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Editorial 3 Leitartikel Shitstorm 4 Infos&News Traumberuf 6 Lehrgang bestanden 7 Präventionsplan 7 Stärke entwickeln 7 Linearbeschleuniger 8 Auszeichnung für IT-Masterplan 8 Befunde online 8 Gastkommentar 9 Medizin & Pflege Rettet Toni! 10 Arzneimittelsicherheit 12 Der Rückkehrer 13 Personal 15 management&verwaltung Neue Welt 16 Brücken bauen – Vertrauen schaffen 17 Der Plan 18 Strategiebasis & Strategieplan 20 Titelgeschichte Dr. Digital 22 The story Todesbakterien 26 Aus den Bezirken Mer an Brustkrebsscreening 29 Klare Daten 30 Upgedatet 31 Vinschger Kunstwerke 31 Bruneck Lachende Gesichter 32 Günther Sitzmann 32 Kreativität fördern 33 Brixen Veranstaltungen 2017 34 Bozen Die Besten 34 Zuhause versorgt 35 Landesfrauenrat von Mecklenburg-Vorpommern 35 Vita New-York-Marathon 36 infografik 38 Personalia 38 Gesundheit im Netz Gesunde Weihnachten 39 Kontak t & impressum 40 DT

Janine Seitz

„Der Einsatz von OP-Robotern und intelligenten Service-Maschinen im Gesundheitssektor ist längst Realität.“

Titelgeschichte Seite 22

12.12.2016 # 0 4 / 1 6

Da s M ag a zin des Südtiroler Sanität sbe triebes


Foto Maria Elisabeth Rieder

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Vom 14. Oktober bis zum 6. November 2016 waren in der Eingangshalle des Krankenhauses Bruneck die „Engel | Angeli | Angiul“ des Künstlers Paul Moroder zu sehen. Die Ausstellung war ein Sozialkunstprojekt, das aus einer Zusammenarbeit des Gesundheitsbezirks Bruneck, der Selbsthilfeorganisation „Lichtung/ Girasole - Verein zur Förderung der psychischen Gesundheit“ und des Rotary-Clubs Brixen Bruneck entstanden war.

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Veränderungen und Entwicklungen leugnen ist kein probates Mittel, um diese zu unterbinden. Neuerungen werden trotzdem kommen und Innovationen voranschreiten.

Editorial

Auch die Medizin, nein, der gesamte Gesundheitsbereich, ist von Entwicklungen nicht ausgenommen und das berühmte Zitat aus Giuseppe Tomasi di Lampedusas Roman „Il Gattopardo“, „Wenn alles bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern“, stimmt in diesem Fall nicht. Denn alles ändert sich und nichts wird gleich bleiben. Darauf müssen wir uns einstellen. Einen Ausblick, was und wie sich die Gesundheitsversorgung in Zukunft verändern könnte, wagt one-Redakteurin Evelyn Gruber-Fischnaller in ihrer Titelgeschichte. Den Text mit dem Titel „Dr. Digital“ können Sie ab Seite 12 lesen.

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Und sie werden uns und unsere bekannte Welt verändern. Ein Beispiel gefällig? Jeder und jede kennt wohl einen dieser Menschen, die vor 20 Jahren Stein und Bein schworen, niemals eines dieser Dinger namens „Mobiltelefon“ in die Hand nehmen zu wollen, da diese vollkommen unnütz seien. Heute laufen die gleichen Personen mit zwei Smartphones in der Tasche herum. Die Veränderung hat gesiegt.

Um Veränderung geht es auch im Text des scheidenden Sanitätsdirektors Oswald Mayr, und zwar um die Veränderungen, denen der Berufsstand des Arztes oder der Ärztin ausgesetzt ist. Seinen Weckruf an die Ärzte finden Sie auf Seite 16. Und wie sich der Südtiroler Sanitätsbetrieb als Unternehmen auf die neuen Herausforderungen einzustellen gedenkt, können Sie ab Seite 17 (Brücken bauen – Vertrauen schaffen) bis 19 (Der Plan) nachlesen. Bildlich dargestellt ist die Strategie dazu auf der Doppelseite 20 bis 21. Und falls Sie jetzt überlegen, böse Bemerkungen in den sozialen Netzwerken zu posten, weil Ihnen dieser Text, dieses Heft oder das Titelbild nicht gefällt: Bitte lesen Sie zuerst den Leitartikel von Lukas Raffl ab Seite 4 mit dem Titel „Shitstorm“. Denn: Ein bisschen mehr Besonnenheit und weniger Wut würde uns allen gut tun und Diskussionen produktiver machen. Im Namen der Redaktion wünsche ich Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2017!

Peter A. Seebacher

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Vor einigen Jahren fand in den Eingangshallen und Gängen der Krankenhäuser unseres Landes eine Wanderausstellung von Kunstwerken statt. Die Ausstellung war Teil der „Europäischen Allianz gegen Depression“ und der Titel „Das erschöpfte Selbst“ dem gleichnamigen Buch des französischen Soziologen Alain Ehrenberg entliehen.

Leitartikel

Leitartikel Luk as R affl

Shitstorm D

ie Ausstellung zielte auf die Entstigmatisierung psychisch Kranker und auf die Vermittlung eines neuen, in gewisser Weise offeneren Begriffes psychischer Krankheitsbilder. Roger Pycha, Projektkoordinator und Primar der Psychiatrie in Bruneck, schreibt in seinem Vorwort zum Katalog und Titel der Ausstellung, dass keine Generation so sehr von seelischer Erschöpfung bedroht wäre wie die unsere: „Die depressiven Krankheitsbilder sind das Resultat der modernen Lebensumstände …die Informationslawine, die Rollenvielfalt, das Kontaktverhalten bei gleichzeitiger Isolation der Kommunikationsmittel und Medien, die rasende Geschwindigkeit der Umwälzungen erzeugen ein Magma, das die Energien des Einzelnen leicht schmelzen lässt.“ Erschöpfung also als zentraler Begriff, um psychische Problematiken wie Burn-out, Depression, Asthenie aufzuschlüsseln und zu deuten.

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Wer heute die Zeitungen durchblättert oder sich in Internet-Foren bewegt, begegnet dagegen anderen Emotionen: Hasstiraden, Zorn, offener Aggressivität. Der Wutbürger und die Wutbürgerin sind omnipräsent, schuld an wie immer gearteten Missständen sind immer die anderen, die da oben, die Flüchtlinge, die EU oder das internationale Kapital. Das, was vor Kurzem noch verpönt war, wie Diffamierung und Beleidigung, ist mittlerweile Normalität; im vermeintlich rechtsfreien Raum des Internets wagen sich Hinz und Kunz nach vorne und lassen der eigenen Frustration lautstark freien Lauf. Bei näherem Zusehen freilich kann der Wutbürger als enger Verwandter des erschöpften, depressiven Menschen verstanden werden. Beiden gemeinsam ist die Überforderung angesichts einer immer komplexer werdenden und sich schneller wandelnden Welt. Während der eine mit


„Wenn der Blick in die Geschichte zurück nicht trügt, dürfte Besonnenheit mit einem Schuss Gelassenheit wohl eine tauglichere Zukunftsformel sein als die Wut oder Frustration.“

Leitartikel

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Foto peter a. seebacher

Luk as R affl

Wut und Zorn reagiert, zieht sich der andere verletzt in sein Inneres zurück. Zwei Reaktionen auf ein und dieselbe Umwelt. Nehmen wir zur Veranschaulichung die amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Alle Analysten sind sich einig, dass eine der Ursachen für den Aufstieg und Erfolg von Trump darin zu suchen wäre, dass viele Menschen mit der Komplexität und Dynamik der Globalisierung nicht mehr zurande kommen. Trump gab den so genannten „Hillbillys“, den Hinterwäldlern und Abgehängten, den einfachen Arbeitern und unterem Mittelstand in den Landgebieten, wieder Hoffnung. Er griff deren Sehnsucht nach einem Amerika, wie es früher war, mit einfachen und klaren Regeln, auf und bot dem Establishment die Stirn. Seine Botschaft war für die Frustrierten und Wütenden genauso wie für die Hoffnungslosen verständlich: ich mache euch wieder stark.

werden, nur oberflächliche Erklärungen liefern für einen tiefgreifenden, epochalen Wandel, den wir zwar intuitiv erfassen, intellektuell aber noch kaum begreifen. Und wenn der Blick in die Geschichte zurück nicht trügt, dürfte Besonnenheit mit einem Schuss Gelassenheit wohl eine tauglichere Zukunftsformel sein als die Wut oder Frustration.

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ie Wahrheit dürfte aber wie so oft komplexer und weniger klar fassbar sein. Der tägliche Shitstorm des Wutbürgertums ist kaum eine valide Antwort auf die großen Fragen der Zukunft. Überhaupt scheinen die Verwerfungen, die uns täglich in den Medien begegnen und mit Verkürzungen wie „Stadt versus Land“ oder „Globalisierungsgewinner versus Globalisierungsverlierer“ bezeichnet

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Das Projekt „Rendezvous mit dem Traumberuf“, welches vom Schulamt in die Wege geleitet wurde, ermöglicht es Oberschülerinnen und -schülern, verschiedene Berufsbilder kennenzulernen. Heuer hat sich auch der Südtiroler Sanitätsbetrieb daran beteiligt. In der letzten Schulwoche im Oktober durften Schülerinnen und Schüler der verschiedenen Oberschulen des Landes die Krankenhäuser Bozen, Meran und Bruneck die Fachhochschule Claudiana, das Weiße Kreuz und die Flugrettung Bozen besuchen und in einzelne Bereiche hineinschnuppern.

infos & news

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infos & news Beatrix Eppacher

Rendezvous mit dem Traumberuf im Krankenhaus Die Projektwoche „Rendezvous mit dem Traumberuf“ ist eine landesweite Initiative des Deutschen Schulamtes und richtet sich vorwiegend an die Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen der Oberschulen. Diese können in der Projektwoche eines von mehreren Traumberufs-Modulen besuchen, um Einsicht in die zukünftige Berufswelt zu erhalten. Der Südtiroler Sanitätsbetrieb hat sich heuer an dieser Initiative beteiligt und vielen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geboten, die verschiedenen Berufsbilder im Gesundheitswesen kennenzulernen. Da die Nachfrage für diese Projektwoche dementsprechend groß war, musste im Vorfeld eine Auswahl getroffen werden, welche die Schulen übernommen haben. Den Verantwortlichen des Sanitätsbetriebes war es ein großes Anliegen, diesen hochmotivierten Schülern ein interessantes, sehr abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen. In Zusammenarbeit mit den Bezirksdirektionen, den ärztlichen Direktionen, den Pflegedienstleitungen und den verschiedenen Abteilungen und Diensten wurde ein ansprechendes Wochenprogramm zusammengestellt, welches neben fachlichen Einführungen in die Berufsbilder auch viele praktische Anwendungen im breitgefächerten Berufsleben im Krankenhaus gezeigt hat. Da unter den Anwesenden auffallend viele junge Frauen waren, die Interesse für einen zukünftigen Arbeitsplatz

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im Gesundheitsdienst gezeigt haben, wurde bei den Vorstellungen auch auf die Rolle der Frau eingegangen. Besonders „cool“ fanden die jungen Leute natürlich jene Bereiche, bei denen sie Unbekanntes sehen oder erleben konnten. So war etwa der Gang – steril gekleidet – durch die hochmoderne Sterilisationszentrale im Krankenhaus Meran ein Highlight, oder der Besuch im Labor im Krankenhaus Bruneck – auch dort mit Einmalmänteln bekleidet – wo die Schülerinnen und Schüler Einblick in die Laboranalyse erhielten, oder die Erfahrung aus nächster Nähe mit der Flugrettung im Krankenhaus Bozen. Den Besucherinnen und Besuchern hat diese Initiative sehr gut gefallen. Dies hat sich aus der abschließenden Diskussion ergeben, bei welcher sie durchaus den Wunsch geäußert haben, dass zukünftig wieder derartige Veranstaltungen angeboten werden. „Interessante Woche, viel gesehen und gehört und eine durchwegs willkommene Abwechslung zum Schulalltag“, so die Meinung vieler Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Ob es tatsächlich ein Rendezvous mit dem Traumberuf war, wird sich wohl erst in einigen Jahren feststellen lassen. Dies bleibt zu hoffen, denn der Südtiroler Gesundheitsdienst braucht dringend viele motivierte Ärzte, Krankenpfleger, Therapeuten und sonstige engagierte Mitarbeiter.


Wie steht’s mit Ihrer Gesundheit? Foto Maria Elisabeth Rieder

Durch den Präventionsplan 2016 – 2018 wurden auf Landesebene strategische Ziele mit zahlreichen Einzelmaßnahmen festgelegt: Grundsätzlich dreht sich alles um die die Förderung der Gesundheit, die Vorbeugung, die Gleichbehandlung und die Bekämpfung der sozialen Ungleichheit im Gesundheitswesen. Der Landespräventionsplan kann hier heruntergeladen werden:

Im Rahmen des Projekts "Rendezvous mit dem Traumberuf" besuchten Schülerinnen und Schüler verschiedene Abteilungen und Dienste des Südtiroler Sanitätsbetriebes

Gemeinsam Stärke entwickeln

Insgesamt 24 Führungskräfte aus dem Gesundheitsbereich haben den Ausbildungslehrgang in Management, Kommunikation und Führung an der Europäischen Akademie kürzlich erfolgreich abgeschlossen. Am 19. Oktober 2016 konnten nach bestandener Abschlussprüfung alle Lehrgangsteilnehmer aus den Händen von Landesrätin Martha Stocker ihre Diplome entgegennehmen. Der Lehrgang umfasste unter anderen auch das von den EURAC-Dozenten Kurt Promberger und Josef Bernhart gestaltete Modul „Qualitätsmanagement“. Eine Lehrgangs-Dokumentation in deutscher und italienischer Sprache gibt einen Überblick über die Modul-Ergebnisse. Darin enthalten sind die Qualitätsbewertung nach dem europäischen CAF-Modell, angewandt auf den Südtiroler Sanitätsbetrieb, Qualitätszirkel, die Veröffentlichung von Qualitätsstandards, Kundenzufriedenheit und Beschwerdemanagement. Allesamt Themen, die seit Jahren zum Forschungs- und Beratungsschwerpunkt des EURAC-Institutes für Public Management gehören und gemeinsam mit den Teilnehmern und Teilnehmerinnen im Lehrgang auf ihre Praxisrelevanz und Wirksamkeit überprüft wurden.

Jugendlicher Diabetes belastet, die jungen Patientinnen und Patienten brauchen neben optimaler medikamentöser Einstellung auch mental eine Stärke, die ihnen hilft, mit dieser chronischen Erkrankung so normal wie möglich zu leben. Drei intensive Tage lang hat das Team der diabetologischen Dienste von Meran und Bozen, in Zusammenarbeit mit dem pädiatrischen diabetologischen Dienst in Bozen und dem Dienst für Diät und Ernährung erstmals im heurigen Herbst deshalb Jugendliche von 16 bis 22 Jahren eingeladen, ein Wochenende der besonderen Art zu verbringen: Im Bildungshaus Lichtenstern am Ritten kümmerten sich Ärzte, Pfleger und Ernährungstherapeuten um diese Zielgruppe und stellten diesmal nicht die Krankheit in den Mittelpunkt, sondern den Menschen – eine Art „Kurzurlaub“ der besonderen Art. Schulungstipps und praxisnahe Beispiele zu alten und neuen Aspekten der Insulintherapie wechselten sich mit geselligen Stunden ab. „Ich bin überzeugt, dass wir alle etwas voneinander lernen konnten – Patienten wie Fachleute“, brachte es ein teilnehmender Arzt auf den Punkt. (Sabine Fl arer)

( Josef Bernhart )

infos & news

Lehrgang bestanden

Foto Eurac

Foto Maria Elisabeth Rieder

Foto Maria Elisabeth Rieder

Foto Sabine flarer

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www.provinz.bz.it/gesundheitswesen/vorsorge/2564.asp

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(v.l.) Martin Maffei, stellvertretender Primar der Strahlentherapie Bozen, Landesrätin Martha Stocker, Landtagspräsident Roberto Bizzo, Sanitätsdirektor Oswald Mayr, Landesrat Christian Tommasini und Paolo Bonvicini (verdeckt)

IT-Masterplan in Mailand ausgezeichnet

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Am 11. November 2016 fand im „Palazzo della Regione della Lombardia“ in Mailand zum zweiten Mal der internationale Kongress zur Innovation in der Gesundheitsversorgung statt. Vertreter von Politik, Wissenschaftler, IT-Experten und –Firmen, Verantwortliche von Sanitätsbetrieben und Krankenhäusern tauschten sich bei diesem „Forum S@lute 2016“ über aktuelle Entwicklungen und zukünftige Szenarien aus. Mit auf dem Podium war auch der Südtiroler Sanitätsbetrieb, vertreten durch Generaldirektor Thomas Schael.

infos & news

infos & news Peter A . Seebacher

Neuer Linearbeschleuniger Im betrieblichen Dienst für onkologische Strahlentherapie des Gesundheitsbezirkes Bozen mit Sitz in der BonviciniKlinik ist kürzlich einer der drei Linearbeschleuniger durch ein neues, hochmodernes Gerät ersetzt worden. Am 24.10.2016 fand die offizielle Einweihung des Apparats statt. Das neue Gerät ist einer der sichersten Linearbeschleuniger (Linac) weltweit und der erste Elekta Versa HD-Linearbeschleuniger in der Region der drei Venetien. Damit verfügt der onkologische Dienst jetzt über ein weiteres Instrument, das hochpräzise Bestrahlungen fast aller Tumoren ermöglicht - und das bei größtmöglicher Schonung des gesunden Gewebes. Durch die Aufstockung des Personals wird es nun möglich sein, alle Südtiroler Tumorpatienten in Bozen zu behandeln. Nur mehr besondere Fälle müssen in Zukunft an andere Strahlentherapiezentren überwiesen werden. Martin Maffei, stellvertretender Primar der Strahlentherapie Bozen, hob bei seiner Rede vor allem die Entscheidungsfreudigkeit der Generaldirektion und der Direktion des Gesundheitsbezirkes Bozens sowie die gute Zusammenarbeit mit Markus Haller, geschäftsführender Direktor der Medizinischen Strahlenphysik, hervor. Die Investitionskosten für das neue Gerät belaufen sich auf rund zwei Millionen Euro.

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Erfreulicher Höhepunkt für den Südtiroler Sanitätsbetrieb war die Verleihung der Auszeichnung für klinische Innovation für den IT-Masterplan des Betriebes („diploma e targa nella categoria Innovazione nel campo clinico sanitario“). Aus über 100 Einsendungen in sechs verschiedenen Kategorien hat die Jury das Südtiroler Projekt italienweit als eines der drei Siegerprojekte ausgewählt.

Befund online für Blutspender Bei den Blutanalysen, die routinemäßig durchgeführt werden, um die gesetzlich vorgeschriebenen Testungen zu absolvieren, gibt es eine Neuerung. Zuerst im Gesundheitsbezirk Bozen - nach und nach ist eine graduelle Ausweitung auf das restliche Land geplant - stellt der Südtiroler Sanitätsbetrieb diese Ergebnisse allen Blutspendern online zur Verfügung. Unter der Adresse https://refonline.sabes.it können passwortgesichert die letzten Analysen der Blutwerte bereits am Tag nach der Blutspende abgerufen werden. Das heißt: Kein Befundabholen, kein Anstehen, kein umständlicher Weg mehr. Geplant ist, in Zukunft alle Labor- und Radiologie-Befunde - nicht nur jene der Blutspender und Blutspenderinnen – für die jeweiligen Patienten und Patientinnen online zugänglich zu machen. Bis dahin können immerhin rund 19.000 Blutspenderinnen und Blutspender in ganz Südtirol das Angebot nutzen.


Foto Privat

Immer mehr chronisch kranke Menschen, stetig steigende Kosten – nicht nur das Südtiroler Gesundheitssystem hat mit diesen Problemen zu kämpfen.

Das wichtigste Gut des Menschen ist die Gesundheit (obwohl viele von uns sträflich damit umgehen). Die medizinische Versorgung ist deshalb einer der grundlegenden Dienste der öffentlichen Hand, und es ist nachvollziehbar, dass die Politik auch an der Qualität der diesbezüglichen Leistungen gemessen wird. Seit einigen Jahren kracht es aber im Gebälk des Südtiroler Gesundheitsdienstes. Die Bevölkerung hat vielfach den Eindruck, dass das System nicht mehr so gut funktioniert wie früher. Insbesondere die langen Wartezeiten auf Facharztvisiten in den Krankenhäusern und die als unsicher erachtete Zukunft der peripheren Krankenhäuser machen böses Blut. Aber die Probleme haben Ursachen, die nicht auf Knopfdruck behoben werden können. Die sogenannte Sanität wird immer teurer und wenn es nicht gelingt, den kontinuierlichen Kostenanstieg auf inzwischen fast 1,3 Milliarden Euro in den Griff zu bekommen, kann sich selbst ein reiches Land wie Südtirol bald keine hochwertige medizinische Versorgung mehr leisten. Dabei sind die Probleme im Gesundheitsdienst kein Südtiroler Spezifikum. Überall explodierten die Kosten, weil die Menschen immer älter werden und ältere Menschen mehr medizinische Versorgung benötigen, weil in Diagnostik und Therapie immer bessere, aber auch immer teurere Geräte, Methoden und Medikamente eingesetzt werden. Dabei stoßen wir an die Grenzen des finanziell Leistbaren und werden gleichzeitig und parallel mit moralischen Fragen kon-

frontiert: Wann schalten wir Geräte ab? Ist eine Therapie angebracht, die 100.000 Euro kostet, aber das Leben nur um ein paar Monate verlängert? Welcher Güteklasse muss ein künstliches Gelenk sein, das einem alten Menschen eingesetzt wird? Eine offene und ehrliche Gesellschaft muss Antworten darauf geben. Zugleich wird es notwendig sein, die Ärzte wieder das tun zu lassen, was sie gelernt haben und wofür sie bezahlt werden, statt sie mit Bürokratie zu überlasten. Mir ist lieber, es bleibt der eine oder andere Fehler ungesühnt, als dass der Arzt gezwungen wird, jeden Handgriff zu dokumentieren, um sich rechtlich abzusichern, so dass oft wenig Zeit bleibt, auf Patienten einzugehen.

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Ein Kostenschnitt ist unerlässlich

Robert Weißensteiner, Journalist und Buchautor, war bis zu seiner Pensionierung im vergangenen Jahr 30 Jahre lang Chefredakteur der Südtiroler Wirtschaftszeitung.

Gastkommentar

Gastkommentar Robert WeiSSensteiner

Manche Probleme unseres Gesundheitsdienstes sind hausgemacht, weil die Weichen falsch gestellt und so Ineffizienzen verursacht worden sind, die schwer wiegen. Insbesondere – aber nicht nur – die Versäumnisse in der IT und deren südtirolweiter Vernetzung sind haarsträubend. Die Verwaltung muss abgespeckt werden und wir haben im Vergleich zu viele Primarärzte. Als Bürger dieses Landes, der einerseits den Gesundheitsdienst braucht und anderseits (kräftig) Steuern zahlt, erwarte ich mir mutige Reformen und Maßnahmen, die eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherstellen, aber gewährleisten, dass auch noch Geld für andere wichtige Dinge übrig bleibt. Wer bei jedem Gegenwind die Segel streicht, wird das Schiff nie in den Hafen steuern, sondern irgendwann einmal an den Klippen zerschellen.

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Medizin & Pflege

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Das Personal in den Operationssälen ist in Notfallsituationen besonders gefordert. Oft geht es dabei um Leben oder Tod. Da ist es gut, wenn zur Fachkenntnis und Erfahrung umfangreiche Praxis dazukommt. Deshalb bietet die Fachhochschule Claudiana seit diesem Jahr Simulationstage zu anästhesiologischen Notfällen. one-Redakteurin Sabine Flarer war live dabei. Hier ist ihr Bericht.

medizin & Pflebe Sabine Fl arer

Rettet Toni! I

ch gebe es zu: Den Fachleuten im klinischen Bereich über die Schulter gucken, das hat schon etwas. Klar, dass man nicht einfach mal so in den Operationssaal (OP) mitmarschieren darf, gerade deshalb sah ich es als besonderes Privileg an, bei einem Simulationstag dabeisein zu dürfen. Mein Auftrag: beobachten und als „One“-Redakteurin darüber berichten, wie so eine Schulung abläuft. Immerhin ist der OP ein Hochrisikobereich, mit guter Vorbereitung seien aber laut WHO ein Drittel aller Zwischenfälle vermeidbar. Morgens um 9.00 Uhr sind alle noch ein wenig aufgeregt. Immerhin handelt es sich um eine Premiere, denn diese Art der Schulung wird heute zum ersten Mal angeboten. Das Instruktorenteam, bestehend aus den Anästhesisten Matthias Bock (Meran) und Peter Trebo (Bozen) sowie aus dem OP-Pfleger Hannes Pichler (Bozen) hat sich auf die kommenden Stunden gut vorbereitet. Die Gruppe des Anästhesie-Personals (die Schulung richtet sich ausschließlich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in diesem Bereich tätig sind) ist klein, aber fein. Neben Pflegepersonal aus den verschiedenen Bezirken „vertritt“ der Brixner Anästhesist Georg Kehrer seinen Berufsstand. Nach einer Kennenlern-Runde wird der Simulati-

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onsraum unter die Lupe genommen: Alles wurde so realistisch wie möglich hergerichtet, der „Star“ ist jedoch „Toni“. So heißt die 40.000 Euro teure Puppe, mit der man medizinisch so ziemlich alles simulieren kann, was auch einem echten Menschen wiederfahren könnte. Toni kann beatmet werden, sein Brustkorb hebt und senkt sich, Infusionen können gelegt, Spritzen, Drainagen oder Katheter gesetzt werden. Toni wird blau, wenn er unter Sauerstoffmangel leidet, er bekommt Krampfanfälle oder einen verhärteten Bauch. Per Stethoskop können die Herztöne überprüft werden, „echte“ Monitore überwachen Tonis „Vital“-Parameter. Von einem verspiegelten Computerraum aus kann das Instruktorenteam im Hintergrund alle möglichen Komplikationen oder auch Besserungen steuern.: „Wir trainieren hier aber weniger die technischen Fähigkeiten“, unterstreicht Hannes Pichler, „denn naturgemäß können wir mit der Puppe nicht alles machen, sondern wir schulen vielmehr die ‚soft skills‘, das heißt, das richtige Handeln, die Zusammenarbeit als Team. Fehler gehören dazu, Unfälle können wir aber vermeiden.“ Typische Fehlerquellen seien etwa Ablenkung, Unsicherheit, Regelverletzungen aber auch falsche Arbeitsbedingungen oder Teamzusammensetzungen, so Pichler. Im Laufe des Tages werden vier verschiedene Szenarien simuliert, von denen die Probanden vorab keine Ahnung haben. Anästhesist Georg Kehrer, unterstützt von wechselndem Pflegepersonal – der Rest sieht sich vom Nebenraum aus die Szene an -, kommt ins Schwitzen: Liegt der fiktive Patient noch völlig „gesund“ da und am Monitor zeigen sich keinerlei Anzeichen für eine Anomalie, beginnt plötzlich alles zu piepsen. Die Nachricht ist klar: Achtung, etwas stimmt nicht! Bravourös gelingt es dem Facharzt und den Anästhesie-Pflegern, den Grund der Notfälle zu erkennen und sofort gegenzusteuern. Die Instruktoren sind dabei streng: Wird das Problem nach einiger Zeit nicht erkannt, „verschlechtert“ sich die Situation dramatisch. Das Team meistert die Aufgaben nach Vorgabe, obwohl der Stresspegel fast spürbar im Raum den Höhepunkt erreicht. Trotzdem beeindruckt mich als Laie, wie ruhig und geordnet auch in lebensbedrohlichen Fällen gearbeitet wird und ich wünsche mir, dass – sollte ich mal im OP landen – auch dort so kundige und kompetente Hände auf mich warten. Technische Schwierigkeiten werden von den Instruktoren genauso eingebaut wie


verschiedene Ausgangssituationen des Patienten und Komplikationen vor, während oder nach der Operation.

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Am Ende des Tages wird erhoben, wie der Schulungstag von den Teilnehmern empfunden wurde. Dabei zeigt sich, dass alle diesen als sehr wertvoll erlebt haben. Instruktor Matthias Bock, der wie seine Kollegen die Ausbildung zum Anleiter nach einem Kurs der Universität München gemacht hat, ist froh darüber: „Man kann wirklich sehr viel mitnehmen von so einem Tag. Im europäischen Ausland ist es gang und gäbe, solche Simulationen zu besuchen. Das Anästhesie-Personal erhält dafür 10-ECM-Credits, was eine hohe Zahl ist – und dies bei relativ geringem Aufwand. Ich appelliere deshalb an alle Chefs und Chefinnen des Anästhesie-Personals, egal ob von ärztlicher oder pflegerischer Seite: Schicken Sie Ihre Mitarbeiter zu einer solchen Schulung. Sie sind nur einen Tag weg – und der Lerneffekt und nicht zuletzt der fachliche Austausch ist groß.“ Wenngleich das CRM-System eigentlich in der Luftfahrt beheimatet ist und dort bereits seit 30 Jahren eingesetzt wird,

Foto Sabine Flarer

Das ist eine gute Basis, denn Hierarchien oder Ängste sollten außen vor bleiben. Instruktor Peter Trebo lobt dann auch die gute Kommunikation des Teams untereinander: „Sehr gute Anweisungen.“ Damit der jeweilige Notfall, der meist gar nicht so einfach zu meistern ist, auch in Erinnerung bleibt, zeigt das Instruktorenteam jeweils eine kurze Präsentation zu den neuesten Richtlinien in eben diesen Fällen. Ebenfalls spannend dabei: Die unterschiedlichen Erfahrungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den verschiedenen Bezirken. „Wie handhabt ihr das in Innichen?“, „Habt ihr dieses Gerät in Bozen?“ Es scheint, als sei hier nicht nur ein fachlicher und menschlicher Austausch im Wachsen, sondern auch ein Stück weit mehr Verständnis für den anderen.

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ei jeder einzelnen Simulation wird die Zeit gestoppt, das Instruktorenteam notiert sich die Schlüsselsituationen. Nach jeder Übung geht es wieder in den Tagungsraum zurück, wo in lockerer Atmosphäre der soeben gemeisterte Notfall diskutiert wird. Es gibt dabei keine Schulmeisterei, jeder duzt jeden und es herrscht ein offenes und vertrauensvolles Klima.

Geplante Simulationstage zu anästhesiologischen Notfällen 2017

ist allen klar, dass es im Gesundheitswesen einen großen Unterschied gibt: Der Mensch ist keine (berechenbare) Maschine und kann jedes Mal anders reagieren. Doch hier können organisatorische Ansätze greifen: Standards, Checklisten und eben Simulationstrainings, aber auch antizipierendes Denken können helfen, die Patientensicherheit zu erhöhen.

16.03.2017 17.03.2017 08.11.2017 09.11.2017 simulation@claudiana.bz.it Tel. 0471 067206

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ch gehe jedenfalls nach einem solchen Tag mit der Gewissheit nach Hause, dass Südtirols Gesundheitspersonal kompetent ist und ich mich gut aufgehoben fühlen kann. Und behalte mir – auch für meine Arbeit – das am Ende des Übungstages präsentierte Zitat des Basketballstars Michael Jordan in Erinnerung: „Talent wins games, but teamwork und intelligence win championships“ (Talent gewinnt Spiele, aber Teamarbeit und Intelligenz gewinnen Meisterschaften).

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Fehler im Umgang mit Medikamenten? Das passiert mir ja nicht….oder vielleicht doch? Medikationsfehler gehören zu den größten Risiken für Patienten während eines Krankenhausaufenthaltes. Genau deshalb wurde im August 2016 unsere betriebsweite, permanente Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Wir treffen uns regelmäßig und beschäftigen uns mit dem Thema Arzneimittelsicherheit.

internistisches Day Hospital, Krankenhaus Meran; Stefano Cat taneo , Arzt Urologie, Krankenhaus Brixen; R alf Geiger , Primar der Pädiatrie, Krankenhaus Bruneck; Silvia Vet tore , Krankenpflegerin Anästhesie und Intensivmedizin 2, Krankenhaus Bozen

Arzneimittelsicherheit

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Medizin & Pflege K arin Bernardini , Ärztin Zentrales

Die Arbeitsgruppe setzt sich aus Ärzten und Ärztinnen, Krankenpflegern und Krankenpflegerinnen sowie Apothekern und Apothekerinnen zusammen. Unser Ziel ist es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sanitätsbetriebes für das Thema Medikationssicherheit zu sensibilisieren. Eines unserer Ziele ist zum Beispiel die Ausarbeitung von Empfehlungen im Umgang mit Hochrisikomedikamenten oder auch Empfehlungen zur Vermeidung von Verwechslungen der sogenannten „LASA-Medikamente“. Wir sind dabei, eine Intranet-Applikation zu entwickeln, in der unter anderem die verschiedenen Listen der Hochrisikomedikamente und der LASA-Medikamente einsehbar sind. LASA (aus dem Englischen: look-alike/sound-alike) bezeichnet jene Medikamente, die aufgrund einer ähnlichen Verpackung oder eines ähnlichen Handelsnamens leicht verwechselt werden können. Wir möchten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so gut als möglich auf gewisse Besonderheiten und Abläufe aufmerksam machen, um Fehler im Umgang mit Medikamenten zu minimieren. Da die Arbeitsgruppe aus Vertretern unterschiedlicher Berufsgruppen besteht, werden wir mit unterschiedlichen Arbeits- und Ansichtsweisen und verschiedenen Problematiken konfrontiert. Diese Arbeitsgruppe möchte dazu beitragen, eine Fehlerkultur zu fördern, welche die Ursachen analysiert, ohne einen Schuldigen zu suchen. Dies erfordert eine Kultur des Vertrauens und ein hohes Maß an Kooperation von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch von Seiten der Vorgesetzten und des Top-Managements.

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Fehler gehören zum Leben und wir müssen den Tatsachen ins Auge schauen: Menschen machen Fehler, auch dort, wo wir uns eine Nulltoleranz erwarten – unsere oberste Priorität ist es daher, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu diesen Themen ständig zur Reflexion anzuregen.

Statements Als Kinderfacharzt wollte ich mich in diese Arbeitsgruppe einbringen, weil ich schon mehrmals in meinem Berufsumfeld mit den Folgen ungenauer/ unsachgemäßer Medikamentenverabreichung und/oder -verschreibung konfrontiert war. Eine simple Namensverwechslung eines Arzneimittels kann negative Folgen für ein Kind haben. Das darf nicht passieren. In vielen Fällen lassen sich Fehler vermeiden, doch liegen die Gründe für das Versagen oft in ganz unterschiedlichen Bereichen des Medikationsprozesses. Den Prozess der Arzneimittel- und Therapieverabreichung zu verbessern, betrachte ich als sehr sinnvollen Aspekt meiner ärztlichen Tätigkeit. R alf Geiger,

Primar Pädiatrie, Krankenhaus Bruneck

Die Verkettung von Fehlern in der Verschreibung oder Verabreichung eines Medikamentes auf einer Abteilung ist auch auf mangelnden Informationsfluss zwischen den verschiedenen Berufsgruppen betreffend die Therapieeinstellung oder Therapieänderungen des Patienten oder der Patientin zurückzuführen. Die immer knapper werdende Zeit, die jeder oder jede Mitarbeiter oder Mitarbeiterin für die einzelnen Patienten und Patientinnen zur Verfügung hat, kann in einigen Fällen die Gewährleistung einer optimalen

Betreuung und Behandlung der Patienten und Patientinnen erschweren. Stefano Cat taneo,

Arzt Urologie Krankenhaus Brixen Als Krankenpflegerin muss ich des Öfteren Medikamente verabreichen, die zu der Gruppe der Hochrisikomedikamente gehören. In meiner Abteilung haben wir das Thema der Patientensicherheit vertieft und dank der Unterstützung meiner Koordinatorin wurden einige Projekte ins Leben gerufen, welche die Kultur der Patientensicherheit in unserer Abteilung verbreiten sollen. Die Gewissheit, alles Menschenmögliche für die Betreuten gemacht zu haben, erzeugt beim Mitarbeiter Zufriedenheit und Genugtuung. Mein ganz persönlicher Ratschlag zu diesem Thema ist, sich ständig zu hinterfragen: Was verabreiche ich? Weiß ich wieso? Ist die Patientin, der Patient informiert? Verabreiche ich gerade die Therapie der richtigen Patientin oder dem richtigen Patient? Ist die Dosierung korrekt? Beim Eintritt eines kritischen Ereignisses verwandeln sich diese Fragen in: Was hast du verabreicht? Wusste die Patientin, der Patient darüber Bescheid? War es der richtige Patient oder die richtige Patientin? War die Dosierung korrekt? Silvia Vet tore,

Krankenpflegerin, Abteilung Intensivtherapie, Krankenhaus Bozen


„Im Moment wird vieles schlechter gemacht, als es ist“ Nach Stationen in der Schweiz und Österreich hat Christoph Leitner seine Position als leitender Oberarzt an der Universitätsklinik Innsbruck vor Kurzem aufgegeben. Der 37-Jährige Onkologe soll nun in Bruneck das Onkologische Day Hospital auf- und ausbauen.

Die Diagnose Krebs stellt Patienten vor große Herausforderungen. Womit können Sie den Betroffenen Mut machen? Die meisten denken im ersten Moment: Jetzt ist mein Leben vorbei. Dabei können heute etwa zwei Drittel aller Krebspatienten geheilt werden. Aber Krebs wird in der Gesellschaft als „Mörder“ schlechthin wahrgenommen. Natürlich ist die Diagnose eine persönliche Katastrophe, aber sie muss nicht das Ende bedeuten. Gegen viele Krebserkrankungen haben wir heute wirkungsvolle Therapien, die uns ermöglichen, den Patienten zu heilen oder ihm dabei zu helfen, möglichst lange und gut mit der Erkrankung zu leben.

Warum haben Sie sich gerade für das Fach Onkologie entschieden? In keinem anderen Gebiet der Medizin ist in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit so vielen Fortschritten zu rechnen wie in der Onkologie. Das ist für mich als Mediziner eine spannende Herausforderung. Daneben gefällt mir das Interdisziplinäre. Zudem habe ich in meinem Beruf die Möglichkeit, Menschen zu betreuen und zu behandeln, die von einem auf den anderen Tag vor existentiellen Herausforderungen stehen. Für diese Patienten bricht die Welt zusammen, und ich kann versuchen, für sie da zu sein, sie auf dem Weg zu begleiten. Das empfinde ich als Privileg. Fällt es Ihnen schwer, einem Patienten eine negative Diagnose mitzuteilen? Es ist sicherlich immer wieder aufs Neue eine große Herausforderung, einem Patienten zu sagen: Sie haben Krebs. Wichtig dabei ist, ehrlich zu sein und die Prognose zu erklären, also das, was er in der nächsten Zeit zu erwarten hat.

Medizin & Pflege

Näher bei der Familie sein und die Chance ergreifen, auf die er immer gewartet hat. Dies waren die Gründe, die Christoph Leitner zur Rückkehr ins hiesige Gesundheitssystem bewogen. Ein Gespräch über die Diagnose Krebs und das angekratzte Image des Südtiroler Sanitätsbetriebes.

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Medizin & Pflege Verena Duregger

Wird der Umgang mit solch schwierigen Situationen auch in der Ausbildung vermittelt oder sind Mediziner dabei auf sich alleine gestellt? Kommunikationstrainings und Kurse für schwierige Gespräche gehören in der Facharztausbildung in der Schweiz dazu; ob das anderswo auch so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Eine Schulung ist immer etwas Theoretisches, am Ende zählt, was passiert, wenn man einem Menschen gegenübersitzt. Jeder Patient ist anders. Manche brauchen viele Worte, möchten alles wissen, andere wollen lieber schweigen. Gibt es eine Frage, die Ihnen Patienten nach einer Diagnose immer wieder stellen? Was habe ich falsch gemacht? Ich antworte dann, dass es Risikofaktoren gibt, Rauchen zum Beispiel. Ich sage auch, dass die Frage nach der Ursache nicht mehr relevant ist, weil sie meistens nichts an der Situation ändert. Viele wollen auch wissen, ob sie jetzt ihr Leben ändern müssen. Das sollten sie nur dann tun, wenn sie ohnehin vorhatten, etwas an einer Situation zu ändern. So gesehen kann eine schwere Diagnose auch eine Chance sein.

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Im Gegensatz zu früher gibt es heute immer bessere und neue Behandlungsmöglichkeiten. Wie hat sich die Krebstherapie verändert? Abgesehen von stets besser werdenden chirurgischen und radioonkologischen Behandlungsmöglichkeiten und –techniken geht in den letzten Jahren die Entwicklung von der Chemotherapie, die ungezielt im Körper wirkt, zu gezielten Therapien. Seit ein paar Jahren gibt es zudem die Immuntherapie, bei der das menschliche Immunsystem dahingehend gestärkt wird, dass es in der Lage ist, die kranken Zellen anzugreifen. Das klingt natürlich erst einmal toll, aber es ist noch keine Wundertherapie, das heißt, sie wirkt nicht bei jedem. Die Herausforderung für den Onkologen ist, zu verstehen, welche Therapie für welchen Patienten geeignet ist. Dabei geht es längst um eine individuelle Behandlung, die auf den jeweiligen Patienten und seine Krebserkrankung zugeschnitten ist. Das kann auch bedeuten, dass auf eine Therapie bewusst verzichtet wird, weil keine Verbesserung der Lebensqualität mehr zu erwarten ist.

Das Südtiroler Gesundheitssystem kommt mittlerweile seit Jahren nicht aus den schlechten Schlagzeilen. Trotzdem haben Sie Ihre Position als leitender Oberarzt an der hämato-onkologischen Universitätsklinik Innsbruck aufgegeben und den Schritt zurück in die Heimat gewagt. Ist im Ausland wirklich alles besser? Ich glaube, dass vieles im Südtiroler Gesundheitswesen im Moment schlechter gemacht wird als es ist. In meiner beruflichen Laufbahn habe ich das Schweizer und das österreichische Gesundheitssystem näher kennen gelernt. Auch dort ist die Arbeit der Ärzte mehr und mehr durch Bürokratie gekennzeichnet und leider auch oft beschnitten durch die zunehmend notwendigen Sparmaßnahmen. Auch dort gibt es einen Ärztemangel. Wir sind in Südtirol nicht alleine mit den Schwierigkeiten und Herausforderungen. Investiert das Land genug in die Forschung? Nach dem, was ich bisher weiß, glaube ich, dass die klinische Forschung ausgebaut werden muss: Patienten könnten dadurch schneller zu neuartigen Medikamenten kommen. Wir brauchen in Südtirol aber vor allem gute Kliniker, die bereit sind, Aufbauarbeit zu leisten. Diese Bereitschaft muss seitens des Sanitätsbetriebs viel mehr unterstützt werden, als es

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derzeit der Fall ist. Man muss bereit sein, von den Erfahrungen, die engagierte Südtiroler zum Beispiel im Ausland machen, zu lernen und ihr Wissen auch einzusetzen, etwa um veraltete Strukturen und Denkweisen zu erneuern.

Es heißt oft, die Südtiroler, die im Ausland arbeiten, kehren wegen der durchschnittlichen Bezahlung nicht mehr zurück. Stimmen Sie dem zu? Das ist sicher nicht der Hauptgrund. Vielmehr liegt es an der mangelnden Anerkennung für das bisher Geleistete und die schlechten Perspektiven. Dazu kommt die oft fehlende Transparenz und Entscheidungsfreudigkeit. Es ist im Moment einfach schwierig einzuschätzen, in welche Richtung die Entwicklung des Südtiroler Gesundheitssystems durch die Sanitätsreform gehen soll. Diese Unsicherheit lässt viele Ärzte zweifeln, ihre Posten andernorts aufzugeben. Ihnen hat man in Bruneck eine vielversprechende Perspektive geboten. Was sind Ihre Aufgaben? Seit vergangenem November gibt es in Bruneck das Onkologische Day Hospital. Im Unterschied zu früher laufen jetzt alle von den einzelnen Fachabteilungen diagnostizierten Krebserkrankungen hier zusammen. Mit den einzelnen Fachärzten wird für jeden Patienten ein individueller Therapieplan zusammengestellt. Neben dieser krankenhausinternen Zusammenarbeit tauschen wir uns auch über Videokonferenzen, den sogenannten Tumorboards, mit Spezialisten in ganz Südtirol aus. So kann das landesweit gesammelte Fachwissen allen Patienten zuteil werden. Das ist einzigartig, und ich war sehr überrascht, wie gut und effizient die interdisziplinäre, landesweite Zusammenarbeit in Südtirol funktioniert. Der Onkologe sieht sich im Grunde als Koordinator des Behandlungskonzeptes und als direkter Ansprechpartner für den Patienten. Mein Hauptaugenmerk wird darauf liegen, den onkologischen Grundgedanken als solchen weiter aufzubauen. Was heißt das? Wir haben in Südtirol ein riesiges Potenzial. Die Qualität der onkologischen Versorgung kann zweifelsohne dem internationalen Vergleich standhalten, wenn wir uns weiterhin an den Besten orientieren. Man ist sich dessen in Südtirol aber noch viel zu wenig bewusst. Wir müssen noch lernen, die vorhandenen Strukturen besser zu nutzen. Im Osten des Landes


„Wir sind in Südtirol nicht alleine mit den Schwierigkeiten und Herausforderungen.“ Christoph Leitner

hat man in den letzten Monaten mit der Errichtung onkologischer Tageskliniken in Bruneck und Brixen einen ersten wichtigen Schritt getan. Es gibt hier aber im Vergleich zu den Zentren in Meran und Bozen, die schon seit Längerem existieren und wo ausgezeichnete Aufbauarbeit geleistet wurde, natürlich noch einen gewissen Nachholbedarf. Mein primäres Ziel als medizinischer Onkologe ist und bleibt es, eine bestmögliche und persönliche Patientenversorgung anbieten zu können. Daneben möchte ich mich auch aus organisatorischer Sicht in die weitere, für die Bevölkerung sehr wichtige, Entwicklung der Onkologie in Südtirol so gut wie möglich einbringen.

Was hat Sie Ihr Beruf gelehrt? Durch den Beruf habe ich gelernt, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, jeden Tag gesund von der Arbeit nach Hause zu gehen. Ich lebe mein Leben bewusster und weiß es mehr zu schätzen.

sen Jahres wurde eine umfangreiche Kampagne zur Anwerbung von Fachpersonal gestartet – mit sehr guten Resultaten.

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Foto Maria Elisabeth Rieder

Neue Kolleginnen und Kollegen gesucht! Anfang die-

Nun ist es Zeit Bilanz zu ziehen und – für die noch offenen Stellen – die Kampagne fortzuführen. Die Zahlen zeigen: der Sanitätsbetrieb steht als attraktiver Arbeitgeber da. Bis zum heutigen Tag sind über 600 Anfragen eingegangen. Den Wettbewerb für Ärztinnen und Ärzte, der im April/ Mai ausgeschrieben worden war, haben 40 Personen bestanden und eine feste Anstellung erhalten (einige davon waren aber bereits freiberuflich beim Sanitätsbetrieb tätig). Weitere 52 wurden mit Werkverträgen beschäftigt, da sie nicht über die Voraussetzungen für eine Fixanstellung verfügten. 375 Fachleute haben seit dem Frühjahr ihre Curricula abgegeben, die zur Durchsicht und Bewertung den Primaren vorliegen; insgesamt zehn konnten angestellt werden, weitere fünf sollten demnächst zur Vertragsunterzeichnung kommen. Die Anfragen kommen zu 88 Prozent aus Italien, zu 12 Prozent aus Deutschland. Interessierten aus Deutschland fehlt häufig die Facharzttitelanerkennung in Italien, zudem sind in Südtirol im Vergleich zu Deutschland die Verdienstmöglichkeiten geringer. Die Personalanwerbung geht weiter, neue Stellenausschreibungen für medizinisches Fachpersonal wurden www.sabes.it/karriere verauf öffentlicht. Für die Umsetzung des IT-Masterplans werden auch Project Manager gesucht. karriere@sabes.it

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Foto Peter A. Seebacher

Management & Verwaltung Management & Verwaltung Oswald Mayr

Eine neue Welt des Arztberufes Oswald Mayr, scheidender Sanitätsdirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes, über die zukünftige Rolle und Herausforderungen der Ärzteschaft. Von den gesellschaftlichen Veränderungen bleibt auch das Berufsbild des Arztes in seiner Rolle nicht unberührt. Das humanistisch-empathische Weltbild, in das die Ausbildung zum Arzt eingebettet ist, ist im täglichen Berufsleben an kapitalistischen und gewinnorientierten Prinzipien ausgerichtet und entfernt sich damit immer mehr von den Grundsätzen der Ausbildung. Der Arzt oder die Ärztin werden vorwiegend als Dienstleister gesehen. Damit einher geht zunehmend ein Verlust der Wertschätzung des Arztes in der Gesellschaft. Der Entscheidung, den Arztberuf zu ergreifen, liegt oft der Anspruch zugrunde, Menschen helfen und heilen zu wollen.

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Das reicht heute aber nicht mehr aus, um diesen Beruf in seiner Gesamtheit auszufüllen. Heute müssen Ärzte und Ärztinnen Teamplayer und gleichzeitig Gesundheitsmanager mit Fach- und Sozialkompetenz sein. Die Strategie im Gesundheitsbereich orientiert sich verstärkt an Leistungszahlen und Kostensenkung, die von Verwaltung und Management vorgegeben werden. Die ehemals führende Rolle des Arztes geht immer mehr verloren. In das so entstandene Vakuum drängen sich andere Berufsgruppen aus Pflege, Verwaltung und Management. Hinzu kommt noch eine starke Erwartungshaltung des „informierten Patienten“ und ihrer Angehörigen an den Arzt oder die Ärztin. Kommt es jedoch im Verlauf einer Behandlung zu Schadensersatzforderungen, so trifft es doch immer noch den Arzt als Letztverantwortlichen für Diagnostik, Therapie und Rehabilitation und nicht jene, die ärztliche Entscheidungsvorgaben immer stärker beeinflussen und beschneiden. Umbrüche verursachen Widerstände, Ängste, Hilf- und Orientierungslosigkeit bis hin zur Feindseligkeit. Umbrüche eröffnen aber auch ungeahnte Chancen. Und sie sind unvermeidbar. Wissenschaftlicher und technischer Fortschritt sowie neue Organisationsformen, Strukturen und Prozesse und innovatives Management fungieren als Treiber für Veränderungen im Gesundheitssystem. Die wachsende Komplexität des Systems kann nur mehr im Netzwerk und berufsübergreifend bewältigt werden. Das neue Gesundheits-Management darf nicht an kurzfristigen Erfolgen, sondern muss an nachhaltiger Entwicklung der Funktionsund Lebensfähigkeit des Gesundheitssystems interessiert sein. Neues Management fördert partizipative Kommunikation und legt damit den Grundstein für intelligente, kreative und innovative Entwicklungen. Und wer, wenn nicht die Ärzteschaft mit ihrer Sach- und Fachkompetenz, soll diese innovative Entwicklung führend mitgestalten? Deshalb ergeht hiermit ein Weckruf an die Ärzteschaft: Verabschiedet euch von der „alten Welt“, nutzt die Chancen und Möglichkeiten der „neuen Welt“ und bringt euch als Führungspersonen des Gesundheitswesens in allen Bereichen mit konkreten Handlungsempfehlungen und patientengerechten medizinischen Entscheidungen ein!


Management & Verwaltung Luk as R affl

Brücken bauen – Vertrauen schaffen

In einem ersten Treffen im November verständigten sich die Mitglieder der Resonanzgruppe darauf, den Fokus der Tätigkeit auf die sogenannten „weichen“ Faktoren im Betrieb legen zu wollen: Wie steht es im Zusammenhang mit dem Reformprozess um Motivation, Zufriedenheit, Interesse, Engagement? Was brennt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter den Fingernägeln? Wo gibt es Informationsdefizite, wie können diese beseitigt werden? Gibt es Belastungssituationen, die drohen zu eskalieren? Wo und welche konstruktiven Ansätze gibt es, um Verbesserungen durchzuführen? Wie die Gruppe im operativen ihre Arbeit aufnehmen wird, wird Anfang des Jahres diskutiert, festgelegt

und allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen kommuniziert.Die Mitglieder der Resonanzgruppe wurden so ausgewählt, dass möglichst alle Bezirke und Berufsgruppen vertreten sind. Sie stellt keine Konkurrenz zu bestehenden Angeboten dar und hat eine rein beratende Funktion. Letztlich geht es ihr darum, den Reformprozess mit einem wachen und kritischen Auge zu begleiten und darauf zu achten, dass der Faktor Mensch nicht verloren geht. Die Mitglieder der Resonanzgruppe sind: Thomas Schael, Generaldirektor, Anna Elisabeth Hopfgartner, Koordinatorin Rehabilitation, Brixen - Verena Perwanger, Primarin Psychiatrischer Dienst, Meran, Hubert Messner, Primar Neonatologie, Bozen Enrico Wegher, Verwaltungskoordinator Bozen – Lukas Raffl, Abteilungsdirektor Kommunikation.

Management & Verwaltung

Resonanzgruppe – so nennt sich die erste von beiden; sie will eine „Drehscheibe für Informationen“ sein und den Austausch fördern zwischen der Direktion und den Mitarbeitenden, dem Betrieb und den Bezirken und den verschiedenen Berufsgruppen. Gewissermaßen ist sie eine neue informelle Anlaufstelle für das Personal, die zum einen hilft, Informationen zum Reform- und Veränderungsprozess weiterzugeben und Informationsdefizite im Betrieb zu beseitigen, die zum anderen aber der Direktion auch rückmeldet, wie der Veränderungsprozess bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ankommt. Sie soll dem Generaldirektor ein offenes und auch kritisches Feedback geben.

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Veränderungen sind oft mit Unsicherheit, Angst und Frustration verbunden. Häufig ist für die Betroffenen noch nicht klar erkennbar, in welche Richtung die Reise geht. Auch für die Verantwortlichen sind Veränderungen eine große Herausforderung, gilt es doch oft schnell in einer unübersichtlichen Situation die richtige Entscheidung zu treffen. Zwei neue betriebliche Arbeitsgruppen sollen helfen, den komplexen Reformprozess im Südtiroler Sanitätsbetrieb positiv zu gestalten.

Der inhaltliche Fokus der zweiten Arbeitsgruppe ist ein vollkommen anderer: Während die Resonanzgruppe vermitteln hilft zwischen den Erwartungen und Bedürfnissen der verschiedenen Anspruchsgruppen, zielt das sogenannte „Steering Committee“ auf die fachliche Begleitung des Reformprozesses. In Kürze werden über eine öffentliche Ausschreibung nationale und/oder internationale Experten gesucht, die für die Umsetzung im Betrieb hochwertiges Know how bereitstellen und die Verantwortlichen im Betrieb fachlich unterstützen.

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management & verwaltung

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Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?, das ist eine Frage, die sich Menschen oft stellen, ohne eine befriedigende Antwort dafür zu haben. Ganz anders der Südtiroler Sanitätsbetrieb: Ein Dreijahresplan legt nun genau fest, in welche Richtung es bis 2019 gehen soll. Die Strategie zur Umsetzung steht ebenfalls schon.

management & verwaltung Peter A . Seebacher

Der Plan Dieser Dreijahrsplan ist ein absolutes Novum. Zum ersten Mal unterliegen Ziele, Wege und Finanzierung einer mittelfristigen Planung. Am Ende der Umsetzung soll ein nachhaltiges und effizientes Gesundheitssystem für Südtirol entstanden sein. Eine Gesundheitsversorgung, die auch den Anforderungen der Jahre danach standhalten wird. Dieser Weg, da kann man gerne einen Song von Xavier Naidoo zitieren, „wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer.“ Und, so Generaldirektor Thomas Schael, 2017 wird ein Jahr des Umbruchs, aber auch eines der Reflektion, um die Frage beantworten zu können: Wie müssen wir uns aufstellen, um zukunftsfähig zu sein und zu bleiben? Wenngleich darüber noch nachgedacht werden wird – eine strategische Planung des Südtiroler Sanitätsbetriebes für die kommenden drei Jahre gibt es bereits. Diese Planung wurde in fünf große Bereiche

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eingeteilt: Landesgesundheitsplan und Angemessenheit; Informationssystem; Personalentwicklung und Betriebskultur; Ablauforganisation; Support-Dienste. Diese einzelnen Bereiche wurden jeweils in Makro-Ziele und Ziele für das Jahr 2017 aufgeteilt. Wie kommt die mittelfristige Planung und der Weg dahin überhaupt zustande? Am Anfang der Planung steht die Balanced Scorecard (BSC) 2017 als Beschluss der Landesregierung. Darin werden die jährlichen Zielvorgaben für den Südtiroler Sanitätsbetrieb festgelegt. Der Dreijahresplan wiederum ist die vollständige Beschreibung der Schwerpunkte des Südtiroler Sanitätsbetriebes für den Zeitraum von 2017 bis 2019. Das Strategiedokument des Generaldirektors fußt auf den Vorgaben des Entwurfes zum Landesgesundheitsplan und zur Neuordnung des Gesundheitsdienstes und gibt die Strategie des Sanitätsbetriebes zur Umsetzung des Dreijahresplanes für den Zeitraum von 2017 bis 2019 vor. Wieviel Geld zur Verfügung steht, wird in der Dreijahresfinanzierung auf Basis des Strategiedokuments des Generaldirektors von der Landesregierung festgelegt und sichert damit die Finanzierung für den Zeitraum von 2017 bis 2019. Das Jahrestätigkeitsprogramm des Südtiroler Sanitätsbetriebes hingegen beschreibt die Vorgaben des Dreijahresplanes in detaillierter Form für ein Jahr, aktuell für das Jahr 2017 (Ziel, erwartetes Ergebnis, Indikator zur Überprüfung der Zielerreichung). Die Balanced Scorecard der Gesundheitsbezirke beinhaltet die Zielvereinbarung zwischen dem Generaldirektor und den Bezirksdirektoren für das Jahr 2017. Zusätzlich werden von der Betriebsdirektion den Bezirksdirektoren bezirksübergreifende Zielvorschläge übermittelt. Und schließlich definieren die Gesundheitsbezirke aufgrund der Zielvor-


Landesgesundheitsplan in trockenen Tüchern „Sicher. gut. versorgt“: Unter

Dabei dürfte die BSC-Zielerreichung nicht die alleinige treibende Kraft sein, so Generaldirektor Thomas Schael: „Die BSC-Ziele sollten nicht allein unser Handeln bestimmen. Im Grunde muss es darum gehen, den gesamten Betrieb voranbringen zu wollen. Die gesamte Vision ist wichtig. Und dabei sind alle gefordert.“ Auch der Weg hin zur durchdringenden Informatisierung bleibe ohne Alternative, so Schael: „Die Informatisierung des Südtiroler Sanitätsbetriebes ist ein Muss, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Wenn wir es nicht schaffen, dann wird diesen ‚Markt‘ jemand anders übernehmen. Und damit wir es schaffen, ist eine verstärkte Zusammenarbeit aller unumgänglich.“ Genauso alternativlos sei eine umfassende und nachhaltige Personalentwicklung: „Das Wissen und die Kompetenz der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist die wichtigste Ressource für Qualität, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Gesundheitsdienste. Neben der Neugewinnung muss auch die Bindung qualifizierter Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Mittelpunkt der Personalpolitik und Personalentwicklung des Südtiroler Sanitätsbetriebes stehen. Dies muss unser Ziel sein.“ Grundsätzlich sollte mehr in Prozessen gedacht werden und ganz oben auf der Liste der Notwendigkeiten stehe die Entwicklung einer Vision für den gesamten Sanitätsbetrieb: „Wir müssen gemeinsam ausarbeiten, was der Sanitätsbetrieb ei-

planes 2016-2020. In insgesamt 17 Kapiteln ist die Sicherstellung einer flächendeckenden, bedarfsgerechten, abgestimmten und hochwertigen Gesundheitsversorgung mit Blick auf deren langfristige Finanzierbarkeit dargestellt. „Im Mittelpunkt des Plans stehen die Menschen sowie der Schutz und die Verbesserung ihrer Gesundheit“, unterstreicht Stocker.

management & verwaltung

gaben und Zielvorschläge der Abteilungen und Dienste die Zielvereinbarungen mit den Primaren und Primarias, Koordinatoren und Koordinatorinnen, Dienstleitern, Abteilungs- und Amtsdirektoren und -direktorinnen (grafische Darstellung auf der nächsten Doppelseite).

Durch eine strategische Planung und Steuerung soll den Menschen in Südtirol auch für die Zukunft eine sichere, qualitätsvolle, angemessene und nachhaltige gesundheitliche Betreuung garantiert werden – „damit sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort richtig versorgt werden“, erklärte Landesrätin Martha Stocker die Zielsetzungen des Landesgesundheits-

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diesem Motto steht der Landesgesundheitsplan 2016-2020, den die Südtiroler Landesregierung am 29.11.2016 verabschiedet hat.

gentlich ist. Die zu erarbeitende neue Betriebsordnung muss Werte, Vision und Zusammenarbeit definieren und darf nicht nur bloß ein Organigramm sein. Und: Die Betriebsordnung wird nicht in Stein gemeißelt sein, sondern kann überarbeitet und den Erfordernissen angepasst werden. Wir müssen eine Betriebskultur aufbauen, in der sich jeder wiederfindet“, davon ist Generaldirektor Schael überzeugt. In Zukunft dürfe es keinen Zick-Zack-Kurs mehr geben. Die Entwicklung in den verschiedenen Bereichen, so Schael, werde Jahre dauern, aber sie sollte geradlinig und ohne Schlingerkurs vorangetrieben werden. Und, so das Credo des Sabes-Generaldirektors, steinige Wege führen oft zu den schönsten Zielen.

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Strategiebasis & Strategieplan Die vollständige Beschreibung der Schwerpunkte des Südtiroler Sanitätsbetriebes für den Zeitraum von 2017 bis 2019.

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Jahrestätigkeitsprogramm des Südtiroler Sanitätsbetriebes 2017

Dreijahresplan 2017 – 2019

Balanced Scorecard(BSC) 2017

Als Beschluss der Landesregierung. Darin werden die jährlichen Zielvorgaben für den Südtiroler Sanitätsbetrieb festgelegt.

Wird auf Basis des Strategiedokuments des Generaldirektors von der Landesregierung genehmigt und sichert die Finanzierung für den Zeitraum von 2017 bis 2019.

Dreijahresfinanzierung 2017 – 2019

Strategiedokument des Generaldirektors 2017 – 2019

123 Das Dokument fußt auf den Vorgaben des Entwurfes zum Landesgesundheitsplan und zur Neuordnung des Gesundheitsdienstes und gibt die Strategie des Sanitätsbetriebes zur Umsetzung des Dreijahresplanes für den Zeitraum von 2017 bis 2019 vor.

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Beschreibt die Vorgaben des Dreijahresplanes in detaillierter Form für das Jahr 2017 (Ziel, erwartetes Ergebnis, Indikator zur Überprüfung der Zielerreichung)


1. Landesgesundheitsplan & Angemessenheit Durchführung des Landesgesundheitsplanes (LGP) Chronic Care: Strategie- und Umsetzungs papier innerhalb 31.12.2017 Verbesserung des Netzes der Diabetologischen Dienste Maßnahmen zur Verbesserung der Ergebnisse und der Angemessenheit einschließlich Kürzung der Wartelisten Aufbau der Forschungsabteilung innerhalb 31.12.2018

2. Informationssystem Entmaterialisierte Arzneiverschreibung Entmaterialisierte Verschreibung ambulanter Facharztleistungen Informatisierung des Labors Informatisierung der Radiologie Online-Dienste für die Bevölkerung

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3. Personalentwicklung & Betriebskultur Ausarbeitung des Mehrjahresplanes zur Personalentwicklung Vision: Ausarbeitung einer neuen Vision innerhalb 31.08.2017 Rolle der Ärzte: Ausarbeitung einer Betriebsstrategie zur Neuausrichtung der Rolle und Einbindung der Ärzte in die Entscheidungsfindung Vertrauen: Ausarbeitung einer Betriebsstrategie zur Steigerung des Vertrauensverhältnis zur Betriebsdirektion innerhalb 31.08.2017

4. Ablauforganisation Steering Committee für Change Management Ausarbeitung der neuen Betriebsordnung bis 31.12.2017 Beginn der Einsetzung der BPMN-Methode Assessment Modelling der Verwaltungsprozeduren Beginn der Revisionen Aufbau des internen Kontroll-Systems Erfassung des Weiterbildungsbedarfes Aufbau des PPM (Portfolio, Program & Project Management)

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Zielvereinbarungen

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Zielvereinbarungen mit Primaren und Primaria, Koordinatoren und Koordinatorinnen, Dienstleitern, Abteilungs- und Amtsdirektoren und -direktorinnen definieren die Gesundheitsbezirke aufgrund der Zielvorgaben und Zielvorschläge der Abteilungen und Dienste selbst.

Balanced Scorecard der Gesundheitsbezirke 2017

Zielvereinbarung zwischen Generaldirektor und Bezirksdirektoren für das Jahr 2017.

Zusätzlich werden von der Betriebsdirektion den Bezirksdirektoren bezirksübergreifende Zielvorschläge übermittelt.

5. Support Dienste Einheitliche Lagerverwaltung zwischen den GHB Meran und Bozen Verzeichnis für Heilbehelfe Einheitliche Bedarfserhebung Vereinheitlichung der post-akuten Heilbehelfe jener der Zivilinvalidität Steuerungskabine Umstellung auf Mietwäsche

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Titelgeschichte

Die Informatisierung im Gesundheitswesen ist ein Thema, von dem kaum jemand ein vollständiges Bild hat. Jeder von uns bringt Ideen und Vorstellungen mit, die aus Erfahrungen kommen, eigenen oder gehörten, und wir alle tun uns schwer damit, eine ausschließlich positive Zukunft zu entwerfen. Das braucht es aber auch gar nicht. Wieso die digitale Transformation nichts mit Schwarz-Weiß-Malerei zu tun hat.

Titelgeschichte Evelyn Gruber-fischnaller

Dr. Digital one # 04/16

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as das Gesundheitswesen betrifft, gibt es auf dem Weg der Informatisierung viele Schilder, die vorschreiben, die Geschwindigkeit zu drosseln oder die etwa dazu aufrufen, den abfallenden Straßenrand zu berücksichtigen. Das können Sorgen um den Datenschutz sein oder generell die Rechtsprechung. Je nachdem, wer fährt, reagiert er oder sie mehr auf dies oder mehr auf das. Thema Nr. 1, das dabei auf den Gabentisch der Diskussion kommt, sind meistens: die Arbeitsplätze. Die Frage, was die Informatisierung mit unserer Profession macht, sollten wir uns tatsächlich besser heute als morgen stellen. Das Zukunftsinstitut von Matthias Horx hat vor kurzem eine Studie zur Robotisierung der Medizin veröffentlicht: „Der Einsatz von OP-Robotern und intelligenten Service-Maschinen im Gesundheitssektor klingt wie Zu-


Die Spieler in der digitalen Transformation werden versinnbildlicht durch ein Kleeblatt. Es besteht aus Individuen und Gemeinschaften, Unternehmen, Wissenschaft/Forschung und staatlichen Organisationen. Als öffentlicher Gesundheitsdienstleister haben wir – je nach Standpunkt – in jedem der vier Bereiche Gestaltungsmöglichkeit und können sie

unterschiedlich bespielen. Aktuell steht in Südtirol ein Projekt in den Startlöchern, dass sich zwischen den Kleeblättern Individuen und Wissenschaft/Forschung bewegt: das Telemonitoring von Menschen mit Diabetes Mellitus Typ 2. Das Pilotprojekt, das 2017 starten soll, wird erstmals untersuchen, inwiefern die Selbstkontrolle der Betroffenen und die telematische Übermittlung der Werte wie etwa Gewicht und Blutzucker, an die Gesundheitssprengel das allgemeine Wohlbefinden steigert und Krankenhausaufenthalte verringert. Das Projekt wird mit Ärztinnen und Ärzten der Allgemeinmedizin durchgeführt und voraussichtlich mit 300 der aktuell 22.000 Diabetes-Kranken im Lande begonnen. Eine Teilnahme bedeutet für die teilnehmenden Patientinnen und Patienten, dass sie intensiver betreut werden, nicht weniger.

Titelgeschichte

kunftsmusik und wirft heftige ethische Debatten auf – ist jedoch längst selbstverständliche Realität“, schreibt Janine Seitz im Abstract. Da geht es nicht nur um computergesteuerte Operationstechnik, sondern auch um den Einsatz von Robotik in der Pflege, etwa das automatische Umlagern von bettlägrigen Menschen. Spezielle Pflegebetten könnten das vollautomatisch in einstellbaren Zeitintervallen übernehmen. Diese Vorstellung sei weniger gruselig, wenn man sich an die wohltuenden Dienste von Massagestühlen erinnere, merkt die Autorin an. Die Vision, dass durch Maschinen menschliche Arbeit ersetzt wird, mag Bedenken hervorrufen, dennoch: Heise Online berichtet im November, dass durch die Digitalisierung der Wirtschaft unterm Strich kaum Arbeitsplätze wegfallen. Sehr wohl aber werden sich viele Menschen neu orientieren oder das Neue verstärkt integrieren müssen. Gleichzeitig werden ohnehin „von selbst“ neue Berufsbilder entstehen. Bedarf gibt es vor allem an den Schnittstellen zwischen digitaler und realer Welt, auch im Gesundheitswesen. Jobs, die nicht automatisierbar sind, haben hier klaren Vorteil. Darunter fallen all jene, die auf soziale Kompetenzen setzen und Kreativität erfordern. Gerade der psychologische Aspekt bei der Genesung von Krankheiten und beim Erhalt der eigenen Gesundheit dürfte in Zukunft noch stärker in den Fokus rücken. Neue Berufsbilder, die Wissen aus mehreren Bereichen vereinen und integrieren, werden entstehen. Moderne Medizin und Pflege hat auch das Ziel, sich den vielschichtigen Erwartungen und Wünschen der Menschen anzupassen, nicht umgekehrt.

Chronische Erkrankungen nehmen zu. Aktuell sind in Südtirol etwa 22.000 Menschen an Diabetes Mellitus erkrankt, in zehn Jahren werden es um die 30.000 sein. Diabetes mellitus tritt in zwei Hauptformen auf: Diabetes Typ I (8 Prozent der Fälle) ist eine vorwiegend in der Kindheit und Jugend vorkommende Form, die mit Insulin behandelt werden muss. Diabetes Typ 2 (über 90 Prozent der Fälle) bricht allgemein im Erwachsenenalter aus und kann oft durch Diät, körperliche Bewegung oder orale Hypoglykämika unter Kontrolle gehalten werden. Im Jahr 2015 wurden in Südtirol 935 Menschen mit Diabetes Typ I und 20.799 Menschen mit Diabetes Typ 2 betreut (in durchlebten Jahren berechnet), bei einer Prävalenz an der gesamten betreuungsberechtigten Bevölkerung von 0,2 Prozent (Typ I) und 4,1 Prozent (Typ II). Die Prävalenz von Diabetes Mellitus Typ 2 steigt mit zunehmendem Alter an und erreicht Werte von 12,4 Prozent zwischen 65 und 74 Jahren und 16 Prozent ab 75 Jahren. Das Durchschnittsalter der diabetischen Bevölkerung liegt bei 39,1 Jahren (Typ I) versus 69,4 Jahren (Typ II).

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Diabetes

Bis der digitale Arzt kommt: Die Informatisierung der Medizin schreitet unweigerlich voran.

Quelle: Gesundheitsbericht der Epidemiologischen Beobachtungsstelle (2015)

In anderen Ländern ist man bereits einen Schritt weiter und die digitale Arztpraxis ist Realität. In der Schweiz heißt sie Medgate. Medgate verbindet ein Telemedizin-Center mit einem Netzwerk aus Fachleuten, Kliniken und Apotheken. Im Telemedizin-Center sind Beratungen via Telefon, Internet und Video möglich. Der telefonische Patientenempfang nimmt Personalien und Krankheitssymptome auf, mittels App können Bilder gesendet werden, den Behandlungsplan gibt es per E-Mail oder SMS im Anschluss an die medizinische Beratung. Bis zu 5000 Telekonsultationen pro Tag meldet Medgate auf seiner Webseite. Das alles auch im Dienste der öffentlichen Gesundheit: Medgate betreut die Gesundheitshotlines des Bundesamtes für Gesundheit.

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n England nennt sich die Online-Praxis DrEd, ein Hausarzt ohne Wartezeiten, verfügbar rund um die Uhr. Das Angebot von DrEd umfasst ausgesuchte Krankheitsbilder. Ähnlich wie in der Schweiz sind medizinische Beratungen per E-Mail, Telefon oder Video möglich, Rezepte werden ausgestellt und per Post versandt. Gewiss sind die Arztpraxen der

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Ein Monitor für meine Gesundheit

Titelgeschichte

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Telemonitoring von Menschen mit Diabetes Mellitus Typ 2 Die Südtiroler Akademie für allgemeine Medizin (SAKAM) startet im Auftrag des Sanitätsbetriebes eine Studie, um Erfahrungen im Bereich der Telemedizin zu sammeln. 30 Ärztinnen und Ärzten der Allgemeinmedizin und insgesamt 300 Patientinnen und Patienten werden daran beteiligt sein. Dauer: zwei Jahre. Die Studie soll untersuchen, wie sich der Gesundheitszustand der Teilnehmenden entwickelt: jene, die ihre Werte regelmäßig per Telemonitoring übermitteln und jene, die wie bisher die Messungen nur für sich machen. Die Patientinnen und Patienten der ersten Gruppe werden von Sprengelpflegekräften geschult. Sie erhalten für das Telemonitoring eine komplette Ausstattung: eine Waage, ein Blutdruckmessgerät und Streifen für die Messung des Blutzuckerspiegels. Dazu gibt’s noch eine

Art Basis-Station in der Größe eines Faxgerätes, das die Werte mittels Bluetooth sammelt und übermittelt. Der Vorteil liegt auf der Hand: ist ein Wert außerhalb des für die Person festgelegten „Normalen“, wird eine Mitteilung an den zuständigen Sprengel oder direkt an den Hausarzt/die Hausärztin gesandt. Durch einen Anruf kann dann überprüft werden, wie es der Person geht und eventuell notwendige Maßnahmen können schnell eingeleitet werden. Das Telemonitoring ersetzt nicht die regelmäßigen Besprechungen mit dem Hausarzt oder der Hausärztin und eventuelle Standardvisiten. Es soll lediglich den Patientinnen und Patienten dabei helfen, eine bessere Kontrolle ihrer Gesundheit zu erlangen. Eine Ausweitung des Projektes wird nach Abschluss des zweijährigen Pilotprojektes bewertet.

Zukunft nicht ausschließlich online, dennoch aber können Angebote wie DrEd und Medgate ein Baustein im Gesamtbild der Gesundheitsbetreuung sein – und sind es schon. Sie nutzen die modernen Kommunikationstechnologien, um Menschen den Zugang zu medizinischen Leistungen zu ermöglichen: für jene, die aufgrund eingeschränkter Mobilität oder wenig Zeit Schwierigkeiten haben, einen persönlichen Termin wahrnehmen zu können. Die digitale Arzt-Praxis schließt damit auch bestehende Versorgungslücken. Solange gewährleistet wird, dass die Telemedizin-Fachleute ihren Patientinnen und Patienten aufzeigen, wann ein persönlicher Facharzttermin angebracht ist, kann ihr Angebot durchaus entlastend sein für volle Wartezimmer.

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m Bereich der Gesundheitsvorsorge ist die Vermessung des eigenen Gesundheitszustandes schon Realität. Unzählige Apps, Fitness-Tracker und Smartwatches tragen dazu bei, dass immer mehr Menschen am Abend genau wissen, wieviele Kalorien sie aufgenommen und verbrannt und wieviele Höhenmeter sie zurückgelegt haben. Oder sie werden daran erinnert, wann das nächste Workout an-

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steht. Die spielerische Ausrichtung vieler Apps („Herzlichen Glückwunsch, du hast heute 10.000 Schritte zurückgelegt!“) und die bildliche Veranschaulichung von Gesundheitsdaten der Gesundheitstracker schlagen ein neues Kapitel der Selbstmotivation auf – und sind für viele Menschen bereits ein effizientes Helferlein auf dem Weg zu einem gesünderen Lebensstil. Auf der anderen Seite stellt sich natürlich die Frage nach der Datensicherheit. Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) führt aktuell eine Studie durch, die sich „Quantified Self – Schnittstelle zwischen Lifestyle und Medizin“ nennt. Forscherin Ursula Meidert verspricht im Hausmagazin „Vitamin G“, dass die modernen Spielereien aus dem App-Store auch das Gesundheitswesen an sich verändern werden: „Pokémon Go hat die Gesellschaft schon heute zu mehr Bewegung motiviert als alle Gesundheitsförderungskampagnen zusammen.“ Was Informatisierung und Digitalisierung für den Südtiroler Sanitätsbetrieb und konkret die Arbeit der Mediziner/Medizinerinnen bringen könnte, wurde vor Kurzem durch einen Besuch bei IBM Research in Zürich deutlich. Der IT-Pionier IBM hat das Computerprogramm „Watson“ entwickelt. Genau wie Dr. John Watson, der ständige Begleiter des berühmten Privatdetektivs Sherlock Holmes, kann es die Fachleute in Zukunft bei der Aufklärung ihrer Fälle unterstützen. Die Europäische Kommission hat schon 2008 die Gleise gestellt, die Mitgliedsstaaten auf dem Weg in die Telemedizin zu begleiten. Die Informatisierung von Labor und Radiologie, die Möglichkeit der Online-Vormerkung für alle Dienstleistungen und die dematerialisierte Medikamentenverschreibung sind Hausaufgaben, die der Sanitätsbetrieb nun mit absoluter Dringlichkeit zu Ende bringt. Sie sind aber nur der Schritt ins „Heute“ – auch der Weg ins Morgen will geplant und gesteuert werden. Gewiss kann die Telemedizin und generell die Informatisierung nicht als Allheilmittel für lange Wartezeiten oder sonstige unliebsame


Titelgeschichte

Janine Seitz

Begleiterscheinungen der Gesundheitsversorgung gesehen werden. Damit überfrachten wir sie. Sie ist auch kein Garant für qualitativ bessere Dienstleistungen. Sie ist aber ein notwendiger und sinnvoller Schritt aus dem Gestern in das Heute. Denn die Menschen sind uns – den Gesundheitsdienstleistern – schon voraus. Wer den Wandel mitgestalten möchte, ist eingeladen, zumindest kleine Schritte auf dem Weg zu machen. Wir haben viel dazugelernt, auch wo die Grenzen und Schwierigkeiten von digitalem Wandel sind. Dennoch sollten wir als Menschen und Unternehmen die Chancen der Digitalisierung nicht ungenutzt verstreichen lassen – oder nur beobachtend abwarten.

Titelgeschichte

„Der Einsatz von OP-Robotern und intelligenten Service-Maschinen im Gesundheitssektor ist längst selbstverständliche Realität.“

Ich bin Jahrgang 1982 und habe mein erstes Handy mit 19 erhalten. Als ich meine Maturaarbeit schrieb, hatten wir zu Hause noch kein Internet. Ab 2001 studierte ich Kommunikationswissenschaft, von Social Media war da noch keine Rede. In den folgenden Jahren wurden Facebook (2005) und Twitter (2006) geboren. Unterwegs E-Mails checken war erst ab 2007 angesagt, als Smartphones wirklich mainstreamtauglich wurden. Mittlerweile installieren wir Apps, die uns sagen, wo das nächste Restaurant ist und was es dort zu essen gibt, die uns Fitnessübungen zeigen und an Entspannung und Meditation erinnern, die unsere Laufroute und die verbrannten Kalorien aufzeichnen. Ein Drittel der Internetnutzer weltweit benutzt Gesundheits-Apps, so genannte Fitness-Tracker, oder eine Smartwatch. In Deutschland sind es 28 Prozent, in Italien 16 Prozent. Spitzenreiter ist China mit 45 Prozent, gefolgt von Brasilien und den USA (jeweils 29 Prozent). Die Daten wurden von der Gesellschaft für Konsumforschung GsK ermittelt: Dabei wurden im Sommer 2016 über 20.000 Internet-Nutzer und Nutzerinne in 16 Ländern befragt, ob sie derzeit ihre Gesundheit oder Fitness mit einer Online- oder mobilen App, einem Fitness-Armband oder -Clip oder einer Smartwatch kontrollieren (darunter fällt das Überwachen von Ernährung, Gewicht, gesundheitlicher Beschwerden, Schrittzählen sowie anderer sportlicher Betätigung). Die Ergebnisse: In Italien nutzen 14 Prozent der Frauen und 19 Prozent der Männer Gesundheits-Apps, Fitness-Tracker oder eine Smartwatch. Weitere 14 Prozent der Frauen haben in Vergangenheit bereits eines dieser Mittel verwendet, bei den Männern sind es 13 Prozent. Nach Altersgruppen sind insgesamt die 20-29-jährigen die intensivsten Nutzer und Nutzerinnen (aktuell 26 Prozent, in Vergangenheit genutzt 21 Prozent), gefolgt von den 30-39-jährigen (aktuell 23 Prozent, in Vergangenheit genutzt 20 Prozent). Während in Italien 10 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahren Apps nutzen, sind es in Deutschland bereits 30 Prozent. Dort sind auch die 50-59-jährigen mit herausragenden 29 Prozent vertreten. Als Top-Gründe wurden von App-freudigen genannt: die persönliche Kondition erhalten oder steigern, sich selbst motivieren, mehr Energie haben. Und ich, ich lasse mich alle 1,5 Stunden von einer Trink-App mit einem kleinem Pop-Up daran erinnern, ein Glas Wasser zu trinken. Kommen Sie sonst etwa auf 2,5 Liter pro Tag?

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App aufs Laufband

Eine Abordnung des Südtiroler Sanitätsbetriebes, angeführt von Generaldirektor Thomas Schael, informierte sich kürzlich am europäischen Forschungszentrum von IBM in Zürich. (v.l.) Costas Bekas (IBM), Matthias Reumann (IBM), Massimo Mangia (SABES), Manfred Mitterer (SABES), Manfred Rieser (Saratiba), Paul Wessiak (Saratiba), Chiara Marchiori (IBM), Alesandro Curioni (IBM), Thomas Schael (SABES), Luca Armanaschi (SABES) one # 04/16


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die story Lorenz L archer

die story

Seltene Krankheiten werden so genannt, weil – ja, genau – sie nicht oft vorkommen. Selten bedeutet aber nicht niemals. Eine dieser seltenen - und in diesem Fall meist tödlich verlaufenden - Krankheiten bescherte einigen Ärzten und Ärztinnen des Südtiroler Sanitätsbetriebes eine dramatische Zeit. Lorenz Larcher, Leiter des landesweiten Dienstes für plastische Chirurgie in Brixen, schildert die spannungsgeladenen Stunden und Minuten.

Todes - bakterien E

ine 26-jährige Frau aus dem Pustertal hatte sich an einem Sonntag bei einer Wanderung eine Bagatellverletzung am Fuß zugezogen, die sich im Laufe der folgenden Tage akut verschlechterte. Carla Nobile, Primaria der Hautabteilung im Krankenhaus Bruneck, kontaktierte mich und schilderte mir den Zustand der Patientin. Der Anfangsverdacht, dass es sich um eine nekrotisierenden Fasziitis handeln könnte, sollte bald bestätigt werden. Das Krankheitsbild der nekrotisierenden Fasziitis (lat. Fasciitis necroticans) gehört zur Gruppe der potenziell tödlich verlaufenden Erkrankungen in der Plastischen Chirurgie. Dabei handelt es sich um eine sehr dramatische, schnell verlaufende Infektionskrankheit der Unterhaut und Faszien. Die Krankheit wird von Bakterien, genauer gesagt von Streptokokken, ausgelöst. Die Inzidenz der nekrotisierenden Fasziitis liegt bei 0,4-1 pro 100.000 Einwohner, es handelt sich also um eine

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sehr seltene Erkrankung. In über 50 Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung tödlich, gelegentlich kann sie auch in einer Amputation der betroffenen Extremität oder in sehr aufwändigen chirurgischen und rekonstruktiven Maßnahmen enden. Eine nekrotisierende Fasziitis breitet sich sehr schnell über die Muskelfaszien und das umliegende Weichteilgewebe aus und kann nur, wenn überhaupt, durch schnelles und entschlossenes chirurgisches Handeln therapiert werden.

I

m Falle der 26-jährigen Patientin konnte die zuvor kontaktierte Klinik Innsbruck diese zu diesem Zeitpunkt nicht übernehmen. Wir mussten aufgrund des sich zunehmend verschlechternden Allgemeinzustandes der Patientin sofort handeln. Deshalb ließen wir die Patientin nach unserem Gespräch unverzüglich mit dem Landesrettungshubschrauber Pelikan 1 ins Krankenhaus Brixen überstellen. In der Zwischenzeit war bereits ein Ope-


rationssaal und auch ein Platz auf der Intensivstation durch Primar Georg Rammlmair und seiner Abteilung bereitgestellt worden. Ernst Fop, der Notarzt des Hubschraubers, übergab mir die Patientin im Schockraum, wo ich sie erstbegutachtete. Wir sind dann ohne weitere diagnostische Maßnahmen unverzüglich in den Operationssaal gefahren, da alles sehr schnell gehen musste. Die Patientin war zu diesem Zeitpunkt in einem sehr reduziertem Zustand und bereits schlecht ansprechbar, aber die Rettungskette hatte perfekt geklappt.

27 die story

Lorenz L archer

In der Rubrik die Story erzählen Menschen ihre persönliche Geschichte. Sie berichten über ihr Schicksal, ihre Erlebnisse, ihre Begegnungen. Ganz ohne Bilder. Diese sind der Phantasie der Leserinnen und Leser überlassen.

„Das Krankheitsbild der nekrotisierenden Fasziitis (lat. Fasciitis necroticans) gehört zur Gruppe der potenziell tödlich verlaufenden Erkrankungen in der Plastischen Chirurgie.“

D

ie nekrotisierende Fasziitis ist wie gesagt sehr selten. Meist reicht eine kleine Eintrittsstelle durch eine Bagatellverletzung, damit sich die Infektion ausbreiten kann. Dies kann überall am Körper passieren. Die Hauptanzeichen sind starke Schmerzen, Schwellung und Rötung, Fieber und vor allem ein rasches Ausbreiten der Infektion, einhergehend mit schnellem „Untergehen“ des umliegenden Gewebes.

Die Narkoseärzte hatten alle Hände voll zu tun, um die Patientin stabil zu halten, während wir mit der Erst-Operation begannen. Nach der Operation wurde die Patientin von der Intensivstation übernommen. In den folgenden Tagen wurde sie noch mehrere Male operiert. Nach einigen Tagen konnten wir die Patientin auf die Normalstation verlegen, wo wir neben dem täglichen Verbandswechsel auch mit der Sauerstofftherapie in der hyperbaren Kammer in Bozen begannen. Am Ende konnte die Patientin das Krankenhaus geheilt verlassen.

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Klare Daten 30 Upgedatet 31 Vinschger Kunstwerke 31 Bruneck Lachende Gesichter 32 Günther Sitzmann 32 Kreativität fördern 33 Brixen Veranstaltungen 2017 34 Bozen Die Besten 34 Zuhause versorgt 35 Landesfrauenrat von Mecklenburg-Vorpommern 35

Meran

Bruneck Lachende

Bruneck

Gesichter 32 Günther Sitzmann 32 Kreativität fördern 33 Brixen Veranstaltungen 2017 34 Bozen Die Besten 34 Zuhause versorgt 35 Landesfrauenrat von Mecklenburg-Vorpommern 35

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Brixen

Aus den bezirken

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Mer an Brustkrebsscreening 29


MERAN

Primar Anton Wieser ist landesweit für die Neu-Organisation des Brustkrebsscreenings zuständig. Ab Jänner 2017 kündigt Wieser eine bahnbrechende Neuerung an. MERAN Sabine Fl arer

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Neues zum Brustkrebsscreening

Warum wurde diese Änderung ins Auge gefasst? Damit soll die eher niedrige landesweite Teilnahmequote am Screening angehoben und effizienter gemacht werden. Wie hoch ist diese Quote? Derzeit liegt der landesweite Teilnahmeprozentsatz bei niedrigen 55 Prozent bezogen auf das Jahr 2015 bei rund 28.000 erfolgten Einladungen. Um von einem effizienten Screening sprechen zu können, sollte der Prozentsatz aber bei mindestens 70 Prozent liegen. Worauf ist diese Zurückhaltung zurückzuführen? Einerseits spielt die Sensibilisierung der Problematik durch Aufklärungskampagnen eine Rolle, durch diese wird die „breast cancer awareness“ deutlich gesteigert – hier gibt es Nachholbedarf. Die vorgenannte Änderung der Einladungsstrategie wird durch eine landesweite mediale Aufklärungs-und Informationskampagne begleitet werden. Andererseits spielen sicher auch die allgemeine „Strahlenangst“ und die kontroversen Diskussionen um die Wirksamkeit der Mammographie eine Rolle, die zur Verunsicherung führen.

Wie hoch ist die durchschnittliche Heilungsquote, wenn ein Brusttumor frühzeitig erkannt wird? Eine von neun Frauen in Europa erkrankt an Brustkrebs. Bei kleinen Tumoren - und diese zu entdecken ist das eigentliche Screeningziel - liegt die Heilungschance bei 80 Prozent. Es gilt die Formel: Je früher ein Tumor entdeckt wird, umso größer sind die Heilungschancen und umso geringer sind die Aussichten auf eine invasive und belastende oder gar verunstaltende Behandlung.

Aus den Bezirken

Was raten Sie Frauen, die aufgrund ihres Alters noch nicht in das landesweite Vorsorge-Programm eingebunden sind? Wichtig ist die monatliche Selbstabtastung (Autopalpation) unter dem Motto „niemand kennt mich besser als ich selbst“. Frauen zwischen 40 und 50 sollten sich einer regelmäßigen, jährlichen Mammographie unterziehen, weil in dieser Altersphase der Brusttumor besonders aggressiv sein kann. Es ist deshalb zu überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, das Brustscreening auf die Altersstufe ab 40 und nicht erst ab 50 auszudehnen. In mehreren Ländern wurde das bereits eingeführt.

Primar Anton Wieser

Foto Privat

Herr Primar, welche Änderungen kommen ab Jänner 2017 auf die Zielgruppe des landesweiten Mammographie-Screenings, Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, zu? Im Rahmen der Maßnahmen des Südtiroler Landespräventionsplans 2016-2018 ist für 2017 ein Einladungsschreiben mit einem fixen vorgegebenen Mammographie-Untersuchungstermin in Vorbereitung, das heißt, die eingeladenen Frauen bekommen schon einen Termin mitgeteilt. Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt im Gesundheitsbezirks Bruneck, welches später auf die Bezirke Brixen, Bozen und Meran ausgeweitet werden soll. Bisher mussten sich die angeschriebenen Patientinnen selbst um einen Termin kümmern.

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MERAN Sabine Fl arer

MERAN

Klare Daten

Aus den Bezirken

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Bedürfnis- und Qualitätserhebung der Eltern-Kind-Beratungsstellen der Gesundheitssprengel Ober-und Mittelvinschgau sowie Naturns und Umgebung. Die Gesamtzahl der Geburten in den Gesundheitssprengeln Obervinschgau, Mittelvingschgau und Naturns lag im Jahr 2015 bei 472 Kindern, davon kamen 86 Prozent der Eltern mindestens einmal in die Eltern-Kind Beratungsstellen, insgesamt wurden 4.706 Beratungen durchgeführt. Um den gesellschaftlichen Entwicklungen und den damit einhergehenden veränderten Bedürfnissen gerecht zu werden, wurde in der zweiten Jahreshälfte 2015 eine Datenerhebung durchgeführt. Die Daten wurden mittels Fragebogen (Multiple Choice und offene Fragestellungen) anonym in den Beratungsstellen der insgesamt neun Ambulatorien erhoben. Befragt wurden Eltern mit Säuglingen ab dem 4. Lebensmonat, insgesamt kamen 213 Fragebögen zurück.

Ergebnisse Die Eltern wurden größtenteils über das Personal des Krankenhauses (63 Prozent) oder über Mund-zu-Mund-Werbung (38 Prozent) auf das Beratungsangebot aufmerksam. 24 Prozent der Befragten kannten den Dienst aus früherer Erfahrung. Die Beratungsstellen wurden von den Eltern in regelmäßigen Abständen (63 Prozent) oder bei Bedarf (37 Prozent) aufgesucht. 54 Prozent der Eltern bevorzugen festgelegte Öffnungszeiten, 8 Prozent der Befragten wünschen eine Beratung auf Termin und 38 Prozent der Eltern bevorzugen beide Möglichkeiten des Zugangs.

Sanitätsassistenten v.li. Annamaria Kröss, Karla Stecher, Ingrid Stecher, Margot Teissl, Thomas Lechthaler one # 04/16

Rund 97 Prozent der Befragten gaben an, die Beratungsstelle zur Kontrolle von Wachstum und Entwicklung des Kindes auszusuchen. 80 Prozent nutzten das Beratungsangebot betreffend Ernährung des Säuglings und des Kleinkindes und 56 Prozent betreffend Beratung zur Pflege. Die Eltern haben sich mit ihrem Anliegen von den Sanitätsassistentinnen verstanden gefühlt (97 Prozent). 91 Prozent der Eltern waren zufrieden mit den Antworten, die ihnen die Beraterinnen gegeben haben. 99 Prozent der Eltern gaben an, die Beratungsstelle mit einem sichereren Gefühl verlassen zu haben. Eltern schätzen an der Beratung besonders den kostenlosen niederschwelligen Zugang, die konstante professionelle Hilfe vor Ort, die Möglichkeit von telefonischen Beratungen und die Erreichbarkeit bei Bedarf. 40 Prozent der Eltern wünschen sich eine Erweiterung der Öffnungszeiten und etwas mehr wie ein Drittel der Befragten wünschen die Möglichkeit von Hausbesuchen in der ersten Zeit (36 Prozent). Für Thomas Lechthaler ist das Ergebnis motivierend: „Es freut uns, dass die Eltern sehr zufrieden mit dem Dienst sind. Bezugnehmend auf die Verbesserungswünsche zur Erweiterung der Öffnungszeiten wird festgehalten, dass dies vorwiegend zwei Beratungseinrichtungen betrifft. Auch die gewünschten Hausbesuche in den ersten Lebenswochen des Neugeborenen werden bereits laut Standard des Gesundheitsbezirkes Meran angeboten, hier stellt sich künftig die Aufgabe dieses bereits bestehende Angebot den Eltern zu unterbreiten.“


Vinschger Kunstwerke für ein Vinschger Schmuckstück Er ist ein Schmuckstück, ein kleines (oder besser großes) Kunstwerk geworden - der neue Bettentrakt des Schlanderser Krankenhauses. Glänzend und neu steht er nun da und wird voraussichtlich im Februar 2017 offiziell eröffnet. Technisch ist alles vorhanden, auch das Personal bringt Freude an der Arbeit mit ein. Was fehlt, ist ein wenig „Wärme“ an den Wänden – Atmosphäre zum Wohlfühlen. Die Vinschger seien besonders kreativ, heißt es und auch Bezirksdirektorin Irene Pechlaner ist sich sicher, dass unter ihnen einige wahre Hobbykünstlerinnen und -künstler sind. Diesen glücklichen Umstand möchte die Bezirksdirektion nutzen – mit der Aktion „Schenk dem Krankenhaus ein Bild“. Wer glaubt, im Umgang mit Pinsel und Farbe sicher zu sein, der ist herzlich eingeladen, dem Krankenhaus Schlanders sein Werk zukommen zu lassen. Die Arbeitsgruppe freut sich über jedes Bild und wird – falls es aufgehängt wird – auch dazuschreiben, wer der edle Spender ist. Kunstexpertin Ilse Thuile hat sich freundlicherweise bereit erklärt, den Sanitätsbetrieb ehrenamtlich bei dieser Aktion zu beraten und zur Seite zu stehen. Informationen erteilt Valentine Strobl, Tel. 0473 738 416, valentine.strobl@sabes.it Die Bilder müssen bis spätestens 31. Dezember 2016 im Krankenhaus Schlanders abgegeben werden. Sie sind als Schenkung zu betrachten und gehen bei Auswahl in den Besitz des Sanitätsbetriebes über.

Den Beginn machte dabei das Krankenhaus Schlanders – in der Person der beiden Ärzte Stefan Haumer (geschäftsführender Primar der Chirurgie) und Michael Raffl (Orthopädie). Dabei ging es zwei Tage lang um die alles entscheidende Frage, wann Venenleiden und Gelenkstraumen operiert werden sollen. Als Referenten war es Haumer und Raffl gelungen, anerkannte Spezialisten zu gewinnen – so z.B. referierten die Bozner Gefäßchirurgin Juliane Ebner ebenso wie der bekannte Chirurg und Traumatologe der Privatklinik Thun (CH), Dominik Heim, Bernhard Liebhard (Chirurg am Landeskrankenhaus Wolfsberg, A) oder Fabrizio Mariani (Phlebologe aus Siena). Praxisbezogen wurde der Workshop auch durch die Erfahrungswerte von eigenen wie externen Gipsern, Pflegerinnen, Physiotherapeuten und Biomechanikern. Die zweite Fortbildung rückte Meran in den Fokus: Dort hatten Georg Hillebrand und Julia Götsch aus der Abteilung Rehabilitation es geschafft, den bekannten Manualtherapeuten Norbert Dehoust nach Südtirol zu holen. Dehoust ist nicht nur ein Facharzt für manuelle Therapie mit jahrelanger Erfahrung, sondern auch überaus bekannt. In seiner Praxis am bayrischen Ammersee gehen Promis ein und aus – besonders bei Rückenschmerzen, den sog. „low back pain“, hat sich Dehoust einen Namen gemacht. Spitzensportler

MERAN 31

Upgedatet

Aus den Bezirken

„Die Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“ (Pablo Picasso)

Fachpersonal muss regelmäßig geschult werden – das ist jedem klar. Doch manchmal stecken unter den Mitarbeitern selbst auch große Organisationstalente: So fanden jüngst im Gesundheitsbezirk Meran gleich drei verschiedene Fortbildungen statt, die allesamt von Ärzten und Pflegern selbst auf die Beine gestellt wurden.

wie der Golfer Bernhard Langer suchen seine „magischen“ Hände zu jeder Tages- und Nachtzeit auf. Sehr praxisbezogen zeigte Dehoust den interessierten Fach- und Hausärzten, aber auch dem physiotherapeutisch tätigen Personal, die manuellen Behandlungsansätze bei Rückenschmerzen. Der dritte Organisator im Bunde war Andrea Valentinotti, seines Zeichens Pflegekoordinator der Sterilisationszentrale und des OP-Bereiches im Krankenhaus Meran. Valentinotti lud zu einer Fachfortbildung zum Thema „Der Weg von der Sterilisation bis in den OP-Saal“ („Il percorso dalla sterilizzazione alla sala operatoria“). Das Interesse war groß: Rund 150 Personen, auch aus anderen Regionen, folgten der Einladung und informierten sich zu den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den Themen Sterilisation und OP-Saal. So wurden z.B. mögliche Infektionsquellen besprochen, aber auch die Methoden der Niedrig-Temperatur-Sterilisation oder moderne Ansätze für die Aufbewahrung. Im OP-Modul wurden gesetzliche Rahmenbedingungen ebenso diskutiert wie z.B. der „worst case“ – wenn ein Instrument plötzlich fehlt. Valentinotti, bereits ein „alter Hase“ im Organisieren dieser jährlichen Fortbildung, freut sich darüber, dass diese Veranstaltung von Jahr zu Jahr mehr Publikum anlockt: „Ein Zeichen, dass es uns gelingt, Fachwissen praxisnah zu vermitteln.“

Foto Thomas Lechthaler

FotoS KH SCHLANDERS

MERAN Sabine Fl arer

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bruneck Maria Elisabeth Rieder

BRUNECK

Endlich wieder lachende Gesichter

Vor kurzem wurde eine Studie zur Gallenblasenoperation MUSIC publiziert. An dieser weltweiten Multicenterstudie hat Günther Sitzmann – Primar der Chirurgie im Krankenhaus Bruneck – mitgearbeitet. Sitzmann hat die Patienten nach dieser Methode operiert und nachbetreut. Bei der hochrangig publizierten Veröffentlichung geht es um innovative Methoden der Laparoskopie, die in Südtirol in diesem Ausmaß bisher niemand gemacht hat. Konkret wird durch einen 2,5 Zentimeter langen Schnitt im Nabel eine Gallenblasenentfernung vorgenommen und mit den Ergebnissen in vier kleinen Schnitten verglichen. Fazit: kosmetisch bessere Ergebnisse, technisch anspruchsvoller, kein Unterschied im Langzeitergebnis, keine größere Komplikationsrate. (MER) Die gesamte Studie “Multi-port versus single-port cholecystectomy: results of a multi-centre, randomised controlled trial (MUSIC trial)” finden Sie unter link.springer.com/article/10.1007/ s00464-016-5298-7

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An diesem Vormittag waren einfach nur viele lachende Gesichter im 2. Stock des Krankenhauses Innichen zu sehen: Interessierte Bürger und Bürgerinnen, zufriedene Politiker und Politikerinnen sowie ein Team, das sichtlich stolz das bisher Erreichte präsentierte und motiviert ist, die Angebote für die Frauen weiter auszubauen.

Foto Maria Elisabeth Rieder

Primar Günther Sitzmann – Mitarbeit an weltweiter Multicenterstudie

An einem „Vormittag der offenen Tür“ konnte sich die Bevölkerung des Pustertales am 15.10.2016 über das breite Spektrum der Angebote in der frauen. gesundheit pustertal im Krankenhaus Innichen informieren. Und die Angebote können sich sehen lassen, neben der gynäkologisch-geburtshilflichen Versorgung (ohne Geburt), der Mädchen- und Menopause-Sprechstunde gibt es vielfältige Angebote des Hebammenambulatoriums. Dazu noch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) sowie psychologische und ernährungstherapeutische Angebote für die Frau in jeder Lebensphase. Kurz, klar und informativ haben die Mitarbeiterinnen des multiprofessionellen Teams die Angebote präsentiert. Primar Martin Steinkasserer und die Leiterin Sandra Ladstätter bedankten sich bei Landesrätin Martha Stocker, bei Bezirksdirektor Walter Amhof und dem ärztlichen Leiter Thomas Lanthaler für ihre Unterstützung in der nicht einfachen Aufbauphase. Ein Kompliment ging an die Mitarbeiterinnen, die Pflegedienstleiterin Helene Burgmann und an die Mitarbeiterin der Bezirksdirektion, Maria Elisabeth Rieder, für ihr Engagement und den Einsatz bei der Neuorganisation des Dienstes und beim Aufbau und der Umsetzung der neuen Angebote.

Foto Maria Elisabeth Rieder

Aus den Bezirken

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Eineinhalb Jahre nach der Schließung der Geburtshilfe und ein Jahr nach der Eröffnung der frauen.gesundheit pustertal öffnete diese ihre Tore für einen „Vormittag der offenen Tür“

Den Vortrag von Hilarion Petzold (oben) verfolgten viele interessierte Zuschauer und Zuschauerinnen


BRUNECK

Im Rahmen der Tagung „Selbstvertrauen und Kreativität fördern – eine starke Persönlichkeit sein“ stellte der Dienst für Abhängigkeitserkrankungen (DfA) in der Eingangshalle des Krankenhauses Bruneck am 09.11.2016 die Ergebnisse des Pilotprojektes „Integrative Kreativarbeit zur Gesundheitsförderung“ vor.

bruneck Maria Elisabeth Rieder

Primaria Marion von Sölder hatte mit dem Team des Dienstes für Abhängigkeitserkrankungen dieses Pilotprojekt durchgeführt. Monika Rieder, Pflegekoordinatorin im DfA, Suchtberaterin und Beraterin für integrative Kreativarbeit und die Psychologin und Psychotherapeutin Manuela Steinwandter haben die Gruppen geleitet und stellten die Ergebnisse vor. In zehn Modulen wurde mit einer Gruppe von Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Gesundheitsbezirkes Bruneck und einer Gruppe von Patientinnen und Patienten des Dienstes für Abhängigkeitserkrankungen Bruneck in den Bereichen Gesundheitsförderung, Ressourcenaktivierung und Spannungsregulation gearbeitet. „Ziel dieses Projektes war es, Gesundheit und einen gesundheitsbewussten Lebensstil zu fördern, das allgemeine Wohlbefinden zu stärken und die persönliche Entwicklung durch Aktivierung kreativer Prozesse anzuregen. Dabei wurde ein besonderes Augenmerk auf die Integration des Erarbeiteten in den persönlichen Alltag gelegt, um eine langfristige Wirksamkeit zu garantieren, sagt Monika Rieder, die Initiatorin und Leiterin dieses Pilotprojektes.

Die Gruppenteilnehmer und -teilnehmerinnen haben sich vor und nach der Durchführung der Module integrativen und psychologischen Testverfahren unterzogen. Damit konnte ein deutlicher gesundheitsfördernder Effekt nachgewiesen werden. Aufgrund der positiven persönlichen Rückmeldungen ergibt sich die Empfehlung an den Arbeitgeber, die betriebliche Gesundheitsförderung fortzuführen und weitere geeignete Maßnahmen anzubieten. Zusätzlich erforderlich ist dabei die Sensibilisierung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für die Sorge um die eigene psychophysische Gesundheit.

Aus den Bezirken

Seit Jahren bietet der Gesundheitsbezirk Bruneck Angebote zur Unterstützung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, damit diese gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen im Arbeitsalltag bewältigen und dabei gesund bleiben können. „Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung ist es uns als Arbeitgeber ein Anliegen, systematisch gesundheitsförderliche Prozesse zu gestalten und die Gesundheitspotenziale der Beschäftigten zu fördern“, sagte Bezirksdirektor Walter Amhof bei der Eröffnung der Tagung.

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Selbstvertrauen und Kreativität fördern

Hilarion Petzold, europaweit bekannter Begründer des Verfahrens der „integrativen Therapie“, hatte das Pilotprojekt als Supervisor begleitet und kam zur Tagung nach Bruneck. In seinem Vortrag „Persönlichkeitsentwicklung und Kreativität“ rief er die über 70 Anwesenden dazu auf, „neugierig zu bleiben“. Er erklärte den „erweiterten Gesundheitsbegriff“, welcher laut Petzold den seelischen, emotionalen und ökologischen Bereich umfasst. Es geht nicht nur darum, die Gesundheit zu erhalten, sondern „Gesundheit zu genießen, denn Gesundheit ist ein hohes Gut, das man genießen kann.“ Den Unterschied erläutert Prof. Petzold an einem Beispiel: „Oje, oje, ich könnte ja krank werden, deshalb fange ich an zu joggen. Ich kann auch sagen, es ist schön morgens durch den Tau zu traben.“ Der Genuss der Gesundheit steigert die Lebensqualität, führt zu Kreativität und der Einsicht „ich darf mein Leben zu einem Kunstwerk machen.“ Hilarion Petzold betonte, das menschliche Gehirn bleibe, wenn es genutzt werde, bis ins hohe Alter lernfähig. Frei nach dem alten Sprichwort „use it or loose it“ – „gebrauche es oder du verlierst es.“

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Brixen

Freizeitring 2017 Brixen Januar Turnen Frühjahr Schwimmen, Acquabike, Acquagym Wassergymnastik Reha Januar/Februar

Skikurs

17.01 – 28.03

Acqua Gym in Sterzing

Februar/März Winter-Gaudi-Duathlon Winterwanderung

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April/Mai Wanderung 3-Tages Reise (Capri,Ischia, Neapel) Frühlingswanderung Käuterwanderung

April/Mai/Juni Lauftraining

Aus den Bezirken

Anfang Mai Kegelolympiade

Juni Gardasee Schiffsseerundfahrt Juni/Juli

Hochtouren Gardaland oder Canevaworld

August/September Konzert in der Arena von Verona

September Stadtbesichtigung Mantua Herbst-Gaudi-Duathlon Prantneralm Wanderung

September/Oktober 3 Tages Genussreise – Wienerwald Tanzkurs

Oktober Herbstwanderung Aktion Olivenöl Turnen Herbst in Brixen Turnen Herbst-Winter in Sterzing Schwimmen, Acquabike, Acquagym

November Preisspitzen

Stadtbesichtigung

Weihnachtsfeier in Brixen

8. Dezember

Mitte Dezember

Die Besten Die Ärztliche Direktion des Krankenhauses Bozen gewinnt den Preis für das beste Poster. Mitte Oktober 2016 veranstaltete die Nationale Vereinigung der Ärzte der Krankenhausdirektionen (ANMDO) in Zusammenarbeit mit der Europäischen Vereinigung der Krankenhausdirektoren (EAHM) in Bologna einen dreitägigen Kongress zum Thema „Nachhaltige Gesundheitssysteme brauchen Verantwortung und Kompetenz“. In Zeiten, in denen die europäischen Gesundheitssysteme allesamt ähnliche Herausforderungen zu bewältigen haben, bot dieser Kongress eine einmalige Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch von Erfahrungen und erprobtem Fachwissen. Referiert wurde über „heiße“ nationale Themen, wie etwa die neuen Krankenhausstandards (Ministerialdekret Nr. 70/2015), die berufliche Verantwortung des Arztes, die Einführung des neuen Krankenhausentlassungsbogen (KEB) und über rechtsmedizinische Aspekte der klinischen Dokumentation. Außerdem hielt Primar Lucio Lucchin einen Vortrag über die Fehlernährung in der Sanität. Nach einem beeindruckenden musikalischen Rahmenprogramm sprach der Nobelpreisträger Luc Montagnier über die neuen Paradigmen in der Medizin der Zukunft. Der weltbekannte Experte Sir Muir Gray referierte über die Notwendigkeit einer wertebasierten Gesundheitsversorgung (value based healthcare) auf persönlicher, technischer und auf Verteilungsebene. Der Präsident des Istituto Superiore della Sanità, Walter Ricciardi, sprach über Werte und Verantwortung der Berufsgruppen. Äußerst prägnant waren seine Aussagen über die Sichtweisen der verschiedenen Stakeholder im Gesundheitswesen: „Bürger: möchte so wenig wie möglich Steuern zahlen; Patient: möchte am besten behandelt werden; Generaldirektor: muss ein Haushaltsgleichgewicht gewährleisten; Regionalassessor: möchte wiedergewählt werden und Karriere machen; Staatspolitik: muss unter Einhaltung des europäischen Rahmens regieren; Industrie: möchte die Investitionen durch Erträge einbringen und Gewinn machen”.

und Sterzing

Für Rückmeldungen und Anregungen wendet Euch an eines der Ausschussmitglieder: Stefan Kaltenhauser, Judith Tatz, Paula Messner, Renato Baù, Sandra Frigerio, Katja Schwitzer freizeitring.brixen@sabes.it

Weihnachtsfeier

Brixen 15.12.2016 um 18.00 Uhr in der Kapelle des ehemaligen Sanatoriums Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind herzlich dazu eingeladen. one # 04/16

Foto Privat

Sterzing 13.12.2016 um 18.00 Uhr in der Kapelle im 1. Stock

Alpha-1-Antitrypsin Alpha-1-Antitrypsin- oder AAT-Mangel ist eine Erbkrankheit. Menschen mit einem AAT-Mangel haben nur eine geringe Menge des AAT-Proteins in ihrem Blut und erkranken öfter und früher an einer Lungenkrankheit. Die häufigste Lungenkrankheit, an der Menschen mit einem AAT-Mangel erkranken können, ist die Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (oft auch als COPD bezeichnet). Man vermutet, dass bislang nur etwa fünf Prozent der Menschen mit AAT-Mangel diagnostiziert werden. Das bedeutet, dass die meisten Menschen, die an dieser Krankheit leiden, gar nicht wissen, dass sie von medizinischer Hilfe oder von Änderungen ihres Lebenswandels profitieren und damit die Chancen, an einer Lungenkrankheit zu erkranken, vermindern könnten. Eine Diagnose der Krankheit verläuft oftmals sehr schleppend, selbst wenn ein Betroffener mit Symptomen einen Arzt aufsucht. Eine wissenschaftliche Studie ergab, dass ein AAT-Mangel durchschnittlich sieben Jahre nach Auftreten der ersten Symptome diagnostiziert wird. Besteht erst einmal die Erkrankung, meist ein frühzeitiges Lungenemphysem, ist die Behandlung aufwändig, lebenslang und kostspielig. Sie besteht aus der Infusion von der fehlenden Substanz, eben das A1AT, in wöchentlichen Abständen.

Ausführlich wurde auch auf die Frage der Ethik in der Medizin eingegangen. Dulcis in fundo: Das Poster der Ärztlichen Direktion des Krankenhauses Bozen mit dem Titel „Das zentralisierte interdisziplinäre OBI am Krankenhaus Bozen: ein unerschlossenes Potenzial?“ wurde als bestes Poster mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Die Leitung des Gesundheitsbezirks Bozen gratuliert den Autoren Elisabeth Montel, Rosanna Loss, Damiano Berti, Sara Cutti und Flavio Girardi recht herzlich und wünschen ihnen weiterhin viel Erfolg!


Zuhause versorgt „Seit einem Jahr, seit bei mir das Emphysem durch AAT-Mangel diagnostiziert wurde, bestanden die Voraussetzungen, mit einer Susbstitutionstherapie behandelt zu werden“, erzählt ein junger Patient aus dem Grödental, der an einem schwerem Lungenemphysem Folge des AAT-Mangels - leidet, und der kürzlich die Substitutionstherapie zuhause begonnen hat. „Leider war es mir aus beruflichen Gründen nicht möglich, einmal wöchentlich ins Krankenhaus nach Bozen zu fahren, um mir die Infusionen verabreichen zu lassen. Deshalb konnte ich nicht mit der für mich notwendigen Therapie beginnen. Heute sind wir zu zweit, die eine Verabreichung zuhause erhalten. Für uns beide ist das eine große Erleichterung.“ In der Tat, erklärt die behandelnde Ärztin Christine Seebacher, gibt es in Südtirol schon seit geraumer Zeit das Problem der intravenösen Verabreichung der Substitutionstherapie, die im Krankenhauses als Referenzzentrum durchgeführt wird. Leider müssen dafür die Patienten und Patientinnen oft große Entfernungen bewältigen. Das gilt vor allem für Patienten aus entlegenen Ortschaften. Die Distanzen sowie die Wetterbedingungen im Winter sind für einige Patienten unüberwindbare Hindernisse auf dem Weg zur Verabreichung im Krankenhaus. Auf diese Weise wird den Betroffenen die derzeit einzige Behandlung vorenthalten. Schon seit fast zwei Jahren arbeiten wir am Projekt

der “Heimtherapie”, die in den Leitlinien vorgesehen ist. Zuvor mussten noch klinische Probleme sowie verwaltungstechnische Hindernisse bewältigt werden. Dank der Bereitschaft der Hausärzte, die sich als allererste zur Verfügung stellten, das Medikament in ihren Ambulatorien zu verabreichen sowie durch die Mitarbeit der Krankenhausapotheke, welche die notwendigen Medikamente und Material zur Infusion an die Sprengel liefert, konnten im September 2016 zwei Patienten mit der “Heimtherapie” in Gröden beginnen. Obwohl es keine echte „Heimtherapie” ist, weil die Patienten die intravenöse Verabreichung im Ambulatorium des jeweiligen Vertrauensarztes erhalten, betrachten wir diesen Schritt trotzdem als großen Erfolg. Wir hoffen, dass das Beispiel Schule macht, denn wir sind überzeugt , dass mit dem Willen und dem Engagement aller die Subsitutionstherapie zuhause möglich und durchführbar ist. Dank gebührt in erster Linie den Allgemeinmedizinern R. Insam und V. Tröbinger, der Abteilung Pneumologie des Krankenhauses Bozen, P. Conci, Ärztlicher Leiter des Territoriums Bezirk Bozen, den Apothekern der Krankenhausapotheke, dem Pneumologischen Dienst, den Koordinatoren des Sprengels Gröden und allen an der Realisierung des Projektes Beteiligten.

bozen

Am 15. November 2016 waren Vertreterinnen des Landesfrauenrates aus Mecklenburg-Vorpommern zu Besuch im Krankenhaus Bozen. Im Rahmen des Projektes „Zeit im Zentrum“, ein Projekt des Landesfrauenrates Mecklenburg-Vorpommern, kamen sie nach Bozen, um sich in öffentlichen und privaten Firmen und Organisationen zum Thema „Zeitpolitik“ zu informieren. In diesem vom ESF geförderten Projekt untersuchen sie zeitrelevante Themen, mit dem Fokus der Geschlechtergerechtigkeit und Vereinbarkeit. Im Krankenhaus Bozen wollten sie sich Inputs über Arbeitszeitgestaltung und Turnusarbeit holen. Interessiert waren sie auch an der Umsetzung des Audits familieundberuf und „frauenfreundliches Krankenhaus“ (Bollini rosa - Onda). Der koordinierende Pflegedienstleiter der Gesundheitsbezirkes Bozen Konrad Tratter berichtete über die verschiedenen Formen der Teilzeitarbeit, über die Turnusdienste und über die individuellen Arbeitsverträge der MitarbeiterInnen im Gesundheitsbezirk Bozen.

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Bozen Christine Seebacher, Pneumologische Funktionsproben, Krankenhaus Bozen

Der Landesfrauenrat von MecklenburgVorpommern zu Besuch

Aus den Bezirken

Alpha-1-Antitrypsin (AAT-Mangel) ist eine Erbkrankheit. Besteht erst einmal die Erkrankung, muss wöchentlich eine Infusion verabreicht werden. Wenn das zuhause geschehen kann, ist das für die Betroffenen eine große Erleichterung. Das entsprechende Projekt des Ambulatoriums für Patienten mit Alfa-1-Antitrypsin-Defizit (Pneumomologie) in Bozen nennt sich „Heimtherapie“.

Alessandra Bonometti erklärte das Konzept der „frauenfreundlichen Krankenhäuser“ und berichtete über die Veranstaltungen für die Frauen, die in diesem Rahmen im Krankenhaus Bozen umgesetzt wurden (Open Week zur Frauengesundheit und Open Day zur psychischen Gesundheit der Frau). Gemeinsam mit Maria Elisabeth Rieder berichtete sie auch über die Umsetzung des Maßnahmenplans Audit familieundberuf im Südtiroler Sanitätsbetrieb. Rieder stellte zudem das Angebot der frauen.gesundheit pustertal im Krankenhaus Innichen vor. Wenke Brüdgam bedankte sich am Ende des Nachmittags für die gute Betreuung und meinte: „Wir haben hier viel Neues und Interessantes gehört und nehmen von hier viele Ideen und Tipps für die Praxis mit.“ (Alessandr a Bonomet ti, Maria Elisabeth Rieder)

Alessandra Bonometti, Maria Elisabeth Rieder mit der Frauendelegation aus Mecklenburg-Vorpommern

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Astrid Perathoner, Physiotherapeutin am Krankenhaus Meran, ist vielen noch als Profi-Triathletin bekannt. Diesen Sport hat sie schon seit einiger Zeit an den Nagel gehängt, ebenso ihre Profikarriere bei der Polizeisportgruppe. Lediglich zur „Freude an der Bewegung“, wie sie es nennt, joggt sie heute „ein wenig“. Das Wenige brachte ihr beim New-York-Marathon Anfang November 2016 den unglaublichen 267. Platz von 50.000 bei einer Zeit von 3 Stunden und 17 Minuten ein.

Vita Sabine Fl arer

New-YorkMarathon „Na ja, eigentlich wollte ich noch besser sein, denn ich war gut in Form – meine Erwartung war es, eine Zeit von 3 Stunden und 10 Minuten zu erreichen, aber New York ist halt ein schwieriges Pflaster“, stapelt Perathoner tief. Überhaupt ist es weniger die Sucht nach einer guten Platzierung als vielmehr das Ziel, das die 43-jährige Boznerin anpeilt: „Ich will auch in meinem Ruhestand noch fit genug für eine Gipfeltour sein. Da ich recht ‚faul‘ bin, brauche ich ein Ziel, um mich zum Training zu motivieren. Wenn ich einen Marathonlauf anstrebe, habe ich ein gutes Argument, um nicht nachlässig zu werden.“ Momentan tue sie nicht mehr viel, außer ein paar Mal die Woche schwimmen und auf den Berg zu gehen, doch so ein Marathon einmal jährlich, verbunden mit einer Städtereise – das schwebt Perathoner auch in Zukunft als Motivation vor, um den inneren Schweinehund zu bekämpfen.

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en Sport selbst sieht Perathoner heute ambivalent. Zum einen erlebt sie gerade in ihrer Tätigkeit als Physiotherapeutin mit Patientinnen und Patienten immer wieder, wie wichtig Bewegung ist – „jeder hat es zu einem Großteil selbst in der Hand, wie er alt wird“ -, aber dem heutigen Leistungssport kann sie wenig Gutes abgewinnen. „Gerade junge Leute können heutzutage fast nicht mehr Sport nur zum Spaß machen. Immer muss man sich ständig

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messen, an Wettkämpfen teilnehmen, Medaillen erringen. Für manche mag das gut sein – doch für jene, die nicht so talentiert sind, ist dieser Leistungsdruck schlimm. Wo bleibt hier der Spaß? Sport sollte Freude machen, etwas fürs Leben bringen – und nicht schon im Kindes- und Jugendalter in einer Selektion enden.“ Dies war auch mit ein Grund, wieso Perathoner ihre erfolgreiche Karriere als Profisportlerin an den Nagel hängte: „Es hat mir nicht mehr gefallen. Dauernd Machtkämpfe, Intrigen, Druck – das war nicht mehr meines. Von wegen ‚Sport verbindet‘, die Rivalität ist enorm.“ Dabei hatte alles vielversprechend angefangen. Als junges Mädchen in ihrer Heimatstadt Bozen trainierte Perathoner wie viele im Schwimmverein. Dabei lernte sie während des Trainings einige Triathleten kennen, die sie zu dieser – damals noch Randsportart – brachten. Im Nu wurde Perathoner in die Nationalmannschaft aufgenommen und mit 18 Jahren musste sie mit ihren Lehrern im Realgymnasium kämpfen, damit diese die Physik-Nachprüfung so legten, dass sie an den Wettkämpfen teilnehmen konnte. Nach der Reifeprüfung tingelte die junge Athletin durch die Welt und war auf allen Kontinenten zu finden, den wohl größten Erfolg verzeichnete sie in Stockholm, als sie den achten Platz bei der Europameisterschafft schaffte.


Mit einem Lächeln ins Ziel: Astrid Perathoner beim New-YorkMarathon 2016

Ein weiteres Jahr begleitete Perathoner die italienische Ski-Nationalmannschaft der Damen, doch da fühlte sie sich fachlich unterfordert – man sei eine Art gering bezahltes „Mädchen für alles“, maximal eingesetzt für Massagen. Lustig sei diese Zeit gewesen, das schon – „aber man lernt nix.“ Deshalb war Perathoner froh, als sie 2002 wieder als Physiotherapeutin im Gesundheitsbezirk Meran arbeiten konnte, zuerst im Sprengel Lana, nunmehr seit vielen Jahren im Krankenhaus Meran.

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Foto Privat

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och anders als viele Profisportler wusste Perathoner bald, dass sie sich auch einen „Plan B“ zulegen wollte: „Im Sport gibt es immer Phasen, in denen nix weitergeht. Da braucht es einfach mehrere Wege, die man sich offen halten kann.“ Deshalb absolvierte sie parallel zu ihrer Profitätigkeit die Ausbildung als Physiotherapeutin und schloss diese 1996 ab. Training und Lernen – wie konnte sie das unter einen Hut bringen? „Je weniger Zeit man hat, desto mehr bringt man unter“, fasst Perathoner diesen Lebensabschnitt zusammen, gibt jedoch zu, dass dies eine intensive Periode war. Als sie von ärztlicher Seite damals – bis heute hat sich dies als nicht zutreffend herausgestellt – prophezeit bekam, dass sie Probleme mit der Hüfte bekommen würde, war sie froh, dass ihr die Entscheidung abgenommen wurde und sie verabschiedete sich vom Profisport. Intensiv ging es auch nach ihrer Ausbildung weiter: Es folgte eine Weltreise, danach ein kurzes Intermezzo als Ersatzphysiotherapeutin, um daraufhin für ein halbes Jahr als Entwicklungshelferin in das Grenzgebiet zwischen Thailand und Burma zu gehen: „Dort gab es viele Minenopfer und Amputierte.“ Doch die Entwicklungshilfe selbst, so wie sie in den meisten Teilen der Welt heute betrieben wird, sieht sie kritisch: „Es ist in vielen Fällen eine moderne Art von Kolonialismus. Wir entmündigen diese Menschen, indem wir alles für sie machen, ihnen unsere Denk- und Unterrichtsmethoden aufzwingen. Wozu sollen sie sich anstrengen, es aus eigener Kraft zu schaffen, wenn alles geboten wird? Die ‚erste‘ Welt macht es sich leicht und hat so die sogenannte ‚dritte‘ Welt immer unter Kontrolle“, glaubt Perathoner.

„Es hat mir nicht mehr gefallen. Dauernd Machtkämpfe, Intrigen, Druck – das war nicht mehr meines. Von wegen ‚Sport verbindet‘, die Rivalität ist enorm.“ Astrid Per athoner

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angsam versöhnte sich Perathoner in diesen Jahren mit dem Leistungssport und begann auch wieder zu trainieren. Es folgten Ironman-Wettbewerbe, die sie nun als Amateurin bestritt, aber mit Erfolgen, die vor Neid erblassen lassen: „In Nizza habe ich den dritten Platz erreicht, durfte aber nicht aufs Podest, weil das den Profis vorbehalten war“, erzählt sie. Heute kann sie darüber lachen. Doch Triathlon begann sie bald nicht mehr zu interessieren, denn es sei schwierig, alle Sportarten zu trainieren und zudem ginge bei den meisten Triathleten das Training schon fast ins Pathologische: „Die sind süchtig, wie ich es auch war. Heute laufe ich nur mehr für meine Fitness, Laufen kann ich immer und überall.“ Und wie man sieht noch immer mit großem Erfolg.

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Infografik

In der Online-Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK wurden mehr als 22.000 Internetnutzer ab 15 Jahren in 17 Ländern befragt. (pas)

Gedächtnis 50%

Mobilität 48% Selbständigkeit 41%

Augen 33%

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Energie 36%

Foto Peter A. Seebacher

Abschied für Oswald Mayr Personalia

„Lang leben will halt alles, aber alt werden will kein Mensch“, wusste schon der bekannte Wiener Dramatiker Johann Nestroy (1801 – 1862). Diese Einstellung scheint sich im Laufe der Jahrhunderte nicht geändert zu haben, wie eine aktuelle Umfrage in 17 Ländern weltweit bestätigt. Die Hauptfrage lautete: Vor welchen körperlichen Beschwerden fürchten Sie sich am ehesten, jetzt oder im Zuge des Älterwerdens? Laut dieser Studie hat jeder zweite Italiener Angst vor dem Verlust geistiger Fitness und des Gedächtnisses. An zweiter Stelle der Befürchtungen steht der körperliche Verfall, sprich die Angst, die Gehfähigkeit und damit die körperliche Mobilität zu verlieren. Sorgen bereitet den Italienern und Italienerinnen auch die Tatsache, dass sie irgendwann nicht mehr fähig sein könnten, für sich selbst zu sorgen und auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Ganz ähnliche Ängste hegen die Bewohner aller mitteleuropäischen Länder. Bei Russinnen und Russen hingegen steht eine ganz andere Befürchtung ganz oben: Gewicht zuzulegen.

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Angst vor Beschwerden

Der 28.10.2016 war für den langjährigen Sanitätsdirektor Oswald Mayr der letzte Arbeitstag. Damit ging ein Pionier des Südtiroler Gesundheitswesens in Ruhestand, den Mayr offiziell mit Ende des Jahres antreten wird. Im Rahmen einer kleinen Abschiedsfeier in der Generaldirektion des Südtiroler Sanitätsbetriebes gab es von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als kleines Abschiedsgeschenk für den passionierten Wanderer und Naturfreund einen Rucksack, gefüllt mit allerlei Köstlichkeiten. „Möge dir dieser Rucksack leichter auf der Schulter liegen, als die Verantwortung der vergangenen zehn Jahre“, so Generaldirektor Thomas Schael in seiner kurzen Rede. „Ich danke dir im Namen der gesamten Belegschaft des Südtiroler Sanitätsbetriebes für das von dir Geleistete.“ Mit seinem Schlusssatz: „Wir werden uns auch in Zukunft um dich kümmern“(als Sanitätsbetrieb um die Gesundheit, A.d.R.), hatte der Generaldirektor dann die Lacher auf seiner Seite. Landeshauptmann Arno Kompatscher überbrachte via eingespieltem Video seine Wünsche und hob besonders die gelebte Menschlichkeit von Oswald Mayr hervor. Schließlich tauchten als Überraschungsgäste auch noch Gesundheitslandesrätin Martha Stocker sowie Ressortdirektor Michael Mayr auf. In einer kurzen, aber bewegenden Rede bedankte sich die Landesrätin für die gute Zusammenarbeit: „Oswald Mayr war für mich ein wichtiger Partner in allen Fragen zur Gesundheitsreform und –versorgung, der mir mit seiner großen Erfahrung und seinem profunden Wissen immer wieder hilfreich zur Seite stand“, so Stocker.

Mayr ist ausgebildeter Intensivmediziner und kennt das Südtiroler Gesundheitswesen von der Pike auf. Bereits Anfang der 80er-Jahre war der gebürtige Rittner am Krankenhaus Innichen als „Tirocinante“ und Ausbildungsarzt tätig. Später folgten Stationen am Universitätsklinikum Charlottenburg und am Klinikum Steglitz. Zuerst als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Freien Universität Berlin, später als Oberarzt und als verantwortlicher Oberarzt für Intensivmedizin. Anfang der 90er-Jahre kehrte Oswald Mayr als verantwortlicher Oberarzt für die Intensivmedizin an der Abteilung „Dienst für Anästhesie und Intensivmedizin“ am Krankenhaus Bozen nach Südtirol zurück. Im Jahr 2000 wurde Mayr zuerst zum beauftragten und anschließend zum Primar der Abteilung „Anästhesie und Intensivmedizin mit Schwerpunkt Intensivmedizin“ ernannt. Später bekleidete er die Funktion des Direktors des funktionellen Departments für die Akut- und Notfallmedizin im Krankenhaus Bozen und anschließend jene des Sanitätsdirektors des Sanitätsbetriebes Bozen. 2007 wechselte er dann an die Spitze der Sanitätsdirektion des neu geschaffenen Südtiroler Sanitätsbetriebes. Oswald Mayr war am 1. Jänner 2007 zum ersten Sanitätsdirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes berufen worden.


Gesundheit im netz Peter A. Seebacher

Der gebürtige Wiener Michael Häfner hat am 2. November 2016 seine Stelle als Primar der Gastroenterologie im Krankenhaus Bozen angetreten. Michael Häfner hat in den vergangenen sieben Jahren die Interne Abteilung mit Schwerpunkt Gastroenterologie und Hepatologie am Krankenhaus St. Elisabeth in Wien geleitet. Sein Medizinstudium absolvierte Häfner an den Universitäten Wien und Perugia mit Abschluss 1995. Im Jahre 2002 erfolgte dann die Anerkennung zum Facharzt für Innere Medizin mit Ausrichtungen Kardiologie, Hämato-Onkologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Infektiologie. Seinen Facharzttitel im Bereich Gastroenterologie und Hepatologie erlangte Häfner 2005. Seine berufliche Laufbahn begann Michael Häfner 1994 am Allgemeinen Krankenaus in Wien. Zuerst als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung für Innere Medizin und dann ab 1996 als Assistenzarzt und anschließend ab dem Jahre 2005 als Facharzt für Gastroenterologie und Hepatologie. Mehrere Auslandsaufenthalte führten Michael Häfner nach Kuala Lumpur (Malaysia) an das „Prince Court Medical Centre“. In den Jahren 2005 bis 2007 half Häfner dort als „Senior Clinical Specialist“ beim Aufbau der Endoskopie-Einheit sowie der Telemedizin-Dienste mit. Seit 2015 bietet Michael Häfner Beratungen an der „S.C. Endoscopia Digestiva“ des Institutes Veneto in Padua an, seit 2014 ist er Gastprofessor an der Medizinischen Universität Wien (im Rahmen der Anerkennung als Lehrabteilung für die Ausbildung von Fachärzten). Häfner ist Mitglied der italienischen „Vereinigung für Krankheiten des Verdauungstraktes“ und Ehrenmitglied der gastroenterologischen Vereinigung Südafrikas. Neben seiner Muttersprache spricht Michael Häfner fließend Italienisch, Englisch und Französisch und kann sich auch auf Spanisch und Portugiesisch unterhalten.

So hat etwa das italienische Gesundheitsministerium bereits im vergangenen Jahr zum zweiten Mal unter dem Namen „Schenken wir uns Gesundheit“ einen 40-seitigen Folder herausgegeben, der mit weihnachtlichen Ernährungs- und Gesundheitstipps sowie Rezepten und Spieleratschlägen für Kinder vollgestopft ist. Tipps, die auch nach einem Jahr nach Erscheinen noch gültig sind. Die Regierung der zur englischen Krone gehörenden autonomen Isle of Man hatte bei der Formulierung ihres Ratgebers eher die psychische Gesundheit der weihnachtsgeplagten Menschen im Blick. „Zehn Möglichkeiten, wie Sie Ihre psychische Gesundheit über Weihnachten pflegen können“ (10 Ways to Look After Your Mental Health at Christmas) ist der Titel des Faltblattes. Der erste Tipp: Sprich darüber, wenn es dir nicht gut geht. Auch wenn alle anderen fröhlich-weihnachtlich wirken. Und: Suche rechtzeitig Hilfe, denn: „Niemand von uns ist ein Übermensch“. Wie wahr.

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Neuer Primar der Gastroenterologie im Krankenhaus Bozen

So schön die Weihnachts- und Vorweihnachtszeit auch sein kann – gesund ist sie nicht. Die Wochen und Tage rund um Weihnachten sind gezeichnet von üppigem Essen, übermäßigem Alkoholkonsum - und oft auch Einsamkeit und bohrenden Gedanken. Gesund ist das alles nicht, weder für Körper noch für den Geist, deshalb hat so manche Gesundheitsinstitution einen Ratgeber online gestellt, in dem eine ganze Reihe von Tipps enthalten sind, wie die Weihnachtszeit gesünder überstanden werden kann.

gesundheit im netz

Foto Anna Rauchenberger

Gesunde Weihnachten

Auch das US-Gesundheitsdepartment hat zehn Gesundheits- und Sicherheitstipps parat und geht dabei auf spezielle Unfallrisiken während der Weihnachtszeit ein. Die Gefahr brennender Kerzen oder offener Feuer sind nicht zu unterschätzen. Ein Thema haben all die genannten Internetseiten gemeinsam: Gesundes Essen, auch zu Weihnachten. Die Seite Gesundheit.de befasst sich in einem Artikel ausführlich damit. Eines sei hier schon verraten: Glühwein ist für den Kalorienhaushalt nicht besonders ratsam. Aber das wussten Sie wahrscheinlich schon.

„Schenken wir uns Gesundheit“ Ministerium für Gesundheit, Italien (nur in Italienisch)

online

10 Ways to Look After Your Mental Health at Christmas (Official Isle of Man Government Website; Englisch)

online

Holiday Health and Safety Tips (U.S. Department of Health and Human Services; Englisch)

online

Gesund essen an Weihnachten (Gesundheit.de; Betreiber: Alliance Healthcare Deutschland AG, in Deutsch)

online

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Homepage: www.sabes.it Erstvisiten vormerken (Dermatologie, Kardiologie, HNO und Urologie): www.sabes.it/onlinevormerkung Wo sind Leistungen am schnellsten verfügbar?: www.sabes.it/vormerkzeiten Stellenangebote, Neuigkeiten zu Behandlungsmethoden, Vormerkungsmodalitäten, Dienste in Ambulatorien/Abteilungen: www.sabes.it/news Praktische Tipps zur Gesundheit: www.sabes.it/gesundheitsvorsorge Diese Ausgabe digital und online: Südtiroler Sanitätsbetrieb online

www.issuu.com/sabesasdaa

Redaktion one: one@sabes.it Redaktion Gesundheitsbezirk Brixen: Marina.Cattoi@sabes.it Redaktion Gesundheitsbezirk Bozen: Ulrike.Kalser@sabes.it Redaktion Gesundheitsbezirk Meran: Sabine.Flarer@sabes.it Redaktion Gesundheitsbezirk Bruneck: MariaElisabeth.Rieder@sabes.it

Kontak t

Impressum one – das Magazin des Südtiroler Sanitätsbetriebes Ausgabe 4 /2016 (Aut. Pres.Trib. BZ Nr. 17/2002 R.ST.17.09.02) HERAUSGEBER: Sanitätsbetrieb der Autonomen Provinz Bozen, Sparkassenstr. 4, 39100 Bozen VERANTWORTLICHER DIREKTOR: Lukas Raffl KOORDINATION: Peter A. Seebacher REDAKTION: Evelyn Gruber-Fischnaller (EGF) , Ulrike Kalser (UK ) , Maria Elisabeth Rieder (MER) , Marina Cattoi (MC) , Sabine Flarer (SF) , Lukas Raffl (LR) , Peter A. Seebacher (PAS) ÜBERSETZUNGEN: Tatiana De Bonis, Emanuela Covi, Ulrike Kalser, Peter A. Seebacher, Martin Karbon, Evelyn Gruber-Fischnaller, Sabine Flarer GRAFIK: Gruppe Gut Gestaltung OHG, Kapuzinergasse 8/15, 39100 Bozen ERSCHEINUNGSWEISE: vierteljährlich REDAKTIONSADRESSE: Abteilung für Kommunikation, Marketing und Bürgeranliegen, Sparkassenstraße 2, 39100 Bozen TEL: +39 0471 907138 E-MAIL: one@sabes. it WEB: www.sabes.it DRUCK: Tezzele by Esperia, c/o CoWorking Bolzano, Marie-Curie-Str. 17, 39100 Bozen

one 4/2016 DEU  

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