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Die Zukunft des Hausarztes 4 Infos&News Grippeschutzimpfung 6 Family First 7 Up & Down 8 Einfach magisch 10 Medizin & Pflege Pädiatrische Schmerztherapie 12 Danke 13 Management & verwaltung Stärken und unterstützen 14 Wohlbefinden am Arbeitsplatz 15 Demokratisierung des medizinischen Wissens 17 Offen für die Zukunft 18 Kick – off 18 Am Lenker 19 Überblick Projekte20 Titelgeschichte Das große Kochen 22 Aus den Bezirken Mer an Valentinsgeschenk 29 Die Blumenfreunde 30 Gesunde Beißerchen 30 Ein neues Haus, ein neuer Mensch 31 Bruneck Fast Track 32 Gestärkt für einen gemeinsamen Alltag 33 Brixen Neue Koordinatorin 34 Fit im Notfall? 35 Bozen UpToDate 36 Achte auf deine Gesundheit 37 Gesundheit im Netz Laufbücher – ganz umsonst 37 personalia 38 infografik 40 DT

Editorial 3 Leitartikel

SABES in Wien

8 kommentar 9 vita

Kontak t & impressum 40

karl messner

„Immer wieder passiert es, dass mir Patienten oder Patientinnen über das Essen Komplimente machen.“

Titelgeschichte Seite 22

18.04.2017 # 0 1 / 1 7

Da s M ag a zin des Südtiroler Sanität sbe triebes


Foto Südtiroler Sanitätsbetrieb

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Lukas Raffl, Leiter der Abteilung Kommunikation, Marketing und Bürgeranliegen (links), sowie SABES-Recruiter Tiziano Garbin (rechts) konnten sich beim Gesundheitskongress des Westens in Köln (13.-14. März 2017) über prominenten Besuch freuen: Der bekannte Gesundheits-Comedian Eckard von Hirschhausen schaute kurz am SABES-Recruiting-Stand vorbei.

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Eine Menükarte der besonderen Art finden Sie auf den Seiten 20 und 21. Anhand eines übersichtlichen Schaubildes sind dort die wichtigsten Projekte des Südtiroler Sanitätsbetriebes aufgelistet, die bereits angelaufen sind oder in Kürze anlaufen werden. Was das Steering Commitee ist und wer in diesem „Lenkungsausschuss“ vertreten ist, darüber wird auf Seite 19 ausführlich eingegangen.

Editorial

Allesamt Fragen, denen die Redaktion in dieser Nummer nachgegangen ist. Die Titelgeschichte handelt diesmal von den Menschen, die nicht unwesentlich zur Patientengenesung sowie der Stimmung in der Belegschaft beitragen: den Köchen und Köchinnen sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Küchen der Südtiroler Krankenhäuser. Täglich für bis zu Tausend Menschen zu kochen erfordert Organisation und Zusammenspiel aller Rädchen, die dazugehören. Ein ganzes Team von Redakteurinnen und Redakteuren haben in den sieben Krankenhausküchen des Sanitätsbetriebes recherchiert. Ihren Bericht können Sie sich ab Seite 22 schmecken lassen.

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Wer steckt dahinter! könnte das Motto dieser Ausgabe sein. Wer sorgt eigentlich dafür, dass in den Krankenhäusern täglich das Essen auf den Tisch kommt? Wer oder was ist das „Steering Commitee“?

Schmerz muss nicht immer mit Medikamenten unterbunden werden, es gibt auch eine Reihe anderer Methoden, die unter der Bezeichnung „nicht-pharmakologische Maßnahmen“ (NFM) zusammengefasst werden. Cristina Neri, Daniela Spicca, Grazia Molinaro und Karmen Soelva haben darüber einen Fachartikel verfasst, den wir ab Seite 12 abdrucken. Wie immer finden Sie auch in diesem Heft wieder eine Vielzahl von Berichten und Meldungen aus den vier Gesundheitsbezirken. Diesmal zu lesen ab Seite 28 Für die zahlreichen Personalia-Meldungen, die sich in den vergangenen drei Monaten angestaut hatten, mussten wir eine gesamte Doppelseite frei räumen. Ab Seite 38 Die dort üblicherweise sich befindende Infografik haben wir deshalb diesmal auf die Rückseite „gezaubert“. Apropos: Was sich so mancher von uns wünscht, wenn sich die Arbeit stapelt, Christoph Alber kann es: Zaubern! Zu lesen ab Seite 10

Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre!

Peter A. Seebacher

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Wie ein Mantra wiederholen Gesundheitspolitiker und Verwalter nördlich und südlich des Brenners, aber auch in unserem Lande, dass die Versorgung vor Ort, also dort wo die Patienten und deren Angehörige leben, verbessert und verstärkt werden soll. So ist es auch im neuen Landesgesundheitsplan als Schwerpunkt festgeschrieben.

Leitartikel

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Leitartikel Luk as R affl

Die Zukunft des Hausarztes F

reilich, dieses Ziel hakt derzeit noch an einem zentralen Punkt: es fehlen uns künftig die Ärzte, nicht nur im Krankenhaus, sondern noch mehr auf dem Land. Die Schwierigkeit, Hausärzte zu finden, ist dabei viel drückender als jene bezogen auf die Spitalsärzte. Wir wissen alle, dass das kein südtirolspezifisches und erst recht kein hausgemachtes Problem ist. Die Zahlen belegen es eindeutig. So schlug vor kurzem die Gewerkschaft der Allgemeinmediziner FIMMG auf der Grundlage von Zahlen der Pensionsversicherungsanstalt ENPAM Alarm. Innerhalb 2023 werden in Italien rund 21.700 Allgemeinmediziner in Pension gehen; bis dahin - schätzt man beim ENPAM - dürften rund 16.000 Hausärzte in Italien fehlen. Aktuell beläuft sich nämlich die Differenz zwischen der Zahl jener, die jährlich die Ausbildung zum Allgemeinmediziner wählen und jener, die in Pension gehen, auf rund 2.000. Bleiben die durchschnittlichen Patientenzahlen pro Allgemeinmediziner in Italien unverändert (also bei zirka 1.200), so wird im Jahr 2023 einer oder eine von drei Italienern oder Italienerinnen über keinen Hausarzt mehr verfügen. In Deutschland scheint zwar mittlerweile die Talsohle erreicht, so zumindest der Befund einiger Gesundheitsstrategen; dennoch geht auch dort die Anzahl der Allgemeinmediziner kontinuierlich zurück: Nach

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Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung arbeiteten 2015 in Deutschland etwas mehr als 48.000 Hausärzte, zehn Jahre früher, im Jahr 2005, gab es noch 53.000 Hausärzte. Somit ist die Anzahl der Hausärzte in zehn Jahren um fast zehn Prozent zurückgegangen. Noch eklatanter ist die Entwicklung bei jenen, die die Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin wählen: Im Jahr 2015 legten etwas mehr als 12.000 Ärzte ihre Facharztprüfung ab, darunter nur 1.337 Fachärzte für Allgemeinmedizin beziehungsweise Innere und Allgemeinmedizin. Der Anteil jener Mediziner, die die Allgemeinmedizinausbildung wählen, beträgt heute nicht einmal mehr 11 Prozent. Früher belief sich dieser Anteil auf über 40 Prozent. Was kann getan werden, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten? Zum einen muss die Ausbildung verstärkt an den Erfordernissen der allgemeinmedizinischen Betreuung ausgerichtet werden. Der soeben verabschiedete „Medizinstudium Masterplan 2020“ in Deutschland macht vor, wie dies gehen könnte: Mit dem Ziel, die Lehre stärker an die Praxis heranzuführen, sollen beispielsweise künftig allgemeinmedizinische Inhalte möglichst ab dem ersten Semester über das gesamte Studium hinweg vermittelt werden. Im Staatsexamen wird auch Allgemeinmedizin geprüft. Gefordert wird zudem eine solidere Bezahlung, die den Allgemeinmedizinern ein ordentliches Auskommen ermöglicht.


Es gibt also Modelle, die dem drohenden Hausärztemangel entgegenwirken. Auch in Südtirol wurden in den laufenden Kollektivverhandlungen Unterstützungsmaßnahmen in beachtlicher Höhe vorgesehen, die auch Starthilfen für Jungärzte enthalten. Bereits vor einigen Jahren wurden zudem Maßnahmen explizit zur Förderung von jungen Allgemeinmedizinern beschlossen.

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Foto peter a. seebacher

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ehr umstritten ist die sogenannte „Landarztquote“, die ebenfalls im Masterplan 2020 vorgesehen ist. Die Länder können diese als Anreiz für eine Niederlassung im ländlichen Raum einführen. Das heißt, es können bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze vorab an Bewerberinnen und Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, nach Abschluss des Studiums und der fachärztlichen Weiterbildung in der Allgemeinmedizin für bis zu zehn Jahre in der hausärztlichen Versorgung in unterversorgten beziehungsweise durch Unterversorgung bedrohten ländlichen Regionen tätig zu sein. Hinzu kommen gezielte finanzielle Anreize, die Kassenärztliche Vereinigungen über Strukturfonds zur Niederlassung im ländlichen Raum setzen. Parallel dazu greifen Bemühungen, die Rolle des Allgemeinmediziners insgesamt aufzuwerten, beispielsweise durch die so genannte hausarztzentrierte Versorgung: Dabei vereinbaren Krankenkassen Bonus-Zahlungen an jene Bürger, die sich verpflichten, einen Facharzt erst dann aufsuchen, nachdem sie vorher sich von einem Allgemeinmediziner untersuchen haben lassen.

Reicht dies aus? Wohl kaum. Allzu stark sind die Veränderungen in Medizin und Technik und vor allem die Entwicklungen in der Bevölkerung. Die „Babyboomer“ erreichen langsam aber sicher das Rentenalter. Die älteren Menschen werden immer mehr, und die Nachfrage nach ärztlicher Leistung steigt. Das heißt es, es wird künftig komplett neue Betreuungsmodelle geben müssen; die Rolle des Arztes wird sich ändern, und gleichzeitig wird darüber diskutiert werden müssen, welche Tätigkeiten, die derzeit noch vom Arzt ausgeführt werden, an andere Gesundheitsberufe delegiert oder weitergegeben werden können. Die im Landesgesundheitsplan vorgesehene Familienkrankenpflege denkt genau in diese Richtung. Allgemeinmediziner werden sich auch stärker vernetzen, vom Einzelkämpfer zum Teamplayer werden, in Gemeinschaftspraxen oder gar medizinischen Versorgungszentren arbeiten, in denen Haus- und Fachärzte gemeinsam und in enger Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen ein hochwertiges Angebot erbringen.

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leichzeitig wird es aber auch nicht ohne Digitalisierung gehen, auch wenn manch einer den eHealth- und mobile-Health-Möglichkeiten noch skeptisch entgegenblickt. Dass dieses Zeitalter unwiderruflich anbricht, belegt jedoch eine Nachricht dieser Tage, wiederum aus Deutschland: dort ist ab 1. April die „Online-Videosprechstunde“ kassengängig, das heißt, die Krankenkassen bezahlen den Ärzten die Leistung der „Televisite“. Sie ist streng normiert und die zum Einsatz kommenden Systeme müssen besondere Sicherheits- und Anonymisierungsauflagen erfüllen. Die Meldung zeigt aber auch, dass auf kurz oder lang die Telemedizin Eingang in unseren Alltag finden wird, insbesondere in strukturschwachen, unterversorgten Gebieten.

„Was kann getan werden, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten? Zum einen muss die Ausbildung verstärkt an den Erfordernissen der allgemeinmedizinischen Betreuung ausgerichtet werden.“ Luk as R affl

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infos & news

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Die Erhöhung der Impfrate war auch in der Wintersaison 2016/17 ein erklärtes Ziel des Sanitätsbetriebes. Neben der Bevölkerung über 65 Jahre waren in dieser Saison auch Menschen mit chronischen Erkrankungen sowie das Gesundheitspersonal besonders zur Impfung aufgerufen. Vor allem Letzteres hat eine besondere Verantwortung gegenüber den Patientinnen und Patienten.

infos & news Evelyn Gruber-Fischnaller, Peter A . Seebacher

Grippeschutzimpfung – Bilanz und Umfrageergebnisse

Insgesamt wurden in der letzten Saison über 48.000 Impfdosen an alle Altersgruppen geimpft, das entspricht einem Zuwachs von rund 3000 Impfdosen. Im Vergleich zur vorigen Saison wurde eine leichte Erhöhung des Prozentsatzes der Durchimpfungsrate bei der Bevölkerung ≥65 Jahre erreicht: von 37,2 Prozent auf 37,9 Prozent (+0,7 Prozent). Wichtig dabei: die Gruppe von Menschen ≥65 Jahre hat in diesem Zeitraum um 1.462 Personen zugenommen– gab es 2015 99.814 Personen ≥65, so sind es 2016 schon 101.276. Bei den chronisch Kranken zwischen 18 und 64 Jahren wurde ein Zuwachs von 16,16 Prozent erreicht (ein Plus von 756 Personen). Eigens zur Grippeimpfung aufgefordert wurden auch wieder die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Südtiroler Sanitätsbetriebes. Diese Personengruppe hat viele Kontakte mit anderen Menschen, ist dem Virus stärker als andere ausgesetzt und kann diesen auch leichter an bereits geschwächte Personen weitergeben. Die gute Nachricht: Beim Gesundheitspersonal konnte eine Steigerung der Impfrate von 24,6 Prozent erreicht werden; was einen

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Zuwachs von 211 Personen entspricht. Insgesamt haben sich 1.070 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Südtiroler Sanitätsbetriebes gegen Grippe impfen lassen. Im Südtiroler Sanitätsbetrieb wurde auch eine Online-Umfrage zum Impfverhalten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchgeführt – mit interessanten Ergebnissen: Insgesamt haben 4.091 von rund 9.600 Angestellten an der Umfrage teilgenommen, davon 62,5 Prozent sanitäres nicht– ärztliches Personal, 20,1 Prozent administratives Personal, 12,6 Prozent Ärztinnen und Ärzte, 4,8 Prozent leitendes nicht– ärztliches Personal. Die Impfbereitschaft in den einzelnen Berufsgruppen unterscheidet sich deutlich. 33,7 Prozent der teilnehmenden Ärzte und Ärztinnen gaben an, sich in der Grippesaison 2015/16 geimpft zu haben. Mit klarem Abstand gefolgt vom Verwaltungspersonal (10,9 Prozent) und dem leitenden nicht–ärztlichen Personal (9,4 Prozent). Die geringste Impfbereitschaft zeigt das


Die Hauptmotive, weshalb sich das Personal für die Impfung in der Saison 2015/16 entschieden hat, waren für alle Berufsgruppen gemeinsam die folgenden: Um nicht selbst zu erkranken, die Krankheit nicht auf Familie und Bevölkerung zu übertragen, nicht Patienten anzustecken. Das Hauptmotiv für eine Entscheidung dagegen war für alle Berufsgruppen gleich: Weil ich der Meinung bin, keine Person mit einem erhöhten Infektionsrisiko und möglichen Komplikationen zu sein.

Und wie könnte die Impfrate beim Gesundheitspersonal erhöht werden? Basisfortbildungen zur Influenza und zum Grippeimpfstoff, sagen alle Berufsgruppen. Die Angestellten im administrativen Bereich meinten, die Einfühurng einer obligatorischen Impfung wäre am effektivsten und Ärzte und Ärztinnen sind der Meinung, dass eine Erhöhung des Angebotes mit flexibleren Öffnungszeiten der Impfambulatorien sowie mehrere Impftermine zu einer Erhöhung der Impfrate beitragen würde.

Foto fotolia

Der Großteil führt an, keine Informationsquellen zur Grippe und Impfstoff zu konsultieren. Die, die sich informieren, nannten am häufigsten das vom Sanitätsbetrieb bereitgestellte Infomaterial, gefolgt von Massenmedien und wissenschaftlichen Publikationen. Die Informationsquellen unterscheiden sich nur geringfügig bei den einzelnen Berufsgruppen. Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informieren sich nicht. Ärzte und Ärztinnen sowie leitendes nicht–ärztliches Personal nützen etwas häufiger wissenschaftlich basierte Information, wissenschaftliche Daten, Homepages der CDC, WHO - als die anderen Berufsgruppen.

Der neue bereichsübergreifende Kollektivvertrag hat nicht nur eine Lohnerhöhung gebracht, sondern auch Verbesserungen für Mütter und Väter mit Kindern unter zwölf Jahren.

infos & news

sanitäre nicht–ärztliche Personal, immerhin die größte Berufsgruppe im Sanitätsbetrieb mit 7,1 Prozent (Pflegebereich).

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Family first

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können Elternzeiten und Wartestände jetzt bis zum 12. Lebensjahr des Kindes in Anspruch nehmen. Wartestand und Freistellung aus Erziehungsgründen gelten laut neuem Vertrag auch für die zeitbegrenzte Anvertrauung.

Foto Evelyn Gruber-Fischnaller

Außerdem können nun im Krankheitsfalle die 60 Tage für die Krankheit des Kindes nicht mehr nur bis zum 8. sondern bis zum 12. Lebensjahr des Kindes in Anspruch genommen werden. Gleiches gilt für die Begleitung des Kindes zu Untersuchungen und Therapien. (PAS)

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Informations-Fest Up&Down

Vertraten den Südtiroler Sanitätsbetrieb beim Österreichischen Gesundheitskongress in Wien: Thomas Schael, Evelyn Gruber-Fischnaller, Tiziano Garbin (v.l).

infos & news

Im Jahr 2008 wurde die Arbeitsgruppe „Up&Down“ gegründet, welche Vertreter des Psychiatrischen Sanitätsdienstes, der territorialen Sozialdienste, der Landesabteilung Soziales, der Vereine, der Sozialgenossenschaften und des sozialen Ehrenamts vereint. Die Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, durch Sensibilisierung und Information zum Thema „Psychische Gesundheit“ präventiv tätig zu sein und die Eingliederung der Menschen mit psychischen Störungen in die Gesellschaft zu fördern. Zu diesem Anlass wird die Bevölkerung eingeladen, im Laufe jener Woche an musikalischen und sportlichen Aktivitäten sowie an Vorträgen zum Thema teilzunehmen. Die Veranstaltung beziehungsweise das Fest wird im Stadtteil Firmian stattfinden. Angeboten werden: - Informationsstände mit der Präsentation von Projekten, Workshops und Austausch zu bestimmten Themen; - Unterhaltung durch musikalische und artistische Performances; - Sportveranstaltungen – Gastronomie-Stände. Das Event stellt eine konkrete Möglichkeit dar, um sich Wissen anzueignen und Beziehungen zu fördern. Die sozialen Kontakte und die zwischenmenschlichen Beziehungen spielen nämlich, neben der fachärztlichen Unterstützung, eine wesentliche Rolle in der Behandlung und der Prävention der psychischen Störungen.

Foto Alexander Alber

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Auch dieses Jahr möchte die Stadt Bozen den Tag der psychischen Gesundheit mit einer Reihe von Initiativen und Sensibilisierungsveranstaltungen feiern, die in der Woche vom 10. bis 15. Oktober 2017 stattfinden werden.

infos & news Peter A . Seebacher

SABES in Wien Der Österreichische Gesundheitswirtschaftskongress ist der Treffpunkt für Vertreter von Krankenanstalten, Service-Dienstleistern, Forschungsinstitutionen und Wirtschaftsunternehmen. Für den Südtiroler Sanitätsbetrieb eine gute Gelegenheit, um sich zu präsentieren.

Die Organisationsgruppe „Up & Down“

Kontakte: stefania.tardio@sabes.it Tel.: 0471 435949 lidia.andreazza@sabes.it Tel.: 0471 446234

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SABES-Generaldirektor Thomas Schael war der Einladung aus Wien gefolgt und sprach als Fachreferent auf dem 9. Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongress, der am 15. März über die Bühne ging. In seinem Vortrag zur Gesundheitsreform in Südtirol und den Ausbau der wohnortnahen Versorgung zeigte er auf, was in Südtirol im Bereich der wohnortnahen Betreuung geplant ist, um den epidemiologischen und demografischen Veränderungen gerecht zu werden.

Mit nach Wien gekommen waren auch SABES-Recruiting-Officer Tiziano Garbin und die Mitarbeiterin der Abteilung für Kommunikation, Marketing und Bürgeranliegen, Evelyn Gruber-Fischnaller, welche die Gelegenheit nutzten, um die Kongressteilnehmer und –teilnehmerinnen über den Südtiroler Sanitätsbetrieb und die sich dort bietenden Arbeitsmöglichkeiten zu informieren.


kommentar peter a . seebacher

Foto Alexander Alber

Neulich hatte ich ein Gespräch mit einem Mitarbeiter des Südtiroler Sanitätsbetriebes – nennen wir ihn Franz – der mir einiges über dieses Magazin, das Sie in den Händen halten, erzählt hat. Und zwar nicht viel Gutes. Eine Replik.

Peter A. Seebacher Redakteur „one“

Lieber Franz, ich muss schon sagen, du hast ordentlich vom Leder gezogen und auch als ich mich als Redakteur der „one“ zu erkennen gegeben habe (also eigentlich nach drei deiner Sätze) hat dich das nicht gestoppt. Das ist gut, das ist sogar sehr gut, denn ich schätze ein offenes Wort sehr – vor allem wenn es von unseren Lesern und Leserinnen kommt. Einer deiner Vorwürfe hat mich besonders nachdenklich gemacht: „Ihr schreibt immer nur Gutes, das andere klammert ihr aus!“, hast du mir – zwar mit einem verschmitzten Schmunzeln, aber trotzdem im vollen Ernst - vorwurfsvoll entgegengeschleudert. Ein Satz, über den ich lange gegrübelt habe. Deine Aussage impliziert, dass Gutes und über Gutem zu schreiben nicht gut ist, also eigentlich schlecht. Stimmt schon, eine Journalistenweisheit besagt: „Bad news is good news“, schlechte Nachrichten sind gut fürs Geschäft der Medien. Sind umgekehrt „good news“ also „bad news“? Wollen wir Gutes einfach nicht mehr hören und lesen, weil wir mittlerweile so konditioniert sind, dass wir nur mehr Schlechtes gut finden? Ja, es ist verwirrend, lieber Franz, und du kannst dir vorstellen, dass die Autofahrt zurück nach Bozen zu kurz war, um all diese Gedanken zu Ende zu spinnen.

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ren und – warum auch nicht – mit der einen oder anderen Rubrik unterhalten. Ein durchaus legitimer Wunsch eines Magazins, das vom Arbeitgeber dieser Menschen herausgegeben wird. Und eines Mediums, das der Kultur des kritischen Diskutierens durchaus offen gegenübersteht, wie es Gastkommentare genau an dieser Stelle hier in der Vergangenheit bewiesen haben. Das geht weit über das hinaus, was in von Betrieben herausgegebenen Medien üblich ist.

Gastkommentar

Good news

E-Mail: peter.seebacher@sabes.it

Aber gut, es ist wohl wahr, wir bringen „Good news“ unter die Leute und versuchen dabei wahrheitsgetreu, umfassend und leserfreundlich zu berichten und zu informieren. In Zeiten, in denen viel von „fake news“, also absichtlich gefälschten Nachrichten, und damit gewonnenen Wahlen sowie der davon ausgehenden Gefahr für die Demokratie die Rede ist, finde ich diesen unseren Anspruch nicht einmal so schlecht .

Eines war mir aber von Beginn dieses Magazins an klar: wir wollen die in die Tausende gehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und alle Interessierten über Vorkommnisse, Veränderungen und Pläne des Südtiroler Sanitätsbetriebes informie-

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vita

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Es ist verblüffend, wie oft gerade Menschen in „kopflastigen“ Berufen sich kreative und ausgefallene Hobbys für ihre Freizeit suchen. So auch Christoph Alber, der zu Bürozeiten als Pflegedienstleiter des Schlanderser Krankenhauses tätig ist und sich dort um Personalplanung, Prozessoptimierung und Budgetgespräche kümmert. Nach Feierabend verzaubert Alber im wahrsten Sinne des Wortes die Menschen. Seine Leidenschaft gilt seit vielen Jahren der Zauberei, vor allem die Mentalmagie fasziniert ihn.

vita Sabine Fl arer

Einfach magisch Alles begann vor vielen Jahren, als Alber in Schlanders als kleiner Junge einem bekannten Vinschger Zauberer – heute sind die beiden guten Freunde – bei einem Auftritt zuschaute. Keck ging der Knirps auf den Künstler zu und sagte: „Des will i a tian“, doch der „Kollege“ dämpfte die Erwartungen: „Meld di in zehn Johr wieder“. Die Zeit verging, Alber wurde Krankenpfleger, Pflegedienstleiter, studierte Management und Pflegewissenschaft. Lernen, büffeln, immer mehr Fachliches – doch die Faszination der Zauberkunst ließ ihn nie ganz los. Beruf, Familie – Ehefrau und ein Zwillingspärchen -, Hausbau…, da wurden solche gedanklichen Ausreißer ganz hinten angestellt.

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ie Wende geschah ausgerechnet vor dem berühmten Kolosseum in Rom, vielleicht kein Zufall, denn auch dort wurden früher Menschen unterhalten: „Ich war mit meinem Freund Roland Lioni zu einer Prüfung in Rom, im Kopf rumorte es, weil ich innerlich aufbegehrte gegen das ständige Lernen, es fehlte mir einfach ein wenig das Spielerische, Leichte… Ein

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paar Wochen zuvor hatte ich mich – mehr aus Neugierde – in einem Online-Forum für Zauberer angemeldet. Als wir nun vor dem Kolosseum standen, erhielt ich eine E-Mail von eben diesem Vinschger Zauberer, der mich als Kind vertröstet hatte – er hatte meine Adresse im Forum gesehen und wollte mit mir Kontakt aufnehmen“. Damit begann ein neues Kapitel für Alber: Was vorher bloß ein paar Bücher zum Thema, das eine oder andere Seminar oder privates Interesse gewesen war, wurde nun zu einer echten Herausforderung: „Wir haben immer wieder gemeinsam an Kunststücken getüftelt, Neues probiert, uns gegenseitig zu Auftritten animiert und begleitet, Workshops besucht…“ Und der Ehrgeiz stieg, nun konnte der Zauberlehrling auf die Bühne. Waren es früher nur ein paar kleine Auftritte im privaten Rahmen, etwa bei Familienfeiern, gewesen, so wurde Alber nun auch in Kindergärten, Schulen oder auch von Vereinen gerufen. „Wobei Kinderzauberei ja eines der schwierigsten Dinge ist“, findet Alber, denn


der zeitlich nicht aus, denn auch bei noch so kleinen Auftritten braucht es viel Zeit, um sich angemessen vorzubereiten und danach wieder aufzuräumen.“

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ber auch Zauberer dürfen träumen: Welchen Wunsch möchte sich ein Hobbyzauberer erfüllen? „Mein Traum wäre es, ein Konzept zu erarbeiten, bei dem sich Gastronomie und Zauberei ergänzen – beispielsweise ein Gastwirt, der in seiner Einrichtung regelmäßig unsere

„Mein Ziel ist es, die Menschen mit auf eine gedankliche Reise zu nehmen, zu begeistern, zu unterhalten und mit ihnen Mystisches, Geheimnisvolles zu erleben. Sie sollen sich auch Wochen nach dem Auftritt noch an das Erlebte erinnern können.“

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Kinder seien gnadenlos ehrlich und man müsse für ihre volle Aufmerksamkeit sorgen. „Das ist nicht immer einfach, hier braucht es Respekt vor den Kleinen, man muss lernen, allen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Doch ich kann sagen, dass dies für mich eine wunderbare Schule war, heute wage ich sogar zu behaupten, dass ich dadurch teilweise mehr gelernt habe als auf den Universitäten. Dieses ‚Sich-Einlassen-auf-den-Anderen‘, sie zu beobachten und versuchen zu verstehen, hilft mir auch im ‚wahren‘ Leben enorm weiter.“

Seine Frau und die Kinder sehen das Hobby mittlerweile gelassen, die Gattin zuckt auch schon mal entnervt mit den Schultern, wenn ein neues Stück zuhause probiert wird, so Alber. „Vielleicht vier, fünf Mal im Jahr mache ich einen größeren Auftritt gegen eine kleine Vergütung, damit finanziere ich mir das doch recht kostspielige Hobby, zum Beispiel Requisiten und auch Seminare. Mehr geht sich lei-

Auftritte anbietet und dabei für das leibliche Wohl sorgt. Für Unterhaltung und Verblüffung sorgen wir. Doch hauptberuflich möchte ich die Zauberkunst nicht machen. Denn, wenn neue Geschichten und Kunststücke unter Druck erarbeitet werden müssen, verliert das Ganze gerade das, was ich so sehr schätze: Das Freie, Ungezwungene, Mystische und Spielerische…“

Foto privat

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och Zauberei bedeutet auch, sich ständig weiterzuentwickeln – und Albers Vorliebe geht heute vor allem in Richtung geschichtenerzählende Zauberkunst und Mentalmagie. „Das hört sich spirituell an, ist aber eine eigene Form der Geschichtenerzählerei, man kann mit einfachen Mitteln die Menschen mit auf eine Reise nehmen“. Alber möchte nicht der große Illusionist sein, der mit Geräten auf der Bühne steht: „Mein Ziel ist es, die Menschen mit auf eine gedankliche Reise zu nehmen, zu begeistern, zu unterhalten und mit ihnen Mystisches, Geheimnisvolles zu erleben. Sie sollen sich auch Wochen nach dem Auftritt noch an das Erlebte erinnern können“. Deshalb bevorzugt der Hobbymagier auch die so genannten Close-up-Auftritte: Im Unterschied zum Stand-up-Auftritt, bei dem auf einer Bühne etwas vorgeführt wird, kommt beim Close-up-Auftritt der Künstler ganz nah zu den einzelnen Personen an die Tische – damit ist ein persönliches „Verzaubern“ garantiert.

vita

christoph alber

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Medizin & Pflege Cristina Neri, Daniel a Spicca , Gr azia Molinaro & K armen Soelva

Medizin & Pflege

Foto Südtiroler Sanitätsbetrieb

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Die nicht–pharmakologischen Maßnahmen in der pädiatrischen Schmerztherapie

Die Wahrnehmung von Schmerz kennt keine Altersgrenzen. Vom Ende des zweiten Trimesters der Schwangerschaft an besitzt der Fötus die anatomische und neurochemische Struktur, um Schmerz zu empfinden. Sogar Neugeborene verfügen bereits über ein „Schmerzgedächtnis“.

Was ist Schmerz? Der Schmerz ist eine unangenehme sensorische und emotionale Erfahrung im Zusammenhang mit tatsächlichen oder potenziellen Gewebeschäden, eine Wahrnehmung, die in Bezug auf solche Schäden beschrieben wird. Der Schmerz ist immer subjektiv: Jeder Einzelne lernt den Sinn des Wortes Schmerz durch die Erfahrungen im Zusammenhang mit traumatologischen Ereignissen in der frühen Kindheit kennen. International Association for the Study of Pain

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Ein Viertel der Erwachsenen hat Angst vor Injektionen, Krankenhäusern und Zahnärzten und meidet tendenziell jegliche medizinische Behandlung; etwa zehn Prozent der Erwachsenen mit Trypanophobie (Spritzenangst) haben in den ersten zehn Lebensjahren schmerzhafte Erfahrungen gemacht.

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n den letzten Jahrzehnten hat sich im medizinischen und pflegerischen Bereich ein wachsendes Interesse am Thema Schmerz im Kindesalter, vor allem im Bereich "prozeduraler Schmerz", entwickelt. Zahlreiche epidemiologische Studien zeigen zum Beispiel, dass in der Neugeborenen–Intensivstation jedes Kind, vor allem in den ersten Lebenstagen, im Durchschnitt etwa 16 schmerzhaften Eingriffen am Tag ausgesetzt ist. Das Legen von venösen Zugängen von Kindern wird als häufige Ursache für schwerwiegende Schmerzen beschrieben. In

einigen Fällen wird die "Spritze" während des Krankenhausaufenthaltes in Erinnerung des Kindes als die schmerzhafteste Erfahrung überhaupt erlebt. Bei chronischen Erkrankungen stellt für das Kind der prozedurale Schmerz einen enormen Leidensdruck dar. Pflicht der Ärzte und des Pflegepersonals ist deshalb die Beurteilung, Prävention und die angemessene Schmerzbehandlung im Kindesalter. Es ist eine Notwendigkeit, die Schmerztherapie im Kindesalter zu gewährleisten und zu fördern. Dies bedeutet, sich um die Person zu kümmern, um schmerzhaften Verfahren zuvorzukommen, indem man sich an die aktuellen Richtlinien für die Verwendung von Analgetika, pharmakologische und nicht-pharmakologische Maßnahmen hält. Zu diesem Zweck beschäftigen wir uns in diesem Jahr als Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern verschiedener Gesundheitsberufe aller Bezirke, mit der Aktualisierung aller unserer Dokumente für die Beurteilung und Behandlung von akuten und prozeduralen Schmerzen bei Kindern in allen Altersgruppen; alle Behandlungen sehen eine Integration von pharmakologischen und nicht–pharmakologischen Maßnahmen vor. Die Literatur hat in den letzten Jahren zahlreiche Studien vorgestellt, welche die Wirksamkeit der nicht–pharmakologischen Maßnahmen (NFM) im Bereich der Analgesie für Neugeborene und Kinder bestätigt haben, indem sie das psychophysische und affektive Wohlbefinden des Kindes fördern. Die NFM wirken auf der emotionalen Ebene, welche den Schmerz begleitet, mit dem Ziel, die Schmerzempfindung zu verringern und die Schmerzkontrolle des Kindes zu fördern. Diese Methode wird in allen pädiatrischen Abteilungen des Sanitätsbetriebes regelmäßig angewandt; um wirksam zu sein, muss sie dem Alter und dem Entwicklungsstand angepasst sein. Das Pflegepersonal sollte die Schmerztherapie so auswählen, dass sie beim Kind Interesse weckt. Alle Arten von Schmerzen (akut, chronisch, prozedural) werden durch die Verwendung von NFM positiv beeinflusst. Beispiele für Situationen, in denen NFM angewandt wird, sind: venöse, arterielle und kapilläre Blutabnahmen; Positionieren und Entfernen von Kanülennadeln, Epicutan- und Nabelkatheter; Positionieren, Fixieren und Entfernen von oralen oder nasalen Magensonden, subkutanen und intramuskulären Injektionen sowie Medikationen.


Die Stimulation der Sinne zur Verbesserung der prozeduralen Schmerzempfindung beruht auf die gleichzeitige Vermittlung verschiedener positiver Impulse (taktile Wahrnehmung durch Berührung oder Massage, gustatorische Wahrnehmung durch Muttermilch oder Saccharose, auditive Wahrnehmung durch angepasste Kommunikation und visuelle Wahrnehmung durch Anpassung des Lichtes) zur Linderung der prozeduralen Schmerzempfindung. Durch die Stimulation aller Sinne erreicht man eine Verminderung der Schmerzafferenzen zu den höheren Zentren durch die Aktivierung des „Gate Control“ Mechanismus.

Die Atemtechnik ist schon ab dem dritten oder vierten Lebensjahr anwendbar und besteht aus tiefen Einatmen, die Lungen werden aufgeblasen, man spürt die Luft ein- und ausströmen und die Atmung wird immer langsamer und tiefer. Diese Technik fesselt die Aufmerksamkeit des Kindes, vermindert die Muskelspannung und entspannt das Zwerchfell. Beim kleineren Kind appliziert man diese Technik, durch das Seifenblasen oder indem sie sich vorstellen, Angst und Schmerz durch eine rosarote Wolke auszublasen.

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ir haben festgestellt, dass auch eine konstante Anwendung der nicht–pharmakologischen und pharmakologischen Schmerztherapie bei größeren Kindern mit Krankheitsbildern, welche mehrere Krankenhausaufenthalte erfordern, die Angstschwelle von Mal zu Mal vermindert. Bei Neugeborenen und Kleinkindern schaffen wir es meistens, eine schmerzhafte Prozedur durchzuführen, ohne dass das Kind weint. Aufgrund unserer Erfahrungen ist es für uns sehr wichtig, auch weiterhin diese Techniken anzuwenden, wenn notwendig zu erweitern und sicherzustellen, dass sie von allen Abteilungen/Diensten des Sanitätsbetriebes, die Umgang mit pädiatrischen Patienten haben, angewendet werden. So kann ein einheitlicher Kontext in der Pflege zur Verminderung der Schmerzen oder Leiden beim Neugeborenen und Kind geschaffen werden. Auf diese Weise erreichen wir eine bessere therapeutische Zusammenarbeit zwischen Kind, Mutter und dem Sanitätspersonal.

Danke! Robert Peer, mit Ende 2016 in Ruhestand getretener Pflegedirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes, hat die one-Redaktion gebeten, seinen Dank an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu veröffentlichen. Dieser Bitte kommen wir gerne nach. Nachfolgend sein Text. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in all den Jahren haben wir gemeinsam auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Bereichen an der Weiterentwicklung der Pflege und einer qualitativ hochwertigen Betreuung und Versorgung der Patientinnen und Patienten gearbeitet. Die sehr guten Umfrageergebnisse zur Patientenzufriedenheit sind Ausdruck dieses ständigen Bemühens und unserer täglich geleisteten Arbeit. Es ist mir ein ganz besonderes Anliegen, mich bei Ihnen allen von ganzem Herzen für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit zu bedanken. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude und Zufriedenheit in der Ausübung Ihrer Arbeit sowie alles Beste für die persönliche und viel Erfolg für die berufliche Zukunft.

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bewirkt. Um dies zu erreichen, können verschiedene Alltagsgegenstände, wie Bücher, Plüschtiere, Musikspiele, Seifenblasen, Tablets mit altersgerechten Filmen verwendet werden.

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u den nicht–pharmakologischen Maßnahmen zur Schmerzreduktion bei Neugeborenen zählen Verhaltensmaßnahmen, welche Sicherheit, Trost und Nähe vermitteln. Eine Möglichkeit ist das Wrapping, eine Methode, bei dem das Kind in Seiten- oder Rückenlage, mit auf dem Thorax verschränkten Armen und den Händen vor dem Gesicht, fest in ein Tuch eingewickelt wird. Diese Technik ist bis zum dritten Lebensmonat geeignet. Der dadurch erzielte Effekt der verminderten Schmerzempfindung beruht auf der kontinuierlichen Stimulation der Hautrezeptoren. Bei der sanften Berührung hingegen wird eine Hand ruhig auf den Kopf gelegt und die andere hält die gebeugten Beine, diese Position fördert das Wohlbefinden des Kindes. Bei der „Kangaroo Mother Care“ wird das Neugeborene mit nur einer Windel bekleidet auf die nackte Haut eines Elternteils gelegt. Dieser Hautzu-Haut-Kontakt bewirkt neben anderen positiven Effekten auch eine Verminderung der Schmerzwahrnehmung von Seiten des Neugeborenen. Weitere NFM, die beim Neugeborenen angewandt werden, sind das nicht-nutritive Saugen mit einem Schnuller, welches Stress abbaut und das Kind beruhigt und am effektivsten in Kombination mit der Gabe von Saccharose ist, welche die Schmerzempfindung durch die Ausschüttung von Endorphinen vermindert. Auch das nutritive Saugen durch das Stillen, Gabe von Muttermilch mit Schnuller oder einem in Muttermilch getränkten Einmalwattestäbchen ist möglich.

Ich danke auch meinen Vorgesetzten, den Verantwortlichen in der Politik und im Gesundheitsressort für die Unterstützung über all die Jahre und die wertschätzende Anerkennung unserer Leistungen für unsere Mitmenschen und für die Gesellschaft. Sie waren immer wieder bestrebt, die erforderlichen Voraussetzungen für eine Weiterentwicklung der Gesundheitsberufe zu schaffen und dadurch deren Leistungen neben anderen Berufen sichtbar zu machen. robert peer

Das gesamte ärztliche – und pflegerische Personal der pädiatrischen Abteilungen/Dienste steht für eventuelle Fragen und Einführungen zur Anwendung der nicht–medikamentösen Schmerztherapie zur Verfügung.

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ie Technik der Ablenkung ist eine Methode, um die Aufmerksamkeit des Kindes auf einen alternativen Stimulus zu lenken, was eine Veränderung seiner sensorialen Wahrnehmung

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Management & Verwaltung Evelyn Gruber-Fischnaller

Stärken und unterstützen

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Angebote für SABES–Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

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as die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Sanitätsbetriebes denken, fühlen und brauchen, das wurde in einer Umfrage des internen Garantiekomitees ausgeforscht. Das Garantiekomitee ist Anlaufstelle für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wenn es um Maßnahmen für Chancengerechtigkeit, gegen Diskriminierung und generell um mehr Wohlbefinden am Arbeitsplatz geht. Das 14–köpfige Komitee hat Mitglieder in allen Gesundheitsbezirken, seine Präsidentin ist Clara Astner, Psychologin in Brixen. „Aus dem Maßnahmenkatalog, der nach der Umfrage zusammengestellt und 2016 in allen Bezirken vorgestellt wurde, ist das Tätigkeitsprogramm für das laufende Jahr entstanden“, freut sich Astner. „Durch die Rückmeldungen sollen die Bedürfnisse der Bediensteten im Fokus bleiben und wir wissen, wo anzusetzen ist.“ Das Jahresprogramm will auch beim vielzitierten „Kulturwandel“ im Sanitätsbetrieb helfen. „Es ist gerade ja auch in dieser Hinsicht einiges zu stemmen, als Unternehmen und als Einzelpersonen“, erklärt die Komitee-Präsidentin. „Die

Foto Sabine Flarer

Foto von links: Arnold Tröger, Anna Holzknecht, Thomas Kirchlechner, Petra Morandell, Stefania Pulcini (Vizepräsidentin), Bruno Plazza, Claudio Marchesi, Marco Da Vià, Christian Portogallo, Clara Astner (Präsidentin), Ruth Happacher, Sara Porcile (Sekretärin). Es fehlen: Patrizia Cataldo, Walter Oberkalmsteiner und Marion Von Sölder zu Brackenstein.

Gute Mitarbeiterführung, engagierte Menschen, ein Arbeitsplatz, wo man gefordert und gefördert wird. Wer wünscht sich das nicht? Mag die Arbeit auch intensiv und manchmal über die Maßen herausfordernd sein, ein gutes Arbeitsklima hilft, kleinere und größere Krisen zu überwinden und wieder zu voller Stärke zu kommen.

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Wohlbefinden am dem Arbeitsplatz

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ktionsplan Sicherer Arbeitsplatz - Verhalten und Deeskalation in schwierigen Situationen: Nicht nur bei Konflikten innerhalb des Teams oder mit den Vorgesetzten sollen die Bediensteten Unterstützung erhalten, sondern auch der „Sichere Arbeitsplatz“ in Bezug auf die Arbeit mit den Patientinnen und Patienten, Angehörigen und Besuchern soll unterstützt werden. Das Personal soll sich am Arbeitsplatz sicher fühlen. Für die Bediensteten steht eine Weiterbildung zur Verfügung, die helfen soll, in schwierigen Situationen besser zu reagieren. Da geht es zum einen um das eigene Verhalten bei Übergriffen jeder Art und zum anderen um rechtliche Grundlagen. Zu den Weiterbildungen in allen vier Bezirken kann man sich über das ECM-Portal (Kodex 9248) anmelden: Sicherer Arbeitsplatz – Gute Handhabe schwieriger Situationen mit Patienten/ Patientinnen, Angehörigen und Begleitpersonen. Mentoring für Ärztinnen und Ärzte ist im deutschsprachigen Ausland ein etabliertes Instrument zur Begleitung von neuen Ärztinnen und Ärzten

Marcella Pirrone ist seit März 2016 im Amt. Die Rechtsanwältin ist die Vertrauensrätin im Sanitätsbetrieb, sie steht den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Falle von moralischen oder sexuellen Belästigungen, von jeglicher Form von Diskriminierung und Mobbing/ Straining am Arbeitsplatz beratend und fachkundig zur Seite. „one“ hat mit der Vertrauensrätin über ihre Aufgaben und die Ergebnisse der ersten neun Monate gesprochen. Welche Aufgaben haben Sie als Vertrauensrätin im Sanitätsbetrieb?

Wie wird die Vertrauensrätin angenommen?

Als Vertrauensrätin biete ich allen Angestellten eine professionelle Beratung bei Situationen, die das körperliche und geistige Wohlbefinden beeinflussen, die zu Diskriminierung und Belästigung jeglicher Art führen oder auch bei Mobbing und Straining am Arbeitsplatz. Als Garant für die Anwendung des Verhaltenskodizes zum Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schlage ich Präventionsmaßnahmen vor und fördere die Kultur des Respekts, der Transparenz und Chancengleichheit. Jede Beratung ist vertraulich, es gilt die Geheimhaltung und der Schutz der Privatsphäre.

Bisher sind 51 Angestellte aus allen Ebenen und Bereichen (Medizin, Pflege/Technik und Verwaltung) zu mir gekommen. Tatsächlich sind aber viel mehr betroffen, auch ganze Abteilungen, da das Problem oft nicht nur eine Person betraf. Vom ärztlichen Personal (auch drei Primare) waren es drei Frauen und acht Männer, im Bereich Pflege/Technik waren es mehrheitlich Frauen (22 von 30), bei der Verwaltung hingegen war es ausgewogen (sechs Männer und fünf Frauen). Nicht wenige für den Anfang, auch wenn es auffällt, dass mein Angebot außerhalb noch nicht so bekannt ist!

Mit welchen Anliegen kann ich mich an Sie wenden? Die Anliegen sind vielfältig. Es geht um Diskriminierung oder unangemessenes Verhalten in Arbeitsbeziehungen, um Mobbing und Straining, um Führungsaufgaben, die unzulänglich und diskriminierend ausgeführt werden und die fehlende Transparenz bei Auswahlverfahren von Personal. Andere Anliegen sind beispielsweise die Verweigerung der Rechte bei Krankheit und Behinderung, fehlerhafte oder unzureichende Kommunikation zwischen Angestellten oder in hierarchischen Beziehungen, Sexismus in der Sprache und im Verhalten gegen weibliche Angestellte. Welche möglichen Schritte kann ich mir nach einem Termin erwarten? Die Vertrauensrätin hat zwei Möglichkeiten: informell und formell, wie durch den Verhaltenskodex zum Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorgesehen. Das informelle Verfahren ermöglicht es, bei allen Parteien, die betroffen sind, Informationen einzuholen, sie anzuhören und Lösungen vorzuschlagen. Ich kann außerdem, dank meiner Ausbildung in Thèrapie Sociale, auch Mediation oder Konfliktlösungen anbieten. Hier muss ich sagen, dass die Führungskräfte immer gut zusammengearbeitet haben. Die Person, die sich an mich wendet, kann auch bei der Generaldirektion die Bildung eines Ad-hoc-Ausschusses beantragen, der sich der Sache annimmt. In diesem sitzt neben der Verwaltung und mir selbst auch ein Vertreter/eine Vertreterin des Garantikomitees. Das wäre der formelle Verfahrensweg.

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Interview: Evelyn Gruber-Fischnaller

Konnten Sie Verbesserungen erreichen? Das ist schwer zu sagen und zu messen. Nach den ersten paar Monaten hat sich bestätigt, dass es dieses „Ohr“ braucht, dass es Vertrauen unter den Bediensteten erweckt und den Führungskräften die Möglichkeit gibt, Probleme aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Es ist eine Arbeit der Sensibilisierung, die nun insbesondere außerhalb Bozens gestärkt werden muss. Natürlich sind nicht alle Fälle gelöst worden, aber ein guter Teil von ihnen hat Aufmerksamkeit erhalten und es wird nach Lösungen gesucht. Ein erstes wichtiges Ergebnis ist, dass die meisten Menschen, die von mir kontaktiert wurden, auch auf höchstem Niveau, Respekt vor meiner Aufgabe haben und Interesse zu kooperieren und gute Lösungen zu finden. Die Vertrauensrätin ist für die SABES-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter der E-Mail-Adresse Vertrauensraetin@sabes.it erreichbar.

Foto Südtiroler Sanitätsbetrieb

Liebe zur Arbeit mit den Patientinnen und Patienten ist immer noch groß, der vielfach gute Zusammenhalt innerhalb der Abteilungen wurde in der Umfrage bestätigt, aber gleichzeitig existieren Gefühle von Frustration und in der Folge Demotivation über bestimmte Prozesse im System ‚Sanitätsbetrieb‘ oder Gesundheitswesen an sich. Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen mittlerweile auch eine gute Work-Life-Balance und nicht das ganze Leben der Arbeit unterordnen. Zudem wird aktuell auch ein Wechsel des Zusammenarbeitens gefordert: von einem eher paternalistischen Ansatz mit starrer Führungskultur zu einem demokratischen Prinzip mit flachen Hierarchien, wo Delegieren und Zusammenarbeiten im Mittelpunkt stehen. Um das alles zu schaffen, braucht es eine gute Begleitung. Gutes Coaching und Mentoring sind in einem modernen Unternehmen nicht mehr wegzudenken.“ Davon ausgehend, sind besonders drei Themen des Jahresprogramms spannend: Aktionsplan Sicherer Arbeitsplatz, Mentoring sowie Coaching stehen als unterstützende Angebote für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung.

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Management & Verwaltung peter a . seebacher

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in den Kliniken. Viel zu oft sei es noch so, dass gerade Ärztinnen mit Teilzeitvertrag darunter leiden, dass sie fachlich „aufs Abstellgleis“ gestellt werden, so Astner: „Dagegen wäre es doch viel sinnvoller, abteilungsintern alle in ihren jeweiligen Potenzialen zu fördern, zu erhalten und zu entwickeln. Auch darf angesichts des aktuellen Generationswechsels das erworbene Knowhow nicht verloren gehen. Mentoring soll als Best–Practice–Modell in einem Hearing vorgestellt werden."

Matthias Reumann, Mitglied des Forscherteams bei IBM Research in Zürich, über IT-gestützte Medizin und warum die Digitalisierung auch den Gesundheitsbereich nicht unberührt lassen wird.

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as Coaching für Führungskräfte soll ein Ort für persönliche Reflexion sein, wo auch die Sorgen und Belastungsfaktoren der Führungskraft besprochen werden. Führungskräfte sind Hauptverantwortliche für das Betriebsklima in der Abteilung. Gerade neu ernannte Führungskräfte sollen also Gelegenheit haben, sich mit den veränderten Ansprüchen an Führung, den Fragen der Mitarbeiterführung, den Belastungen in der eigenen Rolle auseinanderzusetzen. Es findet in einem geschützten Rahmen statt und kann unbürokratisch über das Fachteam „Change“ in Anspruch genommen werden.

Institutionell gesehen, gehört zum Garantiekomitee auch die Vertrauensrätin Rechtsanwältin Marcella Pirrone. Sie steht den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – streng vertraulich – bei Diskriminierung und Belästigungen jeglicher Art fachkundig zur Seite. Ebenso arbeitet das Garantiekomitee eng mit dem Fachteam „Change“ zusammen, das individuelle psychologische Beratung zu kritischen Bereichen im Arbeitsumfeld anbietet.

Weitere Informationen zu den Beratungsangeboten finden Sie im Intranet mysabes unter „Personal“.

Kontakt zum Garantiekomitee: EG-Komitee@sabes.it, Tel. 0472 812 134

IBM investiert vermehrt in den Geschäftsbereich Gesundheit. Warum? Das Gesundheitswesen kann von den Fähigkeiten der IBM–Watson–Technologie in vielfältiger Weise profitieren. Es ist einer der komplexesten Bereiche, die wir kennen, und steht vor enormen Herausforderungen: demografischer Wandel, explodierende Kosten, rasantes Wachstum des medizinischen Wissens – all das bei Erhalt oder Erweiterung des Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen und einer Verbesserung der Behandlungsqualität. Die Digitalisierung bietet hier einen wichtigen Teil der Lösung. Eine neue Generation digitaler Hilfsmittel für Ärzte und für das medizinische Personal kann besser dabei unterstützen, Entscheidungen, allen voran Diagnose und Behandlung, breit abgestützt auf den zur Verfügung stehenden Informationen zu treffen. Damit bietet sich die Möglichkeit, Patienten schneller, besser und noch personalisierter zu behandeln. Unsere 2015 gegründete Geschäftseinheit IBM Watson Health hat genau dies zum Ziel: Mit Watson Health wollen wir die Fähigkeit von Ärzten, Forschern und Versicherern durch kognitive Technologien erweitern und ihnen so helfen, die riesigen Mengen an Gesundheitsdaten besser für sie und ihre Patienten nutzbar zu machen. Künstliche Intelligenz, wie etwa das Programm Watson von IBM, soll Medizinern verstärkt unter die Arme greifen. Was ist heute schon möglich? Erste Anwendungsgebiete von Watson sind die Behandlung von Krebs, Diabetes, neurologischen Erkrankungen oder andere chronische Krankheiten.

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Wir arbeiten hier mit verschiedenen Krankenhäusern. Watson for Oncology, zum Beispiel, ist eine unserer reifesten Lösungen. Es wurde zusammen mit dem Memorial Sloan Kettering Cancer Center entwickelt, die mit die ersten waren, die das Potenzial der Watson Technologie erkannten. So wird basierend auf den Patientendaten eine optimale Therapie vorgeschlagen. Spannend ist, dass diese Lösung mittlerweile auch in Thailand und in Indien zum Einsatz kommt. Das heißt, das Wissen zur Krebstherapie eines der weltweit führenden Institutionen wird durch Watson weltweit zur Verfügung stehen. Watson ermöglicht so die Demokratisierung des Wissens in der Medizin. Auch im Bereich der seltenen Erkrankungen oder bei Parkinson sind wir sehr aktiv. Ziel ist, dem Patienten die bestmögliche medizinische Versorgung zu vermitteln und den behandelnden Ärzten die Arbeitslast abzunehmen. Dabei werden keine Ärzte ersetzt, sondern es werden Daten aufbereitet und Informationen zur Verfügung gestellt, damit sich der Arzt auf seine Kompetenzen konzentrieren kann.

Wie sieht die Zukunft der Gesundheitsversorgung aus? Ich bin überzeugt, dass die Digitalisierung in der Medizin die Zukunft ist. Nur durch sie können wir nachhaltige Gesundheitssysteme bauen, die Medizin für jeden auf höchsten Niveau gewährleisten kann. Der Patient wird dabei mündiger und dessen Versorgung wird ganzheitlicher. Es wird auch eine weitere Verschiebung von Krankheitsversorgung zu Gesundheitsmanagement geben. Dazu werden Patienten – nein, die Bürger – mehr und mehr in den Dialog mit den Gesundheitsversorgern treten.

Werden uns bald nur mehr Maschinen und Programme behandeln? Nein. Diese digitalen Assistenzsysteme, an denen wir arbeiten, werden lediglich ein weiteres wichtiges Hilfsmittel für den Arzt sein. Sie können den Menschen nicht ersetzen. Aber sie können dem Arzt Zeit in der Recherche, bei der Informationsaufbereitung und beim Verwalten der Patientendossiers sparen, die er dann wiederum dem Patienten widmen kann.

Trotz einiger Hürden, die wir gesellschaftlich und politisch auf dem Weg zu nachhaltigen, digitalen Gesundheitssystemen noch nehmen müssen, sehe ich die Zukunft positiv. Zwar hält sich die Gesellschaft noch zurück, aber jeder Einzelne wird sich auf den Weg machen, denn jeder Patient verdient die bestmögliche medizinische Versorgung – und die wird in Zukunft nur durch die digitale Medizin gegeben werden.

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Foto iBM Research

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Demokratisierung des medizinischen Wissens

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Foto Südtiroler Sanitätsbetrieb

Mitte März stellten die Vertreter der SAIM 2.0 gemeinsam mit der Betriebsdirektion die neue Plattform der Mobilen Integrierten Patientenakte (MIP) vor.

management & verwaltung Sabine Fl arer, Peter A . Seebacher

Offen für die Zukunft Dem Südtiroler Sanitätsbetrieb stehen in den kommenden drei Jahren im Bereich EDV einige Neuerungen ins Haus, die ihren Ausdruck auch in Ausschreibungen zu Neuankäufen und Anpassungen finden werden.

Beim sehr gut besuchten Open Day am vergangenen 20. März konnten sich interessierte IT-Unternehmen über Pläne und Anforderungen informieren. Über 150 Fachleute und Firmenvertreter aus Südtirol, Italien, Deutschland und Österreich waren der Einladung zur Teilnahme am Open Day gefolgt, an dem auch Landesrätin Martha Stocker teilnahm. Das große Interesse ist eigentlich kein Wunder, beträgt doch das geplante EDV-Budget für die kommenden Jahre zwischen 20 bis 24 Millionen Euro. „Unsere EDV-Abteilung wird einige Projekte hausintern betreuen“, so Generaldirektor Thomas Schael, „aber in Zukunft muss dieser Bereich vor allem strategische Entscheidungen treffen und über-

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wachen. Die anderen Anwendungen werden von SAIM oder SIAG entwickelt, oder von spezialisierten Fachfirmen zugekauft, was Betrieben in Südtirol und darüber hinaus eine Chance gibt.“ Thomas Mathà von der Vergabeagentur des Landes Südtirol erklärte die Abläufe und Methoden für öffentliche Ankäufe in Südtirol. Der Südtiroler Sanitätsbetrieb ist nach der Landesverwaltung der größte Ankäufer. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Südtiroler Handelskammer und der Vereinigung „Assinform“ der Confidustria. Auftraggeber und Anbieter konnten sich in strukturierter und transparenter Form über Ausschreibungen informieren.

SABES-Generaldirektor Thomas Schael stellte mit IT-Abteilungsleiter Christian Steurer, dem Berater Massimo Mangia sowie Roland Lioni von der Stabsstelle für Informationsverarbeitung gemeinsam mit den Vertretern des Unternehmens SAIM 2.0 das Projekt und die nächsten Schritte vor. Letztere sind mit der Umsetzung und Implementierung der MIP beauftragt Eingeladen zu diesem Kick-off-Meeting waren die Führungskräfte des Südtiroler Sanitätsbetriebes aus den Bereichen Medizin, Pflege und Verwaltung. Diese nutzten die auf die Vorstellung der Plattform folgende Diskussionsrunde, um Fragen zu stellen und Problematiken aufzuzeigen, die von den Experten beantwortetet und aufgenommen wurden. Bereits im Vorfeld hatten die Vertreter der betroffenen Bereiche im Zuge einer Bedarfsanalyse ihre Wünsche und Anmerkungen den Entwicklern vorbringen können. Auch in Zukunft soll die Einführung und Weiterentwicklung der Plattform in enger Zusammenarbeit mit den Klinikern geschehen. Zuerst einmal wurden nun Nutzervertreter in den beteiligten Abteilungen ernannt, die als Vermittler zwischen Entwicklern und Nutzern fungieren werden. Nach einer genauen Analyse der Bedürfnisse der Abteilungen Innere Medizin und Chirurgie und einem Probelauf soll dann im Spätherbst mit der Installation des neuen Systems in den Abteilungen Innere Medizin der Krankenhäusern des Landes begonnen werden. Thomas Schael: „Die digitale Ära ist in keinem Bereich mehr aufzuhalten. Wir haben jetzt die einmalige Gelegenheit, ein integriertes Informationssystem im Südtiroler Sanitätsbetrieb aufzubauen, das patientenorientiert und zugleich servicefreundlich ist und das europaweit als Best-Practice-Modell gelten könnte. Wir sollten uns diese Chance nicht entgehen lassen.“ (PAS)

Foto Peter A. Seebacher

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Kick-off Mobile Integrierte Patientenakte


management & verwaltung Peter A . Seebacher

Am Lenker

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Seit Ende Februar 2017 verfügt der Südtiroler Sanitätsbetrieb über einen „Lenkungsausschuss“ namens „Steering Committee“. Welche Aufgabe hat dieses „Committee“ und wer sind die Mitglieder?

Die Mitglieder des Steering Committees wurden für drei Jahre ernannt. Für den gesamten Zeitraum ist pro Mitglied eine Entschädigung von 15.000 Euro sowie eine Vergütung von 950 Euro pro Sitzung vorgesehen. Fahrt- und Aufenthaltsspesen werden bis zu einer Höchstanzahl von 25 Sitzungen rückerstattet.

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Fotos von links: Francesco Longo, Helmut Hell, Hans-Peter Schlaudt, Reinhold Ramoner und Michaela Moritz

Foto Privat

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Es sind dies der gebürtige Südtiroler Reinhold Ramoner, Biologe sowie Professor für experimentelle Urologie an der Uniklinik Innsbruck und langjähriger Qualitätsmanager im Gesundheitssystem (als Experte für die Organisationsentwicklung), Hans-Peter Schlaudt aus Berlin, Arzt und erfahrender Geschäftsführer und Berater deutscher Klinikkonzerne (als Experte für die Personalentwicklung) und der aus Brixen stammende und in der Schweiz lebende Helmut Hell, seit vielen Jahren Strategieund Organisationsberater, unter anderem beim bekannten Management Zentrum St. Gallen (als Experte für das strategische Management). Ergänzt werden diese drei Fachleute von Francesco Longo, Management-Dozent an der Mailänder Universität Bocconi mit Schwerpunkt öffentliches Gesundheitswesen (als Experte für das italienische Gesundheitssystem) und Michaela Moritz, Aufsichtsratsvorsitzende der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Er-

Das Steering Committee unterstützt nun die Umsetzung der für den Zeitraum 20172019 geplanten Umstrukturierungs- und Reorganisationsprozesse. Konkrete Beratungsaufgaben für die Betriebsdirektion betreffen folgende Bereiche: Umsetzung des Landesgesundheitsplanes mit besonderem Schwerpunkt auf Chronic Care, Umsetzung der Verwaltungsreform aufgrund der Novellierung des Landesgesetzes 7/2001, Erstellung eines neuen Leitbildes, inklusive Vision, Reorganisation und Aufbau einer neuen Ablauf- und Strukturorganisation, Erstellung der neuen Betriebsordnung, Umsetzung des IT-Masterplanes, Erstellung und Umsetzung des Betriebsstrategie für Personalentwicklung, Erstellung und Begleitung eines attraktiven Forschungs- und Innovationsmodells sowie Planung und Umsetzung der Betriebsoptimierung.

Foto Privat

Aus den rund 70 Bewerbungen aus dem In- und Ausland wurden schlussendlich vier Bewerber und eine Bewerberin ausgewählt.

nährungssicherheit und Universitätsrätin an der Universität Graz (als Expertin für das österreichische Gesundheitssystem).

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Das Steering Committee soll bei der Organisation und Umsetzung von Projekten des Südtiroler Sanitätsbetriebes unterstützend und beratend einwirken. Gewollt war ein heterogener Mix aus Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen, weshalb die Mitglieder per Ausschreibung gesucht wurden.

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Überblick Projekte Südtiroler Sanitätsbetrieb 2017 management & verwaltung

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Drei–Jahres–Planung

Resonanz-­ gruppe

„Drehscheibe für Informationen“, fördert den Informationsaustausch zwischen Direktion, Mitarbeitenden, Betrieb und Bezirken sowie den verschiedenen Berufsgruppen. Gibt Informationen zu Reform- und Veränderungsprozess weiter und soll Informationsdefizite im Betrieb beseitigen. Überwacht und begleitet Reformprozess mit wachem und kritischem Auge und achtet darauf, dass der Faktor Mensch nicht verloren geht. Mitglieder: Thomas Schael, Anna Elisabeth Hopfgartner, Verena Perwanger, Hubert Messner, Marcella Pirrone, Enrico Wegher, Lukas Raffl (Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können sich mit ihren Feedbacks jederzeit an die Mitglieder wenden.)

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Steering Commitee siehe Artikel S.19

Besteht aus fünf Fachleuten und unterstützt die Umsetzung der Umstrukturierungsund Reorganisationsprozesse. Mitglieder: Reinhold Ramoner, Hans-Peter Schlaudt, Helmut Hell, Francesco Longo, Michaela Moritz


Ausbau Gesundheitsversorgung

Chronic Care Ausarbeitung eines Masterplans zur Verbesserung der Versorgung fragiler bzw. chronisch kranker Menschen

Evviva – aktiv und gesund Förderung des Selbstmanagements für Menschen mit chronischen Erkrankungen und deren Angehörigen

Einschränkung der Wartezeiten CUPP/LEV: landesweite einheitliche Vormerkungsstelle

Screening Diabetes Typ 2

Telemedizin Pilotprojekt für Patienten/Patientinnen mit Diabetes

Palliativmedizin Aufbau eines betriebsweiten Netzes für Erwachsene und Kinder

Memory Clinic Aufbau eines betriebsweiten Netzwerkes und Erarbeitung eines integrierten Betreuungspfades

Onkologische Betreuung Ausbau des klinischen Netzwerkes im onkologischen Bereich

Relationship based Care Ausarbeitung eines Grundkonzeptes zur Förderung der beziehungsbasierten Versorgung, das die Elemente Leadership, Teamarbeit, professionelle Versorgungspraxis, personenorientierte Versorgungssysteme, ressourcengesteuerte Praxis, outcome-orientierte Versorgung umfasst

Rund um die Geburt Betreuungspfad für risikoarme Schwangerschaften über die Geburt bis zum 1. Lebensjahr des Kindes

Vereinheitlichung und Optimierung der Verwaltungsabläufe für die Zertifizierung Bilanz des Sanitätsbetriebes

Integrierte Logistik Zusammenlegung der Magazine Meran und Bozen; Definition der Makro-Betriebsprozesse, Einführung eines Betriebstransportdienstes, Konsolidierung der Prozesse und Optimierung/Effizienzgewinn der Logistikkette; (…)

Betriebswäscherei Homogene Einführung der Flachwäsche und Standardisierung der Arbeitskleidung

Entwicklung des Informationssystems:

Dematerialisiertes Rezept Digitalisierung des „roten Rezepts“

Informatisierung Radiologie Digitalisierung Befunde

Informatisierung Labor Digitalisierung Befunde

OnkoZert Implementierung eines Tumordokumentationssystems

Krankenhausinformationssystem Analysen und Einführung in den Abteilungen Medizin

Territoriales Informationssystem Projektplanung und Analysen zur Definition des Softwarebedarfes

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Lean Healthcare Verbesserung der Patientenversorgung im Sinne der Wertorientierung und Verschlankung der Abläufe/Organisation in den Bereichen Notaufnahme, Medizin, Chirurgie (Abteilungen und Ambulatorien)

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Unterstützende Projekte und Maßnahmen

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Betriebskultur und Mitarbeiterkommunikation

Verbesserung der Patientensicherheit (Risk–Management)

Entwicklung Betriebskultur (Vision, Werte, Erstellung eines betrieblichen Entwicklungskonzeptes)

Aufbau Personalentwicklung und Kompetenzentwicklung

Entwicklung der neuen Betriebsordnung (Definition der Ablauf- und Strukturorganisation)

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Foto Sabine Flarer

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Meraner Dreamteam: Chefkoch Günther Marmsoler (li.) mit dem Koordinator der Mensa, Andrea Zanetti

Titelgeschichte Peter A. Seebacher, Sabine Flarer, Maria E. Rieder

Das große Kochen M

an weiß, wie die Geschichte für die französische Königin Marie-Antoinette (1755-1793) endete, als sie auf die Feststellung, dass das Volk kein Brot mehr habe, antwortete: „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen.“ Wenig später war die Herrschaft des Könighauses vorbei, hinweggefegt von der Französischen Revolution. Was uns das lehrt? Essen ist für das Wohlbefinden des Menschen zentral. Es muss da sein und es muss schmecken. Sonst siehe oben. Im Gesundheitsbereich ist die Rolle des Essens um eine weitere Dimension erweitert: Gutes, bekömmliches und an Vitaminen und Nährstoffen ausgewogenes Essen kann bei Krankheit wesentlich zur Gene-

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sung beitragen. Und nicht zuletzt sorgen die Gerichte in den Mensen der Krankenhäuser dafür, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestärkt an Körper und Geist ihrer Arbeit nachgehen können. Hubert Messner, Chefkoch und Koordinator der Küche im Krankenhaus Brixen, ist sich der Schlüsselrolle bewusst. Frische, lokale Produkte für seine Gerichte zu verwenden, ist sein Anspruch: „Allerdings ist das aufgrund der Vorgaben bei Ausschreibungen nicht immer möglich“, bedauert Messner. Der Chefkoch sorgt mit seiner Küchenbrigade von elf Köchen – von denen acht eine Ausbildung zum Diätkoch absolviert


Essen ist ein (überlebens)wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens. Die Menschheitsgeschichte ist reich an Vorkommnissen, bei denen mangelndes oder schlechtes Essen zu Meutereien oder gar Revolutionen geführt hat. Wer sorgt eigentlich in Südtirols Krankenhäusern für schmackhaftes und gesundes Essen für mehrere Tausend Personen? Ein Blick hinter die Kulissen.

Harald Sensovini, Chefkoch und Koordinator der Küche im Krankenhaus Sterzing, ist ebenfalls durchaus abenteuerlustig, wenn es darum geht, neue Gerichte auf die Teller von Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu zaubern: „Selbstverständlich muss das Budget es hergeben – das übrigens seit Jahren gleich ist – und genügend Zeit vorhanden sein“, unterstreicht Sensovini. Außerdem muss die Einführung eines neuen Gerichts in Absprache mit dem Diätdienst geschehen, der das Gericht auf Ausgewogenheit der Nährstoffe überprüft. Neue Gerichte würden von Belegschaft sowie von Patientinnen und Patienten durchaus geschätzt, so Sensonvini.

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arald Sensovini und sein Team – insgesamt fünf Köche und Köchinnen sowie 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – bereiten täglich 400 Mittagessen zu, davon zirka 170 für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Beliebtestes Gericht auch hier: das Wiener Schnitzel. Eine besondere Herausforderung sind die Portionen für die Patientinnen und Patienten der Abteilung Neurorehabilitation, die unter unterschiedlichen Schluckbeschwerden

Titelgeschichte

haben – und 31 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dafür, dass für Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwas auf den Tisch kommt. Täglich sind das zwischen 900 und 1.000 Mittagessen und zwischen 350 bis 400 Abendessen. „Mitversorgt“ werden auch das Therapiezentrum Bad Bachgart in Rodeneck, an welches das Essen täglich geliefert wird. Die Mensa des Krankenhauses Brixen verfügt über 120 Sitzplätze. Dort werden täglich zwischen 400 und 500 Essen ausgegeben. Und zwar – besonderer Service – nicht vorgegebene und vorbereitete Portionen, sondern zusammengestellt nach Wunsch des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin. Messner: „Das ist natürlich ein Mehraufwand an Zeit und Arbeit und manchmal auch der Grund, dass etwas länger gewartet werden muss. Wir sehen das aber als Service für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Obwohl Messner den allgemeinen Trend zum bewussteren Essen bestätigt, weiß er: „Wiener Schnitzel steht auf der Liste unserer beliebtesten Gerichte ganz oben, gefolgt von Kalbsbraten und Fisch, vor allem Lachs.“ Die Patientinnen und Patienten können täglich aus drei Menüs wählen, die einer sechswöchigen Rotation unterworfen sind. Wenn Zeit und zur Verfügung stehende Rohstoffe es zulassen, probiert Chefkoch Messner auch gerne einmal etwas Neues oder Besonderes aus. Da kann es schon vorkommen, dass die Küche ihre „Kunden“ mit „Erdäpfelblattlen mit Kraut“ überrascht. „Da greifen dann auch alle gerne zu“, schmunzelt Hubert Messner.

Du bist, das du isst Optimierung und Anpassung des Patienten- und des Mensamenüs in den Krankenhäusern Bruneck und Innichen. Eine vollwertige, abwechslungsreiche Ernährung trägt wesentlich zu unserem körperlichen und psychischen Wohlbefinden bei. Gerade während des Aufenthaltes in einem Krankenhaus trägt die Ernährung entscheidend zur Erhaltung und Wiederherstellung der Lebensqualität bei. Sie kann den Genesungsprozess fördern, das Wohlbefinden steigern und zum Heilungsprozess beitragen. Zudem hat die Ernährung im Krankenhaus eine Vorbildfunktion. Eine abwechslungsreiche und gesunde Ernährung ist auch für die Bediensteten des Krankenhauses wichtig. Ein gut gestaltetes Verpflegungsangebot ist Teil der betrieblichen Gesundheitsförderung, denn es leistet einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der Gesundheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der Dienst für Diät und Ernährung mit den Krankenhausküchen Bruneck und Innichen haben aus diesem Grund ein gemeinsames Projekt zur Verbesserung des bestehenden Verpflegungsangebotes durchgeführt. Die Lebensmittelauswahl und die Speisepläne wurden überprüft und den nationalen Richtlinien für die Krankenhausverpflegung (Linee di indirizzo nazionale per la ristorazione ospedaliera e assistenziale, des italienischen Gesundheitsministeriums, 2010 und den aktuellen DGE-Qualitätsstandards für die Ver-

pflegung in Krankenhäusern, 2014) angepasst. Barbara Mairhofer, die Koordinatorin des Dienstes für Diät und Ernährung im Gesundheitsbezirk Bruneck, beschreibt die durchgeführten Schritte: „Wir haben ein Konzept zur Lebensmittelauswahl für die wöchentliche Speiseplanung erstellt und der Küchenleitung vorgestellt. Wir haben die Nährstoffzusammensetzung neu definiert und im internen PC-unterstützten Essenserfassungsprogramm ‚Sanalogic’ angepasst. Gemeinsam mit den Chefköchen haben wir die einzelnen Kostformen im Winterund Sommerspeiseplan (Vollkost und Diätkostformen) aktualisiert. Das Küchenteam hat für die Patientinnen und Patienten, aber auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neue Gerichte in der gesamten Krankenhausverpflegung eingeführt und wir sind bemüht, dies auch weiterhin zu machen.“ In den letzten zwei Jahren war die Umsetzung der Allergenkennzeichnung laut EU-Verordnung Nr. 1169/2001 ein weiterer Schwerpunkt. Diese Verordnung sieht die Information der Verbraucher und Verbraucherinnen über die 14 Hauptallergene vor. Auf den Menüplänen werden die kennzeichnungspflichtigen Allergene angeführt und sind so für alle ersichtlich. Barbar a Mairhofer

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Foto Peter A. Seebacher

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(v.l.) Chefkoch Karl Messner (Krankenhaus Bozen) und Chefkoch Harald Sensovini (Krankenhaus Sterzing)

Titelgeschichte

(Dysphagie) leiden und deshalb entsprechend aufbereitete Gerichte benötigen. Auch die Zubereitung der benötigten gluten- oder laktosefreien Gericht für Allergiker bedeuten einen Mehraufwand, so Sensovini. Trotzdem: „Unserem Anspruch zu genügen und unseren Standard zu halten ist jeden Tag eine neue Herausforderung, aber im Rahmen unserer Möglichkeiten möchten wir auch immer wieder neue Gerichte kreieren und Patienten und Patientinnen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter damit überraschen. Das hält unsere Motivation hoch und freut die ‚Gäste‘“.

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n Sterzing kommt für die Mensabesucher zum Genuss des Essens noch der Genuss einer unvergleichlichen Aussicht dazu, denn die Räumlichkeiten liegen im fünften und damit oberstem Stockwerk des Gebäudes. Wenn der Blick auf die umliegenden Berge und das nach Süden laufende Wipptal schweift, schmeckt das Essen gleich noch um einiges besser. Chefkoch Karl Messner in Bozen dirigiert ein Team von 16 Köchen, zwei Konditoren und 14 Fachkräften. Dazu kommen noch 17 Personen für Abwasch, Putzen und Essensausgabe. Dieses Crew sorgt dafür, dass mittags rund 700 Patientinnen und Patienten und bis zu 1.000 Mitarbeiter

„Manches braucht am Anfang etwas Zeit, um gut angenommen zu werden, doch ich sehe, dass die Leute sich freuen, wenn es mal was Neues gibt. Generell sieht man, dass ein Umdenken im Gange ist – die Menschen essen etwas kleinere Portionen und bewusster.“ Andrea Zanet ti, Koordinator der Mensa am Kr ankenhaus Mer an

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und Mitarbeiterinnen versorgt werden und im Schnitt jeweils 680 Frühstücke und Abendessen auf den Tisch kommen. Besonderheit in Bozen: Die Mahlzeiten für Patientinnen und Patienten werden nicht händisch sondern via automatisierter Wägen auf die Abteilungen verteilt. Bei Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichermaßen beliebt sind die verschiedenen Nachspeisen. Torten, Rouladen und andere süße Versuchungen – alles kein Problem für die beiden ausgebildeten Konditoren in der Küche, die für besondere Festtage wie etwa Weihnachten oder Ostern auch schon mal Lebkuchen-Nikoläuse, Panettone oder süße Häschen zum Menü beisteuern. Besonders nachgefragt von den Mensabesuchern im Krankenhaus Bozen werden die italienischen Vorspeisen: Risotto, Nudelgerichte, Tortellini und vor allem die hausgemachten Gnocchi stehen auf der Beliebtheitsliste ganz oben.

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weimal im Jahr werden die Gerichte vom hauseigenen Diätdienst überprüft, ob die Nährstoffinhalte noch den Vorgaben entsprechen. Auch Sauberkeit und Keimfreiheit werden regelmäßig und penibel von internen und externen Institutionen kontrolliert. Als größte Herausforderung in seinem Job nennt Messner folglich auch die gesetzlichen Vorgaben, die einzuhalten sind und die daraus resultierenden, umfangreichen Dokumentationsvorschriften. Chefkoch Messner überprüft auch regelmäßig, was auf den Tellern zurückkommt. Seine Statistik für 2016: 76 Prozent der Patientinnen und Patienten essen ihre Portionen auf, 20 Prozent die Hälfte und 3,5 Prozent gar nicht. Sind Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eigent-


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In der Küche des Meraner Krankenhauses gehen dreimal täglich rund 300 Patientenessen raus, dazu kommen noch Essen für rund 640 Mensabesucherinnen und –besucher. Alles muss hygienisch einwandfrei sein, es muss schnell gehen (über vier Personen werden allein in der Mensa pro Minute bedient), bezahlbar sein – und natürlich gut schmecken. Kurzum: Eine Quadratur des Kreises. Die Menüs der Patienten und jene der Angestellten, die die Mensa besuchen, unterscheiden sich etwas, wenngleich versucht wird, Synergien zu nutzen: „Wenn Kartoffeln auf dem Menüplan stehen, versucht man natürlich, diese auch für das Mensaessen zu verwenden“, erklärt Koordinator Andrea Zanetti. Doch dann geht es vor allem um den Geschmack: Während die Menüs für die Patientinnen und Patienten vom Diätdienst genauestens nach Kalorienbedarf und Nährwerten berechnet werden, regiert im Essensangebot für die Angestellten vor allem die alte Regel nach Angebot und Nachfrage: „Die Mittagspause ist freie Zeit des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin, die die Wahl haben sollten, das auszusuchen, was sie möchten. Deshalb steht bei uns auch mal Wienerschnitzel auf dem Speise-

plan, oder etwas darf auch mit Butter verfeinert werden. Wer natürlich etwas ‚gesünder‘ essen möchte, für den gibt es ein reiches Alternativangebot.“ Das da wäre: die Wahl zwischen zwei „trockenen Vorspeisen“ und einer Suppe, zwei Hauptspeisen, zwei Beilagen und alternativ etwas Kaltem (beispielsweise Käse), drei bis vier Nachspeisen. Und die Beststeller? Zanetti braucht nicht lange zu überlegen: „Ganz klar das Wienerschnitzel, wenn es das gibt, wählen 500 von 600 Leuten dieses. Auch Lasagne kommt immer sehr gut an, aber auch das etwas exotische Kalbfleisch-Curry-Ananas-Geschnetzelte.“ Zanetti tüftelt aber auch gerne an neuen Kreationen und bringt diese dann dem Chefkoch Günther Marmsoler vor, der ein offenes Ohr für seinen kreativen Kollegen hat. „Manches braucht am Anfang etwas Zeit, um gut angenommen zu werden, doch ich sehe, dass die Leute sich freuen, wenn es mal was Neues gibt. Generell sieht man, dass ein Umdenken im Gange ist – die Menschen essen etwas kleinere Portionen und bewusster.“

Titelgeschichte

lich zufrieden mit der Leistung des Küchenteams? Messner: „Es kommt schon vor, dass hie und da Kritik vorgebracht wird, aber Essen ist eben Geschmackssache. Immer wieder passiert es aber auch, dass mich Patienten oder Patientinnen auf dem Gang als Koch erkennen und mir über das Essen Komplimente machen. Und das kommt gar nicht mal so selten vor.“

T

urnusbeginn ist in der Küche um 5.00 Uhr morgens, abends werden um 20.00 Uhr die Lichter ausgemacht. Frühstück, Mittag- und Abendessen müssen vorbereitet werden, am hektischsten geht es ab 10.30 Uhr zu, dann kommen nämlich aus den bettenführenden Abteilungen die Hilfskräfte mit ihren „Wägen“, um das am Vorabend bestellte Essen für die Patientinnen und Patienten abzuholen. Alles wird wie am Fließband laut Bestellung individuell in die Wärmebehälter gegeben, danach

Menge der verbrauchten Lebensmittel Küche Krankenhaus Brixen im Jahr 2016 ca. 7.500 kg

Verschiedenes Kalbfleisch Verschiedenes Rindfleisch

ca. 5.000 kg ca. 7.000 kg

Verschiedenes Schweinefleisch

ca. 8.000 kg

Huhn und Truthahn Verschiedene Fischarten Frisches Obst und Gemüse

ca. 4.000 kg ca. 40.000 kg

davon Äpfel ca. 12.000 kg

Frische Kartoffeln in der Schale

ca. 8.000 kg

Frische Kartoffeln geschält von Pustertaler Saatbaugenossenschaft

ca. 8.000 kg ca. 10.000 kg

Verschiedene tiefgefrorene Kartoffel Frischmilch Brimi Brixen

ca. 40.000 l

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Foto Marina Cattoi Foto Maria E. Rieder

titelgeschichte

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heißt es so schnell wie möglich wieder zurück (um eine optimale Qualität und Hygiene zu garantieren, dürfen 65 Grad nicht unterschritten werden). Auf der Abteilung wartet bereits ein Pflegemitarbeiter, der eine letzte Kontrolle zwischen Bestellung und Lieferung macht, dann wird das Essen verteilt. Vollkost ist zwar Standard, doch es gibt mittlerweile sehr viele Ausnahmen: von der Breikost bis hin zum Kindermenü, von der glutenfreien Kost bis hin zum Weglassen von Allergenen, dann gibt

Hubert Messner, Chefkoch im Krankenhaus Brixen

Gualtiero Irsara , Koch im Krankenhaus Bruneck

es noch die individuell kalorienreduzierte Kost…, „manchmal kochen wir zwei bis drei Mini-Portionen, weil jemand gerade das braucht.“ Nach dem Essen werden Geschirr und Reste eingesammelt und an die zentrale Spüle geliefert, wo allein zwölf Personen in der Tellerwäsche arbeiten. Essensreste werden zentral klein gehäckselt und zum Bio-Müll gegeben, den Gemeindemitarbeiter regelmäßig entleeren. Das Mensa-Team denkt jedenfalls in anderen Kategorien: Koordinator Zanetti erklärt, dass man fast alle Essensgewohnheiten der langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennt. Das führe oft zu

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humorvollen Situationen – da wird bei einem Gespräch über Person XY nicht gesagt, „Dr. … aus der Abteilung …“, sondern „… der, der nie Spinat isst“, und jeder im Team weiß, wer gemeint ist.

M

it den Chefkoch Günther Lercher stehen in der Küche und Mensa des Krankenhauses Bruneck sechs Köche, davon vier Diätköche, eine Konditorin und 34 spezialisierte Hilfskräfte, die Vollzeit oder Teilzeit arbeiten. Sie kümmern sich um das leibliche Wohl der Patientinnen und Patienten und der Bediensteten im Krankenhaus Bruneck. In Innichen deckt Chefkoch Franz Strobl mit zwei Köchen und zwölf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen den Dienst in Küche und Mensa ab. Die Arbeit in den Krankenhausküchen beginnt bereits um fünf Uhr morgens mit der Vorbereitung des Frühstücks für die Patientinnen und Patienten. Im Krankenhaus Bruneck werden neben den durchschnittlich 250 Patientinnen und Patienten, die morgens, mittags und abends versorgt werden, für die Krankenhausmensa täglich etwa 500 Mittagessen zubereitet. Neben den Bediensteten des Krankenhaueses Bruneck und den Helfern und Helferinnen des Weißen Kreuzes werden auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflegestation mit guten und abwechslungsreichen Menüs versorgt.

I

m Krankenhaus Innichen werden neben den Patientinnen und Patienten, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses, des Altersheimes und der Bezirksgemeinschaft, die Helferinnen und Helfer des Weißen Kreuzes auch die 50 Insassen des nahe gelegenen Altersheimes versorgt. Mittag- und Abendessen wird im Krankenhaus gekocht und ins Altersheim geliefert. In beiden Krankenhäusern wird der Speiseplan in enger Zusammenarbeit mit dem Dienst für Diät und Ernährung erstellt. Er besteht jeden Tag aus drei Menüs: ein Vollkostmenü, ein leichtes Menü und ein fleischloses Menü. Zudem werden täglich 20 Diätmenüs angeboten. Besonders stolz sind die beiden Chefköche darauf, dass in ihrer Küche, soweit möglich, alles frisch zubereitet und vieles selbst hergestellt wird. So werden alle Kuchen und Mehlspeisen im Haus gebacken, wenn es die Zeit und der Personalstand zulässt, werden Gnocchi oder auch mal Marillenknödel mit viel Professiona-


„Nach all den Jahren weiß ich von vielen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, was sie gerne mögen oder nicht, etwas mehr Gemüse, keine Kartoffeln, kein Fleisch, für die besonders Hungrigen eine größere Portion, manche essen eher wenig. So soll denn Jede und Jeder das auf den Teller bekommen, was er mag und auch wirklich isst, damit dann möglichst wenig weggeworfen wird.“

lität und Liebe selbst zubereitet. Großer Wert wird auf saubere und hygienische Arbeitswese gelegt, es wird nach dem Hygieneplan gearbeitet. Neu ist seit letztem Jahr die Umsetzung der Allergen-Kennzeichnung laut EU-Verordnung – etwas, was alle Küchen des Sanitätsbetriebes betrifft. Zusätzlich zu all diesen Arbeiten, sind die Küchenchefs mit ihren Teams für die gesamten Bestellungen und die Annahme der Waren verantwortlich. Für die Zubereitung der Speisen werden, soweit als möglich, frische und einheimische Produkte verwendet, die, soweit es die gesetzlichen Bestimmungen zulassen, vor Ort eingekauft werden. Der Ankauf des Großteils der Lebensmittel erfolgt über zentrale Ausschreibungen, die landesweit durchgeführt werden.

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runecker und Innichner scheinen ähnliche Geschmäcker zu haben. Besonders beliebt in der Krankenhaus-Mensa von Bruneck sind Pizza, Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat, selbstgemachte Kartoffelteigtaschen (mit verschiedenen Füllungen) - und natürlich alle selbstgemachten Kuchen und Süßspeisen. In Innichen sind es Pizza, frische Gerichte nachJahreszeit – zum Beispiel Auberginen mit Tomaten und Mozzarella überbacken – und Wiener Schnitzel. Für die Bediensteten ist ein gesundes und abwechslungsreiches Essen in der Mensa wichtig und für das Essen gibt es in beiden Krankenhäusern nur Lob. Besonders geschätzt werden die Salatbüffets und die professionelle Ausgabe in der Mensa. Gerti Mair, Mitarbeiterin in der Mensa in Bruneck, sagt: „Nach all den Jahren weiß ich von vielen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, was sie gerne mögen oder nicht, etwas mehr Gemüse, keine Kartoffeln, kein Fleisch, für die besonders Hungrigen eine größere Portion, manche essen eher wenig. So soll denn Jede und Jeder das auf den Teller bekommen, was er mag und auch wirklich isst, damit dann möglichst wenig weggeworfen wird“.

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Gerti Mair, Mitarbeiterin in der Mensa in Bruneck

Küche und Koch in neuem Glanz Im Krankenhaus Schlanders sind nicht nur Mensa und Küche „erneuert“ worden, sondern auch der Chef der hauseigenen Kulinarik: Seit dem Umbau im Herbst letzten Jahres haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen freundlichen und hellen Speiseraum zur Verfügung, seit rund einem Jahr schwingt der 40-jährige Lukas Oberhofer den Kochlöffel. Für die hungrigen Mäuler des Schlanderser Krankenhauses ist Oberhofer auf jeden Fall ein Gewinn: war er doch vorher in verschiedenen Drei- und Vier-Sterne-Hotels und Restaurants tätig, eine Raffinesse, die man schmecken kann. Nun trägt er die Verantwortung für seine 30-köpfige Brigade und muss dafür sorgen, dass alles einwandfrei funktioniert. Oberhofer fühlt sich sehr wohl im neuen Umfeld und lobt das angenehme Arbeiten und die gute Ausstattung. Am liebsten kocht er Fleischgerichte, das schmeckt man wahrscheinlich auch, denn die ‚Bestseller‘ bestätigen dies: „Am liebsten essen die Leute Wiener Schnitzel, Cordon Bleu oder Gulasch, aber auch Nudelgerichte“.

stellten hat ergeben, dass das Essen in der Mensa sehr geschätzt wird: „Anfangs habe ich mir immer noch den Menüplan angeschaut, um zu schauen, ob es heute was gibt, was mir schmeckt. Mittlerweile hab ich das sein lassen – denn es ist einfach alles gut, es gibt jeden Tag etwas Gutes. Mein Lieblingsgericht ist Cordon Bleu“, so ein Verwaltungsmitarbeiter. Ein Werkstattmitarbeiter bestätigt dies, regt aber auch an, vermehr gesunde Gerichte anzubieten, etwa den Fisch nicht immer zu panieren („meine Cholesterinwerte…“). Hier heißen die Favoriten Knödel und Lasagne. Eine Sekretariatsmitarbeiterin hingegen hat „ihr“ Gericht ebenfalls gefunden: Risotto mit Ricotta und Kräutern.

Eine – zugegeben nicht repräsentative – Umfrage unter einigen Ange-

( Valentine Strobl)

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Valentinsgeschenk 29 Die Blumenfreunde 30 Gesunde Beißerchen 30 Ein neues Haus, ein neuer Mensch 31 Track: Schnellere Heilung nach Endoprothesen-Implantaten 32 Gestärkt für einen gemeinsamen Alltag 33 Brixen Therapiezentrum Bad Bachgart – neue Koordinatorin 34 Fit im Notfall? – eine Zwischen­bilanz 34 Bozen Weiterbildung UpToDate - ein großer Erfolg 36 „Achte auf deine Gesundheit, fünf Kernpunkte eines gesunden Lebenstils“ 37

Meran

Bruneck Fast

Bruneck

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Track: Schnellere Heilung nach Endoprothesen-Implantaten 32 Gestärkt für einen gemeinsamen Alltag 33 Therapiezentrum Bad Bachgart – neue Koordinatorin 34 Fit im Notfall? – eine Zwischen­bilanz 34 Bozen Weiterbildung UpToDate - ein großer Erfolg 36 „Achte auf deine Gesundheit, fünf Kernpunkte eines gesunden Lebenstils“ 37

Brixen

Therapiezentrum Bad Bachgart – neue Koordinatorin 34 Fit im Notfall? – eine Zwischen­bilanz 34 Bozen Weiterbildung UpToDate - ein großer Erfolg 36 „Achte auf deine Gesundheit, fünf Kernpunkte eines gesunden Lebenstils“ 37

Brixen

Weiterbildung UpToDate - ein großer Erfolg 36 „Achte auf deine Gesundheit, fünf Kernpunkte eines gesunden Lebenstils“ 37

Bozen

Aus den bezirken

Brixen

Bozen

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MERAN 29

Foto Sabine Flarer

Landesrätin Martha Stocker bei ihrer Festrede

Valentins­ geschenk Die im August 2013 in Angriff genommenen Arbeiten wurden im Dezember 2016 abgeschlossen; jetzt verfügt der Gebäudetrakt über eine Gesamtkubatur von mehr als 30.000 Kubikmetern (rund 9.000 davon neu errichtet). 68 Plätze stehen im Bettenbereich zur Verfügung. Dabei handelt es sich um Einzel- oder Zweibettzimmer mit sanitären Anlagen, die sich im Erdgeschoss sowie im ersten, zweiten und dritten Stock befinden. Ebenfalls im Erdgeschoss sind zudem die Bereiche Day Hospital und Day Surgery untergebracht. Das vierte Obergeschoss wurde hauptsächlich zur Unterbringung für die Diensträume und Studenten mit

Foto Sabine Flarer

MERAN Sabine Fl arer

Aus den Bezirken

Exakt am Valentinstag, am Tag, an dem die Liebe im Mittelpunkt steht, wurde der neue Bettentrakt des Schlanderser Krankenhauses offiziell übergeben. Ein gutes Omen, denn immerhin soll der Geist der Liebe alle, die dort ein und aus gehen, tragen. Die Landesräte Martha Stocker und Christian Tommasini freuten sich mit den Ehrengästen.

Der Schlanderser Bürgermeister Dieter Pinggera (li.) mit SABES-Generaldirektor Thomas Schael

den dazugehörigen Räumlichkeiten angepasst. Erneuert wurden auch die Küchen. Die wichtigsten architektonischen Eingriffe betrafen die statische Anpassung an Erdbeben- und Brandschutz, die technischen Anlagen für die Heizung, den Einbau einer Klima-und Lüftungsanlage, die sanitären Anlagen, die Wärmedämmung der Fassade sowie den Austausch der Fenster und der Einrichtung in den Bettenzimmern.

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Foto Sabine Flarer

MERAN

MERAN Sabine Fl arer

Die Blumenfreunde

Aus den Bezirken

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Clown Karamela in ihrem Element

Frühjahr – das bedeutet Hochsaison für fleißige Gärtnerinnen und Gärtner, egal, ob Hobbybotaniker oder dafür eingestellt im Krankenhaus Meran. Die vielen Grünanlagen in und um das Krankenhaus in der Gartenstadt Meran müssen ebenso gepflegt werden: Damit sich auch weiterhin Patienten, Mitarbeiter und Besucher über die „grüne Oase“ erfreuen können, ist viel Arbeit notwendig. Die Arbeiten unterscheiden sich wenig von den Aufträgen, die im heimischen Bereich abzuarbeiten sind: Der Rasen muss vertikutiert und gedüngt werden, die Hecken müssen geschnitten und in Form gebracht werden. Neues muss eingepflanzt, Altes beschnitten oder entfernt werden, und das leidige Jäten erledigen die Mitarbeiterinnen trotz der schweren Arbeit auf den Knien (immerhin mit „Pölsterchen“) mit beneidenswerter Fröhlichkeit. Das Spritzen wird aus Sicherheitsgründen an eine externe Firma übergeben, doch trotzdem geht dem

sechsköpfigen Team die Arbeit nicht aus. Schließlich müssen auch Pflanzen in den Krankenhausräumen umgetopft oder geschnitten werden. Die Mittel für Neusetzungen, zum Beispiel bunte Blumen, sind heutzutage leider etwas knapp, was die professionellen Blumenfreunde mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen denn gerade jetzt im Frühjahr ist auch so schon genug „Action“ angesagt.

Gesunde Beißerchen Karamela und Schokola – das sind keine neuen Pausenriegel, sondern zwei Clowns, die es schaffen, Kinder spielerisch zur Zahnhygiene anzuleiten. An zwei Tagen im Jänner 2017 konnten sich in mehreren Schichten rund 100 Kinder im Konferenzraum des Meraner Krankenhauses davon überzeugen. Die Theaterpädagogen vom Verein „Tiatro“ touren nun schon das zweite Jahr mit großem Erfolg durch Südtirol. Fachlich werden sie von Christian Greco, dem Leiter des Zahnärztlichen Dienstes Meran, beraten. Aber dessen Einsatz hört nicht bei der bloßen Beratung auf: In einer aufgezeichneten lustigen Fernsehpräsentation steht Greco den Clowns – und somit auch den Kindern – bei jedem Auftritt Rede und Antwort. Gemeinsam wird gelacht, erklärt, gesungen und geübt – alles mit dem Ziel, den schädlichen Bakterien den Nährboden zu nehmen. „Eine spielerische Anleitung zu gesunden Beißerchen – das kommt bei Groß und Klein gut an“, so Sigrid Seberich alias Clown Karamela.

Foto Sabine Flarer

(SF)

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MERAN 31

Foto Sabine Flarer

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verwaltungsgebäudes „Antonianum“ in Meran sind umgezogen. Sie werden nun im innerhalb von zehn Monaten frisch sanierten Gebäude „König Laurin“ in der Laurinstraße ihren Dienst tun. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wieviel Arbeit und Organisation es für eine Umsiedelung braucht. MERAN Sabine Fl arer

Geometer Martin Ratschiller kommt in diesen Tagen wohl kaum zur Ruhe: Immerhin ist er es, bei dem die ganzen Fäden zusammenlaufen. Zu Anfang stand deshalb auch ein entscheidendes Briefing mit allen Beteiligten, „damit jeder weiß, was zu tun ist.“ Alles wird hausintern gemacht, keine Umzugsfirma wurde beauftragt: Vier zusätzliche Mitarbeiter aus den Bereichen Magazin, Reinigungsdienst, Ver- und Entsorgung und Mensa konnten sich freiwillig zur Mithilfe melden und schwitzen nun, zusammen mit Fahrern und Technikern, treppauf und treppab.

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uffallend ist, dass bei allem Umzugsstress kein Chaos herrscht – und Martin Ratschiller kann über diese Vermutung nur den Kopf schütteln: „Wir machen hier keinen ‚Puff‘…“ Auch Buchhaltungs-Mitarbeiterin Karin Kofler kann dies nur bestätigen: „Alles ist wirklich perfekt organisiert, wir sind sogar dem Zeitplan etwas voraus – und ich freue mich nun wirklich, in den Räumen zu arbeiten.“ Die

größten Schwierigkeiten bereiten – im Unterschied zu sonstigen Umzügen – diesmal auch nicht die Neuinstallationen, sondern das Abbauen: Ein Blick auf die verwinkelten Gänge im „Antonianum“ erklärt auch warum. Das „König Laurin“, immerhin baulich etwas jüngeren Datums, weist etwas breitere Korridore auf, was den „Möbelpackern“ entgegenkommt.

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och die Übersiedelung betrifft nicht nur die Arbeitsplätze der rund 60 Personen, sondern auch die Rollarchive der betreffenden Abteilung: auch hier ist eine gute Koordination gefragt. „Wir müssen das alles bei laufendem Betrieb machen, die Anforderung an uns war, dass jeder Bereich nur maximal einen Tag außer Gefecht gesetzt sein darf“, erklärt Ratschiller.

Foto Thomas Lechthaler

„Ein neues Haus, ein neuer Mensch“, dieses Zitat wird Johann Wolfgang von Goethe zugeordnet und der weise Herr Geheimrat hat es wohl klar getroffen. Ein Umzug ist auch Gelegenheit, alten Ballast hinter sich zu lassen, ewig in die Ecke Gestelltes nochmals in die Hand zu nehmen und eventuell zu entsorgen oder neu zu ordnen.

Aus den Bezirken

Ein neues Haus, ein neuer Mensch

Der Blick aus dem Fenster ist in beiden Gebäuden ein Gewinn: Das „Antonianum“ liegt inmitten der Obstwiesen, doch das „König Laurin“ kann sich ebenfalls rühmen, von Merans Grüngürtel umgeben zu sein. „Die Räume dort verfügen über noch mehr Tageslicht, außerdem wurden überall moderne LED-Leuchten installiert. Auch die Aufzüge und Bäder entsprechen nun modernem Standard.“ Buchhaltungs-Mitarbeiter Paul Innerhofer kann dem nur zustimmen: „Für mich persönlich ein Quantensprung.“

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Foto Maria E. Rieder

BRUNECK 32 Aus den Bezirken

Das Einpflanzen eines Kunstgelenks schneller, leichter und mit weniger Schmerzen bewältigen, das sind die Vorteile für Patienten, die nach der Fast-Track-Methode behandelt werden. Ab 1. Mai 2017 wird im Krankenhaus Bruneck diese Behandlungsmethode bei Patientinnen und Patienten, die ein Endoprothesen-Implantat erhalten, angewandt. Der Orthopäde Carlo Sacchi hat mit einem Projektteam die Prozedur erarbeitet, die jetzt umgesetzt wird. bruneck Maria Elisabeth Rieder

Fast Track: Schnellere Heilung nach Endoprothesen-Implantaten Die Entwicklung von Fast Track hat ihren Ursprung in den USA, in England und in den Niederlanden. Dort wird die Methode als „Rapid Recovery“, also schnelle Wiederherstellung des Patienten nach einer Operation, bezeichnet. Fast Track ist ein Gesamtpaket von Maßnahmen, das die Behandlung vom Aufklärungsgespräch über Vorsorge und Änderungen in den Operationstechniken bis hin zur Nachbehandlung umfasst. Carlo Sacchi, Orthopäde im Krankenhaus Bruneck, ist der Initiator der Einführung dieser Behandlungsmethode im Krankenhaus Bruneck. Mit einem Projektteam aus Orthopäden, Anästhesisten, Krankenpflegern der Orthopädie und des Operationssaals, Physiater und Physiothe-

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rapeuten sowie Verwaltungsangestellten hat er Leitlinien, Prozedur und die notwendigen Checklisten erarbeitet.

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nfang Mai werden die ersten Patienten nach dieser Methode behandelt. Nach der Erhebung des Ist-Stands und des Optimal-Zustandes wurde die praktische Umsetzung der Fast-Track-Methode für das Krankenhaus Bruneck erarbeitet: Der Patient kommt mit einem Problem und dieses soll gelöst werden. Bei dieser Behandlungsmethode ist der Patient nicht passiv, sondern ein aktives Mitglied im Prozess. Bei allen Maßnahmen stehen die Einbeziehung und die aktive Mitarbeit des Patienten im Vordergrund. Der Patient wird darüber aufgeklärt, was gemacht wird: Ein erstes Aufklärungsge-


In drei Treffen haben die Referenten ihre persönlichen Erfahrungen, Strategien und Instrumente, die sie in einer zweijährigen Coaching-Ausbildung kennengelernt haben, weitergegeben. Die drei Workshops mit dem Titel „Gestärkt für einen gemeinsamen Alltag“ hatten das Ziel, einen persönlichen Entwicklungsprozess der Teilnehmerinnen anzustoßen, diesen zu begleiten und zu unterstützen. Führungskräfte im Pflegebereich sind besonders gefordert: Im Vordergrund der Arbeit steht das Wohl der Patientinnen und Patienten, dazu kommen die stetig steigenden Anforderungen der Vorgesetzten, aber auch die der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. „In dieser ‚Sandwich-Situation’ kann das Gefühl entstehen, von allen Seiten Druck zu bekommen, allein gelassen zu werden und überfordert zu sein, “, beschreibt Alexander Kugler diese Situation. „In unseren Workshops war es uns daher wichtig, den Bereichsleiterinnen und Koordinatorinnen Instrumente in die Hand zu geben, um die eigene Verantwort-

lichkeit erkennen sowie die notwendige Distanz aufbauen und Weitblick entwickeln zu können. Nur so ist es möglich, Probleme als Entwicklungsmöglichkeiten zu sehen, Veränderungen positiv anzunehmen und vor allem selbst gestärkt als Führungskraft dies auch in der Begleitung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auszustrahlen.“ Mit anschaulichen praktischen Übungen, Arbeit in Kleingruppen, Feedbackrunden und mit Beispielen aus dem eigenen Arbeitsalltag wurden in den drei Treffen ganz konkrete Lösungsansätze entwickelt.

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Enge Zusammenarbeit und Austausch zwischen Sozial- und Gesundheitswesen ist im Bereich aller sanitärer nichtärztlichen Berufsbilder wichtig, um die anstehenden, weitreichenden Veränderungen bewältigen zu können. Um diese auch in der Praxis umzusetzen, haben Rosmarie Rienzner, Pflegedienstleiterin des Seniorenwohnheimes Innichen, Veronika Rabensteiner, Amtsdirektorin des Amtes für die Ausbildung des Gesundheitspersonals, sowie Alexander Kugler, koordinierender Pflegedienstleiter des Gesundheitsbezirkes Bruneck, gemeinsame Workshops für ihre Bereichsleiterinnen und Koordinatorinnen angeboten.

BRUNECK

Gestärkt für einen gemeinsamen Alltag

Diese Workshops waren eine erste Initiative der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit, ein Sich-Kennenlernen zwischen Sozial- und Gesundheitswesen, ein Sich-Verstehen und ein Voneinander-Lernen. Nach diesem ersten Schritt werden weitere folgen, denn von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde der Wunsch geäußert, öfters bereichsübergreifende Fortbildungen zu organisieren. (MER)

Foto Maria E. Rieder

spräch führt der Orthopäde, alles, was gemacht wird, wird genau erklärt. Unterstützt wird die Aufklärung durch Bilder und einem Video sowie einer Broschüre. Ergänzend dazu führt der Arzt ein “Motivationsgespräch“, bei dem auch Angehörige, die den Patienten nach dem Eingriff begleiten, willkommen sind. Ziel ist es, dem Patienten zu erklären, wie er aktiv zum Genesungsprozess beitragen kann und ihn einzubeziehen. Die Physiotherapie beginnt bereits vor dem operativen Eingriff. Das Gehen mit Krücken wird erlernt und geübt. Verständlicherweise ist es ist für einen frisch operierten Patienten schwerer zu erlernen als vor der Operation. Aus medizinischer Sicht werden alle Maßnahmen gesetzt, um den OP-Eingriff optimal an den Patienten anzupassen. Umfangreiche Untersuchungen werden im Vorfeld durchgeführt und ein optimales Schmerzmanagement angestrebt. Diese Vorbereitungen und alle Voruntersuchungen werden im Vorfeld ambulant durchgeführt. Der Patient kommt erst zum OP-Termin ins Krankenhaus und wird damit aus der Rolle des passiv ängstlich Wartenden in die aktivere Rolle desjenigen versetzt, der am Behandlungserfolg selbst mitwirkt. Ein weiterer Vorteil für den Patienten sind die angewandten OP-Techniken und die Wundversorgung. Beim Eingriff wird auf gewebeschonende Techniken geachtet ebenso wie auf eine optimale Wundversorgung, so wird die Wunde etwa nicht geklammert, sondern geklebt. Die Mobilisation des Patienten beginnt am Tag null, also noch am Operationstag. Der stationäre Aufenthalt wird von acht bis neun Tagen auf vier bis fünf Tage reduziert. Die Physiotherapie wird meist ambulant weitergeführt. Carlo Sacchi unterstreicht, dass diese Behandlungsmethode bereits in vielen Krankenhäusern, auch in Südtirol, erfolgreich angewandt wird: „Wir versprechen uns viel von dieser Methode für unsere Patientinnen und Patienten und sind für einen Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen offen. Gerne stellen wir auch das von uns erarbeitete Informationsmaterial zur Verfügung.“ Was ist der größte Vorteil dieser Behandlungsmethode? Sacchi: „Durch die Orientierung an den speziellen Bedürfnissen des Endoprothetikpatienten können die Abläufe optimiert und zufriedene Patienten bei kürzerem Krankenhausaufenthalt erreicht werden. Das Schönste ist, wenn ich ans Bett des Patienten komme und er lacht und ist zufrieden, das ist dann die größte Befriedigung.“

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Die Fallsimulationen in den Abteilungen und Diensten des Gesundheitsbezirkes Brixen können als Erfolg gewertet werden. Mehrere hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben in den vergangenen drei Jahren daran teilgenommen.

Mit 1. Oktober 2016 hat Edith Maier ihre Arbeit als Koordinatorin im Therapiezentrum Bad Bachgart aufgenommen. Nach Abschluss ihres Studiums der Krankenpflege an der Fachhochschule Claudiana im Jahr 2000 arbeitete Maier drei Jahre an der neurologischen Abteilung des Krankenhauses Meran. Von 2003 bis 2009 sammelte sie als Mitarbeiterin in einer Privatpraxis für Komplementärmedizin Erfahrung. Mit 2010 trat sie die Stelle als Koordinatorin des Dienstes für Komplementärmedizin im Krankenhaus Meran an. 2016 hat sich die gebürtige Meranerin aus persönlichen Gründen dazu entschieden, nach Brixen zu ziehen. Edith Maier liebt es, sich in ihrer Freizeit körperlich zu betätigen und ihre Zeit wandernd, schwimmend und reisend zu verbringen, genießt es aber auch, sich beim Lesen, Kochen oder bei einem guten Essen zu entspannen. (Mc)

Foto Privat

Aus den Bezirken

Therapiezentrum Bad Bachgart – neue Koordinatorin

Brixen markus badstuber

Fit im Notfall? – eine Zwischen­ bilanz Sowohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Pflegebereich als auch jene aus dem Therapeutenbereich verbringen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen im Gesundheitssystem die meiste Zeit mit den ihnen anvertrauten Patientinnen und Patienten. Sehr oft sind sie es, die einen sich plötzlich verschlechternden Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten als erste beobachten. Um diesen Mitarbeitenden und jenen anderer Bereiche wie beispielsweise Labor-, Röntgen- oder Hygienedienste eine Hilfestellung beim Erkennen und Bewältigen medizinischer Notfallsituationen in ihren Abteilungen und Diensten zu bieten, hat die Pflegedienstleitung des Gesundheitsbezirkes Brixen zusammen mit engagierten und entsprechend qualifizierten Pflegekräften das auf die Praxis ausgerichtete und in allen Bereichen angebotene Trainingskonzept „Fit im Notfall? – Fallsimulationen in Abteilungen und Diensten“ ins Leben gerufen.

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m Rahmen von Krankenhausbehandlungen treten bei fünf bis zehn Prozent der Fälle medizinisch kritische Situationen auf und zirka zehn Prozent davon münden in Reanimationen. Dabei treten medizinische Notfallsituationen nur selten unvorhergesehen auf und in vielen Fällen weisen die Patienten oder Patientinnen langsam fortschreitende Veränderungen des Atem-, Kreislaufund Nervensystems auf, die bisher unerkannt geblieben waren.

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Wenn sich lebensbedrohliche Komplikationen anbahnen, ist es wichtig, diese schnell zu erkennen und sofort ärztliche Hilfe herbeizuholen. Je früher ein sich verschlechternder Gesundheitszustand erkannt wird, umso besser ist es für die Patientin oder den Patienten. Der Fokus liegt daher darauf, nicht nur zu sehen, sondern zu erkennen. Durch frühzeitiges Intervenieren können lebensbedrohliche Ereignisse schnell abgefangen werden, denn die beste Reanimation ist jene, die gar nicht erforderlich ist.

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n den im Gesundheitsbezirk von Brixen stattfindenden zweistündigen Trainingseinheiten, welche direkt vor Ort mit der Notfallausrüstung der Abteilung beziehungsweise des Dienstes gestaltet werden, nehmen maximal sechs Mitarbeitende teil. Mit Hilfe sogenannter Frühwarnsysteme (Early Warning Scores - EWS) erhalten die Teilnehmenden ein wissenschaftlich fundiertes Instrument, um kritische Gesundheitszustände ihrer Patientinnen und Patienten anhand einfacher Parameter wie Atemfrequenz, Herzfrequenz, Blutdruck, Bewusstsein, Körpertemperatur, Ausscheidung und Schmerz zuverlässig zu erkennen und zu entscheiden, ob und welche ärztliche Unterstützung notwendig ist. Anhand mehrerer realitätsnaher Szenarien werden von den Teilnehmenden das Erkennen von Veränderungen und das Durchführen ge-


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in anderen Trainings erlernte praktische Fertigkeiten (beispielsweise BLS-D) realitätsnah trainiert und geübt werden, um so im realen medizinischen Notfall die Zeit bis zum Eintreffen des spezialisierten Notfallteams bestmöglich zu überbrücken. Da Pflegende in ihrem Alltag in der Regel selten mit derartigen Notfallsituationen konfrontiert werden und die Zeitspanne zwischen dem Erlernen und Anwenden der Techniken mitunter sehr lang sein kann, ist es vielen von ihnen ein Anliegen, die Notfalltrainings regelmäßig, also mindestens alle zwei, Jahre zu besuchen, um für den Notfall „fit“ zu bleiben. „Fit“ bleiben will auch das Trainer-Team, indem es kontinuierlich die Lerninhalte aktualisiert und sich mit dem ärztlichen und pflegerischen Bereich der Notfallmedizin vernetzt.

Aus den Bezirken

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n den vergangenen drei Jahren haben 800 Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen der Krankenhäuser von Brixen und Sterzing sowie der Einrichtungen vor Ort eines der 155 Trainings besucht, welche von 15 Trainern und Trainerinnen - meist Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen aus dem Notfallbereich - begleitet und gestaltet wurden. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden hinsichtlich der Relevanz der Trainingseinheiten für ihr Arbeitsfeld sind äußerst positiv. Als Hauptargument wird angeführt, dass das Training auf der eigenen Abteilung und in kleinen Gruppen sehr praxisnah und lern- sowie transferfördernd wirkt. Ebenso können durch die verschiedenen Fallbeispiele medizinisches Wissen und

Foto Markus Badstuber

eigneter Maßnahmen praxisnah geübt und im Anschluss in der Trainingsgruppe diskutiert. Durch die Verwendung der stationseigenen Notfallausrüstung sollen die Teilnehmenden Sicherheit im Umgang mit den in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich zur Verfügung stehenden Utensilien entwickeln. Das realitätsnahe Notfalltraining soll auf den Ernstfall vorbereiten und zudem die Zusammenarbeit zwischen den Teammitgliedern verbessern. Damit können auch eventuelle organisatorische oder logistische Schwachstellen in den verschiedenen Bereichen der Organisationseinheit Krankenhaus beziehungsweise Territorialer Dienst aufgedeckt und frühzeitig eliminiert werden.

„Fit im Notfall? – Fallsimulationen in Abteilungen und Diensten“ kann als gelungener Beginn eines vereinheitlichten Vorgehens bei sich anbahnenden Notfällen gewertet werden, das sowohl der Sicherheit der Patientinnen und Patienten als auch der Professionalisierung der Gesundheitsberufe in medizinischen Notfallsituationen im Krankenhaus und in den wohnortnahen Diensten zugutekommt.

Foto Markus Badstuber

Literatur:

Markus Badstuber, Krankenpfleger Anästhesie, Krankenhaus Sterzing

Jantzen, T. et al. (2013): Notfälle im Krankenhaus. Das innerklinische Notfallmanagement. In: Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzth. 48 (6), 414-422. Online im Internet: https://www.thieme-connect.de/DOI/ DOI?10.1055/s-0033-1349007 (abgerufen am: 10.02.2017)

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In der Woche vom 30. Januar bis 3. Februar 2017 gab es mehrere Fortbildungsveranstaltungen für das ärztliche Personal in den Krankenhäusern von Bozen, Meran, Schlanders, Brixen und Bruneck. Dabei wurden in wenigen Tagen über 250 Ärztinnen und Ärzte miteinbezogen.

Weiterbildung UpToDate - ein großer Erfolg

aus den bezirken

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bozen

bozen Elisabeth Montel

UpToDate-Kursleiterin Chiara Taiana hat während zahlreicher Abteilungsmeetings die Funktionen von UpToDate vorgestellt. Die Plattform UpToDate unterstützt klinische Entscheidungen als zuverlässige und evidenzbasierte Ressource und soll so zu einer Verbesserung der klinischen Ergebnisse führen. Bei UpToDate handelt es sich um eine unabhängige Datenbank, die zur Förderung einer klinisch und wissenschaftlich evidenzbasierten Medizin gegründet wurde. Als erster italienischer Kunde startet der Südtiroler Sanitätsbetrieb mit der App UpToDate Anywhere. Team der Medizinischen Bibliothek am Krankenhaus Bozen

Die App steht dem gesamten Gesundheitspersonal der Bezirke (Ärzte, Ärzte in Facharztausbildung, Studenten, Pflegepersonal, Apotheker, Physiotherapeuten, Psychologen) zur Verfügung.

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er Zugang zu UpToDate erfolgt mittels jeden Computers im Betrieb über die Website der Virtuellen Medizinischen Bibliothek www.bmv.bz.it oder direkt über www.uptodate.com. Die App kann auf zwei Geräte (Smartphone, iPhone, iPad, Tablet) heruntergeladen und über eine Internet-Verbindung überall verwendet werden. Darüber hinaus ist es möglich, von einem externen PC auf www. uptodate.com zuzugreifen, durch Angabe der Zugangsdaten (Benutzername und Passwort), die während der Registrierung zugewiesen wurden.

Foto Anna Rauchenberger

UpToDate präsentiert sich als Suchmaschine. Ärzte von internationalem Ruf verfassen den Inhalt nach einem strengen redaktionellen Prozess und aufgrund von Wirksamkeitsbelegen (EBM).

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Nach der Einstellung der Sprache (Feld oben rechts „Language“) kann die Datenbank in der eigenen Muttersprache abgefragt werden, indem eine Frage in das Hauptfenster eingegeben wird. Die Ergebnisse erscheinen auf Englisch. UpToDate wird regelmäßig dank des Einsatzes von 6.300 Ärzten weltweit aktualisiert. Seit


Seit September 2015 wurde UpToDate von Agenas als Provider von Credits für die kontinuierliche medizinische Weiterbildung akkreditiert. Die im Ausland erworbenen Credits können nicht mehr als 50 Prozent der dreijährigen Vorgabe von 150 Punkten überschreiten. Für die Anerkennung der Credits ist es ratsam, an die eigene Ärztekammer oder an den Berufsverband das Zertifikat sowie das Log der durchgeführten Tätigkeit innerhalb UpToDate zu senden. Wichtig: CME-Punkte können nur nach Eingabe der eigenen Zugangsdaten unter CME (Feld oben rechts) und Befolgung der Anweisungen gesammelt und eingelöst werden. Wer mehr über die Funktionen und Vorteile von UpToDate erfahren möchte, kann sich an die eigene Ärztliche Krankenhausdirektion wenden, mit der Bitte, eine Online-Schulung mit Chiara Taiana im Videokonferenz-Saal zu organisieren. Für diesen Herbst sind zwei weitere Fortbildungen für interessiertes Gesundheitspersonal geplant.

Die Veranstaltung findet im Kongresssaal des Krankenhauses am 19. April 2017 vom 15.00 bis 17.00 Uhr statt Die Eintragung ist erforderlich unter der E-Mail Adresse: rosakrankenhaus.bz@sabes.it. Es wird eine Bestätigung der Anmeldung gesendet.

bozen

Programm: - Ernähre dich gesund (Lucio Lucchin) - Beweg dich ausreichend (Stefan Resnyak) - Kontrolliere regelmäßig deinen Blutdruck (Rainer Oberhollenzer) - Geh zur Krebsvorsorge (Guido Mazzoleni) - Nimm dir Zeit für dich (Mariantonietta Mazzoldi) Die Teilnahme ist während der Dienstzeit zugelassen. Das Projekt wird von Frau Dr.in Alessandra Bonometti geleitet

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U

pToDate umfasst über 30.000 Bilder (Tabellen, Algorithmen, Bilder, Fotos, Videos etc.). Die Bilder können in eine Präsentation exportiert werden. Unter „Policy“ sind auf der Webseite die Anweisungen angeführt, wie die Quelle UpToDate richtig zu zitieren ist. Durch die Funktion „Feedback zum Thema“ (grüne Taste auf jeder Seite rechts außen) ist es möglich, mit den mitwirkenden Ärzten zu kommunizieren und ihnen Fragen zu stellen. Sehr nützlich sind auch die Inhalte unter „News“, „Updates über Änderungen in der klinischen Praxis“, „Wechselwirkungen von Arzneimitteln“ und Podcasts zu klinischen Themen.

Anlässlich des 2. Nationalen Tages im Zeichen der Frauengesundheit organisiert der Gesundheitsbezirk Bozen, unter der Schirmherrschaft von Onda (staatliche Beobachtungsstelle für die Gesundheit der Frauen), eine Veranstaltung zum Thema Frauengesundheit (Ernährung, Sporttätigkeit, Blutdruckkontrolle, Krebsvorsorge und psycho-physisches Wohl).

alessandra.bonometti@sabes.it; Tel. 0471 435187

aus den bezirken

2001 gehört UpToDate der internationalen Arbeitsgruppe GRADE (Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation) an. Graduierte Empfehlungen beeinflussen und verändern die klinische Praxis.

„Achte auf deine Gesundheit, fünf Kernpunkte eines gesunden Lebenstils“

Gesundheit im netz Peter A. Seebacher

Laufbücher – ganz umsonst Laufen ist eine der gesündesten, natürlichsten und am einfachsten auszuübenden Sportarten überhaupt. Alles was dazu benötigt wird sind ein Paar Laufschuhe, Laufhosen und ein Laufshirt - und schon kann es losgehen. So simpel das klingt, so kompliziert ist es für Anfänger oft in der Praxis– angefangen bei der fehlenden Motivation und der Frage, auf was beim Lauftraining geachtet werden sollte. Ein bekannter deutscher Sportartikelhändler hat nun das E-Book „Laufen als Ganzkörpertraining“ auf seiner Seite zum Herunterladen bereitgestellt, in dem viele der Fragen, die Läufer sich so stellen – egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener – beantwortet werden. Das beginnt bei motivierenden Fakten und Statistiken, die zeigen, dass Bewegung die Muskeln, das Herz und die Lebensfreude stärkt, bis hin zu Trainingstipps, Laufplänen und Ernährungstipps. Kurzum: Den Klick mit der rechten Maustaste für den Download ist das professionell geschriebene und zusammengestellte E-Book mehr als wert. Weniger professionell doch durchaus mit allen notwendigen Infos zu Motivation, Training und Ernährung kommt das italienische E-Book „Correre for Dummies“ von Hobbyläufer Davide Donà rüber, das ebenfalls gratis aus dem Netz heruntergeladen werden kann. Das ultimative Lauf-Motivationshilfe-Statement steht allerdings in „Laufen als Ganzkörpertraining“ gleich zu Beginn: Laut einer Studie kann regelmäßiges Laufen das Leben eines Menschen um bis zu sechs Jahre verlängern. Na dann, nichts wie rein in die Laufschuhe! Gratis eBook: Laufen als Ganzkörpertraining (Deutsch) http://www.sportscheck.com/laufen/themen/ebook-laufen/ Correre for Dummies (Italienisch) http://www.webalice.it/davide_dona/FORMAF/ASICS.pdf

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Foto privat

Augenheilkunde Meran: Andreas Pichler neuer Primar Mit 1. Jänner 2017 hat Andreas Pichler die Leitung der Augenheilkunde Meran übernommen. Der gebürtige Brunecker arbeitet seit 2006 in der Augenheilkunde Meran. Pichler hat 1999 in Innsbruck promoviert und arbeitete in der Universitätsaugenklinik Rechts der Isar in München; 2006 erlangte er den Facharzttitel für Ophthalmologie (Augenheilkunde). Seine Spezialgebiete sind die Chirurgie des Grauen Stars, die Netzhautchirurgie und die plastisch-rekonstruktive Versorgung von Veränderungen der Augenlider. Was überwiegt bei Ihnen: Die Freude über die neue Aufgabe oder der Respekt vor der Verantwortung? Die Freude über den neuen Lebensabschnitt. Es ist spannend, Dinge selbst zu gestalten und sich noch aktiver einzubringen. Der Respekt vor der Verantwortung, vor allem gegenüber den Patienten, ist ungebrochen groß. Jetzt bin ich für alle Patienten, die in der Augenabteilung behandelt werden, verantwortlich. Zum Glück haben wir ein sehr gut funktionierendes Team. Welche Herausforderungen kommen Ihrer Meinung nach auf Sie und Ihre Abteilung in den nächsten Jahren zu? Der demografische Wandel, die Zunahme an altersbedingten Augenerkrankungen und vor allem die neuen technischen Möglichkeiten zur Prävention. Ich hoffe, dass es auch in Zukunft gelingt, die menschlichen und technischen Ressourcen bereitzustellen, um die korrekte und zeitgemäße Diagnostik und Therapie zu gewährleisten.

Was haben Sie sich vorgenommen, in welche Richtung soll sich die Abteilung entwickeln? Unverzichtbar ist die qualitativ hochwertige Betreuung des Patienten. Diese kann nur durch motivierte und hoch qualifizierte Mitarbeiter erreicht werden. Ich hoffe, dass sich in Zukunft eine bessere Filterfunktion durch externe Fachärzte entwickelt und wir unserer Qualifikation als Augenchirurgen besser nachkommen können. Der Sanitätsbetrieb wurde in letzter Zeit viel kritisiert. Was entgegnen Sie den Kritikern? Der Generationenwechsel ist auch etwas Spannendes. Ich glaube, dass aus dieser Zäsur viel Positives und Neues hervorgehen wird. Ich hoffe, dass den Ärzten so viel Freiheit belassen wird, um den Wandel auch zielführend und erfolgreich mitgestalten zu können.

Neue Bezirksdirektorin Gesundheits­ bezirk Brixen Mit 1. April 2017 hat Christine Zelger die Führung des Gesundheitsbezirkes Brixen übernommen. Damit löst sie Walter Amhof ab, der seit eineinhalb Jahren neben dem Gesundheitsbezirk Bruneck auch den Gesundheitsbezirk Brixen geleitet hat. Christine Zelger war seit 2002 Generalsekretärin der Gemeinde Ritten. In den Jahren davor war Zelger als Gemeindesekretärin in den Gemeinden Aldein und Karneid sowie zehn Jahre als Direktorin des Seniorenheims Ritten tätig. Der Rahmen, in dem sich das öffentliche Gesundheitswesen bewegt, ist herausfordernder denn je. Die neue Direktorin ist sich der Verantwortung ihrer Aufgabe, in der der Patient im Mittelpunkt steht, bewusst und will sich voll für eine gute konstruktive Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegern sowie Verwaltungspersonal, getragen von Professionalität, gegenseitiger Wertschätzung und Respekt, einsetzen. Eine noch stärkere Zusammenarbeit zwischen den Krankenhäusern Brixen und Sterzing ist notwendig und strategische Vorgabe. Zelger würdigt, was bisher im Gesundheitsbezirk von engagierten Mitarbeitern geleistet und aufgebaut wurde und freut sich darauf, mit vielen engagierten, offenen Menschen, verbunden durch einen wichtigen sozialen Auftrag, zu arbeiten.

Ende Dezember des vergangenen Jahres wurde Stefan Resnyak zum Primar des betrieblichen Dienstes für Sportmedizin ernannt. Resnyak fungierte bereits in den vorangegangenen Monaten als geschäftsführender Primar des im April 2016 geschaffenen landesweiten Dienstes für Sportmedizin. Zuvor leitete Stefan Resnyak den Dienst für Sportmedizin der Gesundheitsbezirke Bozen/Meran. Bereits während seines Studiums in Innsbruck absolvierte Resnyak Famulaturen in Bozen, Viareggio und Khartum (Sudan). Sein Facharztdiplom in Sportmedizin erwarb er an der Universität von Verona. In den Jahren danach folgen Zusatzausbildungen in Tauch- und Hyberbarmedizin (Bremen), in Berg- und Höhenmedizin (Padua) und eine Ausbildung zum europäischen Akupunkturarzt. Stefan Resnyak ist Mitglied der überörtlichen Ärztekommission für die Feststellung der Fahrtauglichkeit von Invaliden, ärztlicher Leiter der Sportoberschule „Claudia von Medici“ in Mals, Vereinsarzt des italienischen Behindertensportverbandes in Südtirol, Dozent an der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe „Claudiana“, Vereinsarzt des „Transplant Sport Club Südtirol“ sowie Dozent am Ausbildungslehrgang „Corso di perfezionamento in medicina di montagna“ an der Universität Padua.

Foto privat

personalia

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Foto Sabine Flarer

Sportmedizin: Stefan Resnyak neuer Primar

​Orthopädie Bruneck: Stefano Basso neuer Primar

Foto privat

Seit 1. April 2017 ist Stefano Basso Primar der Orthopädie im Krankenhaus Bruneck.

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Der gebürtige Innichner war viele Jahre lang in den Krankenhäusern Bruneck und Innichen tätig und hat sich vor allem im Bereich der hüftprothetischen Versorgung einen sehr guten Ruf erworben.

Basso promovierte in Innsbruck 1997 und arbeitete danach in verschiedenen Krankenhäusern Südtirols und Österreichs. 2004 erlangte er den Facharzttitel für Orthopädie und Traumatologie, zudem ist Basso ausgebildeter Notarzt. Er führte über 7.000 Eingriffe als erster Operateur durch, darunter viele komplexe

Operationen – und er setzte über 2.000 Hüft- und Knieprothesen ein. Seit 2007 war er im Krankenhaus Innichen Leiter der einfachen Struktur und verantwortlich für die orthopädisch-traumatologischen Eingriffe. Basso war von 1987 bis 1992 Angehöriger der italienischen Ski-Nationalmannschaft und ist geprüfter Skilehrer.


Radiologie Brixen und Sterzing

Helmuth Egger ist seit 1. März 2017 Primar der Kinderheilkunde am Krankenhaus Meran und der Kinderheilkunde am Krankenhaus Schlanders. Egger war seit 2011 als Leiter der Abteilung in Schlanders tätig, seit 2013 führte er auch die Kinderheilkunde am Meraner Krankenhaus.

Mit 9. Januar 2017 hat Luca Calabrese seine Stelle als Primar der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung in Bozen angetreten. Luca Calabrese gilt als ausgesprochene Koryphäe seines Fachs und wird in den kommenden fünf Jahren nicht nur die Hals-Nasen-Ohren-Abteilung in Bozen leiten, sondern ist laut Arbeitsvertrag auch dazu angehalten, die betriebsweite Zusammenarbeit und das betriebsweite Netzwerk in diesem Bereich zu fördern und zu stärken.

Uwe Gebert ist seit 1. Januar 2017 Primar der Radiologie der Krankenhäuser Sterzing und Brixen. Gebert ist gebürtiger Bozner und hat seine Ausbildung zum Facharzt der Radiologie im Krankenhaus Bozen unter Primar Paul Gostner absolviert. Zuletzt war Gebert geschäftsführender Sanitärer Leiter der Radiologie des Krankenhaus Brixen und Leiter der Radiologie im Krankenhaus Sterzing.

Kritiken sind sinnvoll, sie müssen aber konstruktiv sein. Durch die digitalen Medien verschafft man sich schnell Gehör und Bestätigung. Wir brauchen jedoch eine offene und ehrliche Diskussion, nur damit werden wir langfristig Probleme lösen.

Welche Herausforderungen kommen Ihrer Meinung nach auf Sie und Ihre Abteilung in den nächsten Jahren zu?

Besonders am Herzen liegt dem neuen Primar die Krebsvorsorge. In diesem Bereich möchte Calabrese offensive und neue Wege gehen: „Wir müssen mit dem Thema Vorsorge dorthin gehen und ansetzen, wo es die Menschen erreicht. Wir müssen auf die Menschen zugehen und sie quasi dort ‚abholen‘, wo sie sich befinden – also draußen und nicht nur im Krankenhaus.“

Robert Peer verabschiedet Robert Peer hat mit Ende Dezember 2017 seinen Posten als Pflegedirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes geräumt und ist in den Ruhestand getreten. „Ich bin dankbar für die vergangenen vierzig Jahre im Südtiroler Gesundheitswesen und vor allem bin ich dankbar, immer wieder neue Chancen zur Gestaltung und neue Aufgaben bekommen zu haben“, so Robert Peer in seiner Abschiedsrede vor den versammelten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Generaldirektion im Rahmen einer kleinen internen „Goodbye-Feier”.

Noch überwiegt die Freude, aber der Respekt vor der Verantwortung und die Einsicht, vieles nicht eigenverantwortlich gestalten zu können, nimmt zu.

Der Sanitätsbetrieb wurde in letzter Zeit viel kritisiert. Was entgegnen Sie den Kritikern?

Foto Peter A. Seebacher

Sicher die Suche nach gutem Fachpersonal und das Angebot eines interessanten Umfeldes, damit man neue Mitarbeiter auch auf lange Sicht binden kann. Nur so können Zufriedenheit, Effizienz und Ent-

Die Abteilungen sollen für junge Arzt-Kollegen interessant werden und interessant bleiben. Ein „stabiler Kern an Mitarbeitern“ steigert Zufriedenheit innerhalb der Abteilung - aber auch bei den Patienten und Patientinnen.

„Mich hat meine Arbeit und meine Aufgabe immer mit Freude erfüllt und es hat in den vergangenen vier Jahrzehnten nicht einen einzigen Tag gegeben, an dem ich nicht mit Freude zur Arbeit gegangen wäre.“ Wir wünschen Robert Peer einen mindestens ebenso freudvollen Ruhestand.

Was überwiegt bei Ihnen: Die Freude über die neue Aufgabe oder der Respekt vor der Verantwortung?

Der Neo-Primar engagiert sich mit seiner von ihm gegründeten und nach seinem Vater benannten Stiftung „Salvatore Calabrese“ seit längerem im sozialen Bereich. Diese Vereinigung bietet unter anderem kostenlose Leistungen an Bedürftige an. „Stärkere Vernetzung, Vorantreiben und Neuausrichtung der Vorsorge sowie ein Ausbau der kontinuierlichen Betreuungspfade, das sind kurz zusammengefasst die Ziele, die ich verfolgen möchte“, so Calabrese. Luca Calabrese hat bis heute rund 5.000 chirurgische Eingriffe im Bereich der Onkologie durchgeführt. Allein die Anzahl der Operationen, bei denen eine komplette Rekonstruktion des Hals-Gesichts-Bereiches gemacht wurde, beläuft sich auf rund 700. Calabrese verwendet dabei vor allem neue chirurgische Verfahren, die es ermöglichen, Neoplasien abzutragen und die Funktion des Bereiches wiederherzustellen.

Die größte Herausforderung ist die Entwicklung der personellen Ressourcen, sprich: wie ersetze ich Kollegen, die in Pension gehen oder aus anderen persönlichen oder beruflichen Gründen die Abteilung verlassen? Ohne die Möglichkeit, zukünftige ( radiologische ) Fachärzte wenigstens für einen Teil ihrer Ausbildung mit einem Arbeitsvertrag an die Bezirkskrankenhäuser zu binden (Facharztausbildung über österreichische Kliniken oder über konventionierte Italienische Universitäten), kann ich mir eine ausreichende Rekrutierung von jungen Fachärztinnen nicht vorstellen.

Personalia

Welche Herausforderungen kommen Ihrer Meinung nach auf Sie und Ihre Abteilung in den nächsten Jahren zu?

Was haben Sie sich vorgenommen, in welche Richtung soll sich die Abteilung entwickeln?

Was haben Sie sich vorgenommen, in welche Richtung soll sich die Abteilung entwickeln? Die fachliche Entwicklung der Röntgenabteilung geschieht in enger Abstimmung mit den übrigen radiologischen Abteilungen des Betriebes und schreitet meiner Meinung nach gut voran. Der Sanitätsbetrieb wurde in letzter Zeit viel kritisiert. Was entgegnen Sie den Kritikern? Ich fühle mich in meiner täglichen Arbeit eher bestätigt als kritisiert.

Foto Helmuth Pircher

Nach vier Jahren „Probe“-Leitung ist die jetzige Aufgabe für mich nicht völlig neu; man versucht ständig, sich weiter zu entwickeln, auf diese neuen Herausforderungen freue ich mich. Respekt ist da, sollte aber kein Hemmschuh, sondern ständiger Begleiter sein.

wicklung auf ein gewünschtes Niveau gebracht werden.

Foto privat

Was überwiegt bei Ihnen: Die Freude über die neue Aufgabe oder der Respekt vor der Verantwortung?

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HNO Bozen: Primar Luca Calabrese Foto Sabine Flarer

Helmuth Egger neuer Primar

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Homepage: www.sabes.it Erstvisiten vormerken (Dermatologie, Kardiologie, HNO und Urologie): www.sabes.it/onlinevormerkung Wo sind Leistungen am schnellsten verfügbar?: www.sabes.it/vormerkzeiten Stellenangebote, Neuigkeiten zu Behandlungsmethoden, Vormerkungsmodalitäten, Dienste in Ambulatorien/Abteilungen: www.sabes.it/news Praktische Tipps zur Gesundheit: www.sabes.it/gesundheitsvorsorge Diese Ausgabe digital und online: Südtiroler Sanitätsbetrieb online

www.issuu.com/sabesasdaa

Redaktion one: one@sabes.it Redaktion Gesundheitsbezirk Brixen: Marina.Cattoi@sabes.it Redaktion Gesundheitsbezirk Bozen: Ulrike.Kalser@sabes.it Redaktion Gesundheitsbezirk Meran: Sabine.Flarer@sabes.it Redaktion Gesundheitsbezirk Bruneck: MariaElisabeth.Rieder@sabes.it

Kontak t

Infografik

Sport – Süd – Gefälle Glaubt man einem kürzlich veröffentlichten Bericht des europäischen Statistikamtes (Eurostat), dann gibt es in Sachen sportlicher Betätigung innerhalb Europas ein großes Nord-Süd-Gefälle. Die 2014 erhobenen Daten zeigen, dass im europäischen Durchschnitt rund die Hälfte (49,8 Prozent ) der über 18-jährigen EU-Bürger und -Bürgerinnen keinen Sport treiben. Dem gegenüber stehen 29,9 Prozent, die mindestens zweieinhalb Stunden pro Woche in ihrer Freizeit mit körperlicher Bewegung verbringen. Dazu zählt auch die Fahrradfahrt zur Arbeit. Am fleißigsten sind dabei die nördlichen Länder. In Finnland beträgt der Anteil 54,1 Prozent, in Dänemark 53,4 Prozent und in Schweden 53,1 Prozent. Gleich dahinter folgen Österreich (49,8 Prozent) und Deutschland (47,3 Prozent). Die größten europäischen Sportmuffel befinden sich in Rumänien (7,5 Prozent) und Bulgarien (9,0 Prozent). Italien befindet sich mit 18,2 Prozent im letzten Viertel der 28 EU-Mitgliedsstaaten. (pas)

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Impressum one – das Magazin des Südtiroler Sanitätsbetriebes Ausgabe 1 /2017 (Aut. Pres.Trib. BZ Nr. 17/2002 R.ST.17.09.02) HERAUSGEBER: Sanitätsbetrieb der Autonomen Provinz Bozen, Sparkassenstr. 4, 39100 Bozen VERANTWORTLICHER DIREKTOR: Lukas Raffl KOORDINATION: Peter A. Seebacher REDAKTION: Evelyn Gruber-Fischnaller (EGF) , Ulrike Kalser (UK ) , Maria Elisabeth Rieder (MER) , Marina Cattoi (MC) , Sabine Flarer (SF) , Lukas Raffl (LR) , Peter A. Seebacher (PAS) ÜBERSETZUNGEN: Tatiana De Bonis, Emanuela Covi, Ulrike Kalser, Peter A. Seebacher, Martin Karbon, Evelyn Gruber-Fischnaller, Sabine Flarer GRAFIK: Gruppe Gut Gestaltung OHG, Kapuzinergasse 8/15, 39100 Bozen ERSCHEINUNGSWEISE: vierteljährlich REDAKTIONSADRESSE: Abteilung für Kommunikation, Marketing und Bürgeranliegen, Sparkassenstraße 2, 39100 Bozen TEL: +39 0471 907138 E-MAIL: one@sabes. it WEB: www.sabes.it DRUCK: Tezzele by Esperia, c/o CoWorking Bolzano, Marie-Curie-Str. 17, 39100 Bozen

one 1/2017 DEU  

Das Magazin des Südtiroler Sanitätsbetriebes

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