victoria Christine Bryden, Dancing with Dementia, Jessica Kingsley Publishers London and Philadelphia Renate Demski , Die kleine Dame, Butzon und Becker Verlag 2002 1

4. Christliche Spiritualität wird dort erfahrbar, wo sich Personen mit Demenz und / oder die Begleiter auf Beziehung einlassen, in denen auch Schmerz, Leid, Schuld und Armut ihren Platz haben. Sie können sich dem Schmerz stellen, weil sie in Verbindung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Christus leben, der sie hineinzieht in die Liebe und die Fülle des Vaters. Dies führt immer wieder, manchmal sogar mitten im Schmerz, zu Momenten des tiefen Friedens, spontaner Freude, befreiender Geborgenheit und echtem Neuanfang durch die Erfahrung von Vergebung. Solche Erfahrungen, die durch Worte, Zeichen, Sakramente und Rituale vermittelt werden können, weisen auf den hin, der die Quelle allen Lebens ist. 5. Der Demenzkranke braucht eine „geerdete und gehimmelte Spiritualität“, d.h. eine Spiritualität, in der inmitten der menschlichen Schwachheit Erfahrungen der Nähe Gottes gemacht werden können. Weil Gott in Christus Mensch geworden ist, ist Christus Jesus derjenige, der Himmel und Erde verbindet. Vor ihm brauchen wir die Schwachheit weder zu verleugnen noch zu glorifizieren, weil er in Jesus Christus auch die Abgründe unseres Menschseins angenommen hat. So kann er auch in jedem verwirrten Menschen gesucht und gefunden werden.

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REPORTAGE

Vis-à-vis Mehr als der alte Besuchsdienst

Kranken Mens

Teilnehmer am englischen Schulungskurs für Parish Nursing

Samstag, 2.Oktober 2010. Gespannte Erwartungen liegen in der Luft, es ist der Beginn des Pilotprojekts Vis-à-vis. Im Gemeindehaus in Dudenhofen in der Pfalz sind 9 Teilnehmer/innen angekommen. Eine Besonderheit: Wir können eine Viertelstunde früher beginnen, weil alle überpünktlich waren. Was hat die Teilnehmer dazu angetrieben, sich früh auf den Weg zu machen und sich an einem freien Samstag schulen zu lassen? Dazu Sr. Hanne Hollinger: „Zum ersten April habe ich aus gesundheitlichen Gründen aufgehört, als Krankenschwester zu arbeiten. So hatte ich viel freie Zeit und suchte etwas, wo ich meinen Beruf mit einbringen konnte. Ich bat Gott, mir doch eine Möglichkeit zu zeigen. Kurze Zeit später bekam ich dann von einer ehemaligen Kollegin,die ich seit ca. 15 Jahren nicht mehr gesehen hatte, eine Anfrage über die Internetplattform „Wer Kennt Wen“, ob ich mich für Vis-à-vis interessieren würde. Ich informierte mich über die Arbeit und stellte fest, dass dies genau die Arbeit ist, die ich mir vorgestellt hatte. Ich schrieb ihr direkt zurück: ‚Das ist ja eine Gebetserhörung, genau so etwas habe ich gesucht.‘“

Parish Nursing Ministries UK-Leiterin: Rev. H. Wordsworth & A. Glaser

Und Sr. Renate Müller: „Seit meiner Einsegnung als Diakonische Schwester habe ich mich lange gefragt, welchen Wirkungsbereich sich Gott für mich denken würde. Der Wunsch, wieder mit kranken Menschen zu arbeiten, war sehr groß. Dann wurde ich angesprochen, ob ich mir vorstellen könne, bei Vis-à-vis mitzuarbeiten. Je länger ich darüber nachdachte, war ich mir sicher – das ist der Aufgabenbereich, den Gott sich für mich vorstellen kann. Mit wem ich auch über das Projekt rede, oft höre ich, dass dies genau der Teil ist, der in der Gemeinde noch fehlt.“

Das Pilotprojekt Vis-à-vis findet im Rahmen der Evangelischen Kirche der Pfalz statt. Daran teilnehmen können Pflegefachkräfte, die sich von ihrer Kirchengemeinde dazu beauftragen lassen wollen, Ansprechpartner/in für die kranken Menschen in der Gemeinde zu sein. Die Teilnehmer des ersten Schulungskurses von Oktober 2010 bis Mai 2011 stammen aus sechs unterschiedlichen Kirchengemeinden und auch eine FeG (Freie evangelische Gemeinde) ist mit dabei.

Die 5 Schulungsmodule beinhalten Themen zu theologischen Grundlagen, Seelsorge, Ethik, geschichtliche Entwicklung von Krankenpflegevereinen und Sozialstationen in den Kirchengemeinden, Gesprächsführung und viele praktische Anregungen. Zwischen den einzelnen Modulen werden Praxisaufgaben erledigt, so zu Beginn die Aufgabe, eine Analyse der Situation kranker Menschen vor Ort durchzuführen, zunächst die allgemeine Situation (Erreichbarkeit von Ärzten und Angebote, wie z. B. Selbsthilfegruppen) und dann speziell auch das seelsorgerliche Angebot in der Region. Am Ende der Schulung steht die Vorstellung und Einführung der Visà-vis Mitarbeiter im Gemeindegottesdienst. Dann wird die eigentliche Arbeit beginnen.

Der Impuls zu Vis-à-vis kommt aus dem englischen Parish Nursing, übersetzt Gemeindepflege. Dort werden Pflegefachkräfte in einem einwöchigen Schulungskurs auf ihre Aufgaben in den Kirchengemeinden vorbereitet. Begonnen mit 7 Teilnehmerinnen im Jahr 2004 ist die Zahl der Parish Nurses in England jetzt auf über


REPORTAGE

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Modul im November wird es zu einer Begegnung zwischen Diakonissen, die früher in der Gemeindepflege tätig waren, und den künftigen Vis-à-vis Mitarbeitern kommen. Die Weitergabe ihrer vielfältigen Erfahrungen soll uns motivieren, die Pionierarbeit in den Gemeinden anzugehen.

schen beistehen

Vis-à-vis Kursteilnehmer

90 angewachsen (ein ausführlicher Bericht über den Besuch bei einer englischen Parish Nurse erschien in midi Nr. 6). Die Parish Nurses übernehmen keinerlei medizinische oder pflegerische Behandlungen, da dieser Bereich schon professionell abgedeckt ist. Parish Nursing ist eine Weiterentwicklung aus den Wurzeln der Gemeindepflege des 19. Jahrhunderts, dem Diakonissentum. 1844 wurde die erste Diakonisse durch Theodor Fliedner in eine Gemeindepflege geschickt, um dort den kranken Menschen sowohl pflegerische Hilfe als auch seelsorgerlichen Beistand zu geben. Vis-à-vis nimmt diesen Gedanken der seelsorgerlichen Begleitung von kranken Menschen in der Kirchengemeinde auf und bildet Pflegefachkräfte dafür aus. Ehrenamtlich werden sie ca. 3-4 Stunden pro Woche diese Aufgabe wahrnehmen. Wie könnte die Arbeit in der Gemeinde praktisch aussehen? • Frau K. steht vor einer schwierigen Entscheidung. Seit längerem machen ihr gynäkologische Beschwerden sehr zu schaffen. Der Arzt rät zur Operation. Wie gut tut es, diese Frage mit

einer Krankenschwester zu bereden und dann mit einem Gebet vor Gott zu bringen. Die Vis-à-vis Mitarbeiterin kann Frau K. die Entscheidung nicht abnehmen, aber sie kann zuhören und auf Gottes Beistand verweisen. Ihre Fachlichkeit nimmt Frau K. die Scheu, über dieses Thema zu sprechen, und verhilft zur Klärung der Frage. • Frau G. ist Ausländerin. Ihr steht eine OP bevor, aber sie hat Angst und Schwierigkeiten, sich in der deutschen Sprache gut auszudrücken. Die Vis-à-vis Mitarbeiterin begleitet sie ins Krankenhaus und bleibt bei ihr, bis sie zur OP abgeholt wird.

Wir Christen sind beauftragt, kranken Menschen beizustehen. Im Matthäusevangelium fordert Jesus uns auf: „Ich war krank und ihr habt mich besucht“. Kranken Menschen zu vermitteln, dass Gott ihnen in ihrer schwierigen Lebenssituation nahe sein will, und ihnen Unterstützung und Beistand anzubieten, ist der Auftrag von Vis-à-vis. Sr. Renate aus Speyer drückt ihren Wunsch für Vis-à-vis folgendermaßen aus: „Ich wünsche und bete, dass Gott uns eine große Offenheit in der Bevölkerung schenkt und dass es gelingt.“ Weitere Informationen zum Pilotprojekt unter: www.visavis-gemeindediakonie.de

Mehr zu diesem Projekt bei einem Seminar auf dem Christlichen Gesundheitskongress 2012.

• Herr M. war früher treues Mitglied im Seniorenkreis. Jetzt ist er an den Rollstuhl gebunden. Der Vis-à-vis Mitarbeiter organisiert einen Abholdienst zum Seniorenkreis. Viele Möglichkeiten der Hilfestellung sind denkbar. Was genau in den einzelnen Projektgemeinden umgesetzt wird, wird im Verlauf des Pilotprojekts zutage treten. Am ersten Schulungstag waren die Spannung und Erwartungen, die auf diesem Projekt liegen, spürbar. Im nächsten

Die Autorin Angela Glaser (49) ist Altenpflegerin und arbeitet Teilzeit im Qualitätsmanagement der Ökumeni‑ schen Sozialstation Schifferstadt. Zur Zeit studiert sie berufsbegleitend für einen B.A. Public Healthcare and Case‑ management. Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.


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NACHRICHTEN

Zusammenschluss

Grundsteinlegung in Berlin-Mitte

Viel Prominenz bei der Feier

Berlin: Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Evangelische Entwicklungsdienst haben Anfang Mai den Grundstein für ihr neues gemeinsames Werk in Berlin-Mitte in der Nähe des Nordbahnhofes gelegt. Beide Werke fusionieren 2012 und werden ihre Arbeit ab Herbst 2012 in Berlin unter dem Dach des neuen „Evangelischen Werkes für Entwicklung und Diakonie“ weiterführen. „Brot für die Welt“ und „Diakonie Katastrophenhilfe“, die bisher zum Diakonischen Werk der EKD gehören, bilden nach ihrer Fusion mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst das neue „Brot für die Welt – Der evangelische Entwicklungsdienst“. Das Diakonische Werk führt seine Arbeit zukünftig unter dem Namen „Diakonie Deutschland - Der evangelische Bundesverband“ fort. „Ab 2012 werden rund 640 Mitarbeitende in Berlin-Mitte gemeinsam Dienst am Menschen in Deutschland und in der Welt leisten“, erklärte Tilman Henke, Vorstand des Evangelischen Entwicklungsdienstes. Das neue Werk bündle alle Instrumente der Entwicklungsarbeit, von langfristiger Projektförderung über die personelle Förderung bis hin zur Katastrophenhilfe.

Lebensstil

Gläubige leben länger „Christen sollten positive Effekte auf die Gesundheit nicht als vorrangigen Grund sehen, an Christus zu glauben,“ heißt es am Ende einer Studie von Dr. Alex Bunn und Dr. David Randall über positive Gesundheitseffekte des christlichen Glaubens. Jesus sei in die Welt

gekommen, um grundlegendere Veränderungen zu bringen, als einfach nur Krankheiten zu heilen. Wie das Internetportal Christian Today im April meldete, habe die breit angelegte Untersuchung der beiden Wissenschaftler gezeigt, dass Personen, die an Gott glaubten, nicht nur gesünder seien, sondern auch eine höhere Lebenserwartung hätten. Die von der Christian Medical Fellowship veröffentlichte Metastudie zeige zum Beispiel positive Effekte bei psychischen Erkrankungen, nicht zuletzt, weil gläubige Menschen einer medikamentösen Therapie aufgeschlossener gegenüberstünden. Vor allem der Lebensstil von überzeugten Christen führe zu geringeren Krankheitsrisiken. Mehr unter: www.christiantoday.com/ article/believing.in.god.is.good.for.your. health/27902.htm

Sterbeprozess

Sterbende richtig behandeln! Köln: Sterbende Menschen mit Demenz werden besonders häufig falsch behandelt. Psychosoziale, spirituelle und medizinische Maßnahmen werden zu selten koordiniert eingesetzt, um Demenzpatienten bei ihrem Sterbeprozess zu begleiten. Zu diesem Ergebnis kommen Experten einer Tagung des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA), die Mitte Mai in Köln stattfand. Das KDA fordert deshalb, die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) nach § 37b SGB V auszubauen, entsprechende Verträge flächendeckend abzuschließen und zu realisieren. Auch die geriatrische Versorgung von Hochaltrigen und Menschen mit Demenz müsse in die Maßnahmen eingebunden werden. Hier sollten Möglichkeiten im Rahmen der integrierten Versorgung nach § 140a-d SGB V geprüft werden. „Ein Sterbeprozess, bei dem sich Menschen nach und nach vom Leben verabschieden können, ist das letzte Geschenk des Lebens“, sagte KDA-Geschäftsführer Peter Michell-Auli.

Der Sterbeprozess bei Menschen mit Demenz vollziehe sich graduell und sei kaum vom altersbedingten Abbau zu unterscheiden. Akute Verwirrtheit könne ein Anzeichen für Schmerz sein, würde aber leicht mit den Symptomen von Demenz verwechselt. Dadurch würden Schmerzen sterbender Menschen oft nicht erkannt und nicht behandelt.

Verbindung

470 Kilometer Diakonie erleben

Bei der Eröffnung des Pilgerweges

Weinstadt: Ostern wurde der erste Diakonie-Pilgerweg eröffnet. Die Route führt über 470 km von Schwäbisch Hall bis nach Wilhelmsdorf in Oberschwaben. Dabei zieht er sich durch das Gebiet der evangelischen Kirche in Württemberg und verbindet 45 diakonische Einrichtungen, welche meist zwischen 2 und 3 km voneinander entfernt liegen, manche bis zu 20 km. Zwischendurch sind entlang des Weges zahlreiche touristische Höhepunkte zu erleben. www.diakonie-pilgerweg.de

Glaubensfragen Dürfen Ärzte über ihren Glauben reden?

Margate: In Großbritannien gibt es Streit. Darf ein Arzt mit seinen Patienten über den christlichen Glauben reden? Die Anzeige einer Mutter gegen Dr. Richard Scott brachte diesem eine Rüge seiner Aufsichtsbehörde ein. Die Klägerin hatte erklärt, dass Dr. Scott im Gespräch mit ihrem Sohn seine Stellung als Arzt missbraucht habe, um mit ihm über den Glauben zu sprechen. Der Arzt ist seit 28 Jahren am Bethesta Medical


NACHRICHTEN

Center in Margate/Kent tätig, dessen Betreiber sich alle als überzeugte Christen verstehen. Er habe mit tausenden Patienten über seinen Glauben gesprochen, ohne dass es je zu Beschwerden gekommen sei. In Großbritannien gilt seit 2008 eine neue Richtlinie über die Art, wie Ärzte Glaubensfragen mit Patienten ansprechen dürfen. Mehr unter: www.cmfbolg.org.uk

Projekteinsatz

Hilfe, die Freude und fit macht

Christen sind in den Bergen für andere da

Caritas-Bergeinsatz bietet freiwilligen Helfenden unterschiedliche Möglichkeiten an, sich für das Berggebiet im Schweizer Alpenraum und im Jura zu engagieren. Beim Projekteinsatz in kleinen Gruppen werden neue Bekanntschaften geknüpft, beim Familieneinsatz erhalten Bergbauernfamilien Unterstützung und für Spontanentschlossene geht es beim Noteinsatz ums Ganze. Detaillierte Beschreibungen der jeweiligen Einsatzmöglichkeiten gibt es auf www.bergeinsatz.ch.

Mitwirken

Pflege: Anspruch und Wirklichkeit Wiesbaden: Einen Wandel in der gesellschaftlichen Einstellung gegenüber der Pflege fordern Mitglieder des Evangelischen Berufsverbandes für Pflege und Gesundheit. Gerhard Kugler, ehemaliger Leiter einer Krankenpflegeschule in Weinsberg: „Die Zustände unserer gegenwärtigen Konsumgesellschaft mögen etwas anderes vortäuschen. Was wir brauchen, ist die Selbstbegrenzung unserer Ansprüche. Zudem müssen wir unsere Gestaltungsrechte

in dieser Gemeinschaft, in der wir leben, ausschöpfen und auch in der Rentenzeit Leistungen für die Gemeinschaft erbringen.“ Kugler reagiert mit diesem Apell auf die Prognose, dass 2030 fast eine halbe Million Pflegekräfte auf dem Markt fehlen werden. Ulrike Döring, Vorsitzende des Evangelischen Fach- und Berufsverbandes für Pflege und Gesundheit, fordert in derselben Ausgabe der Zeitschrift Pflege, dass „die mit der Leistungsvergütung mögliche Leistungserbringung einerseits und die vom Gesetzgeber vorgegebene weit darüber liegende Leistungserwartung andererseits deutlich aufeinander bezogen werden müssen“. In weiteren Beiträgen wird für eine leistungsgerechte Bezahlung ebenso geworben wie für aktive Gewinnung von jungen Menschen für eine Ausbildung in der Pflege. www.efaks.de

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ten brauchen. In einem vertieften Sinne findet das auf der Ebene religiösen Erlebens statt. So können Menschen Geborgenheit finden.“ Grabe warnt jedoch auch davor, durch den Glauben in der Verantwortung für das eigene Leben behindert zu werden. „Bei Menschen, die glauben, lassen sich eine Vielzahl neurotischer Kompromissbildungen feststellen. Viele bezeichnen die Pathologie, die sie leben, als gottgewollt oder gottgefällig und machen sie damit auf sehr wirkungsvolle Weise unhinterfragbar.“ Der Arzt, der auch zum Fachbeirat von ChrisCare gehört und im Vorstand des Christlichen Gesundheitskongresses mitarbeitet, sieht in einem Glauben, der Angenommensein unabhängig von der Leistung vermittelt, ein gutes Mittel, verlorengegangenen Halt wiederzugewinnen.

Gottesbeziehung Eingeständnis Glaube in PSYCHOLOGIE HEUTE

„Wie viel Ethik gestattet sich die Medizin?”

Dr. med. Martin Grabe

Theologische Hochschule in Friedensau

Oberursel: „In Krisenzeiten bekommen Beziehungen ein ganz neues Gewicht. Wir wissen echte Freunde wieder viel mehr zu schätzen.“ Dr. Martin Grabe, Chefarzt in der Klinik Hohemark in Oberursel, erklärt so, warum die Gottesbeziehung für Menschen in psychischen Krisen eine besondere Rolle spielt. In einem Interview mit der Zeitschrift PSYCHOLOGIE HEUTE (6/2011) erklärt der Psychiater, warum sich Spiritualität förderlich auf die Gesundheit auswirke: Neben den positiven Möglichkeiten der Psychotherapie sieht Grabe, dass „hier Grundfragen und Grundbedürfnisse des menschlichen Lebens berührt werden, die auf der Ebene guter Beziehungen Antwor-

Friedensau: Über Spannungsfelder und Gestaltungsmöglichkeiten der Ethik im medizinischen Bereich diskutierten Experten aus Gesundheitswesen, Medizinwissenschaft, Ökonomie und Rechtswissenschaften an der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg. Die Tagung „Wie viel Ethik gestattet sich die Medizin?” war von der Annahme geleitet, dass nicht der biomedizinisch-technische Fortschritt und die Finanzierbarkeit über die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitswesens entscheiden würden, sondern die Zukunftsfragen in wesentlicher Hinsicht ethischer Natur seien.


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NACHRICHTEN

Auf die Schwierigkeit im Umgang mit Behandlungsfehlern machte der Friedensauer Gesundheitswissenschaftler Dr. Edgar Voltmer aufmerksam. Ärzten sei die Möglichkeit verwehrt, Kunstfehler einzugestehen, weil sie in diesem Fall Versicherungsschutz und Reputation verlören. Die Decke des Schweigens, die über ärztlichen Fehlern liege, führe zu einer Atmosphäre des Misstrauens. Voltmer plädierte für einen offenen Umgang mit ärztlichen Fehlern, bei dem es nicht vorrangig um die Haftbarmachung des Arztes gehe, sondern um das Abstellen von Missständen im System, die zum Fehlverhalten beigetragen hätten. Dass ethische und wirtschaftliche Handlungsziele in Konflikt treten können, verdeutlichte Bernd Quoß. Der Geschäftsführer des adventistischen Krankenhauses „Waldfriede” (Berlin) erläuterte, dass sein Haus jährlich 800.000 Euro höhere Einnahmen erwirtschaften könnte, wenn die selbst gesetzten ethischen Standards aufgegeben werden würden. Gewinnorientiertes Handeln im Gesundheitswesen gehe daher vielfach mit unethischem Handeln einher. Dennoch ließen sich Ethik und Ökonomie vereinbaren, so Quoß. Kliniken in kirchlicher Trägerschaft käme dabei eine bedeutende Rolle zu. APD

Erfahrungswissen

Arbeitsfähig bis zur Rente

Experiment mit der Körperharfe

Roth: Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf den Pflegeberuf beschäftigte die Teilnehmer des 12. Rother Pflegetages der Kreisklinik Roth bei Nürnberg. Brigitte Gruber, Hauptreferentin und Arbeits- und Sozi-

alpsychologin, versuchte in ihren Ausführungen, Antworten auf die Frage zu geben, wie Pflegende zukünftig bis zum Eintritt in das Rentenalter gesund im Beruf bleiben und wie neue Mitarbeiter gewonnen werden können. Ein großer Teil der Pflegenden scheidet bereits vor Erreichen des Ruhestandes aus. Im Jahr 2018 sind 50% der Pflegenden in Deutschland zwischen 50 und 64 Jahre alt und nur noch 6% der Pflegekräfte unter 34 Jahre. Die eigentliche Herausforderung der Zukunft sei es, die Balance zu finden zwischen den Ansprüchen der eigenen Person und den Bedingungen der beruflichen Arbeit. Sie nannte es „das Geheimnis des Herzmuskels“. Unser Herzmuskel lässt jeder Kontraktion, also jeder Anspannung sofort die Erschlaffung folgen, die Entspannung. Nur deshalb kann unser Herz so unermüdlich bis ins hohe Alter schlagen. Wenn Arbeitnehmer dieses Prinzip befolgen, sich regelmäßig auch in Zeiten der Anspannung zu entspannen, steht einem gesunden „Altwerden“ im Beruf nichts mehr im Wege. Nach Auffassung der Referentin gäbe es in den Unternehmen noch große Ressourcen älterer Mitarbeiter. Deren Wissen und Können zu nutzen, wird sich positiv auf die Arbeitszufriedenheit und die Fähigkeit, die tägliche Arbeit zu bewältigen, auswirken. Ihr vorgestelltes Programm „Arbeitsfähigkeit erhalten“ setze an

den vorhandenen Ressourcen an. Alter sei nicht grundsätzlich ein Handicap, sondern biete seine Chancen. Auf beiden Seiten sei es aber nötig, etwas dafür zu tun. Anhand von Beispielen erläuterte sie, wie die betriebliche Förderung der Gesundheit und der Kompetenzen der Mitarbeiter weiter ausgebaut werden könne. Bei den älteren Mitarbeitern profitiert das Unternehmen unter anderem von ihrem Erfahrungswissen, ihrer Arbeitsmoral und ihrer Loyalität zum Unternehmen. Zu viele wertvolle Ressourcen sind bisher verloren gegangen, weil beispielsweise die Beschäftigten sehr früh in den Ruhestand verabschiedet wurden. Man könne sich das zukünftig nicht mehr leisten, so die Referentin. Viele Pflegende würden auch gerne unter veränderten Strukturen weiterarbeiten.

Medizin mit Seele Christliche Werte als Erfolgsrezept

Wien: Christliche Werte, moderne Managementmethoden und kompetente Medizin und Pflege sind „kein Widerspruch“, sondern ein Erfolgskonzept. Das betonte der Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe Michael Heinisch im Rahmen der Enquete „Medizin mit


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Qualität und Seele“. Mit der Tagung feiert die Vinzenz Gruppe, ein Verbund von Ordenskrankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen in Österreich, ihr 15-jähriges Bestehen. Die Vinzenz Gruppe beschäftigt 6.000 Mitarbeiter. Clemens Sedmak, Leiter des Zentrums für Ethik und Armutsforschung an der Universität Salzburg, referierte im Rahmen der Enquete zum Thema „Bedeutung und Entwicklung von Werten in einer modernen Gesellschaft“. „In Zeiten der Krise brauchen wir eine robuste Identität und ohne Werte gibt es keine robuste Identität“, so Sedmak. In der modernen Gesellschaft kristallisierten sich aber zwei Schlüsselfragen heraus: die Frage nach den Kosten einer Sache sowie die Frage, wer diese bezahle. Diese gingen im Krisenfall aber „ins Leere“, denn dann gehe es um „Fragen auf einer ganz anderen Ebene“. Hier spielten dann Werte eine große Rolle: „Sie sind stabile Grundlagen für eine Präferenzordnung“, erklärte Sedmak. Im Konfliktfall entscheide man anhand von Werten, was wichtiger als das jeweils andere sei.

Ausgesondert

Freikirchen appellieren

Vor der entscheidenden Abstimmung über die Präimplantationsdiagnostik (PID) hat sich die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) mit einem offenen Brief an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages gewandt. Der Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen, Präses Ansgar Hörsting, plädiert darin für ein vollständiges Verbot der Präimplantationsdiagnostik. Der „menschliche Embryo“, so Hörsting, entwickle sich von Anfang „als Mensch“ und nicht erst „zum Menschen“ hin. Darum komme auch Embryonen nach der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle Würde und Lebensschutz zu. Eine PID führe dagegen zu einer

gezielten Auswahl von Embryonen. Menschliche Lebewesen würden somit im frühesten Stadium ihrer Existenz „ausgesondert und vernichtet“. Dadurch werde der „Sinn des Seins“ durch die „Zweckmäßigkeit des Seins“ ersetzt. Im Rahmen von vier Thesen halten die evangelischen Freikirchen fest, dass mit der Verschmelzung von Samen- und Eizelle sich ein „neues und eigenständiges menschliches Lebewesen“ bilde, das unbedingt zu schützen sei.

Zertifizierung Im Sterben begleiten

Aarau: 16 Teilnehmerinnen haben im Juni ihre Ausbildung in „Palliative Care und Begleitung“ für Freiwillige abgeschlossen. Finanziert und organisiert wurde der Lehrgang von der Reformierten Landeskirche Aargau. Die Fähigkeitszertifikate für die Begleitung Schwerkranker und Sterbender sind anerkannt von palliative.ch, der Schweizerischen Gesellschaft für Palliative Medizin, Pflege und Begleitung. „Wir führen damit eine uralte christliche Tradition in zeitgemäßer Form weiter“, sagte Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen bei der Zertifizierungsfeier vom 23. März. Das lässt sich die Aargauer Kirche in den nächsten beiden Jahren 240 000 Franken kosten, denn weitere 80 Personen stehen in Ausbildung. Die Absolventinnen haben 60 Stunden Unterricht besucht und 28 Stunden praktische Arbeit in Altersund Pflegeheimen sowie Haushalten geleistet. Der Lehrstoff reicht von medizinischem und pflegerischem Wissen über rechtliche, theologische, ethische und spirituelle Fragen bis zu den Grundsätzen von Palliative Care. Die Aargauer Kirche bietet einen Lehrgang für Freiwillige und einen für Fachpersonen in Gesundheitswesen oder Seelsorge an. Informationen: ref-ag.ch/seelsorge_soziale-fragen/ palliative-begleitung/index.php

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Irmgard Hautum (61) wurde nach 23 Jahren als Pflegedienstleiterin der Rother Kreisklinik (bei Nürnberg) in den Ruhestand verabschiedet. Prof. Dr. h. c. Hermann Schoenauer, Rektor der Diakonie Neuendettelsau, lobte Hautum dafür, dass sie ihren Glauben nie versteckt habe. „Sie waren eine exzellente Botschafterin der diakonischen Berufung.“ Landrat Herbert Eckstein erwähnte ihre „christliche Erdung“: „Glauben hat Ihnen viel gebracht, nicht zuletzt deshalb haben Sie nicht an sich selbst gedacht, sondern sich immer für die anderen eingesetzt.“ Ihr Nachfolger wird ihr bisheriger Stellvertreter Dieter Debus.

Diplom-Kaufmann Roy Noack (42) ist neuer Geschäftsführer des evangelisch-freikirchlichen Immanuel Krankenhauses in Berlin. Seit 1999 arbeitete er als Verwaltungsleiter der Rehabilitationsklinik Märkische Schweiz in Buckow. Zudem leitete er unter anderem den Bereich Health Care Management und seit 2007 den Bereich IT und Prozessmanagement in dem Diakoniewerk. Er ist nun gemeinsam mit Udo Schmidt als Geschäftsführer für das Krankenhaus mit den beiden Standorten Buch und Wannsee verantwortlich.

Dr. Georg Schiffner (51), Aumühle, 1. Vorsitzender von Christen im Gesundheitswesen, teilt sich seit 1. Juli die Chefarztfunktion des Geriatriezentrums mit Neurologischer Frührehabilitation und Palliativbereich des Wilhelmsburger Krankenhauses Groß-Sand mit Dr. Andreas Wefel (43), Reinbek. Beide waren dort vorher als Oberärzte tätig.

Pastor Harold Eisenblätter (73) Hamburg, verstarb am 3. Juni. Er gehörte zu den Pionieren des Krankenhaus-Besuchsdienstes (Grüne Damen und Herren) und war in zahlreichen Leitungsaufgaben des Albertinen-Diakoniewerkes tätig, unter anderem als Leiter des Albertinenhauses, Zentrum für Geriatrie und Gerontologie.

Maria Loheide (52) ist neuer sozialpolitischer Vorstand des Diakonischen Werkes der EKD in Berlin. Im Diakonie-Vorstand wird Loheide zuständig sein für die sozialpolitischen Zentren Gesundheit, Rehabilitation und Pflege (GRP) sowie Familie, Integration, Bildung und Armut (FIBA). Sie war vorher Geschäftsbereichsleiterin der Diakonie Rheinland-Westfalen. Sie folgt auf Kerstin Griese.

Diese Rubrik informiert über berufliche und persönliche Veränderungen unserer Abonnenten. Bitte geben Sie uns einen entsprechenden Hinweis, wenn Sie eine neue Aufgabe übernommen haben, einen akademischen Grad erreicht haben, in den Ruhestand wechseln oder eine Aus‑ zeichnung erhalten haben.


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LITERATUR

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Menschenwürdig sterben Der Band dokumentiert die Tagung, die 2008 unter dem gleichen Thema an der Universität Heidelberg stattfand. Er bietet dem Leser entsprechend eine bunte Palette von Beiträgen. Besonders zu nennen sind für die Leser von ChrisCare: Wilfried Härle, „Menschenbild und Menschwürde am Ende des Lebens“. Der Heidelberger Theologe zeigt die biblischen Perspektiven. Andreas Kruse schreibt über den Respekt vor der Würde des Menschen. Überraschende Einsichten vermittelt Klaus Bergdoldt in „Menschenwürde und Sterben zu Pestzeiten“. Andere Referate gehen dem Thema Sterben in Literatur, in der Musik und im Film nach. Reimer Gronemeyer fragt zu Schluss, ob wir auf dem Weg zur Selbstverwaltung des Sterbens sind. Wer das Buch liest, der wird informiert und berührt. Thomas Fuchs, Andreas Kruse, Grit Schwarzkopf, Menschenbild und Menschenwürde am Ende des Lebens. Heidelberg, Universitätsverlag Winter, 2010, ISBN 978-3-82535675-0, € (D) 38, SFr 50.90

Gemeinde & Diakonie Wie können Kirchengemeinden ihren diakonischen Auftrag wieder entdecken? Welche Bedeutung hat das Gemeinwesen als Herausforderung für die Gemeinde? Wenn die Armut zunimmt, die sozialen Netze immer brüchiger werden, nimmt die Bedeutung der Gemeinde zu. Wie Diakonie gestaltet werden kann, wie sie zu verstehen ist und was das mit dem kirchlichen Reformprozess in der Evangelischen Kirche zu tun hat, wird in dem vorliegenden Sammelband ausführlich diskutiert. Jede Pfarrerin und jeder Pfarrer sollte sich mit den Thesen dieses Buches auseinandersetzen. Volker König und Hans W. Höroldt (Hg.), Gemeinde & Diakonie, Erleben – verstehen – gestalten – Ein Handbuch. Düsseldorf, Medienverband der Ev. Kirche im Rheinland (Hg), 2011, 223 Seiten, ISBN 9 783876 451947, € (D) 16,80

Heil und Heilung Von den Geistheilern auf der einen bis zur evangelischen Sicht von Heilung und Heil auf der anderen Seite schweift der Blick in der Textsammlung Heil und Heilung. Herausgeber ist der Arbeitskreis Religiöse Gemeinschaften der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche (VELKD). Die hilfreiche Übersicht bringt zum Beispiel eine aufschlussreiche Zusammenstellung über Energie und Heilung in Esoterik und Parawissenschaften (Wolfgang Behnk), die den ganzen Markt alternativer Heilmethoden vorstellt. Interessant ist die Beschreibung von Heilung in der pfingstlich-charismatischen Bewegung, bei der die Entwicklungen innerhalb der letzten hundert Jahre deutlich gemacht werden. Dabei wird zum Beispiel die Wort- und Glaubensbewegung vorgestellt, deren Menschenbild sorgfältig untersucht wird. Die Textsammlung ist im Internet abrufbar unter www.velkd.de oder kann als Papierausgabe bestellt werden: pressestelle@velkd.de, Tel.: (+49) (0) 511 27 96 526

Religiöse Krankheitsbewältigung Wie wird Krankheit und Gesundheit im Islam und im Christentum gesehen? Welche Heilungspotentiale sehen die beiden Religionen und wie wirkt sich das in der therapeutischen Praxis aus? Das Heft dokumentiert die Vorträge einer Fachtagung der Evangelischen Akademie zu Berlin. Die Autoren sind Praktiker, die schildern, wie sich aus ihrer muslimischen oder christlichen Perspektive Religion im Therapieprozess widerspiegelt. Autoren wie Martin Steinbach (Elbingerode) oder Christine Rost (Frankfurt a. M.) vertreten Erfahrungen mit dem Christentum. Interessant ist ein Beitrag des Pfarrers i.R. Gernot Czell, der besonders auf Erfahrungen mit Patienten aus dem pietistisch geprägten Siegerland eingeht (Religiöse Elemente in der Behandlung von Krisen und psychischen Störungen). Simone Ehm und Michael Utsch (Hg.), Religiöse Krankheitsbewältigung, Zur Rolle von Christentum und Islam im Umgang mit psychischen Erkrankungen. EZW Text 208, Bestellungen: EZW, Auguststraße 80, 10117 Berlin, www.ezw-berlin.de

Heilung alternativ Wenn katholische Erwachsenenbildungseinrichtungen vor der Frage stehen, ob sie einen Thai-Chi Kurs anbieten sollen oder was vom Angebot eines QiGong-Lehrers zu halten ist, dann finden sie in der Broschüre Heilung alternativ Hilfen zur Meinungsbildung. Dabei werden sowohl Naturheilverfahren und psychotherapeutische Schulen als auch gnostische oder esoterische Angebote untersucht. Der Autor Dr. Ulrich Papenkort, inzwischen Professor in Mainz, stellt dar, welche sich mit katholischen Auffassungen vertragen und welche keinen Platz in katholischen Einrichtungen haben. Heilung alternativ, Ein kritischer Leitfaden für die Angebotsentwicklung in der Erwachsenenbildung, herausgegeben vom Erzbistum Köln, Hauptabteilung Bildung und Medien, Abteilung Erwachsenenbildung, Marzellenstraße 32, 50668 Köln, www.erzbistum-koeln.de/export/sites/erzbistum/medien/abteilung/arbeitshilfen/category_a/56_Heilung_alternativ.pdf

Trauerweg Das Buch „Den Weg der Trauer gehen“ ist aus meiner Sicht doppelt gut, denn dieses Buch hat zwei Autoren. So bleibt das Buch nicht nur theoretisch, sondern lässt den Leser immer wieder den Schmerz (mit-)fühlen und ganz praktisch den Weg der Trauer gehen. Hier spricht nicht nur jemand mit therapeutischer Erfahrung, sondern auch jemand, der das „hautnah“ erlebt hat. Mich bewegt dieses Buch. Ich habe es – selbst in der Seelsorge tätig – schon mehrfach verschenkt. Andi Weis Hans-Arved Willberg und Cornelia Gorenflo, Den Weg der Trauer gehen. Neuhausen, hänssler, 2008, 192 Seiten, 3-7751-4727-6, € (D) 9,95, SFr 14.90


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Impressum

Herausgeber und Verlag: ChrisCare erscheint im Verlag Frank Fornaçon, Ahnatal, und wird von Christen im Gesundheitswesen e.V. herausgegeben. Chefredaktion: Frank Fornaçon (FF) (V.i.S.d.P.), Korrektorat Julia Fornaçon. Die Beiträge wurden sorgfältig ausgewählt, dennoch übernimmt die Redaktion keine Haftung für die Inhalte. Verantwortlich ist der jeweilige Autor. Zur leichteren Lesbarkeit wird bei Begriffen, die männlich und weiblich gemeint sind, eine gemeinsame Form verwendet, z.B. „Patienten“. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos übernimmt der Verlag keine Haftung. Copyright: Christen im Gesundheitswesen e.V. ChrisCare wird in CareLit ausgewertet: www.carelit.de Redaktionsanschrift: Verlag Frank Fornaçon, Am Gewende 34, 34292 Ahnatal, Deutschland, Tel.: (+49) (0) 56 09 806 26, Fornacon-Medien@web.de, www.verlagff.de Gestaltung: Frank.Communication., Alemannenstraße 2, 78224 Singen, Deutschland, www.frank-com.de Druck: Graphische Werkstatt von 1980 GmbH, Yorkstraße 48, 34123 Kassel, Deutschland Anzeigenverwaltung Deutschland und Österreich: Verantwortlich: Günther Gundlach, Christen im Gesundheitswesen e.V., Aumühle, Bergstraße 25, 21521 Aumühle, Tel.: (+49) (0) 4104 917 09 30, Fax: (+49) (0) 4104 917 09 39, info@cig-online.de, www.cig-online.de. Anzeigenverwaltung Schweiz: Verantwortlich: Niklaus Mosimann, bvMedia Christliche Medien, Witzbergstrasse 7, PF 384, CH-8330 Pfäffikon ZH, Tel.: (+41) (0) 43 288 80 15 werben@bvmedia.ch, www.bvmedia.ch.

Glosse

Glosse

AM LEBENSENDE!

Da haben wir wieder ein Thema, wie es unhumoristischer nicht geht. Dennoch steht „Glosse“ drüber. Es soll also keine todernste Betrachtung sein – nun suche einer mal was Lustiges zum Dr. med. Günther Lebensende! Allerdings, ein Riedl, Kinder- und witziges Wort kenne ich da, Jugendarzt, Uelzen dessen zwei Bedeutungen nacheinander eintreten: „Erblasser“. An meinem Ende werde ich erst Er-blasser, dann Erb-lasser. Nichts davon ist erheiternd für mich, das Letztere für andere nur dann, wenn ich was Nennenswertes übrig lasse. Mal ehrlich: Beim Lebens-

IMPRESSUM / GLOSSE

Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 1/2010. Trotz sorgfältiger Prüfung kann der Verlag keine Verantwortung für die veröffentlichten Anzeigen, Beilagen und Beihefter übernehmen. ChrisCare erscheint jeweils in der Mitte eines Quartals. Preise: Einzelheft € (D) 5,80, € (A) 6,00, SFr (CH) 10.30. Jahresabonnement (4 Ausgaben) € (D) 19,20, € (A) 19,80, SFr (CH) 31.30 jeweils zuzüglich Versandkosten. Anschriftenänderungen sind rechtzeitig vor Erscheinen des nächsten Heftes dem ChrisCare-Aboservice in Deutschland, der BMK Wartburg Buchhandlung in Österreich oder bvMedia in der Schweiz mitzuteilen. Die Post liefert Zeitschriften nicht automatisch an die neue Anschrift. Bestellungen aus Deutschland: ChrisCare-Aboservice, Bergstraße 25, 21521 Aumühle, info@cig-online.de, Tel.: (+49) (0) 4104 917 09 30, Fax: (+49) (0) 4104 917 09 39, Vertrieb auch über die J.G.Oncken Versandbuchhandlung, Postfach 20 01 52, 34080 Kassel, Tel.: (+49) (0) 561 5 20 05-0, Zeitschriften@oncken.de Bestellungen aus der Schweiz: bvMedia Christliche Medien, Witzbergstr. 7, Postfach 384, CH-8330 Pfäffikon ZH, abo@bvmedia.ch, www.bvmedia.ch, Tel.: (+41) (0) 43 288 80 10, Fax: (+41) (0) 43 288 80 11 Bestellungen aus Österreich: BMK WARTBURG, Vertriebsges.m.b.H., Trautsongasse 8, A 1082 Wien, Tel.: (+43-1) 405 93 71,

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Fax: (+43-1) 408 99 05, E-Mail: wartburg@bmk.at Konto Deutschland: Christen im Gesundheitswesen, Evangelische Darlehnsgenossenschaft Kiel, BLZ 210 602 37, Konto 2126217 Konto Schweiz: Postkonto 85-622703-0, IBAN CH90 0000 8562 2703 0, BIC: POFICHBEXXX Konto Österreich: Kontonummer für Abonnenten: 7477326, BLZ 32000,RLB NÖ-Wien ISSN 1869-9944 Heft 3 / 2011: Fotonachweis: S.1: © olly - Fotolia.com; S.3: privat; S.4: © istockphoto.com/DNY59; S.5: © Paula Modersohn-Becker, privat; S.7: © kochergin - Fotolia.com; S.10: privat; S.12: © istockphoto.com/nano; S.15: privat; S.16-17: © istockphoto.com/duckycards, privat; S.18: © Laure Fons - Fotolia.com, privat; S.19: privat; S.20-21: privat; S.23-24: © istockphoto.com/hidesy, privat; S.25: Pflegeheim „Maria Hilf“, privat; S.27: privat; S.29: Bundesarchiv, privat; S.31: privat; S.32-33: privat; S.34-37: © DWEKD/Pape (Grundsteinlegung Berlin), privat, Thomas Plaßmann (Karikatur); S.41: privat; S.44-45: privat; S.46: privat; S.48: (Cartoon) Quelle unbekannt, Rechte bleiben gewahrt, privat; S.49: © istockphoto.com/jaroon, 1000+; alle anderen Bilddaten: Frank.Communication. Beilage: Einem Teil dieser Auflage liegen Flyer von 1000Plus bei. Heft 4/2011 erscheint im November 2011.

Danke

Wir danken der Stiftung Geistliches Leben für die finanzielle Unterstützung von ChrisCare im Jahr 2011.

ende denke ich automatisch an einen Zeitpunkt, zu dem es von heute an noch eine mächtige Lücke gibt. An was Fernes eben. Vielleicht an 75 aufwärts, und wenn ich das erreicht habe, dann an 85 plus. Am Lebensende sind die sehr Alten, und wenn ich mal dazu gehöre, dann die noch viel Älteren. Irgendwann wird es auch für mich heißen: Das war's. Aber nicht jetzt. Natürlich, es könnte jeder Tag mein letzter sein, durch einen Unfall oder so. Aber die Betonung liegt stark auf dem Konjunktiv. Und ich kann nicht ständig in der Möglichkeitsform leben, sonst bekäme ich eine „Konjunktivitis“ und riebe mir verwundert die Augen, wo denn der Indikativ bliebe bzw. bleibt. Tatsächlich bleibt mir eine Wirklichkeitsform, und die

klingt seltsam: Ich bin am Lebensende – jetzt! Wie das? Jetzt ist das Ende meines bisherigen Lebens und darüber hinaus verfüge ich nicht. Der heutige Tag ist für aktuell mein Ende – und gleichermaßen das Ende, an dem ich weiterstricken kann, solange die Wolle reicht. Vor mir bleibt ein Knäuel liegen – wenn ich es nicht entwirre und Ordnung hineinbringe. Rede und tue ich heute Gültiges, so dass es als endgültig taugt? Dafür habe ich die Verantwortung. Für später muss ich gewiss auch planen, aber ich verfüge nicht darüber – das liegt ja nach meinem aktuellen Lebensende. Wache ich morgen auf, wie wär’s dann mit einem Gebet zum erweiterten Lebens-ende? „Herr, noch bin ich am Leben-sende mich!“


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Wir erwarten: • abgeschlossene Berufsausbildung in der Kinder-/Krankenpflege • Berufserfahrung (wünschenswert Intensiv bzw. ambulante Pflege) • Fach- und Sozialkompetenz • Engagement und Verantwortungsbewusstsein

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Wir bieten: • Zeit für die individuelle Pflege am Kind • Mitarbeit an der Weiterentwicklung der Arche • regelmäßige Fortbildungen und Supervision • anspruchsvolle, eigenverantwortliche Tätigkeit • Betriebs-Kindergruppe ab Sommer im Haus, auch für stillende Mütter • Übertarifliche Bezahlung

Arche-Regenbogen gemeinnützige GmbH Im Brühl 14 | 72127 Kusterdingen bei Tübingen Tel. 0 70 71 / 55 16 26 | www.arche-regenbogen.de


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CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN

Wo treffen Sie Christen, die vom Fach sind? Die Arbeit von CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN stellt sich vor

CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN (CiG) e.V. ist eine bundesweite konfessionsverbindende Initiative von Mitarbeitern unterschiedlicher Berufsgruppen im GesundGünther Gundlach, heitswesen: Geschäftsführer Pflegende, Ärzte, Christen im Gesundheitswesen Therapeuten, Mitarbeiter aus Management und Verwaltung, Seelsorger, Sozialarbeiter und weitere Berufsgruppen des Gesundheitswesens.

Das Rückgrat unserer Arbeit sind die CiG-Regionalgruppen, die von Mitarbeitern vor Ort geleitet und verantwortet werden und die sich in unterschiedlichen, z.B. monatlichen Abständen treffen. Beruflicher Austausch, biblischer Impuls und Gebet sind wiederkehrende Bestandteile der Treffen. Einige Gruppen bieten Regionalveranstaltungen an, zu denen öffentlich eingeladen wird. Kontakt zu den Regionalgruppen vermittelt die Geschäftsstelle.

Claudia Hochsprung

Das Kongressbüro in der CiG-Geschäftsstelle

Die bundesweit ausgerichtete Arbeit von Christen im Gesundheitswesen wird von Mitarbeitern aus unterschiedlichen Gesundheitsberufen verantwortet und geleitet.

Die Vorbereitungen für den 3. Christlichen Gesundheitskongress finden in den Räumlichkeiten der Geschäftsstelle von CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN e.V. statt. Für den Kongress liegt die Geschäftsführung bei Günther Gundlach und Lorenz Reithmeier, Geschäftsführer der Geistlichen Gemeindeerneuerung in der Evangelischen Kirche (GGE).

WESEN wollen

In der Geschäftsstelle in Aumühle bei Hamburg wird die Arbeit koordiniert. Hauptamtliche, geringfügig Beschäftigte und rund 130 Ehrenamtliche sorgen für die Umsetzung von Projekten und unterstützen die Arbeit des Bundesweiten Vorstandes.

• einander fördern, unseren Glau- ben im Berufsalltag zu leben, • zur Neubelebung an der Bibel orientierter Werte im Gesund- heitswesen beitragen, • Patienten und Kollegen die heilende Liebe Jesu Christi erfahrbar machen, • in Einheit mit Kirchen und Gemeinden den biblischen Auftrag von Diakonie, Caritas und Hei- lungsdienst in unserem Land wahrnehmen.

Die Arbeit von CiG finanziert sich wesentlich aus Spenden. Ein Kreis von z.Zt. 500 Förderern bildet hierfür die Grundlage, indem sie den gemeinnützigen Verein jeweils mit einem Mindestbeitrag von 60 € im Jahr finanziell unterstützen. Förderer können an den Fortbildungsseminaren der CiGAkademie für den ermäßigten Beitrag teilnehmen und erhalten das ChrisCareAbo kostenfrei. Wir laden Sie herzlich ein, dem Förderkreis beizutreten!

Basis der Zusammenarbeit sind die Bibel, das apostolische Glaubensbekenntnis sowie die Achtung des Einzelnen in seiner jeweiligen Konfessionszugehörigkeit. Wir CHRISTEN IM GESUNDHEITS-

Welche organisatorischen Herausforderungen für das Team von CiG im Zugehen auf den Kongress zu bewältigen sind, darüber sprach AnneKatrin Rathje mit Günther Gundlach, Geschäftsführer von CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN (CiG).

Wie kann man sich die „Bergstraße 25“, also die CiGGeschäftstelle vorstellen?

Die ökumenische Arbeit von

CHRISTEN IM

CHRISTEN IM GESUNDHEITS-

GESUNDHEITSWESEN e.V.

Natürlich als Büro, 70m2 Fläche stehen uns auf zwei Ebenen zur Verfügung.

WESEN verbindet seit über 20

Bergstraße 25, D-21521 Aumühle Tel.: (+49) (0) 4104 917 09 30 Fax: (+49) (0) 4104 917 09 39 Email: info@cig-online.de, Internet: www.cig-online.de

Unsere Bürofenster gehen in die umliegenden Gärten und vor der Eingangstür stehen die Fahrräder der Mitarbeiter.

Jahren Christen im Umfeld des Gesundheitswesens – inzwischen rund 10.000 in regionaler sowie in bundesweiter Vernetzung.


CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN

3/2011 CHRISCARE

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Termine 10.9.2011 Woltersdorf b. Berlin, CiGAkademie, Alternative Heilverfahren aus christlicher Sicht 17.9.2011 Freiberg (Sachsen), CiG-Akademie, „Gemeinde und Gesundheitswesen – Hand in Hand?“ 17.09.2011 Stuttgart, CiG-Akademie, „Workshop für Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Logopäden“.

v.l.: Monika Niemann, Magdalene Günther, Brigitte Miro

Aumühle ist ein kleiner Vorort von Hamburg mit S-Bahn Anbindung, jedoch schon in Schleswig Holstein gelegen. Drei der BüromitarbeiterInnen leben und arbeiten in Aumühle, nämlich Brigitte Miro, Magdalene Günther und meine Person, die anderen kommen aus Hamburg und Umgebung: Monika Niemann und Claudia Hochsprung. Einige davon arbeiten auf Teilzeitbasis oder als geringfügig Beschäftigte.

Haben Sie in den begrenzten Räumlichkeiten einen gesonderten Bereich als „Kongressbüro“ eingerichtet? Ja, die Bürofläche ist begrenzt, deswegen haben wir uns eine optimale Raumnutzung geschaffen. Ein Raum, der früher als Technikund Lagerraum genutzt wurde, wird heute als Kongressbüro genutzt. Die anderen zwei Räume und eine zu wenig genutzte Flurfläche wurden durch Umräumen optimiert. Alle Räume sind über Telefon und PC miteinander verbunden, sodass Daten und Informationen an allen Schreibtischen verarbeitet werden können.

Martin Klopsch

Kongressvorbereitungen befasst. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter, Martin Klopsch, verschickt zur Zeit wöchentlich das angeforderte Kongressmaterial. Das ist ein wichtiger praktischer Dienst. Für Telefonate mit Kongressteilnehmern und Referenten, alle Korrespondenz, Bearbeitung der Anmeldungen und vieles mehr brauchen wir noch eine zusätzliche Bürokraft, deren Name noch nicht feststeht.

Wie viele Stunden Ihrer wöchentlichen Arbeitszeit benötigen Sie etwa für die Vorbereitung des Kongresses? Das ist schwer zu sagen. Im Zugehen auf den Kongress wird die Kurve sicherlich ansteigen, schon jetzt haben wir sehr arbeitsintensive Zeiten hinter uns, wie zum Beispiel bei der Erstellung der Einladungsbroschüre. Mit Sicherheit werden wir weitere Arbeitsverdichtungen in den nächsten Monaten immer wieder haben.

Haben Sie eine „strenge“ Aufgabenverteilung?

Sehr interessant sind die sich automatisch ergebenden Schnittstellen zwischen Kongressarbeit, der Netzwerkarbeit von CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN und den Arbeiten rund um das Magazin ChrisCare. Alle Bereiche hängen zusammen und befruchten sich gegenseitig.

Alle Mitarbeiter aus dem CiG-Büro sind mehr oder weniger auch mit den

Dadurch, dass ChrisCare Medienpartner beim Kongress ist, Mitarbeiter >>

24.9.2011 Roth, CiG-Akademie, „Arbeiten bis zur Rente mit 67 – wie geht das?“ Gesundheit in der Lebensmitte 24.9.2011 Ravensburg, CiG-Akademie, „Authentisch leben – christliche Werte im Berufsalltag umsetzen“ 25.9.2011 Hamburg, „Patientengottesdienst“ 25. – 30.9.2011 Cuxhaven, CiG-Akademie, Gott begegnen in Bewegung und Tanz (CiG in Zusammenarbeit mit Dünenhof) 21. – 23.10.2011 Kloster Nütschau, CiG-Akademie, Gesunder Umgang mit Krankheit – Schritte der Heilung gehen. Wochenende für Kranke und Angehörige (Vertiefungsseminar) 28. – 30.10.2011 Rotenburg a. d. Fulda, Hebammen-Workshop 19.11. 2011 Hamburg, CiG Akademie „Gott begegnen in Bewegung und Tanz“ Okt. 2011 – Feb. 2012 Ravensburg, CiG-Akademie, Trainingskurs Christliche Heilkunde 12.11.2011 Peine, CiG-Akademie, Christliche Heilkunde – eine „Notwendende“ Erweiterung für Medizin und Krankenbegleitung? Dez. 2011 Karlsruhe, CiG-Akademie, „Oasentag – auftanken und zur Ruhe kommen“ Besuchen Sie uns auf unserer Homepage www.cig-online.de, hier finden Sie weitere Termine und Infos!

Die Veranstaltungen der Akademie werden dezentral meist in Zusammenarbeit mit den CiG-Regionalgruppen angeboten. Wenn Sie in Ihrer Region ein Seminar initiieren wollen, nehmen Sie gern mit uns Kontakt auf. Weitere Infos: www.cig-online.de.


ChrisCare und cps 46 bieten Ihnen eine Auswahl

an offenen Stellen im Gesundheitswesen an: www.cps-online.org Ergotherapeut/-in (ID 3257)

Fachklinik für Abhängigkeitskranke Aufgaben: Leitung Arbeitstherapie, Planung/ Durchführung Maßnahmen, aktuelle Therapiemethoden, Einführung MELBA, Weiterentwicklung Rehabilitation Anforderungen: Leitungserfahrung in der Reha, praktische/handwerkliche Begabung, Arbeiten mit MELBA, Führerschein Arbeitsort: Schleswig-Holstein

Pflegedienstleitung (m/w) (ID 3291) Seniorenpflegeheim Aufgaben: Führung u. Leitung des stationären Pflegedienstes in 2 Wohnbereichen (mit 2 Wohnbereichsleitungen). Anforderungen: Examinierte/r Alten-Krankenpfleger/in mit Weiterbildung zur PDL + 2 J. Ltg. Erf. Arbeitsort: Nordrhein-Westfalen

Facharzt/-ärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe (ID 3176)

Facharztpraxis Anforderungen: Weiterbildung in Gynäkologie und Geburtshilfe. Bevorzugt auch in onkologischen Therapien sowie Sonographie Geburtshilfe, Doppler, Mamma Arbeitsort: Baden-Württemberg

Examinierte/-r Krankenund Gesundheitspfleger/-in/ Krankenschwester/-pfleger (ID 3265) Pflegeheim Aufgaben: HIV-Patienten begleiten Arbeitsort: Hessen

Assistenzarzt/-ärztin (ID 3108)

Krankenhaus Aufgabe: Typische Tätigkeit eines/-r Assistenzarztes/-ärztin im Krankenhaus mit Teilnahme an Bereitschaftsdiensten des Krankenhauses und der Möglichkeit der Weiterbildung Anforderungen: Abgeschlossenes Medizinstudium, Arbeitsort: Sachsen

Gesundheits- und Krankenpfleger/-in (Intensiv) (ID 3109) Krankenhaus Anforderungen: Fachschwester/-pfleger für Intensivmedizin u. Anästhesie, Erfahrungen in Therapie chronischer Erkrankungen der Atemwege, Tumore des Bronchialsystems und der Lunge, nichtinvasive Beatmung. Arbeitsort: Thüringen

Facharzt/-ärztin für Allgemeinmedizin, gern auch Weiterbildungsassistent (ID 3005)

Praxis Suche Partner/Partnerin Allgemeinmedizin Ich biete Mitarbeit in sehr gut gehender, ländlicher Gemeinschaftspraxis mit durch Todesfall freigewordenem KV-Sitz Arbeitsort: Hessen

Gesundheits-/Kinderkranken-/ Krankenpfleger/-innen (ID 3150)

Pflegedienst Aufgabe: Betreuung und Pflege von intensivpflegebedürftigen Kindern und Erwachsenen, Beratung und Begleitung pflegender Angehörigen Anforderungen: eine abgeschlossene 3-jährige Pflegeausbildung, Berufserfahrung in der Senioren- oder Krankenpflege bzw. in der Kinderkrankenpflege Arbeitsort: Nordrhein-Westfalen

Fax -26 Fon (05 61) 9 38 75-12 info@cps-online.org

Die Geschäftsstelle von Christen im Gesundheitswesen e.V.

von CiG als Referenten den Kongress mitgestalten und CiG-Themen selbstverständlich in den Kongress einfließen, ist meine Tätigkeit nur als Ganzes zu sehen.

eingehen. Möglich ist das, weil uns zinslose Darlehen von Freunden zur Verfügung gestellt werden.

Über den Daumen gemessen sind es vielleicht zwei volle Arbeitstage die Woche.

„Bittet so wird euch gegeben, suchet so werdet ihr finden, klopft an, so wird euch aufgetan“ (Matth.7,7).

Was ist für Sie die größte Herausforderung bei der Geschäftsführung für den Kongress?

Diesen Vers habe ich als Kind auswendig gelernt und der trägt mich. Faszinierend ist, dass dieser Vers für alle Kongressbereiche anwendbar ist und ich ihn mit eigenen Lebenserfahrungen füllen kann.

Das Umgehen mit vielen unbekannten Größen, die einen erheblichen Einfluss auf die Durchführung der Veranstaltung haben. Wir schöpfen aus den Erfahrungen der ersten beiden Kongresse, haben aber keine Sicherheit, wie es sich beim 3. Kongress umsetzen wird. Das allgemeine Anmeldeverhalten von Kongress-/Seminarteilnehmern wird immer kurzfristiger, weil es vielen schwerfällt, sich verbindlich zu einer Veranstaltung anzumelden. Das ist bundesweit in vielen Organisationen zu beobachten.

Wie gehen Sie geistlich damit um?

Haben Sie ein praktisches Beispiel dafür? Die ganze Arbeit von CiG wird seit über 25 Jahren durch Spenden Einzelner getragen. Wir begegnen dem in Bezug auf unseren Lebensunterhalt mit der alten Weisheit „Ora et labora“. Diesen Zusammenhang, also Gebet und Arbeit, segnet Gott und wir versuchen, so auch die Kongressherausforderungen zu tragen.

Vielen Dank für das Gespräch. Viel Geld muss im Vorfeld investiert werden, bevor die ersten Tagungsbeiträge auf dem Kongresskonto

Die Fragen stellte Anne-Katrin Rathje


TERMINE

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Termine Tagungen, Seminare & Konferenzen 11.–15.9.: Schwäbisch Gmünd, Gesund und vital, Erlebnisprävention, www.schoenblick-info.de 8.9.: Luzern, Palliative-Pflegetagung, www.caritas.ch 16.–18.9.: Bad Boll, Morbus GKV – Heilungschancen für das Gesundheitswesen?, www.akademie-boll.de 17.9.: Stuttgart, „Workshop für Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Logopäden.“, www.cig-online.de 19.–20.9.: Paderborn, Sterben Menschen mit Demenz anders?, www.caritas-akademie.de 19.–22.9.: München, Multiplikator/in für Palliative Care, www.caritas-institut.de 21.–22.9.: Berlin, Vom Wert der Pflege, DEVAP-Bundeskongress, bundeskongress@devap.de 24.9.: Linz  / Donau, Gemeinsam über den Jordan gehen, Sterbebegleitung, www.cls-austria.at 24.9.: Ravensburg, „Authentisch leben – christliche Werte im Berufsalltag umsetzen“, www.cig-online.de 26.–27.9.: Berlin, Lobbyismus im Gesundheitswesen, Verantwortliche Interessenpolitik – unverantwortliche Einflussnahme, www.eabberlin.de 26.–29.9.: Schwerte, Trost, Ökumenischinterdisziplinäres Symposium, Institut für Spiritualität, www.pth-muenster.de 26.–30.9.: München, Umgang mit Sterben, Tod und Trauer – Ethische Fallbesprechung, www.caritas-institut.de 29.9.–1.10.: Göttingen, Die Selbstbestimmung des Patienten und die Medizin der Zukunft, Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin, www.aem-online.de 3.–5.10.: Zürich, „Mehr Leben als du ahnst!“ Spiritualität und Sinnfindung in

der Begleitung und Betreuung pflegebedürftiger, kranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen, www.weiterbildung-palliative.ch 7.–8.10.: Baden-Baden, Vergebungsprozesse ganzheitlich verstehen, www.abtei-lichtenthal.de 10.–12.10.: Marburg/Lahn, Heilkräuter- und Gesundheitstage, www.begegnungszentrum-sonneck.de 18.–19.10.: Bad Waldsee, Einfach mal leben, Oasentage für Verwaltungskräfte, www.tabor-reute.de 21.–23.10.: Kloster Nütschau, Gesunder Umgang mit Krankheit – Schritte der Heilung gehen. Wochenende für Kranke und Angehörige (Vertiefungsseminar), www.cig-online.de 22.–23.10.: Salzburg, Internationaler katholischer Pflegekongress, www.salzburger-pflegekongress.de 24.10.: München, Spirituelle Begleitung Demenzkranker – Impulse und Inspirationen für den Alltag, www.caritas-institut.de 25.10.: Riehen, 25. Riehener Seminar: Suizid – zwischen Todessehnsucht und Lebenshoffnung, www.sonnenhalde.ch 28.10.: Rhein-Main-Gebiet, Kommunikation mit „schwierigen Angehörigen“, www.efaks.de 29.10.: Berlin, Wer sorgt im Krankenhaus für die Kranken? Zur Zusammenarbeit von Professionellen, Ehrenamtlichen und Angehörigen, www.eabberlin.de 31.10.–1.11.: Zeillern, Führungspotentiale entdecken und einsetzen, www.cls-austria.at 3.–6.11.: Althütte-Lutzenberg, „In jedem Alter liegt ein Zauber“ – Tagung für Fach- und Führungskräfte in Gesundheit, Alter & Pflege, www.karlshoehe.de

7.–11.11.: München, Fachfortbildung Seelsorge auf der Intensivstation 2011/12, www.theologischefortbildung.de 8.–9.11.: Paderborn, Burn-out Prävention – Klar, mir kann das nicht passieren!, www.meinwerk.de 10.–15.11.: Girod bei Montabaur, www.burnout-berater-ausbildung.de 11.–13.11.: Bad Blankenburg, Missionsmedizinische Tagung, „Viel für Wenige – wenig für Viele? Ethische Entscheidungen bei begrenzten Finanzen“, www.afw.smd.org 13.–16.11.: Schwäbisch Gmünd, Mit der Trauer zurück ins Leben, Seminar für Betroffene, www.schoenblick-info.de 16.11.: Oberägeri, Schwerkranke und sterbende Menschen begleiten, www.zentrum-laendli.ch 19.11.: Berlin, Zeitkrankheit Burnout, kuhnt@ev-diakonieverein.de 21.11.: München, Umgang mit Sterben, Tod und Trauer – Christliche Spiritualität in der Pflege, www.caritas-institut.de 21.–22.11.: Mainz, Spezifische Beratungskompetenz in der Pflege, Abschnitt 1, www.kfh-mainz.de/ifw 23.–25.11.: Breitscheid, Alter und Demenz. Ein transaktionsanalytischer Blick, www.ghallstein.de 28.–30.11.: Bad Waldsee, Den Träumen trauen, spirituelle Tage im Advent, www.tabor-reute.de 2.–4.12.: Bad Homburg v.d.H., 15. Medizinstudententagung der ACM, „Ungenügend!?– zwischen Anspruch und Wirklichkeit“, www.acmstud.smd.org 8.–10.12.: Paderborn, Trauernde begleiten, www.meinwerk.de 12.–17.12.: Bischofsheim/Rhön, Burnout-Berater-Ausbildung, www.burnout-berater-ausbildung.de

22.–24.3.2012: Kassel, 3. Christlicher Gesundheitskongress, www.christlicher-gesundheitskongress.de Mit dabei: Jürgen Moltmann, Nikolaus Schneider, Lea Ackermann, Horst von der Hardt, Martin Grabe, Michael Utsch, Hubert Hüppe, Cornelia Coenen-Marx, Klaus Dörner, Astrid Giebel, Klaus-Dieter John, Paul Donders, Georg Schiffner, Heinrich-Christian Rust, Henning Dobers sowie mehr als weitere 100 Referenten


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ERFAHRUNGEN

Was heißt hier „austherapiert“? Was Arzt und Ärztin am Lebensende (noch?) tun können

Die Erfahrung von vielen Menschen ist, dass man sehr wohl mit einer Krankheit leben kann. Und vielleicht sogar gar nicht so schlecht, wenn man gut im Heute lebt und nicht mit Sorgen, was die Zukunft bringen wird und wie lange es überhaupt noch so weitergehen kann, den Tag sauer macht. Ich arbeite schon über 12 Jahre als Ärztin mit meist tumorkranken Patienten im „Endstadium“ und erlebe häufig, dass auch auf dieser „Zielgeraden“ das Leben viel Freude und Erfüllung bringen kann. Zwei Dinge sind wichtig: einmal die sogenannte Symptomkontrolle, d. h. dass ich mit dem Patienten gemeinsam herausfinde, welche Beschwerden ihn / sie am meisten stören und versuche, diese mit Verhaltensweisen, Medikamenten, anderen z. B. Physiotherapien und Hilfsmitteln (Pflegebett etc.) abzustellen oder zumindest klein zu halten. Dazu ist häufig auch ein Behandlungs- / Pflege-Team nötig, da diese eher körperlichen Beschwerden in der Regel über 24 Stunden im Griff behalten werden müssen.

Manchmal sind die Symptome am Anfang des Kennenlernens sehr heftig: Schmerzen, Übelkeit  /  Erbrechen, Schluckstörungen, Inappetenz, Verstopfung, Atemnot, Husten, blutende oder eitrig stinkende Wunden, Schlaflosigkeit, Schwindel, Verwirrtheit, Koma, Lähmungen. Häufig ist in relativ kurzer Zeit (ca. eine Woche) eine entscheidende Minderung der Beschwerden zu erreichen.

„verknotete“ Beziehungen zu klären. Überhaupt sind Ruhe und versöhnte Atmosphäre im sozialen Umfeld zu fördern und zu unterstützen. Wie oft staune ich nicht nur über die extrem starken Verbindungen zwischen Leib und Seele, sondern auch über die Stärke der Bindungen in familiären Beziehungen: Der eine kann nicht sterben, wenn es der andere nicht erlaubt oder aushält.

In dieser Zeit und weiterhin entwickelt sich eine Beziehung (der 2. Punkt!), die oft Gespräche über Sinn und Verlauf der Erkrankung, des Lebens und sogar, was wohl danach kommen mag, möglich macht. Diese Beziehung und was daraus erwächst, meine ich, ist mindestens so wichtig wie die Symptomkontrolle. Anders gesagt, das Anstreben oder sogar Erreichen einer Beschwerdefreiheit (oder Beschwerdearmut) ist höchstens 50% dessen, was der Arzt oder Begleiter für den Kranken leisten kann oder sollte.

Ich versuche, die Hoffnung zu stärken, dass nach dem Tod noch etwas ganz Schönes kommt, egal wie wir uns das vorstellen. Mein Eindruck ist, dass es supertief in unseren Genen steckt, dass wir fürs Leben gemacht sind; d. h. wir können nicht Ja dazu sagen, nach dem Tod in ein Nichts zu fallen – das macht daher schrecklich Angst. „Es ist kostbar, wenn Patienten sich vorstellen können, dass etwas ganz Schönes auf sie wartet, z.B. „dass ich ganz hinten in einen Garten an eine herrliche Kaffeetafel geladen werde oder dass ich durchs All fliegen und den Weltraum erforschen darf.“ – Hauptsache, es kommt etwas ganz Schönes.

Zu oft habe ich gesehen, dass die Beziehung trägt, natürlich inklusive einer wirksamen medizinischen Hilfe. Am Lebensende sehe ich oft, dass die Seele entscheidet, wann dieses Leben losgelassen wird, nicht der noch so elende Körper. Deswegen ist die menschliche Begleitung und Unterstützung so entscheidend wichtig. Beeindruckend persönlich, einzigartig, ist jeder Weg. So kann ich keine allgemeinen Verhaltensanweisungen geben. Bei einem Patienten ist es mehr angesagt, viel zuzuhören; beim anderen, von sich zu erzählen. Beim einen kann man eine deutliche Reifung in kurzer Zeit erkennen, beim anderen bleibt alles Geheimnis. Wichtig ist zu signalisieren, dass man über alles sprechen kann, dass es sinnvoll ist,

Die Hoffnung sowohl auf Besserung im Verlauf der Krankheit als auch die Hoffnung auf ein gutes „Danach“ will ich immer unterstützen.

Dr. med. Monika Windsor, Berlin, Anäs‑ thesistin, palliative care. Sie gehört zum Herausgeberkreis von ChrisCare


REPORTAGE

3/2011 CHRISCARE

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Große Erwartungen Schwangerenkonfliktberatung im Internet Kaum jemand regt sich mehr auf, wenn die jährliche Abtreibungsstatistik veröffentlicht wird. Über 100 000 in Deutschland, über 10 000 in der Schweiz. Die Dunkelziffer liegt deutlich darüber. Zahlen bleiben jedoch abstrakt, weil kaum einmal Reportagen über betroffene Frauen publiziert werden. Was aber nicht persönlich geschildert wird, das berührt die Leser nicht. Auch wenn die gesetzlichen Regelungen die Abtreibung heute nicht mehr kriminalisieren, bleibt die Tötung von Embryonen eines der hartnäckigsten Tabus. Man schätzt, dass auf jede 7. Geburt ein Schwangerschaftsabbruch kommt. Frauen in Schwangerschaftskonflikten sind in Deutschland verpflichtet, eine Beratung in Anspruch zu nehmen, wenn ein späterer Schwangerschaftsabbruch straffrei bleiben soll. Ob man die dafür notwendige Bescheinigung, den „Schein“ nach einer Beratung ausstellen soll, ist unter christlichen Beratungsstellen umstritten. Nachdem die Katholische Kirche 1999 den Verzicht auf den Schein beschlossen hat, entstanden neben den offiziellen katholischen Beratungsstellen unabhängige vom Verein Donum Vitae getragene Beratungseinrichtungen. Seitdem ist auch die Debatte um die richtige Form der Beratung abgeflaut. Im evangelischen Raum gibt es sowohl Beratungsstellen, die ihre Beratung bescheinigen und damit eine straffreie Abtreibung ermöglichen, als auch Berater, die allein unterstützen wollen, ohne am staatlichen System teilzunehmen. Ein der Deutschen Evangelischen Allianz nahe stehender Zusammenschluss von Initiativen und Einzelpersonen ist das Treffen christlicher Lebensrechtsgruppen, das sich dafür einsetzt, „dass Betroffene Hilfe zum Leben

erfahren und in unserer Gesellschaft ein Umdenken stattfindet“, wie es auf der Internetseite des Treffens heißt. Seit zwei Jahren macht eine neue Initiative von sich reden, die sich Beratung und Hilfe für ungewollt Schwangere zum Ziel gesetzt hat und dafür eine ungewöhnliche Marketingmethode einsetzt: Pro Femina mit der Aktion 1000plus. Die Kampagne sammelt Spenden, um vor allem im Internet Schwangere zu beraten. Dabei haben die Initiatoren um Kristijan Aufiero hohe Erwartungen. Sie wollen monatlich 84 000 Euro einnehmen, im Jahr über eine Million. Finanziert werden soll damit vor allem Personal. Das Geld soll dem weiteren Ausbau eines Beratungsnetzes dienen, das 2010 bereits mit 804 Schwangeren Kontakt hatte. Neben den telefonischen Kontakten, die über eine im Internet veröffentlichte Nummer möglich sind, können Frauen auch ihre Fragen in einem Forum unter www.vorabtreibung.net stellen. Eine große Nachfrage scheint dieses Forum allerdings noch nicht zu haben. Prominente Unterstützung fand 1000plus beim Baby-Nahrungshersteller Hipp. Der Inhaber stellte 2011 kostenlos 1000 Fläschchen zur Verfügung, die von 1000plus mit einem Werbeblatt versehen wurden und anschließend als Spendendosen zum Beispiel in Pfarrbüros aufgestellt wurden. Mit dabei ist auch Johanna Gräfin von Westphalen als Schirmherrin. Die von ihr geleitete Stiftung „Ja zum Leben“ zeichnete im Juli 2011 Pro Femina neben der katholischen Jugendzeitschrift YOU aus: In ihrer Begrüßung hob die Stiftungsvorsitzende Johanna Gräfin von Westphalen hervor, „dass beide Preisträger mit ihrer

Originalität und zeitgemäßen Kommunikation wesentlich zum Aufbau einer Kultur des Lebens beitragen. Ungewollt schwangere Frauen mit ihren ungeborenen Kindern sowie die heranwachsende Jugend seien die am meisten gefährdeten Personengruppen in der heutigen Gesellschaft. „Wir sind wirklich begeistert, dass Pro Femina mit ihrer Online-Beratung Frauen für ein Leben mit Kind zu gewinnen vermag, die sonst abgetrieben hätten!“, meinte die Laudatorin Fürstin Gloria von Thurn und Taxis bei der Preisverleihung in München. Noch auf der Suche ist Pro Femina, um Beratungsstellen zu gewinnen, die im Anschluss an die Internetberatung die persönliche Begleitung von Schwangeren übernehmen möchten. Bisher ist die Beratungsstelle Die Birke in Heidelberg mit von der Partie, deren Vorsitzender ebenfalls Kristijan Aufiero ist. Informationen gibt es unter www.1000plus.de. Frank Fornaçon


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LESERBRIEFE

Leserbriefe Teil 2

Anklage

Zu CC 2 2011: Überleben im Käfig & Zeichen der Hoffnung Vielen Dank an Frauke Bielefeld für die Schilderung ihres Lebens mit chronischer Krankheit: Schmerzen, Zweifel, Auseinandersetzungen mit Gott, Trost in der Person Jesu, und die Perspektive einer unvorstellbaren Herrlichkeit. Ähnliche Tiefe sehe ich im Bild Hiobs, aber nicht in der Interpretation von Nicola Bourdon. Sie schreibt: „Die Erzählung von Hiob steht dafür, nicht Gott bei einer Lebenskrise oder schweren Krankheit überheblich anzuklagen..., sondern sich selbst nicht so wichtig zu nehmen.“ Sie schließt zwar: „Gott wünscht sich, dass Menschen mit ihm im Gespräch bleiben, und wenn manchmal nur die (An-) Klage bleibt. Dann kann er Menschen begegnen.“ Ich fürchte aber, dass diese Begegnung nicht stattfindet, wenn die/der Leidende „sich selbst nicht so wichtig nehmen“ und „überhebliche Anklage“ vermeiden soll. Wie anders Frauke Bielefeld: „Es gibt Momente, da… wäre es mir fast lieber, ich wüsste nichts von diesem Gott, der mächtig sein soll und mich liebt – und trotzdem nicht eingreift…“, und: „In der Bibel entdecke ich immer wieder, wie offen ‚große‘ Gottesmänner und -frauen mit Gott umgegangen sind. Gerade in den Psalmen finden sich alle Formen von Klagen und Gefühlsausbrüchen. Ich staune darüber, was sich diese Menschen herausnahmen gegenüber dem allmächtigen Gott...“ Jesus selbst betete am Kreuz mit den Worten eines Psalmisten: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Ich begegne Gott dann tief, wenn ich mich wichtig nehme und ihm mein Herz ausschütte, manchmal auch anklagend. Die Angst, Gott so zu begegnen, (weil er beleidigt sein, strafen oder

die Beziehung abbrechen könnte), ist unbegründet und wenig heilsam. Dr. med. Eberhard Schmiedeke, Kinderchirurg, Syke bei Bremen

Weltanschauung Zu CC 2 2011: Gesundheit heißt Gleichgewicht

Trotz vierjähriger Ausbildung in TCM (Akupunktur, Chinesischer Arzneimittellehre) habe ich mich als christliche Ärztin bewusst gegen diese Behandlungsmethode entschieden:

1. Gott hat uns zwei Bücher geschenkt: das Buch seiner Worte, die Heilige Schrift, und das Buch der Natur, das Buch seiner Werke (…). Schrift und Natur sind die Offenbarungen Gottes und gehen Hand in Hand. Deshalb liegen Naturwissenschaft und Schriftstudium nahe beieinander. Grundlage des christlichen Denkens ist, dass wir Gott als den Allerhöchsten anerkennen und durch unser Tun ehren. Die Akupunktur geht aber vom Daoismus und von der universellen Lebensenergie Qi aus. Als Christen sehen wir im dreieinigen Gott die universelle Lebensenergie und Kraftquelle und nicht im Qi. 2. Der Diagnostik liegen in der TCM andere diagnostische Mittel (…) zugrunde, um die Störungsbilder des Qi zu erfassen. Das drückt sich auch in einer anderen Begrifflichkeit von Krankheit aus (…), die dann die Krankheiten umschreiben. Ist aufgrund dieser anderen Begrifflichkeit die Behauptung gerechtfertigt, die Akupunktur behandle den kranken Menschen und die Schulmedizin kranke Organe? 3. In China werden die Menschen entweder mit Akupunktur oder mit Kräutern in großem Stil, viele Patienten parallel, behandelt. 4. So unvollkommen unsere westliche Medizin oder Schulmedizin auch sein mag, so sehr wir auch eine „Pseudowissenschaft“ kritisieren mögen, ohne die Akupunktur zu bemühen, kann ich als Ärztin mich mit Gottes

Hilfe der spirituellen Dimension einer Erkrankung nähern und mich der Transzendenz, d.h. dem Geheimnis des Glaubens stellen. 5. Gott hat uns auch die Vernunft geschaffen. Diese kann zur Ehre Gottes genutzt werden, in die Wahrheit zu führen: Dies gilt auch für wissenschaftliche Untersuchungen von sog. Alternativtherapien, wie alt sie auch immer sind. Die Frage nach der Therapieeffektivität darf also auch an die Akupunktur gestellt werden. 6. Gott selbst hat mir als Ärztin – neben den Naturwissenschaften – in der Schrift die Mittel zur Verfügung gestellt, um seinen Heilungswegen zu folgen: Gebet, Fürbitte, Segnung, Salbung etc.. 7. Eine Heilmethode von einer ihr zugrunde liegenden Weltanschauung, von Religion abzutrennen, ist meines Erachtens nicht möglich. (…) 8. Gott wirkt mittels des Arztes, d.h. wir stehen in seinem Dienst. Bei der Akupunktur würden wir aber im Dienst der dahinter stehenden Weltanschauung stehen, welche nicht Gott die Ehre gibt. Die spirituelle Dimension macht sich nicht an einer Methode fest: Spirituell bedeutet, das, was einem kommt, begegnet, wahrzunehmen und kommen und gehen zu lassen, d.h. es bedeutet auch, Krankheit anzunehmen, für uns Ärzte bedeutet es, hinzunehmen, dass wir nicht alle heilen können, mit welchen Methoden auch immer. 9. Auch unsere westliche Medizin ist eine Erfahrungsmedizin und kennt ReizRegulations- Verfahren (Kneipp etc.). 10. Die evangelische Zentrale für Weltanschauungsfragen schreibt : „Alternative Heilverfahren gründen auf einer bestimmten Weltanschauung. Kommt ein derartiges Verfahren zur Anwendung, so werden auch seine Werte, Ideale und seine Ethik mit übermittelt. Zugespitzt könnte man sagen: In der Weltanschauung ist das Wirkprinzip eines alternativen Heilverfahrens verborgen.“ Dr. med. Ingrid Marinesse, Hamburg


Magazin 3/2011 CHRISCARE

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1/2011 Besser miteinander

2/2011 Krisen bewältigen 3/2011 Am Lebensende 4/2011 Kraftquellen erschließen

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Viermal im Jahr, € (D) 19,20 / € (A) 19,80 / SFr 31.30 im Abo, Einzelheft € (D) 5,80 / € (A) 6,00 / SFr 10.30 (zzgl. Versandkosten). Die Ausgaben können auch jederzeit einzeln bestellt werden (solange der Vorrat reicht). Kreuzen Sie hierfür das entsprechende Magazin auf dem Bestellschein an. Bestellungen aus Deutschland: ChrisCare-Aboservice, Bergstraße 25, D 21521 Aumühle, Telefon: (+49) (0) 4104 917 09 30, Fax: (+49) (0) 4104 917 09 39, info@cig-online.de, www.cig-online.de Bestellungen aus der Schweiz: bvMedia Christliche Medien, Witzbergstr. 7, Postfach 384, CH 8330 Päffikon ZH, Telefon: (+41) (0) 43 288 80 10, Fax: (+41) (0) 43 288 80 11, abo@bvmedia.ch, www.bvmedia.ch

Magazin für Christen im Gesundheitswesen

ChrisCare

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Heilkraf t

1/2010

Heilkraft des Glaubens MEDIZIN ANSTOSS

AKTUELL

BETEN

ERFAHRUNG

HEILVERFAHREN INFORMATION

SEELSORGE

GESUNDHEITSKONGRESS

PFLEGE

GESUNDHEIT

STREIT

IMPULSE

ÖKUMENISCH SPIRITUALITÄT WACHSEN

LIEBE SEGEN

PATIENTEN

ALTERNATIVE

GOTT ZUWENDUNG

GLAUBE

ANGEHÖRIGE

März 2010 // € (D/A) 5,80 // SFr (CH) 10.30 // www.chriscare.info // ISSN 1869-9944 // ZKZ 18 381

1/2010 Heilkraft des Glaubens

Macht undOhnmacht Ohnmacht Macht und WERTE

AKTUELL

LEITUNG

SEGEN

SORGEN

TRANSFORMATION

IMPULSE

RATIONIERUNG

STREIT

HEBAMMEN

VOR

BERNER KONGRESS HAUSGEMEINSCHAFT

INNERE HEILUNG

PHYTOTHERAPIE

SPIRITUALITÄT VAN GOGH

HUMOR PATIENTEN

ZUWENDUNG

DENKEN

LIEBE DEM

AUS

PFLEGE

ChrisCare

Magazin für Christen im Gesundheitswesen

3/2010

2/2010

Leid und Schmerz Schmerz Leid und LEBEN MIT MS LICHTBLICKE

SCHMERZFORSCHUNG

WOCHENENDE FÜR KRANKE

GOTT

SOAKING MUSIC

KRAFTQUELLE IM PFLEGEALLTAG

4/2010

Heilen einer Heilen inineiner mul tikul turellenGesellschaft Gesellschaf t multikulturellen STATIONSALLTAG

KULTURSENSIBLE PFLEGE

AFRIKANER HEILEN IN

INFORMATION

WERTEMANAGEMENT HILFE PASSION & COMPASSION REMBRANDT BEISTAND NÄCHSTENLIEBE

HAUSARZT

GEBETSTAGE SCHMERZ & SPIRITUALITÄT ERFÜLLENDE ARBEIT

SPIRITUELLER NOTFALLKOFFER

September 2010 // € (D/A) 5,80 // SFr (CH) 10.30 // www.chriscare.info // ISSN 1869-9944 // ZKZ 18 381

November 2010 // € (D/A) 5,80 // SFr (CH) 10.30 // www.chriscare.info // ISSN 1869-9944 // ZKZ 18 381

Juni 2010 // € (D/A) 5,80 // SFr (CH) 10.30 // www.chriscare.info // ISSN 1869-9944 // ZKZ 18 381

2/2010 Macht und Ohnmacht

GLAUBE

LEIDEN

3/2010 Leid und Schmerz

EUROPA

RÜCKSICHTNAHME

KINDERARZT

AUFTRAG DER CHRISTEN

CHRISTLICHE HEILKUNDE

MUSLIME BEIM

SPRACHLOSIGKEIT IN DER PFLEGE

FORSCHUNGSBERICHTE

4/2010 Heilen in einer multikulturellen Gesellschaft

ChrisCare

Magazin für Christen im Gesundheitswesen 1/2011

Besser miteinander Besser miteinander PID HEILSAMES VERTRAUEN IN GUTEN HÄNDEN ZUVERSICHT

SEGEN

LEBEN MIT KREBS ZUWENDUNG

HOFFNUNG

CHRISTUS ALS APOTHEKER GESUNDHEITSKONGRESS

LERNENDE ORGANISATIONEN

PFLEGE

WÜNSCHE

US-KLINIKSEELSORGE

SEELSORGE FÖRDERT LEBENSQUALITÄT

NATURHEILPRAXIS

PATIENTEN

HIOB

WACHKOMA

Februar 2011 // (D) € 5,80 // (A) € 6,00 // (CH) SFr 10.30 // www.chriscare.info // ISSN 1869-9944 // ZKZ 18 381

1/2011 Besser miteinander

ChrisCare

ChrisCare

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Magazin für Christen im Gesundheitswesen 2/2011

Krisen bewältigen

Magazin für Christen im Gesundheitswesen

Besser miteinander

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Krisen bewäl tigen Krisen bewältigen WIE EIN SCHMETTERLING IM KÄFIG HEILUNG

DER LIEBE GOTT KRISE

WENN DIE SEELE NICHT MEHR WILL

MIT EINER VISION IN DIE ANDEN

PATIENTENGOTTESDIENSTE

KRISE ALS CHANCE

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SPIRITUALITÄT AM LEBENSENDE

LIEBER FREI ALS GESUND CHRISTLICHES MENSCHENBILD ROSENKRANZ Mai 2011 // (D) € 5,80 // (A) € 6,00 // (CH) SFr 10.30 // www.chriscare.info // ISSN 1869-9944 // ZKZ 18 381

2/2011 Krisen bewältigen

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1/2010 Heilkraft des Glaubens

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2/2010 Macht und Ohnmacht 3/2010 Leid und Schmerz 4/2010 Heilen in einer multikulturellen Gesellschaft 1/2011 Besser miteinander 2/2011 Krisen bewältigen

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