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EDITORIAL 3 INFOS&NEWS Neues Komitee 4 Grippeschutzimpfkampagne 5 Deeskalationsmanagement 6 „Sabes People“ 7 Büffeln, um gut zu betreuen 8 STRATEGISCHE THEMEN Kleine Krankenhäuser stärken 10 100.000 zusätzliche Termine 11 Ambulatorium Grundversorgung 12 Notaufnahme 13 TITELGESCHICHTE Limitiertes Leben – Leben am Limit 14 MANAGEMENT & VERWALTUNG Geballtes Fachwissen 18 Lean-Programm 22 Abschluss „Hero for Life“ 23 SANITÄT IM BILDE 20 MEDIZIN & PFLEGE Jugendliche Migranten 24 Punkt für Punkt 25 „Bruneck-Studie 2015“ 26 Geburten in Südtirol 27 VITA Zwei Wochen ohne Langeweile 28 AUS DEN BEZIRKEN BRUNECK Aktive Väter 30 Sturzprävention 31 Fitte Herzen leben länger 31 MERAN Vereint gegen Schmerzen 32 Tag der Wechseljahre 33 Persönliche Gedanken 34 BOZEN AIDS 35 Psychiatrie der Zukunft 35 BRIXEN Jahrgangstreffen 36 „Im Anfang war Beziehung!“ 36 PERSONALIA 36 DT

INFOGRAFIK 38 GESUNDHEIT IM NETZ 39 KONTAKT & IMPRESSUM 40

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„Wann hat ein Mensch ein Recht darauf zu sterben? Wann ein Recht darauf, weiterzuleben?“

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FOTO THOMAS LECHTHALER

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Tetris Challenge heißt das Spiel und es geht darum zu zeigen, was man so alles dabeihat. Im Bild die Ausrüstung der Krankenpfleger für die Hauskrankenpflege im Gesundheitssprengel Naturns mit Krankenpflegerin Edeltraud Grüner und Krankenpfleger Robert Pirhofer.

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EDITORIAL

Menschen sterben – und oft tun sie das im Krankenhaus. Das Krankenhaus, die moderne Medizin, so wie sie heute besteht, kann das Leben verlängern. Doch wann ist der Verlängerung genug? Ab wann ist eine künstliche Ernährung oder eine andere lebensverlängernde Maßnahme nicht mehr sinnvoll? Wann sollen diese eingestellt werden? Bei solchen Entscheidungen kommen behandelnde Ärzte und Pflegekräfte – und auch Angehörige – an ihre Grenzen. Da ist es gut, wenn jemand da ist, der einem zur Seite steht. Dieser Jemand sind im Südtiroler Sanitätsbetrieb die Ethikberatungsgruppen, die in jedem der vier Gesundheitsbezirke existieren und bei derartigen Fällen für Beratungen zur Verfügung stehen. Wer diese Menschen sind, wie eine Beratung funktioniert und auf welchen Grundlagen diese geschieht, lesen Sie in unserer Titelgeschichte ab Seite 14.

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Der Tod gehört zum Leben. Eine simple Weisheit, die manchmal etwas flapsig in Gesprächen so dahingesagt wird, ohne wirklich den Sinn dieser Aussage zu begreifen. Für Menschen, die in medizinischen und pflegerischen Berufen tätig sind, gehört der Tod hingegen zur täglichen Arbeit.

In dieser Ausgabe äußert sich Gesundheitslandesrat Thomas Widmann zu strategischen Themen der Gesundheitsversorgung. Dabei geht es um die Aufwertung der kleinen Spitäler und das neue Ambulatorium für Grundversorgung - und wie es möglich war, 100.000 „Slots“ für Visiten freizumachen. Nachzulesen ab Seite 10. Was es mit den klinischen Fachgruppen auf sich hat – es gibt deren 13 – und worum es dabei eigentlich geht, das lesen Sie im Interview mit Generaldirektor Florian Zerzer ab Seite 18. Neuigkeiten und Informationen aus den vier Bezirken gibt es ab und reichlich Personalia-Meldungen finden Sie ab Seite 37

Seite 29

Zuletzt sei noch auf das Foto auf den Seiten 20 und 21 hingewiesen. Der Südtiroler Sanitätsbetrieb war auf der Herbstmesse in Bozen mit mehreren Ständen präsent und durfte einen hohen Gast begrüßen. Landeshauptmann Arno Kompatscher besuchte den SABES-Bereich, begrüßte die anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herzlich – und wurde anschließend zu unserem prominentesten „Impfluenzer“, indem er sich am Stand gegen Grippe impfen ließ.

Gute Lektüre! one # 03/19


INFOS & NEWS MARIA HECHENSTEINER

Neues Komitee für die Ständige Medizinische Weiterbildung

S Marco Angriman ist Präsident des Fachlich-Wissenschaftlichen Komitees

Fachlich-Wissenschaftliche Komitee (FWK) Die Mitglieder des Fachlich-Wissenschaftlichen Komitees sind: Marco Angriman (Präsident) Effektive Mitglieder: Roland Döcker, Maria Carla Joris, Federica Scaggiante, Michaela Weissteiner Ersatzmitglieder: Pierpaolo Bertoli, Paola Galetti, Jutta Hueber, Michael Mian, Katia Sangermano Das Fachlich-Wissenschaftliche Komitee ist unter der E-Mail-Adresse education@sabes.it und der Telefonnummer 0471 22 36 67 erreichbar.

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tändige Weiterbildung, lebenslanges Lernen ist wohl in kaum einem Bereich so wichtig wie im Gesundheitswesen. Es ist ein Anspruch des Sanitätsbetriebes an sich selbst, den Patientinnen und Patienten eine Behandlung auf dem neuesten Stand der Wissenschaft zu ermöglichen. Wer ist also geeigneter dafür, die für das Gesundheitspersonal besten Weiterbildungsangebote zu erheben, auszuwählen und zugänglich zu machen, als die Führungskräfte des Sanitätsbetriebes selbst?

Das Fachlich-Wissenschaftliche Komitee setzt sich aus fünf Mitgliedern aus dem ärztlichen und nicht-ärztlichen Bereich zusammen. Die Amtszeit ist an jene des Generaldirektors gekoppelt und kann verlängert werden. Das Komitee befasst sich mit den unterschiedlichen Aspekten der Weiterbildung, die bisher in den einzelnen Bezirken behandelt wurden. Es erstellt den Betriebsplan für die ständige Weiterbildung im Einklang mit den betrieblichen Zielen und gemäß Bedarf der verschiedenen Berufsgruppen. Das Komitee überwacht die wissenschaftliche Qualität der Weiterbildungsinhalte und hält sich dabei an die aktuellen gesetzlichen Vorgaben zur ECM (Educazione continua in medicina) auf Landes- und Staatsebene. Als Leitlinien gelten die im Staat-Regionen-Abkommen gesetzten Ziele. Das Fachlich-Wissenschaftliche Komitee arbeitet auch mit anderen Einrichtungen innerhalb des Betriebes zusammen, die sich mit Fortbildung und beruflicher Entwicklung befassen.

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er vom Fachlich-Wissenschaftlichen Komitee erstellte Weiterbildungsplan ist im Betriebsintranet unter „Personal“ und dort unter „Personalentwicklung“ in der Kategorie „Interne Weiterbildung“ zu finden. Im Jänner wird der für 2020 geltende Weiterbildungsplan nicht mehr nach Sprachen getrennt, sondern als einheitliches, zweisprachiges Dokument hochgeladen.

FOTO PETER A. SEEBACHER

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Das von der Betriebsdirektion im Februar dieses Jahres ins Leben gerufene Fachlich-Wissenschaftliche Komitee (FWK) koordiniert die kontinuierliche Weiterbildung des Gesundheitspersonals im Südtiroler Sanitätsbetrieb.


INFOS & NEWS PETER A . SEEBACHER

Diesmal wohl nicht zuletzt auch dank der tatkräftigen und ehrenamtlichen Unterstützung der Grippeschutzimpfkampagne des Südtiroler Sanitätsbetriebes durch Nicole Uibo, Apothekerin und Miss Südtirol 2016, Don Paolo Renner, Direktor des Institutes für Theologische Bildung in Bozen, und Paola Bessega, Journalistin des Fernsehsenders Video33 – SDF. Trotz der gestiegenen Nachfrage gab es in diesem Jahren keine Engpässe zu verzeichnen, der Südtiroler Sanitätsbetrieb hatte vorausschauend genügend Impfstoff vorbestellt. Wie auch in den vorangegangenen Jahren hatte der Südtiroler Sanitätsbetrieb sich auch in diesem Jahr wieder mit dem wirksameren – und teureren – Vierfa-

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FOTO SABES

Das Bewusstsein, dass eine Grippe – und damit ist nicht ein grippaler Infekt, sondern die in der Fachsprache Influenza genannte und durch ein Virus hervorgerufene Krankheit gemeint – tatsächlich für die Betroffenen gefährlich sein kann, scheint sich in der Bevölkerung langsam Bahn zu brechen. Das zeigen jedenfalls die ersten Zahlen der Impfzentren des Südtiroler Sanitätsbetriebes, die Anfang Dezember zur Verfügung standen. Bis Stichtag 6. Dezember 2019 hatten sich dort insgesamt 7.755 der Grippeschutzimpfung unterzogen. Erwartungsgemäß führt der Gesundheitsbezirk Bozen die Liste der Grippeschutz-Impfwilligen mit 4.441 Geimpften an, gefolgt vom Gesundheitsbezirk Meran mit 2.264 Grippeschutzgeimpften. Danach folgt der Gesundheitsbezirk Brixen mit 571 Personen, die das Angebot der Grippeschutzimpfung annahmen. Das Schlusslicht bildet der Gesundheitsbezirk Brixen mit 479 Personen, die sich in diesem Jahr gegen Grippe impfen ließen. Allesamt Daten, die darauf hinweisen, dass in Südtirol das Interesse an einer Grippeschutzimpfung in den vergangenen Jahren gestiegen ist.

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Erste Ergebnisse der Grippeschutzimpfkampagne 2019

Mit 13. Dezember 2019 ist die Grippeschutzimpfkampagne des Südtiroler Sanitätsbetriebes zu Ende gegangen. Erste Daten lassen den Schluss zu, dass es die bisher erfolgreichste war. chimpfstoff eingedeckt, der einen effizienteren Schutz gegen Grippeviren garantiert als ein Dreifachimpfstoff. Die Grippeschutzimpfdaten der Basisärzte lagen bis Redaktionsschluss noch nicht vor. Endgültige Zahlen, die eine Beurteilung zulassen, wie erfolgreich die Grippeschutzimpfkampagne diesmal verlaufen ist, sind deshalb frühesten im März 2020 verfügbar. Bereits im vergangenen Jahr konnte ein deutlicher Anstieg bei der Grippeschutzimpfung im Vergleich zum vorangegangenen Jahr verzeichnet werden.: bei der Bevölkerung über 65 Jahre wurde etwa ein Plus von 3 Prozent erreicht, insgesamt 37,8 Prozent (39.273 Personen) dieser Altersgruppe nahmen damals die Grippeschutzimpfung in Anspruch. Eine deutliche Zunahme der Anzahl Geimpfter konnte auch bei Personen unter 65 mit Risikoerkrankungen - wie etwa chronischen Herz-, Lungen-, Nieren- oder Stoffwechselkrankheiten - festgestellt werden.

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Wer am und mit Patienten arbeitet, der weiß, wie schnell eine einfache Situation in verbaler oder körperlicher Gewalt ausarten kann – nicht nur die jüngsten Vorfälle in Südtirols Krankenhäusern geben Zeugnis davon. Als sehr wertvoll kann sich in solchen Situationen eine intensive Vorbereitung erweisen: Ende Oktober erhielten 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Diplom als De-Eskalationstrainer.

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Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus verschiedenen Bereichen, Berufsbildern und Bezirken des Sanitätsbetriebes.

INFOS & NEWS SABINE FL ARER

Was tun, wenn die Situation eskaliert? „Wir begegnen oftmals Gewalt durch Angehörige, auch die Patientinnen und Patienten befinden sich manchmal in einem emotionalen Ausnahmezustand, verwirrt, ängstlich und zuweilen auch aggressiv. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sanitätsbetriebes sind hier gefordert, gilt es doch, Ruhe zu bewahren und Vertrauen zu vermitteln“, erklärt Sabine Moser, Psychologin am Psychiatrischen Dienst Bozen. „Nicht zuletzt hat das italienische Gesundheitsministerium die Notwendigkeit erkannt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schulen, um zum einen den richtigen Umgang mit Gefahrensituationen und zum anderen das Schaffen einer vertrauensvollen Atmosphäre zu ermöglichen.“ In 12 Ausbildungs- und 2 Supervisionstagen, die sich über zwei Jahre erstrecken, wurde nun schon zum zweiten Mal ein innerbetriebliches Präventions-, Handlungs- und Trainingskonzept erarbeitet. Dafür beauftragt wurde das Institut für Professionelles Deeskalationsmanagement Prodema. Die one # 03/19

Die Ziele waren klar: Zum einen die Qualität in der Behandlung und Pflege auch in herausfordernden Situationen zu gewährleisten, zum anderen die Sicherheit der Mitarbeiter zu erhöhen, denn kommunikative Kompetenzen, kollegiale Ersthilfe, Veränderung von Reaktionsmustern müssen erlernt und trainiert werden – „nur so können sie im Ernstfall eingesetzt werden“, so Moser. Gerade wer mit älteren Patientinnen und Patienten arbeitet, kennt es, wenn demente Menschen manchmal aufbrausend werden, weil sie Angst haben, unsicher sind oder sich nicht verstanden fühlen. Ebenso bergen oft andauernder Schmerz, extreme Stressmomente oder traumatische Erfahrungen Aggressionspotenzial. Aber auch Menschen, die unter psychischen oder Suchterkrankungen leiden, können manchmal herausfordernde Verhaltensmuster zeigen, so Moser: „Es gilt auch zu lernen, sich selbst zu schützen, etwa durch eine sichere Annäherung, verbale De-Eskalation, im Ernstfall auch durch geprobte Fluchtmöglichkeiten. Falls es trotzdem zu einem belastenden Vorfall gekommen ist, ist es wichtig, dass der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin sich aufgefangen fühlt – durch eine sofortige angemessene kollegiale Ersthilfe und bei Bedarf durch eine professionelle Nachbearbeitung.“ 2013 fand der erste Ausbildungskurs statt, heuer endete der zweite. SABES-Generaldirektor Florian Zerzer: „Gerade im Hinblick auf die letzthin stattgefundenen Übergriffe auf unser Pflegepersonal bin ich überzeugt, dass dieses Training zumindest ein wenig Sicherheit bieten kann, in kritischen Situationen vorbereitet zu sein. Ich für meinen Teil werde mich auch dafür einsetzen, dass vermehrte Sicherheitsmaßnahmen in den Krankenhäusern zum Zuge kommen, denn es ist mir ein Anliegen, dass sich unser Personal am Arbeitsplatz sicher fühlen kann.“


„Sabes People“ – das Telefonbuch für den ganzen Betrieb Das betriebsweite Telefonbuch „Sabes People“ erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Festmachen lässt sich das an der zunehmenden Anzahl der Zugriffe.

Erarbeitet wurde „Sabes people“ federführend vom Direktor des Amtes für Betriebswirtschaftliche Informationssysteme, Eugenio Mischi. Durch die Such- und Filterfunktion ist es einfach zu bedienen und wird wegen dieser Benutzerfreundlichkeit sehr geschätzt. Abgeschlossen ist die Arbeit an dieser riesigen Datenbank aber noch nicht. Deshalb wird

Ein Blick in die Zugriffsstatistik von „Sabes People“ zeigt, dass 83 Prozent der insgesamt 517.485 Zugriffe an Werktagen erfolgten. Auf alle Wochentage verteilt ergibt sich somit ein Durchschnitt von 1.418 Aufrufen täglich. Die drei häufigsten Suchbegriffe 2019 waren „Radiologia“ (2.775), „Medicina“ (1.972) und „Cardiologia“ (1.518). Die Familiennamen, die am öftesten in das Suchfeld getippt wurden, waren „Girardi“ (848), „Bernardo“ (801) und „Kofler“ (783). Und von den nicht-medizinischen Ämtern wiesen „CUP“ (1.009), „EDV“ (871) und „Ufficio stipendi“ (705) die meisten Suchaufrufe auf. Dass das Betriebstelefonbuch gut funktioniert, lässt sich auch an der erfreulich niedrigen Zahl an Problemmeldungen ablesen: diese betrug nur 0,43 Meldungen pro Tag. MARIA HECHENSTEINER

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auch im Jahr 2020 mit Hochdruck daran gearbeitet werden, dass das Betriebstelefonbuch zu einer vollständigen und einheitlichen Sammlung von Kontaktdaten wird, auf die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Südtiroler Sanitätsbetriebes über alle Bezirksgrenzen hinweg zurückgreifen können.

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FOTO SABES

Auf das Jahr 2019 bezogen waren pro Werktag im Durchschnitt 1.719 Suchanfragen und 557 Profilaufrufe zu verzeichnen. Aus der Zusammenarbeit der Betriebsabteilungen Informatik und Kommunikation ist somit ein potentes Nachschlagewerk hervorgegangen, das alle rund 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sanitätsbetriebes der verschiedenen Bezirke, Bereiche und Abteilungen erfasst. Es scheinen dabei nicht nur Telefonnummer und E-Mail-Adresse der betreffenden Person samt Angabe ihres Berufsbildes und ihrer Abteilung beziehungsweise ihres Dienstes auf, sondern je nach ihrer Funktion auch die DECT-Nummer, die Nummer der Rohrpost oder des Piepsers, die Nummer des Diensthandys sowie die Faxnummer und die Telefonnummer des Sekretariates, Ambulatoriums.

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FOTO SABINE FLARER

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INFOS & NEWS MICHAEL A STECHER

Büffeln, um gut zu betreuen Im 2017 ins Leben gerufenen landesweiten Dienst für Rheumatologie arbeiten neben Primar Christian Dejaco und anderem ärztlichen Personal auch Krankenpflegerinnen und Pfleger sowie Physio- und Ergotherapeutinnen und -therapeuten. Für eine rheumatologische Betreuung und Beratung auf hohem Niveau muss auch das nicht-ärztliche Personal über fundierte Fachkenntnisse verfügen: 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sanitätsbetriebes drückten dafür nochmal einmal die Schulbank. Im September 2018 begann die Ausbildung zur Rheumaberatung in Zusammenarbeit zwischen dem Südtiroler Sanitätsbetrieb, der Medizinischen Universität Innsbruck und dem Ausbildungszentrum West für Gesundheitsberufe (AZW) Innsbruck. 20 Personen nahmen an der Schulung teil, darunter 16 Bedienstete des Sanitätsbetriebes (zwölf Krankenpflegerinnen, zwei Physiotherapeuten/innen und zwei Ergotherapeutinnen). Der theoretische Teil umfasste 160 Unterrichtseinheiten und wurde in Form von Präsenzunterricht und einer Onlinephase (E-Learning) durchgeführt. Die theoretischen Unterrichtseinheiten, die abwechselnd im AZW Innsbruck und im Krankenhaus Brixen stattfanden, beinhalteten medizinisch-wissenschaftliche Themen, fachspezifische Vorlesungen der Gesundheits- und Krankenpflege und interdisziplinäre Themenbereiche.

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Im Rahmen der Ausbildung galt es zudem, ein 80-stündiges Fachpraktikum (40 Stunden intern und 40 Stunden extern) in einer rheumatologischen Einrichtung zu absolvieren, etwa in Florenz, Bad Gastein, im AKH Wien oder im Oberammergau. In den Aufgabenbereich einer Rheumaberatung fallen: das Assessment die Schulung zur Medikamentenselbstverabreichung

die Beratung hinsichtlich Selbstmanagement der Erkrankung im Alltag und der Einsatz von Hilfsmitteln das Mitwirken bei diagnostischen, therapeutischen Abläufen und Interventionen Den interdisziplinären Austausch und die hervorragende professionelle Zusammenarbeit der rheumatologischen Ambulatorien erlebten die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer als sehr wertvolle Bereicherung. Am 28. Juni dieses Jahres erfolgte - nach einer schriftlichen Abschlussprüfung und der feierlichen Zeugnisvergabe im AZW Innsbruck - der offizielle Abschluss der Weiterbildung Rheumaberatung. Wir freuen uns, dass wir das Erlernte nun zum Wohle unserer Rheumapatientinnen und -patienten anwenden können!


Notaufnahme? Nur im Notfall. Erfahren Sie mehr auf

GASTKOMMENTAR

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Die Notaufnahme ist rund um die Uhr für Sie da, wenn es sich um einen Notfall handelt. Für andere Gesundheitsfragen ist der Arzt / die Ärztin für Allgemeinmedizin Ihr erster Ansprechpartner. one # 03/19


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STRATEGISCHE THEMEN GESUNDHEIT 10

In den Krankenhäusern Sterzing, Schlanders und Innichen sind die Verfahren zur Besetzung vakanter Primararztstellen für Anästhesie offiziell angelaufen. „Ein erster Schritt, um die Attraktivität der peripheren Krankenhäuser zu steigern und das Territorium insgesamt aufzuwerten“, betont Gesundheitslandesrat Thomas Widmann. Weitere Ausschreibungen werden folgen.

STRATEGISCHE THEMEN GESUNDHEIT REDAKTION

Rolle der kleinen Krankenhäuser stärken

Landesrat Thomas Widmann zielt auf eine Stärkung der „kleinen“ Krankenhäuser in Innichen, Schlanders und Sterzing (v.l.n.r)

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Das Vorhandensein eines fähigen Primararztes ist bedeutend für die Mitarbeitergewinnung und -bindung – eine der größten aktuellen und zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen. „Mit einem Primararzt holt man Kompetenzen in die Einrichtung; es ist eine wichtige Voraussetzung um Jungärzte vor Ort, also auch in der Peripherie, ausbilden zu können und somit einen Pool an Fachleuten zu schaffen, die dort auch in Zukunft bleiben möchten“, betont der Landesrat.

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ie kleinen Krankenhäuser erhalten, absichern und sinnvoll nutzen: So lautet eines der wichtigsten Ziele in der Gesundheitspolitik des Landes. Aufgrund ihrer zentralen Rolle als Arbeitgeber, Wirtschaftsfaktor und ihrer sozialen Bedeutung sollen insbesondere die peripheren Einrichtungen in Innichen, Sterzing und Schlanders aufgewertet und gestärkt werden. Eine der Maßnahmen dazu ist auch die Nachbesetzung vakanter Primariate.


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STRATEGISCHE THEMEN GESUNDHEIT 11

u diesem Zweck laufen derzeit die Verfahren zur Besetzung der Primariate für Anästhesie an den Krankenhäusern in Schlanders, Sterzing und Innichen sowie für Pädiatrie in Sterzing. In Innichen wird die Pädiatrie als so genannte einfache Struktur nachbesetzt und damit gesichert. Weitere Ausschreibungen für vakante Primariate in den peripheren Krankenhausern werden in der nächsten Zeit folgen.

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„All dies soll dazu beitragen, die Rolle der peripheren Krankenhäuser als Drehund Angelpunkt der Gesundheitsversorgung vor Ort weiter zu stärken. Wir wollen dort weiterhin qualitativ hochwertige Leistungen anbieten, damit auch künftig qualifizierte Ärzte, Krankenpfleger, Verwaltungsfachkräfte gewonnen werden können“, so Widmann.

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Wo ein Primariat bestehe, könne das entsprechende Fachgebiete vertieft und weiterentwickelt werden.

100.000 zusätzliche Termine freigeworden Visiten rechtzeitig abzusagen bedeutet, den Platz für andere Patientinnen und Patienten freizumachen. Die Folge ist eine -Win-Win-Situation: Die Wartezeiten werden verkürzt – und es wird keine Strafe für die nicht wahrgenommene Visite fällig. Eine Visite vormerken und sie dann nicht in Anspruch nehmen, das ist gleich doppelt ärgerlich: Zum einen müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sanitätsbetriebes sich damit abfinden, dass Termine gebucht und plötzlich nicht ausgelastet sind, zum anderen verlängern sich die Wartezeiten für andere Patientinnen und Patienten noch mehr – denn der nicht genutzte Termin hätte einer anderen Person zur Verfügung gestellt werden können. Seit Jahresbeginn muss deshalb eine Verwaltungsstrafe bezahlt werden, wenn ein Termin nicht rechtzeitig abgesagt wird. Mit dem Erfolg, dass allein bis zum Spätsommer rund 100.000 zusätzliche Visiten und Leistungen zur Verfügung standen. Diese Regulierung war notwendig geworden, da immer mehr vorgemerkte Patientinnen und Patienten Termine einfach „sausen“ ließen. „Im Klartext handelte es sich um plötzlich freigewordene Leistungen, die leider aufgrund der Unvorhersehbarkeit nicht weitergegeben werden konnten – schade für die vielen Wartenden, ein Problem auch für die ärztlichen und pflegerisch-technischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, erklärt Generaldirektor Florian Zerzer. Gerade in Zeiten, in denen an einer Reduzierung der Wartezeiten an mehreren Fronten intensiv gearbeitet wird, ist dies nicht tragbar: Eine Lösung stellte deshalb das Modell der Verwaltungsstrafe für nicht zeitgerecht abgesagte Leistungen dar, wie es bereits in vielen Regionen im In- und Ausland praktiziert wird. Seit dem 1. Jänner 2019 werden somit bis auf wenige Ausnahmen - etwa Termine, auf die der Bürger selbst

keinen Einfluss hat, wie im Falle von festgesetzten Impfdaten - Strafen ausgestellt, wenn eine Absage nicht termingerecht erfolgt (35 Euro Strafe zuzüglich 15 Euro Zustellspesen), Termingerecht heißt, dass mindestens zwei volle Arbeitstage zwischen Absage und Leistungen liegen müssen – wer am Freitag vorgemerkt ist, muss spätestens am Dienstag den Termin absagen. Die Termine können per Mail, telefonisch, persönlich oder – in einigen Fällen – auch online abgesagt werden. Jede Patientin oder jeder Patient erhält daraufhin einen Absage-Code, der bis zu sechs Monate aufbewahrt werden muss. Sollten unvorhersehbare Gründe (z.B. eine plötzliche Erkrankung) eine termingerechte Absage nicht möglich machen, so kann gegen die Verwaltungsstrafe Rekurs eingereicht werden. Vielfach war es auch der Fall, dass Leistungen einfach vergessen wurden, weil sie schon vor langer Zeit vorgemerkt wurden: Um dieses Problem zu beseitigen, gibt es seit Jahresanfang einen Erinnerungsdienst, der die Patientinnen und Patienten unter der angegebenen Mobiltelefonnummer an den bevorstehenden Termin erinnert. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Wartezeiten für alle zu verkürzen – denn jede rechtzeitig abgesagte Leistung ist eine Leistung mehr, die ein anderer erhält. REDAK TION

Rechtzeitig absagen bedeutet… … die notwendigen Zeiten einzuhalten: In jedem Fall gilt, dass zwischen dem Termin und der Absage mindestens zwei Werktage liegen müssen. Samstag und Sonntag sind keine Werktage und werden nicht gerechnet. Beispiele: • Vorgemerkter Termin für Montag: Absage spätestens am Mittwoch der Vorwoche. • Vorgemerkter Termin für Dienstag: Absage spätestens am Donnerstag der Vorwoche. • Vorgemerkter Termin für Mittwoch: Absage spätestens am Freitag der Vorwoche. • Vorgemerkter Termin für Donnerstag: Absage spätestens am Montag. • Vorgemerkter Termin für Freitag: Absage spätestens am Dienstag.

Weitere Infos unter www.sabes.it/absagen/ one # 03/19


STRATEGISCHE THEMEN GESUNDHEIT REDAKTION

Ambulatorium für Grundversorgung entlastet Bozner Notaufnahme Am 18. Dezember hat das neue Ambulatorium für Grundversorgung und Betreuungskontinuität seine Tätigkeit in der Notaufnahme Bozen aufgenommen.

FOTO LPA

STRATEGISCHE THEMEN GESUNDHEIT 12

Allgemeinmediziner als optimale Ansprechpartner

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esundheitslandesrat Thomas Widmann hat am 5. Dezember 2019 gemeinsam mit dem Generaldirektor des Sanitätsbetriebes, Florian Zerzer, dem Primar der Notaufnahme, Mario La Guardia, sowie Gianni Pontarelli und Susanna Hofmann, Koordinator und Vizekoordinatorin, die Details zum neuen Ambulatorium für Grundversorgung und Betreuungskontinuität am Krankenhaus Bozen vorgestellt. Dieses soll den nicht oder weniger dringenden Fällen der Kodexe blau und grün vorbehalten sein. „Die Notaufnahme“, führte Landesrat Widmann aus, „ist eine tragende Säule der Gesundheitsversorgung und muss vor allem für Notfälle frei bleiben. Mit dieser neuen Dienstleistung wollen wir sicherstellen, dass jeder Patient die ihm zustehende Aufmerksamkeit, Versorgung und Expertise erhält, die ihm zusteht.“ Gleichzeitig gehe es darum, die Notaufnahme weiter zu entlasten, damit diese den Notfällen die bestmögliche und auch schnellstmögliche Versorgung garantieren kann. Momentan liegt die durchschnittliche Wartezeit bei drei Stunden und 50 Minuten, diese soll innerhalb des Jahres 2020 halbiert werden. Erreicht werden soll dies mit einem Maßnahmenpaket, das unter anderem die Kostenbeteiligung von 25 Euro für nicht dringenden Fälle vorsieht.

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„Unsere Vorstellung von Gesundheitsversorgung ist derzeit vielfach zu krankenhauslastig“, sagte der Gesundheitslandesrat. Der Fokus müsse viel stärker vom Krankenhaus auf die wohnortnahe Versorgung gerichtet werden. Längerfristig gehe es darum, das Bewusstsein zu schaffen, dass bei kleineren Beschwerden und für chronische Patienten der Hausarzt der optimalste Ansprechpartner sei. „Allgemeinmediziner haben vielfältige Kompetenzen und greifen auf ein sehr breites Leistungsspektrum zurück“, hob Widmann hervor. Dieses fachübergreifende Wissen sei vor allem bei der Erstdiagnose das Um und Auf. Das Ambulatorium ist ein Pilotprojekt, das auf zwei Jahre ausgelegt ist. In dieser Zeit werden die Ergebnisse überwacht und ausgewertet. Anschließend soll über eine mögliche Ausdehnung auf ganz Südtirol befunden werden. Mit Grippe ins Ambulatorium, nicht in die Notaufnahme Künftig sollen Patienten und Patientinnen, deren Beschwerden in der Ersteinschätzung als Fall für den Hausarzt eingestuft werden, ins neue Ambulatorium weitergeleitet werden. „Dort kümmern sich Fachleute um die Patienten und Patientinnen, verschreiben Rezepte oder Visiten, die dann über die Einheitliche Vormerkzentrale vorzumerken sind“, erklärte Primar Mario La Guardia. Es ist allerdings auch möglich, dass ein Patient oder Patientin vom Ambulatorium wieder in die Notaufnahme überstellt wird. „Es geht nicht darum, uns von Patienten bzw. von nicht dringenden Fällen zu 'befreien', weil ihre Beschwerden nicht ernst genommen werden. Vielmehr ist ein Allgemeinarzt in diesem Fall oft die geeignetste Ansprechperson“, sagte La Guardia.


„Dieses Pilotprojekt wurde bereits in anderen Regionen erprobt“, berichtete der Generaldirektor des Sanitätsbetriebes, Florian Zerzer. Der neue Dienst sei eine Möglichkeit, um die Allgemeinmediziner stärker einzubinden. „Wir wollen diese Zusammenarbeit in Zukunft weiter forcieren", betonte Zerzer. Auf die gute Zusammenarbeit zwischen den Ärzten und innerhalb der Notaufnahme im Besonderen bezogen sich auch die beiden Koordinatoren des Ambulatoriums für Grundversorgung, Gianni Pontarelli und Susanna Hofmann. „Aufgabe des neuen Ambulatoriums wird es sein, ein neues Bewusstsein zu schaffen und dadurch die Anzahl der Patienten, die sich aus nicht gerechtfertigten Gründen in die Notaufnahme begeben, weiter zu reduzieren“, hoben beide hervor.

Es ist besonders in den großen Städten des Landes, gleich wie in anderen Ländern oder in benachbarten oberitalienischen Regionen, ein bekanntes Problem: Viel zu vielen Menschen scheuen den Gang zum Hausarzt und suchen stattdessen gleich die Notaufnahme des (meist) nahegelegenen Krankenhauses auf. Mit dem Ergebnis, dass sich Frust auf beiden Seiten ausbreitet – der Patient wartet unter Umständen lange, der Arzt erlebt einen noch höheren Arbeitsdruck. Gerade „kleinere“ Beschwerden wie Ohren- oder Halsschmerzen, aber auch leichtere Rückenschmerzen oder Husten sind beim Familienarzt zur Erstabklärung in guten Händen. Auch kritische Fälle, die einer sofortigen Abklärung durch die Notaufnahme im Krankenhaus bedürfen, kann der Hausarzt zielgerichtet einweisen. „Mehr als die Hälfte der Patienten, die in der Notaufnahme vorstellig werden, sind gar kein Fall für den Arzt in der Notaufnahme. Daher startet nun eine aufklärende Kampagne zur richtigen Inanspruchnahme der Notaufnahme, zudem haben wir die die Zahlungen für den Zugang in nicht dringenden Fällen von 15 auf 25 Euro erhöht“, so Landesrat Thomas Widmann. Diese Summe zahlt ab jetzt jeder, der nicht ticketbefreit ist und dem der Dringlichkeitskodex blau zugewiesen wurde. „Damit können wir garantieren, dass jene, die wirklich schnell eine Hilfe brauchen, zeitgerecht und natürlich ohne zusätzliche Zahlung behandelt werden. Allen anderen wird schon

bei der Erstklassifizierung, der sog. ‚Triage‘ angeboten, auf das hausärztliche Angebot zurückzugreifen.“ Auch nachts und am Wochenende ist es nicht notwendig, bei kleineren Beschwerden die Notaufnahme aufzusuchen: In Bozen ist ein eigener Dienst für ärztliche Bereitschaft aktiv, in den anderen Bezirken gibt es eine abwechselnde hausärztliche Betreuung. Auch im Falle von Krankheit oder Urlaub des eigenen Hausarztes gibt es gesetzlich festgelegt eine Vertretung, die den abwesenden Arzt ersetzt. Die Dienstzeit des Arztes für Allgemeinmedizin erstreckt sich von 08.00 bis 20.00 Uhr an Werktagen und von 08.00 Uhr bis 10.00 Uhr an Vorfeiertagen unter der Woche. Sie besteht aus Ambulatoriumstätigkeit, Hausbesuchen und telefonischer Erreichbarkeit.

STRATEGISCHE THEMEN GESUNDHEIT 13

Zweijähriges Pilotprojekt

Seit dem 1. Dezember 2019 greift eine neue Regelung für alle, die die Notaufnahmen des Landes in Anspruch nehmen: Wer mit einem „Kodex blau“, also einer nicht dringenden Erkrankung, eingestuft wird, der muss für den Zugang 25 Euro bezahlen. Dadurch sollen Menschen mit leichteren Erkrankungen, die eigentlich ein Fall für den Hausarzt wären, sensibilisiert werden, nicht automatisch in die Notaufnahme zu kommen.

„Wir sind überzeugt, dass der Bevölkerung ein sehr guter und kompetenter haus- und kinderärztlicher Dienst über das gesamte Gebiet verstreut geboten wird. Dieser ist absolut wertvoll und unser Ziel muss es sein, dies vermehrt ins Bewusstsein zu bringen und die Menschen gut über die verfügbaren Anlaufstellen aufzuklären“, so Widmann. Deshalb startet zeitgleich mit der Einführung des Tickets in der Höhe von 25 Euro eine breit angelegte Sensibilisierungskampagne zum Thema Inanspruchnahme der Notaufnahme. REDAK TION

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Den Dienst leisten rund 30 Allgemeinmediziner und die Ärzte des Dienstes für Betreuungskontinuität. Sie stehen den Ärzten der Notaufnahme in den Tagesstunden - genauer von 8.00 bis 20.00 Uhr - unterstützend zur Seite. Künftig werden unter anderem folgende Krankheitsbilder dem neuen Ambulatorium für Grundversorgung zugewiesen: Störungen der Skelettmuskulatur (etwa nicht traumatische Rückenschmerzen), dermatologische Beschwerden (beispielsweise Insektenstiche, Hautausschlag, Lymphdrüsenschwellung), Augen- oder HNO-Beschwerden, Beschwerden aus dem Bereich der Urologie, Gynäkologie, Gastroenterologie (zum Beispiel Magen-Darm-Grippe) oder Grippesymptome.

Notaufnahme: Durch neue Ticketregelung mehr Zeit für wirklich dringende Fälle

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FOTO 123RF

TITELGESCHICHTE

Der medizinische Fortschritt hilft Leben zu verlängern – und führt oft genug Behandelnde und Angehörige in den Grenzbereich der Ethik. Das Landesethikkomitee sowie die Ethikberatungsgruppen stehen dann beratend zur Seite. Und der Bedarf an Beratung steigt.

Limitiertes Leben – Leben am Limit TITELGESCHICHTE PETER A. SEEBACHER

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Wann hat ein Mensch ein Recht darauf zu sterben? Wann ein Recht darauf, weiterzuleben? Und wer entscheidet, wenn dieser Mensch selbst nicht mehr dazu imstande ist? Das sind Fragen, mit denen sich Ärzte, Pfleger und Angehörige von Kranken auseinandersetzen müssen. Es geht aber auch um die Gerechtigkeit der Verteilung von Ressourcen, die in Zukunft wohl knapper werden, wie auch der deutsche Wissenschafts- und Medizinhistoriker Dietrich von Engelhardt in seiner Abhandlung „Allokation im Gesundheitswesen. Bioethische Prinzipien und Werte“ feststellt: „Die eindrucksvollen Möglichkeiten, die sich aus dem medizinischen Fortschritt seit dem 19. Jahrhundert in Diagnostik und Therapie für den kranken Menschen ergeben haben, werden sich zunehmend im notwendigen und gewünschten Maße nicht mehr verwirklichen las-


Der Spielraum medizinischen Handelns vergrößert sich immer mehr und damit auch die Bedeutung der Medizinethik.

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m Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Südtiroler Sanitätsbetriebes, die in Bereichen arbeiten, in denen sich öfters ethische Fragestellungen ergeben, zu unterstützen, wurden im laufenden Jahr die Arbeit der Ethikberatungsgruppen wieder neu belebt und die Vernetzung mit den anderen Gruppen intensiviert. „Die Ethikberatungsgruppen in Bozen und Meran waren in den vergangenen Jahren aus verschiedenen Gründen ein wenig „eingeschlafen“, erklärt Frank Blumtritt, koordinierender Pflegedienstleiter des Gesundheitsbezirkes Meran und Koordinator der Ethikberatungsgruppe im Gesundheitsbezirk Meran. „Es ist uns gelungen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausfindig zu machen, die interessiert waren, am Aufbau einer Ethikberatungsgruppe in Meran mitzuarbeiten. Nun sind wir rund 25 Personen, die sich in monatlichen simulierten Fallbesprechungen darauf vorbereiten, 2020 in Meran aktiv zu werden und Beratungen anzubieten.“

„Besonders stolz bin ich, dass es gelungen ist, Vertreter verschiedener Berufsgruppen in die Ethikberatungsgruppe zu holen. Diese Heterogenität der vertretenen Berufsgruppen ist meines Erachtens sehr wertvoll, weil so verschiedene Blickwinkel zur Sprache kommen.“

Ethik in der Anwendung

Wenn man sich diese Frage stellt, dann steht man vor der Entscheidung, zwischen verschiedenen Handlungsoptionen zu wählen (die Handlungsunterlassung gehört auch dazu). Im Grunde steht jeder von uns ständig vor Entscheidungen und manche beinhalten nicht nur moralische Aspekte, sondern ziehen zuweilen auch schwerwiegende Konsequenzen mit sich. So wird in der Medizinethik beispielsweise über die Bewertung von Sterbehilfe, über Behandlungsoptionen oder ganz allgemein über die Autonomie der Patientinnen und Patienten und in diesem Zusammenhang über die Würde des Menschen debattiert. Was die Ethik dazu beitragen kann, ist eine komplexe, schwierige Frage und den Erwartungen, die an die Ethik gestellt werden, kann sie oft nicht gerecht werden. Es gibt keine ethischen Patentrezepte, welche allgemeingültige Lösungen gesellschaftlicher oder moralischer Probleme liefern. Die theorielastigen philosophischen Handlungsethiken sind für die Begründung ethischer Normen zwar wichtig, sie helfen uns aber in der Praxis nicht wirklich weiter. Anders stellt sich die angewandte Ethik dar. In dieser praxisorientierten Auffassung von Ethik geht es nicht nur um die Anwendung von zuvor abstrakt begründeten Normen in der Praxis, sondern auch um die Prüfung, wie den Ansprüchen und Pflichten in Amt, Beruf und Rolle der Gesundheitsberufsbilder gerecht werden kann. Es geht um konkrete Entscheidungskompetenzen und -situationen, denen sich unsere Hauptakteure, nämlich die Angehörigen der verschiedenen Gesundheitsberufe, stellen müssen. Somit bezieht sich die angewandte Ethik auf die konkrete, durch Beruf, Amt und Rolle verlangte Kompetenz, verantwortliche Entscheidungen zu treffen und diese zu begründen.

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Mit dem Begriff der Ethik verbindet man normalerweise die Frage „Wie soll ich handeln?“. Gibt es nun im Gesundheitswesen Berührungspunkte, welche theoretische Ethik einerseits und die angewandte, praxisorientierte Ethik andererseits verbinden oder die theoretischen Handlungsethiken für die Praxis anwendbar machen? Ja, die gibt es definitiv. Wir sprechen von der klinischen Ethikberatung als Dienstleistung am Menschen. Unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse und Werte können zu Dilemmata führen, welche meist nur in einer strukturierten Beratungsform adäquat behandelt werden können. Bei der klinischen Ethikberatung geht es nicht um das Aufstellen irgendwelcher Verbote oder Gebote, sondern um einen Orientierungsprozess, in welchem verschiedene Perspektiven aufgezeigt werden können. Als weiteres Ziel dieser Beratungsform kann die Qualitätsverbesserung in der Versorgung hilfsbedürftiger Menschen sein. Durch die strukturierte und methodisch gestützte, vermittelnde und moderierende Art und Weise der Durchführung bietet die Ethikberatung Orientierung und Unterstützung in ethisch besonders herausfordernden Situationen.

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sen. Bevölkerungswachstum, höhere Lebenserwartung, steigende Kosten, Mangel an Pflegekräften, fehlende Organe für Transplantationen und nicht zuletzt empirisch keineswegs immer ausreichend gesicherte Arzneimittel setzen der Medizin Grenzen - nicht nur in den Entwicklungsländern, sondern auch in den Ländern Europas, in Deutschland wie in Österreich, der Schweiz und Südtirol.“

Eines darf dabei aber nicht vergessen werden: Die klinische Ethikberatung mag zwar das ethische Urteil der Entscheidungsträger schärfen, kann dieses aber nicht ersetzen. Die Entscheidungs- und Handlungsverantwortung bleibt insofern allein bei den handelnden Akteuren. Trotzdem: Wer ethische Orientierung sucht, kann sie zusammen mit unseren kompetenten Ethikberaterinnen suchen und finden. Das Angebot steht! CHRISTOPHORUS ZÖSCHG

FR ANK BLUMTRIT T

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lle Mitglieder der Gruppe haben einen zweitägigen Vorbereitungskurs hinter sich. Vorgegangen wird nach einem festgelegten Protokoll, das in allen Gesundheitsbezirken identisch ist. „Besonders stolz bin ich“, so Blumtritt weiter, „dass es gelungen ist, Vertreter verschiedener Berufsgruppen in die Ethikberatungsgruppe zu holen. Diese Heterogenität der vertretenen Berufsgruppen ist meines Erachtens sehr wertvoll, weil so verschiedene Blickwinkel zur Sprache kommen. Auch die Seniorenwohnheime sind vertreten.“

Herbert Heidegger ist seit zwölf Jahren Präsident des Landesethik­ komitees.

Landesethikkomitee Das Landesethikkomitee berät die Landesregierung bei ethischen Fragen im Gesundheitswesen. Das Komitee besteht aus zwölf Fachleuten mit medizinischem, rechtlichem, pflegerischem und theologischem Hintergrund. Vertreter der Seniorenwohnheime und Patientenorganisationen sind ebenfalls vertreten. Neben der Organisation von Tagungen, Diskussionsabenden und Informationsmaterialien zum Thema Ethik unterbreitet das Landeskomitee Vorschläge zur Aus- und Fortbildungen für das Gesundheitspersonal zu ethischen Fragen, erstellt Gutachten und Stellungnahmen und unterstützt nicht zuletzt die Arbeit der Ethikberatungsgruppen in den Gesundheitsbezirken. Themenbereichen, mit denen sich das Landesethikkomitee befasst, sind etwa Reproduktionsmedizin, Patientenverfügung, Organspende, Ethik in der Onkologie, Allokation (gerechte Verteilung der Ressourcen) sowie Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Mitglieder Landesethikkomitee • Herbert Heidegger (Präsident) • Georg Marckmann (Vizepräsident) • Clara Astner • Thomas Lanthaler • Bernadetta Moser • Giuliano Piccoliori • Irmgard Spiess • Alberto Bondolfi • Martin Lintner • Helene Trippacher • Paola Zimmermann • Marta Tomasi

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Was ist nun die Aufgabe der Ethikberatungsgruppen? Dazu heißt es im Informationsblatt zur bioethischen Fallbesprechung: „Bei schwierigen Entscheidungssituationen (beispielsweise Therapiebegrenzung am Lebensende und Lebensanfang, Therapieabbruch, Sondenernährung, Patientenwille, Behandlungsverweigerung, späte Schwangerschaftsabbrüche, Transplantationsmedizin) können ratsuchende Personen (Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Patientinnen und Patienten, Angehörige) zur Unterstützung eine bioethische Fallbesprechung anfordern. Ziel der Fallbesprechung ist, zur Lösung eines ethischen Konfliktes in einem konkreten Behandlungsfall beizutragen.“ Bei den Entscheidungen, so Beatrix Eppacher, eine von zwei Koordinatorinnen der Ethikberatungsgruppe im Gesundheitsbezirk Bruneck, stehe immer das Wohl des Patienten oder der Patientin im Vordergrund und es gälten die vier Prinzipien der Medizinethik: das Prinzip des Wohltuns und Nutzens, das Prinzip des Nichtschadens, Gerechtigkeit sowie Respekt der Autonomie des Patienten oder der Patientin.

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n Bruneck würde die Ethikberatungsgruppe jährlich etwa sechs bis siebenmal für eine bioethische Fallbesprechung angefragt, erzählt Eppacher. „Daneben trifft sich die Gruppe immer wieder, um eine Fallbesprechung zu simulieren und so in Übung zu bleiben“. Die Entscheidungen der Ethikberatungsgruppe sei aber immer nur als Empfehlung zu betrachten, unterstreicht Eppacher: „Die Entscheidung, welche Maßnahme durchgeführt werden und ob der Empfehlung Folge geleistet wird, obliegt immer dem behandelnden Arzt.“


Während die Ethikberatungsgruppen in den vier Gesundheitsbezirken für die direkte Beratung den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung stehen, ist das Landesethikkomitee jenes Gremium, das die Landesregierung zu ethischen Fragen im Gesundheitswesen berät. Das Landesethikkomitee liefert so etwas wie den theoretischen Überbau und sorgt dafür, dass das Thema Ethik und Medizin in der Öffentlichkeit präsent ist (siehe Kasten). Herbert Heidegger ist Primar der Abteilung Gynäkologie des Krankenhauses Meran, Sanitätskoordinator des Gesundheitsbezirkes Meran und seit zwölf Jahren Präsident des Landesethikkomitees. Das Bedürfnis nach Orientierung steige, so Heidegger: „Medizinische Entscheidungen sind von einer zunehmenden ethischen Komplexität gekennzeichnet, verbunden mit einem steigenden Bedarf an ethischer Reflexion.“ Und weiter: „Das Gesundheitswesen ist ein Spiegel unserer Gesellschaft und es befindet sich in einem Zustand moralischer Orientierungsbedürftigkeit. Im Gesundheitswesen wird dieser Orientierungsbedarf besonders greifbar, da sich durch die wissenschaftlich technologische Entwicklung erweiterte Machbarkeiten ergeben haben. Der Kranke steht oft einem multiprofessionellen, hochdifferenzierten, ökonomisiertem Dienstleistungssystem gegenüber. Diese Entwicklung lässt oft in konkreten, ethischen Fragen Unsicherheiten und Uneinigkeiten aufkommen. Die moralische Urteilskraft eines einzel-

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Die Ethikberatungsgruppe des Gesundheitsbezirkes Meran mit Koordinator Frank Blumtritt (2. v. r.)

„Das Gesundheitswesen ist ein Spiegel unserer Gesellschaft und es befindet sich in einem Zustand moralischer Orientierungsbedürftigkeit.“ HERBERT HEIDEGGER

nen Akteurs reicht dann oft nicht mehr aus, sondern es bedarf einer ethischen Reflexion um Therapieentscheidungen überzeugend zu begründen und einen Konsens zu ermöglichen.“ Das Landesethikkomitee und die Ethikberatungsgruppen versuchten diesem steigenden Wunsch nach Orientierung und Unterstützung nachzukommen, so Heidegger.

Ethikberatungsgruppen im Südtiroler Sanitätsbetrieb Gesundheitsbezirk Bozen Koordinator/Koordinatorin Alessandro Felici Irmgard Spiess Tel. 0471 90 98 51 alessandro.felici@sabes.it irmgard.spiess@sabes.it Gesundheitsbezirk Meran Koordinator Frank Blumtritt Tel. 0473 26 46 50 frank.blumtritt@sabes.it

Weiterführende Informationen zur Ethikberatung gibt es bei den jeweiligen Ethikberatungsgruppen (siehe Kasten) oder unter www.sabes.it/de/ethikberatung.asp

Gesundheitsbezirk Brixen Koordinatorin Helene Trippacher Tel. 0472 25 51 26 helene.trippacher@altersheim-brixen.it

Das Landesethikkomitee ist erreichbar unter: Tel. 0471 418 155, evi.schenk@provinz.bz.it

Gesundheitsbezirk Bruneck Koordinatorinnen Beatrix Eppacher Irmgard Delazer Tel. 0474 58 10 04 beatrix.eppacher@sabes.it irmgard.delazer@sabes.it

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MANAGEMENT & VERWALTUNG SABINE FL ARER

Geballtes Fachwissen

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Ein Unternehmen in der Größenordnung des Sanitätsbetriebes verfügt naturgemäß über ein großes Know-how und viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben exzellente Ideen und Vorschläge, wie man die Versorgung der Bevölkerung noch besser abstimmen kann. Wie aber dieses geballte Wissen, diese Lösungsvorschläge herausfiltern? Seit dem Sommer sind dafür 13 so genannte klinische Fachgruppen gegründet worden. Generaldirektor Florian Zerzer zieht eine erste Bilanz und erklärt, warum er sich besonders für die Gründung dieser Gruppen eingesetzt hat.

Es wurden 13 klinische Fachgruppen ins Leben gerufen, warum diese Entscheidung? Dafür stehen hauptsächlich drei Gründe: Erstens: Ich bin überzeugt, dass es die Fachleute - sprich unsere Kliniker - sind, welche die Schritte zur Entwicklung einer qualitativ hochwertigen und zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung aufzeigen sollen. Wir brauchen ein Feedback der Klinikerinnen und Klinikern, sie sind es, die strategisch-technisch die zukünftige Ausrichtung der Medizin mitentscheiden und umsetzen müssen. Zweitens: Es ist mir wichtig, eine Abstimmung unter den Fachleuten zu erreichen, was die Versorgungsleistung betrifft: Wir wollen keine Unter-, aber auch keine Überversorgung, deshalb ist es wichtig, dass im Netzwerk definiert wird, was wo und in welcher Form in den vier Bezirken angeboten wird; das garantiert auch eine landesweit

„Es werden Synergien gebildet, es kommt eine Wissensvernetzung auf, die es ermöglicht, im Team kreative Lösungen zu diskutieren und zu erarbeiten.“ FLORIAN ZERZER

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einheitliche und hochwertige Betreuung unserer Patienten. Drittens: Last but not least gegenseitiges Kennenlernen und enge Zusammenarbeit: Es werden Synergien gebildet, es kommt eine Wissensvernetzung auf, die es ermöglicht, im Team kreative Lösungen zu diskutieren und zu erarbeiten. Wie wurden die jeweiligen Sprecherinnen und Sprecher ausgewählt? Die Sprecherinnen und Sprecher haben die Teams jeweils selbst aus ihrer Mitte ernannt. Dabei gibt es immer einen ärztlichen und einen pflegerischen Sprecher. Die Kick-off-Veranstaltung fand im August, das erste Treffen im September statt, es folgte eine gemeinsame Klausur in Toblach. Wie haben die Mitglieder selbst, wie deren Kolleginnen und Kollegen, die Gründung der AG aufgenommen? Ich habe sehr großen Zuspruch wahrgenommen: Die meisten sind froh, dass sie Gelegenheit haben, an der Erarbeitung der zukünftigen Ausrichtung unserer klinischen Abteilungen mitzuarbeiten – das heißt natürlich auch, Verantwortung dafür zu übernehmen. Ich danke allen für die Bereitschaft, denn die Mitarbeit bedeutet immer auch zusätzliche Arbeit, die uns allen zugutekommt für eine adäquate Weiterentwicklung. Auch die Stimmung über die einzelnen Berufsgruppen und Bezirke


Ein Wunsch der Direktion ist es, dass der Südtiroler Sanitätsbetrieb – nicht nur – durch diese kollegiale Zusammenarbeit eine Magnetfunktion nach außen erhält. In den letzten Monaten wurden einige Anstrengungen unternommen, um als attraktiver Arbeitgeber Fachleute anzuziehen -unter anderem durch „Hero for life“ oder Treffen mit „Südstern, Planet Medizin“. Wodurch kann der Sanitätsbetrieb bereits jetzt punkten? Hier sehe ich in erster Linie die Facharztausbildung nach österreichischem Modell als großes

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Plus. Auch arbeiten wir daran, vermehrt Forschung in unseren Einrichtungen anbieten zu können. Wir wollen uns als ein moderner Betrieb an der Schnittstelle zwischen der deutschen und italienischen Kultur etablieren. Unsere Einrichtungen sind größtenteils neu – oder werden umgebaut -, Fortbildungen, Austausch und Familienfreundlichkeit werden großgeschrieben. Nicht unerheblich ist sicher auch die hohe Lebensqualität bei uns in Südtirol - obwohl ich glaube, dass auch eine Arbeitserfahrung im Ausland wertvoll sein kann, bieten wir hier ein wunderbares Umfeld, um Familie und Beruf zu vereinbaren.

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Ein Arbeitsauftrag der Fachgruppen lautet, Vorschläge zur Erstellung der klinischen Betriebsordnung zu sammeln. Wird das angesichts der vielen unterschiedlichen „Herkunftsbereiche“ möglich sein? Alle Mitglieder sind in erster Linie „Gesundheitsexperten“ – sie alle eint, dass sie die bestmögliche Betreuung für die Patientinnen und Patienten wollen. Natürlich gibt es manchmal unterschiedliche Meinungen, gerade, was die Verortung der Leistungen anbelangt. Hier erwarten wir uns konstruktive Vorschläge, letztendlich wird die Direktion entscheiden, welcher Weg eingeschlagen wird. Nur durch gegenseitiges Verständnis können wir ein Gefühl entwickeln, welche Chancen und Herausforderungen auf den Sanitätsbetrieb warten – und wie wir diese angehen müssen.

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hinweg scheint mir eindeutig verbessert. Ich denke, dass eine so ‚“geballte Kraft“ an Mitarbeiter-Power auch Potenzial und Schwung hat, andere mitzunehmen.

„Nur durch gegenseitiges Verständnis können wir ein Gefühl entwickeln, welche Chancen und Herausforderungen auf den Sanitätsbetrieb warten – und wie wir diese angehen müssen.“

Wie eng ist der Austausch zwischen den Fachgruppen und der Betriebsspitze? Der Austausch ist ständig da, wir haben regelmäßige gemeinsame Treffen. Entscheidungen sollen transparent nachvollziehbar sein. Die klinischen Fachgruppen sind somit für uns die Ideengeber und Gestalter für die strategische Ausrichtung unseres Gesundheitssystems – wofür ich allen bereits jetzt herzlich danke!

Die Sprecherinnen und Sprecher der klinischen Fachgruppen sind: AG 1 Gynäkologie, Mutter-Kind-Abteilung, Pädiatrie, Neonatologie: Alex Staffler, Judith Gostner AG 2 Innere Medizin, Geriatrie, Pneumologie, Pneumologischer Dienst, Infektiologie: Othmar Bernhart, Michele Bertuzzo AG 3 Neurologie, Kardiologie, Gastroenterologie, Nephrologie: Rainer Oberhollenzer, Luciano Giuliani AG 4 Onkologie, Hämatologie, Palliative care, Komplementärmedizin, Dermatologie: Manfred Mitterer, Anna Huber AG 5 Orthopädie, Plastische Chirurgie, Rheumatologie, Rehabilitation: Martin Köllensperger, Sibylle Klotz AG 6 Allgemeinchirurgie, Gefäß-/Thoraxchirurgie, Urologie, Neurologie: Josef Widmann, Elisabeth Thurner AG 7 HNO, Zahn- und Kieferheilkunde, Kieferchirurgie, Augenheilkunde: Roberto Magnato, Carmen Pardeller AG 8 Labormedizin, Transfusionsmedizin, Mikrobiologie, Pathologie: Stefan Platzgummer, Roland Nocker AG 9 Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin: Marc Kaufmann, Franz Gruber AG 10 Radiologie, Neuroradiologie, Nuklearmedizin, Strahlentherapie, Medizinische Strahlenphysik: Rolando Lorenzini, Thomas Kirchlechner AG 11 Psychiatrie, Psychologischer Dienst, Dienst für Abhängigkeitserkrankungen, Kinder- und Jugendpsychiatrie: Roger Pycha, Josef Roman Pichler, Fabio Carpi AG 12 Department für Gesundheitsvorsorge, Arbeitsmedizin, Dienst für Diätetik und klinische Ernährung, Dienst für Hygiene, Dienst für Sportmedizin, Tierärztlicher Dienst: Dagmar Regele, Klaus Jakomet AG 13 Pharmazeutische Dienste: Barbara Battistini

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Auf die freundliche Begrüßung folgte der Stich. Landeshauptmann Arno Kompatscher besuchte den SABES-Messestand auf der Herbstmesse in Bozen und nutzte anschließend die Gelegenheit, um zum "Impfluenzer" zu werden. Kompatscher ließ sich am SABES-Stand gegen Grippe impfen. one # 03/19


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FOTO MESSE BOZEN/MARCO PARISI

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Effizienz- und Produktivitätssteigerung zum Wohle der Patienten und des medizinischen Personals, Gewährleistung der Angemessenheit der Leistungen und Einhaltung von hohen Qualitätsstandards sind nach wie vor die wichtigsten strategischen Ziele des Südtiroler Sanitätsbetriebes.

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MANAGEMENT & VERWALTUNG DARIO STEFANONI

Lean-Programm im Sanitätsbetrieb wird fortgesetzt Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht der im Rahmen des Lean Healthcare Programms 2016-2018 erzielten Ergebnisse hat der Betrieb beschlossen, eine neue dreijährige Initiative (2019-2021) zu starten und die Philosophie und die praktischen Methoden des „Lean Thinking“ auf neue Abteilungen und Dienste auszuweiten.

Kaizen: japanisch für “Wandel zum Besseren” unter Einbeziehung der Mitarbeiter, Veränderung in kleinen Schritten und kontinuierlicher Verbesserung Kaikaku: japanisch für “Transformation” oder “drastischer Wandel”; im Gegensatz zu Kaizen steht Kaikaku für einen radikalen Veränderungsprozess, der ein fundamentales Umdenken erfordert Wertschöpfende Tätigkeit: Tätigkeiten im Behandlungs- und Betreuungsprozess, die für den Patienten/die Patientin einen Mehrwert bringen (Verbesserung des Gesundheitszustandes oder des Wohlbefindens) Verschwendung: Tätigkeiten im Behandlungs- und Betreuungsprozess, die nicht zur Verbesserung des Gesundheitszustandes oder des Wohlbefindens des Patienten/der Patientin beitragen (Verschwendung von Zeit, Material, Ressourcen und Durchführung von unnötigen und nicht-ökonomischen Aufgaben) Wertstromdiagramm: graphische Darstellung des Prozesses, in der wertschöpfende Tätigkeiten und Verschwendung hervorgehoben werden

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Nachdem bisher Ärzte und Ärztinnen, Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen und Verwaltungspersonal aus den Bereichen Innere Medizin, Allgemeine Chirurgie und Notaufnahme aller Krankenhäuser des Sanitätsbetriebes miteingebunden wurden, werden jetzt Begriffe wie „Kaizen“, „Kaikaku“, „wertschöpfende Tätigkeiten“ und „Wertstromdiagramm“ den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in den Abteilungen Rehabilitation, Orthopädie-Traumatologie, Onkologie und onkologische Tageskliniken, in der wohnortnahen Versorgung und - erstmals auch in einer nicht klinische Abteilung - der Abteilung Einkauf näher gebracht. Das neue Lean Programm, das offiziell im Januar 2019 gestartet wurde, sah eine Kick-off-Veranstaltung im Februar und eine theoretisch-praktische Einführungsschulung zu den Konzepten und den Techniken des Lean Managements vor. In den Monaten April und Mai hatten die Teilnehmer, die in 15 multiprofessionellen Gruppen mit insgesamt etwa 100 Mitarbeiter organisiert waren, die Möglichkeit, sich über die historische Entstehung des Lean Managements zu informieren, Prinzipien, Werkzeuge und Anwendungsmethoden kennenzulernen und diese auf den Gesundheitsbereich und die tägliche Ar-

beit zu übertragen. So wird die Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse der Patienten und auf die Reduzierung von Verschwendung gerichtet, um unnötige Wartezeiten auf Untersuchungen und stationären Aufnahmen zu beseitigen, um Ineffizienzen im Einsatz von Ressourcen (Personal, Ambulatorien, Medikamente, Instrumente) zu eliminieren und um Stress und Unzufriedenheit bei allen am Behandlungsprozess beteiligten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen abzubauen. In den Sommermonaten (Juni-August) wurde die Arbeit in den Abteilungen und Diensten fortgesetzt. In einer intensiven Analysephase wurden Verbesserungsmöglichkeiten (Kaizen-Opportunities) identifiziert, die nun von der Betriebsführung zu einer strategischen Maßnahmenplanung herangezogen werden. Die Identifizierung und strukturierte Darstellung von Verschwendung in den Prozessen sind aber nicht die einzigen Ziele des Lean Programmes. Die gemeinsame Entwicklung von Lösungsansätzen, die Definition von messbaren Zielen, der Austausch zwischen den einzelnen Bezirken, die Ausarbeitung von strukturiert logischen Argumenten, helfen Ziele rasch umzusetzen und fördern einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Dies sind die grundlegenden Bausteine des Lean -Healthcare-Programmes des Sanitätsbetriebes, die uns in den nächsten zwei Jahren begleiten werden. DARIO STEFANONI, AUTOR DIESES ARTIKELS, IST SENIOR CONSULTANT BEI DER UNTERNEHMENSBER ATUNG MAT T & PARTNER IM GESCHÄFTSBEREICH LEAN HOSPITAL.


MANAGEMENT & VERWALTUNG

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FOTO MARIA HECHENSTEINER

Mit der Kampagne „Hero for life“ sucht der Südtiroler Sanitätsbetrieb über verschiedene Kanäle den Kontakt zu zukünftigen Pflegekräften. Einen Höhepunkt stellte dabei die Informationsveranstaltung für Studierende des zweiten und dritten Ausbildungsjahres der Pflegeberufe am 18. Oktober im NOI Tech Park in Bozen dar. MANAGEMENT & VERWALTUNG MARIA HECHENSTEINER UND SABINE FL ARER

Ein Abend für zukünftige Heldinnen und Helden Arbeitsmöglichkeiten, Voraussetzungen für die Einstellung, Karrierechancen, Besoldung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Zu diesen und weiteren Themen rund um eine Anstellung beim Südtiroler Sanitätsbetrieb wurden die rund 150 Studentinnen und Studenten, die der Einladung gefolgt waren, informiert. „Wir wollten mit dieser Veranstaltung einen direkten Kontakt zu den Studierenden herstellen,“ erklärt Pflegedirektorin Marianne Siller. „Es war uns wichtig, uns als Führungsteam auf Betriebs- und Bezirksebene persönlich vorzustellen, offen auf die jungen Leute zuzugehen und ihre Fragen zu beantworten. Auch haben wir darauf Wert gelegt, gemeinsam mit der Landesfachhochschule Claudiana und den Berufskammern aufzutreten, um den Absolventen ein möglichst umfassendes Bild zu liefern, was nach dem Abschluss des Studiums bis zur Aufnahme in den Dienst erforderlich ist.“ Neben Generaldirektor Florian Zerzer und Pflegedirektorin Marianne Siller sprachen zu den Anwesenden die koordinierenden Pflegedienstleister aller vier Gesundheitsbezirke

sowie der Leiter der Betriebsabteilung Personal, Christian Kofler. Besonders aufmerksam verfolgt wurden die Berichte dreier Krankenpflegerinnen über ihre Arbeitserfahrungen im Ausland und ihre Begründungen für die Rückkehr nach Südtirol. Frank Blumtritt, koordinierender Pflegdienstleiter des Gesundheitsbezirkes Meran, resümierte: „Ich habe diese Veranstaltung als sehr angenehm empfunden, da sie keinem zu starren Muster folgte und unser Betrieb so eine gewisse Authentizität ausstrahlte. Ich denke, das ist sehr gut angekommen. Sehr positiv empfand ich auch die fast selbstverständlich wirkende Präsenz des Generaldirektors und des Landesrates, womit den nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen eine unmissverständliche Wichtigkeit zuteil wurde.“ Infopoints der Gesundheitsbezirke und der Berufskammern rundeten das Informationsangebot an diesem gelungenen Abend ab, der bei Livemusik und Häppchen noch viel Raum für persönlichen Austausch und ungezwungene Unterhaltung bot.

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Südtirols Schulen werden immer „bunter“: Mittlerweile ist es nicht nur in den Städten gang und gäbe, dass in einer Klasse Jugendliche aus mehreren verschiedenen Kulturen sitzen. Das kann bereichernd sein, aber auch zu Schwierigkeiten führen – ganz besonders, wenn jugendliche Migranten eine psychologische Unterstützung brauchen.

Jugendliche Migranten brauchen andere Betreuung

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MEDIZIN & PFLEGE SABINE FL ARER

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infach das Standard-Modell des Einheimischen ansetzen, ist wenig erfolgversprechend – zu unterschiedlich sind kulturelle und soziale Hintergründe. Eine Arbeitsgruppe, die sich aus Entwicklungsneuropsychologen aller vier psychologischen Dienste zusammensetzt, hat nun Vorgangsweisen erarbeitet, die sich der Diagnostik und Behandlung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei klinisch-relevanten Auffälligkeiten widmet. Psychologe Albin Steck vom Gesundheitsbezirk Meran erklärt, was dabei zu beachten ist.

Wodurch unterscheidet sich die Diagnostik bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund? Junge Menschen mit Migrationshintergrund kommen oft aus einem gänzlich anderen Umfeld: Meist sind sie in einem anderen Land, mit zum Teil völlig anderen Regeln und Werten, aufgewachsen – und müssen sich hier bei uns nun in einer veränderten Situation zurechtfinden. Oftmals sind sie zwar auch schon hier geboren, erleben aber durch das Elternhaus eine verschiedenartige Welt: Man denke nur an die Rolle der Frau, an die Religionsausübung oder an die Teilnahme von schulischen Veranstaltungen. Dazu kommen oftmals traumatische Erfahrungen, die viele auf der Flucht gemacht haben. All dies muss berücksichtigt werden, wenn ein Jugendlicher, wie wir es nennen, ‚klinisch-relevant‘ verhaltensauffällig wird – denn nicht jede Auffälligkeit bedarf einer klinisch – psychologischen Betreuung. Es muss auch unterschieden werden, ob es bei den auffälligen Symptomen etwa um Traumafolgen oder um Entwicklungsstörungen geht. Jeder Jugendliche hat seione # 03/19

nen eigenen ‚Rucksack‘ an Problemen und erfordert eine andere Betreuung.

Was sind die Meilensteine dieses Projektes? Es ging darum, vor der Komplexität nicht zu kapitulieren und das Machbare zu tun. Was sonst in ‚einem Durchgang‘ zum Abschluss geführt werden kann, muss hier oft in mehrere Etappen aufgeteilt werden. Die eigenen Schwierigkeiten und die Grenzen des Möglichen dürfen und sollen benannt und festgehalten werden. Von diesem Standpunkt aus wird auch besser ersichtlich, welche Fragen von der klinischen Psychologie selber und welche von anderen Profis der Sanität - etwa die medizinische Abklärung - und des Sozialdienstes - beispielsweise Familienarbeit - aufgegriffen werden müssen, weil sie in den Kompetenzbereich einer anderen Berufsgruppe fallen. Ein lohnender Nebeneffekt der Beschäftigung mit anderen Kulturen ist der, dass man ein besseres Gefühl für die Eigenheiten der eigenen Kultur bekommt. Es können einem Dinge über die eigene Kultur bewusst werden, die sonst völlig übersehen oder als selbstverständlich angesehen werden. Worin sehen Sie den größten Erfolg der bisherigen Zusammenarbeit aller in der Betreuung beteiligten Dienste? Wir – die Arbeitsgruppe Entwicklungsneuropsychologie - haben nun schon seit vielen Jahren mehrere Projekte zusammen auf den Weg gebracht, von denen die Betreuung von verhaltensauffälligen Migrantenjugendlichen lediglich ein Teil ist. Ich sehe hier gleich mehrere positive Aspekte: Zum einen können sich alle Fachleute, die sich


Angenommen, die Schule oder die Eltern melden sich aufgrund von Auffälligkeiten beim Psychologischen Dienst – wie sieht die weitere Vorgehensweise aus? Die meisten Anfragen gehen von den Schulen aus. Dafür gibt es ein festgelegtes Procedere. Es wird ein schriftlicher Antrag zur Abklärung gestellt, darin werden die betroffenen Kinder oder Jugendlichen in ihrem Verhalten und ihren schulischen Leistungen, ihren Stärken und Schwierigkeiten beschrieben. Auch die betroffenen Familien selber können sich an die Psychologischen Dienste wenden. Welches sind die nächsten Schritte bei diesem Projekt? Es müssen noch Teilbereiche wie etwa die Abklärung der exekutiven Funktionen - ausführende Funktionen, die das Verhalten steuern, zum Beispiel Inhibition, das heißt die Verhaltenshemmung - speziell bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund fertiggestellt und in das Gesamtdokument eingegliedert werden. Was müsste sich Ihrer Meinung nach in Schule und Gesellschaft ändern, um die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu erleichtern? Ein Schritt kann sein, dass wir uns bewusstmachen, dass vor nicht allzu langer Zeit unsere einheimische Bevölkerung selber schicksalhaft von der Migrationsfrage betroffen war.

Alle Krankenhäuser in Südtirol werden seit einigen Jahren konstant als besonders frauenfreundlich ausgezeichnet: Die italienische Stiftung Onda („Osservatorio nazionale sulla salute della donna e di genere“) verleiht alle zwei Jahre Punkte, so genannte bollini rosa für Einrichtungen, die eine besonders frauenfreundliche Betreuung auszeichnet. Am 11. Dezember 2019 war es wieder soweit. Ob und wie viele Punkte verteilt werden (maximal drei Punkte, dafür muss die Einrichtung auch bestimmte strukturelle Voraussetzungen aufweisen), entscheidet ein komplexer Algorithmus auf der Grundlage vieler beantworteter Fragen. Auch heuer hat es wieder einen wahren rosa „Punkteregen“ für Südtirols Krankenhäuser gegeben: Krankenhaus Bozen: 3 „bollini rosa“ Krankenhaus Meran: 3 „bollini rosa“ Krankenhaus Brixen: 2 „bollini rosa“ Krankenhaus Bruneck: 2 „bollini rosa“ Krankenhaus Schlanders: 2 „bollini rosa“ Krankenhaus Sterzing: 1 „bollino rosa“ Krankenhaus Innichen: 2 „bollini rosa“

Multiple Sklerose in verschiedenen Lebensphasen der Frau), Psychiatrischen oder Diätdienste des Landes, das onkologische Angebot und noch vieles mehr: „Die Leistungen und Angebote – nicht nur – dieser Abteilungen und Dienste waren für diese Bewertung ein wichtiges Kriterium, weshalb ich allen Beteiligten für ihren Einsatz, auch im Namen der gesamten Direktion, herzlich danke.“

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Punkt für Punkt

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damit befassen, immer wieder austauschen. Zum anderen wird eine Behandlung nach den neuesten Standards garantiert, egal, an welchen der Psychologischen Dienste der Patient sich wendet. Das von der Arbeitsgruppe bisher Erarbeitete ist offensichtlich nützlich über die Psychologischen Dienste hinaus, es ist eingeflossen in diverse Formulare und Prozeduren, die für den Bereich Entwicklungsneuropsychologie des gesamten Sanitätsbetriebes und für die Zusammenarbeit mit der Institution Schule gelten. Ich meine hier besonders die Kriterien zur Verlaufskontrolle, die Diagnostik der sogenannten Sonderfälle und die Schweregradbestimmung von Beeinträchtigungen, welche eine standardisierte Einordnung ermöglicht. Bei der Schweregradbestimmung spielt besonders der emotional-soziale Bereich sowie die Selbstständigkeit und Teilhabe des jungen Menschen eine Rolle. Supervision und wissenschaftliche Begleitung führte dabei Winfried Kain von der Universität Salzburg durch, der uns schon durch frühere Projekte begleitet hat.

Für Zerzer ist es schön zu sehen, dass „unser Arbeiten auch außerhalb von Südtirol Anklang findet und den gesamtitalienischen Vergleich nicht zu scheuen braucht. Wir wurden zwar bei dieser Gelegenheit als besonders frauenfreundlich ausgezeichnet, aber ich bin überzeugt, dass all unsere Dienste auf höchstem Niveau für die gesamte Bevölkerung tätig sind – egal, ob für Mann oder Frau, für Jung oder Alt.“ SABINE FL ARER

Generaldirektor Florian Zerzer bedankt sich deshalb ganz besonders bei jenen Abteilungen und Diensten, deren Kriterien Teil des abgefragten Fragebogens waren, naturgemäß Frauenbereiche wie die Gynäkologie oder die Geburtshilfe, aber auch die Kardiologien (Herzerkrankungen bei Frauen), Neurologien (Epilepsie/

AM PROJEK T HABEN FOLGENDE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER DER PSYCHOLOGISCHEN DIENSTE MITGEARBEITET: MARLIES BAUR, EVI NIEDERSTÄT TER, LUISA CIOFFI, SIGRID DORFER, JOSEF GRUBER, HERBERT HOCHGRUBER, ANDREAS HUBER, WALTER PL AT TNER, LUDWIG SANTIFALLER, HERBERT SIGMUND, SERENA AMORT, ALBIN STECK, STEFANIA R ANDI, COR A SARTORI SOWIE CHRISTIAN SAVEGNAGO VOM DIENST FÜR KINDER- UND JUGENDNEUROLOGIE UND REHABILITATION UND WINFRIED K AIN VON DER UNIVERSITÄT SALZBURG (SUPERVISION, WISSENSCHAFTLICHE BEGLEITUNG UND MITGLIED DER ARBEITSGRUPPE)

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Im Zeitraum Oktober 2015 bis Mai 2019 wurde die sechste erweiterte Auflage der „Bruneck-Studie“ durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine populationsbasierte longitudinale Observationsstudie zu Lebensstilfaktoren mit besonderem Fokus auf Ernährung, Gefäßrisikofaktoren und Erkrankungen des höheren Lebensalters – unter anderem Arteriosklerose, Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, neurodegenerative Erkrankungen, Osteoporose, Osteoarthritis - verbunden mit der Erhebung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.

Abschluss des Erfolgsprojektes „Bruneck-Studie 2015“

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MEDIZIN & PFLEGE STEFAN DEJACO

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ie Basis bildet die ursprüngliche Kohorte der Bruneck-Studie, die im Jahre 1990 als gemeinsames Projekt des Krankenhauses Bruneck und der Medizinischen Universität Innsbruck gestartet wurde. Damals wurden 1.000 Bürger der Gemeinde Bruneck im Alter von 40-79 Jahren nach dem Zufallsprinzip und einem altersund geschlechtsstratifizierten Auswahlverfahren ausgewählt. (125 Männer und 125 Frauen pro Dekade). Nach der Basisuntersuchung 1990 wurden bisher insgesamt vier Nachuntersuchungen in fünfjährigen Abständen durchgeführt - die letzte im Jahr 2010. Mit der „Bruneck Studie 2015“ wurde die ursprüngliche Bruneck Studie auf die Gesamtbevölkerung der über 65-Jährigen in der Gemeinde Bruneck ansässigen Bürgerinnen und Bürger ausgeweitet.

Die Einladung zur Teilnahme an der Studie haben 341 Personen aus der ursprünglichen und weitere 1.119 Personen aus der erweiterten Bruneck-Studie angenommen, sie bilden nunmehr mit 1.460 Probanden die neue longitudinale Studienpopulation. Im Zeitraum April 2017 bis Februar 2019 wurden die Probanden im Rahmen zweier Zugänge verschiedenen Untersuchungen unterzogen. Vorgesehen waren standardisierte Fragebögen zu Anamnese und Risikofaktoren sowie den Ernährungsgewohnheiten. Zudem erfolgte eine internistische, rheumatologische und eine neurologische Untersuchung, EKG, Echo und Gefäßultraschall, Fibroscan sowie eine ausgedehnte Laborchemie.

Internist/ kardiologische Untersuchung Echo

Anamnese Risikofaktoren Fragebögen Osteoporose

3 x 5 Personen pro Woche

Neuropsychologischer Test Lebensqualität Behinderung

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Gefäßultraschall Osteoporose

Laborchemie

Antropometrische Parameter EKG Fibroscan

Ernährungsbogen Körperliche Aktivität


Keine Pause für den Klapperstorch in Südtirol

Die Studie 2015 wurde in Kooperation mit der Medizinischen Universität Innsbruck auf der Grundlage der Kooperationsvereinbarung über die Forschungszusammenarbeit vom 25.09.2013 im Rahmen des Großprojektes "VASCage - Research Center of Excellence in Vascular Ageing" als eines von vier Teilprojekten durchgeführt und von den Primaren der Abteilungen für Innere Medizin, Klinische Pathologie und Neurologie des Krankenhauses Bruneck koordiniert.

Brixen Meran

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it der fünften Nachuntersuchung und Erweiterung der „Bruneck Studie 2015“ können neue Fragestellungen zur Epidemiologie und Versorgungsforschung angegangen werden. So ist das Thema „Gesundheit im Alter und Krankheitsprävention für ältere Menschen“ aufgrund des demographischen Wandels von zunehmend hoher klinischer Relevanz. Die Bruneck-Studie ist durch den prospektiven und populationsbasierten Ansatz geeignet, kausale Zusammenhänge von Einflussfaktoren auf Krankheitsentstehung, -verlauf und -prognose aufzudecken und Prädiktoren für ein gesundes Altern zu etablieren. Wichtige Ziele der Studie waren und sind vor allem aber auch die Initiierung von Aktivitäten und Kampagnen zur Förderung der Prävention und gesunden Lebensweise der Studienteilnehmer und deren familiären Umfeldes sowie der gesamten Region. Dies wird durch die direkte Information der Studienteilnehmer, die enge Kooperation mit den Ärzten für Allgemeinmedizin und durch präventivmedizinische Vorträge in Gemeinden, Schulen, in Betrieben sowie Gesundheitstreffs in allen Gemeinden des Pustertales erreicht.

5.506 Babys erblickten im Jahr 2018 in Südtirol das Licht der Welt. Das entspricht einer Geburtenrate von 10,2 Lebendgeborenen je 1.000 Einwohner (Quelle: ISTAT) und damit dem höchsten Wert Italiens. Italienweit liegt die Geburtenrate im Durchschnitt bei 7,4 Lebendgeborenen je 1.000 Einwohner.

Bruneck

838

Schlanders

387

Bozen

1796

MEDIZIN & PFLEGE

Die Bruneck-Studie gehört mittlerweile zu den renommiertesten und am längsten laufenden Populationsstudien. Wissenschaftliche Arbeiten zum natürlichen Verlauf der Karotis-Erkrankung wurden erstmals durch die Bruneck Studie publiziert und neue Konzepte in der Entstehung von Gefäßerkrankungen entwickelt („Arteriosklerose-Model der Bruneck Studie“). Neue Erkenntnisse zur Rolle von Inflammation, Erkenntnisse zur Entstehung des Typ 2-Diabetes und zu Fettstoffwechselstörungen, Zell-Seneszenz und Oxidation wurden gewonnen.

Das Durchschnittsalter der Mütter bei der Entbindung betrug 31,5 Jahre, jenes der Väter 35,1 Jahre. 64,5 Prozent der frischgebackenen Mütter waren 2018 über 30 Jahre alt, 328 von ihnen über 40 Jahre, 48 hingegen waren noch Teenager. Weiterhin hoch war im Jahr 2018 der Anteil der Frauen in Südtirol, die zum Zeitpunkt der Entbindung ledig waren, vor allem unter jenen mit italienischer Staatsbürgerschaft: von diesen war jede Zweite (55,4 Prozent) nicht verheiratet. Dieser Wert ist nach wie vor in Südtirol höher als im Rest Italiens. In Bezug auf den Bildungsgrad wiesen 70 Prozent der Mütter eine mittlere bis hohe Ausbildung auf (Maturadiplom oder Universitätsabschluss), bei den Vätern waren es 53 Prozent. Durch die Mütterberatungsstellen im ganzen Land gewährleistet der Südtiroler Sanitätsbetrieb eine optimale Betreuung der frischgebackenen Mütter und ihrer Neugeborenen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Im Rahmen dieser „geschützten Entlassungen“ wurden im Jahr 2018 allein im Gesundheitsbezirk Bozen 1.937 Mütter kontaktiert. Jeder von ihnen wurde ein erstes Beratungsgespräch angeboten und der vereinbarte Termin fand meistens außerhalb der Öffnungszeiten der Mütterberatungsstelle oder bei ihnen zu Hause statt. Dabei wurden nicht nur Wachstum und Entwicklung der Neugeborenen kontrolliert. 2018 wurden auch interessante Daten zur Ernährung der Säuglinge von der Entlassung aus dem Krankenhaus bis zum sechsten Lebensmonat erhoben. Diese Erhebung verlief gemäß dem für das Monitoring des Stillens geltenden Standard der Weltgesundheitsorganisation, wie ihn der „Tavolo Tecnico Operativo Interdisciplinare sulla promozione dell’allattamento al seno“ des Gesundheitsministeriums unter Vorsitz von Riccardo Davanzo vorschreibt. Die folgende Grafik zeigt die Daten zur Ernährung der Neugeborenen zum Zeitpunkt der Entlassung aus dem Krankenhaus für das Jahr 2018:

17,2 % Muttermilch als Ergänzung

1,7 % vorwiegend Muttermilch

3,4 % nur künstliche Milch

77,6 % ausschließlich Muttermilch

Im Alter von drei Monaten wurden im Jahr 2018 immer noch 70,4 Prozent der Babys ausschließlich gestillt, 12,1 Prozent bekamen Muttermilch mit Zusatz von künstlicher Milch und 15,7 Prozent bekamen nur das Fläschchen. Somit haben 84,1 Prozent der Säuglinge im Alter von drei Monaten noch Muttermilch bekommen, wenn auch zum Teil nicht ausschließlich. Nach vollendetem sechsten Lebensmonat bekamen nur mehr 4,43 Prozent der Babys ausschließlich Muttermilch. 2017 waren es noch 6,66 Prozent gewesen. Hinsichtlich des ausschließlichen Stillens der sechs Monate alten Babys ist somit im vergangenen Jahr ein schrittweiser Rückgang zu verzeichnen. PATRIZIA COR AZZA , SANITÄTSASSISTENTIN

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Zwei Wochen lang war Lucia Sterz im vergangenen Sommer als Praktikantin in der Abteilung Kommunikation, Marketing und Bürgeranliegen des Südtiroler Sanitätsbetriebes beschäftigt. Ob es ihr gefallen hat? Lesen Sie selbst. unglaublich viele Erfahrungen in anderen Bereichen und lehrreiche Informationen von diesen zwei Wochen mitnehmen.

FOTO PETER A. SEEBACHER

VITA

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Mein Arbeitstag begann um 9:00 Uhr mit einem „Guten Morgen“ von meinem stets gut gelaunten Arbeitskollegen Martin, in dessen Büro ich in den zwei Wochen unterkommen durfte. In den ersten Tagen wurden mir die einzelnen Mitarbeiter des Betriebes vorgestellt und ich bekam schon mal eine kleine Vorahnung, was es heißt, in einem Büro zu arbeiten. Für mich als Schülerin war der Arbeitsalltag natürlich eine ganz neue Erfahrung und unglaublich spannend, diesen mitzuerleben.

VITA LUCIA STERZ

Zwei Wochen ohne Langeweile Was bedeutet eigentlich Presse- und Medienarbeit? Wie funktioniert die Abteilung für Kommunikation und wie arbeitet ein Journalist in einer Pressestelle? Fragen, die ich mir gestellt habe und Themen, die ich unglaublich spannend finde. Deshalb habe ich den Sommer vor meinem Maturajahr auch als großartige Gelegenheit angesehen, mich durch ein Praktikum einmal in diesen Beruf „hineinzuschnuppern“. All die Fragen, die ich mir vorab gestellt hatte, konnte ich mir während meiner zwei Wochen in der Abteilung für Marketing, Kommunikation und Bürgeranliegen des Südtiroler Sanitätsbetriebes beantworten. Und noch viel mehr! Ich durfte one # 03/19

Meine Aufgaben waren bunt gemischt, von der Dateneingabe in die betriebseigene Datenbank, bis hin zum Verfassen einer Infobroschüre zum Thema Pilze sammeln der Mykologischen Kontrollstellen war alles dabei. Ich durfte mich außerdem am Verfassen einiger Artikel für die Zeitschrift „one“ versuchen, einmal in der Rubrik „Gesundheit im Netz“ und in der Rubrik „Infografik“, was mir besonders gut gefallen hat. Zusammen mit meiner Kollegin Evelyn habe ich die Evviva Online-Kampagne zum Thema Selbstmanagement für den Herbst 2019 vorbereitet. Bei einem kleinen „Ausflug“ mit meinem Kollegen Martin durfte ich mir verschiedene Lösungswege zum Problem des Queue Management System (QMS) für Krankenhäuser in einer Bozner Softwarefirma anschauen, was eine unglaublich interessante Abwechslung war. Langeweile war in diesen zwei Wochen jedenfalls ein Fremdwort! Zusammenfassend würde ich sagen, dass ich sehr froh bin, das Praktikum im Südtiroler Sanitätsbetrieb gemacht zu haben. Einerseits aufgrund der vielen neuen und vor allem lehrreichen Erfahrungen, die ich sammeln durfte, andererseits aufgrund der vielen netten Leute, die ich kennenlernen durfte.


BOZEN

BOZEN AIDS: Solidarität statt Stigma 35 Die Psychiatrie der Zukunft schon heute 35 BRIXEN Jahrgangstreffen der 1969er des Gesundheitsbezirks Brixen 36 „Im Anfang war Beziehung!“ 36

BRIXEN

BRIXEN Jahrgangstreffen der 1969er des Gesundheitsbezirks Brixen 36 „Im Anfang war Beziehung!“ 36

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MERAN

MER AN Vereint gegen Schmerzen 32 Tag der Wechseljahre 33 Persönliche Gedanken zum Seelsorgedienst 34 BOZEN AIDS: Solidarität statt Stigma 35 Die Psychiatrie der Zukunft schon heute 35 BRIXEN Jahrgangstreffen der 1969er des Gesundheitsbezirks Brixen 36 „Im Anfang war Beziehung!“ 36

AUS DEN BEZIRKEN

BRUNECK

BRUNECK Aktive Väter 30 Sturzprävention im Gesundheitsbezirk Bruneck 31 Fitte Herzen leben länger 31 MER AN Vereint gegen Schmerzen 32 Tag der Wechseljahre 33 Persönliche Gedanken zum Seelsorgedienst 34 BOZEN AIDS: Solidarität statt Stigma 35 Die Psychiatrie der Zukunft schon heute 35 BRIXEN Jahrgangstreffen der 1969er des Gesundheitsbezirks Brixen 36 „Im Anfang war Beziehung!“ 36

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BRUNECK

Der Verein „Väter aktiv“ hat sich zum Ziel gesetzt, Sensibilisierungsarbeit zu leisten und möchte eine vermehrte Zusammenarbeit mit dem Sanitätsbetrieb sowie anderen sozialen Einrichtungen und Diensten, Netzwerken und Vereinen anregen. onalisierung“ der Beziehungen besonders häufig sei. Umso wichtiger sei es deshalb Väter zu ermutigen, präsent und aktiv den Familienalltag mitzugestalten. Gerade durch den Erfahrungsaustausch unter Männern könnten Väter gestärkt werden.

BRUNECK VERONIK A BRUNNER

Aktive Väter

FOTO VERONIKA BRUNNER

AUS DEN BEZIRKEN

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„Väter haben einen anderen Start in die Elternschaft als Mütter. Sie spüren nicht in gleicher Weise, wie sich der Nachwuchs in der Schwangerschaft entwickelt und somit entwickelt sich auch die Bindung zum Kind auf anderen Wegen. Trotzdem haben Väter genauso wie Mütter eine intuitive Veranlagung, sich vom ersten Tag an fürsorglich um das Baby zu kümmern“, so der Geschäftsführer des Vereines „Väter aktiv“, Michael Bockhorni.

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ine Initiative in Richtung Zusammenarbeit war die Veranstaltung zum Thema „Die Rolle des Vaters rund um die Geburt und in den ersten Lebensjahren“, welche Ende Mai 2019 im Foyer des Krankenhauses Bruneck stattfand. Die Gesprächsrunde wurde, dem Thema entsprechend, von der Wanderausstellung „Väter-Bilder“ umrahmt, die mit eindrucksvollen Fotografien von Alfred Tschager Väter in verschiedenen Alltagssituationen mit ihren Kindern zeigte. In einem Impulsreferat gab Michael Bockhorni Einblicke in das Thema gelebte Vaterschaft. Dabei ging Bockhorni der Frage nach, was Väter für einen guten Start und eine gute Basis für eine lebendige Vater-Kind-Beziehung brauchen. Bockhorni schilderte Beispiele und berichtete, dass nach der Geburt der Kinder eine „Retraditi-

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ie Koordinatorin der Hebammen im Gesundheitsbezirk Bruneck, Isabella Obojes, sprach über die Rolle des Vaters während der Geburt: „Wir möchten den Männern vermitteln, dass sie bei der Geburt der Kinder weniger eine Aufgabe zu erfüllen haben, sondern es vielmehr darum geht, die Partnerin zu begleiten und die Entbindung gemeinsam zu erleben. Wir empfehlen, sich bereits vorab in der Partnerschaft zu besprechen und über das „Dabei-Sein“ des Vaters gemeinsam zu entscheiden. Sollte sich das Paar dagegen aussprechen, so sei gesagt, dass die Stunden der Geburt sicher nicht die alles Entscheidenden sind. Die Vaterschaft dauert ein Leben lang.“ Diese Einstellung bestätigten auch die in der Versorgung vor Ort eingesetzten Hebammen, welche die Familien nach der Geburt zu Hause besuchen und weiterbetreuen. Sie berichteten über den Einsatz und das Engagement beider Elternteile: „Auch die Väter zeigen großes Interesse an der Entwicklung ihrer Kinder und nehmen sich oft die Zeit, bei unseren Besuchen dabei zu sein.“ Die offene Diskussionsrunde mit allen Anwesenden führte von theoretischen Hintergründen über Erfahrungsberichte bis hin zu diversen Handlungsimpulsen. Unter den Teilnehmern befanden sich neben der Vereinigung „Väter aktiv“, Vertreter und Vertreterinnen des Bildungsweg Pustertal (BIWEP), des Gesundheitsbezirkes Bruneck, der Männerinitiative Pustertal (MIP) sowie des Radiosenders „Radio2000“. Alle nutzten die Gelegenheit ihre Angebote vorzustellen und Informationsmaterial auszutauschen. Verteilt wurde auch die vom einheitlichen Komitee für Chancengleichheit des Südtiroler Sanitätsbetriebes ausgearbeitete Broschüre „Mein Papa und ich“.


BRUNECK FR ANCA FRENADEMETZ, MONIK A WOLFSGRUBER

Projekt Sturzprävention im Gesundheitsbezirk Bruneck Aufgrund der gesammelten Daten zur Sturzinzidenz im Jahre 2018 im gesamten Gesundheitsbezirk Bruneck, haben Pflegedienstleitung und die Abteilungen Medizin A Ost und West, Medizin B, Rehabilitation und Psychiatrie das interdisziplinäre Projekt zur Sturzprävention initiiert.

und im schlimmsten Fall zum Tode führen. Häufig benötigen gestürzte Patientinnen und Patienten weitere Untersuchungen, Therapien, eventuell auch verlängerte oder zusätzliche Krankenhausaufenthalte, die zu nicht unerheblichen Auswirkungen auf das sanitäre, soziale und ökonomische System führen.

Die Faktoren, welche das Sturzrisiko erhöhen, sind abhängig von der Person selbst und deren Umfeld. Die meisten Stürze ereignen sich bei Personen in einem Alter von über 65 Jahren (Quelle: Italienisches Gesundheitsministerium); mit zunehmendem Alter können vermehrt personenbezogene Risikofaktoren auftreten, wie etwa Kraft- und Balanceprobleme, Gehbeeinträchtigungen, Veränderung der Körperhaltung, Erkrankungen, Mangelernährung, Beeinträchtigung des Sehvermögens, Verwirrtheit und Ähnliches.

In Anlehnung an die bestehende Betriebsleitlinie „Sturzprävention bei Betreuten in Akut- und Langzeiteinrichtungen“ von 2010 und der wissenschaftlichen Evidenz, hat die interdisziplinäre Arbeitsgruppe Maßnahmen und Handlungsempfehlungen zur Sturzprävention ausgearbeitet, die allen Abteilungen sowie dem Dienst für Patiententransport zur Verfügung gestellt wurden. Auch die Angehörigen der Betreuten wurden aktiv in die Handlungsempfehlungen miteinbezogen.

Umweltbezogenen Risikofaktoren sind etwa ungeeignetes Schuhwerk, Stolperfallen, schlechte Lichtverhältnisse, nasse Fußböden oder inadäquaten Hilfsmitteln. Die Einnahme von Medikamenten, wie etwa Diuretika, Laxantien, Psychopharmaka, Antidepressiva, Antihypertensiva, NSAR mit ihren Wechselwirkungen können das Sturzrisiko erhöhen. Stürze können schwerwiegende, multidimensionale Folgen mit sich bringen

Einen wichtigen Stellenwert in der Sturzprävention haben die multidisziplinäre Zusammenarbeit, die Anamnese zur Feststellung des individuellen Sturzrisikos, sowie die unmittelbare, professionelle Intervention.

Anschließend fand der offizielle Teil statt. Walter Baumgartner, Präsident der Südtiroler Herzstiftung, und Walter Amhof, Direktor des Gesundheitsbezirkes Bruneck, begrüßten die rund 150 Teilnehmer und zeigten sich sehr erfreut über die gelungene gemeinsame Initiative und das rege Interesse.

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Im Eingangsbereich des Krankenhauses wurde extra für diesen Tag eine „Gesundheitsstraße“ angelegt. Krankenpflegepersonal sowie Ernährungstherapeuten boten dort die Messung von Blutdruck und Blutzucker, BMI-Berechnung und Diätberatung an. In der Folge konnten diese Daten mit den Fachärzten Stefan Brugger und Petra Engl besprochen werden.

Stefan Brugger, Primar der Abteilung innere Medizin, moderierte den Nachmittag und eröffnete die Vorträge. Die Themen: „Süßes Herz – Folgen der Zuckerkrankheit für das Herz“ und „Bewegtes Herz – Vorbeugung und Heilung durch Sport“. Den Anfang machte Monika Hilber, die über eine der ältesten Erkrankungen der Menschheit referierte: Diabetes-Mellitus, der Bedeutung nach „honigsüßer Durchfluss“. Sie sprach über Diabetes Typ1 und Typ2, beide gekennzeichnet durch eine chronische Erhöhung des Blutzuckers, verbunden mit dem Risiko für schwere Begleit- und Folgeerscheinungen - auch für das Herz. Weltweit sei eine große Zunahme an Neuerkrankungen zu verzeichnen, wobei Hilber als

AUS DEN BEZIRKEN

Ziel des Projektes „Sturzprävention“ ist die frühzeitige Erkennung von Sturzrisiken sowie die Gewährleistung der Sicherheit und Mobilität der Patientinnen und Patienten, ohne sie in ihrer Freiheit einzuschränken.

Organisiert worden war die Veranstaltung von der Südtiroler Herzstiftung in Zusammenarbeit mit der Abteilung Innere Medizin und dem Dienst für Diät und Ernährung des Gesundheitsbezirkes Bruneck.

besonders ungünstige Faktoren bauchbetontes Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, einen gestörten Blutzuckerstoffwechsel sowie eine ungünstige Ernährungsweise und Bewegungsarmut nannte. Hilber empfahl einen gesunden Lebensstil mit einer ausgewogenen, mediterranen Kost, vorzugsweise mit pflanzlichen Fetten, Gemüse und ballaststoffreichen, länger sättigenden Lebensmitteln. Süßigkeiten sollten wenig gegessen und Übergewicht langsam, aber dauerhaft durch Kalorienreduktion abgebaut werden. Durch angemessene körperliche Aktivität sollte die Fitness gesteigert werden. Den nachweislich gesundheitsfördernden Effekt von Bewegung bestätigte und erklärte der Grundversorgungs- und Sportarzt Alex Mitterhofer. Mitterhofer sprach über Bewegung als „Medikament“. Das Ziel dabei sei es, durch ein individuell angepasstes, planmäßiges Training, sozusagen „Training auf Rezept“, den Körper belastbarer zu machen: „Dadurch kann dem Konditionsmangel, welcher ein Risiko für das Herz darstellt, entgegengewirkt werden. Durch die Verbesserung der Fitness wird das Herz mehr und mehr entlastet, was sich wiederum positiv auf das gesamte System auswirkt. Fitte Herzen leben länger. Jeder Schritt zählt. Wer körperlich fit ist, lebt gesünder und kann sich eine gute Lebensqualität bis ins hohe Alter bewahren.“ Heinrich Holzer, Vorstandsmitglied der Südtiroler Herzstiftung, bedankte sich im Namen der Organisation bei allen Beteiligten für den informationsreichen Nachmittag und verabschiedete die TeilnehmerInnen mit den besten Wünschen: „Bleiben Sie aktiv und gesund!“ VERONIK A BRUNNER

FOTO VERONIKA BRUNNER

FOTO GESUNDHEITSBEZIRK BRUNECK

„Unser Herz – Risikofaktoren mit Schwerpunkt Diabetes“, war das Motto Gesundheitstages, der am 12.09.2019 im Krankenhaus Bruneck stattgefunden hat.

BRUNECK

Fitte Herzen leben länger

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MERAN

Mitglieder der Projekt-Gruppe sind Patrizia Raffl (Ärztin Abteilung Rehabilitation), Markus Mariacher (Arzt landesweiter Dienst für Handchirurgie), Christine Brunner, Sonja Parschalk (beide Ergotherapeutinnen), Manuela Gurschler, Rosa Gurschler, Gianluca Chiaccheretta (alle Physiotherapeutinnen und -therapeut) sowie Brigitte Greif (Psychologin des Psychologischen Dienstes des Krankenhauses). Unter welchen Beschwerden leiden CRPS-Patienten?

AUS DEN BEZIRKEN

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Patrizia Raffl: Es handelt sich um ein Schmerzsyndrom, bei dem die Schmerzen im Vergleich zum erwarteten Heilungsverlauf unangemessen stark sind, zudem treten Störungen der Sensorik, der Motorik, des vegetativen Nervensystems und der Gewebetrophik auf. Diese Symptome sind nicht mehr auf direkte Traumafolgen zurückzuführen. Die Patienten sind meist deutlich in ihrem Alltag und Berufsleben eingeschränkt und stehen unter einem hohen Leidensdruck. Studien zeigen, dass eine multimodale interdisziplinäre Therapie die besten Resultate bringt. Was waren die Gründe, die zu diesem Zusammenschluss in der Behandlung der CRPS-Patienten führten, was ist das Ziel dieses Projektes? Christine Brunner: Patientinnen und Patienten, die am komplexen regionalen Schmerzsyndrom leiden, benötigen eine multimodale Therapie, die durch mehrere Fachbereiche abgedeckt werden muss. Wir wollten ein interdisziplinäres Team mit Ansprechpartnern für die Behandlung, mit einheitlichen Therapiestandards, regelmäßigen Besprechungen und Fortbildungen zum Thema anbieten.

FOTO ARBEITSGRUPPE CRPS

Sonja Parschalk: Für den Patienten kann die Betreuung erst dann auf allen Ebenen wirksam werden, wenn er das Gefühl hat, dass alle Akteure kompetent und im Austausch miteinander handeln. Die Herausforderung besteht darin, die verschiedenen therapeutischen Maßnahmen individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abzustimmen und diese zeitnah umzusetzen. Gianluca Chiacchiaretta: Die Therapiemaßnahmen reichen von der Spiegeltherapie (Spiegelung linke/ rechte Seite und Übungen vor dem Spiegel) bis hin MERAN SABINE FL ARER

Vereint gegen Schmerzen one # 03/19


BRIXEN MERAN

Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (Complex regional pain syndrome, CRPS) wird als Schmerzsyndrom definiert, das nach Verletzung einer Extremität auftreten kann und den Heilungsverlauf deutlich verlängert. Um eine umfassende Betreuung der Betroffenen zu gewährleisten, initiierte 2017 eine Gruppe der Abteilungen Rehabilitation, Orthopädie und des Psychologischen Dienstes des Krankenhauses Meran das Bezirksprojekt „Multimodale Behandlung von CRPS-Patienten“.

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zur Lymphdrainage und zu den osteopathischen Techniken, die je nach Beschwerden eingesetzt werden.

AUS DEN BEZIRKEN

Brigitte Greif: Ein weiterer Baustein der multimodalen Therapie ist die psychologische Begleitung der Patienten. Chronische Schmerzzustände können zusätzlich Ängste, vermindertes Selbstwertgefühl oder Depressionen verursachen. Außerdem können anderweitige psychosoziale Belastungen zusätzliche Leiden verursachen. Es geht also um die Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung und um das Erlernen von Entspannungstechniken. Wie sieht diese Zusammenarbeit konkret aus?

Tag der Wechseljahre

Wie viele Patienten sind davon betroffen?

Beratung anlässlich des Tages der Wechseljahre in den Krankenhäusern Meran und Schlanders.

FOTO SABINE FLARER

Markus Mariacher: Die Arbeitsgruppe trifft sich einmal monatlich, bei Bedarf wird auch der Neurologe oder der Schmerztherapeut involviert. In einigen Fällen kann auch ein gemeinsames Treffen mit der Patientin oder dem Patienten stattfinden, um den Behandlungsverlauf und die Ziele zu besprechen. Außerdem haben wir eine Informationsbroschüre zum Thema ausgearbeitet.

FOTO SABINE FLARER

Patrizia Raffl: Im Jahr 2018 hat unsere Gruppe ca. 20 Personen aufgrund dieses Krankheitsbildes behandelt. Das Feedback der betreuten Personen ist durchwegs positiv, sie fühlen sich durch die multimodale Behandlung in ihrem Krankheitserleben ernstgenommen und in dieser schweren Zeit gut begleitet. Dadurch gelingt den meisten Patienten der Wiedereinstieg in den Alltag leichter.

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MERAN

MERAN BELINDA WOPFNER

AUS DEN BEZIRKEN

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Persönliche Gedanken zum Seelsorgedienst im Krankenhaus Schlanders Ich bin Krankenpflegerin im Sprengel Mittelvinschgau und durfte im Rahmen meiner Counsellor–Ausbildung Gudrun Schgör und Markus Seppi bei ihrer Tätigkeit im Seelsorgedienst vom Krankenhaus Schlanders begleiten. Unterstützt werden die beiden vom ehemaligen Krankenhausseelsorger Pater Maximilian Frank und Schwester Maria Renate Aster, die vor allem im liturgischen Bereich ihren Dienst leisten.

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as Wort Seelsorge hat für mich durch das Praktikum eine neue Bedeutung bekommen. Beide Theologen haben mir gezeigt, dass die Sorge um die Seele in schwierigen Lebenssituationen einen besonderen Stellenwert bekommt. Zuhören, nachfragen, wertschätzen, miteinander Aushalten, schweigen, Kontakt suchen, lachen, Freude mitbringen, Trost spenden, innehalten, Gottesdienst - Kommunion und Krankensalbung anbieten, Schwerkranke und Sterbende begleiten, sind nur einige Aufgaben des Seelsorgedienstes.

FOTO PRIVAT

Ich durfte selbst miterleben, wie wertvoll ihre offene Haltung in Lebens- und Glaubensfragen ist. Der oft kurze Besuch hat durch ihre empathische Haltung und die Professionalität eine sehr große Bedeutung für viele Patienten, Angehörige, Nahestehende und Personal. Ich bin davon überzeugt, dass dies einen sehr positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf und die Genesung der Patienten hat, sowie auf die bessere Verarbeitung dessen im Umfeld. Das Personal hat durch sie einen professionellen Gesprächspartner an ihrer Seite.

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Ich bin dankbar zu wissen, dass es diesen Dienst im Krankenhaus von Schlanders gibt und geistliche wie weltliche Be-

dürfnisse gleichermaßen aufgefangen werden können. Jetzt haben für mich die Worte: „Die Sorge um die Seele“ eine ganzheitliche Bedeutung bekommen. Ich möchte mich im Namen der Patienten und Patientinnen, Angehörigen und all jener, die in irgendeiner Form von ihnen begleitet wurden, herzlichst beim Seelsorgedienst, bei Gudrun und Markus, bedanken. Ich habe viel für meine Seele und für meine Ausbildung gelernt.

Atmen Atmen Atmen können in einer Kultur der Nächstenliebe, die Menschen ihre Würde erleben lässt atmen können, segnend da sein in einer Welt der Toleranz, die authentisches Menschsein fördert atmen können im Getragen-werden, eingebunden in die Schönheit der Schöpfung, die achtsam mit den Sorgen und unserer Vergänglichkeit umgeht.


FOTO PETER A. SEEBACHER

Die Übertragung des Virus erfolgt nach wie vor am häufigsten durch Geschlechtsverkehr. Küsse, Körper- und Hautkontakte, gemeinsame Nutzung von Geschirr, Kleidung, Wäsche und Toilette bringen dagegen kein Risiko mit sich. 850 Patienten mit dem HIV-Virus gibt es in Südtirol. Rund 500 von ihnen werden im Landeskrankenhaus Bozen betreut, die anderen außerhalb Südtirols. „Wir sind auf Therapie und Betreuung der HIV-Positiven spezialisiert. Es gibt keine Wartezeiten und Notfälle werden sofort versorgt“, unterstrich Elke Maria Erne, Primaria der Infektionsabteilung am Landeskrankenhaus Bozen.

Von Dezember 2018 bis November 2019 gab es in Südtirol 15 neue AIDS-Fälle, davon viele schon in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit. Der Südtiroler Sanitätsbetrieb setzt die neuesten Medikamente ein, die auf dem Markt sind. Bei einer HIV‐Therapie werden immer mehrere Wirkstoffe gleichzeitig verwendet. Diese können auch in einer einzigen Tablette enthalten sein. Regelmäßige Einnahme ist dabei sehr wichtig. Pierpaolo Patrizi von der Caritas berichtete über die soziale und psychologische Betreuung der Patienten. Das Haus Emmaus beherbergt bis zu 14 Personen, „Bahngleis 7“ kümmert sich um HIV-positive Menschen mit einem Abhängigkeitsproblem und der Dienst „Iris“ betreut Menschen mit HIV ambulant. Trotz guter Therapien ist AIDS aber immer noch unheilbar. Raffaele Pristerà vom Verein Pro Positiv rief deshalb alle dazu auf, den Test durchführen zu lassen, denn: „Wer einen Test macht, ermutigt andere Menschen, dies ebenfalls zu tun.“

AUS DEN BEZIRKEN

„Dieser Kongress spiegelt die Zukunft der seelischen Gesundheit unter Berücksichtigung der digitalen Entwicklung wider“, sagte Gastgeber Andreas Conca, Primar der Psychiatrie am Landeskrankenhaus Bozen, einleitend. Namhafte Referenten aus verschiedenen Regionen Italiens berichteten über die rasanten Veränderungen der Gesellschaft. Arbeits-, Alltags- und soziale Lebenswelt seien in ständigem Wandel, was sich auf die psychische Gesundheit der Menschen auswirke. Die Tätigkeit des psychiatrischen Dienstes habe sich grundlegend geändert. Es wurde über Rehabilitation, Psychotherapien, den Einsatz innovativer Radiodiagnosetechniken sowie die neue Analyse von „Big-Data“ gesprochen, welche eine große Herausforderung darstellt und gleichzeitig enorme Chancen bietet, um neue Betreuungswege einzuschlagen. Die psychiatrischen Dienste wollen bei der Modernisierung im Bereich der Psychiatrie zusammenarbeiten. MARIA HECHENSTEINER

FOTO MICHAELA BERGNER

AIDS: Solidarität statt Stigma

Die italienische Vereinigung der Psychiatrie Bozen-Trient traf sich vor kurzem in der EURAC. Im Mittelpunkt stand dabei der gesellschaftliche Wandel.

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Die Psychiatrie der Zukunft schon heute

BOZEN MARIA HECHENSTEINER

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Südtiroler Sanitätsbetrieb, Caritas und Verein Pro Positiv wurden die medizinischen und sozialen Aspekte der Krankheit beleuchtet. HIV-Infizierte haben heute dank moderner Therapien und Medikamente eine fast normale Lebenserwartung. Allerdings erfahren sie immer noch Zurückweisung und Benachteiligung. Dies hält viele Menschen davon ab, einen HIV-Test zu machen. Und AIDS-Patienten können aus demselben Grunde psychisch erkranken.

BOZEN

Der 1. Dezember ist Welt-AIDS-Tag. Zwar ist die Krankheit kein Todesurteil mehr, doch das Stigma bleibt.

Claudio Mencacci (li.) und Andreas Conca

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Seit Juni 2019 ist Roberta Endrighi Koordinatorin des Ambulatoriums der Inneren Medzin sowie des Diabetologischen Dienstes in Bozen. Endrighi ist seit 1987 diplomierte Krankenpflegerin, ihre erste berufliche Station war die Abteilung Kardiologie im Landeskrankenhaus Bozen. Ab 2002 arbeitete Endrighi in der Hauspflege der Gesundheitssprengel Europa und Gries-Quirein, bevor sie 2010 in die Sprengel-Poliambulatorien am Loew-Cadonna-Platz in Bozen wechselte, wo sie auch die Funktion einer Vize-Koordinatorin ausübte. Endrighi verfügt neben einem Diplom als „Counsellor centrato sulla persona 2° livello” über einen Master 1. Grades in “Management per funzioni di coordinamento delle professioni Sanitarie”. Die gebürtige Nonstalerin mag es, in der Natur unterwegs zu sein, lange Spaziergänge und Radfahrten, Tanzen und Lesen. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Das Therapiezentrum Bad Bachgart des Südtiroler Sanitätsbetriebes veranstaltete Anfang Oktober eine Tagung zum Thema „Beziehung“. Es war gleichzeitig der Abschied des Leiters Helmuth Zingerle. Experten aus Deutschland, Österreich und Italien beleuchteten das Tagungsthema aus verschiedenen Blickwinkeln. Auch der Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes Florian Zerzer trat als Referent auf. „Der Mensch als ‚animale sociale‘ ist ohne Beziehung nicht lebensfähig“, schrieb Helmuth Zingerle im Programmheft. Es gehe um „Beziehung zu den Patientinnen und Patienten, zu deren Familien, zu den Netzwerkpartnern.“

FOTO PETER A. SEEBACHER

Es war seine letzte Veranstaltung im Namen des Südtiroler Sanitätsbetriebes. Seit 1. Oktober ist der Leiter von Bad Bachgart nämlich im Ruhestand. „Helmuth Zingerle hat mit dem Aufbau des Therapiezentrums Bad Bachgart großartige Arbeit geleistet“, so Generaldirektor Florian Zerzer. „Der Südtiroler Sanitätsbetrieb konnte damit eine Lücke in der Versorgung der Bevölkerung schließen. Ich danke Helmuth Zingerle für das Geleistete.“ AUTOR

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Laura Rech ist Boznerin und hat 2000 ihr Studium der Pflegewissenschaften an der Fachhochschule für Pflegeberufe Claudiana abgeschlossen. Ab 2000 bis 2008 arbeitete Rech in der Abteilung für Neurochirurgie und in der Notaufnahme des Landeskrankenhauses Bozen sowie in den Poliambulatorien der Abteilung Orthopädie. Von 2016 bis 2018 war Rech stellvertretende Koordinatorin der Poliambulatiorien am Landeskrankenhaus Bozen und absolvierte berufsbegleitend ein Master-Studium. Seit 2019 ist Rech Koordinatorin der Sport- und Arbeitsmedizin. Rech ist Mutter eines 11-jährigen Kindes, dem sie den größten Teil ihrer Freizeit widmet. Daneben pflegt sie ihre Leidenschaft für klassische Musik und Oper und spielt Klavier. Entspannung findet sie auch bei langen Wanderungen in den Bergen und beim Skifahren.

Neue Koordinatorin des Sprengels Gadertal Maddalena Trebo hat 2001 ihre Ausbildung zur Krankenpflegerin an der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana abgeschlossen und arbeitet nun bereits seit mehr als 18 Jahren in diesem Beruf. Im Frühjahr 2019 folgte der erfolgreiche Abschluss eines Masterlehrgangs in Management der Sanitätsberufe. Seit Oktober 2019 ist Trebo Koordinatorin des Gesundheitssprengels Gadertal. In ihrer neuen Funktion als Koordinatorin möchte die neue Koordinatorin vor allem dazu beitragen, die Qualität der Krankenpflege vor Ort weiter zu verbessern. Durch die Implementierung und Förderung von Gesundheitserziehungsprogrammen, Beratungen und gezielte Unterstützung soll die aktive Beteiligung, die Autonomie und das Selbstmanagement der Betreuten und deren Familien gefördert und gestärkt werden. Die Aufwertung der wohnortnahen Palliativpflege, den letzten Lebensabschnitt würdevoll und in erster Linie schmerzfrei in der eigenen gewohnten Umgebung zu ermöglichen, liegt Trebo dabei besonders am Herzen. Maddalena Trebo liebt Reisen, Wandern und Bergsteigen. Die Natur aktiv zu erleben und die Landschaft zu genießen, sagt sie, gebe ihr Kraft. Dabei könne sie Energie tanken, aber auch Freiheit, Entspannung, innere Ruhe und Ausgleich finden. Außerdem interessiert sich Trebo für Kunst und das kulturelle Geschehen im Gadertal.

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„Im Anfang war Beziehung!“

Laura Rech – Sportmedizin

Ausgleich zum hektischen Alltag sucht Platzer in der Natur. In den Bergen und bei sportlichen Aktivitäten schöpfe sie Kraft und kriege den Kopf wieder frei, so Platzer. Sie liebe Heraufforderungen und finde es immer wieder spannend, neue Dinge zu erleben und zu entdecken – sowohl im Beruf als auch im privaten Leben.

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Allen ein Dankeschön, die zum Gelingen dieser gelungenen Feier beigetragen haben, allen voran Egon Gementi, der für die Organisation zuständig war. CL AUDIA PLONER

Roberta Endrighi

Verena Platzer leitet seit Jänner 2019 die Bettenstation Medizin Süd und Ost im Krankenhaus Brixen. Nach ihrem Abschluss an der Fachhochschule für Gesundheit Claudiana in Bozen 2013 war die Abteilung Allgemeine Medizin Platzers erste Arbeitsstation. Später absolvierte sie die Zusatzausbildung Palliativ Care an der Claudiana. Ab 2018 begann Platzer mit der Ausbildung für Leitungs- und Koordinierungsfunktion der Gesundheitsberufe.

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Am 26. Oktober traf sich eine kleine Gruppe von 25 Personen des Jahrgangs 1969 des Gesundheitsbezirks Brixen zu einen gemütlichen Nachmittag. Um 14.00 Uhr ging es los mit einem Aperitiv im Restaurant zur Weißen Lilie in Mühlbach. Weiter ging es zu Fuß zur Mühlbacher Klause. Mit Glockengeläut und nach einer ausführlichen Führung durch die Burg ging es weiter zum Bio-Santerhof zur Weinverkostung. In geselliger Runde wurden verschiedene Weiß- und Rotweine verköstigt. Bei dieser Gelegenheit konnte man gute Gespräche führen und neue Kollegen und Kolleginnen besser kennenlernen. Insgesamt war es geselliger Nachmittag mit bunt gemischten Berufsgruppen und Abteilungen. Bei einem Pizzaessen in der Pizzeria zur Klause ließen die „69“ den Abend ausklingen.

Verena Platzer

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Ein halbes Jahrhundert, das war Grund genug für die 1969 geborenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsbezirks Brixen gemeinsamen einen Nachmittag zu verbringen.

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AUS DEN BEZIRKEN

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BRIXEN

Jahrgangstreffen der 1969er des Gesundheitsbezirks Brixen

Maddalena Trebo ist auf einem Bauernhof in Enneberg aufgewachsen und lebt mit ihrem Partner und der gemeinsamen 10-jährigen Tochter in Abtei.


Bertoli ist seit 1988 Mitarbeiter des Südtiroler Sanitätsbetriebes – zuerst im Krankenhaus Bozen und dann ab 1997 im Krankenhaus und Gesundheitsbezirk Meran. Anfänglich als ärztlicher Leiter in der ärztlichen Direktion, ab 2001 dann als ärztlicher Direktor des Krankenhauses Meran und ab 2007 als stellvertretender Sanitätskoordinator und schließlich ab Oktober 2018 als Sanitätskoordinator des Gesundheitsbezirkes Meran

FOTO PETER A. SEEBACHER

Pierpaolo Bertoli ist nicht nur ein erfahrener Organisator und Verwalter im Gesundheitsbereich, sondern auch ein erfahrener Mediziner. Bertoli ist Facharzt für Hygiene und Präventivmedizin und verfügt über zwei weitere Facharzttitel in den Fächern Orthopädie und Traumatologie sowie Sportmedizin. Daneben hat Bertoli den Lehrgang für Management für Führungskräfte im Gesundheitswesen absolviert sowie einen Master in „Health Care Management“ an der University of Salzburg Business School erworben. Pierpaolo Bertoli war auch langjähriger Mannschaftsarzt des FC Südtirol.

Julia Müller hat im Dezember 2012 ihre Krankenpflegeausbildung an der Fachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana abgeschlossen. 2013 hat Müller ihren Dienst als Krankenpflegerin in der Medizin Ost begonnen, bevor sie im Herbst 2014 Müller auf die Subintensiv wechselte. Seit Juni 2018 ist Müller auch Teil des Venoteams und ist seit Jänner 2019 Koordinatorin der Medizinüberwachung, Onkologie und das Palliative Care Team im Krankenhaus Brixen. 2018 erwarb Müller einen Master in “Terapia endovenosa ed accessi vascolari” an der “Università telematica Pegaso”, seit März 2019 absolviert Müller an der gleichen Universität einen weiteren Master, und zwar in “Management per le funzioni di coordinamento nell’area delle professioni sanitarie”. Julia Müller sagt, die Übernahme von Verantwortung, die aktive Mitarbeit, die Erreichung einer ganzheitlichen und patientenorientierten Pflegequalität und die Optimierung und Aufrechterhaltung der Mitarbeiterzufriedenheit stelle für sie eine große Herausforderung dar, der sie sich gerne stellte. Einmal im Jahr nimmt sie sich Zeit, um aktiv an einem Freiwilligen-Hilfsprojekt vor Ort in Tansania mitzuarbeiten. Müller liebt Reisen, Bergsteigen, Yoga, Bouldern und Sport im Allgemeinen.

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FOTO PRIVAT

Seit 15. September 2019 ist Pierpaolo Bertoli geschäftsführender Sanitätsdirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes.

Massimo Bernardo ist seit 1989 in der Abteilung Geriatrie am Krankenhaus Bozen beschäftigt. Ende Oktober wurde er zum Primar des Dienstes Palliativ Care im Landeskrankenhaus Bozen ernannt. Seit 1999 war Bernardo verantwortlich für die Palliativbetreuung und in dieser Funktion weit über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt. Bernardo ist auch wissenschaftlicher Berater von „Il papavero – der Mohn“, einem Verein, der sich den Anliegen schwerkranker Menschen widmet. 1961 geboren, studierte Massimo Bernardo in Padua Medizin und legte dort die Facharztausbildung in Geriatrie ab. Es folgten Ausbildungskurse zum Thema „Ethik in der Medizin“ und im Jahre 2005 eine Masterausbildung in Palliativmedizin.

Julia Müller, Brixen

Sabine Bampi – Bad Bachgart Die neue Pflegekoordinatorin im Therapiezentrum Bad Bachgart heißt Sabine Bampi. Ihre Pflegekarriere begann Bampi 2003 an der Universitätsklinik Innsbruck, wo sie bis 2011 als Krankenpflegerin auf der Strahlenstation beschäftigt war. Später wechselte Bampi auf die Abteilung Onkologie des Landeskrankenhauses in Natters, Tirol, anschließend kehrte sie nach Südtirol zurück und arbeitete auf der Palliativstation der Senioren- und Pflegeresidenz Martinsbrunn in Meran. Seit 2011 ist Bampi für den Südtiroler Sanitätsbetrieb tätig und arbeitet als Krankenpflegerin im Therapiezentrum Bad Bachgart. Daneben hat Bampi auch am Aufbau des palliativen Konsiliardienstes im Krankenhaus Brixen mitgewirkt. Neben einem Abschluss des Laureatstudiengangs für Krankenpflege an der Universität Verona umfasst Bampis berufliche Ausbildung eine Abschluss in Pain Nurse, eine Ausbildung zur Co-Therapeutin sowie einen Master in Palliative Care.

FOTO PRIVAT

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Geschäftsführender Sanitätsdirektor

Palliativ Care Bozen

PERSONALIA

Michael Aigner führt seit Mai 2019 die Abteilung Urologie im Krankenhaus Brixen. Aigner ist seit 1999 nahezu durchgehend im Krankenhaus Brixen tätig und bekleidet seit 2010, mit kurzen Unterbrechungen, die Position des Primarstellvertreters beziehungsweise die des geschäftsführenden Primars für Urologie. Aigner hat 1998 sein Medizinstudium in Innsbruck abgeschlossen und seine Facharztausbildung in Brixen und Bregenz (A) absolviert und sich einen hohen Spezialisierungsgrad in der Chirurgie des Prostatakarzinoms mit offener und laparoskopischer Operationstechnik angeeignet. In die Zuständigkeiten des Primars für Urologie des Krankenhauses Brixen fällt auch die Betreuung von Patienten in den Krankenhäusern Sterzing, Bruneck und Innichen.

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Martin Patscheider wird ab Jänner 2020 die Geschicke der HNO-Abteilung des Krankenhauses Brixen in seine Hände nehmen. Patscheider war seit 2005 im Bereich der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde im Klinikum Großhadern in München in verschiedenen Funktionen tätig. Seit der Erlangung des Facharzttitel für HNO im Jahre 2011 war er dort als Oberarzt tätig. Neben seiner klinischen Tätigkeit baute er die schlafchirurgische Sprechstunde als Leiter des interdisziplinären Schlaflabors des Universitätsklinikums auf. Weitere seiner Arbeitsschwerpunkte sind die Mikrochirurgie des Ohres sowie die Behandlung von Tumoren des oberen Luft-Speiseweges. Besonders die Wiederherstellung von Funktionen, wie beispielsweise bei hörgeschädigten Menschen mittels mikroskopischer Mittelohrchirurgie und Implantaten, haben Patscheider seit jeher begeistert.

Michael Aigner

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Martin Patscheider – HNO Brixen

Natur und die Bergen haben es Bampi angetan und im Winter ist sie gerne mit Tourenskis unterwegs. Sie ist alleinerziehende Mutter einer 11-jährigen Tochter und hat sich ein Motto Buddhas zu eigen gemacht: „Lächle, und die Welt verändert sich“. one # 03/19


+184%

131,5 Mio. PERSONALIA

46,8 Mio. 2019

2050

Nach Schätzungen von „Alzheimer´s Disease International“ sind weltweit zirka 46,8 Millionen Menschen von Demenz betroffen - und jedes Jahr kommen rund 7,7 Millionen Neuerkrankungen hinzu. Durch eine weltweit steigende Lebenserwartung - vor allem im amerikanischen, europäischen und im asiatischen Raum - steigt die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit der Menschen an Demenz zu erkranken deutlich an. Ein solcher Anstieg würde bedeuten, dass sich die Zahl der Kranken in Zukunft beinahe verdreifacht und es 2050 rund 131,5 Millionen Demenzpatienten gibt. Dies wäre ein Anstieg um 184 Prozent! Mit Demenzerkrankungen sind nicht nur persönliches und familiäres Leid verbunden, sondern auch gesellschaftliche Kosten, die die nationalen Gesundheits- und Sozialsysteme schwer belasten. Auf die Europäische Union bezogen warnte die Gesellschaft Alzheimer´s Disease International vor den Kosten für die Langzeitpflege von Patienten und Patientinnen bis zum Jahr 2060, die rund 2,5 Prozent des gesamten Bruttoinlandsproduktes der EU-Länder ausmachen könnten. Auch für die USA sieht es nicht besser aus: Sollten sich sowohl Therapie- als auch Behandlungsmöglichkeiten in den nächsten Jahren nicht deutlich verbessern, könnten dort allein die Kosten für Alzheimerpatienten bis zum Jahr 2050 auf jährlich 1,07 Billionen US-Dollar anwachsen. (PAS) QUELLE: WWW.STATISTA .COM

1,07 Bil. $

2,5% BIP

Europa 2060

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USA 2050

Siglinde Rottensteiner besetzt ebenfalls seit August 2019 die neu geschaffene Stabstelle für wohnortnahe Versorgung. Rottensteiner verfügt über ein Universitätsdiplom im Lehrgang Krankenpflege sowie einen Master 1. Grades für die Pflege in der Geriatrie, beides erworben an der Fachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana. Rottensteiner ist seit 2002 im Südtiroler Sanitätsbetrieb tätig, unter anderem von 2014 bis 2016 als Vizekoordinatorin der Abteilung Hospice-Palliativstation im Landeskrankenhaus Bozen und anschließend als Krankenpflegerin im mobilen Palliativ-Care-Team. Rottensteiner ist auch Mitglied der Arbeitsgruppe Schmerzmanagement in den Seniorenwohnheimen.

2014 schloss Ruzzante sein Studium der Pflegewissenschaft an der Claudiana in Bozen ab und kehrte als Krankenpfleger zum Südtiroler Sanitätsbetrieb zurück – zuerst beschäftigt im Gesundheitsbezirk Bruneck, dann in Brixen und schließlich von 2015 bis 2019 in der Notaufnahme im Landeskrankenhaus Bozen. Seit 1. April 2019 ist Ruzzante nun Pflegekoordinator der Abteilung Allgemeine Chirurgie. Davide Ruzzante liebt die Berge und das Reisen, ist verheiratet und hat einen wenige Monate alten Sohn.

Martin Maffei Primar der onkologische Strahlentherapie Ende Oktober 2019 wurde Martin Maffei zum Primar der onkologischen Strahlentherapie ernannt. Maffei hatte bereits in den vergangenen als Verantwortlicher die Einrichtung geführt.

Ivana Gutwenger Ivana Gutwenger ist seit September 2019 Primaria der Abteilung Anästhesie und Wiederbelebung im Krankenhaus Brixen. Gutwenger war bereits seit Oktober 2017 für die Organisation der Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin im Krankenhaus Brixen verantwortlich und seit Februar 2019 als geschäftsführende Direktorin dieser Abteilung tätig. Gutwenger promovierte 2002 an der medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck. Die gesamte Facharztausbildung für Anästhesiologie absolvierte sie im akademischen Lehrkrankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg. Nach einem kurzen Aufenthalt als Fachärztin im Krankenhaus Brixen kehrte sie nach Regensburg zurück, wo sie bis 2017 als Oberärztin in allen Bereichen der Anästhesie mit Schwerpunkt Intensivmedizin tätig war. Neben dem Facharzttitel verfügt Gutwenger über die Zusatzqualifikationen Notfallmedizin, Intensivmedizin, ein Masterstudium in Schmerzmedizin sowie das Zertifikat OP-Management.

Martin Maffei, Jahrgang 1977, hat in Innsbruck und Bologna studiert und ist Facharzt für Strahlentherapie und Radioonkologie. Seine Aus- und Fortbildungsstationen führten ihn an verschiedene europäische Einrichtungen. Seit 2014 ist er Vize-Primar des Dienstes für onkologische Strahlentherapie, seit 2018 war er geschäftsführender Primar. In dieser Eigenschaft war es ihm gelungen, hochkarätige Experten für Kongresse und Schulungen nach Bozen zu holen.

FOTO SABES

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Die häufigste Form der Demenz ist Alzheimer. Die Krankheit tritt in den meisten Fällen erst ab dem 60. Lebensjahr auf, wobei Frauen ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko haben. Eine zentrale Rolle spielen dabei die höhere Lebenserwartung sowie ein weibliches Sexualhormon, das Östrogen.

Davide Ruzzante ist mit Unterbrechung bereits seit 2006 Mitarbeiter des Südtiroler Sanitätsbetriebes. Bis 2013 war Ruzzante als Pflegehelfer im Operationssaal und Patiententransport im Krankenhaus Brixen tätig. Danach arbeitete Davide Ruzzante für den Verein La Strada – Der Weg und später für die Sozialdienste des Eisacktales.

FOTO PRIVAT

Der Sammelbegriff Demenz beschreibt chronische Erkrankungen des Gehirns, die mit einem schleichenden Verfall kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten zusammenfallen. Die Folge ist meistens eine Pflegebedürftigkeit.

Verena Fink (re.) hat mit August 2019 die Stabstelle für Organisations- und Prozessentwicklung übernommen. Fink ist ausgebildete Physiotherapeutin, hat eine „Laurea Specialistica per le Professioni sanitarie in scienze della riabilitazione“, erworben an der Universität Ferrara, sowie jeweils einen Master 1. Grades in „Metodi e modelli di tuttoraggio nelle professioni sanitarie” (Universität Verona) und „Management e funzioni di coordinamento delle professioni sanitarie” (Unitelma Sapienza, Rom). Fink ist bereits seit 1992 Mitarbeiterin des Südtiroler Sanitätsbetriebes, seit Jahren Referentin an der Fachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana und war in den vergangenen fünf Jahren Vizekoordinatorin des Dienstes für Rehabilitation im Gesundheitsbezirk Bozen.

FOTO PETER A. SEEBACHER

Demenz

Davide Ruzzante

FOTO PRIVAT

Stabsstellen neu besetzt

INFOGRAFIK


Foscarin hat ihren Abschluss in Krankenpflege im Jahr 2000 an der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana gemacht. Danach arbeitete Foscarin acht Jahre in der Abteilung für Allgemeinchirurgie und zwei Jahre in der Abteilung für Nephrologie am Landeskrankenhaus Bozen. Anschließend war Foscarin sechs Jahren lang Pflegedienstleiterin der Seniorenresidenz Villa Serena der Sozialdienste Bozen und konnte dort Erfahrungen im Sozial-, Organisations- und Personalmanagement zu machen.

FOTO VERONICA BRUNNER

Seit August 2019 ist Christan Dejaco Primar des landesweiten Rheumatologischen Dienstes. Dejaco ist seit 2017 im Südtiroler Sanitätsbetrieb tätig und leitete bisher den landesweiten Rheumatologischen Dienst – als noch „einfache Struktur“- mit Sitz im Krankenhaus Bruneck. Dejaco ist 1980 in Bruneck geboren und in Olang aufgewachsen. Sein Studium der Medizin (1999-2004) schloss er an der Medizinischen Universität Innsbruck ab, danach folgte bis 2007 ein Doktoratstudium der Medizinischen Wissenschaften (Ph.D.). Seine Facharztausbildung für Innere Medizin absolvierte er an der Medizinischen Universität Innsbruck, am Krankenhaus Elisabethinen Klagenfurt sowie an der Medizinischen Universität Graz. An letzterer absolvierte Dejaco auch ein Masterstudium of Business Administration in Health Care and Hospital Management (MBA). Seine Additivfacharztausbildung in Rheumatologie erfolgte ebenfalls an der Medizinischen Universität Graz. Von 2011 bis 2016 war Christian Dejaco Oberarzt an der Abteilung für Rheumatologie der Universitätsklinik Graz, unterbrochen von mehrmonatigen Auslands-Aufenthalten als Research fellow and Honorary Consultant am Southend University Hospital in Essex (GB) sowie als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Charitè in Berlin (D). Dejaco ist Privatdozent sowie Assozierter Professor an der Medizinischen Universität Graz.

FOTO PRIVAT

Landesweiter Rheumatologischer Dienst

Gilbert Spizzo Gilbert Spizzo ist seit April2019 Primar der Abteilung Innere Medizin, Onkologie und Hämatologie im Krankenhaus Brixen. Spizzo hatte zwischen 2007 bis 2017 die Position eines Oberarztes an der Interdisziplinären Internistischen Tagesklinik des Krankenhauses in Meran inne und wurde unter anderem vom Südtiroler Sanitätsbetrieb mit der Erstellung und Umsetzung eines Konzeptes für die Integration klinischer Forschung auf Betriebsebene beauftragt. Spizzo hat im Jahre 2000 an der Universität Innsbruck promoviert und dort auch seine Facharztausbildung abgeschlossen. Während seiner klinischen Tätigkeit an der Universität Innsbruck setzte Spizzo seine wissenschaftlichen Aktivitäten fort und baute eine eigene wissenschaftliche Arbeitsgruppe auf, leitete das Labor für Experimentelle Onkologie und publizierte zahlreiche Arbeiten in medizinischen Fachzeitschriften. Zudem war Spizzo für das klinische Studienprogramm im Bereich der soliden Tumore verantwortlich und koordinierte unter anderem. eine österreichweite, multizentrische und interdisziplinäre Magenkrebs-Studie. Im Jahre 2007 verlieh die Medizinische Universität Innsbruck Gilbert Spizzo aufgrund seiner fachärztlichen Expertise und seiner Forschungsarbeiten die Venia legendi als Dozent für Innere Medizin.

Seit dem 1. Juli 2019 ist Daniela Chiocchi Koordinatorin der Abteilung Neurochirurgie im Landeskrankenhaus Bozen. Die gebürtige Boznerin lebt in Verona und pendelt seit elf Jahren in die Landeshauptstadt, um das zu tun, was ihr am besten gefällt: Krankenpflegerin sein. Chiocchi absolvierte ihre Ausbildung an der Berufskrankenpflegeschule St. Franziskus in Bozen und begann 1995 ihre Pflegekarriere in der Abteilung für Neurochirurgie des Landeskrankenhauses Bozen. Nach dem Abschluss des Diploms „Tecnico della Gestione Aziendale” im Jahr 2000 absolvierte Chiocchi 2014 einen Masterstudiengang in „Management und Koordination von Gesundheitsberufen“.

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Neurochirurgie Bozen mit neuer Koordinatorin

Mikroplastik im Bauch Wie heißt es so schön? Der Mensch ist, was er isst. Und was passiert, wenn er Kunststoff isst, so wie es eine neue Studie behauptet? Laut einer im Auftrag des WWF (World Wildlife Fund) durchgeführten Studie der University of Newcastle in Australien nimmt jeder Mensch pro Woche im Durchschnitt eine kreditkartengroße Menge an Mikroplastik zu sich (Mikroplastikpartikel sind kleinste Plastikteilchen, deren Größe von für das Auge kaum noch erkennbaren Mikrometern bis zu fünf Millimeter reicht). Das entspricht etwa 21 Gramm Plastik pro Monat und etwas mehr als 250 Gramm Plastik im Jahr. Wie gelangen diese Mengen in unseren Körper? Durch den Zerfall von Plastik entstehen Mikroplastikpartikel, die die Luft, unsere Nahrung und das Wasser belasten. Laut der Studie enthält besonders Wasser aus Kunststoffflaschen nicht selten größere Mengen an Plastik, aber auch das Leitungswasser sei einer der Hauptfaktoren für den hohen unfreiwilligen Plastikverzehr. Allerdings gäbe es große geographische Unterschiede.

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Seit 1. Februar 2019 ist Alessia Foscarin Koordinatorin der Augenabteilung am Landeskrankenhaus Bozen.

GESUNDHEIT IM NETZ PETER A. SEEBACHER

GESUNDHEIT IM NETZ

Koordinatorin der Augenabteilung

Global gesehen ist das Problem der Plastikverschmutzung enorm. Die Frage ist, wie sich die Plastikpartikel im menschlichen Körper auf die Gesundheit auswirkt. Ob und inwiefern diese Partikel Gesundheit und Körper beeinflussen ist derzeit noch unklar und nicht erforscht. Alastair Grant, Professor der University of East Anglia, sieht die Lage als wenig besorgniserregend und schätzt ein erhöhtes Gesundheitsrisiko aufgrund des Plastikverzehrs als gering ein. „Ich glaube kaum, dass bewiesen werden kann, dass die Aufnahme von Plastikpartikeln in den dargestellten Mengen ein Gesundheitsrisiko darstellt“, schränkt Grant ein. Ob und wie weit der Professor mit seiner Vermutung Recht behält, wird die Zukunft zeigen. Den Bericht zur Studie und den ganzen Artikel finden Sie unter diesem Link (Englisch) https://www.newcastle.edu. au/newsroom/featured/plastic-ingestionby-people-could-be-equating-to-a-creditcard-a-week one # 03/19


Homepage: www.sabes.it Erstvisiten vormerken (Allgemeinchirurgie, Augenheilkunde, Dermatologie, HNO, Kardiologie, Physiatrie, Urologie und Neurologie, sowie die Leistungen Koloskopie und Röntgen): www.sabes.it/onlinevormerkung Wo sind Leistungen am schnellsten verfügbar?: www.sabes.it/vormerkzeiten Stellenangebote, Neuigkeiten zu Behandlungsmethoden, Vormerkungsmodalitäten, Dienste in Ambulatorien/Abteilungen: www.sabes.it/news Praktische Tipps zur Gesundheit: www.sabes.it/gesundheitsvorsorge Diese Ausgabe digital und online: SÜDTIROLER SANITÄTSBETRIEB ONLINE

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